Freitag der 9. Woche im Jahreskreis

2 Tim 3,10-17; Ps 119,157 u. 160.161 u. 165.166 u. 168; Mk 12,35-37

2 Tim 3
10 Du aber bist mir gefolgt in der Lehre, im Leben und Streben, im Glauben, in der Langmut, der Liebe und der Ausdauer,

11 in den Verfolgungen und Leiden, denen ich in Antiochia, Ikonion und Lystra ausgesetzt war. Welche Verfolgungen habe ich erduldet! Und aus allen hat der Herr mich errettet.
12 Aber auch alle, die in der Gemeinschaft mit Christus Jesus ein frommes Leben führen wollen, werden verfolgt werden.
13 Böse Menschen und Schwindler dagegen werden immer mehr in das Böse hineingeraten; sie sind betrogene Betrüger.
14 Du aber bleibe bei dem, was du gelernt und wovon du dich überzeugt hast. Du weißt, von wem du es gelernt hast;
15 denn du kennst von Kindheit an die heiligen Schriften, die dich weise machen können zum Heil durch den Glauben an Christus Jesus.
16 Jede Schrift ist, als von Gott eingegeben, auch nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit,
17 damit der Mensch Gottes gerüstet ist, ausgerüstet zu jedem guten Werk.

Im heutigen Abschnitt aus dem zweiten Timotheusbrief, den wir in diesen Tagen hören, geht es um das Vorbild des Apostels Paulus. Die Situation ist immer noch dieselbe – es geht um Schwierigkeiten des Timotheus in Ephesus, bei denen Paulus in Fesseln des Gefängnisses liegend Abhilfe schaffen möchte.
So erinnert er sein „geliebtes Kind“ daran, wie er ihm gefolgt ist in der Lehre, im Leben und Streben etc. Er hat alles gehört, was Paulus gepredigt hat und auch mit welchen Methoden. Er hat dessen Lebenswandel ganz live miterlebt – seine Hingabe an die Heiden, auf dass auch sie geliebte Kinder werden mögen. Paulus hat viel erlitten – „Verfolgungen und Leiden“. Sie haben zusammen so einige Widerstände und Katastrophen durchgestanden. Die Strecken, die sie zurückgelegt haben, waren alles andere als sicher, komfortabel oder schnell zurückgelegt. Und dann sind sie zu allem Überfluss nicht willkommen geheißen worden. Wie oft wurde ihnen eine Tür zugeschlagen! Paulus ist sogar gesteinigt worden, hat aber überlebt. Wie schmerzhaft war es, von den eigenen Glaubensgeschwistern so abgelehnt zu werden! Wie sehr haben die Juden in Antiochien, Lystra und Ikonion gegen sie gehetzt! Sie wollten den Menschen nur das Heil bringen, doch sie wurden wie die schlimmsten Verbrecher fortgejagt.
Paulus schreibt ihm das alles, um ihn an die Tiefpunkte seines Lebens zu erinnern, aus denen Gott ihn jedesmal wieder herausgeholt hat. Wenn er schon einen einfachen Mann, der sich selbst „Missgeburt“ genannt hat, vor dem Tod durch Steinigung bewahrt hat, umso wie viel mehr wird er dann dem ersten Bischof von Ephesus bei seinen Problemen helfen!
Paulus deutet an, dass alle ein solches Leben erwartet, „die in der Gemeinschaft mit Christus ein frommes Leben führen wollen.“ Der Böse versucht alles, um die Seele aus dem Stand der Gnade herauszureißen. Was er nicht haben kann, gönnt er auch keinem Menschen. Umso mehr bedient er sich anderer, die als sein Werkzeug alles daran setzen, die Gläubigen leiden zu lassen.
Und wer sich dem Bösen verschreibt, wird sich immer weiter in seinen Sog begeben. Vielleicht bezieht sich diese Andeutung ja auf die bösen Einflüsse in Ephesus, mit denen sich Timotheus dort herumplagen muss. Entscheidend ist, was Paulus ihm hier sagt: „Du aber bleibe bei dem, was du gelernt und wovon du dich überzeugt hast.“ Auch hier sehen wir wieder eine Analogie zu den Abschiedsreden Jesu, in denen Jesus unter anderem sagt: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich.“ Wie der sich verabschiedende Jesus sagt Paulus Timotheus zu, dass er in solchen Zeiten der Verunsicherung bei seiner Glaubensüberzeugung bleiben soll. Er weiß schließlich, woher er es hat. Das ist Zeichen der Wahrheit. Sie ist von Gott geoffenbart und so ist ihre Quelle bekannt. Dagegen scheint Timotheus von kursierenden Lehren oder Angriffen auf theologischer Ebene verunsichert, bei denen der Ursprung nicht bekannt ist. In Kapitel 6 wird explizit gesagt, gegen welche Lehren er sich verteidigen muss – die der Gnosis.
Timotheus ist in der Schrift fest verankert, denn seine Mutter war eine Jüdin, die dann zum Christentum konvertiert ist. Die Heiligen Schriften meinen zu jener Zeit noch nicht den neutestamentlichen Kanon, sondern vielmehr die Schriften der Juden. Sie offenbaren den einen Gott und auch die messianischen Verheißungen, die sich in Jesus Christus erfüllt haben. Sie sind ein Maßstab gegen Häresien, zugleich für seine bischöfliche Lehrtätigkeit und Pastoral. Dadurch, dass jede Schrift von Gott eingegeben ist (gemeint ist jede Schriftstelle), hat sie eine unvergleichlich hohe Autorität.
So dient sie zur Belehrung, Widerlegung, Besserung (vor allem der Gnostiker) und zur Erziehung in Gerechtigkeit. So ist sie die beste Waffe gegen die Gnostiker, deren Lehre nicht göttlich inspiriert ist, also dem Wort Gottes nicht standhalten kann.
Die Schriften sind die beste Ausrüstung für den Geistlichen, um wiederum die Gläubigen auszurüsten für jedes gute Werk. Zu diesen ist der Mensch ausgerüstet, wenn eine ethische Unterweisung des Geistlichen ihn dazu angehalten hat.
Paulus gibt sich jede erdenkliche Mühe, den Bischof zu ermutigen. Wie sehr bräuchten auch in unserer Zeit die Geistlichen so eine Ermutigung, wo sie sich wirklich um den authentischen Glauben bemühen, aber auf so viele Widerstände treffen!

Ps 119
157 Groß ist die Zahl meiner Verfolger und Bedränger, doch ich bin nicht abgewichen von deinen Zeugnissen.

160 Das Wesen deines Wortes ist Treue, jeder Entscheid deiner Gerechtigkeit hat Bestand auf ewig.
161 Fürsten verfolgten mich grundlos, doch mein Herz erbebt nur vor deinem Wort.
165 Frieden in Fülle empfangen, die deine Weisung lieben, für sie gibt es keinen Anstoß zum Straucheln.
166 HERR, ich hoffe auf die Rettung durch dich und ich erfülle deine Gebote.
168 Ich beachtete deine Befehle und deine Zeugnisse, denn alle meine Wege liegen offen vor dir.

Die Probleme von Christusgläubigen wird auch im Psalm thematisiert. Der Ausschnitt stammt aus dem längsten Psalm des Alten Testaments und mit dem Titel in der Einheitsübersetzung geführt wird: „Lebenslanger Wandel in der Weisung des HERRN.“ Das ist genau das Thema. Wir beten also einen Psalm, der auf den Lippen des Paulus zu hören sind. Er liegt in Ketten, ist ein alter Mann geworden, der etliche Kilometer zu Fuß zurückgelegt hat für den Herrn. Er hat wirklich einen lebenslangen Weg mit ihm und für ihn beschritten.
Er kann wirklich beten: „Groß ist die Zahl meiner Verfolger und Bedränger“ und zugleich hat er sich nichts zuschulden kommen lassen – man bedenke, nach seiner großen Bekehrung…
„Das Wesen deines Wortes ist Treue“ und das ist Christus, der treue Zeuge. Er ist das fleischgewordene Wort. Gottes Wesen ist von dieser absoluten Treue geprägt. Er hält sein Versprechen immer. Und wenn der Mensch als sein Bündnispartner auch untreu wird – er hält an ihm fest. Was Gott entscheidet, hat auf ewig Bestand. Sein Bund endet nie. Seine Gesetze sind unveränderlich.
Der Psalmist versichert Gott, ihm auch treu zu sein wie Gott ihm gegenüber. Und wenn auch Fürsten ihn grundlos verfolgen, so kümmert es den Psalmisten nur, was Gott spricht. Das Erbeben des Herzens ist eine Berührung des innersten Kerns. Der Mensch prallt von sich ab, was weltliche Herrscher ihm antun wollen oder wie feindselig die Mitmenschen eingestellt sind. Das einzige, was ihn mitten ins Herz trifft, ist das Wort Gottes.
Wer sich an Gottes Weisung hält, hat wirklich ein Leben in Fülle. Lesen wir dies mit christlichen Augen, erkennen wir, dass das Endziel aber nicht bei der Weisung in Buchstabenform erreicht ist (mit „Weisung“ ist die Torah gemeint). Vielmehr denken wir weiter an die Person gewordene Torah, die Jesus Christus ist. Er kann wirklich ein Leben in Fülle schenken, indem er den Vater ganz authentisch und mit seinem ganzen Wesen auslegt und uns in die Gemeinschaft der Liebe der Heiligsten Dreifaltigkeit hinein nimmt. Er schenkt die Fülle des Lebens durch das lebendige Wasser, den Heiligen Geist. Und wer nicht nur die Weisung hält, sondern in Liebesbeziehung mit dem fleischgewordenen Wort lebt, wird keinen Anstoß zum Straucheln haben. Leben wir in der Liebe Gottes und infolge dessen nach seinen Geboten, sind wir im Stand der Gnade.
Paulus befindet sich in einer ausweglosen Lage und doch hofft er auf die Rettung Gottes. Immer wieder hat er seinen missionarischen Dienst als Sklavendienst und sich selbst als Knecht Jesu Christi verstanden. Nun ist er es wortwörtlich geworden.
Gott weiß alles, unsere Wege liegen offen vor ihm. Wir brauchen ihm nichts vorzumachen.
Im Psalm kommt ein Tun-Ergehen-Zusammenhang zutage: Wenn wir die Gebote halten, geht es uns gut. Deshalb versichert der Psalmist mehrfach, dass er die Gebote gehalten hat. Und doch erleidet er Verfolgung und Not. So müssen zu allen Zeiten jene, die Gott treu nachfolgen, dennoch leiden.

Mk 12
35 Als Jesus im Tempel lehrte, sagte er: Wie können die Schriftgelehrten behaupten, der Christus sei der Sohn Davids?
36 Denn David hat, vom Heiligen Geist erfüllt, selbst gesagt: Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich mir zur Rechten, bis ich dir deine Feinde unter die Füße lege!
37 David selbst also nennt ihn Herr. Wie kann er dann sein Sohn sein? Es war eine große Menschenmenge versammelt und hörte ihm mit Freude zu.

Das Evangelium ist heute sehr kurz, doch ein freudiger Abschluss der heutigen Tageslesungen: Jesus lehrt wie so oft im Tempel und die Menschen hören ihm mit Freude zu. Er erklärt: „Wie können die Schriftgelehrten behaupten, der Christus sei der Sohn Davids?“ Das ist eine provokative Frage, denn das ist ja auch wahr. Jesus ist ja der Sohn Davids in der Hinsicht, dass er ein Nachkomme aus dessen Sippe ist. Jesus beginnt damit aber ein wichtiges Argument: „Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich mir zur Rechten, bis ich dir deine Feinde unter die Füße lege!“ Hier zitiert Jesus Ps 110,1, um zu sagen, dass David Jesus als seinen Herrn anspricht – tausend Jahre vor dessen Menschwerdung! Jemand, der aber tausend Jahre jünger ist als man selbst, sollte doch nicht als Herr angesprochen werden, sondern eher umgekehrt. Was möchte Jesus also damit sagen? In seiner Menschheit ist Jesus „Sohn Davids“. Er kommt im Stammbaum viel später und in der Antike gilt, dass je älter man ist, desto mehr Autorität man besitzt. Aber in seiner Gottheit ist Jesus schon vor aller Zeit! Er ist nicht nur älter als David, sondern früher als die gesamte Schöpfung! So besitzt er unendlich viel größere Autorität. Konkret drückt sie sich darin aus, dass Gott seinem Sohn den Platz zu seiner Rechten im Himmelreich zuteilt! David hat vom Heiligen Geist erfüllt Jesus selbst als Herrn angesprochen.
Jesus erklärt dies also, um die Menschen für seine wahre Identität zu sensibilisieren. Gerade die Schriftgelehrten und Pharisäer erkennen seine Gottheit nicht. Sie echauffieren sich regelmäßig über sein Auftreten mit göttlicher Vollmacht. Doch die Menschenmenge ist offen für seine Worte. Und wenn Christus so eine ungleich größere Autorität hat als die Welt, wovor muss der Jünger in seiner Nachfolge sich noch fürchten?

Hier findet eine freudige Missionssituation statt. Sonst trifft es auch Jesus und die Menschen jagen ihn zum Abgrund oder heben schon die Steine zum Wurf. Im Laufe der Evangelisierung erwarten einen solche und solche Reaktionen. Was auch immer kommt, wenn es um des Himmelreiches willen und aus Liebe zum dreifaltigen Gott geschieht, erhält das ganze Wirken einen Sinn.

Ihre Magstrauss

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