Dienstag der 12. Woche im Jahreskreis

2 Kön 19,9b-11.14-21.31-35a.36; Ps 48,2-3b.3c-4.10-11; Mt 7,6.12-14

2 Kön 19
9 Sanherib sandte erneut Boten zu Hiskija, um ihm zu sagen:
10 So sollt ihr zu Hiskija, dem König von Juda, sagen: Dein Gott täusche dich nicht, auf den du vertraust, wenn du sagst: Jerusalem wird nicht in die Hand des Königs von Assur gegeben werden.
11 Siehe, du hast doch gehört, was die Könige von Assur mit allen Ländern gemacht haben. Sie haben an ihnen den Bann vollzogen. Und du solltest gerettet werden?
14 Hiskija nahm das Schreiben von den Boten in Empfang und las es. Dann ging er zum Haus des HERRN hinauf, breitete das Schreiben vor dem HERRN aus
15 und betete vor dem HERRN; er sagte: HERR, Gott Israels, der über den Kerubim thront, du allein bist der Gott aller Reiche der Erde. Du hast den Himmel und die Erde gemacht.
16 Neige, HERR, dein Ohr und höre! Öffne, HERR, deine Augen und sieh her! Höre die Worte Sanheribs, der seinen Boten hergesandt hat, um den lebendigen Gott zu verhöhnen.
17 Es ist wahr, HERR, die Könige von Assur haben die Völker vernichtet, ihre Länder verwüstet
18 und ihre Götter ins Feuer geworfen. Denn das waren keine Götter, sondern Werke von Menschenhand, aus Holz und Stein; darum konnte man sie vernichten.
19 Nun aber, HERR, unser Gott, rette uns aus seiner Hand, damit alle Reiche der Erde erkennen, dass du, HERR, Gott bist, du allein!
20 Jesaja, der Sohn des Amoz, schickte zu Hiskija und ließ ihm sagen: So spricht der HERR, der Gott Israels: Du hast zu mir wegen Sanherib, des Königs von Assur, gebetet. Ich habe es gehört.
21 Das ist das Wort, das der HERR über ihn gesprochen hat: Dich verachtet, dich verspottet die Jungfrau, die Tochter Zion. Hinter dir schüttelt die Tochter Jerusalem den Kopf über dich.
31 Denn von Jerusalem wird ein Rest ausziehen, vom Berg Zion ziehen die Geretteten hinaus. Der Eifer des HERRN wird das vollbringen.
32 Darum – so spricht der HERR über den König von Assur: Er wird nicht in diese Stadt eindringen; er wird keinen einzigen Pfeil hineinschießen, er wird nicht unter dem Schutz seines Schildes gegen sie anrennen und keinen Wall gegen sie aufschütten.
33 Auf dem Weg, auf dem er gekommen ist, wird er wieder zurückkehren. Aber in diese Stadt wird er nicht eindringen – Spruch des HERRN.
34 Ich werde diese Stadt beschützen und retten, um meinetwillen und um meines Knechtes David willen.
35 In jener Nacht zog der Engel des HERRN aus und erschlug im Lager der Assyrer hundertfünfundachtzigtausend Mann.
36 Da brach Sanherib, der König von Assur, auf und kehrte in sein Land zurück. Er blieb in Ninive.

Gestern ging es in der Lesung um die Israeliten des Nordreiches. Aufgrund ihres Götzendienstes und der Taubheit gegenüber prophetischen Warnrufen ließ Gott zu, dass die Assyrer das Nordreich einnahmen und die Israeliten deportierten. In der heutigen Lesung geht es um die Israeliten des Südreiches. Wir hören von König Hiskija, einem sehr frommen König, der eine Kultreform durchführte. Er ließ alle Kulthöhen, Pfähle, Heiligtümer zerstören, damit nur noch der eine Gott JHWH angebetet werde. Es ist aber so, dass die Assyrer nun auch Juda bedrängen und es in Besitz nehmen wollen. Hiskija betet zum Herrn und trägt zerrissene Kleider. Er nimmt eine Bußhaltung ein und sein Gebet wird erhört. Der Prophet Jesaja übermittelt ihm die Botschaft von Gott, dass der assyrische König Sanherib aufgrund eines Gerüchtes von Juda ablassen werde.
Was nun passiert, hören wir in der Lesung: Sanherib übermittelt dem König von Juda die Botschaft, dass er nicht auf seinen Gott vertrauen soll, weil dieser nichts gegen ihn ausrichten kann. Er vergleicht die Situation mit allen anderen Völkern ringum, die den Assyrern zum Opfer gefallen sind. Hiskija reagiert nicht mit Panik, sondern bringt das Schreiben betend vor Gott ins Heiligtum. Er reagiert wie König David, der sich in Notsituationen mit ganzer Kraft an Gott geklammert hat. So betet er ein psalmenartiges Bittgebet, bei dem er Gott als den Schöpfer des Himmels und der Erde bezeichnet. Dann bittet er um Rettung Gottes. Er hält mit ihm Zwiesprache, bei der er die Sache Geschehnisse reflektiert. Dabei erkennen wir, dass Hiskija den entscheidenden Unterschied begriffen hat: Assur konnte all die anderen Völker unterdrücken und ihre Götterbilder verbrennen, weil es ja keine echten Götter sind, sondern Götzen, Nichtigkeiten. Das Königreich Juda ist betet aber den einen wahren Gott an, den Schöpfer des Himmels und der Erde und den Allherrscher.
Sein vertrauensvolles Gebet wird erhört. Wieder empfängt Jesaja eine Botschaft für den König mit der Bestätigung: „Ich habe es gehört.“ Gott ist unsere Not nicht egal. Er hört unser Rufen und rettet uns aus der Notsituation. Weil Hiskija sich ihm ganz anvertraut hat, antwortet dieser über Jesaja, dass die Assyrer Jerusalem nicht einnehmen werden. Vielmehr wird der König von Assur auf demselben Weg wieder zurückkehren. Gott wird Jerusalem um Davids willen beschützen. So sehr liebt Gott David, dass er ihm zuliebe Jerusalem beschützt!
Es kommt tatsächlich so, wie Gott es versprochen hat, weil der Engel des HERRN in der Nacht 185.000 Assyrer erschlägt. Sanherib zieht zurück in seine Heimat, weil er wohl die Hand des Gottes der Israeliten realisiert hat. So wird Juda gerettet. Alles hing vom Glauben des Königs ab, der sein ganzes Vertrauen auf Gott gesetzt hat. Das ist der Unterschied zum König von Samaria in der gestrigen Lesung.

Ps 48
2 Groß ist der HERR und hoch zu loben in der Stadt unseres Gottes.

3 Sein heiliger Berg ragt herrlich empor; er ist die Freude der ganzen Erde. Der Berg Zion liegt weit im Norden; er ist die Stadt des großen Königs.
4 Gott ist in ihren Palästen, als sichere Burg erwiesen.
10 Wir haben, Gott, deine Huld bedacht inmitten deines Tempels.
11 Wie dein Name, Gott, so reicht dein Ruhm bis an die Enden der Erde; deine Rechte ist voll von Gerechtigkeit.

Als Antwort auf die erwirkte Rettungsaktion Gottes beten wir Ps 48, das zu den Zionsliedern gehört. Dabei handelt es sich um Preislieder, die die Stadt Gottes loben und die Ohnmacht ihrer Feinde gegenüber Gottes Allmacht beschreiben.
So ist Vers 2 von dem Lobpreis Gottes geprägt. Er ist „hoch zu loben“ in Jerusalem. Die Stadt wird immer wieder als Stadt Gottes bezeichnet, was vor allem mit dem Tempel zusammenhängt. Dort wohnt seine Herrlichkeit auf besondere Weise.
Der heilige Berg in Vers 3 bezieht sich auf den Zion, auf dem die Stadt und der Tempel erbaut sind. Zion ist „die Freude der ganzen Erde“. Das müssen wir ebenfalls auf Gottes Gegenwart im Tempel zurückführen. Von hier aus geht nämlich das Heil aus, das sich auf die ganze Erde ausbreitet. Wir denken an die Aussage Jesu selbst: „Das Heil kommt von den Juden“. Es ist aber ein universales Heil, denn er hat uns erlöst von all unseren Sünden. Auf dem Zion ist er dargebracht worden als ultimatives Sühneopfer. Die erwirkte Gnade ist aber übergegangen auf die ganze Welt, bis zu den „Inseln“, bis an die „Enden der Erde“. Freude ist so nicht nur eine übernatürliche Gnade Gottes, sondern wird auch zum Zeichen der angebrochenen Endzeit.
Die Rede vom Gottesberg im hohen Norden stellt einen theologischen Code dar, keine reale geographische Aussage. Zion liegt ja eigentlich im Süden des Landes. In jener Zeit gibt es bei den umliegenden Völkern die Vorstellung eines mythischen Gottesberges, den man im Norden suchen muss. Hier wird diese Vorstellung auf Zion und den einzig wahren Gott übertragen. Der Code sagt also den Betern: Nicht irgendein mythischer Berg ist der Gottesberg, sondern der Zion, auf dem Gott so wunderbare Zeichen wirkt und real gegenwärtig ist.
Gott wohnt hier und er ist die eigentliche sichere Burg. Kein menschlicher Palast kann das Volk so sicher beschützen wie er. Wir haben es heute in der Lesung gehört. Hiskija hätte mit menschlichen Anstrengungen die Assyrer nicht zurückhalten können. Die vielen eroberten Völker ringsum haben es gezeigt.
„Wir haben, Gott, deine Huld bedacht inmitten deines Tempels“ ist uns heute durch König Hiskija vor Augen geführt worden. Er hat wahrlich Gottes Huld bedacht und diesen voller Vertrauen, gleichsam mit der Haltung König Davids, um Schutz und Sieg angefleht. Und Gott hat ihn nicht enttäuscht.
Wie Gottes Name ist auch sein Ruhm universal. „Bis an die Enden der Erde“ wird Gott bereits jetzt schon gerühmt. Auf der ganzen Welt sind Menschen zum Glauben an ihn gekommen und preisen ihn mit ihrem ganzen Leben. Und am Ende der Zeiten, wenn er seine ganze Herrlichkeit offenbaren wird, wird sein Ruhm ganz unverhüllt bis an die Enden der Erde offenbart werden.

Mt 7
6 Gebt das Heilige nicht den Hunden und werft eure Perlen nicht den Schweinen vor, denn sie könnten sie mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen!
12 Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.
13 Geht durch das enge Tor! Denn weit ist das Tor und breit der Weg, der ins Verderben führt, und es sind viele, die auf ihm gehen.
14 Wie eng ist das Tor und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und es sind wenige, die ihn finden.

Im heutigen Ausschnitt aus der Bergpredigt spricht Jesus zunächst von den Perlen, dem Kostbaren und Heiligen, das man nicht jenen vorwerfen soll, die es nicht schätzen. Es gibt immer Menschen, die das Evangelium Gottes „mit ihren Füßen zertreten“, obwohl es das kostbarste Gut ist, was sie erlangen können. Ihm geht es nicht darum, die Verkündigung auf einen elitären Kreis einzuschränken, denn vor seiner Himmelfahrt sagt er ja, dass sie alle Menschen zu seinen Jüngern machen sollen. Worum es Jesus hier geht, ist die anhaltende Ablehnung, was wir Verstocktheit nennen. Wenn die Jünger zukünftig evangelisieren und dabei wiederholt auf Ablehnung stoßen, sollen sie nicht über den Widerstand der Zuhörer hinweg weiter verkünden, sondern lieber ihre Kapazitäten jenen zuwenden, die es hören wollen, die das Evangelium schätzen und den Wert erkennen. Die Jünger müssen bedenken, dass sie eine geistliche Verantwortung für alle Menschen haben und sich nicht an einzelnen aufreiben dürfen, die „sich umwenden“ und sie „zerreißen“ könnten. An anderer Stelle erklärt Jesus, dass sie bei Ablehnung nicht lange zögern sollen, sondern gehen und den Staub von ihren Füßen als Zeichen gegen sie abschütteln sollen. Darin handeln sie dem Wesen Gottes nach. Dieser bietet nämlich auch allen das Heil an. Doch wer das Heil ablehnt, dessen freien Willen achtet er. So sollen es auch seine Jünger tun.
Als nächstes bringt Jesus die sogenannte Goldene Regel an. Sie fasst die Zehn Gebote vor dem Hintergrund des Doppelgebotes der Liebe zusammen. Das macht sie zu Gold, zum absoluten Schatz: Wir sollen andere Menschen so behandeln, wie wir selbst gerne behandelt werden möchten. Das ist die Zusammenfassung des Gesetzes und der Propheten. Dieses Begriffspaar steht für die Heilige Schrift der Juden, die aus Torah (das meint nämlich der Begriff „Gesetz“) und der prophetischen Bücher besteht.
Dann appelliert Jesus an die Zuhörer, sich voll und ganz anzustrengen für das Reich Gottes. Die Tür oder das Tor ist sehr eng. Der Weg zum Himmelreich ist anstrengend und hat mit vielen Entbehrungen zu tun. Gott in dieser Welt nachzufolgen, ist kein komfortabler oder attraktiver Weg. Der Preis ist aber so unendlich hoch, dass er alles wieder „entschädigt“. Der Weg in die Hölle ist dagegen breit. Er ist sehr attraktiv gestaltet und mit vielen falschen Versprechungen gepflastert. Die Hölle ist die absolut schrecklichste Sache, die es gibt. Weil keiner dort hingehen würde, wenn er oder sie das vollständig begriffen hat, muss der Weg dorthin umso attraktiver gestaltet werden…
Leider fallen viele darauf herein. Umso mehr braucht Jesus unsere Mithilfe, indem wir das Evangelium verkünden und die Menschen auf den schmalen Weg einladen. Nur über diesen Weg, der Jesus selbst ist (Joh 14), können wir Menschen das ewige Leben erhalten.

Vergessen wir diese Worte nie, denn auch wir sind immer der Versuchung ausgesetzt, das anstrengende Schwimmen gegen den Strom aufzugeben und mit der Masse auf dem breiten Weg mitzugehen. Doch dann erwartet uns am Ende des Weges der ewige Tod. Gott ruft uns immer wieder zu, umzukehren, denn er möchte uns nicht verlieren. Beten wir um Umkehr, dass möglichst viele von diesem Weg abkehren und sich auf den schmalen Weg in das ewige Leben begeben!

Ihre Magstrauss

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