Freitag der 18. Woche im Jahreskreis

Nah 2,1.3; 3,1-3.6-7; Dtn 32,35c-36b.39abcd.41; Mt 16,24-28

Nah 2-3
1 Seht auf den Bergen die Schritte des Freudenboten! Er verkündet Frieden! Juda, feiere deine Feste, erfülle deine Gelübde! Denn der Unheilstifter durchstreift dein Land nicht mehr; er ist völlig vernichtet.
3 Wahrhaftig, der HERR stellt die Pracht Jakobs wieder her wie die Pracht Israels; denn Verwüster haben sie verwüstet und ihre jungen Reben vernichtet.
1 Weh der Stadt voll Blutschuld; sie ist nichts als Lüge. Voll von Raffgier ist sie, vom Rauben lässt sie nicht ab.

2 Knallen von Peitschen und Gedröhn rasselnder Räder, durchgehende Pferde und holpernde Streitwagen.
3 Hochsteigende Reiter, flammende Schwerter, blitzende Lanzen, eine Menge Erschlagener, eine Masse von Toten, kein Ende der Leichen, man stolpert über ihre Leichen.
6 Mit Kot bewerfe ich dich, gebe dich der Verachtung preis und mache dich zum Schaustück.

7 Dann wird es geschehen: Wer immer dich sieht, schreckt vor dir zurück und sagt: Verwüstet ist Ninive. Wer hat Mitleid mit ihr? Wo soll ich suchen einen Tröster für dich?

Heute hören wir die Lesung aus einem Buch der „kleinen“ Propheten, aus dem Buch Nahum. Es handelt sich dabei um eine Heilsankündigung Judas und eine Unheilsansage Ninives, das zu der Entstehungszeit des Buches die Hauptstadt der Assyrer darstellt.
„Seht auf den Bergen die Schritte des Freudenboten! Er verkündet Frieden!“ Freudenboten sind im Grunde alle Propheten, denn sie verkünden den Willen Gottes. Dieser führt immer zur Freude, auch wenn das Gericht Gottes vorausgeht. Besonders aber sind jene Propheten als Freudenboten zu bezeichnen, die den Messias ankündigen. Dieser ist es nämlich, der die Erlösung der ganzen Menschheit bringt. Die ganz konkrete Freudenbotschaft in diesem Kontext ist die politische Befreiung aus der Hand der Assyrer und der Babylonier, eine Befreiung aus der Fremdherrschaft und die Ermöglichung der Kultpraxis Israels. Der angekündigte Friede ist somit ein politisch-irdischer. Wir lesen diese Botschaft aber über ihren historischen und somit begrenzten Gehalt hinaus als Ankündigung des Messias, der einen ewigen und übernatürlichen Frieden bringen wird, „den die Welt nicht geben kann“ und den der Hl. Geist spenden wird.
Der „Unheilsstifter“, der nun das Land nicht mehr durchstreift, bezieht sich in dem unmittelbaren Kontext des Buches auf die Fremdherrscher jener Zeit, im 7. Jh.v.Chr. bezieht sich dies auf die assyrische Weltmacht. Sie wird völlig vernichtet, obwohl sie momentan noch so mächtig erscheint. Gott ist stärker und mächtiger. Wenn es sein heiliger Wille ist, wird die Weltmacht Assur in einem kurzen Moment zunichte gemachtt.
Die Erfüllung der Gelübde etc. bezieht sich auf den Bundesschluss Judas, die es nun wieder treu halten soll. Es ist ein Aufruf zu einem Leben nach Gottes Geboten. Wir wissen, dass Juda sich keineswegs bekehren wird und so etwas noch viel Schlimmeres passieren wird – das Babylonische Exil und die Zerstörung Jerusalems. Die Freudenbotschaft wird nicht von Dauer sein, weil die Bekehrung ausbleibt. Aber genau dies macht Raum für eine geistliche Interpretation: Die Freudenbotschaft ist eine übergeschichtliche. Sie ist eher heilsgeschichtlicher Natur und betrifft das Heil der Menschen im Blick auf die Ewigkeit. So ist die Wiederherstellung der Pracht Jakobs und Israels nicht nur eine nach hinten verschobene Heilsankündigung politischer Natur (also die Rückkehr des Südreichs nach dem Exil und die Befreiung des Nordreichs von den Assyrern), sondern meint die Wiederherstellung der gesamten sündigen Menschheit, die durch den Sündenfall des ersten Menschenpaares im Exil außerhalb des Paradieses leben musste. Es meint die Erlösung durch Jesus Christus!
Der Verwüster aber hat ein schweres Los. Der Böse, der die Menschheit ins Verderben gestürzt hat, wird selbst ins Verderben stürzen. Hier werden ganz konkret die Assyrer angesprochen, auf die das Unheil zurückfallen wird, das sie dem auserwählten Volk Gottes angetan haben. Mit ganz drastischen Bildern wird die Zerstörung der Stadt Ninive angekündigt, wobei wir viele militärische Beispiele hier lesen wie die flammenden Schwerter und dröhnenden Streitwagen, die hochsteigenden Reiter und die blitzenden Lanzen. Was übrig bleiben wird, sind die vielen Toten. Sünde führt zum Tod und anhand dieses Beispiels wird es uns ganz eindrücklich vor Augen geführt.
Nicht nur der Tod ist das Bedrohliche an dieser Unheilsbotschaft für Ninive. Auch die absolute Schande, die die Stadt erwartet, ist beängstigend. Denn die Assyrer erwartet der Unrat und die Verachtung. Sie werden zum Schaustück. Das ist mindestens genauso schmerzhaft wie die militärische Niederlage. Denn die anderen Völker werden an ihr die Macht des Gottes Israel erkennen und Ninive aufgeben. Keiner wird sie trösten können. Es gibt kein Entkommen von der Zerstörung der Stadt. Juda wird es ähnlich treffen, weil es auf die Umkehrrufe der Propheten nicht hören wird. An der heutigen Lesung erkennen wir aber, dass Gott für sein auserwähltes Volk das Heil bereithält. Er möchte nur das Beste für Israel.

Dtn 32
35 Ja, der Tag ihres Verderbens ist nah und ihr Verhängnis kommt schnell.

36 Ja, der HERR wird seinem Volk Recht geben und mit seinen Dienern Mitleid haben.
39 Jetzt seht: Ich bin es, nur ich, und es gibt keinen Gott neben mir. Ich bin es, der tötet und der lebendig macht. Ich habe verwundet; nur ich werde heilen. Niemand kann retten aus meiner Hand.
41 Habe ich erst die Klinge meines Schwertes geschliffen, um das Recht in meine Hand zu nehmen, dann zwinge ich meinen Gegnern die Strafe auf und denen, die mich hassen, die Vergeltung.

Als Antwort auf die Ankündigungen des Propheten Nahum beten wir einen Ausschnitt aus der Abschlussrede des Mose in Dtn 32. Es handelt sich dabei um ein Lied, das Mose anstimmt.
In Vers 35 kündigt er allgemein das Verderben der Feinde Israels an. Sie sind es, deren Tag des Verderbens als nahe angekündigt wird. Gott dagegen wird sich seines Volkes erbarmen und ihm Recht verschaffen, wenn es von den Feinden unterdrückt wird. Was Mose hier ankündigt, klingt sehr prophetisch, wenn wir an die Lesung zurückdenken.
Und Gott selbst sagt, dass er der einzige Gott ist. Das müssen die Israeliten erst einmal lernen. Im Laufe der Heilsgeschichte durchlaufen sie einen Prozess bis hin zum strengen Monotheismus. Gerade die Zeit des Exils wird für sie zu einem Wendepunkt: Sie nahmen bisher an, dass zwar Jahwe der Größte aller Götter und der einzige anzubetende Gott sei, es aber auch andere Götter gebe (Monolatrismus). Nun begriffen sie den Monotheismus, der die Existenz anderer Götter von vornherein ausschließt.
Daraus ergibt sich auch die Konsequenz, dass Gott allein über Leben und Tod entscheidet und keiner ihm diese Macht entreißen kann.
Wenn Gott seine Funktion als Richter ausübt, dann gibt es kein Zurück. Gott ist dabei noch so barmherzig, bis zu diesem Moment die Menschen zur Umkehr aufzurufen und so zu begnadigen. Doch wenn der Moment dann gekommen ist, ist es zu spät.
Für die Assyrer ist dieser Zeitpunkt nun gekommen, sodass sie die schwere Strafe ereilt, wie der Prophet Nahum in der Lesung angekündigt hat. Wir beten um die Gnade einer tiefen Umkehr der ganzen Welt bis zur Wiederkunft Christi, damit so viele Menschen wie möglich gerettet werden. Denn wenn er erst einmal kommt, wird es zu spät sein. Dann ist der Moment des Weltgerichts gekommen.

Mt 16
24 Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.
25 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.
26 Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen?
27 Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters kommen und dann wird er jedem nach seinen Taten vergelten.
28 Amen, ich sage euch: Von denen, die hier stehen, werden einige den Tod nicht schmecken, bis sie den Menschensohn in seinem Reich kommen sehen.

Jesus spricht mit seinen Jüngern über die Notwendigkeit des Leidens bei seiner Nachfolge. Er erklärt, dass Jüngerschaft und Nachfolge Christi nur mit Kreuztragen möglich ist. Zu jener Zeit ist das für die Zuhörer womöglich unklar, denn dass er sein Kreuz tragen wird, ist zu jenem Zeitpunkt nicht jedem bekannt. Und doch ist es ein vertrautes Bild: Das Kreuztragen war Bestandteil der schändlichen Hinrichtung in Form von Kreuzigung. Es glich einem Spießrutenlauf und durch die Stadt hindurchlaufend gab man den Bewohnern die Gelegenheit, einen zu beschimpfen und zu bespucken. Wenn Jesus nun das Kreuztragen als notwendige Bedingung für seine Nachfolge herausstellt, heißt es, dass in seinem Namen man viel Spott und Hohn ertragen muss. Auch die Schmerzen und die Last des Kreuzes sind ein wichtiger Bestandteil: Als Jünger Jesu muss man eine Last tragen und sich diese freiwillig auferlegen. Weil es eine höchst schändliche Sache ist, verleugnet man sich selbst dabei. Das heißt man gibt das eigene Ansehen freiwillig auf für ein viel höheres Gut.
Wer krampfhaft versucht ist, immer gut dazustehen, ein möglichst bequemes Leben zu haben und in allem immer den eigenen Vorteil zu suchen, der wird das Leben verlieren. Dies dürfen wir moralisch verstehen – der wird den Stand der Gnade und somit das Leben verlieren. Dies dürfen wir aber vor allem anagogisch auslegen – der wird das ewige Leben verlieren, den Himmel.
Umgekehrt heißt es, dass wer sein irdisches Leben verliert – also Gott zuliebe auf Ansehen und guten Ruf verzichtet, der wird von Gott belohnt werden – moralisch gesehen mit dem Stand der Gnade und anagogisch gesehen mit dem ewigen Leben. Im äußersten Fall kann der Verlust des irdischen Lebens wortwörtlich gemeint sein, also Martyrium. Deshalb glaubt die Kirche, dass die Märtyrer sofort zu Gott kommen. Sie haben ihm zuliebe nämlich am radikalsten ihr Leben verloren. Deshalb werden sie auch sofort dafür belohnt.
Jesus stellt die Absurdität heraus, sein vorübergehendes, auf wenige Jahre beschränktes irdisches Leben retten zu wollen um den Preis des Verlustes des ewigen Lebens. Dieser Verlust ist irreversibel, man kann das ewige Leben nicht zurückkaufen, wenn es erstmal zu spät ist. Gewiss haben wir Menschen die Chance zur Umkehr, solange wir leben, aber unser Ende ist ja unbekannt, weshalb es ein unvernünftiges Risiko darstellt, dies auf die leichte Schulter zu nehmen. Darin sehen wir eine Übereinstimmung mit dem Leichtsinn der Unbußfertigen in der Lesung sowie des Psalms. Wenn Gott erst einmal zur Gerichtshandlung ansetzt, ist es zu spät.
Am Schluss hören wir einen Vers, den man richtig verstehen muss: Von den Anwesenden werden einige den Tod nicht schmecken, bis sie gesehen haben, dass das Reich Gottes in Macht gekommen ist. Wie muss man das verstehen?
„Den Tod nicht schmecken“ meint sterben – sie werden zu ihren Lebzeiten noch etwas erleben. Wir können das Kommen des Reiches Gottes in Macht auf zweierlei Weise verstehen: einerseits als die Wiederkunft Christi am Ende der Zeiten, andererseits als Auferstehung Jesu Christi. So oder so ist das Kommen des Reiches mit der Person Jesu Christi verknüpft und an anderer Stelle sagt Jesus nicht nur, dass das Reich angebrochen ist, sondern schon mitten unter den Menschen ist. Im Grunde gibt es noch weitere Auslegungen dessen: Einige werden noch die Geburt der Kirche erleben, in der das Reich Gottes auf Erden schon etabliert ist. Einige werden das Reich Gottes gekommen sehen durch die vielen messianischen Heilstaten Jesu noch vor seinem Tod. Die erste Möglichkeit – also das Kommen des Menschensohnes am Ende der Zeiten, kann weniger gemeint sein, denn die Generationen von damals sind bereits gestorben. Dann müsste der Begriff des Sterbens noch anders gemeint sein.

Gott ist geduldig mit uns Menschen. Aber irgendwann kommen auch seine Chancen an ein Ende, weil die Zeit begrenzt ist. Dann wird er den freien Willen des Menschen ernst nehmen und dementsprechend Gericht halten. Das soll uns keine Angst einjagen, sondern wir müssen uns unserer Entscheidungsfreiheit bewusst werden. Wir haben diese Freiheit bekommen, damit wir uns frei und in Liebe für Gott entscheiden. Wir sollen verstehen, dass es unvernünftig ist, angesichts des unbekannten Zeitpunkts die Entscheidung für Gott schleifen zu lassen. Es ist ein einziger Appell zur Umkehr – am besten noch heute, am besten jetzt.

Ihre Magstrauss

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