Donnerstag der 27. Woche im Jahreskreis

Gal 3,1-5; Ps 1,68-69.70-71.72-73.74-75; Lk 11,5-13

Gal 3
1 Ihr unvernünftigen Galater, wer hat euch verblendet? Ist euch Jesus Christus nicht deutlich als der Gekreuzigte vor Augen gestellt worden?

2 Dies eine möchte ich von euch erfahren: Habt ihr den Geist durch die Werke des Gesetzes oder durch das Hören der Glaubensbotschaft empfangen?
3 Seid ihr so unvernünftig? Im Geist habt ihr angefangen und jetzt wollt ihr im Fleisch enden?
4 Habt ihr denn so Großes vergeblich erfahren? Wenn es denn vergeblich war!
5 Warum gibt euch denn Gott den Geist und bewirkt Machttaten unter euch?

In der heutigen Lesung geht die deutliche Kritik des Paulus weiter. Er versucht mit aller Kraft, die Galater von ihrer Fehlentwicklung wegzuholen, sodass sie sich dem ursprünglichen Evangelium Jesu Christi wieder zuwenden. Und dieses besagt, dass durch den Bundesschluss der Taufe die „Vergangenheit“ als Jude oder Heide keine Rolle mehr spielt. Die Taufe ist genug zur Erlösung und Vergebung der Sünden. Eine vorausgehende Buchstabentreue der Torah ist keine Bedingung, dass Jesus für uns gestorben ist. Vielmehr befähigt er dazu, nach der Taufe die Gebote Gottes zu erfüllen.
Die Galater sind verblendet. Sie sehen nicht, was so offensichtlich ist. Paulus vermutet zurecht, dass die Galater von jemandem verblendet worden sind, also manipuliert sind. Weil sie so blind sind, sehen sie den Gekreuzigten nicht mehr vor Augen. Paulus versucht, ihnen das Wesentliche wieder zu verdeutlichen, weshalb sie eigentlich Christen geworden sind. Auch bei uns ist es so, dass wenn wir vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen, dass wir zum Anfang zurückkehren müssen und die grundsätzlichsten Dinge wieder bewusst wahrnehmen müssen.
Zurück zur ersten Liebe.
Er stellt ihnen eine rhetorische Frage, damit sie zum Nachdenken kommen. Das heißt, er erwartet keine wirkliche Antwort von ihnen, da diese so offensichtlich ist, dass sie nicht ausgesprochen werden muss: „Habt ihr den Geist durch die Werke des Gesetzes oder durch das Hören der Glaubensbotschaft empfangen?“ Nicht das Tun von Gesetzeswerken hat sie erlöst, das ist ja das jüdische Denken, was Jesus schon als unzureichend erklärt hat. Der Mensch kann sich nicht selbst erlösen, auch nicht durch Gesetzestreue (wie immer hier der Hinweis, dass „Gesetz“ die Übersetzung des Wortes Torah darstellt). Der Geist Gottes ist ihnen nicht durch die Gesetzestreue zuteilgeworden. Das Pfingstereignis ist ein Gnadenakt Gottes, der sich frei dazu entschieden hat, der Kirche seinen Odem einzugeben. Es ging von Gott aus und die Menschen empfingen den Geist, weil sie sich bereitwillig und gläubigen Herzens dafür geöffnet haben. Das Stichwort ist „empfangen“. Das ist deutlich zu unterscheiden von „herbeigeführt“.
Paulus kritisiert zudem, dass die Galater im Geist angefangen haben, doch im Fleisch enden wollen. Das bezieht sich auf die jüdische Denkweise, die sehr menschlich oder fleischlich ist. Es ist ein stetes Tun aus eigener Kraft. Aber der Christ ist eine vergeistlichte Kreatur, eine neue Schöpfung durch den Hl. Geist, der nicht mehr aus sich selbst heraus alles tut, sondern aus der Kraft des Hl. Geistes heraus. Dieser ist es, der die Sünde vergibt. Und dies geschieht am radikalsten in der Taufe zur Vergebung der Sünden. Er ist es, der uns ganz rein macht, nicht der Mensch durch sein gerechtes Tun. Das Leben nach den Geboten Gottes hat sich damit nicht erübrigt, wird aber zur postbaptismalen Berufung!
Hier geht es aber die ganze Zeit um die Voraussetzungen zur Taufe.
Paulus spricht sehr drastisch, denn es geht ja auch um die existenzielle Sache – die Rechtfertigung vor Gott und das ewige Leben! Deshalb muss er so sprechen, um die Galater aufzurütteln. Soll es wirklich umsonst gewesen sein, dass Christus das Reich Gottes verkündet hat und die Sünde aller Menschen auf sich genommen hat am Kreuz? Soll dieser Neue Bund wirklich überflüssig sein, die Erlösung der Menschheit, die sich nicht selbst aus dem Exil der Sünde wieder ins Paradies führen konnte?
Wenn der Mensch laut Galatern die Erlösung doch selbst herbeiführen kann, wofür hat Gott ihnen dann überhaupt den Hl. Geist gesandt und bewirkt so viele Wunder? Das ist ja alles umsonst, wenn man davon ausgeht, dass der Mensch alleine zurechtkommt.
Wie sehr besteht auch heute noch die Versuchung, dass wir alles aus eigener Kraft tun möchten! Und doch ist dies nichts anderes als eine einzige Illusion, eine utopische Bewertung des Menschen, eine maßlose Überschätzung. Je eher wir realisieren, dass wir Gottes Gnade brauchen, desto besser. Paulus hat in seinem Leben erfahren, wie armselig er ohne die Gnade Gottes ist. Auch König David hat dies stets vor Augen. Lernen wir von Menschen wie ihnen!

Lk 1
68 Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat sein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen;

69 er hat uns einen starken Retter erweckt im Hause seines Knechtes David.
70 So hat er verheißen von alters her durch den Mund seiner heiligen Propheten.
71 Er hat uns errettet vor unseren Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen;
72 er hat das Erbarmen mit den Vätern an uns vollendet und an seinen heiligen Bund gedacht,
73 an den Eid, den er unserm Vater Abraham geschworen hat;
74 er hat uns geschenkt, dass wir, aus Feindeshand befreit, ihm furchtlos dienen
75 in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinem Angesicht all unsre Tage.

Als Antwort beten wir heute keinen Psalm, sondern den Lobpreis des Zacharias, als sein Sohn geboren wird und er vom Moment der Namensverkündigung „Johannes“ wieder sprechen kann.
„Gespriesen sei der Herr, der Gott Israels“ ist ein typischer jüdischer Gebetsausruf. Gott ist zu preisen für seine Heilstaten, an die wir mit Zacharias wieder erinnert werden – und so sollten sich auch die Galater daran erinnern, um zu erkennen, wer hier der Erlöser ist. Gott „hat sein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen“ – er ist es! Er hat seinen Heilsplan fortgesetzt, indem den Israeliten „einen starken Retter erweckt“ hat „im Hause seines Knechtes David.“ Das ist auf die messianische Verheißung zu beziehen, dass aus dem Stamm Judah eine Heilsgestalt hervorgehen wird. Wir dürfen daraus nicht schließen, dass Zacharias damit seinen eigenen Sohn meint. Schließlich ist er auch nicht aus dem Stamm Judah, sondern Levi. Doch in seiner Verwandtschaft wird der Messias tatsächlich hervorgehen, gar nicht mal so viel später.
Gott ist zu preisen, weil er sein Volk erlösen wird, weil er es immer wieder „erlöst“ hat von den Feinden. Wie viele Kriege hat Israel gewonnen, wie oft ist es aus einer Fremdherrschaft befreit worden, sogar aus dem Exil und aus Ägypten ins verheißene Land zurückgekehrt! Gott hat wirklich stets „an seinen heiligen Bund gedacht“, weil er treu ist.
Er ist der wahre Beschützer seines Volkes, denn er hat es stets „aus Feindeshand befreit“. Schon allein wegen all der Heilstaten, die Gott bereits am Volk Israel erwirkt hat, kann man nicht umhin, ihn lebenslang zu loben und zu preisen, voller Dank über die Gnade, die einem zuteilgeworden ist.
Gott ist es, der gerettet hat, wo der Mensch sich nicht selbst retten konnte. Das müssen auch die Galater wieder realisieren, die auf eine falsche Fährte gelockt worden sind. Das müssen auch wir realisieren, die nun im Neuen Bund mit Gott stehen. Wir hätten tausend Leben leben müssen oder sogar mehr, um all die bösen Taten wiedergutzumachen, die wir auf unserem Schuldenkonto haben! Wir könnten uns nie selbst erlösen, sonst wäre dies schon längst geschehen und Gott hätte seinen einzigen Sohn nicht gesandt. Dass wir Menschen heute etwas zustande bringen, ist Gottes großer Gnade zu verdanken. Dass wir morgens aufwachen und gesund sind, haben wir uns nicht selbst gemacht. Unsere Gesundheit liegt in Gottes Hand, der der Herr über Leben und Tod ist. So viele Dinge in unserem Leben können wir nicht kontrollieren. Er ist es, der alles beherrscht und kontrolliert. Und das ist gut so, weil er der ewig Treue ist, die Liebe. Auch als Kirche machen wir uns die Gnade nicht selbst. Gott ist es, dessen heiliger Wille die Regeln vorgibt, der weiht, den er will, der Sünde vergibt jenen, denen er vergeben will. Wir Menschen führen diesen Willen nur aus. Lernen wir wieder neu, ganz auf seine Gnade zu vertrauen und ihn um seine Kraft zu bitten, um seinen Hl. Geist.

Lk 11
5 Dann sagte er zu ihnen: Wenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht und sagt: Freund, leih mir drei Brote;

6 denn einer meiner Freunde, der auf Reisen ist, ist zu mir gekommen und ich habe ihm nichts anzubieten!,
7 wird dann der Mann drinnen antworten: Lass mich in Ruhe, die Tür ist schon verschlossen und meine Kinder schlafen bei mir; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben?
8 Ich sage euch: Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht.
9 Darum sage ich euch: Bittet und es wird euch gegeben; sucht und ihr werdet finden; klopft an und es wird euch geöffnet.
10 Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet.
11 Oder welcher Vater unter euch, den der Sohn um einen Fisch bittet, gibt ihm statt eines Fisches eine Schlange
12 oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet?
13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.

 Zuletzt hörten wir, wie Jesus seinen Jüngern das Vaterunser beigebracht hat. Nun gibt Jesus Anweisungen zu einem vertrauensvollen Bitten, denn das ist ja der Kern des Gebets.
„Bittet und es wird euch gegeben“ – er ist bereit, alles zu geben, nur müssen wir das auch in Anspruch nehmen! Er ist großzügig, aber wir müssen ihm auch vertrauen.
„Sucht und ihr werdet finden; klopft an und es wird euch geöffnet“ – Wie viele Personen aus der Bibel und auch viele Heilige haben ihr Leben lang Gott gesucht und ihn gefunden, weil er sie gefunden hat. Besonders eindrücklich sehen wir das am Leben des Augustinus, der verschiedene Stationen durchlaufen hat und jedesmal gemerkt hat, dass es noch nicht das Ende war (von verschiedenen philosophischen Schulen bis hin zur Sekte der Manichäer).
Jesus möchte, dass seine Jünger Gott wirklich vertrauensvoll bitten und nicht meinen, dass es sowieso nichts bringt, Bittgebete an ihn zu richten.
Er vergleicht Gottes Großzügigkeit beim Geben mit den Menschen: Sogar unvollkommene Menschen („ihr, die ihr böse seid“) geben dem Anderen etwas, wenn er darum bittet. Dies verdeutlicht er durch rhetorische Fragen: „Oder welcher Vater unter euch, den der Sohn um einen Fisch bittet, gibt ihm statt eines Fisches eine Schlange oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet?“ Man gibt vor allem den eigenen Kindern, was sie brauchen. Jesus verwendet das Beispiel der Vater-Kind-Beziehung, weil er den Menschen seinen Vater nahebringen will. Auch sie dürfen ihn Vater nennen, so hat es Jesus sie ja durch das Vaterunser gelehrt.
Der Vater im Himmel ist nur gut und gibt umso mehr Gaben, wenn man ihn darum bittet, als ein unvollkommener Mensch, dessen Großzügigkeit begrenzt ist.
Jesus erklärt die entscheidenden Dinge immer mithilfe von Bildern, Vergleichen, Metaphern etc. Und so schildert er zu Beginn des Evangeliums die Szenerie, dass man um Mitternacht zu einem Freund geht, also jemand, dem man wohlgesinnt ist, und um drei Brote bittet. Dieser wird einem öffnen und das Erbetene geben, wenn schon nicht wegen der Freundschaft, dann wegen der Zudringlichkeit. Umso mehr gibt Gott, wenn wir ihn eindringlich bitten. Er ist absolut gut, gerecht und liebevoll. Er ist bereit, „sein letztes Hemd“ für uns zu geben, wenn er eins hätte. Aber er hat es auch tatsächlich hergegeben – seinen einzigen Sohn! Wenn er schon bereit war, sein Allerliebstes für uns dahinzugeben, wie sehr wird er uns dann mit dem täglichen Brot, mit allem, was wir brauchen, beschenken! Nehmen wir seine Großzügigkeit in Anspruch mit reinem Herzen und guter Absicht. Bitten wir ihn vertrauensvoll darum, was wir brauchen! Wir dürfen nicht zu stolz sein, Gott zu bitten. Darin sollen wir sein wie Kinder. Sie grübeln nicht lange darüber, ob und wie sie etwas ansprechen, sondern fragen ganz unverblümt ihre Eltern um das, was sie brauchen. Wenn sie Hunger haben, sagen sie direkt „ich habe Hunger, gib mir etwas zu essen.“ So sollen wir auch mit dieser kindlichen Demut die Hände aufhalten und uns von Gott geben lassen, was wir nicht selbst herbeiführen können. Dafür müssen wir realisieren, was wir auch schon bei den anderen Lesungen bedacht haben: Wir haben unser Leben nicht unter Kontrolle. Wir machen uns die Gesundheit nicht selbst, ebenso wenig den Beruf, den Frieden, die Fruchtbarkeit, den Erfolg etc. Wir können unser Bestes geben, was in unserer Macht steht, aber wir haben es im Letzten nicht in der Hand. Es ist nicht automatisch so, dass wir eine Arbeitsstelle bekommen, nur weil wir uns anstrengen bei der Bewerbung. Es ist nicht automatisch so, dass man ein Kind bekommt, nur weil man alle Umstände berücksichtigt und zur rechten Zeit miteinander zusammenkommt. Man bleibt nicht automatisch gesund, nur weil man sich gut ernährt, Sport treibt, viel an der frischen Luft ist. Guter Dünger auf den Pflanzen garantiert keine gute Ernte. Was ist mit den Konkurrenten bei der Bewerbung, der körperlichen Beeinträchtigung, der möglichen Unfruchtbarkeit, der Prädisposition zu einer schlimmen Krankheit oder schlechtes Wetter? Wir Menschen haben unser Leben nicht unter Kontrolle. Wir sind auf Gottes Gnade und Segen angewiesen. Je schneller wir uns dessen bewusst werden, desto weniger Leid erfahren wir in unserem Leben. Kommen wir noch heute zu ihm, vertrauensvoll wie ein Kind auf den Schoß seiner Mutter oder seines Vaters. Bergen wir uns beim himmlischen Vater und bitten wir ihn um seine Gnade!

Ihre Magstrauss

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