Donnerstag der 28. Woche im Jahreskreis

Eph 1,1-10; Ps 98,1.2-3b.3c-4.5-6; Lk 11,47-54

Eph 1
1 Paulus, Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes, an die Heiligen in Ephesus, die Gläubigen in Christus Jesus,
2 Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
3 Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus. Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.
4 Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Grundlegung der Welt, damit wir heilig und untadelig leben vor ihm.
5 Er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt, seine Söhne zu werden durch Jesus Christus und zu ihm zu gelangen nach seinem gnädigen Willen,
6 zum Lob seiner herrlichen Gnade. Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn.
7 In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum seiner Gnade.
8 Durch sie hat er uns reich beschenkt, in aller Weisheit und Einsicht,
9 er hat uns das Geheimnis seines Willens kundgetan, wie er es gnädig im Voraus bestimmt hat in ihm.
10 Er hat beschlossen, die Fülle der Zeiten heraufzuführen, das All in Christus als dem Haupt zusammenzufassen, was im Himmel und auf Erden ist, in ihm.

Heute am Gedenktag der Hl. Teresa von Ávila beginnt eine Serie von Lesungen aus dem Epheserbrief. Sie beginnt heute mit dem Briefeingang. Zunächst erfolgt wie immer in antiken Briefen das Präskript, das den Sender und Empfänger sowie einen Gruß beinhaltet. Paulus ist der Absender, der in seinen Briefen oft eine Legitimation seines Auftrags als Apposition an seinen Namen hängt. So soll von Anfang an klar werden, welche Rolle er spielt und weshalb er das Recht hat, diesen Brief an die Gemeinde zu richten. Hier schreibt er an eine bekannte Gemeinde und muss nicht so weit ausholen. Deshalb besteht die Erweiterung aus einem kurzen Teil: „Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes“. Seine apostolische Sendung ist hier das Entscheidende. Daraufhin nennt er die Empfänger. Das sind die „Heiligen in Ephesus, die Gläubigen in Christus Jesus“. Heilig werden alle Getauften genannt. Dadurch darf aber nicht der Eindruck entstehen, dass Paulus eine derartige Heilsgewissheit der Taufe vertrete, dass man sie nicht mehr verlieren und sich entspannt zurücklehnen könne. Es meint die Heiligkeit der Taufgnade, die man aber auch wieder verlieren kann durch ein sündiges Leben. Aber der Getaufte ist zur Heiligkeit berufen.
Das Präskript wird wie immer mit einem Gruß abgeschlossen: „Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!“
Sodann beginnt das Proömium, das einen einleitenden Charakter hat und von Lobpreis durchzogen ist. Deshalb bestehen die ersten Worte im Epheserbrief aus: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.“
Gott hat die Menschen zu allen Zeiten gesegnet, aber durch die Taufe ist dem Menschen nun wirklich die Fülle des Segens zuteilgeworden. Der Mensch hat dadurch den Zugang zum ewigen Leben zurückerhalten! Wenn das nicht die Fülle des Segens bedeutet! Paulus schreibt, dass dieser Segen durch den Hl. Geist bewirkt ist. Dieser ist es, der den Menschen ja ganz rein gemacht hat im Bad der Taufe und die gesamte Schuld getilgt hat. Durch den Hl. Geist ist auch die Verbindung zu Jesus Christus im Himmel hergestellt worden, denn durch den Geist sind wir neugeboren zur Familie Gottes und einer neuen geistlichen Schöpfung. Durch diese Verbundenheit mit Christus haben wir ein Leben in Fülle, die Fülle seiner Gnade. Wir sind verbunden mit dem wahren Weinstock, weshalb wir gute Reben sein können.
Dass wir als Getaufte in so einer innigen Gemeinschaft mit Christus leben, ist von Anfang an der Plan Gottes gewesen, der nur Wege des Heils für uns bereithält. Gott hat uns Menschen dazu erschaffen und „in Liebe im Voraus dazu bestimmt“, dass wir alle zu seiner Familie gehören.
Dafür war es ihm nicht zu schade, seinen geliebten Sohn für uns hinzugeben. Er hat uns die „Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum seiner Gnade“ erwirkt, sodass wir diese innige Gemeinschaft eingehen konnten.
Paulus schreibt diese Worte in einer hymnenartigen Sprache, voller preisender Ausdrücke und mit vielen Plerophorismen.
Gottes Plan ist zudem, „die Fülle der Zeiten heraufzuführen, „das All in Christus als dem Haupt zusammenzufassen.“ Das erwartet uns noch, wenn er als verherrlichter Menschensohn zurückkehren wird. Dann wird er den endgültigen Triumph davontragen und der Widersacher Gottes auf ewig in den Feuersee geworfen werden.

Ps 98
1 Ein Psalm. Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er hat wunderbare Taten vollbracht! Geholfen hat ihm seine Rechte und sein heiliger Arm.

2 Der HERR hat sein Heil bekannt gemacht und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker.
3 Er gedachte seiner Huld und seiner Treue zum Haus Israel. Alle Enden der Erde sahen das Heil unsres Gottes.
4 Jauchzet dem HERRN, alle Lande, freut euch, jubelt und singt!
5 Spielt dem HERRN auf der Leier, auf der Leier zu lautem Gesang!
6 Mit Trompeten und lautem Widderhorn jauchzt vor dem HERRN, dem König!

Als Antwort beten wir Psalm 98, der betitelt ist als „Neues Lied auf den Schöpfer und Richter“. Paulus hat im Epheserbrief beide Eigenschaften Gottes indirekt genannt, als es um die Erwählung aus Liebe geht, nämlich zu einer neuen Schöpfung, die die innige Gemeinschaft des Getauften mit Christus bewirkt. Zugleich hat er das noch ausstehende Ende der Zeiten erwähnt, bei dem es zum Weltgericht kommen wird. Somit hat er die Eigenschaften Gottes als Schöpfer und Richter bereits thematisiert.
Gott hat bisher viele wunderbare Taten vollbracht, wie es in Ps 98 heißt. Er ist wirklich ein Gott des Heils und die gesamte Menschheitsgeschichte ist eine Heilsgeschichte. Gott hat sein Volk immer wieder gerettet aus den Klauen des Bösen mit seiner Rechten und seinem Heiligen Arm. Er hat seinen Plan immer wieder kundgetan, da er ein sich offenbarender Gott ist. Er hat dies auch vor den Augen der Völker getan, also die nichtjüdischen Menschen, die dadurch seine Größe bezeugt haben. Mit Jesus Christus hat diese Offenbarung, das heißt seine Selbstmitteilung, einen Höhepunkt erreicht. So kann man wortwörtlich sagen: Gott hat sein Heil (יְשׁוּעָתֹ֑ו  jeschuato), seinen Jesus, der Welt bekannt gemacht. Dieser ist „seine Rechte“ und „sein heiliger Arm“. Der Hl. Ignatius von Lyon hat den Sohn und den Geist als die Hände Gottes bezeichnet. Durch Christus hat Gott die Heilstaten vollbracht – sowohl die Schöpfung (deshalb nennen wir Jesus auch den Schöpfungsmittler) als auch die Erlösung.
„Alle Enden der Erde sahen das Heil“. Die ganze Welt sah die Heilstaten Gottes. Das betrifft die Israeliten, die aus Ägypten herausgeführt worden sind und bei den nichtjüdischen Völkern für Anerkennung gesorgt hat. Das betrifft umso mehr das ganze Erlösungsgeschehen Jesu Christi, das für eine weltweite Evangelisierung und flächendeckende Gemeindegründungen gesorgt hat. Es begann mit dem Hauptmann am Kreuz („wahrlich, dieser war Gottes Sohn“) und ging weiter bis an die damaligen „Enden der Erde“. Und es geht bis an die heutigen Enden!
Deshalb ist auch der Anfang des Psalms so signalhaft für christliche Ohren. Es ist ein „neues Lied“, das auf den Messias hinweist und über die Rettungsaktionen Gottes an seinem auserwählten Volk hinausgeht. Ganz konkret können wir hier an das babylonische Exil denken, das neben dem Exodusgeschehen bei den Nichtjuden für Anerkennung gesorgt hat.
Vor den Augen der Völker ( הַ֝גֹּויִ֗ם  hagojim, die nichtjüdischen Völker!) hat Gott schon Gericht gewirkt, indem er das unterdrückte Volk aus der Knechtschaft der Babylonier befreit hat. Er hat auch vor den Heiden die Erlösung erwirkt (die Römer staunten nicht schlecht, als das Grab leer war, und der Hauptmann kam unter dem Kreuz zum Glauben). Gott wirkt Wunder auch heute noch vor den Augen der Nichtgläubigen und benutzt uns dafür. Wir sind heute seine Hände in dieser Welt, die anderen Menschen zum Glauben an Christus verhelfen. Er tut das auch in der Taufe. Dann werden wir aus der Knechtschaft der Erbsünde, aus dem Exil der Paradieslosigkeit befreit. Am Ende der Zeiten, wenn Jesus als verherrlichter Menschensohn zurückkehrt, wird Gottes Gericht universal und für alle offenbar durchgesetzt werden. Dann wird es aber zu spät für die Umkehr sein.
Gott bleibt seinem Volk treu, auch jetzt noch. Unsere jüdischen Geschwister sind bis heute in einem bleibenden Bund mit dem Herrn und diesen können wir, die wir im neuen Bund mit Gott versöhnt sind, nicht antasten. Vergessen wir das nie, damit es nie wieder zu einem Holocaust kommt!
Gott bleibt auch uns treu, die wir ihm durch jede Sünde immer wieder untreu werden. So ist Gott. Er starb für uns, ohne sein Opfer davon abhängig zu machen, ob wir seine Liebe zurückgeben oder nicht.
Seine Erlösungstat ist ein Grund zur Freude. Unsere Existenz, vor allem auf die Ewigkeit hin, haben wir allein Gott zu verdanken. Diese ist uns durch die Taufe geschenkt. Dadurch sind wir als Kinder Gottes neugeboren und als Erben eingesetzt worden. Das ist jeden Tag den Lobpreis Gottes wert, auch schon hier auf Erden! Im Himmel wird es unsere ewige Beschäftigung sein.
Zum Ende des heutigen Abschnitts erfolgt ein Lobpreisaufruf, der typisch für Psalmen ist. Es ist eine Aufforderung zur instrumentalen Begleitung auf den gängigen Instrumenten (so die Leier, die König David meisterhaft beherrscht hat). Auch Trompeten und Widderhörner sollen eingesetzt werden zum Lobpreis Gottes. Für ihn ist der festlichste Lobpreis des Menschen gerade gut genug.

Lk 11
47 Weh euch! Ihr errichtet Denkmäler für die Propheten, die von euren Vätern umgebracht wurden.

48 Damit bestätigt und billigt ihr, was eure Väter getan haben. Sie haben die Propheten umgebracht, ihr errichtet ihnen Bauten.
49 Deshalb hat auch die Weisheit Gottes gesagt: Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen senden und sie werden einige von ihnen töten und andere verfolgen,
50 damit das Blut aller Propheten, das seit der Erschaffung der Welt vergossen worden ist, von dieser Generation gefordert wird,
51 vom Blut Abels bis zum Blut des Zacharias, der zwischen Altar und Tempelhaus umgebracht wurde. Ja, das sage ich euch: An dieser Generation wird es gerächt werden.
52 Weh euch Gesetzeslehrern! Ihr habt den Schlüssel zur Erkenntnis weggenommen. Ihr selbst seid nicht hineingegangen und die, die hineingehen wollten, habt ihr daran gehindert.
53 Als Jesus von dort weggegangen war, begannen die Schriftgelehrten und die Pharisäer, ihn mit vielerlei Fragen hartnäckig zu bedrängen;
54 sie lauerten ihm auf, um ihn in seinen eigenen Worten zu fangen.

Heute hören wir so wie gestern Wehrufe gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten. Ihre Worte und Taten unterscheiden sich diametral. Die letzten Tage hat Jesus sie als Gräber bezeichnet, die von außen als solche nicht erkennbar sind.
Die Pharisäer und Schriftgelehrten sind peinlich darauf bedacht, die Menschen bei der Einhaltung aller Gebote, insbesondere der Ritualgebote, zu überwachen und selbst eine perfekte Fassade zu wahren, obwohl sie selbst sich gar nicht um ein Leben nach Gottes Geboten bemühen.
Heute spricht Jesus noch einen weiteren Aspekt ihrer Heuchelei an: Sie schmücken die Gräber und Gedenkstätten der Propheten und Gerechten. Sie errichten den Vätern Bauten. Dabei haben jene Toten ihr Leben dafür geopfert, Gottes Willen treu zu verkünden, die Selbstgerechten anzuprangern und immer wieder zur Umkehr aufzurufen. Sie mussten sehr oft dafür ihr Leben lassen, weil Selbstgerechte wie jene Pharisäer und Schriftgelehrten mit derselben Haltung nicht umkehren wollten. Wie heuchlerisch ist es also nun, dass die Pharisäer, die jene Propheten genauso abgelehnt hätten wie ihre Vorfahren, ihre Gräber pflegen? Sie kümmern sich nicht nur darum, sondern behaupten auch noch, dass sie die Propheten nicht umgebracht hätten. Dabei ist das, was die Propheten verkündet haben, verdichtet mit Jesus Christus gegeben, den sie nun mit aller Kraft ablehnen! Dadurch, dass sie sich mit ihren Worten so weit aus dem Fenster lehnen, bestätigen sie, dass sie die Söhne der Prophetenmörder sind. Denn sie nehmen dieselbe heuchlerische Haltung ein wie ihre Väter. Sie haben nicht das Bedürfnis, irgendwie Buße zu tun und stellvertretend für ihre Vorfahren Gott um Verzeihung zu bitten. So wiederholen sie dieselben Väter. Es ist wie mit der gesamten Weltgeschichte. Die schlimmen Ereignisse, Fehler, konkret die totalitären Regime und Kriege, wiederholen sich im Laufe der Geschichte immer wieder (vielleicht unter anderem Namen und Deckmantel, aber im Kern auf dieselbe Weise), weil die Menschen aus ihren Fehlern nicht lernen, weil sie keine Sühne leisten und sich von Gott nicht belehren lassen wollen.
Weil sie die vielen Generationen hindurch nicht aus ihren Fehlern lernen und bis zu ihrer Generation die Propheten umbringen lassen, wird das Unrecht nun an ihrer Generation gerächt werden. Wie ist das zu verstehen? Wir könnten es als Ankündigung der Tempelzerstörung und der Zerstörung der gesamten Stadt verstehen, als komplette Niederlage gegen die Römer. Es könnte sich auch auf den Triumph der Erlösung beziehen, denn jenen, den sie so sehr beseitigen wollen, Jesus Christus, wird von den Toten auferstehen. Es ist in dieser Hinsicht keine Rache im eigentlichen Sinn, aber ihr Plan wird zunichte gemacht.
Jesus hat heute erneute Weherufe auch an die Schriftgelehrten. Sie sitzen an der Quelle, wollen aber nicht glauben. Sie selbst gehen nicht durch die Tür des Glaubens und hindern noch die anderen daran, zu glauben. Das ist ein sehr hartes Urteil, das Jesus formuliert, damit sie sich der drastischen Situation bewusst werden und umkehren.
Stattdessen beginnen die Pharisäer und Schriftgelehrten, Jesus mit vielen Fragen zu bedrängen und auf die Probe zu stellen. Sie sind komplett provoziert worden und voller Zorn. Sie möchten das alles nicht auf sich sitzen lassen und wollen Jesus Böses. Sie haben die Zeit der Gnade nicht erkannt. Wenn Gott uns harte Worte zu sagen hat, tut er dies allein um unseres Heils willen. Er tut es aus Liebe, nicht weil es ihm Spaß macht. Es ist aber alles umsonst, wenn die Angesprochenen nicht richtig reagieren.

Und so wird Jesus wie seine Propheten am Ende umgebracht werden. Gott wird mundtot gemacht. Und doch hat er am Ende das letzte Wort. Er besiegt den Tod und lässt diese selbstgerechten Menschen komplett sprachlos. Wenn Jerusalem zerstört wird, werden es ausgerechnet die Hohenpriester sein, die Sadduzäer, die so gegen Jesus waren, die plötzlich arbeitslos werden. Denn es wird keinen Tempelkult mehr geben.

Schauen wir heute auf uns selbst und prüfen wir uns, wie wir reagieren auf die Kritik, die Gott an uns richtet. Sind wir bereit zur Umkehr, wenn Gott uns dazu aufruft? Tut es uns leid, wenn wir ihn beleidigt haben? Bitten wir den Herrn um seine Liebe. Denn wer Liebe in sich hat, kann auch bereuen und umkehren.

Ihre Magstrauss

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