Allerseelen

2 Makk 12,43-45; Ps 130,1-2.3-4.5-6b.6c-8; 1 Thess 4,13-18; Joh 11,17-27

2 Makk 12
43 Er veranstaltete eine Sammlung, an der sich alle beteiligten, und schickte etwa zweitausend Silberdrachmen nach Jerusalem, damit man dort ein Sündopfer darbringe. Damit handelte er sehr schön und edel; denn er dachte an die Auferstehung.

44 Denn hätte er nicht erwartet, dass die Gefallenen auferstehen werden, wäre es überflüssig und sinnlos gewesen, für die Toten zu beten.
45 Auch hielt er sich den herrlichen Lohn vor Augen, der für die hinterlegt ist, die in Frömmigkeit entschlafen. Ein heiliger und frommer Gedanke! Darum ließ er die Toten entsühnen, damit sie von der Sünde befreit werden.

Heute feiern wir das Fest Allerseelen. Dabei gedenken wir aller verstorbenen Gläubigen und vor allem jener, die wir als „Arme Seelen“ bezeichnen, die leidende Kirche im Fegefeuer. Das Fest geht auf den Abt Odilo von Cluny zurück und ist für die Gläubigen am Reinigungsort ein ganz großer Akt der Barmherzigkeit. Wir sind eine gemeinsame Kirche und dadurch mit diesen Armen Seelen verbunden. Sie sind arm, weil sie nichts für sich selbst tun können. Sie sind auf unser Gebet angewiesen. Umso mehr werden sie es uns zurückzahlen, wenn sie dann in die Herrlichkeit des Himmels eingehen und vor Gottes Thron stehen. Dann werden sie für uns Fürsprache halten.
In der ersten Lesung hören wir aus dem zweiten Makkabäerbuch eine Stelle, die die Kirche als Beleg für einen Reinigungsort anführt. Den Kontext bildet der Bericht über den Makkabäeraufstand angeführt durch Judas Makkabäus. Bei den Kämpfen sterben viele Menschen. Im 12. Kapitel wird von einer Schlacht bei Marescha berichtet, bei der viele der Juden gefallen sind. Als die Überlebenden den Sabbat begangen haben, kehren sie zum Schlachtfeld zurück, um ihre Leute zu bestatten. Dabei sehen sie, dass alle gefallenen Juden Amulette der Götter Jamnias unter ihrer Kleidung getragen haben und deshalb gefallen sind.
Deshalb hören wir heute also, dass eine liturgische Feier veranstaltet wird, bei dem eine Kollekte für den Jerusalemer Tempel abgehalten wird. Mit den gesammelten zweitausend Silberdrachmen soll ein Sündopfer dargebracht werden. Es heißt als Begründung: „Denn er dachte an die Auferstehung“. Gemeint ist Judas Makkabäus. Er glaubt, dass die Toten auferstehen werden. Das ist für das Alte Testament eine sehr fortschrittliche Vorstellung. Wenig später ist die Zeit des Kommens Christi gekommen und dann werden es die Pharisäer sein, die diese Auferstehung weiterhin vertreten im Gegensatz zu den Sadduzäern.
Es wird mit Nachdruck erklärt, dass wenn Judas an keine Auferstehung geglaubt hätte, er für die Gefallenen kein Sündopfer darbringen müsste. Das ist uns eine wichtige Lehre: Wenn wir an die Auferstehung der Toten glauben – und das macht unseren christlichen Glauben aus, der auf dem Osterereignis gründet! – dann beten wir auch für die Toten. Das hat nichts mit Spiritismus zu tun, weil die Seelen der Toten ja nicht mithilfe von Seancen oder anderen Methoden wieder zurückgeholt werden. Die Toten werden dort gelassen, wo sie jetzt sind, doch wird für ihr Seelenheil gebetet.
Judas hat den Lohn des Himmelreichs vor Augen, der jenen bereitsteht, „die in Frömmigkeit entschlafen“ sind, wir sagen, „die im Stand der Gnade gestorben sind“. Damit die Gefallenen in das Himmelreich eingehen können, ermöglicht Judas also das Sündopfer für sie. Das Ganze steht noch aus, aber nicht, weil das Ende der Zeiten noch nicht gekommen ist (außer die leibliche Auferstehung, denn diese bleibt etwas, das wir alle erst am Ende der Zeiten erfahren), sondern schon mit Christi Erlösungswirken einsetzt: Unsere Seelen dürfen schon eingehen in das Himmelreich, dessen verschlossene Tür seit dem Sündenfall nun wieder geöffnet ist. Die „Vorhölle“ bzw. der Limbus ist nun leer. Die Gerechten des Alten Testaments durften in das Himmelreich eingehen.
Zum Ende hin hören wir nun die Wirkung des Sündopfers: Es sühnt die Sünde der Toten. Diese Sünde besteht im Götzendienst durch die Amulette. Sühne heißt nicht Vergebung, sondern Wiedergutmachung des entstandenen Schadens. Dieser Schaden wiederum ist ein Graben zwischen Gott und dem Sünder. Die Beziehung ist zerbrochen und muss an dieser Stelle wieder gekittet werden, selbst wenn Gott dem Menschen die Schuld vergeben hat.

Ps 130
1 Ein Wallfahrtslied. Aus den Tiefen rufe ich, HERR, zu dir:

2 Mein Herr, höre doch meine Stimme! Lass deine Ohren achten auf mein Flehen um Gnade.
3 Würdest du, HERR, die Sünden beachten, mein Herr, wer könnte bestehn?
4 Doch bei dir ist Vergebung, damit man in Ehrfurcht dir dient.
5 Ich hoffe auf den HERRN, es hofft meine Seele, ich warte auf sein Wort.
6 Meine Seele wartet auf meinen Herrn mehr als Wächter auf den Morgen, ja, mehr als Wächter auf den Morgen.
7 Israel, warte auf den HERRN, denn beim HERRN ist die Huld, bei ihm ist Erlösung in Fülle.
8 Ja, er wird Israel erlösen aus all seinen Sünden.

Als Antwort beten wir den sehr bekannten Psalm 130, der auf Beerdigungen gebetet wird. Es handelt sich dabei um einen Bußpsalm. Er ist als Wallfahrtslied von den Juden bei den Wallfahrtsfesten gebetet worden. Bei den Festen wurden ja Sündopfer etc. dargebracht, die durch solche Gebete begleitet worden sind.
„Aus den Tiefen rufe ich, HERR, zu dir“ ist der Ausdruck des Menschen auf Erden, der Gott im Himmel anruft. Es meint aber viel mehr als nur die lokale Bezeichnung, denn der Mensch ist in der Tiefe seiner Begrenztheit und Unvollkommenheit. Somit kann diese lokale Zuschreibung auch den moralischen Zustand umschreiben. Der Mensch ist in den Tiefen, weil er gesündigt hat. Der Mensch ist in den Tiefen, weil er im Exil außerhalb des Paradieses leben muss, nachdem das erste Menschenpaar den Platz im Garten Eden verloren hat. Umso lauter ergeht dieser Ruf nun also von der gesamten Menschheit, die nach Erlösung ruft. Der Messias soll kommen, um die Menschheit aus diesem Exil zu befreien. Der Mensch ruft schließlich aus der Tiefe des Totenreiches voller Sehnsucht zu Gott, dass er ihn emporhebe in das Himmelreich.
„Mein Herr, höre doch meine Stimme! Lass deine Ohren achten auf mein Flehen um Gnade.“ Der Graben zwischen Gott und Mensch ist sehr tief. Christus wird aber eine Brücke schlagen durch das Kreuz.
„Würdest du, HERR, die Sünden beachten, mein Herr, wer könnte bestehn?“ Wenn Gott eine Rechenmaschine ohne Barmherzigkeit und Vergebung wäre, könnte kein Mensch in das Himmelreich eingehen, weil die Menschheit eine gefallene Schöpfung ist. Keiner kann aus eigener Kraft das Himmelreich verdienen. Doch Gott ist vergebungsbereit, so sehr, dass die Menschen die Chance haben, ihm in Ehrfurcht zu dienen. Das dürfen nicht nur die Juden auf Erden durch den Jerusalemer Tempel und wir nun, die wir im Neuen Bund mit ihm stehen und vor das Allerheiligste treten dürfen, sondern vollkommen im Himmelreich.
Darauf setzen Juden wie Christen ihre Hoffnung. Die Juden warten auf das erste Kommen des Messias, damit er die Erlösung bringe. Sie warten auf das Wort, das Fleisch werden würde. Die Christen haben die Gnade bereits erlangt und sind auf seinen Namen getauft worden. Und doch warten auch sie voller Sehnsucht auf das Wort, nämlich auf die Rückkehr des fleischgewordenen Wortes am Ende der Zeiten. Christen sind ebenso adventliche Menschen wie die Juden vor dem Kommen des Messias.
Das Warten auf den Herrn wird verglichen mit der Sehnsucht der Wächter auf den Morgen. Dieses Bild ist nicht willkürlich gewählt, sondern besitzt eine lange Tradition. Der Messias wird nämlich aus dem Osten erwartet. Gestern hörten wir einen ähnlichen Code in der Lesung aus der Johannesoffenbarung. Der Osten wiederum wird sehr oft mit „Sonnenaufgang“ umschrieben, weil es kein Wort für diese Himmelsrichtung gibt. Nicht umsonst wird Jesus dieses gesamte Bildfeld aufgreifen und in seinen apokalyptischen Reden immer wieder von Wachsamkeit, von Nachtwachen und vom Morgengrauen sprechen. Ja, seine Auferstehung findet nicht umsonst im Morgengrauen statt! Das ist eine höchst zeichenhafte Handlung Gottes.
Israel wartet auf die Erlösung. Die Messiaserwartung wird immer stärker. Besonders im Exil wird sie akut, denn wo das Leiden besonders stark ist, wird Erlösung umso mehr ersehnt.
Die Erlösung, die Israel erwartet, wird oft auf politischer Ebene vermutet. Jesus wird immer wieder klarstellen, dass es ihm nicht um eine politische Befreiung geht, sondern um das Reich Gottes, das nicht von dieser Welt ist. Die Erlösung – und das ist sehr erstaunlich fortschrittlich in diesem Text – ist in erster Linie eine Erlösung von den Sünden. Jesu Erlösungswirken ist dabei so umfassend und vollkommen, dass sie beim Tod keinen Halt macht. Das ist der Grund, warum wir heute Allerseelen feiern.

1 Thess 4
13 Brüder und Schwestern, wir wollen euch über die Entschlafenen nicht in Unkenntnis lassen, damit ihr nicht trauert wie die anderen, die keine Hoffnung haben.

14 Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott die Entschlafenen durch Jesus in die Gemeinschaft mit ihm führen.
15 Denn dies sagen wir euch nach einem Wort des Herrn: Wir, die Lebenden, die noch übrig sind bei der Ankunft des Herrn, werden den Entschlafenen nichts voraushaben.
16 Denn der Herr selbst wird vom Himmel herabkommen, wenn der Befehl ergeht, der Erzengel ruft und die Posaune Gottes erschallt. Zuerst werden die in Christus Verstorbenen auferstehen;
17 dann werden wir, die Lebenden, die noch übrig sind, zugleich mit ihnen auf den Wolken in die Luft entrückt zur Begegnung mit dem Herrn. Dann werden wir immer beim Herrn sein.
18 Tröstet also einander mit diesen Worten!

In der zweiten Lesung erklärt Paulus eine wichtige Sache: In den ersten Christengenerationen ging man davon aus, dass die Wiederkunft Christi sehr bald geschehen werde, also noch in der Lebenszeit der ersten Christen. Doch es blieb aus und die ersten Christen starben. Es entstanden also nun Fragen und Ängste, denn was würde aus diesen bereits Verstorbenen werden, wenn Christus wiederkommt? Deshalb thematisiert Paulus dies nun:
Die Christen sollen nicht trauern wie jene, die keine Hoffnung haben. Er sagt nicht, dass man überhaupt nicht trauern soll über den Verlust eines Menschen, sondern dass man daran nicht verzweifeln soll. Denn auch wenn wir traurig sind, dass unsere geliebten Menschen von uns gegangen sind, so hoffen wir dank Jesu Tod und Auferstehung, dass es nur eine vorübergehende Trennung ist. Wir hoffen darauf, dass wir uns in der Ewigkeit wiedersehen. Deshalb sagen wir nicht „auf nimmer Wiedersehen“ zu unseren Verstorbenen, sondern „bis bald“. Diese Hoffnung können wir als Getaufte haben, weil wir österliche Menschen sind.
Paulus argumentiert in Vers 14 mit dem Osterereignis, das den Anfang dessen markiert, dem auch wir folgen werden.
„So wird Gott die Entschlafenen durch Jesus in die Gemeinschaft mit ihm führen.“ Paulus benutzt hier die Zukunftsform, auch im Griechischen (ἄξει axei). Das können wir entweder so verstehen, dass es nach dem biologischen Tod geschieht und davon ausgehend als zukünftig zu verstehen ist, oder Paulus meint damit schon die leibliche Auferstehung, die erst am Ende der Zeiten allen Menschen zuteilwird. Diese zweite Möglichkeit ist ziemlich wahrscheinlich, weil er an vielen Stellen das Thema Auferstehung mit der leiblichen Auferstehung in Verbindung bringt. Was wir also jetzt schon erleben – die Auferstehung der Seele – ist noch nicht der Endpunkt, weshalb er das hier auch nicht anspricht. Diesen Ausführungen ist wahrscheinlich die Frage nach dem Ende der Zeiten vorausgegangen, deshalb bezieht sich Paulus bei seiner Antwort im 1 Thess auch auf die leibliche Auferstehung am Ende der Zeiten.
Der Kern seiner Erklärung ist in Vers 15 zu lesen: „Wir, die Lebenden, die noch übrig sind bei der Ankunft des Herrn, werden den Entschlafenen nichts voraushaben.“ Dies ist ja die Sorge der Thessalonicher wegen der bereits verstorbenen Gemeindemitglieder. Paulus erklärt, dass beide – die bereits Verstorbenen sowie die noch Lebenden – gleichermaßen mit Leib und Seele in die Ewigkeit eingehen werden. Es wird am Ende der Zeiten, wenn der Menschensohn wiederkommt und seine Engel ihm bei der Sammlung aller Menschen zum Weltgericht helfen werden, zuerst die Verstorbenen auferstehen. Was damit gemeint ist, lesen wir in vielen Bibelstellen darüber hinaus. Sogar im Matthäusevangelium wird berichtet, dass im Moment des Kreuzestodes Christi sich die Gräber geöffnet haben und die Verstorbenen herausgetreten sind, allerdings erst nach der Auferstehung Jesu Christi. Diese ersten „Mitauferstandenen“ sollten den Menschen als Zeichen dienen, dass Christus wirklich der Messias ist, der den Tod besiegt und die Auferstehung aller gebracht hat.
Die Verstorbenen werden also zuerst auferstehen und es wird eine leibliche Auferstehung sein. Ihre Seelen sind ja nicht zusammen mit ihrem verwesten Leib im Grab geblieben. Der Mehrwert dieser Auferstehung besteht in der Auferstehung des Leibes.
Dann werden die noch Lebenden mit Leib und Seele in die Ewigkeit eingehen.
Paulus sagt, dass die Lebenden auf den Wolken in die Luft entrückt werden. Diese Formulierung ist ganz bewusst so gewählt, denn die Christen wissen, wie Jesus auf diese Weise in den Himmel aufgefahren ist. Die Christen werden ihm also auf demselben Weg folgen. „Auf den Wolken“ meint dabei mehr als nur die Ansammlung kondensierenden Wasserdampfes. Es ist ein Code und Theophaniezeichen Gottes. Die Wolke erscheint immer da, wo Gott ist. Dieser nimmt den Menschen also in die Ewigkeit auf. Das wird durch dieses Zeichen ausgedrückt. Wir gehen also direkt in die Arme des Vaters, in seine Begegnung, in die ewige Gemeinschaft mit ihm, wenn wir im Stand der Gnade sterben.
Diese tröstenden Worte sollen die Thessalonicher einander immer wieder zusagen, damit sie nicht verzagen über den Tod ihrer Gemeindemitglieder, bevor Christus wiederkommt.

Joh 11
17 Als Jesus ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen.

18 Betanien war nahe bei Jerusalem, etwa fünfzehn Stadien entfernt.
19 Viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten.
20 Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus sitzen.
21 Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.
22 Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.
23 Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen.
24 Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Jüngsten Tag.
25 Jesus sagte zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,
26 und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?
27 Marta sagte zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.

Im Evangelium hören wir von der Auferweckung des Lazarus bzw. das vorausgehende Gespräch Jesu mit der Schwester des Verstorbenen, Marta. Nicht umsonst ist uns diese Episode in der Osteroktav verlesen worden, denn das gesamte Ereignis verstehen wir also Vorausbild des Osterereignisses. Was mit Lazarus passiert ist, ist ein kleiner Funke dessen, was mit Christus und in seiner Nachfolge mit uns allen passieren wird. Dabei ist gewiss der Unterschied zu nennen, dass bei der Auferstehung von den Toten nicht einfach eine Wiederbelebung stattfindet, sondern der gesamte Leib des Menschen gewandelt wird zu einem verklärten Auferstehungsleib.
Als Jesus mit seinen Jüngern unterwegs nach Betanien ist, kommt Marta ihm entgegen, während Maria im Haus bleibt. Die beiden Frauen trauern sehr um ihren Bruder, der an einer Krankheit verstorben ist. Sie sind zunächst beide im Haus, wo viele Menschen zu ihnen kommen und sie trösten. Als Marta von Jesu Kommen hört, ist sie sofort unterwegs zu ihm. Das ist bezeichnend, denn Marta ist der aktive Part der Familie. Sie ist voller Tatendrang und führt viele Liebestaten aus. Aus dem Lukasevangelium ist uns ja die Episode überliefert, in der Marta Jesus bewirtet und Maria seinen Worten lauscht. Marta ist wirklich eine Frau der Tat! Maria dagegen ist der kontemplative Part der Familie, die Ruhende und Hörende, die sich auf Jesus einlässt und gut in sich gehen kann. Deshalb verwundert es auch nicht, dass Maria im Haus zurückbleibt.
Warum aber geht Marta Jesus entgegen? Sie tut es nicht nur, weil sie ihn so ersehnt und so schnell wie möglich bei ihm sein möchte. Womöglich tut sie es, um Jesus nicht bis zum Haus kommen zu lassen, in dem Lazarus gestorben ist und wo deshalb für sieben Tage kultische Unreinheit herrscht. Vielleicht möchte sie nicht, dass Jesus danach isoliert sein muss. Andererseits: Sie selbst ist ja auch kultisch verunreinigt und dürfte somit gar nicht auf ihn zugehen. Also bezeugt sie durch dieses Verhalten vielmehr ihren starken Glauben, der stärker als die Furcht vor kultischer Unreinheit ist.
Sie ist voller Trauer und doch glaubt sie, dass Jesus vom Vater alles erbitten kann. Sie hadert nicht mit Jesus, auch wenn sie ihm sagt: „Wärst du hier gewesen, wäre er nicht gestorben.“ Ihr Gottvertrauen ist größer als ihre Trauer. Deshalb sagt sie: „Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.“
Jesus erklärt ihr, dass der Bruder nicht sterben wird. Sie versteht es so, dass Jesus die Auferstehung am letzten Tag meint. Das ist ja schon ein Glaube, den es bei den Juden gibt. Wir hörten davon ja auch in der ersten Lesung. Jesus möchte aber sagen, dass es eine Auferstehung von den Toten auch schon vor dem Ende der Zeiten geben wird, nämlich eine Auferstehung der Seele, selbst beim Sterben des Leibes. Das ist der entscheidende Punkt, den viele „bibeltreue Christen“ oft ignorieren und deshalb die Fürbitte für die Toten als Spiritismus missverstehen. Jesus ist die Auferstehung und das Leben. Der daran Glaubende wird leben, auch wenn er stirbt, also trotz biologischem Tod. Damit nimmt er vorweg, was uns allen geschenkt wird, wenn Jesus die ganze Welt erlöst. Er selbst ist die Auferstehung, weil mit seiner Person das ewige Leben dem Menschen ermöglicht wird, der an ihn glaubt.
In diesem Sinne verstehen wir es, wenn Jesus sagt, dass der Mensch leben wird, auch wenn er stirbt, ja sogar auf ewig nicht sterben wird. Dies bezieht sich dann auf das ewige Leben bei Gott, das wir zunächst seelisch haben bis zum Weltende, wo wir mit unseren Leibern wieder vereint werden.
Marta hat ihren geliebten Bruder verloren und doch vertraut sie auf den Herrn. Sie ist so, wie Paulus den Thessalonichern erklärt. Sie ist traurig, aber sie hat Hoffnung und verzweifelt über den Tod ihres Bruder nicht. Sie bekennt gläubig, dass Jesus der Messias ist. Das ist sehr erstaunlich, denn so ein Messiasbekenntnis ist sonst sehr selten überliefert. Wir wissen z.B. von Petrus, dass er Jesus als Messias offen bekennt. An diesem Gespräch zeigt sich uns, was für ein glaubensstarker Mensch Marta ist.
Auferstehung hängt an Jesus Christus, der selbst gestorben und wieder auferstanden ist. Dieses Erlösungsgeschehen vergegenwärtigt sich in jeder Hl. Messe. Deshalb ist es so wertvoll, dass wir für die Toten die Hl. Messe feiern. Nichts kann ihre Sünde so sehr sühnen wie das Opfer, das Christus selbst dargebracht hat für alle Zeiten. Er ist zum Sündopfer geworden, das nicht mehr im Jerusalemer Tempel dargebracht wird, sondern auf dem Golgota geopfert worden ist. Dieses ist endgültig und reicht in jede Zeit und an jeden Ort hinein – in jeder Hl. Messe, auf jeden Altar.

Die Armen Seelen werden es uns danken, wenn wir ihnen diesen Akt der Barmherzigkeit zukommen lassen. Schließlich ist es unsere ganz große Hoffnung, dass wir uns am Ende alle wiedersehen in der Herrlichkeit Gottes!

Herr, gibt allen Verstorbenen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen. Herr, lass sie ruhen in Frieden. Amen.

Ihre Magstrauss

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