Freitag der 1. Woche im Jahreskreis

Hebr 4,1-5.11; Ps 78,3 u. 4cd.6c-7.8; Mk 2,1-12

Hebr 4
1 Darum lasst uns ernsthaft besorgt sein, dass keiner von euch zurückbleibt, solange die Verheißung, in seine Ruhe zu kommen, noch gilt.
2 Denn auch uns ist das Evangelium verkündet worden wie jenen; doch hat ihnen das Wort, das sie hörten, nichts genützt, weil es sich nicht durch den Glauben mit den Hörern verband.
3 Denn wir, die wir gläubig geworden sind, kommen in seine Ruhe, wie er gesagt hat: Darum habe ich in meinem Zorn geschworen: Sie sollen nicht in meine Ruhe kommen. Und doch waren die Werke seit Erschaffung der Welt getan,
4 denn vom siebten Tag heißt es an einer Stelle: Und Gott ruhte am siebten Tag von all seinen Werken;
5 hier aber heißt es: Sie sollen nicht in meine Ruhe kommen.
11 Bemühen wir uns also, in jene Ruhe einzugehen, damit niemand aufgrund des gleichen Ungehorsams zu Fall kommt!

Heute hören wir in der Lesung aus dem Hebräerbrief die Schlussfolgerung des Argumentationsgangs von gestern. Da hörten wir die Warnung, so zu sein wie die Väter in der Wüste, als sie Gott auf die Probe gestellt und misstraut haben. Diese haben durch ihr Verhalten die Aussicht auf das Land der Ruhe verloren. Dieses verheißene Land, in dem Milch und Honig fließen, ist auch für uns entscheidend, denn wir gehen über den Wortsinn hinaus: Auch uns Christen steht das Land der Ruhe in Aussicht, das nun aber nicht mehr einen irdischen Ort meint, sondern das Himmelreich. Wenn wir Gott misstrauen und nicht auf Christus hören, verlieren auch wir das Land der Ruhe.
So erfolgt zu Anfang die Ermahnung, alles daran zu setzen, in dieses Land der Ruhe zu kommen. Das ist unsere Berufung hier auf Erden. Und dabei sollen wir uns bemühen, dass keiner zurückbleibt. Was heißt das? Wir übernehmen die Verantwortung auch für andere Menschen, dass auch sie ins Himmelreich gelangen, vor allem für unsere Kinder, für die wir ja Sorge tragen – nicht nur für das leibliche Wohl! Wir sollen füreinander beten, fasten und opfern, damit jeder die Gnade der Umkehr erlangt und noch rechtzeitig zu Gott zurückkommt.
Interessant ist, dass die Verkündigung des Willens Gottes durch Mose als „Evangelium“ bezeichnet wird. Dem Volk Israel ist bereits diese frohe Botschaft verkündet worden, die auch Jesus verkündet. Hier wird eine Kontinuität hergestellt zwischen der Botschaft der jüdischen Schriften und dem Evangelium Jesu Christi. Im Gegensatz zu jenen, die das Wort nicht an sich herangelassen haben („weil es sich nicht durch den Glauben mit den Hörern verband“), haben es doch die Adressaten des Hebräerbriefes, weil sie haben taufen lassen. Die Taufe wird hier umschrieben mit der Wendung „die wir gläubig geworden sind“. Als Zeichen des inneren Glaubens ist die Taufe vorgenommen worden. Die Taufe ist Bestätigung dafür, dass die Getauften Gott wirklich gehorsam geworden sind und deshalb das Land der Ruhe erben.
Dann wird als Argument das Schöpfungswerk herangezogen, in dem nämlich das „Land der Ruhe“ begründet ist: Gott hat in sechs Tagen alles geschaffen und am siebten Tag geruht „von all seinen Werken“. Das ist nicht einfach nur eine Analogie, die hergestellt werden soll in Bezug auf die Christen, die nach den sechs Tagen ihres irdischen Daseins voller Arbeit, Unrast und Mühe in den ewigen Sabbat ihres Lebens treten dürfen, in die ewige Ruhe bei Gott. Mithilfe dieser Argumentation wird den Christen zugesagt, dass dieses ewige Land der Ruhe, das Himmelreich von Erschaffung der Welt an bereits für sie bereitliegt! „Die Werke“ sind „seit Erschaffung der Welt getan“.
Das Land der Ruhe, das Himmelreich, erlangen wir also dann, wenn wir einen gläubigen Gehorsam vorzuweisen haben. Es geht nicht einfach um ein für wahr Halten des Evangeliums theoretischer Art, sondern um ein gehorsames Halten der Gebote Gottes. Wenn wir ihm ganz vertrauen, der nur das Beste für uns will, werden wir dieses Land erben.
Die Väter in der Wüste werden hier nicht deshalb zum Vergleich herangezogen, um pauschal den Alten Bund zu verurteilen im Sinne: „Weil die Israeliten ungehorsam waren, ist der Alte Bund nun endgültig abgeschlossen.“ Vielmehr geht es darum, die Konsequenz des Ungehorsams aufzuzeigen: So wie es jene Generation getan hat, soll es bei den Christen nicht sein. Denn auch sie können das Erbe dieses himmlischen Landes verspielen. Aufgrund des Ungehorsams gegenüber Gott kann man aus dem „Testament“ gestrichen werden.
Die Christen sollen sich also darum bemühen, in das Land der Ruhe zu kommen. Jesus sagt in den Evangelien, dass wir alles daran setzen sollen, durch die enge Tür zu gelangen. Das Himmelreich zu erreichen ist wirklich kein Kinderspiel, sondern ein harter Kampf bis zum Schluss.

Ps 78
3 Was wir hörten und erfuhren, was uns die Väter erzählten,
4 die ruhmreichen Taten des HERRN und seine Stärke, die Wunder, die er getan hat.
6 Sie sollen aufstehen und es ihren Kindern erzählen,
7 damit sie ihr Vertrauen auf Gott setzen, die Taten Gottes nicht vergessen und seine Gebote bewahren
8 und nicht werden wie ihre Väter, ein Geschlecht voll Trotz und Empörung, ein Geschlecht, dessen Herz nicht fest war und dessen Geist nicht treu zu Gott hielt.

Als Antwort auf die Lesung beten wir Ps 78, einen Psalm des Leviten Asaf, der für den Lobpreis am Heiligtum zuständig war. In Ps 78 wird eine geschichtliche Rückschau vorgenommen, wobei es darum geht, die vergangene Geschichte als Lektion zu sehen. Es werden also durchaus negative Erfahrungen und Fehler thematisiert, die nicht wiederholt werden sollen. Asaf erklärt zu Beginn des Psalms auch den Anlass und Zweck seines Liedes: Gott hat die Väter beauftragt, alles ihren Kindern zu erzählen, damit die Geschichte nicht vergessen wird. Nicht nur die Fehler sollen erzählt werden, sondern vor allem die ruhmreichen Taten des Herrn, die vielen Wunder und Heilstaten. Wenn die nachfolgenden Generationen diese nicht aus dem Blick verlieren, werden sie auch nicht so schnell undankbar werden.
Sie sollen dadurch auch in ihrem Vertrauen auf Gott gestärkt werden, damit sie gehorsam und vertrauensvoll seine Gebote halten. Das ist ein wichtiger Aspekt, der uns auf die Wundertaten Christi führt: Immer wieder lesen wir in den Evangelien, vor allem im Johannesevangelium, dass er die Taten vollbringt, damit die Menschen zum Glauben an ihn kommen. Er tut z.B. sein erstes Wunder in Kana, um seine Herrlichkeit zu offenbaren und seine Jünger glauben an ihn (Joh 2,11). Gott möchte mit seinen Heilstaten also den Glauben seines Volkes stärken.
Es soll mit den nachfolgenden Generationen des Volkes Israel nicht so sein wie damals, als die Väter in der Wüste Gott auf die Probe gestellt haben. In diesem Psalm wird dieses Ereignis reflektiert und bewertet. So erfahren wir, warum es überhaupt dazu kam. Die Diagnose: „ein Geschlecht, dessen Herz nicht fest war und dessen Geist nicht treu zu Gott hielt.“ Die zukünftigen Generationen sollen ein festes Herz und einen treuen Geist haben.
Diese Worte des Psalms betreffen auch uns. Wir sollen von den Erfahrungen unserer Vorfahren lernen, die guten Vorbilder nachahmen und die vergangenen Fehler vermeiden. Wenn wir aus den Fehlern der anderen nicht lernen, werden wir dafür zur Rechenschaft gezogen.

Mk 2
1 Als er nach einigen Tagen wieder nach Kafarnaum hineinging, wurde bekannt, dass er im Hause war.

2 Und es versammelten sich so viele Menschen, dass nicht einmal mehr vor der Tür Platz war; und er verkündete ihnen das Wort.
3 Da brachte man einen Gelähmten zu ihm, von vier Männern getragen.
4 Weil sie ihn aber wegen der vielen Leute nicht bis zu Jesus bringen konnten, deckten sie dort, wo Jesus war, das Dach ab, schlugen die Decke durch und ließen den Gelähmten auf seiner Liege durch die Öffnung hinab.
5 Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!
6 Einige Schriftgelehrte aber, die dort saßen, dachten in ihrem Herzen:
7 Wie kann dieser Mensch so reden? Er lästert Gott. Wer kann Sünden vergeben außer dem einen Gott?
8 Jesus erkannte sogleich in seinem Geist, dass sie so bei sich dachten, und sagte zu ihnen: Was für Gedanken habt ihr in euren Herzen?
9 Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben! oder zu sagen: Steh auf, nimm deine Liege und geh umher?
10 Damit ihr aber erkennt, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben – sagte er zu dem Gelähmten:
11 Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Liege und geh nach Hause!
12 Er stand sofort auf, nahm seine Liege und ging vor aller Augen weg. Da gerieten alle in Staunen; sie priesen Gott und sagten: So etwas haben wir noch nie gesehen.

Jesus zieht durch ganz Galiläa. Im heutigen Abschnitt hören wir, dass er nach Kafarnaum zurückkehrt. Es scheint eine Art „Basis“ in der Galiläa-Mission zu sein. Die Menschen erfahren davon und versammeln sich erneut um seinen Aufenthaltsort. Dieser bleibt unbestimmt, aber wir können vermuten, dass es wieder das Haus des Petrus ist.
Es sind so viele Menschen anwesend, dass sie gar nicht ins Haus passen. Sie versammeln sich um das Haus, um „das Wort“ zu hören, das Jesus ihnen verkündet. Er selbst ist das fleischgewordene Wort, das vollständig umsetzt, was es verkündet.
Es ist so voll, dass man einen Gelähmten nebst Trage nicht durch die Tür bekommt. „Not macht erfinderisch“ und diese Menschen meinen es sehr ernst. Sie tun alles, um zu Jesus vorzudringen. Kurzerhand entfernen sie einen Teil des Daches, um Jesus zu erreichen. Sie unternehmen wirklich einiges, um zu Jesus kommen zu können. Dieser sieht, dass ihr Glaube groß ist.
Daraufhin sagt Jesus etwas Unerwartetes: „Deine Sünden sind dir vergeben.“ Die Anwesenden werden sehr irritiert reagiert haben. Erstens werden sie sich gewundert haben, warum Jesus einen Gelähmten nicht heilt, sondern über Sündenvergebung spricht, zweitens kann nur Gott die Sünden vergeben. Jesu Aussage ist also sehr provokativ.
Dementsprechend reagieren einige Schriftgelehrte auch mit Unmut und empfinden Jesu Worte als Blasphemie. Sie haben Jesu Gottheit nicht erkannt und reagieren deshalb so ablehnend. Jesus sieht ihr Herz und möchte sie lehren. Er erklärt ihnen, dass die Sündenvergebung schwieriger ist als die körperliche Heilung. Hier geht es um etwas Existenzielleres, nämlich um das ewige Leben.
Jesus möchte den Anwesenden zeigen, dass er der Messias ist, der Sünden vergeben kann. Er hat dazu die Vollmacht vom Vater erhalten. Dies ist wichtiger als alles andere, denn die Sünde schneidet uns von Gott ab, sodass wir das ewige Leben verlieren – das Land der Ruhe, um es einmal mit den Worten des Hebräerbriefes zu sagen. Jesus geht es immer, wirklich immer zuerst um das Reich Gottes (so wie er es uns verkündet, lebt er es vor). Dann erst kommt als „Bonus“ körperliche Heilung – auch gerade dann, wenn diese vom seelischen Zustand des Betreffenden abhängt.
Jesus möchte diese Reihenfolge den Menschen verdeutlichen und heilt deshalb zunächst die Seele, die Gottesbeziehung des Gelähmten, und erst dann die Lähmung selbst.
Diese Heilung ist wirklich wörtlich zu nehmen. Bis heute heilt Jesus Menschen, auch Gelähmte. Ich habe selbst mit eigenen Augen gesehen, wie ein Mann, der einen Motorradunfall hatte und kaum beweglich war – also halb gelähmt – von einem Moment auf den anderen ganz gesund war. Er konnte sich wieder ganz bewegen. Dies geschah erst, nachdem er eine gute Beichte abgelegt hat. Es war genauso wie im heutigen Evangelium. Darüber hinaus können wir die Lähmung des Mannes auf moralischer Ebene betrachten, ohne die wörtliche zu entkräften: Die Sünde legt den Menschen lahm. Er kann nicht mehr gegen den Bösen ankämpfen, sondern ist eigentlich ein Fall für das Lazarett. Der Böse ist aber nicht so fair und verschont ihn, sondern macht den Menschen ja gerade hilflos. Gott richtet uns auf, wenn wir das Sakrament der Versöhnung in Anspruch nehmen. Dann tut er mit unserer Seele genau das, was wir immer wieder von Jesus lesen: Er fasst uns bei der Hand und richtet uns auf. Wenn wir durch die Beichte wieder mit Gott versöhnt sind, sagt er zu uns „geh nach Hause“, das heißt zurück in die Gemeinschaft der Kirche. Und wenn wir im Stand der Gnade sterben, kann Gott auch uns am Ende unseres Lebens sagen: „Geh nach Hause“, nämlich zu ihm in sein himmlisches Reich.
Gerade mit Blick auf die anderen Lesungen des heutigen Tages ist hier noch etwas Wichtiges herauszustellen, nämlich warum die Sündenvergebung Priorität hat: Der Mensch kann nur dann in das Land der Ruhe, wenn er im Stand der Gnade ist. Der Gelähmte und seine Angehörigen beweisen ihren großen Glauben durch ihr Verhalten. Sie haben wirklich die Sehnsucht und trauen Christus zu, dass er den Gelähmten heilen kann. Sie tun deshalb alles für die Begegnung mit Jesus. Erst die Sündenvergebung bringt den Mann wieder in den Stand der Gnade. Erst dann kann seine Bitte, geheilt zu werden, erfüllt werden.

Wenn wir ungehorsam sind, also die Gebote Gottes nicht halten und sündigen, beeinträchtigen wir die Beziehung zu Gott. Christus zeigt uns einen Weg auf, zur Versöhnung zu kommen. Es gibt für uns einen Ausweg aus der Abgeschnittenheit vom Land der Ruhe. Aber auch da ist es irgendwann zu spät, nämlich wenn wir sterben. Nutzen auch wir die Zeit der Gnade, nehmen wir die Heilsmittel in Anspruch, um uns mit Gott zu versöhnen, vor allem die Beichte. Tun wir wirklich alles daran, in dieses Land zu kommen, und helfen wir auch unseren Mitmenschen dabei, dieses Zeil zu erreichen. Vermeiden wir die Fehler derer, die verstockt und ungehorsam waren, und orientieren wir uns an denen, die besonders vorbildlich den Weg ins Land der Ruhe gegangen sind – unsere Heiligen, vor allem unsere liebe Mutter Maria. Sie hat gehorsam ja gesagt. Mit ihr an unserer Seite, genauso in Gemeinschaft mit den vielen anderen Heiligen ist der Weg ins Himmelreich viel einfacher! Wir sind nicht allein auf diesem steinigen Weg, der ein steter Kampf ist.

Ihre Magstrauss

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