16. Sonntag im Jahreskreis (B)

Jer 23,1-6; Ps 23,1-3.4.5.6; Eph 2,13-18; Mk 6,30-34

Jer 23
1 Weh den Hirten, die die Schafe meiner Weide zugrunde richten und zerstreuen – Spruch des HERRN.
2 Darum – so spricht der HERR, der Gott Israels, über die Hirten, die mein Volk weiden: Ihr habt meine Schafe zerstreut und sie versprengt und habt euch nicht um sie gekümmert. Jetzt kümmere ich mich bei euch um die Bosheit eurer Taten – Spruch des HERRN.
3 Ich selbst aber sammle den Rest meiner Schafe aus allen Ländern, wohin ich sie versprengt habe. Ich bringe sie zurück auf ihre Weide und sie werden fruchtbar sein und sich vermehren.
4 Ich werde für sie Hirten erwecken, die sie weiden, und sie werden sich nicht mehr fürchten und ängstigen und nicht mehr verloren gehen – Spruch des HERRN.
5 Siehe, Tage kommen – Spruch des HERRN – , da werde ich für David einen gerechten Spross erwecken. Er wird als König herrschen und weise handeln und Recht und Gerechtigkeit üben im Land.
6 In seinen Tagen wird Juda gerettet werden, Israel kann in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: Der HERR ist unsere Gerechtigkeit.

Die heutige erste Lesung aus dem Buch Jeremia stellt die Prophezeiung eines davidischen Herrschers dar, der ganz Israel retten wird.
Zunächst erfolgt ein Weheruf an schlechte Hirten, die nämlich die Schafe zerstören und zerstreuen. Das ist ein pastorales Bild, das aber auf den Herrscher über Israel zu beziehen ist. Der König soll sein ihm anvertrautes Volk beisammenhalten und aufblühen lassen, statt es zugrunde gehen zu lassen. Gott lässt ein böses Verhalten nicht ungesühnt, weil sein Herz für sein Volk schlägt.
Er wird schlechte Hirten konfrontieren und ihre Taten auf sie zurückwerfen. Was hier angekündigt wird, ist das Gericht Gottes.
Vers 3 impliziert, dass es zu einer Versprengung kommen wird. Jeremia prophezeit dem Südreich Juda die Katastrophe des Babylonischen Exils. Es wird zu einer Zerstreuung der Israeliten kommen, was deshalb so drastisch ist, weil das Heimatland eine Gottesgabe darstellt. Der Verlust dieser Heimat geht mit einem Verlust des Segens Gottes einher. Es handelt sich gleichsam um ein gewaltsames Vertreiben der Herde von ihrer eigenen Weide. Doch nach diesem Gerichtswirken wird das Heil Gottes kommen. Wer dann noch übriggeblieben ist, wird zurück auf die Weide geführt, das heißt in das Gelobte Land zurückkehren. Von diesem Baumstumpf, um es in einem Bild des Propheten Jesaja zu umschreiben, wird wieder ein großer Baum wachsen. Die wenigen Tiere werden wieder zu einer großen Herde heranwachsen. Das Volk Gottes wird wieder zu seiner alten Blüte kommen.
Gott lässt sein Volk auch während der schweren Phase nicht im Stich, sondern sendet Hirten. Viele Propheten wirken ja gerade in der Zeit des Babylonischen Exils, erklären den Exilierten, wie es dazu kam, machen ihnen Mut und rufen zur Umkehr auf.
Vers 5 ist sehr adventlich, denn es wird nicht nur ein gerechter Herrscher erwartet, der dem königlichen Geschlecht Davids entstammen wird, sondern aus diesem ja auch der Messias, der Sohn Davids. Im Hebräischen steht ein Partizip für „kommen“. Das impliziert einen anhaltenden Zustand. Gott wird nicht kommen, er ist schon dabei, es zu tun! Partizipien werden immer gebraucht, um eine gewisse Zeitlosigkeit/übergreifende Zeitlichkeit auszudrücken. So wird das Kommen auf die Zukunft ausgeweitet. Was hier also verheißen wird, ist auf die Zukunft bezogen. Gott wird einen Spross erwecken, das heißt einen Nachkommen.
Es wird ein König verheißen, der wirklich gerecht sein wird. Bei Jeremia geht es wörtlich-historisch um einen irdischen Herrscher, der Israel aus dem Exil in die Heimat zurückführen wird, also politisch gerecht handeln wird. Er hat jahrelang den Untergang Jerusalems vorhergesagt, was dann mit der babylonischen Herrschaft eintrat. Umso bemerkenswerter ist es, dass er gleichzeitig zu seiner Untergangsprophetie die Trostbotschaft verbreitet, dass Gott sein Volk mit einem gerechten König retten wird. Das kommt in Vers 6 besonders zum Ausdruck, wo mit dem Verb תִּוָּשַׁ֣ע  tivascha „sie (Jerusalem) wird gerettet werden“ diese Befreiung prophezeit wird. Dabei haben wir wieder dieselbe Wurzel wie im Namen Jesu, also für uns ein messianisches Signal! Es handelt um mehr als nur um die Ankündigung eines gerechten Herrschers. Man denkt vor allem an den Perserkönig Kyros. Dass es aber eben nicht nur auf ihn anspielt, sehen wir daran, dass es ja ein Nachkomme Davids sein wird und nicht ein Perser! Es wird nicht nur ein Israelit, nicht nur jemand aus dem Stamm Juda sein, sondern sogar ein Davidide! Die Angabe ist schon sehr spezifisch und weist für uns auf den Messias hin. Der Angekündigte wird weise und gerecht handeln, was die Eigenschaften Salomos sind und auch von Jesus werden wir die Weisheit in Person lesen und davon, dass der Menschensohn gerechtes Gericht ausüben wird am Ende der Zeiten. Er wird das Volk befreien – das Volk Gottes aus der Knechtschaft der Sünde. Er ist es, der uns aus unserem sündhaften Zustand in den Stand der Gnade zurückholt und er ist es, der uns aus der Knechtschaft der Welt ins Himmelreich holt.
Der entscheidende Unterschied wird sein: Jesus als Retter, wie sein Name schon verrät, wird nicht politisch retten und das Wohnen in Sicherheit bezieht sich nicht mehr nur auf das irdische Dasein und auf das Verheißene Land.
Wörtlich-historisch wird deutlich, dass mit dem befreienden König Gott selbst an den Israeliten handeln wird. Bei Jeremia lesen wir ein wichtiges Verständnis von Geschichte: Sie wiederholt sich und deshalb setzt er den Exodus aus Ägypten typologisch mit dem Auszug des Volkes Israel aus dem babylonischen Exil in Verbindung! Im NT wird eine weitere typologische Brücke dazu gezogen, wenn z.B. Paulus in Röm 6 Jesu Erlösungstat als Befreiung aus der Sklaverei der Sünde bezeichnet und in Joh 8 Jesus selbst so etwas sagt.

Ps 23
1 Ein Psalm Davids. Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen.
2 Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
3 Meine Lebenskraft bringt er zurück. Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, getreu seinem Namen.
4 Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab, sie trösten mich.
5 Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, übervoll ist mein Becher.
6 Ja, Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang und heimkehren werde ich ins Haus des HERRN für lange Zeiten.

Heute beten wir den berühmten Psalm 23. Er passt perfekt zur Lesung, weil in diesem Vertrauenspsalm Gott als Hirte beschrieben wird. Zuvor hörten wir davon, dass Gott sich als König für seine auserwählte Herde, sein Volk Israel, einen Hirten ausgesucht hat. Der König über die zwölf Stämme soll Gottes Stellvertreter in Israel sein. Er soll mit derselben Mentalität herrschen wie Gott es tut, nämlich als sich sorgender Diener aller. Das verkörpert auch der leidende Gottesknecht im Buch Jesaja, den die Kirche von Anfang an mit Jesus Christus identifiziert hat. Und auch Jesus selbst sagt im Johannesevangelium: „Ich bin der gute Hirte.“ Und zugleich mahnt er an: „Wer von euch der Erste sein will, soll der Diener aller sein.“ David hat diesen Psalm selbst gedichtet und man spürt, dass er diese Haltung selbst ganz gelebt hat. Gottes wunderbare Vorsehung hat alles so gefügt, dass er tatsächlich einen Hirten zum König erwählt hat.
Gott ist unser Hirte, der uns alles gibt, was wir brauchen. Es mangelt uns an nichts, wenn wir zuerst sein Reich suchen. Das sagt Jesus später nicht umsonst. Es ist vor dem Hintergrund des Psalms absolut nachvollziehbar. Gott lässt uns, seine Schafe, auf grünen Auen lagern. Er führt uns nicht ins Verderben, sondern nährt uns immer ausreichend, damit wir auf dem Weg durchs Leben hin zu ihm nicht zugrunde gehen. Auch wenn es zeitweise Wüstenlandschaften sind und nicht die grünen Auen, ist es für uns heilsam, damit wir die Auen wieder mehr zu schätzen lernen, in unserem Glauben gestärkt und in unserer Wachsamkeit geschärft werden. Konkret heißt das, dass Gott uns mit allen irdischen Gaben (Finanzen, Gesundheit, Nahrung und sauberes Trinkwasser, Frieden, Erfolg etc.), aber auch mit allen überirdischen Gaben ausstattet, die wir durch die Heilsmittel der Kirche erhalten. Dazu gehören die Sakramente, allen voran die Eucharistie, und die Sakramentalien, durch die er uns den Hl. Geist senden möchte. Nicht umsonst betet David zuerst „er lässt mich lagern auf grünen Auen“ und dann „und führt mich zum Ruheplatz am Wasser“. Es sind einerseits zwei Bilder für das Essen und Trinken des Menschen, andererseits die Bilder für die wichtigsten überirdischen Güter – die Eucharistie und der Hl. Geist, das lebendige Wasser.
Gott bringt die Lebenskraft zurück. Das hebräische Stichwort ist an dieser Stelle ist wie so oft nefesch. Gott bringt das ganze Leben zurück. Wir dürfen es sowohl moralisch als auch anagogisch verstehen, das heißt einerseits die Rückführung in den Stand der Gnade und zugleich die Rettung des ewigen Lebens. Vor allem die moralische Ebene wird uns klar, wenn wir danach lesen: „Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit.“
Selbst der Psalm 23 greift die Situation auf, dass es nicht immer die ruhigen grünen Auen sind, auf denen die Herde sich bewegt, sondern auch mal das finstere Tal. So ist das Leben. Es gibt nicht nur schöne Tage, sondern auch die Krisen und dunklen Stunden. Doch selbst da begleitet Gott einen hindurch und hinaus. David selbst hat dunkle Stunden gehabt, doch gerade in diesen hat er sich umso mehr an Gott geklammert. Er wusste, wie entscheidend sich die Qualität eines Hirten in finsteren Tälern herausstellte. Er wusste auch, wie sicher sich ein Schaf bei einem guten Hirten fühlen konnte. Er ist in dieser Hinsicht nicht nur der Typos des guten Hirten Christus, sondern auch des Lammes Gottes, das sich ganz und gar in die Hände Gottes übergab und selbst am Kreuz noch betete: „Vater, in deine Hände lege ich mein Leben.“ Von David können wir das absolute Gottvertrauen lernen und mit ihm zusammen beten: „Dein Stock und dein Stab trösten mich.“
Gott beschenkt uns, seine Kinder. Er hat nur Gutes für uns bereit. All der Segen Gottes wird hier mit verschiedenen Bildern umschrieben wie dem Decken des Tisches, dem Salben des Hauptes und dem übervollen Becher. All dies können wir zusammenfassen mit den darauffolgenden Worten: „Ja, Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang.“
Ins Haus des Herrn heimzukehren, bedeutet in diesem Kontext wörtlich den Tempel Gottes, der zu Davids Zeiten noch in Form des Offenbarungszeltes bestand. Wir lesen dies allegorisch weiter als das Reich Gottes und die Kirche. Moralisch verstehen wir damit unsere eigene Seele, die der Tempel Gottes ist und von wo aus die Entscheidungen zu einem Verhalten nach seinen Geboten getroffen werden. Schließlich kehren wir am Ende unseres Lebens heim in das Haus Gottes, den Himmel.

Eph 2
13 Jetzt aber seid ihr, die ihr einst in der Ferne wart, in Christus Jesus, nämlich durch sein Blut, in die Nähe gekommen.
14 Denn er ist unser Friede. Er vereinigte die beiden Teile und riss die trennende Wand der Feindschaft in seinem Fleisch nieder.
15 Er hob das Gesetz mit seinen Geboten und Forderungen auf, um die zwei in sich zu einem neuen Menschen zu machen. Er stiftete Frieden
16 und versöhnte die beiden durch das Kreuz mit Gott in einem einzigen Leib. Er hat in seiner Person die Feindschaft getötet.
17 Er kam und verkündete den Frieden: euch, den Fernen, und Frieden den Nahen.
18 Denn durch ihn haben wir beide in dem einen Geist Zugang zum Vater.

Als Lesung hören wir heute einen Abschnitt aus dem Epheserbrief. Es geht um die Versöhnung von Juden und Heiden in Christus sowie um die Versöhnung der Menschheit mit Gott. Beides geschieht in der Taufe, die hier den größeren Argumentationskontext darstellt.
Als die Epheser noch keine Christen waren, waren sie „von Christus getrennt, der Gemeinde Israels fremd und von dem Bund der Verheißung ausgeschlossen“, denn sie waren ja Heiden. Die Judenchristen standen wenigstens in einem Bundesverhältnis mit ein und demselben Gott, bevor sie den Neuen Bund eingegangen sind. Die Heiden waren ganz ohne Hoffnung, da sie keine vorausgehende Beziehung zu diesem Gott hatten.
Sie waren „in der Ferne“, was nicht geographisch zu verstehen ist, sondern im Sinne einer Beziehung. Wie heilsam muss es gerade für die Heiden gewesen sein, als sie durch die Taufe, „in Christus Jesus, nämlich durch sein Blut“ das erste Mal in Beziehung mit Gott treten konnten! Endlich haben sie einen Frieden geschenkt bekommen, den die Welt nicht geben kann. Durch diesen Neuen Bund ist auch die Trennwand zwischen Juden und Heiden eingerissen, denn Christus ist für alle Menschen gestorben. Durch die Erlösungstat Jesu Christi ist „das Gesetz mit seinen Geboten und Forderungen“ aufgehoben worden. Das müssen wir unbedingt richtig verstehen, denn Paulus selbst hat natürlich die Zehn Gebote weiterhin gehalten etc. Was er meint, ist erstens die Torah, wie sie die Pharisäer und Schriftgelehrten verstanden haben, nicht wie Christus sie erfüllt hat. Zweitens bezieht er sich auf die Funktion der Rechtfertigung, denn einige Verse zuvor hat er von der Gnade Gottes als Wirkung für die Rechtfertigung gesprochen (Vers 8 „Denn aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft – Gott hat es geschenkt“). In DIESEM Punkt hat Christus die Torah, die Paulus immer als „Gesetz“ bezeichnet aufgehoben – als Voraussetzung für die Rechtfertigung. Nach der Taufe muss man sie natürlich immer noch halten – aber in erfüllter Form, wie Christus es erklärt hat, und ohne die menschliche Verkomplizierung, die ursprünglich gar nicht gegeben war.
Christus hat bewirkt, dass beide – Juden und Heiden – „zu einem neuen Menschen“ gemacht wurden. Das bezieht sich auf die neue geistliche Schöpfung. Die gefallene Natur ist versöhnt und erneuert worden. In dieser neuen Familie Gottes herrscht der Friede Christi, der im sichtbaren Teil der Kirche auf Erden stets angegriffen wird vom Widersacher Gottes.
Juden und Heiden sind am Kreuz miteinander versöhnt und die Feindschaft getötet worden. Jesus kam als Auferstandener, um nicht nur den Juden den Frieden zu verkünden, sondern auch den Fernen, wie es Paulus hier sagt, also jene, die als Heiden zum Christentum gekommen sind.
Es ist der eine Hl. Geist, der beide Arten von Christen mit dem Vater vereint. Nun gibt es keinen Unterschied mehr dank der Taufe auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Hl. Geistes. Die Volkszugehörigkeit entscheidet nicht mehr über die Rechtfertigung vor Gott, sondern der Glaube an Gott. Das verteidigt Paulus mit seinem ganzen Leben und trägt schwere Konflikte mit radikalen Judenchristen aus, die behaupten, dass sie als Judenchristen einen Vorteil gegenüber den Heidenchristen besäßen. Ihre Beschneidung und ihr Torahgehorsam hat sie aber nicht erlöst.

Mk 6
30 Die Apostel versammelten sich wieder bei Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. 

31 Da sagte er zu ihnen: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus! Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen. 
32 Sie fuhren also mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein. 
33 Aber man sah sie abfahren und viele erfuhren davon; sie liefen zu Fuß aus allen Städten dorthin und kamen noch vor ihnen an. 
34 Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen und hatte Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange.

Heute hören wir im Evangelium, wie die zu zweit ausgesandten Apostel wiederkommen und Jesus von ihren Heilstaten berichten. Sie haben es mit eigenen Augen bezeugt, dass im Namen Jesu alles möglich ist. Der Geist Gottes ist es, der durch die von Christus Ausgesandten wirkt. Hier wird zwar nicht gesagt, welche Taten sie vollbracht haben, doch durch die vorausgegangene Beauftragung können wir darauf schließen, dass sie vor allem Exorzismen und Krankensalbungen vorgenommen haben.
Jesus möchte ihnen eine Chance zur Erholung geben. So möchte er mit ihnen an einen ruhigen Ort fahren. Evangelisierung ist ein aufwendiges Unterfangen, bei dem jene, die im Weinberg Gottes arbeiten, kaum Zeit für sich haben. Jesus fordert sie zur Ruhe auf, weil dies den zu dienenden Menschen nur zugute kommen kann. Was hilft es den Menschen, denen man helfen möchte, wenn man einen Schwächeanfall bekommt? So fahren sie mit einem Boot an einen verlassenen Ort, werden dabei jedoch gesehen. Als sie an dem Ort ankommen, haben sich schon viele Menschen aus umliegenden Städten dort versammelt.
Und weil Jesus Mitleid mit ihnen hat, weil sie wie verlorene Schafe ohne Hirte sind, lehrt er sie lange. Das heißt, er nimmt sich zurück, weil er ein Herz für diese Menschen hat. Er nennt sich im Johannesevangelium den guten Hirten. Sie sind seine Schafe, um die er sich kümmern möchte. Ihm ist es wichtiger, ihnen geistige Nahrung und eine Perspektive zu geben, als sein eigenes Wohl vorzuziehen.
Was wir heute von Jesus lernen, ist die christologische Auslegung des Psalms 23: Gott ist wirklich der gute Hirte, der sich um seine Herde kümmert. Er ist sogar bereit, ein Teil der Herde zu werden, um ihr so nahe wie möglich zu sein. Und wenn wir unsere ganzen Ressourcen des Lebens in den Dienst Gottes investieren, wie die Jünger es getan haben, wird er uns nicht nur das Gegebene zurückschenken, sondern viel mehr darüber hinaus. Die Hingabe ist die Erfüllung unseres Lebens, nicht die Selbstverwirklichung. Auch das praktische Tun muss dabei von einer Herzensreinheit ausgehen. Dies wird hier durch Jesu Mitleid ausgedrückt, das er mit den Menschen hat. Das griechische Wort σπλαγχνίζομαι splangchnizomai ist dabei entweder als „Mitleid haben“ oder „sich erbarmen“ zu übersetzen. Wir sollen in unserem Tun von der Barmherzigkeit Gottes geleitet sein.

Gott ist Hirte. Wir sollen es in seiner Nachfolge auch sein.

Ihre Magstrauss

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