Mittwoch der 18. Woche im Jahreskreis

Num 13,1-2.25 – 14,1.26-29.34-35; Ps 106,6-7b.13-14.21-22.23-24; Mt 15,21-28

Num 13
1 Der HERR sprach zu Mose:
2 Schick Männer aus, die das Land Kanaan erkunden, das ich den Israeliten geben will! Aus jedem Väterstamm sollt ihr einen Mann aussenden, und zwar jeweils einen der führenden Männer.
25 Nach vierzig Tagen kehrten sie von der Erkundung des Landes zurück.

26 Sie gingen und kamen zu Mose und Aaron und zu der ganzen Gemeinde der Israeliten in die Wüste Paran nach Kadesch. Sie berichteten ihnen und der ganzen Gemeinde und zeigten ihnen die Früchte des Landes.
27 Sie erzählten Mose: Wir kamen in das Land, in das du uns geschickt hast: Es ist wirklich ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Das hier sind seine Früchte.
28 Doch das Volk, das im Land wohnt, ist stark und die Städte sind befestigt und sehr groß. Auch haben wir die Söhne des Anak dort gesehen.
29 Amalek wohnt im Gebiet des Negeb, die Hetiter, die Jebusiter und Amoriter wohnen im Gebirge und die Kanaaniter wohnen am Meer und am Ufer des Jordan.
30 Kaleb besänftigte das Volk, das über Mose aufgebracht war, und sagte: Wir werden hinaufziehen und das Land in Besitz nehmen. Wir können es bezwingen.
31 Die Männer aber, die mit ihm hinaufgezogen waren, sagten: Nein, wir können nicht zu dem Volk hinaufziehen; es ist stärker als wir.
32 Und sie verbreiteten bei den Israeliten ein Gerücht über das Land, das sie erkundet hatten, und sagten: Das Land, das wir durchwandert und erkundet haben, ist ein Land, das seine Bewohner auffrisst; das ganze Volk, das wir in seiner Mitte gesehen haben, ist von riesigem Wuchs.
33 Sogar die Riesen haben wir dort gesehen – die Anakiter gehören nämlich zu den Riesen. Wir kamen uns selbst klein wie Heuschrecken vor und auch ihnen erschienen wir so.
1 Da empörte sich die ganze Gemeinde und erhob ihre Stimme und das Volk weinte in jener Nacht.

26 Der HERR sprach zu Mose und Aaron:
27 Wie lange soll das mit dieser bösen Gemeinde so weitergehen, die über mich murrt? Ich habe das Murren der Israeliten gehört. Gegen mich murren sie.
28 Sag ihnen: So wahr ich lebe – Spruch des HERRN – , wovon ihr mir die Ohren vollgeredet habt, das werde ich euch tun:
29 Hier in der Wüste werden eure Leichen liegen bleiben, alle ohne Ausnahme; jeder von euch, der gemustert worden ist, wird sterben, alle Männer von zwanzig Jahren an aufwärts, die über mich gemurrt haben.
34 So viele Tage, wie ihr gebraucht habt, um das Land zu erkunden, nämlich vierzig Tage, so viele Jahre lang – für jeden Tag ein Jahr – müsst ihr die Folgen eurer Schuld tragen, also vierzig Jahre lang, dann werdet ihr erkennen, was es heißt, wenn ich mich von euch abwende.

35 Ich, der HERR, habe gesprochen. Unwiderruflich werde ich es mit dieser ganzen bösen Gemeinde so machen, die sich gegen mich zusammengerottet hat: In dieser Wüste finden sie ihr Ende, hier müssen sie sterben.

In der heutigen Lesung hören wir davon, wie das Volk endlich das Verheißene Land vor Augen hat. Bevor die Israeliten einziehen können, kundschaften sie es aus. Es werden zwölf Männer entsandt, pro Stamm ein Kundschafter.
Als sie nach vierzig Tagen wieder zurückkommen, berichten sie vom Reichtum des Landes, zeigen Früchte her, stellen mit Erschrecken fest, dass die dort lebenden Völker stark und sicher leben. Es heißt, dass die Städte des Landes befestigt sind, also eine gute Stadtmauer besitzen. Die Kundschafter haben auch Söhne Anaks gesehen. Die Anakiter oder auch Enakiter sind bekannt dafür, besonders groß und stark zu sein, ja werden sogar als Riesen bezeichnet. Es erinnert uns an König David, der gegen Goliat in den Kampf zieht.
Die Kundschafter erklären auch, wo genau welches Volk sich angesiedelt hat.
Bei ihren Schilderungen werden die Israeliten aufgebracht und wollen anscheinend schon das Handtuch schmeißen, doch der Kundschafter Judas namens Kaleb ermutigt sie, es doch zu versuchen.
Der Rest der Kundschafter ist aber anscheinend so entmutigt und weigert sich derart, das Land in Besitz zu nehmen, dass sie sogar Gerüchte unter dem Volk verbreiten – das Land frisst seine Bewohner. Sie machen aus der Mücke einen Elefanten, auch wenn es nicht stimmt, dass es sich hierbei um eine Mücke handelt. Es ist ein starkes Volk und die Situation einschüchternd, doch Gott steht auf ihrer Seite! Wenn er sie schon so weit hat kommen lassen, dann wird er sie jetzt nicht auflaufen lassen!
Die Israeliten vertrauen Gott nicht, sondern klagen und weinen jede Nacht. Das lässt Gott nicht auf sich sitzen und sagt zu Mose und Aaron: Weil das Volk mir nicht vertraut hat und die Kundschafter sogar Lügen verbreitet haben, wird das alles nun auf sie zurückfallen. Die Kundschafter werden mit einer Plage geschlagen außer Josua und Kaleb. Die gesamte Generation der Israeliten, die nun leben, werden das Verheißene Land nicht mehr zu Lebzeiten betreten. Weil die Kundschafter nach vierzig Tagen so eine böse Reaktion gezeigt haben, wird das Volk Israel ganze vierzig Jahre in der Wüste umherziehen, bevor es endlich das Land in Besitz nehmen wird.
Was ist denn das Schlimme an der Reaktion der Kundschafter, die so eine große Strafe nach sich zieht? Die Kundschafter verbreiten Lügen, was schon eine schlimme Sünde ist, aber sie verunglimpfen mit der Lüge die Gottesgabe, indem sie sagen, das Land frisst seine Bewohner. Das ist so in etwa wie der Vorwurf der Pharisäer und Schriftgelehrten, die über Jesus behaupten, er treibe mithilfe der Dämonen Dämonen aus. Es ist eine Sünde gegen den Hl. Geist, weil die Israeliten Gottes Wirken infrage stellen. Er hat an ihnen solche Wunder gewirkt und mehr als deutlich bewiesen, dass er alles vermag. Dennoch trauen sie ihm jetzt nicht zu, dass er den Israeliten das Land zur Gabe geben kann.
Pro Tag muss das ganze Volk die Sünde der Kundschafter sühnen. Wir lernen aus der Episode, dass Sünde je nach Schweregrad große Konsequenzen nach sich zieht und auch die Unschuldigen mit hineinnimmt. Die Leichen jener Männer ab zwanzig Jahren werden zwar in der Wüste liegen, die gegen Gott gemurrt haben, doch das wird ja das ganze Volk treffen und auch schwächen. Wenn die stärksten Männer weg sind, was wird dann aus ihnen? Dann sind sie nicht gewappnet, in das Verheißene Land einzuziehen. So erwartet sie eine vierzigjährige Zeit der Sühne.
Diese Episode lehrt uns viel und wir können sie auf mehrfache Weise auslegen. Besonders auf moralischer Ebene ist sie sehr aktuell: Wenn wir in unserem Leben Gottes Güte infrage stellen, wird das auf uns zurückfallen. Für jede Sünde, die wir begehen, müssen wir sühnen. Das ist, was wir theologisch Sündenstrafe nennen. Auch wenn uns die Schuld vergeben ist, müssen wir sie noch wiedergutmachen. Dann werden auch wir in die Wüste geschickt, in eine Zeit, in der wir die Erfahrung machen, dass Gott sich von uns abgewandt haben. Das muss keine wirkliche geographische Wüste sein, sondern es genügt die Gottesferne, Einsamkeit, Trockenheit. Dagegen ist da, wo Gott ist, Oase und erfrischendes Wasser, der Hl. Geist. Dann dürfen wir Ps 51 mit König David beten, der die heiligmachende Gnade zurückersehnt und deshalb bittet: Mach mich wieder froh mit deinem Heil.

Ps 106
6 Wir haben gesündigt mit unseren Vätern, wir haben Unrecht getan und gefrevelt.

7 Unsere Väter in Ägypten begriffen deine Wunder nicht, gedachten nicht der vielen Erweise deiner Huld.
13 Doch sie vergaßen schnell seine Taten, wollten auf seinen Ratschluss nicht warten.
14 Sie gierten voll Gier in der Wüste, sie versuchten Gott in der Öde.
21 Sie vergaßen Gott, ihren Retter, der einst in Ägypten Großes vollbrachte,
22 Wunder im Land Hams, Furcht erregende Taten am Roten Meer.
23 Da sann er darauf, sie zu vertilgen, wäre nicht Mose gewesen, sein Erwählter. Der trat vor ihn in die Bresche, seinen Grimm abzuwenden vom Vernichten.
24 Sie verschmähten das köstliche Land, sie glaubten nicht seinem Wort.

Als Antwort beten wir Ps 106, das ein Sündenbekenntnis Israels darstellt. Er wird den sogenannten Geschichtspsalmen zugerechnet und hat aufgrund des Bekenntnischarakters die Eigenschaften eines Bußpsalms. Es wird diskutiert, ob dieser Psalm im Kontext von Fastenzeiten des Volkes gebetet worden ist, also liturgischen Charakter besitzt. Wir können zumindest festhalten, dass er sehr gut als Reaktion auf die Lesung passt, denn nachdem Gott dem Volk so eine Ansage gemacht hat, hat es die Anzweiflung der Güte Gottes bestimmt bereut.
So erfolgt zu Anfang ein kollektives Sündenbekenntnis, das uns aufhorchen lässt: „Wir haben gesündigt mit unseren Vätern.“ Es ist ja viel später entstanden als die Ereignisse, von denen wir gehört haben. Dennoch fühlen sich die Nachfahren mitverantwortlich für die Sünden, die damals begangen worden sind. Sünde ist etwas, das Generationen überdauert und wir heutige Generation können uns nicht ganz distanzieren von den Sünden, die unsere Vorfahren begangen haben. Gewiss, sie haben ihre Sünden getan, sie haben sich dazu entschieden, doch wir müssen die Konsequenzen dieser Sünden mittragen bzw. bekommen wir diese noch zu spüren, je nach Schweregrad. Deshalb dürfen wir nicht vergessen, stellvertretend für unsere Vorfahren Gott um Verzeihung für ihre Sünden zu bitten. Das wird ja auch auf uns Auswirkungen haben. Schon in den Psalmen oder allgemein im Alten Testament wird deutlich, dass Israel sich als Solidargemeinschaft über die Generationen hinweg versteht und man füreinander Verantwortung trägt.
Es geht in dem Psalm nicht nur um Schuldbekenntnis, sondern auch um theologische Reflexion in Form einer Rückblende: Die Väter in der Wüste haben die Wunder nicht begriffen, sie haben nicht verstanden, was Gott ihnen alles getan hat. Sie vergaßen schnell die spektakulären Heilstaten Gottes und hatten nicht die Geduld, Gottes Ratschluss abzuwarten. Hätten sie alles so getan, wie er angeordnet hat, wäre ihnen die vierzigjährige Wüstenwanderung erspart geblieben. Wie oft erzeugen wir große Umwege in unserem Leben, weil wir nicht von Anfang an den Willen Gottes gehorsam befolgt haben! Und doch will uns Gott auch auf Umwegen zum Heil führen, denn er kann auf krummen Seiten gerade schreiben.
Das Volk Israel bezeichnet Gott oft als böse. Hier im Psalm wird ein Grund deutlich: Es stellte Gott immer wieder auf die Probe. Das ist eine Sünde gegen das zweite Gebot, also keine Lapalie. Deshalb kommt es immer wieder zu schlimmen Konsequenzen. Sogar Mose verfällt dieser Haltung eines Tages, sodass er gar nicht in das Verheißene Land einziehen darf und vorher stirbt. Es kann also jeden treffen bzw. wird jeder einzelne Mensch zur Rechenschaft gezogen und kann sich nicht hinter seinem Amt verstecken.
Es wird zurückgeschaut auf die Wunder in Ägypten, das hier mit „Haus Hams“ umschrieben wird. Die zehn Plagen, der Auszug eines riesigen Volkes, die Spaltung des Roten Meeres, das sind solch große Wunder, dass man danach eigentlich keinen Zweifel mehr an Gott haben kann.
Gottes Zorn entbrannte immer wieder, sodass Mose als Fürsprecher des Volkes Israel immer wieder an Gottes Güte appellieren musste.
Schließlich verschmähten die Israeliten die größte Gabe Gottes – das Verheißene Land. Die Konsequenzen sind besonders hart.
Und wir? Verschmähen denn auch wir nicht immer wieder das Verheißene Land, das wir als nicht mehr irdisch betrachten, sondern als Reich Gottes? Wenn wir freiwillig davon abkehren und seine Wege verlassen, ziehen wir auch los in eine vierzigjährige Wüstenwanderung. Wenn wir auf das Reich Gottes schauen und die Schwierigkeiten, dorthin zu gelangen, dann dürfen wir nicht der Versuchung erliegen, alles hinzuwerfen und das Ziel aus den Augen zu verlieren. Als Getaufte sind wir zur Heiligkeit berufen und mit der Gnade Gottes werden wir diesen schweren Weg bis zum Ziel schaffen. Dafür gibt er uns doch die Heilsmittel der Kirche!

Mt 15
21 Jesus ging weg von dort und zog sich in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück.

22 Und siehe, eine kanaanäische Frau aus jener Gegend kam zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält.
23 Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Schick sie fort, denn sie schreit hinter uns her!
24 Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.
25 Doch sie kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir!
26 Er erwiderte: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den kleinen Hunden vorzuwerfen.
27 Da entgegnete sie: Ja, Herr! Aber selbst die kleinen Hunde essen von den Brotkrumen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.
28 Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Es soll dir geschehen, wie du willst. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.

 Im Evangelium hören wir von der heidnischen Religion einer Frau. Die Heilsverheißungen, die wir in den bisherigen Lesungen auf das Volk Israel bezogen haben, weiten sich im Evangelium nun auf alle Menschen aus.
Es kommt zu der Begegnung zwischen Jesus und der heidnischen Frau dadurch, dass er sich heute in einem mehrheitlich paganen Umfeld bewegt. Tyros und Sidon werden vor allem von Syrophöniziern bewohnt, die ihre ganz eigenen Verehrungen haben. Es gibt dennoch auch Juden in dem Gebiet, denn Jesus kehrt bei jemandem ein. Es wird sich wohl um das Haus eines Juden gehandelt haben. Es bleibt wie so oft nicht verborgen und die Menschen kommen zu ihm. So hört auch eine hiesige Syrophönizierin von Jesus und kommt zu ihm. Dass sie sich in ein jüdisches Haus begibt, ist schon aller Achtung wert. Damit macht sie sich alles andere als beliebt. Doch ihr Glaube und die Hoffnung, von Jesus Hilfe zu erfahren, sind größer als die Angst vor der Reaktion der Juden. Es erinnert uns an die blutflüssige Frau, die sich trotz ihrer kultischen Unreinheit in die Menschenmenge begibt, weil ihr die Heilung Jesu wichtiger ist.
Die Syrophönizierin kommt zu Jesus, weil ihre Tochter besessen ist und sich von Jesus eine Fernheilung erhofft. Ihr Glaube ist so groß, dass sie ihre Tochter nicht einmal mitbringt. Es ist wie mit dem Hauptmann, der Jesus die Fernheilung seines Sklaven zutraut.
Was wir nun von Jesus lesen, verstehen wir nur dann richtig, wenn wir es nicht einfach oberflächlich lesen. Dann werden wir uns nur echauffieren. Bei Jesus ist nichts zufällig. Es hat einen tieferen Sinn, warum er folgende Worte zu der Frau sagt. Er möchte sie testen und zugleich den Umstehenden klarmachen, dass der Messias zuerst zu den Juden gekommen ist: „Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.“ Sie schreckt vor seiner Antwort nicht zurück, sondern entgegnet ihm: „Herr, hilf mir!“ Er legt noch einen drauf und sagt: „Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den kleinen Hunden vorzuwerfen.“
Sie lässt sich nicht beirren durch die Aussage, dass er sie als Hund bezeichnet hat, was bei den Juden als Schimpfwort für die Heiden galt. Sie zeigt ihm ihren starken Glauben und ihre Fürsorge gegenüber dem Kind, die stärker sind als ihr eigener Stolz. Sie wendet Jesu Provokation so, dass sie den Kern des Neuen Bundes zusammenfasst: Jesus ist gekommen, nicht nur für die Juden, sondern auch für die Heiden. Sie demütigt sich dabei, indem sie sich als den kleinen Hund einordnet, der nur die restlichen Krümel der jüdischen Kinder abbekommt. Diese Demütigung zeigt Jesus, dass sie wirklich einen starken Glauben hat. Musste Jesus das unbedingt alles tun, um ihren Glauben zu erfahren? Nein. Er ist Gott, er sieht mit einem Blick in ihre Seele hinein und weiß längst, wie stark ihr Glaube und die Anerkennung des Gottes Israels ist. Er hätte es sich schon denken können, als sie ihn als Heidin den Sohn Davids genannt hat. Das allein ist schon überwältigend, denn es ist ein Glaubensbekenntnis aus dem Mund einer Heidin! Was Jesus hier tut, ist vielmehr eine Lektion für die Umstehenden und auch für die Frau. Er möchte den Menschen durch diese Provokation (durch die er die gängige Meinung der Juden verdeutlicht) das Neue hervorheben: Er möchte auch den Heiden das Heil bringen und deshalb sagt er ihr und allen Anwesenden: „Frau, dein Glaube ist groß. Es soll dir geschehen, wie du willst.“ Ihr Glaube hat ihr geholfen. Das ist den Umstehenden insofern eine Lehre, weil sie sehen, dass der Glaube das Entscheidende ist, auch wenn man nicht zum Judentum gehört. In dieser Situation verhält Jesus sich so, dass er gleichermaßen Juden und Heiden entgegenkommt, dabei den Umstehenden den Glauben dieser Frau demonstriert, damit nicht nur er den Glauben der Frau sieht, sondern auch die anderen, und schließlich eine messianische Heilstat vollzieht. An diesem Tag werden viele Menschen ihn als Messias angenommen haben, nicht nur die Syrophönizierin.
Jesus bleibt ganz fest in seiner Überzeugung, dass allein Gott die Ehre gebührt. Er fängt nicht an, die syrophönizischen Gottheiten anzuerkennen und zu sagen: „Alle Religionen sind gleich“ etc. Die Heidin selbst ist auch anders, denn sie erkennt den Gott Israels an, anstatt Jesus ihren Glauben aufzudrücken. Sie erkennt als Nichtjüdin Gottes große Taten voller Glauben an und deshalb wird sie erhört. Das Kind wird befreit. Wir hören nicht von der Nachgeschichte, aber womöglich ist die Frau später Christin geworden, bestimmt zusammen mit dem Kind.
Was entscheidend ist, ist der Glaube. Wir sollen niemanden verachten und helfen, wo wir können. Denn der Nächste ist unser Nächster. Aufgrund der unantastbaren Menschenwürde ist jeder Mensch gut zu behandeln. Zugleich sollen wir fest in unserem eigenen Glauben stehen und andere zu tolerieren heißt nicht, ihre Ansichten übernehmen zu müssen. Diese Distanz in der Glaubensüberzeugung bleibt bestehen. Den Nächsten lieben, ja. Und doch müssen wir nicht alles gut finden, was er oder sie glaubt oder tut. Und ganz inklusivistisch muss man sagen: Wer nicht zu den Kindern Gottes gehört, Gott aber dennoch anerkennt und an ihn glaubt – mit entsprechendem Lebenswandel – dem kann man die Gnade nicht absprechen, so wie der Syrophönizierin. Sie gehört nicht zum auserwählten Volk, gefällt Gott aber doch in ihrem unbeirrten Glauben.

Heute stehen das Volk Israel und die Syrophönizierin als Gegenparts nebeneinander: Das auserwählte Volk, das Eigentum Gottes und seine Bündnispartnerin, glauben nicht an Gottes Allmacht und Güte. Sie zweifeln daran, dass Gott ihnen das Verheißene Land vor ihren Augen geben kann. Zugleich ist da eine Heidin, die voller Glaube ist, die Jesus zutraut, dass er seine Tochter befreien kann, obwohl sie nicht zum Haus Israel gehört. Gott macht jeden für seine Haltung verantwortlich und verlangt von jedem Menschen Rechenschaft. Die Israeliten können sich nicht hinter ihrem Bundesschluss verstecken. Wenn sie ungläubig sind, hilft ihnen auch der Bundesschluss nicht. Sie müssen trotzdem in die Wüste. Die Syrophönizierin glaubt von Herzen, was sie von Gott verstanden hat. Das macht sie gerecht vor ihm und sie erfährt sein Heil. Nehmen wir uns die Texte zu Herzen. Wir stehen mit Gott in einem Bund. Er hat uns alles offenbart. Er hat sein Leben für uns hingegeben und bis auf den letzten Blutstropfen alles verschenkt, damit wir das Verheißene Land des Himmelreichs haben dürfen. Glauben wir ihm von Herzen, dass er alles auch in unserem Leben vermag. Wenn wir dann immer noch nicht an seine Güte glauben, wird er auch mit uns streng verfahren. Wer alles weiß und doch nicht glaubt, wird strenger gerichtet werden als wer nie etwas von ihm gehört hat.

Ihre Magstrauss

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