Fest der heiligen Familie (C)

Sir 3,2-6.12-14 (oder 3,3-7.14-17a); Ps 128,1-5; Kol 3,12-21; Mt 2,13-15.19-23

Liebe Freunde,
heute ist das Fest der Heiligen Familie. Das bezieht sich auf Josef, Maria und Jesus. Dieses Fest feiern wir immer am Sonntag nach Weihnachten (früher am Sonntag nach Erscheinung des Herrn). In diesem Jahr verdrängt es das Fest des hl. Stephanus. Wir betrachten die Familie Jesu als unser Vorbild. Alles, was schon im AT über das ideale Familienleben geschrieben steht, können wir auf besonders eindrückliche Weise an der Heiligen Familie erfüllt sehen. Dabei ist sie wiederum nur Abbild der göttlichen Familie: der heiligsten Dreifaltigkeit. Zwar glauben wir, dass Jesus und Maria ohne Sünde sind, Josef aber von der Erbsünde nicht bewahrt ist. Die Eltern Jesu sind zudem nicht allwissend und müssen deshalb so einiges mit einem Fragezeichen hinnehmen. Und dennoch kann uns diese Familie gerade darin ein Vorbild sein: Wie halten wir in Krisen zusammen?

Sir 3
2 Denn der Herr hat dem Vater Ehre verliehen bei den Kindern und das Recht der Mutter bei den Söhnen bestätigt. 
3 Wer den Vater ehrt, sühnt Sünden,
4 und wer seine Mutter ehrt, sammelt Schätze. 
5 Wer den Vater ehrt, wird Freude haben an den Kindern und am Tag seines Gebets wird er erhört. 
6 Wer den Vater ehrt, wird lange leben, und seiner Mutter verschafft Ruhe, wer auf den Herrn hört. 
7 Wer den Herrn fürchtet, ehrt den Vater. So wie Herren dient er seinen Eltern.
12 Kind, nimm dich deines Vaters im Alter an und kränke ihn nicht, solange er lebt! 
13 Wenn er an Verstand nachlässt, übe Nachsicht und verachte ihn nicht in deiner ganzen Kraft! 
14 Denn die dem Vater erwiesene Liebestat wird nicht vergessen; und statt der Sünden wird sie dir zur Erbauung dienen. 
15 Am Tag deiner Bedrängnis wird man sich deiner erinnern; wie heiteres Wetter auf Frost folgt, so werden sich deine Sünden auflösen. 
16 Wie ein Gotteslästerer ist, wer den Vater im Stich lässt, und ein vom Herrn Verfluchter ist, wer seine Mutter erzürnt.
17 Kind, bei all deinem Tun bleibe bescheiden und du wirst geliebt werden von anerkannten Menschen!

Das Buch Jesus Sirach ist eine weisheitliche Schrift und liefert uns sehr sehr wichtige Aspekte, die zum vierten Gebot auch im Katechismus zusammengefasst werden: Wir sollen Vater und Mutter ehren. Das ist nicht einfach nur eine Floskel, sondern führt uns zum Heil!
Es ist sogar so, dass wir unsere eigenen Sünden sühnen, wenn wir gehorsam sind! Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Wer den Eltern gehorsam ist, sammelt sich zudem Schätze – himmlische Schätze, gemeint ist die Gnade. Warum eigentlich? Unsere Eltern haben uns das Leben geschenkt. Dass wir da sind, haben wir ihnen zu verdanken. Ganz unabhängig davon, wie sie uns behandeln, was sie uns geben und was nicht, sie verdienen unsere Ehre einfach schon dadurch, dass wir dank ihnen existieren.
Wenn wir unsere Eltern behandeln, wie es Gott gefällt, werden wir Segen haben und im Stand der Gnade sein: Dann wird Gott unsere Gebete erhören und wir werden selbst Kinderreichtum genießen. Viele Kinder sind im AT immer ein Zeichen des Segens Gottes. Wenn es im AT zudem heißt, dass man lange leben wird, meint es zu Beginn noch das irdische Leben oder das Weiterleben in den Nachfahren. Mit der Zeit werden die Juden es aber als ein Weiterleben nach dem Tod verstehen, wenn sie nach und nach die Auferstehung begreifen. Hier im Buch Jesus Sirach darf man Jenseitsvorstellungen schon voraussetzen! Wir gewinnen das Himmelreich, wenn wir unseren Eltern gehorsam sind und ihnen die Ehre geben, die ihnen zusteht. Das hat Jesus getan, wie wir nachher noch lesen werden. Er als Gott (!) hat sich seinen irdischen Eltern unterworfen und den Beruf seines Ziehvaters Josef erlernt. Er wird sich nach dem Tod Josefs um seine Mutter kümmern und noch am Kreuz dafür sorgen, dass nach seinem eigenen Tod der Apostel Johannes Maria zu sich nehmen wird. Für uns sind das ganz wichtige Aussagen in einer Zeit, in der Kinder immer weniger Respekt vor ihren Eltern haben. In einer Zeit, in der Eltern sogar Angst vor ihren Kindern haben müssen. In einer Zeit, in der die Kinder die „Herren“ (Vers 7) sind und nicht die Eltern. Am Ende der Zeiten ist es unser Ziel, dem himmlischen Vater, dem Herrn, auf ewig die Ehre zu geben, in dem wir mit allen Engeln und Heiligen ihn loben und preisen. Dann werden wir das nicht mehr abbildhaft tun über unsere irdischen Eltern, sondern vollkommen und direkt.
Es schließen sich an die bisher grundsätzlichen Überlegungen ganz konkrete Anweisungen an: Wir sollen uns um unsere Eltern im Alter kümmern. Warum? Als wir klein und hilflos waren, waren sie es, die sich um uns gekümmert haben. Sie haben auf so vieles verzichtet, um uns großzuziehen: auf Schlaf, auf eigenen Luxus, auf eigene Pläne, auf Selbstverwirklichung, auf den eigenen Willen. Wenn sie mit dem Alter nun immer hilfloser werden, wendet sich das Blatt. Nun liegt es an uns, ganz für sie da zu sein, bis sie aus diesem Leben scheiden. Das ist der Lauf der Dinge.
Als wir kleine Kinder waren und herumgenörgelt haben, als wir noch nicht sprechen konnten und unseren eigenen Kopf durchs laute Schreien und Weinen kundgetan haben, nahmen unsere Eltern alles geduldig hin. Sie gaben uns zu essen, wechselten unsere Windeln und sangen uns stundenlang in den Schlaf. Haben unsere Eltern es nicht verdient, dass wir nachsichtig und geduldig mit ihnen umgehen, wenn ihr Verstand nachlässt und sie uns immer schlechter hören? Haben sie es nicht verdient, dass wir ihre mit dem Alter wachsende Sturheit ertragen? Unsere Eltern verachteten uns doch auch nicht, als wir kleine schwache Babys waren. So steht es uns auch nicht zu, in der Fülle unseres Lebens verachtend auf unsere alternden Eltern zu schauen. Uns steht das alles schließlich auch irgendwann bevor.
Unser respektvoller Umgang als erwachsene Kinder wird nicht unerkannt bleiben. Gott wird sich dies merken und uns dafür reich beschenken.
Wer die Eltern im Stich lässt, wird als Gotteslästerer angesehen. Das ist wichtig: Die Gottesfurcht wird nämlich durch die Elternfurcht umgesetzt. Furcht meint in diesem Fall nicht Angst, also etwas Pathologisches, sondern den Respekt und das Bemühen, den Anderen nicht zu verletzen. Gott hat uns unsere Eltern geschenkt. Dieses sollen wir dankbar annehmen und gut damit umgehen, sonst beleidigen wir den, der uns das Geschenk gemacht hat. Unsere Eltern sind Gottes Hände und Füße in unserer Familie. Sie sind sein Ausführungsorgan. Er liebt uns durch unsere Eltern. Und wir lieben ihn durch unsere Eltern. Das ist der Wille Gottes für die Familien.
Diese Elternliebe soll schlicht sein und kein Grund zur Angeberei. Das ist nicht etwas, womit man angeben kann, sondern das Mindeste, das wir unseren Eltern schulden. Wie können wir da Lob erwarten?

Ps 128
1 Ein Wallfahrtslied. Selig jeder, der den HERRN fürchtet, der auf seinen Wegen geht! 
2 Was deine Hände erarbeitet haben, wirst du genießen; selig bist du – es wird dir gut ergehn. 
3 Deine Frau ist wie ein fruchtbarer Weinstock im Innern deines Hauses. Wie Schösslinge von Ölbäumen sind deine Kinder rings um deinen Tisch herum. 
4 Siehe, so wird der Mann gesegnet, der den HERRN fürchtet. 
5 Es segne dich der HERR vom Zion her. Du sollst schauen das Glück Jerusalems alle Tage deines Lebens.

Der Psalm betont das, was den Kern der Elternliebe aus dem Buch Jesus Sirach darstellt: Es geht letztendlich um Gottesfurcht. Selig sind wir, wenn wir Gottes Gebote halten. Das ist die konkrete Umsetzung der Gottesfurcht. Wir werden Segen haben, wenn wir „auf seinen Wegen“ gehen. Dieser Segen wird sich z.B. am Erntereichtum zeigen. Vielleicht erinnern Sie sich an die Worte Gottes in Gen 3 nach dem Sündenfall? Eine Folge der Erbsünde ist die mühevolle Arbeit, um das tägliche Brot essen zu können. Erntereichtum ist dagegen ein Zeichen der Gnade Gottes.
Wenn die Frau als fruchtbarer Weinstock bezeichnet wird, ist das ebenfalls ein Zeichen des Segens Gottes. Kinderreichtum wird immer zum Indikator vor allem für die Frau, dass sie den Segen Gottes auf sich hat. Die Kinder als Ölbäume deuten auf deren Langlebigkeit und Fruchtbarkeit hin. Der Ölbaum ist deshalb ein Bild, das häufig zusammen mit dem Weinstock genannt wird.
Was nach jüdischem Verständnis Ausdruck des Segens Gottes war, ist christologisch erfüllt worden, jedoch auf eine neue und unerwartete Weise: Maria und Josef, zwei gottesfürchtige Menschen, erlangen eine Fruchtbarkeit, die ungleich größer ist als die biologische. Ein Ehepaar, das lebenslange Enthaltsamkeit lebt, zieht Gott selbst auf, Jesus Christus. Maria, die gottgeweiht ist und von allen Menschen die größte Gottesfurcht gehabt hat, ist zur Mutter aller und zum Urbild der Kirche geworden, die Menschen durch die Taufe zum neuen Leben gebiert. Diese geistige Fruchtbarkeit, wie man das Führen von Menschen zu Jesus nennen kann, übertrifft die biologische Fruchtbarkeit als Segen, wie er in diesem Psalm zum Ausdruck kommt.
Wenn es dann zum Ende hin heißt „Es segne dich der HERR vom Zion her“, dann ist das ein besonderer Segen. Für die Israeliten war das die maximale Form von Segen, denn „vom Zion“ meint „vom Tempel“. Und dort wohnte die Herrlichkeit Gottes. Wir Christen sehen darin eine typologische Verbindung zum eucharistischen Segen. „Zion“ ist nun die Kirche, in der das Allerheiligste nicht mehr die Bundeslade, sondern der Tabernakel mit den konsekrierten Hostien ist – das fleischgewordene Wort Gottes. Und zuvor müssen wir auf eine entscheidende Typologie hinweisen, die das ganze heutige Fest erklärt! Nämlich die Muttergottes selbst als Zion! Sie trägt den Sohn Gottes, das fleischgewordene Wort Gottes. Gottes Segen geht von ihrem Leib aus! Sie ist die neue Bundeslade, in der nicht mehr die Torah in Steintafelform, sondern als Mensch geborgen ist, nicht mehr die Schaubrote, sondern das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Von diesem Zion geht Segen aus, weil der HERR selbst mit ihr ist. Schauen wir auf dieses Vorbild, verstehen wir die besondere Bedeutung des mütterlichen Segens, auch den Segen unserer irdischen Mutter. Sie hat uns geboren, die wir Abbild Gottes sind, wenn auch nicht Gottes Sohn wie Jesus. Wenn wir Gottes Willen tun, in diesem Fall das Ehren der Eltern, dann geht von diesen Eltern der Segen Gottes auf uns über!
Das ewige Schauen des Glücks Jerusalems ist dann auch mehr als nur wörtlich zu verstehen: Es bezieht sich auf die Glückseligkeit des himmlischen Jerusalems. Dann werden wir mit der himmlischen Familie, also in Gemeinschaft der Heiligsten Dreifaltigkeit leben. Dann kommen wir von der Abbildhaftigkeit zur Vollendung. Das dürfen wir sakramental schon jetzt erfahren in der Gemeinschaft der Gläubigen, der Kirche. Wir sind eine einzige Familie, bei der der Priester unser Vater ist. Er sorgt für die Sakramente und Sakramentalien. Die Kirche gebärt uns, zieht uns auf und nährt uns mit den Heilsmitteln seelisch. Alle Gläubigen sind Geschwister im Glauben und bilden so die geistliche Familie, von der Jesus gesprochen hat (Mt 12,50; Mk 3,35).

Kol 3
12 Bekleidet euch also, als Erwählte Gottes, Heilige und Geliebte, mit innigem Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Geduld! 
13 Ertragt einander und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat! Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! 
14 Vor allem bekleidet euch mit der Liebe, die das Band der Vollkommenheit ist! 
15 Und der Friede Christi triumphiere in euren Herzen. Dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes. Seid dankbar! 
16 Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch. In aller Weisheit belehrt und ermahnt einander! Singt Gott Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder in Dankbarkeit in euren Herzen! 
17 Alles, was ihr in Wort oder Werk tut, geschehe im Namen Jesu, des Herrn. Dankt Gott, dem Vater, durch ihn!
18 Ihr Frauen, ordnet euch den Männern unter, wie es sich im Herrn geziemt!
19 Ihr Männer, liebt die Frauen und seid nicht erbittert gegen sie! 
20 Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern in allem, denn das ist dem Herrn wohlgefällig!
21 Ihr Väter, schüchtert eure Kinder nicht ein, damit sie nicht mutlos werden!

Auch der Paulusbrief gibt uns heute konkrete Anweisungen, wie wir als Familie zusammenleben sollen. Er sagt auch aus, warum wir wie beschrieben leben sollen: „als Erwählte Gottes, Heilige“. Durch die Taufe sind wir zur Heiligkeit berufen und dies soll sich an unserem Lebensstil bemerkbar machen.
Wir sollen einander ertragen. Wir können uns die Familienmitglieder nicht aussuchen und es kommt manchmal zu Spannungen. Charaktere treffen aufeinander, die nicht immer kompatibel sind. Wir sollen das aber aushalten.
Ein entscheidender Aspekt ist die Vergebung. Wir sollen einander immer verzeihen, jeden Tag aufs Neue. Wir sollen das bedingungslos tun, weil wir in der Nachfolge Christi stehen. Er hat immer und überall vergeben. Er hat noch seinen Henkern am Kreuz vergeben und für sie gebetet. Das soll unser Vorbild auch im Familienleben sein.
Zu dieser Voraussetzung tritt das Band, das alles zusammenhält – die Liebe. Diese ist nicht immer nur ein schönes Gefühl. Spätestens da, wo wir einander vergeben müssen, obwohl wir uns gegenseitig am liebsten auf den Mond schießen würden. Liebe ist manchmal harte Arbeit, und stets die Entscheidung füreinander, auch wo unsere momentanen Gefühle dagegen sprechen.
Der Wunsch einer friedlichen Familie kann nur in Erfüllung gehen, wo Gott Einzug in sie hält. Wo Gott das Zentrum der Familie ist, kann auch sein Frieden, der vollkommen ist, in ihr wirken.
Wir sollen dankbar sein. Das ist nicht zu unterschätzen. Das hat nämlich zur Folge, dass wir nichts, ich wiederhole, NICHTS für selbstverständlich nehmen sollen. Das zeigen wir im Alltag dadurch, dass wir uns für die Dinge bedanken, die uns der andere gibt und tut.
„Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch“ heißt, dass das Evangelium ganz und gar Realität in unseren Familien sein soll. Es soll davon geredet werden, aber vor allem soll es gelebt werden.
Wir sollen uns gegenseitig belehren (natürlich mit Liebe) und Gott loben mit Liedern und Gebeten. Das alles klingt, als ob hier nicht die Rede von Familie, sondern Kirche ist. Beides stimmt. Die Familie ist nämlich eine Hauskirche, eine Zelle des Leibes Christi. Diese geistige Dimension von Familie dürfen wir nicht vergessen. Deshalb ist das gemeinsame Gebet analog zur Leiturgia zu betrachten, die gegenseitige Ermahnung analog zur Martyria und das gegenseitige Lieben und Verzeihen analog zur Diakonia. Diese drei wiederum sind die kirchlichen Grundvollzüge. Und so wie alles in der Kirche im Namen Jesu geschehen soll, gilt es für das Familienleben.
Es schließt sich dann eine „Haustafel“ an, das heißt eine Erklärung, wie die Mitglieder des Hauses zueinander stehen sollen. Auch dies ist analog zur Hierarchie der Kirche zu verstehen: Frauen sollen sich ihren Männern unterordnen, die Männer sollen das aber nicht missbrauchen, sondern ihre Frauen lieben. Sie sollen auch die Kinder nicht einschüchtern, obwohl die Kinder den Eltern gehorchen sollen. Das ist die christliche Ordnung der Familie. Leben wir so, haben wir Segen und den Frieden Christi. Das Haupt der Kirche ist Christus, der vor seinem Heimgehen zum Vater Apostel bevollmächtigt hat, an seiner Statt die Rolle des Hauptes einzunehmen. Die Frau ist die Kirche, die Kinder gebärt, sie erzieht und nährt. Der Priester soll seine Frau, die Kirche lieben und nicht über sie herrschen. Die Kirche soll sich dem Mann, dem Priester in persona Christi, unterordnen. Die Kinder, die geboren werden, die Täuflinge, diejenigen, die noch im Begriff sind, in die volle Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen zu werden, sollen der Kirche gehorchen, das heißt die Gebote Gottes und Voraussetzungen für den sakramentalen Empfang erfüllen. Sie sollen auch dem Priester gehorsam sein und auf ihn hören. Das hat aber nichts mit Machtgefüge zu tun, weil diese Art von Unterordnung und Hauptsein Christus zum Zentrum hat. Wo dieser aus der Mitte entfernt wird – sowohl in der Kirche als auch in der Familie – gerät diese Hierarchie aus den Fugen. Dann kommt Missbrauch, Hass und Gewalt hinein. Und diejenigen, die am meisten darunter leiden, sind die Kinder – sowohl in der Familie als auch in der Kirche.

Lk 2
41 Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem.
42 Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach.
43 Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der Knabe Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten.
44 Sie meinten, er sei in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten.
45 Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten nach ihm.
46 Da geschah es, nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen.
47 Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten.
48 Als seine Eltern ihn sahen, waren sie voll Staunen und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, warum hast du uns das angetan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht.
49 Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?
50 Doch sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen gesagt hatte.
51 Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte all die Worte in ihrem Herzen.

Als Evangelium hören wir heute von der einzigen Begebenheit der Kindheit Jesu. Der Rest seiner ersten dreißig Lebensjahre liegt im Verborgenen. Er hat ein Leben in der absoluten Zurückgezogenheit geführt und die Evangelisten berichten uns gar nicht davon, wie dieses Leben aussah. Die einzige Episode ist die gehörte: Jesus ist mit seinen Eltern wie alle frommen Juden während der Wallfahrtsfest in Jerusalem, um die vorgeschriebenen Opfer darzubringen und Gott zu loben und preisen. Als Familie praktizieren sie ihren Glauben. Dieser Anlass ist uns schon Appell genug: Immer wieder zeigen uns auch heutige Statistiken, welche Kraft im Familiengebet und der gemeinsam besuchten hl. Messe liegt. Eine Familie, die zusammen betet, hält in schwierigen Zeiten besser zusammen. Betende Ehepartner gehen am wenigsten auseinander. Darin ist uns die hl. Familie also ganz und gar Vorbild.
„Familie“ ist dabei mehr als nur die Eltern und die Kinder, gerade im orientalischen Kontext. Das muss uns bewusst sein, wenn wir das heutige Fest begehen und die Evangelien lesen. Unter „Familie“ verstehen wir wirklich die Großfamilie, die Geschwister und Cousins/Cousinen der Eltern und die Cousins und Cousinen mehreren Grades. Sie alle lebten zusammen und die Kinder wuchsen gleichsam als Geschwister auf. Das sage ich deshalb, damit man versteht, warum den Eltern Jesu erst spät auffällt, dass Jesus fehlt. Sie gehen davon aus, dass er irgendwo bei den Verwandten ist. Erst nach einer Tagesreise realisieren sie, dass er dort gar nicht ist. Also machen sie sich zurück auf den Weg nach Jerusalem in der Hoffnung, ihn dort aufzufinden. Schließlich könnte es sein, dass er einfach gar nicht die Rückreise angetreten hat.
Insgesamt suchen sie ihn voller Sorge oder wie es hier heißt, „mit Schmerzen“ mehrere Tage. Es ist kein Zufall, dass sie ihn am dritten Tag finden. Es ist ein Typos, der seinen Antitypos in dem Schmerz der Gottesmutter am Ende des irdischen Lebens Jesu findet, wenn sie voller Schmerzen aushalten muss von Karfreitag bis in den Ostermorgen hinein. Josef wird dann nicht mehr leben, umso mehr muss sie diesen Schmerz alleine tragen.
Als die Eltern Jesu am dritten Tag finden, ist er im Tempel mitten unter den Gelehrten und stellt kluge Fragen. Er ist die Weisheit in Person. In dieser Situation zeigt sich, wer dieses zwölfjährige Kind ist. Er ist zwar religiös gesehen nun „erwachsen“, denn mit zwölf Jahren wird der Junge ein Bar Mizwa, der die religiöse Mündigkeit erlangt hat. Er muss also von da an auch in der Synagoge aus der Torah vorlesen etc. Aber es heißt ausdrücklich, dass die Fragen, die er stellt, offensichtlich besonders sind. Die Gelehrten sind erstaunt über seine Weisheit. Wir müssen uns das mal vor Augen führen: Der Sohn Gottes sitzt hier mitten unter gewöhnlichen Menschen und stellt Fragen, lässt sich auf den ersten Blick gleichsam belehren. Das ist Ausdruck seiner Entäußerung wie viele andere Momente seines irdischen Daseins. Er lässt sich belehren, der es doch so viel besser weiß! Wir können uns gleichzeitig vorstellen, dass dieses ganze Gespräch in Wirklichkeit eine Lektion für die Gelehrten ist. Die Weisheit in Person ist gekommen, um die Weisen zu lehren.
Wenn wir schon beim Stichwort „Lektion“ sind: Warum hat Jesus das getan? Die Eltern haben ihn voller Schmerzen gesucht. Wie konnte er ihnen nur solche Sorgen bereiten? Hörten wir nicht in den anderen Lesungen, dass wir unseren Eltern gehorchen sollen? Wie kann Jesus dann so ungehorsam sein? Darauf muss man mit mehreren Aspekten antworten: Jesus ist nicht einfach ausgebüxt, weil er in die Pubertät kommt oder so etwas. Vielmehr hat Jesus das ganz bewusst getan wie alles in seinem irdischen Dasein: Es handelt sich dabei um eine sogenannte prophetische Zeichenhandlung. Er versucht dadurch etwas zeichenhaft zu kommunizieren. Er ist zwar als ganzer Mensch seinen Eltern gehorsam und das wird auch am Ende des Evangeliums ausgesagt. Aber er ist auch ganz Gott. Und als solcher lehrt er seine Eltern immer wieder. Sie sind seine ersten Jünger. Er ist ihr Rabbi, unabhängig vom Alter. Er ist die Weisheit in Person und Maria öffnet ihr Herz ganz weit für seine Lektion. Sie bewahrt alles Geschehene und Gesagte in ihrem Herzen. In seiner Gottheit möchte Jesus seinen Eltern folgendes beibringen und darüber hinaus auch uns: Gehorsam gegenüber den Eltern ist Gottesgebot, so wichtig, dass es den Anfang der Zehn Gebote darstellt, die die Nächstenliebe betreffen! Doch der Gehorsam gegenüber Eltern ist kein absoluter. Der absolute Gehorsam gebührt allein Gott. Er ist auf Platz eins und nicht die Eltern. Wenn man zwischen Gott und den Eltern entscheiden müsste, dann soll man sich für Gott entscheiden. Eltern können irren und Dinge von ihren Kindern verlangen, die eine Sünde sind. Dann dürfen Kinder ihren Eltern in dieser Situation gar nicht gehorchen. Jesus will uns also beibringen, dass Gott unser himmlischer Vater ist, das eigentliche Haupt. Alles ist von ihm zu definieren. Wenn wir dagegen unsere Eltern auf Platz eins stellen, werden sie zu Götzen! Jesus sagt zu seinen Eltern, dass er in dem sein muss, was seinem Vater gehört. Der Tempel ist der Ort, an dem Gott gegenwärtig ist. Er erinnert seine Eltern daran, dass sein Vater der himmlische Vater ist – auf eine noch andere Weise als bei uns. Er und der Vater sind eins. Er ist Gott. Die Eltern werden in dieser Situation darauf vorbereitet, dass ihr Sohn ihnen nicht gehört und ihnen zu gegebener Zeit auch genommen werden wird. Dies wurde ihnen ja schon durch die Darstellung im Tempel bewusst. Der Sohn ist Gott dargebracht worden. Auch das ist eine wichtige Lektion für uns heute, damit wir an unseren Kindern nicht hängen: Sie sind uns im Grunde nur geliehen. Sie sind uns anvertraut, wir sollen sie mit unserer ganzen Liebe umfangen und sie in Liebe aufziehen. Doch sie sind nicht unser Eigentum, über das wir verfügen können. Wir müssen sie loslassen, denn Gott hat mit ihnen einen Plan so wie mit jedem Menschen. Josef und Maria wird das beigebracht und sie werden dafür schon sensibilisiert. Man darf Jesus also nicht missverstehen, wenn wir die Ausschnitte in den Evangelien lesen, die sein Verhältnis zu seinen Familienmitgliedern schildern. Er verachtet diese nicht, ganz und gar nicht. Jesus kümmert sich sehr um seine Mutter und sorgt noch am Kreuz dafür, dass sie durch seinen Jünger Johannes versorgt werden wird. Aber alles biologische Familienleben soll sich ausrichten an Gottes Familie. Alles soll von Gott her definiert werden. Das ist der Maßstab, der uns daran hindert, aneinander zu hängen und sich gegenseitig zu vergötzen.

Möge die hl. Familie uns ein Vorbild sein in unserer eigenen Familie. Vergessen wir nicht, dass unsere Familie eine Hauskirche ist und wir uns von Gott her definieren sollen. Ehren wir unsere Eltern und behandeln wir unsere Kinder gut. Vergeben wir einander immer wieder. Bedanken wir uns für alles, nehmen wir nichts für selbstverständlich. Bitten wir vertrauensvoll. Nehmen wir bei allem Maß an der Heiligsten Dreifaltigkeit, die die ursprüngliche Liebesgemeinschaft ist. Jesus, Maria und Josef, ich liebe euch, rettet Seelen!

Ihre Magstrauss

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