Freitag der 5. Woche im Jahreskreis

1 Kön 11,29-32; 12,19; Ps 81,10-11b.12-13.14-15; Mk 7,31-37

1 Kön 11
29 Als in jener Zeit Jerobeam einmal aus Jerusalem herauskam, begegnete ihm auf dem Weg der Prophet Ahija aus Schilo. Dieser war mit einem neuen Mantel bekleidet. Während nun beide allein auf freiem Feld waren,
30 fasste Ahija den neuen Mantel, den er anhatte, zerriss ihn in zwölf Stücke
31 und sagte zu Jerobeam: Nimm dir zehn Stücke; denn so spricht der HERR, der Gott Israels: Ich nehme Salomo das Königtum weg und gebe dir zehn Stämme.
32 Nur ein Stamm soll ihm verbleiben wegen meines Knechtes David und wegen Jerusalem, der Stadt, die ich aus allen Stämmen Israels erwählt habe.

In der gestrigen Lesung sagte der Herr Salomo zu, dass er die Konsequenzen für seinen Götzendienst tragen werde. Gott lässt sich nicht spotten und nimmt den Menschen beim Wort, der mit ihm in einer Bundesbeziehung lebt. Salomo ist dabei nicht einfach irgendein Mensch des Volkes Israel, sondern der König. Er hat eine besondere Verantwortung als Herrscher über die zwölf Stämme, als Schirmherr des Kultes und Nachfolger eines so großen Königs namens David. Gott hat ihm solche Gaben geschenkt, ihn so weise gemacht, ihm so viel Reichtum und Prunk verliehen, dass sogar die Königin von Saba angereist kam. Bei ihm gilt, was Jesus in den sieben Sendschreiben der Offenbarung sagt: Siehe, von welcher Höhe du gefallen bist. Salomo ist von einer sehr innigen Beziehung und einem großen Maß an Erkenntnis so abtrünnig geworden. Deshalb ist sein Strafmaß besonders hoch. Doch zugleich hat Gott ihm gestern klargemacht, dass er es seinem Vater zu verdanken hat, dass diese Dinge erst in der nachfolgenden Generation passieren würden. Nur noch ein Stamm würde ihnen als Königreich bleiben. Der Rest für wegbrechen.
Heute hören wir nun den Anfang vom Ende. Der Prophet Ahija begegnet Jerobeam, einem Mann, der beim Tempelbau Salomos als Aufseher gewirkt hatte, sich dann gegen dessen Sohn verschwor, Heiligtümer im Norden des Landes errichtete, Sichem als neue Hauptstadt ausbaute und schließlich zum Gegenkönig des Sohnes Salomos, Rehabeam, wurde. Als er auf den Propheten Ahija trifft, vollzieht dieser eine prophetische Zeichenhandlung. Er nimmt seinen Mantel und zerreißt ihn in zwölf Stücke. Dann sagt er zu Jerobeam, dass dieser sich zehn davon nehmen soll. Diese Handlung kündigt an, dass von den zwölf Stämmen Israels zehn Stämme zum Reich Jerobeams werden würden. Dem bisherigen Königreich bleiben zwei Stämme, also der Stamm Juda und die Leviten, die ebenfalls in Jerusalem wirken. Diese haben ja keine eigenen Ländereien, weil sie als priesterlicher Stamm in der Nähe des Heiligtums sein sollen. Jerobeam lässt in seinen selbsternannten Heiligtümern goldene Kälber aufstellen, ernennt eigenmächtig Priester, richtet einen eigenen Kult ein. Deshalb hat er ohnehin kein Interesse an den Leviten.

Ps 81
10 Kein fremder Gott soll bei dir sein, du sollst dich nicht niederwerfen vor einem fremden Gott.
11 Ich bin der HERR, dein Gott, / der dich heraufgeführt hat aus Ägypten. Weit öffne deinen Mund! Ich will ihn füllen.
12 Doch mein Volk hat nicht auf meine Stimme gehört; Israel hat mich nicht gewollt.
13 Da überließ ich sie ihrem verstockten Herzen: Sollen sie gehen nach ihren eigenen Plänen.
14 Ach, dass mein Volk doch auf mich hörte, dass Israel gehen wollte auf meinen Wegen!
15 Wie bald würde ich seine Feinde beugen, meine Hand gegen seine Bedränger wenden.

Als Antwort beten wir Ps 81, der betitelt ist mit „Gottes Aufruf zur Treue“. Es handelt sich dabei um einen Asafpsalm, der sowohl Lobpreis enthält als auch direkte Gottesworte. Er stellt mit Blick auf die Lesung ein einziges Mahnmal dar.
Israel soll keine anderen Götter anbeten, sich nicht niederwerfen vor einem Götzen. Salomo hat das getan, indem er sich von seinen Frauen hinreißen ließ und ihnen sogar eigene Kulthöhen errichtete. Hätte es jemand getan, der es nicht besser wüsste, wäre es nicht so schlimm. Doch König Salomo wusste ganz genau um die Gebote und Mahnungen, um die Bundesbeziehung und die Innigkeit, mit der sein Vater den Herrn angebetet hat. Er wusste um die Ereignisse des Volkes Israel, den Exodus, die Heilstaten und Wunder. Gott war bereit, dem Volk alles in Überfülle zu geben, doch Israel hat die Gnade verloren, denn es hat nicht auf Gott gehört. Auf Gottes Stimme zu hören, bedeutet, ihn als Ganzen anzunehmen.
Gott hält dem Volk Sturheit vor und wirft es auf das Volk zurück: „Sollen sie gehen nach ihren eigenen Plänen.“ Aber dann wird es ihnen schlecht gehen, weil sie sich vom Gott des Lebens entfernen, der sie glücklich machen kann.
Gott möchte seinem Volk das Beste. Deshalb wünscht er sich so sehr, dass Israel auf seinen Wegen geht. Es ist nicht auf ein rechthaberisches Denken zurückzuführen, sondern darauf, dass Gottes Wege in die ewige Glückseligkeit des Himmels führen. Dazu hat er uns alle berufen.
Wenn Israel Gottes Wege beschreite, wäre es für Gott ein Leichtes, Israels Feinde zu besiegen und alles Unheil abzuwenden. Dies hängt aber ganz von Israels Wahl ab, nach der sich Gott richtet.
Gott würde Israel den besten Weizen und Honig aus dem Felsen geben, wenn es sich doch nur für ihn entscheiden würde.
Diese Worte sind hochaktuell. Wie gut würde es uns doch gehen, wenn wir Gott in unser Leben lassen würden! Auch wenn das Leiden nicht automatisch enden würde, hätten wir inneren Frieden und die Kraft, alles auszustehen, weil uns Gottes Gnade zuteilwerden würde. Die innige Verbundenheit mit ihm ist die mächtigste Quelle der Freude. Das Leben ist so schon schwer genug – ohne Gott ist man ganz verloren.
Es macht einen riesigen Unterschied, ob wir den Segen Gottes in unserem Leben haben oder nicht. Wir werden so reichlich beschenkt. Uns fällt alles irgendwie zu. Uns gelingt, was wir anpacken. Seine Gebote zu halten, ist wirklich keine Einschränkung und Spaßbremse, sondern führt uns ins Leben in Fülle.

Mk 7
31 Jesus verließ das Gebiet von Tyrus wieder und kam über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das Gebiet der Dekapolis.

32 Da brachten sie zu ihm einen, der taub war und stammelte, und baten ihn, er möge ihm die Hand auflegen.
33 Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel;
34 danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu ihm: Effata!, das heißt: Öffne dich!
35 Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit und er konnte richtig reden.
36 Jesus verbot ihnen, jemandem davon zu erzählen. Doch je mehr er es ihnen verbot, desto mehr verkündeten sie es.
37 Sie staunten über alle Maßen und sagten: Er hat alles gut gemacht; er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen.

Heute hören wir davon, dass Jesus von Tyros und Sidon weiterzieht an den See von Galiläa in das Gebiet der Dekapolis. Dieses Gebiet von zehn Städten ist ein mehrheitlich heidnisch geprägtes Gebiet. Dort kommt nun ein taubstummer Mann zu Jesus. Das Stammeln wird zumeist auf die Stummheit des Mannes bezogen, der keine richtigen Worte sprechen kann.
Die Menschen, die ihn zu Jesus bringen, bitten Jesus um Handauflegung. So nimmt Jesus ihn beiseite, um auf den ersten Blick sonderbare Gesten an ihm zu vollziehen: Er legt ihm die Finger in die Ohren und berührt die Zunge des Mannes mit Speichel. Einerseits möchte Jesus damit erfüllen, was in Ps 51,17 (Herr, öffne meine Lippen, damit mein Mund dein Lob verkünde!) steht sowie in Jes 50,4 (GOTT, der Herr, gab mir die Zunge von Schülern, damit ich verstehe, die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort. Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich höre, wie Schüler hören.): Dadurch möchte er ausdrücken, dass die wahre Taubheit und Stummheit sich auf die Seele beziehen. Mit der Heilung körperlicher Art möchte Jesus stets bezwecken, dass auch die Taubheit des Herzens geheilt wird. Diese ist es nämlich, die die Beziehung zu Gott beeinträchtigt und weshalb der Mensch das ewige Leben nicht haben kann. Und wie in Ex 8,15 gesagt wird, dass die übernatürlichen Zeichen der Finger Gottes sind, so begeht Jesus ganz bewusst seine Heilstat mit seinem Finger. Er sagt dadurch aus, dass er Gott ist und dass sein Finger der Finger Gottes ist. Es ist nicht einfach nur Speichel, den er seinem eigenen Mund entnimmt. Diese Geste sagt vielmehr aus, dass hier ein Schöpfungsvorgang aus dem Mund Gottes vorgenommen wird ganz wie bei der Schöpfung in der Genesis. Ausgehend von seinem Mund schenkt Christus diesem Menschen ein neues Leben.
All das erinnert uns an die Taufe. Denn auch dort wird ein Ritus vorgenommen, der auf diese Heilung Jesu zurückgeht. Der Priester legt seine Finger in die Ohren und auf den Mund des Täuflings mit eben jenen Worten Jesu „Efatta!“ So möge wie jener geheilte Taubstumme der Täufling geöffnet werden für den Glauben und den Willen Gottes. Das ist wie gesagt schon in der Heilungsgeschichte des heutigen Evangeliums der eigentliche Zweck der Heilung. Die Taufe ist ein Schöpfungsvorgang, denn in ihr wird der Mensch neugeboren im Hl. Geist.
Jesus verbietet den Menschen erneut, von der Heilung zu sprechen, doch das Ereignis verbreitet sich rasch.
Jesus kann wirklich alles gut machen, wie es die Menschen auch zueinander sagen. Er kann machen, dass die Menschen wieder sprechen und hören können. Das ist viel tiefgreifender, als die Menschen es erahnen: Taubheit und Stummheit der gefallenen Schöpfung sind durch seine Erlösungstat weggenommen, die dafür sorgten, dass der Mensch den Willen Gottes nicht mehr wahrnahm. Alles war zum Scheitern verurteilt wegen des Sündenfalls der ersten Menschen. Ein besonders schmerzhaftes Beispiel von Sünde sehen wir auch heute wieder in der Lesung. Doch Christus ist gekommen, diesen Fall wiedergutzumachen. Er ist am Kreuz erhöht worden, um die Gefallenen wieder aufzurichten. Er ist am Kreuz erstickt, seine Psalmworte mitten im Satz verstummt, damit jene, die durch die Sünde stumm geworden sind, Gott im Lobpreis wieder danken können. Er ist taub geworden in dem Sinne, dass er die Stimme des Vaters nicht mehr vernommen hat in der Erfahrung absoluter Gottverlassenheit, damit die erlösten Menschen Gottes Stimme wieder hören können, die Stimme, die ihnen das ewige Heil in Aussicht stellt. Er hat wirklich alles gut gemacht. Was er für uns getan hat, ist das größte Wunder aller Zeiten.

Ihre Magstrauss

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