5. Sonntag der Osterzeit (C)

Apg 14,21b-27; Ps 145,1-2.8-9.10-11.13c-14; Offb 21,1-5a; Joh 13,31-33a.34-35

Apg 14
21 Als sie dieser Stadt das Evangelium verkündet und viele Jünger gewonnen hatten, kehrten sie nach Lystra, Ikonion und Antiochia zurück.
22 Sie stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, treu am Glauben festzuhalten; sie sagten: Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen.
23 Sie setzten für sie in jeder Gemeinde Älteste ein und empfahlen sie unter Gebet und Fasten dem Herrn, an den sie nun glaubten.
24 Nachdem sie durch Pisidien gezogen waren, kamen sie nach Pamphylien,
25 verkündeten in Perge das Wort und gingen dann nach Attalia hinab.
26 Von dort segelten sie nach Antiochia, wo man sie für das Werk, das sie nun vollbracht hatten, der Gnade Gottes übereignet hatte.
27 Als sie dort angekommen waren, riefen sie die Gemeinde zusammen und berichteten alles, was Gott mit ihnen zusammen getan und dass er den Heiden die Tür zum Glauben geöffnet hatte.

Als erste Lesung aus der Apostelgeschichte hören wir von den Abenteuern des Paulus und Barnabas auf ihrer ersten Missionsreise. Im vorausgehenden Abschnitt kam es zu einem skurrilen Missverständnis der Bewohner von Lystra. Sie dachten aufgrund eines Heilungswunders, dass Paulus und Barnabas Zeus und Hermes in Menschengestalt seien. Mit Mühe schaffte Paulus es, die Volksmenge von Zeusopfern abzubringen. Das ist aber noch nicht das Ende vom Lied. Die Gegner aus Antiochia und Ikonion reisten nach Lystra, um die Menschen von den Missionaren abzubringen. Sie hetzten die Bewohner regelrecht gegen die beiden auf, sodass sie Paulus steinigten und aus der Stadt hinausbrachten. Sie dachten, er sei tot. Deshalb ließen sie ihn dort einfach liegen und gingen weg.
Bekehrte der Stadt nahmen ihn aber mit. Dann zog Paulus mit Barnabas weiter nach Derbe, um auch dort das Evangelium zu verkünden. Viele Menschen kamen zum Glauben. Nun hören wir, dass die Missionare zurück in die Städte gehen, in denen sie viele Gegner haben und Paulus fast gestorben wäre. Warum tun sie das? Sie gehen zu denen, die Jünger Jesu Christi geworden sind. Da diese noch ganz am Anfang stehen, kümmern sie sich um den Aufbau der Gemeinde. Dies geschieht unter anderem dadurch, dass sie Älteste als Gemeindevorsteher weihen. Eine Gemeinde braucht eine Führungsperson, die die Gläubigen zusammenhält und vor allem die sakramentale Vollmacht hat.
Da es sich um Neubekehrte handelt, müssen Paulus und Barnabas die Seelen der Menschen stärken. Der Weg des Christentums ist vom Grundsatz her ein Weg des Leidens. Die Missionare bereiten die Neubekehrten darauf vor, indem sie ihnen zukünftige Drangsale ankündigen.
Nachdem die Missionare durch Pisidien gezogen sind, setzen sie ihr Werk in Pamphylien fort. Sie verkünden das Wort Gottes in Perge und ziehen dann weiter nach Attalia.
Als sie auch dort fertig sind, reisen sie zurück ins syrische Antiochia, von wo aus sie sich auf den Weg gemacht haben. Dort erzählen sie von ihren Erlebnissen und vor allem von dem Erfolg bei den Heiden. Sie bleiben längere Zeit dort.
So endet die erste Missionsreise, auf der sie schon bis an ihre Grenzen gehen mussten. Paulus hat sogar eine Steinigung überlebt. Sie sind wirklich durch Drangsale gegangen und konnten ihr Leiden ganz mit dem Leiden Jesu Christi vereinen. All die Strapazen haben sie auf sich genommen als Leiden für jene, die zum Glauben kommen sollten. Bei solch großen Missionsreisen reicht Gebet und Fasten einfach nicht. Gott lässt zu, dass seine auserwählten Apostel zusätzlich viel erleiden müssen. Auf das große Leiden folgt dann aber die große Gnade. Schon durch die erste Missionsreise sind viele Menschen zum Glauben an Christus gekommen. Wie viel nehmen wir heute als Kirche auf uns, um den Menschen Jesus Christus zu verkünden?

Ps 145
1 Ein Loblied Davids. Ich will dich erheben, meinen Gott und König, ich will deinen Namen preisen auf immer und ewig.
2 Jeden Tag will ich dich preisen und deinen Namen loben auf immer und ewig.
8 Der HERR ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Huld.
9 Der HERR ist gut zu allen, sein Erbarmen waltet über all seinen Werken.
10 Danken sollen dir, HERR, all deine Werke, deine Frommen sollen dich preisen.
11 Von der Herrlichkeit deines Königtums sollen sie reden, von deiner Macht sollen sie sprechen,
13 Dein Königtum ist ein Königtum aller Zeiten, von Geschlecht zu Geschlecht währt deine Herrschaft.
14 Der HERR stützt alle, die fallen, er richtet alle auf, die gebeugt sind.

Als Antwort beten wir einen Lobpreispsalm, der den Abschluss des fünften Psalmenbuches darstellt.
König David selbst betet ihn uns vor und macht sich mit diesem Lobpreis nun ganz klein vor Gott, dem Allmächtigen.
Zu Beginn erfolgt wie so oft eine Selbstaufforderung zum Lobpreis: „Ich will deinen Namen preisen auf immer und ewig.“ Er, der der Höchste im Volk Israel ist, erhebt Gott über sich. Er, der irdisch gesehen König ist, preist Gott, den wahren König. David bleibt immer auf dem Teppich, weil er sich stets von Gott her betrachtet.
Er bekundet die stete Anbetung Gottes auch im nächsten Vers, wenn er Gott die Anbetung täglich und bis in Ewigkeit zusagt.
Er proklamiert als nächstes die Barmherzigkeit Gottes. Diese hat David in seinem Leben wahrlich erfahren, denn Gott hat ihn trotz seiner schweren Sünden nicht einfach aufgegeben. Gott hat ihn die Konsequenzen seiner Sünde spüren lassen, aber er hat den Bund treu gehalten, den er mit David eingegangen ist. Gott ist wirklich langmütig, das heißt geduldig. Er vergibt jedem Menschen seine Schuld, wie groß sie auch ist, wenn er aufrichtig bereut. Das hat er nicht nur David gegenüber gezeigt, sondern allen Menschen. Er ist „gut zu allen“. Und was auch immer Gott erwirkt, ist letztendlich Ausdruck seines Erbarmens. Wenn der Mensch leiden muss, dann ist das kein Widerspruch zu diesem grenzenlosen Erbarmen Gottes. Er möchte unsere Liebesbeziehung, aber wenn wir sie ablehnen und deswegen dann leiden, kann er nichts tun. Zu sehr schätzt er unseren freien Willen. Und wenn andere Menschen sündigen und uns unschuldig mit hineinziehen, ist das kein Ausdruck der Ungerechtigkeit Gottes, sondern das Wesen der Sünde.
In Vers 10 erfolgt eine weitere Lobpreisaufforderung, nun aber nicht an den Beter selbst, sondern an „alle deine Werke, deine Frommen“. Die Schöpfung soll Gott loben und preisen. Dies ist die einzig angemessene Reaktion auf das Geschaffensein von dem liebenden Gott, der uns eigentlich nicht braucht, aber ohne uns nicht sein will. Dass wir existieren, ist bereits den ewigen und unaufhörlichen Lobpreis wert!
David bezeichnet Gott hier als König, wenn er von der „Herrlichkeit“ seines „Königtums“ spricht. Gottes Allmacht wird mit einem mächtigen Herrscher verglichen. David vergleicht Gottes Macht also mit seiner eigenen und steigert sie ins Unendliche. Dieses Königtum soll verkündet werden. Christus wird dies zum Kern seine Botschaft machen und seine Jünger vor seiner Heimkehr zum Vater dazu auffordern, es fortzusetzen. Diese Steigerung zeigt sich auch dadurch, dass Gottes Königtum nicht nur auf eine bestimmte Lebenszeit beschränkt ist wie im Falle Davids, sondern ewig Bestand hat. Es ist der eine wahre König, der eine unendliche Regierungszeit hat. Dabei ist er kein Unterdrücker und Despot, sondern ein Aufrichter. Er stützt die Fallenden und richtet jene auf, die gebeugt sind. Wir sehen immer wieder Christus vor Augen, der die Menschen an die Hand nimmt und aufrichtet: die vielen Kranken, Gelähmten, sogar Toten. Um wie viel mehr tut er das im übertragenen Sinne, wenn er die Sünder zur Umkehr führt und diese von der Sünde in die Gnade kommen, weil Christus ihnen die Sünden vergibt! So ist das Königtum Gottes.

Offb 21
1 Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr.
2 Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen; sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat.
3 Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein.
4 Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen.
5 Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu.

Als zweite Lesung hören wir einen Text, der oft auf Beerdigungen verlesen wird. Es ist ein tröstlicher Text aus der Johannesoffenbarung ganz am Ende. Nachdem nämlich das apokalyptische Chaos gewütet hat, alles auf Null gesetzt und die Bösen gerichtet sind, nachdem der Widersacher Gottes endgültig besiegt und sogar der Tod zerstört ist, kann nun etwas Neues entstehen.
Johannes sieht einen neuen Himmel und eine neue Erde. Die alte, gefallene Schöpfung ist vorbei. Nun macht Gott etwas Neues, das nicht mehr dem Verderben und dem Tod anheimfällt, eine viel vollkommenere Schöpfung, weil diese paradiesisch ist und nicht mehr von der Sünde befallen. Das war die erste ja auch nicht durch Gott, denn damals hieß es bereits, dass Gott alles gut geschaffen hat. Das Problem entstand erst, als der Mensch gesündigt hat. Die Schöpfung ist erst nach Erschaffung Gottes gefallen.
Was bedeutet es, dass das Meer nicht mehr ist? Wir müssen bedenken, dass das Meer für die Unzulänglichkeit und das Geheimnisvolle steht. Bis heute sind große Teile des Meeres noch nicht erforscht. Umso mehr war es in der Antike Sinnbild für das, was man nicht begreift und weiß. Wenn das Meer also nicht mehr ist, bedeutet es, dass dann alles offenbar wird. Nichts ist mehr verborgen und wir Menschen werden alles begreifen. Es wird nichts Bedrohliches mehr geben, das uns verschlossen ist.
Johannes sieht dann das himmlische Jerusalem, denn es kommt vom Himmel herab. Es meint das Himmelreich, den „Ort“ der Gegenwart Gottes. Johannes sieht, worum wir im Vaterunser bitten: das Reich kommt und der Wille Gottes geschieht – wie im Himmel, so auf Erden!
Die Brautmetapher ist ganz prominent für die hl. Schrift. Wir begreifen, dass mit der bereiten und geschmückten Braut die Kirche gemeint ist, nämlich die triumphierende Kirche. Zu jenem Zeitpunkt gibt es nur noch sie. Die leidende Kirche ist nun verschwunden, weil es kein Fegefeuer mehr gibt. Die streitende Kirche hat den Kampf zuende gekämpft. Die erste Schöpfung ist ja zuende und der Fein ultimativ besiegt worden. Nun gibt es nur noch die Kirche des Himmels und die Hochzeit kann endlich beginnen.
Nun wird Gott ganz bei den Menschen wohnen, sodass es in dem himmlischen Jerusalem keinen Tempel und keine Sakramente mehr benötigt. Der Schleier ist von den Menschen genommen (wie gesagt ist das Meer nicht mehr!) und die Menschen sehen Gott, wie er ist. Die Bundesbeziehung kann nun voll und ganz gelebt werden, was an der Bundessprache deutlich wird: „Sie werden sein Volk sein.“ Gott ist JHWH, der „ich bin“ und der „Immanuel“. Ganz wie Christus es verheißen hat, ist Gott mit ihnen bis in Ewigkeit.
Das wird ein einziger Trost sein, weil alles Leiden dann ein Ende finden wird. Gott wird die Tränen abwischen und es wird ein ewiges Fest sein. Deshalb wird auch das Bild der Hochzeit verwendet, weil diese als freudigster Moment des Lebens gilt. Es wird auch ein ewiger Sabbat sein, denn die Mühsal der ersten Schöpfung ist zuende. Nun heißt es nicht mehr „im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen“. Die Folgen der Erbsünde werden die Menschen nicht mehr niederdrücken.
„Seht, ich mache alles neu.“ Das kann der Herr bewirken, denn der hl. Geist ist der Erneuerer. Er macht uns Menschen schon in diesem Leben immer wieder neu, wenn er uns erfrischt als lebendiges Wasser in den Sakramenten und Sakramentalien. Er ist es, der die Sündenvergebung bewirkt und wir dadurch neu werden. Uns wird immer wieder ein neues Leben geschenkt, wenn wir in den Stand der Gnade zurückversetzt werden. Der Herr macht alles neu auch durch die Taufe, die ja das erste Sündenvergebungs-Sakrament ist. Uns wird ein neues Leben geschenkt, weil wir neugeboren werden durch den hl. Geist zu einer neuen Schöpfung. Es ist unser persönliches Osterereignis, wenn wir getauft werden.  Was Gott aber am Ende der Zeiten schafft, überbietet einfach alles. Dann wird es nämlich kein Leiden, keine Trauer und keinen Tod mehr geben. Als Getaufte und als frisch gebeichtete Christen sind wir ja noch nicht endgültig vom Leiden befreit. Was noch aussteht, motiviert und tröstet uns, stärkt uns im Jetzt!

Joh 13
31 Als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht und Gott ist in ihm verherrlicht.
32 Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen und er wird ihn bald verherrlichen.
33 Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Ihr werdet mich suchen, und was ich den Juden gesagt habe, sage ich jetzt auch euch: Wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht gelangen.
34 Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.
35 Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.

Im Evangelium hören wir Jesu Worte, die er zu seinen Aposteln spricht nach dem Letzten Abendmahl und nachdem Judas den Raum verlassen hat.
Jesus spricht von seiner Verherrlichung durch den Vater. Er tut es, weil diese unmittelbar bevorsteht und Jesus ja schon längst verherrlicht ist. Diese Verherrlichung ist nur verborgen und wird an Ostern offenbar – aber selbst da ist es noch nicht die vollkommene Offenbarung seiner Herrlichkeit. Diese wird erst am Ende der Zeiten mit seiner Rückkehr vonstatten gehen. Davon haben wir in der zweiten Lesung gehört. Die Verherrlichung ist im Johannesevangelium zuallererst auf die Kreuzigung zu beziehen. Der Kreuzweg und die Passion werden geschildert als Weg der Verherrlichung.
Gott wird ihn, also Christus, bald verherrlichen, denn Jesus spricht diese Worte am Abend vor seinem Leiden und Tod. Er wird ihn mit Blick auf Ostern aber auch schon bald verherrlichen, denn der Ostermorgen ist ebenfalls nahe.
„Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Ihr werdet mich suchen, und was ich den Juden gesagt habe, sage ich jetzt auch euch: Wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht gelangen.“ Jesus will seine Apostel schon für seinen Tod sensibilisieren. Mit seinem Tod wird seine Seele von der irdischen Welt gehen und deshalb können seine Jünger ihm dorthin nicht folgen, zumindest noch nicht. Sie werden ihn suchen, gemeint ist nicht einfach, dass sie finden wollen, was sie verloren haben. Vielmehr ist die Sehnsucht nach ihm gemeint. Sie werden sich nach ihm sehnen, weil sie so viele Jahre Tag und Nacht mit ihm zusammen waren. Doch sie werden nicht zu ihm gelangen können, weil die Ewigkeit zwischen ihnen liegt. Jesus wird ihnen nämlich auch nach der Auferstehung und Himmelfahrt vorausgehen und auch dann können sie ihm nicht sofort folgen.
An dieses Kapitel schließt sich die Serie der Abschiedsreden an, doch auch hier hören wir schon Worte, die von Abschied geprägt sind. Jesus möchte seine Apostel aber nicht mit leeren Händen zurücklassen, sondern hinterlässt ihnen gleichsam sein „Testament“. Es ist das Testament der Liebe. Deshalb bringt er es hier so auf den Punkt: Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.“ Warum ist die Nächstenliebe nun ein neues Gebot, wenn das schon im Buch Levitikus genannt worden ist und Jesus in den drei Jahren seiner Reich-Gottes-Verkündigung das Doppelgebot der Liebe mehrfach erklärt hat? Es ist neu, weil er nun eine neue Dimension von ihnen fordert: Wie ich euch geliebt habe! Was bedeutet das? So kurz vor dem Tod Jesu wird uns klar, was er meint, und zwei Kapitel später wird er es noch expliziter formulieren: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Joh 15,13). Er möchte, dass sie bereit sind, füreinander zu sterben, so wie er es am nächsten Tag tun wird. Das ist die größte Liebe. Einander zu sterben, muss nicht gleich heißen, dass wir alle nun als Märtyrer füreinander sterben. Wir sterben einander bereits dann, wenn wir zurückstecken, wenn wir jemandem unsere Lebenszeit schenken, wenn wir unsere Kräfte füreinander investieren, wenn wir unseren Willen zurückstellen, um anderen zu dienen. Wir sterben füreinander, wenn unser Ego immer und immer mehr stirbt. Johannes der Täufer hat es wunderbar ausgedrückt: „Er muss wachsen, ich aber geringer werden (Joh 3,30).“ Wenn Christus in uns immer mehr Gestalt annimmt und unser Ego immer kleiner wird, dann stirbt unser alter Mensch immer mehr ab. Dann  kommt schon in diesem Leben das Jerusalem vom Himmel in unser Herz herab. Dann wird Gottes Gegenwart schon in uns Realität. Wir sollen einander lieben bis zur Vollendung, nicht einfach paar Nettigkeiten austauschen, solange wir in unserer Komfortzone bleiben. Wir sollen bereit sein, uns ganz zu verzehren wie Christus. Das ist neu und das ist die größte Verkündigung des Evangeliums. Und die Apostel werden dies ernst nehmen. Sie werden bis auf Johannes alle in den Tod gehen für Christus. Die ersten Christen begegnen einander mit so viel Liebe, dass die Heiden davon berührt werden. Tertullian überliefert uns den Kommentar: „Seht, wie sie einander lieben!“

Heute hören wir viel vom ewigen Leben und dem Trost der Gegenwart Gottes am Ende der Zeiten, aber auch von der großen Liebe der ersten Christen, die sich wie Jesus ganz verzehren. Schauen wir auf Paulus! Er ist mehrfach gesteinigt worden, hat mehrere Schiffbrüche erlitten, so viele Strapazen bei den vielen Reisen auf sich genommen. Es ist womöglich noch viel mehr passiert, als uns die Apostelgeschichte berichtet und Paulus in den Briefen schreibt. Was hat er nicht alles auf sich genommen, um den Menschen das Reich Gottes zu bringen! Auch er nimmt die Worte Jesu ernst. „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.“ Sind auch wir bereit, füreinander ans Kreuz geschlagen zu werden? Sind wir bereit, füreinander das Kreuz zu tragen? Spott zu erleiden? Ins Herz gestochen zu werden? Wo es uns an Liebe fehlt, dürfen wir den Herrn darum bitten, dass er uns seine Liebe schenke. Diese Art von Liebe, die er von uns fordert, ist eine heroische Liebe, die das menschliche Maß übersteigt. Es ist die Agape, die göttliche Liebe, die uns geschenkt werden muss. Es ist die Liebe, mit der uns der Herr besonders in der Eucharistie neu ausstatten will. Als kleiner Impuls: Wenn die Mutter-Teresa-Schwestern besonders viel zu tun hatten und Mutter Teresa baten, dafür dann ein bisschen weniger Gebetszeit zu halten, sagte Mutter Teresa: Im Gegenteil. Je mehr ihr zu tun habt, desto mehr müsst ihr in die Anbetung gehen und beten. Mehr Liebe am Bedürftigen erfordert mehr Liebes-Input vom Herrn.

Ihre Magstrauss

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