Dreifaltigkeitssonntag (C)

Spr 8,22-31; Ps 8,4-5.6-7.8-9; Röm 5,1-5; Joh 16,12-15

Spr 8
22 Der HERR hat mich geschaffen als Anfang seines Weges, / vor seinen Werken in der Urzeit;
23 in frühester Zeit wurde ich gebildet, / am Anfang, beim Ursprung der Erde.
24 Als die Urmeere noch nicht waren, wurde ich geboren, / als es die Quellen noch nicht gab, die wasserreichen.
25 Ehe die Berge eingesenkt wurden, / vor den Hügeln wurde ich geboren.
26 Noch hatte er die Erde nicht gemacht und die Fluren / und alle Schollen des Festlands.
27 Als er den Himmel baute, war ich dabei, / als er den Erdkreis abmaß über den Wassern,
28 als er droben die Wolken befestigte / und Quellen strömen ließ aus dem Urmeer,
29 als er dem Meer sein Gesetz gab / und die Wasser nicht seinen Befehl übertreten durften, / als er die Fundamente der Erde abmaß,
30 da war ich als geliebtes Kind bei ihm. / Ich war seine Freude Tag für Tag / und spielte vor ihm allezeit.
31 Ich spielte auf seinem Erdenrund / und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein.

Wie jedes Jahr am Sonntag zwischen Pfingsten und Fronleichnam feiern wir den Dreifaltigkeitssonntag. Wir betrachten dabei die Liebe, die Gott in sich ist. Er ist es dadurch, dass er in sich Gemeinschaft ist, ein Gott in drei Personen. Die Lesungen führen uns in dieses Mysterium hinein und wir beginnen mit dem Buch der Sprichwörter, einer weisheitlichen Schrift. Was wir heute hören, ist eine Art Lied der personifizierten Weisheit, die über ihren Ursprung erzählt. Dies ist für uns sehr interessant, da wir solche Aussagen in der hl. Schrift entweder auf Christus, Maria oder den hl. Geist beziehen. Die Kirchenväter legen diesen Ausschnitt aus dem Buch der Sprichwörter durchgehend christologisch aus und diskutieren darüber, wie die Rede von der „Erschaffung“ zu verstehen ist, da sie ja gegen den Arianismus betonen, dass Jesus kein Geschöpf wie wir ist. Bei solchen Aussagen müssen wir berücksichtigen, dass es sich um einen poetischen Text handelt, dessen Aussagen auch rhetorische Funktion haben. „In frühester Zeit gebildet“ kann dann natürlich nicht wortwörtlich genommen werden in dem Sinne, dass Jesus in einer Zeit nicht war und dann zu einem Zeitpunkt geschaffen worden sei. Jesus ist im Anfang beim Vater, so Johannes im Prolog seines Evangeliums. Jesus ist immer, er ist ewig, er hat keinen Anfang, er ist im Anfang. Jesus ist gezeugt, nicht geschaffen. Diese Aussage musste die Kirche sich erkämpfen unter vielen Tränen und Opfern. Durch die poetische Entfaltung hindurch erkennen wir, dass Jesus schon ist, als alles geschaffen wird: Er ist bereits, als die Meere geschaffen wurden, der Himmel, das Festland, Berge und Hügel, Wolken und Naturgesetze. Jesus ist „geliebtes Kind bei ihm.“ Diese Aussage gibt uns einen tiefen Einblick in die Dreifaltigkeit! Gott ist in sich Gemeinschaft und deshalb Liebe. Lieben kann man nicht für sich. Es bedarf eines Gegenübers, das man liebt und das einen zurückliebt. Der Sohn ist geliebtes Kind beim Vater. Das ist die Realität vor seiner Menschwerdung. Er ist die Freude des Vaters Tag für Tag. Dies ist natürlich auch nicht wortwörtlich zu nehmen, denn in der Ewigkeit gibt es keine Zeit. Er kann also nur bildlich gesehen „Tag für Tag“ die Freude des Vaters sein und spielen. Vielleicht kann man dies ein wenig abstrahieren mit den Begriffen der Hingabe und des Vertrauens. Da ist eine solche Innigkeit in der Beziehung zwischen Vater und Sohn, dass dieser sich ganz fallenlassen kann wie ein Kind, dessen spielerische Herangehensweise an die Welt dadurch gewährleistet wird, dass es sich ganz auf den Vater verlassen kann, der einen absoluten Schutzraum für dieses Spielen bietet.
Im letzten Vers wird es nochmal spannend, denn es heißt, dass der Sohn auf dem Erdenrund spielt und er gerne bei den Menschen ist. Die grammatikalische Form zeigt uns einerseits durch die Übersetzungsform als Vergangenheit, dass der Sohn bereits auf dem Erdenrund eine Rolle spielte, etwas getan hat und seine Gegenwart bei den Menschen ist, andererseits als Übersetzungsmöglichkeit als Partizip, dass er das immerzu tut. Partizipien haben die Funktion, einen anhaltenden Zustand zu betonen oder eine gewisse Überzeitlichkeit zu markieren. Uns führt dies ebenfalls in den Johannesprolog und die gesamte paulinische Briefliteratur, die die Präexistenz Christi betrachten: Jesus ist im Anfang beim Vater und ist beteiligt an der Schöpfung. Durch ihn ist alles geschaffen, da er der Schöpfungsmittler ist. Er ist der Logos, nicht nur das Wort Gottes, sondern auch die Logik hinter allem Geschaffenen. Er steckt hinter den Naturgesetzen und auch hinter der Ratio des Menschen. Es ist stets seine Freude, bei den Menschen zu sein, weil er der Immanuel ist, „Gott mit uns“. Es ist seine Freude bei den Menschen zu sein, weil Gott Jahwe ist, der „Ich bin“. Er wird es auch in Zukunft sein und er geht soweit, Mensch zu werden, um auf besonders intensive Weise bei den Menschen zu sein. Durch seine eucharistische Gegenwart steigert er diese noch einmal, denn wir dürfen ihn in uns aufnehmen, sodass er ein Teil von uns wird. Ja, es ist ihm eine große Freude, weil gerade die Eucharistie das Freudenmahl des Himmels am Ende der Zeiten sakramental antizipiert!

Ps 8
4 Seh ich deine Himmel, die Werke deiner Finger, Mond und Sterne, die du befestigt:
5 Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
6 Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, du hast ihn gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit.
7 Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über die Werke deiner Hände, alles hast du gelegt unter seine Füße:
8 Schafe und Rinder, sie alle und auch die wilden Tiere,
9 die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, was auf den Pfaden der Meere dahinzieht.

Im Psalm preisen wir das Schöpfungswirken Gottes und erkennen wiederum Betrachtungen, wie sie auch im Buch der Sprichwörter vorgenommen werden. Die Psalmen reflektieren oft die Schöpfungsberichte der Genesis. Wir betrachten in dem Psalm vor allem die Schöpfung der Menschheit. Wie kostbar ist diese für den Herrn, dass er sich ihrer annimmt und eine durchgehende Beziehung zu ihr führt! Die ganze Heilsgeschichte, die wir von der Genesis bis zur Johannesoffenbarung vor uns haben, ist eine einzige Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen. Er wendet sich seinen Geschöpfen zu und tut alles, um deren (Gegen)Liebe zu erwerben. Wir lernen dadurch noch etwas über die Liebe, die Gott in sich ist: Sie ist überfließend, sodass Gott, der ja schon in sich Gemeinschaft ist, nicht bei sich selbst stehen bleibt. Seine Liebe ist so überfließend, dass aus Liebe alles ins Dasein gerufen wurde und insbesondere der Mensch als Abbild Gottes und liebesfähiges Wesen durch seinen freien Willen geschaffen ist, um an der Liebesgemeinschaft Gottes teilzuhaben. Auch das ist ein wichtiger Aspekt der Dreifaltigkeit.
Der Mensch hat im Gesamt der Schöpfung eine besondere Stellung. Er ist wahrlich die Krone der Schöpfung, denn „du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, du hast ihn gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit.“ Dies wird im Schöpfungsbericht ja dadurch deutlich, dass der Mensch als Abbild Gottes geschaffen worden ist. Die ewige Seele ist es, die ihm Herrlichkeit und Pracht verleiht.
„Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über die Werke deiner Hände, alles hast du gelegt unter seine Füße“ – die restliche Schöpfung ist dem Menschen anvertraut, weil dieser befähigt ist, Verantwortung für sie zu übernehmen. Gott legte ihm die Schöpfung aber nicht unter die Füße, damit er sie wie ein Tyrann unterdrücke, sondern wie ein Hirte für sie sorge. Das ist schließlich der Charakter der Gottesherrschaft, dessen Abbild der Mensch ja ist. Wenn Gott der wunderbare Hirte ist, wie kann der Mensch plötzlich anders sein?
In den letzten zwei Versen werden dann Bereiche der Schöpfung aufgezählt, die dem Menschen anvertraut werden. Dabei hören wir die Unterscheidung in wilde und domestizierte Tiere. Das ist eine gängige Unterteilung der Tierwelt. Ebenso sind als gängige Kategorien die im letzten Vers genannten Vögel und Fische zu nennen.
All das sind wichtige und gute Ausführungen, aber wir sind eingeladen, den Psalm über den wörtlichen Sinn hinaus in seinem geistlichen Sinn zu betrachten:
Der Mensch, den Gott nur wenig geringer als sich geschaffen hat, ist auch mit der neuen Schöpfung gegeben – den Anfang dieser neuen Schöpfung kennzeichnet ebenfalls ein Menschenpaar – Jesus und Maria. Jesus hat diese neue Schöpfung begründet und auch ihm legt der Vater die gesamte Schöpfung unter die Füße – ihm, dem Erhöhten am Kreuz!
Und diese gesamte Schöpfung ist zusammengefasst in Maria und Johannes, die unter dem Kreuz stehen. Maria ist der Archetyp der Kirche, sie ist das Vorbild der vollkommenen Jüngerschaft und durch die Zuteilung des Johannes zu Maria als Sohn wird Maria zur Mutter aller Glaubenden – sie ist dadurch die neue Eva, die Mutter der Lebenden, nicht mehr der irdisch Lebenden, sondern ewig Lebenden bei Gott.
Jesus Christus ist wahrlich Herrlichkeit und Pracht verliehen worden in einem Maße, den der alte Mensch nicht erfahren hat – schon allein durch den Sündenfall.
Jesus ist der Herrscher über die Schöpfung – die Neugeschaffenen durch den Hl. Geist in der Taufe. Er ist das Haupt und wir die Glieder. Er ist der König des Reiches Gottes. Wir sind ihm anvertraut, der wirklich wie der Vater ein Hirte ist, wie er selbst im Johannesevangelium erklärt hat.
Und Christus ist dies alles nicht nur für die Menschen: Durch sein Erlösungswirken erlöst er die ganze Welt, auch die Tierwelt, denn diese ist durch den Sündenfall des ersten Menschenpaares auch ins Chaos gestürzt. Er erfüllt das, was die Friedensvision in Jesaja angekündigt hat. Vieles steht noch aus, wird sich aber am Ende der Zeiten erfüllen. Es wird dann wahrlich eine Versöhnung der gesamten Schöpfung sein!

Röm 5
1 Gerecht gemacht also aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn.
2 Durch ihn haben wir auch im Glauben den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes.
3 Mehr noch, wir rühmen uns ebenso der Bedrängnisse; denn wir wissen: Bedrängnis bewirkt Geduld,
4 Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung.

5 Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

Die zweite Lesung ist heute aus dem theologischen Paulusbrief an die Gemeinde in Rom. Darin geht es heute um die entscheidende Bedeutung des Glaubens. „Gerecht gemacht also aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn.“ Frieden mit Gott haben wir durch Glauben. Es ist die ursprüngliche Maßnahme, Frieden zu erhalten. Paulus sagt in 2 Kor: „Lasst euch mit Gott versöhnen!“ Das geschieht, wenn wir zum Glauben an ihn kommen und uns taufen lassen. Paulus deutet in seinen Briefen diese sakramentale Bedeutung immer wieder an im Konflikt gegen jene, für die die Taufe nicht genug ist.
Durch die Taufe werden wir eine neue Schöpfung, die im Gegensatz zur ersten paradiesisch ist. Diese ist keine gefallene Schöpfung. Weil in unserer heutigen Zeit der Glaube so sehr schwindet, wird auch die Aussicht auf den Frieden immer geringer, denn der Anfang ist gegeben mit der Versöhnung zwischen Gott und Mensch. Davon ausgehend kann auch Versöhnung zwischen den Menschen und mit der Schöpfung geschehen.
Der unbedingte Glaube an Gott ist auch Voraussetzung, damit wir „Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen“. Wir versagen uns diese Gnade selbst, wenn wir Gott misstrauen. Es ist nicht Gott, der gemein ist und bei seiner Gnade Bedingungen stellt. Wir selbst entscheiden über das Maß an Gnade, das unterm Strich wirksam in uns wird, auch wenn das Übermaß an Gnade jedem Menschen angeboten wird.
„Wir rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes“, denn durch die Neuschöpfung im hl. Geist wird uns das ewige Leben geschenkt. Deshalb ist die Hoffnung eine göttliche Tugend, die uns in der Taufe ins Herz gegeben ist. Wir haben nun eine Perspektive, auf die hin wir leben. Wir rühmen uns dabei dieser Hoffnung, weil sie ein Geschenk Gottes ist, nicht unser eigenes Verdienst.
Paulus geht aber noch weiter und sagt ganz provokativ, dass wir uns auch der negativen Dinge rühmen können, weil wir durch all das Vorletzte hindurch schon das Letzte, nämlich die Freude des Himmelreichs erkennen. Die vorletzten Dinge sind unsere Bedrängnisse, alles Schmerzhafte, das wir erleiden müssen, Tod, Trauer, Krieg, Krankheit, Einsamkeit, die Liste können wir endlos fortsetzen. Jeder Mensch hat sein Päckchen zu tragen oder wie wir Christen sagen – sein Kreuz. Doch ein Gutes haben auch diese Dinge – und Paulus meint das natürlich rhetorisch und möchte damit nicht sagen, dass Gott das Leiden will. Vielmehr erwächst daraus eine Chance, die wir fruchtbar werden lassen können: Aus der Bedrängnis erwächst nämlich Geduld, daraus wiederum Bewährung und aus der Bewährung die Hoffnung. Gott lässt uns nicht umsonst ausharren, sondern wird alles entschädigen mit dem ewigen Heil. Wenn wir alles, was geschieht, geduldig annehmen und als Zeit der Bewährung betrachten, in der wir an unserem Glauben festhalten, an den Geboten Gottes, dann wird es die Hoffnung noch wachsen lassen, die in uns angelegt ist. Und die Hoffnung auf Gott wird nie enttäuscht!
Wir tragen in uns den Hl. Geist, der in unsere Herzen ausgegossen ist. Er ist gegossen, weil er das lebendige Wasser ist. Wir haben ihn auf umfassende Weise durch Taufe und Firmung empfangen und er ist unsere unerschütterliche Hoffnung. Aus dieser Quelle dürfen und sollen wir schöpfen. Wir haben keinen Grund, Gott zu misstrauen, nachdem er uns mit der Erlösung so ein großes Geschenk gemacht hat: Jesus ist für jene gestorben, die der Erlösung bedürfen, deshalb heißt es hier „für die Gottlosen“. So groß ist Gottes Liebe, die die menschliche Bereitschaft bei weitem übersteigt. Menschen würden für einen guten Menschen vielleicht ein gewisses Risiko eingehen, aber nicht für ihn sterben, geschweige für einen bösen Menschen!

Joh 16
12 Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.
13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird reden, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird.
14 Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden.
15 Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.
16 Noch eine kurze Zeit, dann seht ihr mich nicht mehr, und wieder eine kurze Zeit, dann werdet ihr mich sehen.

Als Evangelium hören wir am Dreifaltigkeitssonntag aus der dritten Abschiedsrede, in der Jesus so einiges über die Dreifaltigkeit erklärt. Am liebsten möchte Jesus noch so viel mehr sagen, kann seine Apostel aber nicht überfordern. Sie haben in den letzten Jahren schon so oft seine Worte nicht begriffen. Aus sich selbst heraus können sie die göttliche Weisheit nicht begreifen. Sie brauchen den Heiligen Geist dafür, der sie erfüllt und ihnen die Augen öffnet. Und so kündigt Jesus an, dass wenn der Geist der Wahrheit kommen wird, sie in der ganzen Wahrheit leiten wird. Das bedeutet nicht, dass er ihnen etwas Neues offenbaren, sondern Jesu verkündete Lehre begreiflich machen wird. Ganz besonders wird das im Falle der Dreifaltigkeit notwendig sein. Diese Lehre ist so tiefgründig und doch so schwer begreiflich, dass es mehrere Jahrhunderte dauern wird, bis die Kirche sie prägnant in Worte fassen kann. Es werden viele leidvolle Situationen auf sie zukommen mit vielen Irrlehrern, die die Kirche zerrütten werden, doch am Ende wird sich die Wahrheit durchsetzen.
Jesus erklärt den Aposteln auch, dass er mit dem Geist etwas gemeinsam hat: eine Lehre zu verkünden, die er nicht aus sich selbst besitzt, sondern vom Vater. Es ist eine gemeinsame Offenbarung, auch wenn der Geist und er nicht einfach identisch sind. So wie Christus der authentische Exeget des Vaters ist, weil er an dessen Herzen ruht, ist auch der Geist Zeuge der Wahrheit, weil er offenbart, was er „hört“. Auch er ist vom Vater gesandt und so bringt auch er authentische Kunde. Er wird den Jüngern seine Gaben geben, wodurch sie sehen werden „was kommen wird.“ Es klingt die Gabe der Prophetie an, die unter anderem eine Schau kommender Dinge ermöglicht. Man kann es auch so verstehen, dass Gottes Geist den Aposteln den göttlichen Willen in kommender Zeit aufzeigen wird. So werden auch die Apostel erkennen. Der Begriff der Erkenntnis ist ganz eng verbunden mit dem Liebesbegriff. Einander zu erkennen ist im biblischen Zeugnis oft die Umschreibung für den Geschlechtsverkehr. Erkennen ist aber auch entscheidend in anderen Formen von Liebesbeziehung. So ist es auch in der Freundschaft, dass man einander erkennt in der Hinsicht, einen besonders tiefen Einblick in das Wesen des anderen zu erhalten. Jesus und der hl. Geist geben Kunde vom Vater, weil sie ihn ganz erkannt haben in der Dreifaltigkeit. Die Apostel sollen Anteil daran erhalten, mit anderen Worten: Sie sollen in die Liebesgemeinschaft hineingenommen werden. Jeder, der zum Glauben an Gott kommt und den Neuen Bund eingeht, wird auf diese Weise „erkennen“ und einen tiefen Einblick in das Wesen Gottes erhalten, nicht weil der Mensch besondere Anstrengungen unternimmt, sondern weil Gott sich ihm offenbart.
Dieser Geist ist es, der Christus verherrlichen wird. Wir glauben, dass mit der Himmelfahrt Jesu dieser die Entäußerung ablegen wird, die er mit der Menschwerdung auf sich genommen hat. Dann wird er seine Göttlichkeit nicht mehr verbergen, sondern in seiner ganzen Macht und Herrlichkeit wieder beim Vater sein. Hier sagt Jesus selbst, dass dies durch den Heiligen Geist geschieht. Durch den Heiligen Geist ist Gott in der Welt gegenwärtig. Mit der umfassenden Geistgabe an Pfingsten wird seine Gegenwart auf Erden intensiviert. Dann offenbart er umfassend das Wort Gottes, Jesus Christus nach dessen Heimkehr zum Vater. Er wird von dem nehmen, was Jesus gehört – gemeint ist die Fülle der Offenbarung (Jesus hat ALLES gelehrt, auch wenn die Jünger nicht alles verstanden haben). Von derselben Offenbarung wird er nehmen und den Jüngern zugänglich machen, sodass sie nichts Neues hören, sondern daran erinnert werden. Es wird eine pneumatische Wiederholung sein, aber auch ein vertiefter Einblick, ein „Erkennen“, von dem ich oben geschrieben habe.
Zum Schluss spricht Jesus noch ein Wort, das die Apostel ziemlich verwirrt. Eine kurze Zeit wird bis zum Weggang Jesu vergehen, doch auch nur eine kurze Zeit bis zu seiner Wiederkehr. Dies können wir zunächst auf das Osterereignis beziehen: Die Worte spricht Jesus am Abend vor seinem Tod. Nicht einmal 24 Stunden später ist er tot. Und dann wird es keine 48 Stunden dauern, bis er von den Toten wieder auferstehen wird. In dieser wörtlichen Lesart können wir die „kurze Zeit“ wirklich auf wenige Stunden beziehen. Da er aber im Kontext des Heiligen Geistes diesen Vers spricht, müssen wir weitergehen: Er ist nicht mehr lange auf Erden, bevor er zum Vater heimgeht. Dann wird er nur noch verborgen in eucharistischer Gestalt in der Welt sein, bis er als verherrlichter Menschensohn am Ende der Zeiten wiederkommt. Diese Zeiträume sind schon größer zu fassen, aber was ist von der Ewigkeit her gesehen schon ein Tag? Wir leben in der Endzeit, so können wir nachvollziehen, was er mit der kurzen Zeit meint. Seine Wiederkunft ist schon sehr bald. Und bei seinem zweiten Kommen werden nicht nur die Apostel ihn sehen, sondern die ganze Welt.

Wir erfahren in den Lesungen verschiedene Facetten der Dreifaltigkeit. Dabei bildet die Liebe einen roten Faden. Es geht um das Verhältnis zwischen Vater und Sohn, die Konsequenz für die Menschheit als Teilnehmerin an der Liebesgemeinschaft Gottes, wir erfahren auch einiges über den hl. Geist und das Erkennen, bei dem wir nach und nach ein wenig mehr vom Liebeswesen Gottes erfassen. Danken wir dem Herrn, dass er sich uns mitteilt und zeigt, wie er ist. Danken wir ihm, dass er uns aus Liebe geschaffen hat und unsere Bestimmung darin besteht, ganz bei ihm zu sein und mit ihm gemeinsam zu lieben.

Ihre Magstrauss

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