Montag der 19. Woche im Jahreskreis

Ez 1,2-5.24-28c; Ps 148,1-2.11-12.13-14; Mt 17,22-27

Ez 1
2 Am fünften Tag des Monats – es war im fünften Jahr nach der Verschleppung des Königs Jojachin –
3 erging das Wort des Herrn an Ezechiel, den Sohn Busis, den Priester, im Land der Chaldäer, am Fluss Kebar. Dort kam die Hand des Herrn über ihn.
4 Ich sah: Ein Sturmwind kam von Norden, eine große Wolke mit flackerndem Feuer, umgeben von einem hellen Schein. Aus dem Feuer strahlte es wie glänzendes Gold.
5 Mitten darin erschien etwas wie vier Lebewesen. Und das war ihre Gestalt: Sie sahen aus wie Menschen.
24 Ich hörte das Rauschen ihrer Flügel; es war wie das Rauschen gewaltiger Wassermassen, wie die Stimme des Allmächtigen. Wenn sie gingen, glich das tosende Rauschen dem Lärm eines Heerlagers. Wenn sie standen, ließen sie ihre Flügel herabhängen.
25 Ein Rauschen war auch oberhalb der Platte, die über ihren Köpfen war. Wenn sie standen, ließen sie ihre Flügel herabhängen.
26 Oberhalb der Platte über ihren Köpfen war etwas, das wie Saphir aussah und einem Thron glich. Auf dem, was einem Thron glich, saß eine Gestalt, die wie ein Mensch aussah.
27 Oberhalb von dem, was wie seine Hüften aussah, sah ich etwas wie glänzendes Gold in einem Feuerkranz. Unterhalb von dem, was wie seine Hüften aussah, sah ich etwas wie Feuer und ringsum einen hellen Schein.
28 Wie der Anblick des Regenbogens, der sich an einem Regentag in den Wolken zeigt, so war der helle Schein ringsum. So etwa sah die Herrlichkeit des Herrn aus. Als ich diese Erscheinung sah, fiel ich nieder auf mein Gesicht. Und ich hörte, wie jemand redete.

Heute hören wir den Beginn des Ezechielbuches. Die nächsten Tage gibt es immer wieder Ausschnitte aus dem Propheten des Exils. Er wird berufen mitten in der Verbannung in Babylon. Es ist das fünfte Jahr in der Verschleppung, als Gott Ezechiel am Fluss Kebar beruft. Man muss sagen, dass es ihn ganz plötzlich überkam. Die Hand des Herrn kommt unangekündigt über ihn und er schaut eine Vision: Dabei sieht er mehrere Theophaniezeichen Gottes: Sturm, Wolke, Feuer. Es sind Elemente, die Gott als den Schöpfer ausweisen. Zu dieser Beschreibung wird neuerdings spekuliert, Ezechiel hätte Polarlichter gesehen. Die geographische Lage schließt dies aus.
In diese kosmischen Phänomene hinein schaut Ezechiel vier Lebewesen, die einerseits wie Menschen aussehen, andererseits aber Flügel besitzen. Diese Flügel schlagen dermaßen laut, dass ihr Flattern mit dem Lärm von Wassermassen verglichen wird. Interessant ist, dass sie auch mit der Stimme Gottes verglichen werden, die man sich als besonders tosend vorgestellt hat. Es ist auch sehr bezeichnend, dass ihr Lärm mit dem eines Heerlagers verglichen wird, denn sie sind ja das himmlische Heer, die Armee Gottes. Wir verstehen, dass Ezechiel Engel sieht.
Es ist, als ob Ezechiel seinen Blick schweifen lässt und beim Heben seiner Augen eine Platte auf ihnen erkennt. Darüber steht ein Thron aus Saphir. Wir können vermuten, dass die Edelsteinangabe verwendet wird, weil es einerseits das Kostbarste ist, das Ezechiel kennt, andererseits das Farb- und Lichtspiel von Edelsteinen dazu passt, Gottes Herrlichkeit zu beschreiben. Auf dem Thron sitzt eine menschenähnliche Gestalt, gekleidet mit Feuer und Gold. Auch der Vergleich mit einem Regenbogen ist eine Zuhilfenahme von Bekanntem, um die Herrlichkeit Gottes in Worte zu fassen. Dieser ist es, den Ezechiel offensichtlich sieht, denn er fällt auf sein Gesicht nieder. Er hat Angst oder ist viel mehr überwältigt von der Heiligkeit der Erscheinung, aber er fällt auch nieder auf sein Gesicht, um Gott anzubeten.
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in der Verbannung. Der Tempel Gottes ist zerstört und Sie haben den Eindruck, dieser hat sein Zelt zusammengebaut, um Israel den Rücken zu kehren. Sie haben das Gefühl, dass nichts mehr einen Sinn ergibt, und werfen das Handtuch. Doch mitten hinein in diese Resignation dürfen Sie so etwas schauen! Gott bricht hinein in unsere Dunkelheit. Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein helles Licht. Das ist zwar noch nicht das Kommen des Messias, aber Ezechiel darf den Allmächtigen in seiner Herrlichkeit schauen. Die Zeit des großen Erbarmens Gottes ist gekommen!

Ps 148
1 Halleluja! Lobt den HERRN vom Himmel her, lobt ihn in den Höhen:
2 Lobt ihn, all seine Engel, lobt ihn, all seine Heerscharen,
11 ihr Könige der Erde und alle Völker, ihr Fürsten und alle Richter der Erde,
12 ihr jungen Männer und auch ihr jungen Frauen, ihr Alten mit den Jungen!
13 Loben sollen sie den Namen des HERRN,/ denn sein Name allein ist erhaben, seine Hoheit strahlt über Erde und Himmel.
14 Er hat erhöht die Macht seines Volks, zum Lob für all seine Frommen, für die Kinder Israels, das Volk, das ihm nahe ist. Halleluja!

Als Antwort beten wir einen Lobpreispsalm. Er gehört zum Schluss-Hallel, der Psalmengruppe, die von Halleluja-Rufen gerahmt wird.
„Lobt den HERRN vom Himmel her, lobt ihn in den Höhen“ ist ein Lobaufruf an die himmlischen Wesen, das heißt an die Engel und Heiligen, die bei Gott sind. Dies wird uns dann auch im nächsten Vers explizit gesagt („Lobt ihn, all seine Engel…“). Sie durfte Ezechiel ja als Sockel des Gottesthrons schauen. Sie dürfen Gott ununterbrochen die Ehre geben.
Auch die irdischen Wesen sollen Gott loben, vor allem die Mächtigen der Welt: „ihr Könige der Erde und alle Völker, ihr Fürsten und alle Richter der Erde“. Ihre Macht ist von Gott her betrachtet geringer als die königliche und richterliche Gewalt Gottes. So müssen selbst diese irdischen Mächte dem Allmächtigen die Ehre geben. Das ist ein Trost für die Verschleppten. Auch wenn die Macht der Babylonier jetzt so groß erscheint, haben sie doch nur einen geringen Spielraum, den Gott ihnen zugesteht. Alles ist eingefasst in dessen Willen.
Alle Menschen werden zum Lobpreis aufgerufen, jung und alt, Mann und Frau, denn Gottes Name ist erhaben. Er ist zwar ganz und gar von der Schöpfung verschieden, doch seine Herrlichkeit erstrahlt das All. In seiner Macht hat er seinem auserwählten Volk, „das ihm nahe ist“, Israel, Macht verliehen. Er hat ihm besondere Gnaden zuteil werden lassen und diese sind Anlass für das Lob Gottes. Auch wenn die Verschleppten das Gefühl haben, Gott habe sie verlassen, ist Gott ihnen nahe und wird sie nach einer bestimmten Zeit wieder zurück nach Hause bringen.
Für Psalmen ist bezeichnend, dass Lobaufforderungen formuliert werden, besonders auch die Aufforderung an die verschiedenen Bereiche der Schöpfung. Das Halleluja schließt den Lobgesang ab, das ja ebenfalls eine Lobpreisaufforderung ist – preist Jahwe!

Mt 17
22 Als sie in Galiläa zusammen waren, sagte Jesus zu ihnen: Der Menschensohn wird in die Hände von Menschen ausgeliefert werden
23 und sie werden ihn töten; aber am dritten Tag wird er auferweckt werden. Da wurden sie sehr traurig.
24 Als Jesus und die Jünger nach Kafarnaum kamen, traten jene, welche die Doppeldrachme einzogen, zu Petrus und fragten: Zahlt euer Meister die Doppeldrachme nicht?
25 Er antwortete: Doch! Als er dann ins Haus hineinging, kam ihm Jesus mit der Frage zuvor: Was meinst du, Simon, von wem erheben die Könige dieser Welt Zölle und Steuern? Von ihren eigenen Söhnen oder von den anderen Leuten?
26 Als Petrus antwortete: Von den anderen!, sagte Jesus zu ihm: Also sind die Söhne frei.
27 Damit wir aber bei ihnen keinen Anstoß erregen, geh an den See, wirf die Angel aus und den ersten Fisch, den du heraufholst, nimm, öffne ihm das Maul und du wirst ein Vierdrachmenstück finden. Das gib ihnen als Steuer für mich und für dich.

Im Evangelium hören wir heute zunächst einmal eine Leidensankündigung. Jesus erzählt seinen Jüngern in Galiläa, dass er leiden, sterben und am dritten Tage von den Toten auferstehen würde. Das ist etwas, das sie traurig macht, denn er hat es im 16. Kapitel bereits getan. Damals hatte Petrus Jesus sogar beiseite genommen und ihm gesagt, dass Gott das verhüten solle. Daraufhin kam die heftige Reaktion „Weg von mir Satan!“ Dass Jesus diese Dinge jetzt noch einmal sagt, macht sie umso trauriger, weil sie wohl ahnen, dass ihr Rabbi ihnen bald genommen werden würde.
Daran schließt sich eine sonderbare Episode an. Sie kommen nach Kafarnaum, der „Basis“ der Reich-Gottes-Verkündigung Jesu, in die er immer wieder zurückkehrte. Wir müssen verstehen, dass diese Episode und generell die Rede vom Geld im Matthäusevangelium besondere Aufmerksamkeit genießt, weil Matthäus ein ehemaliger Zöllner ist. Zu jener Zeit gab es eine Steuer, die relativ jung war, die sogenannte Halbschekel-Tempelsteuer oder auch einfach der „tyrische Schekel“. Es war eine Tempelsteuer, die ein erwachsener männlicher Jude einmal jährlich abzuführen hatte. Diese Art von Steuer war nicht nur für die Instandhaltung des Tempels gedacht, sondern auch in der Zeit römischer Besatzung ein patriotisches Signal, eine Zusage an das jüdische Volk. Die Sadduzäer weigerten sich, diese pharisäische und relativ junge Erfindung mitzutragen, die Essener gaben diese Steuer nur einmal in ihrem Leben ab. Dass also nun Menschen an Jesus treten, um ihn zur Zahlung aufzufordern, ist das unter anderem ein Test. Sie wollen sehen, ob Jesus zum Volk Israel steht. Es ist aber auch erstaunlich, dass sie das überhaupt tun. Vielleicht hat Jesus die Steuer bisher nicht bezahlt. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass Jesus immer wieder die Tempellobby und die ganze Kultpraxis kritisiert.
Was Jesus aus diesem Anlass Petrus erklärt, ist auf einer anderen Ebene zu verstehen: Er stellt Petrus eine Frage, um an die Erkenntnis heranzuführen, dass Fremde den Herrscher bezahlen müssen, seine Kinder aber nicht. Jesus zielt nicht darauf ab, Petrus eines Besseren zu belehren, der den Steuereintreibern versicherte, Jesus würde den tyrischen Schekel abgeben. Vielmehr zielt er darauf ab, über ein ganz anderes Reich zu sprechen, in dem die Kinder des Vaters ganz und gar ohne Zahlen leben dürfen – das Himmelreich.
Wir müssen auch bedenken: Jesus ist kein gewöhnlicher Israelit. Er ist der Sohn Gottes und schon deshalb müsste er von der Steuer ausgenommen sein. In wohlwollender Absicht hat Petrus den Ärger von seinem Rabbi abschütteln wollen, als er den Steuereintreibern eine vorschnelle Antwort gab. Zugleich hatte er seinen Meister aber zu einem gewöhnlichen Menschen degradiert. Jesus erklärt ihm mit seiner Herangehensweise also auch etwas anderes, nämlich dass er der Sohn des Vaters ist und von seiner Gottheit her überhaupt nichts zahlen müsste.
Doch mit Blick auf das irdische Reich fordert Jesus Petrus dann doch wieder auf, die Steuer zu zahlen, um keinen Anstoß zu erregen. Von seiner Menschheit her ist er ja doch ein Sohn des Gottesvolkes. Jesus antwortet differenziert, was er an anderer Stelle mit den Worten formuliert: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.
Das angekündigte Wunder, dessen Ausgang uns nicht berichtet wird, ist sehr sonderbar: Petrus soll einen Fisch fangen und wird darin ein Vierdrachmenstück finden. Diese Art von Wunder ist verbreitet in der rabbinischen Literatur. Jesus lässt bewusst ein solches Wunder zu, das Petrus kennt, um ihn zu lehren. Es ist bemerkenswert, dass er genau den Betrag finden wird, der für die Tempelsteuer Jesu und Petrus‘ ausreicht, eben „als Steuer für mich und für dich“.
Was auch immer im Detail hinter diesem Wunder steckt: Wir werden heute wieder dazu eingeladen, ganz auf Gott zu vertrauen und uns ganz in das Reich Gottes einzubringen. Alles andere wird uns dazugegeben.

Heute geht es um die Dynamik von göttlicher und irdischer Macht, ja um das Dilemma, das entstehen kann. Die Babylonier verschleppen das Gottesvolk, das am Fluss Kebar resigniert, doch Gott ist der wahre Herrscher auf dem himmlischen Thron. Er hat das letzte Wort. Die Tempelsteuer zurzeit Jesu ist keine Gabe für Gott, da sie vielmehr mit der politischen Tempellobby zusammenhängt, die sich von Gott entfernt hat. Die Essener stehen nicht umsonst dem Tempel kritisch gegenüber, weil nicht einmal das traditionelle Priestertum am Werk war, sondern politisch ausgewählte. Eigentlich müssen die Kinder Gottes des Neuen Bundes, zu dem auch Petrus gehören soll, keinen Preis zahlen, aber auch der Mensch des Neuen Bundes ist auf der Erde, eingebettet in ein weltliches System, an das er sich anpassen muss. Er zahlt seine Abgaben, kann sich zugleich aber gewiss sein, dass Jesus sein Leben für ihn bezahlt hat, damit er unentgeltlich Kind Gottes sein kann. Was für ein großes Erbarmen Gottes!

Ihre Magstrauss

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