20. Sonntag im Jahreskreis (C)

Jer 38,4-6.8-10; Ps 40,2-3b.3c-4b.18; Hebr 12,1-4; Lk 12,49-53

Jer 38
4 Darauf sagten die Beamten zum König: Dieser Mann muss getötet werden, denn er lähmt die Hände der Krieger, die in dieser Stadt übrig geblieben sind, und die Hände des ganzen Volkes, wenn er solche Worte zu ihnen redet. Denn dieser Mann sucht nicht Heil für dieses Volk, sondern Unheil.
5 Der König Zidkija erwiderte: Siehe, er ist in eurer Hand; denn der König vermag nichts gegen euch.
6 Da ergriffen sie Jeremia und warfen ihn in die Zisterne des Königssohns Malkija, die sich im Wachhof befand; man ließ ihn an Stricken hinunter. In der Zisterne war kein Wasser, sondern nur Schlamm und Jeremia sank in den Schlamm.
8 Da verließ Ebed-Melech den Palast und sagte zum König:
9 Mein Herr und König, schlecht war alles, was diese Männer dem Propheten Jeremia angetan haben; sie haben ihn in die Zisterne geworfen, damit er dort unten verhungert. Denn es gibt in der Stadt kein Brot mehr.
10 Da befahl der König dem Kuschiter Ebed-Melech: Nimm dir von hier dreißig Männer mit und zieh den Propheten Jeremia aus der Zisterne herauf, bevor er stirbt.

In der ersten Lesung hören wir von einer drastischen Episode aus dem Leben Jeremias. Seine Berufung besteht im Wesentlichen aus Gerichtsrede, weshalb er sich keine Freunde damit macht. Heute hören wir von einer besonders feindseligen Reaktion auf seine Umkehrrufe. Er hat dem Volk verkündet, dass die Stadt Jerusalem den Babyloniern zum Opfer fallen werde, und die Bewohner deshalb nach Chaldäa fliehen sollen. Die königlichen Beamten hören davon und tragen es dem König vor. Die Empörung ist groß, denn seine Botschaften sorgen für die Schwächung des Militärs. Also wird Jeremia festgenommen und in die Zisterne des Prinzen Malkija geworfen. Dort befindet sich nur Schlamm, kein Wasser. Wenn sie ihn dort festhalten würden, wäre er innerhalb weniger Tage verhungert. Der König hat sein Go gegeben, ohne sich groß darum zu kümmern. Die Beamten hatten wesentlich Einfluss bei der ganzen Sache. Als der Kuschiter Ebed-Melech nun vor den König tritt, um ihm die Situation in Ruhe noch einmal vor Augen zu führen, scheint dieser zur Besinnung zu kommen. Er lässt Jeremia aus der Zisterne holen, wodurch er überlebt.
Wir lernen aus dieser Geschichte, dass die Verkündigung der Botschaft Gottes nicht immer auf wohlgesinnte Ohren stößt. Wir machen uns oft unbeliebt, nicht nur wenn wir persönlich an Gottes Willen festhalten, sondern umso mehr anderen davon verkünden. Das betrifft umso mehr die Reaktion bei Gerichtsrede und Umkehrpredigt. Sie begleitet die Verkündigung des Alten sowie des Neuen Testaments. Es geht nicht ohne Umkehr, doch wir wissen, was mit all den Propheten am Ende passiert ist. Selbst der höchste Prophet Johannes der Täufer ist umgebracht worden. Er hat nie ein Blatt vor den Mund genommen, die Sadduzäer als „Schlangenbrut“ bezeichnet und mutig die Beziehung von Herodes und Herodias als Ehebruch bezeichnet.
Wir erinnern uns an die Berufungsgeschichte des Propheten Jeremia. Er hatte so viele vorgeschobene Gründe, warum er für diesen Dienst nicht geeignet ist, doch Gott hat ihm versichert, immer bei ihm zu sein. Das muss auch stets unser Trost und unsere Motivation in der Verkündigung sein. Wir sind nicht allein, selbst wenn uns alle Menschen verlassen. Gott ist auf unserer Seite und stattet uns mit allem aus, was wir brauchen. Aus dem ängstlichen Jeremia ist ein Umkehrprediger geworden, der es immer wieder wagt, der „Buhmann“ zu sein. Immer wieder hören wir davon, dass er sich bei Gott beklagt – sein Temperament kann nicht einfach so ablegen und so blitzt auch bei ihm immer wieder der PEssimismus durch, doch er wächst über sich hinaus, wird wieder aufgerichtet und macht weiter. Gott hat ihm auch in dieser drastischen Situation in der Zisterne geholfen. Er wurde vor dem Tod bewahrt, denn sein Dienst ist noch nicht am Ende. Er wird die Erfüllung seiner Prophezeiung erleben – Babylon wird Jerusalem überfallen und die Oberschicht deportieren.

Ps 40
2 Ich hoffte, ja ich hoffte auf den HERRN. Da neigte er sich mir zu und hörte mein Schreien. 

3 Er zog mich herauf aus der Grube des Grauens, aus Schlamm und Morast. Er stellte meine Füße auf Fels, machte fest meine Schritte.
4 Er gab mir ein neues Lied in den Mund, einen Lobgesang auf unseren Gott. 
18 Ich aber bin elend und arm. Der Herr wird an mich denken. Meine Hilfe und mein Retter bist du. Mein Gott, säume doch nicht!

Der heutige Psalm ist durchaus anzulehnen an die Episode des Jeremiasbuchs. Es handelt sich um einen Dankespsalm im ersten Teil, während der zweite Teil eher den Klagepsalmen ähnelt. Wir stellen uns vor, dass Jeremia diese Worte im Anschluss an seine Rettung gebetet hat.
Ja, er hat auf den Herrn gehofft, der ihm ja immer wieder zugesagt hat, bei ihm zu sein und ihm zu helfen. Sein Schreien in der Zisterne wurde erhört. Gott hat Ebed-Melech gesandt, das Herz des Königs zu erweichen und Jeremia mithilfe von dreißig Männern herauszuholen.
Jeremia ist wortwörtlich aus der „Grube des Grauens, aus Schlamm und Morast“ herausgeholt worden. Die Zisterne war ja mit Schlamm gefüllt.
Der Mensch ist aber nicht nur äußerlich in der Grube voller Schlamm und Morast. Das ist im moralischen Sinne ein Bild für den Zustand der Sünde. Wenn ein Mensch ganz von Gott abgeschnitten ist, lebt er in einer einzigen Jauchegrube. Sie ist eine „Grube des Grauens“, weil Gott abwesend ist. Dies wiederum ist er nicht, weil er sich von uns abgewandt hat, sondern weil wir von ihm weggelaufen sind. Gott ist allmächtig und vermag alles. Er kann aus dem größten Sünder einen Heiligen machen, wenn dieser aufrichtig umkehrt und einen Neuanfang wagt, wenn er nach Gott schreit und ihn bittet, ihn aus der Grube herauszuholen. Es gibt so viele Menschen, die Zeugnis ablegen dafür, dass sie tief in der Sünde verstrickt waren und nicht wussten, wie sie da wieder herausfinden sollten. Gott hat nach und nach, Schritt für Schritt Ordnung in ihr Leben gebracht, weil sie sich haben helfen lassen. Sie haben wahrlich nach Gott geschrien und er hat ihr Schreien gehört.
Jeder Mensch, der der Erbsünde verfallen ist, sitzt in der Grube des Grauens voller Dreck, weil er aus eigener Kraft die Erlösung nicht erlangen kann. Erst mit der Taufe wird er aus der Grube geholt, denn in dieser nimmt er die Erlösung Jesu Christi an. Sie ist also mehr als ein schönes Zeichen oder ein Anlass für ein Familienfest. Sie ist für den Menschen existenziell, um von der Grube aus den festen Felsen zu gelangen.
Die ganze Menschheit, so scheint es einem, sitzt in einer einzigen Schlammgrube und schreit nach Erlösung. Je mehr die ganze Gesellschaft sich von Gott entfernt, je mehr Krieg herrscht und je globaler die Katastrophen werden, je mehr die Kirche in Verwirrung gerät und die Angriffe von innen kommen, desto mehr ertönt der Schrei nach Gott. Dieser wird das Schreien erhören, denn er ist ein treuer Gott. Zu seiner Zeit wird er in die Geschichte eingreifen und die in der Grube sitzenden Menschen herausholen.
Was ist der Felsen, auf den Gott den Beter stellt? Das Bild ist sehr prominent im ekklesiologischen Sinn: Jesus hat zu Simon Barjona gesagt, dass er Petrus, der Fels ist. Auf diesen Felsen baut er seine Kirche. An anderer Stelle heißt es, dass Jesus selbst dieser Felsen ist. Mit Blick auf die Taufe, die ein Herausholen aus der Grube darstellt, ist der Felsen die Gemeinschaft der Gläubigen, in die hinein man im hl. Geist neugeboren wird. Mit der Taufe wird man Teil der Kirche, ein Kind Gottes, ein Mitglied der Familie Gottes.
Auch im moralischen Sinne kommt uns das Bild des Felsens bekannt vor: Jesus sagt immer wieder, dass wer seine Worte hört und sie befolgt, auf Felsen gebaut hat. Wer Gottes Willen befolgt, ist im Stand der Gnade. Das ist der Felsen, auf dem man steht und auf dem man den Weg des Lebens beschreitet. Es ist ein ebener und gerade Weg, wenn man ihn mit Gott geht.
Der Felsen ist schließlich im anagogischen Sinne die Bebauung des himmlischen Jerusalems, in das wir hoffentlich am Ende der Zeiten gelangen können. Es ist eine festgebaute Stadt, also ein Ort der absoluten Sicherheit und Geborgenheit.
Eine Rettungsaktion zieht logischerweise den Lobpreis nach sich. Gott schenkt ein Lied, mit dem man ihn preisen kann. Wir freuen uns mit dem Neugetauften und singen Loblieder in der Liturgie. Wir singen ein Loblied mit der ganzen Menschheit, der die Erlösung Jesu Christi zuteilgeworden ist. Wir singen mit jedem einzelnen Menschen, der die Beichte empfangen hat, denn die Versöhnung betrifft nicht nur Gott, sondern die ganze Kirche. Schließlich wird es ein ewiges Freudenfest voller Loblieder sein, wenn wir von Angesicht zu Angesicht vor Gott stehen werden im Himmelreich.
Am Ende hören wir noch einmal einen Vers aus dem Klagepsalm-Teil, der eine drängende Bitte beinhaltet. Gott soll nicht säumen, sondern schnell erhören, da er unsere Hilfe und unser Retter ist. Möge er bald erlösen – nicht nur in der Taufe, sondern die ganze Menschheit bei seiner Wiederkunft! Elend und arm sind wir alle, selbst wenn wir viel Geld haben. Armut ist in der hl. Schrift nie einfach nur materielle Armut. Es ist vor allem eine Armut von Gott, dessen Gegenwart wir nicht immer spüren, insbesondere in Notsituationen. Armut ist im Psalmenkontext oft die soziale Armut. Wir denken auch an die juristische Armut, die Personengruppen, die durch soziale Raster fallen: Witwen, Waisen, Fremde. Arm ist vor allem der Mensch, der fern von Gott ist.

Hebr 12
1 Darum wollen auch wir, die wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, alle Last und die Sünde abwerfen, die uns so leicht umstrickt. Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der vor uns liegt,
2 und dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens; er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt.
3 Richtet also eure Aufmerksamkeit auf den, der solche Anfeindung von Seiten der Sünder gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermattet und mutlos werdet!

4 Ihr habt im Kampf gegen die Sünde noch nicht bis aufs Blut Widerstand geleistet.

In der Lesung aus dem Hebräerbrief geht es ebenfalls um die Leiden, die man in der Sache Gottes zu erleiden hat. Die Empfänger des Briefs werden dazu eingeladen, dem Bösen bis aufs Blut Widerstand zu leisten. Sie sollen ganz und gar Zeugen für Jesus Christus sein und alles geben.
Am Anfang hören wir von den Zeugen, die gleichsam eine Wolke bilden, den Dunst der Herrlichkeit Gottes. Wir wissen ja von der Wolke als Theophaniezeichen Gottes. Was hier also verbildlicht wird, ist die Menge an Zeugen, das heißt Märtyrern, die Gott im Himmelreich umgeben wie eine Wolke. Sie dürfen bereits bei Gott sein und ihn von Angesicht zu Angesicht schauen. Sie sind für die lebenden Christen ein Vorbild und eine Ermutigung, ebenfalls in voller Hingabe an Christus zu glauben. Jeremia war ja ebenfalls ein solcher Zeuge für die Botschaft Gottes, auch wenn er noch dem Alten Bund angehört.
Die „Wolke von Zeugen“ soll den Empfängern des Hebräerbriefs Ermutigung sein, das sündhafte Leben ganz von sich abzustreifen und umzukehren. Selbst die lässlichen Sünden können den Menschen leicht umstricken, wie es hier heißt. Aus Kleinigkeiten werden irgendwann größere Sünden und eine ungesunde Haltung schleicht sich ein. Die Macht der Gewohnheit ist schließlich sehr schwer zu brechen.
Der Weg mit Christus gleicht einem Marathon, sagte neulich ein Freund zu mir. Es ist kein kurzer Sprint, nach dem man seine Ruhe hat. Es ist ein Ausdauerlauf. Das Stichwort ist Beständigkeit oder Treue. Es geht darum, jeden Tag mit demselben vollen Einsatz Christus nachzufolgen und nicht nachzulassen, bis er wiederkommt. Das Bild des Sports passt an dieser Stelle sehr gut, denn im Sport wird ebenfalls der volle Körpereinsatz, aber auch Disziplin und Kondition erwartet. Wer nicht ehrgeizig ist und im Sport sein bestes gibt, wird keinen Preis gewinnen. Die Agone der Antike waren meistens so ausgelegt, dass nur der erste Platz einen Preis bekam.
Jesus selbst ist den Weg zuerst gegangen, das ist die größte Motivation für die Ganzhingabe in seiner Nachfolge. Er selbst ist mit Blick auf die Herrlichkeit des Himmels in den Karfreitag gegangen, hat all die Leiden und den Tod auf sich genommen, um schließlich aufzuerstehen und bei der Rückkehr in die Ewigkeit verherrlicht zu werden. Er darf zur Rechten des Vaters sitzen, das Maximum an Ehre!
Wenn es also schwer wird für die Christen, weil sie Schmach, Diskriminierung, Leiden oder sogar Verfolgung erleiden müssen, dann sollen sie sich immer wieder daran erinnern, dass Christus all das selbst durchgemacht hat. Das wird sie ermutigen, dennoch weiterzumachen.
Und mit Blick auf Jeremia müssen sich die leidenden Christen dann auch angesprochen fühlen von den Worten: Fürchte dich nicht. Ich bin mit dir, um dir zu helfen. Jesus ist Immanuel, Gott mit uns. Er ist da, ja sogar physisch in der Eucharistie. Er steht uns bei in aller Not.

Lk 12
49 Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!

50 Ich muss mit einer Taufe getauft werden und wie bin ich bedrängt, bis sie vollzogen ist.
51 Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf der Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Spaltung.
52 Denn von nun an werden fünf Menschen im gleichen Haus in Zwietracht leben: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei;
53 der Vater wird gegen den Sohn stehen und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.

Im Evangelium hören wir heute eine sehr drastische Passage. Jesus sagt ganz unverblümt, dass er gekommen ist, um Feuer zu bringen, nicht Frieden. Das muss man richtig verstehen, denn natürlich ist es im Gesamt doch so, dass Jesus Frieden bringt, nämlich als übernatürliche Gabe des Hl. Geistes. Aber Christus stellt die Menschen damals und auch heutzutage uns vor die Wahl. Bei Ihm gibt es kein Jein, entweder Ja oder Nein. Und das ist das „Spalterische“, was er meint. Die Einen werden Christus und seine Botschaft annehmen, die Anderen nicht. Deshalb kommt es zu Uneinigkeiten in den Familien. Jesus kündigt diese Probleme schon für die erste Christengeneration an. Es ist wirklich ein Kreuz, das man mit dem Glauben an Christus auf sich nimmt. Aber die Bereitschaft zu diesem Opfer macht den wahren Jünger Jesu Christi aus.
Doch was meint Jesus mit der Taufe, mit der er getauft werden muss? Er ist doch schon von Johannes getauft worden? Die Taufe, die Jesus hier andeutet, ist die sogenannte Bluttaufe als Umschreibung für das Martyrium. Er kündigt hier seinen Tod an, den er sterben wird zur Sühne der ganzen Menschheit.
Jesus sagt, dass wer sein irdisches Leben krampfhaft festhält, das ewige Leben verlieren wird. Und wer um seinetwillen das irdische Leben verliert, dafür das ewige Leben gewinnen wird. Dazu zählen auch die Abstriche trotz Behalten des irdischen Lebens. Wer also Uneinigkeit in der Familie in Kauf nimmt und dadurch bereit zu vielen Leiden ist, wird mit dem ewigen Leben belohnt werden.
Gott muss an allererster Stelle stehen. Wer nämlich die Eltern oder Kinder über Gott stellt, kann nicht Jünger Jesu sein. Das würde nämlich bedeuten, dass Eltern oder Kinder zum Götzen werden. Vielmehr besteht die richtige Priorisierung in der Ableitung der Eltern- und Kinderliebe aus der Gottesliebe. So ist es ein Liebesdienst, der sich aus der ersten Liebe speist und übernatürlich ist. Das Doppelgebot der Liebe ist aber der Kern des Evangeliums, die Zusammenfassung des Gesetzes und der Propheten sowie das Gütesiegel der Jüngerschaft. Das heißt nicht, dass man seine Eltern als Christ nicht mehr lieben darf, ebenso wenig, dass man die Kinder nicht lieben darf. Es geht darum, dass Gott trotz dieser Liebe immer wichtiger sein soll. Erstens soll es uns immer zuerst um das Reich Gottes gehen und in erster Linie sind wir als Christen Kinder Gottes. Er ist unser erster und eigentlicher Vater und unsere erste Mutter. Im zweiten Schritt sind wir Menschen in einer irdischen Familie, die physisch zusammenhängt. Nicht umsonst bestehen die ersten drei Gebote des Dekalogs aus Gottesliebe-Geboten. Das vierte bis zehnte Gebot fußt sodann auf der Nächstenliebe. Zweitens können wir nur aus der Gottesliebe heraus so richtig unsere Eltern und Kinder lieben. Alles andere ist auf menschliche Kapazitäten beschränkt. Wir sollen aber so weit gehen, sogar für sie zu sterben. Können wir das aus rein menschlicher Kraft? Würden Sie für Ihren Vater Ihr Leben hingeben, wenn er die Familie verlassen hat? Würden Sie für ihren Ehepartner sterben, wenn er fremdgegangen ist? Da merken wir dann, wie schnell wir mit unseren menschlichen Kapazitäten an unsere Grenzen kommen. Deshalb muss zuerst die Gottesliebe gegeben sein. Alles andere wird dann den richtigen Platz und das richtige Maß erhalten.
Jesus kommt nicht, um Friede, Freude, Eierkuchen zu bringen. Er möchte keinen faulen Frieden, bei dem die Uneinigkeit und Spaltung, die ja schon längst da sind, einfach unter den Teppich gekehrt werden. Er möchte den wahren Frieden bringen und dazu benötigt es manchmal das Aufkochen des Konflikts, die Konfrontation und das Hochspülen des verdrängten Drecks. Das gilt auch für die Missstände in der Kirche von heute. Hier geht es aber zunächst um die Entscheidung für oder gegen ihn. Wir müssen aktiv Ja sagen zu ihm, denn es geht beim Bund mit Gott um Liebesbeziehung. Liebe kann nicht unter Zwang funktionieren und der Mensch muss Gott freiwillig annehmen. Wenn es die anderen Familienmitglieder jedoch nicht so sehen, kommt es zu Konflikten.
Das Besondere an Jesu Verkündigung ist: Er hat das Reich Gottes immer unverblümt und zutiefst realistisch verkündet. Er hat nie etwas beschönigt oder verharmlost. Er hat ganz klar gesagt, was die Christen erwartet – die Verfolgung, Beschimpfung in seinem Namen, ein Hindurchzwängen durch die enge Tür, ein Weg der Entsagung – aber auch des langfristigen Segens und ewigen Heils im Himmelreich.
Der Höhepunkt dieser schonungslosen Realität besteht im Kreuzestod. Was gibt es Unattraktiveres als das Kreuz! Und doch ist genau dies der Ort der Liebe, wie Paulus erklärt. Wer dieses Kreuz umarmt und sich berühren lässt von der unbegreiflichen Liebestat Gottes, der wird von der Fülle seiner Liebe überwältigt. Wer diesen Weg dennoch einschlägt, der wird wahren Frieden empfangen.

Ihre Magstrauss

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