Montag der 21. Woche im Jahreskreis

2 Thess 1,1-5.11-12; Ps 96,1-2.3-4.5-6; Mt 23,13-22

2 Thess 1
1 Paulus, Silvanus und Timotheus an die Kirche der Thessalonicher, die in Gott, unserem Vater, und in Jesus Christus, dem Herrn, ist:
2 Gnade sei mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
3 Wir müssen Gott euretwegen immer danken, Brüder und Schwestern, wie es recht ist, denn euer Glaube wächst kräftig und die gegenseitige Liebe nimmt bei einem jeden von euch allen zu.
4 So können wir in den Gemeinden Gottes mit Stolz auf euch hinweisen, weil ihr Standhaftigkeit und Glauben zeigt in allen euren Verfolgungen und Bedrängnissen, die ihr aushaltet.
5 Dies ist ein Anzeichen des gerechten Gerichtes Gottes; ihr sollt ja des Reiches Gottes teilhaftig werden, für das ihr leidet.
11 Darum beten wir auch immer für euch, dass unser Gott euch eurer Berufung würdig mache und in seiner Macht allen Willen zum Guten und das Werk des Glaubens vollende.
12 So soll der Name Jesu, unseres Herrn, in euch verherrlicht werden und ihr in ihm, durch die Gnade unseres Gottes und Jesu Christi, des Herrn.

Heute beginnt die Bahnlesung aus dem zweiten Thessalonicherbrief. Zu Beginn des Briefs erfolgt das Präskript, eine Notiz, die Absender und Empfänger des Briefs nennt, sowie ein Gruß. Als Absender werden neben Paulus seine Mitarbeiter Silvanus und Timotheus genannt. Die Thessalonicher sind die Empfänger und werden umschrieben mit dem Nebensatz „die in Gott, unserem Vater, und in Jesus Christus, dem Herrn, ist“. Damit wird eine positive Umschreibung vorgenommen, denn wenn sie in Vater und Sohn sind, sind sie wahrlich im Stand der Gnade. Sie werden mit einem üblichen Gruß begrüßt, bevor das Proömium beginnt. Dieses ist ein Lob der Gemeinde mit Lobpreis und Dank Gottes. Die Absender danken Gott für die Thessalonicher aufgrund der guten Eigenschaften. Für gewöhnlich beginnt Paulus in Briefen mit dem Positiven der Gemeinde, um sie für die Inhalte des Briefs zu öffnen und auch empfänglicher für Kritik zu machen. Ganz konkret danken Paulus und seine Mitarbeiter Gott für das Wachsen im Glauben und der Liebe der Thessalonicher. Sie sind zufrieden und dankbar für ihre Standhaftigkeit und wir Hörer heutzutage erfahren, dass die Thessalonicher mit Widerstand zu tun haben. Es ist die Rede von Verfolgungen und Bedrängnissen, die eine einzige Bewährungsprobe für ihren neu gewonnenen Glauben darstellen.
Paulus macht deutlich, dass diese irdischen Leiden bereits eine Gerichtshandlung Gottes darstellen, durch die der Mensch für das Reich Gottes gereinigt wird. Es gehört also dazu, dass man mit diesen Nöten konfrontiert wird, um im Glauben tiefer zu wachsen und zu reifen. Das ist uns Christen heute ein wichtiger Impuls. Gold wird zu purem Gold dadurch, dass es im Feuer geprüft wird.
So beten die Absender, dass Gott die Thessalonicher ihrer Berufung würdig mache und alles vollende. Warum muss Gott ihr Werk vollenden? Der Mensch ist ein unvollkommenes Wesen und nicht perfekt. Er kann alles nach Kräften tun und den Rest Gott überlassen, auf dass er es vervollkommne. All dies dient wiederum der Verherrlichung Christi in ihnen und umgekehrt. Das ist schließlich die Definition von Heiligkeit, zu der die Thessalonicher wie jeder Getaufte berufen sind. Alles soll durch die Gnade Gottes geschehen und das Proömium endet ganz wie üblich mit einer Gebetsformel.

Ps 96
1 Singt dem HERRN ein neues Lied, singt dem HERRN, alle Lande,

2 singt dem HERRN, preist seinen Namen! Verkündet sein Heil von Tag zu Tag!
3 Erzählt bei den Nationen von seiner Herrlichkeit, bei allen Völkern von seinen Wundern!
4 Denn groß ist der HERR und hoch zu loben, mehr zu fürchten als alle Götter.
5 Denn alle Götter der Völker sind Nichtse, aber der HERR ist es, der den Himmel gemacht hat.
6 Hoheit und Pracht sind vor seinem Angesicht, Macht und Glanz in seinem Heiligtum.

Der heutige Psalm beginnt mit den signalhaften Worten „neues Lied“. Dadurch wissen wir, dass es messianische Aussagen geben wird:
„alle Lande“ sollen dieses Lied singen und Gottes Heilstaten sollen „bei den Nationen“ bekannt werden. Die nichtjüdischen Völker sollen nun auch diesen einen wahren Gott kennenlernen.
„Verkündet sein Heil“ wird dann für uns Christen auffällig christologisch, weil in den Worten „sein Heil“ der Name Jesus enthalten ist. Während hier wörtlich das Heil Gottes als messianische Verheißung verkündet werden soll, sind wir Christen dadurch aufgerufen, Jesus Christus zu verkünden, der das Heil ist (Nomen est omen). Das ist einer der drei Hauptvollzüge der Kirche – die Verkündigung (martyria). Jeder einzelne Christ bezeugt dieses Heil durch sein Handeln. Wo wir einander lieben und die Gebote Gottes halten, kommt das Heil in die Welt, das Reich Gottes wird dann schon jetzt spürbar. Am Ende der Zeiten werden wir das Heil verkünden – aber als ewigen Lobpreis in Gottes Gegenwart, mit allen Engeln und Heiligen.
Der Psalm verrät auch, dass Gott der König, der Herrscher ist. Die messianische Erwartung geht über eine menschliche Figur wie der Perserkönig Kyrus hinaus.
Gott ist „mehr zu fürchten als alle Götter“, denn diese gibt es nicht einmal. Zu König Davids Zeiten, als dieser Psalm geschrieben wird, ist die Erkenntnis noch nicht erlangt worden, dass es nur einen Gott gibt. Die Israeliten haben aber zumindest eine Monolatrie begriffen, eine Anbetung allein des Gottes Israels.
Es stimmt aber nicht ganz, dass monotheistische Tendenzen erst nach dem Exil aufkamen. Schon König David schreibt unter dem Einfluss des Hl. Geistes: „Denn alle Götter der Völker sind Nichtse, aber der HERR ist es, der den Himmel gemacht hat.“ Selbst wenn diese Erkenntnis erst im Exil so richtig klar wird durch die sogenannte „Jahwe-allein-Bewegung“, erkennen wir schon hier die Erkenntnis, dass andere Götter Götzen sind. Das ist mit „Nichtse“ gemeint, menschengemachte Idole, die aber an sich tot sind. Sie können gar nichts bewirken im Gegensatz zum wunderbaren Schöpfer. Gott ist dagegen der Schöpfer, er ist also wahrlich ein Gott des Lebens, ein Creator. Er bringt hervor, was tote Gebilde nicht fertigbringen.
Hoheit, Pracht und Glanz sind Begriffe, die im Kontext dieses Psalms auf den Tempel zu beziehen sind. Dieser ist prunkvoll gebaut, viel Gold ist eingesetzt worden, wertvolles Holz, mit viel Detailliebe sind die verschiedenen Bereiche verziert worden. Gottes Gegenwart im Tempel ist wirklich von Hoheit, Pracht und Glanz umgeben. Doch darüber hinaus ist die wahre Hoheit, Pracht und der Glanz Gottes selbst zu nennen in seinem himmlischen Heiligtum! Seine Herrlichkeit selbst ist es, die hier so glänzt und leuchtet. Gott ist Licht. Macht und Glanz sind also Begriffe, die vor allem den Gnadenreichtum betreffen. Beziehen wir es auf die Kirche, in der Gottes Gegenwart bis heute besteht, müssen wir also auch berücksichtigen, dass er vor seinem Angesicht viel Prunk und Pracht sieht, dies aber nicht das Entscheidende ist. Vielmehr sind die Gnade und Herrlichkeit Gottes entscheidend, die wir gar nicht sehen. Was wir davon erkennen, sind die Früchte.

Mt 23
13 Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr verschließt den Menschen das Himmelreich. Denn ihr selbst geht nicht hinein und lasst die nicht hinein, die hineingehen wollen.
15 Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr zieht über Land und Meer, um einen einzigen Menschen für euren Glauben zu gewinnen; und wenn er gewonnen ist, dann macht ihr ihn zu einem Sohn der Hölle, doppelt so schlimm wie ihr selbst.
16 Weh euch, ihr seid blinde Führer! Ihr sagt: Wenn einer beim Tempel schwört, gilt es nicht, wenn er aber beim Gold des Tempels schwört, gilt es.
17 Ihr blinden Narren! Was ist wichtiger: das Gold oder der Tempel, der das Gold erst heilig macht?
18 Auch sagt ihr: Wenn einer beim Altar schwört, gilt es nicht, wenn er aber bei dem Opfer schwört, das auf dem Altar liegt, gilt es.
19 Ihr Blinden! Was ist wichtiger: das Opfer oder der Altar, der das Opfer erst heilig macht?
20 Wer beim Altar schwört, der schwört bei ihm und bei allem, was darauf liegt.
21 Und wer beim Tempel schwört, der schwört bei ihm und bei dem, der darin wohnt.
22 Und wer beim Himmel schwört, der schwört beim Thron Gottes und bei dem, der darauf sitzt.

Während Paulus in der Lesung nur Lob für die Thessalonicher hat, kritisiert Jesus seine Zuhörer im Evangelium scharf. Er ist im Streitgespräch mit den Pharisäern und Schriftgelehrten, die besonders von Verstocktheit geprägt sind. Doch der springende Punkt ist: Gott möchte auch diese Menschen retten. Er möchte, dass auch sie umkehren. Weil sie aber so verhärtet sind, muss man bei ihnen einen schärferen Ton anschlagen. Was wir heute also ausschnitthaft hören, sind Weherufe gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten als Appell zur Umkehr.
Jesus nimmt kein Blatt vor den Mund und wirft ihnen vor, dass sie sich doppelt schuldig machen: Einerseits wollen sie selbst nicht ins Himmelreich eingehen, das heißt nicht den Willen Gottes umsetzen, um dorthin zu gelangen. Andererseits sorgen sie dafür, dass auch andere Menschen nicht hineingehen können. Man muss bedenken, dass sie auf dem Lehrstuhl des Mose sitzen, sozusagen den Schlüssel zum Himmelreich besitzen, weil sie die Hl. Schriften auslegen. Von ihnen hängt also viel ab. Wenn sie die Schriften falsch auslegen, verwehren sie sich selbst das Himmelreich und bringen auch noch die Menschen davon ab, die ihren falschen Auslegungen aufsitzen. Jesus ist also auch deshalb so streng mit ihnen, weil sie eigentlich mehr verstehen sollten als alle zusammen. Sie sitzen schließlich an der Quelle. Wer aus Unwissenheit gegen die Gebote Gottes handelt, wird vor Gott nicht so streng zur Rechenschaft gezogen wie sie, die alles vor ihren Augen haben, den Schlüssel der Erkenntnis besitzen und doch gegen die Gebote Gottes handeln.
Die Pharisäer werden dafür kritisiert, dass sie einen unglaublichen Aufwand unternehmen, einen einzigen Menschen von ihrem Glauben zu überzeugen. Heißt das, dass Jesus doch gegen Mission ist? Widerspricht das nicht seinem eigenen Auftrag am Ende des Matthäusevangeliums? Hier geht es um eine andere Haltung und Absicht. Hier werden nicht Menschen mit der frohen Botschaft angesteckt, um gerettet zu werden, sondern es geht darum, dass die Pharisäer sich auf Menschen stürzen, um sie zu Fanatikern zu machen, die mindestens genauso an der Torah vorbeileben wie sie selbst. Sie machen aus Menschen Proselyten (zum Judentum übergetretene Heiden), die nicht in eine Beziehung zu Gott treten durch den Alten Bund, sondern die wie sie die Ritualgebote und das ganze menschliche Konstrukt um Gottes Gebote herum aufs Peinlichste genau einzuhalten versuchen, andere Menschen kontrollieren und alles um der Gebote selbst willen tun. Es geht nicht um Beziehung, sondern um Hochmut, nicht um Gottes Willen, sondern um menschlichen Perfektionismus.
Dass ihr Denken an Gottes Denken vorbeigeht, erkennen wir an Jesu nächstem Beispiel: Die Pharisäer sagen, dass das Schwören beim Tempel kein Gewicht habe, aber das Schwören auf das Gold des Tempels verpflichte. Diese Haarspalterei ist eine Sache (Jesus sagt ja in der Bergpredigt, dass man am besten gar nicht schwören, sondern lieber die Wahrheit sagen soll). Hinzukommt, dass die Pharisäer in ihrer Sicht gar nicht merken, wie absurd sie sind, denn der Tempel Gottes ist doch viel gewichtiger als das Gold, das sich darin befindet und erst durch den Tempel heilig wird. Ebenso verhält es sich mit Altar und Opfer: In ihrer Oberflächlichkeit merken sie nicht, dass die Unterscheidung von Schwören auf den Altar und auf das Opfer absurd ist: „Wer beim Altar schwört, der schwört bei ihm und bei allem, was darauf liegt.“ Ein Opfertier wird ja erst zum Opfertier durch den Altar, auf dem es dargebracht wird. Und ebenso verhält es sich mit dem Tempel, der alles heiligt, was darin ist.
Jesus führt ihre Gesetze ad absurdum, um zu zeigen, dass ihre Spitzfindigkeit nichts mehr mit Gottes Geboten zu tun hat. Bei Gott herrscht Logik und kein Widerspruch.
Am Ende führt Jesus eine Erweiterung an, die uns vielleicht überrascht, denn er spricht nun über Himmel und Gottesthron. Warum nun dieses Beispiel? Die Juden hatten die Angewohnheit, für den Gottesnamen Umschreibungen zu setzen. Die Umschreibung des Gottesnamens zu Jesu Zeiten betraf Begriffe wie „Herr“ (Adonaj), „Gott“ (Elohim) oder „der Name“ (Haschem). Im Kontext von Schwurformeln ersetzte man den Gottesnamen z.B. durch den Tempel oder durch den Himmel. Auf diese Weise erhoffte man sich eine Abschwächung des Schwurs, bei dem Gott als Zeuge gegen den Schwörenden angerufen wird. Was Jesus durch seinem Argumentationsgang also sagen möchte: Wenn das Gold des Altars durch den Schwur auf den Tempel und das Opfer durch den Schwur auf den Altar mitgemeint ist, dann ist Gott beim Schwur auf Gottesthron und Himmel mitgemeint. Diese Grauzonenstrategie der Pharisäer und Schriftgelehrten ist also Ausdruck von Heuchelei, hat nichts mit Liebe und Bundesbeziehung zu tun und verschließt vielen Menschen das Himmelreich.

Heute erleben wir in den Texten verschiedene Herangehensweisen Gottes und seines Bodenpersonals. Die Einsichtigen, die sich aufrichtig bemühen, werden ermutigt, dies weiterzutun. Die Verstockten, die sich doppelt verschulden, werden scharf kritisiert, um vom Irrweg abgebracht zu werden. Das ist die Schule Gottes. Letztendlich möchte er, dass alle Menschen gerettet werden. Deshalb setzt er bei jedem so an, wie es für dessen Umkehr notwendig ist. Wie ist es mit uns? Lassen wir uns belehren und sind wir gute Schüler?

Ihre Magstrauss

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