31. Sonntag im Jahreskreis (C)

Weish 11,22 – 12,2; Ps 145,1-2.8-9.10-11.13c-14; 2 Thess 1,11 – 2,2; Lk 19,1-10

Weish 11
22 Die ganze Welt ist ja vor dir wie ein Stäubchen auf der Waage, / wie ein Tautropfen, der am Morgen zur Erde fällt.
23 Du hast mit allen Erbarmen, weil du alles vermagst, / und siehst über die Sünden der Menschen hinweg, damit sie umkehren.
24 Du liebst alles, was ist, / und verabscheust nichts von dem, was du gemacht hast; / denn hättest du etwas gehasst, so hättest du es nicht geschaffen.
25 Wie könnte etwas ohne deinen Willen Bestand haben / oder wie könnte etwas erhalten bleiben, das nicht von dir ins Dasein gerufen wäre?
26 Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist, Herr, du Freund des Lebens.
1 Denn in allem ist dein unvergänglicher Geist.
2 Darum bestrafst du die Sünder nur nach und nach; / du mahnst sie und erinnerst sie an ihre Sünden, / damit sie sich von der Schlechtigkeit abwenden und an dich glauben, Herr.

In der heutigen ersten Lesung aus dem Buch der Weisheit geht es um die Strafe Gottes. Es wird reflektiert, wie Gott als Richter vorgeht: Gott ist allmächtig und seine Schöpfung ist verschwindend gering vor ihm. Ganz im weisheitlichen Stil wird die Betrachtung mithilfe von Naturvergleichen ausgefaltet. In diesem Sinne ist die Welt vor Gott ein Stäubchen auf der Waage und ein morgendlicher Tautropfen.
Und doch ist Gott so barmherzig, dass er sich diesem Tröpfchen zuneigt – er, der Allmächtige!
Seine Barmherzigkeit besteht darin, über die Sünden der Menschen hinwegzusehen, damit sie umkehren. Was heißt das? Drückt Gott immer beide Augen zu? Wenn man den gesamten Kontext liest und auch mit allen anderen Aussagen über das Gericht Gottes in der hl. Schrift vergleicht, kommt man nicht umhin, dies zu verneinen. Gott drückt ein Auge zu, wo der Mensch aufrichtig bereut. Er ist kein rein berechnender Automat, aber doch richtet er die Menschen nach ihren Taten. Beides spielt in einer höchst gerechten und angemessenen Weise zusammen – die Gerechtigkeit und die Barmherzigkeit. Gottes Plan für jeden Menschen besteht darin, ihn auf ewig bei sich zu haben. Ob der Mensch dem folgt, ist aber eine andere Geschichte. Und doch erteilt Gott dem sündigenden Menschen immer wieder eine Lektion, lässt ihn die unheilvollen Konsequenzen seines Tuns fühlen, damit er zurückkehrt.
Also: Gott sieht über Sünden hinweg, aber da, wo der Mensch sie bereut. Gottes Barmherzigkeit zeigt sich auf verschiedene Weise, jedoch immer so, dass sie den Menschen zutiefst anrührt und ihn dadurch verwandelt. Er schenkt schon Gnade im Voraus, auf dass der Mensch überhaupt berührt wird. Es ist wie mit dem barmherzigen Vater, der dem verlorenen Sohn entgegenläuft und ihn in den Arm nimmt. Gott schenkt Gnade, damit der Mensch sich öffnet und seine Sünde bekennt.
Gott hat alles aus Liebe geschaffen, deshalb liebt er alles, was er gemacht hat. Es geht auch nicht anders, weil Gott die Liebe ist. Gott liebt die Sünde aber nicht, denn er hat die Sünde nicht geschaffen.
Gott hat alles in seinem heiligen Willen geschaffen. Er befahl „es werde Licht“ und es geschah so. Nichts geschah und geschieht über seinen Willen hinaus.
Gott schont alles, weil es sein Eigentum ist. Gott ist ein Freund des Lebens. Was heißt das? Wir sehen ja Naturkatastrophen, Kriege, Hungersnot und andere schlimme Leidsituationen. Wie oft machen wir eher die Erfahrung, dass Gott die Welt so gar nicht verschont! Gott hat alles nach seinem Willen geschaffen und alles gut geschaffen. Der Mensch ist aber mit einem freien Willen geschaffen worden, sodass er diese Freiheit auch dafür missbrauchen kann, Böses zu tun. In diesen Situationen kann Gott nicht eingreifen, sondern höchstens erziehen und kleine Gerichtsurteile im Leben der Menschen vollstrecken, um sie zum Guten zu bewegen. Die Sünde ist in die Welt gekommen, nachdem Gott sie gut geschaffen hat. Was wir sehen, ist nicht mehr die gute Schöpfung wie am Anfang, sondern eine verzerrte und gefallene Schöpfung. Die Natur ist durcheinandergeraten, die Zustände sind nicht gerecht, sondern ein verschwindend geringer Teil von Menschen gehört der gesamte Reichtum der Welt, während die große Masse verhungert und ausgebeutet wird. In vielen Situationen kann Gott nicht eingreifen, weil er den freien Willen des Menschen nicht antastet. Und doch kann er sich der Opfer der Sünde anderer annehmen. Er kann ihnen beistehen und die Sünder bestrafen.
Er tut dies aber nie, indem er alles zermalmt und in Schutt und Asche legt, sondern nach und nach: Auch die Sünder sollen die Chance zur Umkehr haben. Wie gesagt möchte Gott, dass alle gerettet werden. Gott ist ein Pädagoge und erzieht jeden Menschen.
Mit der Aussage „Denn in allem ist dein unvergänglicher Geist“ wird kein Pantheismus angedeutet. Gott unterscheidet sich ganz klar von seiner Schöpfung, auch vom biblischen Befund her. Gott ist aber gegenwärtig in seiner Schöpfung durch seinen Geist. Er ist da und es kümmert ihn deshalb, was mit seiner Schöpfung passiert. Er könnte ohne die Welt bestehen, aber er möchte nicht ohne sie sein.

Ps 145
1 Ein Loblied Davids. Ich will dich erheben, meinen Gott und König, ich will deinen Namen preisen auf immer und ewig.
2 Jeden Tag will ich dich preisen und deinen Namen loben auf immer und ewig.
8 Der HERR ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Huld.
9 Der HERR ist gut zu allen, sein Erbarmen waltet über all seinen Werken.
10 Danken sollen dir, HERR, all deine Werke, deine Frommen sollen dich preisen.
11 Von der Herrlichkeit deines Königtums sollen sie reden, von deiner Macht sollen sie sprechen,
13 Dein Königtum ist ein Königtum aller Zeiten, von Geschlecht zu Geschlecht währt deine Herrschaft.
14 Der HERR stützt alle, die fallen, er richtet alle auf, die gebeugt sind.

Als Antwort beten wir einen Lobpreispsalm, der den Abschluss des fünften Psalmenbuches darstellt.
König David selbst betet ihn uns vor und macht sich mit diesem Lobpreis nun ganz klein vor Gott, dem Allmächtigen.
Zu Beginn erfolgt wie so oft eine Selbstaufforderung zum Lobpreis: „Ich will deinen Namen preisen auf immer und ewig.“ Er, der der Höchste im Volk Israel ist, erhebt Gott über sich. Er, der irdisch gesehen König ist, preist Gott, den wahren König. David bleibt immer auf dem Teppich, weil er sich stets von Gott her betrachtet.
Er bekundet die stete Anbetung Gottes auch im nächsten Vers, wenn er Gott die Anbetung täglich und bis in Ewigkeit zusagt.
Er proklamiert als nächstes die Barmherzigkeit Gottes. Diese hat David in seinem Leben wahrlich erfahren, denn Gott hat ihn trotz seiner schweren Sünden nicht einfach aufgegeben. Gott hat ihn die Konsequenzen seiner Sünde spüren lassen, aber er hat den Bund treu gehalten, den er mit David eingegangen ist. Gott ist wirklich langmütig, das heißt geduldig. Er vergibt jedem Menschen seine Schuld, wie groß sie auch ist, wenn er aufrichtig bereut. Das hat er nicht nur David gegenüber gezeigt, sondern allen Menschen. Er ist „gut zu allen“. Und was auch immer Gott erwirkt, ist letztendlich Ausdruck seines Erbarmens. Wenn der Mensch leiden muss, dann ist das kein Widerspruch zu diesem grenzenlosen Erbarmen Gottes. Er möchte unsere Liebesbeziehung, aber wenn wir sie ablehnen und deswegen dann leiden, kann er nichts tun. Zu sehr schätzt er unseren freien Willen. Und wenn andere Menschen sündigen und uns unschuldig mit hineinziehen, ist das kein Ausdruck der Ungerechtigkeit Gottes, sondern das Wesen der Sünde. Wir merken, dass diese Gedanken sich sehr gut an die erste Lesung anschließen.
In Vers 10 erfolgt eine weitere Lobpreisaufforderung, nun aber nicht an den Beter selbst, sondern an „alle deine Werke, deine Frommen“. Die Schöpfung soll Gott loben und preisen. Dies ist die einzig angemessene Reaktion auf das Geschaffensein von dem liebenden Gott, der uns eigentlich nicht braucht, aber ohne uns nicht sein will. Dass wir existieren, ist bereits den ewigen und unaufhörlichen Lobpreis wert!
David bezeichnet Gott hier als König, wenn er von der „Herrlichkeit“ seines „Königtums“ spricht. Gottes Allmacht wird mit einem mächtigen Herrscher verglichen. David vergleicht Gottes Macht also mit seiner eigenen und steigert sie ins Unendliche. Dieses Königtum soll verkündet werden. Christus wird dies zum Kern seiner Botschaft machen und seine Jünger vor seiner Heimkehr zum Vater dazu auffordern, es fortzusetzen. Diese Steigerung zeigt sich auch dadurch, dass Gottes Königtum nicht nur auf eine bestimmte Lebenszeit beschränkt ist wie im Falle Davids, sondern ewig Bestand hat. Es ist der eine wahre König, der eine unendliche Regierungszeit hat. Dabei ist er kein Unterdrücker und Despot, sondern ein Aufrichter. Er stützt die Fallenden und richtet jene auf, die gebeugt sind. Wir sehen immer wieder Christus vor Augen, der die Menschen an die Hand nimmt und aufrichtet: die vielen Kranken, Gelähmten, sogar Toten. Um wie viel mehr tut er das im übertragenen Sinne, wenn er die Sünder zur Umkehr führt und diese von der Sünde in die Gnade kommen, weil Christus ihnen die Sünden vergibt! So ist das Königtum Gottes.

2 Thess 1-2
11 Darum beten wir auch immer für euch, dass unser Gott euch eurer Berufung würdig mache und in seiner Macht allen Willen zum Guten und das Werk des Glaubens vollende.
12 So soll der Name Jesu, unseres Herrn, in euch verherrlicht werden und ihr in ihm, durch die Gnade unseres Gottes und Jesu Christi, des Herrn.

1 Brüder und Schwestern, wir bitten euch hinsichtlich der Ankunft Jesu Christi, unseres Herrn, und unserer Vereinigung mit ihm:
2 Lasst euch nicht so schnell aus der Fassung bringen und in Schrecken jagen, wenn in einem prophetischen Wort oder einer Rede oder in einem Brief, wie wir ihn geschrieben haben sollen, behauptet wird, der Tag des Herrn sei schon da!

Heute hören wir die zweite Lesung aus dem zweiten Thessalonicherbrief. Zunächst werden uns zwei Verse aus dem Proömium verlesen, in dem Paulus und seine Mitarbeiter Gott für die Gemeinde danken und deren starken Glauben loben. Paulus formuliert aber auch Gebetszusagen in den konkreten Anliegen der Gemeinde.
So beten die Absender, dass Gott die Thessalonicher ihrer Berufung würdig mache und alles vollende. Warum muss Gott ihr Werk vollenden? Der Mensch ist ein unvollkommenes Wesen und nicht perfekt. Er kann alles nach Kräften tun und den Rest Gott überlassen, auf dass er es vervollkommne. All dies dient wiederum der Verherrlichung Christi in ihnen und umgekehrt. Das ist schließlich die Definition von Heiligkeit, zu der die Thessalonicher wie jeder Getaufte berufen sind. Alles soll durch die Gnade Gottes geschehen und das Proömium endet ganz wie üblich mit einer Gebetsformel.
Dann werden uns aber noch zwei Verse aus dem Hauptteil verlesen, in dem bereits ein relevantes Thema der Thessalonicher angeschnitten wird – die Wiederkunft Christi und die Verunsicherungen, die dabei entstanden sind. Offensichtlich herrscht in Thessaloniki eine panische Stimmung oder zumindest Verunsicherung vor, weil irgendwer behauptet hat, „der Tag des Herrn sei schon da!“ Gemeint ist, dass Jesus schon wiedergekommen ist. Paulus sagt der Gemeinde deshalb zu, dass sie sich „nicht so schnell aus der Fassung bringen und in Schrecken jagen“ lassen soll. Er lässt durchblicken, dass diese Behauptung zum Beispiel durch eine Prophezeiung den Christen von Thessaloniki zugekommen ist. Angeblich haben sie davon in einem Brief durch die Missionare erfahren. Paulus sagt ganz klar, dass dies alles eine Täuschung darstellt.
Er erklärt im Laufe des Briefes, wie die Wiederkunft Christi zu verstehen ist und wie man damit umgehen muss, dass bereits die ersten Christen der ersten Generation verstorben sind. Wir können es so zusammenfassen, dass wenn Christus wiederkommt, es alle mitbekommen werden. Es wird keine heimliche Wiederkunft sein, die nur von Auserwählten registriert wird. Die bereits Verstorbenen erfahren keinen Nachteil, weil sie bereits verstorben sind. Jesus wird die Lebenden und die Toten richten. Keiner fällt durchs Raster.

Lk 19
1 Dann kam er nach Jericho und ging durch die Stadt.

2 Und siehe, da war ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war reich.
3 Er suchte Jesus, um zu sehen, wer er sei, doch er konnte es nicht wegen der Menschenmenge; denn er war klein von Gestalt.
4 Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen musste.
5 Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus bleiben.
6 Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf.
7 Und alle, die das sahen, empörten sich und sagten: Er ist bei einem Sünder eingekehrt.
8 Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: Siehe, Herr, die Hälfte meines Vermögens gebe ich den Armen, und wenn ich von jemandem zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück.
9 Da sagte Jesus zu ihm: Heute ist diesem Haus Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist.
10 Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.

Im Evangelium geht es heute um Zachäus, den Zöllner. Zum Kontext: Vorher kommt eine Episode während Jesu Weg nach Jericho, in der Jesus einen blinden Mann geheilt hat. Nun ist er in Jericho angekommen und verkündet dort das Reich Gottes. Dort lebt auch der Zollpächter Zachäus, ein etwas kurzgeratener Mann, dessen Neugier auf Jesus größer ist als sein eigenes Ansehen. Er ist nämlich so klein, dass er Jesus wegen der Menschenmenge nicht erkennen kann. Deshalb steigt er auf einen Maulbeerfeigenbaum, um ihn besser zu sehen. Das kann man mehrfach verstehen. Die Aktion an sich zeichnet Zachäus als einen neugierigen Menschen, aber wohl weniger aus Sensationsgier und vielmehr aufgrund einer Sehnsucht nach Gott. Diese Sehnsucht ist es, die ihn dazu drängt, den Messias besser sehen zu können. Das verbindet ihn mit dem zuvor geheilten Blinden, der sehen möchte. Dieser hier besitzt vielleicht die volle Sehschärfe, doch ihn hindert seine Körpergröße an der guten Sicht.
Jesus sieht ihn. Das ist nicht zu überlesen. Gott sieht jeden Menschen, er übersieht keinen einzigen. Gott sieht alles, er sieht jede Regung des Herzens und das ist zunächst etwas Positives. Ihm entgeht nichts, auch nicht unsere noch so kleine Bemühung. Das ist eine tröstliche Botschaft.
Jesus spricht Zachäus nun an mit den Worten: „Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus bleiben.“ Das kommt unerwartet. Er spricht den Mann mit Namen an, obwohl er es nicht wissen kann – zumindest nicht aus menschlicher Sicht. Er ist Gott und kennt jeden Menschen beim Namen. Er bittet ihn, vom Baum herunterzukommen. Es ist mehrfach zu verstehen: Es handelt sich um den Ruf Gottes an uns Menschen, vom hohen Ross herabzusteigen, um ihm auf Augenhöhe zu begegnen, ihm, der die Demut in Person ist. Er hat sich so klein gemacht, er, der der Herr des ganzen Universums ist! Wir sollen es ihm gleichtun und den Hochmut ablegen, der uns daran hindert, Gott zu begegnen. Was ist denn ein Maulbeerfeigenbaum? Es handelt sich um eine Pflanze, die vor allem in Küstenregion oder in der Jordansenke vorkommt. Sie trägt Früchte, die aussehen wie kleine Feigen. Das Problem ist, dass wenn man diese Früchte nicht schon in früher Wachstumsphase einritzt, sie galleartige Stoffe ausbilden, die sie ungenießbar machen. Ohne Ritzung werden sie zudem wurmstichig.
Es gibt keine Zufälle. Zachäus sitzt auf einem solchen Baum und Jesus möchte ihn, von dort herunterholen. Er möchte sein Herz geistig einritzen, damit es nicht ungenießbar wird. Er soll der Abschreibung der Bewohner nicht erliegen, die ihn aufgrund seines Berufes als Sünder schlechthin ansahen. Er soll nicht wurmstichig werden wie die Früchte an dem Baum, auf dem er sitzt. Gott schreibt die Menschen nicht ab. Er gibt keinen auf – bis zum letzten Augenblick. Christus versucht alles, um auch die härtesten Schalen zu knacken. Und hier holt er jemanden vom Baum, er pflückt gleichsam diesen scheinbar verlorenen Menschen, um aus ihm eine wunderbare und genießbare Frucht zu machen. Er wird noch heute die Gnade schenken, die Zachäus zur Umkehr bewegen wird. Er wird ihn nicht seinem Schicksal überlassen, auf dass Gott ihn dann ausspeien wird aus seinem Mund wie die bitteren Früchte des Maulbeerfeigenbaums.
Die Gnade Gottes geht voraus, die dem Sünder das Herz öffnen soll. Und Zachäus ist absolut offen für diese Gnade. Er freut sich, dass Jesus ihm nicht wie die anderen mit Vorurteilen begegnet, sondern bei ihm einkehren möchte. Weil Jesus mit ihm so umgegangen ist und bei ihm zuhause verweilt, ändert sich Zachäus. Er lässt sich verwandeln von der Liebe Gottes. Er ist bereit, das zu viel verlangte Geld vielfach zurückzuzahlen und sein Vermögen mit den Armen und Bedürftigen zu teilen. Was Zachäus hier verspricht, ist ein Aspekt, den wir im Bußsakrament auch tun: Wir nehmen uns vor, unser Leben zu ändern und den entstandenen Schaden der Sünde wiedergutzumachen. Er zeigt seinen Willen, wirklich anders zu leben nach dieser Begegnung mit Jesus. Er kehrt von Herzen um und deshalb bleibt Jesus nur zu sagen: „Heute ist diesem Haus Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist.“ Er ist es vielleicht von Geburt an, aber sein Verhalten entspricht nun auch seiner Bundesbeziehung zum Gott Israels. Diese Sohnschaft haben ihm bestimmt viele abgesprochen, weil er sich unethisch verhalten hat. Doch Christus spricht ihm die Sohnschaft zu in dem Moment, als der Mann vor Christus bekannt hat, dass er sein Leben ändern will. Das ist ein wichtiger Punkt und erinnert uns an das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Erst nachdem dieser sein Sündenbekenntnis abgelegt hat und dem Vater ankündigt, von nun an als Tagelöhner zu arbeiten – als Wiedergutmachung wie hier die vielfache Rückzahlung – erst da steckt er ihm den Ring an den Finger. Er ist als Erbe des Vaters rehabilitiert. Analog dazu verkündet Jesus hier nun, dass Zachäus Erbe des Alten Bundes ist – ein Sohn Abrahams. Und so ist es auch im Bußsakrament: Wenn wir eine gute und gültige Beichte abgelegt haben mit allen notwendigen Aspekten, dann wird auch uns der Ring wieder angesteckt, dann wird auch uns zugesagt, dass wir als Erben des Reiches Gottes rehabilitiert sind, weil wir die Taufgnade zurückerhalten.
Der Menschensohn ist gekommen, um zu retten, was verloren ist. Und das gilt für Zachäus, aber auch für alle Christen und solche, die es noch werden wollen. Christi erstes Kommen war ein einziger Rettungsakt. Bis zu seinem zweiten Kommen, der ein Gerichtsakt sein wird, möchte er uns immer wieder von unseren Maulbeerfeigenbäumen herunterholen, damit wir keinen Würmern zum Fraß werden und keine Galle bilden. Er ruft immer wieder, er ruft heute und möchte unsere Umkehr heute. Noch heute schenkt er uns einen Neuanfang. Hören wir sein Klopfen? Machen wir auf!

Ihre Magstrauss


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