5. Dezember: Anno II. von Köln

Liebe Freunde,

heute gedenken wir gleich mehrerer Heiliger, doch im deutschen Sprachraum besonders des hl. Anno bzw. Hanno von Köln. Für seinen Gedenktag sind eigene Schriftlesungen vorgesehen. Wer war Anno?

Anno ist 1010 in Altsteußlingen bei Ehingen in Baden-Württemberg geboren und starb am 4. Dezember 1075 im nordrhein-westfälischen Siegburg. Er gehörte dem schwäbischen Adel an und schlug den geistlichen Weg ein. 1046 wurde er Hofkaplan am Hof des Kaisers Heinrich III. 1054 kam er als Stiftspropst nach Goslar. Wenige Jahre später wurde er zum Erzbischof von Köln ernannt, übernahm aber auch Erziehungsaufgaben am vierjährigen Kaiser Heinrich IV. der die Nachfolge seines Vaters in so jungen Jahren übernahm. Anno wurde einer der bedeutendsten Erzbischöfe von Köln und übernahm viele caritative Aufgaben. Er wurde in Intrigen hineingezogen, als es um den Einfluss der verwitweten Königsmutter sowie wenig später um ein Schisma mit mehreren Gegenpäpsten ging. Anno ist es zu verdanken, dass das Schisma auf den Synoden von Augburg 1062 und Mantua 1064 beendet werden konnte. Nachdem er von Erzbischof Adalbert von Hamburg-Bremen politisch abgedrängt wurde, konzentrierte er sich auf seine kirchlichen Aufgaben. Er gründete unter anderem die Klöster Siegburg, St. Pantaleon, Saalfeld und Grafschaft und führte die cluniazensische Reform durch, sobald er davon hörte. Ihm wurde die Eigenherrschaft über Kornelimünster bei Aachen übertragen, aber auch über Vilich und Malmedy. Er weihte mehrere Kirchen und erweiterte bereits bestehende. Im Zuge der päpstlichen Wirren legte er sich mit dem ein oder anderen Papst an, sorgte sich aber stets um die Einheit der Kirche. Anno starb 1075 in Siegburg und wurde bereits 1183 heiliggesprochen. Für seinen Leichnam ist der Annoschrein im Kloster Siegburg geschaffen worden. 2011 haben die Benediktiner die Abtei Siegburg aufgegeben, die nun von den Unbeschuhten Karmelitern bewohnt wird.

Anno war ein Hirte, der in wirren Zeiten Orientierung und Halt gab. Er zeigte die klare Linie auf, agierte zugleich mit Klugheit, um die Einheit der Kirche zu wahren. Beten wir heute auf seine Fürsprache für unsere Bischöfe, auf dass auch sie mit dieser Klarheit vorangehen und das Kirchenschiff sicher durch den Sturm lenken!

Im Evangelium seines Gedenktages heißt es:

Mt 23
8 Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder. 
9 Auch sollt ihr niemanden auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel. 
10 Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen; denn nur einer ist euer Lehrer, Christus. 
11 Der Größte von euch soll euer Diener sein. 
12 Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

Jesus sagt, dass seine Jünger sich nicht Rabbi oder Vater nennen lassen sollen. Was heißt das? Denn zugleich hat er sich ja von seinen Jüngern Rabbi nennen lassen und seinen Ziehvater Josef wird er auch Vater genannt haben. Jesus möchte seinen Jüngern sagen: „Ihr sollt euch nicht so nennen lassen, verlangt nicht diese Anrede.“ Sie sollen das nicht anstreben so wie die Pharisäer und Schriftgelehrten. Sie sollen nicht mit derselben Haltung ehrsüchtig sein, sondern sie sollen Demut haben. Nicht die Anrede selbst ist das Problem, sondern die Haltung und Absicht dahinter. Die Apostel sollen im Grunde so eingestellt sein wie König David. Er war König und doch hat er sein Königtum vom wahren König, Gott selbst, abhängig gemacht, sich dessen Königtum unterstellt. So soll das eigene Dasein als Rabbi sich vom eigentlichen und größten Rabbi definieren, Gott dem Lehrer und Geber der Gebote. Und auch als Vater soll man seine Vaterschaft von dem himmlischen Vater definieren. Als Lehrer soll man schließlich seine Gelehrsamkeit von dem eigentlichen Lehrer, Gott selbst, abhängig machen. So wird man immer demütig bleiben und nicht abheben. Darum geht es. David hat sich ja auch nicht geweigert, König genannt zu werden, aber er ist auf diese Weise auf dem Teppich geblieben. Das fasst Jesus auch zusammen, wenn er in Vers 11 damit schließt: „Der Größte von euch soll euer Diener sein.“ Das ist ein deutliches Wort für all jene, die heutzutage in der Kirche nach Macht streben und das Priestertum missverstehen, wie Jesus es in der von ihm gestifteten Kirche vorgesehen hat. Je höher die Vollmacht, desto demütiger soll der Bevollmächtigte sein.
„Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ Diese Umkehrung ist der Maßstab des Reiches Gottes. Was hier auf Erden erstrebenswert ist, nämlich die Anerkennung, die Macht und der Ruhm, sind nichtig vor Gott. Bei ihm sind erstrebenswerte Ziele die Demut, Einfachheit, Schlichtheit, das Dienen und der Gehorsam, allesamt unattraktive Einstellungen in heutiger Zeit.

Anno war ein richtiger Hirte. Er hat zwar, wie es in damaliger Zeit üblich war, sowohl kirchliche als auch politische Autorität ausgeübt, aber in allem den Willen Gottes gesucht, das Wohl der Menschen im Blick gehabt und sich nie über die Menschen als Despot erhoben. Möge er uns ein Vorbild sein gegen klerikalistische Auswüchse des Weihesakraments, auch wenn die heutigen Verhältnisse anders sind: Bischöfe sind keine Fürsten mehr, sondern allein für die geistliche Seite zuständig. Hl. Anno, bitte für uns!

Hier die Auslegung der Tageslesungen: https://magstrauss.com/2021/12/06/montag-der-zweiten-adventswoche-2/

Ihre Magstrauss

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