14. Dezember: Johannes vom Kreuz

Heute ist der Gedenktag von Johannes vom Kreuz, spanisch San Juan de la Cruz , ursprünglicher Name Juan de Yepes y Álvarekam. Er lebte von 1542 bis 1591 und wurde 1726 heiliggesprochen. Von seiner familiären Situation her erwartete man von ihm die Laufbahn eines armen Handwerkers, doch ihn interessierte vielmehr die Arbeit als Krankenpfleger, die er mit Hingabe im Spital von Medina del Campo ausführte. Um sich ein bisschen Bildung anzueignen, besuchte er als junger Krankenpfleger das örtliche Jesuitenkolleg. Im Jahr 1563 trat er – inzwischen 21 Jahre alt – in das Karmeliterkloster zu Medina del Campo ein. Da man hier sehr bald seine große Begabung erkannte, wurde Juan zum Theologie- und Philosophiestudium nach Salamanca geschickt. 1568 wurde er zum Priester geweiht. Er bedauerte die großen Verfallserscheinungen in seinem Orden, weshalb dessen Reform ihm zu einem großen Anliegen wurde. Es ging ihm darum, zur ursprünglichen Strenge des Ordens zurück zu kommen. Er eröffnete in Duruelo das erste Kloster der Unbeschuhten Karmeliter, was zu großen Spannungen innerhalb des Ordens führte. Wie Teresa von Ávila, die das selbe Ziel verfolgte, stieß er auf großen Widerstand, wurde sogar festgenommen und misshandelt. Er wurde 1576 und 1577 nochmal inhaftiert. In dieser Zeit schrieb er einige seiner schönsten Gedichte. 1578 floh er aus der Haft. Von 1585 bis 1587 war er Provinzvikar von Andalusien, hatte immer wieder Probleme mit missgünstigen Personen und zog sich irgendwann in die absolute Einsamkeit zurück. Erst nach seinem Tod wurde die Bedeutung des großen Theologen erkannt, dessen Pläne man auf so kurzsichtige Weise hintertrieben hatte. Seine bekanntesten Werke, die er in besonders dunklen Zeiten seines Lebens verfasste, sind Aufstieg auf den Berg Karmel, Die Dunkle Nacht, Geistlicher Gesang und Lebendige Liebesflamme.

In „Noche oscura“, Dunkle Nacht, seinem bekanntesten Werk, beschreibt er den Prozess, durch den die Seele ihre Anhaftung an alles ablegt und schließlich eine persönliche Erfahrung der Kreuzigung Christi zu seiner Herrlichkeit durchläuft. Es geht wie in vielen anderen Werken des Johannes um die Vereinigung der Seele mit Gott. Der Text besteht aus acht Strophen, „in denen die Seele von dem glücklichen Abenteuer singt, das sie hatte, als sie durch die dunkle Nacht des Glaubens ging … zur Vereinigung mit dem Geliebten.“ Johannes schreibt diesen Text 1578, als er im Gefängnis sitzt, bevor ihm schließlich die Flucht gelingt. Es gibt viele Überlieferungen über Johannes und Teresa, die eine tiefe Freundschaft, ja eine geistliche Verwandtschaft verband, wie man es selten bei Menschen erlebt. Sie waren wirklich Geschwister in der Familie Gottes, die gemeinsam im Austausch waren, aber auch gemeinsam geistliche Erfahrungen gemacht haben. Es soll zum Beispiel passiert sein, dass die beiden bis unter die Decke der Kirche levitiert waren, in der sie sich aufhielten. Legt man ihre mystischen Schriften nebeneinander, steht einem die geistliche Nähe ganz besonders vor Augen. Johannes vom Kreuz verdanken wir vor allem die Sicht auf das Leiden. Oft hört man den Vorwurf, dass Mystiker ganz zurückgezogen in ihrer eigenen Welt leben, ja der realen Welt entfliehen. Das ist nicht wahr. Gerade am heutigen Heiligen sehen wir, dass Mystiker mittendrin sind, so innig und mit so einem klaren Durchblick wie kaum ein anderer Mensch. Johannes zeigt uns einen furchtlosen und konfrontativen Umgang mit dem Leiden. Er zeigt uns, wie wir im Leiden Christus besonders nahe sein können.

Ich empfehle diesen Artikel, der in der Tagespost erschienen ist: https://www.die-tagespost.de/kirche/aktuell/gott-will-uns-befreien-art-234151

Johannes ist ein großer Heiliger der Kirche. Es gibt in der Liturgie des 14. Dezember eigene Lesungen. Schauen wir uns das Evangelium an:

Lk 14
25 Viele Menschen begleiteten ihn; da wandte er sich an sie und sagte:

26 Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein.
27 Wer nicht sein Kreuz trägt und hinter mir hergeht, der kann nicht mein Jünger sein.
28 Denn wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und berechnet die Kosten, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen?
29 Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertigstellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten
30 und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen.
31 Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt?
32 Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden.
33 Ebenso kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.

Im Evangelium ist Jesus von vielen Menschen umgeben und beginnt zu sprechen:
„Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein.“ Das klingt sehr provokativ, umso mehr, wenn man das griechische Wort wörtlich übersetzt mit „hassen“. Wie passt das mit dem vierten Gebot und dem Nächstenliebegebot zusammen? Dieses Geringachten meint nicht, dass Christen ihre Familien nicht mehr lieben oder verachten sollen. Genau dasselbe Missverständnis kommt auf, wenn man Jesu Worte gegenüber Maria oberflächlich versteht. Jesus meint hier vielmehr eine Hierarchie oder Priorisierung. Wer Jünger Jesu Christi sein will, muss Jesus an die erste Stelle setzen. Er ist die Nummer eins in unserem Leben. Erst dann kommt die Familie, kommen die Freunde etc. Das heißt wiederum nicht, dass Jesus die ganze Liebe abbekommt, sodass man die anderen nur noch halbherzig lieben soll. Im Gegenteil. Dadurch dass man zuerst Gott liebt und in dieser Liebesgemeinschaft aus der Liebesquelle schlechthin schöpft, empfängt man ein überwältigendes Potenzial, den Nächsten zu lieben, also die Familie, die Freunde etc. Aus der Liebe zu Gott heraus können wir unseren Nächsten heroisch lieben!
Wenn es aber zur Entscheidung kommt zwischen Christus und der eigenen Familie, aus der man stammt, soll man sich für Christus entscheiden. Wenn dieser jemanden zu einem geistlichen Beruf ruft, soll er ihm folgen und dem Reich Gottes zuliebe die Familie verlassen. Dann ist es nämlich eine „Ehe“ übernatürlicher Art. Man bindet sich ganz an Christus und seine Kirche. Und wir wissen aus Gen 2, dass die Bindung mit der Braut erst nach Ablösung vom Elternhaus geschieht. Wir merken, dass dieses Evangelium zu einem Ordensmann wie Johannes vom Kreuz sehr gut passt. Er lebte die Nächstenliebe mit so einer Leidenschaft schon im Spital von Medina del Campo, weil er so von der Liebe Gottes erfüllt war. Er hat verstanden, dass die menschlichen Kapazitäten beschränkt sind, weshalb es umso wichtiger ist, sich die übernatürliche Liebe Gottes schenken zu lassen.
Warum sagt Jesus das alles? Er möchte, dass die Jünger ihr gesamtes Dasein auf Christus aufbauen, der ihr Fels ist. Wie können sie seine Jünger sein, wenn sie nicht ihr ganzes Leben nach ihm ausrichten? Für sie gilt die Priorisierung besonders stark, weil sie um des Himmelreiches willen auf eine eigene Familie verzichten sollen.
Dass es ein schwerer Weg ist, verschweigt Jesus den Menschen auch nicht, denn er sagt, dass man in seiner Nachfolge ein Kreuz tragen muss. Dieses Bild kennen die Menschen ganz genau, denn die Römer richteten die Schwerverbrecher auf diese schändliche Weise hin. Sie ließen die Verurteilten mit ihrem Hinrichtungs-Instrument noch die gesamte Strecke durch die Stadt bis vor die Tore laufen, damit die Bewohner sie verspotten konnten. Es war also ein Weg der Schande, den die Jünger erwarten durften und auch heute dürfen, weil die Welt Christus weder erkennt noch die göttliche Weisheit begreift.
Jesus erklärt anhand von Gleichnissen, was er sagen möchte: Wenn man einen Turm bauen will, berechnet man ja auch zuerst die Kosten und plant alles sorgfältig, sodass mittendrin nicht die Mittel ausgehen und man von den anderen über den halbfertigen Turm ausgelacht wird.
Ebenso zieht man ja nicht in den Krieg, ohne zu überlegen, mit wie viel Soldaten man loszieht, und ohne auszukundschaften, wie groß das Heer des Gegners ist. Sonst muss man ja sofort kapitulieren und um Frieden bitten.
Mithilfe dieser Bilder möchte Jesus verdeutlichen: Ihr könnt nicht aufbrechen, um meine Jünger zu sein, wenn ihr nicht zuvor die Bereitschaft habt, alles mir zuliebe zu verlassen und jedes notwendige Opfer um des Himmelreiches willen zu bringen. Wer nicht Christus als sein Fundament legt, dessen Evangelisierung ist zum Scheitern verurteilt. Was will man denn verkünden, wenn der Verkündete nicht die Mitte des eigenen Lebens darstellt? Wenn man nicht aus dessen Liebesquelle schöpft? Dann gehen einem mittendrin die Kapazitäten aus und das macht die ganze Verkündigung unauthentisch. Wir fühlen uns nun hoffentlich alle ertappt und denken an den heutigen Zustand der Kirche….wo Christus nicht mehr die Mitte der Verkündigung ist, ist es keine Verkündigung mehr. Sie bringt den Menschen nicht mehr zum Glauben, sie berührt nicht mehr die Herzen. Sie ist unfruchtbar. So sind die beiden Gleichnisse ganz bewusst gewählt. Es geht um den Bau, der die Kirche ist. Dieser Bau ist zum Einsturz vorprogrammiert, wenn Christus nicht das starke Fundament ist. Die Mittel, den Turm fertig zu bauen, erlangen die Jünger durch die Gaben Gottes, ganz besonders die Weisheit. Aus eigener Kraft gehen die Mittel schnell aus. Das Bild des Krieges ist auf die kämpfende Kirche hier auf Erden zu beziehen, die gegen die Nachstellungen des Teufels kämpft und die geistlichen Angriffe stets abwehren muss. Mit Christus als Feldheer, vor allem mit der Waffe, die er seinen Jüngern hinterlässt, kann man gegen das feindliche Heer siegen, ansonsten ist die Niederlage vorprogrammiert. Seine Waffe ist das Wort Gottes. Johannes vom Kreuz hat am eigenen Leib erfahren, wie schmerzhaft die Nachfolge Christi ist. Er hat die dunkle Nacht durchlebt und fühlte sich dem Herrn darin so nahe wie nirgendwo sonst. Er hat uns eine tiefe Leidensmystik hinterlassen, wie kaum ein anderer. Möge er Fürsprache einlegen beim Herrn für die ganze Kirche, die gerade in einen Sturm geraten ist und viele Leiden erfährt. Johannes stehe für uns ein, die wir Christus nachfolgen möchten in der Konsequenz, die Christus selbst von uns ursprünglich erwartet, und dafür leiden müssen. Lernen wir mit Johannes, das Kreuz zu umarmen, das unser Weg ins Himmelreich ist.

Hl. Johannes, bitte für uns!

Hier die Tageslesungen: https://magstrauss.com/2021/12/15/mittwoch-der-dritten-adventswoche-2/

Ihre Magstrauss

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