3. Januar: Heiligster Name Jesu

Heute feiern wir den heiligsten Namen Jesu. Er steht an der Spitze all unserer Unternehmungen, wie Kaiser Justinian in seinem Gesetzbuch sagt: „Im Namen unseres Herrn Jesus beginnen wir alle unsere Beratungen“. Der Name Jesu, der mit Vertrauen angerufen wird, bringt Hilfe in leiblichen Nöten, gemäß der Verheißung Christi: „In meinem Namen werden sie Schlangen aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nicht schaden; sie werden den Kranken die Hände auflegen, und sie werden gesund werden“. (Mk 16,17-18) Im Namen Jesu gaben die Apostel den Lahmen Kraft (Apg 3,6; 9,34) und den Toten Leben (Apg 9,40). Er spendet Trost in geistlichen Prüfungen. Der Name Jesus erinnert den Sünder an den Vater des verlorenen Sohnes und an den barmherzigen Samariter; er erinnert den Gerechten an das Leiden und den Tod des unschuldigen Lammes Gottes. Er schützt uns vor Satan und seinen Machenschaften, denn der Teufel fürchtet den Namen Jesu, der ihn am Kreuz besiegt hat. Im Namen Jesu erlangen wir jeden Segen und jede Gnade für Zeit und Ewigkeit, denn Christus hat gesagt: „Wenn ihr den Vater um etwas in meinem Namen bittet, wird er es euch geben.“ (Joh 16,23) Deshalb schließt die Kirche alle ihre Gebete mit den Worten: „Durch unseren Herrn Jesus Christus“, usw. So erfüllt sich das Wort des heiligen Paulus: „In dem Namen Jesu beuge jedes Knie, das im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ist“ (Phil 2,10).
Die Namensgebung war in den semitischen Kulturen sehr wichtig, da sie die Aufgabe unterstrich, zu der eine Person berufen war. In Israel wurde der Name bei der Beschneidung vergeben, also in dem Moment, in dem das Kind in die Nachkommenschaft Abrahams aufgenommen wurde. So war es auch bei Jesus, acht Tage nach seiner Geburt (vgl. Lk 2,21). Gott teilt Josef durch den Engel den Namen mit, den er dem Sohn Marias geben soll: Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen (Mt 1,21). Heute feiern wir das Fest zu Ehren des heiligsten Namens des Herrn. Die Antiphon der Messe fasst den Sinn des Festes gut zusammen, wenn sie uns auffordert, das Kind, das wir in diesen Tagen in der Krippe betrachten, ehrfürchtig anzubeten. Einige besonders herausragende Personen der Heilsgeschichte haben ihren Namen von Gott als Symbol für die ihnen anvertraute Aufgabe ändern lassen. So geschah es zum Beispiel mit Abram, der Abraham genannt wurde, weil er der Vater einer Vielzahl von Völkern sein sollte; Jakob erhielt den Namen Israel, weil er mit Gott gerungen und gesiegt hatte; und Simon, den Jesus Christus selbst Kephas ‒ Petrus ‒ nennen wird, weil er der Fels sein wird, auf den die Kirche gebaut werden wird. Im Fall von Jesus hat Gott selbst eingegriffen, damit der Name des fleischgewordenen Wortes genau die erlösende Mission bezeichnet, die er zu erfüllen gekommen ist: „Jahwe rettet“. Dein Name [ist] hingegossenes Salböl (Hl 1,3), heißt es im Hohelied, das sich auf den Bräutigam bezieht. Der Name Jesu ist in der Tat wie ein Duft, der sich im ganzen Haus ausbreitet. Bernhard von Clairvaux führt diesen Vergleich fort und stellt fest, dass das Öl drei Eigenschaften besitzt, die sich auf den Namen Jesu übertragen lassen: Wie das Öl Licht, Nahrung und Medizin ist, so leuchtet der liebliche Name Jesu, wenn er gepredigt wird, nährt, wenn er gegessen wird, salbt und lindert die Übel, wenn er angerufen wird. Zunächst einmal ist Jesus ein Licht, das inmitten der Dunkelheit leuchtet, ein Glanz, den wir in unserem Verhalten ausstrahlen wollen. Um dieses Licht von Christus zu empfangen, müssen wir die Augen der Seele öffnen und sie mit der Augensalbe der Sakramente reinigen In der heutigen Liturgie beten wir: Herr, unser Herr, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde! (Ps 8,2).

Ein besonderer Liebhaber des heiligen Namens war der heilige Bernhard, der in vielen seiner Predigten in glühendem Ton davon spricht. Aber die größten Förderer dieser Verehrung waren der heilige Bernhardin von Siena und der heilige Johannes von Capistrano. Sie führten bei ihren Missionen in den unruhigen Städten Italiens eine Kopie des Monogramms des Heiligen Namens, umgeben von Strahlen, auf einer Holztafel mit sich, mit der sie die Kranken segneten und große Wunder vollbrachten. Am Ende ihrer Predigten zeigten sie den Gläubigen dieses Emblem und forderten sie auf, sich niederzuwerfen, um den Erlöser der Menschheit anzubeten. Sie empfahlen ihren Zuhörern, das Monogramm Jesu über den Toren ihrer Städte und über den Türen ihrer Wohnungen anbringen zu lassen. Weil die Art und Weise, wie der heilige Bernhardin diese Verehrung predigte, neu war, wurde er von seinen Feinden angeklagt und vor das Tribunal von Papst Martin V. gestellt. Doch der heilige Johannes verteidigte seinen Meister so erfolgreich, dass der Papst nicht nur die Verehrung des Heiligen Namens erlaubte, sondern auch an einer Prozession teilnahm, bei der das heilige Monogramm getragen wurde. Die vom heiligen Bernhardin verwendete Tafel wird in Santa Maria in Ara Coeli in Rom verehrt.

Das Emblem oder Monogramm, das den Heiligen Namen Jesu darstellt, besteht aus den drei Buchstaben: IHS. Im Mittelalter wurde der Name Jesu wie folgt geschrieben: IHESUS, angelehnt an die griechische Schreibweise. Das Monogramm enthält den ersten und den letzten Buchstaben des Heiligen Namens. Es findet sich erstmals auf einer Goldmünze aus dem achten Jahrhundert: DN IHS CHS REX REGNANTIUM (Der Herr Jesus Christus, König der Könige). Manche meinen fälschlicherweise, die drei Buchstaben seien die Initialen von: „Jesus Hominum Salvator“ (Jesus, der Retter der Menschen). Die Jesuiten machten dieses Monogramm zum Emblem ihrer Gesellschaft und fügten ein Kreuz über dem H und drei Nägel darunter hinzu. Infolgedessen wurde eine neue Erklärung des Emblems erfunden, die vorgibt, dass die Nägel ursprünglich ein „V“ waren und dass das Monogramm für „In Hoc Signo Vinces“ (In diesem Zeichen wirst du siegen) steht, die Worte, die Konstantin einer Legende zufolge vor der Schlacht an der Milvischen Brücke (312) im Zeichen des Kreuzes am Himmel gesehen hat. Urban IV. und Johannes XXII. sollen denjenigen einen Ablass von dreißig Tagen gewährt haben, die dem Ave Maria den Namen Jesu beifügten oder die Knie beugten oder zumindest den Kopf neigten, wenn sie den Namen Jesu hörten. Diese Behauptung mag wahr sein, doch erst durch die Bemühungen des heiligen Bernhardin wurde der Brauch, dem Ave Maria den Namen Jesu hinzuzufügen, in Italien und von dort aus in der Weltkirche verbreitet. Sixtus V. und Benedikt XIII. gewährten allen, die den Namen Jesu ehrfürchtig aussprechen, einen Ablass von fünfzig Tagen und einen vollkommenen Ablass in der Todesstunde. Diese beiden Ablässe wurden von Clemens XIII. am 5. September 1759 bestätigt. So oft man den Namen Jesu und Marias anruft, kann man einen Ablass von 300 Tagen erlangen (Dekret von Pius X., 10. Oktober 1904). Um den päpstlichen Ablass in der Sterbestunde zu erlangen, ist es auch notwendig, den Namen Jesu zumindest in Gedanken auszusprechen.

Als Evangelium ist für den heiligsten Namen Jesu vorgesehen:

Lk 2
21 Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, bevor das Kind im Mutterleib empfangen war.
22 Als sich für sie die Tage der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung erfüllt hatten, brachten sie das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn darzustellen, 
23 wie im Gesetz des Herrn geschrieben ist: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn heilig genannt werden. 
24 Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben. 

Wir hören davon, wie Jesus ganz nach dem Gesetz beschnitten wird, dadurch den Alten Bund eingeht und als Sohn Abrahams durch seinen gesetzlichen Vater seinen Namen „Jesus“ erhält. Gehorsam nennt Josef den Namen, den der Engel ihm vorgegeben hat. Am vierzigsten Tag nach der Geburt Jesu geht die heilige Familie dann zum Tempel nach Jerusalem, um weitere Gebote einzuhalten:
Erstens soll jeder erstgeborene Sohn und jedes erstgeborene Vieh, jede Erstlingsfrucht immer Gott zurückgegeben werden (Ex 13,2.12). Es soll als Zeichen der Dankbarkeit dem zurückgegeben werden, der es einem geschenkt hat. Den erstgeborenen Sohn kann man aber nicht darbringen wie das Vieh, denn Kinderopfer sind strengstens verboten. So wird stellvertretend für die Söhne ein Tier geopfert. Wer es sich leisten konnte, opferte ein Lamm, ärmere Familien opferten ein Paar Tauben. Maria und Josef waren nicht so reich, also brachten sie zwei Tauben dar.
Das zweite Gesetz ist die Reinigung Mariens nach der Geburt ihres Sohnes. Es meint keine hygienische Reinigung, sondern eine kultische. Das Gesetz bezieht sich auf Lev 12, wo die Wiedereingliederung der Frau in den Kult nach 40 Tagen geschehen soll. Diese Zahl hat eine tiefere Bedeutung, denn wie die Sintflut ohne Pause 40 Tage lang Regen auf die Erde fallen ließ, so muss auch Maria, die Arche des Neuen Bundes diese 40 Tage sühnen „wegen des vergossenen Blutes“ (Lev 12,5). Die Verbindung zur Sintflut wird dadurch hergestellt, dass laut Levitikus die Wiedereingliederung durch ein einjähriges Schaf oder durch ein Paar Tauben für Brand- und Sündopfer vollzogen wird. Auch bei der Sintflut kennzeichnet die Taube einen Neubeginn.
Maria wird gereinigt – es erfüllt sich die Verheißung aus dem Buch Maleachi. Sie trägt in sich das Blut der Stämme Juda und Levi. Sie ist biologisch gesehen priesterlich und königlich, da sie Davididin ist und zugleich levitisches Blut hat. Sie wird gereinigt, damit ihr Opfer Gott gefalle.

Ich erinnere zum Schluss noch an ein Märchen, das zeigt, wie wirkungsvoll der eigene Name ist und keinesfalls willkürlich oder unwichtig: Rumpelstilzchen. In dem Märchen wird der Erpresser dadurch entmachtet, dass sein Name bekannt wird und er mit diesem konfrontiert wird. Es ist gleichsam eine märchenhafte Veranschaulichung, was bei einem Exorzismus wichtig ist: den Namen des Dämons herauszufinden, um ihn bannen zu können. Gott benennt, so auch Adam im Garten, als Gott ihm die Tiere zuführt. Namensgebung ist also auch ordnend. Denken wir heute nicht nur an den heiligsten Namen Jesu, der so kraftvoll ist und alles erwirkt. Denken wir auch an die Wichtigkeit unseres eigenen Namens, der nicht nur unsere Identität ausdrückt, sondern Programm und Berufung ist.

Ihre Magstrauss

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