Montag der 6. Osterwoche

Apg 16,11-15; Ps 149,1-2.3-4.5-6au. 9b; Joh 15,26 – 16,4a

Apg 16
11 So brachen wir von Troas auf und fuhren auf dem kürzesten Weg nach Samothrake und am folgenden Tag nach Neapolis.
12 Von dort gingen wir nach Philippi, eine führende Stadt des Bezirks von Mazedonien, eine Kolonie. In dieser Stadt hielten wir uns einige Tage auf.
13 Am Sabbat gingen wir durch das Stadttor hinaus an den Fluss, wo wir eine Gebetsstätte vermuteten. Wir setzten uns und sprachen zu den Frauen, die sich eingefunden hatten.
14 Eine Frau namens Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; sie war eine Gottesfürchtige und der Herr öffnete ihr das Herz, sodass sie den Worten des Paulus aufmerksam lauschte.
15 Als sie und alle, die zu ihrem Haus gehörten, getauft waren, bat sie: Wenn ihr wirklich meint, dass ich zum Glauben an den Herrn gefunden habe, kommt in mein Haus und bleibt da. Und sie drängte uns.

Am Samstag endete die Lesung damit, dass Paulus einen Traum von Gott erhielt, in dem ein Mazedonier ihn um Hilfe bat. Nach ihrer Arbeit in Troas macht Paulus sich mit seinem Gefolge auf den Weg nach Samothrake, um von dort nach Neapolis und Philippi zu kommen. Diese Stadt ist ein wichtiger Ort in Mazedonien und so bleiben sie dort mehrere Tage. Am Sabbat geht Paulus mit seinem Gefolge (Lukas der Autor bezieht sich an dieser Stelle durch das „wir“ wieder mit ein!) an den Fluss. Dort scheint es eine jüdische Gebetsstätte zu geben, wo sie predigen. Die Gottesfürchtige und Purpurhänderlin Lydia hört aufmerksam und mit offenem Herzen das Evangelium Jesu Christi. Das ist eine optimale Voraussetzung und so kommt sie zum Glauben an Christus zusammen mit ihrem ganzen Haus. Das bedeutet, dass ihre Familie und ihre Sklaven sich alle taufen lassen. Sie drängt die Missionare, bei ihr unterzukommen und weil sie so fest darauf besteht, gehen sie mit.
Die heutige Missionspredigt zeigt die Evangelisierung allein von Frauen. Das ist sehr besonders, denn eine reine Frauengruppe ist uns in den Missionsberichten bisher noch nicht untergekommen.
Lydia kommt aus Thyatira, einer lydischen Stadt im Lykostal und einer der Städte der Johannesoffenbarung. Thyatira war für den Tuchhandel und die Purpurfärberei berühmt und machte ein riesiges Geschäft in dem Bereich. Anscheinend wird auch Export betrieben, sodass Lydia auch in Makedonien erfolgreich ist. Es wird sich um eine sehr reiche Frau handeln. Sie ist Gottesfürchtige, das heißt eine Heidin mit Sympathie für das Judentum, die zwar jüdische Ethik und Gebetsleben praktiziert, doch den letzten Schritt zum Judentum nicht wagt. Solche Gottesfürchtigen kommen bei den Missionsreisen des Paulus immer wieder zum Glauben an Jesus Christus. Für sie ist es eine ideale Lösung: Die jüdische Ethik ist auch der Kern der Botschaft Jesu, der die Gottesgebote mit seiner Person erfüllt. Doch die Beschneidung und die ganzen Ritualgebote fordert er nicht mehr. Stattdessen betont er die Herzensreinheit und die Taufe als Heilsnotwendigkeit.

Ps 149
1 Halleluja! Singt dem HERRN ein neues Lied, sein Lob in der Versammlung der Frommen!
2 Israel soll sich freuen über seinen Schöpfer, die Kinder Zions sollen jubeln über ihren König.
3 Seinen Namen sollen sie loben mit Reigentanz, mit Trommel und Leier ihm spielen.
4 Denn der HERR hat an seinem Volk Gefallen, er krönt die Gebeugten mit Rettung.
5 In Herrlichkeit sollen die Frommen frohlocken, sie sollen jauchzen auf ihren Lagern,
6 Hochgesänge auf Gott in ihrer Kehle

9 Lichtglanz ist das all seinen Frommen. Halleluja!

Als Antwort auf die gläubig gewordenen Frauen Philippis beten wir heute einen Lobpreispsalm mit dem Titel „Das neue Lied von der Königsherrschaft Gottes durch Israel“.
Halleluja ist ein Ausruf, der mit „Preist Jahwe“ übersetzt wird. Es handelt sich zu Anfang also wieder um eine typische Lobaufforderung. Diese Art von Lob steht zu Anfang dieses Psalms, weil er zu der Psalmengruppe des Schlusshallels gehört, bei dem am Anfang immer Halleluja steht.
Weil wieder eine Gruppe zum Lob aufgefordert wird und nicht eine Einzelperson, wirkt der Psalm sehr liturgisch. Dies wird uns auch durch die „Versammlung der Frommen“ deutlich. Mit Blick auf die Lesung sehen wir die Frauen am Fluss von Philippi vor uns, die ihre Herzen ganz weit machen und ihre Ohren spitzen, um alles in sich aufzunehmen, was Paulus erzählt. Diese Empfänglichkeit ist sehr vorbildlich und hat schon Maria auf vollkommene Weise gelebt. Die Mutter Gottes hat alle Geschehnisse, alle Worte und Taten Jesu, die ganzen Umstände immer in ihrem Herzen aufbewahrt und darüber nachgedacht. Der Grad ihrer Empfängnis war so hoch, dass Gott in ihr Fleisch angenommen hat. Und diese Frauen hier sind ebenfalls empfänglich, sodass Gott durch die Taufe in ihnen Wohnung nehmen möchte, die so zu seinem Tempel „eingeweiht“ werden.
„Israel soll sich freuen über seinen Schöpfer, die Kinder Zions sollen jubeln über ihren König.“ Israels Kinder wie Paulus und Silas dürfen sich wirklich freuen über die Offenheit der Menschen auf der Missionsreise, über die Hinzufügung der Heiden zum Volk Gottes. Sie sollen Gott loben mit „Reigentanz und instrumentaler Begleitung.“ Psalm 149 vermittelt den Eindruck, dass die Juden sich für die gläubig gewordenen Heiden freuen sollen. Dies werden sie auch durch die Einbeziehung von Gottesfürchtigen und Proselyten umgesetzt haben. Doch es geht noch weiter: Die Gottesfürchtigen und die Juden verbindet nun die eine Taufe zur Vergebung der Sünden! Jesus Christus begründet den Neuen Bund, der nun nicht mehr auf biologischer Abstammung basiert, sondern auf der neuen Schöpfung.
„Jauchzen auf ihren Lagern“ zeigt uns, dass die Juden sich nicht nur am Tag, sondern auch in der Nacht freuen und Gott für diese große Barmherzigkeit zu jeder Zeit danken sollen. Immer sei ein Lobgesang in ihrer Kehle. Diese ist mehr als nur ein Teil des Körpers. Mit „Kehle“ ist viel mehr gemeint, denn ursprünglich ist auch die Nephesch als Kehle gedacht worden, durch die der Atem ein- und ausgeht. Deshalb lechzt auch die Seele im Psalmenkontext oft nach Wasser, als ob sie im Mund oder in der Kehle sitzen würde. Den Lobgesang in der Kehle zu haben, heißt also nicht nur die ständige Bereitschaft zum Singen, sondern auch den Lobpreis im „Herzen“, das heißt in der Seele. Dieser Lobpreis ist den Frommen „Lichtglanz“, das heißt Pracht und Schönheit, die sie schmückt.
Der Psalm endet mit dem wiederholten Halleluja, für den er bekannt ist.

Joh 15
26 Wenn aber der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich ablegen.

27 Und auch ihr legt Zeugnis ab, weil ihr von Anfang an bei mir seid.
1 Das habe ich euch gesagt, damit ihr keinen Anstoß nehmt.
2 Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen, ja es kommt die Stunde, in der jeder, der euch tötet, meint, Gott einen heiligen Dienst zu leisten.
3 Das werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich erkannt haben.
4 Ich habe es euch aber gesagt, damit ihr euch, wenn die Stunde kommt, daran erinnert, dass ich es euch gesagt habe.

Heute hören wir im Evangelium den Abschluss der zweiten und den Beginn der dritten Abschlussrede. Jesus spricht wieder vom Parakleten, dem Heiligen Geist als Beistand, den Christus vom Vater senden wird. Dieser Geist der Wahrheit, wie Jesus es zuletzt erklärt hat, wird Christus bezeugen. Dies wird er dadurch tun, dass er einerseits den Jüngern die Augen öffnen, andererseits durch sie die Heilstaten Christi wirken wird. Da Gott die Apostel als seine Werkzeuge gebrauchen wird, werden auch sie Zeugen Christi sein. Sie haben Jesus drei Jahre lang begleitet und alles gesehen und gehört. Sie sind wirklich authentische Zeugen für das Evangelium.
Jesus spricht diese Worte, damit sie keinen Anstoß nehmen. Das Wort σκανδαλισθῆτε skandalisthete heißt eigentlich „Anstoß nehmen“, steht hier aber im Passiv. Als Passivform müsste man viel mehr übersetzen mit „Anlass zum Anstoß geben“ oder sogar „stolpern“. Jesus sagt ihnen den Beistand zu, damit sie auf dem Weg in die Ewigkeit nicht straucheln. Sie sollen standhaftig bis zum Schluss sein. Er kündigt die Widerstände an, mit denen die Apostel für das Evangelium rechnen müssen: mit dem Ausschluss aus der Synagoge und dem Martyrium. Er erklärt ihnen, dass die Juden das mit ihnen tun werden, weil sie es gut meinen. So sollen die Apostel darauf vorbereitet werden, dass sie wie er dann am Kreuz beten können: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Sie werden den Christen gegenüber so feindselig sein, weil sie die Wahrheit nicht erkannt haben. So sollen die Apostel nicht mit Gegenhass antworten, sondern Mitleid haben mit jenen. Sie sollen für sie beten und ihr Leiden für eben jene aufopfern.
Jesus sagt ihnen zum Schluss, dass er all das zu ihnen sagt, damit sie sich dann zu gegebener Zeit daran erinnern werden. Wir wissen auch, wie sie sich erinnern werden – durch die Eingebung des Heiligen Geistes.
Dass sie diese Worte beherzigen werden, sehen wir z.B. am Märtyrer Stephanus. Dieser Diakon hat in seinem Sterben für seine Steiniger gebetet: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!“ (Apg 7,60).

Beten wir heute um diese Liebe, so heroisch auf den Hass der Mitmenschen zu reagieren, auch gerade in den kleinen Dingen und Situationen: wenn uns jemand demütigt und schikaniert, wenn jemand zynische Bemerkungen uns gegenüber macht oder uns auslacht. Wenn jemand uns bedroht und einzuschüchtern versucht. Bezeugen auch wir dann Christus gemeinsam mit dem Heiligen Geist und überlassen wir das Richten dann dem Vater. Unser unerwartetes Verhalten wird den Anderen verändern, das kann ich Ihnen versprechen!

Ihre Magstrauss

Mittwoch der 5. Woche der Fastenzeit

Dan 3,14-21.49.91-92.95; Dan 3,52.53.54.55.56; Joh 8,31-42

Dan 3
14 Nebukadnezzar sagte zu ihnen: Ist es wahr, Schadrach, Meschach und Abed-Nego: Meinen Göttern dient ihr nicht und das goldene Standbild, das ich errichtet habe, verehrt ihr nicht?
15 Nun, wenn ihr bereit seid, sobald ihr den Klang der Hörner, Pfeifen und Zithern, der Harfen, Lauten und Sackpfeifen und aller anderen Instrumente hört, sofort niederzufallen und das Standbild zu verehren, das ich habe machen lassen, ist es gut; verehrt ihr es aber nicht, dann werdet ihr noch zur selben Stunde in den glühenden Feuerofen geworfen. Wer ist der Gott, der euch retten könnte aus meiner Hand?
16 Schadrach, Meschach und Abed-Nego erwiderten dem König Nebukadnezzar: Wir haben es nicht nötig, dir darauf zu antworten:
17 Siehe, unser Gott, dem wir dienen, er kann uns retten. Aus dem glühenden Feuerofen und aus deiner Hand, König, wird er uns retten.
18 Und wenn nicht, so sei dir, König, kundgetan, dass wir deinen Göttern nicht dienen und das goldene Standbild, das du errichtet hast, nicht verehren.
19 Da wurde Nebukadnezzar wütend; sein Gesicht verzerrte sich vor Zorn über Schadrach, Meschach und Abed-Nego. Er ließ den Ofen siebenmal stärker heizen, als man ihn gewöhnlich heizte.
20 Dann befahl er, einige der stärksten Männer aus seinem Heer sollten Schadrach, Meschach und Abed-Nego fesseln und in den glühenden Feuerofen werfen.
21 Da wurden die Männer, wie sie waren – in ihren Mänteln, Röcken und Mützen und den übrigen Kleidungsstücken – gefesselt und in den glühenden Feuerofen geworfen.
49 Aber der Engel des HERRN war zusammen mit Asarja und seinen Gefährten in den Ofen hinabgestiegen. Er trieb die Flammen des Feuers aus dem Ofen hinaus
91 Da erschrak der König Nebukadnezzar; er sprang auf und fragte seine Räte: Haben wir nicht drei Männer gefesselt ins Feuer geworfen? Sie gaben dem König zur Antwort: Gewiss, König!
92 Er erwiderte: Ich sehe aber vier Männer frei im Feuer umhergehen. Sie sind unversehrt und der vierte sieht aus wie ein Göttersohn.
95 Da rief Nebukadnezzar aus: Gepriesen sei der Gott Schadrachs, Meschachs und Abed-Negos. Denn er hat seinen Engel gesandt und seine Diener gerettet. Im Vertrauen auf ihn haben sie lieber den Befehl des Königs missachtet und ihr Leben dahingegeben, als dass sie irgendeinen anderen als ihren eigenen Gott verehrten und anbeteten.

Heute hören wir aus dem Buch Daniel davon, wie die Freunde Daniels verbrannt werden sollen. Das ganze Geschehen findet zur Zeit des babylonischen Exils statt. Der Babylonierkönig Nebukadnezzar hat ein Standbild anfertigen lassen und erwartet von allen Bewohnern seines Reiches dessen uneingeschränkte Anbetung. Er erwartet dies auch von den dort lebenden Juden. So wird ihm schnell zugetragen, als die Freunde Daniels Schadrach Meschach und Abed-Nego seinem Befehl nicht Folge leisten, auch die babylonischen Götter nicht verehren.
So werden sie ihm vorgeführt und er stellt sie vor die Wahl: Entweder sie führen beim Schall der Anbetungsmusik die Proskynese vor dem Standbild aus oder sie müssen im glühenden Feuerofen sterben.
Ohne zu zögern erwidern die drei Männer dem König, dass ihr Gott sie aus der Hand des Königs und aus dem Feuerofen erretten werde, wenn es sein Wille ist. Andernfalls sei es ein Zeichen für den König, dass das Sterben besser sei als der Hochverrat an ihrem Gott.
Nebukadnezzar wird wütend und lässt den Ofen übermäßig stark heizen, nämlich siebenmal stärker als sonst. Dann werden die drei Männer komplett bekleidet in den Ofen geworfen, wo sie aber nicht verbrennen, sondern frei umhergehen. Auch sieht der König über die drei Männer hinaus noch eine Engelsgestalt im Ofen („sieht aus wie ein Göttersohn“). Wir müssen es uns so denken, dass Gott den Männern einen beistehenden Engel gesandt hat, der sie in dieser Notlage unterstützt. So ist der Herr. Wenn wir ihm zuliebe unseren Kopf hinhalten, dann lässt er uns nicht im Stich, sondern gibt uns die Kraft durchzuhalten.
Dieses Zeichen der Unbeschadetheit und auch der vierten Person lässt den König zur Einsicht kommen, dass der Gott der Juden stärker ist. Er ruft ihm sogar einen Lobpreis aus! So ist er zum Anbeter geworden und nicht die drei Freunde Daniels.
Das ist höchstaktuell. Wenn wir Einflüsse anderer Religionen um uns herum bemerken, heißt das nicht, dass wir irgendwen hasserfüllt behandeln oder sogar verfolgen sollen. Dennoch sollen wir bei allem friedlichen Zusammenleben bei unserem Glauben bleiben und auch offen bekennen. Wir können nicht um des friedlichen Zusammenlebens willen unseren eigenen Glauben aufgeben und unseren Gott betrügen, dem wir durch die Taufe die Treue versprochen haben. Und wenn es ernst wird, sollen wir ihn bis aufs Blut bezeugen – unser eigenes Blut! Diese Hingabe wird die anderen so sehr berühren, dass sie Gott die Ehre geben werden. Das ist die größte Mission, die es gibt. Dann wird der Andere durch unsere konsequent gelebte Liebe positiv beeinflusst. So soll es sein und nicht die nachlassende Liebe des Christen mit falschen Kompromissen.

Dan 3
52 Gepriesen bist du, HERR, du Gott unserer Väter, gelobt und gerühmt in Ewigkeit. Gepriesen ist dein heiliger, herrlicher Name, hochgelobt und verherrlicht in Ewigkeit.
53 Gepriesen bist du im Tempel deiner heiligen Herrlichkeit, hoch gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.
54 Gepriesen bist du, der in die Tiefen schaut und auf Kerubim thront, gelobt und gerühmt in Ewigkeit.
55 Gepriesen bist du auf dem Thron deiner Herrschaft, hoch gerühmt und gefeiert in Ewigkeit.
56 Gepriesen bist du am Gewölbe des Himmels, gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.

Statt eines Psalms beten wir heute als Antwort auf die Lesung einen Ausschnitt aus dem Lobpreis der Männer im Feuerofen. Dieses kraftvolle Gebet ist es, das die Männer vor den Flammen gerettet hat zusammen mit ihrem unerschütterlichen Gottvertrauen:
Die Verse beginnen jeweils mit „gepriesen bist du“ und enden mit Wendungen wie „gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit“ oder „gelobt und gerühmt in Ewigkeit“. Der Abschluss mit dem Begriff der Ewigkeit ist eine gängige Abschlussformel jüdischer Gebete. Im heutigen Abschluss preisen die Männer den Gott ihrer Väter, der an verschiedenen Orten gedacht wird, also als allpräsenten Gott: Er ist gepriesen im Tempel der heiligen Herrlichkeit. Das ist sehr tiefsinnig. Historisch-wörtlich ist es auf den ersten Blick ausgeschlossen, denn zur Zeit, als die Männer im Feuerofen Lobpreis machen, ist der Tempel in Jerusalem zerstört. Es gibt also keinen Tempel mehr auf Erden, in dem Gottes Herrlichkeit wohnt. Wenn wir aber einen zweiten Blick darauf werfen und in der Originalsprache lesen (dieser Lobpreis ist nur auf griechisch verfasst, nicht auf Hebräisch), dann sehen wir ein Partizip für „gepriesen sein“. Partizipien dienen der Zeitlosigkeit bzw. übergreifenden Zeitspanne. So ergibt ihr Lobpreis auch auf wörtlicher Ebene Sinn, denn es spielt keine Rolle, ob der Tempel jetzt gemeint ist oder der vergangene oder zukünftige Tempel, den sie sich als Juden natürlich erhofft haben. Über diesen wörtlichen Sinn hinaus lesen wir hier schon die christologische Bedeutung. Wir erkennen den Einfluss des Hl. Geistes bei den Worten der Männer: Gepriesen sei Gott, der im Tempel seiner Herrlichkeit Mensch geworden ist! Dieser Tempel ist die Jungfrau Maria und so ist es ein Lobpreis an Christus. Wir lesen es auch ekklesiologisch weiter als Preisung der Gegenwart Gottes im allerheiligsten Sakrament. Die Kirche wird somit zum neuen „Tempel seiner Herrlichkeit“. Es liest sich auch moralisch als Lobpreis Gottes, der in uns wohnt, nämlich im Tempel der Herrlichkeit unserer Seele! Und schließlich wird es im Feuerofen der Endzeit, wenn der Antichrist auf dem Höhepunkt seiner Macht sein wird, aber nichts ausrichten kann, der letzte Lobgesang irdischer Bedrängnis. Dann werden wir Gott preisen, der im himmlischen Tempel seiner Herrlichkeit wohnt.
Die Männer preisen Gott auch als den, der auf die Tiefen schaut und auf Kerubim thront. Gott ist nicht einfach irgendwo weit weg und gleichgültig unserer irdischen Bedrängnis gegenüber. Er ist ein solidarischer Gott, der tagtäglich zürnt, wie wir vor einigen Tagen bedacht haben – ja, er reagiert auf jede Ungerechtigkeit auf die angemessenste Weise. Er hört jeden Klageschrei seiner geliebten Kinder und er begleitet sie auf all ihren Wegen. Und doch ist er der Höchste, der auf Kerubim thront. Das ist ein Bild für seine Herrschaft. Sie sind es, die ihn ohne Ende preisen und ihn deshalb bildhaft gesprochen auf den Thron heben. Dieses Bild schauen viele Propheten im Alten Testament und es wird auch in der Johannesoffenbarung aufgegriffen, wo die Engelscharen Gott ohne Ende loben und preisen.
„Gepriesen bist du auf dem Thron deiner Herrschaft“ – auch hier könnten wir uns stundenlang aufhalten. Es meint nicht nur Gott, der Himmlische, der auf dem Thron sitzt. Es meint auch den Thron der Herrschaft, den Jesus mit seiner Menschwerdung, seinem Leiden, Tod und seiner Auferstehung bestiegen hat. Wir beten im Glaubensbekenntnis, dass Jesus zur Rechten Gottes des Vaters sitzt und von dort wiederkommen wird zu richten die Lebenden und die Toten. Er ist es, der auch in unserem Leben auf dem Thron sitzt, da wir mit ihm den Taufbund eingegangen sind. Er ist die Nummer eins in unserem Leben, so herrscht er dort als König. Und wenn wir im Stand der Gnade sterben, werden wir vor Gottes Thron kommen, um auf ewig dort zu bleiben. Dann wird dieser Lobpreis unsere dauerhafte Tätigkeit sein.
„Gepriesen bist du am Gewölbe des Himmels“ – Gott ist zunächst der ganz Andere. Er ist Geist. Er ist transzendent. Für die Juden ist das ganz wichtig und so grenzt Gott sich von den Götzen der anderen Völker ab. Diese sind Geschöpfe oder bestehen aus geschaffenem Material wie Holz, Stein, Gold, Silber etc. Sie sind Teil der Schöpfung und stehen nicht über ihr. So entlarven sie sich selbst als Götzen, als Nichtigkeiten. Als der Mensch soweit war, diese absolute Transzendenz zu verstehen, ist Gott Mensch geworden. Ein neues Kapitel hat sich aufgetan, sodass Gott, der ganz und gar von seiner Schöpfung verschieden ist, sich ganz klein gemacht hat. Er wollte bei den Menschen wohnen und so um seine Braut werben. Als er alles vollbracht hat, ist er mit Leib und Seele heimgekehrt zum Vater.
Der heutige Lobpreis ist sehr tiefgründig und auch nur ein kleiner Abschnitt. Es lohnt sich, einmal das gesamte Gebet zu betrachten und auch regelmäßig zu beten! Es ist ein kraftvolles Gebet zur Abwehr des Bösen auch in heutiger Zeit!

Joh 8
31 Da sagte er zu den Juden, die zum Glauben an ihn gekommen waren: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wahrhaft meine Jünger.
32 Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch befreien.
33 Sie erwiderten ihm: Wir sind Nachkommen Abrahams und sind noch nie Sklaven gewesen. Wie
kannst du sagen: Ihr werdet frei werden?
34 Jesus antwortete ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Wer die Sünde tut, ist Sklave der Sünde.
35 Der Sklave aber bleibt nicht für immer im Haus; nur der Sohn bleibt für immer.
36 Wenn euch also der Sohn befreit, dann seid ihr wirklich frei.
37 Ich weiß, dass ihr Nachkommen Abrahams seid. Doch ihr sucht mich zu töten, weil mein Wort in euch keine Aufnahme findet.
38 Ich sage, was ich beim Vater gesehen habe, und ihr tut, was ihr von eurem Vater gehört habt.
39 Sie antworteten ihm: Unser Vater ist Abraham. Jesus sagte zu ihnen: Wenn ihr Kinder Abrahams wärt, würdet ihr die Werke Abrahams tun.
40 Jetzt aber sucht ihr mich zu töten, einen Menschen, der euch die Wahrheit verkündet hat, die ich von Gott gehört habe. So hat Abraham nicht gehandelt.
41 Ihr vollbringt die Werke eures Vaters. Sie entgegneten ihm: Wir stammen nicht aus Unzucht, sondern wir haben nur den einen Vater: Gott.
42 Jesus sagte zu ihnen: Wenn Gott euer Vater wäre, würdet ihr mich lieben; denn von Gott bin ich ausgegangen und gekommen. Ich bin nicht von mir aus gekommen, sondern er hat mich gesandt.

Das heutige Evangelium setzt an dem gestrigen an. Wir hören die Fortsetzung des Streitgesprächs Jesu mit den Juden in Jerusalem, nachdem er einen Mann von seiner Lähmung geheilt hat.
Gestern sprach er über seine eigene Erhöhung und so kamen viele Menschen zum Glauben an ihn durch den sich schließenden Kreis.
Heute spricht Jesus jene gläubig gewordenen Menschen an: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wahrhaft meine Jünger.“ Sie sind zu seinem Wort gekommen, aber das kann nicht das Ende sein. Sie müssen diese Beziehung nun aufrechterhalten. Es ist ein Aufruf zu einem Leben der treuen Nachfolge. Sein Wort ist er selbst, das fleischgewordene Wort Gottes. In ihm zu bleiben ist johanneische Sprache für den Stand der Gnade. Seine Jünger sind auch wir heute nicht nur dadurch, dass wir getauft sind, sondern dass wir diesen Taufbund treu leben. Denn die Erbschaft der Taufe können wir durch ein unwürdiges Leben wieder verspielen.
„Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch befreien.“ – Dieser Vers ist so tiefgründig und vielschichtig, dass wir an dieser Stelle betrachtend einhalten müssen: Jesus spricht dies zu den gläubig gewordenen Juden. Sie werden dies zukünftig tun, obwohl sie ja jetzt schon die Wahrheit erkannt haben, sonst wären sie nicht gläubig geworden. In Zukunft werden sie es noch anders tun, nämlich bei der Taufe, die sie empfangen werden, wenn Jesus zum Vater heimgekehrt und seine Kirche durch den Hl. Geist zum Leben erweckt hat. Dann wird diese Wahrheit, die sie auf noch umfassendere Wahrheit erkennen, nämlich wenn Jesus gestorben und wieder auferstanden ist, wenn sie die Osterbotschaft als die Wahrheit erkennen werden. Dann werden sie sie gläubig annehmen und sich taufen lassen. Durch diesen sakramentalen Bundesschluss wird die Wahrheit, die Jesus selbst ist, die Getauften befreien – nämlich aus ihrer Sünde. So wird ihnen die Aussicht auf das Himmelreich ermöglicht, doch sie müssen entsprechend leben (wie Jesus zu Anfang gesagt hat). Dieser Vers ist zu allererst auf seine Mutter zu beziehen: Sie war nämlich die Erste, die die Wahrheit erkannt hat, die Gott ist. Sie hat sie so „erkannt“, dass sie von ihm schwanger geworden ist (erkennen umschreibt in biblischer Sprache auch immer den Geschlechtsakt). Sie hat durch den Hl. Geist die Wahrheit erkannt, die in ihr als Mensch herangewachsen ist. So ist sie der Archetyp der erlösten Menschheit. Sie gehört zur neuen Schöpfung, die Gott zum ewigen Leben befreit hat. Sie ist dies auf besondere Weise, denn sie ist es von Anbeginn ihres Lebens.
So wie sie werden auch wir zum ewigen Leben befreit, wenn wir die Wahrheit erkennen. Sie befruchtet uns zwar nur auf geistige Weise, aber doch ist es eine Empfängnis, deren Früchte wir am Ende unseres Lebens ernten werden. Gebe Gott, dass es gute Früchte sind!
Dieser Vers ist auch moralisch zu betrachten: Wir Menschen werden die Wahrheit seiner Gebote erkennen und diese so verinnerlichen, dass es uns immer leichter fällt, sie ganz umzusetzen. Dann wird diese Wahrheit, die Jesus Christus selbst ist, uns schon in diesem Leben frei machen, was wir den Stand der Gnade nennen. Wir sind frei, weil wir immer weniger Sklaven unserer Sünde sind. Dann handelt es sich um eine innere Freiheit, die aus 100% Gnade und 100% Tugend besteht. Sie ergibt sich aus dem wunderbaren Teamwork des Hl. Geistes in uns und unserer eigenen Fähigkeiten.
Schließlich können wir diese Worte Jesu auf anagogische Weise deuten: Spätestens am Ende unseres Lebens werden wir die Wahrheit erkennen, weil wir den Herrn sehen werden, wie er ist (1 Joh 3,2).
Dann wird er uns zu einem neuen Leben befreien in seinem Reich, wenn wir bis dahin standhaft im Glauben geblieben sind. Dann ist es wahrhaft „vom Glauben zum Schauen.“ Dieses Erkennen wird am Ende der Zeiten ein ultimatives und endgültiges Erkennen für alle sein – für die einen ein erlösendes, für die anderen ein schmerzhaftes. Befreiend wird es für jene sein, die Gott bis dahin angenommen haben, schmerzhaft und ewig fesselnd für jene, die ihn bis zum Schluss abgelehnt haben.
Die Juden verstehen diese Sklaverei noch nicht, in der sie sich befinden. Deshalb fragen sie Jesus auch, wie er sie befreien will, wenn ihre konkrete Generation in Freiheit lebt (die Fremdherrschaft der Römer wird wohl nicht als Sklaverei, sondern als Vasallentum verstanden, dennoch gibt es Freiheitskämpfer, die als Zeloten bezeichnet werden).
Jesus erklärt es ihnen geduldig, indem er die Sklaverei als eine Gefangenschaft der Sünde erläutert.
Jesus geht noch weiter und erklärt, dass er als Sohn des Hauses wirklich umfassend befreien kann, weil er ewig im Haus bleibt. Dies ist bildhaft gemeint für das Reich Gottes, in dem er der Sohn ist. Er ist ewig dort beim Vater. So kann Jesus wirklich umfassend befreien und erlösen, sodass die Sklaven der Sünde zu Kindern im Hause Gottes werden können. Dies betrifft nicht erst die Endzeit, sondern wird sakramental mit der Kirche vorweggenommen, in welcher die Getauften zu Kindern Gottes wiedergeboren werden.
Jesus sagt den Juden, die ihm nicht gutgesinnt zu, dass sie Kinder Abrahams sind, denn sie sind ja ins Judentum hineingeboren. Doch er entlarvt auch ihre bösen Absichten, ihn zu töten, weil sie sein Wort nicht annehmen. Sie nehmen damit ihn selbst nicht auf, wodurch sie sich unfruchtbar für das Reich Gottes machen.
Jesus betont noch einmal, dass alles, was er sagt und tut, Zeugnis für den Vater ist. Er verkündet, was er beim Vater gesehen hat. Die Juden sagen dagegen nur: „Unser Vater ist Abraham.“ Jesus wendet sein Selbstzeugnis nun auf sie an und sagt: Wärt ihr Kinder Abrahams, würdet ihr auch seine Werke tun. Abraham steht für einen absoluten Glaubensgehorsam. Sie sind dagegen weder gläubig noch gehorsam. Sie nehmen Gottes Willen und Botschaft nicht an. Stattdessen wollen sie ihn mundtot machen. Er stellt heraus, dass sie nicht wie ihr Stammvater Abraham handeln. So ändern sie die Strategie und sagen: „Wir stammen nicht aus Unzucht, sondern wir haben nur den einen Vater: Gott.“ Doch auch hier stellt Jesus richtig: „Wenn Gott euer Vater wäre, würdet ihr mich lieben; denn von Gott bin ich ausgegangen und gekommen. Ich bin nicht von mir aus gekommen, sondern er hat mich gesandt.“ Jesus ist der Sohn Gottes und eins mit dem Vater. Er offenbart durch sein Sprechen, Handeln und Sein den Vater. Würden die Juden diesen wirklich zum Vater haben, würden sie auch ihn lieben, der der göttliche Sohn des Vaters ist.

Die heutigen Lesungen haben uns vieles gelehrt von Gottvertrauen und Glauben, von den Anfeindungen derer, die im Gegensatz zu den Gläubigen das Wort Gottes nicht in sich aufnehmen, egal ob Juden oder babylonischer König. Nebukadnezzar hat durch die unerschütterliche Treue der drei Männer im Feuerofen den Gott Abrahams anerkannt. Die Juden zur Zeit Jesu tun es ihm jedoch nicht gleich bzw. muss Jesus sterben, damit sich viele zu ihm bekennen und die Wahrheit erkennen. Er wird nicht verschont wie die Männer im Feuerofen. Dafür hat er die Erlösung für alle Menschen erwirkt. Danken wir ihm und preisen wir Gott für seine übergroße Liebe mit den Worten Schadrachs, Meschachs und Abed-Negos!

Ihre Magstrauss