Osternacht

Gen 1,1-2,2; Ps 104,1-2.5-6.10 u. 12.13-14b.24 u. 1ab; Gen 22,1-18; Ps 16,5 u. 8.9-10.2 u. 11; Ex 14,15-15,1; Ex 15,1b-2b.2c-3.4-5.6 u. 13.17-18; Jes 54,5-14; Ps 30,2 u. 4.5-6b.6cd u. 12a u. 13b; Jes 55,1 -11; Jes 12,2.3 u. 4bcd.5-6; Bar 3,9-15.32-4,4; Ps 19,8.9.10.11-12; Ez 36,16-17a.18-28; Ps 42,3.5 u. 10a; 43,3-4; Röm 6,3 – 11; Ps 118,1-2.16-17.22-23; Mt 28,1-10

Heute feiern wir den Höhepunkt des ganzen Kirchenjahres. Wir hören aus diesem Anlass einen umfangreichen Abriss der gesamten Heilsgeschichte angefangen von der Schöpfung. Ich werde aus Umfanggründen die Lesungen mit ihren jeweiligen Antwortgesängen nicht so detailliert analysieren wie sonst, da der Stoff für Sie sonst zu viel wird.

Gen 1-2
1 Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde. 2 Die Erde war wüst und wirr und Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser. 3 Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. 4 Gott sah, dass das Licht gut war. Und Gott schied das Licht von der Finsternis. 5 Und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht. Es wurde Abend und es wurde Morgen: erster Tag. 6 Dann sprach Gott: Es werde ein Gewölbe mitten im Wasser und scheide Wasser von Wasser. 7 Gott machte das Gewölbe und schied das Wasser unterhalb des Gewölbes vom Wasser oberhalb des Gewölbes. Und so geschah es. 8 Und Gott nannte das Gewölbe Himmel. Es wurde Abend und es wurde Morgen: zweiter Tag. 9 Dann sprach Gott: Es sammle sich das Wasser unterhalb des Himmels an einem Ort und das Trockene werde sichtbar. Und so geschah es. 10 Und Gott nannte das Trockene Land und die Ansammlung des Wassers nannte er Meer. Gott sah, dass es gut war. 11 Dann sprach Gott: Die Erde lasse junges Grün sprießen, Gewächs, das Samen bildet, Fruchtbäume, die nach ihrer Art Früchte tragen mit Samen darin auf der Erde. Und so geschah es. 12 Die Erde brachte junges Grün hervor, Gewächs, das Samen nach seiner Art bildet, und Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin nach ihrer Art. Gott sah, dass es gut war. 13 Es wurde Abend und es wurde Morgen: dritter Tag. 14 Dann sprach Gott: Lichter sollen am Himmelsgewölbe sein, um Tag und Nacht zu scheiden. Sie sollen als Zeichen für Festzeiten, für Tage und Jahre dienen. 15 Sie sollen Lichter am Himmelsgewölbe sein, um über die Erde hin zu leuchten. Und so geschah es. 16 Gott machte die beiden großen Lichter, das große zur Herrschaft über den Tag, das kleine zur Herrschaft über die Nacht, und die Sterne. 17 Gott setzte sie an das Himmelsgewölbe, damit sie über die Erde leuchten, 18 über Tag und Nacht herrschen und das Licht von der Finsternis scheiden. Gott sah, dass es gut war. 19 Es wurde Abend und es wurde Morgen: vierter Tag. 20 Dann sprach Gott: Das Wasser wimmle von Schwärmen lebendiger Wesen und Vögel sollen über der Erde am Himmelsgewölbe fliegen. 21 Und Gott erschuf die großen Wassertiere und alle Lebewesen, die sich fortbewegen nach ihrer Art, von denen das Wasser wimmelt, und alle gefiederten Vögel nach ihrer Art. Gott sah, dass es gut war. 22 Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehrt euch! Füllt das Wasser im Meer und die Vögel sollen sich auf Erden vermehren. 23 Es wurde Abend und es wurde Morgen: fünfter Tag. 24 Dann sprach Gott: Die Erde bringe Lebewesen aller Art hervor, von Vieh, von Kriechtieren und von Wildtieren der Erde nach ihrer Art. Und so geschah es. 25 Gott machte die Wildtiere der Erde nach ihrer Art, das Vieh nach seiner Art und alle Kriechtiere auf dem Erdboden nach ihrer Art. Gott sah, dass es gut war. 26 Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich! Sie sollen walten über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen. 27 Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie. 28 Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und unterwerft sie und waltet über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen! 29 Dann sprach Gott: Siehe, ich gebe euch alles Gewächs, das Samen bildet auf der ganzen Erde, und alle Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin. Euch sollen sie zur Nahrung dienen. 30 Allen Tieren der Erde, allen Vögeln des Himmels und allem, was auf der Erde kriecht, das Lebensatem in sich hat, gebe ich alles grüne Gewächs zur Nahrung. Und so geschah es. 31 Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut. Es wurde Abend und es wurde Morgen: der sechste Tag.1 So wurden Himmel und Erde und ihr ganzes Heer vollendet. 2 Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er gemacht hatte, und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk gemacht hatte.

Es geht zurück an den Anfang. Gott ist dieser Anfang, von dem aus das ganze Dasein geschaffen worden ist. Deshalb heißt es auch nicht „am Anfang“, sondern „im“. Gott hat keinen Anfang, er steht außerhalb von Zeitkategorien. Vielmehr IST er der Anfang.
Wenn Gott auf etwas einwirkt, kommt Ordnung hinein. Das heißt im Umkehrschluss, dass alles Gottlose Chaos ist. Unordnung kommt nicht von Gott. Die Ordnung des gesamten Daseins und das Schaffen aus dem Nichts wird durch Gottes gesprochenes Wort ausgelöst. Es heißt immer wieder „und Gott sprach“ und „Gott nannte“. Das Benennen des Geschaffenen ist die Systematisierung aller Dinge. Das erste, was Gott auf diese Weise schafft, ist das Licht. Das ist ein wichtiger Punkt, denn dieses wird im Johannesevangelium mit dem Begriff des Lebens gekoppelt. Licht bedeutet Leben.
Wir hören im Verlauf der ersten Lesung das sogenannte Sieben-Tage-Werk. An jedem Tag schafft Gott etwas Anderes, benennt es, betrachtet es und sagt, dass es gut ist. Gott ist ein Gott des Lebens. Er schafft aus dem Nichts die ganze Welt. Alles, was er macht, ist gut. Im Kontext der Osternacht ist dies der entscheidende Punkt. Gott kann aus dem Nichts alles schaffen. Gott kann also auch einen toten Menschen zum Leben erwecken und er kann dem Auferstandenen einen neuen verklärten Leib schenken. Was er einmal geschafft hat (eine Schöpfung hervorgehen zu lassen), kann er auch ein zweites Mal tun (eine neue Schöpfung erstehen zu lassen!).
Ganz wichtig ist auch, wie er den Menschen geschaffen hat. Dieser ist als sein Abbild gemacht, das heißt mit einer ewigen Seele, in der Zweigeschlechtlichkeit die Trinität abbildend. Der Mensch ist fruchtbar geschaffen und mit einem freien Willen. Dies entspricht dem Wesen Gottes, der die Liebe ist, die nur freiwillig geht. Diese Liebe ist so überströmend, dass sie immer über sich hinaus verweist. Gottes Gemeinschaft in sich strömt über, sodass Gott aus Liebe die Welt geschaffen hat, vor allem die Menschen, die mit ihm in Liebesgemeinschaft leben. So kann Gott gar nicht anders, als den Menschen fruchtbar zu schaffen. Auch dessen Liebe weist über sich selbst hinaus, sodass aus dieser Liebe ein neuer Mensch hervorgeht. Das ist in der ersten Schöpfung biologisch gemeint. Mit der neuen Schöpfung, in der es auch ein erstes Menschenpaar gibt, geht es nicht mehr um biologische Fruchtbarkeit, sondern um geistliche! Jesus und Maria bringen mehr Frucht, als biologisch möglich ist. Der siebte Tag ist ein Ruhetag. Wir gehen alle auf den ewigen Sabbat zu, der das Ruhen in Gott ist.

Ps 104
1 Preise den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, überaus groß bist du! Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet. 2 Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel, du spannst den Himmel aus gleich einem Zelt. 5 Du hast die Erde auf Pfeiler gegründet, in alle Ewigkeit wird sie nicht wanken. 6 Einst hat die Urflut sie bedeckt wie ein Kleid, die Wasser standen über den Bergen. 10 Du lässt Quellen sprudeln in Bäche, sie eilen zwischen den Bergen dahin. 12 Darüber wohnen die Vögel des Himmels, aus den Zweigen erklingt ihr Gesang. 13 Du tränkst die Berge aus deinen Kammern, von der Frucht deiner Werke wird die Erde satt. 14 Du lässt Gras wachsen für das Vieh und Pflanzen für den Ackerbau des Menschen, damit er Brot gewinnt von der Erde. 24 Wie zahlreich sind deine Werke, HERR, sie alle hast du mit Weisheit gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen. 1 Preise den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, überaus groß bist du!

Das wunderbare Schöpfungswerk Gottes ist großes Lob wert. Deshalb beten wir im Anschluss daran einen Lobpreispsalm, der sehr bekannt ist. In diesem wird Gottes Größe gepriesen. Gott wird mit Licht ausgestattet. Das ist ein wichtiger Aspekt, denn auch in der Lesung hat das Licht einen besonderen Stellenwert. Licht ist die Eigenschaft der Herrlichkeit Gottes. Diese hüllt Gott ein wie einen Mantel. Bei der Verklärung Jesu werden die Apostel ihn auch so sehen – ganz in Licht gehüllt.
Im Psalm wird die Schöpfung Gottes betrachtet als ein Haus bzw. als eine Architektur. Sie besteht aus einem Zelt als Überdachung (der Himmel), aus Pfeilern, die der Erde Stabilität verleihen, Wasser, das wie ein Kleid die Erde bedeckt. Es gibt Kammern, von wo aus Gott die Berge tränkt.
Ganz besonders wichtig ist Vers 24: Die Werke Gottes sind mit Weisheit gemacht. Diese Weisheit wird um die Zeitenwende herum immer mehr mit dem Logos gleichgesetzt, der wiederum das Wort Gottes ist – Jesus Christus. Er ist der Schöpfungsmittler und das gesprochene Wort, durch das im Schöpfungsbericht alles hervorgeht. Er ist schon von Anfang an dabei und ist ganz eins mit dem Vater. Auch er ist somit schon Gott des Lebens.

Gen 22
1 Nach diesen Ereignissen stellte Gott Abraham auf die Probe. Er sprach zu ihm: Abraham! Er sagte: Hier bin ich. 2 Er sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar! 3 Frühmorgens stand Abraham auf, sattelte seinen Esel, nahm zwei seiner Jungknechte mit sich und seinen Sohn Isaak, spaltete Holz zum Brandopfer und machte sich auf den Weg zu dem Ort, den ihm Gott genannt hatte. 4 Als Abraham am dritten Tag seine Augen erhob, sah er den Ort von Weitem. 5 Da sagte Abraham zu seinen Jungknechten: Bleibt mit dem Esel hier! Ich aber und der Knabe, wir wollen dorthin gehen und uns niederwerfen; dann wollen wir zu euch zurückkehren. 6 Abraham nahm das Holz für das Brandopfer und lud es seinem Sohn Isaak auf. Er selbst nahm das Feuer und das Messer in die Hand. So gingen beide miteinander. 7 Da sprach Isaak zu seinem Vater Abraham. Er sagte: Mein Vater! Er antwortete: Hier bin ich, mein Sohn! Dann sagte Isaak: Hier ist Feuer und Holz. Wo aber ist das Lamm für das Brandopfer? 8 Abraham sagte: Gott wird sich das Lamm für das Brandopfer ausersehen, mein Sohn. Und beide gingen miteinander weiter. 9 Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte, baute Abraham dort den Altar, schichtete das Holz auf, band seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz. 10 Abraham streckte seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten. 11 Da rief ihm der Engel des HERRN vom Himmel her zu und sagte: Abraham, Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. 12 Er sprach: Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus und tu ihm nichts zuleide! Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest; du hast mir deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten. 13 Abraham erhob seine Augen, sah hin und siehe, ein Widder hatte sich hinter ihm mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen. Abraham ging hin, nahm den Widder und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar. 14 Abraham gab jenem Ort den Namen: Der HERR sieht, wie man noch heute sagt: Auf dem Berg lässt sich der HERR sehen. 15 Der Engel des HERRN rief Abraham zum zweiten Mal vom Himmel her zu 16 und sprach: Ich habe bei mir geschworen – Spruch des HERRN: Weil du das getan hast und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast, 17 will ich dir Segen schenken in Fülle und deine Nachkommen überaus zahlreich machen wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand. Deine Nachkommen werden das Tor ihrer Feinde einnehmen. 18 Segnen werden sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde, weil du auf meine Stimme gehört hast.

In der zweiten Lesung hören wir die dramatische Glaubensprobe, durch die Gott Abrahams Glauben prüft. Auch hier ist das Thema das Leben. Wie viele Jahre hat Abraham sehnlichst auf einen Sohn gewartet! So viele Jahre konnten seine Frau und er keine Kinder haben und dann schenkte Gott ihm endlich einen Sohn, den er Isaak genannt hat. Abraham ist dadurch die Botschaft zuteil geworden, dass Gott wirklich ein Gott des Lebens ist. Er kann aus Unfruchtbarkeit Fruchtbarkeit entstehen lassen.
Doch dann der Schock. Der Gott des Lebens fordert von Abraham, dass er seinen Sohn auf einem der Berge im Land Morija als Brandopfer darbringe! Abraham wird es nicht verstanden haben. Wie sehr hat er sich doch nach all den Jahren gefreut, einen Sohn in seinen Armen halten zu dürfen, den er als direktes Geschenk von Gott verstanden hat. Und nun soll er seinen Sohn töten. Er wird es nicht begriffen haben, doch zugleich hat er Gott vertraut. Ohne Widerrede macht er sich also auf den Weg.
Ich sage es Ihnen offen. Das ist eine der berührendsten Lesungen für mich. Ich kann sie kaum hören, ohne Tränen in den Augen zu haben. Diese Episode ni typologisch das vorweg, was wir in diesen Tagen gefeiert haben:
Der Vater gibt seinen Sohn dahin. Abraham ist bereit, Isaak zu opfern, doch im letzten Moment gebietet ihm ein Engel des Herrn Einhalt. Gott Vater selbst hat seinen Sohn aber nicht verschont, sondern dieser ist auf die grausamste Weise geopfert worden, die es gab.
Abraham und Isaak gehen in das Land Morija und besteigen einen der Berge. Das ist die Gegend, die wir zur Zeit Jesu Jerusalem und mit der umliegenden Hügellandschaft nennen! Es ist derselbe Ort.
Der junge Isaak trägt das Holz für das Opfer den Berg hinauf. So trägt Jesus sein Opferholz selbst den Golgota hinauf.
Auf die Frage des ahnungslosen Sohnes hin, wo das Opferlamm sei, antwortet Abraham: Gott wird sich das Lamm für das Brandopfer ausersehen, mein Sohn.“ Ja, er hat sich für das Kreuzesopfer seinen eigenen Sohn ausersehen, das wahre Opferlamm!
Abraham hat die Prüfung bestanden. Kurz bevor er die Tat begehen kann, wird er von einem Engel gestoppt und erhält die Zusage, seinen Glauben wirklich bewiesen zu haben. Gott wird ihn reichlich segnen und sehr fruchtbar machen, weil er ganz auf seine Güte vertraut hat. So wird Gott am Ende wieder zum Gott des Lebens – und das alles auf besonders intensive Weise!

Ps 16
5 Der HERR ist mein Erbanteil, er reicht mir den Becher, du bist es, der mein Los hält. 8 Ich habe mir den HERRN beständig vor Augen gestellt, weil er zu meiner Rechten ist, wanke ich nicht. 9 Darum freut sich mein Herz und jubelt meine Ehre, auch mein Fleisch wird wohnen in Sicherheit. 10 Denn du überlässt mein Leben nicht der Totenwelt; du lässt deinen Frommen die Grube nicht schauen. 2 Ich sagte zum HERRN: Mein Herr bist du, mein ganzes Glück bist du allein.11 Du lässt mich den Weg des Lebens erkennen. Freude in Fülle vor deinem Angesicht, Wonnen in deiner Rechten für alle Zeit.

Als Antwort auf diese Lesung beten wir Ps 16. Gott schenkt Freude. Das wird durch das Bild des Bechers ausgedrückt. Der Psalmist drückt sein Vertrauen auf Gott aus, das er die ganze Zeit nicht verloren hat. Der Psalm ist von König David, von dem wir sehr viele Situationen kennenlernen. So oft stand sein Leben auf der Kippe, doch weil er sich dann ganz an Gott geklammert hat, hat dieser ihn auch aus den Nöten herausgeführt.
Hätte es die Psalmen schon damals zu Zeiten des Abraham gegeben – er hätte diese Worte absolut auf sich beziehen können! Er hat den HERRN beständig vor Augen, dieser ist zu seiner Rechten. Er war es ganz besonders in der Stunde seiner Glaubensprobe und so kann Abraham sich jetzt über die wunderbare Zusage freuen. Abrahams verheißenes Kind bleibt am Leben. Das bedeutet, Abrahams Gene werden weitergegeben. Das klingt vielleicht banal, ist aber Ausdruck einer ersten Auferstehungshoffnung. Das Weiterleben in den Nachkommen ist ein ewiges Leben. So übergibt Gott Abraham nicht der Totenwelt durch den Tod seines Sohnes Isaak.
Er kann wirklich sagen nach allem, was er erlebt hat: „Mein Herr bist du, mein ganzes Glück bist du allein. Du lässt mich den Weg des Lebens erkennen.“ Gott schenkt Freude in Fülle und Wonnen. Er ist der Garant dafür, dass auch wir in unserem Leben glücklich werden.

Ex 14
15 Der HERR sprach zu Mose: Was schreist du zu mir? Sag den Israeliten, sie sollen aufbrechen. 16 Und du heb deinen Stab hoch, streck deine Hand über das Meer und spalte es, damit die Israeliten auf trockenem Boden in das Meer hineinziehen können! 17 Ich aber will das Herz der Ägypter verhärten, damit sie hinter ihnen hineinziehen. So will ich am Pharao und an seiner ganzen Streitmacht, an seinen Streitwagen und Reitern meine Herrlichkeit erweisen. 18 Die Ägypter sollen erkennen, dass ich der HERR bin, wenn ich am Pharao, an seinen Streitwagen und Reitern meine Herrlichkeit erweise. 19 Der Engel Gottes, der den Zug der Israeliten anführte, brach auf und ging nach hinten und die Wolkensäule brach auf und stellte sich hinter sie. 20 Sie kam zwischen das Lager der Ägypter und das Lager der Israeliten. Die Wolke war da und Finsternis und Blitze erhellten die Nacht. So kamen sie die ganze Nacht einander nicht näher. 21 Mose streckte seine Hand über das Meer aus und der HERR trieb die ganze Nacht das Meer durch einen starken Ostwind fort. Er ließ das Meer austrocknen und das Wasser spaltete sich. 22 Die Israeliten zogen auf trockenem Boden ins Meer hinein, während rechts und links von ihnen das Wasser wie eine Mauer stand. 23 Die Ägypter setzten ihnen nach; alle Pferde des Pharao, seine Streitwagen und Reiter zogen hinter ihnen ins Meer hinein. 24 Um die Zeit der Morgenwache blickte der HERR aus der Feuer- und Wolkensäule auf das Lager der Ägypter und brachte es in Verwirrung. 25 Er hemmte die Räder an ihren Wagen und ließ sie nur schwer vorankommen. Da sagte der Ägypter: Ich muss vor Israel fliehen; denn der HERR kämpft auf ihrer Seite gegen Ägypten. 26 Darauf sprach der HERR zu Mose: Streck deine Hand über das Meer, damit das Wasser zurückflutet und den Ägypter, seine Wagen und Reiter zudeckt! 27 Mose streckte seine Hand über das Meer und gegen Morgen flutete das Meer an seinen alten Platz zurück, während die Ägypter auf der Flucht ihm entgegenliefen. So trieb der HERR die Ägypter mitten ins Meer. 28 Das Wasser kehrte zurück und bedeckte Wagen und Reiter, die ganze Streitmacht des Pharao, die den Israeliten ins Meer nachgezogen war. Nicht ein Einziger von ihnen blieb übrig. 29 Die Israeliten aber waren auf trockenem Boden mitten durch das Meer gezogen, während rechts und links von ihnen das Wasser wie eine Mauer stand. 30 So rettete der HERR an jenem Tag Israel aus der Hand der Ägypter. Israel sah die Ägypter tot am Strand liegen. 31 Als Israel sah, dass der HERR mit mächtiger Hand an den Ägyptern gehandelt hatte, fürchtete das Volk den HERRN. Sie glaubten an den HERRN und an Mose, seinen Knecht. 1 Damals sang Mose mit den Israeliten dem HERRN dieses Lied; sie sagten: Ich singe dem HERRN ein Lied, denn er ist hoch und erhaben. Ross und Reiter warf er ins Meer.

Die nächste Lesung aus dem Buch Exodus ist wieder sehr dramatisch, denn auch hier geht es um Leben und Tod. Das Volk Israel ist nach vielen Plagen, vielen Leiden und Umwegen endlich aus Ägypten herausgekommen. Doch nun sieht es sich in der Situation einer Sackgasse am Roten Meer. Auch jetzt steht Gott seinem auserwählten Volk bei und befiehlt Mose, durch seinen Stab das Meer zu spalten, sodass das Volk hindurchschreiten kann. Gott tut dies nicht nur, um das Volk zu retten, sondern auch, um den Ägyptern seine Herrlichkeit zu erweisen – jene Herrlichkeit, die so hell strahlt wie ein Lichtmantel.
Gott ist bei seinem Volk in Form der Feuersäule und der Wolke. Er lässt seine Kinder nicht im Stich.
Der Pharao bereut indes, das Volk ziehen gelassen zu haben. So macht er sich mit seinem Heer auf den Weg, das Volk wieder zurückzuholen. Doch Gott rettet Israel, indem er es durch das Meer ziehen lässt. Schon sind die Ägypter ihnen auf den Fersen, doch die Wasserfluten decken sie zu. Gott hat dem Pharao so viele Chancen der Umkehr geschenkt. Er hat ihn immer wieder zur Umkehr aufgerufen, doch er wollte nicht hören. Dies ist ihm nun zum Verhängnis geworden. Nicht umsonst kommen die Ägypter in den Wasserfluten um. Die Geschichte wiederholt sich. Das sture Verharren in der Sünde ist es, das schon die Sintflut hervorgebracht hat. Gott ist Herr über Leben und Tod. Das wird in der heutigen Erzählung wieder besonders deutlich. Die Wahl hat der Mensch selbst, indem er sich für oder gegen den Gott des Lebens entscheidet. Gott tut alles, um die Menschen zu retten, aber irgendwann ist es zu spät. Kehren wir JETZT um! Das Wasser des Roten Meeres ist nicht nur Wiederholung der Sintflut, sondern auch die Antizipation des Taufwassers! Wir werden durch das Wasser hindurch gerettet, wenn wir uns taufen lassen! Die Taufe ist heilsnotwendig. Dies erklärt auch, warum diese Lesung von allen alttestamentlichen Lesungen, die in der Osternacht vorgesehen sind, nicht ausgelassen werden darf. Sie ist für uns so entscheidend und im Kontext des heilsgeschichtlichen Rückblicks ein Höhepunkt, dass wir sie in der Osternacht unbedingt hören müssen. Jesu Tod und Auferstehung ist nämlich ein neuer Exodus, die Befreiung des Volkes Gottes aus der Knechtschaft der Sünde. Dies wird sakramental durch die Taufe verdeutlicht!

Ex 15
Ich singe dem HERRN ein Lied, denn er ist hoch und erhaben. Ross und Reiter warf er ins Meer. 2 Meine Stärke und mein Lied ist der HERR, er ist mir zur Rettung geworden. Er ist mein Gott, ihn will ich preisen; den Gott meines Vaters will ich rühmen. 3 Der HERR ist ein Krieger, HERR ist sein Name. 4 Pharaos Wagen und seine Streitmacht warf er ins Meer. Seine besten Vorkämpfer versanken im Roten Meer. 5 Fluten deckten sie zu, sie sanken in die Tiefe wie Steine. 6 Deine Rechte, HERR, ist herrlich an Stärke; deine Rechte, HERR, zerschmettert den Feind. 13 Du lenktest in deiner Güte das Volk, das du erlöst hast, du führtest sie machtvoll zu deiner heiligen Wohnung. 17 Du wirst sie hinbringen und auf den Berg deines Erbes einpflanzen, den du, HERR, zu deiner Wohnstätte gemacht hast, um dich niederzulassen, zu einem Heiligtum, HERR, von deinen Händen gegründet. 18 Der HERR ist König für immer und ewig.

Als Antwort auf die dramatische Rettung eines ganzen Volkes durch Gottes wunderbare Vorsehung hören wir den Lobgesang des Mose, den er im Anschluss an die Rettung des Volkes gesungen hat:
Wer mit Gott lebt, ist unbezwingbar. Denn Gott ist seine Stärke und sein Lied. Er ist der Retter aus allen Gefahren und er ist es, der für seine geliebten Kinder kämpft. Gott ist stärker als die besten Kämpfer. Gott ist nicht böse, er ist nur gut. Seine Güte ist es, die das Volk durch das Rote Meer getragen hat. Er hat einen wunderbaren Heilsplan mit seinem Volk und deshalb lässt er es nicht schon vorher umkommen. Er möchte das Volk in das verheißene Land führen und auf dem Berg seines Berges einpflanzen. Das ist der Zionsberg, Jerusalem, wo er seine Wohnstätte im Tempel einnimmt. Das Ziel ist damit aber nicht erreicht. Er wird selbst Mensch werden, um die Menschen aus einem ganz anderen Sklavenhaus zu befreien – der Sünde! Er wird einen neuen Tempel errichten, der sein eigener Leib ist und den wir als Kirche bezeichnen. Er wird am Ende der Zeiten sein Volk in seine himmlische Wohnstatt, das himmlische Jerusalem führen, wo das ewige Leben und die ewige Freude warten!

Jes 54
5 Denn dein Schöpfer ist dein Gemahl, HERR der Heerscharen ist sein Name. Der Heilige Israels ist dein Erlöser, Gott der ganzen Erde wird er genannt. 6 Ja, der HERR hat dich gerufen als verlassene, bekümmerte Frau. Kann man denn die Frau seiner Jugend verstoßen?, spricht dein Gott. 7 Nur für eine kleine Weile habe ich dich verlassen, doch mit großem Erbarmen werde ich dich sammeln. 8 Einen Augenblick nur verbarg ich vor dir mein Gesicht in aufwallendem Zorn; aber in ewiger Huld habe ich mich deiner erbarmt, spricht dein Erlöser, der HERR. 9 Wie bei der Flut Noachs soll es für mich sein: So wie ich damals schwor, dass die Flut Noachs die Erde nie mehr überschwemmen wird, so schwöre ich jetzt, dir nie mehr zu zürnen und dich nie mehr zu schelten. 10 Mögen auch die Berge weichen und die Hügel wanken – meine Huld wird nicht von dir weichen und der Bund meines Friedens nicht wanken, spricht der HERR, der Erbarmen hat mit dir.
11 Ärmste, vom Sturm Gepeitschte, die ohne Trost ist: Siehe, ich selbst lege dir ein Fundament aus Malachit und Grundmauern aus Saphir. 12 Aus Rubinen mache ich deine Zinnen, aus Beryll deine Tore und alle deine Mauern aus kostbaren Steinen. 13 Alle deine Kinder sind Schüler des HERRN und groß ist der Friede deiner Kinder. 14 Du wirst auf Gerechtigkeit gegründet sein. Du bist fern von Bedrängnis, denn du brauchst dich nicht mehr zu fürchten und bist fern von Schrecken; er kommt an dich nicht heran.

Im Folgenden verlassen wir die fünf Bücher Mose und hören nun einige prophetische Lesungen.
Der Ausschnitt aus dem Buch Jesaja ist ein verheißungsvoller Text, der an die Braut Gottes, an Israel gerichtet ist. Der historische Kontext dieses Kapitels ist das Babylonische Exil. Es ist wieder so, dass das Volk Gottes in einem Sklavenhaus gefangen ist und Gott keine Opfer frei darbringen kann. Der Tempel ist zerstört und die Heimat weit weg.
Das Kapitel beginnt mit „Freu dich, du Unfruchtbare, die nie gebar“. Das hören wir im heutigen Abschnitt nicht, aber es ist im Hinterkopf zu behalten, damit man die Begründung von Vers 5 überhaupt richtig versteht. Ganz dominant ist die Hauptmetapher in diesem und dem anschließenden Kapitel, das wir gleich noch hören werden: Gott ist Israels Bräutigam und Israel ist seine Braut, die ihm untreu geworden ist. Gott ist aber bereit, sich wieder mit ihr zu versöhnen.
„Denn dein Schöpfer ist dein Gemahl.“ Gott möchte Gemeinschaft mit seinem Volk, eine Einheit wie bei Mann und Frau. Gott wird hier nicht nur als Schöpfer betrachtet, sondern auch als Erlöser. Diese Erlösung besteht für die Israeliten zur Zeit des Babylonischen Exils in der Befreiung von der Fremdherrschaft und die Rückführung in die Heimat. Deshalb wird der Perserkönig Kyros, der ihnen sogar den Bau eines neuen Tempels gewährt, gewissermaßen als eine messianische Gestalt betrachtet. Und doch ist die Erlösung mehr als nur eine politische: Gott ist Erlöser aus einem ganz anderen Exil, das noch viel schlimmer ist – aus dem Exil der Sünde, denn durch die Ursünde war jeder Mensch aus dem Paradies verbannt! Die ultimative Erlösung besteht also in der Rückführung der Gerechten in die himmlische Heimat, zum himmlischen Tempel.
Gott ist ein treuer Gott, der seine Frau nicht verlässt, obwohl sie Ehebruch begangen hat. Er hat mit Israel einen Bund geschlossen, gleichsam einen Ehebund am Berg Sinai. Israel ist untreu geworden, doch Gott verlässt sie dennoch nicht.
Gott hat seine Braut nur kurz verlassen, nur kurz sein Gesicht vor ihr verborgen. Sie musste zu spüren bekommen, dass ihr Verhalten nicht richtig war. Gott hat die Konsequenzen der Sünde Israels zugelassen, damit es sich besinnt und umkehrt.
Gott ist barmherzig und verschont das reumütige Volk. Er hat Noah damals versprochen, nie wieder eine globale Vernichtung über seine geliebten Kinder zu bringen. Und so hält er sein Versprechen auch jetzt, wo Israel fern von seiner Heimat leben muss.
Gott verheißt Israel Stadtmauern und architektonische Elemente aus Edelsteinen. Das ist nicht die Andeutung der Errichtung eines neuen irdischen Jerusalems, sondern schon die Andeutung der himmlischen Stadt! Die Propheten des Alten Testaments, aber auch Johannes im Neuen Testament sehen die himmlische Stadt Jerusalem und auch Gott selbst so, dass sie es nur mit dem Leuchten von Edelsteinen vergleichen können. Gott verheißt dem Volk das Himmelreich!
Fern von Bedrängnis ist Jerusalem erst mit dem Abbruch der Zeiten bzw. jeder Einzelne nach dem Tod. Bis dahin wird es immer Kämpfe geben und die Gefahren bestehen weiter fort. Hier werden übernatürliche Dinge verheißen und keine irdischen Zustände.
Als Christen dürfen wir jedoch einen Einwand nennen: Sakramental wird jene verheißene Wirklichkeit schon vorweggenommen! So wird dies schon ansatzweise erfahrbar in der Kirche Jesu Christi, die eine übernatürliche Größe in der Welt ist, aber schon auf die Ewigkeit verweist. Ihre Heilsmittel, der Atem des Hl. Geistes, all diese Dinge leuchten voll der Gnade, die man mit Edelsteinen umschreiben könnte, die man nicht sieht.
All dies wird mit Jesus Christus bereits hier auf Erden beginnen, der das Reich Gottes in mitten in die Welt hineingebracht hat. Es wird sich am Ende der Zeiten vollenden und offenbar werden für die ganze Welt! Gott lässt sein auserwähltes Volk nicht im Stich, sondern verheißt mitten in der Krise das Leben in Fülle!

Ps 30
2 Ich will dich erheben, HERR denn du zogst mich herauf und ließest nicht zu, dass meine Feinde sich über mich freuen.4 HERR, du hast meine Seele heraufsteigen lassen aus der Totenwelt, hast
mich am Leben erhalten, sodass ich nicht in die Grube hinabstieg. 5 Singt und spielt dem HERRN, ihr seine Frommen, dankt im Gedenken seiner Heiligkeit! 6 Denn sein Zorn dauert nur einen Augenblick, doch seine Güte ein Leben lang. Wenn man am Abend auch weint, am Morgen herrscht wieder Jubel. 12 Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt, mein Trauergewand hast du gelöst und mich umgürtet mit Freude, 13 damit man dir Herrlichkeit singt und nicht verstummt. HERR, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.

Die Antwort auf so eine wunderbare Verheißung kann nur der Lobpreis sein. Der Psalm beginnt ganz typisch mit einer Selbstaufforderung zum Lob. König David dankt in eigener Sache, aber auch das ganze Volk Israel für die Rettung Gottes für den Sieg über die Feinde. Gott hat weder David noch das Volk sterben lassen. Gott hat jene, die vor allem moralisch auf der Kippe standen, vor der ewigen Verdammnis bewahrt. David hat sich schwer versündigt, indem er Ehebruch und Auftragsmord begangen hat. Auch das Volk Israel hat sich immer wieder durch den Götzendienst von Gott abgewandt. Doch Gott hat nicht zugelassen, dass weder sein auserwählter König noch sein auserwähltes Volk in die Irre geht. Er hat auf das Unrecht reagiert, was wir Gottes Zorn nennen. Es ist keine affektive, unkontrollierte Emotion, in der er alles zerstört, sondern eine bewusste und kontrollierte Reaktion Gottes.
Gott musste so reagieren, damit sein Volk sich auf den Bund zurückbesinnt, auf das Treueversprechen, das es ihm gegeben hat. Gott darf aufgrund dieses Bundes die Treue von Israel verlangen. Er ist eifersüchtig, aber seine Eifersucht ist eine andere als die der Menschen: Es ist nicht patholischer Ausdruck seiner Unsicherheit, sondern das Verlangen nach der ganzen Liebe seiner Braut.
Und nachdem Israel sich besinnt hat und umgekehrt ist, ist das Heil wieder eingekehrt. So ist nun das Trauergewand in ein Freudenkleid gewandelt worden. Es ist nun eine Zeit des Freude und der Feststimmung. So ist es jedesmal, wenn ein Kind im Hl. Geist wiedergeboren wird bei der Taufe. Der Neue Bund ist ebenso ein Grund zur Freude, denn ein weiterer Mensch ist zur Braut Christi geworden und zum Erben im Reich Gottes eingesetzt worden! So ist es mit jedem Menschen, der von seiner Sünde umkehrt! Dann ist das Fest im Himmel groß! Und am Ende der Zeiten wird das ewige Hochzeitsmahl des Lammes gefeiert. Dann werden die Menschen ewig Gott loben und preisen, wie es am Ende des Psalms heißt. Das wird die ewige Tätigkeit in der Anschauung Gottes sein!

Jes 55
1 Auf, alle Durstigen, kommt zum Wasser! Die ihr kein Geld habt, kommt, kauft Getreide und esst, kommt und kauft ohne Geld und ohne Bezahlung Wein und Milch! 2 Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht? Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen und könnt euch laben an fetten Speisen! 3 Neigt euer Ohr und kommt zu mir, hört und ihr werdet aufleben! Ich schließe mit euch einen ewigen Bund: Die Erweise der Huld für David sind beständig. 4 Siehe, ich habe ihn zum Zeugen für die Völker gemacht, zum Fürsten und Gebieter der Nationen. 5 Siehe, eine Nation, die du nicht kennst, wirst du rufen und eine Nation, die dich nicht kannte, eilt zu dir, um des HERRN, deines Gottes, des Heiligen Israels willen, weil er dich herrlich gemacht hat.6 Sucht den HERRN, er lässt sich finden, ruft ihn an, er ist nah! 7 Der Frevler soll seinen Weg verlassen, der Übeltäter seine Pläne. Er kehre um zum HERRN, damit er Erbarmen hat mit ihm, und zu unserem Gott; denn er ist groß im Verzeihen.
8 Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege – Spruch des HERRN. 9 So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken. 10 Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, ohne die Erde zu tränken und sie zum Keimen und Sprossen zu bringen, dass sie dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, 11 so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, ohne zu bewirken, was ich will, und das zu erreichen, wozu ich es ausgesandt habe.

Als nächstes hören wir einen Ausschnitt aus dem Buch Jesaja, der ein Kapitel später erscheint. Auch hier geht es wieder um das Leben, nämlich um das ewige Leben. Die Durstigen, die zum Wasser kommen, sind die Menschen, die nach Gott dürsten. Es geht nicht um herkömmliches Wasser, das man zur Durstlöschung des Körpers verwendet, sondern um das lebendige Wasser für die Seele. Wir verstehen aus christlicher Sicht, was damit gemeint ist: Der Heilige Geist! Dieser ist es, der bei der Schöpfung über der Urflut schwebt. Dieser ist es, der dem Menschen die ewige Seele einhaucht. Dieser ist es, der auch den ersten Menschen der neuen Schöpfung zum Leben erweckt! Das Leben kommt von Gott – nicht nur das biologische Leben, sondern auch das ewige! Auch gerade das Leben in Fülle, das heißt ein gesegnetes Dasein, kann nur Gott garantieren. Was der Mensch alleine versucht, wird ihn nicht glücklich machen. Auf das Volk Israel bezogen ist es die Anbetung irgendwelcher Götzen, die es in die Babylonische Gefangenschaft gebracht hat. Was versucht der Mensch nicht alles, um glücklich zu werden! Wie viel investieren auch wir bis heute in irdische Güter, damit wir uns selbst ein Leben in Fülle beschaffen? Und doch sind die Herzen der Menschen leerer als sonst, weil sie Gott nicht darin haben. Gottes Gnade, die uns glücklich machen kann, die uns das Leben in Fülle schenkt, kostet nichts! Der einzige Preis ist das Hören auf Gott.
„Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen und könnt euch laben an fetten Speisen! Neigt euer Ohr und kommt zu mir, hört und ihr werdet aufleben!“ Leben wir in Gemeinschaft und Einklang mit dem Willen Gottes, dann werden auch wir ein Leben in Fülle haben! Gott ist ein Gott des Lebens. Jesus hat ihm bis ans Kreuz vertraut. Er hat in allem den Willen seines Vaters getan und so hat dieser ihn von den Toten auferweckt! Dies sei uns ein Beispiel, damit auch wir am Ende leben, auch wenn wir sterben!
„Ich schließe mit euch einen ewigen Bund.“ Dies hat Gott im Laufe der Heilsgeschichte immer wieder erneuert. Dann auf der Höhe der Zeit ist er selbst Mensch geworden, um am Kreuz einen Neuen Bund zu besiegeln, aber nicht mehr nur mit dem Volk Israel, sondern mit der ganzen Welt!
Er hat diesen Bund geschlossen durch den neuen David, den Sohn Davids, den Messias. Schon Jesaja kündigt an, dass es ein Bund mit den Völkern sein wird, also mit den Heiden! Es wird eine übernatürliche Nation sein, keine an irdische Nationalität gebundene. Es wird ein Volk sein aus allen Nationen der Erde! Deshalb wird es eine Nation sein, die Israel zur Zeit Jesajas noch nicht kennt.
Israel wird dazu ermutigt, Gott anzurufen, denn Gott erhört die Bitten seines Volkes!
Jetzt ist die Zeit der Umkehr gekommen! Gott hat Pläne, die das Volk zu jener Zeit noch gar nicht erahnen kann. Sein wunderbarer Heilsplan erreicht ein neues Level. Bald kommt der Messias und dieser ist Gott selbst. Es ist Gottes gesprochenes Wort, das auf die Erde kommt, dort Frucht bringt und so die Erde nicht ohne seine Spuren verlässt. Wir haben schon in der ersten Lesung gehört, dass alles durch das gesprochene Wort Gottes geschaffen worden ist. Und dieses Wort wird wieder auf die Erde kommen, um eine neue Schöpfung zu begründen! Jesus Christus wird alles vollbringen, was der Vater ihm aufträgt. Er wird bis zum letzten Atemzug seinen Willen tun und dann sagen: „Es ist vollbracht!“ Er wird nicht leer zum Vater zurückkehren, sondern gefüllt mit den Seelen der vielen Geretteten! Er kommt zum Vater Hand in Hand mit den Gerechten des Alten Testaments, die sehnsüchtig auf die Öffnung der Himmelstür gewartet haben. Das ist der Ausdruck des wahren Lebens, weil es das ewige Leben bei Gott ist! Und dies passiert heute, ja jetzt in dem Moment, als Jesus im Reich des Todes jenen Gerechten das Evangelium verkündet! Und mit der Auferstehung kehren jene Heim in die himmlische Heimat aus dem Exil der Sünde! Das ist der ultimative Beweis, dass Gott ein Gott des Lebens ist!

Jes 12
2 Siehe, Gott ist mein Heil; ich vertraue und erschrecke nicht. Denn meine Stärke und mein Lied ist Gott, der HERR. Er wurde mir zum Heil. 3 Ihr werdet Wasser freudig schöpfen aus den Quellen des Heils. 4 An jenem Tag werdet ihr sagen: Dankt dem HERRN! Ruft seinen Namen an! Macht unter den Völkern seine Taten bekannt, verkündet: Sein Name ist erhaben! 5 Singt dem HERRN, denn Überragendes hat er vollbracht; bekannt gemacht sei dies auf der ganzen Erde. 6 Jauchzt und jubelt, ihr Bewohner Zions; denn groß ist in eurer Mitte der Heilige Israels.

Als Antwort auf diese Heilsbotschaft hören wir eine Art Psalm im Buch Jesaja. Es handelt sich um das Danklied der Erlösten. Die Erlösung Gottes kann nur eine Reaktion hervorrufen, nämlich den Dank und das Lob.
Gott ist mein Heil. Er ist Stärke und Lied. Das Volk Israel kann nicht anders, als auf die Verheißung von Jesaja 11 mit Lobpreis zu antworten. Dort wird der Reis aus dem Baumstumpf Isais verheißen, der Sohn Davids, der das Volk erlösen wird. Die Israeliten verstanden darunter noch eine königliche Heilsgestalt, die das Volk vor der Fremherrschaft Assurs befreien wird. Als sie in der Babylonischen Gefangenschaft waren, werden sie darunter eine irdische und politische Erlösergestalt verstanden haben, die sie aus dem Exil befreit. Und doch verheißt Jesaja viel mehr: Denn hier geht es um das Heil Gottes, der sein Volk aus den Quellen des Heils schöpfen lassen wird! Es geht um das lebendige Wasser, um den Hl. Geist! Und dieser Geist ist es, der Leben verleiht. Hier geht es schon um übernatürliche Dinge. Der Heilige Israels ist Gott und dieser ist Mensch geworden in Jesus Christus! Wir beten diesen Lobpreis schon als Dank für die Erlösung durch den Kreuzestod Jesu Christi! Gott schenkt das ewige Leben, was noch viel existenzieller ist als das irdische Leben! Je näher wir der Zeitenwende kommen, desto mehr lernen und begreifen die Israeliten das.

Bar 3
9 Höre, Israel, die Gebote des Lebens; merkt auf, um Einsicht zu erlangen! 10 Warum, Israel, warum lebst du im Gebiet der Feinde, wirst alt in einem fremden Land, 11 bist unrein geworden, den Toten gleich, wurdest gezählt zu denen, die in die Unterwelt hinabsteigen? 12 Du hast den Quell der Weisheit verlassen. 13 Wärest du auf Gottes Weg gegangen, du wohntest in Frieden für immer. 14 Nun lerne, wo die Einsicht ist, wo Kraft und wo Klugheit, dann erkennst du zugleich, wo langes Leben und Lebensglück, wo Licht für die Augen und Frieden zu finden sind! 15 Wer hat je ihren Ort gefunden? Wer ist zu ihren Schatzkammern vorgedrungen?32 Doch der Allwissende kennt sie; er hat sie in seiner Einsicht entdeckt. Er hat ja die Erde für immer gegründet, er hat sie mit vierfüßigen Tieren bevölkert. 33 Er entsendet das Licht und es eilt dahin; er ruft es zurück und zitternd gehorcht es ihm. 34 Froh leuchten die Sterne auf ihren Posten. 35 Ruft er sie, so antworten sie: Hier sind wir. Sie leuchten mit Freude für ihren Schöpfer. 36 Das ist unser Gott; kein anderer gilt neben ihm. 37 Er hat den Weg der Erkenntnis ganz erkundet und hat sie Jakob, seinem Diener, verliehen, Israel, seinem Liebling. 38 Dann erschien sie auf der Erde und lebte mit den Menschen.1 Sie ist das Buch der Gebote Gottes, das Gesetz, das ewig besteht. Alle, die an ihr festhalten, finden das Leben; doch alle, die sie verlassen, verfallen dem Tod. 2 Kehr um, Jakob, ergreif sie! Geh in ihrem Glanz den Weg zum Licht! 3 Überlass deinen Ruhm keinem andern und deinen Vorzug keinem fremden Volk! 4 Glücklich sind wir, das Volk Israel; denn wir wissen, was Gott gefällt.

Als nächsten prophetischen Text hören wir einen Ausschnitt aus dem Propheten Baruch (zu Deutsch „der Gesegnete“). Auch hier geht es wieder um das Leben, das den roten Faden der gesamten Osternachtsliturgie darstellt.
Der Gott des Lebens erwartet vom Menschen nichts weiter, als die Gebote des Lebens zu halten, um ein Leben in Fülle zu haben.
Israel hat sich die Fremherrschaft selbst eingebrockt, weil es die Gebote Gottes nicht gehalten hat. Israel ist durch die Sünde „den Toten gleich“ geworden. Das Abgeschnittensein von Gott ist die schlimmste Form von Tod, weil sie ewig und endgültig ist.
„Du hast den Quell der Weisheit verlassen“ – Das Volk hat sich diesen endgültigen Tod selbst gewählt. Das ist der Kern. Auch wir Menschen heute können frei wählen zwischen Leben und Tod, indem wir uns entweder für oder gegen Gott und seine Gebote entscheiden.
Lernen wir aus den Worten Baruchs an Israel „Wärest du auf Gottes Weg gegangen, du wohntest in Frieden für immer.“
Alles liegt in Gottes Hand, der die Welt geschaffen hat. Er ist es, der das Licht entsendet, das ihm zitternd gehorcht. Das ist Jesus Christus, wie wir schon zuvor bedacht und erkannt haben! Er ist dieses Licht, das auf die Erde gekommen ist. Hier die dunkle Welt erleuchtet hat und dann zum Vater zurückgekehrt ist. Dieses Licht ist den Menschen zuteil geworden und ist zugleich das Gesetz, die Torah! Jesus hat das Gesetz erfüllt, indem er erklärt hat, wie es zu verstehen ist. Und dieses Licht, das das Gesetz ist, ist zugleich das Leben.
Licht und Leben sind auch im Johannesevangelium ganz und gar eins. Und diese beiden werden dort auf das Wort, auf den Logos bezogen.
Baruch sagt ganz deutlich, dass es für das Volk noch nicht zu spät ist. Es kehre jetzt um, damit es die Chance „auf dem Weg zum Licht“ hat.
„Glücklich sind wir, das Volk Israel; denn wir wissen, was Gott gefällt.“ Ja, das Volk Israel hat die Gebote Gottes empfangen und kennt den Willen Gottes. Doch es hat trotz Wissen darum gegen die Gebote gehandelt. Dabei kann es sich glücklich schätzen, denn es weiß, welcher Weg zum ewigen Leben bei Gott führt.
Das können wir Christen umso mehr sagen. Jesus hat die Gebote ganz konkret vorgelebt, sodass wir genau wissen, wie wir leben müssen, um zum Vater zu gelangen. Wie glücklich können wir uns über die Offenbarung Gottes schätzen! Seien wir dankbar, dass er uns die Chance auf das ewige Leben schenkt!

Ps 19
8 Die Weisung des HERRN ist vollkommen, sie erquickt den Menschen. Das Zeugnis des HERRN ist verlässlich, den Unwissenden macht es weise. 9 Die Befehle des HERRN sind gerade, sie erfüllen das Herz mit Freude. Das Gebot des HERRN ist rein, es erleuchtet die Augen. 10 Die Furcht des HERRN ist lauter, sie besteht für immer. Die Urteile des HERRN sind wahrhaftig, gerecht sind sie alle. 11 Sie sind kostbarer als Gold, als Feingold in Menge. Sie sind süßer als Honig, als Honig aus Waben. 12 Auch dein Knecht lässt sich von ihnen warnen; reichen Lohn hat, wer sie beachtet.

Mit Psalm 19 betrachten wir die Weisung des HERRN. Das ist die Torah, die in Jesus Christus Fleisch geworden ist. „Sie erquickt den Menschen.“ Ja, die Gebote zu leben bedeutet das Leben in Fülle und so muss die Seele des Menschen nicht mehr dürsten. Das können wir auch ganz und gar auf Christus beziehen, der nicht umsonst gesagt hat: „Wer Durst hat, komme zu mir und trinke (Joh 7).“
Gottes Zeugnis ist verlässlich und lehrt die Unwissenden. Jesus sagt, dass Gott sich den Unmündigen offenbart hat. Diese Weisheit ist höher als die Weisheit der Welt, so Paulus z.B. im ersten Korintherbrief.
Gott verlangt nicht, dass wir uns verbiegen und uns kaputt machen müssen. Er verlangt, dass wir gerade leben, das heißt einen Lebenswandel nach den Geboten führen sollen. Das ist nichts, was uns überfordert, sondern für den Menschen möglich! Es macht den Menschen glücklich, denn Gottes Gebote sind gerecht und viel kostbarer als alle irdischen Güter wie Gold oder Honig.
„Auch dein Knecht lässt sich von ihnen warnen“ – das ist zunächst auf König David zu beziehen, der diesen Psalm gedichtet und selbst gebetet hat. Dies betrifft aber auch Jesus Christus, der die Gebote selbst ganz gehalten hat. Die Weisung des Herrn bringt das ewige Leben – in Buchstaben, aber vor allem als Person Jesu Christi! Deshalb sagt Jesus, dass er die Auferstehung und das Leben ist. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Keiner kommt zum Vater, außer durch ihn! Wir merken, dass mit jeder Lesung sich alles immer mehr auf Jesus Christus verdichtet! Die ganze Schrift läuft wie ein Fluchtpunkt auf ihn zusammen! Sie ist ein einziges Zeugnis für ihn.

Ez 36
16 Das Wort des HERRN erging an mich: 17 Menschensohn, als die vom Haus Israel in ihrem Land wohnten, machten sie es durch ihre Wege und ihre Taten unrein. Wie die monatliche Unreinheit der Frau waren ihre Wege in meinen Augen. 18 Da goss ich meinen Zorn über sie aus, weil sie Blut vergossen im Land und es mit ihren Götzen befleckten. 19 Ich zerstreute sie unter die Nationen; in die Länder wurden sie vertrieben. Nach ihren Wegen und nach ihren Taten habe ich sie gerichtet. 20 Als sie aber zu den Nationen kamen, entweihten sie überall, wohin sie kamen, meinen heiligen Namen; denn man sagte von ihnen: Das ist das Volk des HERRN und doch mussten sie sein Land verlassen. 21 Da tat mir mein heiliger Name leid, den das Haus Israel bei den Nationen entweihte, wohin es auch kam. 22 Darum sag zum Haus Israel: So spricht GOTT, der Herr: Nicht euretwegen handle ich, Haus Israel, sondern um meines heiligen Namens willen, den ihr bei den Nationen entweiht habt, wohin ihr auch gekommen seid. 23 Meinen großen, bei den Nationen entweihten Namen, den ihr mitten unter ihnen entweiht habt, werde ich wieder heiligen. Und die Nationen – Spruch GOTTES, des Herrn – werden erkennen, dass ich der HERR bin, wenn ich mich an euch vor ihren Augen als heilig erweise. 24 Ich nehme euch heraus aus den Nationen, ich sammle euch aus allen Ländern und ich bringe euch zu eurem Ackerboden. 25 Ich gieße reines Wasser über euch aus, dann werdet ihr rein. Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen. 26 Ich gebe euch ein neues Herz und einen neuen Geist gebe ich in euer Inneres. Ich beseitige das Herz von Stein aus eurem Fleisch und gebe euch ein Herz von Fleisch. 27 Ich gebe meinen Geist in euer Inneres und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Rechtsentscheide achtet und sie erfüllt. 28 Dann werdet ihr in dem Land wohnen, das ich euren Vätern gegeben habe. Ihr werdet mir Volk sein und ich, ich werde euch Gott sein.

Als nächstes hören wir noch eine wunderbare Verheißung aus dem Buch Ezechiel. Auch hier wird der Tod als Entfernung von Gott charakterisiert („machten sie es durch ihre Wege und ihre Taten unrein“). Ezechiel bekommt eine Deutung der schlechten Zeiten Israels in der Babylonischen Gefangenschaft. Israel hat es sich selbst zuzuschreiben, „weil sie Blut vergossen im Land und es mit ihren Götzen befleckten.“ Die Zerstreuung und das Verlassen des verheißenen Landes sind Ausdruck des Zornes Gottes. Auch hier muss wieder betont werden, dass es kein Zorn ist wie bei Menschen, sondern eine angemessene und kontrollierte Reaktion Gottes auf Unrecht. Diese rettet Israel, denn dadurch kommt es zur Besinnung und kehrt um zum Leben!
Gott lässt seinen Zorn nur so lange walten, bis Israel es endlich versteht. Dann wird er sein Heil über Israel ausgießen: „Meinen großen, bei den Nationen entweihten Namen, den ihr mitten unter ihnen entweiht habt, werde ich wieder heiligen.“ Das klingt schon sehr christologisch für uns, die wir gestern noch die Entweihung des Namens Gottes durch die vielen Spöttereien an Jesus Christus gehört haben. Der Name Jesu, der so durch den Dreck gezogen worden ist, wird am Ende der heiligste Namen, in dem so viele Zeichen und Wunder geschehen werden, der das Heil ist für alle Menschen!
„Ich nehme euch heraus aus den Nationen, ich sammle euch aus allen Ländern und ich bringe euch zu eurem Ackerboden.“ Das ist für die Israeliten die höchste Heilsbotschaft! Sie dürfen zurück in ihrer Heimat und müssen nicht mehr in der Zerstreuung leben. Das ist aber auch christologisch zu verstehen: Jesus sammelt sich durch seine Erlösungstat Menschen aus allen Nationen und sie werden zu der neuen übernatürlichen Nation Gottes, dem neuen Volk, von dem wir in den vergangenen Lesungen schon gehört haben! Jesus wird sich seine Kirche sammeln, die auf den Ackerboden seines Leibes Fuß fassen wird. Sie wird schon auf Erden das Reich Gottes begründen und dann am Ende der Zeiten das verheißene Land, das himmlische Jerusalem betreten!
„Ich gieße reines Wasser über euch aus, dann werdet ihr rein. Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen.“ Jesus wird vom Vater seinen Hl. Geist auf sein Volk ausgießen und dadurch die Kirche zum Leben erwecken! Es ist der Geist, der Jesus selbst zum Leben erweckt hat am Ostermorgen! Auch hier haben wir wieder ein Zeugnis für den Gott des Lebens, der immerfort aus dem Nichts Leben schafft! Er ist wahrhaft Creator, immerfort, nicht nur am Anfang der Schöpfung! Diese Geistgabe verleiht Gott jedem seiner geliebten Kinder auf besondere Weise, wenn sie getauft werden. Dann werden sie wiedergeboren im Hl. Geist. Ihnen wird das ewige Leben geschenkt als Erben im Reiche Gottes.
„Ich gebe meinen Geist in euer Inneres und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Rechtsentscheide achtet und sie erfüllt.“ Gott kann dem Menschen auch wieder neues Leben schenken, wenn er umkehrt. Dies gilt für Israel, das durch die Götzendienste von Gott abgerückt war. Dies gilt für uns, die wir getauft sind, aber durch die Sünde von Gott weggegangen sind. Auch dann ist es nicht zu spät! Auch dann möchte Gott an uns ein kleines Ostern erwirken, bei dem wir durch das Sakrament der Buße wieder leben! Und das bewirkt der Geist Gottes, der das Leben ist.
Und wenn wir in diesem versöhnten Zustand sterben, werden wir im Land der Lebenden wohnen zusammen mit der Heiligsten Dreifaltigkeit, mit allen Engeln und Heiligen. Dann werden wir Gottes Volk sein und er unser Gott für immer. Das ist schon mehr als nur das verheißene Land Israel. Es geht um das ewige Leben.

Ps 42-43
3 Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann darf ich kommen und erscheinen vor Gottes Angesicht? 5 Ich denke daran und schütte vor mir meine Seele aus: Ich will in einer Schar einherziehn. Ich will in ihr zum Haus Gottes schreiten, im Schall von Jubel und Dank in festlich wogender Menge. 10 Sagen will ich zu Gott, meinem Fels: Warum hast du mich vergessen? Warum muss ich trauernd einhergehn, von meinem Feind unterdrückt? 3 Sende dein Licht und deine Wahrheit; sie sollen mich leiten; sie sollen mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deinen Wohnungen. 4 So will ich kommen zu Gottes Altar, zum Gott meiner Freude und meines Jubels. Ich will dir danken zur Leier, Gott, du mein Gott.

Auf diese wunderbare Verheißung antworten wir mit Sehnsucht. Ja, wir können es kaum erwarten, dass dies geschieht. Wir warten darauf, dass Jesus von den Toten aufersteht, damit wir das ewige Leben haben können. Wir sind schon erlöst, aber doch fiebern wir in der Liturgie heilsgeschichtlich mit. Wir sehnen uns darüber hinaus nach dem zweiten Kommen Jesu Christi, nach der Erlösung von dem Leiden dieser Welt, das immer größer wird. Wir sehnen uns nach der ewigen Gemeinschaft mit Gott, von der aus dem Ezechielbuch gehört haben.
„Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“ Der Mensch hat Durst, bis er nicht von Gott trinkt. Und Jesus hat es schon der Samariterin am Jakobsbrunnen erklärt: Wer von diesem Wasser trinkt, wird nie mehr dürsten.
Wir klagen Gott unser Leid, die wir trauernd einhergehn. Der Feind unterdrückt uns sehr und die Tendenz ist steigend. Doch auch wenn wir klagen: „Warum hast du mich vergessen?“ Ist dem nicht so. Gott vergisst uns nie. Er hat seinen eigenen Sohn dahingegeben, damit wir das ewige Leben haben und die Rettung unseres Lebens erfahren.
„Sende dein Licht und deine Wahrheit.“ Dies ist eine tiefgründige Bitte, die unsere Sehnsucht nach dem Messias ausdrückt. So oft haben wir jetzt gehört, dass er das Licht ist, das Gott in diese Welt gesandt hat. Er ist die Wahrheit, wie er selbst im Johannesevangelium erklärt hat. Die Menschen, die den Psalm beten, ersehnen den Messias, der noch nicht gekommen ist. Wir ersehnen die Wiederkunft Christi am Ende der Zeiten.
Und dieser Christus, der die Wahrheit ist, hat schon gesagt, dass wir nur durch ihn zum Vater gelangen. Und hier im Psalm wird das schon deutlich, wenn es heißt: „Sie sollen mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deinen Wohnungen. So will ich kommen zu Gottes Altar, zum Gott meiner Freude und meines Jubels.“ Der heilige Berg ist Zion. Gemeint ist für die Juden zunächst das Kommen zum Tempel in Jerusalem auf dem Zionsberg. Wir verstehen es aber schon christologisch: Wir kommen durch Christus zum himmlischen Zion. Dieses wird sakramental schon vorweggenommen in jeder Heiligen Eucharistie. Da berühren sich Himmel und Erde. Dort ist nicht nur der irdische und sichtbare Altar, sondern zugleich der himmlische Altar Gottes, den wir nicht sehen. Die Wohnungen, von denen der Psalm spricht, greift Jesus in seiner Abschiedsrede am Abend vor seinem Leiden auf, wenn er seinen Aposteln sagt: „Bei meinem Vater gibt es viele Wohnungen.“ Es ist der Lebensraum des Himmels, der mit diesem Bild ausgedrückt wird.
Dort werden alle Seelen Gott ewige danken zu der Leier (ein Instrument). Da wird ewiger himmlischer Lobpreis stattfinden.

Röm 6
3 Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? 4 Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln. 5 Wenn wir nämlich mit der Gestalt seines Todes verbunden wurden, dann werden wir es auch mit der seiner Auferstehung sein. 6 Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde, sodass wir nicht mehr Sklaven der Sünde sind. 7 Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. 8 Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden. 9 Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn. 10 Denn durch sein Sterben ist er ein für alle Mal gestorben für die Sünde, sein Leben aber lebt er für Gott. 11 So begreift auch ihr euch als Menschen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus.

Tod und Leben. Die ganze Heilsgeschichte läuft hinaus auf den Tod Jesu Christi am Kreuz, der am dritten Tage von den Toten auferstanden ist! Und dies geschieht just in dieser Liturgie! Jesus ist auferstanden und unser Gloria weist darauf hin. Nun hören wir aus dem Neuen Testament aus der Perspektive des bereits auferstandenen Jesus Christus. Paulus reflektiert darin, dass unsere Taufe, der Bundesschluss mit Gott, auf diesem Osterereignis gründet:
„Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?“ Das fasst unsere Taufe zusammen. Dass wir diesen Neuen Bund mit Gott überhaupt eingehen können und zu seinen Kinder, zu Erben des Reiches Gottes werden können, verdanken wir dem Tod Jesu Christi!
Unser alter Mensch ist mit Christus zusammen begraben worden. Unsere alte, sündige Natur, die dem ewigen Verderben geweiht war, ist zusammen mit Jesus Christus gestorben. Wir sind durch die Taufe zum neuen ewigen Leben auferweckt! Dadurch sind wir Christen österliche Menschen geworden! Und so wie Jesus jetzt ewig beim Vater lebt, so werden auch wir das ewige Leben beim Vater haben, auch wenn wir biologisch sterben.
Jesus hat unser altes Menschsein mit ans Kreuz genommen, damit wir für die Sünde mitsterben. Er hat uns dadurch aus der ewigen Sklaverei, aus dem ewigen Exil befreit, damit auch wir mit ihm leben würden. So wie Christus durch die Auferstehung den Tod endgültig besiegt hat, kann dieser auch uns nicht mehr schaden.
Wir sind für die Sünde tot, aber leben für Gott. Das ist Grund für eine unerschütterliche Hoffnung bis zum letzten Atemzug! Wir sehen, wie so viele der ersten Christen mit einem Lobpreis und Jubel auf den Lippen in den Tod gegangen sind für diese Osterbotschaft! Nur ein einziger Apostel ist eines natürlichen Todes gestorben. Alle anderen wurden für diese Botschaft umgebracht. Und sie haben bis zum Schluss daran festgehalten. Das zeigt, dass es wahr ist, dass Jesus lebt! Auch wir dürfen diese unerschütterliche Hoffnung haben und unser Leben auf dieser österlichen Botschaft aufbauen, die wir auf dieses Ereignis hin getauft sind.

Ps 118
1 Dankt dem HERRN, denn er ist gut, denn seine Huld währt ewig! 2 So soll Israel sagen: Denn seine Huld währt ewig. 16 die Rechte des HERRN, sie erhöht, die Rechte des HERRN, Taten der Macht vollbringt sie. 17 Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des HERRN zu verkünden. 22 Ein Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden. 23 Vom HERRN her ist dies gewirkt, ein Wunder in unseren Augen.

Aufgrund dieses Ereignisses und der überwältigenden Gnade Gottes können wir nicht anders, als unser ganzes Leben als Dankesopfer für den Herrn darzubringen. So wird Psalm 118 zu unserem Lebensprogramm. Ja, Gottes Huld währt ewig, denn er ist gut. Kein anderer Gott hat sich jemals von seinen geliebten Kindern umbringen lassen, um ebenjene von allen Sünden zu erlösen!
Gott hat durch die Auferstehung seines Sohnes wirklich seine Macht bewiesen. Das war die größte Heilstat aller Zeiten, die die Menschen gestern, heute und morgen erlöst hat!
Und deshalb darf der Mensch voller Freude sagen: „Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des HERRN zu verkünden.“ Ja, das ist die einzig angemessene Antwort auf die Erlösung, die uns zuteilgeworden ist – ihn zu verkünden und immerfort Zeugnis für ihn abzulegen.
Jesus Christus ist wirklich zum Eckstein geworden, nachdem die Bauleute ihn verworfen haben. Dies greifen die Autoren des Neuen Testaments auf wie Petrus im ersten Petrusbrief oder Paulus im Römerbrief. Ja, Jesus selbst hat dieses Schriftwort aufgegriffen und auf sich bezogen, wie wir in allen synoptischen Evangelien lesen. Die Menschen haben ihn nicht angenommen, aber Gott hat diese Ablehnung wiederum ins Heil umgekehrt. Gott ist ein Gott des Heils und hat somit der gesamten Menschheit die Rettung gebracht.

Mt 28
1 Nach dem Sabbat, beim Anbruch des ersten Tages der Woche, kamen Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. 2 Und siehe, es geschah ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. 3 Sein Aussehen war wie ein Blitz und sein Gewand weiß wie Schnee. 4 Aus Furcht vor ihm erbebten die Wächter und waren wie tot. 5 Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. 6 Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch den Ort an, wo er lag! 7 Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden und siehe, er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. 8 Sogleich verließen sie das Grab voll Furcht und großer Freude und sie eilten zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.
9 Und siehe, Jesus kam ihnen entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie gingen auf ihn zu, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße. 10 Da sagte Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen und dort werden sie mich sehen.

Und nun, meine Lieben, hören wir die wunderbare Osterbotschaft:
Am ersten Tag der Woche, als der Sabbat vorbei ist, das zugleich das Wochenende des Pessachfestes war, kommen die Frauen zum Grab, um nach dem Leichnam zu sehen. Es hat eine tiefe Bedeutung, dass Jesus am ersten Tag der Woche auferstanden ist. Es gibt zu jener Zeit schon länger jüdische Traditionen (Qumran etc.), denen nach die messianische Heilszeit an Tag 8 anbricht. Somit treten wir Christen als österliche Menschen in eine neue heilsgeschichtliche Epoche ein im Gegensatz zu den Juden, die den Sabbat am siebten Tag feiern! Jesus als Messias lebt wieder am achten Tag. Für die essenischen Kreise ein absolutes Signal und eine Bestätigung ihrer Schriften!
Bei Matthäus hören wir von einem kosmischen Zeichen bei der Auferstehung – einem Erdbeben. Das ist ganz typisch, weil es ein Zeichen der Theophanie Gottes ist. Wo Gott anwesend ist, gibt es immer wieder meteorologische Phänomene wie Gewitter, Wolken oder wie jetzt das Erdbeben. Ein Engel des Herrn wälzt laut Matthäus den Stein weg. Er leuchtet hell und deshalb vergleicht Matthäus sein Aussehen mit einem Blitz und mit Schnee. Das ist die Gnade und Herrlichkeit des Himmels, die so hell leuchtet. Wir haben die Lichtmetapher jetzt schon sehr oft gehört.
Die Wächter der Römer, die das Grab bewachen mussten (man hatte Angst, dass die Jünger Jesu den Leichnam stehlen würden), waren überwältigt und konnten nichts tun. Sie erstarren vor der Herrlichkeit Gottes!
Und dann kommt die Botschaft, die uns die gesamte Bibel hindurch immer wieder begegnet: „Fürchtet euch nicht!“
Der Engel erklärt den Frauen, dass der Gekreuzigte, den sie suchen, nicht mehr da ist, weil er auferstanden ist!
Die Frauen schauen mit eigenen Augen, dass das Grab leer ist. Sie sollen zu den Aposteln gehen und ihnen die frohe Botschaft bringen. Aus dem Grund wird Maria Magdalena in der Kirche als Apostolin der Apostel verehrt. Sie hat ihnen die frohe Botschaft als erste verkündet. Weil sie Jesus immer mit einer besonders innigen Liebe geliebt hat, ist ihr diese Ehre zuteil geworden.
Der Engel kündigt den Frauen an, dass Jesus den Jüngern nach Galiläa vorausgehe.
Und dann sehen sie Jesus, den sie so sehr betrauert haben! Er lebt! Jesus lebt! Er ist echt, denn sie umfassen seine Füße. Er ist keine Fata Morgana, er ist leibhaftig bei ihnen. Auch er spricht zu ihnen und sagt ihnen, dass sie den Aposteln den Aufbruch nach Galiläa verkünden sollen, wohin er ihnen vorausgehe.
Jesus lebt – nicht nur geistig, sondern mit Leib und Seele! Er ist wahrhaftig mitten unter den Menschen. Bei den anderen Evangelisten hören wir sogar, dass Jesus etwas isst. Er ist leibhaftig auferstanden und diese Botschaft kann uns keiner nehmen! So wie er leiblich auferstanden ist, so werden auch wir am Ende der Zeiten mit Leib und Seele auferstehen. Das ist die Eigenschaft der neuen Schöpfung, zu der Jesus und Maria schon gehören.

Gott ist ein Gott des Lebens. Das ist die Hauptbotschaft von Ostern. Die ganze heilsgeschichtliche Zusammenfassung atmet diese Botschaft mit jedem Buchstaben. Gott ist ein Gott des Lebens und wenn wir zu ihm kommen, dann leben auch wir.

Halleluja, Jesus lebt!

Ihre Magstrauss


Gründonnerstag

Ex 12,1-8.11-14; Ps 116,12-13.15-16.17-18; 1 Kor 11,23-26; Joh 13,1-15

Heute beginnt das große Ostermysterium, das wir an drei Tagen feiern. Die heutige Liturgie wird offen enden, denn sie wird an Karfreitag fortgesetzt und in der Osternacht abgeschlossen. Diese drei Tage werden auch Triduum Sacrum bzw. Triduum Paschale genannt. Es sind die intensivsten drei Tage des gesamten Kirchenjahres und wir gehen mit Jesus mystisch gesehen vom Abendmahlssaal über den Garten Getsemani bis hin zum dunklen Kerker des Gefängnisses und weiter bis zum Golgota. Wir sind Zeugen seiner Kreuzigung und treten in eine Grabesruhe ein bis zum triumphalen Halleluja der Osternachtsliturgie.

Ex 12
1 Der HERR sprach zu Mose und Aaron im Land Ägypten:

2 Dieser Monat soll die Reihe eurer Monate eröffnen, er soll euch als der Erste unter den Monaten des Jahres gelten.
3 Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am Zehnten dieses Monats soll jeder ein Lamm für seine Familie holen, ein Lamm für jedes Haus.
4 Ist die Hausgemeinschaft für ein Lamm zu klein, so nehme er es zusammen mit dem Nachbarn, der seinem Haus am nächsten wohnt, nach der Anzahl der Personen. Bei der Aufteilung des Lammes müsst ihr berücksichtigen, wie viel der Einzelne essen kann.
5 Nur ein fehlerfreies, männliches, einjähriges Lamm darf es sein, das Junge eines Schafes oder einer Ziege müsst ihr nehmen.
6 Ihr sollt es bis zum vierzehnten Tag dieses Monats aufbewahren. In der Abenddämmerung soll die ganze versammelte Gemeinde Israel es schlachten.
7 Man nehme etwas von dem Blut und bestreiche damit die beiden Türpfosten und den Türsturz an den Häusern, in denen man es essen will.
8 Noch in der gleichen Nacht soll man das Fleisch essen. Über dem Feuer gebraten und zusammen mit ungesäuertem Brot und Bitterkräutern soll man es essen.
11 So aber sollt ihr es essen: eure Hüften gegürtet, Schuhe an euren Füßen und euren Stab in eurer Hand. Esst es hastig! Es ist ein Pessach für den HERRN.
12 In dieser Nacht gehe ich durch das Land Ägypten und erschlage im Land Ägypten jede Erstgeburt bei Mensch und Vieh. Über alle Götter Ägyptens halte ich Gericht, ich, der HERR.
13 Das Blut an den Häusern, in denen ihr wohnt, soll für euch ein Zeichen sein. Wenn ich das Blut sehe, werde ich an euch vorübergehen und das vernichtende Unheil wird euch nicht treffen, wenn ich das Land Ägypten schlage.
14 Diesen Tag sollt ihr als Gedenktag begehen. Feiert ihn als Fest für den HERRN! Für eure kommenden Generationen wird es eine ewige Satzung sein, das Fest zu feiern!

Die Wahl ausgerechnet dieser ersten Lesung markiert schon alles, was wir über das letzte Abendmahl wissen müssen, das wir an Gründonnerstag in besonderer Weise feiern: Jesus setzt mit diesem Mahl die Eucharistie ein, die ein Opfer ist! Und dieses Opfer ist der Antitypos des Paschalamms, von dem wir nun hören:
Gott schreibt Mose und Aaron vor, dass der aktuelle Monat von nun an den Beginn des Jahres markieren soll. Es handelt sich um den Monat Nisan, der umgerechnet den Monaten März/April entspricht. Dies hat auch die Katholische Kirche in gewisser Weise beeinflusst, denn in der Osternacht wird die Osterkerze des seit dem ersten Advent laufenden Kirchenjahres geweiht und von da an verwendet. Ein gewisser Neuanfang wird somit auch in der Kirche vorgenommen. Es hat mit der Befreiung aus der Sklaverei zu tun, an die das Paschafest der Juden und in ihrer typologischen Erfüllung das Osterfest mit der Auferstehung Jesu Christi erinnert (er erlöst uns von der Sklaverei der Sünde und der Knechtschaft des Todes!). Mit dieser Rettung ist ein neues Leben ermöglicht worden, weshalb der Neubeginn gefeiert wird.
Dann schreibt Gott vor, wie das Paschafest zu feiern ist, ein von Gott selbst nun gestiftetes Fest:
Am Zehnten des Nisan soll das Fest gefeiert werden, dessen Zentrum das Paschalamm ist, das pro Haushalt zubereitet werden soll. Dabei darf es „nur ein fehlerfreies, männliches, einjähriges Lamm“ sein, „das Junge eines Schafes oder einer Ziege“.
Ein solches Opfer ist gottgefällig und dessen Blut an den Türpfosten der Häuser bewirkt, dass die Bewohner vor dem Tod verschont werden. Wir schauen vom Pessachlamm weiter auf den, dessen Opfer endgültig für alle Generationen den ewigen Tod abwenden wird – Jesus Christus, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt (Joh 1,29 – die Worte des Täufers beim Anblick Jesu, die Worte des Priesters in der Messe beim Anblick des sakramentalen Leibes Christi). Jesus ist makellos, er ist ohne Sünde. Er ist männlich, was wichtig ist. Es ist kein Zufall, dass Gott als Mensch Mann geworden ist. Nur so hat sich dieser Kreis der Opfer geschlossen.
Dadurch, dass pro Haushalt ein Lamm zubereitet und im Kontext eines Mahls gegessen werden soll, handelt es sich um ein Familienfest.
Es ist wichtig, dass vom Lamm nichts mehr übrig bleibt, sodass die Portionen gut bedacht sein sollen. Das liegt daran, dass es ein Abschiedsmahl darstellt, bevor sich die Israeliten auf den Weg machen. Sie können also keine Reste hinterlassen.
Zum Paschalamm sollen ungesäuerte Brote und Bitterkräuter verzehrt werden. Diese Zutaten werden uns auch im Abendmahlssaal Jesu begegnen, wenn er das Brotstück in die Bitterkräuter taucht und Judas Iskariot reicht. Das Lamm wird fehlen, weil Jesus selbst das Opferlamm ist.
Hier soll das Lamm über dem Feuer gebraten werden. Schauen wir auf Jesus als Opferlamm, dann erahnen wir schon seine gesamte Passion, die er bis zu seinem Tod erleiden muss. Er wird förmlich durchs Feuer gehen, was die Reinigung aller Menschen von der Sünde bewirken wird. Nicht umsonst wird das Feuer auch später zum Symbol der Reinigung und ist es auch schon in der Hl. Schrift, wenn Gold im Feuer geprüft wird (Spr 17,3; Sach 13,9).
Entscheidend zur Abwendung des Übels ist das Blut des Lammes. Die Bestreichung des Hauseingangs mit diesem Blut wendet den Tod des Erstgeborenen jedes Haushalts ab. Beziehen wir es schon auf Jesus Christus, dann wendet auch das Vergießen seines Blutes unseren Tod ab, nämlich den seelischen Tod. Johannes berichtet davon, dass beim Lanzenstich mitten ins Herz Jesu Blut und Wasser herausfließen. Hier erkennen wir, dass dieses herausfließende Blut auf uns herabkommt, um den Eingang unserer Seele zu tränken und unsere Seele zu besiegeln, die so vor dem ewigen Tod gerettet wird. Sein kostbares Blut schützt auch uns, die wir unter dem Kreuz stehen, die wir in jeder Hl. Messe das Kreuzesgeschehen und den Golgota in die Gegenwart holen.
Es ist kein Zufall, dass das Paschalamm kein Brandopfer ist, sondern wirklich gegessen werden muss. So wird die Grundlage geschaffen für die Eucharistie, bei der ebenfalls das Lamm Gottes über den Essvorgang empfangen wird. Es ist auch bemerkenswert, wie es gegessen werden muss: „eure Hüften gegürtet, Schuhe an euren Füßen und euren Stab in eurer Hand. Esst es hastig! Es ist ein Pessach für den HERRN.“ Auch für Jesus und seine Apostel im Abendmahlssaal ist es ein Essen, das vor dem Aufbruch gegessen wird. Jesus wird mit drei seiner Jünger in den zweiten Garten der Versuchung aufbrechen (der erste ist der Garten Eden!). Von dort aus wird Jesus aufbrechen in den schmerzhaften Prozess des Leidens und Sterbens. Und auch wir empfinden dieses Aufbrechen in jeder Eucharistie mystagogisch nach, wenn wir nämlich ziemlich bald nach dem Empfang der Kommunion die Liturgie abschließen und in die Welt zurück gehen. Schließlich ist die Kirche das pilgernde Gottesvolk auf dem Weg in die Ewigkeit. So ist die Eucharistie als Mahl des Opferlammes Christus die Wegzehrung auf dem Weg ins Himmelreich.
Das Gürten ist nicht nur Zeichen für den Aufbruch und die Reise. Es bedeutet auch das Rüsten für den Krieg. Die Eucharistie wird so auch zur Stärkung im Kampf gegen den Bösen. Seine Versuchungen kommen schon nach dem letzten Abendmahl Jesu und seiner Apostel nicht umsonst direkt danach im Garten Getsemani. Die gesamte Passion ist für Jesus ein Kampf gegen den Bösen, den er nach drei Tagen im Grab endgültig gewinnen wird. Deshalb ist es für uns absolut heilsam, ein sakramentales Leben zu führen, regelmäßig zu beichten und die Kommunion zu empfangen. So können auch wir den Kampf gegen den Bösen bestehen und bis zum Ende standhaft bleiben.
„Diesen Tag sollt ihr als Gedenktag begehen.“ Und damit auch die Apostel Jesu den Bezug zum Pessachmahl erkennen, die fromme Juden sind, sagt Jesus zu ihnen: „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“
So ist es auch mit den folgenden Worten: „Feiert ihn als Fest für den HERRN! Für eure kommenden Generationen wird es eine ewige Satzung sein, das Fest zu feiern!“ Deshalb feiern wir die Eucharistie immer wieder als Fest für den HERRN und vor allem am Tag des HERRN, am Ostertag. Die Eucharistie ist unsere ewige Satzung bis zum Ende der Zeiten. Wir feiern dort sakramental, was wir dann mit dem Abbruch der Weltgeschichte und der Durchsetzung der Herrlichkeit Gottes in seiner ewigen Anschauung unverhüllt feiern werden – die Hochzeit des Lammes, das ewige Freudenmahl.
Das hier eingeführte Pessachmahl wird im Abendmahlssaal Jesu den Bogen schließen. Es wird kein Opferlamm geben. Wir werden nur von den Broten und den Bitterkräutern lesen. Das Lamm wird erst einen Tag später geschlachtet werden und nur ein einziger Apostel des Abendmahlssaales wird dieses Schlachten miterleben – Johannes. Er wird all die Erfüllungen der alttestamentlichen Schriftworte erkennen. Er wird voller Schmerz sehen, was Jesus am Abend zuvor meinte mit den Worten: „Nehmet und esset, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird….das ist mein Blut, das für euch und für viele vergossen wird.“ (Mt 26,28 par). Er wird sehen, dass es nicht nur symbolisch gedacht war, sondern ganz wortwörtlich. Jesus ist wirklich zum Opferlamm am Kreuzesstamm geworden und dies hängt aufs Innigste mit dem letzten Abendmahl zusammen.

Ps 116
12 Wie kann ich dem HERRN vergelten all das Gute, das er mir erwiesen?
13 Den Becher des Heils will ich erheben. Ausrufen will ich den Namen des HERRN.
15 Kostbar ist in den Augen des HERRN der Tod seiner Frommen.
16 Ach HERR, ich bin doch dein Knecht, dein Knecht bin ich, der Sohn deiner Magd! Gelöst hast du meine Fesseln.
17 Ich will dir ein Opfer des Dankes bringen, ausrufen will ich den Namen des HERRN.
18 Meine Gelübde will ich dem HERRN erfüllen in Gegenwart seines ganzen Volks.

Heute beten wir einen Dankespsalm, der zum sogenannten Ägyptischen Hallel gehört (ein großes Loblied bestehend aus den Psalmen 113-118). Es wird so genannt, weil es an das erste Pessachfest in Ägypten erinnert, was wir heute ja in der Lesung gebetet haben. Sie merken, dass die Zusammenstellung der Lesungen in der Liturgie wie so oft vom jüdischen Festkalender und von der intertextuellen Beziehung verschiedener alttestamentlicher Bücher inspiriert ist. Das ägyptische Hallel ist zu den großen Wallfahrtsfesten gebetet worden, also haben die Juden zur Zeit Jesu dieses Hallel zum kommenden Pessachfest ebenfalls gebetet. Wir können uns durchaus vorstellen, dass Jesus auch im Abendmahlssaal dieses Hallel angestimmt hat, denn es war Tradition, dieses Loblied am Sederabend mit der Familie zu singen (und der Zwölferkreis war Jesu Familie). Auch für uns, die wir heute der Einsetzung des Danksagungsfestes gedenken (Eucharistia=Danksagung!), ist dieser Dankespsalm absolut passend für die Liturgie:
„Wie kann ich dem HERRN vergelten all das Gute, das er mir erwiesen?“ Mit dieser rhetorischen Frage bringen schon die Israeliten zum Ausdruck, dass der Exodus mit der Befreiung aus dem Sklavenhaus Ägypten absoluter Gnadenerweis Gottes ist. Das Volk hätte es nie zustande gebracht, diese Befreiungsaktion erst einmal zu verdienen durch gute Taten und Opfer. Und auch wir können nur so beten, denn wer von uns hätte das Kreuzesopfer durch eigenes Gutsein zuerst verdienen können? Die übergroße Schuld mit den hohen Wellen ihrer todbringenden Konsequenzen hätte durch menschliche Kraft nie gesühnt werden können. Es war ein einziger Gnadenakt Gottes, seinen geliebten Sohn für uns dahinzugeben, um diese übergroße Schuld zu sühnen!
„Den Becher des Heils will ich erheben. Ausrufen will ich den Namen des HERRN.“ Jesus musste den Becher des Leidens und Todes trinken, von dem er voller Todesangst im Garten Getsemani noch gesagt hat: „Vater, nimm diesen Kelch von mir…doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe“. Weil er ihn bereitwillig getrunken hat, ist er für uns zum Becher des Heils geworden! Wir rufen den Namen des HERRN an, bis er wiederkommt in Herrlichkeit. So geschehen in seinem Namen bis heute Zeichen und Wunder.
„Kostbar ist in den Augen des HERRN der Tod seiner Frommen.“ Das soll nicht heißen, dass Gott es gefällt, wenn Menschen sterben müssen. Es heißt vielmehr, dass der Preis für den Tod sehr hoch ist, weil die Frommen ihm kostbar sind. Und der Frommste ist Jesus Christus, sein eingeborener Sohn. Sein Tod ist so teuer, dass er mit dem Preis die Sünde der ganzen Welt loskaufen konnte!
„Gelöst hast du meine Fesseln.“ Dies bezieht sich zunächst auf die Fesseln des Sklavenhauses Ägypten, deren Lösung der Psalm ja dankend gedenkt. Der Kreis schließt sich aber mit der Befreiung aus der Sklaverei der Sünde durch die Erlösung Jesu Christi, der auf diese Weise noch viel existenziellere Fesseln gelöst hat! Er hat nicht nur unsere Fesseln des ewigen Todes gelöst, sondern wird am Ende der Zeiten dem Bösen endgültig die Fesseln anlegen!
„Ich will dir ein Opfer des Dankes bringen, ausrufen will ich den Namen des HERRN.“ Dies ist eine gelübdeartige Zusage, die liturgisch im Laufe der Wallfahrt ja umgesetzt wird. Es werden Opfer im Tempel von Jerusalem dargebracht. Wir lesen es an diesem heutigen Tag eucharistisch: Ja, wir bringen ein Opfer des Dankes dar, die Eucharistie, die Danksagung, die zwar auf den ersten Blick Mahl (ja, das darf man nicht vergessen), aber zutiefst vom Kern und Wesen her Opfer ist.
„Meine Gelübde will ich dem HERRN erfüllen in Gegenwart seines ganzen Volks.“ Diese Zusage im Kontext der Wallfahrt geschieht vor den Augen der anderen. Danksagung ist ein Opfervorgang, der nicht individuell bleibt, sondern in Versammlung. Deshalb feiern wir bis heute die Eucharistie in der Gemeinschaft der Heiligen – und damit sind nicht nur jene auf Erden gemeint, sondern auch die Heiligen, die bereits am Thron Gottes stehen, auch die Engel, die Gott dienen!

1 Kor 11
23 Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot,

24 sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!
25 Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!
26 Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

In der zweiten Lesung hören wir heute die älteste Überlieferung der eucharistischen Einsetzungsworte Jesu, die uns durch das Neue Testament überliefert worden sind.
Paulus sagt selbst, dass er diese Worte empfangen hat.
„Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot“ – diese Formulierung wird auch in das Eucharistische Hochgebet aufgenommen“ – mit jüdischen Augen lesen wir hier das ungesäuerte Brot im Abendmahlssaal.
„sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ Das Dankgebet ist wichtiger Bestandteil schon bei den Juden. Das Gedächtniswort habe ich bereits bei der Exoduslesung als Bogen zwischen erstem Pessachmahl in Ägypten bis zum Abendmahlssaal Jesu herausgestellt, da es in Ex 12,14 heißt „Diesen Tag sollt ihr als Gedenktag begehen.“ Er nimmt Brot und nicht ein geschlachtetes Lamm, weil er selbst dieses Lamm sein wird am nächsten Tag. Er nimmt Brot, weil sich noch eine weitere Typologie erfüllen soll – er ist der Antitypos des Manna in der Wüste, das die Väter gegessen haben, nun aber zum ewigen Leben führen wird. Er ist das Himmelsbrot, von dem er zu Anfang des Johannesevangeliums gesprochen hat. Dies soll sich nun hier im letzten Abendmahl erfüllen. Er ist das tägliche Brot des Vaterunsers, er ist das Grundnahrungsmittel unserer Seele.
„Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!“ Auch hier ist der Bezug zu Ex 12,14 gegeben. Jesus hat mit diesen Worten selbst gekennzeichnet, dass es kein normales Sedermahl zum Auftakt des Pessachfestes (vorweggenommen, weil an den essenischen Termin angepasst) mehr ist, sondern ein Bundesmahl! Hier setzt der neue Bund an, der einen Tag später am Kreuz besiegelt wird, aber nur einer der Apostel wird dabei sein. Das ist der eigentlichste Bund aller Zeiten, denn Bundesschluss heißt „du gehörst mir und ich gehöre dir“. Während die Bundesschlüsse des Alten Testaments lediglich mit einem Tieropfer besiegelt werden, opfert sich Gott selbst. Mit dieser Auslieferung drückt er am eigentlichsten aus, dass er ganz uns gehört. Darum kommen die Märtyrer sofort zu ihm, denn sie haben es ihm am eigentlichsten gleichgetan, indem sie ebenfalls ihr Blut vergossen haben mit der Absicht: Und ich gehöre ganz dir.
Auch ohne dieses Blutvergießen antworten wir bei der Taufe mit diesen Worten des vollkommenen Gottergebenseins. Wir richten unser ganzes Leben nach ihm aus und er ist die Nummer eins in unserem Leben. Wenn wir Eucharistie feiern, dann bekräftigen wir diese Antwort immer wieder, die wir bei jeder Wandlung zugleich im Abendmahlssaal und auf dem Kalvarienberg unter dem Kreuz sind.
„Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.“ Dies beten wir direkt im Anschluss an die Wandlungsworte, wenn der Priester anstimmt: „Geheimnis des Glaubens“. Die Sakramente sind Antizipation der Ewigkeit. Sie dauern an bis zur Wiederkunft Christi. Dann brauchen wir keine Sakramente mehr, weil die Herrlichkeit Gottes nicht mehr verborgen ist. Dann ist Gott selbst in unserer Mitte und wir dürfen ihn schauen von Angesicht zu Angesicht!

Joh 13
1 Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen liebte, die in der Welt waren, liebte er sie bis zur Vollendung.
2 Es fand ein Mahl statt und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn auszuliefern.
3 Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte,
4 stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch.
5 Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war.
6 Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen?
7 Jesus sagte zu ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen.
8 Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir.
9 Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt.
10 Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle.
11 Er wusste nämlich, wer ihn ausliefern würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.
12 Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe?
13 Ihr sagt zu mir Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es.
14 Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.
15 Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.

Nun hören wir von diesem schon vielbesprochenen Abend aus dem Johannesevangelium. Überraschenderweise berichtet Johannes nicht vom Mahl selbst, sondern davon, was währenddessen geschehen ist – die Fußwaschung! Aus dem Grund wird in der Kirche an diesem Abend die Fußwaschung an Gläubigen durch den Geistlichen vorgenommen. Betrachten wir die Fußwaschung als prophetischen Zeichenakt, wird uns deutlich, dass es absolut kein Zufall ist, dass sie während des letzten Abendmahls geschieht!
Johannes sagt ganz allgemein „ein Mahl fand statt“.
Die Einleitung zu diesem Ausschnitt wird in eines der Eucharistischen Hochgebete aufgenommen: „Da er die Seinen liebte, die in der Welt waren, liebte er sie bis zur Vollendung.“ Es bringt auf den Punkt, weshalb Jesus alles getan hat, was von da an passiert ist. Weil er uns alle liebt, die in der Welt sind, die es damals waren und die es in Zukunft sein werden. Jesus hat alles ganz im Vertrauen zum Vater getan und auch im Gehorsam zum Vater, der ihm alles in seine Hände gegeben hat.
Es ist ein wichtiger Hinweis, dass zuerst Jesu absolutes Bewusstsein des Gekommenseins und des Gehens zum Vater genannt wird, bevor Jesus die Fußwaschung vornimmt. Er weiß, wer er vor seinem Vater ist und was seine Berufung ist. Er kennt seine Vollmacht und seinen Wert. Das ist die Bedeutung von Demut: Ich weiß, wer ich vor Gott bin. Ich weiß, was ich kann und was ich nicht kann. Ich weiß, wozu ich da bin. Und von dieser demütigen Ausgangshaltung tut Jesus nun einen Sklavendienst, die Fußwaschung. Es handelt sich um eine Praxis, die unumgänglich war in einer Zeit, als die Straßen voller Staub sind und trotz eines Bades die Füße immer wieder dreckig wurden. Wenn man ein Haus betrat, haben die Sklaven des Hauses die Füße dann vom Schmutz der Straße gereinigt.
Jesus wird freiwillig zum Sklaven, nicht weil er sich so wertlos fühlt, sondern eben weil er sich die Freiheit der Entäußerung ganz nimmt! Er weiß um seinen Wert und kann deshalb frei bestimmen, sich zu demütigen. Das ist wichtig. So sollen auch wir einander dienen – nicht als Bespuckte, die das Aschenputtelsyndrom haben („ich bin nichts wert, keiner mag mich, ich armes Würstchen!“), sondern als freie Gottgeliebte, die der Ohnmacht der Liebe und der Entäußerung Jesu nacheifern.
Wir sind als Getaufte Königskinder! Wir sind mit dem kostbarsten Öl Chrisam gesalbt worden! Aber wir dienen und gehen vor dem Anderen freiwillig in die Knie. Wir müssen den Menschen nicht zwanghaft beweisen, dass wir so besonders sind, sondern in der Entäußerung kommt unsere königliche Seele zur Geltung.
Jesus tut einen Sklavendienst und wird am Ende von einem seiner engsten Freunde für den damals aktuellen Sklavenpreis ausgeliefert – für dreißig Silberstücke.
Es ist noch eine weitere Sache anzusprechen, die mit dem Waschen ausgerechnet der Füße zu tun hat. Dass damit pars pro toto gemeint ist, werden wir gleich bei der Reaktion Petri noch thematisieren, hier geht es um ein anderes Zeichen: Wir wissen aus der Schrift, dass das Abschütteln des Staubs von den Füßen ein Zeichen gegen jemanden ist, nämlich als Gerichtsankündigung. Wenn Jesus nun die Füße seiner Apostel wäscht, die gerade das Mahl des Bundes mit ihm gehalten haben, dann erfüllt sich, was Jesus in seiner Himmelsbrotrede in Joh 6,53-54 gesagt hat: „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag.“ Jesus wäscht nach dem Mahl den Aposteln den Staub von den Füßen, das Zeichen des Todes, das Zeichen des ersten Menschen, der aus dem Staub der Erde geschaffen worden ist. Jesus wäscht das Gericht von ihren Füßen, sie werden am Jüngsten Tag nicht verbannt, sondern werden leben! Sie werden den ewigen Tod nicht sterben. So werden sie vom Tod verschont wie die Israeliten in Ägypten.
Als Jesus zu Petrus kommt, um an ihm dieses Zeichen zu tun, weigert er sich. Er sieht nur die Oberfläche und erkennt das Prophetische daran nicht. Jesus erklärt ihm, dass er durch diese Waschung Anteil an Jesus hat. Das Gericht wird an ihm vorübergehen und so wird er auf ewig Teil des Reiches Gottes sein. Dieses Waschen der Füße kann dabei zeichenhaft die Taufe andeuten, die die Einsetzung jedes Christen als Erben im Reich Gottes kennzeichnet, als auch die Beichte, die die Wiederherstellung der Taufgnade erwirkt, wenn man sich auf der Straße bewegt und wieder Staub auf die Füße gelangt. Und gerade die Beichte ist ein Akt der Demütigung, weil wir unsere eigene Erlösungsbedürftigkeit vor Gott bekennen und ihn um Vergebung bitten. Petrus hat dies durch seine Reaktion verdeutlicht. Es passt ihm nicht, dass Jesus vor ihm in die Knie geht. Das auszuhalten, wäre aber ein Akt der Demütigung gewesen. Petrus lernt schnell dazu und so bittet er Jesus, ihn dann auch ganz zu waschen. Jesus erklärt jedoch, dass er schon rein ist, nur die Füße gewaschen werden müssen – die Aposteln sind vor Gott gerecht bis auf Judas Iskariot, der Jesus ausliefern wird, dies schon längst beabsichtigt und deshalb schon voller Sünde ist.
Jesus sagt im Anschluss zu ihnen: „Begreift ihr, was ich an euch getan habe?“ Zuvor haben die Jünger darüber gestritten, wer von ihnen der Größte sei. Jesus hat es ihnen damals schon erklärt, dass das Herrschen in seiner Kirche das Bedienen aller bedeutet. Und heute im Abendmahlssaal zeigt er es ihnen ganz konkret auf durch den klassischen Sklavendienst. Weil Jesus Meister und Herr ist, geht er in die Knie. Und so sollen auch die Aposteln, die eine hohe Stellung in der Kirche haben werden als Augenzeugen und engste Vertraute Jesu vor ihren Gemeindemitgliedern in die Knie gehen. Es geht um das Dienen. Jesus hat ihnen ein Beispiel gegeben und er soll es auch bis heute für uns bleiben. Auch wir sollen stets einander dienen und nicht übereinander herrschen. Es soll nicht um Machtstreitereien gehen, bei denen am Ende jemand über den anderen triumphiert – insbesondere bei kirchenpolitischen Machtkämpfen unserer heutigen Zeit. Es soll darum gehen, sich im gegenseitigen Dienen zu übertreffen, nicht aus Kampfgeist, sondern aus dem Hl. Geist heraus, der die Liebesglut Gottes ist!
Heute wäscht Jesus uns rein vom Staub des alten Menschen. Der Preis, den er dafür aber zahlen muss, ist das dreimalige Fallen in den Staub der Straße mit dem Kreuz auf den Schultern. Dessen werden wir morgen beim Kreuzweg dankbar gedenken. Es ist das Hinabsinken in den Staub des Todes, wie es Psalm 22 ausdrückt, den Jesus am Kreuz beten wird. Er geht in den Tod, damit wir das Leben haben und an uns kein Staubkorn mehr übrig bleibt.
Er wäscht uns, er nährt uns, er tränkt uns. Das ist der Gott des Lebens, der uns liebt. Lassen wir uns von dieser Liebe überschütten und berühren, sodass wir dann voller Dankbarkeit seine Liebe erwidern können mit unserem ganzen Leben.

Die vielen Ansätze heute werden morgen ihre Vollendung finden. Wachen wir heute Nacht mit dem von Todesangst geplagten Jesus. Verstecken wir uns nicht wie die Apostel, sondern gehen den schwierigen Kreuzweg zusammen mit Jesus. Begleiten wir ihn bis unter das Kreuz. Stehen wir mit Johannes und mit Maria dort bei ihm und leisten wir dem sterbenden Jesus am Kreuz unseren Beistand. Nehmen wir alles in unser Herz auf wie seine Mutter, damit wir nie vergessen, was er für uns getan hat.

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 4. Woche der Fastenzeit

Ex 32,7-14; Ps 106,19-20.21-22.23-24; Joh 5,31-47

Ex 32
7 Da sprach der HERR zu Mose: Geh, steig hinunter, denn dein Volk, das du aus dem Land Ägypten heraufgeführt hast, läuft ins Verderben.
8 Schnell sind sie von dem Weg abgewichen, den ich ihnen vorgeschrieben habe. Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht, sich vor ihm niedergeworfen und ihm Opfer geschlachtet, wobei sie sagten: Das sind deine Götter, Israel, die dich aus dem Land Ägypten heraufgeführt haben.
9 Weiter sprach der HERR zu Mose: Ich habe dieses Volk gesehen und siehe, es ist ein hartnäckiges Volk.
10 Jetzt lass mich, damit mein Zorn gegen sie entbrennt und sie verzehrt! Dich aber will ich zu einem großen Volk machen.

11 Mose aber besänftigte den HERRN, seinen Gott, indem er sagte: Wozu, HERR, soll dein Zorn gegen dein Volk entbrennen, das du mit großer Macht und starker Hand aus dem Land Ägypten herausgeführt hast.
12 Wozu sollen die Ägypter sagen können: In böser Absicht hat er sie herausgeführt, um sie im Gebirge umzubringen und sie vom Erdboden verschwinden zu lassen? Lass ab von deinem glühenden Zorn und lass dich das Unheil reuen, das du deinem Volk antun wolltest!
13 Denk an deine Knechte, an Abraham, Isaak und Israel, denen du selbst geschworen und gesagt hast: Ich will eure Nachkommen zahlreich machen wie die Sterne am Himmel, und: Dieses ganze Land, von dem ich gesprochen habe, will ich euren Nachkommen geben und sie sollen es für immer besitzen.
14 Da ließ sich der HERR das Unheil reuen, das er seinem Volk angedroht hatte.

Heute hören wir aus dem Buch Exodus die große Sünde des Volkes Israel, das noch nicht einmal vom Sinai weggezogen, jedoch schon untreu geworden ist. Mose verbringt lange Tage auf dem Berg, um von Gott die Zehn Gebote zu erhalten. In seiner Abwesenheit wird das Volk unruhig und fordert Moses Bruder Aaron dazu auf, ein Kultbild zu gießen, das sie als Gott anbeten können. Warum aber gießen sie ein Kalb? Dies hängt mit dem in Ägypten importierten Baalskult zusammen, wo eine Verschmelzung mit dem ägyptischen Gott Seth stattgefunden hat. So wird der Stier zum Symbol des Fruchtbarkeits- und Wettergottes Baal, der mit Stierhörnern dargestellt worden ist. Die Israeliten haben viele Jahrhunderte in Ägypten verbracht und so ist der Baalskult für sie etwas Vertrautes.
Gott warnt Mose nun, dass das Volk ins Verderben läuft. Er möchte nicht, dass sein auserwähltes Volk, seine Braut, mit der er den Bund geschlossen hat, ins offene Messer läuft. So schickt er Mose hinunter, um den Götzendienst des Volkes zu beenden. Innerhalb kürzester Zeit haben sie all das Gute vergessen, dass Gott ihnen getan hat. Sie haben sich ein Kultbild gemacht und Opfer dargebracht. Sie sagen sogar: „Das sind deine Götter, Israel, die dich aus dem Land Ägypten heraufgeführt haben.“ Sie tun so, als ob dieser Götze der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs sei. Warum heißt es eigentlich „Götter“ und nicht „Gott“, wenn es nur ein Kultbild ist? Im Hebräischen wird hier das Wort אֱלוֹהִים elohim verwendet. Grammatikalisch handelt es sich um einen Plural. Das Wort für Gott gibt es dabei nur als Pluralform, sodass man in der Übersetzung entscheiden muss, ob es wörtlich mit „Götter“ zu übersetzen ist (bei Religionen mit Polytheismus macht das Sinn) oder mit „Gott“ (und dann auf den Monotheismus der Juden bezogen). Hier hat die Einheitsübersetzung sich entschieden, die wörtliche Übersetzung zu verwenden, um den Vielgötterglauben der Ägypter zu betonen.
Das Volk Israel ist hartnäckig, so sagt es Gott zu Mose. Wir könnten auch ein typisch neutestamentliches Wort hier einsetzen, nämlich verstockt. Es ist stur und will nicht auf den Herrn hören. Es lässt sich nicht formen nach Gottes Willen, da es aus einem ganz harten Material ist. Auch die Pharisäer und Schriftgelehrten sind so hart, dass sie sich nicht belehren, das heißt von Jesus formen lassen. Er möchte ihnen so viele Lektionen geben, so viele Chancen, dazu zu lernen. Doch sie erkennen das alles nicht, sondern sehen immer wieder das Haar in der Suppe. Sie haben die Zeit der Gnade weder erkannt noch genutzt. Auch wir Menschen heute sind oft so verstockt, dass Gott gar nicht an uns wirken kann. Das liegt nicht an seiner mangelnden Allmacht, sondern an unserem fehlenden Willen. Er schätzt unsere Freiheit so sehr, dass er nur dann an uns wirkt, wenn wir es freiwillig zulassen. Wie sehr ist doch unser Herz verstockt, dass wir so viele Zeiten der Gnade erhalten und doch nicht erkennen, dass es die Zeit der Umkehr ist! Beten wir füreinander, dass unsere Herzen weich werden und wir ihn in unser Leben lassen, bevor es zu spät ist und er dann nicht auch zu uns sagt: „Jetzt lass mich, damit mein Zorn gegen sie entbrennt.“ So möchte Gott sein Volk vernichten, doch Mose versucht alles, um ihn zu besänftigen. Er erinnert ihn daran, dass er doch das Volk aus Ägypten herausgeführt hat, nicht um es dann umzubringen. Das würde den Heiden die Bestätigung geben, dass er kein guter Gott sei. Was wir hier lesen, das Zwiegespräch des Mose mit Gott, ist sehr menschlich geschrieben und so spüren wir den Einfluss des Mose, der diesen Text niedergeschrieben hat. Gott muss sich nicht reuen lassen, denn er ist allein der Gute. Das ist, wie Mose es beschreibt. Reue ist eine menschliche Emotion aufgrund der Sünde. Gott sündigt nicht und muss nicht bereuen. So beschreibt es Mose aber, weil er es zu seiner Zeit nur so ausdrücken kann.
Mose erinnert Gott an die Verheißungen, die er Abraham und seinen Nachkommen gemacht hat. Er erinnert Gott an seinen eigenen Heilsplan.
So lässt sich Gott besänftigen und er verschont sein Volk. Im weiteren Verlauf wird Mose hinuntergehen und dem Volk Israel im wahrsten Sinne des Wortes die Leviten lesen lassen.

Ps 106
19 Sie machten am Horeb ein Kalb und warfen sich nieder vor dem Gussbild.

20 Die Herrlichkeit Gottes tauschten sie ein gegen das Abbild eines Stieres, der Gras frisst.
21 Sie vergaßen Gott, ihren Retter, der einst in Ägypten Großes vollbrachte,
22 Wunder im Land Hams, Furcht erregende Taten am Roten Meer.
23 Da sann er darauf, sie zu vertilgen, wäre nicht Mose gewesen, sein Erwählter. Der trat vor ihn in die Bresche, seinen Grimm abzuwenden vom Vernichten.
24 Sie verschmähten das köstliche Land, sie glaubten nicht seinem Wort.

Der Psalm reflektiert, was damals am Sinai passiert ist. Es war eigentlich eine ganz wunderbare Hochzeit zwischen Gott und seinem Volk (denn der Bundesschluss ist wie ein Ehebund). Doch noch gar nicht vom Traualtar des Berges weggegangen wird die Braut dem Bräutigam schon untreu, indem sie sich „vor dem Gussbild“ niederwirft. Die Bezeichnung „Horeb“ ist übrigens ein alternativer Name für den Berg Sinai.
Der Psalm betrachtet die Degradierung der Gottesverehrung: Die Herrlichkeit Gottes wird durch ein Gras fressendes Tier ausgetauscht. Das hebräische Wort für Herrlichkeit ist כָּבוֹד kavod, auf Griechisch immer die δόξα doxa, die Glorie, das ihn umhüllende Licht der überströmenden Gnade. Wie kann dieses aufgegeben werden für einen Stier, der auf der Weide steht und Gras frisst? Der Psalm betont, wie unvernünftig das ist und wie leichtfertig das Aufgeben der Gnade Gottes ist. Dies können wir wiederum auf die Zeitgenossen Jesu beziehen, die die Gnade, die seine Menschwerdung in ihr Leben gebracht hat, leichtfertig aufgeben für das Festhalten an dem geschriebenen Wort Gottes. Was ist größer? Der Buchstabe oder das fleischgewordene Wort Gottes!? Das eine schafft das andere nicht ab, so wie ein Stier an sich nicht schlecht ist (schließlich ist er Geschöpf Gottes), aber wie kann man zurückkehren zu der Zeit vor der großen Gnade, wenn man die große Gnade schon erhalten hat? Das hat mit ganz großem Unglauben zu tun. Man glaubt nicht an den großen Gott der Herrlichkeit, der ein ganzes Volk aus dem Sklavenhaus Ägyptens befreit hat und der einen Bund mit ihm geschlossen hat. Man glaubt Jesus Christus nicht, der der Messias ist, der Retter der Welt, die Erfüllung der Torah, ihre Personifizierung! Und auch heute sehen wir diese Haltung bei so vielen etlichen Menschen. Sie sind getauft und so zu Erben im Reiche Gottes eingesetzt worden, doch sie leben so, als wären sie nie getauft worden. Sie gehen zurück zum Zustand vor der großen Gnade, die ihnen im Sakrament erwiesen worden ist. So wie die Israeliten am Sinai und so wie die Zeitgenossen Jesu, die ihn mit eigenen Augen gesehen haben, werden wir Menschen heute Rechenschaft ablegen müssen dafür, dass wir die Gnade Gottes mit Füßen zertreten haben. So wie die Menschen damals vergessen die Menschen heute all die Heilstaten, die Gott in ihrem Leben gewirkt hat.
Und so wie Gott damals Mose berufen hat, für das Volk einzustehen, es aus Ägypten zu führen, ihm die Zehn Gebote zu vermitteln, vor allem aber für das Volk „in die Bresche“ zu springen, so hat er zu allen Zeiten der Heilsgeschichte Propheten zu seinem auserwählten Volk gesandt, dass es zur Vernunft komme und umkehre. Wie viele Menschen sind schon für das Volk Gottes in die Bresche gesprungen! Wie viele haben auch mit dem Beginn der Kirche ihr Leben gelassen, damit die Menschen umkehren! Wenn Gott zu Mose in der Lesung sagt: „Dieses Volk ist hartnäckig“, dann können wir das nicht nur auf das Volk Israel beschränken und uns schön herausreden. Dann ist es über den wörtlichen Sinn hinaus auf das neue Volk Gottes, auf das Volk des Neuen Bundes zu beziehen. Auch wir, die wir das Volk Gottes aus Heiden und Juden gleichermaßen sind, sind so hartnäckig. Gott sendet uns so viele Chancen, umzukehren und in der Kirche aufzuräumen. Wie viele Chancen hat die streitende Kirche auf Erden aber genutzt? Wie viel musste Gott schon zulassen, bis es endlich zu einer inneren Reinigung kam? Und wie ist es heute? Ist die Corona-Pandemie nicht eine dieser großen Chancen, in denen die Kirche sich endlich wieder darauf besinnen sollte, was ihre Berufung ist? Stattdessen schließt sie die Türen statt die Heilsmittel gerade in dieser Zeit zu vermehren…
Wenn es am Ende heißt: „Sie verschmähten das köstliche Land, sie glaubten nicht seinem Wort“, dann ist es auf mehrfache Weise zu verstehen. Wörtlich-historisch heißt es zunächst, dass das Volk Israel die Verheißung Gottes ignoriert hat, der ihnen das gelobte Land versprochen hat, in dem Milch und Honig fließen. Sie haben seinem Wort, dem Wort der Verheißung nicht geglaubt, das er bereits Abraham zugesagt hat. Dies müssen wir über den wörtlichen Sinn hinaus allegorisch lesen: Das Volk hat auch das gelobte Land, das Paradies ignoriert, aus dem es durch den Sündenfall des ersten Menschenpaares verbannt worden ist. Dabei hat Gott ihnen durch Abraham auch die Rückkehr in dieses gelobte Land versprochen. So hat Israel viele Jahrhunderte und Jahrtausende den Messias erwartet, der die Tür zum Paradies wieder öffnen sollte. Er ist das fleischgewordene Wort Gottes, dem die Juden nicht geglaubt haben. Sie haben dieses Heil ignoriert, indem sie Jesus als den Messias ignoriert haben. Stattdessen haben sie ihn den Römern ausgeliefert und ans Kreuz schlagen lassen. In dieser Leserichtung sprechen wir hier nicht mehr von den Vätern zur Zeit des Mose, sondern von der religiösen Elite zur Zeit Jesu: von den Sadduzäern, Pharisäern und Schriftgelehrten.
Wir müssen es auch moralisch deuten: Mit jeder Sünde, die wir Menschen begehen, ignorieren wir das verheißene Land, das den reinen moralischen Zustand meint, den Stand der Gnade. Durch die Taufe hat Gott uns einen ganz reinen seelischen Zustand geschenkt. Er hat in unserer Seele Wohnung genommen, die der Tempel des Hl. Geistes ist. Mit jeder Sünde ignorieren wir es und entweihen den Tempel Gottes. Wir verlieren das gelobte Land unseres Herzens. Wir glauben dem Wort nicht, das in uns wohnt, Jesus Christus.
Und schließlich müssen wir es anagogisch deuten: Der Herr verheißt uns nach unserem Tod und am Ende der Zeiten das gelobte Land, in dem wir ganz und gar mit ihm in Gemeinschaft leben werden, das Himmelreich. Wir ignorieren dieses ewige Leben, indem wir seinem Wort nicht glauben, indem wir die Gebote nicht halten und fern von ihm leben. So gehen wir ins Verderben und werden auf ewig von ihm abgeschnitten sein. Gott tut alles, damit wir nicht verloren gehen. Er geht uns auf unseren Irrwegen nach, damit wir zu ihm zurückkehren. Eines Tages wird es aber zu spät sein, wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit zurückkehren wird. Kehren wir noch heute um und lassen ab von den Goldenen Kälbern unserer heutigen Zeit!

Joh 5
31 Wenn ich über mich selbst Zeugnis ablege, ist mein Zeugnis nicht wahr;
32 ein anderer ist es, der über mich Zeugnis ablegt, und ich weiß: Das Zeugnis, das er über mich ablegt, ist wahr.
33 Ihr habt zu Johannes geschickt und er hat für die Wahrheit Zeugnis abgelegt.
34 Ich aber nehme von keinem Menschen ein Zeugnis an, sondern ich sage dies nur, damit ihr gerettet werdet.
35 Jener war die Lampe, die brennt und leuchtet, doch ihr wolltet euch nur eine Zeit lang an ihrem Licht erfreuen.
36 Ich aber habe ein gewichtigeres Zeugnis als das des Johannes: Die Werke, die mein Vater mir übertragen hat, damit ich sie zu Ende führe, diese Werke, die ich vollbringe, legen Zeugnis dafür ab, dass mich der Vater gesandt hat.
37 Auch der Vater selbst, der mich gesandt hat, hat über mich Zeugnis abgelegt. Ihr habt weder seine Stimme je gehört noch seine Gestalt gesehen
38 und auch sein Wort bleibt nicht in euch, weil ihr dem nicht glaubt, den er gesandt hat.
39 Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint, in ihnen das ewige Leben zu haben; gerade sie legen Zeugnis über mich ab.
40 Und doch wollt ihr nicht zu mir kommen, um das Leben zu haben.
41 Ehre von Menschen nehme ich nicht an.
42 Ich habe euch jedoch erkannt, dass ihr die Liebe zu Gott nicht in euch habt.
43 Ich bin im Namen meines Vaters gekommen und ihr nehmt mich nicht an. Wenn aber ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, dann werdet ihr ihn annehmen.
44 Wie könnt ihr zum Glauben kommen, wenn ihr eure Ehre voneinander annehmt, nicht aber die Ehre sucht, die von dem einen Gott kommt?
45 Denkt nicht, dass ich euch beim Vater anklagen werde; Mose klagt euch an, auf den ihr eure Hoffnung gesetzt habt.
46 Wenn ihr Mose glauben würdet, müsstet ihr auch mir glauben; denn über mich hat er geschrieben.
47 Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie könnt ihr dann meinen Worten glauben?

Im heutigen Evangelium hören wir eine Rede Jesu, nachdem er den Gelähmten am Teich Betesda geheilt hat. Der Tag ist aber ein Sabbat und aufgrund eines Wallfahrtsfestes voller Menschen, die an Jesu Sabbatheilung Anstoß nehmen. Als er daraufhin zu den empörten Juden sagt: „Mein Vater wirkt bis jetzt und auch ich wirke“, provoziert es die Juden nur noch mehr. So hält er ihnen nun eine lange Predigt darüber, wie sein Verhältnis zum Vater ist.
Daraus hören wir heute den zweiten Abschnitt, wobei Jesus im ersten unter anderem gesagt hat: „Amen, amen, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben; er kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod ins Leben hinübergegangen.“ (V.24). Er sagt selbst, was in Ps 106 bereits angeklungen ist: Wir sollen auf sein Wort hören, damit wir beim Gericht Gottes ins Leben hinübergehen können, das heißt in der Bildsprache des Exodus in das gelobte Land!
Jesus erklärt, zu Anfang des gehörten Abschnitts heute, dass nicht er selbst über sich Zeugnis ablegt (das kann nur bedeuten, dass es falsch ist), sondern ein anderer dies getan hat – Johannes der Täufer. Das wird schon im ersten Kapitel des Johannesevangeliums erklärt und nun erneut zur Sprache gebracht: Johannes hat Jesus bezeugt, der die Wahrheit ist (V.33), doch die Juden haben ihm nicht geglaubt, sondern sich nur eine Zeit lang an seinem Licht erfreut – nämlich solange sie durch ihn die Bußtaufe erhalten konnten. Doch er endete wie viele Propheten des Alten Testaments auch als Märtyrer.
Der Vater selbst legt Zeugnis über Jesus ab, indem er ihm die ganzen Vollmachten übertragen hat. Was Jesus alles tut, sollten für die schriftkundigen Juden eigentlich erkennbare messianische Heilstaten sein, die seine Sendung vom Vater beweisen.
Jesus spricht heute harte Worte, aber nicht weil er die Juden fertig machen will, sondern damit sie wachgerüttelt werden. Sie haben die Stimme des Vaters nicht gehört, seine Gestalt nicht gesehen und sein Wort bleibt auch nicht in ihnen. Das müssen wir mehrfach auslegen: Sein Wort ist zunächst seine Weisung, die Torah, die sie nicht richtig halten, wie sie sollten. Deshalb bleibt die Torah nicht in ihnen. Es ist aber auch allegorisch auf Christus zu beziehen, der das Wort ist. Gerade zu Anfang des Johannesevangeliums haben wir feierlich davon gehört, dass Jesus das Wort Gottes ist, das auf der Höhe der Zeit Fleisch geworden ist. Dieses Wort ist zu der Zeit, als Jesus diese Predigt nach der Betesda-Heilung hält, in den Juden: Man kann die griechische Formulierung ἐν ὑμῖν en hymin auch anders übersetzen, nämlich bedeutet das Wörtchen ἐν en in Verbindung mit Personengruppen auch „unter“. Jesus, das fleischgewordene Wort Gottes ist also unter ihnen! Er wird aber nicht unter ihnen bleiben, sondern sterben. Er wird am dritten Tage auferstehen, aber er wird nach einigen Tagen zum Vater heimkehren. Bleiben wird er bei denen, die den Bund mit ihm eingehen – der Kirche. Dort wird er als Eucharistie realpräsent bleiben bis zum Ende der Zeiten. Dagegen wird er von denen weggehen, die ihn ablehnen, denn Gott schätzt den freien Willen des Menschen.
Wir müssen es auch moralisch verstehen: Er ist das Wort Gottes, er ist die Erfülllung der Gebote, die wir halten sollen und die wir durch die Sünde ablehnen. Dann bleibt das Wort in uns Menschen nicht mehr. Dann lehnen wir ihn ab wie die Juden im heutigen Evangelium. Dann werfen wir ihn aus unserem seelischen Tempel hinaus. Wenn wir uns aber im Sakrament der Beichte wieder mit ihm versöhnen, nimmt er wieder Wohnung in uns.
Schließlich verstehen wir es anagogisch: Wer sich bis zum Ende der Zeiten nicht bekehrt und das Wort aufnimmt, mit dem wird das Wort in der Ewigkeit auch nicht bleiben. Dann wird es den letzten Willen des Menschen ernst nehmen, der sich für die ewige Ferne von Gott entschieden hat, die wir die Hölle nennen. Wer das Wort in seinem Leben aber angenommen hat und entsprechend gelebt hat, mit dem wird das Wort auf ewig bleiben im Himmelreich.
Dann sagt Jesus etwas, das die ganze Heilige Schrift zusammenfasst: „Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint, in ihnen das ewige Leben zu haben; gerade sie legen Zeugnis über mich ab.“ Die Hl. Schrift ist ein einziges Zeugnis von Jesus Christus, angefangen in der Genesis und abschließend mit der Johannesoffenbarung! Deshalb nennen wir die Bibel auch das Wort Gottes – es ist eigentlich nur ein einziges Gotteswort in vielen Menschenworten. Sie atmet Jesus Christus mit jedem einzelnen Buchstaben. Die Pharisäer und Schriftgelehrten haben die Aufgabe, die Hl. Schrift zu lesen und zu studieren (das, was wir heute Altes Testament nennen). Und doch sehen sie so viele etliche Bäume, ohne den Wald zu erkennen. Sie sehen das Offensichtliche nicht. Sie sehen Jesus, hören seine Worte, bezeugen seine Heilstaten, doch sie zählen eins und eins nicht zusammen. Alles, was er sagt und tut, ist die Erfüllung dessen, was im Alten Testament schon angekündigt worden ist. Aber jene, die die Schrift am besten kennen, schaffen es nicht, sie auf Jesus zu beziehen.
Jesus erklärt auch, warum sie es nicht schaffen: Ihnen fehlt die Liebe zu Gott. Sie unternehmen all die Studien aus anderen Gründen, nicht weil sie die Schriften als Liebesbrief des Vaters erkannt haben. Sie suchen ihre eigene Ehre und messen die anderen nach eigenem Maßstab („Ein Mensch tritt aus eigener Ehre auf, weil ich selbst ja auch aus eigener Ehre auftrete“). Sie ziehen nicht in Betracht, dass jemand aus Liebe zu Gott auftritt und nur diesem gefallen möchte, weil sie selbst so verdorben sind.
Jesus entlarvt die Schriftgelehrten, indem er ihr eigenes Handwerkszeug gegen sie verwendet: Mose erklärt alles, doch die Schriftgelehrten halten sich gar nicht daran. Hätten sie die Worte ernst genommen, die Mose dem Volk Israel übermittelt hat, hätten sie Jesus als den Messias erkannt. Denn dieser hat über Jesus geschrieben, der das Wort Gottes ist. Jesus macht nichts Eigenes, er denkt sich nichts Neues aus, sondern er liegt ganz in der Tradition der Heilsgeschichte Gottes. Was er tut, ist die Erfüllung des Gesetzes und die richtige Interpretation dessen.
Jesu Worte sind ganz aktuell, denn auch heute gibt es so viele Schriftgelehrte, die den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Jesus ist ganz da in der heiligen Eucharistie. Er ist genauso präsent wie damals, als er in Menschengestalt auf Erden gewandelt ist. Er ist nun verborgen in einer kleinen Hostie und nimmt in jeder Hl. Messe Materie an. Alles, was wir in der Hl. Schrift lesen, verdichtet sich in der Liturgie! Und doch erkennen es die Gelehrten unserer Zeit kaum, weil sie eins und eins nicht zusammenzählen. Wie viele meinen, dass sie Gott ganz verstanden haben, weil sie so gelehrt sind. Sie halten es nicht für nötig, der Liturgie beizuwohnen. Dabei lehrt Jesus Christus uns in der Hl. Messe mehr, als wir im ganzen Theologiestudium gelernt haben! Dann sagt auch Jesus uns heute: „Hättet ihr die Hl. Schrift ernstgenommen, die ihr durch eure Wissenschaft so verhunzt, dann hättet ihr mich hier in der Hl. Eucharistie erkannt. Denn diese ist die Verdichtung der gesamten Schrift.“

Es ist nicht zu spät, auch jetzt noch umzukehren. Wir haben so viele Glaubensvorbilder, die als Gelehrte meinten, alles zu wissen, und dann ihre erste Hl. Messe erlebt haben, bei denen es ihnen wie Schuppen von den Augen gefallen ist. Die dann vor dem Herrn in die Knie gegangen sind und wie der Hl. Thomas gesagt haben: „Mein Herr und mein Gott!“ Schauen auch wir genau hin und nehmen auch wir in unserem kirchlichen Leben sowie Alltag den Wald wahr. Dann werden wir aufs Neue das Wort in uns aufnehmen können, sodass es in uns bleibe.

Ihre Magstrauss