Freitag der 1. Woche im Jahreskreis

1 Sam 8, 4-7.10-22a; Ps 89,16-17.18-19; Mk 2, 1-12

1 Sam 8
4 Deshalb versammelten sich alle Ältesten Israels und gingen zu Samuel nach Rama. 
5 Sie sagten zu ihm: Du bist nun alt und deine Söhne gehen nicht auf deinen Wegen. Darum setze jetzt einen König bei uns ein, der uns regieren soll, wie es bei allen Völkern der Fall ist! 
6 Aber Samuel missfiel es, dass sie sagten: Gib uns einen König, der uns regieren soll! Samuel betete deshalb zum HERRN 
7 und der HERR sagte zu Samuel: Hör auf die Stimme des Volkes in allem, was sie zu dir sagen! Denn nicht dich haben sie verworfen, sondern mich haben sie verworfen: Ich soll nicht mehr ihr König sein. 
10 Samuel teilte dem Volk, das einen König von ihm verlangte, alle Worte des HERRN mit. 
11 Er sagte: Das werden die Rechte des Königs sein, der über euch herrschen wird: Er wird eure Söhne holen und sie für sich bei seinen Wagen und seinen Pferden verwenden und sie werden vor seinem Wagen herlaufen.
12 Er wird sie zu Obersten über Tausend und zu Führern über Fünfzig machen. Sie müssen sein Ackerland pflügen und seine Ernte einbringen. Sie müssen seine Kriegsgeräte und die Ausrüstung seiner Streitwagen anfertigen.

13 Eure Töchter wird er holen, damit sie ihm Salben zubereiten und kochen und backen. 
14 Eure besten Felder, Weinberge und Ölbäume wird er euch wegnehmen und seinen Beamten geben. 
15 Von euren Äckern und euren Weinbergen wird er den Zehnten erheben und ihn seinen Höflingen und Beamten geben. 
16 Eure Knechte und Mägde, eure besten jungen Leute und eure Esel wird er holen und für sich arbeiten lassen. 
17 Von euren Schafherden wird er den Zehnten erheben. Ihr selber werdet seine Sklaven sein. 
18 An jenem Tag werdet ihr wegen des Königs, den ihr euch erwählt habt, um Hilfe schreien, aber der HERR wird euch an jenem Tag nicht antworten. 
19 Doch das Volk wollte nicht auf Samuel hören, sondern sagte: Nein, ein König soll über uns herrschen. 
20 Auch wir wollen wie alle anderen Völker sein. Unser König soll uns Recht sprechen, er soll vor uns herziehen und soll unsere Kriege führen. 
21 Samuel hörte alles an, was das Volk sagte, und trug es dem HERRN vor. 
22 Und der HERR sagte zu Samuel: Hör auf ihre Stimme und setz ihnen einen König ein!

Heute hören wir ein weiteres Indiz, das uns das gestrige Leiden der Israeliten besser verstehen lässt. Gestern habe ich ja schon darüber gesprochen, dass wir das große Bild, den gesamten Heilsplan nicht auf einmal sehen können und deshalb oft nicht verstehen, wenn in unserem Leben schlimme Dinge passieren. Heute lesen wir davon, dass ein König für alle zwölf Stämme Israels vonnöten wird. Bisher haben Richter die zwölf Stämme regiert. Samuel ist zwar Prophet, also mit dem heiligen Geist begabt, aber er fungiert auch als Richter.
Irgendwann ist er sehr alt geworden und übergibt sein Amt den beiden Söhnen Joel und Abija. Diese beiden sind aber sehr korrupt, also alles andere als gerechte Richter. Sie lassen sich bestechen und brechen selbst die Gesetze. Aufgrund dessen kommt nun, was wir in der heutigen Lesung hören: Die Ältesten Israels beschweren sich bei Samuel und bitten ihn um die Salbung eines Königs, der ganz Israel beherrschen soll.
Bis dato ist wie gesagt ein Richter bestellt worden. Warum eigentlich gibt es so lange keinen König? Das ist alles im Plan Gottes und wir hören heute, dass dieser einen irdischen König bewusst nicht eingesetzt hat. Er wollte, dass die Israeliten ihn selbst als König anerkennen. Das ist aber gescheitert („Ich soll nicht mehr ihr König sein“). Einen gemeinsamen Herrscher zu fordern ist zunächst nichts Verwerfliches. Was sie aber hier durchblicken lassen, ist ihr Seinwollen wie die anderen Völker (Vers 5 „wie es bei allen Völkern der Fall ist“). Sie vergessen, dass sie ein auserwähltes Volk sind, das eben anders ist als die „Völker“ (הַגֹּויִֽם haggojim, die heidnischen Völker). Sie wollen dabei auch nicht Gottes Willen befragen, sondern sagen: „Gib uns einen König“, so als ob Samuel dies entscheiden könne. Ein König für das auserwählte Volk muss von Gott gewollt, berufen und eingesetzt sein. Sonst bringt auch die Salbung Samuels nichts.
Der Prophet hält Zwiesprache mit Gott und dieser entgegnet ihm, den Israeliten ihren Wunsch zu erfüllen (Gott wird durch ihn tatsächlich jemanden zum König salben). Sie werden einen König bekommen, der aber zum Tyrann wird. Es wird kein König „in Gottes Gnaden“ sein, sondern den Israeliten eine Lehre. „Wer nicht hören will, muss fühlen“ kündigt Samuel den Ältesten ganz deutlich an. Er warnt sie vor, dass sie Gott in seinem Heilsplan nicht unter die Arme greifen sollen. Er zählt viele Missstände auf, die sie erwarten wird (von Enteignung bis zur Sklaverei). Sie werden dann zu Gott schreien, aber er wird nicht eingreifen, denn SIE HABEN ES SICH SELBST EINGEBROCKT TROTZ DER WARNUNG. Es ist ihre FREIE ENTSCHEIDUNG, deren KONSEQUENZEN sie dann tragen werden.
Die Israeliten lässt es kalt und sie bleiben dabei: „Nein, ein König soll über uns herrschen. Auch wir wollen wie alle anderen Völker sein.“ Ihnen ist wichtiger, mit den umliegenden Völkern mithalten zu können. Ihnen ist wichtiger, was die anderen Völker von ihnen halten, als wie sie vor Gott dastehen.
Samuel hört auf sie. Das wird weitreichende Konsequenzen haben. Sie werden König Saul bekommen.
Diese Geschichte ist wieder einmal aktuell. Wie oft wollen wir unser Schicksal selbst in die Hand nehmen, weil uns Gott zu langsam ist. Dann stürzen wir uns in ein Abenteuer, das vorne und hinten nicht passt, uns von Gott wegführt und uns total unglücklich macht. Ich denke an so manche Beispiele in meinem Umfeld, die auf diese Weise bei der Suche nach einem Ehepartner kläglich gescheitert sind. Besagte Personen hatten es satt zu warten, bis Gott ihnen den richtigen Partner an die Seite stellt, und suchten sich selbst jemanden aus. Diese Partner waren aber überhaupt nicht für sie gemacht und doch heirateten sie sie. Ihnen war wichtiger, nicht mehr blöd dazustehen so als Single, als nach Gottes wunderbarem Heilsplan für sich zu fragen. So begannen sie ein unglückliches Eheleben und müssen nun ihr selbstgemachtes Kreuz tragen. Es war ihre freie Entscheidung.
Und so ist es auch mit den Israeliten zur Zeit Jesu. Sie wählen lieber Barabbas als Jesus – Bar abbas „Sohn des Vaters“, einen Gegenmessias, der lieber mit politischen Mitteln, mit Gewalt und aus eigener Kraft die Befreiung aus der „Knechtschaft“ der Römer erzwingen wollte. Sie fragten nicht nach Gottes Willen, sondern richteten sich nach ihrem eigenen Willen. Doch das Schöne ist: Auch dann kann Gott aus dem Fehler etwas Heilsames machen. Er kann eine schlechte Ehe zu einer guten Ehe erwachsen lassen, in der im Nachhinein eine Berufung entsteht. Er nimmt die Ablehnung der Juden am Karfreitag zum Anlass, die ganze Welt zu erlösen. Er nimmt auch die Meuterei der Israeliten bei Samuel zum Anlass, den wahren König vorzubereiten, nämlich König David. Wichtig ist, dann wirklich umzukehren. Denn das sind Zeiten der Gnade.

Ps 89
16 Selig das Volk, das den Jubelruf kennt, HERR, sie gehen im Licht deines Angesichts. 
17 Sie freuen sich allezeit über deinen Namen und sie jubeln über deine Gerechtigkeit. 
18 Denn du bist ihre Schönheit und Stärke, du erhöhst unsre Kraft in deiner Güte. 
19 Ja, dem HERRN gehört unser Schild, dem Heiligen Israels unser König. 

Der heutige Psalm greift das Königtum Gottes auf. Wir beten, dass das auserwählte Volk (הָ֭עָם ha’am) sich freuen kann, das den Jubelruf kennt (תְרוּעָה teru’ah heißt auch „Kriegsgeschrei“). „Im Licht deines Angesichts“ ist eine Umschreibung für den Stand der Gnade. Das auserwählte Volk hat den Segen Gottes, wenn es ihn stets lobt und preist, in seinem Namen jauchzt und Gottes Gerechtigkeit anerkennt. Das tun die Israeliten in der heutigen Lesung gerade nicht. Sie sind unzufrieden mit Gottes Wirken, weil er ihnen die ganze Zeit keinen menschlichen König an die Seite stellt. Sie wandeln nicht im „Licht seines Angesichts“, sondern nehmen die heidnischen Völker zum Vorbild. Sie loben und preisen nicht, sondern beschweren sich.
Dabei ist Gott „ihre Schönheit und Stärke“. Sie wollen einen König schließlich, damit dieser im Krieg vor ihnen herzieht. Die Macht und Stärke, die sie brauchen, speist sich aber aus der Gnade Gottes, die sie ablehnen. Sie verstehen das nicht. Hier im Psalm wird dies im Vers 18 deutlich gesagt: Schönheit, Stärke und Kraft kommen von Gott. Es ist also entscheidend, im Stand seiner Gnade zu sein, um all das zu erlangen, was sie sich wünschen. Er ist dann ihr „Schild“, ihre Verteidigung, weil ER ihr König ist.
Gott soll der Herrscher auch in unserem Leben sein. Wo wir seinen Geboten nicht folgen, begeben wir uns jenseits des Gnadenstroms, und zwar von uns aus, freiwillig. Er hat nur Pläne des Heils für uns, weshalb wir ihm ruhig vertrauen dürfen. Seine Gebote sind da, um uns zu befreien, nicht um uns einzuschränken. Aber auch wir kümmern uns mehr darum, was andere denken.
Dieser Gefahr ist auch die Kirche von heute ausgesetzt: Oft schauen wir in der Pastoral darauf, was die Menschen wollen, nicht darauf, was Gott will. Das hat Jesus schon damals aufs Schärfste verurteilt und zu Petrus gesagt: „Hinweg mit dir Satan, denn du hast nicht im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“
Wir lesen im letzten Vers noch einen Hinweis, der messianische Bedeutung hat: der Titel „der Heilige Israels“. Dieser wird nämlich von den Dämonen aufgegriffen, wenn sie in Exorzismussituationen Jesu messianische Identität preisgeben. Jesus ist Gott und deshalb erhält er denselben Titel wie Gott Vater.

Mk 2
1 Als er nach einigen Tagen wieder nach Kafarnaum hineinging, wurde bekannt, dass er im Hause war. 

2 Und es versammelten sich so viele Menschen, dass nicht einmal mehr vor der Tür Platz war; und er verkündete ihnen das Wort. 
3 Da brachte man einen Gelähmten zu ihm, von vier Männern getragen. 
4 Weil sie ihn aber wegen der vielen Leute nicht bis zu Jesus bringen konnten, deckten sie dort, wo Jesus war, das Dach ab, schlugen die Decke durch und ließen den Gelähmten auf seiner Liege durch die Öffnung hinab. 
5 Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben! 
6 Einige Schriftgelehrte aber, die dort saßen, dachten in ihrem Herzen: 
7 Wie kann dieser Mensch so reden? Er lästert Gott. Wer kann Sünden vergeben außer dem einen Gott? 
8 Jesus erkannte sogleich in seinem Geist, dass sie so bei sich dachten, und sagte zu ihnen: Was für Gedanken habt ihr in euren Herzen? 
9 Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben! oder zu sagen: Steh auf, nimm deine Liege und geh umher? 
10 Damit ihr aber erkennt, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben – sagte er zu dem Gelähmten: 
11 Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Liege und geh nach Hause! 
12 Er stand sofort auf, nahm seine Liege und ging vor aller Augen weg. Da gerieten alle in Staunen; sie priesen Gott und sagten: So etwas haben wir noch nie gesehen.

Jesus zieht durch ganz Galiläa. So endete das gestrige Evangelium. Heute kehrt er nach Kafarnaum zurück. Es scheint eine Art „Basis“ in der Galiläamission zu sein. Die Menschen erfahren davon und versammeln sich erneut um seinen Aufenthaltsort. Dieser bleibt unbestimmt, aber wir können vermuten, dass es wieder das Haus des Petrus ist.
Es sind so viele Menschen anwesend, dass sie gar nicht ins Haus passen. Sie versammeln sich um das Haus, um „das Wort“ zu hören, das Jesus ihnen verkündet. Er selbst ist das fleischgewordene Wort, das vollständig umsetzt, was es verkündet.
Es ist so voll, dass man einen Gelähmten nebst Trage nicht durch die Tür bekommt. „Not macht erfinderisch“ und diese Menschen meinen es sehr ernst. Sie tun alles, um zu Jesus vorzudringen. Kurzerhand entfernen sie einen Teil des Daches, um Jesus zu erreichen. Sie unternehmen wirklich einiges, um zu Jesus kommen zu können. Dieser sieht, dass ihr Glaube groß ist.
Daraufhin sagt Jesus etwas Unerwartetes: „Deine Sünden sind dir vergeben.“ Die Anwesenden werden sehr irritiert reagiert haben. Erstens werden sie sich gewundert haben, warum Jesus einen Gelähmten nicht heilt, sondern über Sündenvergebung spricht, zweitens kann nur Gott die Sünden vergeben. Jesu Aussage ist also sehr provokativ.
Dementsprechend reagieren einige Schriftgelehrte auch mit Unmut und empfinden Jesu Worte als Blasphemie. Sie haben Jesu Gottheit nicht erkannt und reagieren deshalb so ablehnend. Jesus sieht ihr Herz und möchte sie lehren. Er erklärt ihnen, dass die Sündenvergebung schwieriger ist als die körperliche Heilung. Hier geht es um etwas Existenzielleres, nämlich um das ewige Leben.
Jesus möchte den Anwesenden zeigen, dass er der Messias ist, der Sünden vergeben kann. Er hat dazu die Vollmacht vom Vater erhalten. Dies ist wichtiger als alles andere, denn die Sünde schneidet uns von Gott ab, sodass wir das ewige Leben verlieren. Jesus geht es immer, wirklich immer zuerst um das Reich Gottes (so wie er es uns verkündet, lebt er es vor). Dann erst kommt als „Bonus“ körperliche Heilung – auch gerade dann, wenn diese vom seelischen Zustand des Betreffenden abhängt.
Jesus möchte diese Reihenfolge den Menschen verdeutlichen und heilt deshalb zunächst die Seele, die Gottesbeziehung des Gelähmten, und erst dann die Lähmung selbst.
Diese Heilung ist wirklich wörtlich zu nehmen. Bis heute heilt Jesus Menschen, auch Gelähmte. Ich habe selbst mit eigenen Augen gesehen, wie ein Mann, der einen Motorradunfall hatte und kaum beweglich war – also halb gelähmt – von einem Moment auf den anderen ganz gesund war. Er konnte sich wieder ganz bewegen. Dies geschah erst, nachdem er eine gute Beichte abgelegt hat. Es war genauso wie im heutigen Evangelium. Darüber hinaus können wir die Lähmung des Mannes auf moralischer Ebene betrachten, ohne die wörtliche zu entkräften: Die Sünde legt den Menschen lahm. Er kann nicht mehr gegen den Bösen ankämpfen, sondern ist eigentlich ein Fall für das Lazarett. Der Böse ist aber nicht so fair und verschont ihn, sondern macht den Menschen ja gerade so hilflos. Gott richtet uns auf, wenn wir das Sakrament der Versöhnung in Anspruch nehmen. Dann tut er mit unserer Seele genau das, was wir immer wieder von Jesus lesen: Er fasst uns bei der Hand und richtet uns auf. Wenn wir durch die Beichte wieder mit Gott versöhnt sind, sagt er zu uns „geh nach Hause“, das heißt zurück in die Gemeinschaft der Kirche. Und wenn wir im Stand der Gnade sterben, kann Gott auch uns am Ende unseres Lebens sagen: „Geh nach Hause“, nämlich zu ihm in sein himmlisches Reich.
Gerade mit Blick auf die anderen Lesungen des heutigen Tages ist hier noch etwas Wichtiges herauszustellen, nämlich warum die Sündenvergebung Priorität hat: Der Mensch kann nur dann „Frucht bringen“, ganz konkret sein Tun, seine Bitten etc., wenn er im Stand der Gnade ist. Der Gelähmte greift Gott im heutigen Evangelium nicht so unter die Arme wie die Israeliten bei Samuel. Er hat einen starken Glauben und tut alles für die Begegnung mit Jesus. Erst die Sündenvergebung bringt ihn wieder in den Stand der Gnade. Erst dann kann seine Bitte, geheilt zu werden, erfüllt werden. Jesus demonstriert heute, was er an anderer Stelle mit der Weinstockrede meint.

Bemühen auch wir uns stets um den Stand der Gnade, damit auch unsere Gebete Wirkung haben. Die Gemeinschaft mit Gott sollte immer unsere oberste Priorität darstellen, dann wird alles Andere auch gut werden.

Ihre Magstrauss

Mittwoch der 1. Woche im Jahreskreis

1 Sam 3,1-10.19-20; Ps 40 (39),2 u. 4ab.7-8.9-10; Mk 1, 29-39

1 Sam 3
1 Der junge Samuel versah den Dienst des HERRN unter der Aufsicht Elis. In jenen Tagen waren Worte des HERRN selten; Visionen waren nicht häufig.
2 Eines Tages geschah es: Eli schlief auf seinem Platz; seine Augen waren schwach geworden und er konnte nicht mehr sehen. 
3 Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen und Samuel schlief im Tempel des HERRN, wo die Lade Gottes stand. 
4 Da rief der HERR den Samuel und Samuel antwortete: Hier bin ich. 
5 Dann lief er zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Eli erwiderte: Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen! Da ging er und legte sich wieder schlafen. 
6 Der HERR rief noch einmal: Samuel! Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Eli erwiderte: Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen!
7 Samuel kannte den HERRN noch nicht und das Wort des HERRN war ihm noch nicht offenbart worden. 
8 Da rief der HERR den Samuel wieder, zum dritten Mal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Da merkte Eli, dass der HERR den Knaben gerufen hatte. 
9 Eli sagte zu Samuel: Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich ruft, dann antworte: Rede, HERR; denn dein Diener hört. Samuel ging und legte sich an seinem Platz nieder. 
10 Da kam der HERR, trat heran und rief wie die vorigen Male: Samuel, Samuel! Und Samuel antwortete: Rede, denn dein Diener hört. 
19 Samuel wuchs heran und der HERR war mit ihm und ließ keines von all seinen Worten zu Boden fallen. 
20 Ganz Israel von Dan bis Beerscheba erkannte, dass Samuel als Prophet des HERRN beglaubigt war.

Gestern hörten wir von der wunderbaren Gebetserhörung Hannas. Es ist jedesmal eine große Freude, wenn kinderlosen Paaren endlich ein Kind geschenkt wird, die so sehr darunter gelitten haben. Wir haben uns die letzten zwei Tage wirklich für Hanna mitgefreut! Heute hören wir nun von diesem besonderen Sohn, der von klein auf im Tempel bei Eli aufwächst. Er ist in dieser Hinsicht mit der Mutter Jesu zu vergleichen, die laut Protevangelium des Jakobus ebenfalls im Tempel als geweihtes Kind aufgewachsen ist – ebenfalls von unfruchtbaren Eltern, die die Weihe des Kindes als Versprechen der Gebetserhörung einlösen.
Das Kind wächst zunächst auf wie jedes andere. Es ist in den Tempel gebracht worden, sobald es „entwöhnt“, also abgestillt worden ist. Eli ist mittlerweile alt und sieht schlecht. Er schläft und es ist Nacht. Dieses Detail ist wichtig, damit man versteht, warum Samuel im Folgenden denkt, dass Eli ihn ruft – er ist so blind, dass er der Hilfe des Jungen bedarf.
Samuel schläft im Tempel in der Nähe der Bundeslade. Das ewige Licht brennt noch (laut Ex 27,20-21 soll die Lampe von Abend bis zum Morgen brennen), weshalb wir wissen, dass es noch Nacht ist. Samuel sieht außerdem, dass sonst kein anderer im Raum ist, der ihn rufen könnte. Eigentlich könnte und müsste man jetzt einen langen Aufsatz über diesen Leuchter, die Menora, schreiben, weil sie typologisch zum Symbol für Christus wird, dem Licht der Welt. Ihre tiefe Symbolik entfaltet sich Stück für Stück gemäß Psalm 119,105: „Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade.“ Die Menora umfasst nämlich in ihren Details die Gesamtheit der Schriften der gesamten Bibel (Jesus, das Wort Gottes!), hat insgesamt die Form eines Baumes mit Mandelblüten (der Baum des Lebens, der zum Holz des Kreuzes wird, an dem der neue Adam hängt!), sie ist das ewige Licht (Jesus, das Licht, das den Völkern gebracht wird, die in der Finsternis wohnen!) und ohne das Öl brennt die Lampe nicht (die Salbung des Hl. Geistes!). Ich höre jetzt aber auf, denn das ist keine Abhandlung über die Menora, sondern eine Auslegung der Schriftstelle.
Gott ruft Samuel und dieser sagt „hier bin ich“. Wir dürfen uns das so vorstellen, dass die Stimme von der Bundeslade kommt. Sie ist analog zur Stimme aus dem brennenden Dornbusch zu betrachten. Verweilen wir kurz bei „hier bin ich“. Im Hebräischen steht הִנֵּנִי hinneni. Diese Antwort hat die Kirche zum terminus technicus auf den Ruf Gottes gemacht – sie hat ihn integriert in den Ritus der Priesterweihe. Der Weihebewerber wird namentlich aufgerufen so wie Samuel in dieser Perikope. Daraufhin antwortet der Bewerber mit „hier bin ich“ oder „adsum“.
Samuel läuft daraufhin zu Eli, dessen Rufen er vermutet. Wiederholt sagt er zu ihm „hier bin ich“, um ihm zu signalisieren, dass er da ist. Eli hat ihn aber nicht gerufen und schickt ihn wieder schlafen. Gott ruft Samuel dann zum zweiten Mal und da bemerkt man schon ein gewisses Zögern. Samuel steht zwar auf, aber er geht nun und rennt nicht zu Eli (וַיֵּ֣לֶךְ wajelech). Er ruft auch nicht sofort „hier bin ich“, sondern erst, als er beim alten Mann angekommen ist. Dieser schickt ihn erneut weg, weil er ihn nicht gerufen hat.
Daraufhin kommt die Bemerkung, dass Samuel den HERRN noch nicht kannte. Man muss dieses „kennen“ als „kennenlernen“ verstehen (die Verbform ist hier יָדַע jada), denn Samuel ist das „Wort des HERRN noch nicht offenbart worden“. Zu Anfang der Perikope wurde ja schon erklärt, dass Gott sich den Menschen in jener Zeit selten durch Eingebungen („Wort des HERRN“) offenbarte. Samuel hat dergleichen noch kein Mal erfahren, also noch keine Begegnung mit Gott gehabt. Das ist auch der Grund, warum er selbst beim dritten Rufen nicht versteht, wer ihn ruft. Er geht wieder in Ruhe zu Eli und sagt hinneni, „hier bin ich“. Der alte Mann versteht nun, was passiert, und trägt dem Jungen auf, beim nächsten Mal „Rede HERR; denn dein Diener hört“ zu sagen. Eli hat verstanden, dass der Junge sich das Rufen nicht dreimal eingebildet haben kann, und dass es Gott selbst sein muss.
Es kommt nun dazu, dass Gott den Samuel erneut ruft. Dabei wird in Vers 10 gesagt, dass Gott hinzutritt (וַיִּתְיַצַּ֔ב wajitjazaw). Dies ist natürlich ein Anthropomorphismus, denn Gott ist Geist, kann also nicht hinzutreten. Gemeint ist, dass Gott gegenwärtig ist. Samuel tut, was Eli ihm erklärt hat, und sagt nun „rede HERR, denn dein Diener hört“.
Samuel wächst heran und Gott gibt ihm im Laufe seines Älterwerdens Worte ein, die dieser nie „zu Boden fallen“ lässt. Dieser Ausdruck erinnert an Onan, der seinen Samen zu Boden fallen lässt, damit dieser keine Frucht bringt, also kein Kind entsteht. Samuel lässt Gottes Worte immer fruchtbar werden, denn er ignoriert sie nie.
Ganz Israel erkennt seine Vollmacht als Prophet an, die Gott ihm verliehen hat.

Ps 40
2 Ich hoffte, ja ich hoffte auf den HERRN. Da neigte er sich mir zu und hörte mein Schreien. 
4 Er gab mir ein neues Lied in den Mund, einen Lobgesang auf unseren Gott. 
7 An Schlacht- und Speiseopfern hattest du kein Gefallen, doch Ohren hast du mir gegraben, Brand- und Sündopfer hast du nicht gefordert. 
8 Da habe ich gesagt: Siehe, ich komme. In der Buchrolle steht es über mich geschrieben.
9 Deinen Willen zu tun, mein Gott, war mein Gefallen und deine Weisung ist in meinem Innern. 
10 Gerechtigkeit habe ich in großer Versammlung verkündet, meine Lippen verschließe ich nicht; HERR, du weißt es.

Der heutige Psalm ist durchaus anzulehnen an die Episode des Samuelbuches. Die Mutter Samuels Hanna hat die Hoffnung auf den HERRN und ihr Schreien ist erhört worden. Sie bekommt einen Sohn und weiht ihn dem Tempel. Auch Hanna hat einen Lobgesang auf Gott erhalten – „er gab mir ein neues Lied in den Mund“ zeigt, dass es vom Heiligen Geist eingegeben worden ist. Wir beteten gestern diesen Lobgesang der Hanna über die Gebetserhörung Gottes. Diese Verse schreibt David, für den dies alles auch gilt: Gott hat sein Gebet immer wieder erhört und auch er hat vom Hl. Geist viele Lobgesänge geschenkt bekommen. Wir haben sie als Psalter überliefert.
Die Aussage „an Schlacht- und Speiseopfern hattest du kein Gefallen…“ ist auch darauf zu beziehen, was dann in Vers 9 geschrieben steht: „deinen Willen zu tun“, also den Willen Gottes zu befolgen, ist das Entscheidende, ohne dass die Opfertätigkeit überflüssig wird. Dies müssen wir als rhetorische Wendung verstehen. Uns geht dies vor allem auf, wenn wir an die Söhne Elis denken, von denen wir noch im ersten Samuelbuch hören werden: Hofni und Pinhas erledigen den Tempeldienst und sind dabei total gierig. Sie leben nicht, wie es Gott gefällt und deshalb bringen die Opfer in ihrem Fall nichts. Diese machen sie nicht gerecht vor Gott.

Mk 1
29 Sie verließen sogleich die Synagoge und gingen zusammen mit Jakobus und Johannes in das Haus des Simon und Andreas. 
30 Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen sogleich mit Jesus über sie 
31 und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr und sie diente ihnen.
32 Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus. 
33 Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt
34 und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus. Und er verbot den Dämonen zu sagen, dass sie wussten, wer er war.
35 In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten. 
36 Simon und seine Begleiter eilten ihm nach,
37 und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich. 
38 Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort verkünde; denn dazu bin ich gekommen. 
39 Und er zog durch ganz Galiläa, verkündete in ihren Synagogen und trieb die Dämonen aus.

Wir lesen im heutigen Evangelium die Fortsetzung des gestrigen Abschnitts. Direkt im Anschluss an den Exorzismus Jesu geht dieser mit seinen Jüngern zu Petrus und seinem Bruder nach Hause. Das ganze findet ja in Kafarnaum statt.
Dort tut Jesus nun ein weiteres Wunder, denn er heilt die kranke Schwiegermutter des Petrus. Wir stellen uns vor, wie die fünf Männer bei Petrus zuhause erscheinen und die Schwiegermutter sie eigentlich bewirten muss.
Jesus tut etwas, was wir öfter lesen: Er fasst sie bei der Hand und richtet sie auf. Das ist natürlich zunächst aus praktischen Gründen eine notwendige Geste. Jesus heilt sie, sodass sie nicht mehr niederliegen muss. Er hilft ihr also auf. Gleichzeitig lesen wir dahinter etwas viel Tieferes, genauso bei der Erweckung des toten Mädchens an anderer Stelle: Jesus erfüllt Jes 41 durch diese scheinbar banale Geste und jeder fromme Jude müsste es wie Schuppen vor den Augen fallen: „Denn ich bin der HERR, dein Gott, der deine rechte Hand ergreift und der zu dir sagt: Fürchte dich nicht, ich habe dir geholfen.“ Durch die Erfüllung der jesajanischen Verheißung muss der fromme Jude aber auch anerkennen, dass Jesus „der HERR“ ist, dass sie eins sind! Das Fieber verschwindet und die Schwiegermutter kann die Gäste bedienen. Auch das ist uns eine ganz große Lehre:
Gott heilt nicht, damit wir ein bequemeres Leben führen können. Gott lässt gerade körperliche Heilung zu, damit wir durch die gewonnene Gesundheit IHM besser DIENEN können. Er tut dies, wenn er einen besonderen Auftrag für den Menschen hat. Darum geht es in erster Linie: um die genesene Person zu berufen und um ihren Glauben zu stärken bzw. den Glauben der Umstehenden.
Übrigens findet diese Heilung an einem Sabbat statt. Das ist eigentlich ein Grund zur Anklage, aber erstens steht Jesus als Messias über dem Sabbat, zweitens können wir davon ausgehen, dass die Schwiegermutter des Petrus in Lebensgefahr schwebt, wo die Heilung an einem Sabbat ausnahmsweise erlaubt ist.
Die ganzen Menschenmassen, die nach Sonnenuntergang zum Haus des Petrus und Andreas kommen, halten sich an die jüdischen Gesetze, denn ab dem Sonnenuntergang ist in jüdischer Zählung der neue Tag angebrochen. Jesus heilt die Kranken und treibt die Dämonen aus, als es also nicht mehr Sabbat ist!
Am nächsten Tag tut Jesus, was er immer nach ausführlichen Heilungen und Verkündigungen tut – allein mit seinem Vater sein. Er füllt sich neu mit der Liebe des Vaters auf. Das ist für die Jünger Jesu eine große Lehre. Sie sollen sehen, wie sie es später selbst tun sollen – vielen Menschen die Liebe Gottes schenken, aber dann in der Zweisamkeit mit Gott wieder auftanken – und zwar nicht körperlich, sondern seelisch. Sie müssen das erst einmal noch lernen. Deshalb reagieren sie hektisch (sie „eilen ihm nach“) und wollen ihn zurück zu den Menschen bringen, die nach ihm suchen.
Jesus sagt ihnen aber deutlich, dass er sich nicht von den Bewohnern Kafarnaums festnageln lässt. Er ist für alle Menschen gekommen, muss überall das Evangelium verkünden und vor allem: Er kann sich nicht von einzelnen Menschen binden lassen. Das ist die Lebensweise von Geistlichen. Sie gehören keinen Einzelpersonen, sondern sie sind ungebunden. Deshalb sind sie ja auch zölibatär, um sich ganz und gar nur an einen zu binden – an Gott. Es ist natürlich gut für einen Geistlichen, bestimmte Bezugspersonen zu haben, die einen stützen und helfen, aber auch an sie soll er sich nicht binden, vor allem nicht emotional. Ein Priester ist der Vater der ganzen Gemeinschaft der Christen, die eine einzige Familie ist. Jesus zeigt ihnen dadurch noch etwas Anderes: In erster Linie muss der Geistliche ganz und gar in Gott sein. Die Zwiesprache im Gebet, das komplette Versunkensein in der Liebe Gottes, die Kontemplation muss der Ausgangspunkt jedes priesterlichen Dienstes sein. Dann ist es wirklich ein gnadenhaftes Tun, das die Menschen näher zu Gott bringt.
Und so zieht Jesus durch ganz Galiläa, lehrt in den Synagogen – d.h. er legt dort vor allem die Schrift neu aus. Es wird auch explizit gesagt, dass er Dämonen austreibt. Das ist ein wichtiger großer Dienst, den Jesus ausübt. Es ist eine messianische Heilstat, die die Herrschaft Gottes gegenüber dem Reich des Teufels signalisiert. Anhand der Exorzismen sieht man zudem am eindrücklichsten, wie Jesu Befreiung aus der Sklaverei zu verstehen ist. Er will in erster Linie unsere Seele retten, deshalb ist der Exorzismus im Markusevangelium auch das erste Wunder, das überliefert wird. Erst danach kommt die erste körperliche Heilung an der Schwiegermutter des Petrus.

Sowohl in der Lesung als auch im Evangelium müssen die Berufenen zunächst einmal etwas lernen. Samuel versteht zunächst nicht, dass Gott es ist, den er ruft. Er lernt diesen erst noch kennen. Im Evangelium müssen die Jünger Jesu zunächst lernen, was es heißt, ein ungebundener Geistlicher zu sein, der sich zugleich allen Menschen schenkt. Wichtig ist auch für uns, dass wir Gottes Lektionen dankbar annehmen und gehorsam sind – ge-hor-sam, ihm Gehör schenken. Lassen wir uns dabei vom Hl. Geist erfüllen, damit er durch uns wirkt, selbst wo wir nicht alles verstehen. Letztendlich geht es um die Intimität mit Gott. Samuel beginnt seine Beziehung mit dem HERRN ja erst, ebenso müssen die Jünger Jesu Intimität mit dem Vater erst einmal begreifen. Aber dies ist das A und O. Von dort ausgehend geschieht alles Weitere.

Ihre Magstrauss

7. Januar in der Weihnachtszeit

1 Joh 3, 22-4,6; Ps 2, 7-8.10-11; Mt 4,12-17.23-25

1 Joh 3
22 und alles, was wir erbitten, empfangen wir von ihm, weil wir seine Gebote halten und tun, was ihm gefällt. 

23 Und das ist sein Gebot: Wir sollen an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben gemäß dem Gebot, das er uns gegeben hat. 
24 Wer seine Gebote hält, bleibt in Gott und Gott in ihm. Und daran erkennen wir, dass er in uns bleibt: an dem Geist, den er uns gegeben hat.
1 Geliebte, traut nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt hinausgezogen. 
2 Daran erkennt ihr den Geist Gottes: Jeder Geist, der Jesus Christus bekennt als im Fleisch gekommen, ist aus Gott 
3 und jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, ist nicht aus Gott. Das ist der Geist des Antichrists, über den ihr gehört habt, dass er kommt. Jetzt ist er schon in der Welt. 
4 Ihr aber, meine Kinder, seid aus Gott und habt die falschen Propheten besiegt; denn Er, der in euch ist, ist größer als jener, der in der Welt ist. 
5 Sie sind aus der Welt; deshalb sprechen sie, wie die Welt spricht, und die Welt hört auf sie. 
6 Wir aber sind aus Gott. Wer Gott erkennt, hört auf uns; wer nicht aus Gott ist, hört nicht auf uns. Daran erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums.

Heute hören wir wieder einen Ausschnitt aus dem ersten Johannesbrief. Im ersten Teil geht es darum, dass wenn wir im Stand der Gnade sind, alles von ihm erbitten können. Es wird uns gegeben. Der Stand der Gnade wird daran deutlich, dass es um das Halten der Gebote geht. Wenn wir Gottes Gebote halten, und tun, „was ihm gefällt“, wird er unsere Gebete erhören. Das Halten der Gebote lässt sich dabei zusammenfassen als Glaube an Jesus Christus und als Nächstenliebe. Im ersten Johannesbrief wird diese auch „Bruderliebe“ genannt. Diese wird in dem Abschnitt vor dem heute vorgesehenen thematisiert.
Der Stand der Gnade wird johanneisch oft mit der heute auch verwendeten Formulierung „in Gott sein/bleiben und umgekehrt“ ausgedrückt. Dass dieser Zustand in dem Brief immer wieder aufgegriffen wird, zeigt uns die Wichtigkeit für die ersten Adressaten, aber auch für uns selbst. Das Sein in Gott und die Präsenz Gottes in uns selbst ist entscheidend, wenn wir „Frucht bringen“ wollen. Jesus sagt im Johannesevangelium: „Getrennt von mir könnt ihr NICHTS tun.“ ALLES vermögen wir aber in Verbindung mit ihm.
Dass wir im Stand der Gnade sind, erkennen wir an dem Hl. Geist. Was heißt das konkret? Der Hl. Geist wirkt in uns, um uns, in den Menschen, denen wir begegnen. Unsere Lebenswelt wird fruchtbar, d.h. der Geist wirkt durch uns kreativ im wahrsten Sinne – schöpferisch. Menschen werden durch unsere „Bruderliebe“ verwandelt. Sie werden zu Jesus geführt. Wenn wir für sie beten, wird es erhört. Wir sehen den Hl. Geist durch die Früchte und Gaben, die er uns schenkt. Es wird vor allem Frieden spürbar, der übernatürlich ist. In erster Linie werden die Menschen um uns im Herzen Frieden bekommen, der sich auf ihr ganzes Leben auswirken wird. Gott schenkt den Gemeindemitgliedern viele Charismen, mit denen sie ihren Mitmenschen dienen können.
Das ist nicht nur damals so. Das ist auch heutzutage so. Wenn wir im Stand der Gnade sind und um die Früchte, Gaben und Charismen bitten, werden wir sie bekommen. Durch uns werden so viele Menschen zu Jesus geführt. Dann werden wir wirklich zu Werkzeugen Gottes, zu Arbeitern in seinem Weinberg. Wir werden die Früchte dieser Arbeit nicht immer sehen, aber hier und da lässt Gott sie uns dennoch schauen. Dann werden wir ermutigt und motiviert, weil wir sehen, dass unsere Bemühungen Früchte zeigen.
Ich könnte Ihnen so viele Beispiele aufzählen, was sich in meinem Umfeld getan hat dadurch, dass ich im Stillen für die Menschen gebetet habe. Gott lässt einen die Ergebnisse immer wieder schauen, damit man wirklich glaubt, dass Gott einen erhört.
Im zweiten Teil der heutigen Lesung wird das Hauptproblem des Briefes wieder aufgegriffen: die Auseinandersetzung mit Häresien ihrer Zeit. Es geht vor allem um die sogenannten Doketisten, die die Menschwerdung Gottes leugnen. Für sie kann Gott keinen menschlichen Körper angenommen haben, gelitten haben und gestorben sein. Das muss ein Scheinleib gewesen sein. Auch heutzutage fällt es so manchem schwer, diese grundlegende christliche Lehre von der Inkarnation zu glauben. Aber das ist die Wahrheit. Entsprechend des Themas geht es also im zweiten Teil des Briefes um die Unterscheidung der Geister. Das ist hier nicht als Charisma gemeint, das man erhalten kann wie die Zungenrede oder die Prophetie. Es geht hier um eine systematische Unterscheidungsgabe in Gemeinden, weil sich schnell irgendwelche Häresien einschleichen können. Das Unterscheidungsmerkmal für die Adressaten des ersten Johannesbriefes ist die Frage nach der Menschwerdung Jesu: „Jeder Geist, der Jesus Christus bekennt als im Fleisch gekommen“ (ἐν σαρκὶ ἐληλυθότα) ist das A und O. Nimmt das jemand an, ist er aus dem gleichen Geist, also dem Hl. Geist und somit rechtgläubig. Jesus ist nicht einfach als Fata Morgana erschienen, sondern war ganz Mensch, also auch mit einem Körper. Das wird durch „im Fleisch“ verdeutlicht.
Das Wort „Bekenntnis“ deutet an, wie die ersten Christen in der Entstehung der christlichen Lehre die Wahrheit von der Häresie erkannt haben: Durch Glaubensbekenntnisse bzw. Symbola. Wer das Bekenntnis nicht so gesprochen hat, wie es die Großkirche vorgab, outete sich als Häretiker. Glaubensbekenntnisse wurden also als Maßstab für die Rechtgläubigkeit verfasst.
Jesus nicht zu bekennen, v.a. nicht auf die vorgegebene Art zu bekennen, stammt vom Antichristen, der schon längst in der Welt ist. Er ist der Widersacher Christi und versucht alles, um die Menschen von Gott wegzubringen. Auch gerade die Christen werden versucht, die es besonders ernst meinen. Dann wird ganz schnell ein kleines Fünkchen Lüge mit ganz viel Wahrheit vermischt, sodass man es gar nicht bemerkt. Und schon ist man dem Antichristen aufgesessen. Jüngst gab es in den sozialen Netzwerken wieder die Diskussion über die „Warnung“, die schon längst als Täuschungsaktion entlarvt worden ist. Es gibt immer noch praktizierende Katholiken, die sie für wahr halten. So geschickt ist der Antichrist in der Verwirrung derjenigen, die ihr Leben ganz dem Herrn widmen.
Wenn Johannes hier in Vers 4 schreibt „ihr (…) seid aus Gott und habt die falschen Propheten besiegt“ (νενικήκατε αὐτούς, Perfektform), bezieht er sich auf vergangene Ereignisse. Wir können uns das so erklären, dass bis die Adressaten den Glauben an Jesus Christus angenommen haben, von allen möglichen, vor allem aber von Doketisten beworben worden sind. Sie sind aber letztendlich dem christlichen Glauben gefolgt und haben sich taufen lassen. Gott ist stärker als der Antichrist. So begründet Johannes die Taufe seiner Adressaten (“ denn Er, der in euch ist, ist größer als jener, der in der Welt ist.“)
Die Häretiker sind „aus der Welt“ und sprechen „wie die Welt“. „Die Welt“ hört auf sie, weil sie aus demselben Geist ist. Es geht hier nicht darum, Gottes gute Schöpfung schlecht zu machen. Johannes meint mit „Welt“ die vom Bösen infiltrierte Welt, nicht Gottes gute Schöpfung. Wer also „von der Welt“ ist und „wie die Welt“ spricht, meint eigentlich den Bösen. Es geht um eine antichristliche Gesellschaft, die nur auf „die Seinen“ hört.
Wer aber auf die Getauften hört, die eine ganz andere Botschaft und ein ganz anderes Lebensziel haben, ist aus Gott. Das Hören auf die Botschaft, die das Evangelium Jesu Christi ist, wird so zum Unterscheidungsmerkmal. Es ist wirklich so, wie Simeon Maria im Tempel angekündigt hat: An Jesus (und sein Evangelium ist von ihm untrennbar) scheiden sich die Geister. Wer ihn annimmt, ist aus Gott, d.h. in ihm wirkt der Hl. Geist, der der „Geist der Wahrheit“ und nicht der „Geist des Irrtums“ ist.

Ps 2
7 Den Beschluss des HERRN will ich kundtun./ Er sprach zu mir: Mein Sohn bist du. Ich selber habe dich heute gezeugt. 
8 Fordere von mir und ich gebe dir die Völker zum Erbe und zum Eigentum die Enden der Erde.  
10 Nun denn, ihr Könige, kommt zur Einsicht, lasst euch warnen, ihr Richter der Erde! 
11 Mit Furcht dient dem HERRN, jubelt ihm zu mit Beben.

Der heutige Psalm ist absolut passend zur Lesung und gibt uns weiteren Aufschluss über die Identität Jesu. Das Thema des Psalms ist das Verhältnis von Gott und seinem Gesalbten. Die Juden haben darunter zunächst den irdischen König verstanden und so wird es auch König David vorausgesetzt haben, als er dieses Gebet verfasst hat. Und doch hat der Geist ihm Worte eingegeben, die auf den göttlichen Gesalbten hinauslaufen, auf Jesus.
Wir sehen es vor allem an der Aussage „Mein Sohn bist du. Ich selber habe dich heute gezeugt.“ Das Verb יְלִדְתִּֽיךָ jelidticha ist eine Vergangenheitsform und heißt „zeugen, gebären“. Durch הַיֹּ֥ום  hajjom wird wirklich betont, dass die Zeugung „heute“ stattfand. Liest man den gesamten Psalm, also den näheren Kontext der heutigen Verse, kann man die Aussage in Vers 7 durchaus auf den israelitischen König beziehen, also auf David. Er ist von Gott eingesetzt als König auf dem Zion. Was er erbittet, wird Gott ihm gewähren (z.B. politische Dinge). Gott muss nur einen kleinen Finger krümmen und die nichtigen Pläne der Großen dieser Welt werden zunichte gemacht (Wir lesen darüber am Anfang des Psalms).
Gott wird ihm, König David, die Völker (Gojim, die heidnischen Völker) zum Erbe geben. Er meint nicht die Stämme Israels. Die sind dem König schon untertan.
Möchte man den Psalm in seiner Tiefe verstehen, muss man über diesen wörtlich-historischen Sinn hinausgehen: Der Gesalbte, von dem hier die Rede ist, ist mehr als nur ein irdischer König. Es geht um Jesus, den Gesalbten Gottes. Er ist es, den Gott selbst wirklich gezeugt hat. Bei König David ergibt diese Aussage sonst keinen Sinn. Dieser ist ja weder „heute“ gezeugt noch wirklich von Gott geboren worden. Er ist wie jeder andere Mensch durch eine Mutter auf die Welt gekommen und war ein normaler Mensch. Vielleicht ist die Zeugung im übertragenen Sinne zu verstehen als Umschreibung der Salbung. Dann ist die Königssalbung die „Zeugung“ Gottes. Durch sie ist eine besondere Gottesbeziehung entstanden, die im ersten Johannesbrief durch das in Gott Sein ausgedrückt worden ist. Durch diese Gemeinschaft kann von Gott alles erbeten werden. Er wird es gewähren.
Jesus dagegen ist wirklich gezeugt worden. Er ist auch „heute“ gezeugt worden. Der Begriff des Heute ist nämlich ein Ausdruck der Ewigkeit, genauso wie der Begriff „jetzt“ in den johanneischen Schriften (jetzt ist die Stunde gekommen). In der Ewigkeit gibt es keine Zeit. Dort gibt es nur ein Heute, nur ein Jetzt. Gott hat Jesus also in der Ewigkeit gezeugt vor aller Zeit. Deshalb steht auch die Vergangenheitsform. König David konnte sich gar nicht vorstellen, was ihm der Hl. Geist mit diesem Psalm eingegeben hat! Die Tragweite dieses Psalms wird erst tausend Jahre später mit der Menschwerdung Gottes ersichtlich.
Jesus ist wirklich ganz im Vater und der Vater ganz in ihm. Die beiden haben wirklich eine unvergleichliche Einheit, durch die alles, was Jesus erbittet, vom Vater gewährt wird.
„Die Völker“, die Jesus „zum Erbe“ gegeben werden, sind die Menschen im Neuen Bund. Es sind jetzt nicht mehr nur die Juden, mit denen Gott einen Bund schließt, sondern gleichermaßen Juden und Heiden. „Gojim“ erhält nun eine ganz andere Dimension. Zu Erben im Reich Gottes werden wir dabei durch die Taufe.
Jesus wird zum König der Welt, der über allen Herrschern dieser Welt steht. Diese sollen mit Gottesfurcht ihre Herrschaft ausüben, denn Jesus muss nur einmal eingreifen und ihre Herrschaft ist dahin.
All diese Worte sind uns zum Heil aufgeschrieben. Jeder von uns ist insofern „heute gezeugt“, als Gott uns durch die Taufe zu seinen Kindern gemacht hat. Er hat uns „Gnade über Gnade“ geschenkt, wie wir am Sonntag gehört haben, indem wir nun diese besondere Einheit zum Vater haben können. Wie Jesus können wir im Stand der Gnade alles erbitten und Gott wird es uns gewähren. Wir müssen uns aber darum bemühen, diesen Stand der Gnade aufrecht zu erhalten. Durch die Sünde treten wir nämlich aus diesem Stand heraus.
Am Ende unseres Lebens und am Ende der Zeiten werden wir dann als Teil dieses Erbes der Völker bzw. jenes endzeitlichen Volkes das Erbe antreten im himmlischen Jerusalem. Jesus wird dann der einzige König sein. Die irdischen Herrscher wird es dann nicht mehr geben, weil es „die Welt“ nicht mehr geben wird. Es wird ein neuer Himmel und eine neue Erde geschaffen werden. Jesus wird dann auf dem himmlischen Zion eingesetzt, von dem hier im Psalm die Rede ist.

Mt 4
12 Als Jesus hörte, dass Johannes ausgeliefert worden war, kehrte er nach Galiläa zurück. 
13 Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. 
14 Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: 
15 Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: 
16 Das Volk, das im Dunkel saß, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen.
23 Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.
24 Und sein Ruf verbreitete sich in ganz Syrien. Man brachte alle Kranken mit den verschiedensten Gebrechen und Leiden zu ihm, Besessene, Mondsüchtige und Gelähmte, und er heilte sie. 
25 Scharen von Menschen aus Galiläa, der Dekapolis, aus Jerusalem und Judäa und aus dem Gebiet jenseits des Jordan folgten ihm nach.

Heute hören wir von dem öffentlichen Wirken Jesu. Nachdem Johannes ins Gefängnis geworfen wurde, geht Jesus zurück in seine Heimat. Man könnte es menschlich erklären als klugen Schachzug, da Jesus der akuten Gefahr entgeht- er hat schließlich noch einen Verkündigungsauftrag und kann nicht direkt ins Gefängnis gehen. Aber es geht um etwas Anderes: Er macht sich auf in die Gebiete, die vorwiegend heidnisch besetzt sind. Er tut dabei nichts, was er selbst will, sondern ganz, was der Vater ihm aufträgt. Sein Aufenthalt im Land Sebulon und Naftali ist wiederum nicht nur für die Heiden wichtig, sondern auch für die Juden. Er erfüllt nämlich wiederum eine Verheißung des Alten Testaments, das die Juden erkennen mussten. Er tut es also wiederum für die Juden, damit sie zum Glauben an ihn kommen! Es geht um die Verheißung in Jesaja 8-9. Er ist das Licht, das zu dem Volk geht, das im Dunkeln lebt. Er bringt jenen Hoffnung, die keine haben. Er lehrt dabei in den Synagogen, was wiederum eine Verkündigung für die Juden kennzeichnet.
Jesu Verkündigung ist von Anfang an eine Kombination von Predigt und Heilsdienst. Er erklärt das Reich Gottes und heilt viele Menschen von verschiedenen Leiden.
Die Menschen kommen vor allem wegen der Heilungsaussichten, aber zugleich hören sie vom Reich Gottes. Dadurch, dass aus dem ganzen Hl. Land Menschen zu seinen Jüngern werden, erkennen wir, warum Jesus die Menschen heilt: damit sie zum Glauben an ihn kommen. Sie sollen die Herrlichkeit Gottes erkennen. So ist Gott. Er zeigt den Menschen konkret am Beispiel der Heilung, was er mit seiner frohen Botschaft meint. Das ist göttliche Pädagogik.
Jesus erbittet die Heilung für all jene Menschen, die zu ihm kommen. Er betet laut mit ihnen und sie sehen, dass die Gebete erhört werden. Das ist wichtig für die Juden. Sie erkennen die Salbung Gottes in Jesus, wie der Psalm 2 es ausdrückt. Was auch immer Jesus beabsichtigt, der Geist Gottes wirkt durch ihn und heilt Scharen von Menschen. In Jesus ist die Fülle der Charismen Gottes.
An Jesus können wir heute gut erkennen, was auch uns geschenkt wird, wenn wir es zulassen. Unsere Aufgabe ist es, eins mit Gott zu sein. Dann wird er uns ganz durchtränken durch den Hl. Geist. Dann werden wir auch die Charismen erhalten, durch die andere Menschen die Existenz Gottes in der Welt erkennen. Dann werden wir brennen von der Liebe Gottes. Dann werden auch wir viele Menschen zu Jüngern Gottes machen, indem das Feuer der Liebe, das in uns brennt, auf sie übergehen wird.

Werden wir zu Werkzeugen Gottes, denn auch wir sind gesalbt – durch die Taufe und durch die Firmung! Tun wir alles, was in unserer Macht steht, um die Gemeinschaft mit Gott zu haben. Dann werden auch wir Früchte bringen für Gott. Es wird immer nur unvollkommen sein, weil wir Menschen Sünder sind. Aber mit der helfenden Gnade Gottes können auch wir Frucht bringen.

Ihre Magstrauss