Freitag der 16. Woche im Jahreskreis (Hl. Christophorus)

Jer 3,14-17; Jer 31,10.11-12b.13; Mt 13,18-23

Jer 3
14 Kehrt um, ihr abtrünnigen Söhne – Spruch des HERRN; denn ich bin euer Gebieter. Ich hole euch, einen aus jeder Stadt und zwei aus jeder Sippe, und bringe euch nach Zion.

15 Ich gebe euch Hirten nach meinem Herzen; mit Einsicht und Klugheit werden sie euch weiden.
16 Und wenn ihr euch im Land vermehrt und fruchtbar seid in jenen Tagen – Spruch des HERRN – , wird man nicht mehr rufen: die Bundeslade des HERRN! Sie wird niemand in den Sinn kommen; man denkt nicht mehr an sie, vermisst sie nicht und sie wird nicht wiederhergestellt.
17 In jener Zeit wird man Jerusalem Thron des HERRN nennen; dort, beim Namen des HERRN in Jerusalem, werden sich alle Völker versammeln und sie werden nicht mehr der Verstocktheit ihres bösen Herzens folgen.

In der Lesung hören wir an diesem heutigen Gedenktag mehrerer großer Heiliger – dem Hl. Christophorus und des Hl. Charbel – aus dem Buch Jeremia. Das gesamte Kapitel ist ein einziges Streitgespräch Gottes mit Israel und Juda, dem Nord- und dem Südreich. Gott stellt beiden die große Schuld vor Augen und erhebt schwere Vorwürfe. Er tut dies, um die Drastik der ganzen Situation aufzuzeigen und beide aufzurütteln. Er möchte, dass sie von Herzen umkehren. Deshalb stellt er beiden auch ganz großes Heil in Aussicht. Was wir heute hören, ist der Umkehraufruf an die beiden sowie dieses Heilsaussichten.
„Kehrt um, ihr abtrünnigen Söhne“ meint die Stämme der beiden Reiche, die zu den zwölf Stämmen gehören. Gott ist ihr Gebieter und sammelt aus jeder Stadt und jeder Sippe Menschen in Zion. Das allein ist schon ein Heilscode. Von mehreren Propheten ist die Sammlung auf dem Zion ein Bild für das eschatologische Heil, das von Gott kommt. Das erfüllt sich mit Jesus Christus, dessen Kreuzesopfer genau zum Passahfest vollzogen wird, als viele Menschen aus umliegenden Orten und Ländern nach Jerusalem kommen. Es betrifft auch die Kirche, deren Geburtstag ausgerechnet mit dem Wochenfest zusammenfällt, an dem Menschen aus umliegenden Orten und Ländern nach Jerusalem pilgern. Am Ende der Zeiten wird es sich vollenden, wenn dann nicht mehr der gekreuzigte Christus als personifiziertes Zion und nicht mehr die Kirche mit der Eucharistie als sakramentales Zion der Sammlungsort sein werden, sondern der unverhüllte Gott in ihrer Mitte – im himmlischen Zion.
„Ich gebe euch Hirten nach meinem Herzen; mit Einsicht und Klugheit werden sie euch weiden.“ Das Buch Jeremia kündigt an, was sich mit Jesus erfüllen wird: Gott sucht sich höchstpersönlich Hirten für die Herde aus. Jesus hat einen Oberhirten, zu dem er sagt: „Und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen.“ Zugleich sagt er zu Petrus, „Weide meine Schafe“. Jesus wählt zwölf Männer als seinen engsten Jüngerkreis aus und verleiht ihnen seine Vollmacht. Sie werden am Pfingsttag mit der hier angekündigten „Einsicht und Klugheit“ ausgestattet, die wichtige Geistesgaben darstellen.
„Und wenn ihr euch im Land vermehrt und fruchtbar seid in jenen Tagen“ ist wörtlich-historisch zunächst auf das Nord- und Südreich zu beziehen, das sich normal ausbreiten kann. Das ist nicht selbstverständlich, betrachtet man die vielen Unterdrückungen durch Fremdherrscher. In einer fruchtbaren Zeit, also in einer Phase des Segens, kann auch tiefer betrachtet werden: Wenn das Reich Gottes sich verbreitet, indem Jesus es verkündet und die messianischen Heilstaten vollbringt. Es ist auch auf die Kirche zu beziehen, die sich rasant verbreitet, sobald der Hl. Geist sie belebt hat. Diese Leserichtungen sind deshalb so wichtig, weil im zweiten Teil des Verses der Verlust der Bundeslade gar nicht bedauert wird. Man wird sogar nicht mehr an sie denken! Wie ist das zu verstehen? Für das Alte Israel ist das schon dahingehend ein Heilszeichen, weil schon damals die apokalyptische Vorstellung bestand, dass Gott am Ende der Zeiten in der Mitte seines Volkes leben werde. Auch in der Johannesoffenbarung sieht der Visionär das Wohnen Gottes unter den Menschen, weshalb ein Tempel wie auf Erden überflüssig wird.
Wir verstehen diesen Teilvers aber auch christologisch sowie ekklesiologisch: Jesus Christus ist zum Ort der Anbetung geworden. Die Bundeslade mit den steinernden Tafeln ist nun abgelöst worden von Gottes eigenem Sohn, der die Personifizierung der Torah ist. Wo Christus ist, da ist Gottes Gegenwart, nicht mehr dort, wo die Bundeslade ist. Seine eucharistische Gegenwart ist in jeder katholischen Kirche zu finden, weshalb der Ort der Anbetung Christi überall dort ist. In der Zeit Jesu als Mensch auf Erden sowie in der Zeit der Kirche wird man die Bundeslade also gar nicht mehr brauchen oder vermissen. Gott selbst ist auf die Erde gekommen!
Was Jeremia hier verheißt, steht noch aus. Es wird zukünftig geschehen, dass Jerusalem der Thron Gottes wird. Das steht in vollendeter Form auch heute noch aus, denn es wird sich wie gesagt am Ende der Zeiten zutragen. Doch wir dürfen es jetzt schon sakramental erahnen. „Jerusalem“ ist überall da, wo die eucharistische Gegenwart Christi vorhanden ist und die Gläubigen sich zum Gebet versammeln.

Jer 31
10 Hört, ihr Völker, das Wort des HERRN, verkündet es auf den Inseln in der Ferne und sagt: Der Israel zerstreut hat, wird es sammeln und hüten wie ein Hirt seine Herde!
11 Denn der HERR hat Jakob losgekauft und ihn erlöst aus der Hand des Stärkeren.
12 Sie kommen und jubeln auf Zions Höhe, sie strahlen vor Freude über die Wohltaten des HERRN, über Korn, Wein und Öl, über Lämmer und Rinder. Sie werden wie ein bewässerter Garten sein und nie mehr verschmachten.
13 Dann freut sich die Jungfrau beim Reigentanz, ebenso Junge und Alte zusammen. Ich verwandle ihre Trauer in Jubel, tröste sie und mache sie froh nach ihrem Kummer.

Als Antwort auf die Heilsaussichten der Lesung beten wir einen Ausschnitt aus dem Buch Jeremia.
„Hört, ihr Völker, das Wort des HERRN, verkündet es auf den Inseln in der Ferne“ ist ein Appell an die nichtjüdischen Völker, denn wir lesen das hebräische Wort גֹּויִם gojim. Sie sollen das Folgende auf den Inseln verkünden. Damit sind immer die weit entfernten Orte gemeint und das Gesagte wird somit zu einer universalen Botschaft. Die Völker sollen anerkennen, dass Israels Gott der Wahre ist. Er hat die Macht, es zu zerstreuen. Das haben die Völker ja mit eigenen Augen gesehen, als Juda ins Babylonische Exil verbannt worden ist. Sie werden bezeugen, wie derselbe Gott die Zerstreuung wieder aufheben wird, indem er sein Volk wie ein Hirt seine Herde sammeln wird. Das bezieht sich auf die Heilsaussichten nach dem Babylonischen Exil, das ist aber auch geistig zu verstehen. Die nichtjüdischen Zeugen sehen, wie Jesus Menschen um sich versammelt und sie zu seinen Jüngern macht. Er sammelt seine Herde, die zum Reich Gottes gehören möchte. Doch diese Sammlung betrifft nicht mehr nur Israel als Zwölf-Stämme-Bund, sondern nun einen universalen Bund mit Menschen aller Völker, Stämme, Sprachen und Nationen.
Auf wörtlich-historischer Ebene bezieht sich dieser Jeremiatext dennoch auf das Alte Israel, das Gott loskauft aus der Hand des Feindes. Diese Sprache ist den Juden bekannt. Gott hat den zwölf Stämmen das Verheißene Land geschenkt. Jedem steht ein Stück davon zu. Wenn man sich jedoch verschuldet hat und das Land an einen anderen ging, konnte ein Verwandter, also ein Angehöriger derselben Sippe, dieses Land für den Verschuldeten wieder zurückkaufen. Dieser Loskauf wurde „Auslösung“ oder „Erlösung“ genannt. Was hier also ausgesagt wird, ist Gottes Loskauf des Landes für sein auserwähltes Volk, das durch die eigenen Sünden das Verheißene Land an den Fremdvölkern verloren hat. Es beweist also Gottes unendliche Barmherzigkeit. Eigentlich hätte er Israel die Folgen der Sünde unendlich spüren lassen. Stattdessen möchte er ihm das Land zurückgeben!
Mit dem Bild der Auslösung wird auch die Erlösung Jesu Christi umschrieben. Was er durch Kreuz und Auferstehung erwirkt hat, ist ein Loskauf aus der Verschuldung des „Verheißenen Landes“, des Paradieses. Die Menschen lebten in einem Exil fernab von Gottes Ewigkeit. Nun hat er ihnen dieses „Land“ zurückgegeben. Der Mensch kann die Herrlichkeit Gottes wieder schauen. Die Verschuldung durch die Sünde ist beglichen, weil Christus für die gesamte Sünde der Welt gesühnt hat.
„Sie kommen und jubeln auf Zions Höhe, sie strahlen vor Freude über die Wohltaten des HERRN“ greift nun auf, was wir bereits in der Lesung gehört haben. Betrachtet man dieses universale Kommen aus allen Himmelsrichtungen eschatologisch, ist es das Endziel des Menschen und damit verbunden die Freude und der Jubel Indikatoren der himmlischen Wirklichkeit. Auch die Rede vom bewässerten Garten, der nie mehr verschmachtet, ist schon in alttestamentlicher Zeit eschatologisch interpretiert, also auf das Himmelreich bezogen worden. Auch der Wandel der Trauer in Freude ist ein typisches Motiv der Endzeit. Der Trost Gottes ist ebenfalls als solche Verheißung für das Ende der Zeiten zu verstehen. Diese hier aufgezählten Motive sind typisch für apokalyptische Texte.

Mt 13
18 Ihr also, hört, was das Gleichnis vom Sämann bedeutet.

19 Zu jedem Menschen, der das Wort vom Reich hört und es nicht versteht, kommt der Böse und nimmt weg, was diesem Menschen ins Herz gesät wurde; bei diesem ist der Samen auf den Weg gefallen.
20 Auf felsigen Boden ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt;
21 er hat aber keine Wurzeln, sondern ist unbeständig; sobald er um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt wird, kommt er sofort zu Fall.
22 In die Dornen ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört, und die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum ersticken es und es bleibt ohne Frucht.
23 Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt Frucht – hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach.

Im Evangelium hören wir von dem Gleichnis des Sämanns, das vor einiger Zeit das Sonntagsevangelium darstellte. Wir hören dabei die Deutung: Der Sämann ist Christus, der Same das Wort Gottes. Es geht um die verschiedenen Beschaffenheiten des Bodens, auf den das Wort Gottes fällt. Es sind die unterschiedlichen Herzenshaltungen der Menschen, mit denen sie Jesu Predigt in sich aufnehmen: Der Same auf dem Weg wird vom Satan direkt geraubt, bevor es Wurzeln schlagen kann. Warum ausgerechnet auf dem Weg? Es sind die Menschen, die im Prozess der Umkehr sind, die noch auf dem Weg zu Gott sind. Der Satan gerät in Panik und tut alles, damit die Seele nicht für Christus gewonnen wird. Er will die Seele für sich behalten. Deshalb müssen wir sehr viel für jene beten, die Gott suchen und vielleicht sogar schon auf dem Weg zur Taufe sind. Sie erleiden starke Anfechtungen und Versuchungen, denn Satan will unsere Königskindschaft mit allen Mitteln verhindern.
Der felsige Boden ist die Haltung der Menschen, die einen oberflächlichen Glauben haben, ohne Wurzeln und unbeständig. Beim ersten Widerstand geben sie auf, weil es zu unangenehm wird und es ihnen aufgrund der fehlenden Wurzeln den Boden unter den Füßen wegzieht. Solche „christlichen Sanguiniker“ sind diejenigen, die sich das Angenehme gern herauspicken und das Unangenehme ausblenden. Sie sind felsig, das heißt, sie wollen sich nicht ganz formen lassen von Gott, der auch mal züchtigen muss, der für uns nicht immer nur Feierlaune, sondern auch mal den grauen Alltag bereithält. Die Felsen der eigenen Voreingenommenheit, die Patchwork-Mentalität zerstören aber die Samen des Wortes Gottes. So wächst es nicht in jenen Menschen, so werden jene Menschen also nicht zum Leib Christi, dem fleischgewordenen Wort Gottes.
Die Herzenshaltung des dornigen Gestrüpps ist besonders tödlich. Gottes ewiges Wort, seine Weisheit, die nicht von dieser Welt ist, gerade auch vom Denken her, ist ganz anders als die Sichtweise der Welt mit ihren Verlockungen und ihrer Sünde. Doch in Menschen, die so weltlich eingestellt sind, auch gerade Menschen, die sich übertriebene Sorgen machen, also zu wenig Gottvertrauen besitzen, kann das Wort Gottes nicht keimen, Wurzeln schlagen, wachsen, Früchte tragen. Es stirbt sofort ab, weil das Herz voll von anderem ist. Jesus, das Wort Gottes, findet keinen Platz im Herzen solcher Menschen. Und er ist ein Gentleman. Wer ihn nicht hineinlässt, den lässt er auch in Ruhe. Dieses Dornengestrüpp breitet sich in unserer Kirche heutzutage rasant aus. Immer weniger Geistliche sind noch geistlich eingestellt. Wie viele unserer deutschen Bischöfe bestimmen ihr gesamtes Wirken noch von Christus her, dessen Reich nicht von dieser Welt ist? Es dominiert immer mehr die menschliche und weltliche Denkweise. Das Humanistische erfüllt die ganzen kirchlichen Grundvollzüge – so stark, dass für den Hl. Geist kein Platz mehr übrig bleibt.
Schließlich beschreibt Jesus die Fruchtbaren – die, die hören, aufnehmen und Frucht tragen. „Hören“ meint mehr als nur das physische Hören. Es meint den Ge-hor-sam, das Hören mit dem Glauben, das „auf ihn Hören“. In sich aufnehmen tun jene das Wort Gottes, die es an sich heranlassen. Die es akzeptieren und be-herzigen im wortwörtlichen Sinn: die es in sich verarbeiten, es betrachten, darüber nachdenken, es immer tiefer zu verstehen versuchen, die es nicht nur oberflächlich und rein informativ registrieren. Maria ist ein perfektes Beispiel für das „in sich Aufnehmen“. Sie bewahrt alle Geschehnisse in ihrem Herzen und denkt darüber nach. Das macht sie zur perfekten Jüngerin und dem fruchtbarsten Boden – auf dem das Wort Gottes deshalb auch Fleisch geworden ist! Früchte trägt das Wort Gottes dann, wenn die Menschen es in ihr eigenes Denken aufgenommen haben, wenn es von da an ihre eigenen Gedanken, Worte und Taten bestimmt, wenn es konkrete Auswirkungen hat im Verhalten.
Am Ende wird Jesus noch einen drauflegen. Er wird nicht nur das Wort Gottes säen in Form von gesprochenem Wort und Heilsdienst. Er wird sich selbst hingeben für die vielen Menschen am Kreuz. Er wird sein Fleisch und Blut austeilen und auch dann wird es auf unterschiedlichen Boden fallen. Der neue Bund wird allen Menschen angeboten, doch annehmen werden ihn nicht alle. Viele wird es kalt lassen, was Jesus für sie getan hat. Viele werden es zunächst annehmen und dann beim ersten Problem von ihm weglaufen. Nicht alle werden fruchtbar. Einige werden nicht glauben, dass Jesu Tat sie wirklich gerettet hat. Sie werden an ihrem fehlenden Vertrauen an Gott ersticken.
Jesus sät seinen „Samen“, d.h. sein Fleisch und Blut, in jeder Hl. Messe in das Herz der Kirche. Er sät sein Fleisch in unsere Herzen, die wir ihn in der Kommunion empfangen! Wird sein Same dort auf fruchtbaren Boden fallen? „Du bist, was du isst.“ Das ist nicht nur der Slogan von Wasa, das ist zuerst das Motto der Eucharistie. Wir werden immer mehr zum Leib Christi, indem wir ihn empfangen. Dies wird sich in unseren Gedanken, Worten und Werken immer mehr zeigen. Auch gerade im Alltag, da wo uns keiner sieht, da wo wir dann umsetzen sollen, was wir gelernt haben.
Das alles drückt Jesus heute im Evangelium aus.

Bitten wir heute den Hl. Christophorus und den Hl. Charbel um ihre Fürsprache, ein fruchtbarer Boden zu werden für das Wort Gottes, auf dass sein Same in uns Frucht trage.

Ihre Magstrauss

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