Dienstag der 13. Woche im Jahreskreis

Am 3,1-8; 4,11-12; Ps 5,5-6.7-8a.8bu. 9ac; Mt 8,23-27

Am 3
1 Hört dieses Wort, das der HERR gesprochen hat über euch, ihr Söhne Israels, über den ganzen Stamm, den ich aus Ägypten heraufgeführt habe.
2 Nur euch habe ich erkannt unter allen Stämmen der Erde; darum suche ich euch heim für alle eure Vergehen.
3 Gehen zwei miteinander, ohne dass sie sich verabredet haben?
4 Brüllt der Löwe im Wald und er hat keine Beute? Gibt der junge Löwe Laut in seinem Versteck, ohne dass er einen Fang getan hat?
5 Fällt ein Vogel zur Erde, wenn niemand nach ihm geworfen hat? Springt die Klappfalle vom Boden auf, wenn sie nichts gefangen hat?
6 Bläst in der Stadt jemand ins Horn, ohne dass das Volk erschrickt? Geschieht ein Unglück in der Stadt, ohne dass der HERR es bewirkt hat?
7 Nichts tut GOTT, der Herr, ohne dass er seinen Knechten, den Propheten, zuvor seinen Ratschluss offenbart hat.
8 Der Löwe brüllt – wer fürchtet sich nicht? GOTT, der Herr, hat geredet – wer wird da nicht zum Propheten?
11 Ich brachte über euch eine Zerstörung wie die, die Gott über Sodom und Gomorra verhängte; ihr wart wie ein Holzscheit, das man aus dem Feuer herausholt. Und dennoch seid ihr nicht umgekehrt zu mir – Spruch des HERRN.
12 Darum will ich dir all das antun, Israel, und weil ich dir all das antun werde, mach dich bereit, deinem Gott gegenüberzutreten.

Heute beginnt eine Serie von Lesungen aus dem Buch Amos. Er war ein Prophet, der gebürtig aus dem Südreich Juda stammte, aber um das Jahr 750 herum im Nordreich gewirkt hat. Er war ein Vorläufer des Hosea und seine prophetischen Worte sind die ersten, die schriftlich festgehalten worden sind.
Im heutigen Abschnitt thematisiert er zunächst die Erwählung Israels und dann das Wirken Gottes am Volk durch seinen Propheten.
Amos setzt zu einem Gottesspruch an, indem er die Aufmerksamkeit aller Stämme Israels auf sich zieht („über den ganzen Stamm, den ich aus Ägypten heraufgeführt habe“). Gott hat dieses Volk unter allen Völkern auserwählt. Dies hat er durch die zahlreichen Bundesschlüsse und vor allem am Sinai durch den Bundesschluss mit allen zwölf Stämmen besiegelt. Durch diesen Bund hat er es aber auch zu einem gewissen Verhalten verpflichtet, das es aber nicht treu gelebt hat. Darum hat Gott nun Worte des Vorwurfs für sie bereit.
Er bringt dafür ein Gleichnis in Form einer rhetorischen Frage an: „Gehen zwei miteinander, ohne dass sie sich verabredet haben?“ Diese „Verabredung“ meint den Bund, der Gott und das Volk miteinander verbindet. Sie sind zwei, die einander versprochen sind wie ein Brautpaar.
Der Fragestil setzt sich weiter fort: „Gibt der junge Löwe Laut in seinem Versteck, ohne dass er einen Fang getan hat?“ Die Wahl dieses Tieres ist für uns ein bekanntes Bild. Es ist das Symbol für den Stamm Juda. Er wird schon in Gen 49 von seinem Vater Jakob als „junger Löwe“ bezeichnet. Das angeführte Gleichnis bedeutet, dass kein Tier vor dem Fang einen Laut von sich gibt, sondern danach. Es umschreibt die politische Situation, in der sich Nord- und Südreich befinden. Er spricht zwar von dem gesamten Volk Israel aufgrund des gesamtisraelitischen Bundes, doch geht es hier aktuell um die Situation mit den Assyrern. Diese bedrängen das Nordreich und machen es schließlich zum Vasallenstaat. Auch die anderen Tiervergleiche im Fragestil sind in dieser Logik zu verstehen: Kein Vogel fällt herunter, wenn er nicht von etwas getroffen wird, und keine Falle springt zu, wenn nicht etwas in sie hineingetappt ist. Alles hat eine Ursache und diese besteht in einem Fang, einer Überwältigung oder dem Sieg eines Feindes. Diese verschiedenen Bilder aus der Tierwelt sind typisch für Weisheitsliteratur. Sie besagen alle, dass das Volk wie ein Tier in einer zugeschnappten Falle ist, wie ein erbeutetes Tier.
Dieser Zustand hat auch Folgen. Diese werden ebenfalls im Fragestil verdeutlicht: Kein Horn wird in der Stadt geblasen, ohne dass die Menschen erschrecken. Wir erinnern uns an die Episode des Falls der Stadt Jericho. Dort ertönen ganze sieben Hörner, bevor die Stadtmauern einstürzen. Die letzte Frage ist besonders wichtig: Ohne Gottes Willen geschieht nicht ein einziges Unglück.
Wenn es aber geschieht, ist es das Ende einer langen Bewährungszeit, die das Volk ausgeschlagen hat. Er sendet seine Knechte, die Propheten, damit sie seinen Willen, seinen Appell zur Umkehr, den Menschen kundtut. Wenn sie das immer wieder ignorieren, müssen sie sich nicht wundern, wenn es dann irgendwann zu spät ist.
Noch einmal greift er das Löwenbild auf: Wenn der Löwe brüllt, fürchtet sich jeder. Dieses Bild steht für das sich zutragendes Unheil – in diesem Fall das „Brüllen“ der Assyrer als Gerichtsvollstreckung Gottes. Und je mehr Löwen brüllen, desto mehr Propheten beruft Gott auch. In Krisenzeiten lässt er seine geliebten Kinder nicht allein. Das ist wichtig. Auch wenn es zu spät ist und das Unheil über das Volk kommt, tut er das für ihr ewiges Heil. Wer nicht hören will, muss fühlen. Er gibt das Volk nicht auf, sondern rüttelt es wach. Und damit dies auch wirklich geschieht, steht er ihnen in Form von Prophetenworten besonders intensiv bei. In unserer heutigen Zeit sehen wir eine ähnliche Situation. Je mehr Krisenzeiten und politische Wirren, desto häufiger erscheint die Muttergottes den Menschen. Sie steht ihnen bei und ruft zur Umkehr auf. Das letzte Jahrhundert ist besonders bezeichnend, allein die Erscheinungen in Fatima!
Gott ist in diesem Fall besonders streng mit Israel, weil er es wie einen Holzscheit aus dem brennenden Feuer herausgeholt hat, es sich dennoch undankbar von ihm abwendet. Wir denken hier vor allem an die Befreiung des Volkes aus Ägypten. Er hat am Sinai einen Bund geschlossen und seine Gebote durch Mose übermittelt, doch das Volk hat das Bundesversprechen gebrochen, die Gebote nicht gehalten und Gott mit Götzen betrogen. Eine solche Haltung hat sich mehrfach wiederholt, als das Volk bereits im verheißenen Land war. Viele Könige taten, was dem Herrn missfiel. Immer wieder ließ Gott daraufhin politische Bedrängnissituationen zu, ganz prominent waren stets die Angriffe der Philister. Die Israeliten sahen es auch immer wieder ein und kehrten um. Doch dann fielen sie wieder vom rechten Weg ab. Immer wieder hat Gott ihnen eine Chance gegeben. Nun muss er ganz andere Maßnahmen ergreifen. Und Amos warnt das Volk nun vor diesen Maßnahmen mit den Worten: „Mach dich bereit, deinem Gott gegenüberzutreten.“ Diese Formulierung ist absolute Deutung des kommenden politischen Desasters: Was passieren wird, wird ein Gottesgericht sein. Bei einem solchen wird man Gott gegenübergestellt. Es kommt unaufhaltsam auf sie zu, doch diese Vorwarnung ist Ausdruck der Sorge Gottes bis zum letzten Moment.
So ist Gott auch mit uns. Er versucht alles Mögliche, damit wir zu ihm umkehren. Wenn wir stur sind und nicht auf ihn hören, muss er immer stärker an uns rütteln und lauter schreien, damit er zu uns durchdringen kann. Bis zum letzten Atemzug versucht er, uns zur Umkehr aufzurufen, damit wir beim Gericht Gottes nicht das vernichtende Urteil ewiger Gottabgeschnittenheit erfahren müssen.

Ps 5
5 Denn du bist kein Gott, dem das Unrecht gefällt; ein Böser darf nicht bei dir weilen.
6 Nicht bestehen die Stolzen vor deinen Augen; du hassest alle, die Unrecht tun.
7 Du lässt die Lügner zugrunde gehn, Mörder und Betrüger sind dem HERRN ein Gräuel.
8 Ich aber darf dein Haus betreten dank deiner großen Güte, ich werfe mich nieder in Ehrfurcht vor deinem heiligen Tempel.
9 HERR, leite mich in deiner Gerechtigkeit, meinen Feinden zum Trotz; ebne deinen Weg vor mir!

Der Klagepsalm, den wir als Antwort beten, reflektiert Gottes Gerechtigkeit und offenbart uns das Verständnis, das König David von Gott hat.
Davids Gottesbild ist das eines absolut gerechten Gottes. „Denn du bist kein Gott, dem das Unrecht gefällt.“ Gott lässt das Unrecht nicht zu und greift ein, damit die Menschen umkehren. Im Himmelreich ist zudem kein Platz für Böse. Die Stolzen können vor Gott nicht bestehen, weil ihr Stolz in seiner Gegenwart wie Staub zerfällt. Das ist schließlich alles Illusion. Der Mensch überhöht sich maßlos, doch fällt in sich zusammen, sobald er sich in Gottes Herrlichkeit verschwindend gering erkennt. „Du hassest alle, die Unrecht tun.“ Bei solchen Aussagen – und derlei gibt es viele im Psalter – müssen wir uns bewusst sein, dass es die Perspektive Davids ist. Zu seiner Zeit ist das schon eine sehr fortschrittliche Gotteserkenntnis. Wir müssen an die vielen launischen Gottheiten der umliegenden Völker denken, deren Entscheidungen und Wirkungen der Mensch nicht durchschauen kann. Das Volk Israel ist aber davon überzeugt, dass Gott absolut gerecht handelt, nicht nach Laune. Gott hat sich seinem Volk als einen solchen Gott offenbart. Was David hier schildert, ist der sogenannte Tun-Ergehen-Zusammenhang: Böses verdient Strafe, Gutes verdient Belohnung. Gott liebt das Recht und verachtet das Unrecht. Das hängt auch mit der Torah zusammen, die das Recht gewährleistet. David unterscheidet hier aber eine wichtige Sache nicht, die zur Zeit Jesu dann schon anders betrachtet wird: „Gott hasst jene, die Unrecht tun.“ Die Israeliten werden noch einen langen Weg gehen, bis sie erkennen: Gott hasst nicht die, die Unrecht tun, sondern das getane Unrecht. Die Menschen selbst liebt er bedingungslos. Er tut alles, damit die Menschen von ihren Sünden umkehren. Er lässt sie nicht ins offene Messer laufen, aber wenn sie bis zum Schluss an ihren Sünden festhalten, wird er ihre letzte Entscheidung würdigen.
Davids Gottesvorstellung gemäß lässt Gott die Lügner aber zugrunde gehen und Mörder und Betrüger sind Gott ein Gräuel. Gott lässt die Sünde wirklich nicht auf sich beruhen. Sünde hat immer eine Konsequenz und diese ist je nach Sünde besonders gravierend.
Wie gesagt ist David seiner Zeit stets voraus, weil er eine solch intime Gottesbeziehung besitzt, dass er darin fast zum Typos Christi wird (ganz so analog wagen wir es nicht zu sehen, da Christus Gottes Sohn ist!). In vielen Dingen greift er der Botschaft Jesu Christi voraus. Doch in seinem konsequenten Tun-Ergehen-Zusammenhang ist er ganz Kind seiner Zeit. Gott ist und bleibt ein gerechter Gott, der die Sünde nicht einfach stehenlässt. Er reagiert auf das Unrecht, weil er die unschuldig mit Hineingezogenen entschädigen will und die in Sünde Gefallenen zur Umkehr bewegen will. Was das Volk Israel begangen hat, wird nicht ohne Konsequenzen bleiben. Und diese Wesenseigenschaften Gottes stehen dem Gottesbild Jesu Christi keinesfalls entgegen. Es sind zwei Seiten der einen Medaille: Gott sorgt für Gerechtigkeit, weil er seine Kinder liebt und sie am Ende bei sich haben will. Er ist barmherzig mit jenen, die von Herzen bereuen, weil er ein barmherziger Vater ist.
David selbst spricht von Gottes großer Güte, dank der David in das Haus Gottes, also in den Tempel eintreten darf. Bald wird das nicht mehr möglich sein, wenn nämlich die nächsten Feinde nahen und das Südreich in Besitz nehmen. Ein Jahrhundert nach dem Einfall der Assyrer werden die Babylonier die Davidstadt mitsamt Tempel zerstören.
David selbst fordert Gott dazu auf, ihn in seiner Gerichtigkeit zu leiten. Dies tut er wirklich, auch zur Zeit der Probleme im 8. Jh., als Amos prophetisch wirkt.
Gott führt jeden Menschen in seiner Gerechtigkeit und ergreift dabei auch mal schmerzhafte Maßnahmen. Dies alles dient dem Menschen aber zum ewigen Heil.

Mt 8
23 Er stieg in das Boot und seine Jünger folgten ihm nach.
24 Und siehe, es erhob sich auf dem See ein gewaltiger Sturm, sodass das Boot von den Wellen überflutet wurde. Jesus aber schlief.
25 Da traten die Jünger zu ihm und weckten ihn; sie riefen: Herr, rette uns, wir gehen zugrunde!
26 Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst, ihr Kleingläubigen? Dann stand er auf, drohte den Winden und dem See und es trat völlige Stille ein.
27 Die Menschen aber staunten und sagten: Was für einer ist dieser, dass ihm sogar die Winde und der See gehorchen?

Im Evangelium hören wir nun von der stürmischen Bootsfahrt. Vor längerer Zeit haben wir über diese Fahrt von einem Ufer zum anderen vierfach nachgedacht. Wir haben das Boot als die Kirche betrachtet, die auf dem See der Endzeit durch allerlei Stürme hindurch auf die Ewigkeit zusteuert. Es ist auch das Boot unseres Lebens, in dem wir durch die Stürme unseres Alltags hindurch auf das ewige Leben zusteuern, ebenso die gesamte Menschheitsgeschichte, die sich auf die Endzeit zubewegt, auf den Tag des Jüngsten Gerichts zu.
Entscheidend ist, dass Jesus mit im Boot ist. So kann das Boot nicht kentern, weder als Kirche Christi betrachtet, die die Mächte der Finsternis nicht überwältigen werden, noch als unser eigenes Leben betrachtet, in denen die Versuchungen des Teufels uns mit Jesu Beistand nichts anhaben können. Auch mit Blick auf das Ende der Zeiten und dem Gericht Gottes wird uns ein gutes Gerichtsurteil erwarten, wenn Jesus im Boot ist. Mit Blick auf die Lesung dürfen wir ergänzen, dass Gottes Beistand auch dem Volk in der stürmischen Assyrerzeit sicher ist. Er sendet den Propheten Amos als Sprachrohr zu seinem Volk. Weil er so bei ihnen ist, brauchen sie in dem kommenden Desaster nicht verzweifeln.
Wenn die schweren Stürme in unserem Leben kommen, vergessen wir manchmal, dass er da ist. Dann werden wir panisch, weil Wasser ins Boot läuft. Dann schreien wir zu Gott, dass er uns helfe und rütteln am schlafenden Jesus. Wir verstehen dann nicht, warum Gott so gelassen bleibt, obwohl die Situation so dramatisch erscheint. Das ist sowohl im kirchlichen Leben als auch im alltäglichen Leben des Einzelnen so. Wir haben den Eindruck, dass wenn ein Schisma droht, wenn Angriffe von innen und außen kommen, die Kirche untergehen wird. Dabei vergessen wir, dass dies nicht passieren kann. Jesus hat es uns versprochen und er wird uns auch helfen. Das ist auch so, wenn wir schlimmen Versuchungen ausgesetzt sind oder schwierige Probleme im Leben bekommen. Dann haben wir schnell den Eindruck, dass alles den Bach hinuntergeht. Wir schöpfen wie wild eimerweise das hineinlaufende Wasser aus und reagieren hektisch, unüberlegt. Genau dies möchte der Teufel auch, er will uns verrückt machen, dass wir die Orientierung verlieren. Dabei müssen wir dann erst recht ruhig bleiben, uns besinnen und uns an Christus wenden. Wenn wir Versuchungen ausgesetzt sind, sollen wir beten, Kontakt zu Gott suchen. Er wird sie vertreiben. Er muss nur ein Wort sagen und alles wird verwandelt werden. Wir sollen auf Gott vertrauen und seinen Worten glauben, wenn er sagt: Es wird euch nichts passieren. Wie oft machen wir die Erfahrung, dass wir uns vornehmen, unsere Beziehung zu Gott zu vertiefen und ihn besser kennen lernen zu wollen. Dann kommen tausend Ablenkungsmanöver durch die alltäglichen Sorgen, Probleme und Zwischenfälle. Wir werden davon so abgelenkt, dass wir weder die Zeit noch die Kraft, noch den Gedanken übrig haben, unser ursprüngliches Vorhaben in die Tat umzusetzen. Es sind die typischen Schachzüge des Teufels, uns von Gott wegzuziehen. Wenn im Alltag so viele Probleme auftauchen und uns wieder aufzufressen versuchen, seien wir uns dann bewusst, wer eigentlich dahintersteckt. Zeigen wir es ihm dann so richtig, indem wir uns dann gerade an Gott klammern, uns dann gerade mehr Zeit zum Beten nehmen und vor allem noch mehr die Sakramente in Anspruch nehmen, häufiger beichten, häufiger die Kommunion empfangen. Dann tun wir dadurch genau das, was die Jünger Jesu auch tun – mit dem Wasserschöpfen aufhören und Jesus wecken. Mit seiner Hilfe wird uns alles gelingen.
Genau das sollte nun auch die Haltung des Volkes Israel in der Lesung sein. Sie sollten sich nun endlich wieder an Gott wenden, dessen Beziehung sie so gleichgültig vernachlässigt haben. Sie sollen zu ihm schreien mit reumütigem Herzen, mit Asche auf dem Haupt, in ein Bußgewand gekleidet, voller Umkehrbereitschaft. So werden sie gerettet werden.

Ihre Magstrauss

Apostel Petrus und Paulus (Hochfest)

Apg 3,1-10; Ps 19,2-3.4-5b; Gal 1,11-20; Joh 21,1.15-19

Apg 3
1 Petrus und Johannes gingen zur Gebetszeit um die neunte Stunde in den Tempel hinauf.
2 Da wurde ein Mann herbeigetragen, der von Geburt an gelähmt war. Man setzte ihn täglich an das Tor des Tempels, das man die Schöne Pforte nennt; dort sollte er bei denen, die in den Tempel gingen, um Almosen betteln.
3 Als er nun Petrus und Johannes in den Tempel gehen sah, bat er sie um ein Almosen.
4 Petrus und Johannes blickten ihn an und Petrus sagte: Sieh uns an!
5 Da wandte er sich ihnen zu und erwartete, etwas von ihnen zu bekommen.
6 Petrus aber sagte: Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, steh auf und geh umher!
7 Und er fasste ihn an der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich kam Kraft in seine Füße und Gelenke;
8 er sprang auf, konnte stehen und ging umher. Dann ging er mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott.
9 Alle Leute sahen ihn umhergehen und Gott loben.
10 Sie erkannten ihn als den, der gewöhnlich an der Schönen Pforte des Tempels saß und bettelte. Und sie waren voll Verwunderung und Staunen über das, was mit ihm geschehen war.

Heute feiern wir das Hochfest der Apostel Petrus und Paulus. Diese beiden haben die erste Generation der Kirche getragen und ihnen verdanken wir den Glauben in unseren Breitengraden.
Die erste Lesung berichtet vom ersten Heilungswunder, das die Apostel durch den Hl. Geist bewirkt haben.
Petrus und Johannes gehen zu drei Uhr nachmittags in den Tempel zum Gebet. Sie sind zwar Christen, aber ihre jüdischen Praktiken behalten sie bei. Sie sehen sich gar nicht so, als ob sie nun einer neuen Religion angehören. Es ist vielmehr so, dass Jesus ihrer Ansicht nach das Judentum erfüllt hat. Erst später wird es so viel Uneinigkeit und Spaltung mit den Juden geben, dass sich zwei unterschiedliche Stränge entwickeln – das Judentum, das Jesus als Messias nicht anerkennt und deshalb auch seine Anhänger als Sektierer ablehnt. Die Gemeinschaft der Christgläubigen wird dagegen immer unabhängiger betrachtet und erhält in Antiochien dann das erste Mal die Bezeichnung „Christen“.
Die beiden Apostel gehen also wie üblich in den Tempel und treffen dort auf einen gelähmten Mann am Tor des Tempels, das „die schöne Pforte“ genannt wird. Er verharrt dort, weil viele Menschen an ihm vorübergehen und ihm beim Betreten oder Verlassen des Tempelareals das ein oder andere Almosen spendet. Wir sehen über diese wörtliche Leserichtung hinaus noch viel mehr. Der Mann sitzt an der Schwelle vom Judentum, das auf den Messias wartet, zur Jüngerschaft Jesu Christi. Er ist an der Schwelle und die Heilung wird den Ausschlag geben, dass dieser Mensch Jesus als den Christus erkennen wird. Jesus hat zu seinen Jüngern gesagt: „Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden.“ Für Petrus und Johannes wird das folgende Ereignis zur Bestätigung der Worte Jesu. Ja, die Menschen, die zum Glauben an Jesus Christus kommen, übertreten wahrhaft diese Schwelle vom ewigen Tod zum ewigen Leben. Ihnen ist es schon beim Pfingstereignis aufgegangen, als nach der kraftvollen Pfingstpredigt des Petrus ganze 3000 Menschen die Taufe empfingen und so die existenzielle Schwelle übertraten, gleichsam durch die Tür Christi hindurchgeschritten sind.
Der Mann bittet die vorbeigehenden Apostel um ein Almosen. Petrus, der immer zuerst das Wort ergreift, bittet den Mann, ihn anzusehen. Dieser rechnet damit, dass er nun etwas bekommt.
Doch WAS er bekommt, übersteigt alle seine Erwartungen!
„Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, gebe ich dir.“ So sollen auch wir geben. Wir sollen aus Liebe zu Gott alles geben, was wir haben. Und damit ist nicht einfach nur materieller Besitz gemeint, sondern alles an Ressourcen, die es gibt: Zeit, Energie, Finanzen, ein zuhörendes Ohr, Bereitschaft, den eigenen Willen.
Und Petrus gibt dem Mann nun umsonst die Heilung im Namen Jesu des Nazoräers! Jesus hat seinen Jüngern schon damals gesagt: Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben (Mt 10).
Und so spricht Petrus die Heilungsworte im Namen Jesu, der ja der eigentlich Heilende ist. Petrus tut nichts aus eigener Kraft, sondern in der Vollmacht Jesu Christi. Er ist es, der durch seine Hände heilt, er ist es, der durch seinen Mund spricht.
So tut Petrus genau dasselbe, was Jesus immer getan hat: Er fasst den Mann bei der rechten Hand und richtet ihn auf. Die Kraft des Heiligen Geistes durchströmt seine kranken Glieder und festigt sie. Der Mann kann aufrecht stehen und umhergehen!
Petrus hat ihn geheilt und die Reaktion des Mannes ist ideal. Die erste Tat nach seiner Heilung besteht im Lobpreis an den allmächtigen Gott, dem er dies zu verdanken hat.
Sein Umhergehen, Herumspringen und Lobpreis bleibt nicht unbemerkt. Die Menschen, die ihn noch von früher kennen, wie er an der Schönen Pforte gebettelt hat, staunen darüber, was mit ihm geschehen ist.
Gott wirkt Wunder, damit die jeweiligen Zeugen dadurch zum Glauben an ihn kommen und seine großen Taten loben.
Jesus hat angekündigt, dass in seinem Namen diese Zeichen geschehen werden. Petrus erfüllt vom Heiligen Geist erkennt die Zeit des Handelns und lässt sich von Gott als Werkzeug des Heils verwenden. So sollen auch wir sein. Uns soll es in jeder Lebenslage immer darum gehen, den Menschen die Liebe Gottes zu vermitteln. Und wohin auch immer Gott uns entsendet – wir sollen die Situation erkennen und uns gebrauchen lassen, damit er auch heute seine großen Taten offenbaren kann. Seien wir dabei ein Spiegel oder Fenster dieser Heilstaten Gottes wie Petrus! In Jesu Namen geschehen auch heute noch Zeichen und Wunder!

Ps 19
2 Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes und das Firmament kündet das Werk seiner Hände.
3 Ein Tag sagt es dem andern, eine Nacht tut es der andern kund,
4 ohne Rede und ohne Worte, ungehört bleibt ihre Stimme.
5 Doch ihre Botschaft geht in die ganze Welt hinaus, ihre Kunde bis zu den Enden der Erde.

Als Antwort auf das erste Heilungswunder des Apostels Petrus beten wir Ps 19, in dem König David zunächst die Erkennbarkeit Gottes in der Schöpfung betrachtet. Die Psalmen reflektieren die Torah und hier wird der Schöpfungsbericht aufgegriffen.
Die verschiedenen Elemente der Schöpfung verkünden gleichsam Gott als ihren Schöpfer. Er ist der kreative Ursprung, der die wunderbaren Dinge gemacht hat. So sind es die Himmel mit den Himmelskörpern, die die Herrlichkeit Gottes verkünden. Gott hat die Himmelskörper am vierten Tag an das Himmelsgewölbe gesetzt, den Himmel schuf er aber bereits am zweiten Tag.
Gottes Herrlichkeit wird von Tag zu Tag gepriesen. Die Tage und Nächte selbst sind seine Verkünder. Sie werden durch die verschiedenen Himmelskörper gesteuert, sodass Sonne und Mond bzw. Sterne sich mit der Verkündigung Gottes abwechseln.
Sie tun dies jedoch nicht verbal, sondern durch ihre wunderbare Ordnung und Schönheit. Die Sonne spendet Licht und Wärme. Ohne sie kann die Erde nicht bestehen. Sie ist ein wunderbares Bild für unsere Abhängigkeit von Gott. Seine Gnade erhält uns Tag für Tag am Leben. Ohne ihn gehen wir ganz schnell ein wie eine Pflanze ohne Sonnenlicht. Der Mond und die Sterne erleuchten die dunkle Nacht. Er ist uns Orientierung, denn an seinen Mondphasen erkennen wir die Zeit im Monat. An den Sternbildern können wir uns auch an den Himmelsrichtungen orientieren. Die Schönheit des Sternenhimmels lässt uns Gottes überwältigende Herrlichkeit erahnen. Nichts an Himmelskörpern ist chaotisch. Der Mond verläuft in geordneten Bahnen. Die Erde dreht sich unaufhörlich und so sehen wir die Sonne täglich auf- und untergehen. Diese mächtigen Himmelskörper tun nichts, was Gott ihnen nicht „angeordnet“ hat. Sie offenbaren uns Gottes Ordnung, seinen Logos, der die ganze Schöpfung ordnet, der die gesamten Naturgesetze verleiht hat.
Der Himmel spricht kein einziges Wort, doch verbreitet sich diese Art von Verkündigung weltweit, was mit den „Enden der Erde“ ausgedrückt wird.
Verkündigung geschieht nicht einfach nur verbal. Es geht nicht darum, dass wir das Evangelium Christi mit Worten in die Welt hinaussagen, auch wenn das elementar ist. So ist auch Gottes gesprochenes Wort es, das die Schöpfung erwirkt und systematisiert hat. Wir haben es am Beispiel der Himmelskörper gesehen. Aber das Wort Gottes hat es auch konkret getan. So sollen auch wir den Menschen vor allem ein gutes Beispiel sein, die Gebote Gottes aus brennender Liebe halten und uns ganz den Menschen hingeben. Das wird unsere verbale Verkündigung authentisch machen und so werden wir viele Herzen anrühren. Das überzeugt Menschen, nicht nur leeres Gerede. Die beiden Apostel, die wir heute feiern, haben das wirklich beispielhaft vorgelebt. Sie haben nicht nur mit Worten versucht, zu überzeugen, sondern haben im Namen Gottes unzählige Heilstaten vollbracht.

Gal 1
11 Ich erkläre euch, Brüder und Schwestern: Das Evangelium, das ich verkündet habe, stammt nicht von Menschen;
12 ich habe es ja nicht von einem Menschen übernommen oder gelernt, sondern durch eine Offenbarung Jesu Christi empfangen.
13 Ihr habt doch von meinem früheren Lebenswandel im Judentum gehört und wisst, wie maßlos ich die Kirche Gottes verfolgte und zu vernichten suchte.
14 Im Judentum machte ich größere Fortschritte als die meisten Altersgenossen in meinem Volk und mit dem größten Eifer setzte ich mich für die Überlieferungen meiner Väter ein.
15 Als es aber Gott gefiel, der mich schon im Mutterleib auserwählt und durch seine Gnade berufen hat,
16 in mir seinen Sohn zu offenbaren, damit ich ihn unter den Völkern verkünde, da zog ich nicht Fleisch und Blut zu Rate;
17 ich ging auch nicht sogleich nach Jerusalem hinauf zu denen, die vor mir Apostel waren, sondern zog nach Arabien und kehrte dann wieder nach Damaskus zurück.
18 Drei Jahre später ging ich nach Jerusalem hinauf, um Kephas kennenzulernen, und blieb fünfzehn Tage bei ihm.
19 Von den anderen Aposteln sah ich keinen, nur Jakobus, den Bruder des Herrn.
20 Was ich euch hier schreibe – siehe, bei Gott, ich lüge nicht.

In der zweiten Lesung richten wir den Blick nun auf Paulus. Im heutigen Ausschnitt aus dem Galaterbrief erklärt er, dass seine Verkündigung nicht von Menschen ist. Was er sagt, hat höchste Autorität nicht von sich aus, sondern durch Jesus Christus selbst. Dieser hat sich ihm offenbart und ihn zum Apostel beauftragt. Dies geschah vor den Toren von Damaskus, als er sein einschneidendes Bekehrungserlebnis hatte. Dort wurde er zugleich entsandt.
Er verdeutlicht den übernatürlichen Ursprung seiner Botschaft anhand seiner eigenen Biographie. Dabei erinnert er die Adressaten daran, wie radikal seine Kehrtwende vom aggressiven Christenverfolger zum Christusverkündiger war. Er nimmt dabei kein Blatt vor den Mund, was uns sehr viel lehrt: Trotz seiner gegenwärtigen Heiligkeit und seines Fortschritts im Glauben, trotz der reichen Früchte seiner Evangelisierung vergisst er nie, wo er herkommt. Dadurch wird er nie überheblich, sondern bleibt demütig. Sein ganzes restliches Leben betrachtet er vielmehr als Wiedergutmachung seiner schlimmen Verfolgungsaktionen. So müssen auch wir eingestellt sein. Je heiliger wir schon geworden sind und je mehr Erkenntnis wir schon erlangt haben, desto mehr müssen wir uns unserer schlimmsten Momente bewusst sein. Dann bleiben wir auf dem Boden und erkennen Gottes Gnadenwirken an uns Sündern an. Er ist es, der uns dazu verholfen hat, diesen Fortschritt zu machen. Das hätten wir aus eigener Kraft nicht so hinbekommen. Und an Paulus sieht man das besonders eindrücklich, weil der alte und der neue Paulus so heftig im Kontrast zueinander stehen. Da hat die Gnade Gottes besonders Großes bewirkt!
Er berichtet in vielen Details, wie eifrig er als Pharisäer die Christen verfolgt hat, wie gut er dabei war, dass die anderen Juden sich von ihm eine Scheibe abgeschnitten haben.
Aber Gott wollte ihn zu seinem besonderen Werkzeug machen und hat deshalb so sehr an ihm seine Gnade erwiesen. Er hat ihn schon im Mutterleib zu dieser besonderen Aufgabe berufen. Das ist keine Angeberei, wenn Paulus das hier so unverblümt schreibt. Im Gegenteil. Das ist wahre Demut, weil er dies ja nicht als eigene Tat, sondern als Gottes Werk ansieht. Wir müssen Gottes große Taten anerkennen und sie preisen, auch gerade an uns selbst! Deshalb dürfen wir das Licht auch nicht unter den Scheffel stellen und bei offensichtlichen Talenten falsche Bescheidenheit an den Tag legen. Wenn wir ein Talent haben, müssen wir mit aller Deutlichkeit zeigen und sagen. Denn es ist ein Geschenk Gottes. Wir sollen es nicht tun, um uns mit fremden Federn zu schmücken, sondern um Gottes Gnade zu preisen. Alles Andere ist versteckter Hochmut. Wir machen uns klein und geben unser Talent nicht zu, weil wir insgeheim doch davon ausgehen, dass wir es selbst verdient haben und deshalb nicht damit angeben wollen. Stattdessen sollen wir das Licht auf den Leuchter stellen, damit es allen im Haus leuchte. Wir sollen schließlich Reflektoren Gottes sein, dafür hat er uns die Talente geschenkt!
Als Gottes Berufung Paulus mit aller Wucht trifft, dass er zu Boden stürzt, zieht Paulus nun nicht „Fleisch und Blut zu Rate“. Damit ist gemeint, dass er sich von diesem Zeitpunkt an vom Geist Gottes führen lässt. Bis dahin hat er als Jude sehr menschlich gedacht. Es ging ihm darum, die Torah vollkommen und konsequent zu halten. Diese Sache an sich ist nicht schlecht, aber die Juden seiner Zeit gingen davon aus, dass diese Buchstabentreue den Menschen vor Gott gerecht machten. Wäre dem aber so, hätte Gott nicht Mensch werden und die Sünde der Welt auf sich nehmen müssen. Er ist es, der durch das Kreuzesopfer den Menschen vor Gott gerecht macht. In der Taufe nehmen wir die Erlösung an. Und das ist der Kern der Argumentation im Römer- und Galaterbrief.
Paulus berichtet davon, dass er sich nicht sofort in die neue Aufgabe gestürzt hat, sondern jahrelang erst einmal in Arabien verbracht hat. Er hat sich zwar bekehrt, muss aber erst einmal das Evangelium Jesu Christi kennenlernen, er muss in dem Glauben erst einmal reifen. Das lehrt uns heute auch sehr viel: Wir können nicht Hals über Kopf starten und meinen, die ganze Welt von heute auf morgen bekehren zu können. Vielmehr muss die entbrannte Feuerflamme der Bekehrung in ein beständiges Feuer gewandelt werden, damit man wirklich mit Augustinus sagen kann: „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.“ Paulus lernt erst einige Jahre später den Kephas kennen, was das hebräische Wort für Petrus ist. Er verbringt einige Tage Zeit mit ihm, als er in Jerusalem ist. Ansonsten lernt er noch den Herrenbruder Jakobus kennen, der nach der Abreise des Petrus dann die Urgemeinde in Jerusalem übernehmen wird. So hat er die zwei wichtigsten Personen in Jerusalem kennengelernt. Leider wird uns hier nicht berichtet, was er so mit Petrus besprochen hat und wie es sonst so war. Wir können uns aber vorstellen, dass sie eines Geistes waren und deshalb gegenseitige Anerkennung bekundet haben.
Paulus schreibt das den Galatern, weil es einen großen Konflikt gibt. Seine apostolische Autorität wird massiv angezweifelt und angegriffen. Deshalb betont er hier auch, dass er Petrus kennt, dass sie gemeinsam für das Evangelium Jesu Christi einstehen, dass er selbst genauso wie die anderen Apostel vom auferstandenen Christus in die Welt hinausgesandt worden ist, um das Evangelium zu verkünden.
Deshalb verspricht er sogar hoch und heilig zum Ende hin, dass er nicht lügt, sondern die Wahrheit spricht.
Paulus ist so wie Petrus nach seinem „Fall“ sehr demütig und verkündet mit der richtigen Einstellung. Wie Petrus seine besondere Berufung erhalten hat, das erfahren wir nun im Evangelium.

Joh 21
1 Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.
15 Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer!
16 Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!
17 Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Liebst du mich? Er gab ihm zur Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!
18 Amen, amen, ich sage dir: Als du jünger warst, hast du dich selbst gegürtet und gingst, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst.
19 Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen werde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!

Im Evangelium hören wir von der Fortsetzung jener Episode, bei der der auferstandene Jesus den Aposteln am See von Tiberias erscheint. Dort hatte er dafür gesorgt, dass sie einen Haufen Fische gefangen haben. Petrus schämte sich vor Jesus und sprang in den See. Er wurde gedemütigt, weil ihm nicht einmal das gelang, was er am besten konnte. Er brauchte diese Demütigung und nun braucht er die Versöhnung mit seinem Herrn.
Als die Apostel ihre Arbeit abgeschlossen haben, kommen sie an Land, wo Jesus ihnen schon eine Mahlzeit zubereitet hat. Während sie so am Kohlenfeuer sitzen und essen, konfrontiert Jesus Petrus mit folgenden Worten: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“ An dieser Anrede ist sehr bemerkenswert, dass Jesus ihn nicht Petrus nennt. Dieser beschämte Mann, der hier bei ihm sitzt, ist alles andere als ein Fels in der Brandung. Er hat Jesus dreimal verleugnet. Er ist ein Angsthase. Er ist voller Komplexe und Hochmut, der ihn zum Fall gebracht hat. Und doch weiß Jesus, dass er ihn auf seine ganz unvollkommene Weise liebt. Er stellt ihm diese Frage dabei nicht, weil er die Antwort nicht weiß. Vielmehr möchte er diese Frage dreimal stellen – für jede Verleugnung. So antwortet Petrus: „Ja, Herr, du weiß, dass ich dich liebe.“ Er weiß, dass Jesus das nicht aus Unkenntnis fragt, denn Jesus kennt sein Herz. Daraufhin fordert Jesus ihn auf: „Weide meine Lämmer.“ Dies wiederholt sich insgesamt dreimal und so wird Petrus traurig. Er versteht wohl, warum Jesus ihn dreimal gefragt hat, nämlich wegen der dreimaligen Verleugnung in der Nacht vor seinem Tod. Und deshalb antwortet er auch beim dritten Mal: „Herr, du weißt alles. Du weißt, dass ich dich liebe.“ Jesus weiß um die dunkelste Seite seines Freundes. Er weiß um sein ängstliches Kreisen um sich selbst. Er weiß, dass Petrus ihn wirklich sehr liebt, aber sich selbst ein wenig mehr geliebt hat. Seine Liebe zu Christus würde aber in Zukunft wachsen und so würde Petrus wirklich sein Leben für ihn hingeben, wie er im Abendmahlssaal noch ganz vorlaut behauptet hat.
Doch zunächst zurück zu der Frage: Liebst du mich? Warum fragt Jesus ihn so etwas? Was Petrus gemacht hat, ist eine Beleidigung Gottes. Wenn der Mensch sündigt, dann tut er etwas, was der Liebesgemeinschaft mit Gott entgegensteht. Es ist wie ein Streit zwischen Liebenden. Und so fragt Gott den Menschen dann: Liebst du mich? Er gibt ihm so die Chance, sich zu entschuldigen und ihn die Liebe zu versichern, die er durch die Beleidigung der Sünde geleugnet hat. Gott reicht als erster die Hand zur Versöhnung. Es liegt am Menschen, diese anzunehmen. Das tut Jesus hier mit Petrus und das tut auch die Kirche mit den Mitgliedern, die gesündigt haben. Sie bietet die Versöhnung an im Sakrament der Beichte, doch kommen und um Vergebung bitten muss der Mensch selbst. Und dann fragt Gott auch den Sünder: Liebst du mich? Dann gibt auch der reumütige Sünder, der zur Umkehr bereit ist, die Antwort des Petrus: Du weißt alles, Herr – um meine Sünden, um meine Unterlassungen und meine Bemühungen, meine Verletzungen und Komplexe. Du weiß, dass ich dich liebe. Und wenn wir nach dem Tod vor Gott stehen, wird er uns diese Frage angesichts unseres gesamten Lebens diese Frage stellen. Dann wird es uns noch mehr schmerzen als Petrus im heutigen Evangelium. Dann wird uns Gott nämlich in seiner brennenden Liebe das ganze Leben zeigen und wir werden sehr traurig auf die Momente unseres Lebens zurückblicken, in denen wir die Liebe zu Gott und zu unserem Nächsten nicht gelebt haben. Dann werden wir es bereuen, können es aber nicht mehr rückgängig machen. Aber nur so können wir eine Läuterung erlangen und dann die Herrlichkeit Gottes ewig schauen.
Jesus sagt zu Petrus nicht nur „liebst du mich?“. Er sagt auch zu ihm: „Weide meine Schafe/Lämmer.“ Das ist sehr wichtig für ihn. Nachdem der übermütige Fels in der Brandung wie eine Seifenblase zerplatzt und zu einem realistischen Selbstblick gelangt ist, hat er die nötige Demut erreicht, die er als Hirte der Schafe braucht. Nun kann Jesus ansetzen und mit ihm arbeiten. Nun ist er disponiert zur vollen Ausstattung mit dem Heiligen Geist, der am Pfingsttag auf sie kommen wird! So kann Petrus ein würdiger erster Papst werden. Wir sehen an seinem Beispiel, dass Gott nicht Menschen beruft, die schon perfekt und kompetent sind. Vielmehr beruft er sie und beginnt, sie Stück für Stück zu verwandeln, sodass sie immer mehr über sich selbst hinauswachsen. Ein wunderbares Zitat besagt: Gott beruft nicht die Qualifizierten, sondern qualifiziert die Berufenen. Jeremia sträubte sich gegen die Berufung zum Propheten, weil er noch so jung sei und nicht sprechen könne. Gott hat ihm alle Gaben und Gnaden geschenkt, die er auf diesem Weg benötigte. Mose konnte sich nicht gut ausdrücken, doch Gott stellte ihm seinen Bruder an die Seite, der seine Schwächen auffing. Oder hat vielleicht Paulus es verdient, andere Menschen zu evangelisieren, nachdem er Christen verfolgt hat? Menschlich gesehen macht das keinen Sinn, aber Gottes Weisheit ist eine andere. Der Herr entschied in seiner großen Güte, dass dieser Mensch zu einem großen Segen für die ganze Welt werden sollte. Und was ist mit den Aposteln? Sie waren einfache und ungebildete Fischer oder kamen aus anderen einfachen Berufen. Und wenn wir z.B. die Petrusbriefe lesen, merken wir, wie sehr dieser einfache Fischer über sich hinausgewachsen ist! Nicht er spricht hier, sondern der Geist Gottes durch ihn. An solchen Beispielen erkennen wir, dass die Menschen, die scheinbar unqualifiziert sind, die größten Werkzeuge Gottes sind. Warum? Weil sie sich ganz als Werkzeuge benutzen lassen!
Jesus deutet am Ende noch den Tod des Petrus an. Dieser wird in Fesseln gelegt werden und als alter Mann keine Freiheit mehr haben. Er wird geführt werden von anderen und generell seine Eigenständigkeit abgeben müssen. Dies sagt Jesus auch deshalb, weil es Petrus bis dahin sehr schwergefallen ist, sich von Jesus bedienen oder helfen zu lassen. Sein Übermut und Stolz hängen genau damit zusammen. So weigerte er sich zunächst, sich von Jesus die Füße waschen zu lassen. Mit so einer Haltung kann er aber kein Papst werden. Jesus ermutigt ihn hier also, sich von der Gnade Gottes helfen zu lassen. Wie es der natürliche Lauf des Lebens mit sich bringt, muss der Mensch sich zunehmend auf andere verlassen. Besser, er lernt es früher als später.
„Folge mir nach“ – das meint Jesus in Bezug auf die Evangelisierung, den Lebenswandel, aber auch auf seinen Tod. Petrus wird wie Christus gekreuzigt, aber kopfüber. Er wird tatsächlich Gott verherrlichen.

Petrus und Paulus, zwei Männer mit ganz eigenen Problemen, Stärken und Schwächen. Was sie in ihrer jeweiligen Situation brauchen, ist die Gnade Gottes. Und so werden sie für uns zu großen Vorbildern. Sie sind für den Geist Gottes zu laut klingenden Resonanzkörpern geworden. Sie haben sich wirklich gebrauchen lassen, obwohl sie ihre ganz eigenen Unvollkommenheiten hatten. Sie haben diese aber überwunden und sind davon ausgehend immer mehr in Heiligkeit gewachsen. Bitten wir heute um ihre Fürsprache bei Gott, dass die Kirche den heutigen Herausforderungen standhält und die Mächte der Finsternis sie nicht überwältigen.

Heilige Apostel Petrus und Paulus, bittet für uns!

Ihre Magstrauss

Samstag der 12. Woche im Jahreskreis

Klgl 2,2.10-14.18-19; Ps 74,1-2.3-4.5-7.20-21; Mt 8,5-17

Klgl 2
2 Schonungslos hat der Herr vernichtet alle Fluren Jakobs, niedergerissen in seinem Grimm die Bollwerke der Tochter Juda, zu Boden gestreckt, entweiht das Königtum und seine Fürsten.
10 Am Boden sitzen, verstummt, die Ältesten der Tochter Zion, streuen sich Staub aufs Haupt, legen Trauerkleider an. Zu Boden senken den Kopf die Mädchen von Jerusalem.
11 Meine Augen ermatten vor Tränen, mein Inneres glüht, meine Leber ist zu Boden geschüttet wegen des Zusammenbruches der Tochter, meines Volkes, da Kind und Säugling verschmachten auf den Plätzen der Stadt.
12 Sie sagen zu ihren Müttern: Wo ist Brot und Wein?, da sie wie tödlich verwundet verschmachten auf den Plätzen der Stadt, da ihr Leben ausgeschüttet ist auf dem Schoß ihrer Mütter.
13 Wie soll ich dir zureden, was dir gleichsetzen, Tochter Jerusalem? Womit kann ich dich vergleichen, wie dich trösten, Jungfrau, Tochter Zion? Ja, dein Zusammenbruch ist groß wie das Meer, wer kann dich heilen?
14 Deine Propheten schauten dir Lug und Trug. Deine Schuld haben sie nicht aufgedeckt, um dein Schicksal zu wenden. Sie schauten dir als Prophetenworte nur Trug und Verführung.
18 Ihr Herz schreit laut zum Herrn. Mauer der Tochter Zion, lass fließen wie einen Bach die Tränen Tag und Nacht! Niemals gewähre dir Ruhe, nie lass deinen Augapfel rasten!
19 Steh auf, klage bei Nacht, zu jeder Nachtwache Anfang! Schütte aus wie Wasser dein Herz vor dem Angesicht des Herrn! Erhebe zu ihm die Hände für deiner Kinder Leben, die vor Hunger verschmachten an den Ecken aller Straßen!

In der ersten Lesung hören wir aus dem Buch der Klagelieder. Gestern wurde von der Zerstörung Jerusalems und des Tempels berichtet. Kein Wunder also, dass der klagende Duktus heute weitergeht.
Gott hat „alle Fluren Jakobs“ vernichtet und „niedergerissen in seinem Grimm die Bollwerke der Tochter Juda.“ Was gleich zu Anfang deutlich wird, ist die deutende Aussage. Gott selbst ist es, der durch diese politische Katastrophe handelt. Er hat dadurch sozusagen eine Gerichtshandlung vollstreckt. Gestern haben wir in der Lesung auch gehört, dass die Stadtmauern zerstört worden sind. Die „Bollwerke der Tochter Juda“ können die Stadt nicht mehr beschützen. Das Königtum ist entweiht worden durch Nebukadnezzar, der Jojachin deportiert und seinen Onkel als Vasallenkönig eingesetzt hat. Es ist letztendlich Gott laut Klagelied, der das alles bewirkt hat. Das ist die Interpretation der Ereignisse, bei denen wir präzisieren müssen: Gott hat es nicht bewirkt, aber zugelassen. Er tut nichts Böses.
Die Ältesten Jerusalems streuen sich Staub auf den Kopf und kleiden sich in Trauerkleider. Das sind Zeichen der Trauer und vor allem der Buße. Durch diese Gesten möchten sie Gott gegenüber zeigen, dass sie ihr eigenes Verschulden dahinter erkannt haben. Sie möchten nun Sühne leisten.
Wenn es hier heißt, dass die Leber zu Boden geschüttet wird, ist das ein Bild für sehr große Qualen. Die Israeliten müssen sehr leiden und stehen komplett unter Schock. Kinder verhungern und verdursten inmitten der Ruinen. Ihre Mütter müssen dem Tod ihres Kindes zusehen.
Da die Klagelieder von dem Propheten Jeremia geschrieben sind, der Augenzeuge der schlimmen Ereignisse ist, erhalten wir einen besonders drastischen Einblick in die Katastrophe.
Er ist es, der hier spricht: „Wie soll ich dir zureden“ und „Wie dich trösten?“ Er kann nichts tun, sondern ist machtlos gegen diese überwältigende Welle des Unheils. Selbst wenn er es versuchen würde, würde alles Zureden an ihnen abprallen.
Es gab Propheten, die nur sagten, was die Jerusalemer hören wollten. Diese haben nicht zur Umkehr aufgerufen und die Sünden der Menschen aufgedeckt. Aber gerade das hätte Jerusalem gerettet und das Exil abgewendet.
Jeremia appelliert zum Schluss an alle, vor Gott ihr Leid zu klagen und viele Tränen unaufhörlich fließen zu lassen. Sie sollen Gott dadurch nicht manipulieren, aber sie sollen ihren Schmerz vor ihn bringen. Wenn sie sich nämlich von ihm abwenden mit dem Gedanken „An diesen Gott kann ich nicht glauben, weil er so viel Leid zugelassen hat“, dann wird man die Situation nicht abwenden können. Sie wird nur schlimmer. Es ist also kontraproduktiv, mit Gott „Schluss zu machen“. Vielmehr muss die absolute Beziehungskrise, die sich hinter den politischen Ereignissen verbirgt, zu besprechen, in die Konfrontation zu gehen und Gott voller Tränen um Verzeihung zu bitten.

Ps 74
1 Ein Weisheitslied Asafs. Warum, Gott, hast du uns für immer verstoßen, warum raucht dein Zorn gegen die Herde deiner Weide?
2 Gedenke deiner Gemeinde, die du vorzeiten erworben, die du ausgelöst als Stamm, dir zum Erbe, des Bergs Zion, auf dem du Wohnung genommen!
3 Erhebe deine Schritte zu den bleibenden Trümmern! Der Feind hat im Heiligtum alles verwüstet.
4 Deine Widersacher lärmten mitten in der Stätte deiner Gegenwart, ihre Feldzeichen stellten sie als Zeichen auf.
5 Es sah aus, wie wenn man hochschwingt die Äxte im Dickicht des Waldes,
6 so zerschlugen sie all das Schnitzwerk mit Beil und Hacke.
7 Sie legten an dein Heiligtum Feuer, entweihten die Wohnung deines Namens bis auf den Grund.
20 Schau auf den Bund, denn die finsteren Plätze des Landes sind voll mit Auen der Gewalt!
21 Der Bedrückte gehe nicht beschämt davon, der Elende und der Arme lobe deinen Namen.

Der Psalm, den wir heute als Antwort auf die Lesung beten, ist ein Psalm Asafs, einem Leviten, der den Chor Davids leitet. Der Psalm wird als Weisheitslied betitelt, weil es viele Deutungen der Ereignisse beinhaltet. Insgesamt müssen wir den Psalm als Klagepsalm bewerten. Ganz klassisch beginnt er mit einer Warum-Frage, sogar mit zwei: „Warum, Gott, hast du uns für immer verstoßen, warum raucht dein Zorn gegen die Herde deiner Weide?“ Der Mensch sucht im Leiden nach einem Sinn. Deshalb stellt er die Warum-Frage. So fragen sich die Israeliten in der Babylonischen Gefangenschaft, welchen Sinn ihre Deportation hat, warum die Kinder sterben müssen, warum Gottes Wohnstatt auf Erden zerstört wird. Bewusst nennt der Beter Israel Gottes Herde. Er ist doch der Hirte, der für seine Herde sorgt und sie auf grüne Auen führt. Warum kommen also nun die Ruinen?
Daraufhin folgen einige Bitten, die zunächst darauf abzielen, Gott an die guten Zeiten zu erinnern: wie er die Gemeinde als Stamm ausgelöst hat, wie er mit Israel den Bund geschlossen hat, wie er auf dem Zion Wohnung genommen hat.
So wie er in Jerusalem wohnte, so soll er seine Schritte nun zu den Trümmern der Stadt erheben. Asaf beklagt, dass der Tempel zerstört worden ist, dass die Feinde sogar ihr Feldzeichen im Heiligtum aufgestellt haben. Wie in einem Wald zerhackten sie das Schnitzwerk mit Beil und Hacke. Sie haben den Tempel nicht nur zerstört, sondern vor allem entweiht. Das stellt einen großen Schmerz für die Bewohner dar. Die Entweihung fand ihren Höhepunkt im Legen eines Feuers. Alles, was Feuer fangen kann, wir heruntergebrannt.
Noch einmal erinnert Asaf Gott an den Bund, den Gott mit seinem Volk geschlossen hat. Gott hat grüne Auen versprochen, doch sind es Auen der Gewalt. Er appelliert an Gott, seine Klage nicht unbeantwortet zu lassen. Am Ende soll es Grund zum Lob Gottes geben.
Wir wissen, dass Gott alles zum Guten wenden wird, obwohl sich Israel diese Katastrophe selbst zuschulden kommen ließ. Gott ist barmherzig und es wird ihn sehr geschmerzt haben, mitanzusehen, wie seine geliebten Kinder sterben mussten. Weil der Wille des Menschen, die Ablehnung Gottes, das aber heraufbeschworen hat, musste er es akzeptieren.

Mt 8
5 Als er nach Kafarnaum kam, trat ein Hauptmann an ihn heran und bat ihn:
6 Herr, mein Diener liegt gelähmt zu Hause und hat große Schmerzen.
7 Jesus sagte zu ihm: Ich will kommen und ihn heilen.
8 Und der Hauptmann antwortete: Herr, ich bin es nicht wert, dass du unter mein Dach einkehrst; aber sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund!
9 Denn auch ich muss Befehlen gehorchen und ich habe selbst Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Diener: Tu das!, so tut er es.
10 Jesus war erstaunt, als er das hörte, und sagte zu denen, die ihm nachfolgten: Amen, ich sage euch: Einen solchen Glauben habe ich in Israel noch bei niemandem gefunden.
11 Ich sage euch: Viele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen;
12 aber die Söhne des Reiches werden hinausgeworfen in die äußerste Finsternis; dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.
13 Und zum Hauptmann sagte Jesus: Geh! Es soll dir geschehen, wie du geglaubt hast. Und in derselben Stunde wurde sein Diener gesund.
14 Jesus ging in das Haus des Petrus und sah dessen Schwiegermutter mit Fieber daniederliegen.
15 Da berührte er ihre Hand und das Fieber wich von ihr, sie stand auf und diente ihm.
16 Am Abend brachte man viele Besessene zu ihm. Er trieb mit seinem Wort die Geister aus und heilte alle Kranken,
17 damit sich erfüllen sollte, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: Er hat unsere Leiden auf sich genommen und unsere Krankheiten getragen.

Im Evangelium hören wir mehrere Ereignisse. Ein Hauptmann, ein Centurio, tritt an Jesus heran mit einem Anliegen. Er ist ein Heide, kommt aber voll Glauben, um die Heilung seines Dieners zu erbitten. Jesus antwortet dem Hauptmann auf die Bitte um Heilung seines Dieners wörtlich: „Kommend werde ich ihn heilen.“  Jesus ist bereit, in ein heidnisches Haus zu gehen, obwohl er Jude ist. Er kann das auch, weil er Gott ist und über den jüdischen Reinheitsvorschriften steht. Er kommt immer wieder mit Unreinheit in Verbindung, ob mit dem Tod, mit Blut, mit Aussatz oder mit Todsündern. So begann schon sein Leben – in einem Stall mit Tieren, die ihren Kot dort hinterließen. Jesus ist auch im moralischen Sinne stets bereit in ein unreines Leben zu kommen, wie sündhaft es auch gewesen ist. Ist nicht jede Seele ein armseliger, dreckiger Stall, der für Gottes Anwesenheit eigentlich immer zu unwürdig sein wird? Gott ist aber größer als der Dreck und kann aus jedem Sünder einen Heiligen machen, wenn dieser bereit ist. Wir denken auch an das Volk Israel, an die Jerusalemer, die im Exil fern von der Heimat ist und sich die Situation selbst verschuldet hat. Auch hier hinein und auch in die Trümmern des entweihten Tempels hinein kann Gott kommen und alles wieder neu machen. Allegorisch weitergedacht kommt Jesus in der Eucharistie immer wieder zu den Menschen. Sein Kommen macht er nicht davon abhängig, wie sündhaft oder sündlos der Priester ist, der die Messe feiert. Jesus wird sogar dann Leib Christi, wenn der Priester oder die Gläubigen nicht einmal an seine Gegenwart glauben. Er ist bereit, sich zu zeigen in der kleinen Hostie und im Kelch, damit wir wie Thomas mit unseren eigenen Sinnen ihn erkennen und sagen: Mein Herr und mein Gott! Anagogisch gesehen befinden uns in einem zweiten Advent. Wir warten auf Jesu Wiederkunft am Ende der Zeiten. Er heilt uns jetzt schon durch die Heilsmittel, die Sakramente und am Ende wird er alles vollkommen heilen.
Es ist bemerkenswert, wie der Centurio sich verhält. Er weiß, dass Jesus als frommer Jude sich durch das Kommen in sein Haus kultisch verunreinigen würde. Deshalb sagt er: „Sprich nur ein Wort“. Dass er mit diesen Dingen vertraut war, zeigt sich in der parallelen Erzählung in Lukas 7,10, die deutlicher hervorhebt, dass er ein Gottesfürchtiger war. Damit bezeichnete man zur Zeit Jesu Heiden, die dem Judentum nahestanden, vor allem der jüdischen Ethik, doch den letzten Schritt der Beschneidung nicht wagten. Der Hauptmann zeigt durch seine Worte auch, dass er großes Vertrauen in Jesus besitzt. Dies wird dadurch deutlich, dass er Jesus eine Fernheilung ohne viele Worte zutraut. Er bekundet Jesus gegenüber zudem seine Demut: Er erkennt in Jesu Gegenwart seine eigene Armut und dass er es eigentlich nicht verdient hat, Gott bei sich Zuhause aufzunehmen. Er vertraut aber auf Gottes Barmherzigkeit, die durch ein einziges Wort alles bewirken kann. Genau diese Einstellung führt die Kirche moralisch weiter, wenn in der Hl. Messe vor dem Kommunionempfang die Gläubigen beten: „Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort und meine Seele wird gesund.“ Jesus geht durch die Kommunion in die eigene Seele ein und in seinem Angesicht erkennt der Mensch ganz realistisch sein eigenes Ich. Dass Jesus dennoch kommt, erkennt man durch diesen Ausspruch als unverdientes Geschenk, als Gnade an. Auch allegorisch-ekklesiologisch hat es diese Leserichtung: Jesus hat seine Kirche auf einem sündigen Menschen wie Petrus gebaut. Das ist ebenfalls Gnade. Denn welcher Mensch hat es verdient, Werkzeug Gottes zu sein? Wer ist wirklich perfekt genug? So ist alles, was von Gott kommt, Gnade. Das betrifft auch die Sakramente und die Kirche als Ganze. Sie ist Gotteswerk und Geschenk. Wir machen Kirche nicht. Wir können nur jedes Mal demütig beten: „Jesus, komm in unsere Mitte, obwohl wir es nicht verdient haben.“ Und jeder kirchlicher Vollzug, alles Bestreben, jede Reform kann nur von Gott ausgehen, dem die Kirche gehört. Wir können diese Dinge nie aus uns selbst heraus. Anagogisch gesehen können wir auch nur sagen: Das Kommen des Reiches Gottes, das Ende der Welt, den Himmel können wir nicht herbeiholen. Wir können den Zeitpunkt des Weltendes nicht beeinflussen, beschleunigen oder hinauszögern.
Nach der Heilung des Dieners kehrt Jesus mit seinen Jüngern im Haus des Petrus ein. Dort liegt seine Schwiegermutter mit Fieber flach. Jesus berührt ihre Hand, sodass das Fieber verschwindet und sie wieder gesund ist. Bei Krankenheilungen fällt uns die Bedeutung von Händen auf. Entweder ergreift Jesus die Hände von Kranken oder er streckt die Hand aus oder er berührt mit seiner Hand die kranken Stellen. Hier ist es die Berührung ihrer Hand. Gott heilt sie von ihrer Krankheit, weil er ihr eine wichtige Aufgabe erteilen möchte. Sie soll Jesus und seine Jünger gastfreundlich aufnehmen. Das ist kein geringer Dienst. Morgen werden wir davon hören, dass dieser Dienst den höchsten Lohn nach sich zieht. Dafür muss sie gesund sein. Auch heutzutage heilt Gott Menschen von ihren Krankheiten, nicht damit sie ein bequemes Leben führen können, sondern damit sie mit ihrer gewonnen Gesundheit ihre Berufung leben können.
Am Abend kommen die Menschen zum Haus des Petrus und Jesus heilt sie. Es kommen auch viele Besessene, deren Dämonen er austreibt.
Was Jesus tut, erfüllt die Verheißungen des Propheten Jesaja, wie Matthäus hier verdeutlicht. Er zitiert Jes 53,4, was dem vierten Gottesknechtslied entnommen ist. Was Jesus also während seines irdischen Wirkens getan hat, ist schon alles Sühnetat, nicht erst sein Tod. Die Menschen sind nach und nach für seine Sühnewirkung sensibilisiert worden. Sie haben als fromme Juden vor dem Hintergrund der Schrift erkannt, dass er der Messias ist.

Heute hören wir ganz unterschiedliche Lesungen und doch verbindet sie das Heil Gottes. Jesus ist gekommen, um die Welt zu retten. Er ist das Heil. Was mit Jerusalem passiert ist, ist eine Gerichtsvollstreckung, die dem ewigen Heil vorausgeht. Anders kann Jerusalem bzw. Juda nicht gerettet werden. Zu sehr hat es Gottes Liebe abgelehnt und Götzen gedient. Gericht und Heil sind zwei Münzen derselben Medaille. Leben wir so, dass das Gericht an uns gering ist und das Heil umso größer!

Ihre Magstrauss

Freitag der 12. Woche im Jahreskreis

2 Kön 25,1b-12; Ps 137,1-2.3-4.5-6; Mt 8,1-4

2 Kön 25
1 Im neunten Regierungsjahr, am zehnten Tag des zehnten Monats, rückte Nebukadnezzar, der König von Babel, mit seiner ganzen Streitmacht vor Jerusalem und belagerte es. Man errichtete ringsherum einen Belagerungswall.
2 Bis zum elften Jahr des Königs Zidkija wurde die Stadt belagert.
3 Am neunten Tag des vierten Monats war in der Stadt die Hungersnot groß geworden und die Bürger des Landes hatten kein Brot mehr.
4 Damals wurden Breschen in die Stadtmauer geschlagen. Alle Krieger verließen die Stadt bei Nacht auf dem Weg durch das Tor zwischen den beiden Mauern, das zum königlichen Garten hinausführt, obwohl die Chaldäer rings um die Stadt lagen. Der König ging in die Richtung nach der Araba.
5 Aber die chaldäischen Truppen setzten dem König nach und holten ihn in den Niederungen von Jericho ein, nachdem alle seine Truppen ihn verlassen und sich zerstreut hatten.
6 Man ergriff den König und brachte ihn nach Ribla, zum König von Babel, und dieser sprach über ihn das Urteil.
7 Die Söhne Zidkijas machte man vor dessen Augen nieder. Zidkija ließ er blenden, in Fesseln legen und nach Babel bringen.
8 Am siebten Tag des fünften Monats – das ist im neunzehnten Jahr des Königs Nebukadnezzar, des Königs von Babel – rückte Nebusaradan, der Befehlshaber der Leibwache und Diener des Königs von Babel, in Jerusalem ein
9 und steckte das Haus des HERRN, den königlichen Palast und alle Häuser Jerusalems in Brand. Jedes große Haus ließ er in Flammen aufgehen.
10 Auch die Umfassungsmauern Jerusalems rissen die chaldäischen Truppen, die dem Befehlshaber der Leibwache unterstanden, nieder.
11 Den Rest der Bevölkerung, der noch in der Stadt geblieben war, sowie alle, die zum König von Babel übergelaufen waren, und den Rest der Menge schleppte Nebusaradan, der Befehlshaber der Leibwache, in die Verbannung.
12 Nur von den armen Leuten im Land ließ der Befehlshaber der Leibwache einen Teil als Wein- und Ackerbauern zurück.

Gestern hörten wir bereits von der Belagerung Jerusalems und von der Deportation des Königs samt Oberschicht. König Nebukadnezzar nimmt nun Juda endgültig in Besitz. Nachdem er Juda zunächst noch als Vasallenstaat seines Reiches behandelt und dafür auch den Onkel Jojachins als Vasallenkönig eingesetzt hatte, kommt es nun zur Zerstörung der Stadt und des Tempels.
Zu jener Zeit sind die übrig gebliebenen Bewohner Jerusalems durch eine Hungernot geschwächt. Der Vasallenkönig Zidkija, wie ihn der babylonische König genannt hat, unternimmt mit seinen Kriegern einen Fluchtversuch Richtung Araba. Doch die chaldäischen Truppen, die ringsum lagern, nehmen ihn fest und bringen ihn zu Nebukadnezzar. Als Strafe lässt dieser die Söhne Zidkijas vor dessen Augen umbringen, bevor Zidkija selbst geblendet und dann nach Babylon deportiert wird.
Einige Zeit später kommt es nun zum schlimmsten Albtraum. Der Tempel Gottes wird auf Nebudadnezzars Befehl hin angezündet. Das ist die größte Beleidigung, die man Gott entgegenbringen kann. Auch der Palast und die restliche Stadt werden in Brand gesetzt. Die Schutzmauern der Stadt werden niedergerissen. Jerusalem wird dem Erdboden gleichgemacht.
Die restlichen Bewohner werden in die Verbannung geschickt, nur einige arme Bewohner werden als Wein- und Ackerbauern zurückgelassen.
Die Heilige Stadt ist zerstört. Gottes geliebter Ort, an dem er selbst gegenwärtig gewesen ist, wurde zu einer Ruine. Die Schutzmauern sind eingestürzt. Dieses ganze Ereignis ist die Konsequenz der Sünde des Volkes, allen voran der vergangenen Könige. Wer Gott ablehnt und sich weit von sich schiebt, muss sich nicht wundern, dass Fremdvölker dann alles zerstören. Wer nicht mehr „im Angesicht Gottes“ lebt, dem nützen die Schutzmauern nichts mehr. Denn die eigentliche Schutzmauer und der Schild des Volkes ist Gott. Wenn sein Segen nicht mehr auf Juda liegt, ist es eine Frage der Zeit, bis alles in sich zusammenfällt. So oft hat Gott sein Volk gewarnt. Er liebt es doch so sehr, dass er es nicht ins offene Messer laufen lassen wollte. Doch die Verstocktheit Judas hat dieses Unheil nun herbeigeführt.

Ps 137
1 An den Strömen von Babel, da saßen wir und wir weinten, wenn wir Zions gedachten.
2 An die Weiden in seiner Mitte hängten wir unsere Leiern.
3 Denn dort verlangten, die uns gefangen hielten, Lieder von uns, unsere Peiniger forderten Jubel: Singt für uns eines der Lieder Zions!
4 Wie hätten wir singen können die Lieder des HERRN, fern, auf fremder Erde?
5 Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem, dann soll meine rechte Hand mich vergessen.
6 Die Zunge soll mir am Gaumen kleben, wenn ich deiner nicht mehr gedenke, wenn ich Jerusalem nicht mehr erhebe zum Gipfel meiner Freude.

Als Antwort auf das große Trauma beten wir Ps 137. Er ist einer der bekanntesten Psalmen, die sehr oft vertont worden ist. Er artikuliert die Sehnsucht des Volkes nach der Heimat und nach dem Tempel Gottes.
Wir können uns sehr gut vorstellen, wie die deportierten Juden „an den Strömen von Babel“ sitzen und weinen. Die Ströme sind Euphrat und Chabur. Sie haben alles verloren, vor allem ihre Gunst bei Gott und ihre Heimat. Voller Sehnsucht erinnern sie sich an die Weiden und an die Leiern, auf denen sie gespielt haben. Wir sehen den jungen David vor uns, der als Schafhirte gerne auf der Leier gespielt hat.
Stattdessen werden die Juden gezwungen, Heimatlieder im Exil zu spielen. Das stellt eine regelrechte Folter für sie dar. Wie zynisch können die Babylonier sein, ihnen so etwas abzuverlangen?
Jerusalem ist für die Juden ein Teil von ihnen. Die eigene Stadt zu vergessen, ist wie das Vergessen der eigenen Körperteile. Die Verse 5-6 sind wie ein Versprechen der Beter, die Stadt nicht zu vergessen. Sonst erfolge eine Selbstbestrafung. Auch das Kleben der Zunge am Gaumen ist auf diese Weise zu verstehen. Jerusalem soll auch fernab von der Heimat Grund der Freude und des Lobpreises sein. Möge der Tempel jetzt auch zerstört und der König von Juda deportiert worden sein. Das Volk hält daran fest, dass die Stadt heilig und Gottes Eigentum ist, selbst als Ruine.
Viele dieser Gedanken hier können die deportierten Völker oder Bevölkerungsgruppen von heute voll unterschreiben. Die Heimat zu verlieren, ist ein großes Trauma. Man weiß nicht mehr, wo man noch hingehört. Doch als Christen können wir ganz klar sagen: Und wenn man uns unsere Heimat nimmt, so wissen wir doch, dass unsere wahre Heimat im Himmel ist.

Mt 8
1 Als Jesus von dem Berg herabstieg, folgten ihm viele Menschen nach.
2 Und siehe, da kam ein Aussätziger, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, wenn du willst, kannst du mich rein machen.
3 Jesus streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will – werde rein! Im gleichen Augenblick wurde der Aussätzige rein.
4 Jesus aber sagte zu ihm: Nimm dich in Acht! Erzähl niemandem davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Opfer dar, das Mose angeordnet hat – ihnen zum Zeugnis!

Gestern schlossen wir die Bergpredigt ab. Nun steigt Jesus vom Berg wieder herab und sogleich folgen ihm viele Menschen nach. Das müssen wir uns ein wenig genauer durch den Kopf gehen lassen. Er hat eine sehr radikale Predigt gehalten. Kompromisslos und bis in die letzte Konsequenz hat er die Befolgung der Zehn Gebote gefordert. Dabei hat er nicht nur die Umsetzung, sondern auch die richtige Absicht betont. Das ist ein absolut hoher Anspruch, der aber nicht allein aus eigener Kraft, sondern mithilfe der Gnade Gottes umgesetzt werden soll. Und doch folgen ihm so viele Menschen nach! Er hat keine liberalen Floskeln von sich gegeben oder ein Wohlstandsevangelium gelehrt. Im Gegenteil. Es ging um die Seligkeit jener, die um dieser Botschaft willen verfolgt werden! Und genau dies hat die Menschen berührt. Vielleicht sollten wir uns als Kirche von heute diese Worte mal wieder richtig zu Herzen nehmen, damit die ganzen pastoralen Bemühungen sich wieder auf diese Worte hier konzentrieren. Dann werden auch wieder mehr Menschen Christus nachfolgen wie damals. Wir sehen dies ja an den „konservativen“ (dieser politische Begriff ist eigentlich voll unpassend) Geistlichen oder Orten, an denen gar kein Platz mehr frei ist, wenn eine Heilige Messe stattfindet. Das ist genau das, was auch in der Bergpredigt passiert!
Jesus ist nun also wieder unterwegs. Und da kommt ein aussätziger Mann, der voller Glauben zu Jesus sagt: „Herr, wenn du willst, kannst du mich rein machen.“ Wir müssen uns bewusst sein, dass es sich um einen hochansteckenden Menschen handelt. Er bringt den Mut auf, vor Christus zu erscheinen, obwohl er eigentlich abgeschirmt sein muss und von Weitem „Aussatz“ rufen soll. Doch er hat so ein großes Vertrauen in Gott, dass er das Unerlaubte wagt. Er sagt nicht zu Jesus: „Herr, wenn du kannst.“ Er sagt: „Wenn du willst.“ Und das zeugt von einem sehr reifen Glauben. Der Mann versteht, dass Gott kein Automat ist. Es ist nicht einfach so, dass wenn man betet, Gott automatisch die Bitte erfüllt, und wenn nicht, man sich von ihm abwenden muss. Viele verstehen das falsch und verlieren aufgrund eines solchen Missverständnisses ihren Glauben. Der Aussätzige dagegen bittet voller Glauben und doch unter der Bedingung, dass es Gottes Wille ist. Für das Leiden des Einzelnen kann es unterschiedliche Gründe geben. Manche müssen die Konsequenz von Sünde tragen, der eigenen oder der fremden (das ist unfair, aber so ist die Natur der Sünde). Manche werden aber auch zu Werkzeugen Gottes bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit. So ein Fall liegt uns hier vor. Durch die folgende Heilung sollen viele Menschen zum Glauben kommen.
Jesus erkennt den großen Glauben des Aussätzigen und sogleich sagt er deshalb zu ihm: „Ich will – werde rein!“ Sofort wird der Mann von seiner Krankheit geheilt. Jesus trägt ihm auf, sich dem Priester zu zeigen und ein entsprechendes Opfer darzubringen. Das zeugt von Jesu Gesetzestreue. Er hat in der Bergpredigt gesagt, dass er nicht gekommen ist, das Gesetz aufzuheben. Er sagt sogar, dass nicht einmal ein Iota verändert werden darf. Das ist der kleinste Buchstabe des griechischen Alphabets (Im Original wird es wohl um das Iod gegangen sein, der kleinste Buchstabe des hebräischen/aramäischen Alphabets). Es geht um das Procedere, das man bei Heilung vom Aussatz laut Lev 14 durchlaufen soll. Er tut das „ihnen zum Zeugnis“. Sie sollen sehen, dass Jesus nicht das mosaische Gesetz abschaffen will. Das unterstellen ihm die Gegner sehr oft. Dabei hat er dieses Gesetz ja sogar noch radikalisiert und auf die Ursprünge zurück verwiesen, von denen sich die Hüter der Torah seiner Zeit entfernt haben.
Was er in der Bergpredigt gelehrt hat, zeigt er sofort bei seiner ersten Handlung danach. Er tut, was er selbst gefordert hat: Nicht nur reden, sondern auch durch Taten beweisen. Er sagte von sich, dass der die Torah erfülle, nicht abschaffe. Nun beweist er es durch die Anordnung, sich einem Priester zu zeigen.
Der Geheilte soll niemandem von der Heilung erzählen. Auch hier möchte Jesus seine Messianität durch Taten nach und nach den Menschen klarmachen, nicht durch Proklamation. Er möchte auch vermeiden, direkt festgenommen zu werden. Seine Reich-Gottes-Verkündigung ist noch nicht abgeschlossen. Er kann noch nicht verhaftet werden.

Während es in der Lesung noch um die Folgen des Ungehorsams geht – das große Babylonische Trauma -, erleben wir im Evangelium ein Beispiel für den Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes. Während der anhaltende Ungehorsam Judas zur großen Katastrophe geführt hat, führt der Gehorsam des Aussätzigen zu seiner Heilung. Ihm ist nicht einfach nur körperliche Gesundheit geschenkt worden. Er kann wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden. Er ist wieder kultfähig und kann somit wieder Opfer darbringen. Das ist Juda in der Lesung heute genommen worden durch die Zerstörung des Tempels. Der Aussätzige kann wieder arbeiten und sich um seine Familie kümmern. Ihm ist ein neues Leben geschenkt worden, weil er Gott ganz geglaubt und sich zugleich dessen Willen unterstellt hat.

Diese beiden Erzählungen stellen uns vor die Wahl: Wollen wir zu den Ungehorsamen gehören, die sich das eigene Grab schaufeln, oder wollen wir den Willen Gottes befolgen und dadurch die Fülle des Segens erhalten?

Ihre Magstrauss

13. Sonntag im Jahreskreis

2 Kön 4,8-11.14-16a; Ps 89,2-3.16-17.18-19; Röm 6,3-4.8-11; Mt 10,37-42

2 Kön 4
8 Eines Tages ging Elischa nach Schunem. Dort lebte eine vornehme Frau, die ihn dringend bat, bei ihr zu essen. Seither kehrte er zum Essen bei ihr ein, sooft er vorbeikam.
9 Sie aber sagte zu ihrem Mann: Ich weiß, dass dieser Mann, der ständig bei uns vorbeikommt, ein heiliger Gottesmann ist.
10 Wir wollen ein kleines, gemauertes Obergemach herrichten und dort ein Bett, einen Tisch, einen Stuhl und einen Leuchter für ihn bereitstellen. Wenn er dann zu uns kommt, kann er sich dorthin zurückziehen.
11 Als Elischa eines Tages wieder hinkam, ging er in das Obergemach, um dort zu schlafen.
14 Und als er weiter fragte, was man für sie tun könne, sagte Gehasi: Nun, sie hat keinen Sohn und ihr Mann ist alt.
15 Da befahl er: Ruf sie herein! Er rief sie und sie blieb in der Tür stehen.
16 Darauf versicherte ihr Elischa: Im nächsten Jahr um diese Zeit wirst du einen Sohn liebkosen.

In der ersten Lesung des heutigen Sonntags hören wir wieder aus dem zweiten Königebuch. Es geht um Elischa, der nach Schunem zu einer Frau kommt. Diese bereitet dem Propheten aus eigenem Antrieb regelmäßig ein Mahl zu. Ihr ist auch bewusst, dass sie damit eigentlich Gott einen Dienst erweist. Denn sie erkennt in Elischa einen Gottesmann. Eines Tages überlegt sie sich, ihm noch mehr zu dienen, indem sie in ihrem Obergemach ein Zimmer herrichtet. Dort schläft er bei seinem Aufenthalt bei der Frau und ihrem Mann. Eines Tages fragt er nach ihrer Situation, wodurch deutlich wird: Der Mann ist alt, das heißt er lebt nicht mehr lange, und sie sind kinderlos. Für die Frau bedeutet das, dass sie bald in große Not kommen würde, da ihr einziger Versorger bald sterben würde. Für Witwen und vor allem kinderlose Witwen gab es im Alten Israel keine Sozialversorgung. Sie mussten für ihren Lebensunterhalt selbst aufkommen oder verhungern. Inmitten in diese Situation, die nun auch auf die Frau in Schunem zukommt, spricht Elischa nun eine schier unglaubliche Verheißung hinein: Sie wird in einem Jahr einen Sohn haben. Dieser wird ihre Rettung sein. Wenn ihr Mann nicht mehr da sein wird, bleibt ihr ein Sohn, der sich seiner alternden Mutter annehmen kann. Zu Beginn der Lesung heißt es, dass die gastfreundliche Frau aus Schunem „vornehm“ ist. Sie mag in besseren Verhältnissen zu leben, aber dies würde sich schnell ändern, wenn sie den Sohn nicht bekommen würde. Gott rettet jeden Menschen aus seiner Not auf ganz individuelle Weise. Wir erinnern uns an den vergangenen Mittwoch, an dem wir die Geburt des Täufers gefeiert haben. Auch er ist ein „unerwartetes“ Kind, da seine Eltern unfruchtbar und alt waren. Und doch hat Gott einen besonderen Plan mit der Familie, sodass dem Ehepaar Zacharias und Elisabet noch ein Sohn geschenkt worden ist. Er ist ganz besonders, heilig und auserwählt, der unmittelbare Vorläufer Christi zu sein, die beiden Testamente miteinander zu verbinden und die Menschen zu einer vollkommenen Buße zu führen. Gottes Wege sind unergründlich und er hat oft ganz tolle Auswege aus vermeintlichen Sackgassen!

Ps 89
2 Von der Huld des HERRN will ich ewig singen, von Geschlecht zu Geschlecht mit meinem Mund deine Treue verkünden.
3 Denn ich bekenne: Auf ewig ist Huld gegründet, im Himmel deine Treue gefestigt.
16 Selig das Volk, das den Jubelruf kennt, HERR, sie gehen im Licht deines Angesichts.
17 Sie freuen sich allezeit über deinen Namen und sie jubeln über deine Gerechtigkeit.
18 Denn du bist ihre Schönheit und Stärke, du erhöhst unsre Kraft in deiner Güte.
19 Ja, dem HERRN gehört unser Schild, dem Heiligen Israels unser König.

Der Antwortpsalm ist voller Lob und Dankbarkeit. Er passt sehr gut zu der freudigen Erzählung der ersten Lesung. Zu Beginn erfolgt eine Selbstaufforderung oder ein Selbstversprechen zum ewigen Lobpreis. Gottes Huld und Treue soll in allen Generationen verkündet und gepriesen werden. Es ist wie die Stimme des Volkes Gottes, das in der Ich-Form für alle Zeiten dieses Versprechen Gott gegenüber signalisiert.
In Vers 3 bekennt der Beter, bzw. die betende Gruppe: Gottes Huld und Treue sind nämlich ewig. Wenn es heißt, dass Gottes Treue „im Himmel“ gefestigt ist, dann ist das für uns ein Hinweis auf Gottes Aufenthalt im Himmelreich.
In Vers 16 erfolgt ein Makarismus, das heißt eine Seligpreisung. Sie besagt, dass Israel in Gottes Angesicht ist, wenn es den Jubelruf kennt. Das heißt, dass Israel den Segen Gottes besitzt. Dies ist dann gegeben, wenn es nie vergisst, was Gott ihm Gutes getan hat. Wo das Volk aufhört, dankbar zu sein, beginnt es, sich von Gottes Geboten zu abzuwenden. Dann betet es andere Götter an, bricht die „Ehe mit Gott“ als seine Braut. Wenn Israel aber treu am Herrn festhält, seine Heilstaten immerzu preist wie schon zu Beginn des Psalms feierlich versprochen, dann kommt es nicht auf die Idee, von seinem Weg abzurücken. So bleibt es im Stand der Gnade Gottes. Dieser wird durch das Licht des Angesichts umschrieben.
So ist Israel selig zu preisen, das sich dann stets an dem Namen und der Gerechtigkeit Gottes erfreuen kann. Diese Worte können auch wir als das neue Volk Gottes sagen. Deshalb ist es so elementar für die Kirche, stets die Eucharistie zu feiern. Das ist ihr Ausdruck der ewigen Dankbarkeit, weil Eucharistie „Danksagung“ heißt. Immer wieder erinnert die Kirche an die größte Heilstat Gottes aller Zeiten, an das Kreuzesopfer Jesu Christi, und vergegenwärtigt es in jeder Heiligen Messe. So bleibt sie immer im Angesicht Gottes. Und weil die Eucharistie so wichtig für die Gemeinschaft der Gläubigen ist, ist sie es auch für den einzelnen Christen. Sie ist auf der Prioritätenliste auf dem ersten Platz. Wir sollen eucharistische Menschen sein, damit wir immer mehr selbst zum Leib Christi werden. Wenn wir ein derart sakramentales Leben führen und so die guten Taten Gottes auch in unserer persönlichen Biographie nie vergessen, dann werden wir nicht so schnell komplett von seinem Weg abkommen und in Todsünde fallen.
Gott ist die Schönheit und Stärke der Israeliten. Er verleiht ihnen Kraft, sodass sie als kleines Volk dennoch eine große Macht über die anderen Völker erhalten. Dass König David besonders große militärische Erfolge erzielt und das Volk gerade in der Zeit König Salomos so friedliche Zeiten erleben darf, ist auf Gott zurückzuführen, der Schild des Volkes ist. Mit seiner Hilfe wird wirklich alles möglich, auch das scheinbar Unmögliche.

Röm 6
3 Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?
4 Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln.
8 Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.
9 Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn.
10 Denn durch sein Sterben ist er ein für alle Mal gestorben für die Sünde, sein Leben aber lebt er für Gott.
11 So begreift auch ihr euch als Menschen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus.

Die ganze Heilsgeschichte, alle Höhen und Tiefen des Volkes Israel, alles läuft hinaus auf den Tod Jesu Christi am Kreuz, der am dritten Tage von den Toten auferstanden ist! Paulus reflektiert in der zweiten Lesung, dass unsere Taufe, der Bundesschluss mit Gott, auf dem Osterereignis gründet und nicht nur Zielpunkt der Heilsgeschichte, sondern auch Anfangspunkt unseres neuen Lebenswandels ist:
„Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?“ Das fasst unsere Taufe zusammen. Dass wir diesen Neuen Bund mit Gott überhaupt eingehen können und zu seinen Kindern, zu Erben des Reiches Gottes werden können, verdanken wir dem Tod Jesu Christi. Die Rede von Tod, Begräbnis und Auferweckung geht auf eine uralte Oster-Überlieferung zurück, die auch im ersten Korintherbrief aufgegriffen wird.
Unser alter Mensch ist mit Christus zusammen begraben worden. Unsere alte, sündige Natur, die dem ewigen Verderben geweiht war, ist zusammen mit Jesus Christus gestorben. Wir sind durch die Taufe zum neuen ewigen Leben auferweckt! Dadurch sind wir Christen österliche Menschen geworden. Und so wie Jesus jetzt ewig beim Vater lebt, so werden auch wir das ewige Leben beim Vater haben, auch wenn wir biologisch sterben. Schon jetzt sind wir auf sakramentale Weise in einer neuen Lebensqualität und besonders innigen Beziehung zur Heiligsten Dreifaltigkeit. Was jetzt aber noch verborgen ist, wird am Ende der Zeiten offenbar sein.
Jesus hat unser altes Menschsein mit ans Kreuz genommen, damit wir für die Sünde mitsterben. Er hat uns dadurch aus der ewigen Sklaverei, aus dem ewigen Exil befreit, damit auch wir mit ihm leben. So wie Christus durch die Auferstehung den Tod endgültig besiegt hat, kann dieser auch uns nicht mehr schaden.
Wir sind für die Sünde tot, aber leben für Gott. Das ist Grund für eine unerschütterliche Hoffnung bis zum letzten Atemzug! Wir sehen, wie so viele der ersten Christen mit einem Lobpreis und Jubel auf den Lippen in den Tod gegangen sind für diese Osterbotschaft! Nur ein einziger Apostel ist eines natürlichen Todes gestorben. Alle anderen wurden für diese Botschaft umgebracht. Und sie haben bis zum Schluss daran festgehalten. Das zeigt, dass es wahr ist, dass Jesus lebt. Auch wir dürfen diese unerschütterliche Hoffnung haben und unser Leben auf dieser österlichen Botschaft aufbauen, die wir auf dieses Ereignis hin getauft sind. Das heißt aber, dass wir als der Sünde Gestorbene auch nicht mehr so leben können wie damals, als die Sünde uns noch beherrscht hat. Wir können nach der Taufe nicht zum alten sündhaften Verhalten gegen die Gebote Gottes zurückkehren. Taufe auf den Tod und die Auferstehung Jesu Christi heißt also auch, ein neues Leben zu beginnen nach den Zehn Geboten aufgrund des Doppelgebotes der Liebe. Wenn wir die Taufgnade nicht direkt wieder verlieren möchten, müssen wir entsprechend darum bemüht sein, die innige Beziehung zu Gott aufrecht zu erhalten.

Mt 10
37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. 38 Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.
39 Wer das Leben findet, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.
40 Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.
41 Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten.
42 Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist – Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.

All die wichtigen Schrifttexte werden nun im Evangelium wieder aufgegriffen. Jesus spricht noch weiter zu seinen Aposteln, die er in die umliegenden Städte aussenden möchte.
Er sensibilisiert sie im heutigen Abschnitt für eine richtige Prioritätensetzung: Gott muss an allererster Stelle stehen. Wer nämlich die Eltern oder Kinder über Gott stellt, kann nicht Jünger Jesu sein. Das würde nämlich bedeuten, dass Eltern oder Kinder zum Götzen werden. Vielmehr besteht die richtige Priorisierung in der Ableitung der Eltern- und Kinderliebe aus der Gottesliebe. So ist es ein Liebesdienst, der sich aus der ersten Liebe speist und übernatürlich ist. Das Doppelgebot der Liebe ist aber der Kern des Evangeliums, die Zusammenfassung des Gesetzes und der Propheten sowie das Gütesiegel der Jüngerschaft. Das heißt nicht, dass man seine Eltern als Christ nicht mehr lieben darf, ebenso wenig, dass man die Kinder lieben darf. Es geht darum, dass Gott trotz dieser Liebe immer wichtiger sein soll. Erstens soll es uns immer zuerst um das Reich Gottes gehen und in erster Linie sind wir als Christen Kinder Gottes. Er ist unser erster und eigentlicher Vater und unsere erste Mutter. Im zweiten Schritt sind wir Menschen in einer irdischen Familie, die physisch zusammenhängt. Nicht umsonst bestehen die ersten drei Gebote des Dekalogs aus Gottesliebe-Geboten. Das vierte bis zehnte Gebot fußt sodann auf der Nächstenliebe. Zweitens können wir nur aus der Gottesliebe heraus so richtig unsere Eltern und Kinder lieben. Alles andere ist auf menschliche Kapazitäten beschränkt. Wir sollen aber so weit gehen, sogar für sie zu sterben. Können wir das aus rein menschlicher Kraft? Würden Sie für Ihren Vater Ihr Leben hingeben, wenn er die Familie verlassen hat? Würden Sie für ihren Ehepartner sterben, wenn er fremdgegangen ist? Da merken wir dann, wie schnell wir mit unseren menschlichen Kapazitäten an unsere Grenzen kommen. Deshalb muss zuerst die Gottesliebe gegeben sein. Alles andere wird dann den richtigen Platz und das richtige Maß erhalten.
Jesu Jünger können ihm nicht nachfolgen, wenn sie nicht den Weg bis zum Kreuz mitgehen. Hier nimmt Jesus sein Lebensende vorweg, das die Jünger noch gar nicht verstehen und fassen können. Immer wieder kündigt Jesus sein Leiden an, doch es wird den Jüngern erst in der Nacht seiner Verhaftung klarwerden. Schon hier spricht er ganz unverblümt von seinem gewaltsamen Tod. Wer nicht bereit ist, Christus bis in die Katastrophe des Karfreitags zu folgen, kann nicht sein Jünger sein.
Auch im nächsten Vers geht es um die richtige Prioritätensetzung: Es soll um das ewige Leben gehen, nicht um das irdische. Wer um jeden Preis, auch um den Preis des Verrats an Christus, sein irdisches Leben retten will, wird das ewige Leben bei Gott im Himmelreich verlieren. Jesus hat in der Bergpredigt bereits verdeutlicht, dass wer ihn in seinem Leben verleugnet, von Christus vor dem Vater verleugnet werde. Wer dagegen sein irdisches Leben gering achtet und den Tod für die Treue Christi in Kauf nimmt, wird das ewige Leben gewinnen. Wir lesen in der Johannesoffenbarung, dass die Märtyrer direkt zu Gott kommen, weil sie auf intensivste und treuste Weise Zeugnis abgelegt haben für Christus (Martyria heißt auf Deutsch „Zeugnis“).
Alles, was bisher thematisiert worden ist, ist uns vor allem in der zweiten Lesung bereits vermittelt worden. Ab Vers 41 kommt noch ein Aspekt hinzu, der uns an die erste Lesung erinnert: Da sagt Jesus den Grundsatz, dass wer einen Propheten um seines Prophetendaseins willen aufnimmt, den Lohn eines Propheten erhalten wird. Wir denken an die Frau aus Schunem, die Elischa als Mann Gottes in ihr Haus aufgenommen hat. Gott hat sie dafür reich belohnt. Bei diesem Grundsatz schaut Gott wieder auf die Absicht. Davon ist uns in den letzten Wochen durch die Lesungen aus der Bergpredigt immer wieder berichtet worden. Gott prüft den Menschen auf Herz und Nieren. Er schaut nicht nur auf die Handlung, sondern die Motivation dahinter. Wer also gastfreundlich ist nicht aus egoistischen Gründen (um sich selbst zu rühmen), sondern um der Person willen, vor allem wenn sie ein besonderes Werkzeug Gottes ist, wird für diesen Dienst reich belohnt. Warum aber ausgerechnet geht es um den Propheten? Für Israel war der Prophet höher als der König anzusehen, weil er das Sprachrohr Gottes war. Zugleich waren Propheten auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen, indem sie bei ihnen ein Obdach oder Nahrung empfingen. Wer ihn also in sein Haus aufnahm, unterstützte dadurch den höchsten Dienst, den der Mensch vollbringen konnte. Deshalb gebührt jenen laut Jesus auch der höchste Lohn. So ist es auch mit der Gastfreundschaft gegenüber Gerechten. Sie sind vielleicht nicht die höchsten Werkzeuge Gottes, leben dennoch in seiner Gnade. Wer sie aufgrund ihrer Gerechtigkeit aufnimmt, erhält auch den Lohn eines Gerechten.
Und wer dem Kleinsten auch nur ein wenig Wasser anbietet, wird dafür von Gott belohnt werden. „Diesen Kleinsten“ bezieht sich auf die Jünger, die im Begriff sind, in die umliegenden Orte zu gehen und das Wort Gottes zu verkünden. Was Jesus also tut, ist die Ermutigung jener, die die Jünger in ihre Häuser aufnehmen werden.
Die Jünger treten im Namen Jesu auf, der selbst nicht in alle Orte gehen kann. Wer sie also aufnimmt, nimmt Gott selbst auf. Dies ist uns schon in der ersten Lesung durch die Elischa-Erzählung klargeworden. Umso mehr betrifft es nun das Evangelium Jesu Christi, weil die Zeichen, die die Jünger in seinem Namen tun werden, noch viel größer und vollkommener sein werden. Dies betrifft zwar schon die „Generalprobe“, zu der Christus sie aussendet. Dies wird noch viel ersichtlicher nach dem Pfingstereignis, durch das sie voll ausgestattet werden mit den Früchten, Gaben und Charismen des Heiligen Geistes.

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 12. Woche im Jahreskreis

2 Kön 24,8-17; Ps 79,1-2.3-4.5 u. 8.9; Mt 7,21-29

2 Kön 24
8 Jojachin war achtzehn Jahre alt, als er König wurde, und regierte drei Monate in Jerusalem. Seine Mutter hieß Nehuschta und war eine Tochter Elnatans aus Jerusalem.

9 Wie sein Vater tat er, was böse war in den Augen des HERRN.
10 In jener Zeit zogen die Truppen Nebukadnezzars, des Königs von Babel, gegen Jerusalem und belagerten die Stadt.
11 Als dann König Nebukadnezzar von Babel selbst vor der Stadt erschien, während seine Krieger sie belagerten,
12 ging Jojachin, der König von Juda, mit seiner Mutter, seinen Dienern, Fürsten und Kämmerern zum König von Babel hinaus und dieser nahm ihn im achten Jahr seiner Regierung fest.
13 Nebukadnezzar nahm auch alle Schätze des Hauses des HERRN und die Schätze des königlichen Palastes weg und zerbrach alle goldenen Geräte, die Salomo, der König von Israel, im Haus des HERRN hatte anfertigen lassen, so wie es der HERR gesagt hatte.
14 Von ganz Jerusalem verschleppte er alle Vornehmen und alle wehrfähigen Männer, insgesamt zehntausend Mann, auch alle Schmiede und Schlosser. Von den Bürgern des Landes blieben nur die geringen Leute zurück.
15 Jojachin verschleppte er nach Babel. Auch die Mutter des Königs, die königlichen Frauen und Kämmerer sowie die einflussreichen Männer des Landes verschleppte er von Jerusalem nach Babel,
16 dazu alle Wehrfähigen, siebentausend Mann, die Schmiede und Schlosser, tausend an der Zahl, lauter kriegstüchtige Männer. Sie alle verschleppte der babylonische König nach Babel.
17 Dann machte der König von Babel den Mattanja, den Onkel Jojachins, an dessen Stelle zum König und änderte seinen Namen in Zidkija.

Heute hören wir von dem König Judas, zu dessen Regierungszeit die endgültige Unterwerfung Judas unter den babylonischen König und der Beginn des Babylonischen Exils beginnt. Es geht um Jojachin, der mit nur achtzehn Jahren König von Juda wird. Er ist wie sein Vater Jojakim ein gottloser König, der schlimme Sünden begeht. Zur Zeit seines Vaters bestand bereits eine Abhängigkeit gegenüber Nebukadnezzar durch die Verpflichtung von Tributzahlungen an die Babylonier. Diese wurden eingestellt, nachdem der babylonische König von den Ägyptern besiegt worden war. Nun kommt es aber zur Zerstörung Jerusalems und Deportation. Juda scheitert nun komplett und wird Opfer der absoluten Fremdherrschaft unter Babylon.
Als Nebukadnezzar mit seinem Heer vor Jerusalem erscheint, treten Jojachin, seine Mutter und der Königliche Hof hinaus, wo sie festgenommen werden. Die Schätze des Palastes werden geplündert und das Equipment des Tempels wird zerstört. Die Babylonier nehmen alle kriegstüchtigen und reichen Männer fest, um sie zu deportieren. Das ist die effektivste Art, die Judäer zu entmachten. Bemerkenswert ist auch, dass die Schmiede und Schlosser mitgenommen werden. Diese könnten ja neue Waffen schmieden und gegen die Babylonier in den Krieg ziehen. Vielmehr wollen sie diese Berufsgruppen für sich selbst nutzen. Am Ende bleiben nur die Juden der unteren Schicht zurück, denn auch der König mitsamt seinem Gefolge wird verschleppt. Nebukadnezzar setzt Jojachins Onkel Mattanja als neuen König ein, der von ihm den neuen Namen Zidkija erhält.
So vollzieht sich das große Trauma des Babylonischen Exils, das 58 Jahre andauern wird. Diese vermeintlich kurze Zeitspanne zieht aber große Konsequenzen nach sich. Der salomonische Tempel ist wie die Stadt Jerusalem zerstört worden. Gottes Gegenwart ist nicht mehr auf Erden. Die Spannungen zwischen Nord- und Südreich werden zu einem endgültigen Bruch. Zugleich werden die Israeliten in dieser Zeit begreifen, dass Gott nicht nur größer und stärker als die Götter der umliegenden Völker, sondern der einzig wahre und existierende Gott ist. Viele Propheten werden in dieser Zeit auftreten und das Volk stärken. Dass es zum Exil kommen musste, hat sich das Volk selbst zuzuschreiben. Gott hat unzählige Propheten losgeschickt, um es zu warnen und zur Umkehr vom Götzendienst zu bewegen. Israel blieb verstockt.

Ps 79
1 Ein Psalm Asafs. O Gott, Völker sind eingedrungen in dein Erbe, sie haben deinen heiligen Tempel entweiht, sie legten Jerusalem in Trümmer.

2 Die Leichen deiner Knechte haben sie zum Fraß gegeben den Vögeln des Himmels, das Fleisch deiner Frommen den Tieren der Erde.
3 Ihr Blut haben sie wie Wasser vergossen rings um Jerusalem und niemand hat sie begraben.
4 Wir sind zum Hohn geworden unseren Nachbarn, zu Spott und Schimpf denen, die rings um uns wohnen.
5 Wie lange noch, HERR? Willst du für immer zürnen, wird brennen wie Feuer dein Eifer?
8 Rechne uns die Schuld der Vorfahren nicht an! Mit deinem Erbarmen komm uns eilends entgegen! Denn wir sind sehr erniedrigt.
9 Hilf uns, Gott unsres Heils, um der Herrlichkeit deines Namens willen! Reiß uns heraus und vergib uns die Sünden um deines Namens willen!

Als Antwort auf die geschilderte Katastrophe beten wir Psalm 79. Es handelt sich um einen Volksklagepsalm. Das heißt, dass es die Klage des ganzen leidenden Volkes Israel artikuliert.
„O Gott, Völker sind eingedrungen in dein Erbe, sie haben deinen heiligen Tempel entweiht, sie legten Jerusalem in Trümmer.“ Die Heilige Stadt Jerusalem, der Ort der Wohnung Gottes und die Davidstadt, sie ist von den Babyloniern zerstört worden. „Dein Erbe“ ist nicht, was Gott geerbt, sondern vererbt hat. Es ist das verheißene Land, das Gott seinem Volk gegeben hat, das nun von Nebukadnezzar entrissen worden ist. Noch drastischer ist die Tempelschändung. Es ist Gottes heiliger Ort, den die Babylonier missachtet haben. Für die Israeliten gibt es kaum etwas Schlimmeres als diese gottlose Handlung.
„Die Leichen deiner Knechte haben sie zum Fraß gegeben“. Das ist besonders drastisch. Wie schon öfter hier auf dem Blog erklärt ist die Art der Bestattung für den frommen Juden entscheidend. Es ist der letzte Wille, bei den Vorfahren beerdigt zu werden. Das ist zu jener Zeit eine wichtige Sache, um von den eigenen Angehörigen nicht vergessen zu werden. Dass die Menschen sich an den Verstorbenen erinnern, ist lange Zeit eine Art Jenseitsvorstellung. Wie schlimm muss es für einen Juden also sein, wenn der Leichnam irgendwo liegen bleibt, wo man ihn nicht besuchen oder um den Verstorbenen trauern kann. Wie schändlich ist es, wenn die Gebeine von irgendwelchen Tieren zerfressen werden! Denn es entwickeln sich eschatologische Vorstellungen, dass am Ende der Zeiten die Gräber sich öffnen und die Menschen wiederhergestellt werden.
Auch schlimm ist das Blutvergießen ins Nirgendwo. Es herrscht die Vorstellung vor, dass im Blut das Leben des Menschen enthalten ist. Deshalb soll Fleisch von Tieren auch komplett ausgeblutet werden, bevor man es zubereitet und isst. Deshalb schreit das Blut Abels vom Acker zu Gott hinauf. Wenn wir das bedenken, verstehen wir vielleicht auch die traumatische Reaktion der Umstehenden, als Jesus sein Blut bis auf den letzten Tropfen vergießt und es in den Boden absickert. Das ist das Schlimmste aus jüdischer Sicht! Man bemühte sich, abfließendes Blut irgendwie aufzufangen und mit Stoffen aufzusaugen. Diese wurden dann zusammen mit dem Leichnam ins Grab gegeben.
Eine fehlende Bestattung, die Blutvergießung, all diese Dinge sind eine einzige Schande und Entehrung für den Juden. Deshalb wird hier die Klage artikuliert, dass die Israeliten „zum Hohn“, „zu Spott und Schimpf“ geworden sind. Die Nachbarn und rings um sie Wohnenden sind die Nachbarvölker. Sie beobachten, was mit Israel passiert, ganz genau. Schließlich bezeugten sie schon den spektakulären Exodus aus Ägypten und gaben dem Gott Israels die Ehre. Nun würden sie über diesen Gott lachen, der so ein Trauma zugelassen hat bzw. zuließ, dass es Israel genauso erging wie ihnen!
„Wie lange noch, HERR“ ist eine typische Phrase in Klageliedern. Sie beinhaltet die Sehnsucht, dass das Leiden bald ein Ende hat, zugleich aber auch die Zuversicht, dass Gott die Leiden dieser Welt zeitlich streng begrenzt. Das ist eine tiefe Wahrheit: Gott lässt zu, dass wir leiden müssen, aber diese Zeiten dauern nur eine Zeit lang an. Das Heil ist dagegen ewig!
Das Volk versteht, dass Gott zürnt und die Invasion, Deportation und Destruktion der Babylonier Ausdruck seines Eiferns sind. Sie bitten Gott nun um Barmherzigkeit, jetzt wo sie erkennen, dass sie es sich selbst zuzuschreiben haben.
In Vers 8 wird uns ein wichtiger Aspekt verdeutlicht: Sünde überdauert Generationen und ihre Konsequenzen trifft die unschuldigen Nachfahren. Wegen der Sünde der bösen Könige muss die jetzige Generation leiden. Jojachin, der junge König, hat in den wenigen Monaten seiner Regentschaft schon viele götzendienerische Aktionen getan, weshalb man in seinem Fall die Schuld nicht gänzlich seinem Vater oder den anderen gottlosen Königen zuschreiben kann. Er selbst hat es nicht besser gemacht.
Das Volk schreit nun wirklich nach Gottes Barmherzigkeit und bittet ihn, die Sünden nicht anzurechnen. Die Erkenntnis ist endlich gekommen, dass es vor Gott schuldig geworden ist. Das ist ein großer Fortschritt, doch die Konsequenzen der Sünde müssen nun ertragen werden. Doch nicht lange wird Gott seine geliebte Braut im Exil lassen. Nach 58 Jahren wird er sie zurückführen in die Heimat und sie werden ihre Beziehung erneuern.

Mt 7
21 Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut.

22 Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, sind wir nicht in deinem Namen als Propheten aufgetreten und haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und haben wir nicht in deinem Namen viele Machttaten gewirkt?
23 Dann werde ich ihnen antworten: Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Gesetzlosen!
24 Jeder, der diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute.

25 Als ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es nicht ein; denn es war auf Fels gebaut.
26 Und jeder, der diese meine Worte hört und nicht danach handelt, ist ein Tor, der sein Haus auf Sand baute.
27 Als ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es ein und wurde völlig zerstört.
28 Und es geschah, als Jesus diese Rede beendet hatte, war die Menge voll Staunen über seine Lehre;

29 denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten.

Im heutigen Evangelium spricht Jesus die letzten Worte der Bergpredigt. Diese sind unglaublich aktuell und wir dürfen sie nicht einfach überlesen.
Nicht der kommt ins Himmelreich, der „Herr! Herr!“ ruft, sondern wer den Willen des Vaters tut. Wer ruft denn Herr, Herr? Wo und zu welchem Anlass? Wir denken an die Gelegenheiten, in denen man öffentlich, also vor anderen Menschen den Namen Gottes anruft. Das geschieht zum Beispiel in der Liturgie. Auch hier gilt wie an vielen anderen Stellen in der Bergpredigt NICHT, dass die Anrufung des Namens Gottes selbst schlecht ist. Jesus möchte auch weiterhin, dass dem Namen Gottes alle Ehre entgegen gebracht wird und er ermutigt die Menschen ja, ganz aktiv zum Vater zu kommen, auf dass er ihnen ihre Bitten erfülle. Doch was er hier kritisiert, ist eine heuchlerische Haltung: Wer nur den Namen Gottes anruft und leere Worte macht, ohne dass Taten folgen, dessen Worte verlieren an Bedeutung. Wer nur „Herr, Herr“ ruft, dann aber so lebt, dass er oder sie Gottes Namen total verunehrt, dessen „Herr, Herr“ ist eine Lüge. Dieser Mensch meint es nicht so. Gott ist nicht sein Herr, vor dem er Achtung hat und dem er dienen möchte. Auch hier kommt es Jesus auf die Herzenshaltung an, also eine Dimension, die man eben nicht sehen kann. Zurück zum Liturgiebeispiel, weil es so schön öffentlich ist: Wer nur fromm vor den Menschen in der Synagoge oder im Tempel tut und vorbildlich die Gebete und Opfer erfüllt, dann aber nach Hause kommt und gottlos lebt, der belügt Gott und sich selbst. Der ist nicht automatisch gerecht vor Gott wegen der erfüllten Gebete und Opfer, weil sie unaufrichtig geschehen sind. Wenn diese Person dann nach dem Tod vor Gott stehen wird, wird Gott fragen: „Was hast du denn von dem umgesetzt und mit nach Hause gebracht, was du so vorbildlich gebetet hast? Was bringt mir dein Opfer, wenn du nach Hause gekommen bist und deine Frau betrogen hast? Oder den Nachbarn bestohlen hast? Wenn du die Liebe nicht gelebt hast, zu der ich dich berufen habe?“
Diese Haltung ist auch heute absolut aktuell: Wie viele machen alles in der Liturgie gut mit, kommen regelmäßig zur Messe und erwecken den Anschein eines frommen Christen? Dann verlassen sie die Kirche und lassen den Herrn dort zurück, kommen nach Hause und leben ein weltliches Leben. Auch an uns appelliert Jesus, dass wir den empfangenen Herrn in unseren Alltag hineintragen, zu den Menschen, die uns begegnen! Was wir gehört haben, sollen wir in unserem Leben umsetzen, konkret geht es um ein Leben nach den Zehn Geboten vor dem Hintergrund des Doppelgebots der Liebe. Auch hier muss man natürlich betonen: Natürlich sollen wir die Liturgie andächtig mitfeiern und es gibt nichts Höheres als die Heilige Eucharistie! Wir sollen natürlich ganz andächtig dabei sein, aber auch hier kommt es wieder auf die Herzenshaltung an: Nehmen wir eine wunderbar andächtige Haltung ein, damit wir von anderen Menschen gesehen und gelobt werden? Oder begreifen wir, dass dort auf dem Altar der Herrscher des Universums anwesend ist, sodass wir nicht anders können, als uns vor ihm niederzuwerfen? Wer aufrichtig ist, der zeigt im Alltag auch gute Früchte.
Warum spricht Jesus über so etwas? Er kritisiert die Haltung der Pharisäer und Schriftgelehrten. Einige Kapitel zuvor sprach er schon von ihrer Gebetshaltung. Sie suchen gerne öffentliche Orte auf, wo sie beim Gebet gesehen werden. Es geht ihnen nicht um die Gottesbeziehung, sondern um die anderen Menschen. Das zeigt ihre innere Gottesferne. Letztendlich geht es um die Liebe: Wer dem Anderen ständig Liebeserklärungen macht, diese aber nicht durch ein konkretes Verhalten beweist, dessen Liebeserklärungen verlieren an Glaubwürdigkeit. Der angeblich Geliebte wird sich dann fragen, ob das wirklich so ist oder ob es sich um leere Worte handelt. So ist es auch bei Gott. Wenn wir ihm sagen: Ja klar liebe ich dich, und ich lobe und preise dich! Dies aber im alltäglichen Leben gar nicht tun oder zeigen, dessen Worte kann Gott nicht ernst nehmen.
Jesus wird am Ende der Zeiten dann sehr streng zu solchen Menschen sagen: „Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Gesetzlosen!“ Das ist sehr drastisch, doch Jesus betont das mit aller Deutlichkeit. Wenn es zu spät ist beim Endgericht, dann wird der Mensch die Konsequenz seiner Heuchelei mit aller Wucht zu spüren bekommen. Jesus sagt das nicht, damit die Menschen Angst bekommen, sondern um sie wachzurütteln. Jetzt ist noch die Gelegenheit, umzukehren. Darum geht es. Sie sollen jetzt ihre Heuchelei ablegen und aufrichtig werden.
Es geht nicht nur darum, Jesus zuzuhören, wenn er etwas gebietet. Entscheidend ist, diese Gebote auch zu erfüllen. Nur dann baut der Mensch auf Felsen. Dieses Bild können wir für den Stand der Gnade verstehen. Wir sind in der gefestigten Beziehung zu Gott, in der wir geschützt sind vor den Angriffen des Bösen. Wir sind dann in Gott und Gott in uns. Die Stürme und Wassermassen – Bilder für die geistigen Angriffe und Versuche des Bösen, uns von Gott wegzuziehen – werden uns dann nicht zerstören. Wir können ihnen dann standhalten.
Wer aber Jesu Worten lauscht, diese dann aber nicht umsetzt, baut auf Sand. Der Mensch, der nicht nach den Geboten Gottes lebt, ist nicht im Stand der Gnade, der ihm einen Schutzwall geboten hätte gegen die Stürme und Wassermassen, die auch ihn heimsuchen werden. Dann wird er kläglich scheitern und in sich zusammenfallen. Jesus ist besonders streng mit jenen, die seinen Willen kennengelernt haben und ihn doch nicht erfüllen. Ihnen ist so eine große Gnade erwiesen worden, doch sie haben diese durch ihre Ignoranz abgelehnt.
Jesu Worte der gesamten Bergpredigt versetzen die Menschen in Staunen, weil Jesus mit göttlicher Vollmacht gesprochen hat. Das unterscheidet ihn grundsätzlich von den Pharisäern. Sie haben die Schrift ausgelegt wie die Vorfahren. Jesus hat nun aber die Schrift erfüllt. Immer wieder sagt er: „Ihr habt gehört, was die Alten gesprochen haben, ich aber sage euch.“
Gerne wird die Bergpredigt mit ihrer Radikalität abgemildert, indem die Passagen symbolisch oder rhetorisch ausgelegt werden. Aber die Radikalität Jesu muss ernstgenommen werden. Es geht hier nämlich um die Liebe. Sie ist der Kern der ganzen Predigt. Und Liebe geht immer aufs Ganze. Wer ein Problem mit Jesu Worten hat, muss sich fragen ob er oder sie Jesus wirklich liebt.
Wenn unser Herz dagegen ganz bei Gott ist bzw. ihm ganz gehört, dann werden wir die Worte Jesu verstehen. Wir werden dann ganz nachvollziehen können, warum schon der begehrliche Blick ein Ehebruch im Herzen ist. Wir möchten Gott gegenüber ganz aufrichtig sein und kommen gar nicht auf die Idee, ihm etwas im Herzen vorzumachen.

Jesu Worte dringen ganz in unser Herz und stellen uns vor die Fragen: „Wie ist es bei mir? Bin ich aufrichtig in allem? Zeige ich ihm meine Liebe durch Taten? Ist mein Herz ganz ungeteilt für ihn, der mein Geliebter ist?“

Ihre Magstrauss

Geburt Johannes‘ des Täufers (Hochfest)

Jer 1,4-10; Ps 71,5-6.7-8.15 u. 17; 1 Petr 1,8-12; Lk 1,5-17

Heute feiern wir das Hochfest der Geburt Johannes‘ des Täufers. Er ist ein so wichtiger Heiliger bzw. eine so entscheidende heilsgeschichtliche Gestalt, dass wir seinen Geburtstag feiern. Das ist bei Heiligenfesten sehr selten der Fall. Umso bedeutender ist also dieser heutige Heilige.

Jer 1
4 Das Wort des HERRN erging an mich:

5 Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen, noch ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt, zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt.
6 Da sagte ich: Ach, Herr und GOTT, ich kann doch nicht reden, ich bin ja noch so jung.
7 Aber der HERR erwiderte mir: Sag nicht: Ich bin noch so jung. Wohin ich dich auch sende, dahin sollst du gehen, und was ich dir auftrage, das sollst du verkünden.
8 Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin mit dir, um dich zu retten – Spruch des HERRN.
9 Dann streckte der HERR seine Hand aus, berührte meinen Mund und sagte zu mir: Hiermit lege ich meine Worte in deinen Mund.
10 Sieh her! Am heutigen Tag setze ich dich über Völker und Reiche; du sollst ausreißen und niederreißen, vernichten und zerstören, aufbauen und einpflanzen.

Als erste Lesung hören wir heute die Berufung des Propheten Jeremia. Das ist deshalb eine so passende Lesung, weil es um die Erwählung eines Menschen zu einer besonderen Aufgabe geht. Beide, sowohl Jeremia als auch Johannes der Täufer, hat Gott bereits „ausersehen“, bevor sie geboren werden. Bereits im Mutterleib sind sie beide geheiligt worden, das heißt vom Rest unterschieden. Das ist vergleichbar mit dem priesterlichen Stamm Levi, der von den anderen Völkern abgegrenzt und geheiligt worden ist.
Jeremia ist für seinen eher pessimistischen Charakter oder einfach für seinen Realismus bekannt. So schaut er auf seinen gegenwärtigen Zustand und entgegnet Gott, dass er noch zu jung und nicht fähig zu einer guten Artikulation sei.
Doch Gott lehnt so eine Haltung ab. Er beruft nicht die Fähigen, sondern befähigt die Berufenen. Deshalb betont er die Berufung: „Wohin ich dich auch sende, dahin sollst du gehen, und was ich dir auftrage, das sollst du verkünden.“ Gleichzeitig ermutigt er Jeremia, dass er keine Angst haben muss. Gott selbst wird mit ihm sein, um ihn zu retten.
Gott „berührt“ Jeremias Mund mit seiner „Hand“. Das ist bildhaft gemeint, denn Gott kann als reiner Geist keine Hand haben. Und doch hat ihn ja etwas oder jemand berührt. Entweder ergehen die Worte Gottes durch einen Engel – doch auch diese sind Geistwesen. Engel als Boten Gottes überbringen dessen Botschaft. Dazu würde auch das „Spruch des HERRN“ passen. Oder Jeremia fühlt sich auf eine Weise am Mund berührt.
Seine Berufung besteht darin, inmitten von Völkern und Reichen aufzutreten. Dabei soll er „ausreißen und niederreißen, vernichten und zerstören, aufbauen und einpflanzen.“ Diese Gartenmotivik ist sehr passend, um die beiden Seiten seiner Verkündigung zu verdeutlichen: Einerseits soll er Gerichtspredigt halten, wozu die ersten vier Begriffe passen. Andererseits soll er Hoffnung spenden und das Heil Gottes ankündigen.
In diesen beiden Aspekten des prophetischen Wirkens sind wir ganz bei Johannes dem Täufer. Er hat eine raue Gerichtspredigt vollzogen, in der er mit drastischen Bildern und Bezeichnungen die Menschen aufgerüttelt hat – bis hin zur Schlangenbrut. Zugleich hat er auf das Heil Jesu Christi verwiesen, dessen er nicht einmal würdig war, die Riemen der Sandalen zu lösen.

Ps 71
5 Denn du bist meine Hoffnung, Herr und GOTT, meine Zuversicht von Jugend auf.

6 Vom Mutterleib an habe ich mich auf dich gestützt, aus dem Schoß meiner Mutter hast du mich entbunden, dir gilt mein Lobpreis allezeit.
7 Für viele wurde ich wie ein Gezeichneter, du aber bist meine starke Zuflucht.
8 Mein Mund ist erfüllt von deinem Lobpreis, den ganzen Tag von deinem Glanz.
15 Mein Mund soll von deiner Gerechtigkeit künden, den ganzen Tag von deinen rettenden Taten, denn ich kann sie nicht zählen.

17 Gott, du hast mich gelehrt von Jugend auf und bis heute verkünde ich deine Wunder.

Als Antwort auf die Berufung des Jeremia beten wir den Bittpsalm 71. Die hier verwendeten Verse sind als Vertrauensbekundungen zu betrachten.
Gott ist Hoffnung und Zuversicht für den Psalmbeter schon von Jugend auf. Wir sehen König David vor uns, der schon in jungen Jahren Gottes Ruf gefolgt ist. Ihn hat er gesalbt und somit seinen Geist auf ihn gelegt. Er ist als Feldherr König Sauls und in jungen Jahren selbst König geworden. Bei allem, was er tat, vertraute er immer ganz auf Gott. In jungen Jahren ist auch Jeremia berufen worden zu einem Dienst als Prophet Gottes. Er hat bei seinem Wirken stets auf Gott vertraut. Beide sind als Typoi des Antitypos Johannes zu verstehen. Er ist nicht nur in jungen Jahren schon zum Zeugen Jesu Christi geworden wie die anderen beiden. Er bezeugte ihn bereits im Mutterschoß der Elisabet, als Maria sie besuchte. So wird Vers 6 dieses Psalms nicht nur im übertragenen Sinne verstanden, sondern im wahrsten Sinne des Wortes. Während Jeremia und David im Mutterleib schon zu einem besonderen Dienst berufen sind, wirkt Johannes schon im Mutterleib als Prophet. Er preist Gott bereits als Ungeborener, indem er vor dem ungeborenen Christus „tanzt“, das heißt hüpft, ganz als Antitypos Davids, der vor der Bundeslade getanzt und gehüpft hat.
„Für viele wurde ich wie ein Gezeichneter“. Das hebräische Wort כְּ֭מֹופֵת k’mofet ist eigentlich zu übersetzen mit „wie ein Wunder“ oder „wie ein gutes Vorbild“. Das kann König David wirklich von sich sagen. Er ist in vielen Aspekten zu einem Vorbild geworden: als König, in seinen militärischen Siegen, als frommer Jude, in seiner Gottesbeziehung. Und doch hat er all diese guten Eigenschaften nie auf sich selbst bezogen, sondern auf Gott zurückgeführt, der seine „starke Zuflucht“ ist. Das hat ihn immer bescheiden gehalten. Beziehen wir es auf den Täufer, können wir das ebenfalls bestätigen. Er hat mit seiner Bußpredigt und Bußtaufe eine ganze Volksbewegung in Gang gesetzt, wie es sogar der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus bezeugt. Und viele haben gedacht, dass er der Messias sei. Doch er hat diesen Ruhm nie auf sich bezogen, sondern klar gesagt: Nein, ich bin nicht der Messias. Sondern der, der nach mir kommt, ist stärker als ich. Er sagt sogar, dass er nicht mal als sein Sklave würdig sei, indem er ihm seine Schuhe auszieht. So groß ist der Unterschied zwischen ihm und Jesus Christus.
König David als Psalmenbeter ist wirklich jemand, der den ganzen Tag vom Lobpreis Gottes erfüllt ist. Er hat König Saul schon viele Lieder auf der Laute gespielt. Er ist es, der den jüdischen Festkalender ausgebaut und so viele Lieder komponiert hat. Und doch ist Johannes ihm in einer Sache voraus: Er hat schon mit dem Lobpreis und Tanz begonnen, bevor David überhaupt geboren worden ist.
In Vers 15 haben wir eine Art Gelübde vor uns, denn der Beter fordert sich selbst zum immerwährenden Lobpreis und Dank auf. Da Gott so viele Heilstaten begeht, kann der Mund nicht aufhören, von ihnen zu berichten. Gottes Gerechtigkeit ist zu überwältigend, als dass über sie auch nur ein Moment geschwiegen werden kann.
Gott selbst hat die Propheten gelehrt und erfüllt. Er hat ihnen die Worte in den Mund gelegt (siehe Jeremias Berufungsgeschichte) und mit dem Hl. Geist erfüllt. Bis zu ihrem Lebensende haben sie Gottes Wunder verkündet. Das betrifft David, Jeremia und Johannes den Täufer. Und doch hat keiner dieselbe Ehre erhalten wie Johannes, nämlich den Herrn höchstpersönlich sehen zu dürfen. Das macht ihn zu einem der größten Heiligen.

1 Petr 1
8 Ihn habt ihr nicht gesehen und dennoch liebt ihr ihn; ihr seht ihn auch jetzt nicht; aber ihr glaubt an ihn und jubelt in unaussprechlicher und von Herrlichkeit erfüllter Freude,

9 da ihr das Ziel eures Glaubens empfangen werdet: eure Rettung.
10 Nach dieser Rettung haben die Propheten gesucht und geforscht und sie haben über die Gnade geweissagt, die für euch bestimmt ist.

11 Sie haben nachgeforscht, auf welche Zeit und welche Umstände der in ihnen wirkende Geist Christi hindeute, der die Leiden Christi und die darauf folgende Herrlichkeit im Voraus bezeugte.
12 Ihnen wurde offenbart, dass sie damit nicht sich selbst, sondern euch dienten; und jetzt ist euch dies alles von denen verkündet worden, die euch in der Kraft des vom Himmel gesandten Heiligen Geistes das Evangelium gebracht haben. Das alles zu sehen ist sogar das Verlangen der Engel.

In der zweiten Lesung hören wir aus dem ersten Petrusbrief, in dem es zu Anfang um den Glauben an Christus geht, den die Adressaten nicht selbst gesehen haben. Sie sind keine Augenzeugen Jesu Christi. Sie haben ihn nicht mit Augen gesehen und doch lieben sie ihn. Sie glauben, dass er der Retter ist. Sie vertrauen fest darauf, dass er wirklich für sie gestorben ist, und jubeln voller eschatologischer Freude über das ewige Leben als erlöste Kinder Gottes. Der Grund für die Freude ist die Erlösung – σωτηρία soteria heißt auf Deutsch sowohl „Rettung“ als auch „Erlösung“. Weil Christus die ganze Welt erlöst hat und die Christen es in der Taufe gläubig angenommen haben, ist das absoluter Grund zur Freude.
Dieses entscheidende Ereignis ist das Ziel. Bis es dazu kam, haben die Propheten es schon angekündigt. Sie haben danach gestrebt und doch ist ihnen die persönliche Schau des Retters und die Erlösung zu ihren Lebzeiten verwehrt geblieben. König David ist gestorben, noch bevor Christus geboren werden konnte. Jeremia ist gestorben, bevor Gott Mensch geworden ist. Johannes ist zwar auch gestorben, bevor Christus gestorben und auferstanden ist, doch durfte er mit seinen eigenen Augen den Messias sehen. Er durfte ihn sogar berühren, er durfte ihn taufen!
Und letztendlich haben die Propheten des Alten Bundes mit ihren Weissagungen und Ankündigungen den Christen gedient, an die Petrus den Brief richtet! Sie profitieren nun von diesen Worten, weil sie durch das Weissagung-Erfüllung-Schema zum Glauben kommen. Selbst die Engel haben sich gewünscht, das Evangelium zu erhalten. Doch es ist den Menschen durch den Hl. Geist offenbart worden. Christus hat aber die Menschen erlöst.
Petrus geht es darum, den Adressaten die überwältigende Gnade zu verdeutlichen, die ihnen zuteilgeworden und keineswegs selbstverständlich ist. In den Evangelien sagt Jesus etwas Ähnliches zu seinen Aposteln. Wie sehr haben sich die Propheten und Könige, Jeremia und David, sich gewünscht, Christus mit eigenen Augen zu sehen. Und das ist den Aposteln nun geschenkt worden! Was für eine Ehre! Dies ist auch dem Täufer auf besondere Weise geschenkt worden, indem er mit ihm verwandt ist und ihm sogar schon als Ungeborener begegnen darf.

Lk 1
5 Es gab in den Tagen des Herodes, des Königs von Judäa, einen Priester namens Zacharias, der zur Abteilung des Abija gehörte. Seine Frau stammte aus dem Geschlecht Aarons; ihr Name war Elisabet.

6 Beide lebten gerecht vor Gott und wandelten untadelig nach allen Geboten und Vorschriften des Herrn.
7 Sie hatten keine Kinder, denn Elisabet war unfruchtbar und beide waren schon in vorgerücktem Alter.
8 Es geschah aber, als seine Abteilung wieder an der Reihe war und er den priesterlichen Dienst vor Gott verrichtete,
9 da traf ihn, wie nach der Priesterordnung üblich, das Los, in den Tempel des Herrn hineinzugehen und das Rauchopfer darzubringen.
10 Während er nun zur festgelegten Zeit das Rauchopfer darbrachte, stand das ganze Volk draußen und betete.
11 Da erschien dem Zacharias ein Engel des Herrn; er stand auf der rechten Seite des Rauchopferaltars.
12 Als Zacharias ihn sah, erschrak er und es befiel ihn Furcht.
13 Der Engel aber sagte zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias! Dein Gebet ist erhört worden. Deine Frau Elisabet wird dir einen Sohn gebären; dem sollst du den Namen Johannes geben.
14 Du wirst dich freuen und jubeln und viele werden sich über seine Geburt freuen.
15 Denn er wird groß sein vor dem Herrn. Wein und berauschende Getränke wird er nicht trinken und schon vom Mutterleib an wird er vom Heiligen Geist erfüllt sein.
16 Viele Kinder Israels wird er zum Herrn, ihrem Gott, hinwenden.
17 Er wird ihm mit dem Geist und mit der Kraft des Elija vorangehen, um die Herzen der Väter den Kindern zuzuwenden und die Ungehorsamen zu gerechter Gesinnung zu führen und so das Volk für den Herrn bereit zu machen.

Im Evangelium hören wir von der Vorgeschichte der Geburt des Täufers. Gott erwählt sich ein Ehepaar und lässt dessen Kinderlosigkeit zu. In diesem Fall ist es so, wie später Jesus immer wieder sagen wird: Menschen leiden nicht nur als Konsequenz ihrer Sünde, sondern manchmal auch, weil sie zu Werkzeugen der Offenbarung Gottes werden. Die heutige Perikope beschreibt, dass sowohl der Priester Zacharias als auch seine Frau Elisabet gerechte Menschen sind, die die Gebote Gottes befolgen.
Als Zacharias seinen priesterlichen Dienst im Tempel ausführt, hat er eine Engelserscheinung, in der ihm die Geburt eines Sohnes offenbart wird. Dieser Sohn ist eine Gebetserhörung Gottes und er soll ihn Johannes nennen. Interessant ist in dem Kontext, dass Zacharias Angst bekommt, als er den Engel sieht. Das ist ein Gegenbeispiel zur Muttergottes, die nicht vor dem Engel erschrickt, sondern vor dessen Anrede. Hier merken wir, dass Zacharias ein gewöhnlicher Mensch ist, wenn auch ein auserwählter.
Johannes‘ Leben und Berufung ist eine Heiligung, das heißt eine Unterscheidung von anderen Lebensstilen: Er wird sich des Alkohols enthalten und vom Hl. Geist erfüllt sein. Ob auch er im Nasiräat leben wird, wird hier offen gelassen. Es ist eher von der asketischen Lebensweise der Essener auszugehen, denen er nahestehen wird. Der Alkoholverzicht ist wichtig für sein prophetisches Wirken. Er wird das Kommen des Messias ankündigen und dabei zur Buße und zur Wachsamkeit aufrufen. Alkoholrausch ist das Gegenteil von dem Kern seiner späteren Verkündigung. Denn wer im Rausch ist, kann nicht wachsam sein. Er kündigt ja die Endzeit an und so auch die entsprechende Haltung des Menschen. Wie Gott von seinen Propheten auch schon im AT verlangt er eine Lebensweise von seinen Berufenen, die zu deren Verkündigung kongruent ist und deren Botschaft noch unterstreicht. Wenn Johannes‘ Botschaft die nüchterne Erwartung des Messias ist, muss er selbst nüchtern leben. Und gerade durch diesen Lebensstil wird er die „Kinder Israels“ zu Gott bringen. Aus seiner Verkündigung tritt eine regelrechte Volksbewegung los, die sogar die religiöse Elite kommen lässt.
Schon der Erzengel Gabriel erklärt dem schriftkundigen Priester Zacharias, dass sein Sohn der wiederkommende Elija sein wird, den die Juden erwarteten. Das heißt, dass der Täufer mit demselben Geist und der Kraft auftreten wird wie Elija.
Johannes wird viele Menschen bekehren und so für den Messias bereit machen.
Gott lässt die Kinderlosigkeit und die dann unerwartete Zeugung eines Kindes meistens da zu, wo Menschen ihm geweiht werden sollen. Interessant ist, dass die erlittene Unfruchtbarkeit der Eltern sich in eine überdimensionale Fruchtbarkeit geistiger Art wandelt. Johannes führt so viele Menschen zur Umkehr, dass sie Christus erwarten können und in ihm neugeboren werden können. Er lässt die geistige Familie so unglaublich groß werden. Maria, die in einem lebenslangen Jungfräulichkeitsgelübde lebt und somit biologisch eigentlich nie fruchtbar werden wird, wird zur Mutter aller Menschen. Ihre geistige Mutterschaft übertrifft die Fruchtbarkeit biologischer Mütter um ein unendlich Vielfaches. Das Leiden ihrer Eltern über die Kinderlosigkeit ist zur eschatologischen Freude des Himmels geworden – bis hin zu den Adressaten des Petrusbriefes und zu uns in der heutigen Zeit!

Johannes der Täufer ist eine entscheidende heilsgeschichtliche Gestalt. Er steht zwischen den Testamenten. Er ist die Stimme des Rufers in der Wüste: „Bereitet den Weg des HERRN.“ Er hilft auch uns heute dabei, uns auf das zweite Kommen Jesu Christi vorzubereiten, indem wir wachsam sind, Buße tun und umkehren zum Willen Gottes. Heiliger Johannes, bitte für uns!

Ihre Magstrauss

Dienstag der 12. Woche im Jahreskreis

2 Kön 19,9b-11.14-21.31-35a.36; Ps 48,2-3b.3c-4.10-11; Mt 7,6.12-14

2 Kön 19
9 Sanherib sandte erneut Boten zu Hiskija, um ihm zu sagen:
10 So sollt ihr zu Hiskija, dem König von Juda, sagen: Dein Gott täusche dich nicht, auf den du vertraust, wenn du sagst: Jerusalem wird nicht in die Hand des Königs von Assur gegeben werden.
11 Siehe, du hast doch gehört, was die Könige von Assur mit allen Ländern gemacht haben. Sie haben an ihnen den Bann vollzogen. Und du solltest gerettet werden?
14 Hiskija nahm das Schreiben von den Boten in Empfang und las es. Dann ging er zum Haus des HERRN hinauf, breitete das Schreiben vor dem HERRN aus
15 und betete vor dem HERRN; er sagte: HERR, Gott Israels, der über den Kerubim thront, du allein bist der Gott aller Reiche der Erde. Du hast den Himmel und die Erde gemacht.
16 Neige, HERR, dein Ohr und höre! Öffne, HERR, deine Augen und sieh her! Höre die Worte Sanheribs, der seinen Boten hergesandt hat, um den lebendigen Gott zu verhöhnen.
17 Es ist wahr, HERR, die Könige von Assur haben die Völker vernichtet, ihre Länder verwüstet
18 und ihre Götter ins Feuer geworfen. Denn das waren keine Götter, sondern Werke von Menschenhand, aus Holz und Stein; darum konnte man sie vernichten.
19 Nun aber, HERR, unser Gott, rette uns aus seiner Hand, damit alle Reiche der Erde erkennen, dass du, HERR, Gott bist, du allein!
20 Jesaja, der Sohn des Amoz, schickte zu Hiskija und ließ ihm sagen: So spricht der HERR, der Gott Israels: Du hast zu mir wegen Sanherib, des Königs von Assur, gebetet. Ich habe es gehört.
21 Das ist das Wort, das der HERR über ihn gesprochen hat: Dich verachtet, dich verspottet die Jungfrau, die Tochter Zion. Hinter dir schüttelt die Tochter Jerusalem den Kopf über dich.
31 Denn von Jerusalem wird ein Rest ausziehen, vom Berg Zion ziehen die Geretteten hinaus. Der Eifer des HERRN wird das vollbringen.
32 Darum – so spricht der HERR über den König von Assur: Er wird nicht in diese Stadt eindringen; er wird keinen einzigen Pfeil hineinschießen, er wird nicht unter dem Schutz seines Schildes gegen sie anrennen und keinen Wall gegen sie aufschütten.
33 Auf dem Weg, auf dem er gekommen ist, wird er wieder zurückkehren. Aber in diese Stadt wird er nicht eindringen – Spruch des HERRN.
34 Ich werde diese Stadt beschützen und retten, um meinetwillen und um meines Knechtes David willen.
35 In jener Nacht zog der Engel des HERRN aus und erschlug im Lager der Assyrer hundertfünfundachtzigtausend Mann.
36 Da brach Sanherib, der König von Assur, auf und kehrte in sein Land zurück. Er blieb in Ninive.

Gestern ging es in der Lesung um die Israeliten des Nordreiches. Aufgrund ihres Götzendienstes und der Taubheit gegenüber prophetischen Warnrufen ließ Gott zu, dass die Assyrer das Nordreich einnahmen und die Israeliten deportierten. In der heutigen Lesung geht es um die Israeliten des Südreiches. Wir hören von König Hiskija, einem sehr frommen König, der eine Kultreform durchführte. Er ließ alle Kulthöhen, Pfähle, Heiligtümer zerstören, damit nur noch der eine Gott JHWH angebetet werde. Es ist aber so, dass die Assyrer nun auch Juda bedrängen und es in Besitz nehmen wollen. Hiskija betet zum Herrn und trägt zerrissene Kleider. Er nimmt eine Bußhaltung ein und sein Gebet wird erhört. Der Prophet Jesaja übermittelt ihm die Botschaft von Gott, dass der assyrische König Sanherib aufgrund eines Gerüchtes von Juda ablassen werde.
Was nun passiert, hören wir in der Lesung: Sanherib übermittelt dem König von Juda die Botschaft, dass er nicht auf seinen Gott vertrauen soll, weil dieser nichts gegen ihn ausrichten kann. Er vergleicht die Situation mit allen anderen Völkern ringum, die den Assyrern zum Opfer gefallen sind. Hiskija reagiert nicht mit Panik, sondern bringt das Schreiben betend vor Gott ins Heiligtum. Er reagiert wie König David, der sich in Notsituationen mit ganzer Kraft an Gott geklammert hat. So betet er ein psalmenartiges Bittgebet, bei dem er Gott als den Schöpfer des Himmels und der Erde bezeichnet. Dann bittet er um Rettung Gottes. Er hält mit ihm Zwiesprache, bei der er die Sache Geschehnisse reflektiert. Dabei erkennen wir, dass Hiskija den entscheidenden Unterschied begriffen hat: Assur konnte all die anderen Völker unterdrücken und ihre Götterbilder verbrennen, weil es ja keine echten Götter sind, sondern Götzen, Nichtigkeiten. Das Königreich Juda ist betet aber den einen wahren Gott an, den Schöpfer des Himmels und der Erde und den Allherrscher.
Sein vertrauensvolles Gebet wird erhört. Wieder empfängt Jesaja eine Botschaft für den König mit der Bestätigung: „Ich habe es gehört.“ Gott ist unsere Not nicht egal. Er hört unser Rufen und rettet uns aus der Notsituation. Weil Hiskija sich ihm ganz anvertraut hat, antwortet dieser über Jesaja, dass die Assyrer Jerusalem nicht einnehmen werden. Vielmehr wird der König von Assur auf demselben Weg wieder zurückkehren. Gott wird Jerusalem um Davids willen beschützen. So sehr liebt Gott David, dass er ihm zuliebe Jerusalem beschützt!
Es kommt tatsächlich so, wie Gott es versprochen hat, weil der Engel des HERRN in der Nacht 185.000 Assyrer erschlägt. Sanherib zieht zurück in seine Heimat, weil er wohl die Hand des Gottes der Israeliten realisiert hat. So wird Juda gerettet. Alles hing vom Glauben des Königs ab, der sein ganzes Vertrauen auf Gott gesetzt hat. Das ist der Unterschied zum König von Samaria in der gestrigen Lesung.

Ps 48
2 Groß ist der HERR und hoch zu loben in der Stadt unseres Gottes.

3 Sein heiliger Berg ragt herrlich empor; er ist die Freude der ganzen Erde. Der Berg Zion liegt weit im Norden; er ist die Stadt des großen Königs.
4 Gott ist in ihren Palästen, als sichere Burg erwiesen.
10 Wir haben, Gott, deine Huld bedacht inmitten deines Tempels.
11 Wie dein Name, Gott, so reicht dein Ruhm bis an die Enden der Erde; deine Rechte ist voll von Gerechtigkeit.

Als Antwort auf die erwirkte Rettungsaktion Gottes beten wir Ps 48, das zu den Zionsliedern gehört. Dabei handelt es sich um Preislieder, die die Stadt Gottes loben und die Ohnmacht ihrer Feinde gegenüber Gottes Allmacht beschreiben.
So ist Vers 2 von dem Lobpreis Gottes geprägt. Er ist „hoch zu loben“ in Jerusalem. Die Stadt wird immer wieder als Stadt Gottes bezeichnet, was vor allem mit dem Tempel zusammenhängt. Dort wohnt seine Herrlichkeit auf besondere Weise.
Der heilige Berg in Vers 3 bezieht sich auf den Zion, auf dem die Stadt und der Tempel erbaut sind. Zion ist „die Freude der ganzen Erde“. Das müssen wir ebenfalls auf Gottes Gegenwart im Tempel zurückführen. Von hier aus geht nämlich das Heil aus, das sich auf die ganze Erde ausbreitet. Wir denken an die Aussage Jesu selbst: „Das Heil kommt von den Juden“. Es ist aber ein universales Heil, denn er hat uns erlöst von all unseren Sünden. Auf dem Zion ist er dargebracht worden als ultimatives Sühneopfer. Die erwirkte Gnade ist aber übergegangen auf die ganze Welt, bis zu den „Inseln“, bis an die „Enden der Erde“. Freude ist so nicht nur eine übernatürliche Gnade Gottes, sondern wird auch zum Zeichen der angebrochenen Endzeit.
Die Rede vom Gottesberg im hohen Norden stellt einen theologischen Code dar, keine reale geographische Aussage. Zion liegt ja eigentlich im Süden des Landes. In jener Zeit gibt es bei den umliegenden Völkern die Vorstellung eines mythischen Gottesberges, den man im Norden suchen muss. Hier wird diese Vorstellung auf Zion und den einzig wahren Gott übertragen. Der Code sagt also den Betern: Nicht irgendein mythischer Berg ist der Gottesberg, sondern der Zion, auf dem Gott so wunderbare Zeichen wirkt und real gegenwärtig ist.
Gott wohnt hier und er ist die eigentliche sichere Burg. Kein menschlicher Palast kann das Volk so sicher beschützen wie er. Wir haben es heute in der Lesung gehört. Hiskija hätte mit menschlichen Anstrengungen die Assyrer nicht zurückhalten können. Die vielen eroberten Völker ringsum haben es gezeigt.
„Wir haben, Gott, deine Huld bedacht inmitten deines Tempels“ ist uns heute durch König Hiskija vor Augen geführt worden. Er hat wahrlich Gottes Huld bedacht und diesen voller Vertrauen, gleichsam mit der Haltung König Davids, um Schutz und Sieg angefleht. Und Gott hat ihn nicht enttäuscht.
Wie Gottes Name ist auch sein Ruhm universal. „Bis an die Enden der Erde“ wird Gott bereits jetzt schon gerühmt. Auf der ganzen Welt sind Menschen zum Glauben an ihn gekommen und preisen ihn mit ihrem ganzen Leben. Und am Ende der Zeiten, wenn er seine ganze Herrlichkeit offenbaren wird, wird sein Ruhm ganz unverhüllt bis an die Enden der Erde offenbart werden.

Mt 7
6 Gebt das Heilige nicht den Hunden und werft eure Perlen nicht den Schweinen vor, denn sie könnten sie mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen!
12 Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.
13 Geht durch das enge Tor! Denn weit ist das Tor und breit der Weg, der ins Verderben führt, und es sind viele, die auf ihm gehen.
14 Wie eng ist das Tor und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und es sind wenige, die ihn finden.

Im heutigen Ausschnitt aus der Bergpredigt spricht Jesus zunächst von den Perlen, dem Kostbaren und Heiligen, das man nicht jenen vorwerfen soll, die es nicht schätzen. Es gibt immer Menschen, die das Evangelium Gottes „mit ihren Füßen zertreten“, obwohl es das kostbarste Gut ist, was sie erlangen können. Ihm geht es nicht darum, die Verkündigung auf einen elitären Kreis einzuschränken, denn vor seiner Himmelfahrt sagt er ja, dass sie alle Menschen zu seinen Jüngern machen sollen. Worum es Jesus hier geht, ist die anhaltende Ablehnung, was wir Verstocktheit nennen. Wenn die Jünger zukünftig evangelisieren und dabei wiederholt auf Ablehnung stoßen, sollen sie nicht über den Widerstand der Zuhörer hinweg weiter verkünden, sondern lieber ihre Kapazitäten jenen zuwenden, die es hören wollen, die das Evangelium schätzen und den Wert erkennen. Die Jünger müssen bedenken, dass sie eine geistliche Verantwortung für alle Menschen haben und sich nicht an einzelnen aufreiben dürfen, die „sich umwenden“ und sie „zerreißen“ könnten. An anderer Stelle erklärt Jesus, dass sie bei Ablehnung nicht lange zögern sollen, sondern gehen und den Staub von ihren Füßen als Zeichen gegen sie abschütteln sollen. Darin handeln sie dem Wesen Gottes nach. Dieser bietet nämlich auch allen das Heil an. Doch wer das Heil ablehnt, dessen freien Willen achtet er. So sollen es auch seine Jünger tun.
Als nächstes bringt Jesus die sogenannte Goldene Regel an. Sie fasst die Zehn Gebote vor dem Hintergrund des Doppelgebotes der Liebe zusammen. Das macht sie zu Gold, zum absoluten Schatz: Wir sollen andere Menschen so behandeln, wie wir selbst gerne behandelt werden möchten. Das ist die Zusammenfassung des Gesetzes und der Propheten. Dieses Begriffspaar steht für die Heilige Schrift der Juden, die aus Torah (das meint nämlich der Begriff „Gesetz“) und der prophetischen Bücher besteht.
Dann appelliert Jesus an die Zuhörer, sich voll und ganz anzustrengen für das Reich Gottes. Die Tür oder das Tor ist sehr eng. Der Weg zum Himmelreich ist anstrengend und hat mit vielen Entbehrungen zu tun. Gott in dieser Welt nachzufolgen, ist kein komfortabler oder attraktiver Weg. Der Preis ist aber so unendlich hoch, dass er alles wieder „entschädigt“. Der Weg in die Hölle ist dagegen breit. Er ist sehr attraktiv gestaltet und mit vielen falschen Versprechungen gepflastert. Die Hölle ist die absolut schrecklichste Sache, die es gibt. Weil keiner dort hingehen würde, wenn er oder sie das vollständig begriffen hat, muss der Weg dorthin umso attraktiver gestaltet werden…
Leider fallen viele darauf herein. Umso mehr braucht Jesus unsere Mithilfe, indem wir das Evangelium verkünden und die Menschen auf den schmalen Weg einladen. Nur über diesen Weg, der Jesus selbst ist (Joh 14), können wir Menschen das ewige Leben erhalten.

Vergessen wir diese Worte nie, denn auch wir sind immer der Versuchung ausgesetzt, das anstrengende Schwimmen gegen den Strom aufzugeben und mit der Masse auf dem breiten Weg mitzugehen. Doch dann erwartet uns am Ende des Weges der ewige Tod. Gott ruft uns immer wieder zu, umzukehren, denn er möchte uns nicht verlieren. Beten wir um Umkehr, dass möglichst viele von diesem Weg abkehren und sich auf den schmalen Weg in das ewige Leben begeben!

Ihre Magstrauss

Montag der 12. Woche im Jahreskreis

2 Kön 17,5-8.13-15a.18; Ps 60,3-4.5 u. 12.13-14; Mt 7,1-5

2 Kön 17
5 Der König von Assur fiel über das ganze Land her, rückte gegen Samaria vor und belagerte es drei Jahre lang.
6 Im neunten Jahr Hoscheas eroberte er die Stadt, verschleppte die Israeliten nach Assur und siedelte sie in Halach, am Habor, einem Fluss von Gosan, und in den Städten der Meder an.
7 Das geschah, weil die Israeliten sich gegen den HERRN, ihren Gott, versündigten, der sie aus Ägypten, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten, heraufgeführt hatte. Sie verehrten fremde Götter,
8 ahmten die Satzungen der Völker nach, die der HERR vor den Israeliten vertrieben hatte, und folgten dem Beispiel, das die Könige von Israel gaben.
13 Der HERR warnte Israel und Juda durch alle seine Propheten, durch alle Seher: Kehrt um von euren bösen Wegen, achtet auf meine Gebote und meine Satzungen genau nach der ganzen Weisung, die ich euren Vätern geboten und euch durch meine Knechte, die Propheten, verkündet habe!
14 Doch sie wollten nicht hören, sondern versteiften ihre Nacken wie ihre Väter, die nicht auf den HERRN, ihren Gott, vertrauten.
15 Sie verwarfen seine Gesetze und den Bund, den er mit ihren Vätern geschlossen hatte, und verschmähten die Warnungen, die er an sie richtete.
18 Darum wurde der HERR über Israel sehr zornig. Er verstieß es von seinem Angesicht, sodass der Stamm Juda allein übrig blieb.

In dieser Woche hören wir weiterhin aus dem zweiten Buch der Könige. Wie in den Werktagen zuvor geht es heute um einen gottlosen König, der aber nicht ganz so schlimm wie seine Vorfahren ist. In Samaria herrscht zu jener Zeit Hoschea, der Sohn Elas. In seinen neun Jahren Regierungszeit tut er, „was böse ist in Gottes Augen“. Für uns ist so eine Wendung zumeist ein Hinweis auf Götzendienst. In den Kapiteln zuvor werden immer wieder Könige des Nordreichs aufgezählt, die gottlos regiert haben. Sie werden immer wieder mit Jerobeam verglichen, der hier als ultimativer Gottesfeind charakterisiert wird. Hoschea ist im heutigen Abschnitt also längst nicht so götzendienerisch wie Jerobeam und dessen Nachfolger. Und doch missachtet er die Gebote Gottes. Deshalb lässt dieser zu, das die Assyrer über das Land herfallen. Ganze drei Jahre belagern sie Samaria und erobern dann die Hauptstadt. Die Israeliten werden nach Assur verschleppt. Das Nordreich ist von den Assyrern eingenommen und das ist nicht allein die Schuld Hoscheas, sondern die Konsequenz der Sünde der gesamten königlichen Vorfahren (ausgenommen einige gottesfürchtige Ausnahmen). Hier wird die Begründung explizit genannt. Es liegt an dem Treuebruch gegenüber ihrem Gott, der sie aus Ägypten heraufgeführt hat. Stattdessen hat Israel (mit „Israel“ ist zu jener Zeit immer das Nordreich im Gegensatz zum Südreich gemeint, das dann mit „Juda“ betitelt wird) fremde Götter angebetet. Bevor es so weit gekommen ist, hat Gott durch seine Propheten immer wieder gewarnt – sowohl das Nord- als auch das Südreich. Doch sie haben nicht auf sie gehört, sondern „den Nacken versteift.“ Mit dieser Formulierung wird die Verstocktheit des Volkes umschrieben.
Deshalb geschieht das Drastische. Die Assyrer nehmen das Nordreich in Besitz und die Stämme werden deportiert. Nun ist nur noch Juda übrig. Dies meint nicht den Stamm Juda, sondern das Südreich, zu dem auch die Leviten gehören. So hat sich Israel die Katastrophe selbst ausgesucht. Juda wird noch ein Jahrhundert länger frei bleiben, doch dann wird es das Südreich auch treffen. Die Babylonier werden zuschlagen und sogar den Tempel zerstören. Das wird das größte Trauma darstellen.
Gott gibt immer wieder Chancen zur Umkehr, aber wir müssen bedenken, dass Gott in unserer Verstocktheit immer drastischere Maßnahmen ergreifen muss. Sonst kann er unser taub gewordenes Gewissen gar nicht erreichen. Dies gilt für das Nord- und Südreich in alttestamentlicher Zeit. Dies gilt aber auch für uns heute.

Ps 60
3 Gott, du hast uns verstoßen, du hast eine Bresche in uns geschlagen, du hast uns gezürnt – wende dich uns wieder zu!
4 Erschüttert hast du das Land und gespalten. Heile seine Risse! Denn es kam ins Wanken.
5 Hartes ließest du schauen dein Volk, du hast uns getränkt mit betäubendem Wein.
12 Bist nicht du es, Gott, der du uns verstoßen hast und nicht ausziehst, Gott, mit unseren Heeren?
13 Bring uns doch Hilfe gegen den Feind, denn die Rettung durch Menschen ist nichtig!
14 Mit Gott werden wir Machtvolles tun. Er selbst wird unsere Feinde zertreten.

Als Antwort auf die Geschehnisse der Lesung beten wir einen Klagepsalm, der durch die Pluralform als ein liturgischer Psalm zu verstehen ist. Er wird in der Gruppe gebetet, die zunächst über die Schläge klagt. Gott hat sein Volk verstoßen und die Bresche in ihn geschlagen. Das ist die Anklage, doch Gott verstößt das Volk keineswegs. Er lässt Dinge zu, damit das Volk wieder zur Besinnung kommt, doch nie denkt Gott darüber nach, seine geliebte Braut zu verlassen. Er ist der wahrhaft Treue, der an seinem Bund festhält. Sein Zorn ergeht nicht an dem Volk, weil er es aufgibt, sondern gerade, damit es zu ihm zurückkommt! Schon zur Zeit Davids züchtigt Gott auf diese Weise seinen König, weil dieser sich schwer gegen ihn versündigt hat. Er begreift zwar sehr schnell, was er getan hat, doch die Sünde hat stets ihre Folgen. Die Beter bitten Gott darum, sich ihm wieder zuzuwenden. Die Wahrnehmung der Beter ist, dass Gott das Land gespalten hat. Das entspricht der objektiven Wahrnehmung nicht. Denn gespalten haben es die Israeliten selbst durch ihre Abwendung von Gott. „Ins Wanken“ kam das Land nicht durch Gottes böse Taten, sondern durch die bösen Taten des Volkes.
Gott hat das Volk wirklich hartes schauen lassen, weil alles Andere nicht gewirkt hat. Anders kam es nicht zur Umkehr. Die Klage des Psalms geht noch weiter, sodass Gott in Vers 12 durch eine rhetorische Frage als der Verstoßer des Volkes angesehen wird.
All diese Klagen zielen darauf ab, Gott die drastische Situation vor Augen zu führen und um Hilfe zu bitten. Die Beter verstehen, dass das Unheil so übermächtig ist, dass sie mit menschlicher Kraft dieses nicht mehr abwenden können. Gott selbst wird es sein, der die Feinde besiegen wird. In Vers 14 wird das Vertrauen auf Gott deutlich, der die Gebete erhören wird.
So ist Gott. Wir haben viele Leiden und böse Dinge im Leben selbst zuzuschreiben, wenn auch nicht alles. Und doch hört Gott uns geduldig an, wenn wir uns über die Situation beklagen. Er hilft uns sogar noch heraus, obwohl wir es verdient haben. Das ist die Barmherzigkeit Gottes!

Mt 7
1 Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!
2 Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden und nach dem Maß, mit dem ihr messt, werdet ihr gemessen werden.
3 Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?
4 Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und siehe, in deinem Auge steckt ein Balken!
5 Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du zusehen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen!

Im Evangelium geht die Bahnlesung aus der Bergpredigt weiter. Heute hören wir von dem Verbot, andere zu verurteilen. In den vergangenen Abschnitten aus der Bergpredigt haben wir gehört, warum der Mensch dafür keine Kompetenz besitzt: Das Ausschlaggebende besteht in den Absichten und innersten Regungen des Herzens. Diese können wir bei unseren Mitmenschen gar nicht einsehen. Dies kann nur Gott und so ist er der einzig Kompetente für ein gerechtes Urteil.
Jesus erklärt heute auch noch ein anderes Argument: Wir werden mit demselben Maß gerichtet werden, wie wir bei unseren Mitmenschen angewandt haben. Dieses Maß spezifiziert Jesus an anderer Stelle mit der Barmherzigkeit. Wenn wir den anderen mit Barmherzigkeit begegnen, anstatt ihn zu verurteilen, wird auch uns Barmherzigkeit entgegen gebracht werden, wenn wir vor Gott stehen. Das Problem bei der Verurteilung ist nämlich, dass wir uns zum Gerechten aufspielen, also zu jemandem, der besser ist als der zu Verurteilende. Dabei gibt es keinen Menschen, der ohne Sünde ist und somit besser als der andere anzusehen ist. Jeder Mensch sündigt, nur unterschiedlich. Wer also verurteilt, ist heuchlerisch. Jesus erklärt es anhand eines Bildes: Wer meint, den Splitter aus dem Auge des anderen ziehen zu müssen, sollte zuerst den Balken aus seinem eigenen Auge ziehen. Wir sehen auch die Verhältnismäßigkeit bei diesem Bild. Oft hängen sich Selbstgerechte an Kleinigkeiten beim Gegenüber auf und lenken von den wirklich schweren Vergehen bei sich selbst ab. Das sagt Jesus vor allem als Kritik an den selbstgerechten Pharisäern und Schriftgelehrten. Sie suchen die Splitter bei den Juden, die für die vielen Ritualgebote und menschlichen Erweiterungen stehen. Doch die göttlichen Gebote halten sie gar nicht richtig. Sie hebeln mit ihren menschlichen Geboten die göttlichen Gebote sogar noch aus. Das sind richtige Balken.
Wir fragen uns, wie man mit solch riesigen Brettern überhaupt noch die Splitter in den Augen des Gegenübers erkennen kann. Das ist wirklich ein Kunststück. Und doch ist es logisch, dass die eigenen Balken zuerst herausgezogen werden müssen, bevor man sich den Splittern des Gegenübers widmen kann. Kehren auch wir zuerst vor der eigenen Haustüre!
Auch hier müssen wir Jesu Worte richtig bewerten. Das heißt natürlich nicht, dass man sündhaftes Verhalten beim Mitmenschen nicht mehr ansprechen darf. An anderer Stelle erklärt Jesus ja sogar die einzelnen Schritte von einer Unterweisung unter vier Augen bis hin zu einer öffentlichen Anklage. Wir sollen also durchaus die Sünde kritisieren. Doch wir sollen zugleich selbstkritisch sein. Auch hier geht es wieder um die richtige Haltung: Wenn wir uns zuerst mit uns selbst auseinandersetzen und ein realistisches Selbstbild von uns haben, dann ist die Art unserer Zurechtweisungen anders: Wir werden nicht von oben herab und mit einer Selbstgerechtigkeit auf den Sünder dreinschlagen, sondern in der Weise Gottes handeln. Wir werden auf Augenhöhe mit dem anderen sprechen und barmherzig sein. Selbst wenn wir härtere Worte wählen werden, weil alles Andere an ihm abprallt, wird dies aus Liebe geschehen, nicht aus Selbstbeweihräucherung. Gott hat im Laufe seiner Rettungsaktionen auch unterschiedliche Töne angewandt. Weil die sanften Umkehrrufe der Propheten nicht gewirkt haben, musste erst eine Katastrophe wie die Assyrische Fremdherrschaft passieren. Auch wir Menschen müssen je nach Situation auch mal ein härteres Wort angewenden, wenn alles Andere beim Gegenüber abprallt. Wichtig ist, dies dann ebenfalls als Rettungsaktion zu tun, nicht aus mangelnder Barmherzigkeit. Gott prüft auf Herz und Nieren, wie wir letzte Woche gehört haben. Prüfen wir uns auch stets selbst, damit es am Ende keine böse Überraschung gibt.

Ihre Magstrauss

Samstag der 11. Woche im Jahreskreis (Unbeflecktes Herz Mariä)

2 Chr 24,17-25; Ps 89,4-5.29-3o.31-32.33-34; Mt 6,24-34

2 Chr 24
17 Nach dem Tod Jojadas kamen die führenden Männer Judas zum König und warfen sich vor ihm nieder. Dieser hörte damals auf sie,

18 sodass sie den Bund des HERRN, des Gottes ihrer Väter, verließen und die Kultpfähle und Götzenbilder verehrten. Wegen dieser Schuld kam ein Zorngericht über Juda und Jerusalem.
19 Der HERR schickte Propheten zu ihnen, um sie zur Umkehr zum HERRN zu bewegen, aber man hörte nicht auf ihre Warnung.
20 Da kam der Geist Gottes über Secharja, den Sohn des Priesters Jojada. Er trat vor das Volk und hielt ihm vor: So spricht Gott: Warum übertretet ihr die Gebote des HERRN? So könnt ihr kein Glück mehr haben. Weil ihr den HERRN verlassen habt, wird er euch verlassen.
21 Sie aber taten sich gegen ihn zusammen und steinigten ihn auf Befehl des Königs im Hof des Hauses des HERRN.
22 König Joasch dachte nicht mehr an die Treue, die ihm Jojada, sein Vater, erwiesen hatte, sondern ließ dessen Sohn töten. Dieser aber rief sterbend aus: Der HERR möge es sehen und vergelten.
23 Um die Jahreswende zog das Heer der Aramäer gegen Joasch. Sie drangen nach Juda und Jerusalem vor und machten alle führenden Männer des Volkes nieder. Ihre gesamte Beute brachte man zum König von Damaskus.
24 Mit nur wenig Kriegern war das Heer der Aramäer gekommen; aber der HERR gab ein sehr großes Heer in ihre Hand, weil die Israeliten den HERRN, den Gott ihrer Väter, verlassen hatten. So vollzogen die Aramäer an Joasch das Strafgericht.
25 Als sie abzogen und ihn schwerkrank zurückließen, verschworen sich seine Diener gegen ihn wegen der Blutschuld am Sohn des Priesters Jojada und erschlugen ihn auf seinem Bett. Man begrub ihn in der Davidstadt, aber nicht in den Gräbern der Könige.

Heute hören wir aus dem zweiten Buch der Chroniken. Wie so oft wendet sich das Volk mit dem Tod eines frommen Priesters ab, der den König bis dahin positiv beeinflusst hat. König Joasch, der zurzeit regiert, hat kein festes Rückgrat, sondern lässt sich von Frevlern unter den führenden Männern Judas vom rechten Glauben abbringen. So werden Kultpfähle aufgestellt, die vor allem der Aschera, der ugaritischen Fruchtbarkeitsgöttin, gewidmet worden sind. Auch Götzenbilder sind angebetet worden, was für Gott ein schweres Vergehen darstellt, den Bundesbruch und eine ehebrecherische Tat.
Gott lässt seine Braut Israel aber nicht in die Irre gehen, sondern möchte sie zurückholen. Deshalb kommt auch das Zorngericht über Juda und Jerusalem. Dies kündigt sich durch die Rufe zur Umkehr an, die durch mehrere Propheten erfolgen. Schließlich tritt auch der Sohn des Jojada auf, des frommen Priesters, der König Joasch bis zu seinem Tod zu einem gottesfürchtigen Verhalten angehalten hat. Secharja versucht, im Namen Gottes die Judäer wieder zur Besinnung zu rufen, doch sie hören nicht auf ihn. Er sagt ihnen, dass sie keinen Segen haben werden, wenn sie den Weg der Gebote Gottes verlassen. Doch König Joasch befiehlt, Secharja zu steinigen, um ihn mundtot zu machen – und somit wohl auch sein Gewissen. Er tut somit nicht nur Secharja Unrecht, sondern auch seinen Vater Jojada, der dem König so viele Jahre treu gedient hat. Dabei ist interessant, dass Secharja im Tod noch nach Gottes Vergeltung ruft. Darin tut er das Gegenteil von Stephanus. Dieser ruft nach Barmherzigkeit Gottes, die diese Sünde nicht anrechnen soll. Für seine Zeit verhält sich Secharja aber ganz normal. Er hofft im Letzten auf die Gerechtigkeit Gottes und legt somit wie Stephanus sein Leben in Gottes Hände.
Wenig später wird Juda dann von den Aramäern angegriffen und besiegt, die die führenden Männer des Volkes umbringen – also jene, die den König zum Götzendienst verführt haben. Die Aramäer sind eigentlich mit einem kleinen Heer gegen Juda vorgegangen, doch Gott lässt diese Niederlage zu, weil es das Strafgericht an seinen untreuen Bündnispartnern darstellt. Göttliches Gericht trägt sich nicht erst am Ende der Zeiten und am Ende des irdischen Lebens zu, sondern Gott richtet schon im Laufe des Lebens. Er tut es, damit die Menschen noch in diesem Leben umkehren, solange es möglich ist! Dies offenbart uns, dass Gott kein Sadist ist, der seine Kinder gerne leiden sieht, sondern uns mit brennender Liebe aufsucht, um uns von dem falschen Weg zu ihm zurück zu bringen.
Es endet für Joasch sogar tödlich, denn als er schwerkrank daniederliegt, wird er durch die Verschwörung seiner Diener umgebracht. Sie haben dadurch den ungerechten Tod Secharjas gerächt. Joasch erfährt sogar noch nach seinem Tod die Höchststrafe: Man begräbt ihn nicht bei den Königen, wenn auch in Jerusalem. Für einen gläubigen Juden ist die Bestattung bei den Vätern von höchster Relevanz. Deshalb nehmen sie z.B. große Anstrengungen in Kauf, Josephs Leichnam von Ägypten in die Heimat zurückzuführen. Wer aber umgebracht wird, wessen Blut am besten noch in die Erde hinabfließt und wer von den Tieren zerfressen wird, hat das schlimmste Übel getroffen. Hier findet wenigstens eine Bestattung statt, doch sie ist aus jüdischer Sicht als Exil des Leichnams zu bewerten. Joasch findet kein gutes Ende, weil er die vielen Warnungen Gottes ignoriert und die Chancen zur Umkehr nicht genutzt hat. Er hat sich somit sein Urteil selbst gefällt.

Ps 89
4 Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten und David, meinem Knecht, geschworen: 5 Auf ewig gebe ich deinem Haus festen Bestand und von Geschlecht zu Geschlecht gründe ich deinen Thron.
29 Auf ewig werde ich ihm meine Huld bewahren, mein Bund mit ihm ist verlässlich.
30 Sein Haus lasse ich dauern für immer und seinen Thron wie die Tage des Himmels.
31 Wenn seine Söhne meine Weisung verlassen, nicht mehr leben nach meiner Ordnung,
32 wenn sie meine Gesetze entweihen, meine Gebote nicht mehr halten,
33 dann werde ich ihr Vergehen mit der Rute strafen und ihre Sünde mit Schlägen.
34 Doch ich entziehe ihm nicht meine Huld, breche ihm nicht die Treue.

Als Antwortpsalm beten wir Ps 89, der in den uns hier vorliegenden Versen an den Bundesschluss des Volkes mit Gott erinnert. Es ist ein Blick auf das Treueversprechen, das Israel Gott gemacht hat. Dadurch wird uns die Diskrepanz deutlich, die zu der Lesung besteht.
Gott selbst spricht in Vers 4 die Worte: „Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten und David, meinem Knecht, geschworen.“ Wörtlich steht hier „Ich schnitt einen Bund (im Hebräischen schneidet man, כָּרַ֣תִּֽי karati „ich schnitt“) mit meinem Erwählten, ich schwor meinem Knecht David.“ Es handelt sich also nicht um zwei Personen, sondern bezieht sich beides auf ein und dieselbe Person. Gott hat einen Bund mit diesem besonderen König geschlossen. Es handelt sich um die Bekräftigung und Ausweitung des Alten Bundes zu einer gesamtstämmischen Einheit. Gott hat bei diesem Bundesschluss versprochen, auf ewig festen Bestand zu geben und über die Generationen hinweg den Königsthron zu verleihen. Das Problem ist aber, dass Davids Nachkommen, so lesen wir es heute ja in der Lesung, den Bund gebrochen haben, sodass sie all diese Versprechen dadurch von sich gewiesen haben. Ihr Königsthron wird deshalb nicht auf ewig bestehen. Was sie erwartet und was sich schon in der heutigen Lesung gezeigt hat, ist bereits hier bei den Worten Gottes deutlich:
„Wenn seine Söhne meine Weisung verlassen (…), dann werde ich ihr Vergehen mit der Rute strafen und ihre Sünde mit Schlägen.“ Gott hat Juda mehrere Warnsignale in Form von Propheten gesandt, bevor er die Strafe vollzogen hat. Das wiederum lässt Gott zu, damit die Menschen danach zur Umkehr kommen. Das Babylonische Exil geschieht aufgrund des Götzendienstes, den Israel begeht. Entscheidend ist die Besinnung auf die eigenen Sünden, die das Unheil über sich selbst gebracht haben. Gott wird bei einem reumütigen Verhalten seine Barmherzigkeit nicht zurückhalten. Er ist treu und gibt seine untreue Braut nicht auf. Das sehen wir auch an uns selbst. Mit jeder Sünde, die wir tagtäglich begehen, werden wir Gott untreu, dem wir in der Taufe ja die Treue versprochen haben. Und er vergibt uns jedesmal, wenn wir aufrichtig bereuen und wieder zu ihm zurückkommen.

Mt 6
24 Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

25 Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen oder trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt! Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?
26 Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?
27 Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Spanne verlängern?
28 Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien des Feldes, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht.
29 Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen.
30 Wenn aber Gott schon das Gras so kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen in den Ofen geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!
31 Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen?
32 Denn nach alldem streben die Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht.
33 Sucht aber zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit; dann wird euch alles andere dazugegeben.
34 Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug an seiner eigenen Plage.

Auch das Evangelium führt uns die absolute Radikalität von Treue vor Augen, die Jesus hier in der Bergpredigt verkündet.
Es ist unmöglich, zwei Herren zu dienen. Man kann nicht gleichzeitig Gott dienen und dem Widersacher mit seinen Verführungen. Der Mammon, von dem Jesus hier spricht, meint das Geld bzw. den irdischen Reichtum allgemein.
Die Menschen sollen arm vor Gott sein, das bedeutet vor allem die Einstellung: Sie sollen sich nicht um ihr Leben sorgen, sondern Gott vertrauen, der ihnen alles Notwendige an Lebensmitteln gibt. Er ist es auch, der sie mit Kleidung versorgen wird. Ganz in der Tradition der weisheitlichen Schriften des Alten Testaments bringt Jesus bei seiner Predigt Beispiele aus der Natur. Die Vögel leben vor sich hin, ohne sich um Ernte und Vorräte sorgen zu machen. Und doch versorgt Gott sie Tag für Tag. Warum sollte Gott es den Menschen nicht mindestens gleichtun, die noch viel mehr wert sind als die Vögel? Durch die übertriebene Sorge kann der Mensch sich sein Leben kein bisschen verlängern. Sorge ist wie ein Schaukelstuhl. Man arbeitet und verausgabt sich von den Kräften her, wenn man auf ihm schaukelt, doch man kommt kein bisschen mit ihm voran. Dasselbe gilt für den Vergleich mit einem Hamsterrad oder Laufband.
Jesus greift als weiteres Beispiel die Lilien auf, die in ihrer Schönheit von Gott gekleidet werden und darin König Salomo, den reichsten und prachtvollsten König übertreffen. Sie haben ihre Schönheit von Gott geschenkt bekommen. So sollen sich die Menschen keine Sorgen um ihre Kleidung machen.
Bei diesen beiden Aspekten – Sorge um Nahrung und um Kleidung – geht es nicht darum, dass man überhaupt keine Gedanken daran verschwenden soll, sondern um die übertrieben ängstliche Haltung, die ein Misstrauen gegenüber Gott impliziert. Gott ist es letztendlich, der uns die Gesundheit schenkt, arbeiten zu gehen und Geld zu verdienen. Er ist es, der uns eine Arbeitsstelle schenkt, der uns eine friedliche Gesellschaft bereitstellt, in der wir genug einkaufen können. Alles hängt von Gottes Segen ab. Und weil er uns Menschen so sehr liebt, sorgt er für uns. Wichtig ist dabei unsere Haltung: Wenn es uns darum geht, alles selbst in die Hand zu nehmen und dem Wirken des Geistes keinen Spielraum mehr zu lassen, dann zieht sich Gott auch zurück. Wenn wir ihn aber in unser Leben einladen und uns ganz und gar um das Reich Gottes kümmern, dann wird Gott unsere Haltung ganz ernst nehmen und alles, wirklich alles schenken, was wir brauchen.
Jesus sagt also nicht, dass wir überhaupt keine Sorge haben sollen, denn wir sind ja für unser Leben und auch das unserer Mitmenschen verantwortlich. Doch wir sollen nicht übertriebene Angst und Grübelei an den morgigen Tag verschwenden, weil diese Haltung von mangelndem Gottvertrauen zeugt.

Die Haltung, die Jesus hier beschreibt, ist ein Leben in Gottes Geborgenheit. Wer ihm ganz vertraut, springt für ihn gerne ins Ungewisse, weil Gott den Menschen auffängt. Gottes Segen können wir aber nur haben, wenn wir ihm treu sind. Sonst ergeht es uns so wie Joasch in der Lesung. Diesem ging es keineswegs um das Reich Gottes, sondern um sich selbst. Er hat sich vom Götzendienst anderer anstecken lassen und schnell den Weg Gottes verlassen. Das zeigt, dass sein Verhältnis zu Gott nie von echter Liebe getragen war.

Fragen wir uns heute am Gedenktag des Unbefleckten Herzens Mariens, wie es mit unserer Beziehung zu Gott steht. Lieben wir Gott von ganzem Herzen so wie Maria es als die beste Jüngerin Jesu umgesetzt hat? Haben wir dieses unerschütterliche Gottvertrauen, dass in vermeintlichen Sackgassen der Herr uns einen Weg weist? Glauben wir an die Allmacht Gottes in Momenten, in denen der Feind so übermächtig erscheint?

Heilige Maria, du reinste Mutter, du hast dein Leben ganz dem Herrn anvertraut. Du hast seine Gebote treu bewahrt und dich immer wieder neu belehren lassen. Bitte für uns Kleingläubigen, auf dass wir zu immer vertrauensvolleren Bündnispartnern Gottes werden. Amen.

Ihre Magstrauss