Donnerstag der 11. Woche im Jahreskreis

Sir 48,1-14; Ps 97,1-2.3-4.5-6.7-8; Mt 6,7-15

Sir 48
1 Da stand Elija auf, ein Prophet wie Feuer, sein Wort brannte wie eine Fackel.

2 Er ließ über sie eine Hungersnot hereinbrechen und verringerte sie mit seinem Eifer;
3 durch das Wort des Herrn verschloss er den Himmel, ebenso ließ er dreimal Feuer herabfallen.
4 Wie wurdest du verherrlicht, Elija, durch deine Wunder! Wer wird sich gleich dir rühmen können?
5 Der einen Verstorbenen auferweckt hat vom Tod und aus dem Hades durch ein Wort des Höchsten;
6 der Könige in die Vernichtung geführt hat und Berühmte weg von ihrem Lager;
7 der am Sinai eine Zurechtweisung hört und am Horeb Urteile der Vergeltung;
8 der Könige salbt zur Vergeltung und ihm nachfolgende Propheten;
9 der mit einem Wirbelsturm aus Feuer hinweggenommen wurde in einem Wagen mit feurigen Pferden;
10 der aufgeschrieben ist für Zurechtweisungen für künftige Zeiten, um den Zorn vor dem Ausbruch zu besänftigen, um das Herz des Vaters dem Sohn zuzuwenden und um die Stämme Jakobs aufzurichten.
11 Selig, die dich gesehen haben und die in Liebe entschlafen sind; denn auch wir werden gewiss leben.
12 Elija – er wurde vom Wirbelsturm verhüllt und Elischa wurde mit seinem Geist erfüllt; zu seiner Zeit wurde er von keinem Herrscher ins Wanken gebracht und niemand hatte Macht über ihn.
13 Kein Wort ging über seine Kraft und noch im Tod hat sein Leib prophezeit.
14 In seinem Leben hat er Wunder getan und im Tod waren seine Werke erstaunlich.

In der Lesung hören wir heute aus dem Buch Jesus Sirach. Es gehört zur Weisheitsliteratur und reflektiert u.a. die Erzählungen der Torah und der Propheten. Passend zu den vergangenen Elija-Elischa-Erzählungen wird die Bedeutung dieser beiden Propheten betrachtet:
Elija war ein „Prophet wie Feuer, sein Wort brannte wie eine Fackel.“ Einerseits brennt er voller Leidenschaft für den Herrn, andererseits meint die Feuermetapher den Geist Gottes. Dieser ist die Liebesglut Gottes, die verzehrendes Feuer ist. An Pfingsten wird er ebenfalls in Feuerzungen kommen und schon im brennenden Dornbusch war er gegenwärtig.
Dann werden verschiedene prophetische Handlungen beschrieben, die er im Namen Gottes erwirkt hat: die Kontrolle des Wetters, Hungersnot, Feuer vom Himmel.
Jesus Sirach spricht Elija direkt an, indem er sein Wunderwirken preist. Er ist unvergleichlich als Prophet, weil er sogar einen Toten zum Leben erweckt und Könige entmachtet hat. Er hat üblicherweise Könige und Propheten gesalbt und am Horeb Gottes Offenbarung empfangen.
Jesus Sirach fasst auch das Lebensende zusammen, bei dem Elija nicht gestorben ist, sondern in Feuer und Wirbelsturm entrückt worden ist. Ein feuriger Wagen hat ihn mitgenommen. Elija hat im Gesamtkontext der Heilsgeschichte eine große Aufgabe, denn er hat für das Kommen des Messias schon sehr viel vorbereitet. Er hat die nächste Stufe der Heilsgeschichte eingeläutet, weil nicht nur er nicht stirbt, sondern auch die nachkommenden Menschen leben werden. Das ist schon eine anfängliche Auferstehungshoffnung. Die Rede von Vater und Sohn klingt schon sehr trinitarisch und die Aufrichtung der zwölf Stämme ist klassische messianische Rede. Jesus Sirach weist voraus auf das Kommen Jesu Christi, der die Stämme aufrichten wird – des Neuen Bundes!
Zum Ende hin wird noch der Übergang von Elija zu Elischa genannt, der mit demselben Geist erfüllt wird, durch den Elija so kraftvoll gewirkt hat. Auch Elischa hat heftige Zeichen und Wunder vollbracht und das Werk Gottes umgesetzt.
Für uns ist der Vers 11 von besonderer Bedeutung, weil wir ihn so wunderbar im vierfachen Schriftsinn betrachten können: „Selig, die dich gesehen haben und die in Liebe entschlafen sind; denn auch wir werden gewiss leben.“ Eigentlich bezieht sich die Aussage auf Elija. Jene können sich glücklich schätzen, die ihn gesehen haben, ihm also zu seinen Lebzeiten begegnet sind. Doch um wie viel mehr gilt das für den Messias, auf den unbewusst schon verweist? Dieser wird noch viel kraftvollere Zeichen tun, weil er in göttlicher Vollmacht auftritt. Seine Worte sind so voller Feuer, dass man sagen muss, er ist die Personifikation der Worte Gottes, der Torah und der Propheten zusammen. Der Messias wird nicht nur Tote zum Leben erwecken, sondern selbst von den Toten auferstehen und durch sein Kreuz die Sünden der Welt hinwegnehmen. Dadurch wird er wirklich die Stämme Israels aufrichten! Und er wird selbst zu seinen Aposteln sagen: „Viele Propheten und Gerechte haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.“ (Mt 13,17). Zeuge der Erlösung zu werden, ist das unvergleichliche Privileg! Wir können es auf die Kirche ausweiten: Selig, wer den Herrn gesehen hat als Familienmitglied Gottes durch die Taufe, vor allem aber auch durch die Eucharistie. Wer in dieser Liebe gestorben ist, also als Erbe des Himmelreichs, wird in Ewigkeit bei Gott leben. In Liebe gestorben zu sein, kann und muss auch moralisch betrachtet werden als Sterben im Stand der Gnade. Wer so in Gottes Liebe geblieben ist, um es einmal johanneisch auszudrücken, hat sich ganz für Gott entschieden und wird so nach dem Tod ewig bei Gott leben.

Ps 97
1 Der HERR ist König. Es juble die Erde! Freuen sollen sich die vielen Inseln.
2 Rings um ihn her sind Wolken und Dunkel, Gerechtigkeit und Recht sind die Stützen seines Thrones.
3 Feuer geht vor ihm her, verzehrt seine Gegner ringsum.
4 Seine Blitze erhellen den Erdkreis, die Erde sieht es und bebt.
5 Berge schmelzen wie Wachs vor dem HERRN, vor dem Angesicht des HERRN der ganzen Erde.
6 Seine Gerechtigkeit verkünden die Himmel, seine Herrlichkeit schauen alle Völker.
7 Alle, die Bildern dienen, werden zuschanden, die sich der Götzen rühmen. Vor ihm werfen sich alle Götter nieder.
8 Zion hört es und freut sich, Judas Töchter jubeln, HERR, über deine Urteile.

Der Antwortpsalm ist ein Königspsalm, dessen Thema die Inthronisation Gottes ist. „Der HERR ist König.“ Das ist die Hauptaussage des Psalms. Er ist der Herrscher über allen und hat so das letzte Wort. Kein irdischer König kommt gegen ihn an, sondern hat seine Macht von Gott, die er ihm ganz schnell wieder nehmen kann. Dass Gott der Allherrscher ist, ist ein Grund zur Freude für die ganze Welt, denn er ist ein absolut gerechter Herrscher, der seine Macht nie missbraucht.
Die Freude der Inseln ist ein Bild für die Menschen, die in den entlegensten Gebieten der Erde leben. Dadurch wird betont, dass sich wirklich die ganze Welt freuen kann.
„Ringes um ihn her sind Wolken und Dunkel, Gerechtigkeit und Recht sind die Stützen seines Thrones.“ Hier beginnt nun die Beschreibung der Herrlichkeit Gottes mit meteorologischen Bildern, die ihn zusätzlich als Schöpfer kennzeichnen. Die Wolke ist ja in der gesamten Heiligen Schrift sehr oft ein Theophaniezeichen Gottes, das immer dann auftaucht, wenn Gottes Gegenwart auf Erden einen Ort erfüllt. So wird auch sein Erscheinungsbild umschrieben. Er ist so überwältigend, dass er nur mit solch furchteinflößenden Bildern umschrieben werden kann.
Er hat auch keinen Thron aus Material, wie wir es von einem Herrscher kennen. Das kann er auch nicht haben, weil er reiner Geist ist, ganz transzendent. Stattdessen baut seine Herrschaft auf Gerechtigkeit und Recht, zwei Abstrakta, die mit der Torah und dem Gottesgericht zu tun haben.
Auch Feuer ist ein typisches Theophaniezeichen. Wir hörten davon bei der Entrückung des Elija. Gottes Liebesglut verbrennt alles, was nicht Liebe ist. Deshalb heißt es hier auch, dass dieses Feuer die Feinde verzehrt.
Auch Blitze sind typische Zeichen der Gegenwart Gottes. In den Thronsaalvisionen des Alten und Neuen Testaments gehen stets Blitze vom Thron Gottes aus.
Auch das Beben der Erde gehört zu diesen Erscheinungsformen. Gott hat alles gemacht und alles erzittert vor seiner Herrlichkeit, sodass sogar Berge wegschmelzen, die wir doch als so mächtig betrachten.
Alle schauen Gottes Gerechtigkeit, spätestens beim Endgericht am Jüngsten Tag. Immer wieder sehen wir aber, dass die bösen Taten der Menschen auf sie zurückfallen, dass Sünde eine schlimme Konsequenz besitzt, dass die Unterdrückten und Benachteiligten in ihrem Leben plötzlich entschädigt werden. Das sind schon Momente, in denen wir Gottes Gerechtigkeit aufleuchten sehen.
Gott ist der Höchste und der einzige, den die Menschen anbeten dürfen. Alle, die dagegen Kultbilder anbeten, werden schwer bestraft. Götzendienst ist die schlimmste Sünde, die es für Gott gibt, der ein eifersüchtiger Gott ist. Nicht umsonst ist es das erste Gebot des Dekalogs. „Vor ihm werfen sich alle Götter nieder.“ Wir können es rhetorisch oder als poetisches Stilmittel sehen (die Nichtigkeiten, die es gar nicht gibt, verbeugen sich vor dem einzig wahren Gott) oder es ist wirklich wörtlich gemeint. Denn zu einer bestimmten Zeit verstanden die Menschen schon, dass Gott der Höchste ist, doch schlossen die Existenz anderer Götter nicht aus. Erst nach dem Exil kommt die Erkenntnis, dass es eigentlich nur einen einzigen Gott gibt und die Götter der anderen Völker nur Illusionen sind. Je nachdem, was man hier für einen Erkenntnisstand voraussetzt, muss man es verstehen. Für uns Christen ist klar, dass dies sinnbildlich zu verstehen ist: Es gibt nur einen einzigen Gott und alles andere ist Götze.
Die Geste bedeutet den Sieg und Triumph Gottes über alle anderen Mächte. Das ist ein Grund zur Freude und deshalb freut sich Zion. Es ist natürlich pars pro toto, der Heilige Berg der Hauptstadt als Teil für das ganze Volk Israel. Alle Stämme können sich darüber freuen, dass Gott gesiegt hat. Dieser Sieg wird umfassend und vollkommen sein am Ende der Zeiten, wenn Gott sogar den Tod zerstört hat.

Mt 6
7 Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen.

8 Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet.
9 So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name,
10 dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde.
11 Gib uns heute das Brot, das wir brauchen!
12 Und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben!
13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen!
14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben.
15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Heute hören wir einen Abschnitt aus der Bergpredigt, der sehr wichtig ist, aber auch schnell missverstanden werden kann. Es geht um das richtige Beten.
„Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen.“ Jesus möchte, dass Christen anders beten als Heiden. Diese mussten allein schon deshalb viele Worte machen, um die richtige Gottheit ihres komplexen Pantheons anzusprechen. Aber Jesus geht es nicht einfach um Quantität. So müssten wir bestimmte Gebete ja abschaffen, die etwas länger sind. Nicht die Quantität ist hier die Hauptkritik, sondern die Qualität. Sie sollen nicht plappern. Das griechische Wort βατταρίζω battarizo, das mit „plappern“ übersetzt wird, heißt wörtlich „eine Sache immer wiederholen, stammeln“.
Es ist also nicht gut, wenn wir so stammeln, als ob wir Gott nicht zutrauen, er würde uns bei einer einmaligen Äußerung nicht verstehen. Dahinter steckt also eine bestimmte Haltung gegenüber dem, von dem wir etwas erbitten. Wenn wir z.B. den Rosenkranz oder Litaneien beten, wiederholen wir ja auch so einiges, aber dahinter steckt nicht die Einstellung, dass Gott uns sonst nicht erhört. Beim Rosenkranz wiederholt sich das Ave Maria ja z.B. im Kontext von Betrachtungen!
In Vers 8 wird deutlich, was ich mit der Haltung meine: Wir sollen vertrauensvoll beten, also mit der Haltung, dass wir Gott alles zutrauen. Er weiß ja schon längst, was wir erbitten wollen, bevor wir zu beten beginnen. Darum geht es. Wie viele Worte es dann letztendlich sind, wird Gott nicht zählen und sich dann ab einer gewissen Überschreitung die „Ohren zuhalten“…
Dann lehrt Jesus die Jünger das Gebet, das wir bis heute vertrauensvoll beten, das Vaterunser:
Die ersten Bitten sind im Grunde Wünsche, die sich auf Gott beziehen. Erst dann kommen Bitten für sich selbst. So soll es sein. Wir sollen nicht selbstzentriert beten, sondern zuerst auf den schauen, zu dem wir beten. Wir sollen ihn preisen und ihm die Ehre geben, bevor wir irgendetwas erbitten. Wir sagen Gott zu, dass sein Name geheiligt werden soll, deshalb der Konjunktiv „werde geheiligt“. Zudem soll sein Reich kommen im Himmel und auf der Erde. Was Jesus grundgelegt hat, soll sich ausweiten, sodass das angebrochene Reich Gottes sich überall durchsetzt und offenbar wird. Gottes Wille soll überall geschehen. Im Himmel und auf der Erde, in der unsichtbaren Welt sowie in der sichtbaren Welt. Es heißt wörtlich „wie im Himmel so auch auf Erden“ und bezieht sich auf die Durchsetzung des Willens Gottes bereits in der unsichtbaren Welt. Der Satan und seine gefallenen Engel sind aus dem Himmel verbannt, sodass hier Gottes Reich schon ganz und gar durchgesetzt ist. So wie es schon im Himmel ist, so soll es auch auf der Erde sein: Der Böse und seine Heerscharen sollen besiegt und von der Erde verbannt werden. Gottes Reich und sein Wille sollen ganz und gar auf Erden herrschen.
Dann beginnt der zweite Teil des Gebetes, der nun Bitten für die Menschen beinhaltet: „Gib uns heute das Brot, das wir brauchen“ ist im Griechischen etwas anders konstruiert: Es heißt eigentlich wortwörtlich: „Gib uns unser tägliches/ausreichendes Brot heute“ im Sinne von „das Brot, das heute ausreicht.“ Das griechische Wort ἐπιούσιον epiusion drückt die Haltung aus, die schon die Väter in der Wüste gelernt haben: Gott gab jeden Tag Manna vom Himmel und nur so viel, dass es für den jeweiligen Tag reichte. So lernten die Menschen, Tag für Tag auf Gottes Vorsehung zu vertrauen. Wir bitten also von Tag zu Tag um die Güter, die wir für den jeweiligen Tag brauchen. So ist unsere Bitte frei von Habgier. Die Gabe von Manna ist zudem typologisch zum Himmelsbrot Christi zu betrachten, der von sich aus sagt: „Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. (Joh 6,49-51).“ Es geht also nicht mehr nur um das tägliche Brot zur Nährung des Leibes! Wir bitten also mit dieser Vaterunserbitte auch gerade um die tägliche Eucharistie! Sie nährt unsere Seele, auf dass auch wir nicht sterben werden, sondern das ewige Leben haben!
Gott soll uns ferner unsere Schuld vergeben, wie auch wir unseren Schuldigern vergeben. Im Griechischen steht dort ὡς καὶ hos kai, das bedeutet also wirklich „so wie auch“. Gott soll uns in dem Maß vergeben, wie wir unseren Mitmenschen vergeben. Wenn wir möchten, dass Gott uns vergibt, können wir also nicht gleichzeitig im unversöhnten Zustand mit unseren Mitmenschen sein. Wir setzen also die Bedingung, ob Gott uns vergibt, weil durch unser freiwillig verhärtetes Herz die vergebende Gnade nicht hineinkommt. Jesus sagt, wir sollen unsere Feinde lieben und für jene beten, die uns hassen. Das heißt aber nicht, dass wenn wir ihnen vergeben, wir ihre Taten gutheißen. Wir sagen uns nur von dem Zorn und den Rachegefühlen, dem Gift dieser schlechten Beziehung los. Wir überlassen Gott das Richten und sind plötzlich frei. Wir hängen nicht mehr an diesen schlechten Gefühlen, die uns von innen komplett vergiften. Ich habe selbst viele Menschen kennengelernt, die aufgrund von unversöhntem Zustand viele Jahrzehnte gelitten haben, die so verbittert wurden, dass sie auch körperlich schwer zu leiden hatten. Als sie endlich dieses Gift der Unversöhntheit losgelassen haben, wurden sie endlich frei, glücklich und sogar körperlich geheilt. Was ihnen angetan worden ist, ist nicht einfach verschwunden, aber sie haben das Richten Gott überlassen. Und ich versichere Ihnen: Gott wird auch aktiv. Wie viele Missetäter, denen ich von Herzen vergeben und deren Untat ich einfach Gott überlassen habe, haben ihre Lektion von ihm bekommen – auf eine Art und Weise, die ich ihnen nie gewünscht hätte….Gott regelt das schon. Wir sind zu kostbar, als dass wir an den Rachegefühlen unser Leben zerstören lassen!
„Führe uns nicht in Versuchung“ heißt nicht, dass Gott selbst uns in Versuchung führt. Der Versucher ist immer nur der Böse. Gott ist nur gut. Gott kann uns aber erproben und das ist das Missverständliche an der Doppeldeutigkeit des griechischen Begriffs πειρασμός peirasmos: Es kann Versuchung (zur Sünde) meinen, aber eben auch Probe, Prüfung. Dabei bitten wir nicht darum, dass Gott uns nicht erproben soll, sondern dass wir dabei vor Verzweiflung bewahrt werden. Wir lesen diese Bitte auch gemeinsam mit der nächsten: „sondern rette uns vor dem Bösen“. Dieser ist der Versucher. Gott greift nicht ein, wenn der Böse uns versucht. Er ist aber mit uns, wenn wir versucht werden. Die Versuchung kann aber zur Erprobung des Glaubens beitragen und so bitten wir mit dieser Bitte um die Bestehung der Prüfung, indem wir beten: „erlöse uns von dem Bösen“. Der Teufel soll nicht über den Menschen siegen.

Jesus betont noch einmal, wie wichtig die Vergebung ist. Wenn wir einander nicht von Herzen vergeben, wird er uns nicht vergeben. Das liegt nicht an seiner mangelnden Kompetenz oder Vergebungsbereitschaft, sondern daran, dass der Mensch sich der Vergebung selbst verschließt. Wenn es uns schwerfällt, müssen wir bedenken, dass Vergebung eine übernatürliche Liebe erfordert, die über unsere begrenzte menschliche Liebe hinausgeht. Wir müssen um die göttliche Liebe, um die Agape bitten, damit Gott uns die Kraft zur Vergebung schenkt. Und wenn unsere Gefühle sich absolut dagegen sträuben – zunächst muss die Entscheidung fallen. Emotionen hinken immer hinterher.

Heute ging es sehr viel um das Gebet der Gebete. Wenn wir es einmal richtig durchgekaut haben, können wir es nun vielleicht intensiver und bewusster beten.

Ihre Magstrauss

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