2. Januar in der Weihnachtszeit

1 Joh 2,22-28; Ps 98,1-4; Joh 1,19-28

1 Joh 2
22 Wer ist der Lügner, wenn nicht der, der leugnet, dass Jesus der Christus ist? Das ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet.
23 Jeder, der den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennt, hat auch den Vater. 
24 Für euch gilt: Was ihr von Anfang an gehört habt, soll in euch bleiben; wenn in euch bleibt, was ihr von Anfang an gehört habt, dann werdet auch ihr im Sohn und im Vater bleiben. 
25 Und das ist die Verheißung, die er uns verheißen hat: das ewige Leben. 
26 Dies habe ich euch über die geschrieben, die euch in die Irre führen. 
27 Was euch betrifft, so bleibt die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, in euch und ihr braucht euch von niemandem belehren zu lassen; wie euch vielmehr seine Salbung über alles belehrt, so ist es auch wahr und keine Lüge. Und wie er euch belehrt hat, so bleibt ihr in ihm.
28 Und jetzt, meine Kinder, bleibt in ihm, damit wir, wenn er erscheint, Zuversicht haben und bei seinem Kommen von ihm nicht beschämt werden!

Heute hören wir die Fortsetzung des ersten Johannesbriefes. Es geht dabei um die Identität Jesu als Messias (hebr.) bzw. Christus (griech.). Ganz drastisch formuliert Johannes hier, dass Jesu messianische Identität zu leugnen vom Antichristen kommt. Es gab innerhalb der Kirche von Anfang an häretische Tendenzen, die von innen die christliche Lehre zerstören wollten. So musste die Kirche bezüglich der Identität Christi gegen Arianismus („Jesus war nur ein Geschöpf, aber nicht Gott gleich“), Monophysitismus („Jesus hatte nur eine Natur, nämlich die Göttliche“), Adoptianismus („Jesus war Mensch und ist dann von Gott adoptiert worden“), Modalismus („Gott ist nur eine Person, die sich im Laufe der Geschichte auf verschiedene Weise gezeigt hat“), Nestorianismus („Jesus bestand aus zwei getrennten Persönlichkeiten, von denen Maria nur die Mutter der menschlichen war“) etc. kämpfen. Gerade der Monophysitismus unter der Bezeichnung „Doketismus“ (eine Art Frühgnosis) war für Johannes eine große Herausforderung. Deshalb betont er in seinen Schriften immer wieder, dass Jesus „im Fleisch“ gekommen ist und eben keinen Scheinleib hatte.
Johannes erklärt, dass Vater und Sohn gleichermaßen bekannt werden müssen. Man kann sie nicht gegeneinander ausspielen (, was die Arianer ja versuchten und was heute noch die Zeugen Jehovas übrigens auch tun!).
„Was ihr von Anfang an gehört habt“, ist ein Hinweis darauf, dass die Lehre der Kirche, wie sie bis heute besteht, apostolisch ist bzw. ihren Ursprung in Jesus selbst hat. Alle anderen Versuche, die ich hier z.B. aufgezählt habe, bestanden eben nicht „von Anfang an“. Es sind Fälschungen, die im Nachhinein eingefädelt worden sind, Verfälschungen des Originals.
Die Wendung „von Anfang an“ bezieht sich darüber hinaus auf die Verkündigung in der angesprochenen Gemeinde. Was dort seit der Gemeindegründung verkündet worden ist, gilt. Was sich später durch Irrlehrer verbreitet hat, gilt nicht.
„Im Vater und im Sohn bleiben“ ist bei Johannes immer die Formulierung für den Stand der Gnade. In diesem befinden wir uns, wenn wir der ursprünglichen Lehre treu bleiben, weil sie wirklich Gott beschreibt, wie er ist und ihn nicht leugnet. Wenn wir dabei bleiben, wird uns das ewige Leben in Aussicht gestellt. Johannes schreibt dies vor allem deshalb, um vor denen zu warnen, die solche Irrlehren verbreiten.
Auch heute noch haben wir mit dieser Versuchung zu kämpfen. Unter dem katholischen Deckmantel werden allerlei falsche Lehren vom Ambo verkündet, die im Grunde dieselben Irrlehren der ersten Jahrhunderte wiederholen (als ob es irgendetwas Neues geben könnte….). Das Problem ist dabei, dass es nicht nur vereinzelte Priester betrifft, sondern eben auch ihre Bischöfe. Wenn wir aber „im Vater und im Sohn bleiben“, wenn wir das ewige Leben haben wollen, müssen wir an dem festhalten, „was von Anfang an verkündet worden ist.“ Wir müssen auch heute (oder gerade heute!) wachsam sein und um die Unterscheidung der Geister bitten, damit wir die Irrlehren der heutigen Zeit erkennen.
Johannes erklärt, dass wir das Potenzial dazu auch wirklich haben: Wir haben die Salbung erhalten – die Firmung. Gott hat uns seinen Geist geschenkt und uns mit dessen Gnadengaben ausgestattet. Wir sind ausgerüstet, um in diesen geistigen Kampf treten zu können. Und der Geist wird in uns wirken, sodass er uns Alarmsignale geben wird. Je mehr wir aus diesem Geist leben, desto mehr werden wir ein Gespür dafür bekommen, was Wahrheit und was Irrlehre ist.
In Vers 27 haben wir KEINE Bestätigung dafür, dass wir als Christen Individualisten sein sollen ohne ein Lehramt oder allgemein eine äußere Instanz, die uns etwas vorschreiben soll. Man muss erstens den Kontext berücksichtigen (Salbung) und zweitens den griechischen Urtext (da steht nicht „belehren“ im Sinne von „besserwissen“, sondern „unterrichten“): Wenn hier erklärt wird, dass die Christen die Salbung des Hl. Geistes erhalten haben, bezieht sich das auf die Firmung. Am Anfang waren Taufe und Firmung ein Sakrament, das gleichzeitig gespendet worden ist (, weil es am Anfang mehr Erwachsenentaufen gab als Kindertaufen. Heutzutage wird bei Erwachsenentaufen auch beides zusammen gespendet). Zuvor musste man einen Katechumenat durchlaufen, bei dem einem die Grundlagen des Glaubens beigebracht wurden und man nach und nach in das kirchliche Leben eingeführt worden ist. Nach jahrelanger gründlicher Vorbereitung wurde man in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen. Man hat schon alles beigebracht bekommen, also muss man sich im Nachhinein nicht von Irrlehrern in eine ganz andere Lehre einführen lassen. Mit der Taufe und Firmung erhalten sie dann den Unterweiser schlechthin, den Hl. Geist. Dieser führt sie in die ganze Wahrheit ein und hilft ihnen auch, die Irrlehre zu erkennen. Es ist an dieser Stelle zu überlegen, ob Johannes mit dieser Salbungsbetonung nicht auf Praktiken der Doketisten anspielt, eine neue Salbung zu vollziehen, die „echter“ sein soll als die Firmung.
Zum Schluss macht Johannes deutlich, dass Jesu Wiederkunft bevorsteht, weshalb die Christen sich umso mehr darum bemühen müssen, in ihm zu bleiben. Sonst werden sie „beschämt“. Das Wort αἰσχύνω aischyno steht hier in einer reflexiven Form und muss also mit „sich schämen“ übersetzt werden. Die Christen werden in diesem Sinne „beschämt“. Dann werden sie nämlich die Wahrheit erkennen und die Verirrung bereuen.

Ps 98
1 Ein Psalm. Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er hat wunderbare Taten vollbracht! Geholfen hat ihm seine Rechte und sein heiliger Arm. 
2 Der HERR hat sein Heil bekannt gemacht und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker. 
3 Er gedachte seiner Huld und seiner Treue zum Haus Israel. Alle Enden der Erde sahen das Heil unsres Gottes. 
4 Jauchzet dem HERRN, alle Lande, freut euch, jubelt und singt!

Der heutige Psalm ist die Begründung für die Lesung, über die wir gerade nachgedacht haben. „Alle Enden der Erde sahen das Heil“. Die ganze Welt sah die Heilstaten Gottes. Das betrifft die Israeliten, die aus Ägypten herausgeführt worden sind und bei den nichtjüdischen Völkern für Anerkennung gesorgt hat. Das betrifft umso mehr das ganze Erlösungsgeschehen Jesu Christi, das für eine weltweite Evangelisierung und flächendeckende Gemeindegründungen gesorgt hat. Es begann mit dem Hauptmann am Kreuz („wahrlich, dieser war Gottes Sohn“) und ging weiter bis an die damaligen „Enden der Erde“.
Deshalb ist auch der Anfang des Psalms so signalhaft für christliche Ohren. Es ist ein „neues Lied“, das auf den Messias hinweist und über die Rettungsaktionen Gottes an seinem auserwählten Volk hinausgeht. Ganz konkret können wir hier an das babylonische Exil denken, das neben dem Exodusgeschehen bei den Nichtjuden für Anerkennung gesorgt hat.
Gott hat sein Heil zu allen Zeiten bekannt gemacht – er ist ein sich offenbarender Gott. Immer wieder hat er sich preisgegeben durch die Propheten. Sein Heilsplan war nie ganz verborgen. Mit Jesus Christus hat diese Offenbarung, das heißt seine Selbstmitteilung, einen Höhepunkt erreicht. So kann man wortwörtlich sagen: Gott hat sein Heil (יְשׁוּעָתֹ֑ו  jeschuato), seinen Jesus, der Welt bekannt gemacht. Dieser ist „seine Rechte“ und „sein heiliger Arm“. Der Hl. Ignatius von Lyon hat den Sohn und den Geist als die Hände Gottes bezeichnet. Durch Christus hat Gott die Heilstaten vollbracht – sowohl die Schöpfung (deshalb nennen wir Jesus auch den Schöpfungsmittler) als auch die Erlösung.
Vor den Augen der Völker ( הַ֝גֹּויִ֗ם  hagojim, die nichtjüdischen Völker!) hat Gott schon Gericht gewirkt, indem er das unterdrückte Volk aus der Knechtschaft der Babylonier befreit hat. Er hat auch vor den Heiden die Erlösung erwirkt (die Römer staunten nicht schlecht, als das Grab leer war, und der Hauptmann kam unter dem Kreuz zum Glauben). Gott wirkt Wunder auch heute noch vor den Augen der Nichtgläubigen und benutzt uns dafür. Wir sind heute seine Hände in dieser Welt, die anderen Menschen zum Glauben an Christus verhelfen. Am Ende der Zeiten, wenn Jesus als verherrlichter Menschensohn zurückkehrt, wird Gottes Gericht universal und für alle offenbar durchgesetzt werden. Dann wird es aber zu spät für die Umkehr sein.
Gott bleibt seinem Volk treu, auch jetzt noch. Unsere jüdischen Geschwister sind bis heute in einem bleibenden Bund mit dem Herrn und diesen können wir, die wir im neuen Bund mit Gott versöhnt sind, nicht antasten. Vergessen wir das nie, damit es nie wieder zu einem Holocaust kommt!
Gott bleibt auch uns treu, die wir ihm durch jede Sünde immer wieder untreu werden. So ist Gott. Er starb für uns, ohne sein Opfer davon abhängig zu machen, ob wir seine Liebe zurückgeben oder nicht.
Das ist ein Grund zur Freude. Unsere Existenz, vor allem auf die Ewigkeit hin, haben wir allein Gott zu verdanken. Das ist jeden Tag den Lobpreis Gottes wert, auch schon hier auf Erden! Im Himmel wird es unsere ewige Beschäftigung sein.

Joh 1
19 Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden von Jerusalem aus Priester und Leviten zu ihm sandten mit der Frage: Wer bist du? 
20 Er bekannte und leugnete nicht; er bekannte: Ich bin nicht der Christus. 
21 Sie fragten ihn: Was dann? Bist du Elija? Und er sagte: Ich bin es nicht. Bist du der Prophet? Er antwortete: Nein. 
22 Da sagten sie zu ihm: Wer bist du? Wir müssen denen, die uns gesandt haben, Antwort geben. Was sagst du über dich selbst? 
23 Er sagte: Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste: Ebnet den Weg für den Herrn!, wie der Prophet Jesaja gesagt hat. 
24 Die Abgesandten gehörten zu den Pharisäern.  
25 Sie fragten Johannes und sagten zu ihm: Warum taufst du dann, wenn du nicht der Christus bist, nicht Elija und nicht der Prophet? 
26 Johannes antwortete ihnen: Ich taufe mit Wasser. Mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt, 
27 der nach mir kommt; ich bin nicht würdig, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. 
28 Dies geschah in Betanien, jenseits des Jordan, wo Johannes taufte.

Das heutige Evangelium stellt die Fortsetzung des Johannes-Prologs dar. Es geht um Johannes den Täufer und seine Taufe.
Sein gesamtes Wirken bezeichnet Johannes der Evangelist als „Zeugnis“, was die Übersetzung des Wortes μαρτυρία martyria ist. Er ist wirklich zum Blutzeugen geworden, der für den Glauben enthauptet worden ist.
Priester und Leviten sind zu ihm gekommen, um nach seiner Identität zu fragen. Das ist ja auch das Thema der Lesung und des Psalms – die Identität Christi. Johannes verdeutlicht, dass er NICHT der Messias, der Christus sei.
Dies ist ein Bekenntnis, da er durch seine Antwort Platz für den wahren Messias macht. Das Verb ὁμολογέω  homologeo ist nicht nur mit „bekennen“ übersetzbar, sondern auch mit „zustimmen“. Er stimmt dahingehend mit denen überein, die ebenfalls der Meinung sind, dass er nicht der Messias sei.
Die Priester und Leviten haken weiter nach, denn sie haben den Auftrag vom Tempel erhalten, seine Identität zu klären. Er verneint auch die Fragen, ob er Elija oder „der Prophet“ sei. Er wird ja sonst mit dem wiedergekommenen Elija gleichgesetzt. Jesus hat dies selbst ausgesagt. Aber er ist nicht Elija selbst. Er tritt nur mit derselben Kraft auf. Jesus und der Täufer widersprechen sich also nicht (, was hier wieder gerne behauptet wird, um zwischen beide einen Keil zu treiben). Johannes ist auch nicht „der Prophet“. Wer ist denn damit gemeint? Die meisten Forscher vermuten damit Jesaja, weil er der bedeutendste Prophet des AT ist. Johannes ist keine Reinkarnation von irgendwem, den es schon vorher gab. Deshalb sagt er zu allem nein. Er ist Johannes der Täufer, jemand mit eigener Identität. Und doch ist er angekündigt worden. So wie Jesus nachher als Antwort auf die Frage „bist du es, der kommen soll?“ mit einem Schriftwort antwortet, so tut es Johannes im heutigen Evangelium: Er zitiert Jesaja und verdeutlicht dadurch, dass er der Vorläufer des Messias ist! Er ist die Stimme des Rufers in der Wüste.
Es waren aber auch Pharisäer unter den Abgesandten. Wörtlich steht da nicht „die Abgesandten gehörten zu den Pharisäern“, sonst wäre ein Widerspruch gegeben. Die Pharisäer waren keine Priester, sondern Laien. Wörtlich heißt es „Auch/und waren Abgesandte aus den Pharisäern“. Diese fragen den Täufer nach seiner Berechtigung zur Taufe, so als ob nur die messianische Identität dazu befuge. Sie fragen das nicht wegen der Tätigkeit selbst, sondern wegen der Botschaft dahinter.
Er erklärt, dass er nur mit Wasser taufe. Das ist für uns die Erklärung, dass seine Taufe kein Sakrament ist. Es ist nur Wasser – also ein sichtbares Zeichen, das an sich noch keine übernatürliche Gnade nach sich zieht (zumindest nicht in dem Maße, wie es die von Christus gestifteten Sakramente tun!). Es ist ein vorbereitender Akt auf den Messias, der die innere Buße nach außen hin sichtbar macht.
Er definiert seine Identität dann vom Messias aus: Seine Würde ist nicht mal so groß wie die eines Sklaven im Vergleich zum Messias! Sklaven dürfen ihrem Meister wenigstens die Sandalen lösen. So demütig ist der Täufer! Das hat nichts mit „ich fühle mich so wertlos!“ zu tun, sondern er sieht sich im Lichte Gottes, wie er wirklich ist – arm und erlösungsbedürftig.
Wenn Johannes sagt „mitten unter euch steht einer“, kann das entweder darauf hinweisen, dass Jesus in dieser Szene tatsächlich gegenwärtig ist. Er geht ja auch zum Jordan, um sich von Johannes taufen zu lassen. Es kann in dieser Szene aber auch heißen, dass Jesus mitten unter den Menschen im Leben „steht“. Dann ist die Aussage im übertragenen Sinne zu verstehen. Jesu öffentliches Wirken wird jedenfalls „nach Johannes“ beginnen, wenn dieser nämlich im Gefängnis sitzt.
Zum Ende hin erfahren wir noch den Ort, wo diese Szene stattfindet: in Betanien, dem Ort, wo Jesus auch wirken wird. Dort leben die Geschwister und Freunde Jesu Maria, Marta und Lazarus, den Jesus sogar von den Toten erwecken wird. Diese Bemerkung ist also mehr als eine Floskel. Wir werden auf Jesu späteres Wirken vorbereitet.

Heute erfahren wir in den Lesungen vieles darüber, wer Jesus ist und wer Jesus nicht ist. Von seiner Identität hängt aber alles ab. Er ist Gott und Mensch, unvermischt (Monophysitismus) und ungetrennt (Nestorianismus, Arianismus). Er ist wirklich das Heil Gottes und war schon bei der Schöpfung dabei (siehe Psalm 98). Er ist auch nicht Johannes der Täufer (siehe Evangelium). Unser Heil kommt von Gott, das heißt Jesus kommt vom Vater und wir sind auf diesen Jesus und auf sein Evangelium getauft worden. Bleiben wir ihm und seiner Lehre treu, damit wir in ihm bleiben und am Ende der Zeiten nicht beschämt werden. All das begann mit seinem Erscheinen als kleines Kind in der Krippe. All das wird sich vollenden bei seinem zweiten Erscheinen als verherrlichter Menschensohn!

Ihre Magstrauss

Fest der unschuldigen Kinder

1 Joh 1,5-2,2; Ps 124,2-5.7-8; Mt 2,13-18

1 Joh 1-2
5 Das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkünden: Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm. 
6 Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben und doch in der Finsternis wandeln, lügen wir und tun nicht die Wahrheit. 
7 Wenn wir im Licht wandeln, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander und das Blut seines Sohnes Jesus reinigt uns von aller Sünde. 
8 Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre und die Wahrheit ist nicht in uns.

9 Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht. 
10 Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, machen wir ihn zum Lügner und sein Wort ist nicht in uns.
1 Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt. Wenn aber einer sündigt, haben wir einen Beistand beim Vater: Jesus Christus, den Gerechten. 
2 Er ist die Sühne für unsere Sünden, aber nicht nur für unsere Sünden, sondern auch für die der ganzen Welt.

In den johanneischen Schriften wird im Kontext von Gott oft die Lichtmetaphorik verwendet. Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm. Mit dem Gegensatz „Licht“ – „Finsternis“ drückt Johannes aus, dass Gott nur Liebe ist. Nichts Böses ist in ihm.
Die Konsequenz davon ist auch auf uns Menschen zu beziehen: Wir können nicht Gemeinschaft mit dem Licht haben und selber in uns Finsternis haben. Das heißt, dass wir nicht zugleich in Todsünde leben (Finsternis) und im Stand der Gnade sein können (Gemeinschaft mit ihm). Wer das behauptet, belügt sich selbst.
Wir können nur Gemeinschaft haben, wenn wir „im Licht wandeln“ wie Gott. Das Wandeln ist ein Ausdruck für den Lebenswandel und somit ein moralischer Begriff. Wenn wir uns mit ganzer Kraft bemühen, auf dem Weg Gottes zu bleiben, d.h. seine Gebote halten, dann wandeln wir im Licht und Jesus reinigt uns von unseren Sünden. Dass überhaupt von Sünde die Rede ist, macht die ganze Rede so realistisch. Niemand sagt, dass wir ohne Sünde sind, nur weil wir uns bemühen, im Licht zu wandeln. Wir fallen trotzdem. Wenn wir aber aufstehen, d.h. umkehren und weitergehen, dann zeigen wir unsere Aufrichtigkeit und Gott vergibt uns unsere Sünden.
Diese Aufrichtigkeit zeigen wir vor allem daran, dass wir unsere Sünden bekennen (ὁμολογέω homologeo). Wir sollen das nicht einfach nur bereuen, was Gott sowieso schon von uns weiß, er sieht ja alles. Gott möchte auch, dass wir die Dinge beim Namen nennen. Das sollen wir nicht deshalb, weil er es unbedingt braucht, sondern weil wir es unbedingt brauchen.
Wer behauptet, ohne Sünde zu sein, lügt. Jeder Mensch ist gefährdet, zu fallen. Wir sind zwar von der Erbsünde erlöst, aber die Folgen der Erbsünde sind noch da. Wir haben immer noch die Neigung dazu, Böses zu tun. Wir sündigen weiter. Gottes Wort (also Jesus) ist nicht in uns, wenn wir behaupten, ohne Sünde zu sein.
Johannes schreibt diese Worte, um zur Ablegung der Sünde aufzurufen. Aber auch für jene, die es dennoch tun, hat er eine zuversichtliche Botschaft: Wir haben einen Beistand beim Vater, Jesus Christus. Er ist es ja, der durch sein Kreuzesopfer die Vergebung der Sünden ermöglicht hat. Er ist gestorben zur Sühne für unsere Sünden und die der ganzen Welt, wie wir auch im Barmherzigkeitsrosenkranz beten. Interessant ist dabei, dass der Begriff παράκλητος parakletos verwendet wird. Diese Umschreibung wird ja sonst für den Hl. Geist gebraucht. Aber auch im wortwörtlichen Sinn ist Jesus unser Beistand, gerade wo wir schuldig geworden sind.
Diese Worte sind sehr tröstlich, weil wir selbst in Schuld und Sünde nicht verzweifeln müssen. Wenn es uns von Herzen leidtut und wir umkehren, dann wird uns Gott die Sünden vergeben. Es ist bemerkenswert, wie die Worte des Johannes das Sakrament der Beichte erklärt: Wir sollen unsere Sünden bereuen, wir sollen sie bekennen, unsere Schuld muss gesühnt werden, wofür Jesus ja gestorben ist. Unsere Aufrichtigkeit soll sich dadurch zeigen, dass wir uns bemühen, nicht mehr zu sündigen. Und wir sollen in uns gehen, um zu erkennen, wo wir uns selbst belügen. Die heutige Lesung ist eine richtige Beichtparänese, die Johannes mit Deutlichkeit formuliert, aber auch mit Liebe.

Ps 124
2 wäre es nicht der HERR gewesen, der da war für uns, als sich gegen uns Menschen erhoben, 
3 dann hätten sie uns lebendig verschlungen, als gegen uns ihr Zorn entbrannte, 
4 dann hätten die Wasser uns weggespült, hätte sich über uns ein Wildbach ergossen, 
5 dann hätten sich über uns ergossen die wilden und wogenden Wasser.
7 Unsre Seele ist wie ein Vogel dem Netz des Jägers entkommen; das Netz ist zerrissen und wir sind frei. 
8 Unsere Hilfe ist im Namen des HERRN, der Himmel und Erde erschaffen hat. 

Heute danken wir mit dem Psalm Gott, der uns aus der Gefahr rettet. Diese Rettung betrifft wiederum nicht das irdische Leben, sondern das ewige. Wir werden davon gleich im Evangelium hören und wir lasen bereits in der Lesung davon, was wir von uns aus tun können, damit unsere Seele gerettet wird.
Der Herr ist es, der das Volk Israel gerettet hat von den Feinden, die es sonst lebendig verschlungen hätten. Es ist politisch zu verstehen als Rettung aus dem babylonischen Exil.
Es bezieht sich auch auf die Menschheit, die ohne die Erlösung Jesu Christi das ewige Leben nicht gehabt hätte. Es bezieht sich auch auf die Kirche, durch die die Erlösung den Menschen angeboten wird in der Taufe. Das bezieht sich auf die Möglichkeit zur Beichte, um Versöhnung zu erlangen und so in den Stand der Gnade zurückkehren zu können. Das bezieht sich auch auf das Ende des Lebens, wenn wir vom ewigen Kampf erlöst sein werden und nicht mehr leiden müssen (im besten Fall).
In diesem Psalm wird die Wassermetapher nicht wie sonst als lebendiges Wasser und Bild für den Hl. Geist verwendet, sondern als lebensbedrohlicher Faktor. Wenn wir auch gerade über Sünde und ewiges Leben sprechen, macht das Bild absolut Sinn und erinnert an die Sintflut, die auch die Konsequenz der Sünde war.
Wir, die wir erlöst sind, können wirklich sagen, dass wir frei sind. Frei von dem unausweichlichen Schicksal der Hölle. Dort kommt nur hinein, wer es auch will. Wenn wir getauft sind und uns immer um unsere Berufung bemühen, müssen wir dieses letzte Los nicht fürchten.
„Unsere Hilfe ist im Namen des HERRN, der Himmel und Erde geschaffen hat“. Diese Hilfe (hebr. עֵזֶר ezer) kann man in Analogie zum Beistand aus dem ersten Johannesbrief verstehen. Gott, der Vater, der alles geschaffen hat, ist unser Beistand! Somit schließt sich der Kreis der Trinität: Der Paraklet, wie es im Griechischen heißt, ist nicht nur der Hl. Geist, wie Jesus ankündigen wird (Johannesevangelium), sondern auch Jesus selbst (erster Johannesbrief) und auch der Vater (Psalm 124).

Mt 2
13 Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, siehe, da erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten. 
14 Da stand Josef auf und floh in der Nacht mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. 
15 Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.
16 Als Herodes merkte, dass ihn die Sterndeuter getäuscht hatten, wurde er sehr zornig und er sandte aus und ließ in Betlehem und der ganzen Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten, genau der Zeit entsprechend, die er von den Sterndeutern erfahren hatte. 
17 Damals erfüllte sich, was durch den Propheten Jeremia gesagt worden ist: 
18 Ein Geschrei war in Rama zu hören, lautes Weinen und Klagen: Rahel weinte um ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn sie waren nicht mehr.

Heute lesen wir die drastische Episode der Wahnvorstellungen des Herodes: Dieser König ist in seinem letzten Lebensabschnitt immer paranoider geworden. Er verdächtigte alles und jeden, irgendwie einen Komplott gegen ihn zu schmieden. Er ließ so viele umbringen, sogar seine eigenen Familienmitglieder (unter anderem drei seiner Söhne!). Er beauftragte viele Spione, die in der ganzen Stadt nach möglichen Revolten Ausschau halten sollten, und verkleidete sich sogar selbst als Bürger, um sich dahingehend umzuschauen.
Und dieser paranoide Herrscher reagiert im heutigen Evangelium natürlich dementsprechend, als die Sterndeuter aus dem Osten zu ihm kommen und von einem neuen Herrscher sprechen. Er hat ihnen aufgetragen, ihm Bescheid zu geben, wenn sie das Kind gefunden haben. Diese spüren aber die Gefahr und ziehen auf einem anderen Weg zurück in ihre Heimat. Dies ist die „Vorgeschichte“ des heutigen Evangeliums.
Josef, der sich ganz dem Willen Gottes öffnet und alles dafür tut, seine Familie zu beschützen, wird im Traum vor Herodes gewarnt, der Jesus umbringen will. Also flieht Josef nach Ägypten – ganz wie sein Namensvetter aus dem AT nach Ägypten gelangte. Gott hat auch dies zugelassen, „damit sich die Schrift erfülle“ und die Juden zum Glauben an Jesus kommen. Wir Christen glauben, dass Jesu ganzes Leben schon eine einzige Sühne ist, die mit dem Leiden und Kreuzestod ihren Höhepunkt erreicht. Deshalb ergibt es absolut Sinn, dass Jesus auch nach Ägypten fliehen musste wie das auserwählte Volk. Seine schwierige frühe Kindheit ist ein Akt, den er später erklären wird: Er kommt, um aus der Knechtschaft zu befreien, so wie das Volk Israel aus Ägypten befreit worden ist. Er befreit nun aber aus der Sklaverei der Sünde! Auch dies lehrt Gott die Juden durch die Flucht der Hl. Familie. Er bereitet sein auserwähltes Volk darauf vor. Das ist typisch göttliche Pädagogik.
Herodes reagiert wie zu erwarten auf die Täuschung der Sterndeuter. Er lässt in seiner Rage alle Jungen bis zum zweiten Lebensjahr umbringen. Diese armen, unschuldigen Kinder haben nichts Böses getan und mussten ihr Leben lassen wegen eines verrückt gewordenen Menschen! Was muss der Himmel geweint haben über diese große Schandtat! So weint der ganze Himmel über jedes getötete Kind bis heute. Wie viele unschuldige Kinder müssen ihr Leben lassen, bevor sie geboren werden? DAS ist der schlimmste Genozid aller Zeiten!
Ein Merkmal von Geschichte ist, dass sie sich wiederholt. Die Menschheit hat es nun mal an sich, aus vergangenen Zeiten nicht zu lernen. Deshalb passieren dieselben Dinge immer wieder neu, nur unter einem anderen Namen und unter anderen historischen Umständen. Dies sagt auch Matthäus, wenn er auf Jeremias Prophezeiung in Jer 31 verweist. Rahel wird dann als Personifikation Israels. Bei Jeremia geht es noch um die Juden, die vor dem babylonischen Exil stehen. Dies wird jetzt typologisch auf die unschuldigen Kinder in Bethlehem übertragen. Es wiederholt sich auch der Knabenmord von Ägypten. Die erstgeborenen Söhne der Israeliten werden in den Nil geworfen und ein einziges bestimmtes Kind überlebt. Mose. Jesus wird typologisch mit ihm in Verbindung gebracht. Auch das ist absolut wichtig und eine Lektion Gottes für die vor allem judenchristlichen Adressaten des Matthäusevangeliums!
Nach heutigem Stand stirbt Herodes der Große 4 n.Chr. So lange bleibt die Heilige Familie in Ägypten und kann dann wieder zurückkehren.
An dem heutigen Evangelium erkennen wir, wie Sünde funktioniert: Sie zieht immer Unschuldige mit hinein und bleibt nie auf den Sünder beschränkt. Sie ist wie ein hochansteckendes Virus, das um sich treibt. Man kann niemanden in Quarantäne stecken und ist den Konsequenzen der Sünde auch als Unschuldiger ausgeliefert. Und doch können wir auf den HERRN schauen. Er ist immer – ich wiederhole – immer größer und mächtiger als die Sünde und ihre schlagenden Wellen. Seine Gnade siegt über den Satan und sein Unwesen. Immer.

Ihr unschuldigen Kinder, bittet für uns!
Bittet für alle heutzutage gefährdeten Kinder, die in den Sog der Sünde unschuldig mit hineingezogen werden und ihre größten Opfer sind.
Bittet für alle Frauen, die über eine Abtreibung nachdenken,
bittet für alle Familien, die zerrüttet sind und in denen das Leben wie die Hölle ist wegen Missbrauch, Gewalt und Verwahrlosung.
Bittet für alle Kinder auf der ganzen Welt.
Gott, steh und allen bei!

Ihre Magstrauss

Freitag der 6. Osterwoche

Apg 18,9-18; Ps 47,2-3.4-5.6-7; Joh 16,20-23a

Apg 18
9 Der Herr aber sagte nachts in einer Vision zu Paulus: Fürchte dich nicht! Rede nur, schweige nicht!
10 Denn ich bin mit dir, niemand wird dir etwas antun. Viel Volk nämlich gehört mir in dieser Stadt.
11 So blieb Paulus ein Jahr und sechs Monate und lehrte bei ihnen das Wort Gottes.
12 Als aber Gallio Prokonsul von Achaia war, traten die Juden einmütig gegen Paulus auf, brachten ihn vor den Richterstuhl
13 und sagten: Dieser verführt die Menschen zu einer Gottesverehrung, die gegen das Gesetz verstößt.

14 Als Paulus etwas erwidern wollte, sagte Gallio zu den Juden: Läge hier ein Vergehen oder Verbrechen vor, ihr Juden, so würde ich eure Klage ordnungsgemäß behandeln.
15 Streitet ihr jedoch über Lehre und Namen und euer Gesetz, dann seht selber zu! Darüber will ich nicht Richter sein.
16 Und er wies sie vom Richterstuhl weg.
17 Da ergriffen alle den Synagogenvorsteher Sosthenes und verprügelten ihn vor dem Richterstuhl. Gallio aber kümmerte sich nicht darum.
18 Paulus blieb noch längere Zeit. Dann verabschiedete er sich von den Brüdern und segelte zusammen mit Priscilla und Aquila nach Syrien ab. In Kenchreä hatte er sich aufgrund eines Gelübdes den Kopf kahl scheren lassen.

Heute setzen wir die Bahnlesung der Apostelgeschichte sowie die der Abschiedsreden fort.
Zuletzt wurde uns von Paulus‘ Areopagrede in Athen berichtet und es endete damit, dass er nach Korinth ging. Im weiteren Verlauf lernte er das jüdische Ehepaar Aquila und Priscilla kennen, das durch das Claudius-Edikt von 49 n.Chr. aus Rom verbannt worden ist. Sie teilen mit Paulus denselben Beruf der Zeltmacherei und arbeiteten mit ihm, bis seine Gefährten aus Mazedonien nachgereist kamen. Auch in Korinth gab es Anfeindungen durch die ansässigen Juden, weshalb er zu den Heiden ging. Dennoch ist es sehr bemerkenswert, dass ausgerechnet der Synagogenvorsteher sich mit seinem Haus zum Christentum bekehrt hat.
Heute beginnt es damit, dass Gott ihm in nächtlicher Vision seinen Beistand zusagt. Es wird ihm noch einiges zustoßen und doch möchte ihm der Herr versichern, dass alles gut wird. Er spricht ihm diese Worte auch deshalb zu, weil er in Korinth so viele Widerstände erfahren hat. Gott nimmt uns meistens nicht das Leid in unserem Leben. Was er aber voller Bereitschaft tut, ist uns die Kraft zu geben, das Leiden anzunehmen und es zu tragen. Er sichert auch uns immer wieder die Bereitschaft zu, uns beizustehen. Gott gibt ihm auch zu verstehen, dass Pauli Verkündigung seinem Willen entspricht und keiner Paulus etwas antun wird.
Er sagt Paulus in dem Kontext auch, dass in der Stadt viele ihm gehören. Das heißt nicht, dass nur auserwählte Menschen Gott gehören und der Rest nicht. Im Griechischen heißt es διότι λαός ἐστίν μοι πολὺς ἐν τῇ πόλει ταύτῃ dioti laos estin moi polys en te polei taute – in dieser Stadt ist dem Herrn viel Volk. Laos ist der Begriff für das auserwählte Volk Israel, nun aber angewandt auf das neue Volk Gottes, das ihm gehört. Er kündigt Paulus also an, dass eine große Gemeinde in der Stadt entstehen wird.
Nach eineinhalb Jahren wendet sich das Blatt, denn als Gallio Prokonsul wird, klagen die korinther Juden Paulus bei ihm an. Der Vorwurf lautet „Gottesverehrung, die gegen das Gesetz verstößt. Das Stichwort νόμος nomos zeigt uns, dass es die Torah meint. Die Juden haben ein religiöse Problem mit Paulus. Doch Gallio reagiert unbeeindruckt, denn es liegt außerhalb seines Aufgabenbereichs. Für religiöse Angelegenheiten haben die Juden ihre eigene Torah. Er selbst kümmert sich um Verbrechen und römische Gesetzesbrüche. So weist er die Ankläger ab und Paulus bleibt unbeschadet. Doch aus Wut und Frust ergreifen die Juden Sosthenes, der für sie als Hochverräter gelten muss. Ausgerechnet er als Synagogenvorsteher hat sich ja mit seinem Haus zum Christentum bekehrt. So prügeln sie vor Gallio auf ihn ein, doch den Prokonsul lässt es kalt. Er sagte, dass er „echte“ Verbrechen ordnungsgemäß fahnde. Angesichts der Gewalt, die sich vor seinen Augen abspielt und gegen die er nichts unternimmt, scheint dies nicht ganz zu stimmen.
Paulus verlässt die Stadt nicht sofort, sondern bleibt noch ein wenig bei den korinther Christen, bevor er sich mit Aquila und Priscilla auf den Weg nach Syrien begibt.
Zum Schluss wird noch von einem Gelübde berichtet, bei dem er sich die Haare schert. Zumeist wird angenommen, dass damit das Nasiräergelübde gemeint ist, das dann in Kenchreä durch das Scheren der Haare beendet wird. Vielleicht wollte sich Paulus dadurch unter den besonderen Schutz Gottes stellen und auch den judäischen Gegnern bei der Durchreise über Jerusalem seine Gesetzestreue beweisen (man musste bei einem Nasiräat auch nach Jerusalem reisen). Dies ist aber nicht ganz sicher und dann hätte Paulus auch am Herrenmahl das Blut Christi nicht empfangen können (Nasiräer dürfen keinen Wein trinken). Welches Gelübde auch gemeint sei: Paulus handelt nie nach eigenem Gutdünken und auch nicht aus eigener Kraft. Er tut alles mit der Gnade Gottes. Vielleicht hat er das Gelübde auch abgelegt aus Dank für den Schutz und Beistand des Herrn während seiner Zeit in Korinth.

Ps 47
2 Ihr Völker alle, klatscht in die Hände; jauchzt Gott zu mit lautem Jubel!
3 Denn Furcht gebietend ist der HERR, der Höchste, ein großer König über die ganze Erde.
4 Er unterwerfe uns Völker und zwinge Nationen unter unsere Füße.
5 Er erwähle für uns unser Erbland, den Stolz Jakobs, den er lieb hat.
6 Gott stieg empor unter Jubel, der HERR beim Schall der Hörner.
7 Singt unserm Gott, ja singt ihm! Singt unserm König, singt ihm!

Der Missionsabschnitt in Korinth ist sehr erfolgreich gewesen. Eine große Gemeinde ist daraus entstanden und Paulus ist unbeschadet wieder von dort abgereist. Dies ist für uns Anlass zum Lobpreis im Psalm.
Gott ist furchtgebietend. Das ist nicht dasselbe wie angsteinflößend. Es meint, dass sein Wirken in uns nur eine Reaktion von Ehrfurcht hervorrufen kann. Auch seine Erscheinung ist furchteinflößend, auch wenn wir ihn unverhüllt gar nicht sehen können, ohne zu sterben. Seine Manifestationen wie die Wolke oder der Rauch sind schon furchteinflößend, sodass zum Beispiel bei der Verklärung die drei anwesenden Jünger es mit der Angst zu tun bekommen, als sie von der Wolke Gottes umhüllt werden. Erst recht werden alle Menschen überwältigt werden, wenn Jesus am Jüngsten Tag mit dieser göttlichen Herrlichkeit wiederkehren wird…
Die Unterwerfung von Völkern und das Zwingen unter die Füße seiner Auserwählten ist zuvor wörtlich verstanden worden. Mit militärischer Gewalt und politischen Mitteln sind diese Dinge im Alten Israel umgesetzt worden. Sie sind nun aber viel mehr geistlich zu verstehen: Es geht um die Gewinnung von Christen für das Volk Gottes des Neuen Bundes. Dies soll nicht durch Gewalt geschehen, sondern durch Überzeugung. Es soll genauso wenig eine tyrannische Herrschaft sein wie der Herrschaftsauftrag der ersten Schöpfung. Dort meint die „Unterwerfung der Erde“ unter das erste Menschenpaar die Sorge um die ihnen anvertraute Schöpfung. Nun sind es die Apostel, die ersten Menschen der neuen Schöpfung nach dem Erstgeborenen Christus, die in liebender Fürsorge die neue Schöpfung versorgen sollen.
Auch das Erbland ist nicht mehr irdisch zu verstehen, sondern bezieht sich auf das Reich Gottes. In dieses gehen jene ein, die im Heiligen Geist neugeboren sind. Im Gegensatz zum irdischen Erbland ist genug Platz für jeden und kein bisher dort lebendes Land muss dem auserwählten Volk weichen.
„Gott stieg empor unter Jubel, der HERR beim Schall der Hörner.“ Dies ist heute ganz aktuell mit Christus gegeben, der in den Himmel aufgestiegen ist. Hörner und Jubel sind vielleicht nicht von den Jüngern betätigt worden, dafür aber können wir uns vorstellen, von welcher Freudenmusik begleitet der Menschensohn in die himmlische Heimat zurückgekehrt ist, aufgenommen in das Herz des Vaters!
„Singt unserm Gott, ja singt ihm! Singt unserm König, singt ihm!“ Auch hier wie in Vers 2 erklingt ein Lobpreisaufruf dessen, der der Allherrscher ist.
Psalm 47 beinhaltet Thronbesteigungsmotive, Elemente für die Krönungsfeier eines Herrschers. Mithilfe von Bildern des irdischen Königszeremoniells wird die kommende Herrschaft Gottes ausgedrückt. Es ist also absolut sinnvoll, diesen Psalm an Christi Himmelfahrt zu beten. Christus kommt wie bei einem Triumphzug der römischen Kaiser zurück in die Ewigkeit, als siegreicher Messias, der die Welt erlöst hat. Er wird begrüßt von den himmlischen Heerscharen und besteigt den Thron zur Rechten des Vaters. So können wir gut nachvollziehen, was Stephanus vor seinem Tod schauen durfte (Apg 7,56) und auch was Paulus meint, wenn er im Philipperhymnus betet: „Darum hat ihn Gott über alle anderen erhöht.“ (Phil 2,9).

Joh 16
20 Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, aber eure Trauer wird sich in Freude verwandeln.
21 Wenn die Frau gebären soll, hat sie Trauer, weil ihre Stunde gekommen ist; aber wenn sie das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an ihre Not über der Freude, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist.
22 So habt auch ihr jetzt Trauer, aber ich werde euch wiedersehen; dann wird euer Herz sich freuen und niemand nimmt euch eure Freude.
23 An jenem Tag werdet ihr mich nichts mehr fragen.

Im Evangelium hören wir einen weiteren Ausschnitt aus der dritten Abschiedsrede. Jesus macht weitere Andeutungen, dass die Apostel es um seines Namens willen schwer haben werden. Sie werden „weinen und klagen“. Hier werden eindeutig die schlimmen Christenverfolgungen angedeutet, die bis heute andauern. Wenn die Welt ihn schon gehasst hat, wird es seinen Jüngern nicht anders ergehen. In dieser Hinsicht ist auch zu verstehen, warum die Welt sich freuen wird: Dabei handelt es sich nämlich um die Schadenfreude. Diese ist aber nur von kurzer Dauer, denn die Trauer der Jünger wird sich in Freude umwandeln. Dies wird spätestens mit der Ewigkeit passieren, wo die Freude eine Frucht des Heiligen Geistes ist und den anhaltenden Zustand darstellen wird.
Diese Worte spricht Jesus kurz vor seinem Tod. Das bedeutet, dass die Trauer der Apostel zuallererst mit seinem Tod zu tun haben wird. Sie werden unter Schock stehen und traurig sein über Jesu Tod. Die Trauer wird nicht einmal 48 Stunden andauern und sich dann am Ostermorgen in Freude verwandeln. Die Schadenfreude der Welt (damit ist bei Johannes ja immer die gefallene Schöpfung gemeint) bezieht sich in dieser Lesart vor allem auf den Hohen Rat Jerusalems, der scheinbar triumphiert. Auch moralisch können wir diesen Vers verstehen, denn der Böse tut alles daran, uns von Gott wegzuziehen. Er ist es, der sich freut, wenn wir sündigen. Er redet uns dann ein, dass nichts mehr zu retten ist. Er will uns einreden, dass wir nach dem Fall liegenbleiben sollen. Seine Schadenfreude ist nur von kurzer Dauer (er ist schadenfroh, weil er uns von dem wegzieht, was ihm selbst weggenommen worden ist – das Himmelreich). Aber er hat die Rechnung ohne Gott gemacht, der uns im Sakrament der Versöhnung die Sünden vergeben und uns in den Stand der Gnade zurückversetzen kann! So wird unsere Trauer über unsere Sündhaftigkeit in Freude über die Versöhnung mit Gott umgewandelt.
Insbesondere die eschatologische Lesart wird uns durch den nächsten Vers verdeutlicht (also die Perspektive auf die Ewigkeit hin), aber auch die ekklesiologische (auf die Kirche bezogen). Dort vergleicht Jesus die vorübergehende Trauer mit dem Prozess einer Geburt, der sehr schmerzhaft ist, aber das Ergebnis reine Freude bereitet. Wenn nach den Geburtswehen das Kind dann da ist, vergisst die Frau voller Freude, was sie durchgemacht hat. So ist es mit der Ewigkeit und deshalb greift Paulus dieses Bild dann später wieder auf: Die ganze Welt liegt in Wehen und je näher sie der (geistlichen) Geburt der neuen Schöpfung entgegen geht, desto akuter wird es. Dies wird durch die zunehmenden Christenverfolgungen spürbar, aber auch durch immer deutlichere Zeichen der Endzeit politischer und kosmologischer Natur. Wenn die neue Schöpfung aber dann vollzogen ist durch die Schaffung eines neuen Himmels und einer neuen Erde, wird nur noch die Freude des Himmels herrschen.
Aber auch in ekklesiologischer Perspektive ist es so zu verstehen, wie uns die Berichte der Apostelgeschichte besonders zeigen: Die Missionare müssen viel durchmachen, werden gesteinigt, ins Gefängnis gesteckt, vor die Gerichte gebracht, verunglimpft und immer wieder verspottet, doch all dies ist es Wert, wenn sich dafür die Menschen zu Christus bekehren.
Jesus wird seine Apostel wiedersehen – das ist wie gesagt auf seiner Auferstehung zu beziehen, ebenso auf das Ende der Zeiten. Gestern feierten wir Christi Himmelfahrt. Es ist ein Abschied auf Zeit, denn er wird wiederkommen als verherrlichter Menschensohn am Jüngsten Tag.
Und die Freude, die die Apostel sowie alle bis dahin standhaft gebliebenen Menschen erfüllen wird, kann ihnen keiner nehmen. Dies gilt vor allem jenen Christen, die um ihres Glaubens willen viel erleiden müssen und sogar ihr Leben geben. Die Freude der Märtyrer kann ihnen keiner nehmen, am wenigsten ihre Verfolger.
Und dann werden die Apostel Jesus nichts mehr fragen. Warum sagt er das? Wenn der Mensch vor Gott steht, wird er alles sehen und erkennen. Er wird alles begreifen und so bleiben keine Fragen mehr offen. Das gilt auch uns: Noch haben wir viele Fragen, weil wir die Entwicklungen nicht verstehen, unser Leben nicht im Überblick vor uns haben und das Geheimnis Gottes nicht erfassen können. Doch wenn wir sterben und vor ihn treten, werden wir ihn sehen, wie er ist. Und in der Schau Gottes werden wir auch unser Leben sehen, wie es ist – mit all dem, was uns bis dahin unklar war. Das wird viel Schmerz verursachen, weil wir uns unserer Sünde schmerzlich bewusst werden, ebenso der vielen verpassten Chancen, Gottes unendliche Liebe zu erwidern.

Ihre Magstrauss

Mittwoch der 6. Osterwoche

Apg 17,15.22 – 18,1; Ps 148,1-2.11-12.13-14; Joh 16,12-15

Apg 17
15 Die Begleiter des Paulus brachten ihn nach Athen. Mit dem Auftrag an Silas und Timotheus, Paulus möglichst rasch nachzukommen, kehrten sie zurück.
22 Da stellte sich Paulus in die Mitte des Areopags und sagte: Männer von Athen, nach allem, was ich sehe, seid ihr sehr fromm.
23 Denn als ich umherging und mir eure Heiligtümer ansah, fand ich auch einen Altar mit der Aufschrift: EINEM UNBEKANNTEN GOTT. Was ihr verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch.
24 Der Gott, der die Welt erschaffen hat und alles in ihr, er, der Herr über Himmel und Erde, wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand gemacht sind.
25 Er lässt sich auch nicht von Menschenhänden dienen, als ob er etwas brauche, er, der allen das Leben, den Atem und alles gibt.
26 Er hat aus einem einzigen Menschen das ganze Menschengeschlecht erschaffen, damit es die ganze Erde bewohne. Er hat für sie bestimmte Zeiten und die Grenzen ihrer Wohnsitze festgesetzt.
27 Sie sollten Gott suchen, ob sie ihn ertasten und finden könnten; denn keinem von uns ist er fern.
28 Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir; wie auch einige von euren Dichtern gesagt haben: Wir sind von seinem Geschlecht.
29 Da wir also von Gottes Geschlecht sind, dürfen wir nicht meinen, das Göttliche sei wie ein goldenes oder silbernes oder steinernes Gebilde menschlicher Kunst und Erfindung.
30 Gott, der über die Zeiten der Unwissenheit hinweggesehen hat, gebietet jetzt den Menschen, dass überall alle umkehren sollen.
31 Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis in Gerechtigkeit richten wird, durch einen Mann, den er dazu bestimmt und vor allen Menschen dadurch ausgewiesen hat, dass er ihn von den Toten auferweckte.
32 Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen, andere aber sagten: Darüber wollen wir dich ein andermal hören.
33 So ging Paulus aus ihrer Mitte weg.
34 Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig, unter ihnen auch Dionysius, der Areopagit, außerdem eine Frau namens Damaris und noch andere mit ihnen.
1 Hierauf verließ Paulus Athen und ging nach Korinth.

Gestern ging es in der Apostelgeschichte um das pfingstartige Ereignis im Gefängnis von Philippi. Am Ende bekehrte sich der Gefängniswärter, ließ sich mit seinem ganzen Haus taufen und nahm die Missionare bei sich auf. Um die Nachgeschichte ein wenig zusammenzufassen: Am nächsten Tag will man die beiden freilassen (es war wohl nicht bekannt geworden, dass die Missionare gar nicht mehr im Gefängnis saßen). Paulus lässt jene, die die Anordnung überbringen, wissen, dass Silas und er römische Bürger seien und eigentlich Anspruch auf einen Prozess gehabt hätten. So kommen die obersten Beamten, um Paulus und Silas hinauszuführen. Daraufhin gehen sie zu Lydia, wo sie den Brüdern Mut zusprechen. Das heißt, dass im Hause der Purpurhändlerin mittlerweile eine christliche Gemeinde entstanden ist. Daraufhin reisen Paulus und seine Gefährten weiter und kommen unter anderem nach Thessalonich und Beröa. Wie schon zuvor ernten sie eigentlich viel Offenheit und Verständnis, sodass viele zu Christen werden. Da aber auch viele Gottesfürchtige der Oberschicht den Glauben annehmen, stößt die Mission auf Eifersucht bei den ansässigen Juden. Diese hetzen die Stadt gegen die Missionare auf, sodass diese weiterziehen müssen. Jene Feinde kommen später dann in die Nachbarstadt, um auch dort gegen die Missionare anzugehen.
Dann bringen Silas und Timotheus Paulus nach Athen und bleiben selbst in Beröa zurück. folgen ihm später nach. So ist Paulus nun in der griechischen Stadt allein und ist aufgebracht wegen der vielen Götzenbilder. Er hat Kontakt zu den ansässigen Juden und tauscht sich gleichzeitig mit epikureischen und stoischen Philosophen aus. Diese bringen ihn eines Tages dann zum Areopag, von wo er eine ganz berühmte Bekenntnisrede hält.
Dabei setzt er rhetorisch sehr geschickt an, indem er den Zuhörern nicht gleich den Götzendienst vorwirft, sondern ihre Frömmigkeit lobt. Damit gewinnt er schon einmal die Gunst der Anwesenden. Dann kommt er auf den Altar für den Unbekannten Gott zu sprechen, den er in der Stadt gesehen hat. Dies dient ihm als Anknüpfungspunkt, über den Schöpfer des Himmels und der Erde zu sprechen, dem rein transzendenten Gott der Christen. Er braucht keinen Tempel, in dem er wohnt und in dem ihm geopfert wird (Kritik an den vielen Tempeln der Stadt). Er braucht auch nicht die Hilfe von Menschen, denn er ist der Helfer all seiner Geschöpfe. Er ist auch der Herr der ganzen Welt, nicht mehr nur eines bestimmten irdischen Bereichs wie bei den Griechen.
Dieser Gott hat die Menschen geschaffen, indem er sie alle von einem einzigen Menschen abstammen lässt (Adam).
Paulus erklärt sodann, dass in allen Menschen die Sehnsucht nach Gott eingepflanzt ist, sodass jeder nach Gott sucht. Er verweist auf griechische Philosophien, denen nach der Mensch von Gottes Geschlecht sei. Das heißt natürlich nicht, dass Paulus an die Göttlichkeit des Menschen glaubt, sondern dass er eine gemeinsame Basis schaffen möchte. So kann er auf sein eigentliches Anliegen zu sprechen kommen: Wenn wir Menschen also von göttlichem Geschlecht sind, können wir nicht Gebilde aus irdischen Materialien und von Menschenhand verehren.
Deshalb ruft Gott universal zur Umkehr auf. Es werde nämlich ein Gericht geben und dieses wird mit Jesus Christus zu tun haben, den er von den Toten auferweckt hat. Als Paulus dies anspricht, spotten einige der Anwesenden darüber, andere wiederum lassen ihn nicht weiterreden und vertrösten ihn auf ein nächstes Mal. Durch die Blume sagen sie ihm eigentlich: Das interessiert uns nicht und geht zu weit.
Dies ist für Paulus jedoch kein Grund zur Kränkung, sondern er geht einfach weg. Einige Menschen bekehren sich auf seine Worte hin, so zum Beispiel Dionysios der Areopagit und eine Frau namens Damaris. Dann geht Paulus nach Korinth. Dort wird er eine Gemeinde gründen, die zu einer beachtlichen Größe heranwachsen wird.

Ps 148
1 Halleluja! Lobt den HERRN vom Himmel her, lobt ihn in den Höhen:
2 Lobt ihn, all seine Engel, lobt ihn, all seine Heerscharen,
11 ihr Könige der Erde und alle Völker, ihr Fürsten und alle Richter der Erde,
12 ihr jungen Männer und auch ihr jungen Frauen, ihr Alten mit den Jungen!
13 Loben sollen sie den Namen des HERRN,/ denn sein Name allein ist erhaben, seine Hoheit strahlt über Erde und Himmel.
14 Er hat erhöht die Macht seines Volks, zum Lob für all seine Frommen, für die Kinder Israels, das Volk, das ihm nahe ist. Halleluja!

Auch heute beten wir im Anschluss an die Lesung einen Lobpreispsalm. Trotz der abrupten Unterbrechung an entscheidender Stelle spricht Paulus inmitten der Heiden über den christlichen Glauben. Das muss man sich einmal genauer vorstellen: Er spricht hier zu Menschen, denen Athena Promachos und der olympische Zeus alles bedeuten. Nicht der griechische Vatergott ist der Vater, Herr und Geber von allem, sondern der sich offenbarende jüdisch-christliche Gott.
Der heutige Psalm gehört zum Schluss-Hallel, der Psalmengruppe, die von Halleluja-Rufen gerahmt wird.
„Lobt den HERRN vom Himmel her, lobt ihn in den Höhen“ ist ein Lobaufruf an die himmlischen Wesen, das heißt an die Engel und Heiligen, die bei Gott sind. Dies wird uns dann auch im nächsten Vers explizit gesagt („Lobt ihn, all seine Engel…“).
Auch die irdischen Wesen sollen Gott loben, vor allem die Mächtigen der Welt: „ihr Könige der Erde und alle Völker, ihr Fürsten und alle Richter der Erde“. Ihre Macht ist von Gott her betrachtet geringer als die königliche und richterliche Gewalt Gottes. So müssen selbst diese irdischen Mächte dem Allmächtigen die Ehre geben.
Alle Menschen werden zum Lobpreis aufgerufen, Jung und Alt, Mann und Frau, denn Gottes Name ist erhaben. Er ist zwar ganz und gar von der Schöpfung verschieden, doch seine Herrlichkeit erstrahlt das All. In seiner Macht hat er seinem auserwählten Volk, „das ihm nahe ist“, Israel, Macht verliehen. Er hat ihm besondere Gnaden zuteil werden lassen und diese sind Anlass für das Lob Gottes.
Paulus als Kind Israels hat auch heute Anlass, Gott für diese Gnade zu loben und zu preisen. Zwar haben die Athener ihn beim Thema Auferstehung abgelehnt, ihn die Heilsgeschichte bis dahin aber erzählen lassen. Sie haben ihm Gehör geschenkt, als er ihre vielen Götzenbilder und Tempel kritisiert und eben jenen Gott beschrieben hat, den dieser Psalm zeichnet: als Herrscher des Himmels und der Erde, dem allein die Ehre gebührt.
Für Psalmen ist bezeichnend, dass Lobaufforderungen formuliert werden, besonders auch die Aufforderung an die verschiedenen Bereiche der Schöpfung.
Das Halleluja schließt auch hier den Lobgesang ab.

Joh 16
12 Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.
13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird reden, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird.
14 Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden.
15 Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.
16 Noch eine kurze Zeit, dann seht ihr mich nicht mehr, und wieder eine kurze Zeit, dann werdet ihr mich sehen.

Jesus spricht heute wieder einen Ausschnitt aus der dritten Abschiedsrede. Am liebsten möchte er noch so viel mehr sagen, kann seine Apostel aber nicht überfordern. Sie haben in den letzten Jahren schon so oft seine Worte nicht begriffen. Aus sich selbst heraus können sie die göttliche Weisheit nicht begreifen. Sie brauchen den Heiligen Geist dafür, der sie erfüllt und ihnen die Augen öffnet. Und so kündigt Jesus an, dass wenn der Geist der Wahrheit kommen wird, sie in der ganzen Wahrheit leiten wird. Das bedeutet nicht, dass er ihnen etwas Neues offenbaren, sondern Jesu verkündete Lehre begreiflich machen wird. Jesus erklärt ihnen auch, dass er mit dem Geist etwas gemeinsam hat: eine Lehre zu verkünden, die er nicht aus sich selbst besitzt, sondern vom Vater. Es ist eine gemeinsame Offenbarung, auch wenn der Geist und er nicht einfach identisch sind. So wie Christus der authentische Exeget des Vaters ist, weil er an dessen Herzen ruht, ist auch der Geist Zeuge der Wahrheit, weil er offenbart, was er „hört“. Auch er ist vom Vater gesandt und so bringt auch er authentische Kunde. Er wird den Jüngern seine Gaben geben, wodurch sie sehen werden „was kommen wird.“ Es klingt die Gabe der Prophetie an, die unter anderem eine Schau kommender Dinge ermöglicht. Man kann es auch so verstehen, dass Gottes Geist den Aposteln den göttlichen Willen in kommender Zeit aufzeigen wird.
Dieser Geist ist es, der Christus verherrlichen wird. Wir glauben, dass mit der Himmelfahrt Jesu dieser die Entäußerung ablegen wird, die er mit der Menschwerdung auf sich genommen hat. Dann wird er seine Göttlichkeit nicht mehr verbergen, sondern in seiner ganzen Macht und Herrlichkeit wieder beim Vater sein. Hier sagt Jesus selbst, dass dies durch den Heiligen Geist geschieht. Die Herrlichkeit Gottes hängt also mit dem Heiligen Geist zusammen, was uns den Psalm tiefer verstehen lässt. Dort heißt es, dass Gottes Hoheit über die ganze Erde erstrahlt. Es ist ein und dieselbe Glorie, der Glanz Gottes. Durch den Heiligen Geist ist Gott in der Welt gegenwärtig. Mit der umfassenden Geistgabe an Pfingsten wird seine Gegenwart auf Erden intensiviert. Dann wird er umfassend das Wort Gottes, Jesus Christus nach dessen Heimkehr zum Vater offenbaren. Er wird von dem nehmen, was Jesus gehört – gemeint ist die Fülle der Offenbarung (Jesus hat ALLES gelehrt, auch wenn die Jünger nicht alles verstanden haben). Von derselben Offenbarung wird er nehmen und den Jüngern zugänglich machen, sodass sie nichts Neues hören, sondern daran erinnert werden. Es wird eine pneumatische Wiederholung sein.
Zum Schluss spricht Jesus noch ein Wort, das die Apostel ziemlich verwirrt. Eine kurze Zeit wird bis zum Weggang Jesu vergehen, doch auch nur eine kurze Zeit bis zu seiner Wiederkehr. Dies können wir zunächst auf das Osterereignis beziehen: Die Worte spricht Jesus am Abend vor seinem Tod. Nicht einmal 24 Stunden später ist er tot, was die Apostel im Abendmahlssaal noch nicht erahnen. Und dann wird es keine 48 Stunden dauern, bis er von den Toten wieder auferstehen wird. In dieser wörtlichen Lesart können wir die „kurze Zeit“ wirklich auf wenige Stunden beziehen. Da er aber im Kontext des Heiligen Geistes diesen Vers spricht, müssen wir weitergehen: Er ist nicht mehr lange auf Erden, bevor er zum Vater heimgeht. Das feiern wir morgen! Dann wird er nur noch verborgen in eucharistischer Gestalt in der Welt sein, bis er als verherrlichter Menschensohn am Ende der Zeiten wiederkommt. Diese Zeiträume sind schon größer zu fassen, aber was ist von der Ewigkeit her gesehen schon ein Tag? Wir leben in der Endzeit, so können wir nachvollziehen, was er mit der kurzen Zeit meint. Seine Wiederkunft ist schon sehr bald. Und bei seinem zweiten Kommen werden nicht nur die Apostel ihn sehen, sondern die ganze Welt.

Ihre Magstrauss

Montag der 6. Osterwoche

Apg 16,11-15; Ps 149,1-2.3-4.5-6au. 9b; Joh 15,26 – 16,4a

Apg 16
11 So brachen wir von Troas auf und fuhren auf dem kürzesten Weg nach Samothrake und am folgenden Tag nach Neapolis.
12 Von dort gingen wir nach Philippi, eine führende Stadt des Bezirks von Mazedonien, eine Kolonie. In dieser Stadt hielten wir uns einige Tage auf.
13 Am Sabbat gingen wir durch das Stadttor hinaus an den Fluss, wo wir eine Gebetsstätte vermuteten. Wir setzten uns und sprachen zu den Frauen, die sich eingefunden hatten.
14 Eine Frau namens Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; sie war eine Gottesfürchtige und der Herr öffnete ihr das Herz, sodass sie den Worten des Paulus aufmerksam lauschte.
15 Als sie und alle, die zu ihrem Haus gehörten, getauft waren, bat sie: Wenn ihr wirklich meint, dass ich zum Glauben an den Herrn gefunden habe, kommt in mein Haus und bleibt da. Und sie drängte uns.

Am Samstag endete die Lesung damit, dass Paulus einen Traum von Gott erhielt, in dem ein Mazedonier ihn um Hilfe bat. Nach ihrer Arbeit in Troas macht Paulus sich mit seinem Gefolge auf den Weg nach Samothrake, um von dort nach Neapolis und Philippi zu kommen. Diese Stadt ist ein wichtiger Ort in Mazedonien und so bleiben sie dort mehrere Tage. Am Sabbat geht Paulus mit seinem Gefolge (Lukas der Autor bezieht sich an dieser Stelle durch das „wir“ wieder mit ein!) an den Fluss. Dort scheint es eine jüdische Gebetsstätte zu geben, wo sie predigen. Die Gottesfürchtige und Purpurhänderlin Lydia hört aufmerksam und mit offenem Herzen das Evangelium Jesu Christi. Das ist eine optimale Voraussetzung und so kommt sie zum Glauben an Christus zusammen mit ihrem ganzen Haus. Das bedeutet, dass ihre Familie und ihre Sklaven sich alle taufen lassen. Sie drängt die Missionare, bei ihr unterzukommen und weil sie so fest darauf besteht, gehen sie mit.
Die heutige Missionspredigt zeigt die Evangelisierung allein von Frauen. Das ist sehr besonders, denn eine reine Frauengruppe ist uns in den Missionsberichten bisher noch nicht untergekommen.
Lydia kommt aus Thyatira, einer lydischen Stadt im Lykostal und einer der Städte der Johannesoffenbarung. Thyatira war für den Tuchhandel und die Purpurfärberei berühmt und machte ein riesiges Geschäft in dem Bereich. Anscheinend wird auch Export betrieben, sodass Lydia auch in Makedonien erfolgreich ist. Es wird sich um eine sehr reiche Frau handeln. Sie ist Gottesfürchtige, das heißt eine Heidin mit Sympathie für das Judentum, die zwar jüdische Ethik und Gebetsleben praktiziert, doch den letzten Schritt zum Judentum nicht wagt. Solche Gottesfürchtigen kommen bei den Missionsreisen des Paulus immer wieder zum Glauben an Jesus Christus. Für sie ist es eine ideale Lösung: Die jüdische Ethik ist auch der Kern der Botschaft Jesu, der die Gottesgebote mit seiner Person erfüllt. Doch die Beschneidung und die ganzen Ritualgebote fordert er nicht mehr. Stattdessen betont er die Herzensreinheit und die Taufe als Heilsnotwendigkeit.

Ps 149
1 Halleluja! Singt dem HERRN ein neues Lied, sein Lob in der Versammlung der Frommen!
2 Israel soll sich freuen über seinen Schöpfer, die Kinder Zions sollen jubeln über ihren König.
3 Seinen Namen sollen sie loben mit Reigentanz, mit Trommel und Leier ihm spielen.
4 Denn der HERR hat an seinem Volk Gefallen, er krönt die Gebeugten mit Rettung.
5 In Herrlichkeit sollen die Frommen frohlocken, sie sollen jauchzen auf ihren Lagern,
6 Hochgesänge auf Gott in ihrer Kehle

9 Lichtglanz ist das all seinen Frommen. Halleluja!

Als Antwort auf die gläubig gewordenen Frauen Philippis beten wir heute einen Lobpreispsalm mit dem Titel „Das neue Lied von der Königsherrschaft Gottes durch Israel“.
Halleluja ist ein Ausruf, der mit „Preist Jahwe“ übersetzt wird. Es handelt sich zu Anfang also wieder um eine typische Lobaufforderung. Diese Art von Lob steht zu Anfang dieses Psalms, weil er zu der Psalmengruppe des Schlusshallels gehört, bei dem am Anfang immer Halleluja steht.
Weil wieder eine Gruppe zum Lob aufgefordert wird und nicht eine Einzelperson, wirkt der Psalm sehr liturgisch. Dies wird uns auch durch die „Versammlung der Frommen“ deutlich. Mit Blick auf die Lesung sehen wir die Frauen am Fluss von Philippi vor uns, die ihre Herzen ganz weit machen und ihre Ohren spitzen, um alles in sich aufzunehmen, was Paulus erzählt. Diese Empfänglichkeit ist sehr vorbildlich und hat schon Maria auf vollkommene Weise gelebt. Die Mutter Gottes hat alle Geschehnisse, alle Worte und Taten Jesu, die ganzen Umstände immer in ihrem Herzen aufbewahrt und darüber nachgedacht. Der Grad ihrer Empfängnis war so hoch, dass Gott in ihr Fleisch angenommen hat. Und diese Frauen hier sind ebenfalls empfänglich, sodass Gott durch die Taufe in ihnen Wohnung nehmen möchte, die so zu seinem Tempel „eingeweiht“ werden.
„Israel soll sich freuen über seinen Schöpfer, die Kinder Zions sollen jubeln über ihren König.“ Israels Kinder wie Paulus und Silas dürfen sich wirklich freuen über die Offenheit der Menschen auf der Missionsreise, über die Hinzufügung der Heiden zum Volk Gottes. Sie sollen Gott loben mit „Reigentanz und instrumentaler Begleitung.“ Psalm 149 vermittelt den Eindruck, dass die Juden sich für die gläubig gewordenen Heiden freuen sollen. Dies werden sie auch durch die Einbeziehung von Gottesfürchtigen und Proselyten umgesetzt haben. Doch es geht noch weiter: Die Gottesfürchtigen und die Juden verbindet nun die eine Taufe zur Vergebung der Sünden! Jesus Christus begründet den Neuen Bund, der nun nicht mehr auf biologischer Abstammung basiert, sondern auf der neuen Schöpfung.
„Jauchzen auf ihren Lagern“ zeigt uns, dass die Juden sich nicht nur am Tag, sondern auch in der Nacht freuen und Gott für diese große Barmherzigkeit zu jeder Zeit danken sollen. Immer sei ein Lobgesang in ihrer Kehle. Diese ist mehr als nur ein Teil des Körpers. Mit „Kehle“ ist viel mehr gemeint, denn ursprünglich ist auch die Nephesch als Kehle gedacht worden, durch die der Atem ein- und ausgeht. Deshalb lechzt auch die Seele im Psalmenkontext oft nach Wasser, als ob sie im Mund oder in der Kehle sitzen würde. Den Lobgesang in der Kehle zu haben, heißt also nicht nur die ständige Bereitschaft zum Singen, sondern auch den Lobpreis im „Herzen“, das heißt in der Seele. Dieser Lobpreis ist den Frommen „Lichtglanz“, das heißt Pracht und Schönheit, die sie schmückt.
Der Psalm endet mit dem wiederholten Halleluja, für den er bekannt ist.

Joh 15
26 Wenn aber der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich ablegen.

27 Und auch ihr legt Zeugnis ab, weil ihr von Anfang an bei mir seid.
1 Das habe ich euch gesagt, damit ihr keinen Anstoß nehmt.
2 Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen, ja es kommt die Stunde, in der jeder, der euch tötet, meint, Gott einen heiligen Dienst zu leisten.
3 Das werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich erkannt haben.
4 Ich habe es euch aber gesagt, damit ihr euch, wenn die Stunde kommt, daran erinnert, dass ich es euch gesagt habe.

Heute hören wir im Evangelium den Abschluss der zweiten und den Beginn der dritten Abschlussrede. Jesus spricht wieder vom Parakleten, dem Heiligen Geist als Beistand, den Christus vom Vater senden wird. Dieser Geist der Wahrheit, wie Jesus es zuletzt erklärt hat, wird Christus bezeugen. Dies wird er dadurch tun, dass er einerseits den Jüngern die Augen öffnen, andererseits durch sie die Heilstaten Christi wirken wird. Da Gott die Apostel als seine Werkzeuge gebrauchen wird, werden auch sie Zeugen Christi sein. Sie haben Jesus drei Jahre lang begleitet und alles gesehen und gehört. Sie sind wirklich authentische Zeugen für das Evangelium.
Jesus spricht diese Worte, damit sie keinen Anstoß nehmen. Das Wort σκανδαλισθῆτε skandalisthete heißt eigentlich „Anstoß nehmen“, steht hier aber im Passiv. Als Passivform müsste man viel mehr übersetzen mit „Anlass zum Anstoß geben“ oder sogar „stolpern“. Jesus sagt ihnen den Beistand zu, damit sie auf dem Weg in die Ewigkeit nicht straucheln. Sie sollen standhaftig bis zum Schluss sein. Er kündigt die Widerstände an, mit denen die Apostel für das Evangelium rechnen müssen: mit dem Ausschluss aus der Synagoge und dem Martyrium. Er erklärt ihnen, dass die Juden das mit ihnen tun werden, weil sie es gut meinen. So sollen die Apostel darauf vorbereitet werden, dass sie wie er dann am Kreuz beten können: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Sie werden den Christen gegenüber so feindselig sein, weil sie die Wahrheit nicht erkannt haben. So sollen die Apostel nicht mit Gegenhass antworten, sondern Mitleid haben mit jenen. Sie sollen für sie beten und ihr Leiden für eben jene aufopfern.
Jesus sagt ihnen zum Schluss, dass er all das zu ihnen sagt, damit sie sich dann zu gegebener Zeit daran erinnern werden. Wir wissen auch, wie sie sich erinnern werden – durch die Eingebung des Heiligen Geistes.
Dass sie diese Worte beherzigen werden, sehen wir z.B. am Märtyrer Stephanus. Dieser Diakon hat in seinem Sterben für seine Steiniger gebetet: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!“ (Apg 7,60).

Beten wir heute um diese Liebe, so heroisch auf den Hass der Mitmenschen zu reagieren, auch gerade in den kleinen Dingen und Situationen: wenn uns jemand demütigt und schikaniert, wenn jemand zynische Bemerkungen uns gegenüber macht oder uns auslacht. Wenn jemand uns bedroht und einzuschüchtern versucht. Bezeugen auch wir dann Christus gemeinsam mit dem Heiligen Geist und überlassen wir das Richten dann dem Vater. Unser unerwartetes Verhalten wird den Anderen verändern, das kann ich Ihnen versprechen!

Ihre Magstrauss

6. Sonntag der Osterzeit

Apg 8,5-8.14-17; Ps 66,1-3.4-5.6-7.16 u. 20; 1 Petr 3,15-18; Joh 14,15-21

Apg 8
5 Philippus aber kam in die Hauptstadt Samariens hinab und verkündete dort Christus.

6 Und die Menge achtete einmütig auf die Worte des Philippus; sie hörten zu und sahen die Zeichen, die er tat.
7 Denn aus vielen Besessenen fuhren unter lautem Geschrei die unreinen Geister aus; auch viele Lahme und Verkrüppelte wurden geheilt.
8 So herrschte große Freude in jener Stadt.
14 Als die Apostel in Jerusalem hörten, dass Samarien das Wort Gottes angenommen hatte, schickten sie Petrus und Johannes dorthin.
15 Diese zogen hinab und beteten für sie, dass sie den Heiligen Geist empfingen.
16 Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen; sie waren nur getauft auf den Namen Jesu, des Herrn.
17 Dann legten sie ihnen die Hände auf und sie empfingen den Heiligen Geist.

In der ersten Lesung hören wir einen Abschnitt, auf den die Lesungen der letzten Wochen ab und zu verwiesen haben – die Samariamission des Philippus.
Es handelt sich bei diesem Missionar um einen der sieben Diakone der Jerusalemer Urgemeinde. Es ist derselbe Philippus, der den äthiopischen Kämmerer zu Christus führen wird und der dann nach Aschdod entrückt wird.
Er missioniert Samaria, die Gegend, die quasijüdisch ist, im Grunde aber synkretistisch (die Samaritaner mischen jüdische und heidnische Elemente zusammen und haben auch ein gewisses Maß an Aberglauben), wurde schon von Christus selbst zum Glauben geführt, zumindest die Bewohner Sychars nach der Begegnung Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen. Das Evangelium Jesu Christi ist also schon in das Gebiet hineingekommen und die Menschen so auf die Mission des Philippus vorbereitet worden. Er wirkt in der Hauptstadt Samariens, die zuvor Samaria hieß, seit dem Wiederaufbau durch Herodes d. Gr. aber Sebaste genannt wird.
Wie zu Jesu Zeiten sind die Bewohner Samarias sehr offen für die Botschaft (mit Samaria ist zu jener Zeit das Gebiet, nicht die Stadt Samaria gemeint). Sie werden Zeugen von Zeichen, die Philippus im Namen Jesu vollbringt. In Vers 7 werden solche Zeichen konkret aufgezählt: Exorzismen, Heilungen von Lahmen und Verkrüppelten. Durch den Diakon heilt Christus die Samaritaner seelisch und körperlich. Dies sorgt für große Freude in der ganzen Stadt.
Philippus ist ein Diakon. Er kann einiges bewirken, hat aber nicht die sakramentale Vollmacht wie die eines Bischofs. Als die Nachricht über die Bekehrungen Samariens die Apostel der Jerusalemer Urgemeinde erreicht, reisen Petrus und Johannes dorthin. Dort beten sie mit den Bekehrten um die Gabe des Heiligen Geistes. Als Diakon konnte Philippus sie schon auf den Namen Jesu Christi taufen, die Firmung aber nicht spenden. Dies können nur jene, die den höchsten Weihegrad innehaben, die Bischöfe und die Apostel. So legen Johannes und Petrus den Anwärtern die Hände auf, damit diese den Heiligen Geist empfangen.

Ps 66
1 Für den Chormeister. Ein Lied. Ein Psalm. Jauchzt Gott zu, alle Länder der Erde!
2 Spielt zur Ehre seines Namens! Verherrlicht ihn mit Lobpreis!
3 Sagt zu Gott: Wie Ehrfurcht gebietend sind deine Taten; vor deiner gewaltigen Macht müssen die Feinde sich beugen.
4 Alle Welt bete dich an und singe dein Lob, sie lobsinge deinem Namen!
5 Kommt und seht die Taten Gottes! Ehrfurcht gebietend ist sein Tun an den Menschen:
6 Er verwandelte das Meer in trockenes Land, sie schreiten zu Fuß durch den Strom; dort wollen wir uns über ihn freuen.
7 In seiner Kraft ist er Herrscher auf ewig; seine Augen prüfen die Völker. Die Aufsässigen können sich gegen ihn nicht erheben.
16 Alle, die ihr Gott fürchtet, kommt und hört; ich will euch erzählen, was er mir Gutes getan hat.
20 Gepriesen sei Gott; denn er hat mein Bittgebet nicht unterbunden und mir seine Huld nicht entzogen.

Die Bekehrung der Samaritaner ist ein Grund zur Freude und zum Lobpreis. Wie viele Jahrhunderte gab es Spannungen zwischen ihnen und den Juden! Der Glaube an Jesus Christus vereint sie nun wieder!
Der Psalm beginnt mit einer Lobaufforderung an alle Länder der Erde mit instrumentaler Begleitung („Spielt zur Ehre seines Namens!“). Die Wendung כָּל־הָאָֽרֶץ kol-ha’arez muss wörtlich eigentlich mit „das ganze Land“ oder „die ganze Erde“ übersetzt werden. Es umfasst also entweder einen weltweiten Lobpreis oder den Lobpreis des ganzen Volkes Israel mit allen seinen Stämmen – auch jenen, aus denen das Nordreich entstand, das nach dem babylonischen Exil zum minderwertigen Samarien wurde. Es freue sich nun das ganze Volk Israel vor dem Hintergrund der erfolgreichen Mission, wie in der Apostelgeschichte berichtet!
Gottes Taten sind wahrhaft „Ehrfurcht gebietend“, denn er hat durch den Diakon Philippus große Heilszeichen erwirkt wie den Exorzismus und die Krankenheilung. Gott hat bereits im Volk Israel viele Heilszeichen erwirkt, er hat das ganze Volk aus Ägypten herausgeführt und die Ägypter mit zehn Plagen geschlagen. Er hat das Meer geteilt und das Volk ganze vierzig Jahre in der Wüste am Leben erhalten, schließlich ins verheißene Land geführt und zur Entstehungszeit des Psalms König David mit militärischen Siegen beschenkt. Das größte Heilszeichen hat Gott dann auf der Höhe der Zeit erwirkt, die eigene Menschwerdung! Er hat sich ans Kreuz schlagen lassen, um die Erlösung der gesamten Menschheit aller Zeiten zu erwirken. Vor diesem Heilszeichen kann der Feind sich wirklich nur beugen! So hat der Tod kapituliert, als Christus am dritten Tage von den Toten auferstanden ist.
Die ganze Welt soll ihn anbeten, denn die ganze Welt ist erlöst. Aus dem Grund hat Jesus vor seiner Himmelfahrt seinen Jüngern die weltweite Mission aufgetragen. Dieses Heil soll jedem Menschen zugänglich gemacht werden.
Ein erster Moment dieser weltweiten Anbetung trägt sich im Stall von Betlehem zu. Dort sind es die Magoi aus dem Osten als Stellvertreter der Heiden und der „Enden der Erde“, die Gott anbeten in dem kleinen hilflosen Kind.
„Kommt und seht die Taten Gottes!“ Ist ein Aufruf, der heute besonders den Samaritanern gilt. Sie sehen mit eigenen Augen die überwältigenden Heilszeichen, durch die sie nicht anders können, als in Ehrfurcht zu ihm zu leben.
Der wörtliche Sinn dieser Verse ist zunächst auf die Heilszeichen Gottes am Volk Israel zu beziehen. So wird das Teilen des Roten Meeres angedeutet. Die Rettung des Volkes durch das Wasser hindurch ist zugleich Typos für die Taufe. Petrus greift diese typologische Verbindung in seinen Briefen auf und erklärt, dass das Volk des Neuen Bundes auch durch das Wasser hindurch gerettet wird, nämlich durch das Wasser der Taufe. So wird nicht mehr die Rettung des irdischen, sondern des ewigen Lebens erwirkt. Und auch am Wasser der Taufe wollen wir uns freuen mit denen, die gerettet worden sind! Heute freuen sich die Apostel und Philippus zusammen mit den Samaritanern, die im Heiligen Geist wiedergeborenen sind zum ewigen Leben.
Gott ist Herrscher des Himmels und der Erde. Ihm entgeht nichts und er prüft die Völker. Er prüft aber auch das Herz jedes einzelnen Menschen und wenn wir dann vor ihm stehen, wird er von uns Rechenschaft verlangen. Dass Gott alles sieht, soll uns nicht als Bedrohung gelten, sondern als Zuspruch und Einladung zur absoluten Geborgenheit in Gott. Er weiß um alles und kennt unser Leben. Er weiß, was wir durchmachen und was uns im Innersten umtreibt. Er kennt uns besser, als wir uns selbst kennen. Deshalb kann er uns auch helfen, selbst wenn wir seine Maßnahmen in den jeweiligen Momenten nicht verstehen.
Die Aufsässigen, seine Feinde können gegen ihn nichts ausrichten, weil er der Allmächtige ist. Der Tod kann Christus nicht festhalten, der der Auferstandene ist. Der Tod kann auch uns nichts anhaben, die wir vielleicht noch biologisch sterben müssen, seelisch aber auf ewig weiterleben.
Vers 16 klingt sehr liturgisch, denn die Schar von Gläubigen wird aufgefordert, dem Glaubenszeugnis des Psalmisten zu lauschen. Es ist wie die Verkündigung des Evangeliums durch Philippus. Dieser Vers hätte auch aus seinem Mund kommen können, als er in Sebaste die Aufmerksamkeit der Bewohner auf sich zog.
Gott sei gepriesen, weil er die Bittgebete nicht unterbindet. Wir dürfen ihn um alles bitten. Jesus sagt ganz explizit: „Wer bittet, dem wird gegeben, wer anklopft, dem wird aufgetan.“ Er möchte, dass die Menschen den Vater voller Vertrauen bitten und ihm danken, als ob er es ihnen schon gewährt hat. In diesem Sinne lehrte er den Jüngern das Vaterunser, das wir bis heute als den Kern unseres Gebetslebens betrachten. Er erweist allen Menschen seine Huld – egal, ob Juden, Samaritanern oder Heiden.

1 Petr 3
15 heiligt vielmehr in eurem Herzen Christus, den Herrn! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt;
16 antwortet aber bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen, damit jene, die euren rechtschaffenen Lebenswandel in Christus in schlechten Ruf bringen, wegen ihrer Verleumdungen beschämt werden.
17 Denn es ist besser, für gute Taten zu leiden, wenn es Gottes Wille ist, als für böse.
18 Denn auch Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben, ein Gerechter für Ungerechte, damit er euch zu Gott hinführe, nachdem er dem Fleisch nach zwar getötet, aber dem Geist nach lebendig gemacht wurde.

In der zweiten Lesung hören wir wieder einen Ausschnitt aus dem ersten Petrusbrief. Die heutigen Verse schließen sich an eine sogenannte Haustafel und an eine ethische Unterweisung aller Christen an. Mit „Haustafel“ ist die Richtschnur einer bestimmten Gemeinschaft oder eines Standes gemeint, die die in ihr Lebenden ethisch unterweist. Die hier vorliegende Haustafel beginnt schon in Kapitel 2 und zieht sich weiter in das dritte Kapitel. Es geht um das rechte Verhalten von Sklaven im Haushalt und dann um das rechte Verhalten in einer Ehe.
So ist der heutige Abschnitt der zweiten Lesung paränetisch geprägt, also auch voller ethischer Anweisungen.
Wir alle, die wir getauft sind, sollen Christus in unserem Herzen heiligen. Petrus sagt dies vor allem zu jenen, die um des Himmelreiches willen leiden müssen. Die spricht er unmittelbar vor unserem heutigen Abschnitt an. Auch wenn diese äußerlich leiden müssen und ihnen sogar das irdische Leben genommen wird, sollen sie ihr Herz als „heiligen Boden“ bewahren, dem Ort der Gegenwart Gottes, den Nichts verunreinigen darf. Darin sagt er das, was Paulus im ersten Korintherbrief anspricht – den Tempel des Heiligen Geistes.
Wenn Menschen uns nach Gott fragen, sollen wir ihnen stets Rede und Antwort stehen. Dann ist es unsere Chance, den Missionsauftrag Jesu umzusetzen. Wer Offenheit zeigt, dem sollen wir mit dem Evangelium Jesu Christi entgegenkommen. Philippus hat in der ersten Lesung diese Offenheit zu spüren bekommen, als er in Samaria das Wort Gottes verkündete. So hat er den Auftrag Jesu umgesetzt und die Samaritaner zu Jüngern Jesu Christi gemacht.
Wichtig ist dabei aber auch, wie man das Wort Gottes verkündet. Dieses Wie ist ausschlaggebend für den Missionserfolg. Die Bescheidenheit und Ehrfurcht vor dem Verkündeten zeigt den Zuhörern, dass die Botschaft selbst wahr ist. Wer überheblich daherkommt und meint, das Wort Gottes zu besitzen, wird keine Herzen mit dem Evangelium berühren. Die Bescheidenheit ist eine Weseneigenschaft, die der Demut und Einfachheit Gottes gleichkommt. Der Schüler ist nicht höher als sein Meister. Wenn Jesus die Fußwaschung an seinen Aposteln vornimmt, was ein Sklavendienst ist, können seine Jünger nicht plötzlich eine Stellung anstreben, die dem Sklaven höhergestellt ist. Jesus ist in einer einfachen Höhle inmitten von Stalltieren geboren worden. Er hat ein einfaches Leben gelebt. Er ist die Personifikation von Bescheidenheit. Dabei geht es nicht nur einfach um äußere Umstände, sondern um eine innere Haltung der Einfachheit, eine Freiheit von irdischen Gütern, die man vielleicht besitzt.
Die Ehrfurcht als angestrebte Haltung von Missionaren soll den Menschen verdeutlichen, dass der Verkünder des Evangeliums selbst von dieser Botschaft berührt ist und Gott dafür von Herzen dankt, der zugleich Respekt hat vor diesem allmächtigen Herrscher des Himmels und der Erde, der ein schwaches Geschöpf wie ihn als Werkzeug des Heils gebraucht.
Mit so einer Haltung hat man ein reines Gewissen vor den Gegnern und kann nicht beschämt werden durch deren Vorwürfe. Solche entpuppen sich dann nämlich als Verleumdungen, die auf die Gegner selbst zurückfallen werden. Wenn man das Wort Gottes verkündet, muss das Gewissen eine reine weiße Wand darstellen, auf dem kein Fleck vorhanden ist. Dann ist man immun gegen die Angriffe der Gegner. Es ist nur so, dass kein Mensch ganz reinen Gewissens ist. Jeder lässt sich etwas zuschulden kommen und wird dadurch angreifbar. Und dennoch muss die Bemühung dasein, das Gewissen so rein wie möglich zu halten.
Und dann sagt uns Petrus etwas sehr Wichtiges: Leiden hat unterschiedliche Ursachen und das Annehmen dieser Leiden hat unterschiedliche Qualitäten. Wenn man trotz eines reinen Gewissens leiden muss (wie im Falle eines Missionars und seiner Gegner), dessen Akzeptanz des Leidens hat einen hohen Stellenwert. Sie bringt reiche Frucht, um es mit Jesu Worten zu sagen. Wer leidet aufgrund eigenen Verschuldens, der leidet verdient und es ist die Sühne des eigenen Vergehens. Das ist kein Leiden, das Gott dem Menschen auferlegt hat, sondern ein selbstgemachtes Kreuz.
Das Leiden um des Himmelreiches willen (also für gute Taten) leitet sich vom Leiden Jesu Christi ab, der als der Gerechte schlechthin für die Ungerechten gestorben ist, auf dass diese gerettet werden können.
„Dem Fleisch nach getötet“ heißt in dem Kontext nicht, dass sein irdisches Leben durch Gewalt beendet worden ist, also sein Körper. „Fleisch“ und „Geist“ bezieht sich nicht auf Körper und Seele, sondern auf die gefallene Schöpfung (Fleisch) und die Gnade Gottes/die neue Schöpfung (Geist). So ist auch mit „dem Geist nach“ nicht seine Seele gemeint. Diese Formulierung würde ja auch implizieren, dass seine Seele tot war und dann lebendig gemacht worden ist.
Vielmehr bedeutet der Satz, dass Jesus von der gefallenen Schöpfung umgebracht worden, durch die Gnade Gottes aber auferstanden ist. Er ist der Anfang der neuen Schöpfung und ist deshalb nicht im Tod geblieben. Er ist sogar mit Leib und Seele in den Himmel eingegangen.
In dieser heutigen Konstellation der Lesungen erscheint der erste Petrusbrief als Handbuch des Philippus, der mit diesen ethischen Unterweisungen die Missionsreise nach Samaria unternimmt und im Anschluss an den Missionserfolg mit den Bekehrten den Psalm betet.

Joh 14
15 Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.
16 Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll,
17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.
18 Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch.
19 Nur noch kurze Zeit und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und auch ihr leben werdet.
20 An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. 21 Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.

Im Evangelium hören wir heute einen Abschnitt aus der ersten Abschiedsrede, die uns unter der Woche schon begegnet ist. Der heutige Abschnitt ist aber bisher nicht verlesen worden, aber ein wunderbarer Text, der den Bogen der bisherigen Lesungen schließt.
Die Gottes- und Nächstenliebe der vergangenen Woche aus der zweiten Abschiedsrede wird nun auch hier in Vers 15 angeschnitten: Aus Gottesliebe werden die Jünger seine Gebote halten. Sie sollen dies nicht, sie werden dies. Das ergibt sich aus der Liebe von selbst. Wer einen Menschen liebt, möchte alles für ihn tun, auch wenn es über die eigene Komfortgrenze hinausgeht. Man möchte den geliebten Menschen nicht verletzen, was die Sünde/die Übertretung der Gebote aber mit Gott macht – ihn beleidigen. Wer Gott liebt, möchte keinen Streit mit ihm. Und Gott verlangt nichts, was dem Menschen schadet. Im Gegenteil: Was Gott in den Geboten verlangt, garantiert das glückliche Leben des Menschen.
Jesus verabschiedet sich in den Reden von seinen Jüngern. Er gibt ihnen sein Testament mit auf den Weg und weil er bald von ihnen gehen wird, verspricht er ihnen den Beistand, den Heiligen Geist. Dieser wird immer bei ihnen sein. Vor dem Hintergrund der beiden Lesungen können wir das absolut unterstreichen. Der Geist Gottes wirkt durch die Apostel im Sakrament der Firmung und zuvor schon durch den Diakon Philippus. Es ist dieser Geist, der ihm beisteht bei der Mission, bei den Heilungen und Exorzismen.
Dieser Geist ist nicht nur ihr Beistand, sondern auch ihr Lehrer. Er wird sie nichts Neues lehren, sondern sie immer tiefer verstehen lassen, was Jesus seinen Jüngern in den drei Jahren ihres gemeinsamen Lebens gelehrt hat. Wie oft lesen wir in den Evangelien davon, dass die Jünger Jesus gar nicht verstehen, selbst sein engster Jüngerkreis nicht. Der Geist Gottes hilft ihnen, im Nachhinein diese Dinge zu begreifen und in den größeren Zusammenhang zu setzen.
Weil der Geist sie in alle Wahrheit einführen wird, ist er der Geist der Wahrheit. Jesus erklärt ihnen, dass auch wenn dieser Geist sie erfüllen und bei ihnen wohnen wird, die Welt (das heißt die gefallene Schöpfung) ihn nicht kennt. Diese ist ja nicht umfassend von ihm erfüllt. Durch diese Bemerkung möchte Jesus seine Apostel darauf vorbereiten, dass sie sich in der Welt fremd fühlen werden und Verständigungsprobleme ein Hindernis bei der Mission sein würden.
Und dann spricht Jesus sehr eucharistisch. Er sagt, dass er seine Apostel nicht als Waisen zurücklässt. Er muss gehen, wird aber zu ihnen kommen. Das kann man einerseits auf den Tod und die Auferstehung beziehen und so werden es seine Jünger vielleicht auch aufgegriffen haben, während sie sich nach seinem Tod in einem Raum verschanzten. Zugleich müssen wir den Kontext der Abschiedsrede berücksichtigen. Jesus hält sie im Anschluss an das letzte Abendmahl, in dem er die Eucharistie eingesetzt hat. So verstehen wir seine Worte als eucharistische Zusage. In jede Heilige Messe ist Jesus bereit, zu den Feiernden zu kommen in den eucharistischen Gestalten von Brot und Wein. Er ist auch bereit, zu den Gläubigen ins Herz zu kommen im Leib Christi, bei ihnen zu bleiben und sie von innen her ganz zu erfüllen. So bestimmt er auch hier gesamtes Handeln in ihrem Leben. Und am Ende der Zeiten kommt Jesus zu seinen Jüngern zurück, dann nicht mehr mit verborgener Göttlichkeit, sondern als verherrlichter Menschensohn.
Jesus sagt, dass die Welt Jesus nach kurzer Zeit nicht mehr sehen wird, die Jünger aber schon. Dies bezieht sich nicht auf seinen Tod, denn auch die Jünger werden ihn dann nicht mehr sehen. Man könnte es höchstens auf das Osterereignis insofern beziehen, als der Auferstandene seinen Aposteln und weiteren Jüngern erscheinen wird, der Rest der Welt ihn in dieser Gestalt aber nicht mehr sehen wird. Das ist aber nicht alles. Jesus meint es auch bezogen auf die Eucharistie. Jesus wird leben und in den eucharistischen Gaben den Menschen sichtbar werden. Jene, die der Eucharistie beiwohnen, werden ihn sehen – seine Jünger. Es bezieht sich aber auch auf das ewige Leben nach dem Tod und am Ende der Zeiten. Sehen werden ihn unverhüllt und in seiner ganzen Herrlichkeit zwar alle Menschen bei seiner Wiederkunft, doch mit ihm in Gemeinschaft leben werden nur jene, die in das Himmelreich eingehen dürfen – seine Jünger. Dann ist mit der Aussage Jesu an dieser Stelle das ewige Leben gemeint, das nicht nur ihm vorbehalten ist, sondern allen, die zur neuen Schöpfung gehören werden durch den Heiligen Geist.
In dieser Hinsicht verstehen wir dann auch den nächsten Vers, wo von „jenem Tag“ die Rede ist. Dann werden die Apostel ganz erkennen, was Jesus die ganze Zeit damit meinte, als er von der Einheit mit dem Vater gesprochen hat und von der Gemeinschaft zwischen den Jüngern und ihm selbst. Sie werden dann den Zustand erleben, zu dem sie überhaupt geschaffen worden sind: Zur Liebeseinheit, die Gott in sich ist, einbezogen zu werden. Die Apostel werden nie eins mit Gott werden in der Hinsicht, dass sie vergöttlicht werden. Sie werden Menschen bleiben, aber in ewiger Gemeinschaft mit Gott.
„Wer die Gebote hat und sie hält“ ist auf jene zu beziehen, denen die Gebote Gottes offenbart worden sind. Ihnen sind sie gegeben worden, also haben sie sie nun. Die Gebote Gottes sind in der Person Jesu Christi offenbart worden. Dieser kehrt in seiner Rede zum Zusammenhang von Gottesliebe und Halten der Gebote. Der Vater und der Sohn werden jene lieben und sich jenen offenbaren, die die Gebote Gottes halten. Das können wir in dem Zusammenhang des heutigen Evangeliums nun eschatologisch verstehen, das heißt auf die Ewigkeit hin: Gott liebt den Menschen ja, bevor dieser ihn zurücklieben kann. Er liebt zudem alle Menschen und stellt dazu nicht die Bedingung, dass nur die Gehorsamen von ihm geliebt werden. Er ist ja gerade für die Ungehorsamen gestorben, damit diese erlöst würden. Jesus sagte: „Nicht die Gesunden brauchen einen Arzt, sondern die Kranken.“ Wenn es hier also zukünftig formuliert ist, muss es etwas Neues andeuten: Es geht um die Liebesgemeinschaft im Himmelreich. Da wird eine neue Dimension von Liebe erreicht – die ewige Hochzeit des Lammes! Da wird sich Christus auch als der Verherrlichte offenbaren, ganz unverhüllt, nicht mehr in den Gestalten von Brot und Wein.

Heute hören wir sehr viel von einem Weg des Kennenlernens und Liebens Gottes. Wir hören vom ersten Kennenlernen bei der Mission des Philippus, von der Geistgabe bei der Firmung und dem dadurch vertieften Verständnis der Wahrheit, von der Nachfolge und Standhaftigkeit bei der Weitergabe dieser Wahrheit, von der innigen Verbundenheit der Apostel mit dem irdischen Jesus, der sie für kurze Zeit verlassen muss, als Auferstandener aber wiederkommt und sie auch nach der Himmelfahrt nicht verlässt. Im Gegenteil: Er lässt sich dadurch noch viel intimer erleben in der Eucharistie, bei der die Jünger ihn mit Leib und Seele aufnehmen, gleichsam absorbieren dürfen. Und schließlich wird schon der Endpunkt thematisiert, bei dem die ewige Gemeinschaft der Gläubigen mit der Liebeseinheit von Vater und Sohn im Himmelreich angekündigt wird, die ewige Hochzeit des Lammes. Es ist ein Weg bis zur absoluten Vereinigung (ohne Vergöttlichung). Gott zieht die Menschen an sich. Diese Linie erkennen wir in den gesamten Texten des heutigen Sonntags.

Ihre Magstrauss

Samstag der 5. Osterwoche

Apg 16,1-10; Ps 100,2-3.4-5; Joh 15,18-21

Apg 16
1 Er kam auch nach Derbe und nach Lystra. Und siehe, dort lebte ein Jünger namens Timotheus, der
Sohn einer gläubig gewordenen Jüdin und eines Griechen.
2 Er war Paulus von den Brüdern in Lystra und Ikonion empfohlen worden.
3 Paulus wollte ihn als Begleiter mitnehmen und ließ ihn mit Rücksicht auf die Juden, die in jenen Gegenden wohnten, beschneiden; denn alle wussten, dass sein Vater ein Grieche war.
4 Als sie nun durch die Städte zogen, überbrachten sie ihnen die von den Aposteln und den Ältesten in Jerusalem gefassten Beschlüsse und trugen ihnen auf, sich daran zu halten.
5 So wurden die Gemeinden im Glauben gestärkt und wuchsen von Tag zu Tag.
6 Weil ihnen aber vom Heiligen Geist verwehrt wurde, das Wort in der Provinz Asien zu verkünden, reisten sie durch Phrygien und das galatische Land.
7 Sie zogen an Mysien entlang und versuchten, Bithynien zu erreichen; doch auch das erlaubte ihnen der Geist Jesu nicht.
8 So durchwanderten sie Mysien und kamen nach Troas hinab.
9 Dort hatte Paulus in der Nacht eine Vision. Ein Mazedonier stand da und bat ihn: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns!
10 Auf diese Vision hin wollten wir sofort nach Mazedonien abfahren; denn wir kamen zu dem Schluss, dass uns Gott dazu berufen hatte, dort das Evangelium zu verkünden.

Die heutige Lesung berichtet von den Ereignissen der zweiten Missionsreise des Paulus. Am Ende des 15. Kapitels wird erzählt, wie Paulus Barnabas eine zweite Reise vorschlägt, um nach den Neubekehrten zu schauen. Barnabas möchte Johannes Markus mitnehmen, der letztes Mal mit auf die Insel Zypern gereist, dann jedoch nicht weiter mitgekommen ist. Paulus nimmt es ihm wohl immer noch übel, denn er weigert sich, ihn auf die zweite Reise mitzunehmen. Wir müssen bedenken, dass Johannes Markus ein Verwandter des Barnabas ist und dieser ihn nicht einfach links liegen lassen will. So kommt es zu einem Konflikt zwischen den beiden Missionaren und sie gehen getrennte Wege. Barnabas reist mit seinem Verwandten nach Zypern, wohingegen Paulus Silas mitnimmt. Zusammen reisen sie durch Syrien und Kilikien.
Heute hören wir dann davon, dass Paulus in die Städte von damals kommt. Dort lernt er Timotheus kennen, den Sohn einer Judenchristin und eines Griechen. Er nimmt ihn als Begleitung mit und lässt ihn zuvor beschneiden. Dies tut er aus Rücksicht vor den Juden, die seinen Vater kennen. Er tut es nicht, weil es heilsnotwendig wäre, sondern um keinen Anstoß zu erregen.
Als sie die jungen Gemeinden besuchen, klären sie sie auch über die neuen Beschlüsse des Apostelkonzils auf. Sie sollen die Jakobinischen Klauseln berücksichtigen, müssen aber weder beschnitten werden noch die gesamte Torah halten. Der Besuch der Missionare bringt nicht nur Glaubensvertiefung mit sich, sondern auch weitere Gläubige.
Auch jetzt ist es der Heilige Geist, der die Missionare leitet. Wir erfahren, dass dieser sie davon abhält, durch die Provinz Asia zu ziehen (Westküste Kleinasiens). Stattdessen wirken sie in Phrygien und Galatien, die an die Asia im Osten angrenzen. Selbst als sie nach Bithynien möchten und dafür an Mysien vorbeiziehen müssen (da liegt z.B. Pergamon), warnt sie der Heilige Geist davor. Stattdessen ziehen sie durch Mysien nach Troas. Eines Nachts erhält Paulus eine prophetische Eingebung durch einen Traum, in dem er einen Mazedonier ihn um Hilfe bitten sieht. Sofort bewertet Paulus diesen Traum als gottgegeben und sie planen die Abreise nach Mazedonien. In Vers 10 lesen wir einen Perspektivwechsel, denn der Autor bezieht sich in die Geschichte ein! Er sagt „wir kamen zu dem Schluss“. Das bedeutet, dass Lukas als Autor der Apostelgeschichte die ganze Zeit mitgezogen ist.
So endet der heutige Abschnitt. Die Missionare machen zu keinem Zeitpunkt einfach das, was sie möchten. Sie lassen sich vom Heiligen Geist leiten und sind gerade deshalb so fruchtbar in ihrem Dienst. Auch uns möchte der Geist Gottes in unserem Leben leiten. Wir müssen ihm dafür nur den Raum geben.

Ps 100
2 Dient dem HERRN mit Freude! Kommt vor sein Angesicht mit Jubel!
3 Erkennt: Der HERR allein ist Gott. Er hat uns gemacht, wir sind sein Eigentum, sein Volk und die Herde seiner Weide.
4 Kommt mit Dank durch seine Tore, mit Lobgesang in seine Höfe! Dankt ihm, preist seinen Namen! 5 Denn der HERR ist gut, ewig währt seine Huld und von Geschlecht zu Geschlecht seine Treue.

Als Antwort auf diesen Missionserfolg beten wir Psalm 100, der betitelt wird als „Lobgesang der Völker beim Einzug ins Heiligtum“.
„Dient dem HERRN mit Freude! Kommt vor sein Angesicht mit Jubel!“ Diese Worte beziehen sich nun auf die neubekehrten Heidenchristen, die durch die Mission des Paulus und Barnabas Christen geworden sind. Sie sind es, die zu einem freudigen Dienst aufgefordert werden. Der Wortsinn dieses Psalms ist zunächst auf die Heiden in alttestamentlicher Zeit zu beziehen, die zum Tempel kommen sollen („vor sein Angesicht“). Dort gibt es einen eigens für sie bestimmten Tempelhof. Mit Blick auf die Heidenchristen zur Zeit des Paulus müssen wir uns fragen, was dann mit „Angesicht Gottes“ gemeint sein könnte. Jesus hat der samaritanischen Frau am Jakobsbrunnen schon angekündigt, dass in Zukunft weder der Tempel in Jerusalem noch die Kulthöhe auf dem Garizim die Anbetungsorte Gottes darstellen werden. Er hat angekündigt, dass er selbst der Ort der Anbetung darstellen wird und die rechte Weise der Anbetung im Geist und in der Wahrheit sein werde. Es wird keine örtliche Gebundenheit mehr geben, weil Jesus in jeder Heiligen Messe eucharistisch anwesend sein wird! Die Heidenchristen der Lesung treten also nun durch die Liturgie zum Angesicht Gottes, egal wo sie sich befinden – Lystra, Derbe, Ikonion, Jerusalem oder Antiochia.
„Erkennt: Der HERR allein ist Gott. Er hat uns gemacht, wir sind sein Eigentum, sein Volk und die Herde seiner Weide.“ Dass es nur diesen einen Gott gibt, wird den Heiden gegenüber natürlich deshalb betont, weil sie den Monotheismus erst einmal lernen müssen. Sie kommen aus einem polytheistischen Kontext (Vielgötterei). Dieser eine wahre Gott hat die Welt geschaffen, auch die Menschen. Deshalb gehören alle Menschen ihm. Auch die Heiden gehören zum auserwählten Volk. Das Hebräische gibt dies wieder mit dem Wort עַ֝מֹּ֗ו ammo. Es geht wirklich um das auserwählte Volk. Dies ist bemerkenswert im Kontext des Alten Testaments! Nicht nur das Volk Israel gehört zum Volk Gottes, sondern nun auch die Heiden! Hier wird etwas deutlich, was mit dem Neuen Bund wahr wird: Gottes Volk setzt sich nicht mehr durch biologische Abstammung zusammen, sondern durch Menschen aller Nationen, Völker, Stämme und Sprachen, die durch die Taufe zur neuen Schöpfung werden, eine geistliche Familie. Als solche ist das neue Volk Gottes Herde des guten Hirten. Dieses Bild greift Jesus dann auf, wenn er sich selbst als diesen guten Hirten offenbart und seine Jünger als seine Herde.
„Kommt mit Dank durch seine Tore“ ist wörtlich zunächst auf die Stadttore Jerusalems und des Tempelareals gemeint, durch die die Heiden in die Höfe des Tempels gelangen. Im weiteren Sinn meint es auch die Heidenchristen der jungen Gemeinden der Apostelgeschichte. Diese treten durch das Tor der Taufe hindurch in den Hof des Heiligtums Gottes, der in ihren Herzen Wohnung nimmt. Sie treten durch das Tor, wenn sie sich zur Eucharistie versammeln (wohl in Hausgemeinschaften). So ist es mit allen Menschen, die bis heute die Liturgie feiern. Die ganze Menschheit tritt durch das Tor des Todes ein in die Ewigkeit.
„Dankt ihm, preist seinen Namen!“ Dazu haben vor allem jene Neugetauften der Apostelgeschichte Anlass. Sie sind gerettet worden auf das ewige Leben hin. Dies veranlasst sie zu Lob und Dank.
Gott ist gut. Er hat das Heil jedes Menschen im Sinn. Er ist wirklich treu und verlässt seine Schäfchen nie. Deshalb können wir Menschen nicht anders, als zu jubeln über seine guten Taten an uns. Wir erkennen sie nicht immer und manchmal verdunkeln die Krisen unseres Lebens den dankbaren Blick auf das, was wir haben und was uns gelingt. Doch Gott ist immer der gleiche gute Gott, dem Ehre gebührt – gestern, heute und in Ewigkeit.

Joh 15
18 Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat.
19 Wenn ihr von der Welt stammen würdet, würde die Welt euch als ihr Eigentum lieben. Aber weil ihr nicht von der Welt stammt, sondern weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt.
20 Denkt an das Wort, das ich euch gesagt habe: Der Sklave ist nicht größer als sein Herr. Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen; wenn sie an meinem Wort festgehalten haben, werden sie auch an eurem Wort festhalten.
21 Doch dies alles werden sie euch um meines Namens willen antun; denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat.

Im Evangelium hören wir heute wieder einen Ausschnitt aus der zweiten Abschiedsrede. Gestern ging es vor allem um die Nächstenliebe aus der göttlichen Liebe heraus. Heute bereitet Jesus die Apostel auf die Widerstände vor, die sie erwarten.
Jesus spricht vom Hass durch die Welt. „Welt“ meint im Johannesevangelium immer die gefallene Schöpfung, nicht die Welt als Schöpfung Gottes. Was Gott gemacht hat, ist natürlich gut und nicht schändlich, sodass wir keine Weltfeindlichkeit daraus machen dürfen. Vielmehr meint es, was aus der Schöpfung Gottes geworden ist durch die Bosheit und Sünde der Menschen. Und diese hasst Gott. Dahinter steht der Satan, der Widersacher Gottes, der ihn ablehnt und auch die Menschen von Gott wegziehen möchte. Deshalb hasst die Welt auch Christus, das fleischgewordene Wort Gottes, das sie deshalb auch ans Kreuz schlagen werden. Und wer ihm nachfolgen will, wird ebenfalls gehasst werden aufgrund dieser Feindschaft auf geistlicher Ebene. Dieser geistliche Krieg steht eigentlich hinter den Konflikten zwischen den Menschen. Von diesem aus verstehen wir die Christenverfolgungen und innerkirchlichen Konflikte.
Wer getauft ist, stammt nicht mehr von der Welt, weil er oder sie nun zu der neuen Schöpfung gehört. Diese ist dabei auf die Ewigkeit hin ausgerichtet.
Auch die Apostel sind nicht von dieser Welt, zwar zu dem Zeitpunkt der zweiten Abschiedsrede noch nicht durch die Neuschöpfung im Heiligen Geist (dies erfolgt dann an Pfingsten), sondern aufgrund ihrer Erwählung durch Jesus Christus. Er greift hier vor, was mit ihnen passieren wird. Ihre Einstellungen sind aber schon eben jene der neuen Schöpfung. Sie leben schon auf die Ewigkeit hin, weil sie das Evangelium Jesu Christi angenommen haben.
Aufgrund dieser ganz anderen Prioritäten und Einstellungen sind sie der Welt fremd. Diese würde sie lieben und feiern, wenn sie noch in der Einstellung der Welt verharren würden. Das tun sie aber nicht und deshalb werden sie Verfolgung erleiden. Alle Apostel außer Johannes werden den Märtyrertod erleiden aus genau diesem Grund.
Ein anschauliches Beispiel für die Worte Jesu begegnet uns bei seiner Verurteilung: Dort steht er ganz zerschunden und verspottet als König der Juden mit Dornenkrone vor der Menschenmenge und neben ihm steht ein Schwerverbrecher, der als Zelot das Kommen des Gottesreiches mit Gewalt erzwingen wollte. Die Menschen feiern diesen anderen Messias (Bar-abbas, „Sohn des Vaters“) und fordern den Tod des wahren Messias, dessen Reich nicht von dieser Welt ist. Die Menschen feiern den, der in der weltlichen Logik lebt und wirkt. Sie hassen den, der mit göttlicher Weisheit die Welt verändert.
Schon bei der Fußwaschung erklärte Jesus seinen Aposteln, dass sie als seine Schüler nicht höher als er stehen können. Wenn er einen Sklavendienst verrichtet, sollen auch sie den Sklavendienst an anderen Menschen verrichten – freiwillig und aus Liebe. Dies greift er nun wieder auf, um sie auf die Anfeindungen vorzubereiten: Wenn er als ihr Rabbi schon auf solch schändliche Weise behandelt werden wird, dann wird es sie mindestens genauso treffen.
Aber dies wird nicht nur die negativen Reaktionen der Menschen betreffen: Ebenso werden jene, die das Wort Gottes durch den Messias selbst angenommen haben, es von seinen Aposteln akzeptieren, die in seinem Namen das Evangelium verkünden werden.
Zurück zu den Verfolgungen erklärt Jesus den Aposteln, dass die kommenden Verfolgungen, Bedrängnisse und Nachteile ihnen deshalb widerfahren werden, weil sie im Namen Jesu Christi auftreten werden, den sie zuerst gehasst haben. Und dies wiederum führt Jesus darauf zurück, dass die Feinde die Sendung des Sohnes vom Vater nicht erkannt haben. Hätten sie die Augen einmal richtig aufgemacht, wäre ihnen aufgegangen, dass Jesus im Namen des Vaters verkündet, nichts gegen dessen Willen gesagt und getan und somit die alttestamentlichen Verheißungen erfüllt hat.
Er ist der Sohn Gottes und hat nichts verkündet, was sich nicht mit den Worten Gottes in alttestamentlicher Zeit deckt.
Seine Gegner sind einfach blind und werden es auch sein, wenn sie den Aposteln vieles antun werden. Die Apostel sind gewarnt. Die Tragweite der Worte Jesu werden ihnen wohl nicht bewusst gewesen sein bis zu dem Moment, als sich dies dann bewahrheitet hat (wir denken an die Heilung des Gelähmten an der Schönen Pforte und die Verhaftung durch den Sanhedrin).

Die Worte Christi sind auch an uns gerichtet. Die Welt hasst die Christen, weil sie ganz andere Werte, eine ganz andere Ausrichtung, ganz andere Prioritäten aufweisen als die Gesellschaft. Das Christentum beugt sich nicht dem Zeitgeist (ich beziehe mich auf den unverfälschten Glauben und die konsequente Praxis, nicht auf die Scheinkatholiken, die die Lehre gar nicht mehr glauben). Es bietet die Stirn vor allem gegenüber totalitären Regimen wie dem Kommunismus und Nationalsozialismus. Wie viele Geistliche sind umgebracht worden für diese mutigen Kampfansagen! Wie viele Christen werden heute umgebracht, die mutig am Glauben festhalten, obwohl ihnen gedroht wird! Noch nie gab es so eine schlimme Christenverfolgung wie heutzutage. Das ist uns ein Zeichen dafür, dass die Welt immer gottloser wird. Die Diskrepanz wird immer größer und so auch die Gewalt.

Das ist etwas, das die Apostel annehmen müssen, doch es muss weder ihnen noch uns Angst einjagen. Jesus sagte, wenn wir die Zeichen der Endzeit sehen werden, sollen wir uns aufrichten und unsere Häupter erheben, weil die Erlösung naht (Lk 21,28). Und er steht uns bis zum Schluss bei mit allen Engeln und Heiligen, besonders mit seiner lieben Mutter, die auch unsere Mutter ist.

Ihre Magstrauss

Freitag der 5. Osterwoche

Apg 15,22-31; Ps 57,8-9.10-11; Joh 15,12-17

Apg 15
22 Da beschlossen die Apostel und die Ältesten zusammen mit der ganzen Gemeinde, Männer aus ihrer Mitte auszuwählen und sie zusammen mit Paulus und Barnabas nach Antiochia zu senden, nämlich Judas, genannt Barsabbas, und Silas, führende Männer unter den Brüdern.
23 Sie gaben ihnen folgendes Schreiben mit: Die Apostel und die Ältesten, eure Brüder, grüßen die Brüder aus dem Heidentum in Antiochia, in Syrien und Kilikien.
24 Wir haben gehört, dass einige von uns, denen wir keinen Auftrag erteilt haben, euch mit ihren Reden beunruhigt und eure Gemüter erregt haben.
25 Deshalb haben wir einmütig beschlossen, Männer auszuwählen und zusammen mit unseren geliebten Brüdern Barnabas und Paulus zu euch zu schicken,
26 die beide für den Namen Jesu Christi, unseres Herrn, ihr Leben eingesetzt haben.
27 Wir haben Judas und Silas abgesandt, die euch das Gleiche auch mündlich mitteilen sollen.

28 Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge:
29 Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht zu meiden. Wenn ihr euch davor hütet, handelt ihr richtig. Lebt wohl!
30 Man verabschiedete die Abgesandten und sie zogen hinab nach Antiochia, riefen die Gemeinde zusammen und übergaben ihr den Brief.
31 Sie lasen ihn und freuten sich über den Zuspruch.

Gestern hörten wir in der Lesung von hitzigen Auseinandersetzungen auf dem Apostelkonzil in Jerusalem. Es wurde über die Heilsnotwendigkeit der Beschneidung diskutiert sowie über die Haltung der gesamten Torah durch die Heiden. Petrus hat entschärfend eingewirkt, Paulus und Barnabas die Chance gehabt, Zeugnis von der heidnischen Bekehrungswelle auf der ersten Missionsreise zu berichten und Jakobus sodann das entscheidende Wort gesprochen: So wie im levitischen Heiligkeitsgesetz notiert sollen die Heiden aus Rücksicht vor den Judenchristen ein Mindestmaß an Ritualgeboten einhalten, ansonsten aber weder beschnitten werden noch der Torah unterworfen werden. Sie sollen nicht mit der pharisäischen Strenge belastet werden wie die Juden.
Damit können sich die meisten wohl anfreunden, denn heute hören wir davon, dass zusammen mit Paulus und Barnabas eine Gesandtschaft von zwei jerusalemer Brüdern nach Antiochia, der heidenchristlichen Basisgemeinde, zurückkehren und die Beschlüsse verlesen. Dies hätten Paulus und Barnabas auch hinbekommen, doch geht es hier um die Bedeutung der Vertreter. Dies macht die Angelegenheit hochoffiziell und autoritär.
Judas Barsabbas und Silas werden ausgewählt, diese Aufgabe zu übernehmen. Wir erfahren auch den Wortlaut des Schreibens:
Es handelt sich von der Form um einen Brief, der klassisch mit einem Präskript beginnt. Dort wird der Autor und der Absender formuliert sowie ein Gruß an den Adressaten gerichtet. Die Absender sind die Aposteln und die Ältesten (das heißt die Presbyter der Urgemeinde). Wie auch sonst in antiken Briefen wird der Absender grammatikalisch im Nominativ formuliert, der Empfänger aber im Dativ: Es handelt sich um die Heidenchristen („Brüder aus dem Heidentum“) in Antiochia, Syrien und Kilikien. Ein ganz knapper Gruß folgt der Nennung der Adressaten mithilfe des Wortes χαίρειν chairein (hier: „zum Gruß“).
Dann erfahren wir weitere Details von der Vorgeschichte, aufgrund welcher das Apostelkonzil überhaupt einberufen worden ist: Es gab Brüder der Urgemeinde, die ohne Beauftragung in Antiochia gepredigt und mit der Beschneidungsforderung für Unruhe gesorgt haben. Ihre eigenmächtige Verkündigung ohne offizielle Beauftragung ist uns neu.
Aus diesem Anlass hat die Urgemeinde beschlossen, mit Barnabas und Paulus die Männer Silas und Judas zu ihnen zu senden, die auch mündlich für den Inhalt des Schreibens einstehen. Es sind wirklich bewährte Männer, die „ihr Leben eingesetzt haben“ für Christus. Es könnte durchaus auf Bedrängung von Seiten der jüdischen Elite in Jerusalem hindeuten, die immer wieder versuchten, die aufkommende „Christus-Sekte“ auszumerzen.
Und dann kommt dieser wunderbare Satz: „Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen.“ Das muss man wirklich betonen. Es ist ein Teamwork von Gott und Mensch. Trotz hitziger Auseinandersetzungen war der Prozess des Apostelkonzils geistgetragen und dieser hat ihnen die richtigen Impulse, Erinnerungen und Beschwichtigungen eingegeben, sodass die Kirche zusammengehalten werde. Wir müssen hier ganz klar unterstreichen, dass es von Anfang an Spannungen in der Kirche gibt. Wo unterschiedliche Menschen zusammenleben, belasten ihre menschlichen Schwächen irgendwann die Gemeinschaft. Und es ist auch normal, dass es unterschiedliche Akzente und Mentalitäten gibt. Von Anfang an, ich betone das gerne, von Anfang an war katholische Problemlösung immer darauf bedacht, diese Schwerpunkte in ihrer Vielfalt zu erhalten. Wo nur ein Akzent zugelassen worden ist, entstanden Sekten, die irgendwann nichts mehr mit dem Christentum zu tun hatten (z.B. Markion mit seinem Antijudaismus). Katholisch heißt „allumfassend“, auch in der Weite der Lehre. Dies gilt bis heute. Katholisch ist Gregorianik und Alte Messe, katholisch ist aber auch die katholische charismatische Erneuerung.
Was auf dem Apostelkonzil entschieden worden ist, wurde unter dem Einfluss des Heiligen Geistes beschlossen. Eine höhere Autorität gibt es nicht. So signalisiert das Schreiben nun etwas Entscheidendes, an das man sich unbedingt halten muss:
Die Heidenchristen müssen die „Last“ der Juden nicht tragen (Beschneidung, Torah), jedoch Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht meiden. Sie verhalten sich richtig, wenn sie wenigstens dies halten.
Der Brief endet mit der gängigen Abschlussformel ἔρρωσθε errosthe, was so viel wie „Lebet wohl“ oder „Gehabt euch wohl“ heißt.
So ziehen die vier Männer nach Antiochia und der Brief wird dort verlesen. Die Gemeinde in Antiochia freut sich über den Zuspruch. Das griechische Wort ist an dieser Stelle παράκλησις paraklesis, was auch mit „Ermahnung, Ermunterung, Aufforderung“ übersetzt werden kann. Es ist in dieser sehr autoritativen Situation (die Jerusalemer haben zusammen mit dem Heiligen Geist beschlossen) am besten mit „Ermahnung“ zu übersetzen. Dies ist deshalb ein Grund zur Freude, weil in dieser Streitfrage endlich ein Machtwort gesprochen und Gewissheit eingekehrt ist. Die Verunsicherung in einer ganz ungeklärten Situation hat die Heidenchristen sehr verunsichert.
Wir lernen aus der heutigen Perikope, dass eine Autorität innerhalb einer Gemeinschaft wirklich wichtig ist. In so einem System kann Klarheit herrschen und eine deutliche Linie vorgegeben werden, die wiederum mit dem Willen Gottes übereinstimmen muss. Wenn jeder macht, was er will und keine Einigkeit bei allen Christen herrscht, ist es keine Weltgemeinschaft mehr. Es zerfällt in ein einziges Schollenmeer, das keine Einheit mehr hat.

Ps 57
8 Mein Herz ist bereit, Gott, mein Herz ist bereit, ich will singen und spielen.
9 Wach auf, meine Herrlichkeit! Wacht auf, Harfe und Leier! Ich will das Morgenrot wecken.
10 Ich will dich preisen, Herr, unter den Völkern, dir vor den Nationen spielen.
11 Denn deine Liebe reicht, so weit der Himmel ist, deine Treue, so weit die Wolken ziehn.
12 Erhebe dich über den Himmel, Gott! Deine Herrlichkeit sei über der ganzen Erde!

Als Antwort beten wir den wundervollen Ps 57. Der Beginn wird auch heute wieder von einer Selbstaufforderung zum Lob gekennzeichnet. Das Herz ist bereit. Das ist entscheidend. Wenn auch unsere Lippen Gott loben und preisen, mit Instrumenten wie die Harfe und Leier aus Vers 9 begleiten, so laut singen, dass wir das Morgenrot wecken – all das ist nutzlos, wenn unser Herz nicht bei der Sache ist. Darauf kommt es Gott aber an, sodass seine Propheten oft die Herzensferne der Israeliten kritisieren (Jes 29,13f.). Wenn das Herz sich auf Gott ausrichtet und ihn aufrichtig preist, wird es zu einem würdigen Opfer für den Herrn.
Vers 9 ist sehr poetisch und als Morgenlob zu deuten, hat aber auch einen tieferen geistlichen Sinn: Die Herrlichkeit Gottes und das Morgenrot sollen aufwachen. Das ist zutiefst messianisch: Jesus Christus ist der Messias, dessen Kommen mit dem Morgenrot (von Osten) in Verbindung gebracht wird. Die Herrlichkeit Gottes soll aufwachen und den Retter senden, das Heil für das auserwählte Volk Israel.
Das Gotteslob soll nicht nur bei den Stämmen Israels erklingen, sondern auch „vor den Nationen“. Für die Völker wird hier in Vers 10 ammim gebraucht, was in der Einzahl zwar mehr auf das Volk Israel bezogen wird, in der Mehrzahl aber durchaus allgemein Völker meinen kann. Für die Nationen wird ummim gebraucht, was noch allgemeiner ist und ebenfalls auf alle Völker, also auch die nichtjüdischen Völker einbezieht. Vor dem Hintergrund der Lesung wird es zu einem Lobpreis der Antiochener, die Gottes Eingreifen in die ganze Streitsituation preisen.
„Denn deine Liebe reicht, so weit der Himmel ist“. Gottes Liebe ist unendlich, sie ist weltumspannend und gilt jedem Geschöpf. Gottes Liebe gilt somit auch den Heiden und muss auch ihnen verkündet werden. Auch die Treue Gottes ist unendlich. Er hält seine Versprechen und bricht den Bund mit seinem auserwählten Volk nie, selbst wenn das Volk dem Bund untreu wird. Gott verheißt das Heil nicht nur dem auserwählten Volk, sondern schon Jesaja schaut die Völkerwallfahrt zum Zion. Gott wird einen Bund schließen mit allen Menschen, auch mit den Heiden. Und in der Apostelgeschichte ist dies nun Realität geworden. Dort müssen nun pragmatische Probleme geklärt werden, die mit der Einbeziehung von Heiden entstehen.
Am Ende erfolgt die Bitte an Gott, sich über den ganzen Himmel zu erheben und seine Herrlichkeit über der ganzen Erde erstrahlen zu lassen. Dies ersehnen auch wir bis heute, wenn wir die Wiederkunft Christi erwarten. Wir ersehnen das Ende der Zeiten, wenn Gott in seiner ganzen Herrlichkeit allen Menschen offenbar wird. Dann wird der verherrlichte Menschensohn die Lebenden und die Toten richten und die Gottesherrschaft sich endgültig durchsetzen.

Joh 15
12 Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe.
13 Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.
14 Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.
15 Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.
16 Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet.
17 Dies trage ich euch auf, dass ihr einander liebt.

Heute hören wir die Fortsetzung der zweiten Abschiedsrede. Es ging bereits gestern um die Liebe. Dort war es vor allem das Sein in der Liebe Gottes, was wir als Stand der Gnade bezeichnen. Diese wird dadurch aufrecht erhalten, dass der Mensch die Gebote Gottes hält.
Heute hören wir nun die zweite Seite der Liebesmedaille – die Nächstenliebe.
Es ist Gottes Wille, dass die Menschen einander so lieben, dass sie ihr Leben füreinander hingeben. Jesus sagt dies mit seinem bevorstehenden Kreuzestod im Sinn. Er wird es ihnen in vollkommener Weise vormachen, wenn er für die Erlösung der gesamten Menschheit ans Kreuz geschlagen wird.
Jesus erklärt den Aposteln auch, was er mit Freundschaft meint, denn er sieht die Lebenshingabe als größte Liebe gegenüber den Freunden. Er meint in erster Linie sich selbst, wie er sein Leben für seine Freunde hingibt, das heißt für seine Jünger. Darüber hinaus spricht er natürlich alle an, die in seiner Nachfolge leben und sich für ihre Freunde hingeben.
Freundschaft mit Christus ist ein anderes Bild für das Sein in Gottes Liebe. So sind auch die Gebote Gottes gleichzusetzen mit dem, was Christus seinen Jüngern aufträgt. Der Vater und der Sohn sind eins. Christus ist die Erfüllung der Gebote Gottes in Person. Auf ihn zu hören kommt der Erfüllung der Gottesgebote gleich. Freundschaft mit Christus haben wir, wenn wir auf ihn hören – wir sind in seiner Liebe durch die Haltung der Gebote Gottes.
Dann erklärt Jesus die Gegenbegrifflichkeit von Freund und Knecht. Wenn man bei einem Herrn als Knecht eingestellt ist, tut man einfach gehorsam, was einem aufgetragen wird. Doch der Herr wird nicht alle seine Pläne und Belange mit dem Knecht teilen. Das geht ihn nichts an. Anders sieht es unter Freunden aus. Diese erzählen sich alles auf einer sehr hohen Vertrauensbasis. Davon ausgehend erklärt Jesus seinen Aposteln, dass er und sie ein solches Freundschaftsverhältnis zueinander haben. Er hat ihnen alles erzählt (Stichwort Offenbarung), was er vom Vater gehört hat. Das ist ein sehr großer Vertrauenserweis, denn Jesus hat ihnen das Herz des Schöpfers von Himmel und Erde, des Herrschers über die Könige der Welt und des universalen Richters gezeigt. Diese größte Intimität hat Christus ihnen in Beziehung zum Vater ermöglicht!
Es geht noch weiter: Dass sie diese Freundschaft und somit den ultimativen Vertrauenserweis genießen dürfen, kommt nicht von ihrer eigenen Initiative, sondern Christus hat sie dazu erwählt! Wir wissen von den Evangelien, dass Jesus zu ihnen hinging und sie zu seinen Jüngern machte. Er rief sie dazu auf, ihm nachzufolgen und sie ließen alles stehen und liegen. So ist es auch mit uns: Gott hat uns erwählt, seine Freunde, seine Kinder, seine Familie zu sein. Er hat uns aus Liebe ins Dasein gerufen und alles, was wir ihm gegenüber anstreben – Liebe, Dankbarkeit, Glaube etc. – ist immer Antwort auf seine zuerst vorausgegangene Liebe.
Die Jünger sind dazu aufgerufen, Frucht zu bringen, die dauerhaft ist. Dieser Aufruf zur Fruchtbarkeit ist mehr als nur biologisch gemeint wie in der Genesis. Es geht um geistige Fruchtbarkeit, die eine viel größere ist. Die Jünger sollen das Wort Gottes ausstreuen und viele Kinder für die Familie Gottes streuen. Das ist also ein missionarisches Wort. Wer aber auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft wird, bleibt in Ewigkeit ein Kind Gottes. Das Siegel, das bei der Taufe dem Täufling in die Seele eingeprägt wird, ist unauslöschlich, egal, was passiert. Deshalb ist es eine bleibende Frucht. So wird die Familie Gottes, die Kirche immer größer. Fruchtbar können die Apostel aber nur dann sein, wenn sie in der Liebe Gottes bleiben, also im Stand der Gnade. Und so ist es auch bis heute mit der Kirche als Leib Christi und mit jedem einzelnen Christen bezogen auf den Stand der Gnade. Was wir im Namen Jesu Christi erbitten, wird uns der Vater geben, wenn wir im Stand der Gnade bitten (und natürlich, wenn es seinem heiligen Willen entspricht!).
Jesus endet den heutigen Abschnitt mit einem wiederholten Aufruf zur Nächstenliebe. Sie ist mehr als nur ein gegenseitiges Gutsein. Sie übersteigt die Komfortzone bis hin zum Sterben füreinander. Das hat also nichts mit romantischen Vorstellungen zu tun, sondern damit, dass Liebe immer aufs Ganze geht. Jesus stirbt für die ganze Menschheit. Wer ihm nachfolgt und so lebt wie er, wird ebenfalls aufs Ganze gehen, wenn es sein muss. Dieses Sterben füreinander ist der äußerste Fall, doch auch das langsame Absterben des eigenen Willens und Egoismus, der eigenen Wünsche und Bequemlichkeiten um des Wohls des Anderen willen ist bei dieser Aussage mitgemeint. Wir sehen es besonders eindrücklich bei unseren Eltern. Sie geben sich so sehr für uns Kinder hin, opfern ihre Gesundheit, ihre Lebenszeit, ihre Finanzen, ihre eigenen Pläne, auch gerade beruflicher Art, um uns großzuziehen und zu erwachsenen Menschen und brennenden Christen zu machen. Es ist keine berechnende Liebe, die eine Gegenleistung erwartet, sondern eine ganz zweckfreie und selbstlose Hingabe und Ermöglichung optimaler Entfaltung des Anderen.

Diese absolute Selbstverschenkung an den Nächsten speist sich aus der Liebe Gottes und ist somit eine übernatürliche Liebe. Hier ist nicht mehr das Stichwort die φιλία philia „Freundschaft“, sondern die ἀγάπη agape. Sie fordert vom Menschen alles und weil dieser beschränkt ist, leitet sie sich von der übernatürlichen Gnade Gottes ab. Wenn wir in der Liebe Gottes sind, können wir diese übermenschliche Liebe auch dem Nächsten erweisen.

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 5. Osterwoche

Apg 15,7-21; Ps 96,1-2.3 u. 10; Joh 15,9-11

Apg 15
7 Als ein heftiger Streit entstand, erhob sich Petrus und sagte zu ihnen: Brüder, wie ihr wisst, hat Gott schon längst hier bei euch die Entscheidung getroffen, dass die Heiden durch meinen Mund das Wort des Evangeliums hören und zum Glauben gelangen sollen.

8 Und Gott, der die Herzen kennt, hat dies bestätigt, indem er ihnen ebenso wie uns den Heiligen Geist gab.
9 Er machte keinerlei Unterschied zwischen uns und ihnen; denn er hat ihre Herzen durch den Glauben gereinigt.
10 Warum stellt ihr also jetzt Gott auf die Probe und legt den Jüngern ein Joch auf den Nacken, das weder unsere Väter noch wir tragen konnten?
11 Wir glauben im Gegenteil, durch die Gnade Jesu, des Herrn, gerettet zu werden, auf die gleiche Weise wie jene.
12 Da schwieg die ganze Versammlung. Und sie hörten Barnabas und Paulus zu, wie sie erzählten, welch große Zeichen und Wunder Gott durch sie unter den Heiden getan hatte.
13 Als sie geendet hatten, nahm Jakobus das Wort und sagte: Brüder, hört mich an!
14 Simon hat berichtet, dass Gott selbst zuerst darauf geschaut hat, aus den Heiden ein Volk für seinen Namen zu gewinnen.
15 Damit stimmen die Worte der Propheten überein, die geschrieben haben:
16 Danach werde ich mich umwenden und die zerfallene Hütte Davids wieder aufrichten; ich werde sie aus ihren Trümmern wieder aufrichten und werde sie wiederherstellen,
17 damit die übrigen Menschen den Herrn suchen, auch alle Völker, über denen mein Name ausgerufen ist – spricht der Herr, der das ausführt,
18 was ihm seit Ewigkeit bekannt ist.
19 Darum halte ich es für richtig, den Heiden, die sich zu Gott bekehren, keine Lasten aufzubürden; 20 man weise sie nur an, Verunreinigung durch Götzenopferfleisch und Unzucht zu meiden und weder Ersticktes noch Blut zu essen.
21 Denn Mose hat seit alten Zeiten in jeder Stadt seine Verkünder, da er in den Synagogen an jedem Sabbat verlesen wird.

Gestern hörten wir bereits von den Streitigkeiten bei der Frage nach der Heilsnotwendigkeit der Beschneidung. Die judäer Christen befürworteten sie und sprachen sich in Antiochia bei ihrem Besuch dafür aus. Die Heidenchristen lehnen sie aber ab und so reisen Barnabas und Paulus nach Jerusalem, um die Streitfrage vor der höchsten Autorität, den Aposteln, darzulegen. Wir hörten dann davon, dass die Apostel und Ältesten gemeinsam über die Sache nachdenken.
Heute entfacht über die Beschneidungsfrage ein großer Streit. Wenn es hier heißt, dass er „heftig“ ist, müssen wir uns im orientalischen Kontext wirklich eine hitzige Diskussion vorstellen…da ging es richtig laut und temperamentvoll zu.
Inmitten dieser heftigen Auseinandersetzung ergreift Petrus das Wort und fungiert wieder als Vermittler und Diplomat zwischen den Parteien: Er erinnert die Anwesenden daran, dass nicht sie die Entscheidung treffen, sondern Gott. Er hat schon längst seinen Willen bei dieser Sache und Petrus diesen auch kundgetan. Er deutet das zweite Pfingsten von Caesarea im Hause des Kornelius an, bei dem Gott ihm auftrug, den Heiden das Evangelium zu verkünden. Durch ihn sollten sie zum Glauben an Jesus Christus kommen. Die Ausgießung des Heiligen Geistes über die Heiden im Haus des Kornelius bestätigt Gottes Auftrag an Petrus.
Petrus erklärt, dass Gott keinen Unterschied zwischen den Pfingstereignissen gemacht hat, sondern dass es ihm um die Herzenshaltung der Anwesenden ging. Dies soll den Anwesenden klarmachen, dass sie den Heiden nun nicht mehr auferlegen sollten als Gott selbst, der von ihnen keine Beschneidung für das Pfingstereignis vorausgesetzt hat.
Petrus erinnert die Anwesenden auch daran, dass nicht ihr eigenes Tun, sondern die Gnade Gottes sie gerettet hat. Warum soll es bei den Heiden nun anders sein? Ja, die Apostel waren zuvor Juden und deshalb beschnitten. Aber nicht diese Beschneidung hat ihnen die Erlösung geschenkt, sondern Jesu Christi Kreuzestod, auf den hin sie im Heiligen Geist neugeboren worden sind! Genauso ist es bei den Heiden, deren Taufe im Heiligen Geist ebenfalls durch ihren Glauben vollzogen worden ist, durch ihr Ja und ihr ganz geöffnetes Herz.
Durch seine Worte schafft er es, die ganze hitzige Situation zum Schweigen zu bringen. Das zeigt uns, wie begnadet Petrus von Gott ist, die verschiedenen Akzente in der Kirche zusammenzuhalten als Fels des Leibes Christi.
In diese entschärfte Situation hinein kommen nun Paulus und Barnabas zu Wort, die von ihrer ersten großen Missionsreise berichten und die Bekehrungswelle der Heiden zur Sprache bringen können.
Daraufhin kommt der Herrenbruder Jakobus zu Wort, der nach Petrus‘ Abreise der Gemeindevorsteher der Jerusalemer Urgemeinde wird. Er ist von seiner theologischen Position der strengen judenchristlichen Richtung zuzuordnen, die die Beschneidung auch von Heidenchristen verlangt. Er greift die Worte des Petrus auf und bettet sie in die Heilsgeschichte ein, die die Schriften des Alten Testaments belegt. Dort ist es schon angekündigt worden, dass auch die übrigen Völker den Herrn suchen würden. Dazu führt er Amos 9,11-12 an, wie es die Septuaginta (das griechische Alte Testament) formuliert, wenn die zerfallene Hütte Davids wieder aufgebaut würde – dies meint nun nicht mehr den Tempel von Jerusalem, sondern den Tempel des Leibes Christi, der die Kirche ist!
Aus dem Grund kann auch Jakobus sich damit anfreunden, den Heiden die Beschneidung nicht abzuverlangen. Dennoch schlägt er eine Mindestanforderung vor, die sich auf die Enthaltung von Götzenopferfleisch, Ersticktem und Blut zu enthalten sowie Unzucht zu meiden. Jakobus beruft sich hier auf das sogenannte Heiligkeitsgesetz ab Lev 17 und wendet es auf die momentane Situation an: Es handelt sich dabei um Gesetze für Fremde, die in Israel leben. Dabei geht es um Ritualgebote, die ein Zusammenleben der Juden und Heiden ermöglichen sollen, ohne dass die Juden sich rituell verunreinigen. In Lev 17 wird deshalb erklärt, dass sowohl Juden als auch Heiden, die im Heiligen Land wohnen, die Tiere schächten müssen. Es verbietet auch bestimmte sexuelle Verhaltensweisen wie den Inzest, die Sodomie oder homosexuelle Praktiken. Diese Dinge gelten ebenfalls für Juden sowie Heiden im Heiligen Land. Auf diese Dinge verweist Jakobus und verlangt sie auch von den Heidenchristen. Es geht bei den jakobinischen Klauseln eigentlich um Ritualgebote, die einzuhalten sind aus Rücksicht vor den Judenchristen, die ja durch die Beschneidung weiterhin die Torah halten müssen (der Alte Bund geht weiter!). Dennoch werden einige Dinge auch durch die zehn Gebote abgedeckt, die die Heidenchristen ja halten müssen (Götzenopferfleischverzehr ist Götzendienst, also ein Verstoß gegen das erste Gebot, Unzucht in allen Facetten ist eine Sünde gegen das sechste Gebot).
Dass es Jakobus vor allem um die Rücksicht auf die Juden geht, erkennen wir an dem letzten Vers, wo es heißt, dass Mose in jeder Stadt seine Verkünder hat. Es gibt ja viele Synagogen, in denen das mosaische Gesetz weiterhin verkündet wird. Juden sind im ganzen römischen Reich verteilt und so muss flächendeckend Rücksicht auf ihre rituelle Unversehrtheit genommen werden.
Was wir hier also lesen, ist kein göttliches Gebot, sondern eine pragmatische Mindestanforderung für die Situation, dass es in einer Gegend Juden(christen) gibt. Nun gibt es aber keine Judenchristen mehr. Sie sind „ausgestorben“ und nach vielen Jahrhunderten Unterbrechung ist nun eine Art „Neo-Judenchristentum“ entstanden – die Gruppe der messianischen Juden. Sie erkennen Jesus als Messias an, bleiben aber Juden und leben nach der Torah. Sie sind beschnitten und doch haben sie das Evangelium Jesu Christi angenommen.
Noch einmal deutlich: Die jakobinischen Klauseln gelten heute nicht mehr. Wir müssen unser Fleisch nicht schächten, aber aufgrund der zehn Gebote ist Götzendienst und Unzucht natürlich weiterhin eine schwere Sünde, die beiden schwersten Sünden überhaupt!

Ps 96
1 Singt dem HERRN ein neues Lied, singt dem HERRN, alle Lande,
2 singt dem HERRN, preist seinen Namen! Verkündet sein Heil von Tag zu Tag!
3 Erzählt bei den Nationen von seiner Herrlichkeit, bei allen Völkern von seinen Wundern!
10 Verkündet bei den Nationen: Der HERR ist König! Fest ist der Erdkreis gegründet, er wird nicht wanken. Er richtet die Völker so, wie es recht ist.

Als Antwortpsalm beten wir einen Lobpreispsalm, der das universale Heil und die Weltherrschaft Gottes zum Thema hat.
Wie so oft erfolgt ein Lobpreisaufruf zu Beginn. „Alle Lande“ werden zum „neuen Lied“ aufgefordert. Das umfasst nicht mehr nur die zwölf Stämme Israels, sondern alle Völker. Vor dem Hintergrund der Erlösung aller Menschen durch Jesus Christus können wir es als lobpreisende Antwort der Erlösten betrachten. In der Apostelgeschichte sind sowohl die Apostel in Jerusalem als auch die Heiden in Caesarea mit dem Heiligen Geist erfüllt worden, sodass es zwei Pfingstereignisse gab. Es ist ein Zeichen Gottes, was mit allen Menschen passiert, die Gott in ihrem Herzen willkommen heißen.
„Verkündet sein Heil“ wird dann für uns Christen auffällig christologisch, weil in den Worten „sein Heil“ hier wieder der Name Jesus enthalten ist. Während hier wörtlich das Heil Gottes als messianische Verheißung verkündet werden soll, sind wir Christen dadurch aufgerufen, Jesus Christus zu verkünden, der das Heil ist (Nomen est omen). Das ist einer der drei Hauptvollzüge der Kirche – die Verkündigung (martyria). Jeder einzelne Christ bezeugt dieses Heil durch sein Handeln. Wo wir einander lieben und die Gebote Gottes halten, kommt das Heil in die Welt, das Reich Gottes wird dann schon jetzt spürbar. Am Ende der Zeiten werden wir das Heil verkünden – aber als ewigen Lobpreis in Gottes Gegenwart, mit allen Engeln und Heiligen.
Der Psalm sagt zudem aus: Gott ist der König, der Herrscher. Die messianische Erwartung des Psalms geht über eine menschliche Figur hinaus (auch wenn zuerst eine politische Figur darunter verstanden wird). Die Menschen sollen es bei den Nationen verkünden, bei allen Nationen: Das deckt sich mit dem, was Jesus seinen Jüngern vor seiner Himmelfahrt aufträgt: alle Menschen zu seinen Jüngern zu machen. „Bei den Nationen“ haben sowohl Petrus als auch Barnabas und Paulus diesen Auftrag treu umgesetzt, bei denen so viele zum Glauben gekommen sind. Das Stichwort im Hebräischen für die Heiden ist an dieser Stelle wieder בַגֹּויִ֨ם baggojim, die Gojim.
Auch die Völker werden von diesem Weltenrichter und König gerichtet, wie es recht ist. Das bedeutet auch, dass sie ebenso die Aussicht auf ein positives Gerichtsurteil und somit auf das ewige Leben im Himmelreich haben, wenn sie zum Glauben an Gott gekommen sind.

Joh 15
9 Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!

10 Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.
11 Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.

Im heutigen Evangelium hören wir einen relativ kurzen Abschnitt aus der zweiten Abschiedsrede. Es gibt um die Liebe.
Jesus stellt wie so oft den Zusammenhang heraus, der sich aus ihm, dem Vater und seinen Jüngern ergibt. Die Liebe zwischen Vater und Sohn ist Vorbild für die Liebe, die zwischen den Jüngern herrschen soll. Die Liebe zwischen Vater und Sohn hat Christus schon übertragen auf seine Liebe zu den Jüngern. Darin hat er ihnen überhaupt die Liebe zwischen ihm und dem Vater offenbart. Was sie also zutiefst berührt hat, sollen sie einander weitergeben. Die Zeitform wird hier mit dem Perfekt übersetzt, weil es sich um eine Abschiedsrede handelt. Jesus spricht diese Worte zu ihnen im Rückblick auf die letzten Jahre, in denen sie so viel Zeit miteinander verbracht haben. So wie es war, so sollen sie nun weitermachen.
Das Leben in dieser Liebe kommt dem Halten der Gebote gleich bzw. ist sie die Grundhaltung und die Absicht, die Gebote Gottes zu halten. Und dies führt wiederum dazu, dass sie in der Liebesgemeinschaft mit Gott bleiben. Die Liebe ist also nicht nur Ursprung/Absicht, sondern auch Ziel des Haltens der Gebote. Das Bleiben in der Liebe ist eine Umschreibung für den Stand der Gnade. In diesem befinden wir uns, wenn wir in rechter Absicht die Gebote Gottes halten.
Er erklärt es ihnen, weil er ihre Freude in sie hineinlegen möchte, die sich ganz in ihnen entfalten soll. Warum nun Freude? Sie ist eine Frucht des Heiligen Geistes, eine übernatürliche Gabe, die ein Mensch sich nicht selbst geben kann. Sie ist mehr als nur eine situativ abhängige Emotion. Sie ist innere Gewissheit, dass Gott am Ende steht mit seinem ewigen Heil, ganz egal, wie es momentan im Leben des Einzelnen aussehen mag. Freude im Leben kann der Mensch dabei nur haben, wenn er in der Liebe Gottes bleibt (also nach den Geboten Gottes lebt). Nur so kann der Mensch glücklich werden.

Diese Worte Jesu sind für das Verständnis der Apostelgeschichte wichtig. Auch für die Heiden gilt: Das Halten der Gebote Gottes ermöglicht das Bleiben in der Liebe Gottes und die Freude im Leben. Die Gebote Gottes sollen sie nicht aus Angst oder Pflichtbewusstsein halten, sondern aus Liebe zu Christus, den sie in ihr Herz gelassen haben. Was genau sie allerdings halten müssen, das wird beim Apostelkonzil in Jerusalem heute ja diskutiert. Dass das Halten der Gebote nicht in eine Pflichtübung ausartet, soll die Beschneidung und das Halten der gesamten Torah den Heiden nicht auferlegt werden, sondern nur eine Mindestanforderung.

Vergessen auch wir beim Streben nach Vollkommenheit nicht, dass auch wir die Gebote Gottes aus Liebe zu ihm halten sollen. Das erkennen wir daran, dass die ersten drei Gebote des Dekalogs auf der Gottesliebe fußen (Verbot des Götzendienstes und der Verunehrung seines Namens, die Heiligung des Sonntags). Die weiteren sieben Gebote betreffen die Nächstenliebe (und da ist es kein Zufall, dass die Ehrung der Eltern ganz oben steht!). Aus diesem Grund heißt es auch, dass das Doppelgebot der Liebe das ganze Gesetz zusammenfasst. Einfach im Verständnis, schwer in der Umsetzung. Wäre dem nicht so, bräuchten wir die Beichte nicht…

Ihre Magstrauss

Dienstag der 5. Osterwoche

Apg 14,19-28; Ps 145,10-11.12-13b.20-21; Joh 14,27-31a

Apg 14
19 Von Antiochia und Ikonion aber kamen Juden und überredeten die Volksmenge. Und sie steinigten den Paulus und schleiften ihn zur Stadt hinaus, in der Meinung, er sei tot.
20 Als aber die Jünger ihn umringten, stand er auf und ging in die Stadt. Am anderen Tag zog er mit Barnabas nach Derbe weiter.
21 Als sie dieser Stadt das Evangelium verkündet und viele Jünger gewonnen hatten, kehrten sie nach Lystra, Ikonion und Antiochia zurück.
22 Sie stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, treu am Glauben festzuhalten; sie sagten: Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen.
23 Sie setzten für sie in jeder Gemeinde Älteste ein und empfahlen sie unter Gebet und Fasten dem Herrn, an den sie nun glaubten.
24 Nachdem sie durch Pisidien gezogen waren, kamen sie nach Pamphylien,
25 verkündeten in Perge das Wort und gingen dann nach Attalia hinab.
26 Von dort segelten sie nach Antiochia, wo man sie für das Werk, das sie nun vollbracht hatten, der Gnade Gottes übereignet hatte.
27 Als sie dort angekommen waren, riefen sie die Gemeinde zusammen und berichteten alles, was Gott mit ihnen zusammen getan und dass er den Heiden die Tür zum Glauben geöffnet hatte.
28 Und sie blieben noch längere Zeit bei den Jüngern.

Gestern hörten wir von dem skurrilen Missverständnis der Bewohner von Lystra. Sie dachten aufgrund eines Heilungswunders, dass Paulus und Barnabas Zeus und Hermes in Menschengestalt seien. Mit Mühe schaffte Paulus es, die Volksmenge von Zeusopfern abzubringen. Das ist aber noch nicht das Ende vom Lied. Heute wird uns nämlich davon berichtet, dass nun die Gegener aus Antiochia und Ikonion nach Lystra anreisen, um auch dort die Menschen von den Missionaren abzubringen. Sie hetzen die Bewohner regelrecht gegen die Missionare auf, sodass sie Paulus steinigen und aus der Stadt hinausschleifen. Sie denken, er sei tot. Deshalb lassen sie ihn dort einfach liegen und gehen weg.
Es kommen dann aber Jünger, die ihn umkreisen. Dabei muss es sich um Bekehrte der Stadt handeln, die das Evangelium angenommen haben. Und kurzerhand steht Paulus auf und geht zurück in die Stadt. Das ist ein wahres Wunder. Von einer Steinigung stirbt man normalerweise. Doch Gott hat ihn vor dem Tod bewahrt, sogar dafür gesorgt, dass er nicht mal Erholung braucht! Tags darauf zieht er mit Barnabas weiter nach Derbe, um auch dort das Evangelium zu verkünden. Viele Menschen kommen zum Glauben.
Es ist bemerkenswert, dass die Missionare dann zurück in die Städte gehen, in denen sie viele Gegner haben und Paulus fast gestorben wäre. Warum tun sie das? Sie gehen zu denen, die Jünger Jesu Christi geworden sind. Da diese noch ganz am Anfang stehen, kümmern sie sich um den Aufbau der Gemeinde. Dies geschieht unter anderem dadurch, dass sie Älteste als Gemeindevorsteher weihen. Eine Gemeinde braucht eine Führungsperson, die die Gläubigen zusammenhält und vor allem die sakramentale Vollmacht hat.
Da es sich um Neubekehrte handelt, müssen Paulus und Barnabas die Seelen der Menschen stärken. Der Weg des Christentums ist vom Grundsatz her ein Weg des Leidens. Die Missionare bereiten die Neubekehrten darauf vor, indem sie ihnen zukünftige Drangsale ankündigen.
Nachdem die Missionare durch Pisidien gezogen sind, setzen sie ihr Werk in Pamphylien fort. Sie verkünden das Wort Gottes in Perge und ziehen dann weiter nach Attalia.
Als sie auch dort fertig sind, reisen sie zurück ins syrische Antiochia, von wo aus sie sich auf den Weg gemacht haben. Dort erzählen sie von ihren Erlebnissen und vor allem von dem Erfolg bei den Heiden. Sie bleiben längere Zeit dort.
So endet die erste Missionsreise, auf der sie schon bis an ihre Grenzen gehen mussten. Paulus hat sogar eine Steinigung überlebt. Sie sind wirklich durch Drangsale gegangen und konnten ihr Leiden ganz mit dem Leiden Jesu Christi vereinen. All die Strapazen haben sie auf sich genommen als Leiden für jene, die zum Glauben kommen sollten. Bei solch großen Missionsreisen reicht Gebet und Fasten einfach nicht. Gott lässt zu, dass seine auserwählten Apostel zusätzlich viel erleiden müssen. Auf das große Leiden folgt dann aber die große Gnade. Schon durch die erste Missionsreise sind viele Menschen zum Glauben an Christus gekommen.
Wie viel nehmen wir heute als Kirche auf uns, um den Menschen Jesus Christus zu verkünden?

Ps 145
10 Danken sollen dir, HERR, all deine Werke, deine Frommen sollen dich preisen.
11 Von der Herrlichkeit deines Königtums sollen sie reden, von deiner Macht sollen sie sprechen,

12 um den Menschen bekannt zu machen seine machtvollen Taten und die glanzvolle Herrlichkeit seines Königtums.
13 Dein Königtum ist ein Königtum aller Zeiten, von Geschlecht zu Geschlecht währt deine Herrschaft.
20 Der HERR behütet alle, die ihn lieben, doch alle Frevler vernichtet er.
21 Das Lob des HERRN spreche mein Mund,/ alles Fleisch preise seinen heiligen Namen auf immer und ewig!

Als Antwort auf den Erfolg der ersten Missionsreise loben wir Gott im Psalm. Es ist wieder ein Aufruf zum Lobpreis bzw. Dank, der diesmal in dritter Person formuliert ist. Der Aufruf an die Frommen, ihn zu preisen, färbt den Psalm sehr liturgisch. Es ist ein Appell, hinter dem ursprünglich wohl wirklich ein liturgischer Kontext stand.
Es ist bemerkenswert, dass die Rede vom Königtum Gottes ist. Gott ist ein Herrscher und seine Königswürde ist Herrlichkeit. Das hebräische Wort כָּבוֹד kavod ist auch dasselbe, das für die Gegenwart Gottes im Tempel verwendet wird und das zum Gottesprädikat δόξα doxa wird – sowohl im griechischen AT als auch im NT. Die Herrlichkeit des Reiches Gottes macht auch Jesus zum Kern seiner Verkündigung. Und am Ende seines Wirkens, bevor er nämlich zum Vater zurückkehrt, trägt er seinen Jüngern auf, diese Herrlichkeit des Gottesreiches allen Menschen zu verkünden. Somit wird das umgesetzt, was hier im Psalm schon gesagt wird: „Von der Herrlichkeit deines Königtums sollen sie reden…um den Menschen bekannt zu machen“. Die Kirche tut dies in ihren Vollzügen: Sie verkündet das Reich Gottes (martyria), sie feiert das Reich Gottes (leiturgia), sie lebt das Reich Gottes (diakonia). Und wir Menschen ersehnen das Reich Gottes jedes Mal, wenn wir im Vaterunser beten „dein Reich komme“. Das Reich Gottes ist ewig, so sagt es schon der Psalm. Es ist das Himmelreich, das unter anderem auch mit dem Begriff „himmlisches Jerusalem“ bezeichnet wird.
Paulus und Barnabas gehören zu den Frommen. Sie verkünden Jesus Christus und nehmen dabei alles auf sich. Sie riskieren sogar ihr Leben. Sie sind wirklich gute Hirten, die ihr Leben für die Schafe hingeben, bevor diese überhaupt zu ihrer Herde gehören.
Auch wenn ihnen so einiges zustößt, verhindert Gott das Schlimmste. So ist Vers 20 ganz vor dem Hintergrund der Lesung zu verstehen, wenn es heißt: „Der HERR behütet alle, die ihn lieben“. Er lässt nicht zu, dass Paulus durch die Steinigung stirbt. Gott vernichtet die Frevler. Das tut er aber deshalb, weil sie es sich selbst ausgesucht haben. Er tut es auch nicht sofort, sondern setzt alles daran, sie zur Umkehr zu bewegen. Er versucht sie zu retten, solange es geht. Aber wer bis zum Schluss am Frevel festhält, den nimmt Gott beim Wort. Wer nein sagt, bekommt auch die Konsequenz des Nein zu spüren.
Der Psalm endet mit einem erneuten Lob, wobei dieses nun als Gelübde oder Versprechen in Ich-Form formuliert ist. Das Loben Gottes ist zwar im liturgischen Kontext eine Sache der Gruppe, doch jeder einzelne Mensch muss dies auch ganz persönlich tun. Und die Entscheidung für Gott kann ich nicht als Gruppe treffen. Ich muss mich ganz persönlich entscheiden. So ist es auch mit den Menschen in Pisidien und Pamphylien. Letztendlich verstecken sich die Gegner der Missionare hinter den Menschenmengen, indem sie diese gegen sie aufhetzen. Doch die Entscheidung, den Glauben anzunehmen, muss man als Einzelmensch treffen.

Joh 14
27 Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht, wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.
28 Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch. Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich.
29 Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.
30 Ich werde nicht mehr viel zu euch sagen; denn es kommt der Herrscher der Welt. Über mich hat er keine Macht,
31 aber die Welt soll erkennen, dass ich den Vater liebe und so handle, wie es mir der Vater aufgetragen hat.

Heute hören wir im Evangelium den Abschluss der ersten Abschiedsrede.
Jesus endete den Abschnitt gestern mit den Worten vom Beistand. Er kündigt das Pfingstereignis an, bei dem der Heilige Geist in Fülle auf sie herabkommen und sie ganz durchdringen wird, sodass ihnen alles wieder in Erinnerung gerufen wird. Dabei ist es kein Zufall, dass Jesus direkt im Anschluss vom Frieden spricht, der den Anfang des heutigen Abschnitts bildet. Friede ist eine Frucht des Heiligen Geistes. Er ist nichts, was die Menschen sich selbst machen können. Der Friede der Welt ist allenfalls ein Waffenstillstand, etwas Vorübergehendes, das politischer Natur ist. Der Friede Gottes ist verbunden mit dem ewigen und umfassenden Heil, das nur Gott schenken kann. Das hebräische Wort שלום schalom bedeutet zugleich „Frieden“ und „Heil“. Im Griechischen wird dafür immer das Wort εἰρήνη eirene gebraucht. Jesus hinterlässt etwas. Wenn er so spricht, ist für die Apostel klar, dass er sich verabschiedet. Sie verstehen noch nicht, was als nächstes passieren wird. Sie werden trotz der mehrfachen Leidensankündigungen Jesu von der Auslieferung und den Geschehnissen der Nacht überrumpelt werden. Es wird sie ganz überfordern, sodass nur Johannes in der Sterbestunde Jesu bei ihm sein wird. Der Apostelführer Petrus wird ihn sogar verleumden und Judas Iskariot sich aus Verzweiflung umbringen. Und dennoch wird Jesus ihnen sein Testament zurücklassen, sein göttliches Wort. Er hat ihnen alles gesagt und es ihnen durch Taten verdeutlicht. Sie werden nicht alles begriffen haben und deshalb vergessen. Doch deshalb wird der Geist sie an Pfingsten an all diese wichtigen Aussagen Jesu wieder erinnern. Und das, was sie von Jesu Worten und Taten dann verkündet und weitergegeben haben, ist das Testament Jesu. Nicht umsonst nennen wir den verschriftlichen Teil von dieser Überlieferung das Neue Testament.
Jesus beruhigt die Apostel im Vorfeld schon, indem er ihnen zuspricht: „Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.“ Vielleicht spüren die Apostel im Abendmahlssaal schon, dass sich etwas anbahnt.
Jesus greift die Rede von seiner Heimkehr zum Vater wieder auf, die er einige Verse zuvor schon angedeutet hat: „Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch. Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich.“ Was meint Jesus damit? Anscheinend haben die Apostel traurig reagiert, als er dies angedeutet hat. Jesus wird sie schließlich verlassen, den sie so lieb gewonnen haben. Dabei können sie sich freuen, denn wenn Jesus zum Vater geht, wird er seine Entäußerung ablegen und verherrlicht werden. Er wird wiederkommen in seiner ganzen Macht und Stärke. In dieser Hinsicht ist der Vater stärker als der irdische Jesus vor seiner Auferstehung und Himmelfahrt. Er nimmt seine Göttlichkeit auf Erden ja nicht in Anspruch.
Die Apostel können sich freuen, weil sie von der sich durchsetzenden Macht Gottes nur profitieren können, so wie die ganze Welt, die das Heil Gottes schauen wird. Zudem können sie sich freuen, weil der Vater ja auch den Geist senden wird, der den Aposteln als Beistand dienen wird und sie noch viel größere Zeichen sehen lassen wird.
Jesus sagt zu seinen Aposteln, dass er ihnen das alles voraussagt, damit sie dann zum Glauben kommen, wenn es geschieht. Das heißt nicht, dass sie jetzt Ungläubige wären, sondern dass sie dann alles begreifen werden. Was man richtig verstanden hat, kann man auch bewusst gläubig annehmen. Das wird geschehen, wenn der Geist Gottes ihnen die Augen öffnen wird. Momentan nehmen sie es an, obwohl sie es noch gar nicht richtig verstehen.
Dann sagt Jesus ein rätselhaftes Wort, das man richtig auslegen muss: Er wird nicht mehr viel sagen, außer dass der Herrscher der Welt kommt, der aber keine Macht über ihn hat. Wer ist denn dieser Herrscher der Welt, dass er nicht einmal Macht über Jesus hat? Damit ist der bis zum Erlösungswerk Jesu Christi herrschende Satan gemeint. Er hat die Welt im Griff, bis Jesus ihm durch Tod und Auferstehung einen Strich durch die Rechnung macht. Von da an ist Christus der Herrscher der Welt, auch wenn der Böse noch für eine begrenzte Zeit seinen Handlungsspielraum hat.
Jesus deutet den Aposteln hier noch einmal sein Leiden an. Der Herrscher der Welt kommt und bedient sich eines Apostels, der also zu den engsten Freunden Jesu gehört: Judas Iskariot. Der Satan wird dafür sorgen, dass Jesus am Ende gekreuzigt wird. Doch weil Jesus auferstehen wird, hat er keine Macht über ihn. Der Tod als Konsequenz der Sünde hat somit auch keine Macht über Christus, den Österlichen.
Durch die Hingabe am Kreuz wird die Sühne der Sünde aller Menschen erwirkt und zugleich möchte Jesus seine Liebe zum Vater zum Ausdruck bringen, dessen Willen er bis zum Schluss gehorsam ausübt. Darin ist er Vorbild jenen, die ihm nachfolgen und als Christen ebenso den Willen des Vaters auszuführen bereit sind.

So endet die erste Abschiedsrede. Zwei weitere folgen. Jesus hat gerade in diesen Ansprachen sehr entscheidende Dinge zu sagen, die auch uns gelten, die wir in seiner Nachfolge stehen und ebenso sein Testament empfangen, nämlich durch die Nachfolger der Apostel. Wir müssen also auch heute 2000 Jahre später nicht traurig sein, dass der irdische Jesus in Menschengestalt nicht mehr mit uns zusammenlebt. Er ist zum Vater gegangen und dadurch konnte uns ja die Fülle des Geistes überhaupt geschenkt werden. Dass er in eucharistischer Realpräsenz mitten unter uns lebt und wir ihn sogar in uns aufnehmen können, verdanken wir ebenso seinem Heimgang zum Vater. Von der Ewigkeit her kann er uns erst so richtig nahe sein.

Ihre Magstrauss