Samstag der 5. Osterwoche

Apg 16,1-10; Ps 100,2-3.4-5; Joh 15,18-21

Apg 16
1 Er kam auch nach Derbe und nach Lystra. Und siehe, dort lebte ein Jünger namens Timotheus, der
Sohn einer gläubig gewordenen Jüdin und eines Griechen.
2 Er war Paulus von den Brüdern in Lystra und Ikonion empfohlen worden.
3 Paulus wollte ihn als Begleiter mitnehmen und ließ ihn mit Rücksicht auf die Juden, die in jenen Gegenden wohnten, beschneiden; denn alle wussten, dass sein Vater ein Grieche war.
4 Als sie nun durch die Städte zogen, überbrachten sie ihnen die von den Aposteln und den Ältesten in Jerusalem gefassten Beschlüsse und trugen ihnen auf, sich daran zu halten.
5 So wurden die Gemeinden im Glauben gestärkt und wuchsen von Tag zu Tag.
6 Weil ihnen aber vom Heiligen Geist verwehrt wurde, das Wort in der Provinz Asien zu verkünden, reisten sie durch Phrygien und das galatische Land.
7 Sie zogen an Mysien entlang und versuchten, Bithynien zu erreichen; doch auch das erlaubte ihnen der Geist Jesu nicht.
8 So durchwanderten sie Mysien und kamen nach Troas hinab.
9 Dort hatte Paulus in der Nacht eine Vision. Ein Mazedonier stand da und bat ihn: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns!
10 Auf diese Vision hin wollten wir sofort nach Mazedonien abfahren; denn wir kamen zu dem Schluss, dass uns Gott dazu berufen hatte, dort das Evangelium zu verkünden.

Die heutige Lesung berichtet von den Ereignissen der zweiten Missionsreise des Paulus. Am Ende des 15. Kapitels wird erzählt, wie Paulus Barnabas eine zweite Reise vorschlägt, um nach den Neubekehrten zu schauen. Barnabas möchte Johannes Markus mitnehmen, der letztes Mal mit auf die Insel Zypern gereist, dann jedoch nicht weiter mitgekommen ist. Paulus nimmt es ihm wohl immer noch übel, denn er weigert sich, ihn auf die zweite Reise mitzunehmen. Wir müssen bedenken, dass Johannes Markus ein Verwandter des Barnabas ist und dieser ihn nicht einfach links liegen lassen will. So kommt es zu einem Konflikt zwischen den beiden Missionaren und sie gehen getrennte Wege. Barnabas reist mit seinem Verwandten nach Zypern, wohingegen Paulus Silas mitnimmt. Zusammen reisen sie durch Syrien und Kilikien.
Heute hören wir dann davon, dass Paulus in die Städte von damals kommt. Dort lernt er Timotheus kennen, den Sohn einer Judenchristin und eines Griechen. Er nimmt ihn als Begleitung mit und lässt ihn zuvor beschneiden. Dies tut er aus Rücksicht vor den Juden, die seinen Vater kennen. Er tut es nicht, weil es heilsnotwendig wäre, sondern um keinen Anstoß zu erregen.
Als sie die jungen Gemeinden besuchen, klären sie sie auch über die neuen Beschlüsse des Apostelkonzils auf. Sie sollen die Jakobinischen Klauseln berücksichtigen, müssen aber weder beschnitten werden noch die gesamte Torah halten. Der Besuch der Missionare bringt nicht nur Glaubensvertiefung mit sich, sondern auch weitere Gläubige.
Auch jetzt ist es der Heilige Geist, der die Missionare leitet. Wir erfahren, dass dieser sie davon abhält, durch die Provinz Asia zu ziehen (Westküste Kleinasiens). Stattdessen wirken sie in Phrygien und Galatien, die an die Asia im Osten angrenzen. Selbst als sie nach Bithynien möchten und dafür an Mysien vorbeiziehen müssen (da liegt z.B. Pergamon), warnt sie der Heilige Geist davor. Stattdessen ziehen sie durch Mysien nach Troas. Eines Nachts erhält Paulus eine prophetische Eingebung durch einen Traum, in dem er einen Mazedonier ihn um Hilfe bitten sieht. Sofort bewertet Paulus diesen Traum als gottgegeben und sie planen die Abreise nach Mazedonien. In Vers 10 lesen wir einen Perspektivwechsel, denn der Autor bezieht sich in die Geschichte ein! Er sagt „wir kamen zu dem Schluss“. Das bedeutet, dass Lukas als Autor der Apostelgeschichte die ganze Zeit mitgezogen ist.
So endet der heutige Abschnitt. Die Missionare machen zu keinem Zeitpunkt einfach das, was sie möchten. Sie lassen sich vom Heiligen Geist leiten und sind gerade deshalb so fruchtbar in ihrem Dienst. Auch uns möchte der Geist Gottes in unserem Leben leiten. Wir müssen ihm dafür nur den Raum geben.

Ps 100
2 Dient dem HERRN mit Freude! Kommt vor sein Angesicht mit Jubel!
3 Erkennt: Der HERR allein ist Gott. Er hat uns gemacht, wir sind sein Eigentum, sein Volk und die Herde seiner Weide.
4 Kommt mit Dank durch seine Tore, mit Lobgesang in seine Höfe! Dankt ihm, preist seinen Namen! 5 Denn der HERR ist gut, ewig währt seine Huld und von Geschlecht zu Geschlecht seine Treue.

Als Antwort auf diesen Missionserfolg beten wir Psalm 100, der betitelt wird als „Lobgesang der Völker beim Einzug ins Heiligtum“.
„Dient dem HERRN mit Freude! Kommt vor sein Angesicht mit Jubel!“ Diese Worte beziehen sich nun auf die neubekehrten Heidenchristen, die durch die Mission des Paulus und Barnabas Christen geworden sind. Sie sind es, die zu einem freudigen Dienst aufgefordert werden. Der Wortsinn dieses Psalms ist zunächst auf die Heiden in alttestamentlicher Zeit zu beziehen, die zum Tempel kommen sollen („vor sein Angesicht“). Dort gibt es einen eigens für sie bestimmten Tempelhof. Mit Blick auf die Heidenchristen zur Zeit des Paulus müssen wir uns fragen, was dann mit „Angesicht Gottes“ gemeint sein könnte. Jesus hat der samaritanischen Frau am Jakobsbrunnen schon angekündigt, dass in Zukunft weder der Tempel in Jerusalem noch die Kulthöhe auf dem Garizim die Anbetungsorte Gottes darstellen werden. Er hat angekündigt, dass er selbst der Ort der Anbetung darstellen wird und die rechte Weise der Anbetung im Geist und in der Wahrheit sein werde. Es wird keine örtliche Gebundenheit mehr geben, weil Jesus in jeder Heiligen Messe eucharistisch anwesend sein wird! Die Heidenchristen der Lesung treten also nun durch die Liturgie zum Angesicht Gottes, egal wo sie sich befinden – Lystra, Derbe, Ikonion, Jerusalem oder Antiochia.
„Erkennt: Der HERR allein ist Gott. Er hat uns gemacht, wir sind sein Eigentum, sein Volk und die Herde seiner Weide.“ Dass es nur diesen einen Gott gibt, wird den Heiden gegenüber natürlich deshalb betont, weil sie den Monotheismus erst einmal lernen müssen. Sie kommen aus einem polytheistischen Kontext (Vielgötterei). Dieser eine wahre Gott hat die Welt geschaffen, auch die Menschen. Deshalb gehören alle Menschen ihm. Auch die Heiden gehören zum auserwählten Volk. Das Hebräische gibt dies wieder mit dem Wort עַ֝מֹּ֗ו ammo. Es geht wirklich um das auserwählte Volk. Dies ist bemerkenswert im Kontext des Alten Testaments! Nicht nur das Volk Israel gehört zum Volk Gottes, sondern nun auch die Heiden! Hier wird etwas deutlich, was mit dem Neuen Bund wahr wird: Gottes Volk setzt sich nicht mehr durch biologische Abstammung zusammen, sondern durch Menschen aller Nationen, Völker, Stämme und Sprachen, die durch die Taufe zur neuen Schöpfung werden, eine geistliche Familie. Als solche ist das neue Volk Gottes Herde des guten Hirten. Dieses Bild greift Jesus dann auf, wenn er sich selbst als diesen guten Hirten offenbart und seine Jünger als seine Herde.
„Kommt mit Dank durch seine Tore“ ist wörtlich zunächst auf die Stadttore Jerusalems und des Tempelareals gemeint, durch die die Heiden in die Höfe des Tempels gelangen. Im weiteren Sinn meint es auch die Heidenchristen der jungen Gemeinden der Apostelgeschichte. Diese treten durch das Tor der Taufe hindurch in den Hof des Heiligtums Gottes, der in ihren Herzen Wohnung nimmt. Sie treten durch das Tor, wenn sie sich zur Eucharistie versammeln (wohl in Hausgemeinschaften). So ist es mit allen Menschen, die bis heute die Liturgie feiern. Die ganze Menschheit tritt durch das Tor des Todes ein in die Ewigkeit.
„Dankt ihm, preist seinen Namen!“ Dazu haben vor allem jene Neugetauften der Apostelgeschichte Anlass. Sie sind gerettet worden auf das ewige Leben hin. Dies veranlasst sie zu Lob und Dank.
Gott ist gut. Er hat das Heil jedes Menschen im Sinn. Er ist wirklich treu und verlässt seine Schäfchen nie. Deshalb können wir Menschen nicht anders, als zu jubeln über seine guten Taten an uns. Wir erkennen sie nicht immer und manchmal verdunkeln die Krisen unseres Lebens den dankbaren Blick auf das, was wir haben und was uns gelingt. Doch Gott ist immer der gleiche gute Gott, dem Ehre gebührt – gestern, heute und in Ewigkeit.

Joh 15
18 Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat.
19 Wenn ihr von der Welt stammen würdet, würde die Welt euch als ihr Eigentum lieben. Aber weil ihr nicht von der Welt stammt, sondern weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt.
20 Denkt an das Wort, das ich euch gesagt habe: Der Sklave ist nicht größer als sein Herr. Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen; wenn sie an meinem Wort festgehalten haben, werden sie auch an eurem Wort festhalten.
21 Doch dies alles werden sie euch um meines Namens willen antun; denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat.

Im Evangelium hören wir heute wieder einen Ausschnitt aus der zweiten Abschiedsrede. Gestern ging es vor allem um die Nächstenliebe aus der göttlichen Liebe heraus. Heute bereitet Jesus die Apostel auf die Widerstände vor, die sie erwarten.
Jesus spricht vom Hass durch die Welt. „Welt“ meint im Johannesevangelium immer die gefallene Schöpfung, nicht die Welt als Schöpfung Gottes. Was Gott gemacht hat, ist natürlich gut und nicht schändlich, sodass wir keine Weltfeindlichkeit daraus machen dürfen. Vielmehr meint es, was aus der Schöpfung Gottes geworden ist durch die Bosheit und Sünde der Menschen. Und diese hasst Gott. Dahinter steht der Satan, der Widersacher Gottes, der ihn ablehnt und auch die Menschen von Gott wegziehen möchte. Deshalb hasst die Welt auch Christus, das fleischgewordene Wort Gottes, das sie deshalb auch ans Kreuz schlagen werden. Und wer ihm nachfolgen will, wird ebenfalls gehasst werden aufgrund dieser Feindschaft auf geistlicher Ebene. Dieser geistliche Krieg steht eigentlich hinter den Konflikten zwischen den Menschen. Von diesem aus verstehen wir die Christenverfolgungen und innerkirchlichen Konflikte.
Wer getauft ist, stammt nicht mehr von der Welt, weil er oder sie nun zu der neuen Schöpfung gehört. Diese ist dabei auf die Ewigkeit hin ausgerichtet.
Auch die Apostel sind nicht von dieser Welt, zwar zu dem Zeitpunkt der zweiten Abschiedsrede noch nicht durch die Neuschöpfung im Heiligen Geist (dies erfolgt dann an Pfingsten), sondern aufgrund ihrer Erwählung durch Jesus Christus. Er greift hier vor, was mit ihnen passieren wird. Ihre Einstellungen sind aber schon eben jene der neuen Schöpfung. Sie leben schon auf die Ewigkeit hin, weil sie das Evangelium Jesu Christi angenommen haben.
Aufgrund dieser ganz anderen Prioritäten und Einstellungen sind sie der Welt fremd. Diese würde sie lieben und feiern, wenn sie noch in der Einstellung der Welt verharren würden. Das tun sie aber nicht und deshalb werden sie Verfolgung erleiden. Alle Apostel außer Johannes werden den Märtyrertod erleiden aus genau diesem Grund.
Ein anschauliches Beispiel für die Worte Jesu begegnet uns bei seiner Verurteilung: Dort steht er ganz zerschunden und verspottet als König der Juden mit Dornenkrone vor der Menschenmenge und neben ihm steht ein Schwerverbrecher, der als Zelot das Kommen des Gottesreiches mit Gewalt erzwingen wollte. Die Menschen feiern diesen anderen Messias (Bar-abbas, „Sohn des Vaters“) und fordern den Tod des wahren Messias, dessen Reich nicht von dieser Welt ist. Die Menschen feiern den, der in der weltlichen Logik lebt und wirkt. Sie hassen den, der mit göttlicher Weisheit die Welt verändert.
Schon bei der Fußwaschung erklärte Jesus seinen Aposteln, dass sie als seine Schüler nicht höher als er stehen können. Wenn er einen Sklavendienst verrichtet, sollen auch sie den Sklavendienst an anderen Menschen verrichten – freiwillig und aus Liebe. Dies greift er nun wieder auf, um sie auf die Anfeindungen vorzubereiten: Wenn er als ihr Rabbi schon auf solch schändliche Weise behandelt werden wird, dann wird es sie mindestens genauso treffen.
Aber dies wird nicht nur die negativen Reaktionen der Menschen betreffen: Ebenso werden jene, die das Wort Gottes durch den Messias selbst angenommen haben, es von seinen Aposteln akzeptieren, die in seinem Namen das Evangelium verkünden werden.
Zurück zu den Verfolgungen erklärt Jesus den Aposteln, dass die kommenden Verfolgungen, Bedrängnisse und Nachteile ihnen deshalb widerfahren werden, weil sie im Namen Jesu Christi auftreten werden, den sie zuerst gehasst haben. Und dies wiederum führt Jesus darauf zurück, dass die Feinde die Sendung des Sohnes vom Vater nicht erkannt haben. Hätten sie die Augen einmal richtig aufgemacht, wäre ihnen aufgegangen, dass Jesus im Namen des Vaters verkündet, nichts gegen dessen Willen gesagt und getan und somit die alttestamentlichen Verheißungen erfüllt hat.
Er ist der Sohn Gottes und hat nichts verkündet, was sich nicht mit den Worten Gottes in alttestamentlicher Zeit deckt.
Seine Gegner sind einfach blind und werden es auch sein, wenn sie den Aposteln vieles antun werden. Die Apostel sind gewarnt. Die Tragweite der Worte Jesu werden ihnen wohl nicht bewusst gewesen sein bis zu dem Moment, als sich dies dann bewahrheitet hat (wir denken an die Heilung des Gelähmten an der Schönen Pforte und die Verhaftung durch den Sanhedrin).

Die Worte Christi sind auch an uns gerichtet. Die Welt hasst die Christen, weil sie ganz andere Werte, eine ganz andere Ausrichtung, ganz andere Prioritäten aufweisen als die Gesellschaft. Das Christentum beugt sich nicht dem Zeitgeist (ich beziehe mich auf den unverfälschten Glauben und die konsequente Praxis, nicht auf die Scheinkatholiken, die die Lehre gar nicht mehr glauben). Es bietet die Stirn vor allem gegenüber totalitären Regimen wie dem Kommunismus und Nationalsozialismus. Wie viele Geistliche sind umgebracht worden für diese mutigen Kampfansagen! Wie viele Christen werden heute umgebracht, die mutig am Glauben festhalten, obwohl ihnen gedroht wird! Noch nie gab es so eine schlimme Christenverfolgung wie heutzutage. Das ist uns ein Zeichen dafür, dass die Welt immer gottloser wird. Die Diskrepanz wird immer größer und so auch die Gewalt.

Das ist etwas, das die Apostel annehmen müssen, doch es muss weder ihnen noch uns Angst einjagen. Jesus sagte, wenn wir die Zeichen der Endzeit sehen werden, sollen wir uns aufrichten und unsere Häupter erheben, weil die Erlösung naht (Lk 21,28). Und er steht uns bis zum Schluss bei mit allen Engeln und Heiligen, besonders mit seiner lieben Mutter, die auch unsere Mutter ist.

Ihre Magstrauss

Freitag der 2. Osterwoche

Apg 5,34-42; Ps 27,1.4.13-14; Joh 6,1-15

Apg 5
34 Da erhob sich im Hohen Rat ein Pharisäer namens Gamaliël, ein beim ganzen Volk angesehener Gesetzeslehrer; er befahl, die Apostel für kurze Zeit hinausführen.
35 Dann sagte er: Israeliten, überlegt euch gut, was ihr mit diesen Leuten tun wollt!
36 Vor einiger Zeit nämlich trat Theudas auf und behauptete, er sei etwas Besonderes. Ihm schlossen sich etwa vierhundert Männer an. Aber er wurde getötet und sein ganzer Anhang wurde zerstreut und aufgerieben.
37 Nach ihm trat in den Tagen der Volkszählung Judas, der Galiläer, auf; er brachte viel Volk hinter sich und verleitete es zum Aufruhr. Auch er kam um und alle seine Anhänger wurden zerstreut.
38 Darum rate ich euch jetzt: Lasst von diesen Männern ab und gebt sie frei; denn wenn dieses Vorhaben oder dieses Werk von Menschen stammt, wird es zerstört werden;
39 stammt es aber von Gott, so könnt ihr sie nicht vernichten; sonst werdet ihr noch als Kämpfer gegen Gott dastehen. Sie stimmten ihm zu,
40 riefen die Apostel herein und ließen sie auspeitschen; dann verboten sie ihnen, im Namen Jesu zu predigen, und ließen sie frei.
41 Sie aber gingen weg vom Hohen Rat und freuten sich, dass sie gewürdigt worden waren, für seinen Namen Schmach zu erleiden.
42 Und sie ließen nicht ab, Tag für Tag im Tempel und in den Häusern zu lehren, und verkündeten das Evangelium von Jesus, dem Christus.

Heute hören wir in der Lesung den weiteren Verlauf der Anhörung der Apostel vor dem Hohen Rat. Es kommt heute eine neue Person ins Blickfeld, die der Lehrer des Paulus ist: Gamaliel. Er bildet Männer zur Pharisäern aus und ist im Hohen Rat vertreten. Er lässt die Apostel hinausschicken, um mit den Mitgliedern des Hohen Rates eine Strategie auszumachen.
Er erzählt den Anwesenden, dass vor einiger Zeit ein gewisser Theudas mit messianischem oder prophetischem Anspruch aufgetreten war und ebenso ein gewisser Judas. Beide haben eine Menschenmenge um sich versammelt, doch wurde diese nach deren Tod zerstreut. In Bezug auf diese Ereignisse schlägt Gamaliel vor, die Apostel freizulassen, da auch sie diesem natürlich Prozess anheimfallen würden (dass sie irgendwann sterben und ihre Anhängerschaft sich zerstreuen werde). Wenn auch diese ganze Bewegung menschengemacht ist, wird auch sie so enden. Es ist bemerkenswert, dass Gamaliel die Möglichkeit stehenlässt, dass es doch ein gottgewirktes Werk sein könnte. Für jenen Fall sollte der Hohe Rat nicht dagegen ankämpfen, um nicht zu Kämpfern gegen Gott zu werden. Dann können sie ja sowieso nichts dagegen ausrichten, weil Menschen gegen Gott nicht ankommen. Das ist sehr interessant und wir Leser bzw. Hörer bestätigen seine Rede: Es ist von Gott gewirkt und die Apostel gehorchen seinem Willen. Hier ist der Heilige Geist am Werk und so kann auch der Hohe Rat nichts dagegen tun.
Seine Worte scheinen Anklang zu finden. Der Hohe Rat beschließt, diese Strategie umzusetzen: Die Apostel werden ausgepeitscht und dann freigelassen, wieder unter dem Verbot, weiter im Namen Jesu zu predigen.
Die Apostel sind überhaupt nicht eingeschüchtert von der ganzen Situation. Vielmehr fühlen sie sich geehrt, dass sie im Namen Jesu dieses Leiden durchmachen mussten. Davon unbeeindruckt gehen sie auch weiter in den Tempel und predigen das Evangelium Jesu Christi. Sie verkünden ihn auch in den Häusern, wahrscheinlich im Kontext der Hausgemeinschaften und der Eucharistiefeier. Ihre Sichtweise auf das Leid ist sehr reif. Sie nehmen es nicht nur an, sondern tragen es sogar mit Freude. Sie fühlen sich geehrt, an dem Leiden Jesu Christi mitzutragen, weil sie ihm nachfolgen und in seinem Namen das Werk Gottes weiterführen.

Ps 27
1 Von David. Der HERR ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist die Zuflucht meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen?
4 Eines habe ich vom HERRN erfragt, dieses erbitte ich: im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens; die Freundlichkeit des HERRN zu schauen und nachzusinnen in seinem Tempel.
13 Ich aber bin gewiss, zu schauen die Güte des HERRN im Land der Lebenden.
14 Hoffe auf den HERRN, sei stark und fest sei dein Herz! Und hoffe auf den HERRN!

Wir beten heute einen ganz bekannten Psalm, der das Vertrauensverhältnis Davids zu Gott offenbart. Es gibt hier messianische Hinweise bzw. erkennen wir Christus im Psalm: Der HERR, Jahwe, ist mein Heil. Das hebräische Wort weist denselben Stamm auf wie der Name Jesu. Das ist kein Zufall. Der Psalm ist ganz und gar von Vertrauen geprägt („vor wem sollte mir bangen“, „Zuflucht“, „Hoffe auf den HERRN“). Es ist eben jenes unerschütterliche Vertrauen, das auch die Apostel Gott gegenüber besitzen und weshalb sie freimütig mit der Verkündigung des Evangeliums fortfahren – trotz der Drohungen und Gefahren.
Zugleich wird die Sehnsucht nach dem ewigen Leben deutlich: „im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens“; die Freundlichkeit des HERRN zu schauen“. Das entspricht unseren anagogischen Gedanken zum Beispiel bei den vielen Jesajatexten, in denen das Leben bei Gott im Himmelreich die ultimative Befreiung vom drückenden Joch ist. Es ist auch auf die Apostel zu beziehen, die mit einer brennenden Sehnsucht nach der Wiederkunft Christi leben und in einer absoluten Naherwartung leben.
Im Psalm wird die Lichtmetapher verarbeitet, die im Johannesevangelium dann sehr wichtig wird. Hier wird auch der Übergang von der Dunkelheit ins Licht thematisiert, denn er beinhaltet die Einladung zur Hoffnung auf den HERRN. Diese Auslegung vom Licht Gottes sehen wir indirekt in der Apostelgeschichte. Sie steht hinter der Einstellung der Apostel, die in der Dunkelheit des irdischen Daseins umhergehen, aber aus dem Inneren so viel Licht ausstrahlen, dass es um sie herum ganz hell wird. Jesus ist die Hoffnung der Menschen. Er schenkt dem Menschen eine Perspektive, einen Sinn im Leben, eine Berufung – nämlich die Berufung zur Heiligkeit. Und diesen Sinn möchten die Apostel auch weitergeben, indem sie alle Menschen zu Jesu Jüngern machen wollen.
„Das Land der Lebenden“ ist durch und durch ein Zeugnis für die Auferstehungshoffnung von Christen. Dies zeigt, dass David mal wieder geisterfüllt diesen Psalm formuliert. Wie kann ein israelitischer König 1000 Jahre vor Christi Geburt so etwas Österliches sonst sagen? Lob sei Gott, dass er schon damals diesen König mit seinen wunderbaren Verheißungen erfüllt hat! Das Land der Lebenden ist das Himmelreich. Wir werden leben, auch wenn wir sterben. Das wird Jesus immer wieder erklären. Denn Gott ist ein Gott der Lebenden, nicht der Toten.

Joh 6
1 Danach ging Jesus an das andere Ufer des Sees von Galiläa, der auch See von Tiberias heißt.

2 Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat.
3 Jesus stieg auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder.
4 Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe.
5 Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben?
6 Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen; denn er selbst wusste, was er tun wollte.
7 Philippus antwortete ihm: Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll.
8 Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm:
9 Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele?
10 Jesus sagte: Lasst die Leute sich setzen! Es gab dort nämlich viel Gras. Da setzten sie sich; es waren etwa fünftausend Männer.
11 Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen.
12 Als die Menge satt geworden war, sagte er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Brocken, damit nichts verdirbt!
13 Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Brocken, die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren.
14 Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll.
15 Da erkannte Jesus, dass sie kommen würden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen. Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.

Im Evangelium wird uns heute von der wunderbaren Brotvermehrung berichtet, wie sie Johannes schildert. Sie ist die Vorgeschichte der sogenannten Himmelsbrotrede, in der Jesus zutiefst eucharistische Dinge erklärt, was aber nicht jeder Zuhörer ertragen kann.
Jesus geht an das andere Ufer des Sees Gennesaret. Er zieht weiter nördlich, dorthin, wo die Menschen seine Botschaft annehmen. Zuvor war er nämlich in Jerusalem und hat ein Streitgespräch mit der religiösen Elite geführt. Oft zieht er nach solch ablehnenden Situationen in Gegenden, wo er angenommen wird – vor allem nach Galiläa.
Er ist nun am See und viele Menschen folgen ihm dorthin wegen der Heilstaten, die er vor allem an den Kranken tut. Nun ist für Jesus wieder die Zeit für prophetische Zeichenhandlungen gekommen, weshalb er so kurz vor dem Paschafest auf einen Berg steigt und sich mit seinen Jüngern dort niederlässt. Da fragt man sich vielleicht, warum er ausgerechnet so einen Ort aufsucht. Schließlich müssen die vielen Menschen ihm folgen, die dort mit Beschwerden zu ihm kommen. Der springende Punkt ist: Jesus tut nie etwas ohne tieferen Sinn. Es gibt so viele Verheißungen des Messias und auch der Gabe der Torah vom Zion aus (statt vom Sinai). Es ist eine Verheißung, die mit dem Tempel zu tun hat. Und nun unterweist Jesus vom Berg aus die Menschen (er setzt sich, was die Geste des Lehrers bei der Unterweisung ist!). Wir erkennen auch eine typologische Verbindung zum Volk Israel am Sinai, das von Mose gelehrt wird. Die Anwesenden werden über diese Dinge nachgedacht haben und den Ort sowie das Verhalten Jesu viel signalhafter wahrgenommen haben als wir.
Das Lehren Jesu wie ein Rabbi erinnert auch an die Bergpredigt, die typologisch zur Unterweisung des Volkes durch Mose zu betrachten ist. Jesus ist die Personifikation der Torah und erfüllt dieses Wort. Jesus erfüllt noch mehr. Es heißt, dass er heilt. Die Menschen sehen dies und staunen, denn über den Messias heißt es, dass er diese Heilstaten tun wird.
Dann stellt Jesus irgendwann Philippus die Frage, woher sie genug Brot für die Anwesenden hernehmen sollen. Dies fragt er aber, um Philippus zu testen. Dieser rechnet den Preis für die Verpflegung aus und realisiert, dass es unmöglich sei. Andreas macht daraufhin auf den Proviant eines kleinen Jungen aufmerksam, der aber auch viel zu wenig für die Menschenmasse ist: fünf Gerstenbrote und zwei Fische.
Dann tut Jesus aber etwas Unerwartetes in der Wüste: Jesus bittet die Menge, sich hinzusetzen. Eigentlich steht da wörtlich das Verb ἀναπίπτω anapipto, was unter anderem die Bedeutung „sich zu Tisch legen“ aufweist und verwendet wird, wenn man sich zu Tisch begibt. In dem Kulturkreis lag man am Tisch, anstatt zu sitzen. Sich niederlegen in der Wüste auf einem Berg scheint absurd? Nicht für den Messias, der in seiner pädagogischen Feinfühligkeit den Juden zu verstehen geben will, dass sich nun ein weiteres Schriftwort erfüllt, nämlich Jesajas Schriftworte zum endzeitlichen Festmahl (z.B. Jes 25)! Jesus lädt zum Festmahl ein und bittet seine Gäste sozusagen „zu Tisch“. Hier ist die Endstation der Erfüllung noch nicht erreicht. Sie endet im Abendmahlssaal mit den zwölf Aposteln. Und doch werden die Menschen dafür schon vorbereitet, wenn Jesus neben den Fischen ausgerechnet Brot nimmt und dem Vater dafür dankt (die Danksagung heißt im Griechischen εὐχαριστία eucharistia!). Daraufhin lässt er die Jünger die übrigen Stücke wieder einsammeln. Bemerkenswert und wiederum ein göttliches Wunder ist, dass ganze zwölf Körbe voll von den Brotstücken übrig bleiben! Auch dies ist den Menschen ein Zeichen: Wenn Gott gibt, dann gibt er im Überfluss. Die Zahl Zwölf ist biblisch und immer eine Zahl der Fülle, Vollkommenheit und Vollständigkeit. Dies verdeutlicht das in dem Kontext stehende Verb ἐνεπλήσθησαν eneplesthesan „sie wurden gefüllt“. Die dort Anwesenden werden begriffen haben, dass die Verheißung der „fetten Speisen“ aus Jesaja sich nun vor ihren Augen erfüllt hat. Die frommen Juden werden vielleicht auch an das Manna in der Wüste gedacht haben. Dies erklärt auch, warum Jesus diese Speisung ausgerechnet in der Wüste vorgenommen hat. Auch damals war es zunächst eine Sättigung der Leiber und doch ging es damals schon darüber hinaus. Das alte Israel ist darauf vorbereitet worden, was nun mit Jesus geschah. Die Menschen mit ihm sind nicht nur körperlich, sondern auch im Glauben gesättigt worden – durch die Unterweisung, die Heilungen und die Speisung. Ein letzter Impuls, den dieses Evangelium gibt und den ich Ihnen heute besonders ans Herz legen möchte: In jeder Hl. Messe ist zunächst ein Wortgottesdienst vorgesehen, bei dem das Wort Gottes verkündigt wird. Es wird auch ausgelegt, die Menschen sozusagen unterwiesen. Und im Anschluss werden die Gaben bereitet und ein eucharistisches Festmahl gefeiert! Jesus bereitet im heutigen Evangelium auf das vor, was die Kirche nun sakramental nachempfindet!

Jesus hat mitten in der Finsternis der Wüste das Licht gebracht. Er hat Hoffnung in die Öde gebracht. Er hat gesättigt, wer erschöpft und hungrig ist. Jesus sättigt die ersten Christen der Apostelgeschichte durch die Eucharistie, wodurch sie die Kraft haben, bei den Anfeindungen und geistigen Anfechtungen standhaft zu bleiben und mutig für Christus einzustehen. Selbst gestärkt von der Eucharistie stehen die Apostel nun vor dem Hohen Rat, ebenfalls auf einem Berg, nämlich auf dem Zionsberg! Sie verkünden freimütig das Evangelium und unterweisen die religiöse Elite in Jerusalem. Sie tragen wirklich weiter, was Jesus begonnen hat – nun aber nicht mehr in der Wüste als Landschaft, sondern in der Wüste der mangelnden Erkenntnis der Hohepriester, Pharisäer und Schriftgelehrten!

Unterschätzen auch wir nicht die Kraft, die uns der Herr durch die Eucharistie und das Wort Gottes schenkt. Diese ist nicht dafür da, dass wir sie für uns selbst genießen, sondern sie strebt immer über uns hinaus zur Hingabe und zum Dienst am Nächsten.

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 2. Osterwoche

Apg 5,27-33; Ps 34,2 u. 9.17-18.19-20; Joh 3,31-36

Apg 5
27 Man führte sie herbei und stellte sie vor den Hohen Rat. Der Hohepriester verhörte sie

28 und sagte: Wir haben euch streng verboten, in diesem Namen zu lehren; und siehe, ihr habt Jerusalem mit eurer Lehre erfüllt; ihr wollt das Blut dieses Menschen über uns bringen.
29 Petrus und die Apostel antworteten: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.
30 Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr ans Holz gehängt und ermordet habt.
31 Ihn hat Gott als Anführer und Retter an seine rechte Seite erhoben, um Israel die Umkehr und Vergebung der Sünden zu schenken.
32 Zeugen dieser Ereignisse sind wir und der Heilige Geist, den Gott allen verliehen hat, die ihm gehorchen.
33 Als sie das hörten, gerieten sie in Zorn und beschlossen, sie zu töten.

Gestern endete die Lesung damit, dass die Apostel von den Dienern des Hohen Rates zum Verhör gebracht werden sollen, nachdem sie auf wundersame Weise aus dem Gefängnis entkommen waren und im Tempel wieder das Wort Gottes verkündet haben.
Heute nun hören wir von diesem Verhör. Der Hohepriester beginnt seine Rede mit dem Rückgriff auf die vergangenen Verbote, die er den Aposteln schon nach der Heilung des Gelähmten an der Schönen Pforte erteilt hatte. Bereits damals haben die Apostel deutlich gemacht, dass sie Gott mehr gehorchen würden als den Hohepriestern.
Der Hohepriester wirft den Aposteln vor, dass sie im Namen Jesu und mit der Lehre Jesu die ganze Stadt erfüllt hätten. Das ist eine ungewollte Anerkennung ihrer Missionserfolge!
Der Hohepriester wirft zudem vor, dass die Apostel das Blut „dieses Menschen“, gemeint ist Jesus, über sie bringen wollen. Was heißt das? Wir haben so eine Stelle auch bei Matthäus, als das Volk danach schreit, dass Jesus gekreuzigt werden solle und Pilatus sich weigert. Da sagt das Volk „sein Blut komme über uns und unsere Kinder“. Es hat dieselbe Bedeutung: Wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass ein Mensch unschuldig hingerichtet worden ist, soll sein Blut als Blutschuld an den Schuldigen dieses Todes haften. Damals sagt das Volk diese Worte zu Pilatus, um ihn zu überreden, dass im Zweifelsfall die Schuld nicht bei ihm liegen werde, sondern bei den Juden (genauer gesagt bei der religiösen Elite, die hinter dem angestachelten Mob steckt). Hier möchte der Hohepriester also sagen: Im Nachhinein stellt ihr es so dar, dass Jesus unschuldig gestorben ist und wir schuld dran sind. Also legt ihr es drauf an, uns die Blutschuld an diesem Menschen anzuhängen und uns als Böse hinzustellen.
Das alles beeindruckt die Apostel herzlich wenig. So antworten sie mit den Worten, die sie ihnen schon zuvor gesagt haben: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ So ist es. Was auch immer die Hohepriester für Intrigen vermuten, welche Vorwürfe sie auch machen – letztendlich tun die Apostel nur das, was Gott von ihnen verlangt.
Auch in dieser Situation nutzen die Apostel die Chance, Christus zu bekennen, indem sie weitersprechen: „Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr ans Holz gehängt und ermordet habt.“ Das heißt, dass die Hinrichtung falsch war und Gott als der Allmächtige das letzte Wort hat. Er ist ein Gott des Lebens und kann Tote wieder lebendig machen. Jesus ist der Christus, der Messias. Er ist Gott und kann nicht im Tod bleiben. Und ganz wichtig – es ist ein und derselbe Gott, der das Osterereignis erwirkt hat und der sich den heilsgeschichtlichen Gestalten des Alten Testaments offenbart hat wie Abraham, Isaak und Jakob, den Königen und Propheten, den Frauen. Dies erkennen wir an der typisch jüdischen Wendung „Gott unserer Väter“.
Weiter sprechen sie: „Ihn hat Gott als Anführer und Retter an seine rechte Seite erhoben, um Israel die Umkehr und Vergebung der Sünden zu schenken.“ Es ist ein richtiges Glaubensbekenntnis, das sie hier sprechen. Jesus sitzt nun zur Rechten Gottes und hat die Macht, Gottes auserwähltes Volk zum Heil zu führen. Das heißt, Jesus ist Gott. Für die Hohepriester sind diese Worte hochgradig blasphemisch, weil sie die Messianität und Göttlichkeit Jesu leugnen.
Schließlich enden die Apostel ihre Bekenntnisrede mit den Worten: „Zeugen dieser Ereignisse sind wir und der Heilige Geist, den Gott allen verliehen hat, die ihm gehorchen.“ Die Aufzählung „wir und der Heilige Geist“ bringt es auf den Punkt: Es ist ein Teamwork, gläubig zu sein. Wir tun alles, was in unserer Macht steht, Gott besser kennenzulernen, arbeiten an uns selbst und öffnen uns ganz für seine Gnaden. Diese fließen in vollem Maße so wie wir uns in vollem Maße anstrengen. Beides Hand in Hand macht den heiligen Menschen aus (oder jenen, der nach Heiligkeit strebt). So ist es auch mit der Zeugenschaft. Der Mensch bemüht sich mit seinem ganzen Sein, Gott zu bezeugen, genau hinzusehen und zu beobachten. Gleichzeitig ist es der Geist, der einem die Augen öffnet und auf das zu Sehende hinführt. Im Falle der Apostel können wir das biographisch wunderbar nachzeichnen, ganz besonders anhand der Biographie des Petrus: Er hat vieles gesehen und gehört, was Jesus gesagt und getan hat. Er hat vieles davon noch gar nicht verstanden, doch nicht vergessen. Am Pfingsttag ist der Geist so wie auf alle Apostel auf ihn herabgekommen und hat ihm die Augen geöffnet, ihm alles Unverständliche aufgedeckt und an alles erinnert, was sich zwischenzeitlich in sein Unterbewusstsein abgesetzt hat. Es ist ein Teamwork der Zeugenschaft, so wie sie es nun vor den Hohepriestern bekunden.
All die Worte erzürnen den Hohen Rat nur noch mehr. Sie beschließen, die Apostel zu töten. Es entwickelt sich ganz so wie bei Jesus, was uns nicht wundert. Schließlich folgen sie ihm nach, der diese Verfolgungen für seine Jünger schon vorhergesagt hat.

Ps 34
2 Ich will den HERRN allezeit preisen; immer sei sein Lob in meinem Mund. 
9 Kostet und seht, wie gut der HERR ist! Selig der Mensch, der zu ihm sich flüchtet!
17 Das Angesicht des HERRN richtet sich gegen die Bösen, ihr Andenken von der Erde zu tilgen.
18 Die aufschrien, hat der HERR erhört, er hat sie all ihren Nöten entrissen.
19 Nahe ist der HERR den zerbrochenen Herzen und dem zerschlagenen Geist bringt er Hilfe.
20 Viel Böses erleidet der Gerechte, doch allem wird der HERR ihn entreißen.

Heute beten wir einen wunderbaren Lobpreispsalm, mit dem wir Gottes große Taten rühmen.
„Ich will preisen“ ist ein typischer Psalmenbeginn – die Selbstaufforderung zum Lob. David bekundet sein „Jawort“ gegenüber Gott durch einen andauernden Lobpreis.
David möchte Gott in allen Lebenslagen (allezeit), mit seinem ganzen Sein preisen. Er möchte das tun, was wir Menschen in der Ewigkeit dauerhaft vornehmen werden – den Lobpreis Gottes.
„Kostet und seht, wie gut der HERR ist! Selig der Mensch, der zu ihm sich flüchtet!“ Dieses Schriftwort wird vom Priester sehr oft direkt vor dem Kommunionempfang gebetet, also eucharistisch ausgelegt. Ja, wir können kosten, wie gut der HERR ist, wenn wir ihn in uns aufnehmen und uns mit ihm vereinen. Er ist wie Balsam für unsere Seele und umhüllt uns ganz mit seiner Liebe und Barmherzigkeit. Dann ist es wirklich ein Zufluchtnehmen im Meer seiner Barmherzigkeit, ein Eintauchen in den tiefsten Grund seines für uns durchbohrten Herzens. Das sehen wir bei den Aposteln, die von dort ausgehend in die Freiheit geführt worden sind – im wahrsten Sinne des Wortes! Und nun stehen diese Zeugen für Christus vor dem Hohen Rat und können dieses Psalmwort wirklich auf sich beziehen, die sie sich ganz zum Herrn flüchten.
„Das Angesicht des HERRN richtet sich gegen die Bösen, ihr Andenken von der Erde zu tilgen.“ Das ist das Gottesbild König Davids, der die Psalmen komponiert hat. Er spricht aus Erfahrung, denn seine schweren Sünden haben Unheil nach sich gezogen. Der eigene Sohn Abschalom trachtete ihm sogar nach dem Leben. Aber wir verstehen heute, dass dies nicht heißt, dass Gott sich vom Angesicht des Sünders abgewandt hat. Vielmehr muss David, der durch die Sünde aus dem Stand der Gnade getreten ist, nun die Konsequenzen seiner Tat tragen und Gott muss es akzeptieren. Wenn die Wendung „ihr Andenken von der Erde zu tilgen“ verwendet wird, ist das ein Zeichen des Fluchs. Erinnert man sich dagegen auch nach dem Tod eines Menschen noch an ihn, ist es Zeichen des Segens. Dies können wir heute auf die Gottlosen der Lesung beziehen. Ihre Sünde schreit zum Himmel und zieht lange Kreise. So ist es ein tröstliches Psalmwort auch für die Apostel, die genau wissen, dass Gott das Unrecht, das an dem Evangelium Jesu Christi begangen wird, nicht ohne Konsequenzen bleibt. Die Hohepriester haben aus ihrem Fehler am Sohn Gottes nicht gelernt und wollen ihn an Jesu Aposteln wiederholen. Das wird Konsequenzen nach sich ziehen.
„Die aufschrien, hat der HERR erhört, er hat sie all ihren Nöten entrissen.“ Gott ist barmherzig und er hört das Schreien seines Volkes. Er hat dies schon getan, als sein auserwähltes Volk unter der Sklaverei Ägyptens litt. Er hat das Schreien der Propheten gehört, die für seine Weisung umgebracht worden sind. Er hat auch das Schreien seines eigenen Sohnes am Kreuz gehört. So hat er ihn von den Toten auferweckt und ihn über alle erhöht. Und so hört er auch das Schreien der Apostel, die mutig für Christus einstehen und dafür bedroht werden.
Dann macht David eine entscheidende Beobachtung: Gott bringt den zerschlagenen Geistern und zerbrochenen Herzen Hilfe. Erstens müssen wir das auf David selbst beziehen, der hier aus Erfahrung spricht. Seine Sünde hat ihn unglücklich gemacht, in erster Linie wegen der zerbrochenen Beziehung zu Gott. Er hat sich selbst gedemütigt, er hat sich selbst in seiner ganzen Unvollkommenheit und Erlösungsbedürftigkeit gesehen. Dieser realistische Selbstblick ist, was wir Demut nennen und das der fruchtbare Ausgangspunkt für Gottes Gnade ist. So ist es auch mit dem ganzen Volk Israel, das immer wieder schuldig geworden ist durch Götzendienst, das immer wieder die schmerzhaften Konsequenzen tragen musste und so nach dem Messias geschrien hat. Dieser ist gekommen, er ist die Hilfe, er ist Jesus, „Jahwe rettet“. Gott rettet auch die Menschen heute, indem er jenen die Taufgnade schenkt, die umkehren und an ihn glauben. Er rettet jeden einzelnen Menschen, der schuldig geworden ist und voller Reue, mit einem zerschlagenen Geist und einem zerbrochenen Herzen zu ihm zurückkehrt. Er ist sofort bereit, den Menschen zu vergeben, die von Herzen umkehren. Er versetzt uns alle dann wieder zurück in den Stand der Gnade. Das Sakrament der Versöhnung ist ein ganz großes Geschenk, das viel zu selten angenommen wird. Und am Ende der Zeiten wird Gott allen zerbrochenen Herzen und zerschlagenen Geistern die Tränen von den Augen abwischen. Sie alle werden das Heil schauen und in Ewigkeit bei Gott sein. Jesus hat so viel gelitten und ist am Ende schandvoll gestorben, doch mit der Auferstehung hat er, haben auch alle seine Lieben, vor allem seine mitleidende Mutter, allen Grund zu feiern und sich zu freuen. Sie sind beide jetzt mit Leib und Seele bei Gott und sind in der ewigen Glückseligkeit, die auch wir erfahren dürfen, wenn wir den Weg Jesu nachgehen. Gebe Gott, dass auch die hochmütigen Hohepriester von ihrem hohen Ross herabsteigen und sich so sehen, wie sie sind, auf dass sie mit zerschlagenem Geist zu Gott zurückkehren und auch Jesus als den Christus anerkennen.
Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott uns allem Bösen entreißt. Er tut dies schon zu unseren Lebzeiten immer wieder. Wie viele Katastrophen erleben wir im Laufe unseres Lebens und wie oft hilft uns der Herr da heraus? Er tut dies auch mit den moralischen Gefahren, den geistigen Anfechtungen, allen Angriffen des Bösen, durch die er uns zur Sünde provozieren will. Gott schenkt uns die helfende Gnade und verleiht uns vor allem durch das Sakrament der Beichte die Kraft, die Standhaftigkeit, die Selbstbeherrschung und Wachsamkeit, den Angriffen des Bösen beim nächsten Mal besser widerstehen zu können. Und spätestens nach unserem Tod wird er uns ganz in Sicherheit bringen, wo wir nicht mehr kämpfen müssen, wo uns der Böse nichts mehr anhaben kann.

Joh 3
31 Er, der von oben kommt, steht über allen; wer von der Erde stammt, ist irdisch und redet irdisch. Er, der aus dem Himmel kommt, steht über allen.

32 Was er gesehen und gehört hat, bezeugt er, doch niemand nimmt sein Zeugnis an.
33 Wer sein Zeugnis annimmt, hat besiegelt, dass Gott wahrhaftig ist.
34 Denn der, den Gott gesandt hat, spricht die Worte Gottes; denn ohne Maß gibt er den Geist.
35 Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben.
36 Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern Gottes Zorn bleibt auf ihm.

Heute hören wir ein weiteres Mal einen Ausschnitt aus dem Gespräch Jesu mit Nikodemus. Jesus führt weiter aus, was er bereits angeschnitten hatte – der aus dem Geist wiedergeborene Mensch ist es aufgrund des Messias, der von oben kommt. Was heißt das?
„Er, der von oben kommt, steht über allen“ – Jesus ist das ewige Wort, das vor aller Zeit beim Vater war, das keinen Anfang und kein Ende hat. Er steht über allen, weil alle geschaffen sind im Gegensatz zu ihm.
„Wer von der Erde stammt, ist irdisch und redet irdisch.“ Menschen, die biologisch in diese Welt geboren worden sind, denken ganz in den irdischen Kategorien. Sie sind diesen ganz verhaftet. Jesus, der über sich in der dritten Person spricht, ist aber nicht einfach nur in diese Welt geboren. Er ist gleichzeitig Gott und steht über allen Irdischen.
Er bezeugt, was er gesehen und gehört hat, nämlich den Vater. Jesus ist der einzige authentische Exeget Gottes, weil er ganz eins ist mit ihm. Sein ganzes Wesen ist eine einzige Auslegung des Vaters. Er bezeugt ihn mit jedem Blick, mit jedem Wort, mit jeder Geste, mit seiner reinen Anwesenheit. Und doch nehmen die Menschen ihn nicht an. Man könnte denken, aber warum nicht, wenn er doch eine einzige Auslegung des Vaters ist? Jesus hat die Antwort schon vorweggenommen: Die Menschen sind dem irdischen Denken verhaftet. Sie verstehen nur, was innerhalb dieser irdischen Kategorien verständlich ist. Wenn er dagegen als Himmlischer himmlisch ist, fällt es den Menschen schwer, es zu fassen. Es ist aber nicht unmöglich, denn Jesus sagt: „Wer sein Zeugnis annimmt, hat besiegelt, dass Gott wahrhaftig ist.“ Jesus und der Vater sind eins, deshalb fährt er fort: „Denn der, den Gott gesandt hat, spricht die Wortes Gottes; denn ohne Maß gibt er den Geist.“ Wer Christus annimmt mit dem, was er bezeugt, nimmt den Vater an, nimmt Gott an, der die beiden sind, aber nicht nur die beiden, sondern auch der Geist, den Christus ohne Maß gibt. Es ist eine dreifaltige Aussage.
Weiterhin führt Jesus aus, wie sein Verhältnis zum Vater ist: „Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben.“ Jesus sagt selbst, dass er die volle göttliche Vollmacht hat. In seiner Hand ist alles, nicht nur ein wenig, alles. Und deshalb hängt das gesamte Heil des Menschen davon ab, ob er Christus anerkennt oder nicht. Deshalb sagt er, dass der Glaube an ihn zum ewigen Leben führt. Dies bezeugen wir äußerlich durch die Taufe. Deshalb ist sie heilsnotwendig. Wer aber nicht an den Christus glaubt, das heißt, wer ihm nicht gehorcht (Glaube und Gehorsam gehören zusammen! Vergleiche Noah, Abraham, Maria etc.), auf dem bleibt Gottes Zorn. So ist es unmöglich, das ewige Leben zu haben, das heißt bei Gott zu sein. Dann erwartet einen die ewige Abgeschnittenheit von Gott.
Was Jesus hier erklärt, ist absolut auf die Hohepriester zu beziehen, die in der Lesung die Apostel verhören. Sie haben bei Jesus einen großen Fehler begangen und nicht die Apostel bringen das Blut Jesu über sie, sondern sie haben es selbst getan im Moment der Auslieferung an Pilatus. Sie haben etwas Schreckliches getan, doch nun erhalten sie eine zweite Chance. Sie könnten Jesus rehabilitieren und für ihre schwere Sünde büßen. Stattdessen wiederholen sie die Sünde und erkennen gar nicht, was sie falsch gemacht haben. Sie bleiben weiterhin im Unglauben und wollen Jesus nicht als den Messias erkennen. Sie verschließen sich der Vergebung und somit dem ewigen Leben. Jetzt stehen die Apostel schon direkt vor ihnen und bekennen freimütig, was die Wahrheit ist. Doch sie wollen es nicht annehmen. Stattdessen erfüllt es sie mit noch mehr Zorn und sie wollen nun auch diese mundtot machen. Sie erkennen die Zeit der Gnade nicht. Sie sind von der Erde und denken ganz irdisch. Sie schaffen es nicht, die himmlische Denkweise nachzuvollziehen. Sie schaffen es nicht nur nicht, sondern sie wollen es auch gar nicht. Ihre Haltung ist ganz ablehnend.

Erkennen wir in den Hohepriestern Negativbeispiele und machen wir es ihnen nicht nach in der Verstocktheit und anhaltenden Ablehnung der offensichtlichen Wahrheit. Seien wir vielmehr wie die Jerusalemer, die die Zeichen und Wunder sehen, die sich von den Worten des Evangeliums berühren lassen und umkehren, Tag für Tag aufs Neue!

Ihre Magstrauss

Dienstag der 2. Osterwoche

Apg 4,32-37; Ps 93,1.2-3.4-5; Joh 3,7-15

Apg 4
32 Die Menge derer, die gläubig geworden waren, war ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam.
33 Mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung Jesu, des Herrn, und reiche Gnade ruhte auf ihnen allen.
34 Es gab auch keinen unter ihnen, der Not litt. Denn alle, die Grundstücke oder Häuser besaßen, verkauften ihren Besitz, brachten den Erlös
35 und legten ihn den Aposteln zu Füßen. Jedem wurde davon so viel zugeteilt, wie er nötig hatte.
36 Auch Josef, ein Levit, gebürtig aus Zypern, der von den Aposteln Barnabas, das heißt übersetzt: Sohn des Trostes, genannt wurde,
37 verkaufte einen Acker, der ihm gehörte, brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.

Gestern hörten wir ein wunderbares Gebet der ersten Christen, in dem sie gar nicht darum bitten, dass ihr Leiden von ihnen genommen werde, sondern dass sie Kraft für das Tragen ihres Kreuzes erhalten.
Heute werden erneut die Zustände in der Jerusalemer Urgemeinde geschildert, wie wir schon am Sonntag gehört haben. Die Gemeindemitglieder sind „ein Herz und eine Seele.“ Ich habe es schon bei der Auslegung von Apg 2 erklärt: Ihre Herzen hängen ganz an Christus, der ihnen diese ganz innige Gemeinschaft schenkt. Sie lieben gemeinsam den Herrn mit ihrem ganzen Sein. Das schweißt sie zusammen. Deshalb haben sie auch alles gemeinsam. Das ist der Stil, den schon die Apostel in den Jahren des Reisens mit Jesus gepflegt haben. Eine brennende Gottesliebe hat eine ebenso brennende Nächstenliebe zur Folge.
„Mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung Jesu, des Herrn, und reiche Gnade ruhte auf ihnen allen.“ Diese Kraft, mit der sie Christus bezeugen, ist ihnen durch den Hl. Geist geschenkt. Dass es nicht von ihnen selbst kommt, können wir an ihrem Verhalten vor dem Pfingstereignis sehen. Die Apostel haben sich wochenlang verbarrikadiert und hatten Angst. Sie haben den tieferen Sinn der Ereignisse auch nicht verstanden. Sie waren ganz kraftlos und ohne Perspektive. Und als Christus kam und ihnen vieles erklärt hat, ist ihnen zwar schon dies und das aufgegangen, aber dennoch waren sie nicht voll der reichen Gnade, wie es in der Lesung heißt. Hätten sie in der Zeit zwischen Himmelfahrt Jesu und dem Pfingstereignis nicht die Mutter Jesu bei sich gehabt, die mit ihnen gemeinsam gebetet und ausgeharrt hat, hätten sie sich womöglich nicht so gut auf das Kommen des Hl. Geistes vorbereiten können.
Die „reiche Gnade“ meint die umfassende Ausstattung mit den Gaben, Früchten und Charismen des Hl. Geistes, die den Aposteln am Pfingsttag geschenkt worden ist.
Diese Geisterfülltheit trägt Früchte im moralischen Lebenswandel des Einzelnen, aber auch als Gemeinde. Die Gemeindemitglieder verkaufen ihren Besitz und geben allen, so viel sie benötigen. So wird uns in der Lesung als Beispiel von einem gewissen Leviten namens Josef berichtet, der seinen Acker verkauft und den Erlös der Gemeinde übergibt. Solche Beispiele zeigen uns, dass diese Worte von Lukas nicht ausgedacht sind als „utopische Charakterisierung“. Es sind Tatsachen.
Wenn wir die Lesung hören, dann begreifen wir, was es heißt: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ (Joh 7,16). Der Geist Gottes drängt zur tätigen Liebe. Er will nicht nur für sich selbst bleiben und egoistisch für sich ausgekostet werden. Die Liebe Gottes weist immer über sich selbst hinaus.

Ps 93
1 Der HERR ist König, bekleidet mit Hoheit; der HERR hat sich bekleidet und mit Macht umgürtet. Ja, der Erdkreis ist fest gegründet, nie wird er wanken.
2 Dein Thron steht fest von Anbeginn, du bist seit Ewigkeit.
3 Fluten erhoben, HERR, Fluten erhoben ihr Tosen, Fluten erheben ihr Brausen.
4 Mehr als das Tosen vieler Wasser, gewaltiger als die Brandung des Meeres ist gewaltig der HERR in der Höhe.
5 Deine Gesetze sind fest und verlässlich; deinem Haus gebührt Heiligkeit, HERR, für alle Zeiten.

Wir beten als Antwort auf die Lesung einen Psalm, der die Thronbesteigung Gottes thematisiert.
„Der HERR ist König, bekleidet mit Hoheit; der HERR hat sich bekleidet und mit Macht umgürtet.“ Gott ist wirklich der König, der Herrscher über das All. Er hat dies vor allem durch das Osterereignis bewiesen, als er den Tod besiegt hat, den größten Feind der Schöpfung.
Wenn es heißt „der Erdkreis ist fest gegründet, nie wird er wanken“, dann setzt dies voraus, dass die Erde Gottes Herrschergebiet ist. Sie wird nicht wanken, weil Gottes Herrschaft nicht wanken wird. Das heißt aber nicht, dass die Erde ewig ist. Gott wird am Ende der Zeiten die Schöpfung rückkehren, um daraufhin einen neuen Himmel und eine neue Erde zu schaffen, eine neue Schöpfung aus dem Hl. Geist. Dann wird Gottes Herrschaft für alle sichtbar sein und Gott wird seinen Widersacher keinen Spielraum mehr lassen. Vielmehr wird er ihn für immer verbannen, sodass ihm keine Macht mehr bleibt.
„Dein Thron steht fest von Anbeginn“, du bist seit Ewigkeit.“ Gottes Herrschaft ist ewig, das heißt sie hat weder einen Anfang noch ein Ende. Gott IST vielmehr der Anfang und das Ende von allem, sodass auch seine Herrschaft ewig ist. Wir lesen in den Thronsaalvisionen des Alten und Neuen Testaments, dass Gottes Thron immer schon dort steht, wenn der Visionär die Vision empfängt. Sowohl Jesaja als auch Johannes in der Johannesoffenbarung betonen, dass der Thron dort schon stand, bevor er in den Thronsaal geführt worden ist.
„Fluten erhoben ihr Tosen, Fluten erheben ihr Brausen.“ Die Schöpfung Gottes ist mächtig und manchmal auch bedrohlich. Gerade Wassermassen haben etwas Ambivalentes an sich. Sie können einerseits lebensspendend sein, doch in der überwältigenden Masse zugleich zum Ertrinken führen.
Die Urflut ist es, über der der Geist Gottes in der Genesis schwebte. Die Sintflut ist es, die die Menschheit vernichtet hat. Es sind auch die Fluten, durch die hindurch das Volk Israel hindurch geschritten ist beim Auszug aus Ägypten. Es ist das Wasser des Jordan, in dem Jesus getauft worden ist. Dort ist der Geist wiederum wie eine Taube auf ihn herabgekommen. Die Fluten sind es auch, auf denen Jesus geschritten ist und Petrus ermutigt hat, es ihm gleichzutun.
Die Wassermassen sind gewaltig und doch steht Gott über ihnen. Er beherrscht sie, „der HERR in der Höhe“.
So wie die Herrschaft Gottes sind auch seine Gesetze fest und verlässlich. Der Mensch kann sich ganz auf sie verlassen und wird nicht enttäuscht werden. Es ist sogar so verlässlich, dass das Gesetz Gottes, die Torah, Mensch geworden ist, um den Menschen sogar vorzuleben, wie es geht. Verlässlicher geht es nicht!
Gott ist wirklich ein Gott für alle Zeiten. Er ist immer derselbe. Er ist immer der Heilige, das heißt „der ganz Andere“. Er ist ganz anders als die Schöpfung und bleibt es auch trotz seiner Menschwerdung in Jesus Christus. Gottes Heiligkeit ist der Grund für die Heiligkeit seiner Kinder. Weil er anders ist, sind es auch die ersten Christen. Wir haben es in der Lesung gehört. Sie führen ein ganz bestimmtes Leben, das man so von anderen nicht kennt. Sie brennen für einander, weil sie für IHN brennen, Christus. Dabei spielt auch für sie keine Rolle, ob sie im 1. Jh.n.Chr. leben oder ob es uns Christen heute betrifft. Heilig zu sein wie Gott ist ein überzeitlicher Auftrag und eine Berufung, die sich aus der Taufe ergibt. Wir können nicht wie die Welt sein, auch wenn wir in der Welt sind. Wir Christen werden im Brennen für Christus immer anders sein. Diese Andersartigkeit wird zu jeder Zeit irgendwem nicht passen. Deshalb wird es immer Anfeindungen geben. Das soll den Christen aber zu keiner Zeit davon abhalten, die brennende Nächstenliebe abkühlen zu lassen. Niemals.

Joh 3
7 Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von oben geboren werden.
8 Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist.
9 Nikodemus erwiderte ihm: Wie kann das geschehen?
10 Jesus antwortete: Du bist der Lehrer Israels und verstehst das nicht?
11 Amen, amen, ich sage dir: Was wir wissen, davon reden wir, und was wir gesehen haben, das bezeugen wir und doch nehmt ihr unser Zeugnis nicht an.
12 Wenn ich zu euch über irdische Dinge gesprochen habe und ihr nicht glaubt, wie werdet ihr glauben, wenn ich zu euch über himmlische Dinge spreche?
13 Und niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn.
14 Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden,
15 damit jeder, der glaubt, in ihm ewiges Leben hat.

Im Evangelium geht das Gespräch mit Nikodemus über die Notwendigkeit einer Neugeburt aus dem Hl. Geist weiter.
Der letzte Vers von gestern wird zunächst wieder aufgegriffen, damit wir wissen, wo das Gespräch weitergeht.
Der Geist Gottes weht, wo er will, und wir wissen nichts über seinen Ursprung oder ein Ziel. Das deckt sich mit dem, was wir im Thronbesteigungspsalm betrachtet haben. Gott ist der Anfang und das Ende. Am Geist als Person der Dreifaltigkeit erkennen wir diese Eigenschaft durch Jesu Worte wieder.
Wenn wir im Geist geboren sind, haben wir unseren Anfang und unser Ziel in Gott. Wir werden zu ewigen Menschen – das heißt ohne Anfang und Ende, gewissermaßen zu „Jetzt-Menschen“, die im Jetzt der Ewigkeit leben, wo es keine Zeit gibt, wo immer „jetzt“ ist, wo immer „heute“ ist.
Nikodemus versteht Jesu Worte nicht.
Und Jesus nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er sagt: „Du bist der Lehrer Israels und verstehst das nicht?“
Gottes Weisheit ist nicht zu begreifen mit menschlicher Anstrengung. Sie wird ansatzweise verständlich oder erahnbar, wo Gottes Geist dem Menschen das Verständnis dafür öffnet. Nikodemus ist noch nicht so weit, dass er diese Weisheit versteht. Bei ihm ist es aber weniger das Unvermögen. Vielmehr ist es seine Haltung, die Christus kritisiert. Denn er sagt:
„Was wir wissen, davon reden wir, und was wir gesehen haben, das bezeugen wir und doch nehmt ihr unser Zeugnis nicht an.“ Nikodemus nimmt es nicht an. Er öffnet sich noch nicht für die göttliche Weisheit.
Warum aber spricht Jesus in Wir-Form an dieser Stelle? Die Jünger können kaum gemeint sein, denn Zeugnis legt Jesus ab, der am Herzen des Vaters geruht hat. Man könnte höchstens Johannes den Täufer hier vermuten, mit dem er denselben bezeugt. Anderseits hat Johannes Zeugnis für Christus abgelegt. Was ist also gemeint? Jesus spricht hier dreifaltig. Der Sohn und der Geist legen Zeugnis ab für den Vater! Er hat ja das Gespräch hindurch vom Geist Gottes gesprochen. Dieser ist es, der zusammen mit ihm Zeugnis ablegt. Deshalb spricht Jesus in Wir-Form.
Jesus kritisiert die mangelnde Einsicht des Nikodemus, die schon bei irdischen Themen fehlt. Wie soll er also diese geistigen Themen verstehen, die Jesus ihm in dem Gespräch geteilt hat. Nikodemus kommt bei dem Gespräch wirklich schlecht weg, aber das tut Jesus, um ihn aufzurütteln. Er möchte, dass Nikodemus ihn versteht und endlich aus dem Geist heraus denkt. Er möchte, dass Nikodemus zu einem brennenden Jünger Jesu wird.
Jesus ist wirklich derjenige, der über den Himmel ganz zuverlässige Aussagen machen kann. Er ist schließlich von dort auf die Erde gekommen. Und er wird erhöht werden wie die Schlange, die Mose hat aufstellen lassen, damit die Menschen von den Schlangenbissen in der Wüste nicht sterben. Er sagt Nikodemus ganz unverblümt, dass er den Menschen das ewige Leben ermöglichen kann, wenn sie an ihn glauben. Das sind ganz tiefe Gedanken, die Nikodemus noch nicht versteht. Die Nacht, in der sie sich getroffen haben, passt zu der Dunkelheit seines Verständnisses. Noch ist er nicht soweit. Doch der Geist Gottes wird auch ihn an alles erinnert haben, was Jesus gesagt und getan hat. Auch in ihm wird die Sonne aufgegangen sein. Er wird alles verstanden haben und dafür dann mutig Zeugnis abgelegt haben.

Wir sind oft wie Nikodemus und tappen im Dunkeln, obwohl Jesus es uns ganz deutlich erklärt. Dann müssen wir geduldig daran festhalten und auf Christus vertrauen, bis wir nach und nach diese Dinge verstehen.

Ihre Magstrauss

Dienstag der Karwoche

Jes 49,1-6; Ps 71,1-2.3.5-6.15 u. 17; Joh 13,21-33.36-38

Jes 49
1 Hört auf mich, ihr Inseln, merkt auf, ihr Völker in der Ferne! Der HERR hat mich schon im Mutterleib berufen; als ich noch im Schoß meiner Mutter war, hat er meinen Namen genannt.
2 Er machte meinen Mund wie ein scharfes Schwert, er verbarg mich im Schatten seiner Hand. Er machte mich zu einem spitzen Pfeil und steckte mich in seinen Köcher.
3 Er sagte zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, an dem ich meine Herrlichkeit zeigen will.
4 Ich aber sagte: Vergeblich habe ich mich bemüht, habe meine Kraft für Nichtiges und Windhauch vertan. Aber mein Recht liegt beim HERRN und mein Lohn bei meinem Gott.
5 Jetzt aber hat der HERR gesprochen, der mich schon im Mutterleib zu seinem Knecht geformt hat, damit ich Jakob zu ihm heimführe und Israel bei ihm versammelt werde. So wurde ich in den Augen des HERRN geehrt und mein Gott war meine Stärke.
6 Und er sagte: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, nur um die Stämme Jakobs wieder aufzurichten und die Verschonten Israels heimzuführen. Ich mache dich zum Licht der Nationen; damit mein Heil bis an das Ende der Erde reicht.

Die heutige Lesung, die wir hören, ist wieder einem der Gottesknechtslieder entnommen, diesmal dem zweiten.
Es beginnt mit einer Aufforderung zum Hören auf den Propheten. Er spricht die „Inseln“ an und erklärt direkt im Anschluss, dass damit die „Völker in der Ferne“ gemeint sind. Das hebräische Wort לְאֻמִּ֖ים l’ummim bezieht sich dabei auf keine bestimmte Art von Volk (gemäß der sonstigen Abgrenzung von jüdisch und nichtjüdisch). Es heißt, dass nun eine universale Botschaft kommt, die allen gilt, auch jenen in der absoluten Peripherie.
„Der HERR hat mich schon im Mutterleib berufen; als ich noch im Schoß meiner Mutter war, hat er meinen Namen genannt.“ Es bezieht sich wörtlich verstanden zunächst auf den Propheten selbst, denn Gott hat so wie für jeden Menschen schon einen Heilsplan bereit, bevor er überhaupt erst geboren wird. Es bezieht sich auch auf Gottes auserwähltes Volk, auf Israel. Das ist eine absolute Vertrauensbekundung und Trostbotschaft des Geborgenseins ganz in Gott. Es ist aber auch auf Jesus zu beziehen, der vor Anfang der Schöpfung schon Sohn Gottes war und schon vor Beginn der Zeit sein Erlösungsplan feststand. Es bezieht sich auf die gesamte Menschheit, deren Erlösungsplan schon vor ihrem Hervorgehen feststand, vor allem der Neue Bund war schon längst geplant, durch den wir alle die Herrlichkeit Gottes schauen dürfen – durch den Taufbund. Deshalb ist sie heilsnotwendig. Und es bezieht sich auf jeden einzelnen Menschen, mit dem Gott seinen ganz besonderen Plan hat.
Gott hat uns schon beim Namen genannt, bevor unsere Eltern es getan haben. Er kennt uns schon, bevor wir beginnen, zu existieren. Das ist so eine tröstliche Botschaft, weil wir uns dann auf seinen absoluten Heilswillen verlassen können. Er wird uns deshalb nichts aufbürden oder geben, was uns nicht passt oder was uns zu viel ist.
„Er machte meinen Mund wie ein scharfes Schwert“ – an dieser Stelle werden verschiedene Waffenbilder verwendet, um zu umschreiben, dass zunächst wörtlich verstanden der Prophet Jesaja zum Werkzeug des Kampfes Gottes wird. Dieser Kampf ist vor allem ein geistiger. Das scharfe Schwert ist dahingehend besonderes auffällig, weil es uns in der gesamten Bibel immer wieder begegnet und eine typologische Entsprechung mit Christus selbst erhält. In der Johannesoffenbarung sieht Johannes sogar, dass aus Jesu Mund dieses Schwert herauskommt und zum Ende hin sieht er Jesus als Feldherrn mit dem Namen „das Wort Gottes“. Das Wort Gottes ist die Waffe, kein echtes Schwert, mit dem man Menschen tötet. Das Wort Gottes spaltet alles bis ins innerste Mark. Damit ist aber die Seele gemeint. Denn es bewirkt einen inneren Kampf. So kämpft Jesaja durch die Hl. Schrift gegen jene, die sich nicht daran halten. Er deckt die Missstände auf, die verdorbenen Herzen und die schweren Sünden des Volkes. Und so wird es auch Jesus tun. Er ist das fleischgewordene Wort Gottes. Seine bloße Anwesenheit provoziert jene, die sich hinter dem Gesetz verstecken und ihre Verdorbenheit bisher gut verbergen konnten. Jesus „seziert“ die Seelen der Menschen und so wird alles offengelegt. Es schmerzt vor allem da, wo entzündetes Gewebe, kranke Organe, ein kranker Organismus ist. Wer die Heilung annimmt, wird gesund, wer es nicht annimmt, stirbt an einer seelischen Sepsis. Mit seinem Heimgang zum Vater hinterlässt Jesus dieses Schwert seiner Kirche in Wort und Sakrament. Sie kämpft bis heute mit dieser Waffe und seziert die Seelen der Menschen. Damit ist sie der Gesellschaft zu jeder Zeit ein Dorn im Auge, denn der Mensch möchte seine Verdorbenheit nicht preisgeben. Er möchte auch nicht geheilt werden, weil die Behandlung schmerzhaft ist und er seine Lebensgewohnheiten umstellen muss. Lieber stirbt er den seelischen Tod, als sich behandeln zu lassen. Wir sehen an den schlimmen Christenverfolgungen unserer heutigen Zeit, dass die Abwehr gegen das Wort-Gottes-Schwert heutzutage besonders stark ist. Tendenz steigend. Am Ende der Zeiten wird es zum ultimativen Kampf kommen, doch es wird eher eine Abrechnung Christi mit den bösen Mächten sein, die blitzschnell überwältigt und besiegt werden. Dann wird es keiner Waffen mehr bedürfen, denn dann wird ewige Triumphfeier sein.
Vers 3 erinnert uns an die Worte, die wir am Fest der Taufe des Herrn gehört haben. Anders ist an dieser Stelle die direkte Adressierung des Gottesknechts („du bist“ statt „das ist“). Es wird auch expliziter gesagt, wer damit gemeint ist: „Du….Israel“. An dieser Stelle wird es auf Jakob bezogen, der den Namen Israel erhalten hat. Man kann darunter auch das Kollektiv Israel verstehen, d.h. die zwölf Stämme Israels. In dieser wörtlichen Leserichtung möchte Gott seinem auserwählten Volk seine Herrlichkeit zeigen. Das ist es, was Gott immer wieder tut und was für ihn bezeichnend ist – die Selbstoffenbarung. Diese gipfelt auf dem Höhepunkt der Heilsgeschichte mit dem Kommen seines Sohnes, der schließlich am Kreuz sterben wird. Nach drei Tagen wird er auferstehen und dadurch Gottes Herrlichkeit offenbaren. Am Ende der Zeiten wird er in Herrlichkeit wiederkommen, um die Lebenden und die Toten zu richten. Dann wird Gott seine Herrlichkeit unverschleiert offenbaren, wie sie ist. Lesen wir den Knecht Israel christologisch, dann ist es Jesus, dem Gott durch die Auferstehung seine Herrlichkeit zeigt.
Im Laufe der Heilsgeschichte wird der Adressat der göttlichen Offenbarung immer weiter ausgeweitet, sodass mit Jesus die ganze Welt zum Zeugen wird. Das auserwählte Volk, „Israel“ meint dann nicht mehr wörtlich die zwölf Stämme, sondern die ganze Welt.
In Vers 4 spricht das Volk Israel nun eine Art Bekenntnis, in dem es heißt: „Vergeblich habe ich mich bemüht, habe meine Kraft für Nichtiges und Windhauch vertan. Aber mein Recht liegt beim HERRN und mein Lohn bei meinem Gott.“ Bezieht man es auf das Volk Israel, kann man es als reumütiges Bekenntnis verstehen, in dem das Volk die Verschwendung der Ressourcen für Unwichtiges zugibt. Es kann aber auch die Klage darüber sein, dass Israel vermeintlich erfolglos für die Sache Gottes gewesen ist. In diesem Sinne kann man es vor allem auf Jesaja beziehen und weitergedacht auf Jesus, den leidenden Gottesknecht, der scheinbar verliert. Mit Ostern wird sich das Blatt aber wenden und wir erkennen, dass garnichts umsonst war! Und so können wir dieses Bekenntnis auch auf die Kirche anwenden, die einerseits ihr Leid über die ausbleibenden Früchte klagt, andererseits vor Gott bekennt, ihre Energie in die falschen Dinge gesteckt zu haben. Zweiteres müsste sie heutzutage besonders laut tun…
Ab Vers 5 wechselt die Perspektive, sodass der Gottesknecht selbst spricht. Der Knecht ist im Mutterleib von Gott geformt worden, d.h. er ist auserwählt von Anfang an. Sein Auftrag besteht dabei in der Heimführung Israels/Jakobs zu Gott. Lesen wir dies wörtlich-historisch, denken wir an einen König oder noch eher an einen Propheten, der zur Umkehr des auserwählten Volkes beiträgt. Seine Berufung steht schon fest, noch bevor er geboren wird. In dieser Hinsicht findet er beim HERRN Ehre und hat seine Stärke in Gott. Während die Ehre bei Gott durch eine Zukunftsform ausgedrückt wird (וְאֶכָּבֵד we’ekaved), stellt das Haben der Stärke in Gott eine Vergangenheitsform dar (הָיָ֥ה hajah). Gott WAR also die Stärke des Knechts, aber er wird ihn noch verherrlichen (es ist im Hebräischen dasselbe Wortfeld, das auch sonst für „Ehre“ gebraucht wird und im Griechischen durch δόξα doxa ausgedrückt wird, lateinisch gloria). Dies alles macht also Sinn, wenn wir mit dem Gottesknecht Jesus Christus identifizieren. Er wird am Ende der Zeiten als verherrlichter Menschensohn wiederkommen. Er ist zum Vater heimgekehrt, um verherrlicht zu werden. Zur Zeit des zweiten Gottesknechtsliedes steht es aber noch aus. Auch uns gelten diese Worte. Wir sind Knechte und Mägde des Herrn, die wir getauft worden sind. Auch uns hat der HERR dadurch schon verherrlicht, was wir aber erstens im Laufe unseres Lebens verlieren können, zweitens wird unsere Herrlichkeit erst am Ende der Zeiten offenbar.
Versuchen wir, die wörtliche Bedeutung des Verses 5 noch weiter zu verstehen, damit wir die Hoffnungsbotschaft für die Juden erkennen: Israel heimzuführen meint wörtlich gelesen zunächst die Heimführung aus dem babylonischen Exil. Die Juden haben also auch an dieser Stelle an eine königliche Figur gedacht, die eine politische Befreiung erzielen soll. Die Heimführung zu Gott bezieht sich dann auf sein gelobtes Land, also auf einen irdischen Ort. Christologisch gesehen gehen wir aber darüber hinaus: Jesus ist gekommen, um das auserwählte Volk zu Gott zurückzuführen. Er hat Sühne geleistet, um das Exil Israels zu beenden – nicht nur aus dem babylonischen Exil, sondern das viel schlimmere und aussichtslosere Exil außerhalb des Paradieses! Er ist gekommen, um die Söhne Israels zu Gott ins Himmelreich heimzuführen! Er macht damit wieder gut, was der erste Mensch verschuldet hat.
In Vers 6 legt das Gottesknechtslied noch einen drauf. Spätestens jetzt merkt man, dass der Gottesknecht nicht einfach ein politischer Herrscher oder ein Prophet sein kann. Denn er wird nicht nur zum Heimführer der „Verschonten“ Israels (die das Exil und die Fremdherrschaft bis dahin überlebt haben), sondern zum „Licht der Nationen“ (לְאֹ֣ור גֹּויִ֔ם le’or gojim). Der Gottesknecht bringt das Heil ALLEN Menschen, auch den Nichtjuden! Jesus ist wirklich das Licht, von dem vor allem das Johannesevangelium immer wieder spricht. Gott hat einen wunderbaren Plan und dieser wird schon 700 Jahre vor der eigentlichen Umsetzung dem Propheten Jesaja eingegeben! Gott will sein Heil יְשׁוּעָתִ֖י jeschuato – seinen Jesus – bis an die Enden der Erde bringen. Dazu möchte er die Menschen miteinbeziehen, die seine Jünger sind. Jesus wird vor seinem Heimgang zum Vater zu den Aposteln sagen: „Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28,19). Jesus führte schon zu seinen Lebzeiten die Menschen zum Vater, indem sie umkehrten. Er trug seinen Jüngern auf, die Gemeinschaft der Gläubigen zu sammeln, dass sie zum Vater „heimkommen“ in die Kirche, die das angebrochene Reich Gottes auf Erden darstellt. Durch die Kirche steht ihnen die Heimführung zum Vater nach ihrem Tod bereit und am Ende der Zeiten werden alle Menschen, die den Herrn angenommen haben, auf ewig im himmlischen Jerusalem zuhause sein. Das Heil Gottes ist dann an den Grenzen/Enden der Erde auch im eschatologischen Sinn: das Ende der alten Schöpfung und der Anfang der neuen, die Johannes in der Offenbarung schon gesehen hat.

Ps 71
1 Bei dir, o HERR, habe ich mich geborgen, lass mich nicht zuschanden werden in Ewigkeit!
2 Reiß mich heraus und rette mich in deiner Gerechtigkeit! Neige dein Ohr mir zu und hilf mir!
3 Sei mir ein schützender Fels, zu dem ich allzeit kommen darf! Du hast geboten, mich zu retten, denn du bist mein Fels und meine Festung.
5 Denn du bist meine Hoffnung, Herr und GOTT, meine Zuversicht von Jugend auf.
6 Vom Mutterleib an habe ich mich auf dich gestützt, aus dem Schoß meiner Mutter hast du mich entbunden, dir gilt mein Lobpreis allezeit.
15 Mein Mund soll von deiner Gerechtigkeit künden, den ganzen Tag von deinen rettenden Taten, denn ich kann sie nicht zählen.
17 Gott, du hast mich gelehrt von Jugend auf und bis heute verkünde ich deine Wunder.

Der heutige Psalm ist ein Bittpsalm, bei dem Gott um Schutz und Rettung gebeten wird. Er beginnt jedoch mit einer Vertrauensbekundung („Bei dir, o HERR, habe ich mich geborgen“). Es ist die Zusage König Davids, der wirklich in jeder Lebenslage Gott vertraut hat. Wir können es weiterlesen und auf Jesus Christus beziehen, der mit den Psalmworten zu seinem Vater gebetet hat vor seinem Tod. Er hat während seines gesamten irdischen Daseins immer wieder seine innige Beziehung zum Vater gezeigt, der ihn nun nicht im Stich lassen soll. Dies wird sein Gebet im Garten Getsemani vor seiner Verhaftung gewesen sein. Es wird seine Lippen bis zum letzten Atemzug am Kreuz nicht verlassen haben, selbst als er sich ganz alleingelassen fühlte. Wir lesen im Lukasevangelium, dass Jesus dann sagen wird: „Vater, in deine Hände lege ich mein Leben.“ Es ist ein weiteres Psalmwort, das Jesu absolute Vertrauensbekundung ausdrückt. Und auch wir dürfen so beten, vor allem durch das Gebet, das Jesus uns beigebracht hat – das Vaterunser. Da bitten wir ja zunächst nicht, sondern preisen den Vater. Erst dann kommen die Bitten, die unser Leben betreffen. Dort heißt es ja: Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von den Bösen. Dies ist natürlich nicht nur auf die Erdenzeit beschränkt, sondern es soll eine umfassende Erlösung sein, damit wir auf ewig nicht zuschanden werden.
„Reiß mich heraus“ bezieht sich auf allerlei Nöte. David selbst hat so einige existenzielle Nöte erfahren, von der Verfolgung Sauls bis hin zur Verfolgung seines eigenen Sohnes Abschalom. Jesus Christus wird diese Worte ein wenig anders formulieren und zugleich seinen eigenen Willen dem des Vaters unterstellen: Herr, nimm diesen Kelch von mir, aber nicht mein, sondern dein Wille geschehe. So sollen auch wir beten. Selbstverständlich sollen wir Bittgebete formulieren, immer wieder. Jesus hat uns ermutigt mit den Worten: „Bittet, dann wird euch gegeben.“ Gleichzeitig sollen wir das letzte Wort Gott überlassen, auch das Wann und das Wie. Wir sollen also bitten unter dem Vorbehalt, „wenn du willst“. So hat schon der Aussätzige im Evangelium gebetet, als er Jesus um Heilung bat. „Neige dein Ohr mir zu“ ist bildhaft zu verstehen, da Gott kein Ohr hat. Es meint Gottes Gehör, das keinen Klageschrei überhört – weder damals in Ägypten noch in Babylon, noch in heutiger Zeit! Gottes Zorn und sein gerechtes Gericht sind ein Beweis dafür, dass Gott das Leiden seiner geliebten Menschen nicht ignoriert. Allem wird er in seiner Gerechtigkeit nachgehen und richtigstellen. Gericht ist also nichts Schlechtes, sondern Zeichen der Barmherzigkeit Gottes!
Das Wortfeld „retten“ wird auch hier wiederum mit der hebräischen Wurzel ישׁע ausgedrückt wie der Name Jesu. Dieser Psalm umfasst die Bitte um die Befreiung des Volkes aus der Hand des Feindes. Das Volk schreit um Erlösung und Gott ist so barmherzig, dass er sein Schreien hört. Obwohl die Propheten erklären, dass die Zeiten der Fremdherrschaft Konsequenz ihrer eigenen Sünden, vor allem ihres Götzendienstes sind. Und doch lässt Gott seine untreue Braut nicht im Stich, sondern sendet ihr Menschen wie Simson oder David, die die Feinde besiegen. Letztendlich sind solch heilsgeschichtliche Gestalten Gottes Antwort auf die Bitten des Volkes. Gott selbst vollbringt hier seine göttlichen Heilstaten.
Für Bittpsalmen ist bezeichnend, dass der Beter die Gründe aufzählt, weshalb Gott helfen soll, besonders auch die vergangenen Heilstaten. „Vom Mutterleib an habe ich mich auf dich gestützt“ zeigt, dass der Beter um Gottes Beistand ruft, weil er seine Gebote befolgt. Wir denken an die Worte des Gottesknechtsliedes, wo Gott diese Zusage dem Propheten Jesaja und dem gesamten Volk Israel macht. Wir denken auch an König David, dem wir diesen Psalm zuschreiben und der von Anfang an in der Gunst Gottes stand. Dass wir im Stand der Gnade alles von Gott erbitten dürfen, wird uns später auch Jesus erklären (als Rebe am Weinstock, dem Bild für diesen Stand der Gnade): Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten (Joh 15,7).
Unser Auftrag ist es, Gottes große Taten zu verkünden, wie es der Psalm auch sagt. Er ist es, der uns alles lehrt und dem wir unser Leben lang zurückgeben sollen, nicht aus Zwang, sondern aus Liebe.

Joh 13
21 Nach diesen Worten wurde Jesus im Geiste erschüttert und bezeugte: Amen, amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich ausliefern.
22 Die Jünger blickten sich ratlos an, weil sie nicht wussten, wen er meinte.
23 Einer von den Jüngern lag an der Seite Jesu; es war der, den Jesus liebte.
24 Simon Petrus nickte ihm zu, er solle fragen, von wem Jesus spreche.
25 Da lehnte sich dieser zurück an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist es?
26 Jesus antwortete: Der ist es, dem ich den Bissen Brot, den ich eintauche, geben werde. Dann tauchte er das Brot ein, nahm es und gab es Judas, dem Sohn des Simon Iskariot.
27 Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, fuhr der Satan in ihn. Jesus sagte zu ihm: Was du tun willst, das tue bald!
28 Aber keiner der Anwesenden verstand, warum er ihm das sagte.
29 Weil Judas die Kasse hatte, meinten einige, Jesus wolle ihm sagen: Kaufe, was wir zum Fest brauchen! oder Jesus trage ihm auf, den Armen etwas zu geben.
30 Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, ging er sofort hinaus. Es war aber Nacht.
31 Als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht und Gott ist in ihm verherrlicht.
32 Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen und er wird ihn bald verherrlichen.
33 Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Ihr werdet mich suchen, und was ich den Juden gesagt habe, sage ich jetzt auch euch: Wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht gelangen.
36 Simon Petrus fragte ihn: Herr, wohin gehst du? Jesus antwortete ihm: Wohin ich gehe, dorthin kannst du mir jetzt nicht folgen. Du wirst mir aber später folgen.
37 Petrus sagte zu ihm: Herr, warum kann ich dir jetzt nicht folgen? Mein Leben will ich für dich hingeben.
38 Jesus entgegnete: Du willst für mich dein Leben hingeben? Amen, amen, ich sage dir: Noch ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.

Das Evangelium führt uns in diesen Tagen immer näher zum Kreuz. Heute hören wir eine Perikope, die sich direkt an die Fußwaschung im Abendmahlssaal anschließt. Jesus spricht Abschiedsworte, die die Apostel noch nicht ganz verstehen, aber sehr bald schmerzlich realisieren werden.
Jesus ist erschüttert. Die grammatikalische Form zeigt, dass er es zuerst nicht ist und dann in Bestürzung gerät. Es bricht ihm das Herz und deshalb bestürzt es ihn, was er nun auch ankündigt: Einer seiner engsten Freunde wird ihn verraten. Wir müssen uns Jesu emotionale Reaktion sehr zu Herzen nehmen. So reagiert Jesus auf jeden Menschen, der sich gegen Gott versündigt. Es ist jedesmal ein Verrat Gottes. Und auch dann ist er bestürzt, weil wir alle durch den Taufbund zu seinen ganz engen Freunden werden, ja zu seinen Familienmitgliedern. Je näher man sich steht, desto mehr trifft der Verrat den Menschen. Jesus weint auch über mich und ist ganz erschüttert über jede einzelne Liebesablehnung.
Die Jünger sind verwirrt und wissen nicht, wer von ihnen so etwas Schreckliches tun sollte. Petrus gibt Johannes ein Zeichen, der sich mit Jesus eine Liege teilt und der auch sonst ganz nah an Jesu Herz weilt im übertragenen Sinn. Er fragt ihn und dieser antwortet mit einem Code, den alle verstehen: „Der ist es, dem ich den Bissen Brot, den ich eintauche, geben werde.“ Jesus tut es und gibt das Stück Judas Iskariot, der es entgegennimmt. Diese Geste muss schriftkundigen Juden bekannt sein, denn es ist eine Anspielung an Ps 41,10: „Auch mein Freund, dem ich vertraute, der mein Brot aß, hat die Ferse gegen mich erhoben.“ Warum antwortet Jesus mit so einem Schriftwort, statt einfach zu sagen: „Judas wird mich verraten“? Schließlich wird er dies am Ende des Evangeliums unverblümt zu Petrus sagen. Er tut es, weil er den Aposteln die Erfüllung der Hl. Schrift verdeutlichen möchte und dass alles, was nun kommt, so geschehen muss.
Jesus gibt Judas eine letzte Chance, als er ihm den Bissen hinhält. Er hat Judas‘ böse Absichten ja freigelegt und dieser könnte in diesem Augenblick bereuen und alles ablegen. Der Satan hat ihn aber schon so sehr bearbeitet, dass dieser die letzte Chance nicht mehr nutzt, sondern den Bissen bereitwillig annimmt. Weil er hartnäckig an der schweren Sünde festhält, fährt der Satan in ihn. Lesen Sie, was Exorzisten über die häufigsten Ursachen von Besessenheit schreiben. Ein ganz großer Faktor besteht in genau diesem verstockten Zustand des Festhaltens an der Todsünde.
Wenn Jesus nun sagt: „Was du tun willst, das tue bald!“, dann kann man es entweder auf Judas selbst beziehen oder auf den Satan in ihm! Jesus kann diesem ja Befehle erteilen und schließlich bewegt sich der Teufel im Heilsradius Gottes. Selbst seine Machenschaften wendet Gott zum Heil. Würde die folgende Auslieferung nicht geschehen, könnte Jesus die Welt nicht erlösen.
Die anderen Aposteln verstehen Jesu Worte nicht und denken, Judas soll sich als Kassenwart mit irgendwelchen Einkäufen beeilen. Haben die Apostel die Geste Jesu nicht verstanden, als er Judas den Bissen überreichte oder wollten sie es nicht wahrhaben, was so unvorstellbar grausam sein musste?
Als Judas hinausgeht, ist es Nacht. Diese Bemerkung ist nicht einfach auf die Tageszeit zu beziehen, denn wir wissen ja, dass es sich um ein Abendmahl handelt. Das heißt, es muss schon dunkel sein, als sie mit dem Mahl fertig sind. Es geht vielmehr um die seelische Nacht des abgefallenen Apostels. Seine Seele gehört dem Satan, der die Nacht ist. Jesus dagegen ist der Messias, der aus dem Osten aufsteigt und somit die Sonne der Gerechtigkeit ist, die Morgenröte.
Als Judas weg ist, spricht Jesus von seiner Verherrlichung durch den Vater. Er spricht davon, weil sie unmittelbar bevorsteht und Jesus ja schon längst verherrlicht ist. Diese Verherrlichung ist nur verborgen und wird an Ostern offenbar – aber selbst da ist es noch nicht die vollkommene Offenbarung seiner Herrlichkeit. Diese wird erst am Ende der Zeiten mit seiner Rückkehr vonstatten gehen.
„Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Ihr werdet mich suchen, und was ich den Juden gesagt habe, sage ich jetzt auch euch: Wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht gelangen.“ Jesus will seine Apostel schon für seinen Tod sensibilisieren. Mit seinem Tod wird seine Seele von der irdischen Welt gehen und deshalb können seine Jünger ihm dorthin nicht folgen, zumindest noch nicht. Petrus fragt nach (Vers 36) und Jesus wird ihm ankündigen, dass er diesen Weg später auch gehen wird (wenn er nämlich stirbt. Petrus lässt aber nicht locker, denn er ist immer ganz schnell im Sprechen und nimmt auch manchmal den Mund zu voll in seiner Selbstüberschätzung. Er sagt sogar, dass er Jesus sein Leben hingeben will. An sich sind das sehr lobenswerte Worte, doch Jesus sieht, dass es anders kommen wird. So sagt er ihm unverblümt ins Gesicht: „Amen, amen, ich sage dir: Noch ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“ Jesus tut es, um Petrus aus seiner Selbstüberschätzung herauszuholen. Petrus braucht das, um demütig zu werden und seine eigene Erlösungsbedürftigkeit zu erkennen. Dies fiel ihm schon bei der Fußwaschung schwer, weil sein Hochmut ihn daran hindert. Er braucht einen Fall, um vom hohen Ross herunter zu kommen. So wird passieren, was Jesus ihm vorhergesagt hat. Petrus wird es auch sofort erkennen und bitterlich weinen – nicht nur in dieser Situation, sondern sein ganzes restliches Leben lang. Er wird es von Herzen bereuen und endlich realisieren, wie er wirklich ist. Und dann wird er demütigen Herzens wirklich sein Leben für Jesus hingeben. Er wird sogar wie Jesus gekreuzigt werden, sogar kopfüber.

Jesus ist das Herz so sehr gebrochen worden. Er musste so viele Verrate erleiden und wird sich bis zum Kreuz im Stich gelassen gefühlt haben. Aber auch dies ist Bestandteil seiner Sühne. Jesus sühnt auch für die Sünde des Verrats. Er erlöst uns von den Hinterhalten unserer eigenen Freunde. Er erlöst die Sünde aller Brutusse bis in die heutige Zeit. All das musste geschehen, aber schmerzhaft ist es trotzdem, sowohl für Jesus als auch für uns, die wir es nachempfinden. Jesus hat heute im Abendmahlssaal wirklich mithilfe des Wortes Gottes, das ein scharfes Schwert ist, die verborgenen bösen Pläne des Judas aufgedeckt – nämlich mithilfe von Psalm 41. Er hat allerdings falsch reagiert, nämlich wie die Pharisäer und Schriftgelehrten lieber an dem Bösen festgehalten.

Denken wir heute darüber nach, wo wir zu Judas und wo wir zu Petrus werden in unserem Alltag. Wann verraten wir Jesus? Versuchen wir dann so zu reagieren wie Petrus, der bereut und die Barmherzigkeit Gottes angenommen hat. Werden wir nicht so wie Judas, der die Barmherzigkeit abgelehnt und stur an der Sünde festgehalten hat. Dies schadet unserer Seele auf ewig. Seien wir Petrus und sehen wir unsere Sünde im Nachhinein als Herabsteigen vom hohen Ross zu einem Wachsen in Demut!

Ihre Magstrauss

Apostel Matthias (Fest)

Apg 1,15-17.20ac-26; Ps 113,1-2.3-4.5au. 6-7; Joh 15,9-17

Heute feiern wir ein Fest wie jedesmal, wenn der Gedenktag eines Apostels ist. Heute feiern wir dabei einen Nachzügler, den Plan B Gottes, als einer der zwölf Apostel sich gegen Gott entschieden hat. Es ist Matthias, auf den das Los fiel. Wie es dazu kam, lesen wir heute in der ersten Lesung:

Apg 1
15 In diesen Tagen erhob sich Petrus im Kreis der Brüder – etwa hundertzwanzig waren zusammengekommen – und sagte: 

16 Brüder! Es musste sich das Schriftwort erfüllen, das der Heilige Geist durch den Mund Davids im Voraus über Judas gesprochen hat. Judas wurde zum Anführer derer, die Jesus gefangen nahmen. 
17 Er wurde zu uns gezählt und hatte Anteil am gleichen Dienst. 
20 Denn es steht im Buch der Psalmen: Sein Amt soll ein anderer erhalten!
21 Es ist also nötig, dass einer von den Männern, die mit uns die ganze Zeit zusammen waren, als Jesus, der Herr, bei uns ein und aus ging, 
22 angefangen von der Taufe durch Johannes bis zu dem Tag, an dem er von uns ging und in den Himmel aufgenommen wurde – einer von diesen muss nun zusammen mit uns Zeuge seiner Auferstehung sein. 
23 Und sie stellten zwei Männer auf: Josef, genannt Barsabbas, mit dem Beinamen Justus, und Matthias. 
24 Dann beteten sie: Du, Herr, kennst die Herzen aller; zeige, wen von diesen beiden du erwählt hast, 
25 diesen Dienst und dieses Apostelamt zu übernehmen! Denn Judas hat es verlassen und ist an den Ort gegangen, der ihm bestimmt war. 
26 Sie warfen das Los über sie; das Los fiel auf Matthias und er wurde den elf Aposteln zugezählt.

Petrus spricht vor dem ganzen „Kreis der Brüder“, es ist die Versammlung der Jünger, also nicht nur der Zwölferkreis. Wir lesen in den Versen vor unserem Ausschnitt auch davon, dass Maria, die Mutter Jesu, und die anderen Frauen anwesend sind. Petrus ist der Apostel, den Jesus auf besondere Weise berufen hat – wir hörten davon am Samstag. Und deshalb ist er es, der die ganze Prozedur nun in die Hand nimmt:
Er beginnt seine Worte mit dem Hinweis auf ein erfülltes Schriftwort, man muss genauer sagen, zweier Psalmworte: Ps 69,26 „Ihr Lagerplatz soll veröden, in ihren Zelten soll niemand mehr wohnen“ (Dieses Schriftwort wird in der heutigen Lesung jedoch ausgelassen). Zudem erfüllt sich Ps 109,8 „Nur gering noch sei die Zahl seiner Tage, sein Amt erhalte ein anderer.“ Das ist ganz typisch und ein Spiegel des Verständnisses auch der neutestamentlichen Autoren. Sie haben ebenso das ganze Leben Jesu und ihre kirchliche Situation von den Verheißungen der Hl. Schrift (damals war es noch das AT!) her betrachtet. Sie haben immer wieder Erfüllungen dieser Verheißungen erkannt. Petrus tut es deshalb an der Stelle mit den beiden Psalmworten. Es ist auch typisch und absolut im Sinne Jesu, unterschiedliche Schriftstellen des AT miteinander zu kombinieren. So tat es Jesus bei dem Doppelgebot der Liebe (er verband Levitikus und Deuteronomium) und so ist es auch bei den Lobgesängen wie dem Magnificat Mariens (eine Zusammenstellung verschiedenster Schriftstellen, v.a. aus den Psalmen).
Der Zwölferkreis ist der innerste Kreis um Jesus. Er bestand aus Männern, die ununterbrochen und von Anfang an mit Jesus zusammen waren. Da durch den Verrat und Selbstmord des Judas Iskariot nun ein Platz frei geworden ist, aber belegt sein soll, erklärt Petrus die Bedingungen für den Nachfolger: Die Person muss aus dem Jüngerkreis Jesu kommen und von Anfang an mit dabei, immer bei Jesus gewesen sein. Das hat auch einen ganz bestimmten Grund: Die Aposteln sind in erster Linie Augenzeugen. Sie werden nach dem Pfingstereignis in die ganze Welt hinausziehen, um alle Worte und Taten Jesu mit ihrem eigenen Augen- und Ohrenzeugnis zu verbreiten. Dabei muss der Nachfolger alles bezeugt haben, auch die Auferstehung und die Himmelfahrt Jesu. Gerade das Osterereignis ist ja entscheidend für den christlichen Glauben und somit absolut existenziell für die Evangelisierung.
Dass auch der dreizehnte Apostel ein Mann sein soll, ist selbstverständlich und kein Ausdruck von Diskriminierung. Die Aposteln sind nämlich nicht nur Augenzeugen, sondern die umfassenden Nachfolger Christi, die so wie er mit ihrem Leben und ihrer ganzen Natur die Bräutigamhaftigkeit Christi nachahmen sollen, um so den Partner der Braut abzubilden.
Wir erfahren nichts davon, warum ausgerechnet Josef Barsabbas und Matthias in die engere Auswahl kommen. Was wir aber sagen können: Gottes Finger sind im Spiel. Er wird diese Versammlung schon wie ein erstes Konklave mit seinem Geist erfüllt haben, sodass die Anwesenden von seinem Geist geleitet eine Entscheidung getroffen haben.
Dass sie sich für diesen Geist auch schon geöffnet haben, sehen wir an ihrem Gebet: „Du, Herr, kennst die Herzen aller; zeige, wen von diesen beiden du erwählt hast, diesen Dienst und dieses Apostelamt zu übernehmen!“ Die Versammlung überlässt die Entscheidung also Gott. So sollte es sein. Es ist seine Kirche, seine Braut. Er soll sie gestalten und nach seinem Willen formen. Das gilt auch bis heute. Wer welche Aufgabe in der Kirche erfüllt, sollte Gott entscheiden, der den Menschen seinen Willen durch den Hl. Geist kundtut. Für diesen muss die Kirche sich aber öffnen, sonst hat er keinen Raum. Auch hier gilt wie für die Seele des Menschen der freie Wille und die Entscheidung für Gott. Der Geist Gottes erfüllt den Menschen, wo dieser ihn einlädt. Umgekehrt sehen wir aber auch, dass Gottes Geist nicht automatisch dort hinkommt, wo wir ihn einladen: Der Stiftungswille Christi ist entscheidend. Wenn wir jetzt z.B. den Geist Gottes bei einer Frauenweihe herabrufen würden (also unseren freien Willen damit kundtun), dann kommt er nicht. Frauenweihen sind nicht Christi Stiftungswille für seine Braut, die Kirche.
Sie werfen das Los, denn bei dieser Methode kann man als Mensch nichts beeinflussen. So soll Gott das Los dem zuteilen, der für ihn als der geeignete Kandidat angesehen wird. Matthias wird auserwählt und so zum Nachfolger des Judas.
Wenn die Aposteln vor der Wahl beten und in einem Nebensatz das weitere Geschick des Judas erwähnen, müssen wir das richtig verstehen: „Er ist jetzt an dem Ort, der ihm bestimmt war.“ Diese Übersetzung ist ganz irreführend, denn kein Mensch ist für einen Ort schon bestimmt im Sinne einer Prädestination. Diese widerspricht dem freien Willen des Menschen. Protestanten vertreten eine Prädestination, sogar im doppelten Sinne (so die Calvinisten). Der Mensch kann also nicht nur für den Himmel vorherbestimmt sein, sondern sogar für die Hölle bzw. von Anfang an von Gott verworfen sein!
Das soll hier aber nicht ausgesagt werden und geht sprachlich aus dem Text auch nicht hervor: Es meint, dass Judas „an den eigenen Ort“ gegangen ist (εἰς τὸν τόπον τὸν ἴδιον eis ton topon ton idion). Es wird an dieser Stelle in der Apostelgeschichte also offen gelassen. Er ist an den Ort gekommen, zu dem er gehört.
Gottes Vorsehung ist es, die einen Nachfolger für Judas Iskariot ausgewählt hat. Und dieser Mensch hat in seinem Leben so viel Gutes bewirkt. Auch unser eigenes Leben wird maximal fruchtbar da, wo wir nicht selbst alles mit unserem engstirnigen, begrenzten Blick entscheiden. Wenn wir auf Gottes Vorsehung vertrauen und nach dieser in unserem Alltag Ausschau halten, werden wir immer wieder geleitet und bei Fehltritten eines Besseren belehrt. Mit Gottes Geist im Teamwork werden wir ein glückliches und erfülltes Leben haben. Und am Sonntag wurden wir ja daran erinnert, dass unsere Seelen die Tempel des Hl. Geistes sind. Es ist also kein weiter Weg, den wir zum Geist Gottes zurücklegen. Wir müssen nur in uns gehen und auf ihn hören. Er wird uns alles eingeben, was wir zu den richtigen Entscheidungen brauchen.

Ps 113
1 Halleluja! Lobt, ihr Knechte des HERRN, lobt den Namen des HERRN! 

2 Der Name des HERRN sei gepriesen von nun an bis in Ewigkeit. 
3 Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang sei gelobt der Name des HERRN. 
4 Erhaben ist der HERR über alle Völker, über den Himmeln ist seine Herrlichkeit. 
5 Wer ist wie der HERR, unser Gott, der wohnt in der Höhe, 
6 der hinabschaut in die Tiefe, auf Himmel und Erde? 
7 Den Geringen richtet er auf aus dem Staub, aus dem Schmutz erhebt er den Armen,

Wir beten heute wieder aus dem Psalm 113, einem Lobpreispsalm. Er ist eine wunderbare Antwort auf das Ereignis der Lesung. Wir können uns wunderbar vorstellen, wie die versammelten Jünger zusammen Gott mit diesem Psalm lobpreisen, nachdem sie Matthias zum Nachfolger eingesetzt haben.
„Halleluja“ ist dabei die kürzeste Aufforderung zum Lobpreis („Preist Jahwe“). Und direkt im Anschluss erfolgt eine weitere Lobpreisaufforderung („Lobt, ihr Knechte des HERRN, lobt den Namen des HERRN!“). Denken wir an die Lesung, können wir uns richtig gut vorstellen, dass mit „Knechte des HERRN“ die versammelte Jüngerschar gemeint ist. Es klingt sehr liturgisch und passt in den Kontext des heutigen Festes. Das heißt auch wir haben Grund zum Lobpreis und werden als „Knechte des HERRN“ aufgefordert als Dank für die wunderbare Vorsehung Gottes. Hätte Gott uns nicht den Apostel Matthias geschenkt, wären wir um einen gnadenhaften Ort weniger beschenkt – Trier. Wie viele Pilgerströme sind schon damals im Mittelalter zu seinem Grab nach Trier geströmt, auch heute reißen die Ströme nicht ab. Mit ihm haben wir einen großen Heiligen und Fürsprecher in vielen Lebenslagen.
„Der Name des HERRN sei gepriesen von nun an bis in Ewigkeit“ ist eine Wendung, die die Kirche übernommen hat, nämlich als Teil des sogenannten apostolischen Segens (der Herr sei mit euch…der Name des Herrn sei gepriesen….unsere Hilfe ist im Namen des Herrn….). Diesen dürfen die Nachfolger der Apostel beten und auf besondere Weise der Papst als Nachfolger Petri. Mit diesem apostolischen Segen sind unter anderem Ablässe verbunden. Es ist ein schönes Zeichen, dass wir ausgerechnet heute, wo der Zwölferkreis der Apostel sich wieder schließt, diesen Vers beten.
„Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang“ bezieht sich einerseits auf die Zeit: Vom Morgen bis zum Abend, also den ganzen Tag, soll der Lobpreis Gottes erfolgen. Vor Tagen reflektierten wir die Haltung im gesamten Leben, alles als Gebet/Lobpreis zu sehen, damit man die guten Taten Gottes nie vergisst. Dies wird auch durch diese Wendung herausgestellt. Sie kann aber auch geographisch verstanden werden, denn mit Aufgang und Untergang werden die Himmelsrichtungen des Ostens und Westens umschrieben. So soll also der ganze Erdkreis Gott loben und preisen. Dadurch, dass man „sei gelobt“ als Partizip übersetzen kann, ist es zeitlos. Gottes Name soll dauerhaft gepriesen werden und zu allen Zeiten. Das sehen wir konkret jetzt an unserer Situation. Es wurde zu Davids Zeiten schon gebetet, es wurde von den Aposteln und Jüngern Jesu gebetet, von Jesus selbst! Und nun ist es Teil unserer heutigen Liturgie 2000 Jahre später! Und auch die zukünftigen Generationen werden den Namen Gottes loben und preisen. Es ist, als ob die grammatikalische Zeitlosigkeit des Verbs und des Verses so zur Andeutung der Ewigkeit wird. Denn dann wird es einen ewigen und umfassenden Lobpreis ohne Ende geben.
Gott ist erhaben über alle Völker, dies sehen wir an Jesus, der der König der Könige ist. Gott ist stärker als alle weltlichen Herrscher zusammen. Er muss nur einmal „schnipsen“ und die Herrschaft aller fällt wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Gott ist auch höher als wir, die wir die Herrscher über unser eigenes Leben sind. Er ist der eigentliche Herr über unser Leben und weiß, was wir brauchen. Er bestimmt den Anfang und das Ende. Er beschenkt uns und begnadet uns. Er sieht das ganze Leben im Überblick, was wir nicht können. Und er sieht unsere Potenziale, die wir nicht einmal erahnen.
„Über den Himmeln ist seine Herrlichkeit“ bezieht sich auf die Himmel, die wir sehen können. Gottes Reich ist noch „über den Himmeln“ und somit ganz anders. Er ist der Transzendente. Gott ist Geist. Sein Reich ist nicht von dieser Welt. Er ist nicht greifbar.
Er steht über der gesamten Schöpfung, zu der Himmel und Erde zugleich gehören (Gen 1,1). Deshalb schaut er sogar auf den Himmel herab, der für uns so hoch oben ist. Gott ist so unvergleichlich, dass hier im Psalm die rhetorische Frage gestellt wird „wer ist wie der Herr?“ Keiner ist wie er. Er ist als Schöpfer ganz anders als alles, was wir in dieser Welt erfahren. Und doch erahnen wir ihn, wenn wir den Menschen ansehen – in seinen guten Eigenschaften. Denn schon die Genesis mit ihrem ersten Schöpfungsbericht bezeugt uns den Menschen als Abbild Gottes.
Und doch ist er kein weit entfernter Gott, der sich nicht um seine Schöpfung kümmert. Das ist das Missverständnis eines deistischen Gottesbildes, das die Aufklärer vertreten haben und bis heute freimaurerisches Gedankengut ist. Gott, der am höchsten von allen steht, schaut auf die, die am tiefsten Boden liegen. Er richtet sie auf und erhebt sie aus dem Staub. So groß ist Gottes Liebe und Barmherzigkeit. Seine Allmacht schließt nicht das Interesse für den Kleinsten der Kleinen aus. Im Gegenteil. Gottes Option ist immer eine Option für die Armen jeglicher Form – arm im Geiste, finanziell arm, sozial arm.

Joh 15
9 Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! 

10 Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. 
11 Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird. 
12 Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe. 
13 Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. 
14 Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. 
15 Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. 
16 Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. 
17 Dies trage ich euch auf, dass ihr einander liebt. 

Den heutigen Abschnitt aus dem Johannesevangelium entnehmen wir der langen Abschiedsrede Jesu. Diese ist insofern heute passend, als Jesus seinen Jüngern wichtige Gedanken als Testament mitgibt.
„Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt.“ Es geht immer um das zuerst Geliebtsein. Jesus ist zuerst vom Vater geliebt und liebt aus dieser Liebe heraus seine Apostel. Diese sollen aus dem zuerst Geliebtsein durch Christus wiederum lieben, einander und die Menschen, zu denen sie dann später gesandt werden. Jesus hat ihnen gezeigt, wie Liebe funktioniert – wie das maßlose Maß an Hingabe konkret aussieht. Jesus weiß, dass er bald von ihnen gehen muss. Deshalb ruft er sie dazu auf, in seiner Liebe zu bleiben.
Dann erklärt er, was das konkret heißt: Es geht darum, den Willen Gottes zu tun. So wie Jesus den Aposteln seinen Gehorsam gegenüber den Vater vorgelebt hat, so sollen die Aposteln im Gehorsam gegenüber Jesus Christus leben. Die Gebote Gottes zu halten ist dabei der Ausdruck ihrer Liebe. Und wenn man die Gebote Gottes hält, bleibt man in seiner Liebe. Wir denken an die moralische Bedeutung dieser Worte: In Gottes Liebe bleiben ist dann das Bleiben im Stand der Gnade.
Das Bleiben in Gottes Liebe/im Stand der Gnade ist es, was den Menschen mit Freude erfüllt. Freude wiederum ist eine Frucht des Hl. Geistes. Wer also in seinem Leben froh sein möchte, muss alles tun, um in der Liebe Gottes zu bleiben. Sie ist wie Licht und Wasser für die Pflanze. Ohne beides geht sie ein.
Jesus gebietet seinen Jüngern, einander zu lieben. So bleiben sie in Gottes Liebe. Das Doppelgebot der Liebe ist der rote Faden aller Gebote Gottes, die sie zu halten haben.
Jesus erklärt auch genauer, wie die gegenseitige Liebe konkret aussieht: Es geht um die gegenseitige Hingabe bis hin zum eigenen Leben. Wir sollen füreinander sterben, so wie die Jünger damals. Wenn wir den anderen retten können durch unseren eigenen Tod, sterben wir füreinander, aber auch wenn wir immer mehr ein Stück selbst absterben, das heißt unser Ego, unsere Lebenszeit, unsere Kraft und unser eigener Wille. Wenn wir all diese Güter für den anderen hingeben, dann ist das unser Ausdruck von Liebe. Es geht um das Verschenken des eigenen Lebens.
Auch dies hat Jesus absolut vorgelebt, indem er für uns alle Menschen, die er zu seinen Freunden machen möchte, am Kreuz gestorben ist. Er hat unser aller Leben gerettet, denn durch seine Erlösung haben wir wieder eine Chance auf den Himmel.
Freunde Gottes werden wir dadurch, dass wir Gottes Gebote halten. Mit der Taufe sind wir zu seiner Familie geworden, aber dies zieht auch ein Leben nach den Geboten Gottes nach sich.
Freunde haben es an sich, dass sie keine Geheimnisse voreinander haben. Jesus hat seine Jünger nicht im Dunkeln gelassen, sondern alles offenbart, auch wenn sie noch nicht alles verstanden haben. Für den Rest kündigte Jesus ihnen den Hl. Geist an, der sie in alle Wahrheit einführen würde – nichts Neues, sondern das bessere Verständnis seiner vollständigen Offenbarung.
Wir sind Erwählte durch die Taufe. Erwählt heißt aber nicht vorherbestimmt im Sinne einer Prädestination, die man von der Lesung her missverstehen könnte (die Übersetzung ist einfach ungünstig). Wir sind zur Liebe berufen, weil wir zuerst geliebt sind. Dies drückt Jesus nun mit dem Begriff der Erwählung aus. Das sagt er auch uns heute: Nicht wir haben uns für ihn entschieden (doch, aber nicht zuerst). Er hat sich zuerst für uns entschieden und alles, was wir tun und lassen, ist eine Reaktion darauf.
Gott hat uns dazu berufen, fruchtbar zu sein. So wie er bei der ersten Schöpfung einen Bund mit Adam und Eva geschlossen und sie zur Fruchtbarkeit berufen hat, so werden auch wir, die wir Teil der neuen Schöpfung sind und mit Gott den neuen Bund schließen, zur Fruchtbarkeit berufen. Diese ist nun nicht mehr nur biologisch zu verstehen, sondern vom neuen Bund her geistig. Die Aposteln haben sich biologisch freiwillig zur Unfruchtbarkeit entschieden, als sie Jesus nachgefolgt sind. Sie haben ihre Familien zurückgelassen und keine Kinder mehr gezeugt, weil sie ihre Fruchtbarkeit auf die geistige Ebene verlagert haben. Dies meint Jesus hier. Die Fruchtbarkeit ist mit der Mission zu verbinden, die die Aposteln weltweit vorgenommen haben. Auch der Apostel Matthias hat missionarisch gewirkt und viele Kinder für Gott „gezeugt“, Kinder des neuen Bundes, der neuen geistigen Schöpfung!
Fruchtbar sein ist auch auf die moralische Ebene zu beziehen: Wir sollen fruchtbar sein durch das Halten der Gebote. So können wir verbunden mit Gott wie die Rebe am Weinstock alles vollbringen. Wenn wir die Gebote halten, dann sind wir im Stand der Gnade und können in diesem Zustand alles von Gott erbitten. Wenn es sein Wille ist, wird er unsere Bitten erfüllen.
Jesus schließt das heutige Evangelium mit der wiederholten Aufforderung zur Nächstenliebe. Diese werden sie nicht nur untereinander ausüben, sondern auch an all den Menschen, denen sie ihre Lebenszeit, Kraft und jegliche andere Ressourcen schenken werden bei all den Missionsreisen. Sie haben sich wahrhaft verschenkt – außer Johannes der Evangelist haben alle den Märtyrertod erlitten und so ihr Leben ganz verschenkt. Deshalb preisen wir sie heute selig, die sie bei Gott am Thron sein dürfen. Dies schaut der Seher Johannes in der großen Thronsaalvision in der Johannesoffenbarung (Offb 4-5).

Bleiben auch wir in Gottes Liebe und haben wir keine Angst, unser Leben an andere zu verschenken. Wie die Apostel schenken wir damit nämlich unser Leben Gott. Wir werden es in unendlich großem Maße zurückbekommen, wenn Gott uns am Ende unseres Lebens mit dem Siegeskranz ausstatten wird.
Heiliger Matthias, bitte für uns!

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 4. Woche im Jahreskreis

1 Kön 2, 1-4.10-12; 1 Chr 29, 10b-11a.11b-12a.12b-13; Mk 6, 7-13

1 Kön 2
1 Als die Zeit herankam, da David sterben sollte, ermahnte er seinen Sohn Salomo: 

2 Ich gehe nun den Weg alles Irdischen. Sei also stark und mannhaft!
3 Erfüll deine Pflicht gegen den HERRN, deinen Gott: Geh auf seinen Wegen und bewahre alle seine Satzungen, Gebote, Rechtsentscheide und Bundeszeugnisse, die in der Weisung des Mose niedergeschrieben sind! Dann wirst du Erfolg haben bei allem, was du tust, und überall, wohin du dich wendest. 
4 Und der HERR wird sein Wort wahr machen, das er mir gegeben hat, als er sagte: Wenn deine Söhne auf ihren Weg achten und aufrichtig mit ganzem Herzen und ganzer Seele vor mir leben, wird es dir nie an Nachkommen auf dem Thron Israels fehlen.
10 David entschlief zu seinen Vätern und wurde in der Davidstadt begraben.
11 Die Zeit, in der David über Israel König war, betrug vierzig Jahre. In Hebron regierte er sieben und in Jerusalem dreiunddreißig Jahre. 
12 Salomo saß nun auf dem Thron seines Vaters David und seine Herrschaft festigte sich mehr und mehr.

Heute hören wir von den letzten Worten König Davids vor seinem Tod, die er seinem Thronfolger Salomo mit auf den Weg geben möchte. Als aufmerksame Hörer der Tageslesungen in der Liturgie werden wir uns jetzt fragen: „Huch? Wann ist es denn geschildert worden, dass Salomo sein Nachfolger wird?“ Diese Dinge sind im vorangegangenen Kapitel nachzulesen, das in der Leseordnung ausgelassen worden ist. Diese fasse ich im Folgenden zusammen: David ist mittlerweile hochbetagt und seine Lebenskraft weicht immer mehr von ihm. Wir erfahren davon, dass seine Körperwärme durch Decken nicht mehr kontrolliert werden kann. Er erhält ein unberührtes Mädchen als Pflegerin, Abischag aus Schunem, die ihn mit ihrer Körperwärme wärmen soll. Diese Aktion ist eine Unschuldige. David wird mit ihr nicht intim. Während er sich also dem Tod nähert, nutzt der Bruder des verstorbenen Abschalom namens Adonija die Chance, den Königsthron an sich zu reißen. Er bringt ein Opfer dar und lädt alle seine Brüder ein außer Salomo. Er weiß offensichtlich, dass Salomo der rechtmäßige Nachfolger sein soll. Er lädt auch den Priester Zadok sowie den Propheten Natan nicht ein, von dem er genau weiß, dass dieser ihm von Gott kein gutes Urteil geben würde. Adonija weiß also im Inneren, dass die ganze Aktion illegitim ist, weil er gegen Gott handelt. Im Buch der Chroniken werden noch weitere Informationen darüber gegeben, dass die Nachfolge Salomos in der Öffentlichkeit verkündet wird. Natan geht daraufhin zu Batseba, der Mutter Salomos (genau, das ist die Frau, mit der David den Ehebruch begangen hat! Salomo ist aber nicht das uneheliche Kind, denn dieses starb ja. Er ist ein weiteres Kind der beiden mittlerweile Verheirateten). Gemeinsam mit Batseba spricht er vor dem König aus, dass er ja Salomo als rechtmäßigen Nachfolger durch einen Schwur bestimmt hat und stattdessen sein Bruder Adonija die Macht an sich gerissen hat. Das Tragische ist auch, dass dieser unter anderem den Heerführer Joab eingeladen hat und ebenso Abjatar, also zwei Vertraute König Davids. Das ist ein Verrat am gealterten König.
König David, der nun zum ersten Mal überhaupt davon erfährt, zögert nicht. Er befiehlt die sofortige Inthronisation Salomos und die offizielle Salbung durch den Propheten Natan. Salomo soll auf Davids Maultier geritten kommen und die ganze Aktion wird im Gegensatz zum Adonija-Putsch eine hochoffizielle darstellen. Er wird sich auf den Thron Davids setzen und die engsten Vertrauten Davids, die auch die Berechtigung haben, werden Salomo zum König ausrufen. Es wird alles so umgesetzt und die Gesellschaft um Adonija löst sich panisch auf. Adonija selbst bekommt Angst vor Salomo, der nun ein von Gott Gesalbter ist, und ergreift die Hörner des Altars. Salomo zeigt als erste Amtshandlung seine Barmherzigkeit gegenüber dem Bruder und lässt ihn am Leben. Damit zeigt er, dass er im Geiste seines Vaters regieren wird.
Was wir heute lesen, ist sozusagen das Testament Davids, das er seinem Thronfolger hinterlässt.
„Ich gehe nun den Weg alles Irdischen“ meint, dass er sterben wird, so wie alles Irdische einmal sterben muss.
„Sei also stark und mannhaft!“ ist ungünstig übersetzt. Es handelt sich bei beiden Bestandteilen um Vergangenheitsformen. Die Aussage ist also eigentlich eine andere: „Du warst stark und bist zu einem Mann geworden.“ Er möchte damit seinem Sohn verdeutlichen, dass er in der schwierigen Situation gestärkt worden ist und gereift, zu einem Mann geworden ist. Er ist nun erwachsen und bereit, den Königsthron zu besteigen.
König David ermahnt seinen Sohn dazu, Gottes Gebote zu halten und in allem immer Gottes Willen zu befolgen. Er erinnert ihn an das Versprechen, das Gott ihm unter dieser Voraussetzung gemacht hat: (…) „wird es dir nie an Nachkommen auf dem Thron Israels fehlen.“ Gottes Segen wird auf Salomo ruhen, wenn er die Gottesfurcht und Frömmigkeit seines Vaters übernimmt.
David stirbt daraufhin und wird bei seinen Vätern begraben. Das ist immer der letzte Wille und ein erstrebenswertes Ziel für die Juden – bei den Vätern begraben zu werden. Er wird in Bethlehem beerdigt, was mit „Davidsstadt“ gemeint ist. Sein Vater Isai ist dort zuvor begraben worden.
Es wird noch einmal erwähnt, dass er insgesamt 40 Jahre regiert hat, davon 33 Jahre in Jerusalem und 7 Jahre in Hebron.
Es heißt zum Schluss, dass Salomos Herrschaft sich immer mehr festigte. Wir werden im weiteren Verlauf davon hören, wie groß seine Herrschaft sein und wie weise er in allem entscheiden wird.

1 Chr 29
10 Gepriesen bist du, HERR, Gott unseres Vaters Israel, von Ewigkeit zu Ewigkeit. 

11 Dein, HERR, sind Größe und Kraft, Ruhm und Glanz und Hoheit; dein ist alles im Himmel und auf Erden. HERR, dein ist das Königtum. Du erhebst dich als Haupt über alles. 
12 Reichtum und Ehre kommen von dir; du bist der Herrscher über das All. In deiner Hand liegen Kraft und Stärke; es steht in deiner Hand, alles groß und stark zu machen.
13 Darum danken wir dir, unser Gott, und rühmen deinen herrlichen Namen.

Was wir heute statt des Antwortpsalms beten, ist ein Loblied Davids, das uns das erste Buch der Chroniken überliefert. Es ist die Reaktion Davids auf die Großzügigkeit der Israeliten bei der Spende für den Tempelbau. Er betet „gepriesen bist du, HERR, Gott unseres Vaters Israel, von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ Es ist ein festes Gebetsformular, das in vielen Lobpreisungen verwendet wird. Gerade die abschließende Wendung מֵעֹולָ֖ם וְעַד־עֹולָֽם ma’olam ve’ad-olam oder die sonst auch verwendete Kurzform „ad olam“., die sogenannte „Ewigkeitsformel“ ist fester Bestandteil jüdischer Gebete. Es wird auch im NT aufgegriffen mit den Worten εἰς τοὺς αἰώνας τῶν αἰώνων eis tous aionas ton aionon und in lateinischer Form in saecula saeculorum.
Gott werden mehrere Prädikate zugeschrieben, die auch im NT in hymnenartigen Preisliedern verwendet werden. Es sind teilweise dieselben Begriffe, wenn man diesen Lobpreis im griechischen AT liest. Insbesondere die Begriffe der δύναμις dynamis für „Macht“ und ἰσχύς ischys für „Stärke“ sind gängige Gottesprädikate im Lobpreis. David preist Gottes Allmacht und Größe. David schreibt ihm alles zu („dein ist alles im Himmel und auf Erden“), denn er ist „Herrscher über das All.“ Dies verdient „Reichtum und Ehre“ (im Griechischen ὁ πλοῦτος καὶ ἡ δόξα), was wiederum typische Gottesbegriffe sind, die das NT übernimmt. Was David hier betet, können wir zu 100 Prozent übernehmen. Gott ist immer derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Ob also ein israelitischer König um das Jahr 1000 v.Chr. so betet oder wir im Jahre 2020, spielt keine Rolle.
Wir sollten auch das nächste nie vergessen: Alles liegt in Gottes Hand. Wir können tun und machen, so viel wir wollen. Letztendlich können wir nicht gegen Gott angehen. Er ist es, der Segen bringen kann und durch den uns alles gelingt. Dafür sei er immer gelobt und gepriesen, auch von uns heute, auch in schwierigen Situationen. Denn er trägt uns immer, wirklich immer durch alles hindurch. Er macht immer alles gut.

Mk 6
7 Er rief die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen Vollmacht über die unreinen Geister

8 und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, 
9 kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen. 
10 Und er sagte zu ihnen: Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst!
11 Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter und schüttelt den Staub von euren Füßen, ihnen zum Zeugnis. 
12 Und sie zogen aus und verkündeten die Umkehr. 
13 Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.

Heute sendet Jesus seinen Zwölferkreis zu zweit hinaus, weil die Evangelisierung so schneller vorangehen kann. Er tut es aber nicht nur aus pragmatischen Gründen. Das ist nie der Hauptgrund im Falle Jesu. Er möchte seine Jünger dafür sensibilisieren, dass sie nach seinem Tod, seiner Auferstehung und Himmelfahrt, nach der Geistsendung auf diese Weise das Reich Gottes bis an die Enden der Erde bringen sollen und dabei in seiner Vollmacht all die Heilstaten des Messias weiterführen werden. Es handelt sich also sozusagen um eine „Generalprobe“, die vorübergehend ist.
Jesus bevollmächtigt sie noch nicht zu allem, was dann später noch folgen wird, z.B. kommt die Sündenvergebung erst nach seiner Auferstehung. Er bevollmächtigt sie aber jetzt schon zum Exorzismus, was im Markusevangelium besonders hervorgehoben wird.
Wenn Jesus in Vers 8 seine Apostel dazu aufruft, nur einen Wanderstab mitzunehmen, möchte er damit vermitteln: Ihr sollt ganz auf die Vorsehung Gottes vertrauen. Euch soll es zuerst um das Reich Gottes gehen, alles Andere wird euch dazugegeben. Sie sollen deshalb kein Brot, keine Vorratstasche oder Geld mitnehmen. Sie sollen darauf vertrauen, dass Gott ihnen das alles durch andere Menschen geben wird. Dadurch vollziehen seine Apostel für die Menschen eine prophetische Zeichenhandlung. So wie Jesus alles, was er verkündet, auch an seinem Leben verdeutlicht, so sollen seine Nachfolger ebenfalls an ihrer Lebensführung das Verkündete lebendig werden lassen. So können die Menschen an ihrer Person das Gesagte ablesen und werden es als authentisch annehmen.
Sie sollen zudem in dem Haus bleiben, in das sie einkehren. Das soll heißen, dass sie nicht schauen sollen, wo es angenehmer ist. Sie sollen dankbar annehmen, was ihnen angeboten wird.
Wenn man sie an dem Ort aber nicht annimmt, also ihre Botschaft nicht annimmt, sollen sie diesen Ort verlassen und selbst den Staub abschütteln. Sie sollen nicht mehr zurückschauen oder sich an den Ort gebunden fühlen. Wenn man sie nicht möchte, sollen sie stattdessen dorthin gehen, wo das Evangelium angenommen wird. Dieses Abschütteln des Staubs hat noch eine andere Bedeutung, die uns heutzutage nicht mehr so vor Augen steht. Es war nämlich eine Geste der Gerichtsankündigung. Damit wird also ausgesagt: Ihr sollt das Richten Gott überlassen, der mit ihnen tun wird, wie er es für richtig hält. Ihr sollt nicht verurteilen, sondern es Gott überlassen. Nehmt den Segen mit zu jenen, die ihn annehmen.
Die Aposteln ziehen umher, verkünden die Umkehr so wie Jesus und tun, wozu Jesus sie bevollmächtigt hat – exorzieren und salben. Diese Salbung ist ein Beleg für die sakramentale Krankensalbung. Dass es nicht die Krankenheilung als Charisma, als Gnadengabe meint, von der dann Paulus sprechen wird, sehen wir daran, dass es nur die Bevollmächtigten tun, die Apostel. Wir sehen es auch an der Verbindung der Heilung mit Salbung. Wenn ein Getaufter und Gefirmter, egal ob Laie oder Kleriker, die Gabe der Krankenheilung von Gott geschenkt bekommt, führt er oder sie diese nicht in Verbindung mit einer Salbung aus. Das ist Bestandteil eines Sakraments. Auch der Exorzismus ist ein besonders wirksamer, weil er eine Bevollmächtigung Christi ist. Deshalb gilt bis heute, dass die Befugten zum offiziellen Exorzismus (davon zu unterscheiden sind Befreiungsgebete, die jeder beten darf) die geweihten Bischöfe oder von ihnen bestellte Stellvertreter sind. Die Bischöfe sind nämlich die Nachfolger der Apostel.
Später werden wir davon hören, wie die Apostel zu Jesus zurückkehren und voller Freude und Aufregung davon berichten, was sie im Namen Jesu alles getan haben. Das war nur eine Probe, später werden sie es dauerhaft tun und auch bis heute tun es ihre Nachfolger, die Bischöfe. Wir sehen also, dass die Sakramente und Sakramentalien der Kirche biblisch belegt und apostolischen Ursprungs sind.

Heute geht es um Bevollmächtigung und Nachfolge. Dabei geht es um königliche und priesterliche Beauftragungen. Entscheidend ist dabei der Beistand Gottes, dessen Segen und Wohlwollen das Wirken jener Menschen verursacht. Es liegt wirklich alles in Gottes Hand, wie David heute im Buch der Chroniken betet. So ist es bei Salomo und bei den Aposteln, so ist es auch bei uns, die wir in seinem Namen dieses Leben bestreiten. Wenn wir dabei Gottes Segen haben, werden wir immer fruchtbar sein in unserem Tun.

Ihre Magstrauss

Freitag der 2. Woche im Jahreskreis

1 Sam 24,3-21; Ps 57,2.3-4.6 u. 11; Mk 3, 13-19

1 Sam 24
3 Da nahm Saul dreitausend Mann, ausgesuchte Leute aus ganz Israel, und zog aus, um David und seine Männer bei den Steinbock-Felsen zu suchen. 
4 Auf seinem Weg kam er zu einigen Schafhürden. Dort war eine Höhle. Saul ging hinein, um seine Notdurft zu verrichten. David aber und seine Männer saßen hinten in der Höhle. 
5 Da sagten die Männer zu David: Das ist der Tag, von dem der HERR zu dir gesagt hat: Sieh her, ich gebe deinen Feind in deine Hand und du kannst mit ihm machen, was dir richtig erscheint. Da stand David auf und schnitt heimlich einen Zipfel von Sauls Mantel ab. 
6 Hinterher aber schlug David das Gewissen, weil er einen Zipfel vom Mantel Sauls abgeschnitten hatte. 

7 Er sagte zu seinen Männern: Der HERR bewahre mich davor, meinem Gebieter, dem Gesalbten des HERRN, so etwas anzutun und Hand an ihn zu legen; denn er ist der Gesalbte des HERRN. 
8 Und David fuhr seine Leute mit scharfen Worten an und ließ nicht zu, dass sie sich an Saul vergriffen. Als Saul die Höhle verlassen hatte und seinen Weg fortsetzte, 
9 stand auch David auf, verließ die Höhle und rief Saul nach: Mein Herr und König! Als Saul sich umblickte, verneigte sich David bis zur Erde und warf sich nieder. 
10 Dann sagte David zu Saul: Warum hörst du auf die Worte von Leuten, die sagen: Gib Acht, David will dein Verderben.
11 Doch heute kannst du mit eigenen Augen sehen, dass der HERR dich heute in der Höhle in meine Hand gegeben hat. Man hat mir gesagt, ich solle dich töten; aber ich habe dich geschont. Ich sagte: Ich will nicht die Hand an meinen Herrn legen; denn er ist der Gesalbte des HERRN. 
12 Sieh her, mein Vater! Hier, der Zipfel deines Mantels ist in meiner Hand. Wenn ich einen Zipfel deines Mantels abgeschnitten und dich nicht getötet habe, dann kannst du erkennen und einsehen, dass ich weder Bosheit noch Aufruhr im Sinn habe und dass ich mich nicht gegen dich versündigt habe; du aber stellst mir nach, um mir das Leben zu nehmen. 
13 Der HERR soll zwischen mir und dir entscheiden. Der HERR soll mich an dir rächen; aber meine Hand wird dich nicht anrühren, 
14 wie das alte Sprichwort sagt: Von den Frevlern geht Frevel aus; aber meine Hand soll dich nicht anrühren. 

15 Hinter wem zieht der König von Israel her? Wem jagst du nach? Einem toten Hund, einem einzigen Floh! 
16 Der HERR soll unser Richter sein und zwischen mir und dir entscheiden. Er blicke her, er soll meinen Rechtsstreit führen und mir dir gegenüber Recht verschaffen. 
17 Als David das zu Saul gesagt hatte, antwortete Saul: Ist das nicht deine Stimme, mein Sohn David? Und Saul begann laut zu weinen 
18 und sagte zu David: Du bist gerechter als ich; denn du hast mir Gutes erwiesen, während ich böse an dir gehandelt habe. 
19 Du hast heute bewiesen, dass du gut an mir gehandelt hast; obwohl der HERR mich in deine Hand gegeben hatte, hast du mich nicht getötet. 
20 Wenn jemand auf seinen Feind trifft, lässt er ihn dann im Guten seinen Weg weiterziehen? Der HERR möge dir mit Gutem vergelten, was du mir heute getan hast! 
21 Jetzt weiß ich, dass du König werden wirst und dass das Königtum in deiner Hand Bestand haben wird.

Gestern hörten wir bereits von der Eifersucht Sauls, der Gottes Hand auf David immer mehr erahnt. Er möchte sogar so weit gehen, David grundlos umbringen zu lassen, doch sein Sohn kann ihn noch davon abbringen. Jonatan ist ein richtiger Freund, wie man ihn sich wünscht. Er bewahrt David vor einer ungerechten Ermordung. Es ist deshalb so ungerecht, weil David sich erstens nichts hat zu Schulden kommen lassen, zweitens Saul sogar einen großen Dienst erwiesen hat. Die Beziehung zwischen Saul und David wird auch heute noch einmal eskalieren und erinnert umso mehr an ein „Königsduell“ aus dem NT, über das wir gleich noch nachdenken werden – bleiben Sie dran!
Der Ausschnitt aus dem heutigen Kapitel erfolgt nach einigen weiteren Ereignissen, in denen z.B. von mehrfachen dämonischen Angriffen oder sogar von einer Besessenheit Sauls berichtet wird. Immer, wenn der Dämon Überhand gewinnt, versucht Saul David zu töten (z.B. mit Speeren oder indem er jemanden zum Mord beauftragt). Davids Frau Michal, die zugleich die Tochter Sauls ist, hilft ihm, zu entkommen. David versteckt sich dann z.B. bei Samuel im Prophetenhaus und gerät zusammen mit den Propheten in Ekstase. Der Geist Gottes kommt auch über die Boten, die Saul hinschickt und sogar über Saul selbst. Dann muss David sich tagelang auf einem Feld verstecken, dann flüchtet er ganz aus der Gegend. Insgesamt verliert er aber kein böses Wort über Saul und stellt diesen niemals bloß. Das spricht sehr für Davids Barmherzigkeit. Saul wird immer paranoider und lässt diejenigen töten, die in Davids Flucht involviert sind, so auch Priester und Propheten. David sammelt um sich mehrere hundert Männer und schafft es immer wieder, Saul zu entkommen. Und dann passiert etwas Skurriles. Es kommt so, dass Saul sich in eine ungeschützte Situation begibt, in der David ihn theoretisch umbringen kann: Er verrichtet seine Notdurft in einer Höhle, in der David sich versteckt hält. Doch er tut dies nicht, sondern schneidet nur einen Zipfel von Sauls Mantel ab. Warum beendet er die Misere nicht einfach? David weiß, dass Saul ein schlechter König ist und dass er für ihn eine große Bedrohung ist. Zugleich ist ihm aber auch bewusst, dass Saul ein von Gott gesalbter Mensch ist, also Gott geweiht. Er versteht, dass unabhängig davon, wie Saul lebt, er Gottes besonderes Eigentum ist, das David nicht antasten darf.
Das ist für uns ein ganz großes Zeugnis. Wie oft reden wir schlecht über Priester, Bischöfe oder den Papst und verhalten uns ihnen gegenüber respektlos. Dabei sind sie Gottes Augapfel, sein Eigentum. Sie sind geweiht, sie sind gesalbt mit dem Hl. Geist. Man muss dringend unterscheiden zwischen der unvergleichlichen Würde, die einem Geistlichen durch die Weihe zukommt, und seinen charakterlichen Schwächen, seinen Sünden und seinem unmoralischen Lebenswandel. Diese darf man und muss man gewiss kritisieren, darf davon ausgehend aber nicht auf seine Würde schließen, darf auch nicht das Verhalten gegenüber dem Geweihten davon abhängig machen. So oder so artet es in einen Klerikalismus aus, wenn wir beide Ebenen nicht sauber voneinander trennen – in einen negativen („Er ist ein Sünder, also sind die Sakramente bei ihm nicht gültig“) oder positiven Klerikalismus („Ich darf ihn nicht kritisieren und alles, was er sagt, ist unfehlbar“).
David ist der Inbegriff der Barmherzigkeit und Demut im Alten Testament. Er selbst ist ein Gesalbter Gottes und doch wirft er sich vor so einem großen Sünder wie Saul nieder. Er zeigt ihm den Zipfel des Mantels, um ihm zu beweisen, dass er keine Meuterei plant, dass er Saul nichts Böses möchte und ihn verschont, obwohl die Männer Davids ihn zum Töten auffordern. Ich habe die letzten Tage immer wieder erwähnt, dass David sehr „fortschrittlich“ ist in seiner Gottesbeziehung und in seiner Gotteserkenntnis. Heute sehen wir absolut typologisch zu Jesus, was Feindesliebe ist und wie sie die Spirale der Gewalt durchbricht. David verschont den, der ihn umbringen will, obwohl er selbst als absolut Unschuldiger verfolgt worden ist. Er wirft sich in den Staub vor seinem Erzfeind und nennt sich selbst einen Floh und einen toten Hund. Das berührt Saul. Das beendet die Fehde. Nur Liebe kann den Hass überwinden. Zorn gegen Zorn ist aber Öl ins Feuer.
In dieser Situation geht Saul sein eigenes Fehlverhalten auf und Davids Barmherzigkeit berührt ihn zutiefst. Er weint, weil er endlich bereut, was er getan hat. Er erkennt auch endlich, dass David im Gegensatz zu ihm ein würdiger Thronanwärter für das gesamtisraelitische Königtum ist.
Jesus wird zu uns sagen: Liebet eure Feinde, betet für die, die euch hassen. Er wird uns sogar auffordern, die andere Wange hinzuhalten usw. Nur so können wir den Hass in unserem Leben vertreiben. Das kostet viel Demut und Überwindung, denn wir sehen bei Jesus selbst, wie sich die Menschen in seinem Leiden und Tod über ihn lustig machen. Aber am Ende hat er die Welt verändert und etliche Herzen für sich gewonnen. Er hat seine Würde auf das himmlische Königtum absolut bewiesen so wie David seine Kompetenz für das irdische Königtum.
Wie geht es weiter? Saul vergisst die barmherzige Tat, die David ihm erwiesen hat, und verfolgt ihn weiterhin. David erhält erneut die Chance, Saul umzubringen, und verschont ihn wieder. Am Ende wird Saul sich in einer Schlacht gegen die Philister selbst umbringen, bevor er von seinen Gegnern besiegt werden kann. Sie schänden seinen Leichnam und treiben schlimmsten Götzendienst. Er findet leider ein schändliches Ende.
Die ganze tragische Geschichte Sauls und seiner Eifersucht gegenüber David erinnert sehr stark an Jesus und Herodes. Auch dort ist ein König an der Macht, der eigentlich „illegal“ ist. Er ist von Haus aus Idumäer und seine Vorfahren zum Judentum zwangsbekehrt worden. Er gehört also weder einem der zwölf Stämme Israels an noch ist er Judäer. Der rechtmäßige König soll aus dem Stamm Juda kommen. Zu seiner Zeit läuft so einiges gehörig schief. Auch das Priestertum ist nicht mehr das traditionelle, gottgewollte aaronitische Priestertum, sondern seit der Makkabäerzeit ein politisches, das in Gottes Augen eigentlich keine Berechtigung hat. Das verstehen so auch die Essener, die deshalb der Tempellobby kritisch gegenüberstehen und für das traditionelle Priestertum plädieren. Nun kommen die Weisen aus dem Morgenland und berichten dem paranoid angehauchten König Herodes von einem aufgehenden Stern und einem neugeborenen König. Dies lässt ihn in seiner ganzen Existenz erzittern. Wenn jetzt ein judäischer König auftaucht, sind seine Tage gezählt. Er tut dann ebenfalls wie Saul alles dafür, diesen Anwärter zu töten. Doch Gottes Hand ist auf seinem geliebten Sohn, sodass Herodes Jesus nicht töten kann.
Der Mensch verkommt zu einer Bestie, wenn er seiner Eifersucht nachgibt. Wir denken an die vielen Familientragödien, in denen Eifersucht ganze Ehen zerstört, Menschenleben gekostet und glückliche Seelen erschüttert hat. Sie ist Antrieb in jeder mittelmäßigen Seifenoper und kein Roman kommt ohne sie aus. Ganze Kriege sind aufgrund von Eifersucht geführt worden.
Lassen wir uns auf diese Versuchung nicht ein. Geben wir jede schlechte Emotion Gott ab und bitten wir ihn, die Wurzel zu heilen – unsere eigene Unsicherheit. Geben wir ihr keinen Raum, unsere eigene Seele zu verderben. Dann retten wir nicht nur uns, sondern auch unser gesamtes Umfeld.

Ps 57
2 Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig, denn ich habe mich bei dir geborgen, im Schatten deiner Flügel will ich mich bergen, bis das Unheil vorübergeht. 
3 Ich rufe zu Gott, dem Höchsten, zu Gott, der mir beisteht. 
4 Er sende vom Himmel und rette mich, es höhnte, der mir nachstellt. Gott sende seine Huld und seine Treue.
6 Erhebe dich über den Himmel, Gott! Deine Herrlichkeit sei über der ganzen Erde! 
11 Denn deine Liebe reicht, so weit der Himmel ist, deine Treue, so weit die Wolken ziehn.

Heute beten wir als Psalm eine Reflexion Davids gegenüber seinem Leben in ständiger Verfolgung. „Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig“ muss unser tägliches und immerwährendes Gebet sein. Egal in welcher Lage wir uns befinden. Es ist das Stoßgebet, das immer auf unseren Lippen sein muss. Vergessen wir nie, dass in jeder Lebenslage wir auf Gottes Gnade angewiesen sind und er uns seine unendliche Barmherzigkeit immer schenken möchte.
„Ich habe mich bei dir geborgen“ kann David immer wieder sagen. Gott hat seinen Gesalbten „im Schatten [s]einer Flügel“ geborgen, sodass Saul ihm nichts anhaben kann. David hat Gott stets sein Vertrauen bekundet. Er tröstet noch die Menschen um ihn herum, die wegen ihm in Lebensgefahr schweben wie der eine Priester, der Sauls Tötungsauftrag entkommt und zu David flieht. Er weiß, dass Gott ihn beschützt, weil er noch einen Plan mit ihm hat.
Er ist stets im Gebet mit Gott verbunden, der ihm beisteht.
Wenn David betet: „Er sende vom Himmel und rette mich“, klingt dies schon sehr messianisch. Vom Himmel sendet Gott nämlich seinen eingeborenen Sohn Jesus Christus, den Retter, dessen Name „Gott rettet“ bedeutet.
Mit dem Nachsteller ist König Saul gemeint, vor dem David immer wieder flüchten muss. Er betet um Gottes Treue, das heißt darum, dass Gott sein Versprechen hält, ihn zu beschützen.
Gottes Herrlichkeit auf der ganzen Erde ist eine Sehnsucht nach universaler Offenbarung. Diese ist uns mit Jesus schon geschenkt worden, dessen Evangelium sich in der ganzen Welt ausgebreitet hat. Dies wird sich aber vollenden am Ende der Zeiten, wenn Jesus in seiner Herrlichkeit wiederkommt. Dann wird ihn jedes Auge sehen.
Gott ist wirklich treu und seine Liebe ist grenzenlos. Dass David dies betet, bekundet seinen Glauben und seine innige Gottesliebe. Er ist auch in seiner Notsituation ein großes Vorbild für uns, weil er nicht hadert, nicht murrt, sondern innig und vertrauensvoll bittet.
Der gesamte Psalm ist für uns ein wertvoller Schatz. Auch wir dürfen von Herzen glauben, dass Gott uns beisteht bei allem, was wir tun und erleiden. Er lässt uns nicht zugrunde gehen, auch wenn uns so manches ab und zu in die Knie zwingt. Das muss auch manchmal sein, damit wir nicht vergessen, dass wir Gottes Barmherzigkeit bedürfen. Wie wir dann in Notsituationen reagieren, ist unsere Bewährungsprobe. Vertrauen wir ganz auf Gottes Rettung und darauf, dass er treu ist. Wenn er uns verspricht, uns zu segnen und durch alles hindurch zu tragen, wird er das auch in der aktuellen Situation tun.
Darauf können wir auch als Kirche vertrauen. Die heutigen Entwicklungen, Versuchungen und vor allem Verfolgungen sind sehr drastisch und doch dürfen wir nicht das Handtuch werfen. Gott trägt uns auch durch diese Epoche und dann wird es eine Erneuerung der Kirche geben. Sie wird neu aufblühen und von neuem wird es einen brennenden Glauben geben. Wir müssen nur darauf vertrauen, dass Jesus es ernst meinte, als er sagte: „Und die Mächte der Finsternis werden sie nicht überwältigen.“
Wir dürfen darauf vertrauen, dass am Ende der Zeiten Gottes Herrlichkeit alles überbieten wird, was wir jetzt an Dunkelheit erleben. Gott wird mit dem Bösen abrechnen und es wird dann keine Not und kein Leiden mehr geben. Glauben wir ihm das, auch gerade dann, wenn es angesichts so vieler Missstände irreal erscheint.

Mk 3
13 Jesus stieg auf einen Berg und rief die zu sich, die er selbst wollte, und sie kamen zu ihm. 
14 Und er setzte zwölf ein, damit sie mit ihm seien und damit er sie aussende, zu verkünden 
15 und mit Vollmacht Dämonen auszutreiben.
16 Die Zwölf, die er einsetzte, waren: Petrus – diesen Beinamen gab er dem Simon – , 
17 Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und Johannes, der Bruder des Jakobus – ihnen gab er den Beinamen Boanerges, das heißt Donnersöhne – ,
18 dazu Andreas, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Jakobus, der Sohn des Alphäus, Thaddäus, Simon Kananäus 
19 und Judas Iskariot, der ihn dann ausgeliefert hat.

Heute lesen wir im Evangelium von der Erwählung des Zwölferkreises, dem innersten Kreis um Jesus herum, deren Mitglieder wir Apostel nennen. Diese Männer, die namentlich aufgezählt werden, erhalten Vollmachten von Jesus, hier explizit genannt wird der Exorzismus. Das Markusevangelium betont Jesu Dämonenaustreibungen ganz besonders. Die Apostel bekommen so eine große Vollmacht, die den Sieg Gottes über die Mächte des Bösen ganz konkretisiert. Es ist die Zeit gekommen, dass der Satan in die Knie gezwungen wird, der so viel auf Erden angerichtet hat. Dass Jesus gekommen ist, um die Tür zum Paradies wieder freizugeben, ist dem Satan nämlich ein riesiger Strich durch die Rechnung. Dieser wollte den Menschen das Heil nehmen, das er selbst verloren hat (nach dem Motto „wenn ich es schon nicht haben kann, sollen sie es auch nicht haben“). Die Exorzismen sind ein ganz großes Zeichen dieser Erlösung, bevor sie am Kreuz besiegelt wird.
Am Ende der Aufzählung wird auch Judas Iskariot genannt, der Jesus später verraten wird. Uns wird heute ganz bewusst, dass Gott jedem Menschen eine Chance gibt. Er beruft unterschiedliche Charaktere, auch solche, von denen er genau weiß, dass sie „anfälliger“ sind: Er beruft Saul, der zur Eifersucht neigt und er beruft Judas Iskariot, obwohl er habgierig und illoyal ist. Er versucht alles, um ihre positiven Eigenschaften zu fördern, doch sie verspielen die Gnade Gottes selbst durch ihre Ablehnung. Judas sowie Saul versuchen, Gott unter die Arme zu greifen und bilden sich ein, sie wüssten es besser.
Bei Judas wird der größte Fehler nicht der Verrat sein, sondern die Ablehnung der Barmherzigkeit Gottes. Er wird nicht glauben können, dass Gott ihm vergibt. Darin ist Saul ihm überlegen, wenn auch nur temporär. Wir lesen davon heute, wie Saul von der Barmherzigkeit Gottes berührt wird, die er durch Davids Gnadenakt erhält. Er nimmt sie an im Gegensatz zu Judas.
Was ist mit uns? Können wir uns selbst vergeben, wenn wir uns vor Gott und den Menschen schwer versündigt haben? Glauben wir daran, dass Gottes „Liebe reicht, so weit der Himmel ist“, wie David im Psalm heute betet? Dass seine Liebe größer ist als unsere schlimmste Sünde? Es gibt nichts, was Gott uns nicht vergeben möchte, solange wir von Herzen bereuen. Wenn wir seine Barmherzigkeit leugnen, nennen wir das die Sünde gegen den Hl. Geist.

Wir lernen heute davon, dass Gott jedem Menschen eine Chance gibt – und zwar Tag für Tag aufs Neue. Immer wieder meldet er sich mit seiner Barmherzigkeit, weil er uns für sich gewinnen möchte. Besonders die Gesalbten, die Geweihten möchte Gott heiligen. Dafür müssen sie sich aber auch heiligen lassen. Saul bekommt immer wieder neue Chancen und nutzt sie kurzweilig, bevor er wieder „rückfällig“ wird. Judas gehört zu den Aposteln, ist also ein besonders Berufener. Und doch ist er ein Sünder. Gott beruft keine perfekten Menschen. Die gibt es nicht. Auch heutzutage sind Priester, Diakone, Bischöfe, selbst der Papst Sünder. Gott versucht Tag für Tag, sie heiliger zu machen und ihnen Lektionen zu erteilen. Er ist dabei besonders streng, weil sie sein Augapfel sind, seine ganz besonderen Kinder. Von ihnen erwartet er am meisten.

Beten wir für alle Gesalbten unserer heutigen Zeit, besonders für die vielen Geistlichen, die charakterliche Schwächen haben, die in schwerer Sünde leben und vor allem für die Geistlichen, die die Barmherzigkeit Gottes nicht annehmen, die sich nicht bekehren wollen und die selbstgerecht sind. Beten wir vor allem für alle Priesterseelen im Fegefeuer, denn viele Menschen meinen fälschlicherweise, dass verstorbene Priester direkt in den Himmel kommen. Sie haben es noch schwerer, dorthin zu kommen, weil Gott von ihnen besonders viel Rechenschaft fordert. Beten wir für sie!

Ihre Magstrauss

Mittwoch der 1. Woche im Jahreskreis

1 Sam 3,1-10.19-20; Ps 40 (39),2 u. 4ab.7-8.9-10; Mk 1, 29-39

1 Sam 3
1 Der junge Samuel versah den Dienst des HERRN unter der Aufsicht Elis. In jenen Tagen waren Worte des HERRN selten; Visionen waren nicht häufig.
2 Eines Tages geschah es: Eli schlief auf seinem Platz; seine Augen waren schwach geworden und er konnte nicht mehr sehen. 
3 Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen und Samuel schlief im Tempel des HERRN, wo die Lade Gottes stand. 
4 Da rief der HERR den Samuel und Samuel antwortete: Hier bin ich. 
5 Dann lief er zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Eli erwiderte: Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen! Da ging er und legte sich wieder schlafen. 
6 Der HERR rief noch einmal: Samuel! Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Eli erwiderte: Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen!
7 Samuel kannte den HERRN noch nicht und das Wort des HERRN war ihm noch nicht offenbart worden. 
8 Da rief der HERR den Samuel wieder, zum dritten Mal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Da merkte Eli, dass der HERR den Knaben gerufen hatte. 
9 Eli sagte zu Samuel: Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich ruft, dann antworte: Rede, HERR; denn dein Diener hört. Samuel ging und legte sich an seinem Platz nieder. 
10 Da kam der HERR, trat heran und rief wie die vorigen Male: Samuel, Samuel! Und Samuel antwortete: Rede, denn dein Diener hört. 
19 Samuel wuchs heran und der HERR war mit ihm und ließ keines von all seinen Worten zu Boden fallen. 
20 Ganz Israel von Dan bis Beerscheba erkannte, dass Samuel als Prophet des HERRN beglaubigt war.

Gestern hörten wir von der wunderbaren Gebetserhörung Hannas. Es ist jedesmal eine große Freude, wenn kinderlosen Paaren endlich ein Kind geschenkt wird, die so sehr darunter gelitten haben. Wir haben uns die letzten zwei Tage wirklich für Hanna mitgefreut! Heute hören wir nun von diesem besonderen Sohn, der von klein auf im Tempel bei Eli aufwächst. Er ist in dieser Hinsicht mit der Mutter Jesu zu vergleichen, die laut Protevangelium des Jakobus ebenfalls im Tempel als geweihtes Kind aufgewachsen ist – ebenfalls von unfruchtbaren Eltern, die die Weihe des Kindes als Versprechen der Gebetserhörung einlösen.
Das Kind wächst zunächst auf wie jedes andere. Es ist in den Tempel gebracht worden, sobald es „entwöhnt“, also abgestillt worden ist. Eli ist mittlerweile alt und sieht schlecht. Er schläft und es ist Nacht. Dieses Detail ist wichtig, damit man versteht, warum Samuel im Folgenden denkt, dass Eli ihn ruft – er ist so blind, dass er der Hilfe des Jungen bedarf.
Samuel schläft im Tempel in der Nähe der Bundeslade. Das ewige Licht brennt noch (laut Ex 27,20-21 soll die Lampe von Abend bis zum Morgen brennen), weshalb wir wissen, dass es noch Nacht ist. Samuel sieht außerdem, dass sonst kein anderer im Raum ist, der ihn rufen könnte. Eigentlich könnte und müsste man jetzt einen langen Aufsatz über diesen Leuchter, die Menora, schreiben, weil sie typologisch zum Symbol für Christus wird, dem Licht der Welt. Ihre tiefe Symbolik entfaltet sich Stück für Stück gemäß Psalm 119,105: „Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade.“ Die Menora umfasst nämlich in ihren Details die Gesamtheit der Schriften der gesamten Bibel (Jesus, das Wort Gottes!), hat insgesamt die Form eines Baumes mit Mandelblüten (der Baum des Lebens, der zum Holz des Kreuzes wird, an dem der neue Adam hängt!), sie ist das ewige Licht (Jesus, das Licht, das den Völkern gebracht wird, die in der Finsternis wohnen!) und ohne das Öl brennt die Lampe nicht (die Salbung des Hl. Geistes!). Ich höre jetzt aber auf, denn das ist keine Abhandlung über die Menora, sondern eine Auslegung der Schriftstelle.
Gott ruft Samuel und dieser sagt „hier bin ich“. Wir dürfen uns das so vorstellen, dass die Stimme von der Bundeslade kommt. Sie ist analog zur Stimme aus dem brennenden Dornbusch zu betrachten. Verweilen wir kurz bei „hier bin ich“. Im Hebräischen steht הִנֵּנִי hinneni. Diese Antwort hat die Kirche zum terminus technicus auf den Ruf Gottes gemacht – sie hat ihn integriert in den Ritus der Priesterweihe. Der Weihebewerber wird namentlich aufgerufen so wie Samuel in dieser Perikope. Daraufhin antwortet der Bewerber mit „hier bin ich“ oder „adsum“.
Samuel läuft daraufhin zu Eli, dessen Rufen er vermutet. Wiederholt sagt er zu ihm „hier bin ich“, um ihm zu signalisieren, dass er da ist. Eli hat ihn aber nicht gerufen und schickt ihn wieder schlafen. Gott ruft Samuel dann zum zweiten Mal und da bemerkt man schon ein gewisses Zögern. Samuel steht zwar auf, aber er geht nun und rennt nicht zu Eli (וַיֵּ֣לֶךְ wajelech). Er ruft auch nicht sofort „hier bin ich“, sondern erst, als er beim alten Mann angekommen ist. Dieser schickt ihn erneut weg, weil er ihn nicht gerufen hat.
Daraufhin kommt die Bemerkung, dass Samuel den HERRN noch nicht kannte. Man muss dieses „kennen“ als „kennenlernen“ verstehen (die Verbform ist hier יָדַע jada), denn Samuel ist das „Wort des HERRN noch nicht offenbart worden“. Zu Anfang der Perikope wurde ja schon erklärt, dass Gott sich den Menschen in jener Zeit selten durch Eingebungen („Wort des HERRN“) offenbarte. Samuel hat dergleichen noch kein Mal erfahren, also noch keine Begegnung mit Gott gehabt. Das ist auch der Grund, warum er selbst beim dritten Rufen nicht versteht, wer ihn ruft. Er geht wieder in Ruhe zu Eli und sagt hinneni, „hier bin ich“. Der alte Mann versteht nun, was passiert, und trägt dem Jungen auf, beim nächsten Mal „Rede HERR; denn dein Diener hört“ zu sagen. Eli hat verstanden, dass der Junge sich das Rufen nicht dreimal eingebildet haben kann, und dass es Gott selbst sein muss.
Es kommt nun dazu, dass Gott den Samuel erneut ruft. Dabei wird in Vers 10 gesagt, dass Gott hinzutritt (וַיִּתְיַצַּ֔ב wajitjazaw). Dies ist natürlich ein Anthropomorphismus, denn Gott ist Geist, kann also nicht hinzutreten. Gemeint ist, dass Gott gegenwärtig ist. Samuel tut, was Eli ihm erklärt hat, und sagt nun „rede HERR, denn dein Diener hört“.
Samuel wächst heran und Gott gibt ihm im Laufe seines Älterwerdens Worte ein, die dieser nie „zu Boden fallen“ lässt. Dieser Ausdruck erinnert an Onan, der seinen Samen zu Boden fallen lässt, damit dieser keine Frucht bringt, also kein Kind entsteht. Samuel lässt Gottes Worte immer fruchtbar werden, denn er ignoriert sie nie.
Ganz Israel erkennt seine Vollmacht als Prophet an, die Gott ihm verliehen hat.

Ps 40
2 Ich hoffte, ja ich hoffte auf den HERRN. Da neigte er sich mir zu und hörte mein Schreien. 
4 Er gab mir ein neues Lied in den Mund, einen Lobgesang auf unseren Gott. 
7 An Schlacht- und Speiseopfern hattest du kein Gefallen, doch Ohren hast du mir gegraben, Brand- und Sündopfer hast du nicht gefordert. 
8 Da habe ich gesagt: Siehe, ich komme. In der Buchrolle steht es über mich geschrieben.
9 Deinen Willen zu tun, mein Gott, war mein Gefallen und deine Weisung ist in meinem Innern. 
10 Gerechtigkeit habe ich in großer Versammlung verkündet, meine Lippen verschließe ich nicht; HERR, du weißt es.

Der heutige Psalm ist durchaus anzulehnen an die Episode des Samuelbuches. Die Mutter Samuels Hanna hat die Hoffnung auf den HERRN und ihr Schreien ist erhört worden. Sie bekommt einen Sohn und weiht ihn dem Tempel. Auch Hanna hat einen Lobgesang auf Gott erhalten – „er gab mir ein neues Lied in den Mund“ zeigt, dass es vom Heiligen Geist eingegeben worden ist. Wir beteten gestern diesen Lobgesang der Hanna über die Gebetserhörung Gottes. Diese Verse schreibt David, für den dies alles auch gilt: Gott hat sein Gebet immer wieder erhört und auch er hat vom Hl. Geist viele Lobgesänge geschenkt bekommen. Wir haben sie als Psalter überliefert.
Die Aussage „an Schlacht- und Speiseopfern hattest du kein Gefallen…“ ist auch darauf zu beziehen, was dann in Vers 9 geschrieben steht: „deinen Willen zu tun“, also den Willen Gottes zu befolgen, ist das Entscheidende, ohne dass die Opfertätigkeit überflüssig wird. Dies müssen wir als rhetorische Wendung verstehen. Uns geht dies vor allem auf, wenn wir an die Söhne Elis denken, von denen wir noch im ersten Samuelbuch hören werden: Hofni und Pinhas erledigen den Tempeldienst und sind dabei total gierig. Sie leben nicht, wie es Gott gefällt und deshalb bringen die Opfer in ihrem Fall nichts. Diese machen sie nicht gerecht vor Gott.

Mk 1
29 Sie verließen sogleich die Synagoge und gingen zusammen mit Jakobus und Johannes in das Haus des Simon und Andreas. 
30 Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen sogleich mit Jesus über sie 
31 und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr und sie diente ihnen.
32 Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus. 
33 Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt
34 und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus. Und er verbot den Dämonen zu sagen, dass sie wussten, wer er war.
35 In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten. 
36 Simon und seine Begleiter eilten ihm nach,
37 und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich. 
38 Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort verkünde; denn dazu bin ich gekommen. 
39 Und er zog durch ganz Galiläa, verkündete in ihren Synagogen und trieb die Dämonen aus.

Wir lesen im heutigen Evangelium die Fortsetzung des gestrigen Abschnitts. Direkt im Anschluss an den Exorzismus Jesu geht dieser mit seinen Jüngern zu Petrus und seinem Bruder nach Hause. Das ganze findet ja in Kafarnaum statt.
Dort tut Jesus nun ein weiteres Wunder, denn er heilt die kranke Schwiegermutter des Petrus. Wir stellen uns vor, wie die fünf Männer bei Petrus zuhause erscheinen und die Schwiegermutter sie eigentlich bewirten muss.
Jesus tut etwas, was wir öfter lesen: Er fasst sie bei der Hand und richtet sie auf. Das ist natürlich zunächst aus praktischen Gründen eine notwendige Geste. Jesus heilt sie, sodass sie nicht mehr niederliegen muss. Er hilft ihr also auf. Gleichzeitig lesen wir dahinter etwas viel Tieferes, genauso bei der Erweckung des toten Mädchens an anderer Stelle: Jesus erfüllt Jes 41 durch diese scheinbar banale Geste und jeder fromme Jude müsste es wie Schuppen vor den Augen fallen: „Denn ich bin der HERR, dein Gott, der deine rechte Hand ergreift und der zu dir sagt: Fürchte dich nicht, ich habe dir geholfen.“ Durch die Erfüllung der jesajanischen Verheißung muss der fromme Jude aber auch anerkennen, dass Jesus „der HERR“ ist, dass sie eins sind! Das Fieber verschwindet und die Schwiegermutter kann die Gäste bedienen. Auch das ist uns eine ganz große Lehre:
Gott heilt nicht, damit wir ein bequemeres Leben führen können. Gott lässt gerade körperliche Heilung zu, damit wir durch die gewonnene Gesundheit IHM besser DIENEN können. Er tut dies, wenn er einen besonderen Auftrag für den Menschen hat. Darum geht es in erster Linie: um die genesene Person zu berufen und um ihren Glauben zu stärken bzw. den Glauben der Umstehenden.
Übrigens findet diese Heilung an einem Sabbat statt. Das ist eigentlich ein Grund zur Anklage, aber erstens steht Jesus als Messias über dem Sabbat, zweitens können wir davon ausgehen, dass die Schwiegermutter des Petrus in Lebensgefahr schwebt, wo die Heilung an einem Sabbat ausnahmsweise erlaubt ist.
Die ganzen Menschenmassen, die nach Sonnenuntergang zum Haus des Petrus und Andreas kommen, halten sich an die jüdischen Gesetze, denn ab dem Sonnenuntergang ist in jüdischer Zählung der neue Tag angebrochen. Jesus heilt die Kranken und treibt die Dämonen aus, als es also nicht mehr Sabbat ist!
Am nächsten Tag tut Jesus, was er immer nach ausführlichen Heilungen und Verkündigungen tut – allein mit seinem Vater sein. Er füllt sich neu mit der Liebe des Vaters auf. Das ist für die Jünger Jesu eine große Lehre. Sie sollen sehen, wie sie es später selbst tun sollen – vielen Menschen die Liebe Gottes schenken, aber dann in der Zweisamkeit mit Gott wieder auftanken – und zwar nicht körperlich, sondern seelisch. Sie müssen das erst einmal noch lernen. Deshalb reagieren sie hektisch (sie „eilen ihm nach“) und wollen ihn zurück zu den Menschen bringen, die nach ihm suchen.
Jesus sagt ihnen aber deutlich, dass er sich nicht von den Bewohnern Kafarnaums festnageln lässt. Er ist für alle Menschen gekommen, muss überall das Evangelium verkünden und vor allem: Er kann sich nicht von einzelnen Menschen binden lassen. Das ist die Lebensweise von Geistlichen. Sie gehören keinen Einzelpersonen, sondern sie sind ungebunden. Deshalb sind sie ja auch zölibatär, um sich ganz und gar nur an einen zu binden – an Gott. Es ist natürlich gut für einen Geistlichen, bestimmte Bezugspersonen zu haben, die einen stützen und helfen, aber auch an sie soll er sich nicht binden, vor allem nicht emotional. Ein Priester ist der Vater der ganzen Gemeinschaft der Christen, die eine einzige Familie ist. Jesus zeigt ihnen dadurch noch etwas Anderes: In erster Linie muss der Geistliche ganz und gar in Gott sein. Die Zwiesprache im Gebet, das komplette Versunkensein in der Liebe Gottes, die Kontemplation muss der Ausgangspunkt jedes priesterlichen Dienstes sein. Dann ist es wirklich ein gnadenhaftes Tun, das die Menschen näher zu Gott bringt.
Und so zieht Jesus durch ganz Galiläa, lehrt in den Synagogen – d.h. er legt dort vor allem die Schrift neu aus. Es wird auch explizit gesagt, dass er Dämonen austreibt. Das ist ein wichtiger großer Dienst, den Jesus ausübt. Es ist eine messianische Heilstat, die die Herrschaft Gottes gegenüber dem Reich des Teufels signalisiert. Anhand der Exorzismen sieht man zudem am eindrücklichsten, wie Jesu Befreiung aus der Sklaverei zu verstehen ist. Er will in erster Linie unsere Seele retten, deshalb ist der Exorzismus im Markusevangelium auch das erste Wunder, das überliefert wird. Erst danach kommt die erste körperliche Heilung an der Schwiegermutter des Petrus.

Sowohl in der Lesung als auch im Evangelium müssen die Berufenen zunächst einmal etwas lernen. Samuel versteht zunächst nicht, dass Gott es ist, den er ruft. Er lernt diesen erst noch kennen. Im Evangelium müssen die Jünger Jesu zunächst lernen, was es heißt, ein ungebundener Geistlicher zu sein, der sich zugleich allen Menschen schenkt. Wichtig ist auch für uns, dass wir Gottes Lektionen dankbar annehmen und gehorsam sind – ge-hor-sam, ihm Gehör schenken. Lassen wir uns dabei vom Hl. Geist erfüllen, damit er durch uns wirkt, selbst wo wir nicht alles verstehen. Letztendlich geht es um die Intimität mit Gott. Samuel beginnt seine Beziehung mit dem HERRN ja erst, ebenso müssen die Jünger Jesu Intimität mit dem Vater erst einmal begreifen. Aber dies ist das A und O. Von dort ausgehend geschieht alles Weitere.

Ihre Magstrauss