Pfingsten (am Tag)

Apg 2,1-11; Ps 104,1-2.24-25.29-30.31 u. 34; 1 Kor 12,3b-7.12-13; Joh 20,19-23

Apg 2
1 Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort.
2 Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.
3 Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.
4 Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.
5 In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.
6 Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden.
7 Sie waren fassungslos vor Staunen und sagten: Seht! Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden?
8 Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören:
9 Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadokien, von Pontus und der Provinz Asien,
10 von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Kyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten,
11 Juden und Proselyten, Kreter und Araber – wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

Heute ist das große Geburtstagsfest der Kirche. Ich gratuliere Ihnen, die Sie auf meinen Blog gefunden haben, zum diesem großen Fest! In der ersten Lesung wird uns gleich dieses große Ereignis geschildert. Dabei möchte ich ein bisschen Judentum hineinbringen, damit Sie sehen, wie wenig zufällig Gottes Timing hier ist:
„Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort.“ Es meint nicht nur unser christliches Pfingstfest, sondern zugleich eines der drei großen jüdischen Wallfahrtsfeste Schawuot. Es ist ein Erntedankfest, bei dem die Gaben eingebracht werden und die Menschen für sie zum Tempel kommen und Gott danken. Das heißt, dass Gott sich für die Geistsendung einen Zeitpunkt auswählt, als Jerusalem voll von Pilgern aus dem ganzen Land und darüber hinaus ist! Der Geist setzt da an, wo die Menschen mit ihrem Hochmut die Sprachverwirrung von Babel herbeigeführt haben. Er kommt, um die vielen verschiedenen Sprachen der Pilger zu einem einzigen Verständnis zu vereinen! Da es ganz öffentlich geschieht und alle es mitbekommen, ist das eine der wichtigen Botschaften von Pfingsten für die Juden! In der Pfingstvigil am Vorabend hören wir von dem unheilvollen Ereignis der Sprachverwirrung beim Turmbau zu Babel, damit auch wir als Hörende diesen Zusammenhang erkennen und ins Staunen über Gottes wunderbare Vorsehung kommen.
Ich möchte auf den nächsten Aspekt zu sprechen kommen, dem Erntedank. Es ist die Zeit der ersten Weizenfrüchte, was ein Grund zur Freude über Gottes Sorge um sein Volk darstellt. Auch dies ist ein Aspekt, der uns tiefer in das Fest hineinführt, denn Gott hat an diesem speziellen Wochenfest (Schawuot heißt auf Deutsch „Wochen“) mehr als nur irdische Gaben für die Menschen bereit: Er sendet mit seinem Geist die sieben Gaben auf die Apostel herab, die wir in der vorbereitenden Pfingstnovene ebenfalls erbeten haben. Es sind nun überirdische Gaben, die die neue Schöpfung versorgen: Weisheit, Verstand, Rat, Stärke, Erkenntnis (Wissenschaft), Frömmigkeit und Gottesfurcht. Zu diesen Gaben habe ich schon einmal ein Video gedreht. Schauen Sie es sich gerne mal an (https://www.youtube.com/watch?v=ihe7whcA0MQ). Wir benötigen sie für unser geistliches Leben. Es sind sodann die Früchte des Heiligen Geistes, die wir zusammengefasst bei Paulus im Galaterbrief lesen: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Langmut, Güte, Freundlichkeit, Treue, Sanftmut, Bescheidenheit, Enthaltsamkeit und Selbstbeherrschung (Keuschheit). Es sind die Früchte, die aus den Werken durch den Hl. Geist entstehen. Wir denken auch an die Charismen, über die Paulus im ersten Korintherbrief und auch im Römerbrief schreibt: Prophet, Sprachengebet, Auslegung des Sprachengebets, Krankenheilung, Wundertaten, Weisheit, Unterscheidung der Geister, Lehren, Leiten, Ermahnen etc. Sie sind Dienstgaben, das heißt, sie werden dem Menschen zur Erbauung der Gemeinde geschenkt, wo er sie bei seinem Dienst in der Gemeinde braucht.
Gott hat also seinen Geist ausgerechnet zu jener Zeit auf die Apostel gesandt, damit die Juden verstehen, dass die Geschehnisse als Erntegaben des Geistes zu verstehen sind. In der Pfingstvigil ist uns Joel vorgelesen worden, dass diese Ausgießung des Geistes mit der Verleihung der Geistesgaben ankündigt. Dort wird unter anderem das Sprachengebet angekündigt, das nun die ganze Stadt in Staunen versetzt.
Als dieser große Tag nun gekommen ist, sind alle am selben Ort. Über diese Aussage habe ich schon in der Osterzeit gesprochen. Es meint nicht nur das lokale Versammeltsein in einem gemeinsamen Raum, wie Jesus es den Aposteln bei seiner Himmelfahrt geboten hat, sondern auch die Einheit im Gebet, die gemeinsame Gesinnung und vor allem – der gemeinsame Durst, die Sehnsucht nach dem Geist Gottes. Die Aposteln sind auch deshalb versammelt, weil sie ihrer Religion entsprechend die Vigil mit Schriftlesung gehalten haben. Die ganze Nacht hindurch haben sie die Heiligen Schriften betrachtet, die diesen Geist schon angekündigt haben.
Und plötzlich kommt dieser Geist wie ein Sturm, in einem Brausen, der das ganze Haus erfüllt. Dieser Geist kommt vom Himmel her. Das ist für uns ein Signal für seine Herkunft vom Vater, ganz wie Jesus es angekündigt hat.
Sturm und Wind sind deutliche Zeichen für den Geist Gottes. Sie erinnern die Juden an den Sturm auf dem Sinai, der das mächtige Zeichen der furchteinflößenden Gegenwart Gottes dargestellt hat. Es erinnert die Menschen noch an ein anderes Ereignis, das sie ins Staunen versetzt haben wird: An den Geist als Hauch, der bei der Schöpfung über der Urflut schwebt. Die Erde ist wüst und wirr. Erst durch die Kraft dieses Windes und durch das gesprochene Wort des Vaters wird alles geschaffen und geordnet. Und nun kommt der Geist Gottes zur neuen Schöpfung, um das Chaos der gefallenen Schöpfung zu einer neuen Ordnung zu beleben! Eine Manifestation seines Neuschöpfungsvorgangs ist das Sprechen in Sprachen, sodass die ausländischen Pilger die Apostel verstehen können. Ein erster Schritt ist die Überwindung des Sprachchaos.
Doch zuvor zeigt sich der Geist noch in einer anderen Form – in Feuerzungen. Auch diese Gestalt nimmt er nicht zufällig an: Es ist bereits der Geist Gottes im brennenden Dornbusch, der ihn zwar brennen, jedoch nicht verbrennen lässt. Es ist zugleich ein Theophaniezeichen für das Volk Israel bei dem Auszug aus Ägypten, denn Gott zeigt sich bei Nacht in einer Feuersäule. Gott ist für das Volk Israel ein verzehrendes Feuer, brennende Liebesglut. Wenn sich also der Geist Gottes in dieser Gestalt auf die Apostel niederlässt, ist es ein Entzünden ihrer Herzen mit der brennenden Liebe Gottes. Jesus hat sie als das Licht der Welt bezeichnet, die nicht dazu da sind, ihr Licht unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter zu stellen, damit es allen im Haus brenne. Nun hat Gott seine auserwählten Kerzen mit seinem göttlichen Feuer angezündet, damit Jesu Worte sich nun realisieren!
Als die Aposteln in Sprachen sprechen, sind die Menschen ganz erstaunt, weil sie die Galiläer in ihrer Muttersprache sprechen hören. Bei diesem Aspekt müssen wir ein wenig tiefer eintauchen: Ja, es ist ein Verständnis, Kommunikation, die wieder funktioniert, die der „Durcheinanderwerfer“, der Teufel zerstört hat. Aber es ist mehr: Die Anwesenden werden die Botschaft Jesu Christi verstehen, die Petrus ihnen sogleich verkünden wird. Durch die Geistsendungen verstehen sie nun endlich die Sprache der göttlichen Weisheit, so wie den Aposteln in dieser Situation endlich alles aufgegangen ist, was Jesus ihnen erklärt hat.
Was sprechen die Apostel? Sie verkünden Gottes große Taten in den jeweiligen Muttersprachen der Jerusalempilger. Dies tun sie einerseits in der jeweiligen Sprache, andererseits durch das Sprechen einer ihnen eigentlich ganz unbekannten Sprache. Denn so erkennen jene, die sie verstehen können an, dass hier ein Wunder von Gott gewirkt wird.
Das Pfingstereignis ist ein Geburtstagsfest. Und so betrachten wir dieses Ereignis auch parallel zum Schöpfungsbericht der Genesis. Dort ist es ebenfalls der Geist Gottes, der Adams totem Körper eine ewige Seele verleiht. Die typologische Erfüllung mit der Belebung der Kirche als Leib der neuen Schöpfung durch den Geist ist mit Pfingsten gegeben und von Christus im Johannesevangelium prophetisch schon vorweggenommen worden. Dies wird uns nachher im Evangelium verkündet.
Pfingsten ist heftig, aber wenn die ganze Welt neugeschaffen wird am Ende der Zeiten, wird Gott noch einen drauflegen….

Ps 104
1 Preise den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, überaus groß bist du! Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.

2 Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel, du spannst den Himmel aus gleich einem Zelt
24 Wie zahlreich sind deine Werke, HERR, sie alle hast du mit Weisheit gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
25 Da ist das Meer, so groß und weit, darin ein Gewimmel, nicht zu zählen: kleine und große Tiere.
29 Verbirgst du dein Angesicht, sind sie verstört, nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin und kehren zurück zum Staub.
30 Du sendest deinen Geist aus: Sie werden erschaffen und du erneuerst das Angesicht der Erde.
31 Die Herrlichkeit des HERRN währe ewig, der HERR freue sich seiner Werke.
34 Möge ihm mein Dichten gefallen. Ich will mich freuen am HERRN.

Es geht gar nicht anders, als es an diesem freudigen Kirchengeburtstag den Aposteln gleichzutun durch die Verkündigung der großen Taten Gottes. So preisen wir den Schöpfer, der nicht nur die alte, sondern auch die neue Schöpfung hervorgebracht hat.
„Preise den Herrn meine Seele“ ist eine psalmentypische Selbstaufforderung zum Lob. Gott ist wirklich groß, denn ihm haben wir das gesamte Dasein zu verdanken.
Gott hüllt sich in einen Mantel, weil seine Bekleidung einerseits seine Herrlichkeit ist, andererseits bildhaft den Himmel und die Himmelskörper umschreibt. Sie sind ja Licht für Tag und Nacht.
Gott hat alles mit Weisheit gemacht – durch sie ist alles geschaffen. Es ist nicht ein Geschöpf auf der Welt, das nicht von ihm gemacht worden ist.
So preisen wir zusammen mit dem Psalmisten die Erschaffung des Meeres, das so überwältigend ist. Ich weiß nicht, wie es bei Ihnen ist, aber wenn ich riesige Wellen und unruhiges Meer sehe, wenn ich das laute Krachen der Brandung erlebe, habe ich sehr großen Respekt vor diesen Naturgewalten. Auch ist so überwältigend, welch eigene Tier- und Pflanzenwelt die Meere besitzen!
Und doch sind diese Gewalten ganz abhängig von Gott. Sie vergehen ohne Gottes Versorgung. Was kann die Schöpfung ausrichten ohne den Atem – das heißt ohne Sauerstoff? Um wie viel mehr ist unsere ewige Seele von dem Atem Gottes abhängig, damit sie nicht in Ewigkeit vergeht! Wie groß muss Gott sein im Gegensatz zu diesen überwältigenden Wellen und Wassern und dem Wunder der ewigen Seele?
Dann beten wir den Vers, der in der Liturgie sehr häufig aufgegriffen wird: Du sendest deinen Geist aus: „Sie werden erschaffen und du erneuerst das Angesicht der Erde.“ Der Geist erneuert die Erde. Das wird hier zur Verheißung für die Zukunft, doch an Pfingsten ist es zur Realität geworden! Er ist gekommen und hat die Apostel erneuert zu einer neuen Schöpfung! Nichts wird mehr für sie so sein wie zuvor. Vor allem ist es eine feierliche und spektakuläre Einsetzung der Anwesenden zu Erben des Reiches Gottes!
Wir wünschen Gott die ewige Herrlichkeit. Diese ist ihm sicher, da er ewig ist, doch unser guter Wunsch an Gott wird auf uns selbst zurückkommen und wir werden Segen haben. So wünschen wir zusammen mit dem Psalmisten, dass Gott sich jederzeit über seine Schöpfung freuen kann. Bemühen wir uns, dass er wegen uns nicht enttäuscht sein muss!

1 Kor 12
3 Und keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet.
4 Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist.
5 Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn.
6 Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen.
7 Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.

12 Denn wie der Leib einer ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: So ist es auch mit Christus.
13 Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.

In der zweiten Lesung hören wir nun von den Charismen des Heiligen Geistes. Sie müssen erbeten werden und eine dieser besonderen Begabungen ist uns in der Apostelgeschichte begegnet – das Sprachengebet.
Dieser Abschnitt aus dem ersten Korintherbrief betrifft die Begabungen, die jeder Mensch aufgrund seiner Taufe und Firmung potenziell empfangen kann. Sie sind nicht nur dem Geweihten vorbehalten.
Paulus sagt, dass keiner Jesus gläubig bekennen kann, wenn er das nicht aus dem Heiligen Geist tut. Dieser ist es nämlich, der den Glauben im Menschen etabliert.
Der Geist ist nur einer, doch verleiht er eine sehr große Vielfalt von Gaben für verschiedene Dienste.
Auch wenn wir unterschiedliche wirkende Kräfte sehen, vereint sie dennoch der eine Gott, der alles bewirkt.
Aber warum schenkt Gott durch den Geist überhaupt Dienstgaben, das heißt Charismen? Er tut dies, damit der Beschenkte sie im Dienst für die anderen verwendet. Das ist ja auch der Grund, warum diese Gaben recht gleichmäßig unter den Menschen verteilt wird. So hat jeder etwas, was er oder sie einbringen kann, ohne dass z.B. jetzt alle zu Propheten werden, dafür aber keiner die Gabe der Unterscheidung besitzt, um wahre und falsche Prophetie voneinander zu unterscheiden.
Diese Vielfalt, die für einen Organismus ja vonnöten ist, stellt Paulus hier auch heraus, wenn er von dem einen Leib der Kirche spricht, der durch den Pfingstgeist zum Leben erweckt worden ist, der aber viele Glieder hat, also z.B. die Gliedmaßen, Organe und Funktionen. Die Kirche ist der Leib Christi, den Paulus an anderer Stelle als das Haupt des Leibes bezeichnet. Was die Kirchenmitglieder zu einem gemeinsamen Leib vereint, ist die gemeinsame Taufe durch den einen Geist. So werden Juden und Heiden, Sklaven und Freie miteinander vereint – zu seiner Zeit absolut unerhört! Der Geist Gottes überschreitet Grenzen.

Joh 20
19 Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!

20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.
21 Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
23 Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.

Im Evangelium wird uns eine österliche Episode ins Gedächtnis gerufen, die Jesu Ankündigung des Geistes beinhaltet.
Bei dieser Erscheinung tritt Jesus in den Raum, obwohl die Türen verriegelt sind. Er spricht sie wieder an mit den Worten „Friede sei mit euch!“
Er zeigt ihnen seine Wundmale, sodass die Apostel erkennen, dass er wirklich Jesus ist. Sie freuen sich über ihn. Von dem, was wir bisher betrachtet haben, ist uns die Freude als eine Frucht des Hl. Geistes begegnet. Sie ist mehr als nur Emotion.
Jesus wiederholt den Gruß „Friede sei mit euch!“ Das ist ein wichtiger Gruß, denn die Apostel sind zum wahren Frieden berufen – der von Christus kommt und den die Welt nicht geben kann. Friede hängt mit Ostern ganz eng zusammen. Durch das Osterereignis hat er die Erlösung und das Heil erwirkt. Das hebräische Wort ist Schalom. Diese ist mehr als nur ein politischer Friede, sondern meint eben jenes umfassende Heil, das von Gott kommt. Von Pfingsten her erkennen wir auch im Frieden eine Frucht des Hl. Geistes.
Und dann sagt Jesus etwas, das die Apostel nach dem Pfingstereignis verstehen: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Er sendet sie in die ganze Welt hinaus, damit sie seine Botschaft überall verkünden und die Menschen zu seinen Jüngern machen. Nun können sie das auch tun, weil ihnen der Geist geschenkt worden ist. Deshalb haucht Jesus die Apostel hier im Evangelium auch an als Geste, die sie aus der Genesis kennen. Dort ist es der Geist Gottes, durch den die ewige Seele in die Nase des ersten Menschen geblasen wird. Es ist eine entscheidende Analogie! So wie der Geist Gottes dem ersten Menschen das Leben geschenkt hat, wurde an Ostern auch der zweite Mensch durch den Geist Gottes zum Leben erweckt, Jesus Christus! Und ihm werden die Apostel gleichgestaltet, indem sie am Pfingsttag ebenfalls zum ewigen Leben erweckt werden! Erst als „Lebendige“ werden sie zu seinem Leib, der die Kirche ist, wie Paulus in der zweiten Lesung erklärt hat.
Mit der Gabe des Hl. Geistes ist ganz eng die Vergebung der Sünden gekoppelt. Deshalb heißt es auch „Sünde gegen den Hl. Geist“, die in Ewigkeit nicht vergeben wird – weil sie nicht kann. Wer den Geist Gottes leugnet, der leugnet die Vergebung.
Wenn die Apostel den Hl. Geist empfangen haben, dann wird die Vollmacht, Sünden zu vergeben, die Christus ihnen hier überträgt, aktiviert. Sie erhalten die Vollmacht, nicht einfach automatisch die Sünde zu vergeben, sondern auch nach eigenem Ermessen zu entscheiden. Und weil mit der Sündenvergebung der Geist Gottes im Menschen den Stand der Gnade wiederherstellt, kann dieser Mensch wieder leben. Er ist auch moralisch wieder lebendig gemacht und hat den Ausblick auf das ewige Leben bei Gott.

Dies alles ist die Botschaft von Pfingsten. Uns ist seine Vielfalt in Manifestationen und Gaben deutlich geworden, die zugleich von dem einen Geist des einen Gottes ausgehen. Die Taufe eint die ganz verschiedenen Menschen zu einem gemeinsamen ewigen Leben. Die Erfüllung mit dem Geist Gottes ist immer ein Vorgang der Belebung, schon in der Genesis und nun auch in unserer Zeit! Das ist auch die einzig logische Wirkweise des Geistes, denn Gott ist ein Gott des Lebens. Weil Pfingsten und Ostern miteinander zusammenhängen, können wir an der Auferstehung sehen, was der Geist Gottes auch mit uns macht. Und am Ende der Zeiten wird dann die ultimative Ernte kommen, bei der Gott die Früchte seiner ausgestreuten Gaben einholen wird. Dann wird es eine einzige Erntefreude sein und die Dürren, Missernten und reißenden Tiere auf dem Acker der Welt, unter denen wir momentan noch leiden, werden ein Ende finden.

Ihre Magstrauss

Samstag der 7. Osterwoche

Apg 28,16-20.30-31; Ps 11,4.5 u. 7; Joh 21,20-25

Apg 28
16 Nach unserer Ankunft in Rom erhielt Paulus die Erlaubnis, für sich allein zu wohnen, zusammen mit dem Soldaten, der ihn bewachte.
17 Drei Tage später rief er die führenden Männer der Juden zusammen. Als sie versammelt waren, sagte er zu ihnen: Brüder, obwohl ich mich nicht gegen das Volk oder die Sitten der Väter vergangen habe, bin ich von Jerusalem aus als Gefangener den Römern ausgeliefert worden.
18 Diese haben mich verhört und wollten mich freilassen, da nichts Todeswürdiges gegen mich vorlag.
19 Weil aber die Juden Einspruch erhoben, war ich gezwungen, Berufung beim Kaiser einzulegen, jedoch nicht, um mein Volk anzuklagen.
20 Aus diesem Grund habe ich darum gebeten, euch sehen und sprechen zu dürfen. Denn um der Hoffnung Israels willen trage ich diese Fesseln.
30 Er blieb zwei volle Jahre in seiner Mietwohnung und empfing alle, die zu ihm kamen.
31 Er verkündete das Reich Gottes und lehrte über Jesus Christus, den Herrn – mit allem Freimut, ungehindert.

Gestern wurde uns von den Ereignissen beim Statthalter Festus berichtet, der so wie schon zuvor Felix die Forderung der Juden nicht versteht, Paulus wegen Glaubensfragen hart zu bestrafen. Das fällt nicht in den Aufgabenbereich der weltlichen Justiz. Und die Strategie, die bei Pontius Pilatus geklappt hat, funktioniert nicht noch einmal. Paulus ist nämlich römischer Staatsbürger und kann nicht einfach so verurteilt werden, wenn er sich in einem Prozess gut verteidigen kann. Und dieser Mann ist alles andere als ängstlich. Er wünscht sogar, vom römischen Kaiser selbst befragt zu werden. Das stellt den Anlass für die heutige Lesung dar: Paulus und sein Begleiter Lukas, der hier wieder in Wir-Form schreibt, kommen in Rom an, um dort in einem privateren Umfeld, jedoch mit einem Paulus bewachenden Soldaten zu leben. Es handelt sich um eine sehr leichte Form von Haft (also nichts im Gegensatz zum Gefängnis von Philippi mit seinem Kellerloch und dem Holzblock für die Füße…).
Wenige Tage nach seiner Ankunft sucht Paulus das Gespräch mit den führenden Juden Roms, um sie von seiner Unschuld und dem ungerechten Verhalten der jüdischen Brüder in Jerusalem zu informieren. Er hat nichts Unrechtes getan, sondern predigte lediglich die Auferstehung. Der Druck der jerusalemer Brüder ist der Grund, warum Petrus eigentlich nach Rom überführt worden ist. Nur so kann er Berufung gegen die Anklagen der Juden einlegen.
Er sieht auch die jetzige Situation als Wille Gottes an, „denn um der Hoffnung Israels willen“ ist er gefesselt. Das bedeutet, dass er diese Fesseln trägt, damit Israel Hoffnung haben kann. Sein Leiden, das sich an seine drei Missionsreisen anschließt, ist nun kein unhappy ending, das tragische Ende eines Gescheiterten, die Kapitulation vor der Welt. Vielmehr ist es ein fruchtbares Opfer, das viel Gnade nach sich ziehen wird. Und dies versteht Paulus, weshalb er diese Worte spricht. Wenn ich das Lebensende des Paulus betrachte, muss ich oft an Mutter Angelica denken, die Gründerin von EWTN. Auch sie hat ein großes Apostolat betrieben, um dann zwei Schlaganfälle zu erleiden und 15 ganze Jahre zu leiden, ohne weiterhin Sendungen produzieren zu können. Diese Jahre bis zu ihrem Tod waren aber alles andere als ein unrühmliches Ende. Durch ihr Leiden ist EWTN so sehr gewachsen und Gott hat diesem Sender sowie durch ihn so vielen Menschen Gnade erwiesen! Was sie am Ende durchgemacht hat, ist womöglich der Clou an der ganzen Sache gewesen. Und so stelle ich es mir bei Paulus vor, der nun nicht mehr reisen und evangelisieren, dafür aber wunderbare Briefe schreiben konnte. Ich denke auch an die vielen kranken, bettlägerigen und alten Menschen, die meinen, dass sie nichts Gutes in dieser Welt bewirken können. Das ist nicht wahr. Nur weil der Mensch physisch nicht dazu in der Lage ist, auf große Missionsreise zu gehen und Kirchen zu bauen, heißt das nicht, dass er vor Ort, in ihrer jeweiligen Situation, in Gegenwart ihrer Bezugspersonen nicht evangelisieren kann. Und die Art und Weise, wie sie ihr Kreuz tragen, wird die Menschen berühren. Gebe Gott, dass wir alle in Leidenssituationen so wie Paulus reagieren können, der sagt: „Um der Hoffnung willen trage ich die Fesseln“.
Paulus bleibt zwei Monate in einer Mietwohnung und empfängt viele Menschen. Es ist immer noch möglich, in der gegebenen Situation das Reich Gottes zu verkünden.
Über den Tod wird nichts mehr gesagt. Wir wissen durch andere Traditionen, dass er durch das Schwert umgekommen ist. So ist er hingerichtet worden. Warum wird so ein wichtiger Aspekt in der Apostelgeschichte einfach weggelassen, obwohl der Tod sonst immer entscheidend ist? Das deutet darauf hin, dass zur Zeit der Fertigstellung der Apostelgeschichte Paulus noch lebte!

Ps 11
4 Der HERR ist in seinem heiligen Tempel, der HERR hat seinen Thron im Himmel. Seine Augen schauen herab, seine Blicke prüfen die Menschen.
5 Der HERR prüft Gerechte und Frevler; wer Gewalttat liebt, den hasst seine Seele.
7 Denn gerecht ist der HERR, gerechte Taten liebt er. Redliche schauen sein Angesicht.

Als Antwort auf den Lebensausgang des Paulus beten wir heute einen Psalm Davids, der als Vertrauenspsalm bezeichnet werden kann. David betet darin als Einzelperson zum Herrn, was den Psalm eher als persönliches Gebet und nicht als ursprüngliches Lied in der Liturgie kennzeichnet.
Gott ist „in seinem heiligen Tempel, der HERR hat seinen Thron im Himmel.“ Die Zusammensetzung von diesen beiden Aussagen identifiziert scheinbar den Tempel als Gottes himmlischen Tempel. In diesem thron Gott, was ihn zum Herrscher über das Universum macht. Womöglich meint David aber diesen Zusammenhang gar nicht und so ist dann der irdische Tempel gemeint. Dort ist er gegenwärtig bei den Menschen.
Vom Himmel her schaut Gott auf die Menschen. Gott ist transzendent, der ganz Andere. Gott ist Geist. Und doch ist ihm unser eigenes Leben sowie die gesamte Schöpfung und Gesellschaft nicht egal. Er leitet die ganze Weltgeschichte, zugleich schaut er auf das Leben des Einzelnen. Das ist nichts Bedrohliches, sondern Ausdruck der Geborgenheit in ihm. Er kennt uns durch und durch. Er sieht auch ins Herz und verurteilt den Menschen nicht einfach nach seinen Werken.
Gott prüft den Menschen – um seinen Glauben zu testen und dadurch zu vertiefen oder um ihn zur Umkehr zu bewegen. Denn er möchte, dass alle Menschen leben, ewig leben bei ihm in seinem Reich. Wer aber Gewalttat liebt, hast seine „Seele“. נַפְשֹֽׁו nafscho meint, wie schon oft erklärt, nicht nur einen bestimmten getrennten Teil des Menschen, sondern seine gesamte Existenz. Mit „Gewalttat“ wird das hebräische Wort חָמָס chamas übersetzt. Es umfasst verschiedene Formen von bösen Taten wie Raub, Gewalt und Ungerechtigkeit. Wer aber so lebt, legt keinen Wert auf den Stand der Gnade und somit auf das ewige Leben. Er verabscheut sogar jene, die vor Gott gerecht sind. Wer sich nichts zuschulden kommen lässt, wird Gottes Angesicht schauen. Denn Gott liebt gerechte Taten.

Joh 21
20 Petrus wandte sich um und sah den Jünger folgen, den Jesus liebte und der beim Abendmahl an seiner Brust gelegen und ihm gesagt hatte: Herr, wer ist es, der dich ausliefert?
21 Als Petrus diesen sah, sagte er zu Jesus: Herr, was wird denn mit ihm?
22 Jesus sagte zu ihm: Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht das dich an? Du folge mir nach!
23 Da verbreitete sich unter den Brüdern die Meinung: Jener Jünger stirbt nicht. Doch Jesus hatte ihm nicht gesagt: Er stirbt nicht, sondern: Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht das dich an?
24 Dies ist der Jünger, der all das bezeugt und der es aufgeschrieben hat; und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist.
25 Es gibt aber noch vieles andere, was Jesus getan hat. Wenn man alles einzeln aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die dann geschriebenen Bücher nicht fassen.

Gestern haben wir schon den wunderbaren Satz „liebst du mich?“ von Jesus gehört, der damit seinen schuldig gewordenen Freund konfrontiert. Am Ende des gestrigen Evangeliums ging es dann um das Lebensende des Petrus. Jesus deutete die Festnahme Petri und seine Hinrichtung an.
Heute hören wir die Fortsetzung und das Ende des Johannesevangeliums.
Petrus reagiert auf Jesu Worte sehr gelassen und macht keinen Aufruhr, wie man es sonst von ihm kennt. Entweder hat er die Andeutung nicht richtig verstanden oder er ist jetzt schon auf dem Weg der Veränderung zu einem neuen Menschen. Es ist bemerkenswert, dass Petrus sich zu Johannes umwendet und Jesus nach dessen Geschick fragt. Vielleicht fragt er ausgerechnet nach diesem, weil er der Jüngste ist, vielleicht auch, weil er der einzige Unverheiratete ist. Vielleicht tut er dies aber auch, weil Johannes sich um Jesu Mutter kümmern wird.
Jesus weist ihn dahingehend zurecht, dass er nicht nach dem Leben der anderen fragen, sondern sich um sein eigenes Seelenheil kümmern soll (Du folge mir nach). Anscheinend ist die Frage weniger von Sorge als vielmehr von Neugier getragen. Deshalb sagt Jesus auch zweimal: „Was geht das dich an?“ Dabei spricht Jesus diesen Satz zusammen mit dem Bedingungssatz: „Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme“.
Wegen dieser Aussage denken die anderen Jünger, dass Johannes nicht sterben werde. Doch Jesus meinte damit nicht, dass Johannes unsterblich sein werde. Die Grammatik des Bedingungssatzes weist auf einen prospektiven Fall hin, das heißt: Jesus geht als Sprecher dieses Satzes davon aus, dass dieser Fall in der Zukunft eintreten wird. Es ist kein Konditionalsatz irrealis, bei dem Jesus einen unwahrscheinlichen Fall anspricht im Sinne von „Und wenn ich sagen würde, dass er nicht sterbe, bis ich komme“. Jesus sagt nie etwas daher und selbst die Grammatik bestätigt, dass Johannes nicht sterben wird, bis Jesus kommt. Wir wissen, dass er als einziger Apostel nicht den Märtyrertod sterben wird, dass er aber zum heutigen Zeitpunkt gestorben ist, also bevor Jesus am Ende der Zeiten wiederkommen konnte. Das ist also nicht gemeint. Wenn man von einer Identität des Apostels und Evangelisten Johannes mit dem der Offenbarung ausgeht, könnte es meinen: bis Jesus in der Vision zu ihm kommt, um alles zu offenbaren.
Am Ende seines Buches schreibt Johannes, dass er dieser Jünger ist, den Jesus liebt. Er beteuert den Wahrheitsgehalt seines Evangeliums, das er als Zeugnis betrachtet.
Und dann sagt er im letzten Vers etwas Entscheidendes, das das reformatorische Sola Scriptura vernichtet: „Es gibt aber noch vieles andere, was Jesus getan hat.“ Er selbst erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und sagt selbst, dass gar nicht alles, was Jesus gesagt und getan hat, in ein Buch hineinpasst. Wollte man es versuchen, könnte die Welt diesen Haufen Bücher gar nicht fassen. Das sind deutliche Worte. Jesus ist mit seinem ganzen Wesen Exeget des Vaters. Wollte man jede Kleinigkeit, jeden Atemzug, jeden Blick, jede Lehre, jedes Gespräch literarisch festhalten, würde es die ganze Welt vom Umfang überfordern, aber auch vom Verstehen her. Jesus sagte in den Abschiedsreden zu seinen Aposteln, dass sie jetzt noch nicht alles verstehen und sie deshalb den Heiligen Geist brauchen. Er werde sie in alle Wahrheit leiten.

Heute enden zwei biblische Bücher, die uns in den letzten 49 Tagen begleitet haben, die ganze Osterzeit hindurch. Heute beenden wir sie, weil morgen Pfingsten ist, dieses große Geburtstagsfest der Kirche. Beten wir heute noch einmal intensiv um den Heiligen Geist. Öffnen wir unsere inneren Tore ganz weit, damit er mit seinen Gaben, Früchten und Charismen einziehen kann. Erneuert durch seinen Geist werden nicht nur wir als Einzelmenschen, sondern auch die Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen erneuert. Das benötigen wir in unserer heutigen Zeit der absoluten Dekadenz unbedingt! Und möge der Geist auch auf die ganze Welt kommen, die so geplagt ist von bösen Mächten, Krankheiten, Angst und Panik, unglücklichen Menschen und Unfreiheiten.

Ihre Magstrauss

Freitag der 7. Osterwoche

Apg 25,13-21; Ps 103,1-2.11-12.19-20b; Joh 21,1.15-19

Apg 25
13 Einige Tage später trafen König Agrippa und Berenike in Cäsarea ein, um Festus ihre Aufwartung zu machen.
14 Sie blieben mehrere Tage dort. Da trug Festus dem König den Fall des Paulus vor und sagte: Von Felix ist ein Mann als Gefangener zurückgelassen worden,
15 gegen den die Hohepriester und die Ältesten der Juden, als ich in Jerusalem war, vorstellig wurden. Sie forderten seine Verurteilung,
16 ich aber erwiderte ihnen, es sei bei den Römern nicht üblich, einen Menschen auszuliefern, bevor nicht der Angeklagte den Anklägern gegenübergestellt sei und Gelegenheit erhalten habe, sich gegen die Anschuldigungen zu verteidigen.
17 Als sie dann zusammen hierherkamen, setzte ich mich ohne jeden Verzug tags darauf auf den Richterstuhl und ließ den Mann vorführen.
18 Bei der Gegenüberstellung brachten die Kläger keine Anklage wegen solcher Verbrechen vor, die
ich vermutet hatte;
19 sie führten nur einige Streitfragen gegen ihn ins Feld, die ihre Religion und einen gewissen Jesus betreffen, der gestorben ist, von dem Paulus aber behauptet, er lebe.
20 Da ich mich auf die Untersuchung dieser Dinge nicht verstand, fragte ich, ob er nach Jerusalem gehen wolle, um sich dort deswegen richten zu lassen.
21 Paulus jedoch legte Berufung ein; er wollte bis zur Entscheidung des Kaisers in Schutzhaft bleiben. Daher gab ich Befehl, ihn in Gewahrsam zu halten, bis ich ihn zum Kaiser schicken kann.

Zwischen der gestrigen Lesung, die in Jerusalem spielt, und der heutigen Episode liegen mehrere Kapitel der Apostelgeschichte. In diesen wird beschrieben, wie die Juden in Jerusalem alles Mögliche unternehmen, um Paulus beseitigen zu können. Doch ihnen steht seine römische Staatsangehörigkeit im Weg, durch die er das Recht auf einen ordentlichen Prozess hat. Paulus befindet sich in Haft und soll Opfer eines Anschlags werden. Einige Männer planen, ihn unter dem Vorwand einer genaueren Untersuchung vor den Hohen Rat bringen zu lassen. Doch der Neffe des Paulus bekommt dies mit und warnt die Römer. So schicken diese Paulus nach Caesarea zum Statthalter Felix. Es handelt sich um eine Art Schutzhaft vor der Lynchjustiz der Juden, die es nicht schaffen, die römische Justiz von Pauli Schuld zu überzeugen. Nach zwei Jahren wird dann ein gewisser Festus Statthalter, der den Fall Paulus übernehmen muss (aus historischen Quellen wissen wir, dass Festus 59 n.Chr. das Amt übernommen hat). Auch jetzt versuchen es die Juden noch einmal mit einem Hinterhalt, scheitern jedoch (Sie wollen Paulus unter einem Vorwand nach Jerusalem locken und ihn dann unterwegs umbringen). Schließlich möchte Paulus vor den Kaiser gebracht werden.
In der heutigen Lesung statten König Agrippa und seine Frau dem neuen Statthalter einen Besuch ab. Dort erzählt ihnen Festus von Paulus, den er bisher mehrfach reden gehört hat. Er fasst die bisherigen Ereignisse in Caesarea zusammen: Nachdem Felix ihm den Mann überlassen hat, setzte Festus sich auf den Richterstuhl und hörte die Parteien an. Dabei wurde ihm schnell klar, dass Paulus nichts getan habe, was den Tod oder Haft verdiene. Es ging lediglich um Streitfragen des Glaubens. Er bemerkte zudem eine starke Feindseligkeit der Juden gegenüber Paulus. Weil er sich im jüdischen Glauben aber zu wenig auskennt und dies nicht seinen Kompetenzbereich darstellt, schlägt er Paulus vor, nach Jerusalem zu gehen. Dieser bevorzugt es aber, in Schutzhaft zu bleiben. Vielleicht warnt ihn auch der Heilige Geist, dem zuzustimmen, weil er sonst unterwegs umgebracht werde. So soll sein Fall vor die höchste Instanz gebracht werden – den Kaiser.
Was wir heute nicht mehr hören, ist der Wunsch Agrippas, Paulus auch einmal zuzuhören. Die Gelegenheit wird sich ergeben und Paulus wird eine Verteidigungsrede vor ihm halten.
Paulus hat drei Missionsreisen hinter sich und sitzt nun mehrere Jahre in Haft. Es muss für ihn ein unerträgliches Gefühl sein, nicht weiter fortfahren zu können. Zugleich wird er verstanden haben, dass diese Situation gottgewollt ist. Paulus muss leiden für die Bekehrung vieler Heiden. Das ist eine sehr fruchtbare Situation, wenn man sie als solche bewusst annimmt.

Ps 103
1 Von David. Preise den HERRN, meine Seele, und alles in mir seinen heiligen Namen!
2 Preise den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!
11 Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, so mächtig ist seine Huld über denen, die ihn fürchten.
12 So weit der Aufgang entfernt ist vom Untergang, so weit entfernt er von uns unsere Frevel.
19 Der HERR hat seinen Thron errichtet im Himmel, seine königliche Macht beherrscht das All.
20 Preist den HERRN, ihr seine Engel, ihr starken Helden, die sein Wort vollstrecken, die auf die Stimme seines Wortes hören!

Heute beten wir einen Lobpreispsalm, bei dem der heilige Name Gottes gepriesen werden soll. Dies könnte man als zynisch empfinden, weil Paulus in Schutzhaft sitzt. Was gibt es da zu loben? Und genau dies ist eine falsche Haltung: Wir sollen Gott in jeder Situation loben und preisen. Wir sollen immer dankbar sein für all die guten Dinge, die Gott uns erwirkt hat. Es gibt immer unendlich vieles, wofür wir Gott danken können, auch wenn es gleichzeitig eine nicht erfreuliche Situation gibt. Abgesehen davon endete ich die Ausführungen zum Psalm mit dem Gedanken, dass Paulus jetzt eine viel fruchtbarere Zeit durchmacht, als man auf den ersten Blick vermuten mag.
Der Psalmist fordert die eigene Seele auf, was typischer Psalmenstil ist. Dabei müssen wir berücksichtigen, was mit „Seele“ gemeint ist. Ich sprach in vergangenen Auslegungen mehrfach an, dass es sich dabei um das hebräische Wort נַפְשִׁי nafschi handelt, was mehr als nur einen begrenzten Teil des Menschen umfasst. Es meint vielmehr den ganzen Menschen in seiner Existenz, sein ganzes Leben. Der Herr soll das ganze Leben über gepriesen werden und deshalb soll es auch keinen Moment geben, in dem man die guten Taten Gottes vergisst. Auch Gefängnisaufenthalte wie bei Paulus (eigentlich muss man hier eine Wohnung annehmen, da die Rede von einer „leichten“ Haft ist). Wenn das ganze Leben einen einzigen Lobpreis darstellt, dann ist es auch unmöglich, Gottes Güte zu vergessen.
Beziehen wir das auf die Kirche, gilt dasselbe: Würde die Kirche aufhören, den Lobpreis Gottes durchgängig zu praktizieren, würde sie sehr schnell seine Güte vergessen und sich anderem zuwenden. Dann würde sie aber auch aufhören, Sakrament der Liebe Gottes zu sein, das die Ewigkeit in dieser Welt vorwegnimmt. Deshalb steht die Eucharistie an erster Stelle im kirchlichen Leben sowie im geistlichen Leben des Einzelnen. Für Geistliche gilt sodann an zweiter Stelle das Stundengebet, denn diese sind es, die den Lobpreis auf besondere Weise als Berufung leben. Sie sind ungeteilt dazu fähig, weil sie keine Familie haben, um die sie sich kümmern müssen.
Gott vergibt den Menschen die Schuld, wo sie sich aufrichtig zu ihm bekehren, ihre Sünden bereuen und einen neuen Lebenswandel beginnen. Dies wird uns in bildhafter Sprache deutlich, wenn Gottes Huld so groß beschrieben wird, wie der Himmel hoch über der Erde ist.
Auch Vers 12 ist mit einem sehr romantisch-poetischen Ausdruck eine Umschreibung der Verwandlung des Menschen durch Gott, wenn er sich bekehrt: Gott entfernt unsere Sündhaftigkeit so weit von uns, wie es nur geht – eben „so weit der Aufgang entfernt ist vom Untergang“. Der Psalm greift die Gedanken des Gebets im Buch des Propheten Micha auf. So ist Gott und so sollen wir Menschen beten. Die Sündenvergebung und Verwandlung des Menschen geschieht dabei durch den Heiligen Geist, den der Vater in wenigen Tagen senden wird.
Gott hat die Macht, Menschen zu verwandeln, weil er der Herrscher des Universums ist. Sein Thron ist im Himmel errichtet, nicht auf Erden. Das bestätigt die Worte Jesu vor Pilatus: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Und deshalb führen auch die vielen Anhörungen Pauli und seiner Gegner vor weltlichen Richtern in die Sackgasse. Schließlich geht es dort um Glaubensfragen, um die Frage schlechthin: die Auferstehung von den Toten.
Zum Schluss erfolgt noch ein Lobpreisaufruf, wie er für Psalmen typisch ist. Er richtet sich an die Engel, die den himmlischen Herrscher umgeben. Sie sind ihm gehorsam und sie sind stark. Sie geben Gott die Ehre im Himmel so wie wir auf Erden.

Joh 21
1 Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.
15 Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer!
16 Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!
17 Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Liebst du mich? Er gab ihm zur Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!
18 Amen, amen, ich sage dir: Als du jünger warst, hast du dich selbst gegürtet und gingst, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst.
19 Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen werde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!

Im Evangelium hören wir von der Fortsetzung jener Episode, bei der auferstandene Jesus den Aposteln am See von Tiberias erscheint. Dort hatte er dafür gesorgt, dass sie einen Haufen Fische gefangen haben. Petrus schämte sich vor Jesus und sprang in den See. Er wurde gedemütigt, weil ihm nicht einmal das gelang, was er am besten konnte. Er brauchte diese Demütigung und nun braucht er die Versöhnung mit seinem Herrn.
Als die Apostel ihre Arbeit abgeschlossen haben, kommen sie an Land, wo Jesus ihnen schon eine Mahlzeit zubereitet hat. Während sie so am Kohlenfeuer sitzen und essen, konfrontiert Jesus Petrus mit folgenden Worten: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“ An dieser Anrede ist sehr bemerkenswert, dass Jesus ihn nicht Petrus nennt. Dieser beschämte Mann, der hier bei ihm sitzt, ist alles andere als ein Fels in der Brandung. Er hat Jesus dreimal verleugnet. Er ist ein Angsthase. Er ist voller Komplexe und Hochmut, der ihn zum Fall gebracht hat. Und doch weiß Jesus, dass er ihn auf seine ganz unvollkommene Weise liebt. Er stellt ihm diese Frage dabei nicht, weil er die Antwort nicht weiß. Vielmehr möchte er diese Frage dreimal stellen – für jede Verleugnung. So antwortet Petrus: „Ja, Herr, du weiß, dass ich dich liebe.“ Er weiß, dass Jesus das nicht aus Unkenntnis fragt, denn Jesus kennt sein Herz. Daraufhin fordert Jesus ihn auf: „Weide meine Lämmer.“ Dies wiederholt sich insgesamt dreimal und so wird Petrus traurig. Er versteht wohl, warum Jesus ihn dreimal gefragt hat, nämlich wegen der dreimaligen Verleugnung in der Nacht vor seinem Tod. Und deshalb antwortet er auch beim dritten Mal: „Herr, du weißt alles. Du weißt, dass ich dich liebe.“ Jesus weiß um die dunkelste Seite seines Freundes. Er weiß um sein ängstliches Kreisen um sich selbst. Er weiß, dass Petrus ihn wirklich sehr liebt, aber sich selbst ein wenig mehr geliebt hat. Seine Liebe zu Christus würde aber in Zukunft wachsen und so würde Petrus wirklich sein Leben für ihn hingeben, wie er im Abendmahlssaal noch ganz vorlaut behauptet hat.
Doch zunächst zurück zu der Frage: Liebst du mich? Warum fragt Jesus ihn so etwas? Was Petrus gemacht hat, ist eine Beleidigung Gottes. Wenn der Mensch sündigt, dann tut er etwas, was der Liebesgemeinschaft mit Gott entgegensteht. Es ist wie ein Streit zwischen Liebenden. Und so fragt Gott den Menschen dann: Liebst du mich? Er gibt ihm so die Chance, sich zu entschuldigen und ihn die Liebe zu versichern, die er durch die Beleidigung der Sünde geleugnet hat. Gott reicht als erster die Hand zur Versöhnung. Es liegt am Menschen, diese anzunehmen. Das tut Jesus hier mit Petrus und das tut auch die Kirche mit den Mitgliedern, die gesündigt haben. Sie bietet die Versöhnung an im Sakrament der Beichte, doch kommen und um Vergebung bitten muss der Mensch selbst. Und dann fragt Gott auch den Sünder: Liebst du mich? Dann gibt auch der reumütige Sünder, der zur Umkehr bereit ist, die Antwort des Petrus: Du weißt alles, Herr – um meine Sünden, um meine Unterlassungen und meine Bemühungen, meine Verletzungen und Komplexe. Du weiß, dass ich dich liebe. Und wenn wir nach dem Tod vor Gott stehen, wird er uns diese Frage angesichts unseres gesamten Lebens diese Frage stellen. Dann wird es uns noch mehr schmerzen als Petrus im heutigen Evangelium. Dann wird uns Gott nämlich in seiner brennenden Liebe das ganze Leben zeigen und wir werden sehr traurig auf die Momente unseres Lebens zurückblicken, in denen wir die Liebe zu Gott und zu unserem Nächsten nicht gelebt haben. Dann werden wir es bereuen, können es aber nicht mehr rückgängig machen. Aber nur so können wir eine Läuterung erlangen und dann die Herrlichkeit Gottes ewig schauen.
Jesus sagt zu Petrus nicht nur „liebst du mich?“. Er sagt auch zu ihm: „Weide meine Schafe/Lämmer.“ Das ist sehr wichtig für ihn. Nachdem der übermütige Fels in der Brandung wie eine Seifenblase geplatzt ist und zu einem realistischen Selbstblick erlangt ist, hat er die nötige Demut erlangt, die er als Hirte der Schafe braucht. Nun kann Jesus ansetzen und mit ihm arbeiten. Nun ist er disponiert zur vollen Ausstattung mit dem Heiligen Geist, der am Pfingsttag auf sie kommen wird! So kann Petrus ein würdiger erster Papst werden. Wir sehen an seinem Beispiel, dass Gott nicht Menschen beruft, die schon perfekt und kompetent sind. Vielmehr beruft er sie und beginnt, sie Stück für Stück zu verwandeln, sodass sie immer mehr über sich selbst hinauswachsen. Ein wunderbares Zitat besagt: Gott beruft nicht die Qualifizierten, sondern qualifiziert die Berufenen. Jeremia sträubte sich gegen die Berufung zum Propheten, weil er noch so jung sei und nicht sprechen könne. Gott hat ihm alle Gaben und Gnaden geschenkt, die er auf diesem Weg benötigte. Mose konnte sich nicht gut ausdrücken, doch Gott stellte ihm seinen Bruder an die Seite, der seine Schwächen auffing. Oder hat vielleicht Paulus es verdient, andere Menschen zu evangelisieren, nachdem er Christen verfolgt hat? Menschlich gesehen macht das keinen Sinn, aber Gottes Weisheit ist eine andere. Der Herr entschied in seiner großen Güte, dass dieser Mensch zu einem großen Segen für die ganze Welt werden sollte. Und was ist mit den Aposteln? Sie waren einfache und ungebildete Fischer oder kamen aus anderen einfachen Berufen. Und wenn wir z.B. die Petrusbriefe lesen, merken wir, wie sehr dieser einfache Fischer über sich hinausgewachsen ist! Nicht er spricht hier, sondern der Geist Gottes durch ihn. An solchen Beispielen erkennen wir, dass die Menschen, die scheinbar unqualifiziert sind, die größten Werkzeuge Gottes sind. Warum? Weil sie sich ganz als Werkzeuge benutzen lassen!
Jesus deutet am Ende noch den Tod des Petrus an. Dieser wird in Fesseln gelegt werden und als alter Mann keine Freiheit mehr haben. Er wird geführt werden von anderen und generell seine Eigenständigkeit abgeben müssen. Dies sagt Jesus auch deshalb, weil es Petrus bis dahin sehr schwergefallen ist, sich von Jesus bedienen oder helfen zu lassen. Sein Übermut und Stolz hängen genau damit zusammen. So weigerte er sich zunächst, sich von Jesus die Füße waschen zu lassen. Mit so einer Haltung kann er aber kein Papst werden. Jesus ermutigt ihn hier also, sich von der Gnade Gottes helfen zu lassen. Wie es der natürliche Lauf des Lebens mit sich bringt, muss der Mensch sich zunehmend auf andere verlassen. Besser, er lernt es früher als später.
„Folge mir nach“ – das meint Jesus in Bezug auf die Evangelisierung, den Lebenswandel, aber auch auf seinen Tod. Petrus wird wie Christus gekreuzigt, aber kopfüber. Er wird tatsächlich Gott verherrlichen.

Petrus und Paulus, zwei Männer mit ganz eigenen Problemen, Stärken und Schwächen. Was sie in ihrer jeweiligen Situation brauchen, ist die Gnade Gottes. Und auf diese warten wir alle sehnlichst. In zwei Tagen wird der Geist auf die Apostel herabfahren und so beten wir in der Pfingstnovene um denselben Geist für unser Leben. Möge es wirklich in uns und unserem Haus zu einem Pfinstereignis kommen, egal mit welchen Manifestationen.

Sende aus deinen Geist und das Antlitz der Erde wird neu!

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 7. Osterwoche

Apg 22,30; 23,6-11; Ps 16,2 u. 5.7-8.9-11a; Joh 17,20-26

Apg 22
30 Weil er genau wissen wollte, was die Juden ihm vorwarfen, ließ er ihn am nächsten Tag aus dem Gefängnis holen und befahl, die Hohepriester und der ganze Hohe Rat sollten sich versammeln. Und er ließ Paulus hinunterführen und ihnen gegenüberstellen.
6 Da Paulus aber wusste, dass der eine Teil zu den Sadduzäern, der andere zu den Pharisäern gehörte, rief er vor dem Hohen Rat aus: Brüder, ich bin Pharisäer und ein Sohn von Pharisäern; wegen der Hoffnung und wegen der Auferstehung der Toten stehe ich vor Gericht.
7 Als er das sagte, brach ein Streit zwischen den Pharisäern und den Sadduzäern aus und die Versammlung spaltete sich.
8 Die Sadduzäer behaupten nämlich, es gebe weder Auferstehung noch Engel noch Geist, die Pharisäer dagegen bekennen sich zu alldem.
9 Es erhob sich ein lautes Geschrei und einige Schriftgelehrte aus dem Kreis der Pharisäer standen auf und verfochten ihre Ansicht. Sie sagten: Wir finden nichts Schlimmes an diesem Menschen. Vielleicht hat doch ein Geist oder ein Engel zu ihm gesprochen.
10 Als aber der Streit heftig wurde, befürchtete der Oberst, sie könnten Paulus zerreißen. Daher ließ er die Wachtruppe herabkommen, ihn mit Gewalt aus ihrer Mitte herausholen und in die Kaserne bringen.
11 In der folgenden Nacht aber trat der Herr zu Paulus und sagte: Hab Mut! Denn so wie du in Jerusalem meine Sache bezeugt hast, sollst du auch in Rom Zeugnis ablegen.

Was sich die letzten Tage angebahnt hat, erfüllt sich nun. Paulus ist in Jerusalem angekommen und die Ältesten der Jerusalemer Urgemeinde schlagen ihm vor, ein Nasiräat zu unternehmen, damit sich die hiesigen Juden entgegen der Gerüchte von seiner Treue zum Gesetz überzeugen können.
Doch es kommt alles anders. Als er in den Tempel kommt, findet ein Aufruhr statt, die römischen Soldaten nehmen ihn fest, weil sie in ihm einen richtigen Aufrührer vermuten, fragen ihn aus, erlauben ihm daraufhin, vor dem versammelten Volk eine Verteidigungsrede zu halten und wollen ihn aufgrund der sich nicht beruhigenden Situation unter Geißelhieben befragen. Doch Paulus gibt ihnen zu verstehen, dass sie ungerecht gegen einen römischen Staatsbürger vorgehen. Diese rettet Paulus wiederholt das Leben. So müssen ihn die Soldaten freilassen, denn er ist ohne gerechten Prozess festgenommen worden.
Der Freigelassene möchte nun genau wissen, warum man ihn hatte festnehmen lassen. Deshalb geht er zum Hohen Rat und geht strategisch vor: So hält er eine Ansprache vor den versammelten Sadduzäern und Pharisäern, in der er das Thema der Auferstehung von den Toten anreißt. Damit bringt er DAS spalterische Thema in die Versammlung, denn während die Pharisäer an eine Auferstehung glauben, lehnen die Sadduzäer sie ab.
Dadurch, dass nun ein Tumult entsteht, bei dem die einen gegen die anderen ihre Ansicht verteidigen, stellen sich die Pharisäer hinter Paulus, der ganz bewusst seine eigene pharisäische Identität betont. Sie ziehen eine übernatürliche Begegnung bei dem Bekehrungserlebnis Pauli in Erwägung, da sie ja an Engel und Geister glauben (vom Messias sagen sie allerdings nichts hier). Der Streit wird aber nur heftiger und Paulus gerät total zwischen die Fronten. Man lässt ihn mit Gewalt herausholen und in die Kaserne bringen.
In diese brenzliche Situation hinein gibt Gott Paulus ein, dass er keine Angst haben muss. All dies werde sich lösen, sodass Paulus nach Rom gehen und den Herrn bezeugen wird. Das ist im Grunde schon eine Ankündigung seine Märtyrertodes, denn die Bezeugung wird bis aufs Blut sein (das griechische Wort ist μαρτυρία martyria!).
Was Paulus in Jerusalem durchmacht, ist in Analogie zum Geschick Jesu zu betrachten. Er ist dessen Apostel und braucht keine bessere Behandlung als sein Rabbi zu erwarten. Wie auch Jesus vor seinem Leiden hat er eine Abschiedsrede gehalten und sich dann auf den Weg in die Höhle des Löwen gemacht. Er stirbt keinen Sühnetod, aber der Hass über das Evangelium Jesu Christi ist derselbe.
Paulus ist mutig und lässt sich vor dem Hohen Rat nicht einschüchtern. Das ist eine Frucht des Heiligen Geistes, mit dem er erfüllt ist. Statte Gott auch uns aus mit seinen Gaben, damit auch wir so mutig für den Glauben einstehen, auch wenn wir dafür so einen Hass ernten wie Paulus in der heutigen Lesung!

Ps 16
2 Ich sagte zum HERRN: Mein Herr bist du, mein ganzes Glück bist du allein.

5 Der HERR ist mein Erbanteil, er reicht mir den Becher, du bist es, der mein Los hält.
7 Ich preise den HERRN, der mir Rat gibt, auch in Nächten hat mich mein Innerstes gemahnt.
8 Ich habe mir den HERRN beständig vor Augen gestellt, weil er zu meiner Rechten ist, wanke ich nicht.
9 Darum freut sich mein Herz und jubelt meine Ehre, auch mein Fleisch wird wohnen in Sicherheit. 10 Denn du überlässt mein Leben nicht der Totenwelt; du lässt deinen Frommen die Grube nicht schauen.
11 Du lässt mich den Weg des Lebens erkennen.

Als Antwort auf die Apostelgeschichte beten wir einen vertrauensvollen Psalm. Dieser ist schon bei der Festnahme des Petrus durch den Hohen Rat gebetet worden. Es ist dieselbe Situation – das Leiden für das Evangelium Jesu Christi. Und so wie Gott Petrus nicht im Stich gelassen hat und dieser ganz auf Gott vertraut hat, so ist auch Paulus ganz getragen von der wunderbaren Vorsehung Gottes.
Gott schenkt Freude. Das wird durch das Bild des Bechers ausgedrückt. Der Psalmist drückt sein Vertrauen auf Gott aus, das er die ganze Zeit nicht verloren hat. Der Psalm ist von König David, von dem wir sehr viele Situationen kennenlernen. So oft stand sein Leben auf der Kippe, doch weil er sich dann ganz an Gott geklammert hat, hat dieser ihn auch aus den Nöten herausgeführt.
Auch Christus hat ein solches Vertrauensverhältnis zum Vater gezeigt. Er, dessen Leben komplett auf der Kippe stand, dessen Leben wie das eines Verbrechers weggeworfen wurde!
Jesus hat bis zum letzten Atemzug dieses Vertrauen auf den Vater aufrechterhalten. Dieser war bis zum Schluss sein „ganzes Glück“.
Gott ist Davids Erbanteil – er versteht, dass die ganze Verheißung des Landes und eines Lebens in Fülle von Gott kommt. Er ist es, der Freude schenken kann und das Los jedes Menschen in Händen hält (der Becher, vor allem der gefüllte, ist Zeichen der Freude). Und eben dies hat Christus intensiviert auf einem Niveau, an das kein Mensch heranreicht. Die Freude, die er auch noch am Kreuz nicht verliert (es meint keine Emotion, sondern eine tiefe Gewissheit, dass am Ende alles gut wird), ist ein absolutes Vorbild für alle Leidenden. Der Vater hat ihm den Becher gereicht – nach dem bitteren Kelch kam der Freudenwein, der bis heute gefüllt wird in jeder Heiligen Messe! Damit verbunden ist der Erbanteil für das Reich Gottes, der jedem getauften Christen zugeteilt wird. Der Wein wird auf vollkommene Weise ausgegossen am Ende der Zeiten, wenn die Hochzeit des Lammes kommt. Dann wird eine ewige Freude sein, die nie mehr enden wird! Dann wird der Wein niemals ausgehen wie bei der Hochzeit zu Kana.
Gott ist es auch, der dem Menschen Rat gibt. Er tut es durch das Innere des Menschen. Wir sagen heute durch das Gewissen. Der Herr gibt es dem Menschen ins Herz, was er tun soll. Deshalb ist es wichtig, ein reines Herz zu behalten, stets im Stand der Gnade zu sein und ein geschärftes Gewissen zu haben (der Garant dafür ist das Sakrament der Versöhnung!). König David hat es selbst in den Nächten seines Lebens erfahren, das heißt vor allem im moralischen Sinne. Wenn er sich gegen Gott versündigt hat und die Konsequenzen seines Handelns zu spüren bekommen hat, hat er sich dennoch nicht aufgegeben und sich noch mehr an den Herrn geklammert. Dieser hat ihn von der Nacht wieder in den Tag geführt.
Und von Jesus wissen wir von der tiefsten Nacht. Diese hat er am Kreuz verspürt, auch wenn es keine moralische Nacht ist. Er ist selbst zur Sünde geworden, gemeint ist das Kreuz, doch selbst hat er nie gesündigt. Er ist in die Nacht des Todes hinabgestiegen, um am Ostermorgen mit dem Sonnenaufgang von den Toten aufzustehen!
David hat den HERRN beständig vor Augen, dieser ist zu seiner Rechten. Diese Worte weisen über ihn hinaus auf den Messias, der nun wirklich nach seinem Tod, seiner Auferstehung und Himmelfahrt den Vater beständig vor Augen hat! Er ist zu seiner Rechten, wie wir im Glaubensbekenntnis beten.
Jesus ist der erste der neuen Schöpfung, der sich freuen kann, ewig beim Herrn zu sein. Ihm werden wir es gleichtun, wenn wir bis zum Schluss standhaft geblieben sind und von Gott heimgeholt werden in die himmlische Heimat. Dann wird auch unser Herz sich ewig freuen. Und am Ende der Zeiten wird auch mein und unser Fleisch in Sicherheit wohnen, wenn die Seele sich mit ihm wieder vereinen wird. Dann werden wir mit unserem ganzen Dasein bei Gott sein so wie Jesus und auch Maria.
Der Grund ist klar: „Denn du überlässt mein Leben nicht der Totenwelt; du lässt seine Frommen die Grube nicht schauen.“ Wir müssen die Grube, die ewige Abgeschnittenheit von Gott und den seelischen Tod nicht schauen, der die Hölle ist. Wir dürfen leben. Das ist für uns der Grund für die unerschütterliche Hoffnung in unserem Leben. Es ist eine Freude, die uns schon in diesem Leben geschenkt wird, eine Gewissheit, die uns durch alles Leiden hindurchträgt. Diese Grube, die wir nicht schauen werden, daran glauben die Sadduzäer in der Apostelgeschichte nicht. Für sie ist alles mit dem Tod vorbei, nicht einmal die Grube wird es geben.
Und dabei hat Gott durch die Propheten des Alten Testaments und schließlich durch seinen eigenen Sohn den „Weg des Lebens“ aufgezeigt – die Lebensweise, die ein Leben nach dem Tod ermöglicht. Dieser Weg des Lebens ist es, den Paulus auf der ganzen Welt verkündigt und für den er solch heftigen Anstoß erregt. Sie haben die Zeit der Gnade nicht erkannt, wie sie es schon bei Jesus nicht getan haben. Dabei hat Jesus mit seinem ganzen Wesen kommuniziert, dass er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist.

Joh 17
20 Ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben.

21 Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.
22 Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins sind, wie wir eins sind,
23 ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und sie ebenso geliebt hast, wie du mich geliebt hast.
24 Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor Grundlegung der Welt.
25 Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast.
26 Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und ich in ihnen bin.

Im Evangelium hören wir wieder einen Ausschnitt aus dem hohepriesterlichen Gebet Jesu im Abendmahlssaal.
Jesus betet zum Vater, dass die gesamte Fürbitte nicht nur seine Apostel umfasst, sondern alle Christusgläubigen. Jesus möchte, dass sie alle gerettet werden. Er bittet im Voraus dafür und wird die Versöhnung dann durch seinen Kreuzestod besiegeln.
Er möchte, dass alle eins sind, wie er mit dem Vater und der Vater mit ihm. Die Einheit bezieht sich nicht einfach auf die Übereinstimmung von Meinungen und Einstellungen. Sie sollen aus demselben „Teig“ gemacht sein, dem Sauerteig des Reiches Gottes, das heißt Teil der neuen Schöpfung im Heiligen Geist. Das heißt, dass Jesus hier beim Vater den Wunsch der Taufe für alle äußert. Sie sollen alle für die Ewigkeit leben und der Welt fremd sein (nicht von dieser Welt). Daraus ergeben sich dieselben Auffassungen und eine gemeinsame Einstellung. Wenn sie eine neue Schöpfung sind, werden sie auch anders leben, was den Außenstehenden auffallen wird. Sie lieben mit der Liebe des Vaters, den er seinem Sohn gezeigt hat und des Sohnes, die er dem Vater gegenüber gezeigt hat. Und sie lieben mit der Glut des Heiligen Geistes, der sie erfüllt, mit allen Geistesgaben ausstattet, in ihrem seelischen Tempel Wohnung nimmt und von dort aus die Gedanken, Worte und Werke der Getauften bestimmt. Wird dieser Geist in der Welt durch die neue Lebensweise der Christen sichtbar, werden die Menschen glauben, dass Jesus wirklich vom Vater gesandt worden ist, wie er während seines irdischen Aufenthaltes immer wieder gesagt hat. Sie werden nämlich die Liebe, die Gott in sich selbst ist, in der Gemeinde widerspiegeln. Sie wird wahrlich einen Spiegel des Wesens Gottes darstellen.
Jesus hat ihnen die Herrlichkeit gegeben, damit sie eins sind. Dies können wir in dieser Zeitform auf die Eucharistie beziehen, die er an dem Abend gestiftet hat. Sie etabliert nämlich die communio der Apostel, die Gemeinschaft. Wenn das Pfingstereignis kommt, wird diese Einheit noch vervollkommnet durch den Heiligen Geist. Dieser ist es, der die Gläubigen in Taufe und Firmung zu einer Glaubensgemeinschaft zusammenwachsen lässt als Leib Christi, den sie in der Eucharistie dann empfängt. Beides – die Speise und der Trank – verleihen den Gläubigen die Herrlichkeit des Himmels. Die Einheit der Gläubigen bezieht sich dann aber nicht nur auf die „horizontale“ Ebene (zwischenmenschlich), sondern auch auf die vertikale (zu Gott).
Jesus lässt in dem Gebet zum Vater auch durchblicken, warum er diesen Wunsch hat und ihn auch umsetzt durch sein Erlösungswirken: Er möchte, dass alle Menschen dort sind, wo er ist. Das meint die Liebesgemeinschaft mit dem Vater, der für Menschen nie in dem Maße wie bei Jesus erreichbar ist (weil Menschen Menschen bleiben und keine Götter werden!). Stattdessen werden sie hineingenommen in die Liebe zwischen Vater und Sohn. Moralisch wird dies als „Stand der Gnade“ bezeichnet. Mit dem Vater verbunden werden wir auch durch die Sakramente, allen voran durch die Eucharistie. Die Vereinigung mit Jesus bedeutet nämlich zugleich die Vereinigung mit der Heiligsten Dreifaltigkeit. Und wenn wir dann in diesem Liebeszustand sterben, werden wir auch da sein, wo Jesus ist – an der Seite Gottes im Himmelreich.
Jesus wünscht, dass alle Menschen seine Herrlichkeit sehen. Dies wird geschehen am Ende der Zeiten, wenn er wiederkommt auf die Weise, in der er in den Himmel aufgefahren ist – dann aber verherrlicht. Die Herrlichkeit Christi „schauen“ wir in verborgenem Zustand in der Eucharistie. Was unsere physischen Augen nicht sehen, sieht unser Glaube – die Vergegenwärtigung der brennenden Liebe Christi. Er war bereit, für uns zu sterben.
Auch wenn die Welt Jesus nicht erkannt hat – das meint wieder die gefallene Schöpfung -, so haben doch die Jünger Jesu erkannt, wer er ist bzw. wie die Liebe zwischen ihm und dem Vater ist. Das Erkennen hat eine tiefe Bedeutung, über die ich in den Blogeinträgen der vergangenen Tage gesprochen habe.
Jesus hat ihnen den Vater ganz geoffenbart. Er hat ihnen seinen Namen kundgetan, er, der die authentische Exegese des Vaters in Person ist. Sein Name, der schon Mose offenbart worden ist, ist seine Eigenschaft, immer für die Menschen da zu sein. Jesus hat ihnen die immerwährende Gegenwart Gottes stets bezeugt. Wie viele Zeichen und Wunder hat er tagtäglich erwirkt! Durch seine eigene göttliche Identität ist den Jüngern das auf ganz verdichtete Weise deutlich geworden! Gott ist nicht eine abstrakte Kraft, die irgendwo im Himmel schwebt, sondern er brennt so sehr in Liebe zu den Menschen, dass er ihnen so nahe wie möglich sein wollte. Deshalb hat er Fleisch angenommen! Das ist wirklich die absolute Offenbarung des Gottesnamens Jahwe („ich bin“). Nicht umsonst ist der Beiname des Messias auch Immanuel („Gott mit uns“).

Ihre Magstrauss

Mittwoch der 7. Osterwoche

Apg 20,28-38; Ps 68,29-30au. 30bu. 32b.33-34.35-36; Joh 17,6a.11b-19

Apg 20
28 Gebt Acht auf euch und auf die ganze Herde, in der euch der Heilige Geist zu Vorstehern bestellt hat, damit ihr als Hirten für die Kirche des Herrn sorgt, die er sich durch sein eigenes Blut erworben hat!
29 Ich weiß: Nach meinem Weggang werden reißende Wölfe bei euch eindringen und die Herde nicht schonen.
30 Und selbst aus eurer Mitte werden Männer auftreten, die mit ihren falschen Reden die Jünger auf ihre Seite ziehen.
31 Seid also wachsam und denkt daran, dass ich drei Jahre lang Tag und Nacht nicht aufgehört habe, unter Tränen jeden Einzelnen zu ermahnen.
32 Und jetzt vertraue ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade an, das die Kraft hat, aufzubauen und das Erbe in der Gemeinschaft der Geheiligten zu verleihen.
33 Silber oder Gold oder Kleider habe ich von keinem verlangt;
34 ihr wisst selbst, dass für meinen Unterhalt und den meiner Begleiter diese Hände hier gearbeitet haben.
35 In allem habe ich euch gezeigt, dass man sich auf diese Weise abmühen und sich der Schwachen annehmen soll, in Erinnerung an die Worte Jesu, des Herrn, der selbst gesagt hat: Geben ist seliger als nehmen.
36 Nach diesen Worten kniete er nieder und betete mit ihnen allen.
37 Und alle brachen in lautes Weinen aus, fielen Paulus um den Hals und küssten ihn;
38 am meisten schmerzte sie sein Wort, sie würden ihn nicht mehr von Angesicht sehen. Dann begleiteten sie ihn zum Schiff.

Gestern endete die Lesung damit, dass Paulus den Ephesern endgültige Abschiedsworte sagte. Dies wird heute fortgesetzt.
Paulus ermahnt sie dazu, auf sich und die Gemeinde aufzupassen, denn es wird reißende Wölfe geben, die die Herde Jesu angreifen werden. Das bedeutet, dass es vielerlei Angriffe geben wird. Wir haben die Epheser schon zuvor kennengelernt als sehr eifrige Verehrer der Artemis, die Streit anzetteln können, wenn ihre Göttin nicht angemessen verehrt wird.
Zu den Angriffen von außen werden Angriffe von innen dazukommen: Eigene Gemeindemitglieder werden mit häretischem Gedankengut auftreten und die anderen für sich gewinnen. So wird Spaltung in die Gemeinde kommen.
„Seid also wachsam“ klingt sehr nach den Worten Jesu, die er zum Ende seines Wirkens immer häufiger und lauter gesagt hat. Die Epheser müssen wachsam sein, damit sie diese Entwicklungen entdecken und nicht auf sie hereinfallen. Sie sollen alles von innen und außen aufmerksam beobachten. Paulus sagt, dass er drei Jahre lang Tag und Nacht unter Tränen jeden ermahnt hat. Er hat sich sehr in dieser Gemeinde engagiert und so ist nach mehreren Jahren eine gut strukturierte und stabile Gemeinde entstanden. Seine Tränen zeigen, dass er in das Seelenheil der Menschen Herzblut hineingesteckt hat.
Paulus kann nun nichts mehr tun, da er wieder zurückreisen muss. So vertraut er die Gemeinde Gott an, der mit seiner Kraft und Gnade die Christen in Ephesus aufbauen und das Erbe verleihen kann. Mit dem Erbe ist die Taufe gemeint, durch die Menschen zu Erben des Himmelreichs werden.
Er erinnert die Epheser daran, dass er für seinen Unterhalt stets gearbeitet hat. Zuvor haben wir schon einmal gehört, dass sein Beruf die Zeltmacherei ist. Er hat als Missionar nie auf Kosten anderer gelebt, obwohl er darauf einen Anspruch gehabt hätte. Dabei hat er nicht nur die Kosten für sich selbst gedeckt, sondern auch die seiner Begleiter. Er erinnert sich deshalb an all diese Dinge, weil er sie dazu ermahnen möchte, sich an diesem Beispiel zu orientieren. Sie sollen ebenso für die anderen einstehen nach dem Motto „geben ist seliger als nehmen“, das Jesus selbst geprägt hat.
Als Paulus seine Worte zuende gesprochen hat, beten sie gemeinsam. Es ist ein emotionaler Abschied und die Anwesenden weinen sehr. Sie küssen Paulus und wollen ihn am liebsten nicht gehen lassen denn es ist ein endgültiger Abschied. Dann begleiten sie ihn zum Schiff, mit dem er nach Tyrus fährt.
All das erinnert an Jesu Abschiedsreden im Abendmahlssaal, was kein Wunder ist. So wie Jesus als guter Hirte seinen Aposteln noch wichtige Ermahnungen, Warnungen, Trostworte zusprechen möchte, da diese sein Werk weiterführen werden, so ist es auch in der Nachfolge Christi mit Paulus, der seinen Presbytern all diese Dinge noch zu sagen hat, die dessen Apostolat weiterführen werden. Wir spüren dabei, dass sich etwas anbahnt. Paulus hat schon selbst Eingebungen bekommen, dass etwas passieren wird, doch er muss den Willen Gottes gehorsam annehmen.

Ps 68
29 Aufgeboten hat dein Gott deine Macht. Bekräftige, Gott, was du für uns getan hast,
30 von deinem Tempel aus, hoch über Jerusalem, wo dir Könige Tribut entrichten.
32 Aus Ägypten kommen kostbare Stoffe; Kusch hebt eilends zu Gott seine Hände.
33 Ihr Königreiche der Erde, singet für Gott, singt und spielt für den Herrn,
34 der dahinfährt über den Himmel, den uralten Himmel, der seine Stimme erhebt, seine machtvolle Stimme!
35 Gebt Gott die Macht! Über Israel ragt seine Hoheit, seine Macht ragt bis zu den Wolken.
36 Furcht gebietend bist du, Gott, von deinem Heiligtum aus, er ist der Gott Israels, der dem Volke Macht und Stärke gibt. Gott sei gepriesen!

Wir beten erneut einen Ausschnitt aus Psalm 68 als Antwort auf die Lesung. Es handelt sich dabei um ein Lied, das den Triumphzug Gottes preist.
Die heutige Passage ist mitten aus dem Psalm herausgenommen, der Israel direkt anspricht. Deshalb heißt es auch „aufgeboten hat dein Gott deine Macht“. Er hat wirklich jederzeit alles unternommen, um sein Volk zu retten. So wird hier im Psalm die Bitte an Gott formuliert, die Treue zu seinem Volk zu bekräftigen. Die Wendung „von deinem Tempel aus“ ist die intensivste Form, durch die Gott den Israeliten etwas bereiten kann. Hier ist er gegenwärtig und den Menschen nahe. Er ist mächtiger als die Könige, weshalb diese ihm auch Tribut entrichten müssen und nicht umgekehrt. Das ist Zeichen seines Sieges über die weltlichen Mächte. Gottes Triumph erkennen auch die Nichtisraeliten an, indem z.B. die Ägypter kostbare Stoffe nach Jerusalem bringen. Auch Kusch gibt Gott die Ehre, was durch die Geste des Erhebens der Hände angedeutet wird. Ägypten hat Israel viele Jahrhunderte beheimatet und zuletzt wie Sklaven behandelt. Kusch ist eine alte Bezeichnung für ein bestimmtes ägyptisches Gebiet und ebenso eine Andeutung Ägyptens.
Gott ist Herrscher über das ganze Universum. Deshalb wird hier auch ein Lobaufruf an alle Königreiche der Welt formuliert. Oft lesen wir im Alten Testament, dass die nichtjüdischen Völker um Israel herum deren Gott anerkennen, weil sie die großen Zeichen gesehen oder von ihnen gehört haben, die Gott beim Auszug und zuvor vollbracht hat – die zehn Plagen, die Spaltung des Roten Meeres, die Speisung und Tränkung in der Wüste, die Landnahme. Sie erkennen, dass es ein großer Gott ist. Was hier ansatzweise beginnt, wird sich in frühchristlicher Zeit so richtig entfalten: Dort sind es die heidnischen Völker der vielen Orte im Römischen Reich, die viele Zeichen und Wunder durch die Apostel Jesu Christi miterleben und dadurch Gott die Ehre geben. Am Ende der Zeiten werden alle anerkennen, dass Gott der Allherrscher ist, wenn der Schleier des Verborgenen gelüftet wird und Christus in seiner Herrlichkeit wiederkommen wird. Ähnlich wird es in Vers 34 angedeutet: Er ist es, der dahingefahren ist in den Himmel auf einer Wolke (im Hebräischen steht in Vers 34 „in“ nicht „über“). Von dort wird er auch wiederkommen. Er ist derselbe wie die uralte Stimme, die schon bei der Schöpfung gesprochen hat „es werde Licht“ usw. Es ist dieselbe Stimme, die aus dem Dornbusch erklang mit den Worten „Ich bin“. Es ist dieselbe Stimme, die am Kreuz sterbend ausgehaucht hat „es ist vollbracht“. Der Vater ist der Sprechende, der Sohn das Wort.
Dann erfolgt eine wiederholte Aufforderung, Gottes Macht anzuerkennen, die über Israel ragt. Am Ende wird Gott direkt angesprochen, der Furcht gebietend ist. Dies ist nicht dasselbe wie Angst einflößend. Vielmehr wird damit die Ehrfurcht ausgedrückt, die die einzig angemessene Reaktion der Menschen auf Gottes überwältigende Heilstaten darstellt. Seine Macht verleiht er seinem Volk. Dies gilt auch für den neuen Bund. Wer die Erlösung und damit verbundene Gnade annimmt, sich taufen lässt und ein Leben in der Liebe Gottes führt, wird mit allen Geistesgaben ausgestattet. Durch die Gnade wird der Mensch „mächtig“ im Sinne einer heroischen Liebe, die sich ganz verschenkt. Gott verleiht diese Macht von seinem Tempel aus. Auch das gilt bis heute, nämlich vom Tempel des Leibes Christi, der die Kirche ist und in der Eucharistie den Gläubigen hingegeben wird. Von ihm her werden wir liebesmächtig, denn mit den Worten Pauli „lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20). Er kommt in das Herz der Gläubigen, wo er bleibt und von wo aus er die Gedanken, Worte und Werke bestimmt. Er nimmt Wohnung im Tempel der Seele.
Gott sei gepriesen – so endet der gesamte Psalm und das ist, was bleibt. Wenn die ganze Welt zusammenfällt, wenn die Geschichte in einem apokalyptischen Chaos endet, wenn kein Stein mehr auf dem anderen bleibt, dann bleibt der ewige Lobpreis in der Herrlichkeit Gottes.

Joh 17
6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast.
Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir! 12 Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllte.
13 Aber jetzt komme ich zu dir und rede dies noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben.
14 Ich habe ihnen dein Wort gegeben und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin.
15 Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst.

16 Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin.
17 Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit.
18 Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt.
19 Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.

Im Evangelium hören wir wieder einen Ausschnitt aus dem hohepriesterlichen Gebet Jesu. Vers 6 ist uns schon zuletzt begegnet: Jesus hat den Menschen Gott gezeigt. Sein „Name“ bezieht sich auf die Offenbarung im Dornbusch und deutet die Eigenschaft des ewigen Seins mit den Menschen an. Jesus hat diese Zuwendung Gottes durch sein Wesen, seine Worte und Taten ganz gezeigt. Er hat den Jüngern alles offenbart und appelliert nun an die Treue des Vaters, diese Eigenschaft auch jetzt an den Seinen zu bewahren. Er soll sie nicht verlassen, wenn Jesus gehen muss, damit sie eins sind und sich nicht zerstreuen wie Schafe ohne Hirten. Der Vater wird dies wirklich umsetzen durch die Sendung des Beistandes, des Heiligen Geistes. Solange Jesus da war, hat er die Aufgabe erfüllt, sie zusammenzuhalten. Er hat als guter Hirte die Herde immer gut gehütet, damit kein Schaf verloren geht, wie er in dem Gleichnis des Lukasevangeliums erzählt. Bei diesen Worten macht Jesus eine Ausnahme, denn Judas Iskariot wird ihn wenig später dem Hohen Rat ausliefern und damit erfüllen, was die Hl. Schrift angekündigt hat.
Dann sagt Jesus zu seinem Vater, dass er bald zu ihm kommt, diese ganzen Worte aber laut spricht zum Zeugnis für die Apostel, damit sie Freude in Fülle haben. Diese können sie erlangen durch den Heiligen Geist, der bald auf sie herabkommen wird. Freude ist nämlich seine Frucht.
Jesus hat das Wort des Vaters seinen Jüngern gegeben. Das heißt, er hat sich selbst seinen Jüngern gegeben, der er das fleischgewordene Wort ist. Die Welt hasste sie. Die Grammatik zeigt, dass das Hassen eine punktuelle Handlung der Vergangenheit ist. Da es aber erst der Anfang des Hasses ist, müssen wir die Verbform ingressiv verstehen, also als einen Anfang markierend. Dass die Welt die Jünger hasst, hat schon dadurch begonnen, dass die Apostel zu Jesu Jüngern geworden sind. Das liegt daran, dass sie in einer neuen Lebenswirklichkeit leben, die von der göttlichen Weisheit bestimmt ist und deren Lebenswandel auf die Ewigkeit ausgerichtet ist. Die Welt ist aber rein diesseitsbezogen und eine gefallene Schöpfung. Deshalb sind die Jünger nicht mehr von dieser Welt und werden von den Weltlichen nicht mehr verstanden.
Jesus bittet nicht darum, ihnen das Leid zu ersparen. Leiden ist leider vorprogrammiert, weil der freie Wille der Mitmenschen auch zu einer Entscheidung zum Bösen, zum Schaden, zum Hineinziehen Unschuldiger führen kann. Jesus erbittet vom Vater, dass die Jünger dann aber standhalten können und nicht selbst böse werden. Jesus wiederholt, dass die Jünger nicht von dieser Welt sind, wie auch er nicht von dieser Welt ist.
„Heilige sie in der Wahrheit, dein Wort ist Wahrheit.“ Dieser Vers ist sehr dicht und tiefsinnig. Geheiligt werden wir durch die Taufe auf den Namen Jesu. Er sagt von sich selbst, dass er die Wahrheit ist. Wenn Jesus also den Vater darum bittet, dass die Jünger in der Wahrheit geheiligt werden, dann bittet er um die „Taufe“ der Apostel (sie werden ja nicht wie die nachfolgenden Christen im Wasser getauft, sondern am Pfingsttag mit dem Heiligen Geist erfüllt.). Durch dieses Ereignis werden sie zu Christen, also zu Erben des Reiches Gottes und Teil der neuen Schöpfung. Jesus sagt sodann, dass das Wort des Vaters Wahrheit ist. Er identifiziert sich mit diesem Wort, denn er ist das fleischgewordene Wort und zugleich die Wahrheit.
Er erklärt im nächsten Vers, dass es eine Analogie zwischen der Sendung des Sohnes durch den Vater und der Sendung der Apostel durch den Sohn gibt. So werden die Apostel Jesu Werk weiterführen, nämlich die Verkündigung des Gottesreiches. Dadurch werden sie den Willen des Vaters ausführen wie zuvor Jesus in menschlicher Gestalt auf Erden. „In die Welt“ meint bei Jesus wörtlich das Diesseits. Er ist hineingeboren wie jeder andere Mensch auch. Die Jünger sind „in die Welt“ gesandt wörtlich im Sinne der weltweiten Missionsreisen. Dabei denken wir vor allem an den Völkerapostel Paulus, der viele Kilometer zurückgelegt hat, um den Menschen das Evangelium zu bringen. „In die Welt“ meint im geistlichen Sinne aber auch „in die gefallene Schöpfung“. So werden sie als Lebende für die Ewigkeit jenen ausgesetzt, die nur für diese Welt leben, die keine Zukunft haben. Sie sollen die Menschen von der alten zur neuen Schöpfung führen, damit alle gerettet werden.
Jesus heiligt sich für sie, damit sie geheiligt werden. Dies hat er schon begonnen bei der Taufe im Jordan durch Johannes den Täufer. Es ist ein Akt der Buße stellvertretend für die Menschheit. Er selbst ist ohne Sünde und hat keine Buße nötig. Am Kreuz wird diese Buße ihren Höhepunkt erreicht und so wird Jesus auf maximale Weise geheiligt, auch wenn dies erst durch das Osterereignis deutlich wird. Und wenn die Apostel dann auf seinen Tod und seine Auferstehung getauft werden, dann zur Vergebung der Sünden. Sie nehmen dadurch die Erlösung an und werden so als Erlöste geheiligt. Die Erlösung wird von Christus erwirkt, der die Wahrheit ist.

Das hohepriesterliche Gebet ist sehr intensiv und man muss sich ausführlich damit auseinandersetzen. Es eröffnet uns die Liebe und Fürsorge, die Christus für seine Apostel und alle Menschen hat, die ihm damals und heute nachfolgen. Wir merken im Vergleich mit der Apostelgeschichte, dass Paulus dieselbe Art verkörpert, wenn er sich von den ephesischen Presbytern verabschiedet. Er ist ein guter Nachfolger gemäß eines hirtenhaften, „pastoralen“ Wesens wie der gute Hirte Jesus. Beten wir um gute Hirten auch in unserer Zeit! Beten und fasten wir für unsere deutschen Bischöfe, damit sie gestärkt werden und umkehren, wo sie sich von diesem Wesen Jesu entfernt haben.

Ihre Magstrauss

Dienstag der 7. Osterwoche

Apg 20,17-27; Ps 68,10-11.20-21; Joh 17,1-11a

Apg 20
17 Von Milet aber sandte er nach Ephesus und rief die Ältesten der Gemeinde herüber.
18 Als sie aber zu ihm gekommen waren, sprach er zu ihnen: Ihr wisst, wie ich vom ersten Tag an, da ich nach Asien kam, die ganze Zeit bei euch gewesen bin
19 und dem Herrn diente mit aller Demut und unter Tränen und Versuchungen, die mir durch die Nachstellungen der Juden widerfuhren;
20 wie ich nichts zurückgehalten habe von dem, was nützlich ist, dass ich es euch nicht verkündigt und euch gelehrt hätte, öffentlich und in den Häusern,
21 da ich sowohl Juden als auch Griechen die Buße zu Gott und den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus bezeugte.
22 Und nun siehe, gebunden im Geist, gehe ich nach Jerusalem und weiß nicht, was mir dort begegnen wird,
23 außer dass der Heilige Geist mir von Stadt zu Stadt bezeugt und sagt, dass Fesseln und Bedrängnisse auf mich warten.
24 Aber ich achte mein Leben nicht der Rede wert, damit ich meinen Lauf vollende und den Dienst, den ich von dem Herrn Jesus empfangen habe: das Evangelium der Gnade Gottes zu bezeugen.

25 Und nun siehe, ich weiß, dass ihr alle, unter denen ich umhergegangen bin und das Reich gepredigt habe, mein Angesicht nicht mehr sehen werdet.
26 Deshalb bezeuge ich euch am heutigen Tag, dass ich rein bin vom Blut aller;
27 denn ich habe nicht zurückgehalten, euch den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen.

In der Lesung wird uns weiterhin von der dritten Missionsreise des Paulus berichtet. Dabei werden viele spektakuläre Erzählungen übersprungen, die zwischen der gestrigen und heutigen Lesung berichtet werden. Unter anderem werden dort Wunder geschildert, die durch Auflegen der Schweißtücher des Paulus geschehen sind. Sogar Dämonen sind aufgrund von Pauli Kleidungsstücken ausgefahren! Das ist ein biblischer Beleg für die erste Reliquienpraxis!
Es wird auch von einem Aufruhr der Kunsthandwerker der Stadt Ephesus berichtet, die aufgrund der Kritik Pauli an der paganen Götterverehrung ihr Gewerbe in Gefahr sahen. Insbesondere fühlten sie ihre große Artemis Ephesia verunglimpft. Bei einer Versammlung im Theater schreien die Menschen „Groß ist die Artemis Ephesia!“
Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Der große Missionserfolg des Paulus zeigt in dieser Episode seine Schattenseiten.
Dann reist Paulus nach Mazedonien ab mit der Absicht, zunächst nach Jerusalem zurückzukehren und dann nach Rom zu gehen. Dann werden in knappen Worten die weiteren Aufenthalte geschildert wie Mazedonien, Griechenland, besonders wird der Zwischenhalt in Troas erzählt, weil dort ein Mann bei der langen Predigt des Paulus während der Messe schläfrig aus dem Fenster fällt und stirbt, doch von Paulus wieder auferweckt wird. Von Troas kommt er nach Milet und vermeidet es, sich von den Ältesten der Gemeinde von Ephesus persönlich zu verabschieden. Diese kommen von Ephesus zu ihm (die Städte liegen sehr nah beieinander, heutzutage etwa eine Autostunde voneinander entfernt). Paulus ahnt, dass er sie persönlich nicht mehr wiedersehen wird. So hält er eine Art Abschiedsrede:
Er fasst sein Wirken in Kleinasien rückblickend zusammen und erinnert sie daran, dass er die ganze Zeit bei ihnen gewesen ist. Das müssen wir so verstehen, dass es nicht die physische Anwesenheit meint, sondern die seelische Verbundenheit. Die Apostelgeschichte berichtet uns ja immer ausführlich von seinen Reisen. Und doch ist Ephesus eine Stadt, in die er immer wieder zurückkommt und nach dem Rechten sieht. Dort musste er wirklich viel einstecken und hat viele Tränen vergossen über die Ablehnung der Juden, nicht weil sie ihn ablehnten, sondern Gott.
Wenn Paulus dann sagt: „öffentlich und in den Häusern“, dann meint er mit der öffentlichen Predigt zunächst die Synagogen, in die er als erstes ging. Er meint auch die Marktplätze der Städte und in Athen hat er ja sogar auf dem Areopag gesprochen. In den Häusern hat er vor allem im Kontext der Eucharistie gesprochen, denn die Christen haben sich in Hausgemeinschaften getroffen. Dort hat er das Evangelium Jesu Christi verkündet und die Heilige Messe gefeiert. Dabei hat er sowohl Juden als auch Griechen zur Umkehr verholfen.
Er kündigt ihnen an, dass er nach Jerusalem gehen werde „gebunden im Geist“. Das bedeutet, dass dieser ihn dorthin führt, wie er damals Jesus Christus in die Wüste geführt hat. Paulus ist gehorsam und kann nicht anders, als dem Drängen des Geistes zu folgen. Er hat sich dabei selber an ihn gebunden, als er freiwillig den Glauben annahm, getauft und gefirmt und mit allen Geistesgaben ausgestattet worden ist, die er für seine Missionsarbeit benötigt.
Vom Geist wird ihm auch eingegeben bzw. wird er vorgewarnt, dass überall Bedrängnisse auf ihn warten. Er hat immer wieder mit Widerständen zu rechnen und wird mehrfach ins Gefängnis geworfen, angeklagt, sogar gesteinigt. All dies widerfährt ihm, weil er in der Nachfolge Jesu steht.
Dies nimmt er aber bereitwillig auf sich und achtet sein Leben gering. Er setzt wirklich das um, was Jesus über die Jüngerschaft erklärt hat: „Wer mein Jünger sein will, verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Jesus sagt auch, dass wer sein Leben gewinnen will, es verlieren wird und wer sein Leben verliert, es gewinnen wird. Das geschieht bei Paulus. Er achtet sein irdisches Leben gering und nimmt all die Strapazen auf sich um des Himmelreiches Willen und zur Bekehrung der Völker, damit er das ewige Leben gewinnt. Den Lauf, den er vollenden will, ist eine Metapher aus dem Sport. Es meint den Wettlauf als älteste athletische Sportart der Griechen. Und da muss man so rennen, dass man gewinnt. Es bringt nichts, nur 50% zu geben, sondern man gibt alles, um am Ende den Preis zu erhalten. So gibt er alles, um den Preis des ewigen Lebens zu empfangen. Natürlich ist es kein Zufall, wenn Paulus bei den Ephesern solche Metaphern andeutet, da es bei ihnen viele agonale Feste zu Ehren der Götter und später des Kaisers gibt.
Schließlich lässt er die Ältesten unverblümt wissen, dass er sie nicht mehr sehen wird. Er stellt ihnen gegenüber klar, dass er rein vom Blut aller sei. Das verstehen wir am besten vor dem Hintergrund von Ez 33. Dort fordert Gott vom Propheten Rechenschaft für das Blut des Volkes. Paulus möchte hier sagen, dass er den Ephesern nichts von der Verkündigung vorenthalten hat und somit unschuldig am Blut (das heißt hier Leben, dahinter steht die Vorstellung, dass im Blut das Leben des Menschen sitzt) der Epheser ist. Er hat ihnen das ewige Leben nicht vorenthalten durch bewusstes Verschweigen der Wahrheit. Dies erklärt er dann auch einen Vers später, da er den Ratschluss Gottes ganz kommuniziert hat. Es ist ein endgültiger Abschied und auf Paulus werden noch größere Leiden zukommen. Wie er selbst erklärt hat, werden es die schmerzhaften Wehen der Geburt der Kirche sein, die viele Kinder Gottes hervorbringen wird.

Ps 68
10 Reichlich Regen gießt du aus, Gott; dein Erbland – wenn es ermattet war, hast du selbst es wiederhergestellt.
11 Deine Schar ist darin sesshaft geworden; du sorgst in deiner Güte für den Elenden, Gott!
20 Gepriesen sei der Herr Tag für Tag! Er trägt für uns Last, Gott ist unsere Rettung. //
21 Gott ist uns ein Gott der Rettungen, und in der Macht des HERRN, des Herrn, stehen die Auswege vom Tod.

Heute beten wir als Antwort wieder aus dem Ps 68, doch andere Verse als zuvor. Sie thematisieren den Segen Gottes, den er seinen geliebten Kindern erweist. Diesen Segen verdanken wir jenen, die sich ganz für das Reich Gottes aufgeopfert haben wie Paulus in der Apostelgeschichte, wie den vielen anderen Missionaren. Und in allererster Linie jener, dem sie überhaupt erst nachfolgen: Jesus Christus, der Sohn Gottes, der durch sein Kreuz und seine Auferstehung die Erlösung der gesamten Menschheit erwirkt hat.
Die dadurch für uns ausgegossene Gnade wird im Alten Testament oft mit Regen verglichen. Diese Metapher ist für uns ein wichtiger Aspekt und ein roter Faden für den Heiligen Geist als lebendiges Wasser. Im wörtlichen Sinn meint es natürlich den Regen als meteorologisches Phänomen, das die Menschen am Leben erhält, das die Ernte und somit das Überleben sichert. Das ermattete Erbland (das meint das verheißene Land, das Gott den Israeliten gegeben hat), wird durch den Regen wiederhergestellt. Die großen Hungersnöte, die nicht nur zur Ermattung der Menschen, sondern auch mehrfach zum Tod geführt haben, finden dadurch ein Ende.
Der Regen ist aber auch im geistlichen Sinn weiterzubetrachten: Gott sendet seine Gnade auf die ermattete Menschheit, die im Exil aus dem Paradies fern von seiner Gnade ganz eingegangen ist, geschwächt von den Versuchungen des Bösen, in ihrer Hoffnungslosigkeit ganz niedergedrückt. Durch sein Erlösungswirken hat Gott die Tür zum Paradies wieder geöffnet und so den vollen Zugang zur Gnadenquelle wiederhergestellt. Die Menschen können wieder Hoffnung auf das ewige Leben haben! Das alte Israel hatte eine Messiaserwartung irdischer/politischer Art. Doch auch so greift die Regenmetapher: Das entkräftete Volk durch die ganzen Fremdherrschaften wird befreit von einer menschlichen Figur, die politischen Frieden bringt und so wie der Regen auf ausgetrocknetem Land ist. Dazu passt auch die Hirtenmetapher von Ps 23 (Ruheplatz am Wasser).
Wir sehen noch viel weiter: Gott sendet uns den Heiligen Geist. Er ist es, der die Kirche zum Leben erweckt hat und in ihr lebt und wirkt. Er ist es, der auch heute das Anlitz der Erde erneuert, indem er die ausgetrocknete gottlose Gesellschaft wieder neu belebt. Er ist es, der auch die ausgetrocknete Seele des Menschen neu tränkt. Dies geschieht besonders intensiv in der Taufe, die das ewige Leben schenkt, aber auch im Sakrament der Versöhnung, wenn der Geist uns wiederherstellt in den Stand der Gnade.
Die Schar Gottes ist nun nicht mehr nur das Volk Israel, sondern alle Menschen, die ihn annehmen und dadurch in die Familie Gottes neugeboren werden. Sie sind sesshaft geworden in der Kirche, die die Gemeinschaft der Heiligen ist – in der sichtbaren und in der unsichtbaren Welt!
Gepriesen sei Gott tagtäglich, weil er seine Kinder so gut versorgt (vor allem auf die Ewigkeit hin). Er ist wahrlich ein Gott des Heils.
Gott trägt für uns Last und ist nie überfordert. Jesus ermutigt schon im Evangelium, ihm alle Lasten zu übergeben, um den Herzen der Menschen Ruhe zu verschaffen.
Er ist wirklich die Rettung, denn er hat die Sünde der Welt auf sich genommen. Er hat die Welt erlöst und so den Menschen das ewige Leben geschenkt. Die ganze Heilsgeschichte hindurch sehen wir seine Rettungsaktionen. Immer wieder rettet er sein Volk aus der Hand der Feinde, immer wieder bewahrt er seine Kinder vor dem ewigen Tod. Dies kann er deshalb, weil er allmächtig ist und weil er ein Gott des Lebens ist.

Joh 17
1 Dies sprach Jesus. Und er erhob seine Augen zum Himmel und sagte: Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht!
2 Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt.
3 Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus.
4 Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast.
5 Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war!
6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben und sie haben dein Wort bewahrt.
7 Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist.
8 Denn die Worte, die du mir gabst, habe ich ihnen gegeben und sie haben sie angenommen. Sie haben wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast.
9 Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir.
10 Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht.
11 Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt und ich komme zu dir.

Das heutige Evangelium ist ein Ausschnitt aus dem hohepriesterlichen Gebet Jesu. Dieses Gebet vervollständigt die „Liturgie“ Jesu am Abend vor seinem Tod. Er hat die Eucharistie eingesetzt und dabei das Pessachfest typologisch erfüllt. Mit seinem Kreuzestod wird die Versöhnung der Welt mit Gott erwirkt und so verbindet sich die Pessachtypologie des letzten Abendmahls mit der des Jom Kippur, des Versöhnungstages. Bei diesem Fest, das das höchste Fest der Juden darstellt, ist es zur Zeit Jesu so, dass der Hohepriester ausnahmsweise zum Allerheiligsten vordringen darf und mit dem Blut von zwei Opfertieren den Deckel der Bundeslade besprengt. Er tut dies stellvertretend für die ganze Gemeinde und bittet um Vergebung der Sünden des Volkes Israel. Unter anderem wird auch ein Sündenbockritual vorgenommen, bei dem die Sünden des Hohepriesters öffentlich bekannt werden, auf das Tier „übertragen“ und dieses dann in die Wildnis geschickt wird. An diesem Festtag wurde auch ein Opfer zur Reinigung des Tempels dargebracht.
Dies alles müssen wir bedenken, wenn wir Jesu Gebet betrachten. Dann geht uns auf, was den Aposteln in dem Moment vielleicht aufgegangen ist, mindestens dem Mystiker Johannes: Dass Jesus nicht nur Pessach in den Neuen Bund integriert, sondern auch Jom Kippur.
Bevor er zum Gebet ansetzt, hören wir als erstes: „Dies sprach Jesus“. Es signalisiert uns, dass die Reihe der Abschiedsreden nun abgeschlossen ist.
Jesus erhebt die Augen zum Himmel, weil er nun zum Vater sprechen wird. „Die Stunde ist gekommen.“ Im Johannesevangelium hat die Rede von der „Stunde“ eine heilsgeschichtliche Bedeutung. Als Maria ihren Sohn bei der Hochzeit zu Kana auf den ausgegangenen Wein hinweist, entgegnet er ihr: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Es ist nicht wörtlich zu verstehen, denn Jesus meint nie eine bestimmte Stunde des Tages, sondern einen Zeitpunkt im Heilsplan Gottes. Im heutigen Evangelium ist die Stunde des Leidens gekommen, das sehr bald beginnen würde. Und der ganze Vorgang bis zum letzten Atemzug am Kreuz ist ein Prozess der Verherrlichung. Jesus wird über alle anderen erhöht. Der Erhöhung durch den Vater bei der Himmelfahrt geht die Erhöhung am Kreuzesholz voraus. Die „Stunde“ meint zugleich das Hinübergehen zum Vater, zu dem er im Gebet spricht. Und Jesus verherrlicht im Gegenzug den Vater dadurch, dass an ihm Gottes große Taten offenbar werden. Dadurch werden wiederum viele Menschen Gott die Ehre geben.
Jesus spricht über sich in der dritten Person, wenn er als Grund für seine Verherrlichung die Bevollmächtigung durch den Vater nennt. Dieser vertraut ihm alle Menschen an, damit er ihnen das ewige Leben schenke.
Jesus erklärt, worin das ewige Leben besteht – in der Erkenntnis Gottes und seines Gesalbten. Die Erkenntnis eröffnet das ewige Leben, denn wer Gott erkannt hat, kommt zum Glauben an ihn und lässt sich taufen. Wer getauft ist, nimmt die Erlösung Christi an und wird zum Erben des Reiches Gottes eingesetzt.
Dieses Erkennen hat im gesamtbiblischen Zeugnis eine tiefe Bedeutung: Adam und Eva erkennen einander und so wird Eva schwanger. Es ist die liebende Vereinigung zwischen Mann und Frau. Erkennen ist aber auch eine Liebe auf seelischer Ebene. So erkennen z.B. die Emmausjünger beim Brechen des Brotes und Maria Magdalena Jesus am Grab. Es ist eine liebende Vereinigung der Seelen. Und wenn wir nach unserem Tod vor Gott stehen, werden wir ihn erkennen, sodass wir ihn sehen, wie er ist. So werden wir in der ewigen Erkenntnis leben – der ewigen Liebesgemeinschaft mit Gott. Diese ultimative Erkenntnis erfahren wir auf Erden stückhaft schon sakramental, wenn wir Eucharistie feiern. Dann erkennen wir in den eucharistischen Gestalten Jesus Christus. Wir erkennen ihn auch in der Liebe, die uns andere Menschen erweisen.
Jesus hat den Vater auf der Erde verherrlicht, weil er seinen Willen ganz erfüllt hat, der ein Heilswille ist. Er hat alles bis zum letzten Atemzug nach dem Willen des Vaters getan und dann zuletzt gesagt: „Es ist vollbracht.“
Und nun bittet er den Vater darum, dass auch dieser treu alles bis zum Ende vollbringt, sodass der Sohn dann wieder verherrlicht an seiner Seite sitzen wird. Hier spricht Jesus auch seine eigene Präexistenz aus („die ich bei dir hatte, bevor die Welt war“). Jesus ist das fleischgewordene Wort und dieses Wort war im Anfang bei Gott, wie es der Johannesprolog feierlich erklärt.
„Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart.“ Jesus hat den Vater wirklich authentisch ausgelegt. Er hat die Jünger „aus der Welt“ berufen zur Nachfolge (Welt ist hier wieder Ausdruck der gefallenen Schöpfung), damit sie das Herz des Vaters durch die Offenbarung Jesu Christi immer mehr kennenlernen. Mit „Name Gottes“ ist dessen innerstes Wesen gemeint. Auch am brennenden Dornbusch hat sich Gott dem Mose mit einer Eigenschaft oder Tätigkeit als Namensbezeichnung vorgestellt: Jahwe, „ich bin/ich werde sein“. Er ist ein Gott, der für die Menschen da ist und sie nie verlässt. Die Apostel haben das Wort bewahrt, das heißt das Evangelium Jesu Christi in ihre Herzen geschrieben. Nun brauchen sie nur noch den Heiligen Geist, der zur gegebenen Zeit alles wieder hervorholt.
„Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist.“ Der Vater hat den Sohn gesandt, er hat ihn mit allen Vollmachten ausgestattet. Und die Apostel haben einen langen Prozess durchlaufen, bis sie soweit sind, Jesu Herkunft ansatzweise zu begreifen. Selbst in den Abschiedsreden ist ihre Schwerbegrifflichkeit noch durchgesickert.
Konkret nennt Jesus dann das Wort, das Jesus vom Vater empfangen und den Aposteln weitergegeben hat. Man spürt förmlich, dass Jesus beim Vater ein gutes Wort für die Apostel einlegen möchte. Es ist wie eine Apologie oder ein Plädoyer vor Gericht. Nachdem er sie mehrfach gelobt hat, kommt er nun zur Fürbitte: Jesus bittet für seine Apostel, denn sie gehören nun dem Vater.
Der Vater und der Sohn teilen alles miteinander. Alles gehört auch jeweils dem Anderen. Das macht die innige Liebe des dreifaltigen Gottes aus. Und das gemeinsame Werk des Vaters und des Sohnes wird im Glauben der Gläubigen fortgesetzt und deshalb wird Christus in ihnen verherrlicht.
Sie werden weiterführen, was er getan hat, weil sie in der Welt sind (als neue Schöpfung inmitten der gefallenen Schöpfung). Jesus aber geht zurück zum Vater.

Betrachten wir all das vor dem Hintergrund des Jom Kippur, erkennen wir in Christus den Hohepriester, der Gott um Vergebung der Sünden des Volkes bittet – zu diesem neuen Volk Gottes zählt zunächst sein Kern, der Apostelkreis. Jesus bittet im Voraus schon um Vergebung für den Verrat, den seine eigenen Freunde an ihm begehen werden. Er bittet auch für uns alle als Hohepriester, der aber seine eigenen Sünden nicht bekennt. Jesus ist ohne Sünde und kann gar kein Sündenbekenntnis ablegen. Das unterscheidet ihn von den Hohepriestern des Alten Bundes. Und wenn wir dann weiterschauen, was passieren wird, gibt es noch einen entscheidenden Unterschied. Nicht mehr das Blut von Opfertieren wird auf den Deckel der Bundeslade gesprengt, sondern Jesus selbst wird zum Opfer, das seine Gläubigen mit dem kostbaren Blut besprengt. Dies berichtet Johannes im Passionsbericht sehr anschaulich, als durch den Lanzenstoß eines Soldaten ins Herz Jesu Blut und Wasser hervorfließen – sein kostbares Blut der Versöhnung und das Wasser des Heiligen Geistes, auf den wir uns vorbereiten! Jesus ist Hohepriester und Opfer zugleich. Als Makelloser hat er ein ultimatives Jom Kippur erwirkt, den Versöhnungstag, der keinen weiteren mehr notwendig machen wird. Jom Kippur wird lediglich erneuert und in die jeweilige Gegenwart geholt, wenn wir die Eucharistie begehen. Jom Kippur wird auch immer dort Gegenwart, wo wir das Sakrament der Versöhnung empfangen und wo uns die Sünde vergeben wird. Der Tag der Versöhnung wird vor allem dann offenbar, wenn wir in die Ewigkeit eingehen, wo wir Gott unverhüllt erkennen werden, wie er uns erkannt hat.

Jesus betet für seine Apostel, die nach seinem Tod und der Spendung des Heiligen Geistes als Gott ganz Geweihte Christi Werk fortsetzen werden. Bis dahin wird noch sehr viel passieren und die Apostel sind noch längst nicht so weit, dass man sie als brennende Zeugen für Christus bezeichnen kann. Der eine verrät seinen Rabbi, der andere leugnet, ihn zu kennen. Nur einer von zwölf Aposteln steht Jesus bis zum Schluss bei. Und doch schreibt Gott auf krummen Seiten gerade. Sein Werk ist es, in der Schwachheit des Menschen seine Gnade walten zu lassen, damit jeder erkennt, dass er es ist, der durch die Menschen wirkt.
Auf die Fülle dieser Gnade warten die Apostel zusammen mit dem erweiterten Jüngerkreis nach der Himmelfahrt Christi. Es ist im wahrsten Sinne die Ruhe vor dem Sturm. Aber wenn sie den Geist erst einmal empfangen haben, werden sie die Worte Davids im Psalm wirklich beherzigen: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil. Vor wem sollte ich mich fürchten?“

Montag der 7. Osterwoche

Apg 19,1-8; Ps 68,2-3.4 u. 5ad.6-7b; Joh 16,29-33

Apg 19
1 Während Apollos sich in Korinth aufhielt, durchwanderte Paulus das Hochland und kam nach Ephesus hinab. Er stieß dort auf einige Jünger
2 und fragte sie: Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet? Sie antworteten ihm: Wir haben noch nicht einmal gehört, dass es einen Heiligen Geist gibt.
3 Da fragte er: Auf welche Taufe seid ihr denn getauft worden? Sie antworteten: Auf die Taufe des Johannes.
4 Paulus sagte: Johannes hat mit der Taufe der Umkehr getauft und das Volk gelehrt, sie sollten an den glauben, der nach ihm komme: an Jesus.
5 Als sie das hörten, ließen sie sich auf den Namen Jesu, des Herrn, taufen.
6 Paulus legte ihnen die Hände auf und der Heilige Geist kam auf sie herab; sie redeten in Zungen und weissagten.
7 Es waren im Ganzen ungefähr zwölf Männer.
8 Er ging in die Synagoge und lehrte drei Monate lang freimütig und suchte sie vom Reich Gottes zu überzeugen.

Am Samstag haben wir Apollos kennengelernt, einen hellenistischen Juden, der von Aquila und Priscilla in das Christentum eingeführt worden und dann selbst zum Missionar für Jesus Christus geworden ist. Er geht in die Gemeinden, die Paulus gegründet hat oder die schon zuvor bestanden haben. Von ihm erfahren wir heute, dass er in Korinth das Wort Gottes verkündet, während Paulus durch das Hochland reist. Womöglich handelt es sich dabei um das phrygische Gebiet, das den westlichen Teil des kleinasiatischen Hochlandes bildet. Als er wieder Richtung Westküste reist und die Gemeinde in Ephesus besucht, fragt er, ob sie schon den Heiligen Geist empfangen hätten. Dazu muss man sagen, dass Paulus die Gemeinde in Ephesus nicht selbst gegründet hat und deshalb keinen genauen Überblick über das Glaubensleben besitzt.
Doch die Gemeindemitglieder in Ephesus wissen nicht mal, was der Heilige Geist ist, denn sie sind nur mit der Johannestaufe getauft worden. Man kann die Gemeinde also noch gar nicht als christlich bezeichnen. So erklärt Paulus ihnen, dass die Johannestaufe eine Vorbereitung in Buße dargestellt hat für den Messias, der nach ihm kommen sollte. Und dies ist schon geschehen. Nun können sie also die Vergebung der Sünden durch die Taufe Jesu Christi erlangen und so zu Erben des Reiches Gottes werden!
Nachdem er sie darüber aufgeklärt hat, lassen sie sich auf den Namen Jesu Christi taufen und auch firmen. Paulus ist vom Weihegrad her ein Bischof. Er kann die Firmung spenden. So legt er ihnen die Hände auf und der Geist kommt auf sie herab. Sie erleben die typischen Manifestationen des Heiligen Geistes, sodass in Ephesus ein weiteres Pfingstereignis stattfindet. Sie sprechen in Sprachen und prophezeien.
Insgesamt handelt es sich um zwölf Männer, die so zu Christen werden. Paulus bleibt daraufhin noch drei Monate in Ephesus und versucht, in der Synagoge die Gläubigen vom Evangelium Jesu Christi zu überzeugen. Auch in Ephesus wird eine große Gemeinde entstehen. Gottes Vorsehung hat alles gut gefügt.

Ps 68
2 Gott steht auf, seine Feinde zerstieben; die ihn hassen, fliehen vor seinem Angesicht.
3 Wie Rauch verweht, wehst du sie weg. Wie Wachs am Feuer zerfließt, so vergehen die Frevler vor Gottes Angesicht.
4 Die Gerechten aber freuen sich, sie jubeln vor Gott und jauchzen in Freude.
5 Singt für Gott, spielt seinem Namen und jubelt vor seinem Angesicht!
6 Ein Vater der Waisen, ein Anwalt der Witwen ist Gott in seiner heiligen Wohnung.
7 Gott bringt Verlassene heim, führt Gefangene hinaus in das Glück; doch Aufsässige müssen wohnen im dürren Land.

Der heutige Psalm betrachtet Gottes Triumph gegenüber seinen Feinden sowie seine Gerechtigkeit. So bedrohlich unsere Gegner in diesem Leben auch scheinen, sie sind nichts im Gegensatz zur Allmacht Gottes. Mithilfe von Bildern wie dem verwehten Rauch und dem geschmolzenen Wachs veranschaulicht der Psalm Gottes absolute Überlegenheit und die Ohnmacht jener, die uns schaden wollen. Dabei wird Gott mit den Bildern des Windes und des Feuers umschrieben. Das ist kein Zufall und tiefer zu betrachten: Der Rauch wird weggeweht durch den Wind Gottes. Das ist ein gängiges Bild für den Heiligen Geist. Er kann Befreiung vom Rauch des Satans erwirken – in der Kirche, in der Seele, in Familie und Gesellschaft. Und scheint der Feind noch so mächtig zu sein, der Geist Gottes muss nur eine Wehe über ihn bringen und er vergeht.
Gott lässt den Feind schmelzen wie Wachs, weil er Feuer ist. Auch dieses Bild für Gott ist sehr vertraut. Gott ist die Liebe und diese ist wie ein verzehrendes Feuer. In dieser Gestalt zeigt sich auch der Geist Gottes, der im Dornbusch brennt und ihn doch nicht verbrennt. Ebenso ist er es, der am Pfingsttag in Feuerzungen auf die Apostel herabgekommen ist. Gottes Liebe brennt so heiß, dass alles, was nicht selbst Liebe ist, diesem Feuer nicht standhalten kann.
„Die Gerechten aber freuen sich, sie jubeln vor Gott und jauchzen in Freude.“ Die Gerechten sind jene, die Gottes Liebe erwidern, indem sie seine Gebote halten und mit derselben Liebe in dieser Welt seinen Willen tun, wie Jesus sie vorgelebt hat bis zum Tod am Kreuz. Gerecht sind sie auch deshalb, weil sie trotz ihrer menschlichen Schwäche vor Gott gerecht sind. Denn sie nehmen seine Barmherzigkeit in Anspruch durch das Sakrament der Versöhnung. Sie freuen sich, weil Gottes Gericht für Recht sorgt. Die Gerechten können schon in diesem Leben jubeln, weil Gott die Welt erlöst hat durch das Kreuz und die Auferstehung. Sie haben deshalb die Chance auf das ewige Leben, das sie mit der Taufe annehmen. Die Gerechten können sich auch freuen und jubeln in jeder Heiligen Messe. Da wird dieses Heil Gottes nämlich in die Gegenwart geholt, sodass Ströme der Gnade fließen. Und am Ende der Zeiten werden die Gerechten ewig jubeln und jauchzen, denn Gottes Herrschaft ist nun offenbar. Der Tod wird komplett vernichtet und der Widersacher kann ihnen nichts mehr anhaben.
Der Lobaufruf „Singt für Gott, spielt seinem Namen und jubelt vor seinem Angesicht!“ ist die einzig angemessene Konsequenz auf diesen Triumph Gottes. Deshalb tun das die Juden durch das Singen der Psalmen, deshalb tun das die Christen in der Liturgie und die Menschen vor Gottes Angesicht im Himmelreich ohne Ende zusammen mit den Engelscharen!
Gott ist „in seiner heiligen Wohnung“ ein „Vater der Waisen, ein Anwalt der Witwen“. Gott kümmert sich immer um die Benachteiligten. Er ist kein Gott der Elite, sondern ein guter Hirte. Als solcher nimmt er die schwächeren Schafe auf die Schulter und achtet besonders auf jene, die seine Hilfe besonders benötigen. Witwen und Waisen sind im Alten Israel rechtlos. Es gibt keine „Sozialversicherung“ in irgendeiner Form. Keiner kümmert sich um ihre Versorgung und deshalb werden gerade diese beiden Personengruppen in diesem Kontext genannt. Mit der „heiligen Wohnung“ ist einerseits der Tempel in Jerusalem gemeint, der hier im Psalmenkontext den wörtlichen Sinn darstellt. Darüber hinaus erkennen wir hier den Tempel des Leibes Christi, der die Kirche ist. Sie ist nun die heilige Wohnung Gottes, in der er gegenwärtig ist. Und weil bei der Taufe die Herrlichkeit Gottes in unsere Seele Einzug hält, wird auch sie zur heiligen Wohnung. Deshalb werden die Getauften in der Bibel auch Heilige genannt. Gott selbst wohnt in uns. Die heilige Wohnung Gottes ist uns hier auf Erden verborgen. Wir sehen seine Herrlichkeit nicht, glauben aber an seine Gegenwart in jeder Heiligen Messe und im Allerheiligsten. Doch am Ende der Zeiten wird er die Erben seines Reiches in die himmlische Wohnung aufnehmen, das Heiligtum Gottes, wo wir ihn unverschleiert schauen werden.
„Gott bringt Verlassene heim“. Das meint im wörtlichen Sinn jene, die von der Gesellschaft verlassen sind – hier kommen ja als Beispiel die Witwen und Waisen zur Sprache. Man kann darüber hinaus auch die Israeliten betrachten, die aus dem verheißenen Land ausgestoßen bzw. deportiert wurden. Sie bringt der Herr heim in das ihnen verheißene Land. Wir denken aber auch in einem größeren heilsgeschichtlichen Rahmen: Die gesamte Menschheit war verlassen, da durch die Sünde der ersten Menschen das Paradies für sie verschlossen war. Gott hat diese Tür durch das Erlösungswirken Christi wieder geöffnet und holt die Menschen heim in das Himmelreich, das die ewige Heimat der Gläubigen ist. Eingehen können jene, die seine Erben geworden sind durch die Taufe. So wird das Heimholen des Vaters in der Taufe sakramental schon vorweggenommen. Verlassen sind auch jene Menschen, die von Gott weggegangen sind aufgrund der Sünde. Sie haben die Gemeinschaft mit Gott aufgegeben, was eine selbstverschuldete Verlassenheit nach sich zieht. Durch das Sakrament der Versöhnung holt der Vater seine verloren gegangenen Kinder wieder heim in die Gemeinschaft mit ihm, was wir den Stand der Gnade nennen. Auch das Bild des Gefängnisses ist in dieser Richtung zu verstehen. Gott schenkt Befreiung – aus dem Exil außerhalb des Paradieses, aus dem Exil vom Stand der Gnade, aus dem Exil des ewigen Lebens. Gott bemüht sich um jede Seele und umwirbt sie bis zum letzten Moment. Doch wer sich bis dahin nicht von seiner Liebe beeindrucken lässt, den nimmt er ernst. Weil Liebe nicht erzwungen werden kann, lässt er sie die Konsequenz des dürren Landes tragen. Das zeigt uns, dass Gott unseren Willen sehr ernst nimmt. Entscheiden wir uns in unserer Freiheit dazu, ihn zurückzulieben!

Joh 16
29 Da sagten seine Jünger: Siehe, jetzt redest du offen und sprichst nicht mehr in Bildreden.
30 Jetzt wissen wir, dass du alles weißt und von niemandem gefragt zu werden brauchst. Darum glauben wir, dass du von Gott ausgegangen bist.
31 Jesus erwiderte ihnen: Glaubt ihr jetzt?
32 Siehe, die Stunde kommt und sie ist schon da, in der ihr versprengt sein werdet, jeder in sein Haus, und mich alleinlassen werdet. Aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir.
33 Dies habe ich zu euch gesagt, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.

Als Evangelium hören wir den Abschluss der dritten Abschiedsrede. Jesus hat zuletzt über seinen Heimgang zum Vater gesprochen. Die Jünger stellen am Anfang des heutigen Abschnitts fest, dass Jesus nun ziemlich deutliche Worte sagt, statt in Gleichnissen zu sprechen.
Sie erkennen an, dass Jesus alles weiß. Dies zeigt, dass sie seine Macht anerkennen und ihm das auch offen bekennen. Sie erkennen auch seinen Ursprung beim Vater an. Immer wieder hat er darüber gesprochen, doch sie haben durch ihre Nachfragen bewiesen, dass sie ihn gar nicht verstanden haben. Wir denken zum Beispiel an den Satz „zeig uns den Vater, das genügt.“ Dabei hat er das mit jedem Atemzug, mit jedem Herzschlag und mit jedem Blick getan. Nachdem Jesus ihnen so ausführlich sein Testament hinterlassen und sich noch einmal als der Sohn Gottes offenbart hat, sind sie soweit, einiges zu begreifen.
Jesus dämpft sie ein wenig, damit sie verstehen, dass sie eigentlich noch gar nichts begriffen haben und noch gar nicht so weit sind, wie sie denken. Er kündigt ihnen an, dass sie ihn allein lassen werden, nicht mal einige Stunden später nach seiner Festnahme. Jesus sagt dies nicht, um sie fertig zu machen. Er sagt es, damit sie ihre eigene Armut erkennen und den Beistand, den Heiligen Geist ersehnen. Dieser ist es ja, der sie in der ganzen Wahrheit führen wird, ihnen so viel Mut verleiht, dass sie freimütig für Christus sprechen können und die Zeichen tun, die Jesus getan hat.
Jesus wird von seinen engsten Freunden im Stich gelassen werden, doch der Vater wird bei ihm sein. Das ist eine Haltung, die uns etwas ganz Wichtiges für das eigene Leben lehrt: Wenn wir uns auf andere Menschen verlassen und von ihnen erwarten, dass sie Übermenschliches für uns leisten, dann werden wir nie glücklich sein. Denn kein Mensch ist perfekt und kann uns immer nur gut behandeln. Kein Mensch kann allen unseren Erwartungen entsprechen, weil er eben nur ein Mensch und nicht Gott ist. Dieser ist es nämlich, der uns glücklich machen kann. Ihm dürfen wir alles zutrauen, wo Menschen uns enttäuschen. Jesus wird von seinen besten Freunden verraten und im Stich gelassen, was ihm bestimmt wehgetan hat. Die Apostel haben sich damit selbst ins Fleisch geschnitten durch eine solch große Sünde wie den Verrat. Doch an seiner Bemerkung über den Vater, der ihm beisteht, erkennen wir, dass er sich nur auf ihn verlässt.
Diese Lektion ist wichtig für alle (Ehe-)Paare. Kein Partner wird einem immer alles recht machen und irgendwann stößt man immer auf die Grenzen des Anderen. Wenn wir von ihm aber erwarten, dass er perfekt ist und unser Lebensglück von ihm abhängt, werden wir unglücklich sein. Der einzige, der uns glücklich machen kann, und zwar umfassend, ist Gott.
Jesus sagt das alles wie gesagt nicht, um seine Apostel schlecht zu machen, sondern damit sie „Frieden in ihm haben“. Er sühnt auch diese Sünde und Schwachheit der Menschen. Er erwartet von ihnen nicht, dass sie perfekt sind (aufgrund der Erbsünde kann das auch kein Mensch aus eigener Kraft sein). Er erwartet aber von ihnen, dass sie sich der Barmherzigkeit Gottes anvertrauen und seine Vergebung annehmen. Dann werden sie im Frieden sein. Er entlastet sie durch seine Aussage über den beistehenden Vater. Er möchte ihnen trotz ihres unvollkommenen Glaubens sein Heil schenken. Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Er stirbt nicht am Kreuz für perfekte Menschen, die keine Erlösung bedürfen. Er stirbt für alle Menschen, die alle der Vergebung bedürfen.
In der Welt sind die Aposteln sowie alle Christusgläubigen in Bedrängnis, dies erklärte er ausführlich in den Abschiedsreden. Doch weil Christus die Welt besiegt hat, können die Gläubigen Mut schöpfen. Jesus hat die gefallene Schöpfung besiegt und eine neue Schöpfung im Heiligen Geist ermöglicht. Was auch immer mit den Aposteln in Zukunft passieren wird, ihnen wird das ewige Leben in Aussicht gestellt. Nichts kann sie trennen von der Liebe Gottes. Das gilt auch für uns.

Ihre Magstrauss

7. Sonntag der Osterzeit

Apg 1,12-14; Ps 27,1.4.7-8; 1 Petr 4,13-16; Joh 17,1-11a

Apg 1
12 Dann kehrten sie von dem Berg, der Ölberg genannt wird und nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück.
13 Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben: Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelot, sowie Judas, der Sohn des Jakobus.
14 Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.

In der ersten Lesung wird von dem berichtet, was die Apostel zwischen der Himmelfahrt Christi und dem Pfingstereignis tun.
Gemäß dem Auftrag Jesu, in Jerusalem zu warten, verharren sie in Jerusalem in einem Obergemach. Dabei handelt es sich zunächst um die elf verbliebenen Apostel, die hier mit Namen aufgezählt werden. Petrus wird als erstes genannt, weil er unter ihnen eine Vorrangstellung hat. Auch die Frauen sind dort, die Jesus begleitet haben. Ganz entscheidend ist, dass die Mutter Maria anwesend ist. Sie ist der Leib, in dem sich der Geist Gottes ganz entfalten konnte – so sehr, dass Gott in ihr Mensch werden konnte. Wenn nicht sie also im Gebet verharrt und um den Geist Gottes bittet, wer sonst! Sie kann den Aposteln helfen, diese notwendige Haltung einzunehmen, die Pforten des Herzens ganz weit aufzureißen, damit die Fülle des Geistes dort einziehen kann. Sie hält alles zusammen und ist als erste „Pfingstliche“ der Archetyp der Kirche.
Auch die Brüder Jesu sind dort, das bedeutet die Verwandtschaft mütterlicherseits. Der berühmteste von diesen „Brüdern“ ist Jakobus (ich habe über das griechische Wort ἀδελφός adelphos schon oft gesprochen. Es meint im altorientalischen Kulturkreis längst nicht nur den leiblichen Bruder und die Brüder Jesu haben andere Eltern. Es sind Verwandte Jesu.). Er war Nasiräer und lebte besonders asketisch. Er leitete die Jerusalemer Urgemeinde, nachdem Petrus von Jerusalem abgereist ist.
Die Apostel und der weitere Jüngerkreis bereiten sich auf das Geburtsfest der Kirche vor, tun auch wir das?

Ps 27
1 Von David. Der HERR ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist die Zuflucht meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen?
4 Eines habe ich vom HERRN erfragt, dieses erbitte ich: im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens; die Freundlichkeit des HERRN zu schauen und nachzusinnen in seinem Tempel.
7 Höre, HERR, meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und gib mir Antwort!

8 Mein Herz denkt an dich: Suchet mein Angesicht! Dein Angesicht, HERR, will ich suchen.

Wir beten heute einen ganz bekannten Psalm, der das Vertrauensverhältnis Davids zu Gott offenbart. Es gibt hier messianische Hinweise bzw. erkennen wir Christus im Psalm: Der HERR, Jahwe, ist mein Heil. Das hebräische Wort weist denselben Stamm auf wie der Name Jesu. Das ist kein Zufall. Der Psalm ist ganz und gar von Vertrauen geprägt („vor wem sollte mir bangen“, „Zuflucht“, „Hoffe auf den HERRN“). Es ist eben jenes unerschütterliche Vertrauen, das auch die Apostel Gott gegenüber besitzen und weshalb sie Jesu Einladung folgen, den Vater um den Geist zu bitten.
Zugleich wird die Sehnsucht nach dem ewigen Leben deutlich: „im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens“; die Freundlichkeit des HERRN zu schauen“. Das entspricht unseren anagogischen Gedanken zum Beispiel bei den vielen Jesajatexten, in denen das Leben bei Gott im Himmelreich die ultimative Befreiung vom drückenden Joch ist. Es ist auch auf die Apostel zu beziehen, die mit einer brennenden Sehnsucht nach der Wiederkunft Christi und in einer absoluten Naherwartung leben.
Dann wird eine Bitte formuliert: „Höre, HERR, meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und gib mir Antwort!“ Das ist es ja, was Jesus seinen Aposteln in den Abschiedsreden besonders eindringlich erklärt hat: Bittet den Vater. Ich werde für euch einstehen und wenn ihr dann im Heiligen Geist neugeboren seid, werdet ihr eine solche Intimität zum Vater als seine geliebten Kinder haben, dass er euch alles geben wird in meinem Namen. Wie der Psalmist schreibt, suchen die Apostel im Pfingstsaal verharrend das Angesicht Gottes. Sie sehnen sich nach seiner umfassenden Manifestation. Sie dürsten nach dem Heiligen Geist, der sie beleben kann. Auch wir dürsten nach dem Wasser des ewigen Lebens, das uns so umfassend tränkt, dass wir keinen Durst mehr haben müssen. Der Mensch ist auf der Suche nach dem Heiligen Geist, manchmal ohne es zu merken. So hält er instinktiv die Gebote Gottes, um im Liebesradius Gottes zu bleiben. Durch die Sünde entfernt sich der Mensch davon. Der Geist Gottes wird in den Heilsmitteln der Kirche ausgegossen, besonders aber in Taufe und Firmung. Diese Sakramente sind einmalig zu spenden und so muss auch die Eucharistie als besondere Zeit der Geistgabe genannt werden. In Vorbereitung darauf wird der Geist auch in der Beichte in unsere Herzen ausgegossen. Ein sakramentales Leben bringt Freude. Und wenn wir sterben, werden wir mir dem Geist Gottes unverhüllt und in vollem Maße durchdrungen, dass es ein einziges Pfingstereignis sein wird.

1 Petr 4
13 Stattdessen freut euch, dass ihr Anteil an den Leiden Christi habt; denn so könnt ihr auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit voll Freude jubeln.

14 Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr seligzupreisen; denn der Geist der Herrlichkeit, der Geist Gottes, ruht auf euch.
15 Wenn einer von euch leiden muss, soll es nicht deswegen sein, weil er ein Mörder oder ein Dieb ist, weil er Böses tut oder sich in fremde Angelegenheiten einmischt.
16 Wenn er aber leidet, weil er Christ ist, dann soll er sich nicht schämen, sondern Gott darin verherrlichen.

Es geht in der zweiten Lesung weiter mit dem Petrusbrief. Im vierten Kapitel behandelt Petrus weiterhin das Thema Leiden für Christus. Dies tut er wieder in einem paränetischen Rahmen, also in Form von ethischen Unterweisungen. In den vorherigen Versen, die nicht zum heutigen Abschnitt gehören, sagt er, dass die Getauften vor ihrer Taufe genug Zeit mit irdischen Begierden zugebracht haben und nun die Zeit gekommen ist, sich nach dem Willen Gottes zu richten. Nun ein anderes Leben zu führen als früher wird jene erzürnen, mit denen man so ein Leben geführt hat. Ganz konkret heißt das für die Adressaten des Briefes primär ihre Familienmitglieder, die nicht mit ihnen zusammen Christen geworden sind. Da ist Konflikt und Leiden vorprogrammiert.
Und doch ermutigt Petrus die Adressaten und heute auch uns, die wir diese Lesung hören: Wir sollen uns freuen, dass wir auf diese Weise an dem Leiden Christi teilhaben. Er ist verspottet und von seinen engsten Freunden verraten worden. So können wir unsere eigene Situation mit seiner sehr gut identifizieren. Wie oft leiden auch heutige Christen darunter, dass sie die einzigen Gläubigen in ihrer Familie sind. Der Zustand selbst ist nicht gut und Gott leidet mit uns zusammen darunter, dass die Kinder trotz christlicher Erziehung einen anderen Weg gehen wollen. Doch in Situationen, die man nicht ändern kann, weil Glaube nicht erzwungen werden kann, ist es ein Trost, zu wissen, dass dieses Leiden nicht sinnlos ist. Denn wer für Christus leidet, wird auch mit Christus am Ende der Zeiten jubeln. Ein gemeinsamer Karfreitag bedeutet auch ein gemeinsames Ostern.
Petrus formuliert sogar eine Selipreisung, die an die Bergpredigt Jesu erinnert: „Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr seligzupreisen.“ Das hat nichts Pathologisches an sich, so als ob man das Leiden aktiv suchen und sich daran ergötzen soll. Vielmehr meint es, dass es für uns ein Zeichen ist, dass wir auf dem richtigen Weg sind. In den vergangenen Kapiteln des ersten Petrusbriefes hat Petrus die Fremdheit und Andersartigkeit der Getauften im Gegensatz zur gefallenen Welt herausgestellt. Die Heimat ist ins Himmelreich verlegt worden und so leben die Christen nun in der Fremde. Konflikte wegen des Glaubens signalisieren den Getauften, dass sie vom weltlichen Standpunkt aus gesehen wirklich ein Leben in der Fremde, vom göttlichen Standpunkt aus nach Gottes Willen leben.
Der entscheidende Aspekt für das Anderssein ist der „Geist der Herrlichkeit“. Dieser ruht auf den Getauften, denn in ihm sind sie eine neue Schöpfung geworden. Er belebt sie ganz und richtet sie auf die Ewigkeit aus. In Fülle empfangen bleibt er in ihnen.
Petrus sprach schon im Abschnitt von letzter Woche davon, dass es unterschiedliche Ursachen für das Leid gibt. Und so spricht er auch hier an, dass die Seligpreisung nur für das Leiden um des Himmelreiches willen gilt, nicht „weil er ein Mörder oder ein Dieb ist, weil er Böses tut oder sich in fremde Angelegenheiten einmischt.“ Dann handelt es sich um die natürliche Konsequenz der Sünde. Sie zieht von ihrem Wesen her weite Kreise. So muss der Sünder selbst sowie Unschuldige um ihn herum unter ihren Folgen leiden. Das ist dann aber keine Teilhabe am Leiden Christi, das ein Sühneleiden stellvertretend für andere ist.
Als Christ zu leiden soll dagegen kein Grund zur Scham sein, sondern Anlass, im Leiden Gott zu verherrlichen. Das haben in verdichteter Weise die Märtyrer der Kirche vorbildlich umgesetzt. Doch auch die vielen Bekenner, die zeitlebens für das Evangelium gelitten haben, doch eines natürlichen Todes gestorben sind, haben Gott dadurch verherrlicht. Es ist eine große Herausforderung, das Leiden zu umarmen und bereitwillig anzunehmen. Doch dies ist keine Aufgabe, die allein aus eigener menschlicher Kraft umgesetzt werden muss. Gott gibt dazu die Kraft, denn nicht umsonst ist bei Taufe und Firmung der Mensch mit der Fülle des Heiligen Geistes ausgestattet worden.

Joh 17
1 Dies sprach Jesus. Und er erhob seine Augen zum Himmel und sagte: Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht!
2 Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt.
3 Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus.
4 Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast.
5 Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war!
6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben und sie haben dein Wort bewahrt.
7 Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist.
8 Denn die Worte, die du mir gabst, habe ich ihnen gegeben und sie haben sie angenommen. Sie haben wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast.
9 Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir.
10 Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht.
11 Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt und ich komme zu dir.

Das heutige Evangelium ist ein Ausschnitt aus dem hohepriesterlichen Gebet Jesu. Dieses Gebet vervollständigt die „Liturgie“ Jesu am Abend vor seinem Tod. Er hat die Eucharistie eingesetzt und dabei das Pessachfest typologisch erfüllt. Mit seinem Kreuzestod wird die Versöhnung der Welt mit Gott erwirkt und so verbindet sich die Pessachtypologie des letzten Abendmahls mit der des Jom Kippur, des Versöhnungstages. Bei diesem Fest, das das höchste Fest der Juden darstellt, ist es zur Zeit Jesu so, dass der Hohepriester ausnahmsweise zum Allerheiligsten vordringen darf und mit dem Blut von zwei Opfertieren den Deckel der Bundeslade besprengt. Er tut dies stellvertretend für die ganze Gemeinde und bittet um Vergebung der Sünden des Volkes Israel. Unter anderem wird auch ein Sündenbockritual vorgenommen, bei dem die Sünden des Hohepriesters öffentlich bekannt werden, auf das Tier „übertragen“ und dieses dann in die Wildnis geschickt wird. An diesem Festtag wurde auch ein Opfer zur Reinigung des Tempels dargebracht.
Dies alles müssen wir bedenken, wenn wir Jesu Gebet betrachten. Dann geht uns auf, was den Aposteln in dem Moment vielleicht aufgegangen ist, mindestens dem Mystiker Johannes: Dass Jesus nicht nur Pessach in den Neuen Bund integriert, sondern auch Jom Kippur.
Bevor er zum Gebet ansetzt, hören wir als erstes: „Dies sprach Jesus“. Es signalisiert uns, dass die Reihe der Abschiedsreden nun abgeschlossen ist.
Jesus erhebt die Augen zum Himmel, weil er nun zum Vater sprechen wird. „Die Stunde ist gekommen.“ Im Johannesevangelium hat die Rede von der „Stunde“ eine heilsgeschichtliche Bedeutung. Als Maria ihren Sohn bei der Hochzeit zu Kana auf den ausgegangenen Wein hinweist, entgegnet er ihr: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Es ist nicht wörtlich zu verstehen, denn Jesus meint nie eine bestimmte Stunde des Tages, sondern einen Zeitpunkt im Heilsplan Gottes. Im heutigen Evangelium ist die Stunde des Leidens gekommen, das sehr bald beginnen würde. Und der ganze Vorgang bis zum letzten Atemzug am Kreuz ist ein Prozess der Verherrlichung. Jesus wird über alle anderen erhöht. Der Erhöhung durch den Vater bei der Himmelfahrt geht die Erhöhung am Kreuzesholz voraus. Die „Stunde“ meint zugleich das Hinübergehen zum Vater, zu dem er im Gebet spricht. Und Jesus verherrlicht im Gegenzug den Vater dadurch, dass an ihm Gottes große Taten offenbar werden. Dadurch werden wiederum viele Menschen Gott die Ehre geben.
Jesus spricht über sich in der dritten Person, wenn er als Grund für seine Verherrlichung die Bevollmächtigung durch den Vater nennt. Dieser vertraut ihm alle Menschen an, damit er ihnen das ewige Leben schenke.
Jesus erklärt, worin das ewige Leben besteht – in der Erkenntnis Gottes und seines Gesalbten. Die Erkenntnis eröffnet das ewige Leben, denn wer Gott erkannt hat, kommt zum Glauben an ihn und lässt sich taufen. Wer getauft ist, nimmt die Erlösung Christi an und wird zum Erben des Reiches Gottes eingesetzt.
Dieses Erkennen hat im gesamtbiblischen Zeugnis eine tiefe Bedeutung: Adam und Eva erkennen einander und so wird Eva schwanger. Es ist die liebende Vereinigung zwischen Mann und Frau. Erkennen ist aber auch eine Liebe auf seelischer Ebene. So erkennen z.B. die Emmausjünger beim Brechen des Brotes und Maria Magdalena Jesus am Grab. Es ist eine liebende Vereinigung der Seelen. Und wenn wir nach unserem Tod vor Gott stehen, werden wir ihn erkennen, sodass wir ihn sehen, wie er ist. So werden wir in der ewigen Erkenntnis leben – der ewigen Liebesgemeinschaft mit Gott. Diese ultimative Erkenntnis erfahren wir auf Erden stückhaft schon sakramental, wenn wir Eucharistie feiern. Dann erkennen wir in den eucharistischen Gestalten Jesus Christus. Wir erkennen ihn auch in der Liebe, die uns andere Menschen erweisen.
Jesus hat den Vater auf der Erde verherrlicht, weil er seinen Willen ganz erfüllt hat, der ein Heilswille ist. Er hat alles bis zum letzten Atemzug nach dem Willen des Vaters getan und dann zuletzt gesagt: „Es ist vollbracht.“
Und nun bittet er den Vater darum, dass auch dieser treu alles bis zum Ende vollbringt, sodass der Sohn dann wieder verherrlicht an seiner Seite sitzen wird. Hier spricht Jesus auch seine eigene Präexistenz aus („die ich bei dir hatte, bevor die Welt war“). Jesus ist das fleischgewordene Wort und dieses Wort war im Anfang bei Gott, wie es der Johannesprolog feierlich erklärt.
„Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart.“ Jesus hat den Vater wirklich authentisch ausgelegt. Er hat die Jünger „aus der Welt“ berufen zur Nachfolge (Welt ist hier wieder Ausdruck der gefallenen Schöpfung), damit sie das Herz des Vaters durch die Offenbarung Jesu Christi immer mehr kennenlernen. Mit „Name Gottes“ ist dessen innerstes Wesen gemeint. Auch am brennenden Dornbusch hat sich Gott dem Mose mit einer Eigenschaft oder Tätigkeit als Namensbezeichnung vorgestellt: Jahwe, „ich bin/ich werde sein“. Er ist ein Gott, der für die Menschen da ist und sie nie verlässt. Die Apostel haben das Wort bewahrt, das heißt das Evangelium Jesu Christi in ihre Herzen geschrieben. Nun brauchen sie nur noch den Heiligen Geist, der zur gegebenen Zeit alles wieder hervorholt.
„Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist.“ Der Vater hat den Sohn gesandt, er hat ihn mit allen Vollmachten ausgestattet. Und die Apostel haben einen langen Prozess durchlaufen, bis sie soweit sind, Jesu Herkunft ansatzweise zu begreifen. Selbst in den Abschiedsreden ist ihre Schwerbegrifflichkeit noch durchgesickert.
Konkret nennt Jesus dann das Wort, das Jesus vom Vater empfangen und den Aposteln weitergegeben hat. Man spürt förmlich, dass Jesus beim Vater ein gutes Wort für die Apostel einlegen möchte. Es ist wie eine Apologie oder ein Plädoyer vor Gericht. Nachdem er sie mehrfach gelobt hat, kommt er nun zur Fürbitte: Jesus bittet für seine Apostel, denn sie gehören nun dem Vater.
Der Vater und der Sohn teilen alles miteinander. Alles gehört auch jeweils dem Anderen. Das macht die innige Liebe des dreifaltigen Gottes aus. Und das gemeinsame Werk des Vaters und des Sohnes wird im Glauben der Gläubigen fortgesetzt und deshalb wird Christus in ihnen verherrlicht.
Sie werden weiterführen, was er getan hat, weil sie in der Welt sind (als neue Schöpfung inmitten der gefallenen Schöpfung). Jesus aber geht zurück zum Vater.

Betrachten wir all das vor dem Hintergrund des Jom Kippur, erkennen wir in Christus den Hohepriester, der Gott um Vergebung der Sünden des Volkes bittet – zu diesem neuen Volk Gottes zählt zunächst sein Kern, der Apostelkreis. Jesus bittet im Voraus schon um Vergebung für den Verrat, den seine eigenen Freunde an ihm begehen werden. Er bittet auch für uns alle als Hohepriester, der aber seine eigenen Sünden nicht bekennt. Jesus ist ohne Sünde und kann gar kein Sündenbekenntnis ablegen. Das unterscheidet ihn von den Hohepriestern des Alten Bundes. Und wenn wir dann weiterschauen, was passieren wird, gibt es noch einen entscheidenden Unterschied. Nicht mehr das Blut von Opfertieren wird auf den Deckel der Bundeslade gesprengt, sondern Jesus selbst wird zum Opfer, das seine Gläubigen mit dem kostbaren Blut besprengt. Dies berichtet Johannes im Passionsbericht sehr anschaulich, als durch den Lanzenstoß eines Soldaten ins Herz Jesu Blut und Wasser hervorfließen – sein kostbares Blut der Versöhnung und das Wasser des Heiligen Geistes, auf den wir uns vorbereiten! Jesus ist Hohepriester und Opfer zugleich. Als Makelloser hat er ein ultimatives Jom Kippur erwirkt, den Versöhnungstag, der keinen weiteren mehr notwendig machen wird. Jom Kippur wird lediglich erneuert und in die jeweilige Gegenwart geholt, wenn wir die Eucharistie begehen. Jom Kippur wird auch immer dort Gegenwart, wo wir das Sakrament der Versöhnung empfangen und wo uns die Sünde vergeben wird. Der Tag der Versöhnung wird vor allem dann offenbar, wenn wir in die Ewigkeit eingehen, wo wir Gott unverhüllt erkennen werden, wie er uns erkannt hat.

Jesus betet für seine Apostel, die nach seinem Tod und der Spendung des Heiligen Geistes als Gott ganz Geweihte Christi Werk fortsetzen werden. Bis dahin wird noch sehr viel passieren und die Apostel sind noch längst nicht so weit, dass man sie als brennende Zeugen für Christus bezeichnen kann. Der eine verrät seinen Rabbi, der andere leugnet, ihn zu kennen. Nur einer von zwölf Aposteln steht Jesus bis zum Schluss bei. Und doch schreibt Gott auf krummen Seiten gerade. Sein Werk ist es, in der Schwachheit des Menschen seine Gnade walten zu lassen, damit jeder erkennt, dass er es ist, der durch die Menschen wirkt.
Auf die Fülle dieser Gnade warten die Apostel zusammen mit dem erweiterten Jüngerkreis nach der Himmelfahrt Christi. Es ist im wahrsten Sinne die Ruhe vor dem Sturm. Aber wenn sie den Geist erst einmal empfangen haben, werden sie die Worte Davids im Psalm wirklich beherzigen: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil. Vor wem sollte ich mich fürchten?“

Ihre Magstrauss

Samstag der 6. Osterwoche

Apg 18,23-28; Ps 47,2-3.8-9.10; Joh 16,23b-28

Apg 18
23 Nachdem er dort einige Zeit geblieben war, zog er weiter, durchwanderte zuerst das galatische Land, dann Phrygien und stärkte alle Jünger.
24 Ein Jude namens Apollos kam nach Ephesus. Er stammte aus Alexandria, war redekundig und in der Schrift bewandert.
25 Er war unterwiesen im Weg des Herrn. Er sprach mit glühendem Geist und trug die Lehre von Jesus genau vor; doch kannte er nur die Taufe des Johannes.
26 Er begann, mit Freimut in der Synagoge zu sprechen. Priscilla und Aquila hörten ihn, nahmen ihn zu sich und legten ihm den Weg Gottes noch genauer dar.
27 Als er nach Achaia gehen wollte, schrieben die Brüder den Jüngern und ermunterten sie, ihn aufzunehmen. Nach seiner Ankunft wurde er den Gläubigen durch die Gnade eine große Hilfe.
28 Denn mit Nachdruck widerlegte er die Juden, indem er öffentlich aus der Schrift nachwies, dass Jesus der Christus sei.

Heute wird in der Apostelgeschichte der Beginn der dritten Missionsreise geschildert. Zur Vorgeschichte: Bevor Paulus nach der zweiten Missionsreise in seine Basis Antiochia zurückkehrt, unternimmt er noch eine Missionszeit in Ephesus, wo man ihn noch länger bei sich behalten lassen will. Er aber zieht über Caesarea und Jerusalem nach Antiochia. In Jerusalem begrüßt er die Brüder, vielleicht gibt er dort auch eine eingenommene Kollekte ab.
Und so beginnt die heutige Lesung mit seinem Aufbruch zur dritten Reise.
„Nachdem er dort einige Zeit geblieben war“ ist offen formuliert. An dieser Stelle wird nicht gesagt, wie lange seine „Pause“ dauert. Zunächst geht er nach Galatien und Phrygien, zu den von ihm gegründeten Gemeinden. Dort stärkt er alle Jünger. Das ist wichtig, denn aller Anfang ist schwer und inmitten der Heiden haben die jungen Christen mit vielen Widerständen zu kämpfen.
Während er seine Arbeit macht, kommt ein Jude namens Apollos nach Ephesus, wo schon sehr früh Christen leben. Er ist hellenistischer Jude aus Alexandrien, spricht sehr freimütig und charismatisch, hat aber nur die Johannestaufe kennengelernt. Jesus Christus ist ihm selbst noch nicht vertraut gemacht worden.
Das Zeltmacher-Ehepaar Aquila und Priscilla, die mit Paulus gearbeitet haben, hören ihn in der Synagoge predigen und erkennen sein Potenzial. So nehmen sie ihn mit zu den Christen und er wird dort ausgehend von der Schrift im Evangelium Jesu Christi unterwiesen. Weil er eine gute alexandrinische Ausbildung genossen hat, kann er die Epheser bei der Verkündigung unterstützen. So kann er vor den Juden nämlich Jesus als den Christus nachweisen und deren Ablehnung widerlegen.
Gott hat sich einen Missionar erwählt, der Pauli Werk mit seinem Charisma und seiner alexandrinischen Kompetenz weiterführen kann. Paulus kann schließlich nicht zu jeder Zeit an jedem Ort sein, um allen gerecht zu werden.

Ps 47
2 Ihr Völker alle, klatscht in die Hände; jauchzt Gott zu mit lautem Jubel!
3 Denn Furcht gebietend ist der HERR, der Höchste, ein großer König über die ganze Erde.
8 Denn König der ganzen Erde ist Gott. Singt ihm ein Weisheitslied!
9 Gott wurde König über die Völker, Gott hat sich auf seinen heiligen Thron gesetzt.
10 Versammelt sind die Fürsten der Völker als Volk des Gottes Abrahams. Denn Gott gehören die Schilde der Erde; er ist hoch erhaben.

Auch heute beten wir Ps 47, weil sein Lobpreis zu der Heidenmission des Paulus und seines neuen Gleichgesinnten Apollos so fruchtbar ist. So können „die Völker“ nicht anders als zum Lobpreis aufgerufen zu werden. Das hebräische Wort ist an der Stelle הָ֭עַמִּים ha’ammim, was in der Mehrzahl recht offen ist. Nicht spezifisch die zwölf Stämme Israels sind gemeint, sondern alle Völker der Erde.
Gott ist furchtgebietend. Das ist nicht dasselbe wie angsteinflößend. Es meint, dass sein Wirken in uns nur eine Reaktion von Ehrfurcht hervorrufen kann. Auch seine Erscheinung ist furchteinflößend, auch wenn wir ihn unverhüllt gar nicht sehen können, ohne zu sterben. Seine Manifestationen wie die Wolke oder der Rauch sind schon furchteinflößend, sodass zum Beispiel bei der Verklärung die drei anwesenden Jünger es mit der Angst zu tun bekommen, als sie von der Wolke Gottes umhüllt werden. Erst recht werden alle Menschen überwältigt werden, wenn Jesus am Jüngsten Tag mit dieser göttlichen Herrlichkeit wiederkehren wird…
Gott ist schon der „König der ganzen Erde“, doch seine Herrschaft wird erst am Ende der Zeiten offenbar werden. Das Reich Gottes wird sich dann endgültig durchsetzen.
„Gott wurde König über die Völker, Gott hat sich auf seinen heiligen Thron gesetzt.“ Ja, Christus, der Auffahrende in den Himmel, ist nicht nur Mensch, sondern auch wahrer Gott. Er ist gegangen, um sich auf seinen Thron zu setzen. Was mit Jesus passiert, als er in den Himmel eingeht, durften drei seiner Apostel schon auf dem Tabor schauen – die Verklärung. Jesus streift den Schleier der verborgenen Gottheit ab und seine Herrlichkeit erstrahlt. So wird er zurückkommen und alle werden es sehen.
Der heutige letzte Vers ist eine besonders schöne Antwort auf die heutige Lesung: „Versammelt sind die Fürsten der Völker als Volk des Gottes Abrahams.“ Primär meint es die Mächtigen der Erde, die selbst nur Teil des Volkes Gottes sind. Gott ist der eigentliche König der Welt und ihre Macht von ihm her definiert. Doch wir lesen es über die zwölf Stämme hinaus in Kontinuität zum Neuen Bund des Gottes, der derselbe ist wie damals – der Gott Abrahams und zugleich Jesu Christi. Auch hier erfolgt die Mehrzahl הָ֭עַמִּים ha’ammim. Auch bei den Heiden kann sich keiner mit dem allmächtigen Gott messen, der den Menschen überhaupt erst das Leben geschenkt hat. Und so werden auch die Heiden zum „Volk des Gottes Abrahams.“

Joh 16
23 Was ihr den Vater in meinem Namen bitten werdet, das wird er euch geben.
24 Bis jetzt habt ihr noch um nichts in meinem Namen gebeten. Bittet und ihr werdet empfangen, damit eure Freude vollkommen ist.
25 Dies habe ich in Bildreden zu euch gesagt; es kommt die Stunde, in der ich nicht mehr in Bildreden zu euch sprechen, sondern euch offen vom Vater künden werde.
26 An jenem Tag werdet ihr in meinem Namen bitten und ich sage euch nicht, dass ich den Vater für euch bitten werde;
27 denn der Vater selbst liebt euch, weil ihr mich geliebt und weil ihr geglaubt habt, dass ich von Gott ausgegangen bin.
28 Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater.

Im Evangelium geht es heute weiter mit der dritten Abschiedsrede, deren Ausschnitt heute wieder über das Verhältnis von Vater und Sohn thematisiert und zugleich die Wirksamkeit des Namens Jesu behandelt:
„Was ihr den Vater in meinem Namen bitten werden, das wird er euch geben.“ Der Sohn ist so innig mit seinem Vater verbunden, dass dieser ihm alles gewährt. Christus tut nie etwas gegen den Willen des Vaters. Das Verhältnis zwischen den beiden ist also zugleich ein maximales Vertrauensverhältnis.
„Bis jetzt habt ihr noch um nichts in meinem Namen gebeten.“ Dies mag damit zusammenhängen, dass die Apostel Jesus bis jetzt immer bei sich hatten. Dieser hat seinen Freunden immer alles gegeben, noch bevor sie darum bitten konnten. Doch bald wird Jesus von ihnen gehen, um zum Vater zurückzukehren. Dann werden sie für ihre Anliegen hier auf Erden seinen Namen anrufen.
Und auch hier ermutigt Jesus sie, dies in Anspruch zu nehmen. Gott gibt gerne und viel. Und die Freude im Leben der Apostel kann nur dann vollkommen sein, wenn diese den Vater um seine Gaben im Namen Jesu bitten. Als übernatürliche Gabe des Heiligen Geistes ist die Freude abhängig von Gott, nicht vom Menschen. Solche Aussagen weisen uns schon auf das kommende Pfingstfest hin, bei dem der Heilige Geist die Apostel umfassend mit seinen Gaben ausstattet.
Jesus hat ihnen immer wieder mithilfe von Gleichnissen und Metaphern die himmlischen Dinge erklärt. Wenn er hier ankündigt, dass er irgendwann nicht mehr in Bildrede sprechen werde, klingt die Ewigkeit an. Dort wird es keine Bilder mehr brauchen, weil wir Gott und uns selbst so sehen werden, wie wir sind.
Aber auch zuvor wird Jesus nicht mehr so verborgen vom Vater sprechen. Offenbarung zeigt sich im Laufe der Heilsgeschichte immer dynamisch. Zur rechten Zeit sendet Gott die rechten Leute mit genau den Worten, die die Menschen in ihrem Zustand aufnehmen können. Dies wird uns ja auch in der Apostelgeschichte bewusst, wo neben Paulus der alexandrinische Jude Apollos für seine Mission bereitet wird. So wird Christus seine Apostel Stück für Stück ein wenig mehr begreiflich machen von dem, was er ihnen über den Vater schon längst offenbart hat – durch die Gabe des Heiligen Geistes, der in alle Wahrheit führen wird. Auch hier wird das Pfingstereignis sowie das sich dadurch verändernde Verhältnis der Apostel zum Vater. Das bezieht sich auf die Taufe: Wenn der Mensch als Kind Gottes und zum Erben seines Reiches wird, hat er eine solch innige Beziehung zum Vater, dass Christus als der Sohn Gottes nicht mehr für ihn bitten muss. Den eigenen Vater kann man ja um alles bitten.
Gott liebt alle Menschen auf der Welt, aber wenn es hier heißt „denn der Vater selbst liebt euch“, dann meint es die eingegangene Beziehung von Vater und Kind. Bis ein Mensch sich nicht für die Taufe entscheidet, ist es eine einseitige Liebe Gottes, dessen Liebe noch nicht erwidert worden ist. Dies ändert sich mit dem Sakrament der Taufe, das die Gegenliebe markiert.
Jesus schließt den heutigen Abschnitt damit, dass er seinen Weggang vom Vater bei seiner Menschwerdung und die Rückkehr bei der Himmelfahrt ausdrückt. Jesus wird zurückkehren zum Vater und dies haben wir liturgisch vor zwei Tagen gefeiert.

Jesus muss zurück zum Vater, doch er lässt uns nicht allein. Er hat uns alle eingeladen zur Familie Gottes und in seiner Nachfolge unternimmt auch Paulus alles ihm Mögliche, diese Einladung zu verkünden. Sagen wir jeden Tag neu ja zu der Familie Gottes, denn als Teil von ihr ist uns das ewige Leben geschenkt!

Ihre Magstrauss

Freitag der 6. Osterwoche

Apg 18,9-18; Ps 47,2-3.4-5.6-7; Joh 16,20-23a

Apg 18
9 Der Herr aber sagte nachts in einer Vision zu Paulus: Fürchte dich nicht! Rede nur, schweige nicht!
10 Denn ich bin mit dir, niemand wird dir etwas antun. Viel Volk nämlich gehört mir in dieser Stadt.
11 So blieb Paulus ein Jahr und sechs Monate und lehrte bei ihnen das Wort Gottes.
12 Als aber Gallio Prokonsul von Achaia war, traten die Juden einmütig gegen Paulus auf, brachten ihn vor den Richterstuhl
13 und sagten: Dieser verführt die Menschen zu einer Gottesverehrung, die gegen das Gesetz verstößt.

14 Als Paulus etwas erwidern wollte, sagte Gallio zu den Juden: Läge hier ein Vergehen oder Verbrechen vor, ihr Juden, so würde ich eure Klage ordnungsgemäß behandeln.
15 Streitet ihr jedoch über Lehre und Namen und euer Gesetz, dann seht selber zu! Darüber will ich nicht Richter sein.
16 Und er wies sie vom Richterstuhl weg.
17 Da ergriffen alle den Synagogenvorsteher Sosthenes und verprügelten ihn vor dem Richterstuhl. Gallio aber kümmerte sich nicht darum.
18 Paulus blieb noch längere Zeit. Dann verabschiedete er sich von den Brüdern und segelte zusammen mit Priscilla und Aquila nach Syrien ab. In Kenchreä hatte er sich aufgrund eines Gelübdes den Kopf kahl scheren lassen.

Heute setzen wir die Bahnlesung der Apostelgeschichte sowie die der Abschiedsreden fort.
Zuletzt wurde uns von Paulus‘ Areopagrede in Athen berichtet und es endete damit, dass er nach Korinth ging. Im weiteren Verlauf lernte er das jüdische Ehepaar Aquila und Priscilla kennen, das durch das Claudius-Edikt von 49 n.Chr. aus Rom verbannt worden ist. Sie teilen mit Paulus denselben Beruf der Zeltmacherei und arbeiteten mit ihm, bis seine Gefährten aus Mazedonien nachgereist kamen. Auch in Korinth gab es Anfeindungen durch die ansässigen Juden, weshalb er zu den Heiden ging. Dennoch ist es sehr bemerkenswert, dass ausgerechnet der Synagogenvorsteher sich mit seinem Haus zum Christentum bekehrt hat.
Heute beginnt es damit, dass Gott ihm in nächtlicher Vision seinen Beistand zusagt. Es wird ihm noch einiges zustoßen und doch möchte ihm der Herr versichern, dass alles gut wird. Er spricht ihm diese Worte auch deshalb zu, weil er in Korinth so viele Widerstände erfahren hat. Gott nimmt uns meistens nicht das Leid in unserem Leben. Was er aber voller Bereitschaft tut, ist uns die Kraft zu geben, das Leiden anzunehmen und es zu tragen. Er sichert auch uns immer wieder die Bereitschaft zu, uns beizustehen. Gott gibt ihm auch zu verstehen, dass Pauli Verkündigung seinem Willen entspricht und keiner Paulus etwas antun wird.
Er sagt Paulus in dem Kontext auch, dass in der Stadt viele ihm gehören. Das heißt nicht, dass nur auserwählte Menschen Gott gehören und der Rest nicht. Im Griechischen heißt es διότι λαός ἐστίν μοι πολὺς ἐν τῇ πόλει ταύτῃ dioti laos estin moi polys en te polei taute – in dieser Stadt ist dem Herrn viel Volk. Laos ist der Begriff für das auserwählte Volk Israel, nun aber angewandt auf das neue Volk Gottes, das ihm gehört. Er kündigt Paulus also an, dass eine große Gemeinde in der Stadt entstehen wird.
Nach eineinhalb Jahren wendet sich das Blatt, denn als Gallio Prokonsul wird, klagen die korinther Juden Paulus bei ihm an. Der Vorwurf lautet „Gottesverehrung, die gegen das Gesetz verstößt. Das Stichwort νόμος nomos zeigt uns, dass es die Torah meint. Die Juden haben ein religiöse Problem mit Paulus. Doch Gallio reagiert unbeeindruckt, denn es liegt außerhalb seines Aufgabenbereichs. Für religiöse Angelegenheiten haben die Juden ihre eigene Torah. Er selbst kümmert sich um Verbrechen und römische Gesetzesbrüche. So weist er die Ankläger ab und Paulus bleibt unbeschadet. Doch aus Wut und Frust ergreifen die Juden Sosthenes, der für sie als Hochverräter gelten muss. Ausgerechnet er als Synagogenvorsteher hat sich ja mit seinem Haus zum Christentum bekehrt. So prügeln sie vor Gallio auf ihn ein, doch den Prokonsul lässt es kalt. Er sagte, dass er „echte“ Verbrechen ordnungsgemäß fahnde. Angesichts der Gewalt, die sich vor seinen Augen abspielt und gegen die er nichts unternimmt, scheint dies nicht ganz zu stimmen.
Paulus verlässt die Stadt nicht sofort, sondern bleibt noch ein wenig bei den korinther Christen, bevor er sich mit Aquila und Priscilla auf den Weg nach Syrien begibt.
Zum Schluss wird noch von einem Gelübde berichtet, bei dem er sich die Haare schert. Zumeist wird angenommen, dass damit das Nasiräergelübde gemeint ist, das dann in Kenchreä durch das Scheren der Haare beendet wird. Vielleicht wollte sich Paulus dadurch unter den besonderen Schutz Gottes stellen und auch den judäischen Gegnern bei der Durchreise über Jerusalem seine Gesetzestreue beweisen (man musste bei einem Nasiräat auch nach Jerusalem reisen). Dies ist aber nicht ganz sicher und dann hätte Paulus auch am Herrenmahl das Blut Christi nicht empfangen können (Nasiräer dürfen keinen Wein trinken). Welches Gelübde auch gemeint sei: Paulus handelt nie nach eigenem Gutdünken und auch nicht aus eigener Kraft. Er tut alles mit der Gnade Gottes. Vielleicht hat er das Gelübde auch abgelegt aus Dank für den Schutz und Beistand des Herrn während seiner Zeit in Korinth.

Ps 47
2 Ihr Völker alle, klatscht in die Hände; jauchzt Gott zu mit lautem Jubel!
3 Denn Furcht gebietend ist der HERR, der Höchste, ein großer König über die ganze Erde.
4 Er unterwerfe uns Völker und zwinge Nationen unter unsere Füße.
5 Er erwähle für uns unser Erbland, den Stolz Jakobs, den er lieb hat.
6 Gott stieg empor unter Jubel, der HERR beim Schall der Hörner.
7 Singt unserm Gott, ja singt ihm! Singt unserm König, singt ihm!

Der Missionsabschnitt in Korinth ist sehr erfolgreich gewesen. Eine große Gemeinde ist daraus entstanden und Paulus ist unbeschadet wieder von dort abgereist. Dies ist für uns Anlass zum Lobpreis im Psalm.
Gott ist furchtgebietend. Das ist nicht dasselbe wie angsteinflößend. Es meint, dass sein Wirken in uns nur eine Reaktion von Ehrfurcht hervorrufen kann. Auch seine Erscheinung ist furchteinflößend, auch wenn wir ihn unverhüllt gar nicht sehen können, ohne zu sterben. Seine Manifestationen wie die Wolke oder der Rauch sind schon furchteinflößend, sodass zum Beispiel bei der Verklärung die drei anwesenden Jünger es mit der Angst zu tun bekommen, als sie von der Wolke Gottes umhüllt werden. Erst recht werden alle Menschen überwältigt werden, wenn Jesus am Jüngsten Tag mit dieser göttlichen Herrlichkeit wiederkehren wird…
Die Unterwerfung von Völkern und das Zwingen unter die Füße seiner Auserwählten ist zuvor wörtlich verstanden worden. Mit militärischer Gewalt und politischen Mitteln sind diese Dinge im Alten Israel umgesetzt worden. Sie sind nun aber viel mehr geistlich zu verstehen: Es geht um die Gewinnung von Christen für das Volk Gottes des Neuen Bundes. Dies soll nicht durch Gewalt geschehen, sondern durch Überzeugung. Es soll genauso wenig eine tyrannische Herrschaft sein wie der Herrschaftsauftrag der ersten Schöpfung. Dort meint die „Unterwerfung der Erde“ unter das erste Menschenpaar die Sorge um die ihnen anvertraute Schöpfung. Nun sind es die Apostel, die ersten Menschen der neuen Schöpfung nach dem Erstgeborenen Christus, die in liebender Fürsorge die neue Schöpfung versorgen sollen.
Auch das Erbland ist nicht mehr irdisch zu verstehen, sondern bezieht sich auf das Reich Gottes. In dieses gehen jene ein, die im Heiligen Geist neugeboren sind. Im Gegensatz zum irdischen Erbland ist genug Platz für jeden und kein bisher dort lebendes Land muss dem auserwählten Volk weichen.
„Gott stieg empor unter Jubel, der HERR beim Schall der Hörner.“ Dies ist heute ganz aktuell mit Christus gegeben, der in den Himmel aufgestiegen ist. Hörner und Jubel sind vielleicht nicht von den Jüngern betätigt worden, dafür aber können wir uns vorstellen, von welcher Freudenmusik begleitet der Menschensohn in die himmlische Heimat zurückgekehrt ist, aufgenommen in das Herz des Vaters!
„Singt unserm Gott, ja singt ihm! Singt unserm König, singt ihm!“ Auch hier wie in Vers 2 erklingt ein Lobpreisaufruf dessen, der der Allherrscher ist.
Psalm 47 beinhaltet Thronbesteigungsmotive, Elemente für die Krönungsfeier eines Herrschers. Mithilfe von Bildern des irdischen Königszeremoniells wird die kommende Herrschaft Gottes ausgedrückt. Es ist also absolut sinnvoll, diesen Psalm an Christi Himmelfahrt zu beten. Christus kommt wie bei einem Triumphzug der römischen Kaiser zurück in die Ewigkeit, als siegreicher Messias, der die Welt erlöst hat. Er wird begrüßt von den himmlischen Heerscharen und besteigt den Thron zur Rechten des Vaters. So können wir gut nachvollziehen, was Stephanus vor seinem Tod schauen durfte (Apg 7,56) und auch was Paulus meint, wenn er im Philipperhymnus betet: „Darum hat ihn Gott über alle anderen erhöht.“ (Phil 2,9).

Joh 16
20 Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, aber eure Trauer wird sich in Freude verwandeln.
21 Wenn die Frau gebären soll, hat sie Trauer, weil ihre Stunde gekommen ist; aber wenn sie das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an ihre Not über der Freude, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist.
22 So habt auch ihr jetzt Trauer, aber ich werde euch wiedersehen; dann wird euer Herz sich freuen und niemand nimmt euch eure Freude.
23 An jenem Tag werdet ihr mich nichts mehr fragen.

Im Evangelium hören wir einen weiteren Ausschnitt aus der dritten Abschiedsrede. Jesus macht weitere Andeutungen, dass die Apostel es um seines Namens willen schwer haben werden. Sie werden „weinen und klagen“. Hier werden eindeutig die schlimmen Christenverfolgungen angedeutet, die bis heute andauern. Wenn die Welt ihn schon gehasst hat, wird es seinen Jüngern nicht anders ergehen. In dieser Hinsicht ist auch zu verstehen, warum die Welt sich freuen wird: Dabei handelt es sich nämlich um die Schadenfreude. Diese ist aber nur von kurzer Dauer, denn die Trauer der Jünger wird sich in Freude umwandeln. Dies wird spätestens mit der Ewigkeit passieren, wo die Freude eine Frucht des Heiligen Geistes ist und den anhaltenden Zustand darstellen wird.
Diese Worte spricht Jesus kurz vor seinem Tod. Das bedeutet, dass die Trauer der Apostel zuallererst mit seinem Tod zu tun haben wird. Sie werden unter Schock stehen und traurig sein über Jesu Tod. Die Trauer wird nicht einmal 48 Stunden andauern und sich dann am Ostermorgen in Freude verwandeln. Die Schadenfreude der Welt (damit ist bei Johannes ja immer die gefallene Schöpfung gemeint) bezieht sich in dieser Lesart vor allem auf den Hohen Rat Jerusalems, der scheinbar triumphiert. Auch moralisch können wir diesen Vers verstehen, denn der Böse tut alles daran, uns von Gott wegzuziehen. Er ist es, der sich freut, wenn wir sündigen. Er redet uns dann ein, dass nichts mehr zu retten ist. Er will uns einreden, dass wir nach dem Fall liegenbleiben sollen. Seine Schadenfreude ist nur von kurzer Dauer (er ist schadenfroh, weil er uns von dem wegzieht, was ihm selbst weggenommen worden ist – das Himmelreich). Aber er hat die Rechnung ohne Gott gemacht, der uns im Sakrament der Versöhnung die Sünden vergeben und uns in den Stand der Gnade zurückversetzen kann! So wird unsere Trauer über unsere Sündhaftigkeit in Freude über die Versöhnung mit Gott umgewandelt.
Insbesondere die eschatologische Lesart wird uns durch den nächsten Vers verdeutlicht (also die Perspektive auf die Ewigkeit hin), aber auch die ekklesiologische (auf die Kirche bezogen). Dort vergleicht Jesus die vorübergehende Trauer mit dem Prozess einer Geburt, der sehr schmerzhaft ist, aber das Ergebnis reine Freude bereitet. Wenn nach den Geburtswehen das Kind dann da ist, vergisst die Frau voller Freude, was sie durchgemacht hat. So ist es mit der Ewigkeit und deshalb greift Paulus dieses Bild dann später wieder auf: Die ganze Welt liegt in Wehen und je näher sie der (geistlichen) Geburt der neuen Schöpfung entgegen geht, desto akuter wird es. Dies wird durch die zunehmenden Christenverfolgungen spürbar, aber auch durch immer deutlichere Zeichen der Endzeit politischer und kosmologischer Natur. Wenn die neue Schöpfung aber dann vollzogen ist durch die Schaffung eines neuen Himmels und einer neuen Erde, wird nur noch die Freude des Himmels herrschen.
Aber auch in ekklesiologischer Perspektive ist es so zu verstehen, wie uns die Berichte der Apostelgeschichte besonders zeigen: Die Missionare müssen viel durchmachen, werden gesteinigt, ins Gefängnis gesteckt, vor die Gerichte gebracht, verunglimpft und immer wieder verspottet, doch all dies ist es Wert, wenn sich dafür die Menschen zu Christus bekehren.
Jesus wird seine Apostel wiedersehen – das ist wie gesagt auf seiner Auferstehung zu beziehen, ebenso auf das Ende der Zeiten. Gestern feierten wir Christi Himmelfahrt. Es ist ein Abschied auf Zeit, denn er wird wiederkommen als verherrlichter Menschensohn am Jüngsten Tag.
Und die Freude, die die Apostel sowie alle bis dahin standhaft gebliebenen Menschen erfüllen wird, kann ihnen keiner nehmen. Dies gilt vor allem jenen Christen, die um ihres Glaubens willen viel erleiden müssen und sogar ihr Leben geben. Die Freude der Märtyrer kann ihnen keiner nehmen, am wenigsten ihre Verfolger.
Und dann werden die Apostel Jesus nichts mehr fragen. Warum sagt er das? Wenn der Mensch vor Gott steht, wird er alles sehen und erkennen. Er wird alles begreifen und so bleiben keine Fragen mehr offen. Das gilt auch uns: Noch haben wir viele Fragen, weil wir die Entwicklungen nicht verstehen, unser Leben nicht im Überblick vor uns haben und das Geheimnis Gottes nicht erfassen können. Doch wenn wir sterben und vor ihn treten, werden wir ihn sehen, wie er ist. Und in der Schau Gottes werden wir auch unser Leben sehen, wie es ist – mit all dem, was uns bis dahin unklar war. Das wird viel Schmerz verursachen, weil wir uns unserer Sünde schmerzlich bewusst werden, ebenso der vielen verpassten Chancen, Gottes unendliche Liebe zu erwidern.

Ihre Magstrauss