Freitag der 6. Osterwoche

Apg 18,9-18; Ps 47,2-3.4-5.6-7; Joh 16,20-23a

Apg 18
9 Der Herr aber sagte nachts in einer Vision zu Paulus: Fürchte dich nicht! Rede nur, schweige nicht!
10 Denn ich bin mit dir, niemand wird dir etwas antun. Viel Volk nämlich gehört mir in dieser Stadt.
11 So blieb Paulus ein Jahr und sechs Monate und lehrte bei ihnen das Wort Gottes.
12 Als aber Gallio Prokonsul von Achaia war, traten die Juden einmütig gegen Paulus auf, brachten ihn vor den Richterstuhl
13 und sagten: Dieser verführt die Menschen zu einer Gottesverehrung, die gegen das Gesetz verstößt.

14 Als Paulus etwas erwidern wollte, sagte Gallio zu den Juden: Läge hier ein Vergehen oder Verbrechen vor, ihr Juden, so würde ich eure Klage ordnungsgemäß behandeln.
15 Streitet ihr jedoch über Lehre und Namen und euer Gesetz, dann seht selber zu! Darüber will ich nicht Richter sein.
16 Und er wies sie vom Richterstuhl weg.
17 Da ergriffen alle den Synagogenvorsteher Sosthenes und verprügelten ihn vor dem Richterstuhl. Gallio aber kümmerte sich nicht darum.
18 Paulus blieb noch längere Zeit. Dann verabschiedete er sich von den Brüdern und segelte zusammen mit Priscilla und Aquila nach Syrien ab. In Kenchreä hatte er sich aufgrund eines Gelübdes den Kopf kahl scheren lassen.

Heute setzen wir die Bahnlesung der Apostelgeschichte sowie die der Abschiedsreden fort.
Zuletzt wurde uns von Paulus‘ Areopagrede in Athen berichtet und es endete damit, dass er nach Korinth ging. Im weiteren Verlauf lernte er das jüdische Ehepaar Aquila und Priscilla kennen, das durch das Claudius-Edikt von 49 n.Chr. aus Rom verbannt worden ist. Sie teilen mit Paulus denselben Beruf der Zeltmacherei und arbeiteten mit ihm, bis seine Gefährten aus Mazedonien nachgereist kamen. Auch in Korinth gab es Anfeindungen durch die ansässigen Juden, weshalb er zu den Heiden ging. Dennoch ist es sehr bemerkenswert, dass ausgerechnet der Synagogenvorsteher sich mit seinem Haus zum Christentum bekehrt hat.
Heute beginnt es damit, dass Gott ihm in nächtlicher Vision seinen Beistand zusagt. Es wird ihm noch einiges zustoßen und doch möchte ihm der Herr versichern, dass alles gut wird. Er spricht ihm diese Worte auch deshalb zu, weil er in Korinth so viele Widerstände erfahren hat. Gott nimmt uns meistens nicht das Leid in unserem Leben. Was er aber voller Bereitschaft tut, ist uns die Kraft zu geben, das Leiden anzunehmen und es zu tragen. Er sichert auch uns immer wieder die Bereitschaft zu, uns beizustehen. Gott gibt ihm auch zu verstehen, dass Pauli Verkündigung seinem Willen entspricht und keiner Paulus etwas antun wird.
Er sagt Paulus in dem Kontext auch, dass in der Stadt viele ihm gehören. Das heißt nicht, dass nur auserwählte Menschen Gott gehören und der Rest nicht. Im Griechischen heißt es διότι λαός ἐστίν μοι πολὺς ἐν τῇ πόλει ταύτῃ dioti laos estin moi polys en te polei taute – in dieser Stadt ist dem Herrn viel Volk. Laos ist der Begriff für das auserwählte Volk Israel, nun aber angewandt auf das neue Volk Gottes, das ihm gehört. Er kündigt Paulus also an, dass eine große Gemeinde in der Stadt entstehen wird.
Nach eineinhalb Jahren wendet sich das Blatt, denn als Gallio Prokonsul wird, klagen die korinther Juden Paulus bei ihm an. Der Vorwurf lautet „Gottesverehrung, die gegen das Gesetz verstößt. Das Stichwort νόμος nomos zeigt uns, dass es die Torah meint. Die Juden haben ein religiöse Problem mit Paulus. Doch Gallio reagiert unbeeindruckt, denn es liegt außerhalb seines Aufgabenbereichs. Für religiöse Angelegenheiten haben die Juden ihre eigene Torah. Er selbst kümmert sich um Verbrechen und römische Gesetzesbrüche. So weist er die Ankläger ab und Paulus bleibt unbeschadet. Doch aus Wut und Frust ergreifen die Juden Sosthenes, der für sie als Hochverräter gelten muss. Ausgerechnet er als Synagogenvorsteher hat sich ja mit seinem Haus zum Christentum bekehrt. So prügeln sie vor Gallio auf ihn ein, doch den Prokonsul lässt es kalt. Er sagte, dass er „echte“ Verbrechen ordnungsgemäß fahnde. Angesichts der Gewalt, die sich vor seinen Augen abspielt und gegen die er nichts unternimmt, scheint dies nicht ganz zu stimmen.
Paulus verlässt die Stadt nicht sofort, sondern bleibt noch ein wenig bei den korinther Christen, bevor er sich mit Aquila und Priscilla auf den Weg nach Syrien begibt.
Zum Schluss wird noch von einem Gelübde berichtet, bei dem er sich die Haare schert. Zumeist wird angenommen, dass damit das Nasiräergelübde gemeint ist, das dann in Kenchreä durch das Scheren der Haare beendet wird. Vielleicht wollte sich Paulus dadurch unter den besonderen Schutz Gottes stellen und auch den judäischen Gegnern bei der Durchreise über Jerusalem seine Gesetzestreue beweisen (man musste bei einem Nasiräat auch nach Jerusalem reisen). Dies ist aber nicht ganz sicher und dann hätte Paulus auch am Herrenmahl das Blut Christi nicht empfangen können (Nasiräer dürfen keinen Wein trinken). Welches Gelübde auch gemeint sei: Paulus handelt nie nach eigenem Gutdünken und auch nicht aus eigener Kraft. Er tut alles mit der Gnade Gottes. Vielleicht hat er das Gelübde auch abgelegt aus Dank für den Schutz und Beistand des Herrn während seiner Zeit in Korinth.

Ps 47
2 Ihr Völker alle, klatscht in die Hände; jauchzt Gott zu mit lautem Jubel!
3 Denn Furcht gebietend ist der HERR, der Höchste, ein großer König über die ganze Erde.
4 Er unterwerfe uns Völker und zwinge Nationen unter unsere Füße.
5 Er erwähle für uns unser Erbland, den Stolz Jakobs, den er lieb hat.
6 Gott stieg empor unter Jubel, der HERR beim Schall der Hörner.
7 Singt unserm Gott, ja singt ihm! Singt unserm König, singt ihm!

Der Missionsabschnitt in Korinth ist sehr erfolgreich gewesen. Eine große Gemeinde ist daraus entstanden und Paulus ist unbeschadet wieder von dort abgereist. Dies ist für uns Anlass zum Lobpreis im Psalm.
Gott ist furchtgebietend. Das ist nicht dasselbe wie angsteinflößend. Es meint, dass sein Wirken in uns nur eine Reaktion von Ehrfurcht hervorrufen kann. Auch seine Erscheinung ist furchteinflößend, auch wenn wir ihn unverhüllt gar nicht sehen können, ohne zu sterben. Seine Manifestationen wie die Wolke oder der Rauch sind schon furchteinflößend, sodass zum Beispiel bei der Verklärung die drei anwesenden Jünger es mit der Angst zu tun bekommen, als sie von der Wolke Gottes umhüllt werden. Erst recht werden alle Menschen überwältigt werden, wenn Jesus am Jüngsten Tag mit dieser göttlichen Herrlichkeit wiederkehren wird…
Die Unterwerfung von Völkern und das Zwingen unter die Füße seiner Auserwählten ist zuvor wörtlich verstanden worden. Mit militärischer Gewalt und politischen Mitteln sind diese Dinge im Alten Israel umgesetzt worden. Sie sind nun aber viel mehr geistlich zu verstehen: Es geht um die Gewinnung von Christen für das Volk Gottes des Neuen Bundes. Dies soll nicht durch Gewalt geschehen, sondern durch Überzeugung. Es soll genauso wenig eine tyrannische Herrschaft sein wie der Herrschaftsauftrag der ersten Schöpfung. Dort meint die „Unterwerfung der Erde“ unter das erste Menschenpaar die Sorge um die ihnen anvertraute Schöpfung. Nun sind es die Apostel, die ersten Menschen der neuen Schöpfung nach dem Erstgeborenen Christus, die in liebender Fürsorge die neue Schöpfung versorgen sollen.
Auch das Erbland ist nicht mehr irdisch zu verstehen, sondern bezieht sich auf das Reich Gottes. In dieses gehen jene ein, die im Heiligen Geist neugeboren sind. Im Gegensatz zum irdischen Erbland ist genug Platz für jeden und kein bisher dort lebendes Land muss dem auserwählten Volk weichen.
„Gott stieg empor unter Jubel, der HERR beim Schall der Hörner.“ Dies ist heute ganz aktuell mit Christus gegeben, der in den Himmel aufgestiegen ist. Hörner und Jubel sind vielleicht nicht von den Jüngern betätigt worden, dafür aber können wir uns vorstellen, von welcher Freudenmusik begleitet der Menschensohn in die himmlische Heimat zurückgekehrt ist, aufgenommen in das Herz des Vaters!
„Singt unserm Gott, ja singt ihm! Singt unserm König, singt ihm!“ Auch hier wie in Vers 2 erklingt ein Lobpreisaufruf dessen, der der Allherrscher ist.
Psalm 47 beinhaltet Thronbesteigungsmotive, Elemente für die Krönungsfeier eines Herrschers. Mithilfe von Bildern des irdischen Königszeremoniells wird die kommende Herrschaft Gottes ausgedrückt. Es ist also absolut sinnvoll, diesen Psalm an Christi Himmelfahrt zu beten. Christus kommt wie bei einem Triumphzug der römischen Kaiser zurück in die Ewigkeit, als siegreicher Messias, der die Welt erlöst hat. Er wird begrüßt von den himmlischen Heerscharen und besteigt den Thron zur Rechten des Vaters. So können wir gut nachvollziehen, was Stephanus vor seinem Tod schauen durfte (Apg 7,56) und auch was Paulus meint, wenn er im Philipperhymnus betet: „Darum hat ihn Gott über alle anderen erhöht.“ (Phil 2,9).

Joh 16
20 Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, aber eure Trauer wird sich in Freude verwandeln.
21 Wenn die Frau gebären soll, hat sie Trauer, weil ihre Stunde gekommen ist; aber wenn sie das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an ihre Not über der Freude, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist.
22 So habt auch ihr jetzt Trauer, aber ich werde euch wiedersehen; dann wird euer Herz sich freuen und niemand nimmt euch eure Freude.
23 An jenem Tag werdet ihr mich nichts mehr fragen.

Im Evangelium hören wir einen weiteren Ausschnitt aus der dritten Abschiedsrede. Jesus macht weitere Andeutungen, dass die Apostel es um seines Namens willen schwer haben werden. Sie werden „weinen und klagen“. Hier werden eindeutig die schlimmen Christenverfolgungen angedeutet, die bis heute andauern. Wenn die Welt ihn schon gehasst hat, wird es seinen Jüngern nicht anders ergehen. In dieser Hinsicht ist auch zu verstehen, warum die Welt sich freuen wird: Dabei handelt es sich nämlich um die Schadenfreude. Diese ist aber nur von kurzer Dauer, denn die Trauer der Jünger wird sich in Freude umwandeln. Dies wird spätestens mit der Ewigkeit passieren, wo die Freude eine Frucht des Heiligen Geistes ist und den anhaltenden Zustand darstellen wird.
Diese Worte spricht Jesus kurz vor seinem Tod. Das bedeutet, dass die Trauer der Apostel zuallererst mit seinem Tod zu tun haben wird. Sie werden unter Schock stehen und traurig sein über Jesu Tod. Die Trauer wird nicht einmal 48 Stunden andauern und sich dann am Ostermorgen in Freude verwandeln. Die Schadenfreude der Welt (damit ist bei Johannes ja immer die gefallene Schöpfung gemeint) bezieht sich in dieser Lesart vor allem auf den Hohen Rat Jerusalems, der scheinbar triumphiert. Auch moralisch können wir diesen Vers verstehen, denn der Böse tut alles daran, uns von Gott wegzuziehen. Er ist es, der sich freut, wenn wir sündigen. Er redet uns dann ein, dass nichts mehr zu retten ist. Er will uns einreden, dass wir nach dem Fall liegenbleiben sollen. Seine Schadenfreude ist nur von kurzer Dauer (er ist schadenfroh, weil er uns von dem wegzieht, was ihm selbst weggenommen worden ist – das Himmelreich). Aber er hat die Rechnung ohne Gott gemacht, der uns im Sakrament der Versöhnung die Sünden vergeben und uns in den Stand der Gnade zurückversetzen kann! So wird unsere Trauer über unsere Sündhaftigkeit in Freude über die Versöhnung mit Gott umgewandelt.
Insbesondere die eschatologische Lesart wird uns durch den nächsten Vers verdeutlicht (also die Perspektive auf die Ewigkeit hin), aber auch die ekklesiologische (auf die Kirche bezogen). Dort vergleicht Jesus die vorübergehende Trauer mit dem Prozess einer Geburt, der sehr schmerzhaft ist, aber das Ergebnis reine Freude bereitet. Wenn nach den Geburtswehen das Kind dann da ist, vergisst die Frau voller Freude, was sie durchgemacht hat. So ist es mit der Ewigkeit und deshalb greift Paulus dieses Bild dann später wieder auf: Die ganze Welt liegt in Wehen und je näher sie der (geistlichen) Geburt der neuen Schöpfung entgegen geht, desto akuter wird es. Dies wird durch die zunehmenden Christenverfolgungen spürbar, aber auch durch immer deutlichere Zeichen der Endzeit politischer und kosmologischer Natur. Wenn die neue Schöpfung aber dann vollzogen ist durch die Schaffung eines neuen Himmels und einer neuen Erde, wird nur noch die Freude des Himmels herrschen.
Aber auch in ekklesiologischer Perspektive ist es so zu verstehen, wie uns die Berichte der Apostelgeschichte besonders zeigen: Die Missionare müssen viel durchmachen, werden gesteinigt, ins Gefängnis gesteckt, vor die Gerichte gebracht, verunglimpft und immer wieder verspottet, doch all dies ist es Wert, wenn sich dafür die Menschen zu Christus bekehren.
Jesus wird seine Apostel wiedersehen – das ist wie gesagt auf seiner Auferstehung zu beziehen, ebenso auf das Ende der Zeiten. Gestern feierten wir Christi Himmelfahrt. Es ist ein Abschied auf Zeit, denn er wird wiederkommen als verherrlichter Menschensohn am Jüngsten Tag.
Und die Freude, die die Apostel sowie alle bis dahin standhaft gebliebenen Menschen erfüllen wird, kann ihnen keiner nehmen. Dies gilt vor allem jenen Christen, die um ihres Glaubens willen viel erleiden müssen und sogar ihr Leben geben. Die Freude der Märtyrer kann ihnen keiner nehmen, am wenigsten ihre Verfolger.
Und dann werden die Apostel Jesus nichts mehr fragen. Warum sagt er das? Wenn der Mensch vor Gott steht, wird er alles sehen und erkennen. Er wird alles begreifen und so bleiben keine Fragen mehr offen. Das gilt auch uns: Noch haben wir viele Fragen, weil wir die Entwicklungen nicht verstehen, unser Leben nicht im Überblick vor uns haben und das Geheimnis Gottes nicht erfassen können. Doch wenn wir sterben und vor ihn treten, werden wir ihn sehen, wie er ist. Und in der Schau Gottes werden wir auch unser Leben sehen, wie es ist – mit all dem, was uns bis dahin unklar war. Das wird viel Schmerz verursachen, weil wir uns unserer Sünde schmerzlich bewusst werden, ebenso der vielen verpassten Chancen, Gottes unendliche Liebe zu erwidern.

Ihre Magstrauss

Mittwoch der 6. Osterwoche

Apg 17,15.22 – 18,1; Ps 148,1-2.11-12.13-14; Joh 16,12-15

Apg 17
15 Die Begleiter des Paulus brachten ihn nach Athen. Mit dem Auftrag an Silas und Timotheus, Paulus möglichst rasch nachzukommen, kehrten sie zurück.
22 Da stellte sich Paulus in die Mitte des Areopags und sagte: Männer von Athen, nach allem, was ich sehe, seid ihr sehr fromm.
23 Denn als ich umherging und mir eure Heiligtümer ansah, fand ich auch einen Altar mit der Aufschrift: EINEM UNBEKANNTEN GOTT. Was ihr verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch.
24 Der Gott, der die Welt erschaffen hat und alles in ihr, er, der Herr über Himmel und Erde, wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand gemacht sind.
25 Er lässt sich auch nicht von Menschenhänden dienen, als ob er etwas brauche, er, der allen das Leben, den Atem und alles gibt.
26 Er hat aus einem einzigen Menschen das ganze Menschengeschlecht erschaffen, damit es die ganze Erde bewohne. Er hat für sie bestimmte Zeiten und die Grenzen ihrer Wohnsitze festgesetzt.
27 Sie sollten Gott suchen, ob sie ihn ertasten und finden könnten; denn keinem von uns ist er fern.
28 Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir; wie auch einige von euren Dichtern gesagt haben: Wir sind von seinem Geschlecht.
29 Da wir also von Gottes Geschlecht sind, dürfen wir nicht meinen, das Göttliche sei wie ein goldenes oder silbernes oder steinernes Gebilde menschlicher Kunst und Erfindung.
30 Gott, der über die Zeiten der Unwissenheit hinweggesehen hat, gebietet jetzt den Menschen, dass überall alle umkehren sollen.
31 Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis in Gerechtigkeit richten wird, durch einen Mann, den er dazu bestimmt und vor allen Menschen dadurch ausgewiesen hat, dass er ihn von den Toten auferweckte.
32 Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen, andere aber sagten: Darüber wollen wir dich ein andermal hören.
33 So ging Paulus aus ihrer Mitte weg.
34 Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig, unter ihnen auch Dionysius, der Areopagit, außerdem eine Frau namens Damaris und noch andere mit ihnen.
1 Hierauf verließ Paulus Athen und ging nach Korinth.

Gestern ging es in der Apostelgeschichte um das pfingstartige Ereignis im Gefängnis von Philippi. Am Ende bekehrte sich der Gefängniswärter, ließ sich mit seinem ganzen Haus taufen und nahm die Missionare bei sich auf. Um die Nachgeschichte ein wenig zusammenzufassen: Am nächsten Tag will man die beiden freilassen (es war wohl nicht bekannt geworden, dass die Missionare gar nicht mehr im Gefängnis saßen). Paulus lässt jene, die die Anordnung überbringen, wissen, dass Silas und er römische Bürger seien und eigentlich Anspruch auf einen Prozess gehabt hätten. So kommen die obersten Beamten, um Paulus und Silas hinauszuführen. Daraufhin gehen sie zu Lydia, wo sie den Brüdern Mut zusprechen. Das heißt, dass im Hause der Purpurhändlerin mittlerweile eine christliche Gemeinde entstanden ist. Daraufhin reisen Paulus und seine Gefährten weiter und kommen unter anderem nach Thessalonich und Beröa. Wie schon zuvor ernten sie eigentlich viel Offenheit und Verständnis, sodass viele zu Christen werden. Da aber auch viele Gottesfürchtige der Oberschicht den Glauben annehmen, stößt die Mission auf Eifersucht bei den ansässigen Juden. Diese hetzen die Stadt gegen die Missionare auf, sodass diese weiterziehen müssen. Jene Feinde kommen später dann in die Nachbarstadt, um auch dort gegen die Missionare anzugehen.
Dann bringen Silas und Timotheus Paulus nach Athen und bleiben selbst in Beröa zurück. folgen ihm später nach. So ist Paulus nun in der griechischen Stadt allein und ist aufgebracht wegen der vielen Götzenbilder. Er hat Kontakt zu den ansässigen Juden und tauscht sich gleichzeitig mit epikureischen und stoischen Philosophen aus. Diese bringen ihn eines Tages dann zum Areopag, von wo er eine ganz berühmte Bekenntnisrede hält.
Dabei setzt er rhetorisch sehr geschickt an, indem er den Zuhörern nicht gleich den Götzendienst vorwirft, sondern ihre Frömmigkeit lobt. Damit gewinnt er schon einmal die Gunst der Anwesenden. Dann kommt er auf den Altar für den Unbekannten Gott zu sprechen, den er in der Stadt gesehen hat. Dies dient ihm als Anknüpfungspunkt, über den Schöpfer des Himmels und der Erde zu sprechen, dem rein transzendenten Gott der Christen. Er braucht keinen Tempel, in dem er wohnt und in dem ihm geopfert wird (Kritik an den vielen Tempeln der Stadt). Er braucht auch nicht die Hilfe von Menschen, denn er ist der Helfer all seiner Geschöpfe. Er ist auch der Herr der ganzen Welt, nicht mehr nur eines bestimmten irdischen Bereichs wie bei den Griechen.
Dieser Gott hat die Menschen geschaffen, indem er sie alle von einem einzigen Menschen abstammen lässt (Adam).
Paulus erklärt sodann, dass in allen Menschen die Sehnsucht nach Gott eingepflanzt ist, sodass jeder nach Gott sucht. Er verweist auf griechische Philosophien, denen nach der Mensch von Gottes Geschlecht sei. Das heißt natürlich nicht, dass Paulus an die Göttlichkeit des Menschen glaubt, sondern dass er eine gemeinsame Basis schaffen möchte. So kann er auf sein eigentliches Anliegen zu sprechen kommen: Wenn wir Menschen also von göttlichem Geschlecht sind, können wir nicht Gebilde aus irdischen Materialien und von Menschenhand verehren.
Deshalb ruft Gott universal zur Umkehr auf. Es werde nämlich ein Gericht geben und dieses wird mit Jesus Christus zu tun haben, den er von den Toten auferweckt hat. Als Paulus dies anspricht, spotten einige der Anwesenden darüber, andere wiederum lassen ihn nicht weiterreden und vertrösten ihn auf ein nächstes Mal. Durch die Blume sagen sie ihm eigentlich: Das interessiert uns nicht und geht zu weit.
Dies ist für Paulus jedoch kein Grund zur Kränkung, sondern er geht einfach weg. Einige Menschen bekehren sich auf seine Worte hin, so zum Beispiel Dionysios der Areopagit und eine Frau namens Damaris. Dann geht Paulus nach Korinth. Dort wird er eine Gemeinde gründen, die zu einer beachtlichen Größe heranwachsen wird.

Ps 148
1 Halleluja! Lobt den HERRN vom Himmel her, lobt ihn in den Höhen:
2 Lobt ihn, all seine Engel, lobt ihn, all seine Heerscharen,
11 ihr Könige der Erde und alle Völker, ihr Fürsten und alle Richter der Erde,
12 ihr jungen Männer und auch ihr jungen Frauen, ihr Alten mit den Jungen!
13 Loben sollen sie den Namen des HERRN,/ denn sein Name allein ist erhaben, seine Hoheit strahlt über Erde und Himmel.
14 Er hat erhöht die Macht seines Volks, zum Lob für all seine Frommen, für die Kinder Israels, das Volk, das ihm nahe ist. Halleluja!

Auch heute beten wir im Anschluss an die Lesung einen Lobpreispsalm. Trotz der abrupten Unterbrechung an entscheidender Stelle spricht Paulus inmitten der Heiden über den christlichen Glauben. Das muss man sich einmal genauer vorstellen: Er spricht hier zu Menschen, denen Athena Promachos und der olympische Zeus alles bedeuten. Nicht der griechische Vatergott ist der Vater, Herr und Geber von allem, sondern der sich offenbarende jüdisch-christliche Gott.
Der heutige Psalm gehört zum Schluss-Hallel, der Psalmengruppe, die von Halleluja-Rufen gerahmt wird.
„Lobt den HERRN vom Himmel her, lobt ihn in den Höhen“ ist ein Lobaufruf an die himmlischen Wesen, das heißt an die Engel und Heiligen, die bei Gott sind. Dies wird uns dann auch im nächsten Vers explizit gesagt („Lobt ihn, all seine Engel…“).
Auch die irdischen Wesen sollen Gott loben, vor allem die Mächtigen der Welt: „ihr Könige der Erde und alle Völker, ihr Fürsten und alle Richter der Erde“. Ihre Macht ist von Gott her betrachtet geringer als die königliche und richterliche Gewalt Gottes. So müssen selbst diese irdischen Mächte dem Allmächtigen die Ehre geben.
Alle Menschen werden zum Lobpreis aufgerufen, Jung und Alt, Mann und Frau, denn Gottes Name ist erhaben. Er ist zwar ganz und gar von der Schöpfung verschieden, doch seine Herrlichkeit erstrahlt das All. In seiner Macht hat er seinem auserwählten Volk, „das ihm nahe ist“, Israel, Macht verliehen. Er hat ihm besondere Gnaden zuteil werden lassen und diese sind Anlass für das Lob Gottes.
Paulus als Kind Israels hat auch heute Anlass, Gott für diese Gnade zu loben und zu preisen. Zwar haben die Athener ihn beim Thema Auferstehung abgelehnt, ihn die Heilsgeschichte bis dahin aber erzählen lassen. Sie haben ihm Gehör geschenkt, als er ihre vielen Götzenbilder und Tempel kritisiert und eben jenen Gott beschrieben hat, den dieser Psalm zeichnet: als Herrscher des Himmels und der Erde, dem allein die Ehre gebührt.
Für Psalmen ist bezeichnend, dass Lobaufforderungen formuliert werden, besonders auch die Aufforderung an die verschiedenen Bereiche der Schöpfung.
Das Halleluja schließt auch hier den Lobgesang ab.

Joh 16
12 Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.
13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird reden, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird.
14 Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden.
15 Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.
16 Noch eine kurze Zeit, dann seht ihr mich nicht mehr, und wieder eine kurze Zeit, dann werdet ihr mich sehen.

Jesus spricht heute wieder einen Ausschnitt aus der dritten Abschiedsrede. Am liebsten möchte er noch so viel mehr sagen, kann seine Apostel aber nicht überfordern. Sie haben in den letzten Jahren schon so oft seine Worte nicht begriffen. Aus sich selbst heraus können sie die göttliche Weisheit nicht begreifen. Sie brauchen den Heiligen Geist dafür, der sie erfüllt und ihnen die Augen öffnet. Und so kündigt Jesus an, dass wenn der Geist der Wahrheit kommen wird, sie in der ganzen Wahrheit leiten wird. Das bedeutet nicht, dass er ihnen etwas Neues offenbaren, sondern Jesu verkündete Lehre begreiflich machen wird. Jesus erklärt ihnen auch, dass er mit dem Geist etwas gemeinsam hat: eine Lehre zu verkünden, die er nicht aus sich selbst besitzt, sondern vom Vater. Es ist eine gemeinsame Offenbarung, auch wenn der Geist und er nicht einfach identisch sind. So wie Christus der authentische Exeget des Vaters ist, weil er an dessen Herzen ruht, ist auch der Geist Zeuge der Wahrheit, weil er offenbart, was er „hört“. Auch er ist vom Vater gesandt und so bringt auch er authentische Kunde. Er wird den Jüngern seine Gaben geben, wodurch sie sehen werden „was kommen wird.“ Es klingt die Gabe der Prophetie an, die unter anderem eine Schau kommender Dinge ermöglicht. Man kann es auch so verstehen, dass Gottes Geist den Aposteln den göttlichen Willen in kommender Zeit aufzeigen wird.
Dieser Geist ist es, der Christus verherrlichen wird. Wir glauben, dass mit der Himmelfahrt Jesu dieser die Entäußerung ablegen wird, die er mit der Menschwerdung auf sich genommen hat. Dann wird er seine Göttlichkeit nicht mehr verbergen, sondern in seiner ganzen Macht und Herrlichkeit wieder beim Vater sein. Hier sagt Jesus selbst, dass dies durch den Heiligen Geist geschieht. Die Herrlichkeit Gottes hängt also mit dem Heiligen Geist zusammen, was uns den Psalm tiefer verstehen lässt. Dort heißt es, dass Gottes Hoheit über die ganze Erde erstrahlt. Es ist ein und dieselbe Glorie, der Glanz Gottes. Durch den Heiligen Geist ist Gott in der Welt gegenwärtig. Mit der umfassenden Geistgabe an Pfingsten wird seine Gegenwart auf Erden intensiviert. Dann wird er umfassend das Wort Gottes, Jesus Christus nach dessen Heimkehr zum Vater offenbaren. Er wird von dem nehmen, was Jesus gehört – gemeint ist die Fülle der Offenbarung (Jesus hat ALLES gelehrt, auch wenn die Jünger nicht alles verstanden haben). Von derselben Offenbarung wird er nehmen und den Jüngern zugänglich machen, sodass sie nichts Neues hören, sondern daran erinnert werden. Es wird eine pneumatische Wiederholung sein.
Zum Schluss spricht Jesus noch ein Wort, das die Apostel ziemlich verwirrt. Eine kurze Zeit wird bis zum Weggang Jesu vergehen, doch auch nur eine kurze Zeit bis zu seiner Wiederkehr. Dies können wir zunächst auf das Osterereignis beziehen: Die Worte spricht Jesus am Abend vor seinem Tod. Nicht einmal 24 Stunden später ist er tot, was die Apostel im Abendmahlssaal noch nicht erahnen. Und dann wird es keine 48 Stunden dauern, bis er von den Toten wieder auferstehen wird. In dieser wörtlichen Lesart können wir die „kurze Zeit“ wirklich auf wenige Stunden beziehen. Da er aber im Kontext des Heiligen Geistes diesen Vers spricht, müssen wir weitergehen: Er ist nicht mehr lange auf Erden, bevor er zum Vater heimgeht. Das feiern wir morgen! Dann wird er nur noch verborgen in eucharistischer Gestalt in der Welt sein, bis er als verherrlichter Menschensohn am Ende der Zeiten wiederkommt. Diese Zeiträume sind schon größer zu fassen, aber was ist von der Ewigkeit her gesehen schon ein Tag? Wir leben in der Endzeit, so können wir nachvollziehen, was er mit der kurzen Zeit meint. Seine Wiederkunft ist schon sehr bald. Und bei seinem zweiten Kommen werden nicht nur die Apostel ihn sehen, sondern die ganze Welt.

Ihre Magstrauss

Montag der 6. Osterwoche

Apg 16,11-15; Ps 149,1-2.3-4.5-6au. 9b; Joh 15,26 – 16,4a

Apg 16
11 So brachen wir von Troas auf und fuhren auf dem kürzesten Weg nach Samothrake und am folgenden Tag nach Neapolis.
12 Von dort gingen wir nach Philippi, eine führende Stadt des Bezirks von Mazedonien, eine Kolonie. In dieser Stadt hielten wir uns einige Tage auf.
13 Am Sabbat gingen wir durch das Stadttor hinaus an den Fluss, wo wir eine Gebetsstätte vermuteten. Wir setzten uns und sprachen zu den Frauen, die sich eingefunden hatten.
14 Eine Frau namens Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; sie war eine Gottesfürchtige und der Herr öffnete ihr das Herz, sodass sie den Worten des Paulus aufmerksam lauschte.
15 Als sie und alle, die zu ihrem Haus gehörten, getauft waren, bat sie: Wenn ihr wirklich meint, dass ich zum Glauben an den Herrn gefunden habe, kommt in mein Haus und bleibt da. Und sie drängte uns.

Am Samstag endete die Lesung damit, dass Paulus einen Traum von Gott erhielt, in dem ein Mazedonier ihn um Hilfe bat. Nach ihrer Arbeit in Troas macht Paulus sich mit seinem Gefolge auf den Weg nach Samothrake, um von dort nach Neapolis und Philippi zu kommen. Diese Stadt ist ein wichtiger Ort in Mazedonien und so bleiben sie dort mehrere Tage. Am Sabbat geht Paulus mit seinem Gefolge (Lukas der Autor bezieht sich an dieser Stelle durch das „wir“ wieder mit ein!) an den Fluss. Dort scheint es eine jüdische Gebetsstätte zu geben, wo sie predigen. Die Gottesfürchtige und Purpurhänderlin Lydia hört aufmerksam und mit offenem Herzen das Evangelium Jesu Christi. Das ist eine optimale Voraussetzung und so kommt sie zum Glauben an Christus zusammen mit ihrem ganzen Haus. Das bedeutet, dass ihre Familie und ihre Sklaven sich alle taufen lassen. Sie drängt die Missionare, bei ihr unterzukommen und weil sie so fest darauf besteht, gehen sie mit.
Die heutige Missionspredigt zeigt die Evangelisierung allein von Frauen. Das ist sehr besonders, denn eine reine Frauengruppe ist uns in den Missionsberichten bisher noch nicht untergekommen.
Lydia kommt aus Thyatira, einer lydischen Stadt im Lykostal und einer der Städte der Johannesoffenbarung. Thyatira war für den Tuchhandel und die Purpurfärberei berühmt und machte ein riesiges Geschäft in dem Bereich. Anscheinend wird auch Export betrieben, sodass Lydia auch in Makedonien erfolgreich ist. Es wird sich um eine sehr reiche Frau handeln. Sie ist Gottesfürchtige, das heißt eine Heidin mit Sympathie für das Judentum, die zwar jüdische Ethik und Gebetsleben praktiziert, doch den letzten Schritt zum Judentum nicht wagt. Solche Gottesfürchtigen kommen bei den Missionsreisen des Paulus immer wieder zum Glauben an Jesus Christus. Für sie ist es eine ideale Lösung: Die jüdische Ethik ist auch der Kern der Botschaft Jesu, der die Gottesgebote mit seiner Person erfüllt. Doch die Beschneidung und die ganzen Ritualgebote fordert er nicht mehr. Stattdessen betont er die Herzensreinheit und die Taufe als Heilsnotwendigkeit.

Ps 149
1 Halleluja! Singt dem HERRN ein neues Lied, sein Lob in der Versammlung der Frommen!
2 Israel soll sich freuen über seinen Schöpfer, die Kinder Zions sollen jubeln über ihren König.
3 Seinen Namen sollen sie loben mit Reigentanz, mit Trommel und Leier ihm spielen.
4 Denn der HERR hat an seinem Volk Gefallen, er krönt die Gebeugten mit Rettung.
5 In Herrlichkeit sollen die Frommen frohlocken, sie sollen jauchzen auf ihren Lagern,
6 Hochgesänge auf Gott in ihrer Kehle

9 Lichtglanz ist das all seinen Frommen. Halleluja!

Als Antwort auf die gläubig gewordenen Frauen Philippis beten wir heute einen Lobpreispsalm mit dem Titel „Das neue Lied von der Königsherrschaft Gottes durch Israel“.
Halleluja ist ein Ausruf, der mit „Preist Jahwe“ übersetzt wird. Es handelt sich zu Anfang also wieder um eine typische Lobaufforderung. Diese Art von Lob steht zu Anfang dieses Psalms, weil er zu der Psalmengruppe des Schlusshallels gehört, bei dem am Anfang immer Halleluja steht.
Weil wieder eine Gruppe zum Lob aufgefordert wird und nicht eine Einzelperson, wirkt der Psalm sehr liturgisch. Dies wird uns auch durch die „Versammlung der Frommen“ deutlich. Mit Blick auf die Lesung sehen wir die Frauen am Fluss von Philippi vor uns, die ihre Herzen ganz weit machen und ihre Ohren spitzen, um alles in sich aufzunehmen, was Paulus erzählt. Diese Empfänglichkeit ist sehr vorbildlich und hat schon Maria auf vollkommene Weise gelebt. Die Mutter Gottes hat alle Geschehnisse, alle Worte und Taten Jesu, die ganzen Umstände immer in ihrem Herzen aufbewahrt und darüber nachgedacht. Der Grad ihrer Empfängnis war so hoch, dass Gott in ihr Fleisch angenommen hat. Und diese Frauen hier sind ebenfalls empfänglich, sodass Gott durch die Taufe in ihnen Wohnung nehmen möchte, die so zu seinem Tempel „eingeweiht“ werden.
„Israel soll sich freuen über seinen Schöpfer, die Kinder Zions sollen jubeln über ihren König.“ Israels Kinder wie Paulus und Silas dürfen sich wirklich freuen über die Offenheit der Menschen auf der Missionsreise, über die Hinzufügung der Heiden zum Volk Gottes. Sie sollen Gott loben mit „Reigentanz und instrumentaler Begleitung.“ Psalm 149 vermittelt den Eindruck, dass die Juden sich für die gläubig gewordenen Heiden freuen sollen. Dies werden sie auch durch die Einbeziehung von Gottesfürchtigen und Proselyten umgesetzt haben. Doch es geht noch weiter: Die Gottesfürchtigen und die Juden verbindet nun die eine Taufe zur Vergebung der Sünden! Jesus Christus begründet den Neuen Bund, der nun nicht mehr auf biologischer Abstammung basiert, sondern auf der neuen Schöpfung.
„Jauchzen auf ihren Lagern“ zeigt uns, dass die Juden sich nicht nur am Tag, sondern auch in der Nacht freuen und Gott für diese große Barmherzigkeit zu jeder Zeit danken sollen. Immer sei ein Lobgesang in ihrer Kehle. Diese ist mehr als nur ein Teil des Körpers. Mit „Kehle“ ist viel mehr gemeint, denn ursprünglich ist auch die Nephesch als Kehle gedacht worden, durch die der Atem ein- und ausgeht. Deshalb lechzt auch die Seele im Psalmenkontext oft nach Wasser, als ob sie im Mund oder in der Kehle sitzen würde. Den Lobgesang in der Kehle zu haben, heißt also nicht nur die ständige Bereitschaft zum Singen, sondern auch den Lobpreis im „Herzen“, das heißt in der Seele. Dieser Lobpreis ist den Frommen „Lichtglanz“, das heißt Pracht und Schönheit, die sie schmückt.
Der Psalm endet mit dem wiederholten Halleluja, für den er bekannt ist.

Joh 15
26 Wenn aber der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich ablegen.

27 Und auch ihr legt Zeugnis ab, weil ihr von Anfang an bei mir seid.
1 Das habe ich euch gesagt, damit ihr keinen Anstoß nehmt.
2 Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen, ja es kommt die Stunde, in der jeder, der euch tötet, meint, Gott einen heiligen Dienst zu leisten.
3 Das werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich erkannt haben.
4 Ich habe es euch aber gesagt, damit ihr euch, wenn die Stunde kommt, daran erinnert, dass ich es euch gesagt habe.

Heute hören wir im Evangelium den Abschluss der zweiten und den Beginn der dritten Abschlussrede. Jesus spricht wieder vom Parakleten, dem Heiligen Geist als Beistand, den Christus vom Vater senden wird. Dieser Geist der Wahrheit, wie Jesus es zuletzt erklärt hat, wird Christus bezeugen. Dies wird er dadurch tun, dass er einerseits den Jüngern die Augen öffnen, andererseits durch sie die Heilstaten Christi wirken wird. Da Gott die Apostel als seine Werkzeuge gebrauchen wird, werden auch sie Zeugen Christi sein. Sie haben Jesus drei Jahre lang begleitet und alles gesehen und gehört. Sie sind wirklich authentische Zeugen für das Evangelium.
Jesus spricht diese Worte, damit sie keinen Anstoß nehmen. Das Wort σκανδαλισθῆτε skandalisthete heißt eigentlich „Anstoß nehmen“, steht hier aber im Passiv. Als Passivform müsste man viel mehr übersetzen mit „Anlass zum Anstoß geben“ oder sogar „stolpern“. Jesus sagt ihnen den Beistand zu, damit sie auf dem Weg in die Ewigkeit nicht straucheln. Sie sollen standhaftig bis zum Schluss sein. Er kündigt die Widerstände an, mit denen die Apostel für das Evangelium rechnen müssen: mit dem Ausschluss aus der Synagoge und dem Martyrium. Er erklärt ihnen, dass die Juden das mit ihnen tun werden, weil sie es gut meinen. So sollen die Apostel darauf vorbereitet werden, dass sie wie er dann am Kreuz beten können: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Sie werden den Christen gegenüber so feindselig sein, weil sie die Wahrheit nicht erkannt haben. So sollen die Apostel nicht mit Gegenhass antworten, sondern Mitleid haben mit jenen. Sie sollen für sie beten und ihr Leiden für eben jene aufopfern.
Jesus sagt ihnen zum Schluss, dass er all das zu ihnen sagt, damit sie sich dann zu gegebener Zeit daran erinnern werden. Wir wissen auch, wie sie sich erinnern werden – durch die Eingebung des Heiligen Geistes.
Dass sie diese Worte beherzigen werden, sehen wir z.B. am Märtyrer Stephanus. Dieser Diakon hat in seinem Sterben für seine Steiniger gebetet: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!“ (Apg 7,60).

Beten wir heute um diese Liebe, so heroisch auf den Hass der Mitmenschen zu reagieren, auch gerade in den kleinen Dingen und Situationen: wenn uns jemand demütigt und schikaniert, wenn jemand zynische Bemerkungen uns gegenüber macht oder uns auslacht. Wenn jemand uns bedroht und einzuschüchtern versucht. Bezeugen auch wir dann Christus gemeinsam mit dem Heiligen Geist und überlassen wir das Richten dann dem Vater. Unser unerwartetes Verhalten wird den Anderen verändern, das kann ich Ihnen versprechen!

Ihre Magstrauss

6. Sonntag der Osterzeit

Apg 8,5-8.14-17; Ps 66,1-3.4-5.6-7.16 u. 20; 1 Petr 3,15-18; Joh 14,15-21

Apg 8
5 Philippus aber kam in die Hauptstadt Samariens hinab und verkündete dort Christus.

6 Und die Menge achtete einmütig auf die Worte des Philippus; sie hörten zu und sahen die Zeichen, die er tat.
7 Denn aus vielen Besessenen fuhren unter lautem Geschrei die unreinen Geister aus; auch viele Lahme und Verkrüppelte wurden geheilt.
8 So herrschte große Freude in jener Stadt.
14 Als die Apostel in Jerusalem hörten, dass Samarien das Wort Gottes angenommen hatte, schickten sie Petrus und Johannes dorthin.
15 Diese zogen hinab und beteten für sie, dass sie den Heiligen Geist empfingen.
16 Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen; sie waren nur getauft auf den Namen Jesu, des Herrn.
17 Dann legten sie ihnen die Hände auf und sie empfingen den Heiligen Geist.

In der ersten Lesung hören wir einen Abschnitt, auf den die Lesungen der letzten Wochen ab und zu verwiesen haben – die Samariamission des Philippus.
Es handelt sich bei diesem Missionar um einen der sieben Diakone der Jerusalemer Urgemeinde. Es ist derselbe Philippus, der den äthiopischen Kämmerer zu Christus führen wird und der dann nach Aschdod entrückt wird.
Er missioniert Samaria, die Gegend, die quasijüdisch ist, im Grunde aber synkretistisch (die Samaritaner mischen jüdische und heidnische Elemente zusammen und haben auch ein gewisses Maß an Aberglauben), wurde schon von Christus selbst zum Glauben geführt, zumindest die Bewohner Sychars nach der Begegnung Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen. Das Evangelium Jesu Christi ist also schon in das Gebiet hineingekommen und die Menschen so auf die Mission des Philippus vorbereitet worden. Er wirkt in der Hauptstadt Samariens, die zuvor Samaria hieß, seit dem Wiederaufbau durch Herodes d. Gr. aber Sebaste genannt wird.
Wie zu Jesu Zeiten sind die Bewohner Samarias sehr offen für die Botschaft (mit Samaria ist zu jener Zeit das Gebiet, nicht die Stadt Samaria gemeint). Sie werden Zeugen von Zeichen, die Philippus im Namen Jesu vollbringt. In Vers 7 werden solche Zeichen konkret aufgezählt: Exorzismen, Heilungen von Lahmen und Verkrüppelten. Durch den Diakon heilt Christus die Samaritaner seelisch und körperlich. Dies sorgt für große Freude in der ganzen Stadt.
Philippus ist ein Diakon. Er kann einiges bewirken, hat aber nicht die sakramentale Vollmacht wie die eines Bischofs. Als die Nachricht über die Bekehrungen Samariens die Apostel der Jerusalemer Urgemeinde erreicht, reisen Petrus und Johannes dorthin. Dort beten sie mit den Bekehrten um die Gabe des Heiligen Geistes. Als Diakon konnte Philippus sie schon auf den Namen Jesu Christi taufen, die Firmung aber nicht spenden. Dies können nur jene, die den höchsten Weihegrad innehaben, die Bischöfe und die Apostel. So legen Johannes und Petrus den Anwärtern die Hände auf, damit diese den Heiligen Geist empfangen.

Ps 66
1 Für den Chormeister. Ein Lied. Ein Psalm. Jauchzt Gott zu, alle Länder der Erde!
2 Spielt zur Ehre seines Namens! Verherrlicht ihn mit Lobpreis!
3 Sagt zu Gott: Wie Ehrfurcht gebietend sind deine Taten; vor deiner gewaltigen Macht müssen die Feinde sich beugen.
4 Alle Welt bete dich an und singe dein Lob, sie lobsinge deinem Namen!
5 Kommt und seht die Taten Gottes! Ehrfurcht gebietend ist sein Tun an den Menschen:
6 Er verwandelte das Meer in trockenes Land, sie schreiten zu Fuß durch den Strom; dort wollen wir uns über ihn freuen.
7 In seiner Kraft ist er Herrscher auf ewig; seine Augen prüfen die Völker. Die Aufsässigen können sich gegen ihn nicht erheben.
16 Alle, die ihr Gott fürchtet, kommt und hört; ich will euch erzählen, was er mir Gutes getan hat.
20 Gepriesen sei Gott; denn er hat mein Bittgebet nicht unterbunden und mir seine Huld nicht entzogen.

Die Bekehrung der Samaritaner ist ein Grund zur Freude und zum Lobpreis. Wie viele Jahrhunderte gab es Spannungen zwischen ihnen und den Juden! Der Glaube an Jesus Christus vereint sie nun wieder!
Der Psalm beginnt mit einer Lobaufforderung an alle Länder der Erde mit instrumentaler Begleitung („Spielt zur Ehre seines Namens!“). Die Wendung כָּל־הָאָֽרֶץ kol-ha’arez muss wörtlich eigentlich mit „das ganze Land“ oder „die ganze Erde“ übersetzt werden. Es umfasst also entweder einen weltweiten Lobpreis oder den Lobpreis des ganzen Volkes Israel mit allen seinen Stämmen – auch jenen, aus denen das Nordreich entstand, das nach dem babylonischen Exil zum minderwertigen Samarien wurde. Es freue sich nun das ganze Volk Israel vor dem Hintergrund der erfolgreichen Mission, wie in der Apostelgeschichte berichtet!
Gottes Taten sind wahrhaft „Ehrfurcht gebietend“, denn er hat durch den Diakon Philippus große Heilszeichen erwirkt wie den Exorzismus und die Krankenheilung. Gott hat bereits im Volk Israel viele Heilszeichen erwirkt, er hat das ganze Volk aus Ägypten herausgeführt und die Ägypter mit zehn Plagen geschlagen. Er hat das Meer geteilt und das Volk ganze vierzig Jahre in der Wüste am Leben erhalten, schließlich ins verheißene Land geführt und zur Entstehungszeit des Psalms König David mit militärischen Siegen beschenkt. Das größte Heilszeichen hat Gott dann auf der Höhe der Zeit erwirkt, die eigene Menschwerdung! Er hat sich ans Kreuz schlagen lassen, um die Erlösung der gesamten Menschheit aller Zeiten zu erwirken. Vor diesem Heilszeichen kann der Feind sich wirklich nur beugen! So hat der Tod kapituliert, als Christus am dritten Tage von den Toten auferstanden ist.
Die ganze Welt soll ihn anbeten, denn die ganze Welt ist erlöst. Aus dem Grund hat Jesus vor seiner Himmelfahrt seinen Jüngern die weltweite Mission aufgetragen. Dieses Heil soll jedem Menschen zugänglich gemacht werden.
Ein erster Moment dieser weltweiten Anbetung trägt sich im Stall von Betlehem zu. Dort sind es die Magoi aus dem Osten als Stellvertreter der Heiden und der „Enden der Erde“, die Gott anbeten in dem kleinen hilflosen Kind.
„Kommt und seht die Taten Gottes!“ Ist ein Aufruf, der heute besonders den Samaritanern gilt. Sie sehen mit eigenen Augen die überwältigenden Heilszeichen, durch die sie nicht anders können, als in Ehrfurcht zu ihm zu leben.
Der wörtliche Sinn dieser Verse ist zunächst auf die Heilszeichen Gottes am Volk Israel zu beziehen. So wird das Teilen des Roten Meeres angedeutet. Die Rettung des Volkes durch das Wasser hindurch ist zugleich Typos für die Taufe. Petrus greift diese typologische Verbindung in seinen Briefen auf und erklärt, dass das Volk des Neuen Bundes auch durch das Wasser hindurch gerettet wird, nämlich durch das Wasser der Taufe. So wird nicht mehr die Rettung des irdischen, sondern des ewigen Lebens erwirkt. Und auch am Wasser der Taufe wollen wir uns freuen mit denen, die gerettet worden sind! Heute freuen sich die Apostel und Philippus zusammen mit den Samaritanern, die im Heiligen Geist wiedergeborenen sind zum ewigen Leben.
Gott ist Herrscher des Himmels und der Erde. Ihm entgeht nichts und er prüft die Völker. Er prüft aber auch das Herz jedes einzelnen Menschen und wenn wir dann vor ihm stehen, wird er von uns Rechenschaft verlangen. Dass Gott alles sieht, soll uns nicht als Bedrohung gelten, sondern als Zuspruch und Einladung zur absoluten Geborgenheit in Gott. Er weiß um alles und kennt unser Leben. Er weiß, was wir durchmachen und was uns im Innersten umtreibt. Er kennt uns besser, als wir uns selbst kennen. Deshalb kann er uns auch helfen, selbst wenn wir seine Maßnahmen in den jeweiligen Momenten nicht verstehen.
Die Aufsässigen, seine Feinde können gegen ihn nichts ausrichten, weil er der Allmächtige ist. Der Tod kann Christus nicht festhalten, der der Auferstandene ist. Der Tod kann auch uns nichts anhaben, die wir vielleicht noch biologisch sterben müssen, seelisch aber auf ewig weiterleben.
Vers 16 klingt sehr liturgisch, denn die Schar von Gläubigen wird aufgefordert, dem Glaubenszeugnis des Psalmisten zu lauschen. Es ist wie die Verkündigung des Evangeliums durch Philippus. Dieser Vers hätte auch aus seinem Mund kommen können, als er in Sebaste die Aufmerksamkeit der Bewohner auf sich zog.
Gott sei gepriesen, weil er die Bittgebete nicht unterbindet. Wir dürfen ihn um alles bitten. Jesus sagt ganz explizit: „Wer bittet, dem wird gegeben, wer anklopft, dem wird aufgetan.“ Er möchte, dass die Menschen den Vater voller Vertrauen bitten und ihm danken, als ob er es ihnen schon gewährt hat. In diesem Sinne lehrte er den Jüngern das Vaterunser, das wir bis heute als den Kern unseres Gebetslebens betrachten. Er erweist allen Menschen seine Huld – egal, ob Juden, Samaritanern oder Heiden.

1 Petr 3
15 heiligt vielmehr in eurem Herzen Christus, den Herrn! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt;
16 antwortet aber bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen, damit jene, die euren rechtschaffenen Lebenswandel in Christus in schlechten Ruf bringen, wegen ihrer Verleumdungen beschämt werden.
17 Denn es ist besser, für gute Taten zu leiden, wenn es Gottes Wille ist, als für böse.
18 Denn auch Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben, ein Gerechter für Ungerechte, damit er euch zu Gott hinführe, nachdem er dem Fleisch nach zwar getötet, aber dem Geist nach lebendig gemacht wurde.

In der zweiten Lesung hören wir wieder einen Ausschnitt aus dem ersten Petrusbrief. Die heutigen Verse schließen sich an eine sogenannte Haustafel und an eine ethische Unterweisung aller Christen an. Mit „Haustafel“ ist die Richtschnur einer bestimmten Gemeinschaft oder eines Standes gemeint, die die in ihr Lebenden ethisch unterweist. Die hier vorliegende Haustafel beginnt schon in Kapitel 2 und zieht sich weiter in das dritte Kapitel. Es geht um das rechte Verhalten von Sklaven im Haushalt und dann um das rechte Verhalten in einer Ehe.
So ist der heutige Abschnitt der zweiten Lesung paränetisch geprägt, also auch voller ethischer Anweisungen.
Wir alle, die wir getauft sind, sollen Christus in unserem Herzen heiligen. Petrus sagt dies vor allem zu jenen, die um des Himmelreiches willen leiden müssen. Die spricht er unmittelbar vor unserem heutigen Abschnitt an. Auch wenn diese äußerlich leiden müssen und ihnen sogar das irdische Leben genommen wird, sollen sie ihr Herz als „heiligen Boden“ bewahren, dem Ort der Gegenwart Gottes, den Nichts verunreinigen darf. Darin sagt er das, was Paulus im ersten Korintherbrief anspricht – den Tempel des Heiligen Geistes.
Wenn Menschen uns nach Gott fragen, sollen wir ihnen stets Rede und Antwort stehen. Dann ist es unsere Chance, den Missionsauftrag Jesu umzusetzen. Wer Offenheit zeigt, dem sollen wir mit dem Evangelium Jesu Christi entgegenkommen. Philippus hat in der ersten Lesung diese Offenheit zu spüren bekommen, als er in Samaria das Wort Gottes verkündete. So hat er den Auftrag Jesu umgesetzt und die Samaritaner zu Jüngern Jesu Christi gemacht.
Wichtig ist dabei aber auch, wie man das Wort Gottes verkündet. Dieses Wie ist ausschlaggebend für den Missionserfolg. Die Bescheidenheit und Ehrfurcht vor dem Verkündeten zeigt den Zuhörern, dass die Botschaft selbst wahr ist. Wer überheblich daherkommt und meint, das Wort Gottes zu besitzen, wird keine Herzen mit dem Evangelium berühren. Die Bescheidenheit ist eine Weseneigenschaft, die der Demut und Einfachheit Gottes gleichkommt. Der Schüler ist nicht höher als sein Meister. Wenn Jesus die Fußwaschung an seinen Aposteln vornimmt, was ein Sklavendienst ist, können seine Jünger nicht plötzlich eine Stellung anstreben, die dem Sklaven höhergestellt ist. Jesus ist in einer einfachen Höhle inmitten von Stalltieren geboren worden. Er hat ein einfaches Leben gelebt. Er ist die Personifikation von Bescheidenheit. Dabei geht es nicht nur einfach um äußere Umstände, sondern um eine innere Haltung der Einfachheit, eine Freiheit von irdischen Gütern, die man vielleicht besitzt.
Die Ehrfurcht als angestrebte Haltung von Missionaren soll den Menschen verdeutlichen, dass der Verkünder des Evangeliums selbst von dieser Botschaft berührt ist und Gott dafür von Herzen dankt, der zugleich Respekt hat vor diesem allmächtigen Herrscher des Himmels und der Erde, der ein schwaches Geschöpf wie ihn als Werkzeug des Heils gebraucht.
Mit so einer Haltung hat man ein reines Gewissen vor den Gegnern und kann nicht beschämt werden durch deren Vorwürfe. Solche entpuppen sich dann nämlich als Verleumdungen, die auf die Gegner selbst zurückfallen werden. Wenn man das Wort Gottes verkündet, muss das Gewissen eine reine weiße Wand darstellen, auf dem kein Fleck vorhanden ist. Dann ist man immun gegen die Angriffe der Gegner. Es ist nur so, dass kein Mensch ganz reinen Gewissens ist. Jeder lässt sich etwas zuschulden kommen und wird dadurch angreifbar. Und dennoch muss die Bemühung dasein, das Gewissen so rein wie möglich zu halten.
Und dann sagt uns Petrus etwas sehr Wichtiges: Leiden hat unterschiedliche Ursachen und das Annehmen dieser Leiden hat unterschiedliche Qualitäten. Wenn man trotz eines reinen Gewissens leiden muss (wie im Falle eines Missionars und seiner Gegner), dessen Akzeptanz des Leidens hat einen hohen Stellenwert. Sie bringt reiche Frucht, um es mit Jesu Worten zu sagen. Wer leidet aufgrund eigenen Verschuldens, der leidet verdient und es ist die Sühne des eigenen Vergehens. Das ist kein Leiden, das Gott dem Menschen auferlegt hat, sondern ein selbstgemachtes Kreuz.
Das Leiden um des Himmelreiches willen (also für gute Taten) leitet sich vom Leiden Jesu Christi ab, der als der Gerechte schlechthin für die Ungerechten gestorben ist, auf dass diese gerettet werden können.
„Dem Fleisch nach getötet“ heißt in dem Kontext nicht, dass sein irdisches Leben durch Gewalt beendet worden ist, also sein Körper. „Fleisch“ und „Geist“ bezieht sich nicht auf Körper und Seele, sondern auf die gefallene Schöpfung (Fleisch) und die Gnade Gottes/die neue Schöpfung (Geist). So ist auch mit „dem Geist nach“ nicht seine Seele gemeint. Diese Formulierung würde ja auch implizieren, dass seine Seele tot war und dann lebendig gemacht worden ist.
Vielmehr bedeutet der Satz, dass Jesus von der gefallenen Schöpfung umgebracht worden, durch die Gnade Gottes aber auferstanden ist. Er ist der Anfang der neuen Schöpfung und ist deshalb nicht im Tod geblieben. Er ist sogar mit Leib und Seele in den Himmel eingegangen.
In dieser heutigen Konstellation der Lesungen erscheint der erste Petrusbrief als Handbuch des Philippus, der mit diesen ethischen Unterweisungen die Missionsreise nach Samaria unternimmt und im Anschluss an den Missionserfolg mit den Bekehrten den Psalm betet.

Joh 14
15 Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.
16 Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll,
17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.
18 Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch.
19 Nur noch kurze Zeit und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und auch ihr leben werdet.
20 An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. 21 Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.

Im Evangelium hören wir heute einen Abschnitt aus der ersten Abschiedsrede, die uns unter der Woche schon begegnet ist. Der heutige Abschnitt ist aber bisher nicht verlesen worden, aber ein wunderbarer Text, der den Bogen der bisherigen Lesungen schließt.
Die Gottes- und Nächstenliebe der vergangenen Woche aus der zweiten Abschiedsrede wird nun auch hier in Vers 15 angeschnitten: Aus Gottesliebe werden die Jünger seine Gebote halten. Sie sollen dies nicht, sie werden dies. Das ergibt sich aus der Liebe von selbst. Wer einen Menschen liebt, möchte alles für ihn tun, auch wenn es über die eigene Komfortgrenze hinausgeht. Man möchte den geliebten Menschen nicht verletzen, was die Sünde/die Übertretung der Gebote aber mit Gott macht – ihn beleidigen. Wer Gott liebt, möchte keinen Streit mit ihm. Und Gott verlangt nichts, was dem Menschen schadet. Im Gegenteil: Was Gott in den Geboten verlangt, garantiert das glückliche Leben des Menschen.
Jesus verabschiedet sich in den Reden von seinen Jüngern. Er gibt ihnen sein Testament mit auf den Weg und weil er bald von ihnen gehen wird, verspricht er ihnen den Beistand, den Heiligen Geist. Dieser wird immer bei ihnen sein. Vor dem Hintergrund der beiden Lesungen können wir das absolut unterstreichen. Der Geist Gottes wirkt durch die Apostel im Sakrament der Firmung und zuvor schon durch den Diakon Philippus. Es ist dieser Geist, der ihm beisteht bei der Mission, bei den Heilungen und Exorzismen.
Dieser Geist ist nicht nur ihr Beistand, sondern auch ihr Lehrer. Er wird sie nichts Neues lehren, sondern sie immer tiefer verstehen lassen, was Jesus seinen Jüngern in den drei Jahren ihres gemeinsamen Lebens gelehrt hat. Wie oft lesen wir in den Evangelien davon, dass die Jünger Jesus gar nicht verstehen, selbst sein engster Jüngerkreis nicht. Der Geist Gottes hilft ihnen, im Nachhinein diese Dinge zu begreifen und in den größeren Zusammenhang zu setzen.
Weil der Geist sie in alle Wahrheit einführen wird, ist er der Geist der Wahrheit. Jesus erklärt ihnen, dass auch wenn dieser Geist sie erfüllen und bei ihnen wohnen wird, die Welt (das heißt die gefallene Schöpfung) ihn nicht kennt. Diese ist ja nicht umfassend von ihm erfüllt. Durch diese Bemerkung möchte Jesus seine Apostel darauf vorbereiten, dass sie sich in der Welt fremd fühlen werden und Verständigungsprobleme ein Hindernis bei der Mission sein würden.
Und dann spricht Jesus sehr eucharistisch. Er sagt, dass er seine Apostel nicht als Waisen zurücklässt. Er muss gehen, wird aber zu ihnen kommen. Das kann man einerseits auf den Tod und die Auferstehung beziehen und so werden es seine Jünger vielleicht auch aufgegriffen haben, während sie sich nach seinem Tod in einem Raum verschanzten. Zugleich müssen wir den Kontext der Abschiedsrede berücksichtigen. Jesus hält sie im Anschluss an das letzte Abendmahl, in dem er die Eucharistie eingesetzt hat. So verstehen wir seine Worte als eucharistische Zusage. In jede Heilige Messe ist Jesus bereit, zu den Feiernden zu kommen in den eucharistischen Gestalten von Brot und Wein. Er ist auch bereit, zu den Gläubigen ins Herz zu kommen im Leib Christi, bei ihnen zu bleiben und sie von innen her ganz zu erfüllen. So bestimmt er auch hier gesamtes Handeln in ihrem Leben. Und am Ende der Zeiten kommt Jesus zu seinen Jüngern zurück, dann nicht mehr mit verborgener Göttlichkeit, sondern als verherrlichter Menschensohn.
Jesus sagt, dass die Welt Jesus nach kurzer Zeit nicht mehr sehen wird, die Jünger aber schon. Dies bezieht sich nicht auf seinen Tod, denn auch die Jünger werden ihn dann nicht mehr sehen. Man könnte es höchstens auf das Osterereignis insofern beziehen, als der Auferstandene seinen Aposteln und weiteren Jüngern erscheinen wird, der Rest der Welt ihn in dieser Gestalt aber nicht mehr sehen wird. Das ist aber nicht alles. Jesus meint es auch bezogen auf die Eucharistie. Jesus wird leben und in den eucharistischen Gaben den Menschen sichtbar werden. Jene, die der Eucharistie beiwohnen, werden ihn sehen – seine Jünger. Es bezieht sich aber auch auf das ewige Leben nach dem Tod und am Ende der Zeiten. Sehen werden ihn unverhüllt und in seiner ganzen Herrlichkeit zwar alle Menschen bei seiner Wiederkunft, doch mit ihm in Gemeinschaft leben werden nur jene, die in das Himmelreich eingehen dürfen – seine Jünger. Dann ist mit der Aussage Jesu an dieser Stelle das ewige Leben gemeint, das nicht nur ihm vorbehalten ist, sondern allen, die zur neuen Schöpfung gehören werden durch den Heiligen Geist.
In dieser Hinsicht verstehen wir dann auch den nächsten Vers, wo von „jenem Tag“ die Rede ist. Dann werden die Apostel ganz erkennen, was Jesus die ganze Zeit damit meinte, als er von der Einheit mit dem Vater gesprochen hat und von der Gemeinschaft zwischen den Jüngern und ihm selbst. Sie werden dann den Zustand erleben, zu dem sie überhaupt geschaffen worden sind: Zur Liebeseinheit, die Gott in sich ist, einbezogen zu werden. Die Apostel werden nie eins mit Gott werden in der Hinsicht, dass sie vergöttlicht werden. Sie werden Menschen bleiben, aber in ewiger Gemeinschaft mit Gott.
„Wer die Gebote hat und sie hält“ ist auf jene zu beziehen, denen die Gebote Gottes offenbart worden sind. Ihnen sind sie gegeben worden, also haben sie sie nun. Die Gebote Gottes sind in der Person Jesu Christi offenbart worden. Dieser kehrt in seiner Rede zum Zusammenhang von Gottesliebe und Halten der Gebote. Der Vater und der Sohn werden jene lieben und sich jenen offenbaren, die die Gebote Gottes halten. Das können wir in dem Zusammenhang des heutigen Evangeliums nun eschatologisch verstehen, das heißt auf die Ewigkeit hin: Gott liebt den Menschen ja, bevor dieser ihn zurücklieben kann. Er liebt zudem alle Menschen und stellt dazu nicht die Bedingung, dass nur die Gehorsamen von ihm geliebt werden. Er ist ja gerade für die Ungehorsamen gestorben, damit diese erlöst würden. Jesus sagte: „Nicht die Gesunden brauchen einen Arzt, sondern die Kranken.“ Wenn es hier also zukünftig formuliert ist, muss es etwas Neues andeuten: Es geht um die Liebesgemeinschaft im Himmelreich. Da wird eine neue Dimension von Liebe erreicht – die ewige Hochzeit des Lammes! Da wird sich Christus auch als der Verherrlichte offenbaren, ganz unverhüllt, nicht mehr in den Gestalten von Brot und Wein.

Heute hören wir sehr viel von einem Weg des Kennenlernens und Liebens Gottes. Wir hören vom ersten Kennenlernen bei der Mission des Philippus, von der Geistgabe bei der Firmung und dem dadurch vertieften Verständnis der Wahrheit, von der Nachfolge und Standhaftigkeit bei der Weitergabe dieser Wahrheit, von der innigen Verbundenheit der Apostel mit dem irdischen Jesus, der sie für kurze Zeit verlassen muss, als Auferstandener aber wiederkommt und sie auch nach der Himmelfahrt nicht verlässt. Im Gegenteil: Er lässt sich dadurch noch viel intimer erleben in der Eucharistie, bei der die Jünger ihn mit Leib und Seele aufnehmen, gleichsam absorbieren dürfen. Und schließlich wird schon der Endpunkt thematisiert, bei dem die ewige Gemeinschaft der Gläubigen mit der Liebeseinheit von Vater und Sohn im Himmelreich angekündigt wird, die ewige Hochzeit des Lammes. Es ist ein Weg bis zur absoluten Vereinigung (ohne Vergöttlichung). Gott zieht die Menschen an sich. Diese Linie erkennen wir in den gesamten Texten des heutigen Sonntags.

Ihre Magstrauss

Samstag der 5. Osterwoche

Apg 16,1-10; Ps 100,2-3.4-5; Joh 15,18-21

Apg 16
1 Er kam auch nach Derbe und nach Lystra. Und siehe, dort lebte ein Jünger namens Timotheus, der
Sohn einer gläubig gewordenen Jüdin und eines Griechen.
2 Er war Paulus von den Brüdern in Lystra und Ikonion empfohlen worden.
3 Paulus wollte ihn als Begleiter mitnehmen und ließ ihn mit Rücksicht auf die Juden, die in jenen Gegenden wohnten, beschneiden; denn alle wussten, dass sein Vater ein Grieche war.
4 Als sie nun durch die Städte zogen, überbrachten sie ihnen die von den Aposteln und den Ältesten in Jerusalem gefassten Beschlüsse und trugen ihnen auf, sich daran zu halten.
5 So wurden die Gemeinden im Glauben gestärkt und wuchsen von Tag zu Tag.
6 Weil ihnen aber vom Heiligen Geist verwehrt wurde, das Wort in der Provinz Asien zu verkünden, reisten sie durch Phrygien und das galatische Land.
7 Sie zogen an Mysien entlang und versuchten, Bithynien zu erreichen; doch auch das erlaubte ihnen der Geist Jesu nicht.
8 So durchwanderten sie Mysien und kamen nach Troas hinab.
9 Dort hatte Paulus in der Nacht eine Vision. Ein Mazedonier stand da und bat ihn: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns!
10 Auf diese Vision hin wollten wir sofort nach Mazedonien abfahren; denn wir kamen zu dem Schluss, dass uns Gott dazu berufen hatte, dort das Evangelium zu verkünden.

Die heutige Lesung berichtet von den Ereignissen der zweiten Missionsreise des Paulus. Am Ende des 15. Kapitels wird erzählt, wie Paulus Barnabas eine zweite Reise vorschlägt, um nach den Neubekehrten zu schauen. Barnabas möchte Johannes Markus mitnehmen, der letztes Mal mit auf die Insel Zypern gereist, dann jedoch nicht weiter mitgekommen ist. Paulus nimmt es ihm wohl immer noch übel, denn er weigert sich, ihn auf die zweite Reise mitzunehmen. Wir müssen bedenken, dass Johannes Markus ein Verwandter des Barnabas ist und dieser ihn nicht einfach links liegen lassen will. So kommt es zu einem Konflikt zwischen den beiden Missionaren und sie gehen getrennte Wege. Barnabas reist mit seinem Verwandten nach Zypern, wohingegen Paulus Silas mitnimmt. Zusammen reisen sie durch Syrien und Kilikien.
Heute hören wir dann davon, dass Paulus in die Städte von damals kommt. Dort lernt er Timotheus kennen, den Sohn einer Judenchristin und eines Griechen. Er nimmt ihn als Begleitung mit und lässt ihn zuvor beschneiden. Dies tut er aus Rücksicht vor den Juden, die seinen Vater kennen. Er tut es nicht, weil es heilsnotwendig wäre, sondern um keinen Anstoß zu erregen.
Als sie die jungen Gemeinden besuchen, klären sie sie auch über die neuen Beschlüsse des Apostelkonzils auf. Sie sollen die Jakobinischen Klauseln berücksichtigen, müssen aber weder beschnitten werden noch die gesamte Torah halten. Der Besuch der Missionare bringt nicht nur Glaubensvertiefung mit sich, sondern auch weitere Gläubige.
Auch jetzt ist es der Heilige Geist, der die Missionare leitet. Wir erfahren, dass dieser sie davon abhält, durch die Provinz Asia zu ziehen (Westküste Kleinasiens). Stattdessen wirken sie in Phrygien und Galatien, die an die Asia im Osten angrenzen. Selbst als sie nach Bithynien möchten und dafür an Mysien vorbeiziehen müssen (da liegt z.B. Pergamon), warnt sie der Heilige Geist davor. Stattdessen ziehen sie durch Mysien nach Troas. Eines Nachts erhält Paulus eine prophetische Eingebung durch einen Traum, in dem er einen Mazedonier ihn um Hilfe bitten sieht. Sofort bewertet Paulus diesen Traum als gottgegeben und sie planen die Abreise nach Mazedonien. In Vers 10 lesen wir einen Perspektivwechsel, denn der Autor bezieht sich in die Geschichte ein! Er sagt „wir kamen zu dem Schluss“. Das bedeutet, dass Lukas als Autor der Apostelgeschichte die ganze Zeit mitgezogen ist.
So endet der heutige Abschnitt. Die Missionare machen zu keinem Zeitpunkt einfach das, was sie möchten. Sie lassen sich vom Heiligen Geist leiten und sind gerade deshalb so fruchtbar in ihrem Dienst. Auch uns möchte der Geist Gottes in unserem Leben leiten. Wir müssen ihm dafür nur den Raum geben.

Ps 100
2 Dient dem HERRN mit Freude! Kommt vor sein Angesicht mit Jubel!
3 Erkennt: Der HERR allein ist Gott. Er hat uns gemacht, wir sind sein Eigentum, sein Volk und die Herde seiner Weide.
4 Kommt mit Dank durch seine Tore, mit Lobgesang in seine Höfe! Dankt ihm, preist seinen Namen! 5 Denn der HERR ist gut, ewig währt seine Huld und von Geschlecht zu Geschlecht seine Treue.

Als Antwort auf diesen Missionserfolg beten wir Psalm 100, der betitelt wird als „Lobgesang der Völker beim Einzug ins Heiligtum“.
„Dient dem HERRN mit Freude! Kommt vor sein Angesicht mit Jubel!“ Diese Worte beziehen sich nun auf die neubekehrten Heidenchristen, die durch die Mission des Paulus und Barnabas Christen geworden sind. Sie sind es, die zu einem freudigen Dienst aufgefordert werden. Der Wortsinn dieses Psalms ist zunächst auf die Heiden in alttestamentlicher Zeit zu beziehen, die zum Tempel kommen sollen („vor sein Angesicht“). Dort gibt es einen eigens für sie bestimmten Tempelhof. Mit Blick auf die Heidenchristen zur Zeit des Paulus müssen wir uns fragen, was dann mit „Angesicht Gottes“ gemeint sein könnte. Jesus hat der samaritanischen Frau am Jakobsbrunnen schon angekündigt, dass in Zukunft weder der Tempel in Jerusalem noch die Kulthöhe auf dem Garizim die Anbetungsorte Gottes darstellen werden. Er hat angekündigt, dass er selbst der Ort der Anbetung darstellen wird und die rechte Weise der Anbetung im Geist und in der Wahrheit sein werde. Es wird keine örtliche Gebundenheit mehr geben, weil Jesus in jeder Heiligen Messe eucharistisch anwesend sein wird! Die Heidenchristen der Lesung treten also nun durch die Liturgie zum Angesicht Gottes, egal wo sie sich befinden – Lystra, Derbe, Ikonion, Jerusalem oder Antiochia.
„Erkennt: Der HERR allein ist Gott. Er hat uns gemacht, wir sind sein Eigentum, sein Volk und die Herde seiner Weide.“ Dass es nur diesen einen Gott gibt, wird den Heiden gegenüber natürlich deshalb betont, weil sie den Monotheismus erst einmal lernen müssen. Sie kommen aus einem polytheistischen Kontext (Vielgötterei). Dieser eine wahre Gott hat die Welt geschaffen, auch die Menschen. Deshalb gehören alle Menschen ihm. Auch die Heiden gehören zum auserwählten Volk. Das Hebräische gibt dies wieder mit dem Wort עַ֝מֹּ֗ו ammo. Es geht wirklich um das auserwählte Volk. Dies ist bemerkenswert im Kontext des Alten Testaments! Nicht nur das Volk Israel gehört zum Volk Gottes, sondern nun auch die Heiden! Hier wird etwas deutlich, was mit dem Neuen Bund wahr wird: Gottes Volk setzt sich nicht mehr durch biologische Abstammung zusammen, sondern durch Menschen aller Nationen, Völker, Stämme und Sprachen, die durch die Taufe zur neuen Schöpfung werden, eine geistliche Familie. Als solche ist das neue Volk Gottes Herde des guten Hirten. Dieses Bild greift Jesus dann auf, wenn er sich selbst als diesen guten Hirten offenbart und seine Jünger als seine Herde.
„Kommt mit Dank durch seine Tore“ ist wörtlich zunächst auf die Stadttore Jerusalems und des Tempelareals gemeint, durch die die Heiden in die Höfe des Tempels gelangen. Im weiteren Sinn meint es auch die Heidenchristen der jungen Gemeinden der Apostelgeschichte. Diese treten durch das Tor der Taufe hindurch in den Hof des Heiligtums Gottes, der in ihren Herzen Wohnung nimmt. Sie treten durch das Tor, wenn sie sich zur Eucharistie versammeln (wohl in Hausgemeinschaften). So ist es mit allen Menschen, die bis heute die Liturgie feiern. Die ganze Menschheit tritt durch das Tor des Todes ein in die Ewigkeit.
„Dankt ihm, preist seinen Namen!“ Dazu haben vor allem jene Neugetauften der Apostelgeschichte Anlass. Sie sind gerettet worden auf das ewige Leben hin. Dies veranlasst sie zu Lob und Dank.
Gott ist gut. Er hat das Heil jedes Menschen im Sinn. Er ist wirklich treu und verlässt seine Schäfchen nie. Deshalb können wir Menschen nicht anders, als zu jubeln über seine guten Taten an uns. Wir erkennen sie nicht immer und manchmal verdunkeln die Krisen unseres Lebens den dankbaren Blick auf das, was wir haben und was uns gelingt. Doch Gott ist immer der gleiche gute Gott, dem Ehre gebührt – gestern, heute und in Ewigkeit.

Joh 15
18 Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat.
19 Wenn ihr von der Welt stammen würdet, würde die Welt euch als ihr Eigentum lieben. Aber weil ihr nicht von der Welt stammt, sondern weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt.
20 Denkt an das Wort, das ich euch gesagt habe: Der Sklave ist nicht größer als sein Herr. Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen; wenn sie an meinem Wort festgehalten haben, werden sie auch an eurem Wort festhalten.
21 Doch dies alles werden sie euch um meines Namens willen antun; denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat.

Im Evangelium hören wir heute wieder einen Ausschnitt aus der zweiten Abschiedsrede. Gestern ging es vor allem um die Nächstenliebe aus der göttlichen Liebe heraus. Heute bereitet Jesus die Apostel auf die Widerstände vor, die sie erwarten.
Jesus spricht vom Hass durch die Welt. „Welt“ meint im Johannesevangelium immer die gefallene Schöpfung, nicht die Welt als Schöpfung Gottes. Was Gott gemacht hat, ist natürlich gut und nicht schändlich, sodass wir keine Weltfeindlichkeit daraus machen dürfen. Vielmehr meint es, was aus der Schöpfung Gottes geworden ist durch die Bosheit und Sünde der Menschen. Und diese hasst Gott. Dahinter steht der Satan, der Widersacher Gottes, der ihn ablehnt und auch die Menschen von Gott wegziehen möchte. Deshalb hasst die Welt auch Christus, das fleischgewordene Wort Gottes, das sie deshalb auch ans Kreuz schlagen werden. Und wer ihm nachfolgen will, wird ebenfalls gehasst werden aufgrund dieser Feindschaft auf geistlicher Ebene. Dieser geistliche Krieg steht eigentlich hinter den Konflikten zwischen den Menschen. Von diesem aus verstehen wir die Christenverfolgungen und innerkirchlichen Konflikte.
Wer getauft ist, stammt nicht mehr von der Welt, weil er oder sie nun zu der neuen Schöpfung gehört. Diese ist dabei auf die Ewigkeit hin ausgerichtet.
Auch die Apostel sind nicht von dieser Welt, zwar zu dem Zeitpunkt der zweiten Abschiedsrede noch nicht durch die Neuschöpfung im Heiligen Geist (dies erfolgt dann an Pfingsten), sondern aufgrund ihrer Erwählung durch Jesus Christus. Er greift hier vor, was mit ihnen passieren wird. Ihre Einstellungen sind aber schon eben jene der neuen Schöpfung. Sie leben schon auf die Ewigkeit hin, weil sie das Evangelium Jesu Christi angenommen haben.
Aufgrund dieser ganz anderen Prioritäten und Einstellungen sind sie der Welt fremd. Diese würde sie lieben und feiern, wenn sie noch in der Einstellung der Welt verharren würden. Das tun sie aber nicht und deshalb werden sie Verfolgung erleiden. Alle Apostel außer Johannes werden den Märtyrertod erleiden aus genau diesem Grund.
Ein anschauliches Beispiel für die Worte Jesu begegnet uns bei seiner Verurteilung: Dort steht er ganz zerschunden und verspottet als König der Juden mit Dornenkrone vor der Menschenmenge und neben ihm steht ein Schwerverbrecher, der als Zelot das Kommen des Gottesreiches mit Gewalt erzwingen wollte. Die Menschen feiern diesen anderen Messias (Bar-abbas, „Sohn des Vaters“) und fordern den Tod des wahren Messias, dessen Reich nicht von dieser Welt ist. Die Menschen feiern den, der in der weltlichen Logik lebt und wirkt. Sie hassen den, der mit göttlicher Weisheit die Welt verändert.
Schon bei der Fußwaschung erklärte Jesus seinen Aposteln, dass sie als seine Schüler nicht höher als er stehen können. Wenn er einen Sklavendienst verrichtet, sollen auch sie den Sklavendienst an anderen Menschen verrichten – freiwillig und aus Liebe. Dies greift er nun wieder auf, um sie auf die Anfeindungen vorzubereiten: Wenn er als ihr Rabbi schon auf solch schändliche Weise behandelt werden wird, dann wird es sie mindestens genauso treffen.
Aber dies wird nicht nur die negativen Reaktionen der Menschen betreffen: Ebenso werden jene, die das Wort Gottes durch den Messias selbst angenommen haben, es von seinen Aposteln akzeptieren, die in seinem Namen das Evangelium verkünden werden.
Zurück zu den Verfolgungen erklärt Jesus den Aposteln, dass die kommenden Verfolgungen, Bedrängnisse und Nachteile ihnen deshalb widerfahren werden, weil sie im Namen Jesu Christi auftreten werden, den sie zuerst gehasst haben. Und dies wiederum führt Jesus darauf zurück, dass die Feinde die Sendung des Sohnes vom Vater nicht erkannt haben. Hätten sie die Augen einmal richtig aufgemacht, wäre ihnen aufgegangen, dass Jesus im Namen des Vaters verkündet, nichts gegen dessen Willen gesagt und getan und somit die alttestamentlichen Verheißungen erfüllt hat.
Er ist der Sohn Gottes und hat nichts verkündet, was sich nicht mit den Worten Gottes in alttestamentlicher Zeit deckt.
Seine Gegner sind einfach blind und werden es auch sein, wenn sie den Aposteln vieles antun werden. Die Apostel sind gewarnt. Die Tragweite der Worte Jesu werden ihnen wohl nicht bewusst gewesen sein bis zu dem Moment, als sich dies dann bewahrheitet hat (wir denken an die Heilung des Gelähmten an der Schönen Pforte und die Verhaftung durch den Sanhedrin).

Die Worte Christi sind auch an uns gerichtet. Die Welt hasst die Christen, weil sie ganz andere Werte, eine ganz andere Ausrichtung, ganz andere Prioritäten aufweisen als die Gesellschaft. Das Christentum beugt sich nicht dem Zeitgeist (ich beziehe mich auf den unverfälschten Glauben und die konsequente Praxis, nicht auf die Scheinkatholiken, die die Lehre gar nicht mehr glauben). Es bietet die Stirn vor allem gegenüber totalitären Regimen wie dem Kommunismus und Nationalsozialismus. Wie viele Geistliche sind umgebracht worden für diese mutigen Kampfansagen! Wie viele Christen werden heute umgebracht, die mutig am Glauben festhalten, obwohl ihnen gedroht wird! Noch nie gab es so eine schlimme Christenverfolgung wie heutzutage. Das ist uns ein Zeichen dafür, dass die Welt immer gottloser wird. Die Diskrepanz wird immer größer und so auch die Gewalt.

Das ist etwas, das die Apostel annehmen müssen, doch es muss weder ihnen noch uns Angst einjagen. Jesus sagte, wenn wir die Zeichen der Endzeit sehen werden, sollen wir uns aufrichten und unsere Häupter erheben, weil die Erlösung naht (Lk 21,28). Und er steht uns bis zum Schluss bei mit allen Engeln und Heiligen, besonders mit seiner lieben Mutter, die auch unsere Mutter ist.

Ihre Magstrauss

Freitag der 5. Osterwoche

Apg 15,22-31; Ps 57,8-9.10-11; Joh 15,12-17

Apg 15
22 Da beschlossen die Apostel und die Ältesten zusammen mit der ganzen Gemeinde, Männer aus ihrer Mitte auszuwählen und sie zusammen mit Paulus und Barnabas nach Antiochia zu senden, nämlich Judas, genannt Barsabbas, und Silas, führende Männer unter den Brüdern.
23 Sie gaben ihnen folgendes Schreiben mit: Die Apostel und die Ältesten, eure Brüder, grüßen die Brüder aus dem Heidentum in Antiochia, in Syrien und Kilikien.
24 Wir haben gehört, dass einige von uns, denen wir keinen Auftrag erteilt haben, euch mit ihren Reden beunruhigt und eure Gemüter erregt haben.
25 Deshalb haben wir einmütig beschlossen, Männer auszuwählen und zusammen mit unseren geliebten Brüdern Barnabas und Paulus zu euch zu schicken,
26 die beide für den Namen Jesu Christi, unseres Herrn, ihr Leben eingesetzt haben.
27 Wir haben Judas und Silas abgesandt, die euch das Gleiche auch mündlich mitteilen sollen.

28 Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge:
29 Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht zu meiden. Wenn ihr euch davor hütet, handelt ihr richtig. Lebt wohl!
30 Man verabschiedete die Abgesandten und sie zogen hinab nach Antiochia, riefen die Gemeinde zusammen und übergaben ihr den Brief.
31 Sie lasen ihn und freuten sich über den Zuspruch.

Gestern hörten wir in der Lesung von hitzigen Auseinandersetzungen auf dem Apostelkonzil in Jerusalem. Es wurde über die Heilsnotwendigkeit der Beschneidung diskutiert sowie über die Haltung der gesamten Torah durch die Heiden. Petrus hat entschärfend eingewirkt, Paulus und Barnabas die Chance gehabt, Zeugnis von der heidnischen Bekehrungswelle auf der ersten Missionsreise zu berichten und Jakobus sodann das entscheidende Wort gesprochen: So wie im levitischen Heiligkeitsgesetz notiert sollen die Heiden aus Rücksicht vor den Judenchristen ein Mindestmaß an Ritualgeboten einhalten, ansonsten aber weder beschnitten werden noch der Torah unterworfen werden. Sie sollen nicht mit der pharisäischen Strenge belastet werden wie die Juden.
Damit können sich die meisten wohl anfreunden, denn heute hören wir davon, dass zusammen mit Paulus und Barnabas eine Gesandtschaft von zwei jerusalemer Brüdern nach Antiochia, der heidenchristlichen Basisgemeinde, zurückkehren und die Beschlüsse verlesen. Dies hätten Paulus und Barnabas auch hinbekommen, doch geht es hier um die Bedeutung der Vertreter. Dies macht die Angelegenheit hochoffiziell und autoritär.
Judas Barsabbas und Silas werden ausgewählt, diese Aufgabe zu übernehmen. Wir erfahren auch den Wortlaut des Schreibens:
Es handelt sich von der Form um einen Brief, der klassisch mit einem Präskript beginnt. Dort wird der Autor und der Absender formuliert sowie ein Gruß an den Adressaten gerichtet. Die Absender sind die Aposteln und die Ältesten (das heißt die Presbyter der Urgemeinde). Wie auch sonst in antiken Briefen wird der Absender grammatikalisch im Nominativ formuliert, der Empfänger aber im Dativ: Es handelt sich um die Heidenchristen („Brüder aus dem Heidentum“) in Antiochia, Syrien und Kilikien. Ein ganz knapper Gruß folgt der Nennung der Adressaten mithilfe des Wortes χαίρειν chairein (hier: „zum Gruß“).
Dann erfahren wir weitere Details von der Vorgeschichte, aufgrund welcher das Apostelkonzil überhaupt einberufen worden ist: Es gab Brüder der Urgemeinde, die ohne Beauftragung in Antiochia gepredigt und mit der Beschneidungsforderung für Unruhe gesorgt haben. Ihre eigenmächtige Verkündigung ohne offizielle Beauftragung ist uns neu.
Aus diesem Anlass hat die Urgemeinde beschlossen, mit Barnabas und Paulus die Männer Silas und Judas zu ihnen zu senden, die auch mündlich für den Inhalt des Schreibens einstehen. Es sind wirklich bewährte Männer, die „ihr Leben eingesetzt haben“ für Christus. Es könnte durchaus auf Bedrängung von Seiten der jüdischen Elite in Jerusalem hindeuten, die immer wieder versuchten, die aufkommende „Christus-Sekte“ auszumerzen.
Und dann kommt dieser wunderbare Satz: „Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen.“ Das muss man wirklich betonen. Es ist ein Teamwork von Gott und Mensch. Trotz hitziger Auseinandersetzungen war der Prozess des Apostelkonzils geistgetragen und dieser hat ihnen die richtigen Impulse, Erinnerungen und Beschwichtigungen eingegeben, sodass die Kirche zusammengehalten werde. Wir müssen hier ganz klar unterstreichen, dass es von Anfang an Spannungen in der Kirche gibt. Wo unterschiedliche Menschen zusammenleben, belasten ihre menschlichen Schwächen irgendwann die Gemeinschaft. Und es ist auch normal, dass es unterschiedliche Akzente und Mentalitäten gibt. Von Anfang an, ich betone das gerne, von Anfang an war katholische Problemlösung immer darauf bedacht, diese Schwerpunkte in ihrer Vielfalt zu erhalten. Wo nur ein Akzent zugelassen worden ist, entstanden Sekten, die irgendwann nichts mehr mit dem Christentum zu tun hatten (z.B. Markion mit seinem Antijudaismus). Katholisch heißt „allumfassend“, auch in der Weite der Lehre. Dies gilt bis heute. Katholisch ist Gregorianik und Alte Messe, katholisch ist aber auch die katholische charismatische Erneuerung.
Was auf dem Apostelkonzil entschieden worden ist, wurde unter dem Einfluss des Heiligen Geistes beschlossen. Eine höhere Autorität gibt es nicht. So signalisiert das Schreiben nun etwas Entscheidendes, an das man sich unbedingt halten muss:
Die Heidenchristen müssen die „Last“ der Juden nicht tragen (Beschneidung, Torah), jedoch Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht meiden. Sie verhalten sich richtig, wenn sie wenigstens dies halten.
Der Brief endet mit der gängigen Abschlussformel ἔρρωσθε errosthe, was so viel wie „Lebet wohl“ oder „Gehabt euch wohl“ heißt.
So ziehen die vier Männer nach Antiochia und der Brief wird dort verlesen. Die Gemeinde in Antiochia freut sich über den Zuspruch. Das griechische Wort ist an dieser Stelle παράκλησις paraklesis, was auch mit „Ermahnung, Ermunterung, Aufforderung“ übersetzt werden kann. Es ist in dieser sehr autoritativen Situation (die Jerusalemer haben zusammen mit dem Heiligen Geist beschlossen) am besten mit „Ermahnung“ zu übersetzen. Dies ist deshalb ein Grund zur Freude, weil in dieser Streitfrage endlich ein Machtwort gesprochen und Gewissheit eingekehrt ist. Die Verunsicherung in einer ganz ungeklärten Situation hat die Heidenchristen sehr verunsichert.
Wir lernen aus der heutigen Perikope, dass eine Autorität innerhalb einer Gemeinschaft wirklich wichtig ist. In so einem System kann Klarheit herrschen und eine deutliche Linie vorgegeben werden, die wiederum mit dem Willen Gottes übereinstimmen muss. Wenn jeder macht, was er will und keine Einigkeit bei allen Christen herrscht, ist es keine Weltgemeinschaft mehr. Es zerfällt in ein einziges Schollenmeer, das keine Einheit mehr hat.

Ps 57
8 Mein Herz ist bereit, Gott, mein Herz ist bereit, ich will singen und spielen.
9 Wach auf, meine Herrlichkeit! Wacht auf, Harfe und Leier! Ich will das Morgenrot wecken.
10 Ich will dich preisen, Herr, unter den Völkern, dir vor den Nationen spielen.
11 Denn deine Liebe reicht, so weit der Himmel ist, deine Treue, so weit die Wolken ziehn.
12 Erhebe dich über den Himmel, Gott! Deine Herrlichkeit sei über der ganzen Erde!

Als Antwort beten wir den wundervollen Ps 57. Der Beginn wird auch heute wieder von einer Selbstaufforderung zum Lob gekennzeichnet. Das Herz ist bereit. Das ist entscheidend. Wenn auch unsere Lippen Gott loben und preisen, mit Instrumenten wie die Harfe und Leier aus Vers 9 begleiten, so laut singen, dass wir das Morgenrot wecken – all das ist nutzlos, wenn unser Herz nicht bei der Sache ist. Darauf kommt es Gott aber an, sodass seine Propheten oft die Herzensferne der Israeliten kritisieren (Jes 29,13f.). Wenn das Herz sich auf Gott ausrichtet und ihn aufrichtig preist, wird es zu einem würdigen Opfer für den Herrn.
Vers 9 ist sehr poetisch und als Morgenlob zu deuten, hat aber auch einen tieferen geistlichen Sinn: Die Herrlichkeit Gottes und das Morgenrot sollen aufwachen. Das ist zutiefst messianisch: Jesus Christus ist der Messias, dessen Kommen mit dem Morgenrot (von Osten) in Verbindung gebracht wird. Die Herrlichkeit Gottes soll aufwachen und den Retter senden, das Heil für das auserwählte Volk Israel.
Das Gotteslob soll nicht nur bei den Stämmen Israels erklingen, sondern auch „vor den Nationen“. Für die Völker wird hier in Vers 10 ammim gebraucht, was in der Einzahl zwar mehr auf das Volk Israel bezogen wird, in der Mehrzahl aber durchaus allgemein Völker meinen kann. Für die Nationen wird ummim gebraucht, was noch allgemeiner ist und ebenfalls auf alle Völker, also auch die nichtjüdischen Völker einbezieht. Vor dem Hintergrund der Lesung wird es zu einem Lobpreis der Antiochener, die Gottes Eingreifen in die ganze Streitsituation preisen.
„Denn deine Liebe reicht, so weit der Himmel ist“. Gottes Liebe ist unendlich, sie ist weltumspannend und gilt jedem Geschöpf. Gottes Liebe gilt somit auch den Heiden und muss auch ihnen verkündet werden. Auch die Treue Gottes ist unendlich. Er hält seine Versprechen und bricht den Bund mit seinem auserwählten Volk nie, selbst wenn das Volk dem Bund untreu wird. Gott verheißt das Heil nicht nur dem auserwählten Volk, sondern schon Jesaja schaut die Völkerwallfahrt zum Zion. Gott wird einen Bund schließen mit allen Menschen, auch mit den Heiden. Und in der Apostelgeschichte ist dies nun Realität geworden. Dort müssen nun pragmatische Probleme geklärt werden, die mit der Einbeziehung von Heiden entstehen.
Am Ende erfolgt die Bitte an Gott, sich über den ganzen Himmel zu erheben und seine Herrlichkeit über der ganzen Erde erstrahlen zu lassen. Dies ersehnen auch wir bis heute, wenn wir die Wiederkunft Christi erwarten. Wir ersehnen das Ende der Zeiten, wenn Gott in seiner ganzen Herrlichkeit allen Menschen offenbar wird. Dann wird der verherrlichte Menschensohn die Lebenden und die Toten richten und die Gottesherrschaft sich endgültig durchsetzen.

Joh 15
12 Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe.
13 Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.
14 Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.
15 Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.
16 Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet.
17 Dies trage ich euch auf, dass ihr einander liebt.

Heute hören wir die Fortsetzung der zweiten Abschiedsrede. Es ging bereits gestern um die Liebe. Dort war es vor allem das Sein in der Liebe Gottes, was wir als Stand der Gnade bezeichnen. Diese wird dadurch aufrecht erhalten, dass der Mensch die Gebote Gottes hält.
Heute hören wir nun die zweite Seite der Liebesmedaille – die Nächstenliebe.
Es ist Gottes Wille, dass die Menschen einander so lieben, dass sie ihr Leben füreinander hingeben. Jesus sagt dies mit seinem bevorstehenden Kreuzestod im Sinn. Er wird es ihnen in vollkommener Weise vormachen, wenn er für die Erlösung der gesamten Menschheit ans Kreuz geschlagen wird.
Jesus erklärt den Aposteln auch, was er mit Freundschaft meint, denn er sieht die Lebenshingabe als größte Liebe gegenüber den Freunden. Er meint in erster Linie sich selbst, wie er sein Leben für seine Freunde hingibt, das heißt für seine Jünger. Darüber hinaus spricht er natürlich alle an, die in seiner Nachfolge leben und sich für ihre Freunde hingeben.
Freundschaft mit Christus ist ein anderes Bild für das Sein in Gottes Liebe. So sind auch die Gebote Gottes gleichzusetzen mit dem, was Christus seinen Jüngern aufträgt. Der Vater und der Sohn sind eins. Christus ist die Erfüllung der Gebote Gottes in Person. Auf ihn zu hören kommt der Erfüllung der Gottesgebote gleich. Freundschaft mit Christus haben wir, wenn wir auf ihn hören – wir sind in seiner Liebe durch die Haltung der Gebote Gottes.
Dann erklärt Jesus die Gegenbegrifflichkeit von Freund und Knecht. Wenn man bei einem Herrn als Knecht eingestellt ist, tut man einfach gehorsam, was einem aufgetragen wird. Doch der Herr wird nicht alle seine Pläne und Belange mit dem Knecht teilen. Das geht ihn nichts an. Anders sieht es unter Freunden aus. Diese erzählen sich alles auf einer sehr hohen Vertrauensbasis. Davon ausgehend erklärt Jesus seinen Aposteln, dass er und sie ein solches Freundschaftsverhältnis zueinander haben. Er hat ihnen alles erzählt (Stichwort Offenbarung), was er vom Vater gehört hat. Das ist ein sehr großer Vertrauenserweis, denn Jesus hat ihnen das Herz des Schöpfers von Himmel und Erde, des Herrschers über die Könige der Welt und des universalen Richters gezeigt. Diese größte Intimität hat Christus ihnen in Beziehung zum Vater ermöglicht!
Es geht noch weiter: Dass sie diese Freundschaft und somit den ultimativen Vertrauenserweis genießen dürfen, kommt nicht von ihrer eigenen Initiative, sondern Christus hat sie dazu erwählt! Wir wissen von den Evangelien, dass Jesus zu ihnen hinging und sie zu seinen Jüngern machte. Er rief sie dazu auf, ihm nachzufolgen und sie ließen alles stehen und liegen. So ist es auch mit uns: Gott hat uns erwählt, seine Freunde, seine Kinder, seine Familie zu sein. Er hat uns aus Liebe ins Dasein gerufen und alles, was wir ihm gegenüber anstreben – Liebe, Dankbarkeit, Glaube etc. – ist immer Antwort auf seine zuerst vorausgegangene Liebe.
Die Jünger sind dazu aufgerufen, Frucht zu bringen, die dauerhaft ist. Dieser Aufruf zur Fruchtbarkeit ist mehr als nur biologisch gemeint wie in der Genesis. Es geht um geistige Fruchtbarkeit, die eine viel größere ist. Die Jünger sollen das Wort Gottes ausstreuen und viele Kinder für die Familie Gottes streuen. Das ist also ein missionarisches Wort. Wer aber auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft wird, bleibt in Ewigkeit ein Kind Gottes. Das Siegel, das bei der Taufe dem Täufling in die Seele eingeprägt wird, ist unauslöschlich, egal, was passiert. Deshalb ist es eine bleibende Frucht. So wird die Familie Gottes, die Kirche immer größer. Fruchtbar können die Apostel aber nur dann sein, wenn sie in der Liebe Gottes bleiben, also im Stand der Gnade. Und so ist es auch bis heute mit der Kirche als Leib Christi und mit jedem einzelnen Christen bezogen auf den Stand der Gnade. Was wir im Namen Jesu Christi erbitten, wird uns der Vater geben, wenn wir im Stand der Gnade bitten (und natürlich, wenn es seinem heiligen Willen entspricht!).
Jesus endet den heutigen Abschnitt mit einem wiederholten Aufruf zur Nächstenliebe. Sie ist mehr als nur ein gegenseitiges Gutsein. Sie übersteigt die Komfortzone bis hin zum Sterben füreinander. Das hat also nichts mit romantischen Vorstellungen zu tun, sondern damit, dass Liebe immer aufs Ganze geht. Jesus stirbt für die ganze Menschheit. Wer ihm nachfolgt und so lebt wie er, wird ebenfalls aufs Ganze gehen, wenn es sein muss. Dieses Sterben füreinander ist der äußerste Fall, doch auch das langsame Absterben des eigenen Willens und Egoismus, der eigenen Wünsche und Bequemlichkeiten um des Wohls des Anderen willen ist bei dieser Aussage mitgemeint. Wir sehen es besonders eindrücklich bei unseren Eltern. Sie geben sich so sehr für uns Kinder hin, opfern ihre Gesundheit, ihre Lebenszeit, ihre Finanzen, ihre eigenen Pläne, auch gerade beruflicher Art, um uns großzuziehen und zu erwachsenen Menschen und brennenden Christen zu machen. Es ist keine berechnende Liebe, die eine Gegenleistung erwartet, sondern eine ganz zweckfreie und selbstlose Hingabe und Ermöglichung optimaler Entfaltung des Anderen.

Diese absolute Selbstverschenkung an den Nächsten speist sich aus der Liebe Gottes und ist somit eine übernatürliche Liebe. Hier ist nicht mehr das Stichwort die φιλία philia „Freundschaft“, sondern die ἀγάπη agape. Sie fordert vom Menschen alles und weil dieser beschränkt ist, leitet sie sich von der übernatürlichen Gnade Gottes ab. Wenn wir in der Liebe Gottes sind, können wir diese übermenschliche Liebe auch dem Nächsten erweisen.

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 5. Osterwoche

Apg 15,7-21; Ps 96,1-2.3 u. 10; Joh 15,9-11

Apg 15
7 Als ein heftiger Streit entstand, erhob sich Petrus und sagte zu ihnen: Brüder, wie ihr wisst, hat Gott schon längst hier bei euch die Entscheidung getroffen, dass die Heiden durch meinen Mund das Wort des Evangeliums hören und zum Glauben gelangen sollen.

8 Und Gott, der die Herzen kennt, hat dies bestätigt, indem er ihnen ebenso wie uns den Heiligen Geist gab.
9 Er machte keinerlei Unterschied zwischen uns und ihnen; denn er hat ihre Herzen durch den Glauben gereinigt.
10 Warum stellt ihr also jetzt Gott auf die Probe und legt den Jüngern ein Joch auf den Nacken, das weder unsere Väter noch wir tragen konnten?
11 Wir glauben im Gegenteil, durch die Gnade Jesu, des Herrn, gerettet zu werden, auf die gleiche Weise wie jene.
12 Da schwieg die ganze Versammlung. Und sie hörten Barnabas und Paulus zu, wie sie erzählten, welch große Zeichen und Wunder Gott durch sie unter den Heiden getan hatte.
13 Als sie geendet hatten, nahm Jakobus das Wort und sagte: Brüder, hört mich an!
14 Simon hat berichtet, dass Gott selbst zuerst darauf geschaut hat, aus den Heiden ein Volk für seinen Namen zu gewinnen.
15 Damit stimmen die Worte der Propheten überein, die geschrieben haben:
16 Danach werde ich mich umwenden und die zerfallene Hütte Davids wieder aufrichten; ich werde sie aus ihren Trümmern wieder aufrichten und werde sie wiederherstellen,
17 damit die übrigen Menschen den Herrn suchen, auch alle Völker, über denen mein Name ausgerufen ist – spricht der Herr, der das ausführt,
18 was ihm seit Ewigkeit bekannt ist.
19 Darum halte ich es für richtig, den Heiden, die sich zu Gott bekehren, keine Lasten aufzubürden; 20 man weise sie nur an, Verunreinigung durch Götzenopferfleisch und Unzucht zu meiden und weder Ersticktes noch Blut zu essen.
21 Denn Mose hat seit alten Zeiten in jeder Stadt seine Verkünder, da er in den Synagogen an jedem Sabbat verlesen wird.

Gestern hörten wir bereits von den Streitigkeiten bei der Frage nach der Heilsnotwendigkeit der Beschneidung. Die judäer Christen befürworteten sie und sprachen sich in Antiochia bei ihrem Besuch dafür aus. Die Heidenchristen lehnen sie aber ab und so reisen Barnabas und Paulus nach Jerusalem, um die Streitfrage vor der höchsten Autorität, den Aposteln, darzulegen. Wir hörten dann davon, dass die Apostel und Ältesten gemeinsam über die Sache nachdenken.
Heute entfacht über die Beschneidungsfrage ein großer Streit. Wenn es hier heißt, dass er „heftig“ ist, müssen wir uns im orientalischen Kontext wirklich eine hitzige Diskussion vorstellen…da ging es richtig laut und temperamentvoll zu.
Inmitten dieser heftigen Auseinandersetzung ergreift Petrus das Wort und fungiert wieder als Vermittler und Diplomat zwischen den Parteien: Er erinnert die Anwesenden daran, dass nicht sie die Entscheidung treffen, sondern Gott. Er hat schon längst seinen Willen bei dieser Sache und Petrus diesen auch kundgetan. Er deutet das zweite Pfingsten von Caesarea im Hause des Kornelius an, bei dem Gott ihm auftrug, den Heiden das Evangelium zu verkünden. Durch ihn sollten sie zum Glauben an Jesus Christus kommen. Die Ausgießung des Heiligen Geistes über die Heiden im Haus des Kornelius bestätigt Gottes Auftrag an Petrus.
Petrus erklärt, dass Gott keinen Unterschied zwischen den Pfingstereignissen gemacht hat, sondern dass es ihm um die Herzenshaltung der Anwesenden ging. Dies soll den Anwesenden klarmachen, dass sie den Heiden nun nicht mehr auferlegen sollten als Gott selbst, der von ihnen keine Beschneidung für das Pfingstereignis vorausgesetzt hat.
Petrus erinnert die Anwesenden auch daran, dass nicht ihr eigenes Tun, sondern die Gnade Gottes sie gerettet hat. Warum soll es bei den Heiden nun anders sein? Ja, die Apostel waren zuvor Juden und deshalb beschnitten. Aber nicht diese Beschneidung hat ihnen die Erlösung geschenkt, sondern Jesu Christi Kreuzestod, auf den hin sie im Heiligen Geist neugeboren worden sind! Genauso ist es bei den Heiden, deren Taufe im Heiligen Geist ebenfalls durch ihren Glauben vollzogen worden ist, durch ihr Ja und ihr ganz geöffnetes Herz.
Durch seine Worte schafft er es, die ganze hitzige Situation zum Schweigen zu bringen. Das zeigt uns, wie begnadet Petrus von Gott ist, die verschiedenen Akzente in der Kirche zusammenzuhalten als Fels des Leibes Christi.
In diese entschärfte Situation hinein kommen nun Paulus und Barnabas zu Wort, die von ihrer ersten großen Missionsreise berichten und die Bekehrungswelle der Heiden zur Sprache bringen können.
Daraufhin kommt der Herrenbruder Jakobus zu Wort, der nach Petrus‘ Abreise der Gemeindevorsteher der Jerusalemer Urgemeinde wird. Er ist von seiner theologischen Position der strengen judenchristlichen Richtung zuzuordnen, die die Beschneidung auch von Heidenchristen verlangt. Er greift die Worte des Petrus auf und bettet sie in die Heilsgeschichte ein, die die Schriften des Alten Testaments belegt. Dort ist es schon angekündigt worden, dass auch die übrigen Völker den Herrn suchen würden. Dazu führt er Amos 9,11-12 an, wie es die Septuaginta (das griechische Alte Testament) formuliert, wenn die zerfallene Hütte Davids wieder aufgebaut würde – dies meint nun nicht mehr den Tempel von Jerusalem, sondern den Tempel des Leibes Christi, der die Kirche ist!
Aus dem Grund kann auch Jakobus sich damit anfreunden, den Heiden die Beschneidung nicht abzuverlangen. Dennoch schlägt er eine Mindestanforderung vor, die sich auf die Enthaltung von Götzenopferfleisch, Ersticktem und Blut zu enthalten sowie Unzucht zu meiden. Jakobus beruft sich hier auf das sogenannte Heiligkeitsgesetz ab Lev 17 und wendet es auf die momentane Situation an: Es handelt sich dabei um Gesetze für Fremde, die in Israel leben. Dabei geht es um Ritualgebote, die ein Zusammenleben der Juden und Heiden ermöglichen sollen, ohne dass die Juden sich rituell verunreinigen. In Lev 17 wird deshalb erklärt, dass sowohl Juden als auch Heiden, die im Heiligen Land wohnen, die Tiere schächten müssen. Es verbietet auch bestimmte sexuelle Verhaltensweisen wie den Inzest, die Sodomie oder homosexuelle Praktiken. Diese Dinge gelten ebenfalls für Juden sowie Heiden im Heiligen Land. Auf diese Dinge verweist Jakobus und verlangt sie auch von den Heidenchristen. Es geht bei den jakobinischen Klauseln eigentlich um Ritualgebote, die einzuhalten sind aus Rücksicht vor den Judenchristen, die ja durch die Beschneidung weiterhin die Torah halten müssen (der Alte Bund geht weiter!). Dennoch werden einige Dinge auch durch die zehn Gebote abgedeckt, die die Heidenchristen ja halten müssen (Götzenopferfleischverzehr ist Götzendienst, also ein Verstoß gegen das erste Gebot, Unzucht in allen Facetten ist eine Sünde gegen das sechste Gebot).
Dass es Jakobus vor allem um die Rücksicht auf die Juden geht, erkennen wir an dem letzten Vers, wo es heißt, dass Mose in jeder Stadt seine Verkünder hat. Es gibt ja viele Synagogen, in denen das mosaische Gesetz weiterhin verkündet wird. Juden sind im ganzen römischen Reich verteilt und so muss flächendeckend Rücksicht auf ihre rituelle Unversehrtheit genommen werden.
Was wir hier also lesen, ist kein göttliches Gebot, sondern eine pragmatische Mindestanforderung für die Situation, dass es in einer Gegend Juden(christen) gibt. Nun gibt es aber keine Judenchristen mehr. Sie sind „ausgestorben“ und nach vielen Jahrhunderten Unterbrechung ist nun eine Art „Neo-Judenchristentum“ entstanden – die Gruppe der messianischen Juden. Sie erkennen Jesus als Messias an, bleiben aber Juden und leben nach der Torah. Sie sind beschnitten und doch haben sie das Evangelium Jesu Christi angenommen.
Noch einmal deutlich: Die jakobinischen Klauseln gelten heute nicht mehr. Wir müssen unser Fleisch nicht schächten, aber aufgrund der zehn Gebote ist Götzendienst und Unzucht natürlich weiterhin eine schwere Sünde, die beiden schwersten Sünden überhaupt!

Ps 96
1 Singt dem HERRN ein neues Lied, singt dem HERRN, alle Lande,
2 singt dem HERRN, preist seinen Namen! Verkündet sein Heil von Tag zu Tag!
3 Erzählt bei den Nationen von seiner Herrlichkeit, bei allen Völkern von seinen Wundern!
10 Verkündet bei den Nationen: Der HERR ist König! Fest ist der Erdkreis gegründet, er wird nicht wanken. Er richtet die Völker so, wie es recht ist.

Als Antwortpsalm beten wir einen Lobpreispsalm, der das universale Heil und die Weltherrschaft Gottes zum Thema hat.
Wie so oft erfolgt ein Lobpreisaufruf zu Beginn. „Alle Lande“ werden zum „neuen Lied“ aufgefordert. Das umfasst nicht mehr nur die zwölf Stämme Israels, sondern alle Völker. Vor dem Hintergrund der Erlösung aller Menschen durch Jesus Christus können wir es als lobpreisende Antwort der Erlösten betrachten. In der Apostelgeschichte sind sowohl die Apostel in Jerusalem als auch die Heiden in Caesarea mit dem Heiligen Geist erfüllt worden, sodass es zwei Pfingstereignisse gab. Es ist ein Zeichen Gottes, was mit allen Menschen passiert, die Gott in ihrem Herzen willkommen heißen.
„Verkündet sein Heil“ wird dann für uns Christen auffällig christologisch, weil in den Worten „sein Heil“ hier wieder der Name Jesus enthalten ist. Während hier wörtlich das Heil Gottes als messianische Verheißung verkündet werden soll, sind wir Christen dadurch aufgerufen, Jesus Christus zu verkünden, der das Heil ist (Nomen est omen). Das ist einer der drei Hauptvollzüge der Kirche – die Verkündigung (martyria). Jeder einzelne Christ bezeugt dieses Heil durch sein Handeln. Wo wir einander lieben und die Gebote Gottes halten, kommt das Heil in die Welt, das Reich Gottes wird dann schon jetzt spürbar. Am Ende der Zeiten werden wir das Heil verkünden – aber als ewigen Lobpreis in Gottes Gegenwart, mit allen Engeln und Heiligen.
Der Psalm sagt zudem aus: Gott ist der König, der Herrscher. Die messianische Erwartung des Psalms geht über eine menschliche Figur hinaus (auch wenn zuerst eine politische Figur darunter verstanden wird). Die Menschen sollen es bei den Nationen verkünden, bei allen Nationen: Das deckt sich mit dem, was Jesus seinen Jüngern vor seiner Himmelfahrt aufträgt: alle Menschen zu seinen Jüngern zu machen. „Bei den Nationen“ haben sowohl Petrus als auch Barnabas und Paulus diesen Auftrag treu umgesetzt, bei denen so viele zum Glauben gekommen sind. Das Stichwort im Hebräischen für die Heiden ist an dieser Stelle wieder בַגֹּויִ֨ם baggojim, die Gojim.
Auch die Völker werden von diesem Weltenrichter und König gerichtet, wie es recht ist. Das bedeutet auch, dass sie ebenso die Aussicht auf ein positives Gerichtsurteil und somit auf das ewige Leben im Himmelreich haben, wenn sie zum Glauben an Gott gekommen sind.

Joh 15
9 Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!

10 Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.
11 Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.

Im heutigen Evangelium hören wir einen relativ kurzen Abschnitt aus der zweiten Abschiedsrede. Es gibt um die Liebe.
Jesus stellt wie so oft den Zusammenhang heraus, der sich aus ihm, dem Vater und seinen Jüngern ergibt. Die Liebe zwischen Vater und Sohn ist Vorbild für die Liebe, die zwischen den Jüngern herrschen soll. Die Liebe zwischen Vater und Sohn hat Christus schon übertragen auf seine Liebe zu den Jüngern. Darin hat er ihnen überhaupt die Liebe zwischen ihm und dem Vater offenbart. Was sie also zutiefst berührt hat, sollen sie einander weitergeben. Die Zeitform wird hier mit dem Perfekt übersetzt, weil es sich um eine Abschiedsrede handelt. Jesus spricht diese Worte zu ihnen im Rückblick auf die letzten Jahre, in denen sie so viel Zeit miteinander verbracht haben. So wie es war, so sollen sie nun weitermachen.
Das Leben in dieser Liebe kommt dem Halten der Gebote gleich bzw. ist sie die Grundhaltung und die Absicht, die Gebote Gottes zu halten. Und dies führt wiederum dazu, dass sie in der Liebesgemeinschaft mit Gott bleiben. Die Liebe ist also nicht nur Ursprung/Absicht, sondern auch Ziel des Haltens der Gebote. Das Bleiben in der Liebe ist eine Umschreibung für den Stand der Gnade. In diesem befinden wir uns, wenn wir in rechter Absicht die Gebote Gottes halten.
Er erklärt es ihnen, weil er ihre Freude in sie hineinlegen möchte, die sich ganz in ihnen entfalten soll. Warum nun Freude? Sie ist eine Frucht des Heiligen Geistes, eine übernatürliche Gabe, die ein Mensch sich nicht selbst geben kann. Sie ist mehr als nur eine situativ abhängige Emotion. Sie ist innere Gewissheit, dass Gott am Ende steht mit seinem ewigen Heil, ganz egal, wie es momentan im Leben des Einzelnen aussehen mag. Freude im Leben kann der Mensch dabei nur haben, wenn er in der Liebe Gottes bleibt (also nach den Geboten Gottes lebt). Nur so kann der Mensch glücklich werden.

Diese Worte Jesu sind für das Verständnis der Apostelgeschichte wichtig. Auch für die Heiden gilt: Das Halten der Gebote Gottes ermöglicht das Bleiben in der Liebe Gottes und die Freude im Leben. Die Gebote Gottes sollen sie nicht aus Angst oder Pflichtbewusstsein halten, sondern aus Liebe zu Christus, den sie in ihr Herz gelassen haben. Was genau sie allerdings halten müssen, das wird beim Apostelkonzil in Jerusalem heute ja diskutiert. Dass das Halten der Gebote nicht in eine Pflichtübung ausartet, soll die Beschneidung und das Halten der gesamten Torah den Heiden nicht auferlegt werden, sondern nur eine Mindestanforderung.

Vergessen auch wir beim Streben nach Vollkommenheit nicht, dass auch wir die Gebote Gottes aus Liebe zu ihm halten sollen. Das erkennen wir daran, dass die ersten drei Gebote des Dekalogs auf der Gottesliebe fußen (Verbot des Götzendienstes und der Verunehrung seines Namens, die Heiligung des Sonntags). Die weiteren sieben Gebote betreffen die Nächstenliebe (und da ist es kein Zufall, dass die Ehrung der Eltern ganz oben steht!). Aus diesem Grund heißt es auch, dass das Doppelgebot der Liebe das ganze Gesetz zusammenfasst. Einfach im Verständnis, schwer in der Umsetzung. Wäre dem nicht so, bräuchten wir die Beichte nicht…

Ihre Magstrauss

Montag der 5. Osterwoche

Apg 14,5-18; Ps 115,1-2.3-4.15-16; Joh 14,21-26

Apg 14
5 Als die Apostel merkten, dass die Heiden und die Juden zusammen mit ihren Führern entschlossen waren, sie zu misshandeln und zu steinigen,

6 flohen sie in die Städte von Lykaonien, Lystra und Derbe und in deren Umgebung.
7 Auch dort verkündeten sie das Evangelium.
8 In Lystra saß ein Mann, der keine Kraft in den Füßen hatte, von Geburt an lahm, der noch nie hatte gehen können.
9 Er hörte, wie Paulus redete. Dieser blickte ihm fest ins Auge; und da er sah, dass der Mann den Glauben hatte, geheilt zu werden,
10 sprach er mit lauter Stimme: Steh auf! Stell dich aufrecht auf deine Füße! Da sprang der Mann auf und ging umher.
11 Als die Menge sah, was Paulus getan hatte, fing sie an zu schreien und rief auf Lykaonisch: Die Götter sind in Menschengestalt zu uns herabgestiegen.
12 Und sie nannten den Barnabas Zeus, den Paulus aber Hermes, weil er der Wortführer war.
13 Der Priester des vor der Stadt gelegenen Tempels des Zeus brachte Stiere und Kränze an die Tore und wollte zusammen mit der Volksmenge ein Opfer darbringen.
14 Als die Apostel Barnabas und Paulus dies hörten, zerrissen sie ihre Kleider, eilten hinaus unter das Volk und riefen:
15 Männer, was tut ihr? Auch wir sind nur schwache Menschen wie ihr! Wir bringen euch das Evangelium, damit ihr euch von diesen Nichtsen zu dem lebendigen Gott bekehrt, der den Himmel, die Erde und das Meer geschaffen hat und alles, was dazugehört.
16 Er ließ in den vergangenen Zeiten alle Heidenvölker ihre Wege gehen.
17 Und doch hat er sich nicht unbezeugt gelassen: Er tat Gutes, gab euch vom Himmel her Regen und fruchtbare Zeiten; mit Nahrung und mit Freude erfüllte er euer Herz.
18 Mit diesen Worten konnten sie die Volksmenge mit Mühe davon abbringen, ihnen zu opfern.

Letzten Samstag endete die Zeit in Antiochia mit hetzenden und missgünstigen Bewohnern. Die Missionare schüttelten den Staub den Füßen und zogen nach Ikonion. Es ist auch dort ähnlich: Sie predigen bei den Juden und ernten zunächst eine große Offenheit und positive Rückmeldungen. Doch auch dort kommt es bald zu Auseinandersetzungen und so beginnt der heutige Abschnitt mit der Bemerkung, dass sie von Ikonion fliehen müssen. Sowohl Juden als auch Heiden möchten sie nämlich steinigen.
So ziehen sie ins lykaonische Gebiet. Die Menschen dort sprechen zusätzlich zu Griechisch noch ihre lykaonische Sprache. Es handelt sich bei den genannten Städten um heidnisches Gebiet. Dies ist wichtig zu wissen, um das sich im Folgenden zutragende Missverständnis zu verstehen.
Sie predigen in Lystra das Evangelium und da fällt Paulus ein gelähmter Mann auf, der ihm fest in die Augen schaute. Er merkt, dass der Mann ein offenes Herz hat für den Glauben und so befiehlt er ihm, aufzustehen. Sogleich steht er auf und kann umhergehen, obwohl er von Geburt an gelähmt war. Dies ist ein großes Wunder und die anwesenden Menschen reagieren so, wie es für Heiden zu erwarten ist: Sie denken, dass ihre Götter Zeus und Hermes in Menschengestalt vor ihnen stehen und dies erwirkt haben. Dies ist die religiöse Welt, die sie kennen und so versuchen sie es sich zu erklären. Paulus und Barnabas bekommen derweil nichts davon mit, denn sie verstehen die lykaonische Sprache nicht. Erst als sie gemäß des in der Stadt etablierten Zeuskults Opfer darbringen wollen, realisieren die Missionare das fatale Missverständnis und versuchen, die Menschen von den Opfern abzubringen.
Paulus erklärt den Bewohnern, dass sie ja gerade deshalb das Evangelium verkündet haben, damit sie von ihrer paganen Verehrung Abschied nehmen. Er betont dies durch die Bezeichnung „Nichtse“ für die Götter. Das Wort μάταιος mataios heißt „nichtig, eitel, ohne Kraft/Wirkung“. Die Götter der Heiden, z.B. Zeus und Hermes, sind in Wirklichkeit nichts. Es gibt sie nicht. Der Gott, den sie verkünden, ist dagegen der lebendige Gott. Er existiert wirklich und hat vor ihren Augen soeben seine Macht offenbart.
Paulus stellt klar, dass Barnabas und er nur schwache Menschen sind und keine Götter. Deshalb umschreibt er den lebendigen Gott auch als Schöpfer, „der den Himmel, die Erde und das Meer geschaffen hat und alles, was dazugehört.“ Er ist von der Schöpfung strikt zu unterscheiden. Er ist der ganz Andere und deshalb kann auch kein Mensch göttlich sein. Dieser Schöpfergott hat allen Menschen bisher Gutes erwiesen, auch den Heiden. Er hat durch die gute Schöpfung alle Menschen mit reichen Gaben beschenkt.
So schaffen die Missionare es, die Bewohner von Lystra vor dem Götzendienst zu bewahren. So endet die heutige Episode. Für die beiden birgt die erste Missionsreise sehr viele Überraschungen und Ungewissheit. In einem Moment ernten sie reiche Zustimmung, im nächsten Moment trachten die Menschen nach ihrem Leben. Sie gehen wirklich bis an ihre Grenzen, um Jesus Christus zu den Menschen zu bringen.

Ps 115
1 Nicht uns, HERR, nicht uns, nein, deinem Namen gib Herrlichkeit, wegen deiner Huld, wegen deiner Treue!
2 Warum sollen die Völker sagen: Wo ist denn ihr Gott?
3 Unser Gott, er ist im Himmel, alles, was ihm gefällt, vollbringt er.
4 Ihre Götzen sind nur Silber und Gold, Machwerk von Menschenhand.
15 Gesegnet seid ihr vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.
16 Der Himmel ist Himmel des HERRN, die Erde aber gab er den Menschen

Der heutige Antwortpsalm ist in der Einheitsübersetzung betitelt mit dem Thema „Der Gott Israels und die Götzen der Völker“. Er passt also perfekt zum lykaonischen Missverständnis der heutigen Lesung.
Er beginnt mit einer Bitte und zugleich einer Abgrenzung: Nicht die Menschen, sondern Gott allein soll verherrlicht werden. Paulus und Barnabas sind ja als Götter behandelt worden, was Götzendienst darstellt. Es ist ein Verstoß gegen das erste Gebot, denn nur Gott allein gebührt die Anbetung. Nur ihm darf ein Opfer dargebracht werden.
„Wegen deiner Huld, wegen deiner Treue“ deutet an, dass Gott seinem Volk immer wieder die Treue bewiesen hat, die er durch die Bundesschlüsse des Alten Testaments versprochen hat. Gott ist selbst dann seinem Volk treu, wenn es ihm untreu geworden ist.
„Warum sollen die Völker sagen: Wo ist denn ihr Gott?“ Solche Wendungen finden wir häufig bei den Psalmen. Sie drücken aus, dass wenn dem auserwählten Volk etwas Schlimmes widerfährt, die umliegenden Völker mit Schadenfreude und Spott reagieren im Sinne von „wo ist ihr Gott jetzt, wo er sein Volk doch aus dem Leiden herausführen soll!“ Diese Art von Verspottung muss auch Jesus erleiden, wenn er am Kreuz hängt und sowohl die Hohepriester als auch die Jerusalempilger und sogar die Mitgekreuzigten zu ihm sagen: „Wenn du der Sohn Gottes bist, hilf dir doch selbst und steig herab vom Kreuz.“ Hier beten es die Juden, um deutlich zu machen: „Herr, hilf uns, damit die umliegenden Völker deine Macht erkennen und gläubig werden!“
Vers 3 betont Gottes Anderssein. In der Theologie wird dafür der Begriff der Transzendenz verwendet. Gott ist der rein Transzendente. Nichts in der Schöpfung ist Gott. Er ist davon ganz zu unterscheiden. Er ist im Himmel, was nicht das Himmelsgewölbe über uns meint, sondern die Dimension der Ewigkeit. Er ist außerhalb von Raum und Zeit, denn auch diese Kategorien sind von Gott geschaffen.
„Alles, was ihm gefällt, vollbringt er.“ Alles hängt von Gottes Willen ab. Er wirkt ganz nach seinem Willen, der ein Heilswille ist.
„Ihre Götzen sind nur Silber und Gold, Machwerk von Menschenhand.“ Götzen sind aus irdischem Material und auch ihre Gestalt ist geschaffen, nicht mal von Gott, sondern von Menschenhand. Sie sind gar nicht zu vergleichen mit diesem ganz anderen Gott, der über seine Schöpfung steht. Sie sind wirkungsloses Stück Edelmetall, das keine eigene Kraft besitzt, weder einen Willen noch die Macht hat, irgendetwas zu vollbringen. Um mit Paulus zu sprechen: Es sind Nichtse.
Gott ist der Schöpfer von Himmel und Erde – von sichtbarer und unsichtbarer Welt. Die unsichtbare Welt ist jene, in der er selbst ganz gegenwärtig ist. Die sichtbare Welt ist jene, in der wir Menschen leben.
Wir sind gesegnet von diesem Schöpfergott, der alles vermag. Segen kann kein Stück Silber oder Gold verleihen. Gott ist ein persönlicher Gott, zu dem wir eine Beziehung haben können, zu ihm, der der Herrscher des ganzen Universums ist! Wie überwältigend ist das?

Joh 14
21 Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.
22 Judas – nicht der Iskariot – fragte ihn: Herr, wie kommt es, dass du dich nur uns offenbaren willst und nicht der Welt?
23 Jesus antwortete ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen.
24 Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat.
25 Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin.
26 Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

Heute hören wir im Evangelium die Fortsetzung aus der ersten Abschiedsrede.
„Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt.“ Das ist ein wichtiger Grundsatz, der eigentlich das ganze christliche Leben zusammenfasst. Sie zu haben heißt, dass sie einem offenbart worden sind. Mose hat sie den Juden bereits übergeben, aber Jesus hat sie den Menschen einerseits richtig ausgelegt, andererseits mit seinem ganzen Sein erfüllt. Er ist die Personifikation der Gebote. Christus ist uns geoffenbart worden und wir haben ihn gläubig angenommen durch die Taufe. Wir haben ihn in der Taufe gleichsam angezogen und nehmen ihn in der Eucharistie immer wieder in uns auf, sodass wir immer mehr zu seinem Leib werden. Wir haben die Gebote wirklich in unser Herz aufgenommen. Und diese zu halten, und zwar vollständig und mit rechter Absicht, das ist der Erweis unserer Gottesliebe. Wenn wir einen Menschen lieben und ihm am Traualtar lebenslang die Treue versprechen, nehmen wir ihn ganz an mit allen seinen Facetten. Wir erklären uns bereits, alles für ihn zu tun, egal wie schwer es uns in den schlechten Tagen auch schwerfallen sollte. Aus Liebe sind wir bereit, über unsere Komfortzone hinauszugehen. Was wir mit dem Ehebund eingehen, ist Abbild des eigentlichen Bundes mit Gott! Wir nehmen ihn ganz an mit allen seinen Facetten, wie auch er uns ganz annimmt mit unseren Stärken und Schwächen. Bund heißt „ich gehöre ganz dir und du gehörst ganz mir“. So funktioniert Liebe. Es ist also ganz falsch zu fragen, welche Gebote wir halten sollen und welche uns nicht gefallen. Wir halten ALLE Gebote, weil wir Gott GANZ annehmen und ALLES für ihn tun, weil wir ihn LIEBEN. Es ist keine Einbahnstraße, sondern unsere Liebe ist schon Antwort auf die zuerst von ihm ausgegangene Liebe. Der Mensch, der Christus in der Taufe annimmt, wird vom Vater geliebt werden zusammen mit dem Sohn.
Judas Thaddäus fragt Jesus, warum er sich nur den Aposteln offenbaren will, denn Jesus spricht seine Apostel im Abendmahlssaal direkt an.
Jesus antwortet mit einer Umschreibung der Situation, aufgrund dessen er sich einem Menschen offenbart: Es geht darum, auf sein Wort zu hören. Dieses ist ausgestreut in alle Richtungen. Er ist schließlich von Ort zu Ort gezogen und hat überall das Reich Gottes verkündet. Das Wort hat er also allen angeboten – und somit sich selbst, denn er ist dieses Wort Gottes in fleischgewordenener Form! Dieses kam in sein Eigentum, doch die Seinen nahmen ihn nicht an, wie der Johannesprolog ausdrückt. Es gibt also solche, die auf sein Wort hören, und solche, die nicht darauf hören. Wer es aber annimmt, den wird der Vater lieben und zusammen mit dem Sohn bei diesem Menschen Wohnung nehmen. Sie offenbaren sich somit auch jenem Menschen. Die Apostel haben so wie der erweiterte Jüngerkreis Jesus angenommen und so offenbart er sich ihnen auch zusammen mit dem Vater. Gott nimmt den Willen des Menschen ernst. Er offenbart sich eigentlich der ganzen Welt durch sein Wort, doch wer es nicht annimmt, für den bleibt Gott dunkel – nicht weil Gott Bedingungen stellt, sondern der Mensch selbst dafür sorgt.
Jesus sagt auch, dass das von den Aposteln gehörte Wort vom Vater stammt. Jesus sagt nichts, was nicht im Einklang mit dem Vater ist. Sie sind eins.
Er erklärt zum Ende hin auch, dass er ihnen das alles in seiner Zeit auf Erden gesagt hat. Doch durch den Heiligen Geist, der der Beistand ist, werden sie an alles erinnert werden. Das können wir als Leser und Hörer der Apostelgeschichte wirklich unterschreiben. Sie werden dann erst so richtig verstehen, was Jesus mit bestimmten Aussagen meinte. Sie werden das schon längst Vergessene als sehr entscheidende Dinge begreifen und sie voller Begeisterung auch den anderen Menschen verkünden, sodass auch diese zum Glauben an Jesus Christus kommen. Allein die Pfingstpredigt ist ein absolutes Meisterwerk von Schriftenauslegung auf Christus hin. Ein einfacher Fischer ist von einem Moment auf den anderen zum Exegeten Gottes geworden mit so einem Enthusiasmus, dass er 3000 Menschen auf einen Schlag für Christus gewinnt. Das hat der Heilige Geist in ihm bewirkt und das kann der Geist auch mit uns tun, wenn wir ihn nur lassen.
Dieser Geist geht vom Vater aus, aber auf den Namen Jesu Christi, somit auch von diesem.

Wir lernen heute so einiges über Götzendienst und Monotheismus. Allein Gott ist der Schöpfer von Himmel und Erde. Allein ihm gebührt Anbetung. Offenbart hat er sich in Jesus Christus auf der Höhe der Zeit. Diese wunderbare Offenbarung des Heils gilt es, allen Menschen zu verkünden, auf dass sie auf das Wort Gottes hören und es befolgen. Zwingen werden auch die Apostel die Menschen nicht. Wer es ablehnt und ihnen sogar nach dem Leben trachten will, vor denen schütteln sie den Staub von den Füßen als Zeichen gegen sie. Sie machen sich nichts daraus und ziehen zur nächsten Stadt. Und immer mehr Menschen nehmen das Wort an und lassen sich taufen. Gott nimmt auch in ihren Herzen Wohnung und offenbart sich ihnen. Das Christentum wächst immer weiter.

Ist uns bewusst, dass Gott in uns wohnt? Handeln wir so, dass wir uns vor ihm nicht schämen müssen, der uns ja innerlicher ist als wir uns selbst? Er hat sich uns offenbart als Gott des Heils. Er hat so etwas Unglaubliches für uns getan, um uns das ewige Leben zu schenken. Ist unser Leben eine würdige Antwort darauf?

Ihre Magstrauss

5. Sonntag der Osterzeit

Apg 6,1-7; Ps 33,1-2.4-5.18-19; 1 Petr 2,4-9; Joh 14,1-12

Apg 6
1 In diesen Tagen, als die Zahl der Jünger zunahm, begehrten die Hellenisten gegen die Hebräer auf,
weil ihre Witwen bei der täglichen Versorgung übersehen wurden.
2 Da riefen die Zwölf die ganze Schar der Jünger zusammen und erklärten: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und uns dem Dienst an den Tischen widmen.
3 Brüder, wählt aus eurer Mitte sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit; ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen.
4 Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben.
5 Der Vorschlag fand den Beifall der ganzen Gemeinde und sie wählten Stephanus, einen Mann, erfüllt vom Glauben und vom Heiligen Geist, ferner Philippus und Prochorus, Nikanor und Timon, Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia.
6 Sie ließen sie vor die Apostel hintreten und diese legten ihnen unter Gebet die Hände auf.
7 Und das Wort Gottes breitete sich aus und die Zahl der Jünger in Jerusalem wurde immer größer; auch eine große Anzahl von den Priestern nahm gehorsam den Glauben an.

Heute am fünften Ostersonntag hören wir in der ersten Lesung wieder aus der Apostelgeschichte, in der zweiten Lesung dann aus dem ersten Petrusbrief. Der obige Abschnitt behandelt die Wahl eines Diakonenkreises für die griechischsprachigen Juden. Es ist so, dass sich im Laufe des Gemeindelebens ein Missstand herauskristallisiert, den es zu beheben gilt. Die Witwen der Hellenisten (damit sind die griechischsprachigen Juden Jerusalems gemeint) werden bei der täglichen Versorgung übersehen. Das heißt es gibt eine caritative Arbeit der Jerusalemer Urgemeinde, bei der die Bedürftigen im Mittelpunkt stehen. Diese Aufgabe wird von Diakonen übernommen. Nun ist es aber so, dass eine spezifische Gruppe von Witwen ausgelassen wird, was wohl nicht aus Boswillen, sondern aus Versehen passiert. Wir müssen bedenken, dass die Gemeinde von Jerusalem sehr schnell anwächst und der Überblick bei solch rasantem Anstieg schnell verlorengeht. So kommt die Gemeinde um die Apostel herum zusammen, um das Problem anzugehen. Die Apostel haben die Berufung, dem Wort Gottes zu dienen. Sie sollen verkündigen. Damit sie diese Aufgabe nicht vernachlässigen, weil sie sich dem „Dienst an den Tischen“ widmen müssen, schlagen sie vor, einen Kreis von sieben Männern zu wählen, der sich mit diesem Dienst beschäftigen soll. Damit ist nicht der Dienst am Altar, also dem Tisch der Eucharistie, gemeint. Es meint den Tisch der bedürftigen Menschen, um die sie sich kümmern, also die Aufgaben des Diakons. Die Wähler des Diakonenkreises sind nicht die Apostel, sondern die „Jünger“. Damit sind die anderen Gemeindemitglieder gemeint, die nicht zum Zwölferkreis gehören.
Diese Männer sollen geeignete Kandidaten sein, von gutem Ruf sowie voll Geist und Weisheit. Die Aufgabe ist also nicht einfach nur ein caritativer Dienst, den jeder ausführen kann, der Hände hat. Es geht um einen Dienst, der noch viel tiefgründiger ist. Die Kandidaten sind Vorbilder in ihrer Tätigkeit, denn so sollen ja alle Getauften einander dienen. Deshalb müssen sie von gutem Ruf sein, sonst ist ihr Dienst ein heuchlerisches Schauspiel. Sie müssen zudem ausgestattet sein mit allen Gaben des Heiligen Geistes (voll Geist), gleichsam charismatisch. Und sie müssen erfüllt sein von der Weisheit Gottes, um sich nicht nur um das leibliche Wohl der Bedürftigen zu kümmern, sondern auch seelische Nahrung zu bringen. Gewiss müssen sie imstande sein, den zu Dienenden Rede und Antwort zu stehen, wann immer sie Fragen zum Glauben haben und nach den Erzählungen Jesu verlangen.
Das muss uns selbst zu denken geben, die wir heutzutage Gefahr laufen, die Diakonia als Selbstvollzug der Kirche aufs Äußere und Irdische zu verengen. Selbst das Dienen am leiblichen Wohl der Menschen ist auf das Seelenheil der Menschen ausgerichtet.
Mit der Aussage „ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen“ ist nicht einfach nur eine Ernennung gemeint. Im weiteren Verlauf erkennen wir, dass es eine sakramentale Bevollmächtigung ist. Die sakramentale Weihe wird von den Aposteln durch Handauflegung gespendet (Vers 6).
Die Apostel wollen sich währenddessen ihrer eigentlichen Berufung widmen („beim Gebet und beim Dienst am Wort“).
Dies gefällt der Gemeinde und so werden als erste Diakone Stephanus und Philippus gewählt, von denen wir in den letzten Wochen schon gehört haben, sodann Prochorus, Nikanor, Timon, Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia. Proselyten sind Juden, die zuvor Heiden waren. Wie schon öfter erwähnt gibt es im synagogalen Kontext häufig sogenannte Gottesfürchtige, Heiden, die dem Judentum nahe stehen, aber den letzten Schritt der Beschneidung nicht wagen. Proselyten sind solche, die diesen Schritt unternommen haben, sich beschneiden ließen und die Torah halten. Solch ein Proselyt ist nun Christ geworden und soeben von der Jerusalemer Urgemeinde als Diakon für griechischsprachige Witwen ausgewählt worden.
Das Wort Gottes verbreitet sich und die Gemeinde wächst immer weiter. Interessant ist, dass auch eine große Anzahl von den Priestern zum Glauben kommt. Hier ist die Frage, wer mit πολύς τε ὄχλος τῶν ἱερέων polys te ochlos ton hiereon gemeint ist. „Priester“ als sakramentaler Weihegrad würde keinen Sinn ergeben, denn wieso sollte jemand geweiht worden sein und der Gemeinde angehören, der nicht einmal gläubig ist? Der Glaube ist ja schon Voraussetzung für die Taufe. Diese Bedeutung ergibt auch deshalb keinen Sinn, weil der sakramentale Weihegrad im Neuen Testament mit dem Wort presbyteros, nicht mit hiereus wiedergegeben wird. Hiereis sind dagegen Priester der paganen Religionen oder die Priester des Judentums. Im griechischen Alten Testament lesen wir für das hebräische Wort כהן kohen dieses griechische Wort ἱερεύς hiereus. Es bezeichnet also jene, die zum aaronitischen Priestertum gehören und ihren Dienst im Tempel ausübten. Hier wird also gesagt, dass mehrere solcher Priester Christen geworden sind!

Ps 33
1 Jubelt im HERRN, ihr Gerechten, den Redlichen ziemt der Lobgesang.
2 Preist den HERRN auf der Leier, auf der zehnsaitigen Harfe spielt ihm!
4 Denn das Wort des HERRN ist redlich, all sein Tun ist verlässlich.
5 Er liebt Gerechtigkeit und Recht, erfüllt von der Huld des HERRN ist die Erde.
18 Siehe, das Auge des HERRN ruht auf denen, die ihn fürchten, die seine Huld erwarten,
19 dass er ihre Seele dem Tod entreiße und, wenn sie hungern, sie am Leben erhalte.

Der Psalm, den wir als Antwort auf die Apostelgeschichte beten, reflektiert Gottes Heilsplan.
Wie so oft erfolgt zu Anfang eine Aufforderung zum Lob („Jubelt im HERRN“). Die Aufforderung umfasst sogar die Begleitung des Lobgesangs mit Instrumenten („auf der Leier, auf der zehnsaitigen Harfe“).
Das Wort und die Tat Gottes sind verlässlich. Gott ist treu und hält sich an seine Versprechen, auch wenn wir ihm untreu werden. Jesus hat seinen Aposteln angekündigt, dass sein Heil die ganze Welt erreichen wird. Es beginnt in Jerusalem und das Wachsen der Gemeinde bestätigt ihnen, dass Gott wirklich treu an ihnen handelt.
Gott liebt die Gerechtigkeit und das Recht. Das ist für uns keine Drohbotschaft im Sinne eines strengen Richterbildes. Gott sorgt schon für Gerechtigkeit, wo wir Unrecht erleiden. Sein Recht setzt sich durch, auch wenn es in unserem Leben aktuell nicht so erscheinen mag. Das ist eine totale Trostbotschaft.
Auch die Rede vom „Auge des HERRN“ muss als Geborgenheitsausdruck verstanden werden. Gott sieht auf die Gottesfürchtigen, die sich um den Stand der Gnade bemühen. Die anderen verstecken sich wie Adam und Eva im Garten Eden oder meinen, Gott sehe sie nicht. Er sieht alles und jeden. Gemeint ist aber, dass die Gottesfürchtigen eine Beziehung zu Gott haben und er in ihrem Leben Gutes wirkt, denn sie heißen ihn willkommen. Gott entreißt ihre Seele dem Tod (נַפְשָׁ֑ם nafscham, also eigentlich „ihr Leben“, denn nefesch meint immer das gesamte Leben, nicht nur einen Teil). Gott entreißt auch unser Leben dem Tod – sowohl dem moralischen Tod durch die regelmäßige Sündenvergebung im Beichtsakrament als auch vom ewigen Tod am Ende des Lebens. Wenn wir uns nämlich voller Glauben immer um den Stand der Gnade, um eine gute Beziehung zu Gott bemühen und mit einem umkehrbereiten Herzen durchs Leben gehen, dann wird seine Barmherzigkeit uns auffangen, sodass wir den ewigen Tod nicht schauen müssen.
Gott erhält die Gottesfürchtigen am Leben, wenn sie hungern. Dies ist wörtlich zu verstehen im Sinne von Segen im Leben. Gott sorgt dafür, dass man genug zu essen hat, wenn man seinen Willen tut. Jesus wird es später aufgreifen, wenn er sagt: „Zuerst muss es euch um das Reich Gottes gehen. Alles Andere wird euch dazugegeben.“ Auch die griechischsprachigen Witwen in der Apostelgeschichte machen die Erfahrung, dass Gott sich um sie kümmert durch die Diakone, die zu ihrem Dienst bestellt werden. Und auch wir Christen heute werden am Leben erhalten, denn Gott nährt uns nicht nur leiblich, sondern auch mit seinem Wort Gottes in Schrift und Sakrament, in der Eucharistie! Beides nährt uns auf unserem Lebensweg seelisch, sodass die Seele nicht stirbt, ebenso wenig die Hoffnung!
Und diese Hoffnung ist eine Hoffnung auf Gott, der „Hilfe und Schild“ ist. Gott leitet nicht nur den Weg, er beschützt auch auf diesem Weg, er unterstützt uns mit seiner helfenden Gnade, damit wir trotz unserer Schwächen den Willen Gottes in unserem Leben umsetzen können.

1 Petr 2
4 Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist!

5 Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen!
6 Denn es heißt in der Schrift: Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde.
7 Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre. Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden,
8 zum Stein, an den man anstößt, und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt. Sie stoßen sich an ihm, weil sie dem Wort nicht gehorchen; doch dazu sind sie bestimmt.
9 Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.

In der zweiten Lesung hören wir heute wieder aus dem ersten Petrusbrief. Der heutige Abschnitt ist voll von wichtigen theologischen Begriffen. Er ist sehr dicht und somit sehr sorgfältig zu lesen/hören.
Petrus fordert die Adressaten auf, zum lebendigen Stein zu kommen, der von Menschen verworfen, von Gott aber auserwählt worden ist. Er greift die Steinmetapher auf, weil er hier sehr ekklesiologische Worte findet. Es geht also um die Kirche und diese ist errichtet auf dem Felsen, der Christus ist. Es ist aber keine tote Materie, sondern Jesus ist ein lebendiger Stein. Er lebt, er ist auferstanden und er ist Person. Kirche ist also mehr als nur ein Gebäude aus totem Material. Es ist ein lebendiger Leib, in dem ein Herz schlägt, das Herz Jesu!
Hier deutet Petrus auch das häufig zu lesende Schriftwort vom Eckstein an, den die Bauleute verworfen haben. Dies ist uns in den letzten Wochen schon einmal begegnet. Im Folgenden faltet er dieses Schriftwort, das ursprünglich aus Psalm 118 kommt, weiter aus.
Es gibt bei einem Bau viele Steine, nicht nur den entscheidenden Eckstein. So sind alle Gläubigen lebendige Steine dieses Hauses, das die Kirche ist. Die Gläubigen sind nicht nur deshalb lebendige Steine, weil sie biologisch existieren und Personen sind. Es geht viel mehr um das ewige Leben, zu dem sie durch die Taufe neugeboren sind und somit die Ewigkeit der Kirche erklärt werden kann! Die Kirche ist ein geistiges Haus, keines aus echten Steinen. Sie ist ein Mysterium, das unter anderem eine sichtbare Seite hat – die Kirche, die wir hier auf Erden wahrnehmen, die aber nicht die ganze Kirche ist!
Petrus sagt uns hier auch ganz klar, dass der Bau dieses Hauses nicht durch die Steine selbst geschieht. Der Baumeister ist Gott selbst. Er macht die Kirche. Die Menschen können sich nicht selbst die Kirche schenken. Sie sind Teil von ihr, doch der Leib Christi ist gestiftet von Christus selbst, der ihr Fundament gegossen hat durch den Tod und die Auferstehung. So sollen die Getauften sich zu einem Haus und zu einer heiligen Priesterschaft aufbauen lassen. Hier müssen wir genau hinschauen, um ideologischen Einflüssen standzuhalten. Diese Bibelstelle wird nämlich gerne herangezogen, um eine sakramentale Priesterweihe durch die Taufe zu erklären. Diese wird im Neuen Testament aber wie gesagt mit dem Presbyterbegriff ausgedrückt. Hier steht im Griechischen aber: εἰς ἱεράτευμα ἅγιον eis hierateuma hagion. Hierateuma meint die priesterliche Würde, die jedem Getauften zusammen mit der königlichen Würde geschenkt wird. Diese Würde hat aber nichts mit der sakramentalen Weihe zu tun. Es sind zwei verschiedene Begriffe für zwei verschiedene Dinge, die sich aus zwei verschiedenen Sakramenten speisen. Im Deutschen gibt es nur leider ein einziges Wort, das für beides verwendet wird.
Als Getaufte sind wir alle befähigt, geistige Opfer darzubringen. Alles, was uns im Alltag widerfährt sowie die gläubige Teilnahme an der Eucharistie können solche geistigen Opfer sein. Es sind Ausdrücke unserer Gegenliebe und somit Liebesopfer.
Dann zitiert Petrus Jes 28,16: „Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde.“ Diese Verheißung, die in der Geschichte Israels typologische Vorläufer erfahren hat, ist mit Christus zur Vollendung gekommen. Er ist dieser Eckstein, der in Ehren gehalten zum entscheidenden Stein des Gebäudes wird, doch zum Verhängnis den Ungläubigen. Jesus stellt den Menschen immer vor die Entscheidung. Es gibt kein Dazwischen und keiner kann in einer Grauzone dahinwandeln. Sie ist eine Illusion, die einem ebenfalls zum Verhängnis wird. Christus wird wirklich in Ehren gehalten. Der Vater hat ihn über allen anderen erhöht. Doch auch über die Gemeindemitglieder sagt Petrus dies aus, die ja ebenfalls Steine sind durch die Taufe. Deshalb sagt er: „Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre. Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden,
zum Stein, an den man anstößt, und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt.“ Sie sind nicht nur nicht zugrunde gegangen, da sie gläubig die Taufe empfangen haben, sondern sie erfahren ebenfalls die Ehre Gottes. Sie sind ja zu einem heiligen Priestertum getauft worden. Gott hat sie bereits mit einer unvergleichlichen Würde ausgestattet, der sie durch einen rechten Lebenswandel nun gerecht werden müssen. Dies hat er in dem Kapitel zuvor schon beschrieben.
Er sagt am Ende von Vers 8 über die Ungläubigen, denen der Stein zum Verhängnis wird: „Doch dazu sind sie bestimmt.“ Wir müssen auch hier wieder genau lesen. Hier steht im Griechischen das Wort ἐτέθησαν etethesan. Die Grammatik des Wortes, was hier mit „bestimmt“ übersetzt wird, ist einerseits etwas Einmaliges, andererseits ein tatsächlich passives Wort. Wir müssen es also wirklich so übersetzen, wie es hier auch steht. Doch wer ist gemeint? Der Kontext zeigt, dass es ganz bestimmte Menschen sind, die den Eckstein nicht angenommen haben. Es sind jene, die Christus abgelehnt haben und ihn den Römern ausgeliefert haben. Und dazu sind sie bestimmt gewesen. Gottes Erlösungsplan stand schon vor aller Zeit fest und so war auch schon klar, dass der Messias abgelehnt werden würde durch jene, die ihn dann umbringen würden. In dieser Hinsicht waren sie dazu bestimmt. Ein nachdenkenswerter Aspekt, der uns Demut lehrt. Gott bleibt ein Geheimnis und ebenso die Gleichzeitigkeit von Heilsplan und freiem Willen des Menschen.
Warum die Menschen ebenfalls an der Ehre teilhaben, wird nun im letzten Vers noch einmal explizit erklärt: Die Getauften sind ein „auserwähltes Geschlecht“, ein γένος ἐκλεκτόν genos eklekton. Es meint kein irdisches Geschlecht im Sinne einer Volksgruppe oder Familienzugehörigkeit. Es ist nun geistig zu verstehen als Familie Gottes. Die Getauften sind die neue Schöpfung aus dem Heiligen Geist, deren Anfang Jesus und Maria markieren als das erste neue Menschenpaar. Das heißt nicht, dass sie auserwählt sind im Gegensatz zu den anderen. Es heißt, dass sie jene sind, die zu diesem auserwählten Geschlecht dazugehören wollten durch die Annahme des Glaubens und den Empfang der Taufe. Auserwählt sind sie durch den Ruf Gottes. Der springende Punkt ist nur: Gott ruft alle Menschen und deshalb hat Jesus seinen Jüngern vor dem Heimgang zum Vater aufgetragen, ALLEN Menschen das Evangelium zu verkünden und die Menschen zu taufen.
 Die Getauften sind „eine königliche Priesterschaft“, βασίλειον ἱεράτευμα basileion hierateuma. Auch hier kommt wieder das Wort hierateuma und nicht der presbyteros-Begriff. Man kann aus dem Petrusbrief kein allgemeines sakramentales Priestertum herauslesen, das alle Getauften zur Priesterweihe befähigt. Hier wird diese besondere Würde durch die Taufe thematisiert. Sie ist königlich und priesterlich, weshalb bis heute bei der Taufe das Chrisamöl verwendet wird.
Die Getauften sind „ein heiliger Stamm“, ἔθνος ἅγιον ethnos hagion. Der Stammbegriff wird mit dem typischen Begriff ausgedrückt, der für nichtjüdische Völker verwendet wird. Das macht Petrus vielleicht deshalb, weil er sich vor allem an heidenchristliche Diasporagemeinden wendet. Heilig ist dieser geistige Stamm durch die Heiligung, das heißt durch die Herauslösung aus dem Rest der Welt. Die Getauften sind anders, weil sie schon für die Ewigkeit leben. Ihr Lebensstil zeigt dieses Anderssein, das Petrus in seinem Brief oft mit dem Begriff des Fremden ausdrückt.
Die Getauften sind auch „ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde“, λαὸς εἰς περιποίησιν laos eis peripoiesin. Hier beruft sich Petrus auf Jes 43,21. Das Verb περιποιέω peripoieo ist wörtlich zu übersetzen mit „sich verschaffen, erwerben“. Gott hat es erworben durch das kostbare Blut Jesu Christi. Hier spielt Petrus mit alttestamentlichem Vokabular, denn laos ist der Terminus technicus für das Volk Israel. Dieser Begriff für das Volk Gottes wird nun auf die Kirche angewandt, die das Volk des Neuen Bundes ist. Die überwältigende Gnade, die Gott den Getauften geschenkt hat, soll Anlass sein, von seinen großen Taten zu verkünden. Die Erlösung Jesu Christi ist Grund für den missionarischen Kern der Kirche!
Petrus gebraucht für die Erlösung – wie sehr oft auch Johannes – das Bild des Kommens von der Finsternis ins Licht.
Die heutige zweite Lesung ist sehr dicht und theologisch auch sehr anspruchsvoll. Wenn wir sie richtig verstehen, geht uns aber sehr viel über unsere eigene Identität als Getaufte auf. Diese Würde widerspricht aber nicht der besonderen Berufung einzelner zu einer Weihe in den verschiedenen Graden. Die Diakone in der ersten Lesung haben diese Weihe empfangen. Beides ist getrennt zu betrachten und doch sagt uns die zweite Lesung aus dem Petrusbrief heute, dass wir uns nicht einfach auf die Geweihten verlassen sollen und selbst keine Berufung haben. Auch wir sind mit einer Würde ausgestattet und auch mit einer Berufung, nämlich Christi Heilstaten zu verkünden, die er an uns erwirkt hat.

Joh 14
1 Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!

2 Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?
3 Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.
4 Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr.
5 Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen?
6 Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.
7 Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.
8 Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.
9 Jesus sagte zu ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater?
10 Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke.
11 Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Werke!
12 Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere als diese vollbringen, denn ich gehe zum Vater.
13 Alles, um was ihr in meinem Namen bitten werdet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird.
14 Wenn ihr mich um etwas in meinem Namen bitten werdet, werde ich es tun.

Im Evangelium hören wir heute einen Abschnitt aus der ersten Abschiedsrede Jesu. Das Schriftwort ist sehr bekannt und stets sehr aktuell:
„Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ Jesus sagt dies zu seinen Aposteln im Abendmahlssaal, weil er die vielen Verwirrungen und Angriffe schon vorhersieht, mit denen der Zwölferkreis konfrontiert werden wird. Und dann sollen sie an dem festhalten, was Jesus sie gelehrt hat und was die Heiligen Schriften erfüllt hat. Er spricht dies über die Apostel hinaus auch zu uns. In Zeiten zunehmender Verwirrung sollen auch wir uns nicht ablenken lassen, sondern weiterhin unbeirrt am Glauben festhalten. Antichristliche Lehren werden immer salonfähiger und das besonders Heimtückische – unter dem katholischen Deckmantel wird sehr viel Häretisches verbreitet. Man kann sich auf das Deckblatt „katholisch“ längst nicht mehr verlassen, sondern muss alles auf die Goldwaage legen, wachsam sein, die Gabe der Unterscheidung der Geister haben. Und je tiefer die Wurzeln des Glaubens sind, desto schwieriger wird es für den Widersacher, uns von Gott zu entfernen. Dies ist nicht einfach nur die Aufgabe der Geweihten, die ein geistliches Leben führen. Dies ist die Aufgabe von uns allen, die wir getauft sind!
Jesus motiviert seine Apostel und darüber hinaus auch uns damit, dass er zum Vater vorausgeht. Wir werden ihm also folgen dürfen, wenn wir schon hier auf Erden seinen Spuren nachgegangen sind! Beim Vater bereitet er uns schon eine Wohnung. Damit ist ein Platz im Himmelreich gemeint. Und zu gegebener Zeit wird Christus wiederkommen, um die Apostel und alle Erben des Reiches zu sich zu holen. Das alles werden die Apostel noch nicht richtig verstanden haben. Erst mit seiner Auferstehung und Himmelfahrt, spätestens nach der Geistgabe, wird es ihnen aufgegangen sein. Christus ist heimgekehrt zum Vater ins Himmelreich, um am Ende der Tage wiederzukommen. Deshalb haben die ersten Christen bereits in einer Naherwartung gelebt.
Jesus sagt, dass sie den Weg kennen. Doch sie verstehen ihn nicht. Deshalb fragt Thomas nach: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen?“ Was meint Jesus damit? Zu jenem Zeitpunkt hat Jesus seinen Jüngern immer wieder Leidensankündigungen gemacht. Er hat ihnen gesagt, wie leidvoll er sterben, aber am dritten Tage auferstehen würde. Zudem ist all dies in den Heiligen Schriften angekündigt worden. Nicht nur die Apostel, sondern jeder fromme Jude müsste diesen Weg also kennen. Was ihn am Ende widerfahren würde, hat sich sein ganzes Leben hindurch schon gezeigt. Vom Moment seiner Geburt an war er von den Mächtigen dieser Welt unerwünscht und sein Leben wurde bedroht. Nicht nur das Ende, schon sein ganzes Leben zuvor ist ein einziger Sühneweg und Prozess der Erlösung. Er ist der leidende Gerechte aus den jesajanischen Gottesknechtsliedern sein ganzes Leben hindurch!
Doch die Apostel sind wie mit Blindheit geschlagen und so spricht Jesus das entscheidende Wort: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ Der Weg zum Vater ist die Person Jesu Christi mit seinem ganzen Leben, seinen Worten und Taten. Wenn wir ihn in unserem Leben nachahmen, gehen wir diesen Weg zum Vater. Es ist aber nicht nur eine ethische Frage, sondern eine Sache der gläubigen Annahme. Wenn wir Christus als den Messias gläubig annehmen und die Wahrheit, die er ist, erkannt haben, sind wir auch bereit, ihm auf unserem Lebensweg ganz zu gehorchen. Dann erwartet uns das Leben – das ewige Leben bei Gott!
Jesus ist nicht nur eine Option unter vielen auf dem Weg ins Himmelreich – er ist DER Weg. Es gibt keinen anderen. Nur durch die Christustür hindurch können wir in die Ewigkeit eingehen. Dies hat er schon bei seiner Rede über den guten Hirten verdeutlicht. Wenn wir in diesem Leben durch die sakramentale Christustür schreiten und so den Christusweg beginnen, dann sind wir schon eingesetzt als Kinder der Familie Gottes, von der Petrus so ausführlich geschrieben hat. Den Weg nun zu beschreiten ist zugleich eine Sendung. Sendung heißt zugleich Mission.
„Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.“ Jesus zu begegnen ist schon ein Laufen auf dem Weg zum Vater. Die Apostel haben so viele Jahre Zeit mit Jesus verbracht, sein Wesen ganz kennengelernt, seine Worte verinnerlicht und so viele Heilstaten bezeugt. In all diesen Aspekten haben sie den Vater kennengelernt! Er und der Sohn sind eins. Das ist der springende Punkt, den Jesus immer wieder herausstellt. Deshalb sagt Jesus auch, dass die Apostel den Vater „schon jetzt“ kennen. Sie sind jene Menschen, denen der Vater durch den Sohn am meisten offenbart worden ist und die sich mitten auf dem Weg befinden.
Doch die Apostel begreifen Jesu Worte noch nicht ganz und wie so oft entsteht ein Missverständnis. Philippus sagt nämlich: „Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.“ Er hat nicht verstanden, dass Jesus durch sein ganzes Sein den Vater kontinuierlich zeigt und mit ihm eins ist.
Wir müssen uns klar werden, wann das alles passiert: Sie befinden sich beim letzten Abendmahl, kurz vor dem Leiden, Tod und der Auferstehung Jesu Christi. Es ist also alles am Ende der langen dreijährigen Phase des Umherziehens mit Jesus. Bis dahin müssten die Apostel also schon sehr viel verstanden haben, denn Jesus hat ihnen so viel erklärt und auch wiederholt. Wenn jemand Jesus erkannt haben müsste, dann also die Apostel. Doch Philippus offenbart, dass er den Kern von allem nicht begriffen hat. Deshalb sagt Jesus die folgenden Worte: „Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater?“ Es gilt natürlich nicht nur Philippus, sondern auch den anderen Aposteln, die so ähnlich denken. Ebenfalls richtet Jesus diese Worte auch an uns, die wir schon so lange auf seinem Weg gehen und die Basics noch nicht einmal begriffen haben – wir als einzelne Christen sowie die ganze Kirche als Leib Christi. Mit einem Seitenblick auf die erste Lesung könnte man als wichtiges Beispiel das Dienen nennen statt das Herrschen…
Jesus erklärt geduldig noch einmal, wie sein Verhältnis zum Vater ist und konfrontiert Philippus mit der Frage des Glaubens: „Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist?“ Er sieht das Problem des Philippus also nicht auf der Ebene des Verstehens, sondern des gläubigen Annehmens. Jesu Erklärung zeigt uns, dass er nicht nur Philippus anspricht, sondern alle seine Apostel, wenn er sagt: „Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Werke!“ Die Art und Weise, wie Jesus die Apostel adressiert, ist vergleichbar mit der Rede vor den vielen Menschenmassen, die er wenigstens von seinen Werken zu überzeugen versuchte. Wir merken hier, dass die Apostel nicht irgendwie besser sind als der Rest der Menschen. Sie sind nicht aus solchem Grund zum Zwölferkreis auserwählt worden. Es hängt nicht mit einer gewissen Leistung zusammen, sondern mit der Gnade Gottes, die unverdientes Geschenk ist. So müssen wir auch verstehen, dass Geweihte unserer heutigen Zeit nicht automatisch bessere Menschen sind, nur weil sie Priester sind. Die Würde ist eine sehr hohe und deshalb müssen wir ihnen mit ganz großer Achtung begegnen. Doch ihre Priesterweihe ist kein Ergebnis einer vorausgegangenen Leistung. Sie ist die Weihe eines Menschen, der sein ganzes Leben Gott schenken möchte und dafür auf eine Familie verzichtet.
Jesus sagt weiter, dass wenn sie ihm Glauben schenken werden, in seinem Namen dieselben Heilstaten und darüber hinaus vollbringen. Zweiteres begründet er mit seinem Heimgang zum Vater. Wie müssen wir das verstehen? Warum werden die Apostel aufgrund der Himmelfahrt Jesu noch größere Zeichen wirken? Das hängt mit dem Pfingstereignis zusammen. An anderer Stelle erklärt Jesus, dass er gehen muss, damit der Vater den Geist senden kann, der der Beistand ist (Joh 16,7ff.). Wenn der Geist erst einmal auf die Apostel kommen wird, dann werden sie mit der Fülle der Gnade ausgestattet, wodurch sie erst so richtig reiche Frucht bringen werden.
Und dieser Geist wird sie befähigen, alles im Namen Jesu zu erbitten, der zur Rechten des Vaters sitzen wird.

Heute hören wir sehr viel von Würde, von Berufung, Taufe und Weihe. Diese Dinge sind wichtig und müssen gut auseinandergehalten werden. Besonders wichtig ist für uns heute der Gedanke, dass wir als Getaufte eine so große Würde erhalten haben, die uns keiner nehmen kann. Zudem lernen wir heute vor allem, dass wir uns als Getaufte nicht einfach zurücklehnen und ausruhen können, weil wir ja nicht Priester sind. Nein, auch wir haben eine Berufung und dieser müssen wir gerecht werden, so gut wir können. Denn wenn wir am Ende unseres Lebens vor Gott stehen, wird er uns fragen, was wir aus der großen Verantwortung gemacht haben.

Ihre Magstrauss

Freitag der 4. Osterwoche

Apg 13,26-33; Ps 2,6-7.8-9.10-11; Joh 14,1-6

Apg 13
26 Brüder, ihr Söhne aus Abrahams Geschlecht und ihr Gottesfürchtigen! Uns wurde das Wort dieses Heils gesandt.

27 Denn die Einwohner von Jerusalem und ihre Führer haben Jesus nicht erkannt, aber sie haben die Worte der Propheten, die an jedem Sabbat vorgelesen werden, erfüllt und haben ihn verurteilt. 28 Obwohl sie nichts fanden, wofür er den Tod verdient hätte, forderten sie von Pilatus seine Hinrichtung.
29 Als sie alles vollbracht hatten, was in der Schrift über ihn gesagt ist, nahmen sie ihn vom Kreuzesholz und legten ihn ins Grab.
30 Gott aber hat ihn von den Toten auferweckt
31 und er ist viele Tage hindurch denen erschienen, die mit ihm zusammen von Galiläa nach Jerusalem hinaufgezogen waren und die jetzt vor dem Volk seine Zeugen sind.
32 So verkünden wir euch das Evangelium: Gott hat die Verheißung, die an die Väter ergangen ist,
33 an uns, ihren Kindern, erfüllt, indem er Jesus auferweckt hat, wie es im zweiten Psalm heißt: Mein Sohn bist du, heute habe ich dich gezeugt.

In der Lesung hören wir heute die Fortsetzung der Predigt Pauli, die gestern mit dem Vorläufer und Täufer Johannes endete. Heute formuliert er ein richtiges Christusbekenntnis:
Er spricht sie zunächst noch einmal direkt an, um ihre Aufmerksamkeit von Neuem zu erhalten. So wie gestern spricht er nicht nur zu den Söhnen Abrahams, also zu den anwesenden Juden in der Synagoge, sondern auch zu den Gottesfürchtigen. Diese Gruppe habe ich schon ein paar Mal erklärt – es handelt sich um Heiden, die dem jüdischen Glauben nahe stehen, die jüdische Ethik übernehmen und die Schriften studieren, aber den letzten Schritt der Beschneidung nicht unternehmen.
Paulus macht deutlich, dass Jesus und das mit ihm gekommene Heil an sie persönlich gerichtet ist. Das macht den jüdischen und auch christlichen Glauben aus: persönliche Begegnung mit Gott. Es ist somit auch an die dort Anwesenden gerichtet, ja gerade an die Juden in der Diaspora. Denn die Einwohner Jerusalems haben ihn abgelehnt. Paulus stellt das Paradox heraus, dass die jerusalemer Juden die Propheten Sabbat für Sabbat in der Synagoge vorlesen und umsetzen und doch den dort angekündigten Messias nicht erkannt haben. Stattdessen haben sie ihn verurteilt.
Trotz seiner Unschuld erreichten sie eine Hinrichtung durch Pontius Pilatus. Dann fasst Paulus den ganzen Kreuzigungsprozess als die Erfüllung vieler Schriftstellen zusammen (Vers 29). In meinem Bibelworkshop über das Leben Jesu habe ich einige dieser Bezüge herausgestellt (https://www.youtube.com/watch?v=zhM4M88c2Ww).
Dass Jesus gekreuzigt worden ist, sagt er explizit erst im nächsten Vers, denn er spricht vom Kreuzesholz, von dem man ihn abnahm.
Das war aber nicht das Ende vom Lied, denn Gott hat ihn von den Toten auferweckt. Paulus erklärt hier das Unsägliche – der Messias hat den Tod besiegt! Er, der durch die Hinrichtung gemäß Deuteronomium als ein Gottverfluchter galt, wurde von eben jenem wieder ins Leben zurückgeholt!
Paulus erzählt sodann von den mehrfachen Erscheinungen des Auferstandenen in Judäa und Galiläa (vor allem am See). Die Zeugen seiner Auferstehung sind seine Apostel. Und sich selbst zählt Paulus ebenfalls dazu, weil der Auferstandene auch ihm persönlich erschienen ist.
Davon ausgehend stehen die beiden Missionare nun vor den Juden in Antiochia und verkünden das Evangelium Jesu Christi. Es ist eine lange Geschichte der Verheißung, die mit Christus ihren Höhepunkt gefunden hat. Die Schrift hat sich mit ihm und in ihm ganz erfüllt. Das Osterereignis ist dabei der ultimative Moment dieser Erfüllung.
Am Ende des heutigen Abschnitts zitiert Paulus Psalm 2, den wir gleich als Antwortpsalm beten.
Paulus und Barnabas möchten die Menschen mit dem Evangelium Jesu Christi berühren, auf dass auch sie davon begeistert werden und darin die Wahrheit erkennen. Dafür ordnet er Jesu Leben, Wort und Tat in die gesamte Heilsgeschichte Gottes mit seinem auserwählten Volk ein, damit die frommen Juden erkennen, dass alles so kommen musste. Morgen hören wir die Reaktion der Anwesenden. Durch Paulus spricht der Heilige Geist die Menschen im Herzen an. Die Kraft und Weisheit seiner Predigt ist nicht auf seine rhetorischen und theologischen Fähigkeiten zurückzuführen, die natürlich der ganzen Sache förderlich sind (und Gott hat sich auch deshalb den Pharisäer Paulus zum Werkzeug der Heidenmission erwählt), sondern auf Gott selbst. Er möchte alle Menschen an sich ziehen und so rüttelt er heftig an den Herzen jedes Menschen. Wo dieser es aber nicht zulässt oder nicht reagiert, zwingt Gott sich ihm nicht auf. Er versucht es zwar immer wieder, aber zugleich achtet er die Freiheit des Menschen.

Ps 2
6 Ich selber habe meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berg.

7 Den Beschluss des HERRN will ich kundtun./ Er sprach zu mir: Mein Sohn bist du. Ich selber habe dich heute gezeugt.
8 Fordere von mir und ich gebe dir die Völker zum Erbe und zum Eigentum die Enden der Erde.
9 Du wirst sie zerschlagen mit eisernem Stab, wie Krüge aus Ton wirst du sie zertrümmern.
10 Nun denn, ihr Könige, kommt zur Einsicht, lasst euch warnen, ihr Richter der Erde!
11 Mit Furcht dient dem HERRN, jubelt ihm zu mit Beben.

Nun beten wir diesen am Ende zitierten Psalm. Er bildet zusammen mit Psalm 1 den Rahmen des gesamten Psalters.
In Vers 6 spricht Gott selbst, dass er seinen König für Zion selbst eingesetzt hat. Dies ist wörtlich erst einmal auf den König von Juda zu beziehen, David, den sich Gott selbst ausersehen hat. Gott wird den Menschen vorwerfen, dass sie ihn nicht geachtet haben. Und wir beziehen es im weiteren Sinne und in Erfüllung dieses irdischen Königtums auf Christus, den König des himmlischen Zion, dem Reiche Gottes! Ihn haben die Menschen verkannt, indem sie voller Spott die Kreuzestafel mit dem Vorwurf angebracht haben „König der Juden“, aber nicht geglaubt haben, dass er tatsächlich ein König ist – nicht nur irgendeiner, sondern der König der Könige! Das Königtum Jesu Christi ist ja ein zentrales Thema auch in der Predigt des Paulus in Antiochia.
Eingesetzt auf dem Zion hat Gott wörtlich gesehen zunächst König David, den Typos Christi. Er hat seinen Thron in Jerusalem. Zugleich setzt der Vater Christus ein auf dem Zion der Ewigkeit. Dessen Thron befindet sich zur Rechten des Vaters im Himmelreich. Er ist aber auch eingesetzt als König des Reiches Gottes, das mit der Kirche ansatzweise schon vorweggenommen wird. Dieses angebrochene Königtum wird sich am Ende der Zeiten vollkommen durchsetzen und alle werden den König wiederkommen sehen.
Noch viel mehr als mit David ist Gott der Vater mit seinem Sohn Jesus Christus.
Von ihm kann er wirklich wortwörtlich sagen: „Mein Sohn bist du. Ich selber habe dich heute gezeugt.“
Das „Heute“ ist ein entscheidendes Stichwort für die Ewigkeit. Bei Gott gibt es keine Zeit mehr. Diese ist eine irdische Kategorie, die Gott geschaffen hat (siehe Schöpfungsbericht in der Genesis durch die Himmelskörper und das Licht).
Der Sohn ist vor aller Zeit gezeugt worden, nicht geschaffen. Jesus ist wirklich der Sohn Gottes und somit ihm gleich. Das kann kein Geschöpf von sich sagen.
Jesus kann von seinem Vater alles fordern, denn sie sind eins. Gott gibt ihm die Völker zum Erbe. Es meint die heidnischen Völker. Jesus werden sie aber nicht übergeben, um sie zu zerstören, sondern um sie zu Erben des Reiches Gottes zu machen! Er ist gekommen, damit jeder gerettet werde, bis zu den Enden der Erde!
Und wer bis zum Schluss Jesus ablehnt, der wird am Ende wie Ton zerschlagen. Das ist ein Bild für das Gericht Gottes. Gott nimmt die Menschen ernst. Wenn sie sich in aller Freiheit gegen ihn entscheiden, müssen sie die Konsequenzen ihrer Entscheidung tragen. Der eiserne Stab Christi ist ein Code für den Messias. Er wird auch bei den messianischen Verheißungen des Buches Jesaja aufgegriffen. Demnach wird der Messias mit eisernem Zepter herrschen.
Aus dem eisernen Stab wird mit der Zeit das zweischneidige Schwert. Es handelt sich nicht um ein echtes Schwert aus Metall, sondern um das Wort Gottes, das dadurch bildhaft ausgesagt wird. Christus herrscht mithilfe des Wortes Gottes. Was nicht gut ist am Menschen, wird dadurch zerschnitten und das ist schmerzhaft. Es schneidet dabei aber in die Seele ein, nicht in den Körper des Menschen. Das ist das Schmerzhafte daran.
Die Könige und Richter der Erde sollen zur Einsicht kommen und erkennen, dass der eigentliche König und Richter Jesus Christus ist. Er wird sich in seiner vollen Herrlichkeit zeigen am Jüngsten Tag und alle werden es sehen. Dann zerfallen die Königtümer und Richterstühle zu Staub, denn sie sind nichts im Gegensatz zur Herrlichkeit Gottes.
König David hat seinen Wert stets von der Gegenwart Gottes her betrachtet. Er hat sich in seinem Königtum nie überschätzt, sondern ist demütig geblieben vor dem eigentlichen König, der Gott ist. Er hat ihm wirklich mit Furcht gedient. Was er hier am Ende also von den Königen und Richtern verlangt, hat er selbst ganz vorgelebt.
Und doch ist David nur Typos des eigentlichen Königs Jesus Christus. Wenn David schon so vorbildlich war, um wie viel mehr müssen wir das für den Messias sagen!

Joh 14
1 Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!

2 Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?
3 Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.
4 Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr.
5 Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen? 6 Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.

Im Evangelium hören wir heute einen Abschnitt aus der ersten Abschiedsrede Jesu. Das Schriftwort ist sehr bekannt und stets sehr aktuell:
„Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ Jesus sagt dies zu seinen Aposteln im Abendmahlssaal, weil er die vielen Verwirrungen und Angriffe schon vorhersieht, mit denen der Zwölferkreis konfrontiert werden wird. Und dann sollen sie an dem festhalten, was Jesus sie gelehrt hat und was die Heiligen Schriften erfüllt hat. Er spricht dies über die Apostel hinaus auch zu uns. In Zeiten zunehmender Verwirrung sollen auch wir uns nicht ablenken lassen, sondern weiterhin unbeirrt am Glauben festhalten. Antichristliche Lehren werden immer salonfähiger und das besonders Heimtückische – unter dem katholischen Deckmantel wird sehr viel Häretisches verbreitet. Man kann sich auf das Deckblatt „katholisch“ längst nicht mehr verlassen, sondern muss alles auf die Goldwaage legen, wachsam sein, die Gabe der Unterscheidung der Geister haben. Und je tiefer die Wurzeln des Glaubens sind, desto schwieriger wird es für den Widersacher, uns von Gott zu entfernen.
Jesus motiviert seine Apostel und darüber hinaus auch uns damit, dass er zum Vater vorausgeht. Wir werden ihm also folgen dürfen, wenn wir schon hier auf Erden seinen Spuren nachgegangen sind! Beim Vater bereitet er uns schon eine Wohnung. Damit ist ein Platz im Himmelreich gemeint. Und zu gegebener Zeit wird Christus wiederkommen, um die Apostel und alle Erben des Reiches zu sich zu holen. Das alles werden die Apostel noch nicht richtig verstanden haben. Erst mit seiner Auferstehung und Himmelfahrt, spätestens nach der Geistgabe, wird es ihnen aufgegangen sein. Christus ist heimgekehrt zum Vater ins Himmelreich, um am Ende der Tage wiederzukommen. Deshalb haben die ersten Christen bereits in einer Naherwartung gelebt.
Jesus sagt, dass sie den Weg kennen. Doch sie verstehen ihn nicht. Deshalb fragt Thomas nach: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen?“ Was meint Jesus damit? Zu jenem Zeitpunkt hat Jesus seinen Jüngern immer wieder Leidensankündigungen gemacht. Er hat ihnen gesagt, wie leidvoll er sterben, aber am dritten Tage auferstehen würde. Zudem ist all dies in den Heiligen Schriften angekündigt worden. Nicht nur die Apostel, sondern jeder fromme Jude müsste diesen Weg also kennen. Was ihn am Ende widerfahren würde, hat sich sein ganzes Leben hindurch schon gezeigt. Vom Moment seiner Geburt an war er von den Mächtigen dieser Welt unerwünscht und sein Leben wurde bedroht. Nicht nur das Ende, schon sein ganzes Leben zuvor ist ein einziger Sühneweg und Prozess der Erlösung. Er ist der leidende Gerechte aus den jesajanischen Gottesknechtsliedern sein ganzes Leben hindurch!
Doch die Apostel sind wie mit Blindheit geschlagen und so spricht Jesus das entscheidende Wort: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ Der Weg zum Vater ist die Person Jesu Christi mit seinem ganzen Leben, seinen Worten und Taten. Wenn wir ihn in unserem Leben nachahmen, gehen wir diesen Weg zum Vater. Es ist aber nicht nur eine ethische Frage, sondern eine Sache der gläubigen Annahme. Wenn wir Christus als den Messias gläubig annehmen und die Wahrheit, die er ist, erkannt haben, sind wir auch bereit, ihm auf unserem Lebensweg ganz zu gehorchen. Dann erwartet uns das Leben – das ewige Leben bei Gott!
Jesus ist nicht nur eine Option unter vielen auf dem Weg ins Himmelreich – er ist DER Weg. Es gibt keinen anderen. Nur durch die Christustür hindurch können wir in die Ewigkeit eingehen. Dies hat er schon bei seiner Rede über den guten Hirten verdeutlicht.

Wenn wir in diesem Leben durch die sakramentale Christustür schreiten und so den Christusweg beginnen, dann sind wir schon eingesetzt als Kinder der Familie Gottes. Den Weg nun zu beschreiten ist zugleich eine Sendung. Vergessen wir das nie, wenn wir meinen, einen Umweg gehen zu können oder uns auf halbem Wege niederzulassen, ohne zum Ziel zu kommen.

Ihre Magstrauss