Donnerstag der 4. Osterwoche

Apg 13,13-25; Ps 89,2-3.20au. 4-5.27 u. 29; Joh 13,16-20

Apg 13
13 Von Paphos fuhr Paulus mit seinen Begleitern ab und kam nach Perge in Pamphylien. Johannes aber trennte sich von ihnen und kehrte nach Jerusalem zurück.
14 Sie selbst wanderten von Perge weiter und kamen nach Antiochia in Pisidien. Dort gingen sie am Sabbat in die Synagoge und setzten sich.

15 Nach der Lesung aus dem Gesetz und den Propheten schickten die Synagogenvorsteher zu ihnen und ließen ihnen sagen: Brüder, wenn ihr ein Wort des Zuspruchs für das Volk habt, so redet!
16 Da stand Paulus auf, gab mit der Hand ein Zeichen und sagte: Ihr Israeliten und ihr Gottesfürchtigen, hört!
17 Der Gott dieses Volkes Israel hat unsere Väter erwählt und das Volk in der Fremde erhöht, im Land Ägypten; er hat sie mit hoch erhobenem Arm von dort herausgeführt
18 und etwa vierzig Jahre durch die Wüste getragen.
19 Sieben Völker hat er im Land Kanaan vernichtet und ihr Land ihnen zum Besitz gegeben,
20 für etwa vierhundertfünfzig Jahre. Danach hat er ihnen Richter gegeben bis zum Propheten Samuel. 21 Dann verlangten sie einen König und Gott gab ihnen Saul, den Sohn des Kisch, einen Mann aus dem Stamm Benjamin, für vierzig Jahre.
22 Nachdem er ihn verworfen hatte, erhob er David zu ihrem König, von dem er bezeugte: Ich habe David, den Sohn des Isai, als einen Mann nach meinem Herzen gefunden, der alles, was ich will, vollbringen wird.
23 Aus seinem Geschlecht hat Gott dem Volk Israel, der Verheißung gemäß, Jesus als Retter geschickt. 24 Vor dessen Auftreten hat Johannes dem ganzen Volk Israel eine Taufe der Umkehr verkündet.
25 Als Johannes aber seinen Lauf vollendet hatte, sagte er: Ich bin nicht der, für den ihr mich haltet; aber siehe, nach mir kommt einer, dem die Sandalen von den Füßen zu lösen ich nicht wert bin.

Gestern hörten wir davon, dass Paulus und Barnabas auf die erste große Missionsreise entsandt und zuvor geweiht wurden. Die Lesung endete damit, dass sie auf der Insel Zypern ankamen, wo sie im zyprischen Salamis das Evangelium Jesu Christi verkündeten. Zwischen der gestrigen und der heutigen Lesung treffen sie auf verschiedene Menschen, vor allem auf einen Okkultisten namens Barjesus, der die Missionare daran hindern möchte, den Prokonsul zum Glauben zu führen, in dessen Gefolge er steht. Seine bösen Absichten werden von Paulus offenbart und er wird wie vom Missionar angekündigt mit Blindheit geschlagen. Dieses Zeichen führt den Prokonsul zum Glauben. Nach diesen Ereignissen, so lesen wir heute, fahren sie nach Perge in Pamphylien, wo sich Johannes Markus von ihnen trennt (was passiert ist, erfahren wir nicht).
Die beiden Missionare wandern weiter zum pisidischen Antiochia (es gibt mehrere Antiochias im römischen Reich). Auch dort lehren sie in der Synagoge (das Lehren wird immer durch die Geste des sich Setzens angedeutet). Paulus weiß genau, wie er die Schriften auslegen muss und wie er die Evangelisierung beginnen muss, um die Menschen von ihrem Ort abzuholen – er ist von Haus aus ja Pharisäer. Die Synagogenvorsteher ermutigen sie dazu, ein Wort des Zuspruchs für die anwesenden Juden auszusprechen. Und so setzt Paulus zu einer heilsgeschichtlichen Zusammenfassung an. In der Sprache der Juden führt er ihnen die Heilstaten Gottes an seinem Volk vor Augen. Er deutet den Exodus an, wenn er vom Volk in der Fremde, von Ägypten und der Wüste spricht. Dann erwähnt er Gottes Macht, durch welche sieben Völker Kanaans vernichtet worden sind und er den Juden das verheißene Land für 450 Jahre gegeben hat. Er kommt sodann auf die Richterzeit zu sprechen, die mit Samuel ein Ende fand, der wiederum Saul zum ersten König salbte. Nach dessen Verwerfung wurde der bedeutungsvolle David König von Israel. Dies ist nun der Ausgangspunkt, von dem Paulus aus die Pointe entwickelt – Jesus Christus ist aus dessen Geschlecht. Er ist der Messias, den die Propheten als Sohn Davids angekündigt haben. Er berichtet auch von Johannes dem Täufer, der ein Scharnier zwischen dem Alten und dem Neuen Bund ist. Auch wenn Johannes eine große Bewegung ins Leben gerufen und Umkehr gepredigt hat, ist er nicht der Messias, sondern sein Vorläufer. Er hat sich als viel unwürdiger als Jesus bezeichnet, dem die Schuhe zu lösen er nicht einmal würdig ist.
An dieser Stelle endet die Lesung. Heute bleibt also offen, wie sie die Ansprache weiter entwickelt und vor allem wie die Reaktion der Zuhörer ist. Morgen hören wir die Fortsetzung seiner Worte. Seien wir gespannt!
Paulus geht rhetorisch immer sehr geschickt vor. Er macht einen regen Gebrauch von seiner Ausbildung. Gottes Vorsehung hat es zugelassen, dass als Heidenapostel ausgerechnet jemand wie Paulus auserwählt wird – ein Mann, der ganz in den Schriften der Juden verankert ist und genau weiß, wie er Jesus in der Schrift einordnen muss.

Ps 89
2 Von der Huld des HERRN will ich ewig singen, von Geschlecht zu Geschlecht mit meinem Mund deine Treue verkünden.

3 Denn ich bekenne: Auf ewig ist Huld gegründet, im Himmel deine Treue gefestigt.
20 Einst hast du in einer Vision zu deinen Frommen gesprochen:
4 Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten und David, meinem Knecht, geschworen: 5 Auf ewig gebe ich deinem Haus festen Bestand und von Geschlecht zu Geschlecht gründe ich deinen Thron.
27 Er wird zu mir rufen: Mein Vater bist du, mein Gott, der Fels meiner Rettung.
29 Auf ewig werde ich ihm meine Huld bewahren, mein Bund mit ihm ist verlässlich.

Wir beten aus gegebenem Anlass wieder den sogenannten Königspsalm 89. Der Abschnitt heute beginnt wieder mit einer typischen Lobaufforderung an sich selbst (will ich ewig singen). Gottes Treue ist ewig, sie ist „im Himmel…gefestigt“. Gott hält seine Versprechen. Dies führt uns Paulus in der Lesung heute ganz deutlich vor Augen. Gott hat sein Volk von Anfang an treu geleitet und nie im Stich gelassen, selbst in der Untreue des Volkes ihm gegenüber nicht. Gott fordert zwar die Menschen heraus, indem sie ihr bequemes Leben aufgeben und in unbekannte Orte ziehen müssen oder zu nicht nachvollziehbaren Handlungen aufgefordert werden, doch dahinter steht immer sein Heilswille für die Menschen. Im Nachhinein verstehen es die Menschen auch und so steht Paulus nun hier in der Synagoge und zeichnet die Linien des göttlichen Heilswillens für die Anwesenden nach. Sie sollen erkennen, dass Gottes Gnade so unermesslich groß ist und wirklich treu an seinem Volk gehandelt hat.
Er ist es, aus dessen Sicht ab Vers 4 beschrieben wird: „Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten und David“. Wörtlich steht hier „Ich schnitt einen Bund (im Hebräischen schneidet man, כָּרַ֣תִּֽי karati „ich schnitt“) mit meinem Erwählten, ich schwor meinem Knecht David.“ Es handelt sich also nicht um zwei Personen, sondern bezieht sich beides auf ein und dieselbe Person. Gott hat einen Bund mit diesem besonderen König geschlossen. Es handelt sich um die Bekräftigung und Ausweitung des Alten Bundes zu einer gesamtstämmischen Einheit. Das ganze ist aber auch typologisch zu betrachten – der Erwählte (hier ist wieder das Wort בָּחִיר bachir enthalten, der Jüngling im heiratsfähigen Alter) ist nun auf Jesus zu beziehen, der sich freiwillig zum bachir macht um des Himmelreiches willen. Er bezeichnet sich sogar als Eunuchen, meint dies aber natürlich nicht wörtlich, sondern sinnbildlich. Dieser Bund, den Gott geschlossen hat durch Christus, ist der Neue Bund mit allen Menschen. Im griechischen AT wird sogar mit Plural übersetzt, was linguistisch gesehen auch möglich ist. Dadurch wird nicht Christus in den Blick genommen, DURCH den der Neue Bund besiegelt worden ist, sondern die „Erwählten“, wir Menschen, MIT denen er ja den Bund geschlossen hat. Der griechische Begriff an dieser Stelle ist ἐκλεκτοῖς eklektois und wird auch im NT sowohl für Christus als auch für die Getauften verwendet (Lk 23,35; 1 Petr 1,1). Die Zentriertheit auf König David ist absolut passend als Antwort auf die Lesung. Dort ist König David ja das Ziel der Vorrede Pauli. Von diesem aus formuliert er ja den entscheidenden Aspekt, dass Christus aus dessen Geschlecht hervorgegangen ist und in typologischer Verbindung zu ihm steht.
In Vers 5 wird die Zusage Gottes aufgegriffen, dem davidischen Königshaus Bestand zu verleihen. Dies wird der Fall sein, aber anders als die Menschen denken: Es wird ewig bestehen durch Christus, den Sohn Davids, der tatsächlich leiblicher „Sohn“ Davids ist. Wir lesen dies ja im Stammbaum nach Matthäus. Er trägt Davids Gene in sich. Und doch ist dies ein anderes Königtum als das des David. Es geht hier um den König des Reiches Gottes. Sein Reich ist nicht von dieser Welt, wie er selbst vor Pilatus erklärt hat (vgl. Joh 18,36). „Von Geschlecht zu Geschlecht“, d.h. in diesem Fall dann zu allen Zeiten, wird Christus der König derer sein, die an ihn glauben und sich auf seinen Namen taufen lassen. Das „Haus“, das hier erwähnt wird, ist wörtlich gesehen zunächst das Königshaus. Wir müssen es aber tiefer verstehen als Kirche. Sie ist als Gemeinschaft der Gläubigen das Königreich Christi auf Erden, die sakramentale Antizipation der Ewigkeit. Sie wird auf ewig nicht untergehen – solange die Welt besteht, wird der Satan sie nicht überwältigen, das hat der treue Christus uns versprochen – und am Ende der Zeiten wird sie sich durchsetzen und ihren Wohnsitz einnehmen in der neuen Schöpfung Gottes.
David ist so fromm, dass er ganz „fortschrittlich“ in seiner Gottesbeziehung ist. Darin ist er absoluter Typos Christi. Er nennt Gott nämlich seinen Vater, was sonst bezeichnend für Jesus sein wird.
Dies ist mehr als nur wörtlich zu lesen. Das sehen wir sofort. Hier müssen wir schon Jesus selbst dahinter sehen, der Gott seinen Vater nennt, der der Erstgeborene ist.
„Auf ewig“ bleibt der Bund, den Gott mit David schließt. Auch wenn er Gott enttäuschen wird, bleibt Gott treu. Man könnte fragen: Warum wird David vergeben und Saul wird verworfen? Der Unterschied besteht darin, dass David seine Sünde direkt bereut und sich um Versöhnung mit Gott bemüht. Saul sieht seine Schuld gar nicht ein. So ist es auch bei uns: Mag die Sünde noch so schwerwiegend sein. Gott vergibt einfach alles, was wir von Herzen bereuen. Wir müssen seine Barmherzigkeit dafür aber annehmen. Wo wir sie ablehnen, stellen wir uns selbst in den Weg. Das wird Jesus dann „Sünde gegen den Hl. Geist“ nennen. Gott verwirft also eigentlich niemanden, sondern der Mensch verwirft sich selbst, indem er sich aufgibt.
Der Psalm greift den heilsgeschichtlichen Rückblick Pauli in der Synagoge von Antiochia wunderbar auf, vor allem in den Aspekten der Treue Gottes und des davidischen Königtums. Gott ist treu – bis heute und auch uns gegenüber!

Joh 13
16 Amen, amen, ich sage euch: Der Sklave ist nicht größer als sein Herr und der Abgesandte ist nicht größer als der, der ihn gesandt hat.
17 Wenn ihr das wisst – selig seid ihr, wenn ihr danach handelt.
18 Ich sage das nicht von euch allen. Ich weiß wohl, welche ich erwählt habe, aber das Schriftwort muss sich erfüllen: Der mein Brot isst, hat seine Ferse gegen mich erhoben.
19 Ich sage es euch schon jetzt, ehe es geschieht, damit ihr, wenn es geschehen ist, glaubt: Ich bin es. 20 Amen, amen, ich sage euch: Wer einen aufnimmt, den ich senden werde, nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.

Im Evangelium hören wir heute die Worte Jesu im Anschluss an die Fußwaschung im Abendmahlssaal. Dort sagt Jesus:
„Der Sklave ist nicht größer als sein Herr und der Abgesandte ist nicht größer als der, der ihn gesandt hat.“ Diese Worte spricht er natürlich als Reaktion auf Petrus‘ Weigerung, sich von seinem Rabbi die Füße waschen zu lassen. Jesus tut dieses Zeichen an ihnen ja, damit sie lernen, was es heißt, der Größte unter ihnen zu sein – nämlich der Diener aller. Erst wenn sie diese Demut begriffen haben, können sie eine so große Aufgabe übernehmen wie das Leiten seiner Kirche.
Wir verstehen dieses Wort auch darüber hinaus in seinem geistlichen Sinn: Die Kirche damals und heute kann nicht höher stehen als der Herr Jesus Christus. Sie muss auch heute Dienerin aller sein und darf in der Demut den Aposteln in Nichts nachstehen. Wir können nicht der Leib Christi sein, wenn wir uns über das Haupt erheben. Dies geschieht aber, wenn wir nicht in derselben Demut leben wie Christus. Wenn wir also eine Kirche der Seligen sein möchten, müssen wir danach handeln. Das hat uns Jesus hier klipp und klar gesagt. Diese Worte sind auch wichtig für den Lebenswandel jedes einzelnen Christen: Selig und somit glücklich können wir nur dann sein, wenn wir so wie Jesus zum Diener aller werden. Nicht die Selbstverwirklichung macht uns glücklich, sondern die Selbsthingabe. Wenn wir uns den Mitmenschen aus Liebe zu Gott und dem Nächsten verschenken, wird es uns wirklich mit Freude erfüllen. Wenn wir aber meinen, dass wir es besser wissen als unser Herr – auch in Bezug auf die Gebote Gottes -, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn wir keinen Segen haben. König David, von dem wir heute schon einiges gehört haben, war König über die Stämme Israels und der mächtigste Mann. Und doch hat er nie aufgehört, sich als Diener zu sehen. Er hat sich nämlich nie von den Untertanen aus betrachtet, sondern immer vom allmächtigen Gott her. Das hat ihm geholfen, demütig zu bleiben als Diener Gottes, des Herrn.
Er ist als König ebenfalls gesandt wie die Apostel Jesu Christi (apostolos heißt „gesandt“). Er ist von der Weide gerufen worden, um gesalbt zu werden, so wie die Apostel an Pfingsten mit dem Hl. Geist gesalbt worden sind. Er ist zu den Stämmen Israels gesandt worden, um ihnen als König ein Hirte zu sein, wie die Apostel in der Nachfolge Christi zu allen Stämmen Israels und darüber hinaus geschickt worden sind.
Jesus deutet bei seiner Rede an, dass nicht alle selig sein können, denn jemand unter ihnen wird ihn verraten. Er sagt dies verschlüsselt durch das Schriftwort: „Der mein Brot isst, hat seine Ferse gegen mich erhoben (Ps 41,9).“ Jesus sagt Dinge voraus, damit die Apostel im Nachhinein wirklich begreifen, dass er es ist – der Messias, den die Schriften schon vorausgesagt haben, auch dessen Leiden, Tod und Auferstehung.
Er greift in seiner Rede auf, was er schon gestern sinngemäß erklärt hat: „Wer einen aufnimmt, den ich senden werde, nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.“ Es geht um den Zusammenhang von Aposteln und Christus, der sie gesandt hat, der wiederum vom Vater gesandt worden ist. Dabei deutet er auch schon an, dass seine Apostel überall sein Evangelium verkünden und dabei in Häusern einkehren werden. Die Menschen müssen sie also annehmen, sodass sie ihnen ihre Gastfreundschaft überhaupt anbieten können. Die das tun, nehmen also nicht nur die Apostel auf, sondern zugleich das Evangelium Jesu Christi an, der wiederum den Menschen den Vater offenbart hat.
Aufnehmen müssen die Apostel auch die Juden in der jeweiligen Synagoge, so wie wir es heute in der Lesung gehört haben. Paulus und Barnabas werden zunächst in der Synagoge akzeptiert und sogar dazu ermutigt, Worte des Zuspruchs an die Anwesenden zu richten. Der Aspekt des Aufnehmens ist ein Appell an uns: Nehmen wir die Botschaft Jesu Christi an, insofern sie von seinen Gesandten (den Geistlichen) verkündet wird? Wenn wir die Gebote Gottes nicht hören wollen, lehnen wir damit den Leib Christi ab, der die Kirche ist und zu der wir selbst gehören. Wir lassen Christus zugleich nicht in unser Herz hinein, in die Seele, die der Tempel des Hl. Geistes ist. Er ist in unserem Leben gegenwärtig, wenn wir seine Gebote halten und so im Stand der Gnade sind. Wenn wir seine Botschaft ablehnen, indem wir sie nicht umsetzen, entfernen wir uns von Gott und gefährden unser ewiges Leben. Und wenn wir das Evangelium sowie die Verkünder nicht annehmen, verspielen wir unser Erbe im Himmelreich. Auf die Ewigkeit hin ist es also fatal.

Die Frage ist nur, wo wir die treue und vollständige Verkündigung des Evangeliums Jesu Christi überhaupt noch hören. Dieses Problem kommt zur ablehnenden Haltung der Zuhörer noch hinzu!

Beten wir für die Geistlichen, dass sie noch von diesem missionarischen Geist erfüllt sind und in Liebe zu Gott brennen, sodass das Feuer auf die Menschen überspringt. Beten wir auch für uns selbst und kehren wir um, wo es uns als Getaufte an missionarischem Geist fehlt. Auch wir können nämlich in unserem Umfeld die Liebe Gottes weitertragen. Dafür müssen wir keine geweihten Würdenträger sein. Durch Taufe und Firmung sind wir mit allen Früchten und Gaben des Hl. Geistes ausgestattet, die wir dazu benötigen, den Willen Gottes in unserem Leben umzusetzen und auf andere Menschen mit unserer Begeisterung abzufärben.

Ihre Magstrauss

Mittwoch der 4. Osterwoche

Apg 12,24 – 13,5; Ps 67,2-3.5.7-8; Joh 12,44-50

Apg 12
24 Das Wort Gottes aber wuchs und breitete sich aus.
25 Nachdem Barnabas und Saulus in Jerusalem den Dienst erfüllt hatten, kehrten sie zurück; Johannes, mit dem Beinamen Markus, nahmen sie mit.
1 In der Gemeinde von Antiochia gab es Propheten und Lehrer: Barnabas und Simeon, genannt Niger, Lucius von Kyrene, Manaën, ein Jugendgefährte des Tetrarchen Herodes, und Saulus.
2 Als sie zu Ehren des Herrn Gottesdienst feierten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Wählt mir Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie berufen habe!
3 Da fasteten und beteten sie, legten ihnen die Hände auf und ließen sie ziehen.
4 Vom Heiligen Geist ausgesandt, zogen sie nach Seleukia hinab und segelten von da nach Zypern.
5 Als sie in Salamis angekommen waren, verkündeten sie das Wort Gottes in den Synagogen der Juden. Johannes hatten sie als Helfer bei sich.

Zwischen der gestrigen und der heutigen Lesung passiert sehr viel in der Apostelgeschichte: Jakobus wird hingerichtet, Herodes wütet gegen die Christen in Jerusalem und lässt Petrus inhaftieren, der auf wundersame Weise befreit wird. Und Herodes stirbt. Das Wort Gottes verbreitet sich weiter trotz der Bedrängung der Christen. Paulus und Barnabas sind nach Jerusalem entsandt worden, um eine Kollekte für die Jerusalemer Gemeinde durch die Antiochener zu überbringen. Dieser Dienst ist gemeint, der in der heutigen Lesung erwähnt wird. Sie kommen also zurück nach Antiochia, von deren Gemeinde uns heute ein bisschen mehr beschrieben wird. Es gibt dort nämlich Propheten und Lehrer, die der Gemeinde dienen. Es werden sogar ganz konkrete Namen genannt, wobei auch Paulus und Barnabas dazugezählt werden. Sie gelten als Lehrer, denn sie erklären das Wort Gottes.
Während der Liturgie und der Fastenzeiten erhalten Geistbegabte die Eingebung, dass Barnabas und Saulus (Paulus) zu einer Mission berufen sind. Uns ist schon klar, worum es geht, nämlich um die erste Missionsreise. Die Reaktion der Gemeinde darauf ist das Fasten und Beten. Das ist bemerkenswert. Auch Jesus hat vor seinem öffentlichen Wirken eine Zeit lang im Fasten und Beten verharrt, sich dabei sogar in die Wüste zurückgezogen. Immer wenn er große Massen vor sich hat und viele Heilstaten tut, lange Predigten hält etc., zieht er sich für das Gebet zurück. Er holt sich immer wieder die Kraft von seinem Vater, der ihn gesandt hat. Und auch hier ist es eine Sendung zur Verkündigung des Reiches Gottes. Auch dies ist eine wichtige Mission, die viel Kraft und Mut kosten wird. Zu dieser Sendung werden die beiden Missionare vorbereitet, nicht nur durch das Fasten und Beten, sondern auch durch die Handauflegung der Gemeindevorsteher. Es muss sich um eine sakramentale Weihe handeln, durch die die beiden dann befähigt sind, anderen Menschen die Sakramente zu spenden. Weil wir später davon lesen werden, dass sie Älteste weihen, ihnen die Hände auflegen, handelt es sich bei ihrer eigenen Weihe um den höchsten Grad, die Bischofsweihe. Durch sie sind sie beide bevollmächtigt, alle Sakramente zu spenden (die es auch schon gibt, auch wenn noch nicht in der Form oder Bezeichnung wie heute). Der Geist führt sie zunächst nach Seleukia, von wo aus sie nach Zypern reisen. In der zyprischen Stadt Salamis lehren sie in den Synagogen das Wort Gottes. Johannes Markus begleitet sie auf ihrer ersten Missionsreise als Helfer. Die kirchliche Tradition identifiziert diesen Johannes Markus mit dem Evangelisten Markus und auch mit dem Gefährten des Petrus.
Wir lernen aus diesem heutigen Bericht der Apostelgeschichte, dass das Leben mit Gott nie langweilig ist. Er hat große Pläne mit jedem Menschen und sendet ihn dort hin, wo er ihn braucht. Wichtig ist, dass der Mensch diese Berufung einerseits erkennt, andererseits gehorsam umsetzt und dabei die Gnade Gottes in Anspruch nimmt. Es führt ganz schnell in eine Sackgasse, wenn man aus eigener Kraft versucht, die Berufung zu leben. Es ist auch entscheidend, dass der Mensch nicht nur betet, sondern auch in dem Anliegen fastet. Dies birgt ein ganz großes Potenzial, das nicht zu unterschätzen ist. Je größer der Anlass/die Mission, desto mehr muss der Mensch sich im Vorfeld darauf vorbereiten. Und dann wird er sich wundern, welche großen Zeichen durch ihn geschehen!

Ps 67
2 Gott sei uns gnädig und segne uns. Er lasse sein Angesicht über uns leuchten,
3 damit man auf Erden deinen Weg erkenne, deine Rettung unter allen Völkern.
5 Die Nationen sollen sich freuen und jubeln, denn du richtest die Völker nach Recht und leitest die Nationen auf Erden.
7 Die Erde gab ihren Ertrag. Gott, unser Gott, er segne uns!
8 Es segne uns Gott! Fürchten sollen ihn alle Enden der Erde.

Der heutige Psalm, den wir als Antwort auf die Lesung beten, stellt die Bitte um Gottes Segen dar. Er erinnert uns an den aaronitischen Segen aus dem Buch Numeri. Die beiden Bestandteile „Gnädigsein“ und „Leuchten seines Angesichts“ werden auch dort verwendet. Es wird aber nicht nur wiederholt, sondern hier weitergeführt. Der Zweck des Wunsches wird nämlich an dieser Stelle erklärt: Die Israeliten sollen durch das Leuchten des Angesichts Gottes seinen Weg erkennen, das heißt seinen Willen. Der aaronitische Segen wird hier paränetisch fortgesetzt, also zur Unterweisung im moralischen Verhalten. Der nächste Nebensatz geht darüber hinaus. Die Rettung unter allen Völkern klingt in unseren christlichen Ohren sehr messianisch (hebr. בְּכָל־גֹּ֝ויִ֗ם יְשׁוּעָתֶֽךָ b’chol-gojim jeschu’atecha, der Name Jesu ist enthalten und wird auf die nichtjüdischen Völker bezogen). So müssen wir den Vers mit folgender Interpretation lesen: Lass dein Angesicht leuchten, damit wir den Messias erkennen, der die ganze Welt erlösen wird.
Im Anschluss erkennen wir wieder die positive Sicht auf das göttliche Gericht, über das die „Nationen“ sich freuen. Hier sind die „Nationen“ die Stämme Israels ( עַמִּ֥ים ammim), kann in der Mehrzahl aber auch allgemein alle Nationen der Erde bezeichnen. Die Stämme können dann endlich aufatmen, nachdem sie so viel Leid durch Fremdherrschaft und Tyrannei erleiden mussten. Gott bringt endlich die ersehnte Gerechtigkeit! Und wenn alle Völker gemeint sind, dann lesen wir hier die Erleichterung der ganzen Welt, da nun die Weltmission startet, durch die sie mit der erlösenden Botschaft Jesu Christi in Berührung kommen.
Der Psalm wird mit einem Segenswunsch abgeschlossen, der wiederum an den aaronitischen Segen von Num 6 anknüpft.
Die Psalmen bringen immer wieder zum Ausdruck, dass Gottes Erlösungsplan, der sich mit Jesus erfüllt hat, über die jüdischen Grenzen hinausgeht, aber v.a. dort beginnt.
Es ist ein Gebet, das wir uns so richtig aus dem Mund der Gemeinde Antiochias vorstellen können. Sie beten um den Segen für die kommende Mission und auch für die Menschen, die mit dem Evangelium in Kontakt treten werden.

Joh 12
44 Jesus aber rief aus: Wer an mich glaubt, glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat,
45 und wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat.
46 Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt.
47 Wer meine Worte nur hört und sie nicht befolgt, den richte nicht ich; denn ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten, sondern um die Welt zu retten.
48 Wer mich verachtet und meine Worte nicht annimmt, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich gesprochen habe, wird ihn richten am Jüngsten Tag.
49 Denn ich habe nicht von mir aus gesprochen, sondern der Vater, der mich gesandt hat, hat mir aufgetragen, was ich sagen und reden soll.
50 Und ich weiß, dass sein Auftrag ewiges Leben ist. Was ich also sage, sage ich so, wie es mir der Vater gesagt hat.

Im Evangelium geht es ebenfalls um Sendung, nämlich um die ursprüngliche, an die die Apostel lediglich anknüpfen: die Sendung des Sohnes durch den Vater. Jesus ist von seinem Vater gesandt worden. Dies erklärt er besonders im Johannesevangelium den Menschen. Er ist vom Vater auf die Erde gesandt worden und hat somit die höchste Autorität und Bevollmächtigung. Was er über Gott aussagt, ist absolut authentisch. Und wer an ihn glaubt, glaubt an den Sender. Denn Jesus und der Vater sind eins. Jesus ist die Auslegung Gottes in Person. Deshalb kann man Gottes Wesen erkennen, wenn man ihn anschaut.
Jesus sagt, dass er das Licht der Welt ist, durch das keiner mehr in der Finsternis bleiben muss. Er ist Licht als Orientierung, Wahrheit/Erkenntnis, Reinheit von der Sünde, Beginn des ewigen Lebens (mit dem Tagesanbruch wird es hell). Wenn Jesus diese Worte spricht, knüpft er an Jesaja an, der prophezeit hat: „Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein helles Licht (Jes 9,1).“ Er spricht hier also ein Stichwort aus, das für die Zuhörer ein Signal darstellt.
Jesus kritisiert die Haltung, das Wort zu hören, es aber nicht zu befolgen. Er kritisiert noch mehr, wenn man nicht einmal die Worte hören will. Er selbst ist es aber nicht, der richtet. Es ist das Wort selbst, das zum Richter wird. Wer sich nicht danach richtet, hat sich letztendlich selbst gerichtet – das heißt durch die eigene Entscheidung gegen Jesus schon das Urteil gewählt.
Jesus sagt, dass er in die Welt gekommen ist, um sie zu retten, nicht um sie zu richten. Das ist ein wichtiger Punkt: Das heißt nicht, dass jeder gerettet wird und wir hier dem zugrunde liegenden Text eine Allversöhnungslehre unterstellen können. Das bedeutet, dass Jesus alles tut, damit wir gerettet würden, bis zum Tod am Kreuz! Er ist nicht gekommen, um zu richten, weil die Zeit noch gar nicht da ist. Sein erstes Kommen durch die Menschwerdung hatte den Zweck, das Erlösungswerk zu vollbringen, das vor aller Zeit schon feststand. Das meint die Rede vom Retten. Er wird aber wiederkommen als verherrlichter Menschensohn am Ende der Tage und dann wird er die Welt richten. Und dann wird er nicht nach eigenem Gutdünken richten wie ein korrupter Richter, sondern der Maßstab ist ein ganz klarer – das Wort Gottes. Die Sache ist nur: Letztendlich IST er das Wort Gottes in Person und aus dieser Perspektive ist er es doch wieder persönlich, der richtet. Jesus macht hier aber die Abgrenzung, um zu betonen, dass die Richtschnur eine ganz objektive ist und er diese Richtschnur den Menschen klar und deutlich erklärt hat. Wenn sie dieses Wort hören und sich dennoch nicht daran halten, haben sie ihr Urteil schon gesprochen.
Wenn Jesus betont, dass er nichts Anderes sagt als das, was der Vater ihm aufgetragen hat, möchte er die Einheit von Vater und Sohn verdeutlichen. Alles, was Jesus sagt und tut, ist in Einklang mit dem Vater. Für die Juden ist das wichtig, weil wer in absoluter Übereinstimmung mit dem transzendenten Gott ist, der muss autoritär nicht nur ganz hoch angesehen werden, sondern auch absolut authentisch sein.
Jesus erklärt auch, was für ein Auftrag es ist: das ewige Leben. Wer sich also an Jesu Worte hält, für den steht dieses ewige Leben bereit.

All diese Worte spricht Jesus, bevor das letzte Abendmahl und die Leidensgeschichte beginnen. Es ist ein letzter Appell an die Menschen, bevor er seinen Weg der vollkommenen Vollendung antritt.

Die Texte fügen sich zusammen zu einem Sendungskorpus. Heute geht es um den Auftrag Gottes, die Verkündigung und die Rettung der Menschen. Wenn die Apostel im Namen Gottes auftreten und das Wort Gottes verkündigen, sprechen sie dasselbe authentisch aus, was Jesus gesprochen hat. Ihr Wort ist von höchster Autorität und Relevanz. Wer sich an die gehörte Verkündigung hält, der verhängt über sich schon ein positives Gerichtsurteil für das Ende der Zeiten, wenn Jesus wiederkommt.

Fragen wir uns selbst heute, ob wir nicht in manchen Bereichen unseres Lebens so sind, dass wir hören, aber nicht befolgen. Kehren wir um von falschen Haltungen und vom Ungehorsam und werden wir wieder zu Hörenden und Gehorsamen!

Ihre Magstrauss

Dienstag der 4. Osterwoche

Apg 11,19-26; Ps 87,2-3.4.5 u. 7; Joh 10,22-30

Apg 11
19 Bei der Verfolgung, die wegen Stephanus entstanden war, kamen die Versprengten bis nach Phönizien, Zypern und Antiochia; doch verkündeten sie das Wort nur den Juden.
20 Einige aber von ihnen, die aus Zypern und Kyrene stammten, verkündeten, als sie nach Antiochia kamen, auch den Griechen das Evangelium von Jesus, dem Herrn.
21 Die Hand des Herrn war mit ihnen und viele wurden gläubig und bekehrten sich zum Herrn.
22 Die Nachricht davon kam der Gemeinde von Jerusalem zu Ohren und sie schickten Barnabas nach Antiochia.
23 Als er ankam und die Gnade Gottes sah, freute er sich und ermahnte alle, dem Herrn treu zu bleiben, wie sie es sich im Herzen vorgenommen hatten.
24 Denn er war ein trefflicher Mann, erfüllt vom Heiligen Geist und von Glauben. So wurde für den Herrn viel Volk hinzugewonnen.
25 Barnabas aber zog nach Tarsus, um Saulus aufzusuchen.
26 Er fand ihn und nahm ihn nach Antiochia mit. Dort wirkten sie miteinander ein volles Jahr in der Gemeinde und lehrten eine große Zahl von Menschen. In Antiochia nannte man die Jünger zum ersten Mal Christen.

Wir hörten die letzte Woche ja vom ersten Märtyrer Stephanus und die mit seinem Martyrium einsetzende Jerusalemer Christenverfolgung. Durch diese kommen viele Christen in andere Orte, wo sie sich niederlassen. Unter anderem hören wir von Antiochia, was zum Basislager des Paulus bei seinen Missionsreisen wird. Auch dorthin kommen nun also Christen und verkünden das Evangelium Jesu Christi. Die Apostelgeschichte berichtet uns davon, dass die Evangelisierung zunächst bei den Juden geschieht. Es gibt aber auch schon erste Heidenmissionen in dieser Gegend.
„Die Hand der Herrn“ auf Menschen ist schon im Alten Testament eine Wendung für den Segen und Beistand Gottes. Es zeigt, dass die Christen vom Heiligen Geist geleitet werden und dass die Evangelisierung gottgewollt ist.
Antiochia entwickelt sich zu einer besonders großen und lebendigen Gemeinde, was bis nach Jerusalem vordringt. Von dort wird nun Barnabas nach Antiochia geschickt. Wir merken, dass die Jerusalemer Urgemeinde eine Vorrangstellung besitzt. Sie ist die erste Zentrale des Christentums, von wo aus die anderen Gemeinden verwaltet werden. Auch wird zu Paulus‘ Missionszeiten immer wieder eine Kollekte für jene Zentralgemeinde gesammelt.
Barnabas kommt nach Antiochia und freut sich über die Gnade Gottes. Das heißt, er freut sich über die Früchte, die er dort sieht und die er auf die Gnade Gottes zurückführt. Es bezieht sich auf den lebendigen Glauben und wohl auch auf die Menge an gläubiggewordenen Menschen. Wo sich Massen zu Christus bekennen, besteht die Gefahr eines oberflächlichen Glaubens. Der Geistliche kann dem einzelnen Christen nicht mehr so viel Aufmerksamkeit entgegenbringen, wie es bei einer kleineren Zahl möglich ist. So ermahnt Barnabas die Christen dazu, an dem versprochenen Bekenntnis der Taufe festzuhalten und nach der ersten Begeisterung nicht zu erkalten.
Barnabas ist ein sehr begnadeter Mensch, den Gott wirklich zum Werkzeug seines Heilsplans macht. Durch ihn kommen viele Menschen zum Glauben und die Gemeinde wächst noch weiter.
Doch er bleibt dabei nicht stehen. Er reist nach Tarsus, in die Heimatstadt des Paulus, wo dieser sich zurzeit aufhält. Barnabas holt ihn nach Antiochia, damit sie gemeinsam in der Gemeinde wirken können. Dort bleiben sie ein Jahr und evangelisieren. Antiochia ist der Ort, an dem man die Christusgläubigen das erste Mal Christen nennt.
Gestern hörten wir davon, dass zunehmend auch Heiden zum Glauben an Christus kommen und ihnen dieselben Gaben des Geistes zuteil werden wie den Juden. Die Apostel realisieren immer mehr, dass der Neue Bund Jesu Christi wirklich universal ist. Heute wird uns deutlich, dass trotz der zunehmenden Heidenmission die ersten Versuche in einer Gemeinde immer zuerst den Juden gelten. So wird auch Paulus bei seinen Missionsreisen immer zuerst zu den Synagogen gehen und erst bei Ablehnung den Heiden predigen. Es ist ein Vorgehen, der an Jesu Worte angelehnt ist: „Das Heil kommt von den Juden.“ Und dennoch ist es ein längerer Prozess, über das jüdische Denken, die bisherigen Horizonte und Vorannahmen hinauszugehen. Gerade die Frage der rituellen Reinheitsvorschriften wird die ersten Christen noch sehr beschäftigen und auch für Konflikte sorgen. Es wird vor allem beim Apostelkonzil von 48/49 ein Thema werden und auch die beiden Missionspartner Barnabas und Paulus zu einer heftigen Auseinandersetzung veranlassen (wenn es denn um das gemeinsame Essen geht und nicht um ein Problem mit Johannes Markus). Es ist alles im Werden und wir verfolgen mit Spannung diesen Prozess, der ganz vom Heiligen Geist begleitet wird. Auch wenn es Konflikte gibt und unterschiedliche Meinungen vorherrschen, setzt sich am Ende doch die Wahrheit durch. Das ist auf den Geist zurückzuführen, der in der Kirche lebt und wirkt.

Ps 87
1 Der HERR liebt seine Gründung auf heiligen Bergen,
2 die Tore Zions mehr als alle Stätten Jakobs.

3 Herrliches sagt man von dir, du Stadt unseres Gottes:
4 Ich zähle Rahab und Babel zu denen, die mich erkennen, auch das Philisterland, Tyrus und Kusch: Diese sind dort geboren.
5 Ja, über Zion wird man sagen: Ein jeder ist in ihr geboren. Er, der Höchste, gibt ihr Bestand!
7 Und sie werden beim Reigentanz singen: All meine Quellen entspringen in dir.

Heute beten wir einen der sogenannten Korachpsalmen, der Zion besingt. Das, was den Zionsberg so heilig macht, ist natürlich der darauf errichtete Tempel, in dem Gottes Herrlichkeit wohnt.
Insofern verstehen wir auch den Ausdruck „seine Gründung auf heiligen Bergen“. Gottes Haus selbst wird hier gegründet und er selbst hat Anteil an dessen Einwohnung. Wie diese konkret ausgesehen hat, wird uns bei der Einweihung des Offenbarungszeltes und nachher bei der festen Erbauung des Tempels in Jerusalem durch die Wolke deutlich, die sich auf den Ort legt. Der Mensch kann viel bauen und konstruieren. Erst wenn Gott sich dafür entscheidet, seine Herrlichkeit darauf zu legen, wird der Ort zu einem heiligen Ort.
Weil hier seine Wohnstatt ist, liebt Gott die Tore Zions auch mehr als alle anderen Stätten Israels. Zion ist ein Begriff, den wir nicht nur wörtlich begreifen wollen. Er ist für uns vor allem nicht mehr durch den Tempel als Wohnstatt Gottes wichtig. Vielmehr ist es der Ort des Osterereignisses. Christus hat hier die Erlösung für die ganze Welt erwirkt, indem er sich auf Golgota hingegeben hat bis auf den letzten Blutstropfen und am dritten Tag den Tod besiegt hat – in einem Garten aufersteht, dem Ort, der in der Genesis zum Ort des ewigen Todes geworden war (beim ersten Sündenfall). All das ist in Jerusalem passiert. Die Apostel, der engste Jüngerkreis Jesu, sowie die weiteren Jünger – all die Augenzeugen sind in der ersten Zeit dort versammelt. Der Zionsberg ist der Ort des Pfingstereignisses, von dem aus die Kirche mit Leben erfüllt wird. Es ist der Ort der ersten Gemeinde, die zentral ist für all jene Gemeinden, die danach entstehen (so wie Antiochia, von dem wir heute in der Lesung gehört haben). Jerusalem bleibt auch für die Christen wirklich die heilige Stadt, auch wenn nach der Zerstörung des Tempels die Bedeutung eine neue Dimension erhält. Schließlich wird aber auch zunehmend deutlich, dass mit Zion nicht mehr der irdische Ort gemeint ist, sondern jeder Altar, auf dem die Eucharistie gefeiert wird, stellt das neue Zion des Gottesreiches dar. Wo Jesus Wohnung nimmt in den eucharistischen Gaben, da ist Zion! Und das ultimative Zion erwartet uns in der Ewigkeit nach unserem Tod. Am Ende der Zeiten werden wirklich die Menschen von überall her zu diesem Zion kommen und Gott anbeten, der in ihrer Mitte wohnen wird im himmlischen Jerusalem.
In diesem mehrfachen Sinn dürfen wir auch die folgenden Verse betrachten. „Herrliches sagt man von dir, du Stadt unseres Gottes“ ist somit erst einmal wörtlich zu verstehen als Heilige Stadt wegen des Tempels, aber auch schon für die Juden der Ort der Endzeit. Schon Jesaja sieht die eschatologische Völkerwallfahrt zum Zion, die der Seher in der Johannesoffenbarung noch einmal sehen wird.
Wenn dann die Rede von Rahab und Babel ist, dann meint es zwei Orte. Rahab ist ja eigentlich der Name einer Frau, die zwei Kundschafter Josuas bei sich versteckt und somit rettet. Oft lesen wir in der Bibel, dass durch solche Namen eigentlich Codes ausgesagt werden, vor allem als Chiffren für Orte. Mit Rahab wird an dieser Stelle Ägypten umschrieben.
Es sagt aus, dass die anderen Orte Israel und den Zion und den Gott Israels anerkennen. Die Ägypter haben mit eigenen Augen spektakuläre Zeichen gesehen, durch die sie nicht anders können, als die Macht Gottes anzuerkennen, der auf dem Zion wohnt. Auch gerade die Philister haben große Wunder gesehen. Sie haben den Israeliten sogar die Bundeslade gestohlen, weil sie wegen ihr in den Schlachten gegen die Israeliten verloren haben.
Wenn wir über die Aussage nachdenken, dass man sagen wird: „Ein jeder ist in ihr geboren“, müssen wir wieder über den wörtlichen Sinn hinausgehen. Dahinter steht zunächst einmal die Vorstellung in der jüdischen Tradition, dass Jerusalem als Frau und Mutter betrachtet worden ist. Es ist die Mutter aller Völker und insofern ist die Wendung zu verstehen, dass alle in ihr geboren werden. Vor dem Hintergrund der Lesung erkennen wir die Mutterschaft Jerusalems noch viel tiefer. Sie ist Mutter des Christentums, denn hier ist die Kirche zum Leben erweckt worden an Pfingsten. Hier entsteht deshalb die erste Gemeinde, die in der weiteren Entwicklung eine Vorrangstellung erhält. Sie wird im ganzen römischen Reich von den verstreuten Gemeinden eine Kollekte einholen und von ihr aus werden die Apostel in die ganze Welt hinausgesandt. Die Kirche ist wirklich eine Mutter, denn in ihr werden die Menschen zu einer neuen Schöpfung wiedergeboren im Heiligen Geist. Dies geschieht in der Taufe. Und durch die vielen Heilsmittel nährt und tränkt die Kirche ihre Gläubigen, hegt und pflegt sie, erzieht sie, tröstet sie etc.
Bemerkenswert ist noch ein anderer Vers: „Der Höchste gibt ihr Bestand.“ Wir wissen ja, dass Jerusalem 70 n.Chr. von den Römern zerstört und vor allem vom Tempel nur noch eine Mauer übrigbleiben wird, die wir bis heute erhalten haben – die Klagemauer. Der Höchste, also Gott, gibt Jerusalem dennoch Bestand, nur auf eine ganz andere Weise, wie die Juden mit diesem Psalm angenommen haben. Es geht nun um die Kirche Jesu Christi, das neue Jerusalem. Dieses hat Bestand bis in die Ewigkeit, denn Jesus sagt in Mt 16: „Und die Mächte der Finsternis werden sie nicht überwältigen.“
Der Reigentanz deutet eine festliche Stimmung an und die Quellen, die in Zion entspringen, führen uns zurück zum Pfingstereignis. Dort ist der Ursprung von allem. Das neue Zion ist auch bis heute die Kraftquelle von allem. Wir können als Kirche nicht überleben, wenn wir nicht immer wieder zu dieser Quelle zurückkehren und aus ihr schöpfen. Die Eucharistie ist der Kern des ganzen kirchlichen Lebens. Wir brauchen den Leib Christi, denn wir sind der Leib Christi!

Joh 10
22 Um diese Zeit fand in Jerusalem das Tempelweihfest statt. Es war Winter

23 und Jesus ging im Tempel in der Halle Salomos auf und ab.
24 Da umringten ihn die Juden und fragten ihn: Wie lange hältst du uns noch hin? Wenn du der Christus bist, sag es uns offen!
25 Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, aber ihr glaubt nicht. Die Werke, die ich im Namen meines Vaters vollbringe, legen Zeugnis für mich ab;
26 ihr aber glaubt nicht, weil ihr nicht zu meinen Schafen gehört.
27 Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir.
28 Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen.
29 Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen.
30 Ich und der Vater sind eins.

Auch im Evangelium sickert diese Zionzentriertheit hindurch, wenn wir lesen, dass die heutige Rede Jesu, in der er das Hirtenthema wieder aufgreift, zur Zeit des Tempelweihfests stattfindet. Bei diesem Fest im Winter, das wir auch unter dem Begriff Chanukka kennen, gedenken die Juden der Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem.
Jesus ist wieder dort, denn er ist ein frommer Jude. Zu den Wallfahrtsfesten kann man ihn mit seinen Jüngern immer wieder in Jerusalem antreffen. So ist Jesus nun in der Halle Salomos, wo später dann Petrus eine Bekenntnisrede halten wird aufgrund der Heilung eines Gelähmten. Diese Halle ist wichtig, denn sie ist nach König Salomo benannt, der den ersten Tempel errichtet hat.
Die Juden stellen Jesus mal wieder auf die Probe, indem sie von ihm ein öffentliches Selbstbekenntnis fordern. Sie verstehen nicht, dass Jesus sie durch seine Taten, Worte und vor allem prophetischen Zeichenhandlungen darauf führt. Sie sollen von sich aus seine Messianität erkennen.
Und es ist nicht so, als ob er es nicht im Grunde schon längst offenbart hat. Deshalb sagt Jesus auch: „Ich habe es euch gesagt, aber ihr glaubt nicht.“ Taten sprechen mehr als tausend Worte. Jesu Verhalten schreit in jedem Moment danach: „Ich bin der Messias!“ Es macht Sinn, dass Jesus auf diese Weise seine Messianität offenbart. Hätte er sich hingestellt und einfach gerade heraus gesagt: „Ich bin der Messias“, hätte ihm erstens keiner geglaubt oder sich davon überzeugen lassen, zweitens wäre Jesus direkt festgenommen worden. Sein Weg ist die Erfüllung der Heiligen Schriften. Sie sind Zeugnis über ihn. Und gerade die Heilszeichen, die er im Namen seines Vaters vollbringt, bezeugen ihn.
Jesus greift hier noch einmal das Hirtenthema auf, denn er sagt: „Ihr aber glaubt nicht, weil ihr nicht zu meinen Schafen gehört.“ Das ist hier nicht so gemeint, dass Jesus sie ausschließen will. Es ist eher so, dass sie seine Schafe nicht sein wollen. Er bietet ihnen durch sein gesamtes öffentliches Wirken immer wieder einen Platz im Stall an, doch sie lehnen es ab durch ihre Verstocktheit.
Seine Schafe dagegen hören auf seine Stimme und folgen ihm. Es sind jene, die seine Jünger geworden sind. Jesus kennt seine Schafe. Die Zuhörer werden daraus geschlossen haben, dass er ihre Namen kennt oder woher sie kommen. Doch Jesus meint noch so viel mehr. Es schließt sich mit seinen Worten der Kreis zu den vielen prophetischen Worten des Alten Testaments, die Gottes absolute Kenntnis unserer Herzen umschreiben. So denken wir z.B. an Jes 44,24, wo es heißt: „So spricht der HERR, dein Erlöser, der dich von Mutterleib an geformt hat.“ Solcherlei Sätze gibt es viele bei Jesaja, Jeremia etc. Der Menschensohn kennt die Menschen durch und durch, weil er Gott ist.
Jesus gibt seinen Schafen das ewige Leben. Er kümmert sich nicht nur um das leibliche Wohl, sondern es geht vor allem um das Himmelreich. Dieses ermöglicht er den Menschen durch seine Hingabe am Kreuz. Das kündigt er mit solchen Worten schon an.
„Sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen.“ Das spricht Jesus über den Einzelnen, aber auch von der Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen. Er tut es, wenn er Petrus sagt, dass die Mächte der Finsternis sie nicht überwältigen werden. Wir haben diesen Gedanken vorhin schon bedacht.
Gott ist der Allmächtige und er siegt über die bösen Mächte. Er wird seine geliebten Kinder vor dem Bösen retten, die gerettet werden wollen. Wenn wir Gott sagen, wenn Jesus Gott sagt, meint er die Einheit von sich und dem Vater. Deshalb sagt er hier auch am Ende „ich und der Vater sind eins.“ Sie sind beide Gott. Wenn er von der Macht des Vaters spricht, ist es kein Widerspruch dazu, dass die Schafe SEINER Hand nicht entrissen werden.

Wie müssen wir das Evangelium zu den restlichen Texten in Beziehung setzen? Da, wo Jesus ist, da ist Zion. Ein anderes Bild für Zion ist hier im Evangelium das bereits am Sonntag und am Montag verwendete Hirtenbild. Zion ist der Schaftstall Gottes, der Zufluchtsort aller Schafe. Und dieser ist überall dort, wo Christus durch die Tür der Ewigkeit hindurch in diese Welt kommt bei der Wandlung von Brot und Wein in seinen Leib und sein Blut. Dort besiegelt sein kostbares Blut uns Menschen und richtet uns auf gegen die Angriffe des Widersachers. Jesus kommt auch in den Schafstall und in das Zion unseres Herzens, wo er sich um uns kümmern möchte. Dies geschieht, wenn wir ihn in der Eucharistie empfangen. Dann tränkt und nährt er uns, stärkt uns, sodass wir den Lebensweg mit neuer Kraft beschreiten können. So erhalten wir auch die Kraft, die Gebote Gottes zu halten, was mit dem Geführtwerden durch den Hirten umschrieben wird. Es ist unser moralischer Weg und zugleich der Lebensweg durch den Tod hindurch in die Ewigkeit.
Der Tempel des Leibes Jesu selbst wird durch seine Worte geweiht, aber erst mit dem Tod und der Auferstehung Christi.
Diese Tempelweihe, dieses Zion, dieses Jerusalem hängt nicht mehr von einem realen irdischen Ort ab, sondern ist überall da, wo der Leib Christi ist. In der Apostelgeschichte sind wir Zeugen von dieser Universalität auch in der Geographie christlicher Gemeinden geworden. Jerusalem ist immer noch der wichtigste Ort wegen der Auferstehung und dem Pfingstereignis. Und doch wird Christi Gegenwart nicht ausschließlich dort angenommen. Christengemeinden entstehen in der ganzen Welt. Danken wir den Herrn für den Zion – des Leibes Christi, unseres Herzens, unserer Kirche und für das endgültige Zion der Ewigkeit!

Ihre Magstrauss

Montag der 4. Osterwoche

Apg 11,1-18; Ps 42; 2-3; Ps 43,3.4; Joh 10,1-10

Apg 11
1 Die Apostel und die Brüder in Judäa hörten, dass auch die Heiden das Wort Gottes angenommen hatten.

2 Als nun Petrus nach Jerusalem hinaufkam, hielten ihm die gläubig gewordenen Juden vor:
3 Du bist bei Unbeschnittenen eingekehrt und hast mit ihnen gegessen.
4 Da begann Petrus, ihnen der Reihe nach zu berichten:
5 Ich war in der Stadt Joppe und betete; da hatte ich in einer Verzückung eine Vision: Eine Art Gefäß, das aussah wie ein großes Leinentuch, das, an den vier Ecken gehalten, auf die Erde heruntergelassen wurde, senkte sich aus dem Himmel und es kam bis zu mir herab.
6 Als ich genauer hinschaute, sah und betrachtete ich darin die Vierfüßler der Erde, die wilden Tiere, die Kriechtiere und die Vögel des Himmels.
7 Ich hörte auch eine Stimme, die zu mir sagte: Steh auf, Petrus, schlachte und iss!
8 Ich antwortete: Niemals, Herr! Noch nie ist etwas Unheiliges oder Unreines in meinen Mund gekommen.
9 Doch zum zweiten Mal kam eine Stimme vom Himmel; sie sagte: Was Gott für rein erklärt hat, nenne du nicht unrein!
10 Das geschah dreimal, dann wurde alles wieder in den Himmel hinaufgezogen.
11 Und siehe, gleich darauf standen drei Männer vor dem Haus, in dem wir wohnten; sie waren aus Cäsarea zu mir geschickt worden.
12 Der Geist aber sagte mir, ich solle ohne Bedenken mit ihnen gehen. Auch diese sechs Brüder zogen mit mir und wir kamen in das Haus jenes Mannes.
13 Er erzählte uns, wie er in seinem Haus den Engel stehen sah, der zu ihm sagte: Schick jemanden nach Joppe und lass Simon, der Petrus genannt wird, holen!
14 Er wird dir Worte sagen, durch die du mit deinem ganzen Haus gerettet werden wirst.
15 Als ich zu reden begann, kam der Heilige Geist auf sie herab, wie am Anfang auf uns.
16 Da erinnerte ich mich an das Wort des Herrn: Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet mit dem Heiligen Geist getauft werden.
17 Wenn nun Gott ihnen die gleiche Gabe verliehen hat wie uns, als wir zum Glauben an Jesus Christus, den Herrn, gekommen sind: Wer bin ich, dass ich Gott hindern könnte?
18 Als sie das hörten, beruhigten sie sich, priesen Gott und sagten: Gott hat also auch den Heiden die Umkehr zum Leben geschenkt.

Was wir heute hören, ist die Nachgeschichte eines zweiten Pfingstereignisses. Petrus war nach Cäsarea gerufen worden zu einem Gottesfürchtigen namens Kornelius. Gott hat ihn auf diese Begegnung vorbereitet, indem er ihm eine Vision geschenkt hat. Über diese berichtet Petrus den Juden in Jerusalem auch. Wir müssen bedenken, dass Jesus seinen Aposteln bereits klar und deutlich erklärt hat, dass die Erlösung universal ist und der neue Bund mit allen Menschen geschlossen wird. Doch so richtig scheint es ihnen erst jetzt klar zu werden, dass ihre jüdische Sichtweise vor allem bezüglich der kultischen Reinheitsgebote damit ein Ende findet.
Und so wie Petrus sich überwinden und sich von Gott eines Besseren belehren lassen musste, so betrifft es heute die Juden in Jerusalem. Als Petrus zu ihnen zurückkehrt, ist ihre erste Reaktion der Vorwurf, in das Haus von Unbeschnittenen eingekehrt zu sein und mit ihnen gegessen zu haben. Das widerspricht den jüdischen Regeln und da merken wir, dass sie trotz Erklärungen Jesu diesen noch ganz verhaftet sind.
Gott möchte sie auf das Heidenchristentum vorbereiten und so erzählt Petrus der Reihe nach von der Vision mit den unreinen Tieren, die Petrus essen soll, von den Worten Gottes, dass er entscheide, was rein sei, von der gleichzeitigen Eingebung des Kornelius in Cäsarea, der Petrus holen ließ, von Petrus‘ Predigt in dessen Haus, durch die der Heilige Geist auf die Anwesenden herabkam und sie in Sprachen sprechen ließ wie im Pfingsttag in Jerusalem.
Petrus schließt aus diesen Ereignissen, dass sie als Juden, die genau wissen, wo es langgeht, Gott wirken lassen müssen, der es besser weiß. Und wenn Gott nun auch die Heiden auf dieselbe Weise erfüllt und zur Taufe führen möchte, dann ist er der letzte, der das verhindern darf. Er beginnt zu begreifen, dass Jesus es absolut wörtlich meinte, als er sagte, dass er den Neue Bund für alle Menschen, also auch für Heiden schließen werde.
Nachdem die Jerusalemer das alles gehört haben, beruhigen sie sich. Sie lassen sich belehren und reagieren nicht stur wie die Hohepriester und Schriftgelehrten bei den Konflikten mit Jesus. Sie verstehen anhand der wunderbaren Zeichen Gottes, dass dieser es so will. Sie verstehen, dass etwas Neues passiert und über den jüdischen Tellerrand hinausgeht.
Schon der Äthiopier ist als Heide zum Glauben an Christus gekommen, ebenso die Samaritaner, die ja nicht als vollwertige Juden galten. Die Tendenz zum Heidenchristentum wächst.
Petrus steht bei all dem zwischen den Welten. Gott hat ihn zum Werkzeug der Einheit gemacht. Er ist es, der Judenchristen und Heidenchristen zusammenhält, der vermittelt und zusammenschweißt. Er ist wirklich ein Hirte, der die ganze Kirche stützt wie ein Fels. Jesus hat ihn ausersehen und durch den Hl. Geist wächst Petrus immer mehr über sich hinaus. Er erhält viele übernatürliche Gaben, um dieser großen Aufgabe gerecht zu werden. Es klappt nicht immer so, wie es soll, aber Gott schreibt auch in seinem Fall auf krummen Seiten gerade.

Ps 42/43
2 Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, nach dir, Gott.

3 Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann darf ich kommen und erscheinen vor Gottes Angesicht?
3 Sende dein Licht und deine Wahrheit; sie sollen mich leiten; sie sollen mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deinen Wohnungen.

4 So will ich kommen zu Gottes Altar, zum Gott meiner Freude und meines Jubels. Ich will dir danken zur Leier, Gott, du mein Gott.

Der Psalm reflektiert das lebendige Wasser des Hl. Geistes, der die Liebesglut Gottes ist. Er ist es, den unsere Seele so sehnlichst erwartet und der sie tränkt. Wie ein Hirsch nach frischem Wasser lechzt, so dürstet die Seele des Menschen nach Gott. Wir sind Abbild Gottes und sehnen uns immer nach unserem Schöpfer. Wir sind dazu geschaffen, ganz mit ihm in einer Liebesgemeinschaft zu sein. Und deshalb sucht der Mensch Gott immer bewusst oder unbewusst in seinem Leben. Und auch Gott wirbt lebenslänglich nach dem Menschen, er ruft und er zieht ihn. Es ist eine Grundaussage, die in der Apostelgeschichte konkret erfahren worden ist. Die Heiden in Cäsarea haben voller Durst nach diesem Wasser Petrus in ihr Haus aufgenommen. Sie haben voller Sehnsucht seine Worte aufgesogen wie einen Schwamm. Sie haben die Tore ihres Herzens ganz weit aufgerissen und so ist der Geist Gottes bereitwillig hineingezogen.
„Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“ Das ist eine absolute Entsprechung zum lebendigen Wasser, das wir trinken sollen. „Wann darf ich kommen und erscheinen vor Gottes Angesicht?“ – das ist besonders schmerzhaft zu beten bzw. sehr aktuell, da wir zwar in die Kirchen hineindürfen, es auch schon erste Lockerungen gibt, aber unter strengen Auflagen. Gottes Angesicht schauen zu dürfen, ist eine Sehnsucht, die der Mensch immer hat, auch wenn er es nicht merkt. Es kann moralisch auf den Stand der Gnade bezogen werden. Vor einigen Tagen beteten wir in einem anderen Psalm, dass Gott die Wege des Gerechten sieht. Das ist bildhaft gemeint und auch hier ist es dieses Gesehenwerden von Gott. Auf vollkommene und erfüllte Weise wird dies aber sein, wenn wir sterben und dann vor ihm stehen. Dann sieht nicht nur er uns, sondern auch wir ihn, wie er ist.
„Sende dein Licht und deine Wahrheit; sie sollen mich leiten“ – das Licht und die Wahrheit ist Jesus Christus. Dieser Vers ist absolut messianisch. Gott ist selbst zu uns gekommen, um uns zu leiten auf dem Weg, den er für uns bereitet hat. Er hat vorgelebt, wie wir die Gebote Gottes richtig umsetzen sollen, damit wir die Chance auf den heiligen Berg haben, das Himmelreich. Auch das Bild der Wohnungen ist darauf zu beziehen. Jesus sagt in seiner Abschiedsrede in Joh 14,1-2: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?“ Dieses Licht und diese Wahrheit leiten nun durch den Mund des Petrus auch die Heiden, die der Vater in gleichem Maße an sich zieht wie die Juden.
Was der Herr für uns getan hat bis hin zum Kreuz, ist ein lebenslanges Lob wert. Und so ist es elementar für uns Christen, zum Altar zu kommen, um dem Herrn zu danken – die Eucharistie, „Danksagung“ ist deshalb der Herzschlag der Kirche. Wenn sie ausbleibt, bleibt das Herz stehen und die Kirche stirbt. So lange sie aber gefeiert wird, werden die Mächte der Finsternis sie nicht überwältigen. Auch durch unseren Lebenswandel sollen wir immerzu dankbar sein. Gott schenkt uns so viel Gutes, doch oft sind wir versucht, nur den Mangel zu sehen, den wir dabei so oft selbst verschulden. Er lässt uns nicht im Stich und lässt uns auch nicht verdursten. Haben wir Vertrauen!

Joh 10
1 Amen, amen, ich sage euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber.
2 Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe.
3 Ihm öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.
4 Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme.
5 Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen.
6 Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte.
7 Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen.
8 Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört.
9 Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.
10 Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

Heute hören wir noch einmal das Evangelium vom guten Hirten. Diese Wiederholung kommt durch die Überschneidung der zwei verschiedenen Leseordnungen zustande (es gibt die Leseordnung der Sonn- und Feiertage sowie die Ordnung der Werktage). Deshalb kommen heute noch einmal dieselben Ausführungen, jedoch mit einem Seitenblick auf die bisherigen Texte des Tages.
Wer nicht geregelt durch die Tür geht, ist ein Dieb. Er hat nicht vor, den Schafen im Stall etwas zu essen oder zu trinken zu geben, sondern sie zu rauben und ihnen zu schaden.
Der Hirte kommt dagegen durch die Tür in den Stall. Er wird vom Türhüter hereingelassen und an seiner Stimme erkennen die Tiere, dass er es ist. Er weiß genau, wie jedes einzelne Schaf heißt und er führt sie auf die Weide hinaus. Er lässt sie dort aber nicht alleine, sondern geht ihnen voran. Die Stimme des Hirten ist entscheidend. Wenn ein Fremder versucht, die Herde irgendwohin zu treiben, wird es nicht funktionieren. Die Schafe hören gar nicht auf die fremde Stimme.
Jesus greift ganz bewusst so ein Bildfeld auf. Es ist sehr lebensnah für die Menschen, die dort anwesend sind und seiner Rede lauschen. Sie sind vertraut mit dem innigen Verhältnis von Hirt und Herde. Das Hirtenbild im Anschluss an Ps 42/43 verbindet sich heute nicht mit den grünen Auen wie gestern aufgrund von Ps 23, sondern wegen des lebendigen Wassers, das der gute Hirte den Menschen zu trinken gibt. Heute sind es die Schäfchen des Heidentums, die durch die Person des Petrus eigentlich von Christus selbst getränkt werden und in ihrem Durst große Schlücke davon nehmen.
Jesus erklärt dies, weil er der rechtmäßige Hirte ist, gesandt vom Vater. Er ist durch die Tür hineingekommen in den Stall. Es ist ein Bild für seine Menschwerdung: Durch die Tür der Geburt ist er in die Welt hineingeboren. Die Menschen, die die Schafe sind, kennen ihn. So viele Schriftstellen der jüdischen Bibel haben ihn vorausgesagt und angekündigt, was sich nun Schritt für Schritt mit seinem ganzen Dasein erfüllt – bis hin zu seinem Tod und seiner Auferstehung.
Es ist auch eucharistisch zu lesen, denn Jesus kommt als guter Hirte in jeder Heiligen Messe bei der Wandlung von Brot und Wein zu Leib und Blut durch die Tür der Ewigkeit in unsere Zeit. Wir erkennen ihn an seiner Stimme, die durch die Worte des Priesters am Altar erklingt: „Nehmet und esset, das ist mein Leib. Nehmet und trinket, das ist mein Blut.“
Jesus wird auch am Ende der Zeiten durch das Tor der Ewigkeit zurückkommen in unsere Welt, um das jüngste Gericht einzuberufen und seine Schafe auf die ewige Weide zu führen, die das Himmelreich ist.
Von sich grenzt er die Räuber ab, die den Schafen Böses wollen. Sie steigen woanders ein, das heißt sie haben nicht die göttliche Beauftragung und Sendung wie er. Sie sprechen nicht im Namen Gottes und haben auch eine ihm widerstrebende Botschaft. Der Räuber will die Schafe rauben und ihnen schaden. Die Schafe hören aber auch nicht auf den Fremden. Sie merken, dass da etwas nicht stimmt. So ist es mit jenen Gläubigen, die das Wort Gottes kennen und das Evangelium Jesu Christi in ihre Herzen eingeschrieben haben. Wenn sie ganz vertraut sind mit Gottes Lehre, wird ihnen auffallen, wenn jemand etwas anderes sagt. Die Alarmglocken werden angehen und sie werden auf diese falschen Messiasse nicht hören.
Die Anwesenden verstehen die Worte Jesu nicht. Er setzt dagegen wieder zum Sprechen an und bringt ein etwas abgewandeltes Wort: Er geht nicht nur durch die Tür, sondern er ist die Tür.
Wer durch ihn hindurchgeht, wird gerettet werden.
Seine Selbstoffenbarung lehrt uns zweierlei: Erstens ist er die Tür zu den Schafen. Wer also mit pastoralen Aufgaben betraut wird, muss ganz und gar von Christus und seinem Evangelium durchdrungen sein. Erst wenn er durch diese Christustür gegangen ist, kann er ein guter Hirte für jene sein, die er als Hirten-Nachfolger Christi hüten möchte. Er muss Christus ganz nachfolgen, indem er denselben Weg wählt wie Christus – durch die Tür, nicht durchs Fenster. Petrus ist selbst ganz erfüllt vom Heiligen Geist, der die Heiden in Cäsarea ganz durchdringt. Bevor es dieses heidnische Pfingsten geben konnte, mussten die Apostel selbst zu den Empfängern des pfingstlichen Geistes werden, der in ihnen das Feuer der Liebe entzündet und sie ganz durchtränkt mit dem lebendigen Wasser. So ist Petrus zu einem ganz gut ausgestatteten und auch von Gott selbst ausgesandten Hirten geworden, der nun die Herde vergrößert!
Das Zweite, das Jesu Gleichnis uns lehrt: Nur durch Christus hindurch können wir das ewige Leben haben. Wenn wird an ihn glauben und uns auf seinen Namen taufen lassen, nehmen wir die Erlösung an, die unser Exil vom Paradies bricht. Diese Tür der Taufe ist heilsnotwendig. Jesus sagt dann später: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wir können das ewige Leben nur durch die Christustür hindurch erhalten. Das Himmelreich ist hinter dieser Tür. Wir müssen aber nicht bis zum Lebensende warten, um durch sie hindurchzugehen. Wenn wir die Sakramente und Sakramentalien empfangen, gehen wir jedes Mal durch diese Tür. Das endgültige Hindurchschreiten wird uns schließlich am Ende der Zeiten erwarten, wenn der verherrlichte Menschensohn als Weltenrichter zurückkehren wird.
Weil die Taufe so heilsnotwendig ist und weil Jesus seinen Jüngern aufgetragen hat, alle Menschen zu taufen und sie zu seinen Jüngern zu machen, ist es Petrus‘ heilige Pflicht als Gesandter, in das Haus des Kornelius einzukehren und dort das Wort Gottes zu verkünden.

Was wir gestern und heute gehört haben, ist ganz entscheidend und aktuell auch für die heutige Zeit. Wenn wir wahrnehmen, dass immer weniger Menschen zur Heiligen Messe kommen, immer mehr Menschen aus der Kirche austreten, immer weniger überhaupt noch die Lehre der Kirche kennen und immer weniger Menschen daran glauben, dann hat Jesus mit dem heutigen Evangelium eine offensichtliche Antwort darauf: Wo sind die Hirten, die selbst ganz durchdrungen sind vom Heiligen Geist, die durch die Christustür gegangen und ein ganz persönliches Pfingsten erlebt haben? Wo sind die guten Hirten, die ihr Leben für die Schafe hingeben? Die Schafe sind zunehmend wie eine Herde ohne Orientierung, die nicht mehr richtig angeleitet wird. Und hier kommt die entscheidende Sache: Die Sehnsucht ist da. Sie ist kein bisschen erloschen, denn als Abbild Gottes sehnt sich der Mensch immer nach Gott. Der Durst des Menschen ist heute mindestens genauso groß wie damals. Doch wer geht hin und löscht diesen Durst mit dem lebendigen Wasser? Die Welt ist eine Wüste und umso voller sind die wenigen Oasen unserer Zeit. Wo es noch solche Hirten wie Jesus und in seiner Nachfolge Petrus gibt, da platzt der Ort aus allen Nähten. Die Menschen verstehen, dass sie hier endlich getränkt werden. Und eben jene guten Hirten werden eifersüchtig und missgünstig verfolgt von jenen, die keine guten Hirten sind. Das betrifft nicht nur die katholischen Gemeinden. Wir hören momentan die Schlagzeilen eines evangelischen Pastors, gegen den sogar Anzeige erstattet wird (ich denke, Sie wissen, wen ich meine….).

Beten wir dafür, dass der Heilige Geist das Antlitz der Erde neu mache und die Kirche erneuere. Beten wir um gute Hirten und um die Bekehrung der schlechten. Wie sehr wünsche ich ihnen von Herzen, dass auch sie ein ganz persönliches Pfingsten erleben und dadurch zu brennenden Glaubenszeugen werden! Beten, fasten und leiden wir für den Klerus, denn dieser trägt vor Gott eine ganz besondere Verantwortung!

Ihre Magstrauss

4. Sonntag der Osterzeit

Apg 2,14a.36-41; Ps 23,1-3.4.5.6; 1 Petr 2,20b-25; Joh 10,1-10

Heute geht es in den Sonntagslesungen um den guten Hirten. Zugleich feiern wir an diesem Ostersonntag jedes Jahr den Weltgebetstag um geistliche Berufungen. Er wird ganz bewusst immer am 4. Ostersonntag begangen, weil auch die Nachfolge Christi „hirtlich“, das heißt lateinisch „pastoral“ sein muss.

Apg 2
14 Da trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden:
36 Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Christus gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.
37 Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?
38 Petrus antwortete ihnen: Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung eurer Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.
39 Denn euch und euren Kindern gilt die Verheißung und all denen in der Ferne, die der Herr, unser Gott, herbeirufen wird.
40 Mit noch vielen anderen Worten beschwor und ermahnte er sie: Lasst euch retten aus diesem verdorbenen Geschlecht!
41 Die nun, die sein Wort annahmen, ließen sich taufen. An diesem Tag wurden ihrer Gemeinschaft etwa dreitausend Menschen hinzugefügt.

Heute am vierten Sonntag der Osterzeit hören wir erneut einen Ausschnitt aus der brennenden Pfingstrede des Petrus und die Reaktion der Anwesenden darauf.
Heute beendet er seine Rede, indem er erklärt:
„Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Christus gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.“ Ich habe schon öfter erklärt, was Petrus damit meint, wenn er die Zuhörer als Henker Jesu bezeichnet. Sie haben sich durch ihr „Kreuzige ihn“, durch das Manipuliertwerden und das Mitläufertum, durch die Verspottung des Ohnmächtigen am Kreuz mitschuldig gemacht.
Es geht ihm nicht darum, jemanden dadurch fertig zu machen. Er tut es vielmehr, damit die Menschen erkennen, wo sie gefehlt haben, und dadurch umkehren.
Und was er sagt, trifft sie mitten ins Herz. Sie erkennen vor dem Hintergrund der Heiligen Schrift, dass Jesus der angekündigte Messias ist. Sie realisieren, dass sie nicht mehr so leben können wie zuvor. Und deshalb fragen sie Petrus und die anderen Apostel:
„Was sollen wir tun, Brüder?“
Die Antwort ist klar: „Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung eurer Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“
Mit „Umkehr“ ist die gläubige Hinkehr zu Jesus Christus gemeint. Als äußeres Zeichen dieses Gekommenseins zum Glauben an ihn sollen sie sich taufen lassen. Jesus hat seinen Aposteln vor seiner Heimkehr zum Vater aufgetragen, alle Menschen zu seinen Jüngern zu machen und diese zu taufen. Petrus setzt also mit seiner Antwort gehorsam das um, was Jesus ihnen vorgegeben hat.
Die Taufe ist kein Zeichen der vorbereitenden Buße mehr wie bei Johannes dem Täufer. Es ist eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wer getauft wird, wird reingewaschen von seinen Sünden! Warum? Weil der Mensch auf den Tod Jesu Christi getauft wird und durch seinen Kreuzestod ist ja die Sühne für die Sünden aller Menschen erwirkt worden!
In diesem versöhnten Zustand sind sie dann empfängnisbereit für den Heiligen Geist, der ihnen in dem Sakrament geschenkt wird (man muss dazu sagen, dass Taufe und Firmung zunächst eins waren, aber natürlich wird der Hl. Geist einem schon allein bei der Taufe gespendet!). Dieser erwirkt die geistliche Wiedergeburt, denn die Getauften werden zum ewigen Leben bei Gott neugeboren.
Alle Menschen sind dazu berufen, dieses Heil zu empfangen, denn Jesus ist für sie alle gestorben.
So ermutigt Petrus die Zuhörerschaft, diesen Schritt zu unternehmen, unter anderem mit den Worten „Lasst euch retten aus diesem verdorbenen Geschlecht.“ Er meint damit die Menschheit der alten, gefallenen Natur. Diese hat nun die Chance, von diesem Zustand des ewigen Todes in das ewige Leben hinüberzugehen. Die Schwelle ist Jesus Christus, der Auferstandene von den Toten.
Petrus‘ Worte sind überzeugend. Dreitausend Menschen lassen sich an diesem einen Tag taufen! Der Geist Gottes hat am Pfingsttag vielen Menschen die Augen geöffnet!

Ps 23
1 Ein Psalm Davids. Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen.
2 Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
3 Meine Lebenskraft bringt er zurück. Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, getreu seinem Namen.
4 Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab, sie trösten mich.
5 Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, übervoll ist mein Becher.
6 Ja, Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang und heimkehren werde ich ins Haus des HERRN für lange Zeiten.

Heute beten wir den berühmten Psalm 23. Er passt perfekt zur Lesung, weil in diesem Vertrauenspsalm Gott als Hirte beschrieben wird. Immer wieder hören wir im AT davon, dass Gott sich als König für seine auserwählte Herde, sein Volk Israel, einen Hirten ausgesucht hat. Der König über die zwölf Stämme soll Gottes Stellvertreter in Israel sein. Er soll mit derselben Mentalität herrschen wie Gott es tut, nämlich als sorgender Diener aller. Das verkörpert auch der leidende Gottesknecht im Buch Jesaja, den die Kirche von Anfang an mit Jesus Christus identifiziert hat. Und auch Jesus selbst sagt im Johannesevangelium: „Ich bin der gute Hirte.“ Und zugleich mahnt er an: „Wer von euch der Erste sein will, soll der Diener aller sein.“ David hat diesen Psalm selbst gedichtet und man spürt, dass er diese Haltung selbst ganz gelebt hat. Gottes wunderbare Vorsehung hat alles so gefügt, dass er tatsächlich einen Hirten zum König erwählt hat.
Gott ist unser Hirte, der uns alles gibt, was wir brauchen. Es mangelt uns an nichts, wenn wir zuerst sein Reich suchen. Das sagt Jesus später nicht umsonst. Es ist vor dem Hintergrund des Psalms absolut nachvollziehbar. Gott lässt uns, seine Schafe, auf grünen Auen lagern. Er führt uns nicht ins Verderben, sondern nährt uns immer ausreichend, damit wir auf dem Weg durchs Leben hin zu ihm nicht zugrunde gehen. Auch wenn es zeitweise Wüstenlandschaften sind und nicht die grünen Auen, ist es für uns heilsam, damit wir die Auen wieder mehr zu schätzen lernen, in unserem Glauben gestärkt und in unserer Wachsamkeit geschärft werden. Konkret heißt das, dass Gott uns mit allen irdischen Gaben (Finanzen, Gesundheit, Nahrung und sauberes Trinkwasser, Frieden, Erfolg etc.), aber auch mit allen überirdischen Gaben ausstattet, die wir durch die Heilsmittel der Kirche erhalten. Dazu gehören die Sakramente, allen voran die Eucharistie, und die Sakramentalien, durch die er uns den Hl. Geist senden möchte. Nicht umsonst betet David zuerst „er lässt mich lagern auf grünen Auen“ und dann „und führt mich zum Ruheplatz am Wasser“. Es sind einerseits zwei Bilder für das Essen und Trinken des Menschen, andererseits die Bilder für die wichtigsten überirdischen Güter – die Eucharistie und der Hl. Geist, das lebendige Wasser.
Gott bringt die Lebenskraft zurück. Das hebräische Stichwort ist an dieser Stelle wie so oft nefesch. Gott bringt das ganze Leben zurück. Wir dürfen es sowohl moralisch als auch anagogisch verstehen, das heißt einerseits die Rückführung in den Stand der Gnade und zugleich die Rettung des ewigen Lebens. Vor allem die moralische Ebene wird uns klar, wenn wir danach lesen: „Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit.“
Selbst der Psalm 23 greift die Situation auf, dass es nicht immer die ruhigen grünen Auen sind, auf denen die Herde sich bewegt, sondern auch mal das finstere Tal. So ist das Leben. Es gibt nicht nur schöne Tage, sondern auch die Krisen und dunklen Stunden. Doch selbst da begleitet Gott einen hindurch und hinaus. David selbst hat dunkle Stunden gehabt, doch gerade in diesen hat er sich umso mehr an Gott geklammert. Er wusste, wie entscheidend sich die Qualität eines Hirten in finsteren Tälern herausstellte. Er wusste auch, wie sicher sich ein Schaf bei einem guten Hirten fühlen konnte. Er ist in dieser Hinsicht nicht nur der Typos des guten Hirten Christus, sondern auch des Lammes Gottes, das sich ganz und gar in die Hände Gottes übergab und selbst am Kreuz noch betete: „Vater, in deine Hände lege ich mein Leben.“ Von David können wir das absolute Gottvertrauen lernen und mit ihm zusammen beten: „Dein Stock und dein Stab trösten mich.“
Gott beschenkt uns, seine Kinder. Er hat nur Gutes für uns bereit. All der Segen Gottes wird hier mit verschiedenen Bildern umschrieben wie dem Decken des Tisches, dem Salben des Hauptes und dem übervollen Becher. All dies können wir zusammenfassen mit den darauffolgenden Worten: „Ja, Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang.“
Ins Haus des Herrn heimzukehren, bedeutet in diesem Kontext wörtlich den Tempel Gottes, der zu Davids Zeiten noch in Form des Offenbarungszeltes bestand. Wir lesen dies allegorisch weiter als das Reich Gottes und die Kirche. Moralisch verstehen wir damit unsere eigene Seele, die der Tempel Gottes ist und von wo aus die Entscheidungen zu einem Verhalten nach seinen Geboten getroffen werden. Schließlich kehren wir am Ende unseres Lebens heim in das Haus Gottes, den Himmel.

1 Petr 2
20 Wenn ihr aber recht handelt und trotzdem Leiden erduldet, das ist eine Gnade in den Augen Gottes.
21 Dazu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt.
22 Er hat keine Sünde begangen und in seinem Mund war keine Falschheit.
23 Als er geschmäht wurde, schmähte er nicht; als er litt, drohte er nicht, sondern überließ seine Sache dem gerechten Richter.
24 Er hat unsere Sünden mit seinem eigenen Leib auf das Holz des Kreuzes getragen, damit wir tot sind für die Sünden und leben für die Gerechtigkeit. Durch seine Wunden seid ihr geheilt.
25 Denn ihr hattet euch verirrt wie Schafe, jetzt aber habt ihr euch hingewandt zum Hirten und Hüter eurer Seelen.

Das Hirtenthema des heutigen Sonntags begleitet uns auch durch die zweite Lesung. Bei diesem Abschnitt handelt es sich um einen hymnenartigen Bekenntnistext, der gerne als Christuslied bezeichnet wird.
Petrus sagt, dass ein Leiden, das man unverdient erleiden muss (was man also nicht aus Konsequenz eigener Sünde, sondern vielmehr aufgrund des Glaubens an Christus erleidet), sehr viel Gnade bringt. Wir Getauften sind dazu berufen, Christus nachzufolgen, gleichsam seinen Spuren nachzugehen und diese führen unweigerlich nach Golgota. Christus hat für uns gelitten, damit wir überhaupt die Kraft haben, unser Kreuz durch den Tod hindurch zu tragen und in die Ewigkeit zu gelangen.
Jesus selbst ist gerecht und musste dennoch sehr schlimm leiden. Er ist ohne Sünde und doch wurde er geschmäht. Jesus wurde physisch, psychisch und seelisch sehr gequält. Er hat seinen Verfolgern aber in keinem Augenblick seines Lebens etwas Böses gewünscht, sondern noch am Kreuz für sie gebetet (Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun). Er hat alles dem Richter überlassen und noch um ein mildes Urteil gebeten.
Er hat Übermenschliches getan, als er die Sünden der gesamten Menschheit bis ans Kreuz mitgenommen hat für unser ewiges Leben. Er hat alle nur erdenklichen Wunden erlitten, damit unsere Wunden geheilt werden mögen. Dank ihm konnten wir getauft werden und somit der Sünde und dem ewigen Tod sterben. Wir leben nun für ihn, der das ewige Leben ist.
Die Menschen sind wirklich wie eine zerstreute Schafsherde gewesen, die keinen Hirten hatte. Doch Christus ist der gute Hirte, der unsere Seelen hütet wie einen Augapfel. Er hat erwirkt, dass unsere Seelen nicht sterben (Hölle), sondern ewig bei Gott sein werden (Himmel). Darin ist er uns gegenüber wie ein Hirte. Er ist Hüter unserer Seelen und darin sollen es die Nachfolger seiner Apostel gleich tun. Denn das griechische Wort für „Hüter“ ist ἐπίσκοπος episkopos. Es ist dasselbe Wort für „Bischof.“ Sie sind es, die Jesus nachahmen sollen in seinem Hirtencharakter. Sie sollen keine Tyrannen sein, die ihre Schäfchen unterdrücken, sondern sie sollen ihr Leben für die Schafe hingeben. Sie sollen so sein wie Gott, der wunderbare Hirte aus Psalm 23.

Joh 10
1 Amen, amen, ich sage euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber.
2 Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe.
3 Ihm öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.
4 Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme.
5 Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen.
6 Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte.
7 Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen.
8 Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört.
9 Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.
10 Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

Und Jesus selbst offenbart sich als Hirte heute im Evangelium. Seine Rede heute ist voll von dem Bildfeld „Hirte, Stall, Herde“.
Wer nicht geregelt durch die Tür geht, ist ein Dieb. Er hat nicht vor, den Schafen im Stall etwas zu essen oder zu trinken zu geben, sondern sie zu rauben und ihnen zu schaden.
Der Hirte kommt dagegen durch die Tür in den Stall. Er wird vom Türhüter hereingelassen und an seiner Stimme erkennen die Tiere, dass er es ist. Er weiß genau, wie jedes einzelne Schaf heißt und er führt sie auf die Weide hinaus. Er lässt sie dort aber nicht alleine, sondern geht ihnen voran. Die Stimme des Hirten ist entscheidend. Wenn ein Fremder versucht, die Herde irgendwohin zu treiben, wird es nicht funktionieren. Die Schafe hören gar nicht auf die fremde Stimme.
Jesus greift ganz bewusst so ein Bildfeld auf. Es ist sehr lebensnah für die Menschen, die dort anwesend sind und seiner Rede lauschen. Sie sind vertraut mit dem innigen Verhältnis von Hirt und Herde.
Jesus spricht diese Worte im Anschluss an die Auseinandersetzungen mit den Juden von Jerusalem, die den geheilten Blindgeborenen aus der Synagoge hinausgestoßen haben. Sie wollen Jesu Worte nicht annehmen.
Sie haben ganz und gar nicht als gute Hirten gehandelt, sondern den armen Mann ausgeschlossen. Sie haben kein inniges Verhältnis zu ihren anvertrauten Gläubigen. Leider verstehen sie überhaupt gar nicht, was in dieser Situation richtig wäre, halten sich aber für wissend.
Jesus bringt dieses Bild nun an, um zu zeigen, wie sein inniges Verhältnis zu seinen Gläubigen ist. Der ausgestoßene Geheilte schließt sich Jesus an. Er wird zu einem Schaf in Jesu Stall. Jesu Schafe hören auf seine Stimme. Er ist der rechtmäßige Hirte, weil er vom Vater selbst gesandt worden ist. Er ist durch die Tür hineingekommen in den Stall. Es ist ein Bild für seine Menschwerdung: Durch die Tür der Geburt ist er in die Welt hineingeboren. Die Menschen, die die Schafe sind, kennen ihn. So viele Schriftstellen der jüdischen Bibel haben ihn vorausgesagt und angekündigt, was sich nun Schritt für Schritt mit seinem ganzen Dasein erfüllt – bis hin zu seinem Tod und seiner Auferstehung.
Es ist auch eucharistisch zu lesen, denn Jesus kommt als guter Hirte in jeder Heiligen Messe bei der Wandlung von Brot und Wein zu Leib und Blut durch die Tür der Ewigkeit in unsere Zeit. Wir erkennen ihn an seiner Stimme, die durch die Worte des Priesters am Altar erklingt: „Nehmet und esset, das ist mein Leib. Nehmet und trinket, das ist mein Blut.“
Jesus wird auch am Ende der Zeiten durch das Tor der Ewigkeit zurückkommen in unsere Welt, um das jüngste Gericht einzuberufen und seine Schafe auf die ewige Weide zu führen, die das Himmelreich ist.
Von sich grenzt er die Räuber ab, die den Schafen Böses wollen. Sie steigen woanders ein, das heißt sie haben nicht die göttliche Beauftragung und Sendung wie er. Sie sprechen nicht im Namen Gottes und haben auch eine ihm widerstrebende Botschaft. Der Räuber will die Schafe rauben und ihnen schaden. Die Schafe hören aber auch nicht auf den Fremden. Sie merken, dass da etwas nicht stimmt. So ist es mit jenen Gläubigen, die das Wort Gottes kennen und das Evangelium Jesu Christi in ihre Herzen eingeschrieben haben. Wenn sie ganz vertraut sind mit Gottes Lehre, wird ihnen auffallen, wenn jemand etwas anderes sagt. Die Alarmglocken werden angehen und sie werden auf diese falschen Messiasse nicht hören. Als solche Räuber deutet Jesus eben jene an, die den Blindgeborenen so schlecht behandelt haben. Sie wollen seinen Glauben mit Füßen zertreten, der viel mehr erkannt hat als sie (nämlich dass nur der Messias im Stande sein könnte, einen Blindgeborenen zu heilen). Er hat ihnen gegenüber sogar das Wort Gottes zitiert, das ganz deutlich Jesu Messianität bestätigt. Doch diese Menschen stießen ihn hinaus.
Die Anwesenden verstehen die Worte Jesu nicht. Er setzt dagegen wieder zum Sprechen an und bringt ein etwas abgewandeltes Wort: Er geht nicht nur durch die Tür, sondern er ist die Tür.
Wer durch ihn hindurchgeht, wird gerettet werden. Für den Blindgeborenen ist klar: Wo sich eine Tür geschlossen hat, öffnet sich diese wahre Tür für ihn – Jesus Christus.
Seine Selbstoffenbarung lehrt uns zweierlei: Erstens ist er die Tür zu den Schafen. Wer also mit pastoralen Aufgaben betraut wird, muss ganz und gar von Christus und seinem Evangelium durchdrungen sein. Erst wenn er durch diese Christustür gegangen ist, kann er ein guter Hirte für jene sein, die er als Hirten-Nachfolger Christi hüten möchte. Er muss Christus ganz nachfolgen, indem er denselben Weg wählt wie Christus – durch die Tür, nicht durchs Fenster.
Das Zweite, das es uns lehrt: Nur durch Christus hindurch können wir das ewige Leben haben. Wenn wir an ihn glauben und uns auf seinen Namen taufen lassen, nehmen wir die Erlösung an, die unser Exil vom Paradies bricht. Diese Tür der Taufe ist heilsnotwendig. Jesus sagt dann später: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wir können das ewige Leben nur durch die Christustür hindurch erhalten. Das Himmelreich ist hinter dieser Tür. Wir müssen aber nicht bis zum Lebensende warten, um durch sie hindurchzugehen. Wenn wir die Sakramente und Sakramentalien empfangen, gehen wir jedes Mal durch diese Tür. Das endgültige Hindurchschreiten wird uns schließlich am Ende der Zeiten erwarten, wenn der verherrlichte Menschensohn als Weltenrichter zurückkehren wird.
Ein guter Hirte möchte nur das beste für seine Schafe. Der Dieb möchte ihnen dagegen schaden. Jesus beschreibt sich ganz mit den Eigenschaften Gottes in Psalm 23. Es ist wirklich eine Bestätigung dessen, dass König David bei der Komposition seines Psalms vom Heiligen Geist erfüllt worden ist – 1000 Jahre vor Christi Geburt! Und nun ist der Messias da und bestätigt all jene guten Eigenschaften Gottes, der seine Herde auf grüne Auen führen, an Quellen des Wassers führen möchte, den Tisch vor den Augen der Feinde decken, den Becher reichlich füllen möchte und selbst durch das finstere Tal des Todes hindurch den Menschen unversehrt ins Himmelreich führen möchte.

Heute lernen wir viel vom pastoralen Wesen des Vaters und des Sohnes. Wir lernen aber auch, wie die Nachfolger eines solchen guten Hirten sein müssen, wenn sie ihm nachahmen wollen. Beide Seiten gehören zu der einen Medaille und alles ist eingebettet in das freudige Osterereignis, das für uns den Grund für die felsenfeste Hoffnung darstellt. Beten wir um Menschen, die bereit sind, durch jene Christustür zu gehen und selbst zu Hirten der Schafe zu werden, damit die Herde niemals ohne Hirt bleibt. Beten wir um heilige Priester, die ganz durchdrungen sind vom Evangelium und die bereit sind, ihr Leben für die Herde hinzugeben, den Spuren Jesu nachzugehen bis nach Golgota. Und beten wir für die Geistlichen, die uns schon geschenkt worden sind. Mögen sie immer mehr Christus ähnlich werden und ihre Berufung wirklich ernst nehmen. Wir haben einen großen Anteil daran, denn ohne unser Gebet sind sie verloren.

Ihre Magstrauss

Freitag der 3. Osterwoche

Apg 9,1-20; Ps 117,1.2; Joh 6,52-59

Heute am 1. Mai feiern wir Josef den Arbeiter. Doch in diesen Tagen hören wir aus der Brotrede Jesu, die so wichtig ist, dass wir deshalb die Lesungen des Tages nehmen. Gestern am Fest der Heiligen Katharina haben wir sie ja schon unterbrochen.

Apg 9
1 Saulus wütete noch immer mit Drohung und Mord gegen die Jünger des Herrn. Er ging zum Hohepriester
2 und erbat sich von ihm Briefe an die Synagogen in Damaskus, um die Anhänger des Weges Jesu, Männer und Frauen, die er dort finde, zu fesseln und nach Jerusalem zu bringen.
3 Unterwegs aber, als er sich bereits Damaskus näherte, geschah es, dass ihn plötzlich ein Licht vom Himmel umstrahlte.
4 Er stürzte zu Boden und hörte, wie eine Stimme zu ihm sagte: Saul, Saul, warum verfolgst du mich?

5 Er antwortete: Wer bist du, Herr? Dieser sagte: Ich bin Jesus, den du verfolgst.
6 Steh auf und geh in die Stadt; dort wird dir gesagt werden, was du tun sollst!
7 Die Männer aber, die mit ihm unterwegs waren, standen sprachlos da; sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemanden.
8 Saulus erhob sich vom Boden. Obwohl seine Augen offen waren, sah er nichts. Sie nahmen ihn bei der Hand und führten ihn nach Damaskus hinein.
9 Und er war drei Tage blind und er aß nicht und trank nicht.
10 In Damaskus lebte ein Jünger namens Hananias. Zu ihm sagte der Herr in einer Vision: Hananias! Er antwortete: Siehe, hier bin ich, Herr.
11 Der Herr sagte zu ihm: Steh auf und geh zu der Straße, die man Die Gerade nennt, und frag im Haus des Judas nach einem Mann namens Saulus aus Tarsus! Denn siehe, er betet
12 und hat in einer Vision gesehen, wie ein Mann namens Hananias hereinkommt und ihm die Hände auflegt, damit er wieder sieht.
13 Hananias antwortete: Herr, ich habe von vielen gehört, wie viel Böses dieser Mann deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat.
14 Auch hier hat er Vollmacht von den Hohepriestern, alle zu fesseln, die deinen Namen anrufen.
15 Der Herr aber sprach zu ihm: Geh nur! Denn dieser Mann ist mir ein auserwähltes Werkzeug: Er soll meinen Namen vor Völker und Könige und die Söhne Israels tragen.
16 Denn ich werde ihm zeigen, wie viel er für meinen Namen leiden muss.
17 Da ging Hananias hin und trat in das Haus ein; er legte ihm die Hände auf und sagte: Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Weg, den du gekommen bist, erschienen ist; du sollst wieder sehen und mit dem Heiligen Geist erfüllt werden.
18 Sofort fiel es wie Schuppen von seinen Augen und er sah wieder; er stand auf und ließ sich taufen.
19 Und nachdem er etwas gegessen hatte, kam er wieder zu Kräften. Einige Tage blieb er bei den Jüngern in Damaskus;
20 und sogleich verkündete er Jesus in den Synagogen: Dieser ist der Sohn Gottes.

In der Lesung hören wir von der wunderbaren Bekehrung des Paulus/Saulus. In der Osterzeit hören wir ja immer einen Ausschnitt aus der Apostelgeschichte und da ist uns neulich bereits angedeutet worden, dass mit der Tötung des Stephanus gleichsam eine Christenverfolgung in Jerusalem begann. Dort wurde schon gesagt, dass Saulus einen großen Anteil daran hat. Heute hören wir, dass er mittlerweile die Christen im Hl. Land und rings umher verfolgt, weil er meint, Gott damit einen heiligen Dienst zu leisten (vgl. Joh 16,2). Er versucht sogar, mehr Systematik in die Tötung der Christen zu erlangen, indem er beim Hohepriester um Briefe für die Synagogen in Damaskus erbittet, damit auch dort die Christen festgenommen und in Jerusalem verurteilt würden.
Dann passiert etwas, das sein ganzes Leben ändern wird: „Ein Licht vom Himmel umstrahlte“ ihn. Alles, was himmlisch ist, wird von Visionären und Mystikern voller Licht beschrieben. Es ist die Gnade und Herrlichkeit Gottes, die heller ist als jegliches irdische Licht. Deshalb ist die Lichtmetapher auch so verbreitet für den Messias und in den vielen Himmelsvisionen des Alten und Neuen Testaments.
Er stürzt zu Boden, was ebenfalls eine typische Manifestation der Gegenwart Gottes ist. Wir kennen das aus charismatischen Kreisen. Dort fallen auch Menschen zu Boden, weil sie keine Kontrolle mehr über ihren Körper haben. Sie werden nicht ohnmächtig, sondern für einen kurzen Moment gelähmt. Das ist weder etwas Gutes noch etwas Schlechtes, sondern einfach die Reaktion eines schwachen Menschen auf die überwältigende Kraft des Hl. Geistes. Und dann spricht Jesus zu ihm. Er fragt ihn gerade heraus: „Warum verfolgst du mich?“ So ist der Herr. Er konfrontiert uns mit einer Frage, damit wir uns selbst hinterfragen. Er hat dies vor dem Hohen Rat getan, als der Diener des Hohepriesters ihm ins Gesicht geschlagen hat („Warum schlägst du mich?“). Dabei ruft er Saulus auch beim Namen. Dadurch fühlt er sich nicht nur persönlich angesprochen, sondern weiß auch, dass Jesus ihn kennt. Er wird sich in dem Moment ganz und gar durchschaut gefühlt haben.
Auf die Frage hin, wer er sei, antwortet Jesus ihm: „Ich bin Jesus, den du verfolgst.“ Er sagt nicht: „Ich bin Jesus, dessen Jünger du verfolgst.“ Das ist wichtig. Jesus hat einmal erklärt, dass was wir den geringsten Brüdern getan haben, wir ihm getan haben und umgekehrt. Derjenige, den Saulus also am meisten verletzt, ist Jesus selbst.
Jesus fordert den Christenverfolger auf, nach Damaskus zu gehen, wo ihm alles Weitere aufgetragen werde. Die Begleiter des Saulus müssen total irritiert sein, weil sie Jesu Stimme hören, jedoch nichts sehen.
Sie merken aber, dass etwas passiert sein muss, denn Saulus ist blind. Das Licht der Herrlichkeit Gottes hat ihn so geblendet, dass er nichts sehen kann. Er muss nach Damaskus geführt werden. Insgesamt hat die Begegnung mit Jesus ihre Folgen. Er kann drei Tage weder etwas sehen noch etwas zu sich nehmen. Auch dies ist eine Manifestation des Hl. Geistes. Viele Menschen berichten, dass sie bei Exerzitien oder anderen geistlichen Veranstaltungen kaum etwas essen, weil sie kein Hungergefühl oder keinen Appetit verspüren.
Gott führt daraufhin Saulus mit einem Christen namens Hananias zusammen so wie an anderer Stelle Petrus und Kornelius. Gott bereitet den Jünger darauf vor, dem großen Christenverfolger die Hände aufzulegen, damit er wieder sieht. Er hakt beim Herrn nach, weil er nur Schlimmes von Saulus gehört hat, doch Gott ermutigt ihn. Er kündigt Hananias an, dass Saulus noch ein großes Werkzeug Gottes werden würde. Er wird dabei den Christus nicht nur den „Söhnen Israels“ bringen, sondern gerade den „Völkern“.
Hananias gehorcht dem Herrn und geht zur Unterkunft des Saulus. Er legt ihm die Hände auf, was eventuell schon auf einen sakramentalen Akt hinweist (Hananias ist wahrscheinlich geweiht, also Diakon, Priester oder Bischof). Denn bei der Gabe des Hl. Geistes kann er wieder sehen, steht auf und lässt sich taufen. Dieses „wie Schuppen von den Augen“ können wir mehrfach verstehen. Der Geist Gottes hat ihm die biologischen Augen geöffnet, aber dadurch, dass er sich sofort taufen lässt, müssen auch die Augen seines Glaubens geöffnet worden sein. Er wird erkannt haben, dass er sein bisheriges Leben falsch gelebt hat. Nun kann er auch wieder essen und zu Kräften kommen. Er verbringt noch einige Tage bei der Gemeinde in Damaskus und beginnt sehr schnell mit der Verkündigung Jesu Christi in den Synagogen. Man muss sich vorstellen, wie verwirrt die dort Ansässigen gewesen sein mussten, dass der eifrige Christenverfolger, der ein richtiger Prominenter war, plötzlich FÜR Christus gesprochen hat.
So groß ist Gottes Gnade. Er kann in einem kurzen Moment unser ganzes Leben auf den Kopf stellen und aus dem größten Sünder den begeistertsten Jünger machen. Das Problem ist, dass Menschen das oft nicht anerkennen und immer noch den alten Menschen sehen. Sie haben einen schon längst in eine bestimmte Schublade gesteckt und einen Stempel aufgedrückt. Sie werden einen unter Umständen ewig als diesen alten Menschen betrachten, so als ob man sich nicht ändern könne. Gott ist aber anders. Er sieht immer das Potenzial und möchte dieses immer aus uns herauskitzeln, uns zu echten Diamanten schleifen, zu wunderbaren Werkzeugen seines Heils. Freuen wir uns heute darüber, dass Saulus alias Paulus sich bekehrt hat! Ohne ihn wären wir womöglich gar keine Christen geworden. Die Heidenmission ist größtenteils ja ihm zu verdanken.

Ps 117
1 Lobt den HERRN, alle Völker, rühmt ihn, alle Nationen!

2 Denn mächtig waltet über uns seine Huld, die Treue des HERRN währt in Ewigkeit. Halleluja!

Der heutige Psalm ist sehr kurz. Er besteht aus nur zwei Versen. Er ist betitelt mit „Aufruf an alle Völker zum Lob Gottes“. Genau darin knüpft er an die Bekehrung des Paulus an. Wir, die wir im Grunde zu den sogenannten „Heidenchristen“ gehören, die also nicht zuvor Juden waren, haben allen Grund, Gott zu loben. Er hat Paulus zum Werkzeug der Heidenmission eingesetzt, sodass der Glaube in unseren Breitengraden überhaupt ankommen konnte. Auch wenn er nicht direkt hier gewirkt hat, hat Paulus die Weichenstellungen gesetzt. Hier lesen wir die Aufforderung zum Lob an die heidnischen Völker, das hebräische Wort גֹּויִם gojim wird verwendet.
Gott ist treu. Er hat schon damals mit Paulus an unsere Gotteskindschaft gedacht und alles schon so geplant, dass das Evangelium wirklich allen Geschöpfen verkündet werden konnte. Das ist immer und überall den Hallelujaruf wert!

Joh 6
52 Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?
53 Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.
54 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag.
55 Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank.
56 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.
57 Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.
58 Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Es ist nicht wie das Brot, das die Väter gegessen haben, sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.
59 Diese Worte sprach Jesus, als er in der Synagoge von Kafarnaum lehrte.

Nun hören wir die letzten Ausführungen aus der Brotrede Jesu. Die Juden streiten sich, gemeint ist untereinander. Dieser Streit muss in verbalen Auseinandersetzungen bestehen, wie das Wort μάχομαι machomai unter anderem verstanden werden kann. Sonst wird im Johannesevangelium auch gerne gesagt, dass „unter ihnen Spaltung entsteht“. Es gibt viele Zuhörer, die Jesus widersprechen und das nicht annehmen wollen, was er sagt. Sie fragen deshalb ganz verwirrt nach: „Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?“ Jesus könnte jetzt schon einhaken und sagen, dass er es symbolisch meint. Stattdessen setzt er noch einen drauf: „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.“ Wir können also nur das ewige Leben haben, wenn wir ihn essen und trinken. Es ist auch logisch: Er ist das ewige Leben und es ist nur in uns, wenn wir es in uns aufnehmen.
Jesus rudert nicht zurück und versucht sich zu erklären, damit die Menschen keinem kannibalistischen Missverständnis aufsitzen. Sie können es noch nicht verstehen, weil Jesus die Eucharistie erst viel später etablieren wird.
Er spricht weiter: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag.“ Sein Fleisch und Blut sind für uns existenziell. Wir werden mit unseren Leibern wieder vereint und als neue Schöpfung ewig bei Gott leben in seinem Reich, wenn wir Jesus in uns aufgenommen haben. Auch jetzt sagt Jesus nichts davon, dass er es symbolisch meint.
Im Gegenteil. Er betont noch einmal und stellt klar: „Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank.“ Nichts mit reinem Gedächtnismahl. Er selbst ist es, den wir als wahre Speise und wahren Trank in uns aufnehmen sollen, um das ewige Leben zu haben! Es ist wahre Nahrung für den Leib (also essen und trinken wir es wortwörtlich). Doch sie nährt und tränkt nicht nur den Leib, sondern vor allem auch die Seele des Menschen auf dem Lebensweg bis hin in die Ewigkeit.
Das Essen und Trinken Jesu ist ein Akt, der uns ganz mit ihm vereinigt, so dass er wirklich in uns ist und wir in ihm. Das ist die intimste Begegnung, die wir mit ihm haben können. In ihm zu sein und umgekehrt ist bei Johannes auch immer die Wendung für den Stand der Gnade. Uns werden überreiche Gnaden geschenkt, wenn wir ihn immer wieder in uns aufnehmen. In dieser intimen Vereinigung mit Jesus können wir wirklich durch ihn leben, ihn, den der Vater gesandt hat.
Auch heute lesen wir davon, dass Jesus sich als Himmelsbrot mit dem Manna der Väter in der Wüste vergleicht. Sie sind leiblich gestärkt worden durch dieses Brot, doch irgendwann sind sie gestorben. Ja noch mehr: Sie konnten auch in Ewigkeit nicht leben (das ewige Leben meint das Himmelreich). Sie mussten ausharren, bis das wahre Himmelsbrot kommt, Jesus Christus! Durch ihn würden sie aus dem Exil befreit.
Wer aber dieses Himmelsbrot isst, das auch leiblich stärkt, wird zugleich seelisch am Leben gehalten. Seine Identität als Himmelsbrot führt die Menschen ins Himmelreich.
Wir brauchen dieses Himmelsbrot so sehr, dass wir ohne es das ewige Leben beim Vater nicht haben können. Denn es verhilft uns zu einem Ineinandersein mit Jesus Christus.
Diese Predigt hält Jesus in Kafarnaum und danach werden viele Menschen von ihm weggehen. Sie haben ihn gefeiert, als er sie mit reichlich Brot und Fisch satt gemacht hat. Nun, wo er die Pointe dieser Heilstat erklärt, wollen sie ihm nicht mehr folgen. So ist es bis zum Schluss: Wo Jesus angenehme Sachen predigt, viele Menschen heilt und spektakuläre Wunder vollbringt, kommen die Menschen in Scharen zu ihm. Je mehr es aber um die entscheidenden Dinge geht und je mehr es um Umkehr, Leiden und Opfer geht, desto mehr verringert sich der Kreis um ihn. Je näher er dem Kreuz kommt, desto mehr Menschen wenden sich von ihm ab. Am Ende steht nur ein einziger von zwölf Aposteln unter dem Kreuz und einige Frauen mit der Mutter Jesu.

Wählen wir. Wollen wir zu jenen gehören, die bei Jesus bleiben, solange seine Botschaft unsere Komfortzone nicht überschreitet? Oder sind wir bereit, mit ihm den ganzen Weg bis zum Kreuz auf Golgota zu gehen, um mit ihm gekreuzigt zu werden? Paulus hat gewählt. Nachdem es ihm wie Schuppen von den Augen gefallen ist, hat er sein restliches Leben ganz hingegeben für die Sendung Jesu Christi. Er hat alles gegeben und ist am Ende hingerichtet Worten für das Evangelium Jesu Christi. Er ist den Weg bis Golgota gegangen. Und auch in seinem Fall sind viele Menschen von ihm weggegangen, als er dieselbe Botschaft Jesu Christi fortgeführt hat. Auch ihn haben die Menschen sehr oft abgelehnt, weil ihnen das Evangelium einfach zu radikal oder unverständlich erschien. Doch er hat weitergemacht, weil er begriffen hat, worum es geht. Bitten wir den Herrn auf die Fürsprache seiner treuen Zeugen um Mut und Standhaftigkeit, auf dass auch wir diesen Weg bis zum Ende gehen können.

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 3. Osterwoche

Apg 8,26-40; Ps 66,8-9.16-17.19-20; Joh 6,44-51

Apg 8
26 Ein Engel des Herrn sagte zu Philippus: Steh auf und geh nach Süden auf der Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt! Sie führt durch eine einsame Gegend.
27 Und er stand auf und ging. Und siehe, da war ein Äthiopier, ein Kämmerer, Hofbeamter der Kandake, der Königin der Äthiopier, der über ihrer ganzen Schatzkammer stand. Dieser war gekommen, um in Jerusalem anzubeten,
28 und fuhr jetzt heimwärts. Er saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja.
29 Und der Geist sagte zu Philippus: Geh und folge diesem Wagen!
30 Philippus lief hin und hörte ihn den Propheten Jesaja lesen. Da sagte er: Verstehst du auch, was du liest?
31 Jener antwortete: Wie könnte ich es, wenn mich niemand anleitet? Und er bat den Philippus, einzusteigen und neben ihm Platz zu nehmen.
32 Der Abschnitt der Schrift, den er las, lautete: Wie ein Schaf wurde er zum Schlachten geführt; und wie ein Lamm, das verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.
33 In der Erniedrigung wurde seine Verurteilung aufgehoben. Seine Nachkommen, wer wird von ihnen berichten? Denn sein Leben wurde von der Erde fortgenommen.
34 Der Kämmerer wandte sich an Philippus und sagte: Ich bitte dich, von wem sagt der Prophet das? Von sich selbst oder von einem anderen?

35 Da tat Philippus seinen Mund auf und ausgehend von diesem Schriftwort verkündete er ihm das Evangelium von Jesus.
36 Als sie nun weiterzogen, kamen sie zu einer Wasserstelle. Da sagte der Kämmerer: Siehe, hier ist Wasser. Was steht meiner Taufe noch im Weg?
37 Da sagte Philippus zu ihm: Wenn du aus ganzem Herzen glaubst, ist es möglich. Er antwortete: Ich glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist.
38 Er ließ den Wagen halten und beide, Philippus und der Kämmerer, stiegen in das Wasser hinab und er taufte ihn.
39 Als sie aber aus dem Wasser stiegen, entrückte der Geist des Herrn den Philippus. Der Kämmerer sah ihn nicht mehr und er zog voll Freude auf seinem Weg weiter.
40 Den Philippus aber sah man in Aschdod wieder. Und er wanderte durch alle Städte und verkündete das Evangelium, bis er nach Cäsarea kam.

Heute hören wir von einem gewissen Philippus, der auf Anweisung Gottes (durch einen Engel) die Reise auf der Straße von Jerusalem nach Gaza antritt. Gott führt ihn dort hin, weil er durch ihn einen äthiopischen Kämmerer zu seinem geliebten Sohn und Erben machen möchte. Dieser Philippus ist nicht einer der zwölf Apostel, sondern bezieht sich auf einen der sieben Diakone der Urgemeinde in Jerusalem (so wie Stephanus). Zuvor verkündete Philippus das Wort Gottes in Samarien, dem Gebiet, das von den Juden als aus dem Heilsplan herausgefallen gilt. Zuvor schon waren die Bewohner der Stadt Sychar zum Glauben an Christus gekommen, nachdem Jesus dort mit einer Frau am Jakobsbrunnen ein Gespräch über das lebendige Wasser geführt hat. Als nach Philippus‘ Früchten die Apostel Petrus und Johannes dort hinkommen und den gläubig Gewordenen den Heiligen Geist spenden, erfüllt sich nun, was Jesus schon angekündigt hat. Sie werden mit dem lebendigen Wasser getränkt, das sie nie mehr dürsten lässt.
Und nun ist Philippus also unterwegs, um einen neuen Plan Gottes umzusetzen.
Auf dieser besagten Straße begegnet er nun einem Kämmerer, also einem Schatzmeister, der äthiopischen Königin. Er ist auf dem Rückweg von Jerusalem, wo er angebetet hat. Das zeigt uns: Es handelt sich um einen sogenannten Gottesfürchtigen. Das sind Menschen, die sich dem jüdischen Glauben sehr verbunden wissen, sogar die jüdische Ethik umsetzen, aber den letzten Schritt der Beschneidung und Einhaltung der Torah scheuen.
Er liest laut aus dem Buch Jesaja und Philippus, der die Eingebung bekommt, dem Wagen des Kämmerers zu folgen, spricht ihn an mit der entscheidenden Frage: „Verstehst du auch, was du liest?“
Der Kämmerer ist sehr aufgeschlossen und überhaupt nicht hochmütig. Er sagt offen, dass er es nicht versteht, weil ihm keiner den Sinn davon erschließt. Er hat ein offenes und bereites Herz, nur keinen Lehrer oder Katecheten. Darin ist er ein perfekter Nährboden für die Gnade Gottes.
Der Mann ist auf der Suche. Er strebt nach Erkenntnis und lädt von sich aus Philippus auf seinen Wagen ein.
Dieser erkennt, was für eine messianische Stelle der Kämmerer liest: „Wie ein Schaf wurde er zum Schlachten geführt; und wie ein Lamm, das verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf. In der Erniedrigung wurde seine Verurteilung aufgehoben. Seine Nachkommen, wer wird von ihnen berichten? Denn sein Leben wurde von der Erde fortgenommen.“
Dieser Abschnitt ist aus dem vierten Gottesknechtslied, das wir an Karfreitag gehört haben. Der Kämmerer versteht, dass es eine wichtige Person sein muss, die hier so betrachtet wird. Er möchte verstehen, wer das ist. Ausgehend davon erklärt ihm Philippus, dass es sich mit Jesus Christus erfüllt hat. Er nimmt diesen Wissensdurst und die Offenheit des Kämmerers zum Anlass, das Evangelium Jesu Christi zu verkünden. Was er inhaltlich sagt, wird uns hier nicht überliefert, aber wir können uns denken, was er alles sagt.
Jesus Christus ist dieses makellose Lamm, das sich nicht gewährt hat und das zum Opferlamm für die ganze Welt geworden ist. Er ist wirklich gerecht und ohne Sünde. Er ist für die ganze Menschheit gekreuzigt worden, blieb aber nicht im Tod. Er hat allen Menschen die Erlösung erwirkt und hat gesagt: Wer an mich glaubt und sich taufen lässt, wird auf ewig nicht sterben, wird das ewige Leben haben. Philippus wird von der ersten Urgemeinde, vor allem von den vielen Augenzeugen der Auferstehung berichtet haben. Er wird von den vielen wunderbaren Dingen erzählt haben, die Jesus gesagt und getan hat, von den vielen Heilstaten, Exorzismen und Sündenvergebungen.
Und als sie dann an eine Wasserstelle kommen, sagt der eifrige Kämmerer nun: „Siehe, hier ist Wasser. Was steht meiner Taufe noch im Weg?“ Er bittet von sich aus um die Taufe, doch zuvor erklärt der Diakon ihm die wichtigste Bedingung: „Wenn du aus ganzem Herzen glaubst, ist es möglich.“ Die Taufe ist ein äußeres Zeichen für den inneren Glauben des Menschen. Deshalb wird ein Taufbewerber bis heute vor der Taufe zur Widersagung des Bösen aufgefordert und daraufhin nach dem Glauben an Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist gefragt.
Der Kämmerer antwortet klar und deutlich mit einem Glaubensbekenntnis: „Ich glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist.“
Kurzerhand steigen sie ins Wasser und Philippus tauft den Kämmerer.
Als er wieder auftaucht, hat der Geist den Diakon schon woanders hin entrückt. Das ist ein Charisma, das wir von einigen Heiligen überliefert haben. Dazu ist Gott fähig, der die Naturgesetze geschaffen und deshalb auch überbieten kann. Philippus taucht in Aschdod wieder auf.
Der Kämmerer zieht weiter heim, und zwar voller Freude. Das ist nicht einfach nur eine banale Nebensächlichkeit, sondern es handelt sich dabei um eine tiefgründige Aussage. In den letzten Wochen habe ich immer wieder über die Freude gesprochen, die dem Menschen als übernatürliche Gabe Gottes geschenkt wird und der Inbegriff von Ostern ist. Durch die Taufe ist sie nun auch dem Äthiopier geschenkt worden.
Philippus verkündet und missioniert unermüdlich weiter, bis er nach Cäsarea kommt.

Ps 66
8 Preist unseren Gott, ihr Völker, lasst laut sein Lob erschallen!
9 Er erhielt uns am Leben und ließ unseren Fuß nicht wanken.
16 Alle, die ihr Gott fürchtet, kommt und hört; ich will euch erzählen, was er mir Gutes getan hat.
17 Mit meinem Mund habe ich zu ihm gerufen, da lag das Rühmen mir schon auf der Zunge.
19 Gott aber hat gehört, auf mein drängendes Bittgebet geachtet.
20 Gepriesen sei Gott; denn er hat mein Bittgebet nicht unterbunden und mir seine Huld nicht entzogen.

Die Taufe des Äthiopiers ist ein Grund zum Lobpreis Gottes, der die Menschen wirklich an sich zieht. Er möchte alle Menschen retten und sie zu seinen Kindern machen. Das ist der Sinn ihres Lebens. Die Universalität der Erlösung Jesu Christi wird immer deutlicher, da nun auch „Ausländer“ zum Glauben an ihn kommen.
Der Lobpreis ist besonders, denn die psalmentypische Aufforderung zum Lobpreis richtet sich heute an die „Völker“. Im Hebräischen wird nicht das Wort für heidnische Völker gojim verwendet, sondern עַמִּ֥ים ammim. Dieser Plural bezieht sich auf alle Völker der Erde in ihrer Gesamtheit, ist in der Mehrzahl also ein allgemeiner Begriff. Alle Völker sollen Gott danken für das, was er an seinem auserwählten Volk getan hat. Wir lesen es schon christologisch, was wörtlich hier natürlich erst einmal die Rettung des Volkes Israel aus der Knechtschaft Ägyptens und später aus dem babylonischen Exil meint. Gott hat sein auserwähltes Volk, was nun aus allen Menschen egal welcher Nation besteht, die die Erlösung Jesu Christi annehmen. Die Rettung, die allen Menschen angeboten wird, ist eine Rettung aus dem Exil des irdischen Lebens hinein in das ewige Leben bei Gott!
So ist es wirklich existenziell zu verstehen, wenn es in Vers 9 heißt: „Er erhielt uns am Leben und ließ unseren Fuß nicht wanken.“ Es meint wörtlich zunächst das irdische Leben im verheißenen Land, in politischem Frieden und in einem unbeschwerten, wohlhabenden Leben. Doch mit Christus ist eine neue Etappe erreicht worden: Unser ewiges Leben ist nun erhalten worden, was zuvor nicht der Fall war. Selbst die Gerechten des Alten Testaments durften das Angesicht Gottes nicht schauen, was der Inbegriff des ewigen Lebens ist.
„Alle, die ihr Gott fürchtet, kommt und hört“ bezieht sich heute in ganz besonderer Weise auf den Kämmerer! Eigentlich ist ursprünglich der gottesfürchtige Jude gemeint, der die Torah hält und die Opfer darbringt. Nun geht es über den jüdischen Tellerrand hinaus, denn der Neue Bund ist nicht mehr an eine einzige Nation gebunden. Er steht bereit für alle Menschen guten Willens. Und der äthiopische Kämmerer in der Apostelgeschichte stellt ein wunderbares Beispiel dafür dar. Gott hat ihn gleichsam zu sich gezogen, indem er den Diakon Philippus zu ihm gesandt hat. Dieser hat die Vollmacht, Menschen zu Kindern Gottes zu machen, indem er sie als Gläubige tauft. Wir brauchen die geweihten Männer. Das sehen wir an dieser Lesung noch einmal deutlich. Auch wenn wir zum Glauben an Gott kommen – das Sakrament der Taufe, das unauslöschliche Siegel auf unseren Seelen, das uns das ewige Leben ermöglicht, können wir uns nicht selbst geben. Dafür brauchen wir die Geweihten, also die Bevollmächtigten der Sakramente.
„Mit meinem Mund habe ich zu ihm gerufen, da lag das Rühmen mir schon auf der Zunge.“ Mit dem Mund gerufen haben all jene, die zum Herrn vertrauensvoll ihre Bitten gebracht haben. Da war das Rühmen schon auf der Zunge, weil Gott die Gebete erhört. Jesus hat diese Art von Beten wunderbar vorgelebt, indem er bei der Auferweckung des Lazarus nicht mal ein Bittgebet formuliert. Er dankt dem Vater schon für seine Gebetserhörung, weil er von ganzem Herzen gewiss ist, dass dieser ihm alles gewährt. Mit so einem Vertrauen hat womöglich auch der Kämmerer in Jerusalem gebetet, als er zur Anbetung zum Tempel gegangen ist. Dort gibt es für die Heiden einen eigenen Hof.
Auch Vers 19 bringt dies auf den Punkt. Gott erhört das Bittgebet. Er hat das Schreien seiner geliebten Kinder in Ägypten gehört, die unter der Last der Sklaverei gelitten haben. Er hat das Schreien seiner geliebten Kinder in Babylon gehört, die fernab von ihrer Heimat und ohne Tempel ganz verloren und verzweifelt sind. Er hat das Schreien seines Volkes gehört, das unter den Römern gelitten hat. Aber vor allem hat er den Schrei jener gehört, die sein Angesicht nicht schauen durften, die aus dem Paradies verbannt im Exil der Vorhölle verharren mussten.
Gott sei gelobt und gepriesen, weil er das Gebet der gesamten Menschheit erhört hat. Er hat seinen einzigen Sohn dahingegeben, damit alle Menschen gerettet werden würden auf das ewige Leben hin! Gott ist so gütig und barmherzig, dass unser ganzes Leben eine einzige lobpreisende Antwort auf dieses überwältigende Heil darstellen soll.
Der freudige Duktus dieses Psalms fasst in poetischen Worten die Freude des Neugetauften in der Apostelgeschichte zusammen. Nun kann er sein weiteres Leben ganz im dankenden Lobpreis verbringen, denn er ist als Erbe im Reiche Gottes eingesetzt worden!

Joh 6
44 Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag.
45 Bei den Propheten steht geschrieben: Und alle werden Schüler Gottes sein. Jeder, der auf den Vater hört und seine Lehre annimmt, wird zu mir kommen.
46 Niemand hat den Vater gesehen außer dem, der von Gott ist; nur er hat den Vater gesehen.
47 Amen, amen, ich sage euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben.
48 Ich bin das Brot des Lebens.
49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben.
50 So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben.
51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt.

Im Evangelium hören wir heute einen weiteren Abschnitt aus der wunderbaren Brotrede Jesu in Kafarnaum. Gestern habe ich erwähnt, dass es eigentlich ein Dialog mit den dort versammelten Menschen ist und analog zum Gespräch Jesu mit der samaritanischen Frau am Jakobsbrunnen zu betrachten ist.
Jesus sagt hier etwas Entscheidendes, was einen Bogen zum Kämmerer zieht: „Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht.“ Kornelius hat sich aufrichtig bemüht, die Wahrheit zu erkennen. Er liest laut, er geht nach Jerusalem zur Anbetung. Er sehnt sich nach der Wahrheit, aber er schafft es von sich aus nicht, sie zu erhalten. Der Vater hat ihn wirklich gezogen, zu sich! Dafür hat er den Diakon Philippus zu seinem Werkzeug gemacht. Dieser ist sein Sprachrohr, das Sprachrohr des Heiligen Geistes, der durch ihn spricht und dem Kämmerer die Augen öffnet. So wie der Vater den Sohn gesandt hat (Jesus Christus als Mensch in diese Welt, nun als Leib Christi in jede Heilige Messe), so sendet er in dessen Nachfolge seine Jünger, auf dass sie den Menschen die frohe Botschaft verkünden, die Jesus zuvor verkündet hat.
Er wird jene, die der Vater an sich gezogen hat, auferwecken am jüngsten Tag. Dann werden sie mit Leib und Seele vereint für immer Gottes Angesicht schauen.
Jesus verweist dann auf die Propheten, wo geschrieben steht: „Alle werden Schüler Gottes sein.“ Es bezieht sich auf die Schriftstelle Jes 54,13, die die künftige Herrlichkeit Zions thematisiert. Der Kämmerer ist einer von diesen Schülern und deshalb beauftragt Jesus seine Apostel vor seiner Himmelfahrt auch damit, alle Menschen zu seinen Jüngern zu machen. Wir alle sind anhaltende Schüler in der Schule Gottes. Er lehrt uns durch seinen Heiligen Geist Tag für Tag immer mehr von seiner göttlichen Weisheit. Wir begreifen täglich ein wenig mehr von seiner Offenbarung. Am Ende werden wir ihn dann sehen, wie er ist. Dann brauchen wir keine Unterweisung mehr, sondern werden alles erkennen.
Jesus betont heute noch einmal, dass nur er ein authentische Kunde vom Vater geben kann, weil er beim Vater war, bevor er Mensch wurde. Er ist der Sohn, der am väterlichen Herzen ruht auch jetzt in seiner Zeit auf Erden.
Jesus bringt auf den Punkt, warum der Kämmerer sich taufen ließ und nun voller Freude den Rest seines irdischen Daseins leben kann: Er glaubt an Jesus Christus und dieser Glaube bringt ihn zum ewigen Leben! Das ist der größte Grund zur Freude.
Jesus sagt explizit, dass er das Brot des Lebens ist. Direkt im Anschluss an den Satz über das ewige Leben wird uns klar, dass Jesus damit das Brot des EWIGEN Lebens ist.
Er als Brot des Lebens ist abzugrenzen von dem Manna in der Wüste, was das höchste Brot für die Juden war. Es ist wirklich eine physische Stärkung des Volkes Israels in der Wüstenzeit, aber immerhin kam es vom Himmel. Doch es kann sich nicht mit Christus messen, denn diese physische Stärkung verhinderte nicht, dass die Väter irgendwann gestorben sind.
Wer aber von dem Brot des Lebens isst, hat er das ewige Leben! Das Essen ist eindeutig eucharistisch gemeint. Wenn wir den Leib Christi, der wirklich und real ist, essen, werden wir nicht sterben (zumindest seelisch nicht, bis zum jüngsten Tag, wo auch unser gestorbener Leib wiederhergestellt wird). Das Essen des Leibes ist kein Kannibalismus. Gerne verlinke ich Ihnen hier mein Video, in dem ich erkläre, warum die Eucharistie eben kein Kannibalismus ist und doch das Brot des Lebens wirklich Jesus selbst ist: https://www.youtube.com/watch?v=Pq8dTMK5kT4 (ab Min. 10).
Jesu Brotsein impliziert keinesfalls eine tote Materie. Dieses Brot führt nicht nur zum Leben, sondern ist selbst lebendig.
Er sagt selbst von sich aus, dass er vom Himmel herabgekommen ist. Das ist eine Typologie zum Manna der Wüstenväter mit eben jenem Unterschied, dass er lebendig ist – eine Person! Er spricht seine eigene Präexistenz aus, von der wir im Johannesprolog feierlich bekennen.
Jesus deutet noch eine weitere wichtige Sache an, die Gründonnerstag und Karfreitag miteinander verbindet: Jesus ist das lebendige Brot, das er geben wird – nicht nur im Abendmahlssaal, wenn er die Eucharistie stiften wird. Es ist sein eigenes Fleisch, das er am Kreuz dahingeben wird. Das Fleisch, das ganz zerschunden und bis auf den letzten Tropfen grausam ausgeblutet wird. Es ist wie ein Schächtvorgang bei den Opferlämmern, die für den Jerusalemer Tempel geschlachtet wurden.
Was im Abendmahlssaal gestiftet wird, erfüllt sich erst so richtig am Tag darauf mit dem Opfertod auf Golgota.

Jesus spricht hier schon sehr tiefgründige und existenzielle Dinge an, doch die Menschen werden lange brauchen, das alles zu begreifen. Viele werden sich auch von ihm abwenden, weil sie sagen, seine Worte seien unerträglich. Und doch gibt es immer mehr Menschen, die von seiner Botschaft berührt werden und darin den Sinn ihres Lebens erkennen – und das ewige Leben nur durch den Glauben an Christus ermöglicht sehen.

Wir brauchen das lebendige Brot, das das Fleisch Jesu Christi ist und das er hingegeben hat für das Leben der Welt, für Sie und mich! Danken wir ihm für seine große Liebe, aufgrund der er uns sein Leben geschenkt hat.

Ihre Magstrauss

Katharina von Siena (Fest)

1 Joh 1,5 – 2,2; Ps 103,1-2.3-4.8-9.13-14.17-18a; Mt 11,25-30

Heute feiern wir eine der größten Frauen der Kirche, Katherina von Siena. Sie lebte im 14. Jh., war Ordensfrau, ist 1939 zur Kirchenlehrerin erhoben worden und zudem Schutzpatronin Europas. Mit so einem hohen Rang ist es verständlich, warum wir heute Lesungen hören, die ganz zu ihr passen. Warum ist sie Schutzpatronin und so eine große Heilige? Ihr haben wir zu verdanken, dass damals beim großen abendländischen Schisma Papst Gregor XI von Avignon nach Rom zurückkehrte. Sie hat einen großen Anteil daran, dass das schreckliche Schisma überwunden und die Kirche nicht untergegangen ist. Unermüdlich setzte sie sich für die Einheit der Kirche ein, was auch wirklich Früchte getragen hat. Beten wir auf ihre Fürsprache, dass sie an Gottes Thron fleht um den Schutz der Kirche heute, die von schismatischen Kräften auch heute hin und hergerissen wird.

1 Joh 1-2
5 Das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkünden: Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm.
6 Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben und doch in der Finsternis wandeln, lügen wir und tun nicht die Wahrheit.
7 Wenn wir im Licht wandeln, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander und das Blut seines Sohnes Jesus reinigt uns von aller Sünde.
8 Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre und die Wahrheit ist nicht in uns.
9 Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht.
10 Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, machen wir ihn zum Lügner und sein Wort ist nicht in uns.
1 Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt. Wenn aber einer sündigt, haben wir einen Beistand beim Vater: Jesus Christus, den Gerechten.
2 Er ist die Sühne für unsere Sünden, aber nicht nur für unsere Sünden, sondern auch für die der ganzen Welt.

In der Lesung hören wir aus dem ersten Johannesbrief.
Johannes verwendet im Kontext von Gott oft die Lichtmetaphorik. Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm. Mit dem Gegensatz „Licht“ – „Finsternis“ drückt Johannes aus, dass Gott nur Liebe ist. Nichts Böses ist in ihm.
Die Konsequenz davon ist auch auf uns Menschen zu beziehen: Wir können nicht Gemeinschaft mit dem Licht haben und selber in uns Finsternis haben. Das heißt, dass wir nicht zugleich in Todsünde leben (Finsternis) und im Stand der Gnade sein können (Gemeinschaft mit ihm). Wer das behauptet, belügt sich selbst.
Wir können nur Gemeinschaft haben, wenn wir „im Licht wandeln“ wie Gott. Das Wandeln ist ein Ausdruck für den Lebenswandel und somit ein moralischer Begriff. Wenn wir uns mit ganzer Kraft bemühen, auf dem Weg Gottes zu bleiben, d.h. seine Gebote zu halten, dann wandeln wir im Licht und Jesus reinigt uns von unseren Sünden. Dass überhaupt von Sünde die Rede ist, macht die ganze Rede so realistisch. Niemand sagt, dass wir ohne Sünde sind, nur weil wir uns bemühen, im Licht zu wandeln. Wir fallen trotzdem. Wenn wir aber aufstehen, d.h. umkehren und weitergehen, dann zeigen wir unsere Aufrichtigkeit und Gott vergibt uns unsere Sünden.
Diese Aufrichtigkeit zeigen wir vor allem daran, dass wir unsere Sünden bekennen (ὁμολογέω homologeo). Wir sollen das nicht einfach nur bereuen, was Gott sowieso schon von uns weiß, er sieht ja alles. Gott möchte auch, dass wir die Dinge beim Namen nennen. Das sollen wir nicht deshalb, weil er es unbedingt braucht, sondern weil wir es unbedingt brauchen.
Wer behauptet, ohne Sünde zu sein, lügt. Jeder Mensch ist gefährdet, zu fallen. Wir sind zwar von der Erbsünde erlöst, aber die Folgen der Erbsünde sind noch da. Wir haben immer noch die Neigung dazu, Böses zu tun. Wir sündigen weiter. Gottes Wort (also Jesus) ist nicht in uns, wenn wir behaupten, ohne Sünde zu sein.
Johannes schreibt diese Worte, um zur Ablegung der Sünde aufzurufen. Aber auch für jene, die es dennoch tun, hat er eine zuversichtliche Botschaft: Wir haben einen Beistand beim Vater, Jesus Christus. Er ist es ja, der durch sein Kreuzesopfer die Vergebung der Sünden ermöglicht hat. Er ist gestorben zur Sühne für unsere Sünden und die der ganzen Welt, wie wir auch im Barmherzigkeitsrosenkranz beten. Interessant ist dabei, dass der Begriff παράκλητος parakletos verwendet wird. Diese Umschreibung wird ja sonst für den Hl. Geist gebraucht. Aber auch im wortwörtlichen Sinn ist Jesus unser Beistand, gerade wo wir schuldig geworden sind.
Diese Worte sind sehr tröstlich, weil wir selbst in Schuld und Sünde nicht verzweifeln müssen. Wenn es uns von Herzen leidtut und wir umkehren, dann wird uns Gott die Sünden vergeben. Es ist bemerkenswert, wie die Worte des Johannes das Sakrament der Beichte erklären: Wir sollen unsere Sünden bereuen, wir sollen sie bekennen, unsere Schuld muss gesühnt werden, wofür Jesus ja gestorben ist. Unsere Aufrichtigkeit soll sich dadurch zeigen, dass wir uns bemühen, nicht mehr zu sündigen. Und wir sollen in uns gehen, um zu erkennen, wo wir uns selbst belügen. Die heutige Lesung ist eine richtige Beichtparänese, die Johannes mit Deutlichkeit formuliert, aber auch mit Liebe.

Ps 103
1 Von David. Preise den HERRN, meine Seele, und alles in mir seinen heiligen Namen!
2 Preise den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!
3 Der dir all deine Schuld vergibt und all deine Gebrechen heilt,
4 der dein Leben vor dem Untergang rettet und dich mit Huld und Erbarmen krönt,
8 Der HERR ist barmherzig und gnädig, langmütig und reich an Huld.
9 Er wird nicht immer rechten und nicht ewig trägt er nach.
13 Wie ein Vater sich seiner Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über alle, die ihn fürchten.
14 Denn er weiß, was wir für Gebilde sind, er bedenkt, dass wir Staub sind.
17 Doch die Huld des HERRN währt immer und ewig für alle, die ihn fürchten. Seine Gerechtigkeit erfahren noch Kinder und Enkel,
18 alle, die seinen Bund bewahren
.

Der Psalm, den wir David zu verdanken haben, ist ein sehr bekannter Lobpreispsalm. Wir haben immer Grund zum Lobpreis, weil Gott uns so viel Gutes getan hat. Er vergibt uns jeden Tag, wirklich JEDEN TAG, jeden Moment unseres Lebens unsere Sünden, wo wir umkehren! Wie unendlich viel Geduld hat Gott mit uns! Schon das Volk Israel kann viele Geschichten darüber erzählen…Wie oft ist es anderen Göttern nachgelaufen, wie oft hat es undankbar gehandelt. Und doch ist Gott seinem auserwählten Volk treu geblieben, hielt sein Versprechen, seinen Bund! Wie oft hat er es zurückgeholt, in dem er eine Fremdherrschaft nach der anderen zugelassen hat! Würden wir die Kraft haben, unserem Partner zu vergeben, wenn er/sie mir fremdgegangen ist? Nichts anderes tat und tut Gott mit uns, mit seiner geliebten Braut. Auch die Kirche als Volk Gottes schaut anderen hinterher und wird untreu, wo auch immer sie der Welt gefällt, sich von Gottes Willen entfernt. Und doch bleibt Christus seiner Braut treu und hält sein Versprechen, bei ihr zu sein alle Tage bis zum Ende der Welt (Mt 28). Er kommt trotzdem in der Eucharistie zu uns und spendet auch die anderen Sakramente. Gott vergibt uns immer und immer wieder die Schuld in der Beichte, auch wenn wir immer dieselben Sünden begehen. So geduldig ist er mit uns! Er gibt uns jedes Mal auch noch die Kraft durch das Beichtsakrament, das nächste Mal der Sünde zu widerstehen. Seine Gnade kennt keine Grenzen. Seine Barmherzigkeit ist auch noch so unendlich, dass er uns sogar die Chance auf das Himmelreich gibt, wenn wir noch nicht alles gesühnt haben. Das, was wir Fegefeuer nennen, ist mit Blick auf die Ewigkeit DER Beweis seiner vergebenden Barmherzigkeit!
Gott heilt all unsere Gebrechen. Ja, er heilt in erster Linie unsere Seele, das ewige Leben. Er heilte die Beziehung zwischen seinem Volk und ihm. Er heilte auch damals schon körperliche Gebrechen und soziale Ausgrenzung. Er heilte die Seele derer, die keine Hoffnung mehr hatten und er stärkte die Ängstlichen mit dem Geist des Mutes. Gott heilte ganz besonders durch Jesus Christus. Dieser heilte in erster Linie auch die Seele und die Beziehung der Menschen zu Gott durch die Sündenvergebung. Der Gelähmte, der über das Dach auf einer Trage hinabgelassen wurde, wurde zunächst seelisch geheilt, bevor Jesus ihm als Bonus auch die körperliche Heilung schenkte. Jesus sagte: „Euch soll es zunächst um das Reich Gottes gehen, alles Andere wird euch dazu gegeben.“ Jesus heilte auch die vielen Ausgegrenzten von ihren sozialen Gebrechen, in dem er sie körperlich heilte – sei es die blutflüssige Frau, die Blinden oder die vielen Aussätzigen. Vor allem trieb er auch Dämonen aus, die den Geplagten seelische Folter bescherten.
Jesus heilt auch heute noch durch die Sakramente. Wenn Sie sich mit dem Heilungs- und Befreiungsdienst der Kirche befassen, werden Sie oft zu hören bekommen: Das größte Heilungsgebet – auch gerade um körperliche Heilung – sind die Beichte und die Eucharistie. Wenn die Beziehung zu Gott wieder versöhnt ist, kann Gottes Kraft im Menschen wirken. Gott wird auch am Ende der Zeiten alles heil machen, sodass es nicht mal mehr den Tod geben wird.
Alles, was Gott an uns Menschen tat, tut und tun wird, hat das Ziel, uns das ewige Leben zu ermöglichen. Er will uns vor dem Untergang retten. Das ist für das Volk Israel zunächst das Ende des Fortbestehens, der Generationenabfolge und des Kultes. Es betrifft später auch das Leben nach dem Tod, als die Israeliten nach und nach eschatologische Zusammenhänge begriffen. Dies betrifft den Fortgang der Kirche als Leib Christi. Jesus hat Petrus zugesagt, dass die Mächte der Finsternis sie nicht überwältigen werden. Es meint im Hinblick auf jeden Einzelnen den moralischen Untergang, der nach dem Tod dann den Untergang der Seele zur Folge hat. Er rettet uns vor dem seelischen Tod, der Hölle, in dem er uns immer wieder Anlass zur Umkehr schenkt und wir noch bis zum Moment des Todes bereuen können. Gott ist wirklich langmütig, das heißt unendlich geduldig mit uns. Sein Gericht ist kein Berechnen im Sinne von: „Dies und das hast du getan, das ergibt so und so viel Strafe.“ Er richtet vor allem nach unserem Herzen, nach unserer Absicht und diese gibt Aufschluss über die Konsequenz. Und darüber hinaus währt seine Barmherzigkeit nach dem Maß unserer aufrichtigen Reue. Es ist wirklich ein entlarvender Psalm, der nämlich das Vorurteil entkräftet, im Alten Testament komme nur der strenge Richtergott vor. Schon hier lesen wir von Gottes unendlicher Barmherzigkeit.
Auch hier wird schon deutlich, dass Gott ein barmherziger Vater ist. Er weiß um unsere Schwachheit und erwartet nichts Übermenschliches von uns. Das Kreuz, das er seinen Kindern auferlegt, die täglichen Pflichten, die Berufung, die Umsetzung ihrer Talente, entspricht ganz den Möglichkeiten des Menschen. Gott überfordert uns nicht. Er möchte, dass wir mit den Lasten zu ihm kommen, damit er mit anpacken kann. Und wenn wir mit ihm kooperieren, dann werden wir überreichen Segen empfangen, nicht nur wir, sondern auch noch unsere Nachfahren! Es ist ein nicht zu unterschätzendes Wort. Segen und Fluch betreffen nie nur uns selbst. Sie gehen auch auf unsere Familien, unsere Kinder und Enkel über. Entweder profitieren sie von unserer Gottesfurcht oder müssen an den Konsequenzen unserer Sünden mitleiden. Bedenken wir das stets, wenn wir vor der Entscheidung für oder gegen Gott stehen. Wir haben eine Verantwortung.

Mt 11
25 In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast.
26 Ja, Vater, so hat es dir gefallen.
27 Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.
28 Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.
29 Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele.
30 Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.

In Jesus verdichtet und personifiziert sich das, was wir in den bisherigen Texten gehört haben. Er ist die Güte und Barmherzigkeit in Person.
Er setzt heute im Evangelium an mit einem Lobpreis an den Vater. Es ist ein Beispiel, wie wir selbst beten sollen, die wir als Getaufte Gott ebenfalls unseren Vater nennen dürfen.
Gott ist wirklich „Herr des Himmels und der Erde“. Er hat sie nicht nur geschaffen und erhält sie, sondern er hat auch die Macht über alles. Das ist eine tröstliche Erkenntnis, denn auch wenn wir jetzt sehen, dass die Mächtigen dieser Welt böse sind, steht über ihnen dennoch der eine und wahre Gott. Sie haben jetzt vielleicht noch einen Handlungsspielraum, aber wenn Gott kommt, wird er sie alle in einem Moment entmachten – sie, die eigentlich nur Marionetten des Bösen sind.
Die „Unmündigen“ dieser Welt sind die Empfänger der entscheidenden Botschaft. An sie ist die Offenbarung ergangen, nicht an die Reichen, Weisen und Klugen, die ganz in der Weisheit der Welt wandeln. Paulus nennt eben diese Menschen töricht, die der weltlichen Weisheit verhaftet sind. Die „Unmündigen“ sind dagegen die eigentlichen Weisen, denn sie wandeln in der göttlichen Weisheit. Von den Hirten auf den Feldern von Betlehem bis zu den Fischern am See von Tiberias sind es immer die einfachen Menschen, die eine große Aufgabe im Reich Gottes erhalten.
Alles ist vom Vater dem Sohn übergeben worden. Nicht nur der Sohn hat sich durch sein Leiden und seinen Tod ganz dem Vater hingegeben, sondern auch der Vater ganz dem Sohn. Dieser vollbringt das Werk des Vaters, ganz in dessen Willen. Ihre ganz innige Beziehung ist es, die uns den Vater sehen lässt, wenn wir Jesus sehen. Wenn wir die Offenbarung des Vaters erhalten möchten, müssen wir uns ganz an den Sohn Jesus Christus halten. Niemand kennt den Vater nämlich besser als er. Gott ist Geist und er ist Geheimnis. Wenn wir ihn kennenlernen möchten, muss er sich uns offenbaren. Dies hat er ganz in Christus getan.
Jesus will Ruhe verschaffen. Wenn wir zu leiden haben, müssen wir es nicht alleine tragen, sondern er lädt uns ein, damit zu ihm zu kommen. Wir müssen nicht resignieren wie die Israeliten im babylonischen Exil oder die Juden zurzeit der Römerherrschaft. Wir müssen es gar nicht so weit kommen lassen, dass wir zu hadern beginnen und verbittern. Auch diese Einladung Jesu ist Zeichen der großen Barmherzigkeit Gottes.
Von ihm lernen wir heute noch etwas Anderes: Eine Last zu tragen, ist notwendig. Wir alle müssen ein Joch tragen, aber es kommt darauf an, welches! Gottes Kreuz, das er uns auferlegt, ist auf uns abgestimmt. Wir haben bei Jesaja gelesen, dass Gott uns durch und durch kennt. Er hat uns schließlich geschaffen und kennt so auch unsere Grenzen. Sein auferlegtes Kreuz, das „Joch“, ist leicht und drückt nicht. An anderer Stelle sagt Jesus, dass wer sein Jünger sein will, sein Kreuz auf sich nehmen und tragen muss. Wenn wir Gottes Kreuz tragen, werden wir inneren Frieden haben und vor allem gibt er uns Kraft. Wir werden über uns hinauswachsen. Dies betrifft einerseits den einzelnen Christen, der die Gebote Gottes auf sich nimmt. Gottes Willen zu leben, ist nicht schwer und gibt uns inneren Frieden. Wir erhalten die Kraft und die Gnade, seinen Willen zu tun. Wo wir an unsere Grenzen stoßen, wachsen wir über uns hinaus durch seine helfende Gnade. Auch als ganze Kirche dürfen wir und müssen wir zu ihm kommen. Wir leben in einer Glaubenskrise. Immer mehr Menschen sind dem Namen nach Mitglied der Katholischen Kirche, leben aber nicht mehr nach den Geboten und nehmen die Heilsmittel nicht in Anspruch. Immer weniger Menschen glauben an Christus und daran, dass er in der Kirche lebt und wirkt. Auch diese Last müssen wir zum Herrn bringen und um Bekehrung und Erneuerung der Kirche beten! Wie oft werden stattdessen Sitzungen und Gespräche abgehalten, menschliche Krisenbewältigung und Anstrengungen unternommen, als ob diese Dinge das eigentliche Problem lösen könnten! Dabei müssen wir zuerst zu Christus zurückkehren. In erster Linie muss der Klerus wieder geistlich werden und auf Knien um Vergebung bitten. Und auch wir, jedes einzelne Glied des Leibes, muss bei sich anfangen und umkehren. Eine im Glauben erneuerte Kirche wird wieder authentisch und missionarisch sein. Auch als Kirche das Joch Christi auf sich zu nehmen, wird fruchtbar sein, nicht das Ablegen des Jochs durch die Angleichung an den Zeitgeist.

Katharina hat dies immer mit deutlichen Worten gesagt. Sie hat nie ein Blatt vor den Mund genommen und zahlreiche Briefe an die Einflussreichen ihrer Zeit geschrieben. Sie hat den weltlichen Herrschern sowie dem Klerus unermüdlich die Leviten gelesen, dass sie umkehren und die Kirche wieder zu ihrer ersten Liebe zurückkehre. Sie war nicht gebildet, lernte erst sehr spät Lesen und Schreiben. Sie ist wahrlich eine Unmündige, die aus einer verarmten Adelsfamilie stammte. Und doch hat sie von der Offenbarung Gottes, von seiner Weisheit mehr verstanden als die Gebildeten, aber Gottfernen. Sie ist ausgestattet worden mit vielen Gaben und Charismen, durch die sie die ganze Kirche vor der größten Katastrophe aller Zeiten bewahrt hat. Sie hing ganz am Herrn, so sehr, dass ihr sogar die Wundmale Jesu Christi geschenkt worden sind. Sie hat ihre ganze Sorge dem Herrn anvertraut und er hat sie erhört. So eine große Frau – wer wagt da noch zu sagen, dass Frauen in der Katholischen Kirche keine Rolle spielen? Der Papst hat auf sie gehört! Sie hat sich erlaubt, ganz harte Worte all jenen mächtigen Männern ihrer Zeit in Briefen zu schreiben. Eine wahre Powerfrau!

Herr, wir danken dir für die heilige Katharina. Schenke uns auf ihre Fürsprache auch heute den Schutz und die Einheit durch die Krisenzeit hindurch. Dies erbitten wir durch Christus unseren Herrn. Amen.

Ihre Magstrauss

Dienstag der 3. Osterwoche

Apg 7,51 – 8,1a; Ps 31,3c-4.6 u.7b-8a.17 u. 21ab; Joh 6,30-35

Apg 7-8
51 Ihr Halsstarrigen, unbeschnitten an Herzen und Ohren! Immerzu widersetzt ihr euch dem Heiligen Geist, eure Väter schon und nun auch ihr.
52 Welchen der Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Sie haben die getötet, die die Ankunft des Gerechten geweissagt haben, dessen Verräter und Mörder ihr jetzt geworden seid,
53 ihr, die ihr durch die Anordnung von Engeln das Gesetz empfangen, es aber nicht gehalten habt.
54 Als sie das hörten, waren sie in ihren Herzen aufs Äußerste über ihn empört und knirschten mit den Zähnen gegen ihn.
55 Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen
56 und rief: Siehe, ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.
57 Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten einmütig auf ihn los,
58 trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß.
59 So steinigten sie Stephanus; er aber betete und rief: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!
60 Dann sank er in die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Nach diesen Worten starb er.
1 Saulus aber war mit seiner Ermordung einverstanden.

Bereits gestern haben wir einen Ausschnitt aus der Apostelgeschichte gehört, in dem es um Stephanus ging. Nachdem er von seinen Neidern vor den Sanhedrin gebracht worden ist und der Hohepriester die Vorwürfe gegen ihn zur Sprache bringt, hält Stephanus eine lange Verteidigungsrede. Es handelt sich dabei um die längste Rede in der Apostelgeschichte. Er unternimmt darin einen gesamten Abriss der Heilsgeschichte Gottes mit dem Volk Israel angefangen mit Abraham. Zum Ende hin formuliert Stephanus harte Vorwürfe gegenüber dem Sanhedrin und den Juden:
„Ihr Halsstarrigen, unbeschnitten an Herzen und Ohren!“ Der Vorwurf der Unbeschnittenheit ist sehr provokativ, denn genau diese ist ja das Zeichen des Alten Bundes. Die physische Beschnittenheit ist aber keine automatische Rechtfertigung vor Gott, wenn man zugleich nicht auf Gottes Willen hört und seine Botschaft ans Herz heranlässt. Der Jude muss zusätzlich zu seiner physischen Beschnittenheit eine innere Beschnittenheit aufweisen, damit er vor Gott gerecht ist. Deshalb kritisiert Gott im Alten Testament so oft die Menschen, die fleißig Opfer darbringen, aber den Nächsten ausbeuten und sich nicht an die zehn Gebote halten. Das heißt nicht, dass Gott die Opfer nicht will, ebenso wenig hat er etwas gegen die Beschneidung, die er ja selbst angeordnet hat. Vielmehr möchte Gott eine Kongruenz von innen und außen. Und Stephanus kritisiert bei den anwesenden Juden jetzt eben jene Inkongruenz. Es ist die Verstocktheit, die Jesus schon deutlich kritisiert hat. Sie ist mehr als nur ein Weghören, sie ist eine Rebellion gegen den Heiligen Geist, der im Laufe der Heilsgeschichte immer wieder durch die Propheten gesprochen hat.
Und was ist passiert? Weil sie die Worte der Propheten nicht hören wollten, haben sie immer wieder die Propheten mundtot gemacht. Sie haben sie sogar umgebracht. Sie haben jene getötet, die den Messias angekündigt haben. Und auch den Messias selbst haben nun die anwesenden Juden, die Nachfahren der „Väter“, umgebracht.
Sie haben die Torah erhalten, ihnen hat Gott sich immer und immer wieder offenbart, doch sie haben sich nicht an die Gebote Gottes gehalten. Sie sind im Gegensatz zu den anderen Völkern um sie herum wunderbar begnadet worden, doch sie haben die Zeit der Gnade nicht erkannt.
Die Worte sind wirklich hart, aber Stephanus spricht sie als Aufruf zur Umkehr. Er möchte sie wachrütteln, die in ihrer Verstocktheit sich nur selbst schaden.
Doch das einzige, was er erreicht, ist äußerste Empörung und Zähneknirschen.
Er lässt sich gar nicht davon beirren. Stattdessen schaut er zum Himmel und erhält eine wunderbare Vision, in der er Christus zur Rechten des Vaters sitzen sieht. Ihm wird zuteil, was dem Propheten Daniel und später dann auch dem Seher in der Johannesoffenbarung geschenkt wird: Den Blick in den himmlischen Thronsaal.
Er spricht es auch aus in Anlehnung an den Propheten Daniel. Es ist eigentlich ein Schriftwort, das die Hohepriester und Schriftgelehrten kennen. Es ist auch jenes Schriftwort, dass sie beim Prozess Jesu in Rage gebracht hat und weshalb sie ihre Gewänder zerrissen haben. Es ist für sie der Höhepunkt der Blasphemie. Sie erkennen nicht, dass Jesus der Messias ist, oder vielmehr: Sie wollen es nicht einsehen, obwohl die Zeichen eindeutig sind.
Das bringt das Fass zum Überlaufen und so schreien die Anwesenden auf, treiben den Angeklagten zur Stadt hinaus und steinigen ihn. Es ist ein Fall von Lynchjustiz, der aber als heilige Handlung angesehen wird. Die Juden meinen, Gott mit dieser schrecklichen Tat einen Dienst zu erweisen. Sie verstehen nicht, was sie da tun. Und somit tun sie es ihren Vätern gleich, die schon nicht auf Gottes Stimme hören wollten und so seine auserwählten Knechte umgebracht haben.
Am Ende wird Saulus erwähnt, der später der größte Völkerapostel Paulus werden würde. Bis zu seiner Bekehrung ist er aber ein eifriger Christenverfolger und von seiner Bildung her Pharisäer. Ihm legen die Juden die Kleider zu Füßen. Er hat einen großen Anteil an dieser tragischen Geschichte, durch die eine Christenverfolgung in Jerusalem eingeleitet wird, die erste in der Geschichte der Christenheit.
Stephanus stirbt als Märtyrer. Er betet für seine Verfolger und übergibt Gott vertrauensvoll seinen Geist. Seine Haltung entspricht Jesus am Kreuz. Sein heroischer Mut hat ihn direkt an den Ort gebracht, den er unmittelbar vor seinem Tod schauen durfte.

Ps 31
3 Sei mir ein schützender Fels, ein festes Haus, mich zu retten!
4 Denn du bist mein Fels und meine Festung; um deines Namens willen wirst du mich führen und leiten.
6 In deine Hand lege ich voll Vertrauen meinen Geist; du hast mich erlöst, HERR, du Gott der Treue.

7 Ich setze auf den HERRN mein Vertrauen.
8 Ich will jubeln und deiner Huld mich freuen.
17 Lass dein Angesicht leuchten über deinem Knecht, hilf mir in deiner Huld!
21 Du verbirgst sie im Schutz deines Angesichts vor den Verschwörungen der Leute.

Was Stephanus im Sterben noch gebetet hat, erinnert uns an die Worte Jesu am Kreuz, die er laut Lukasevangelium gebetet hat. Sie entstammen Psalm 31, den wir nun als Antwort auf die Ereignisse der Apostelgeschichte beten. Es ist ein Vertrauenspsalm. Wir beten genau diesen Psalm auch am zweiten Weihnachtstag, der zugleich der Gedenktag des Heiligen Stephanus ist. Er gehört einfach zu ihm. Wir haben diesen Psalm auch in der Fastenzeit und vor allem an Karfreitag gebetet, weil er das Vertrauen Jesu noch in den letzten Atemzügen am Kreuz ausdrückt.
Zu Beginn des Abschnitts formuliert König David, dem wir den Psalm zuschreiben, die Bitte um Schutz. Gott möge ihn retten, der für David wie ein „schützender Fels“ und „ein festes Haus“ ist. Diese Bilder bieten Geborgenheit. Nicht umsonst greift Jesus diese Bilder in seiner Verkündigung auf und erklärt in Gleichnissen, dass das Vertrauen auf Gott wie das Bauen auf Felsen sei. Die Stürme und Regengüsse des Lebens, die Angriffe des Bösen und die Leiden der Welt können das Leben des Gottvertrauenden nicht erschüttern. Und wenn die Versuchungen noch so groß sind – wenn er sein Leben ganz auf Gott ausrichtet und die Heilsmittel in Anspruch nimmt, sich um den Stand der Gnade bemüht und sein Gewissen immer wachhält, wird er nicht hereinfallen. Er wird weiterhin an Gott festhalten und den Glauben nicht verlieren. Das größte Vorbild darin ist Christus, der so heftig versucht worden ist, weil der Böse die Erlösung unbedingt aufhalten wollte. Doch er hat die Rechnung ohne die intime Beziehung zwischen Vater und Sohn gemacht! Jesus hat bis zum letzten Atemzug am Vater festgehalten, auch wenn er sich ganz alleingelassen gefühlt hat. So ist es auch mit dem Haus Gottes, der Kirche. Weil sie auf Felsen gebaut ist, dem von Christus selbst ausgewählten Gestein „Petrus und seine Nachfolger“, stürzt sie auch in den schlimmsten Stürmen nicht ein.
Gott selbst ist dieser Felsen, der dein einzelnen Menschen, aber auch die Gesamtheit des Volkes Gottes, die Kirche heißt, führen und leiten. Weil er selbst die Kirche gestiftet hat, wird sie auch nicht untergehen und zerstört werden.
„In deine Hand lege ich voll Vertrauen meinen Geist“ war eines der letzten Worte des ersten Märtyrers. Er hatte dieses starke Gottvertrauen, das auch schon David ausgemacht hat.
Und so ist Stephanus direkt zum Herrn gekommen, dessen Herrlichkeit er in der Vision schon gesehen hatte. Nun kann er im Angesicht Gottes jubeln und dessen Huld sich freuen. Gott hat ihn für seine heldenhafte Tat belohnt. Nun darf Stephanus auf ewig bei Gott sein. Er ist Christus wirklich treu nachgefolgt, sogar in dessen unerschütterlichem Gottvertrauen.
Auch „in deiner Hand steht meine Zeit“ drückt diese Geborgenheit und das Vertrauen aus, das wir ausdrücken, wenn wir diesen Psalm beten.
Gott ist der einzige, der uns unseren Feinden entreißen kann. Er hat es bei Stephanus getan, der verfolgt worden ist für den Glauben an Jesus Christus. Auch uns wird der Herr erretten von unseren Feinden. Wir haben keine Garantie, dass er unser irdisches Leben bewahren wird. Oft wird uns ja gerade dieses genommen. Unseren Glauben und unser ewiges Leben kann aber kein Feind entreißen. Und wenn wir um Jesu willen umgebracht werden, kommen wir direkt zu ihm.
Beten wir diesen Psalm immer wieder, wenn wir in Not sind, vor allem in seelischer Not! Gott wird uns unserem wahren Feind entreißen: Dem Satan, der unsere Seele von Gott wegführen und uns den ewigen Tod, die Hölle bescheren will.
„Lass dein Angesicht leuchte über deinem Knecht“ – Ja das hat er ganz und gar getan. Er hat sich Stephanus gezeigt. Dieser durfte den himmlischen Thronsaal sehen und zugleich reflektierte sein Gesicht die Herrlichkeit Gottes. So konnten seine Feinde nicht anders, als sein Engelsgesicht tatsächlich anerkennen.
Gott hat die Seele des Stephanus bis zum Schluss beschützt. Die Verschwörungen seiner Neider haben zu seinem biologischen Tod geführt. Damit haben sie aber vor allem sich selbst geschadet, denn sie haben sich an dem Knecht Gottes versündigt. Sie haben aus der schrecklichen Untat der Kreuzigung Jesu Christi nicht gelernt, sondern sind weiterhin verstockt. Stephanus dagegen haben sie das sofortige Leben in Gottes Angesicht beschert. Er hat gewonnen, weil Gott über den Bösen gewinnt. Gott hat das letzte Wort und deshalb werden die Märtyrer auch mit einem Palmzweig dargestellt.

Joh 6
30 Sie sagten zu ihm: Welches Zeichen tust du denn, damit wir es sehen und dir glauben? Was für ein Werk tust du?
31 Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie es in der Schrift heißt: Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen.
32 Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel.
33 Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben.
34 Da baten sie ihn: Herr, gib uns immer dieses Brot!
35 Jesus antwortete ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.

Im Evangelium hören wir die Fortsetzung der großen Brotrede Jesu in Kafarnaum. Gestern sagte Jesus den alles entscheidenden Satz: „Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird!“ Er möchte, dass wir alles daran setzen, das ewige Leben zu gewinnen – und dafür schenkt er uns die Eucharistie.
Wir müssen bei dieser umfangreichen Rede bedenken, dass es genauer gesagt ein Dialog mit den anwesenden Menschen ist, denn sie stellen Jesus immer wieder Fragen, die er beantwortet. Die Menschen sind noch unschlüssig, ob sie Jesu Worte, die er in göttlicher Vollmacht spricht, glauben sollen. Und so beginnt unser heutiger Abschnitt mit der Frage: „Welches Zeichen tust du denn, damit wir es sehen und dir glauben?“
Sie denken noch ganz in den Kategorien der jüdischen Überlieferung. Sie denken an das Manna, das die Väter in der Wüste gegessen haben. Das ist für sie die höchste Form von „übernatürlichem“ Brot: eines, dessen „Übernatürlichkeit“ in dem Ursprung besteht, weil es vom Himmel herabgeregnet ist. Es ist aber weiterhin eine Speise für den Leib. Sie denken also immer noch in irdischen Kategorien.
Daraufhin reagiert Jesus mit den Worten: „Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel.“ Schon das Manna kommt von Gott dem Vater. Nicht Mose kann das Brot spenden, ihre höchste menschliche Autorität, auf die sie sich aufgrund der Torah berufen. Gott selbst nährt den Menschen, aber auch hier meint Jesus im zweiten Teil seines Satzes das „wahre Brot vom Himmel“ im Gegensatz zum Manna. Wir erkennen dies an dem nächsten Satz, in dem es heißt, dass Gott das Leben gibt. Und das wahre Leben besteht ja in dem ewigen Leben, das nie endet.
Das Gespräch hier in Kafarnaum ist analog zum Dialog am Jakobsbrunnen in Joh 4 zu sehen. Jesus greift irdisches und bekanntes auf, um die Menschen dort abzuholen, wo sie sind (am Jakobsbrunnen beginnt es mit Jesu Bitte um Wasser aus dem Brunnen, hier in Joh 6 beginnt es mit der wunderbaren Speisung mit Brot für den Leib). Davon ausgehend möchte er aber auf etwas Übernatürliches zu sprechen kommen, doch die Menschen missverstehen es und bleiben weiterhin dem Natürlichen verhaftet. So spricht auch die Frau die ganze Zeit von üblichem Wasser aus dem Brunnen, obwohl Jesus schon längst das lebendige Wasser meint. Sie beruft sich am Jakobsbrunnen auf eine menschliche Autorität (nicht Mose wie hier, dafür aber Jakob). Auch sie begreift nach und nach ein wenig mehr von Jesu Worten und kommt schließlich zu dem Wunsch: „Herr, gib mir von diesem lebendigen Wasser.“ Es ist analog zu jenem Wunsch der Anwesenden hier zu lesen, die sagen: „Herr, gib uns immer dieses Brot!“ Sie erkennen, dass es ein Brot ist, das qualitativ besser ist als das irdische Brot.
Und so wie bei der Frau offenbart sich Jesus hier direkt als jenes Brot, das vom Himmel herabkommt. Es meint zunächst ihn als fleischgewordenes Wort Gottes unter den Menschen. Nun verstehen wir es sakramental, denn in der Eucharistie ist er wirklich das Brot, das vom Himmel herabkommt – durch den Geist, der in der Epiklese auf die Gaben herabgerufen wird, werden sie in den Leib und das Blut Jesu Christi verwandelt. Er nimmt wie bei seiner Geburt in dem Moment „Fleisch“ an, also Materie, um ganz bei uns zu sein und vor allem, um das umzusetzen, was er versprochen hat – uns zu ernähren und zu bereiten für das ewige Leben!
Und wie es mit den Gaben Gottes im Gegensatz zu natürlichen Gütern so ist, nährt uns das Brot des Lebens vollkommen. Wir müssen nicht mehr hungern – es meint nicht den leeren Magen, sondern den Hunger des Lebens, den Hunger nach Liebe und Angenommensein, den Hunger nach der Gnade Gottes, nach seinem Frieden. Analog dazu hat Jesus die Frau am Jakobsbrunnen in ihrem Lebensdurst betrachtet, die durch die vielen Männergeschichten eigentlich eine ganz andere Sehnsucht offenbart – die Sehnsucht nach Sinn und nach einer Erfüllung des Lebens. Diese kann nicht gestillt werden durch Kompensationen wie Liebesbeziehungen, in denen der Partner den Menschen glücklich machen soll. Nur Gott kann dies tun. Und auch dort sagt Jesus, dass das lebendige Wasser umfassend tränkt, sodass man keinen Durst mehr bekommt.
Und am Ende dieses heutigen Abschnitts werden wir an seine Worte aus Joh 4 wieder erinnert, weil er auch hier sagt, dass der Mensch, der an ihn glaubt, keinen Durst mehr haben wird.

Die Beziehung zu Gott ist es, die uns nährt und tränkt – unsere Sehnsucht stillt. Sie ist es, die uns das ewige Leben schenkt. Wenn wir in diesem Leben schon ja zu ihm sagen, wird er gleichermaßen antworten am Ende unseres Lebens. Der Weg ist lang und beschwerlich. Wir haben an Stephanus gesehen, dass er sehr steinig ist. Wenn wir jedoch durch das Brot und das Wasser des Lebens gestärkt werden, können wir diesen Weg bis zum Schluss gehen wie die Märtyrer. Dann werden auch wir das ewige Leben haben. Für die Kirche heißt das, dass die Eucharistie entscheidend ist. Sie ist das Allerwichtigste! Ohne sie lässt die Kirche, die Mutter der Neugeborenen im Heiligen Geist, ihre Kinder verhungern und verdursten. Wie können die Gläubigen den Weg gehen ohne das lebendige Brot? Für unseren persönlichen Lebenswandel heißt das, dass wir ganz und gar diese übernatürlichen Güter anstreben sollen. Darin sollen wir unsere ganze Kraft und Zeit investieren. Das Maß der natürlichen Güter sollen wir dem anpassen, denn sie sind für uns insofern erstrebenswert, als sie diese übernatürlichen Gaben begünstigen oder zumindest diesen nicht entgegen stehen. Das ist keine Spaßverderberei, sondern Jesus selbst hat es den Menschen damals in Kafarnaum und auch uns Christen heute gesagt.

Danken wir dem Herrn, dass er sich uns in der Eucharistie schenkt und uns nähren will Tag für Tag. Wenn wir das Vaterunser sprechen und darin um das tägliche Brot bitten, meinen wir nicht nur das leibliche Wohl, sondern vor allem die Bitte um die Eucharistie. Sie zu erhalten, soll jeden Tag unsere höchste Priorität darstellen. Jetzt in dieser schwierigen Zeit ist es uns nicht möglich, doch diese erzwungene Enthaltsamkeit von den Sakramenten soll uns zum zukünftig bewussteren Empfang führen. Es ist wie das Fasten von irdischem Brot. Wenn man nach vielen Stunden des Fastens ein einfaches Stück Brot zu sich nimmt, schmeckt es besonders gut und intensiv. Man lernt das Brot wieder neu zu schätzen. Gebe Gott, dass es uns mit der Eucharistie so ergehen wird!

Ihre Magstrauss

Markus Evangelist (Fest)

1 Petr 5,5b-14; Ps 89,2-3.6-7.16-17; Mk 16,15-20

1 Petr 5
5 Ordnet euch den Ältesten unter! Alle aber begegnet einander in Demut! Denn Gott tritt Stolzen entgegen, Demütigen aber schenkt er seine Gnade.
6 Beugt euch also in Demut unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöht, wenn die Zeit gekommen ist!
7 Werft alle eure Sorge auf ihn, denn er kümmert sich um euch!
8 Seid nüchtern, seid wachsam! Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann.
9 Leistet ihm Widerstand in der Kraft des Glaubens! Wisst, dass eure Brüder und Schwestern in der Welt die gleichen Leiden ertragen.
10 Der Gott aller Gnade aber, der euch in Christus zu seiner ewigen Herrlichkeit berufen hat, wird euch, die ihr kurze Zeit leiden müsst, wieder aufrichten, stärken, kräftigen und auf festen Grund stellen.
11 Sein ist die Macht in Ewigkeit. Amen.
12 Durch Silvanus, den ich für einen treuen Bruder halte, habe ich euch kurz geschrieben: Ich habe euch ermahnt und habe bezeugt, dass dies die wahre Gnade Gottes ist, in der ihr stehen sollt.
13 Es grüßt euch die mitauserwählte Gemeinde in Babylon und Markus, mein Sohn.
14 Grüßt einander mit dem Kuss der Liebe! Friede sei mit euch allen, die ihr in Christus seid!

Heute feiern wir das Fest des Evangelisten Markus. Der Überlieferung nach handelt es sich bei Markus um den Petrus- und Paulusbegleiter Johannes Markus, der die Informationen für sein Evangelium von Petrus selbst hat. Deshalb hören wir heute sowohl aus eben jenem Evangelium als auch aus dem ersten Petrusbrief. Am Ende des Briefes wird unter anderem Markus erwähnt, den Petrus als seinen Sohn bezeichnet.
Der Brief behandelt unter anderem das Thema Hierarchie, vor allem die Einordnung der Getauften in das staatliche System. Sie gehören als Getaufte schon der Ewigkeit an, müssen aber in der Welt leben, in der Fremde, wie Petrus gerne zur Welt sagt.
Es geht um verschiedene Ebenen von Unterordnung. So behandelt er auch das Leben in der Familie oder wie hier zu Anfang des Abschnitts in der Gemeinde.
Er betont zunächst, dass die Christen sich ihren Ältesten unterordnen sollen (das griechische Wort ist presbyteros, wovon das Wort „Priester“ sich ableitet). Zugleich sollen die Gemeindemitglieder einander in Demut begegnen, das heißt unabhängig von ihrem Amt oder ihrer Weihe, ihrem Status einander dienen. Die dienende Hingabe ist gottgefällig und „Gott tritt Stolzen entgegen.“ Die Gnade fließt, wo der Mensch demütig ist. Das kann Petrus absolut von sich selbst sagen. Als er hochmütig und in totaler Selbstüberschätzung lebte, konnte Gott ihn noch nicht zum Felsen seiner Kirche machen. Erst als er gedemütigt wurde, seine eigene Armut sah und voller Reue über seine Verleugnung Christi diesem seine Liebe zusagte (Herr, du weißt, dass ich dich liebe), konnte Christus zu ihm sagen: „Weide meine Schafe“.
Wenn wir uns beugen unter die Hand Gottes, die die einzig wahre Macht ist, werden wir erhöht. Das ist mit Christus geschehen, den der Vater erhöht hat über alle anderen, weil er freiwillig in die tiefste Schande gegangen ist. Dies ist der Fall bei allen Aposteln, die ihr Leben hingegeben haben für Christus und für ihn den Märtyrertod gestorben sind (außer Johannes). All die Christen, die verspottet worden sind aufgrund ihres Glaubens, die gesellschaftliche Nachteile erlitten haben und erleiden, die verfolgt werden. Aber auch jene, die ihren Glauben frei leben können und sich ganz aufgeopfert haben für den Nächsten, die sich ganz klein gemacht haben, obwohl sie vor der Welt ganz groß waren (Franziskus, Ignatius von Loyola, Edit Stein, Mutter Teresa etc.). Sie haben sich ganz unter die Hand Gottes begeben und nun wähnt die Kirche sie bei Gott.
„Werft alle eure Sorge auf ihn, denn er kümmert sich um euch!“ Das ist ein tröstliches Wort, das auf Jesus zurückverweist, der den Menschen gesagt hat: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Ich werde euch Ruhe verschaffen!“ Gott kümmert sich wirklich um jedes seiner Kinder – und zwar so, als ob es das einzige Kind wäre. Er richtet seine ganze Aufmerksamkeit auf jeden Einzelnen. Keines seiner Kinder wird vernachlässigt. Wir müssen seine Aufmerksamkeit, seine Fürsorge, seine Hilfe aber auch von uns aus suchen und beanspruchen. Das fällt vielen Menschen schwer. Menschen möchten gerne alles selbst machen und sind zu stolz, die Hilfe Gottes in Anspruch zu nehmen. Es wird dann Autonomie genannt, Mündigkeit und Reife. Dabei ist es Torheit, weil die menschliche Natur von Schwäche geprägt ist und eben nicht alles unter Kontrolle haben kann.
„Seid nüchtern, seid wachsam!“ Wir leben in der Endzeit und die Zustände werden immer schlimmer und gottloser. Es ist wichtig, aufmerksam zu beobachten, was um uns geschieht. Wir müssen die Entwicklungen zur Kenntnis nehmen, damit wir ihnen nicht anheimfallen. Wenn wir im Rausch der Welt verbleiben, merken wir nicht, wie wir mit der Masse von Gott weggezogen werden und der Taktik des Bösen auf den Leim gehen. Wachsamkeit und Nüchternheit haben beide nichts mit Angst und Panik zu tun. Wir müssen alles beobachten und richtig einordnen, aber wir brauchen uns nicht zu fürchten. Was kann uns schon passieren? Selbst wenn unser Leben genommen wird, ist es doch nur das irdische Dasein. Unseren Glauben kann man uns nicht nehmen, auch nicht das ewige Leben bei Gott!
Der Böse ist sehr aggressiv in dieser Zeit – das heißt in der angebrochenen Endzeit. Ihm bleibt nicht mehr viel Zeit und er versucht alles, um uns Menschen von Gott wegzuführen. Das wird hier bildhaft mit dem Verschlingen ausgedrückt. Der Satan ist wie ein brüllender Löwe, er ist angsteinflößend und kommt majestätisch daher. Dabei ist er im Vergleich zu Gott nicht mehr als ein jaulendes Kätzchen. Sobald der Mensch die Angst vor ihm verliert, ist er schon größtenteils entmachtet. Geben wir ihm keine Chance!
Alle kämpfen den gleichen Kampf. Alle müssen leiden wegen dem Bösen, der die Menschen von Gott wegzieht. Und alle müssen denselben Widerstand leisten. Die Absage gegen den Bösen und die Waffen gegen ihn sind mächtig. Sie bestehen im Wesentlichen in den Heilsmitteln der Kirche, die ausrüsten gegen den Satan.
Das Leiden wegen der satanischen Angriffe ist zeitlich streng umrissen. Das tröstet, weil der Leidende Licht am Ende der Tunnels erhoffen darf. Und in dieser Zeit rüstet Gott mit allen Gnadenmitteln aus, mit den Sakramenten und Sakramentalien, die der Christ benötigt. („Der Gott aller Gnade aber, der euch in Christus zu seiner ewigen Herrlichkeit berufen hat, wird euch (…) wieder aufrichten, stärken, kräftigen und auf festen Grund stellen.“).
Diese Zusage schließt er ab mit einer Gebetsformel („Sein ist die Macht in Ewigkeit. Amen“).
Zum Ende hin erwähnt Petrus, dass Silvanus (das ist ein anderer Name für Silas, den wir auch von Paulus kennen) den Brief für ihn abgefasst hat. Durch ihn hat Petrus sich an die Adressaten gerichtet.
Er fasst nochmal zusammen, wozu er die Gemeinden ermahnt hat („dass dies die wahre Gnade ist, in der ihr stehen sollt“).
Dann kommen noch abschließende Grüße und hier kommt nun der Name des Markus ins Spiel.
„Es grüßt euch die mitauserwählte Gemeinde in Babylon und Markus, mein Sohn.“ Die „mitauserwählte Gemeinde“ sagt aus, dass auch die Gemeinde des Petrus zu den Erwählten zählt (für ihn ein Begriff der Berufenen durch die Taufe, ein Begriff für die Erben im Reich Gottes). Mit Babylon wird eine Chiffre ausgesagt, die in der Bibel oft für Rom verwendet wird. So ist es auch in der Johannesoffenbarung. Petrus ist in Rom, er leitet dort die Gemeinde. Es grüßt auch Markus, der wohl bei Petrus in Rom ist. Wenn Petrus ihn seinen Sohn nennt, ist das nicht biologisch gemeint, sondern geistlich. Die Kirche ist Familie Gottes und die Jünger, die die Apostel begleiten, neu zum Glauben kommen oder einfach jünger sind als ihre Mentoren, werden oft als Kinder bezeichnet. Es ist eine liebenswürdige Bezeichnung, schon fast ein Kosename.
Es endet mit einer üblichen Formel: „Grüßt einander mit dem Kuss der Liebe!“ bezieht sich dabei auf ein gutes Verhältnis der Gemeindemitglieder zueinander. Sie sollen friedlich miteinander reden und keinen Streit haben. Der Kuss der Liebe, der auch oft als heiliger Kuss bezeichnet wird (so bei Paulus), meint die Geste des Friedensgrußes in der Liturgie. Die Mitglieder sollen sich gut vertragen. Dazu passt dann auch der letzte Satz „Friede sei mit euch allen, die ihr in Christus seid!“ Es soll Friede bei den Christen sein, der Friede Gottes, die übernatürliche Gabe, die der Heilige Geist spendet. Er schenkt einen Frieden, den die Welt nicht geben kann und der durch die Versöhnung wirksam wird.

Ps 89
2 Von der Huld des HERRN will ich ewig singen, von Geschlecht zu Geschlecht mit meinem Mund deine Treue verkünden.
3 Denn ich bekenne: Auf ewig ist Huld gegründet, im Himmel deine Treue gefestigt.
6 Die Himmel preisen deine Wunder, HERR, und die Versammlung der Heiligen deine Treue.
7 Denn wer im Gewölk gleicht dem HERRN, ist dem HERRN ähnlich unter den Söhnen der Götter?
16 Selig das Volk, das den Jubelruf kennt, HERR, sie gehen im Licht deines Angesichts.
17 Sie freuen sich allezeit über deinen Namen und sie jubeln über deine Gerechtigkeit.

Der Psalm des heutigen Festtags ist ein Lobpreis Gottes. Er beginnt wie üblich mit einer Selbstaufforderung zum Lob, das in dem ewigen Gesang von der Huld Gottes besteht. „Von Geschlecht zu Geschlecht“ zeigt, dass es über den Psalmisten hinausgeht. Er lebt ja nur ein Leben und bekommt ja nicht mehrere Geschlechter, also Generationen, mit.
Es ist ein Gebet des Volkes Israel zu jeder Zeit, in jeder Etappe der Heilsgeschichte. Gott hat zu jeder Zeit Pläne des Heils und hilft seinem Volk aus allem heraus.
Seine Huld ist Anlass zu dem Bekenntnis, dass Gott der ewig Treue ist.
Die ganze Schöpfung preist Gott, auch die Natur. „Die Himmel“ bezieht sich überdies auf die unsichtbare Welt, die ebenfalls Schöpfung Gottes ist, bestehend aus den Engeln. Auch die Heiligen preisen ihn. Es ist ein einziger Lobpreis im Himmel und auf der Erde, ein gemeinsames Besingen der Güte Gottes.
Keiner kann sich mit Gott messen, auch die mächtigen Engel sind viel niedriger als Gott. Keiner kann sich mit ihm vergleichen, sondern kann ihn nur lobpreisen.
Wir beten, dass das auserwählte Volk (הָ֭עָם ha’am) sich freuen kann, das den Jubelruf kennt (תְרוּעָה teru’ah heißt auch „Kriegsgeschrei“). „Im Licht deines Angesichts“ ist eine Umschreibung für den Stand der Gnade. Das auserwählte Volk hat den Segen Gottes, wenn es ihn stets lobt und preist, in seinem Namen jauchzt und Gottes Gerechtigkeit anerkennt. Dann geht es im „Licht seines Angesichts“. Dann ist es im Stand der Gnade und auch wir.
Verbunden mit Gottes Namen ist die Freude und der Jubel. Gott kann nur glücklich machen. Wir können nur jubeln, wenn wir erkannt haben, was Gott auch bis heute Gutes tut. Seine Pläne sind wirklich stets Heilspläne.

Mk 16
15 Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung!
16 Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden.
17 Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden;
18 wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.
19 Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.
20 Sie aber zogen aus und verkündeten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte das Wort durch die Zeichen, die es begleiteten.

Im Evangelium hören wir den Abschluss des Markusevangeliums. Er lässt sich einbetten in die Osterzeit, denn wir hören von Jesu letzten Worten, bevor er in den Himmel auffährt.
Es ist der Auftrag an die Jünger, in die ganze Welt hinauszugehen und das Evangelium zu verkünden. Das meint nicht nur die Apostel, sondern auch den weiteren Jüngerkreis. Es wird so kommen, dass jeder Christusgläubige von seiner Liebe sprechen wird und das Christentum sich durch die römische Infrastruktur rasch verbreiten wird.
„Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet“ – die Taufe ist das äußere Zeichen des Glaubens an Christus. Deshalb wird beides getrennt an dieser Stelle genannt. Es ist logisch, dass wer zum Glauben gekommen ist, sich auch taufen lassen will. Die Rettung besteht in einem Leben in Ewigkeit, im Himmelreich. „Wer nicht glaubt, wird verurteilt werden.“ Das bedeutet, dass die Ungläubigen das ewige Leben nicht haben werden. Sie bleiben ewig von Gott abgeschnitten, was wir Hölle nennen. Jesus spricht hier eindeutige Worte. Die Taufe ist heilsnotwendig, weil der Glaube an Gott es ist. Deshalb sollen alle mit der Botschaft des Evangeliums in Kontakt kommen, damit sie dieses ewige Leben haben. Alle sollen gerettet werden, denn Christus ist für alle Menschen gestorben. Der Neue Bund ist besiegelt worden für jeden einzelnen Menschen.
Die Getauften werden folgende Zeichen im Namen Gottes tun: Exorzismus, Zungenrede, Unversehrtheit in Gefahr, Krankenheilung. Diese Dinge sind nicht an eine sakramentale Weihe gebunden, sondern hängen mit der Taufe zusammen (Taufe und Firmung, denn in der ersten Zeit werden beide Sakramente als ein gemeinsames angesehen). Wer den Heiligen Geist empfängt, der wird mit seinen Charismen beschenkt. Zu diesen gehören die aufgezählten Zeichen. Der Befreiungsdienst erfährt in heutiger Zeit eine immer größere Dimension und wird zunehmend professionalisiert. Befreiungsgebete darf jeder sprechen, aber für die Aposteln hat Jesus an anderer Stelle den expliziten Auftrag, Exorzismen durchzuführen. Solche dürfen dann nur von Bischöfen oder bischöflich Beauftragten Priestern durchgeführt werden. Das ist ein Unterschied (diese Exorzismen müssen nach einem festgelegten Ritus geschehen, einfache Befreiungsgebete darf jeder Getaufte beten und gestalten, wie er möchte).
Dann geht Jesus heim zum Vater, um sich zu dessen Rechten niederzulassen. So beten wir es im Glaubensbekenntnis.
Die Jünger setzen gehorsam um, was Jesus ihnen aufgetragen hat. Sie verkünden überall (gewiss geschieht das erst nach dem Pfingstereignis, das hier nicht erwähnt wird).
Und so wie Jesus seine Verkündigung durch Heilstaten unterstrich, wodurch die meisten Menschen überhaupt erst gläubig geworden sind, so ist es mit der Verkündigung seiner Jünger, die von Heilstaten im Namen Jesu begleitet werden. Der Herr steht ihnen bei allem bei, weil er ihnen versprochen hat, immer bei ihnen zu sein. Dies wird uns im Matthäusevangelium zum Schluss explizit gesagt.

Petrus und Markus, sein „Sohn“ haben diesen Auftrag Jesu Christi gewissenhaft umgesetzt. Sie sind bis nach Rom gegangen, um dort das Evangelium Jesu Christi zu predigen und die Gemeinde aufzubauen. Markus hat die Augenzeugenberichte des Petrus aufmerksam gehört und in sein Evangelium geschrieben, um die vielen Heilstaten und Worte Jesu Christi schriftlich festzuhalten. Es musste für die Nachwelt gesichert werden. Man merkt am Evangelium, dass Markus unsortiert mitgeschrieben hat – ganz so, wie Petrus mündlich erzählt und dabei natürlich von Thema zu Thema springt, je nach Situation. Man spürt förmlich, wie der Evangelist es so ungeändert wie möglich belässt, damit dieser Stil beibehalten wird.

Danken wir Gott für diesen Menschen, der Petrus und Paulus zugleich nahestand, der vieles von der frühchristlichen Mission mitbekommen hat und für uns so wichtige Worte schriftlich festgehalten hat. Danken wir Gott dafür, dass die Jünger Jesu Christi dessen Auftrag so ernst genommen und weltweit das Evangelium verkündet haben. Sonst wäre das Christentum nicht zu uns gekommen.

Ihre Magstrauss