Montag der 22. Woche im Jahreskreis

1 Kor 2,1-5; Ps 119,97-98.99-100.101-102; Lk 4,16-30

1 Kor 2
1 Auch ich kam nicht zu euch, Brüder und Schwestern, um glänzende Reden oder gelehrte Weisheit vorzutragen, sondern um euch das Geheimnis Gottes zu verkünden.

2 Denn ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten.
3 Zudem kam ich in Schwäche und in Furcht, zitternd und bebend zu euch.
4 Meine Botschaft und Verkündigung war nicht Überredung durch gewandte und kluge Worte, sondern war mit dem Erweis von Geist und Kraft verbunden,
5 damit sich euer Glaube nicht auf Menschenweisheit stützte, sondern auf die Kraft Gottes.

In der heutigen Lesung aus dem ersten Korintherbrief setzen sich die Themen der Weisheit Gottes und Kraft des Kreuzes fort. Jesus hat in seinem ganzen Wirken die Schlichtheit gewählt, um das Hochmütige der Welt ganz zu entlarven.
Diesen Gedanken führt er heute noch etwas weiter aus: Er kam nicht nach Korinth, „um glänzende Reden oder gelehrte Weisheit“ zu bringen. Die Rhetorik sowie die Weisheitslehre entstammen der Griechen. Das kennen die Korinther zur Genüge von ihren großen Rhetorikern und Philosophen. Das „Geheimnis Gottes“, das Paulus dagegen bringen will, ist die Entäußerung des Allmächtigen, der freiwillige Verzicht auf die Demonstration göttlicher Allmacht.
Paulus hätte glänzende Reden und hohe Philosophie lehren können, da er darin ausgebildet worden ist. Er hätte selbst damit glänzen können, aber er tut es Jesus gleich, indem er auf seine „Macht“ verzichtet (das heißt, seine Bildung und Kompetenz zur Schau zu stellen).
Warum aber kam Paulus in Schwäche, Furcht, zittern und bebend? Er hat mehrfache Misshandlungen hinter sich. Gerade die Juden an anderen Orten, zu denen er immer zuerst ging, nahmen seine Botschaft nicht an. Dass er in Schwäche nach Korinth kam, ist einerseits auf die Strapazen der langen Reisen zu beziehen, andererseits ist an anderer Stelle die Rede davon, dass Paulus ein chronisches Problem hatte. Womöglich hat dieses ihn geschwächt. Das Zittern ist ebenfalls mehrfach deutbar: Entweder ist es im Kontext der Schwäche und der Furcht als Angstzittern zu verstehen (weniger um sich selbst als um diejenigen, denen er das Evangelium bringen will) oder sogar als Kältezittern, was wiederum auf die Strapazen der Reise zu beziehen wäre.
Paulus sagt selbst, dass er nicht Überredungskunst aufwenden wollte, sondern seine Botschaft ist mit Geist und Kraft ausgestattet. Er rühmt dadurch nicht sich selbst, sondern bekennt, dass seine Botschaft eigentlich Gottes Botschaft ist. „Geist und Kraft“ sind dabei die Stichworte, die schon Elija zugeschrieben worden sind und Johannes den Täufer mit ihm in Verbindung gebracht haben.
Und weil Gottes Geist so eine Kraft hat, ist eine menschlich geschmückte Rhetorik auch nicht vonnöten. Damit möchte Paulus auch nicht punkten, sondern er möchte, dass der Geist Gottes in der Schlichtheit seiner Verkündigung die Menschen berührt.
So soll auch die kirchliche Verkündigung sein. Die Menschen sollen zu Werkzeugen Gottes werden, die sich für den Geist Gottes öffnen und denen es um diesen Geist geht. Wo Menschen aber um sich selbst kreisen und sich selbst feiern, verkünden und leben, ist kein Platz mehr für den Geist Gottes. Wie kann der Gekreuzigte Inhalt der Verkündigung sein, wo Menschen nicht zu derselben Entäußerung bereit sind wie er? Diese soll im Auftreten beginnen, in den gesprochenen Worten durchklingen und im Verhalten sichtbar sein. Die schlichte Liebe in Wort und Tat ist es, die den Gekreuzigten reflektiert. Dann bricht die Weisheit Gottes durch beides hindurch bis ins Herz jedes Einzelnen. Dann verblasst jede Menschenweisheit.

Ps 119
97 Wie sehr liebe ich deine Weisung, den ganzen Tag bestimmt sie mein Sinnen.

98 Dein Gebot macht mich weiser als meine Feinde, denn es ist mein auf ewig.
99 Ich wurde klüger als alle meine Lehrer, denn deine Zeugnisse bestimmen mein Sinnen.
100 Mehr Einsicht habe ich gewonnen als die Alten, denn deine Befehle bewahrte ich.
101 Von jedem bösen Pfad hielt ich meine Füße zurück, damit ich dein Wort beachte.
102 Ich wich nicht ab von deinen Entscheiden, du selbst hast mich unterwiesen.

Als Antwort beten wir einige Verse aus dem längsten Psalm des Psalters. Sein Thema ist der Lebensweg mit Gott und die Befolgung seiner Gebote. Der Beter macht zu Beginn des heutigen Abschnitts der Torah eine „Liebeserklärung“, indem er sagt: „Wie sehr liebe ich deine Weisung, den ganzen Tag bestimmt sie mein Sinnen.“ Mit „Weisung“ ist die Torah gemeint, die das Denken des Beters bestimmt, ganz wie Dtn 6,4-9 es vorschreibt. Er ist regelrecht „verliebt“, so sehr bestimmt Gott sein ganzes Leben. Mit dieser Leidenschaft sollen wir alle Gott lieben und ihn immer an die erste Stelle setzen. Dann wird unser ganzes Leben geordnet. Und so hat der Mensch auch Segen. Wenn Gott den Psalmenbeter, und zusammen mit ihm auch uns, so erfüllt, dann erfüllen seine Gebote uns mit göttlicher Weisheit. Diese ist ewig und übernatürlich, deshalb ist man damit den Feinden stets überlegen.
Die „Alten“, die hier genannt werden und die weniger Einsicht als der Beter erhielten, sind wohl jene, die noch vor der Gabe der Torah gemeint sind. Vielleicht sind damit aber auch jene gemeint, die sündig gelebt und die Gebote Gottes abgelehnt haben. Denn die Erzväter stehen der Generation Davids ja in nichts nach, wenn es um das Wohlgefallen Gottes geht. Paulus wird das vor allem im Römerbrief reflektieren, wenn es um die Gerechtigkeit Abrahams geht. Auch ohne Torah stand er in der Gunst Gottes. Somit können wir davon ausgehen, dass hier die frevelhaften „Alten“ gemeint sind. Eine letzte Interpretationsmöglichkeit besteht in der rhetorischen Lesart. Womöglich soll poetisch ausgesagt werden, dass die Heilige Schrift ganz unerschöpflich ist und man immer tiefer aus ihr schöpfen kann. So begreift man sie immer mehr und kann sogar die Vorfahren übertreffen. Das Sinnen bestimmen nicht die „Zeugnisse“, sondern die „Gebote“, was eine bessere Übersetzung für עֵ֝דְוֹתֶ֗יךָ edotejcha darstellt. Die Einheitsübersetzung entscheidet sich oft für die Übersetzung „Zeugnis“, wobei der Sinn des Verses dadurch verdunkelt wird.
Dass die Interpretation der Alten als Frevler nicht ganz falsch sein kann, erkennen wir am nächsten Vers: Dort heißt es, dass der Psalmist mehr Einsicht gewonnen hat, weil er die Gebote hält. Das lässt uns erkennen, dass die Alten das nicht immer getan haben.
Der Beter hat das Böse immer gemieden, um Gottes Gebote nicht zu übertreten. Kein Fuß hat ihn auf den bösen Weg geführt. Er ist nie abgewichen und Gott selbst war sein Lehrer.
Diese Worte müssen wir auf Paulus zurückbeziehen. Er selbst ist so erfüllt von Gottes Wort, dass er stets darüber nachsinnt. Seine Leidenschaft für Gott brennt so stark, dass er bereit ist, alles dafür zu opfern. Er kommt mit Zittern zu den Menschen ganz in der Hoffnung, dass sie das Evangelium Jesu Christi annehmen. So sehr liegt es ihm am Herzen. Und alles, was er wirklich braucht, um die Menschen mit dem Evangelium zu berühren, hat ihm Gott selbst beigebracht, der wirklich sein Lehrer ist. Seine hohe Bildung bringt ihm hier weniger, denn sie ist menschengemacht. Sicher hilft es ihm in manchen Situationen, Menschen mit seiner Rhetorik und Bildung „dort abzuholen, wo sie sind“, doch die entscheidende Wirkung erzielt nicht dies, sondern der Geist Gottes. Alles Menschliche dient lediglich als Rahmenwerk.
Wenn wir das einmal verstanden haben, wird unsere Verkündigung heutzutage wieder an Kraft gewinnen und wir werden die Menschen wieder zum Glauben führen. Die Kirche wird wieder authentischer werden, weil brennende Geistliche, die in Gott „verliebt“ sind, anstecken.

Lk 4
16 So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um vorzulesen,

17 reichte man ihm die Buchrolle des Propheten Jesaja. Er öffnete sie und fand die Stelle, wo geschrieben steht:
18 Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze
19 und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.
20 Dann schloss er die Buchrolle, gab sie dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.
21 Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.
22 Alle stimmten ihm zu; sie staunten über die Worte der Gnade, die aus seinem Mund hervorgingen, und sagten: Ist das nicht Josefs Sohn?
23 Da entgegnete er ihnen: Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! Wenn du in Kafarnaum so große Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat!
24 Und er setzte hinzu: Amen, ich sage euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt.
25 Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam.
26 Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon.
27 Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman.
28 Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut.
29 Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen.
30 Er aber schritt mitten durch sie hindurch und ging weg.


Jesus ist ganz erfüllt vom Hl. Geist. Er lehrt die Juden heute mit göttlicher Vollmacht und erklärt, dass die Verheißungen der Hl. Schriften sich in ihm erfüllen. In der heutigen Episode soll er aus der Hl. Schrift vorlesen und diese auslegen. Ihm wird ausgerechnet Jesaja gereicht, der die prägnanteste Messiaserwartung beinhaltet. Jesus liest Worte vor, die eins zu eins auf ihn zutreffen. Ihm ist klar, dass er sich selbst in Gefahr bringt, wenn er die folgenden Worte spricht, und doch sagt er sie: „Heute hat sich das Schriftwort (…) erfüllt.“ Das ist für jüdische Ohren, die Jesus als Gott nicht erkennen, absolut blasphemisch. Jesus bezeichnet sich als Gesalbten, was auf hebräisch Messias heißt. Am Ende des heutigen Abschnitts lesen wir zwar noch, dass die Anwesenden erstaunt sind und ihm zustimmen. Sie werden von den vielen Wundertaten und der brennenden Verkündigung Jesu gehört haben. Sie werden von Blindenheilungen und von der frohen Botschaft Jesu Christi erfahren haben. Ihnen wird aufgefallen sein, welch Segen von diesem Menschen ausgeht. Und doch hält diese Anerkennung nicht lange an. Sie sind erstaunt, wie jemand, den sie als einfachen Sohn eines Zimmermanns ihrer Stadt kannten, plötzlich so redet. Jesus sagt daraufhin, weil er ihre Herzen kennt, dass ein Prophet in seiner Heimatstadt nicht anerkannt wird, eben aus jenem Grund: Die Leute haben ihn von klein auf aufwachsen gesehen und respektieren ihn deswegen nicht.
Auch wir werden vor die Entscheidung gestellt: Nehmen wir Jesus als den Messias an und beweisen dabei unsere Liebe zu Gott? Dieser Zusammenhang ist uns heute ja im Paulusbrief sowie im Psalm erklärt worden. Nehmen wir den Christus an oder wollen auch wir ihn ablehnen? Wann tun wir das denn konkret? Jedesmal, wenn wir Gottes Gebote eben nicht halten, dann lehnen wir auch Christus ab, der für unsere Sünden gestorben ist.
Wo Ablehnung herrscht, kann Gott nicht wirken. Das betrifft auch die Kirche heute. Wo die Menschen selbst und aus eigener Kraft etwas bewirken wollen, lassen sie dem Geist Gottes keinen Raum. Wenn sie ihn ablehnen, zieht er sich auch zurück, denn der freie Wille ist Gott heilig. So ist es auch bis zum Schluss. Wer den Hl. Geist ablehnt und so auch die vergebende Barmherzigkeit Gottes, richtet sich selbst für die Hölle. Denn der Geist Gottes ist es, durch den uns vergeben wird. Jesus sagt zu seinen Jüngern als Auferstandener: „Empfang den Hl. Geist. Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben und wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.“
Diese allzu menschliche Haltung, die Jesus hier anspricht, gilt zu jeder Zeit. So verweist er auf den Syrer Naaman. Er nimmt es auch zuerst nicht an, lässt sich dann aber eines besseren belehren und so wird er doch geheilt. Zur Zeit der Propheten Elija und Elischa bleiben viele Heilungen aus, weil die Menschen nicht mit Glauben zu ihnen kamen und diese nicht anerkannten. Heilungen Gottes sind keine Automatismen. Wer innerlich gar nicht glaubt, dass Gott sie heilen kann, wird auch nicht geheilt. Wer nicht wenigstens ein wenig sein Herz dafür öffnet, an dem wird Gott auch nicht handeln können. Keiner wird gegen seinen eigenen Willen geheilt. Das gilt bis heute.
Jesus hat diese ganzen Worte nicht gesprochen, um irgendwen zu provozieren, sondern es stellt eine Lektion für die Menschen dar. Er sagt es, um sie wachzurütteln, damit sie ihn annehmen. Stattdessen werden sie wütend und wollen ihn umbringen. Jesus hat keine Angst und geht ganz gelassen durch die Menge hindurch weg von den Nazarenern. Sie haben die Zeit der Gnade nicht erkannt. Gott kritisiert die Menschen nicht, um sie fertig zu machen oder weil ihm das gefällt. Er tut es, um die Menschen zur Besinnung zu führen. Er weiß, was ihnen wirklich fehlt, er kann ihnen das lebendige Wasser aber nur zu trinken geben, wenn sie den Mund aufmachen und zu trinken beginnen.

Liebe hat mit Entscheidung zu tun. Wenn wir Gott ablehnen, verpassen wir ihm einen Korb. Wenn wir uns für ihn entscheiden, gehen wir mit ihm eine Liebesbeziehung ein und erfahren dann das, was Paulus und David uns in den Lesungen heute gelehrt haben, die Verliebtheit in Gott.

Ihre Magstrauss

22. Sonntag im Jahreskreis

Jer 20,7-9; Ps 63,2.3-4.5-6.8-9; Röm 12,1-2; Mt 16,21-27

Jer 20
7 Du hast mich betört, o HERR, und ich ließ mich betören; du hast mich gepackt und überwältigt. Zum Gespött bin ich geworden den ganzen Tag, ein jeder verhöhnt mich.
8 Ja, sooft ich rede, muss ich schreien, Gewalt und Unterdrückung! muss ich rufen. Denn das Wort des HERRN bringt mir den ganzen Tag nur Hohn und Spott.
9 Sagte ich aber: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen sprechen!, so brannte in meinem Herzen ein Feuer, eingeschlossen in meinen Gebeinen. Ich mühte mich, es auszuhalten, vermochte es aber nicht.

In der ersten Lesung hören wir heute aus der fünften Konfession des Propheten Jeremia. Gott hat ihn betört, ihn gepackt und überwältigt. So sehr berührt ihn die Botschaft Gottes. Er ist davon ganz eingenommen, nicht weil Gott gegen seinen Willen Macht über ihn ergriffen hat, sondern weil Jeremia die Berufung angenommen hat. So ist er ganz Feuer und Flamme dafür. Jeremia beschreibt in den Versen, dass er nicht anders kann, als Gott zu verkünden. Zwar bringt es ihm Spott und Hohn, weil die Menschen ihn belächeln und nicht auf ihn hören, aber er kann auch nicht schweigen. Es ist ein Dilemma, denn er erleidet um des Namens Gottes willen sehr viel, kann aber auch nicht schweigen. Denn wenn er versucht, nichts mehr zu sagen, „so brannte in meinem Herzen ein Feuer, eingeschlossen in meinen Gebeinen.“ Er kann nicht anders, als dennoch den Willen Gottes zu verkünden. Jeremia ist ein sehr großer Kläger, aber zugleich vertraut er sein Leiden Gott immer ganz an, ohne aufzugeben. Auch wir machen heutzutage solche Dilemma-Erfahrungen, wenn wir Gottes Auftrag in dieser Welt erfüllen, denn unsere Komfortzone wird sehr schnell überschritten. Jesus warnte uns schon vor, dass wenn wir in seinem Namen dieses Leben beschreiten, es ein steiniger und beschwerlicher Kreuzweg werden würde. Das Endziel ist es, was un motivieren sollte, aber der Weg dorthin ist schmerzhaft. Die Anfechtungen des Satans, die Welt, unser eigenes Ego, all diese Widerstände machen es uns schwer. Und doch können wir nicht aufhören, diesen Weg zu beschreiten, denn wir streben ja das ewige Heil an. Gott nimmt uns das Kreuz nicht, das er uns auferlegt, aber er gibt uns Kraft, es bis zum Schluss tragen zu können.

Ps 63
2 Gott, mein Gott bist du, dich suche ich, es dürstet nach dir meine Seele. Nach dir schmachtet mein Fleisch wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser.
3 Darum halte ich Ausschau nach dir im Heiligtum, zu sehen deine Macht und Herrlichkeit.
4 Denn deine Huld ist besser als das Leben. Meine Lippen werden dich rühmen.
5 So preise ich dich in meinem Leben, in deinem Namen erhebe ich meine Hände.
6 Wie an Fett und Mark wird satt meine Seele, mein Mund lobt dich mit jubelnden Lippen.
8 Ja, du wurdest meine Hilfe, ich juble im Schatten deiner Flügel.
9 Meine Seele hängt an dir, fest hält mich deine Rechte.

Im Psalm betrachten wir die Sehnsucht des Menschen nach Gott. Es ist ein Vertrauenspsalm Davids, der sich stets nach Gottes Gegenwart gesehnt hat. Diese Sehnsucht ist vergleichbar mit Jeremias Erfahrungen, von denen wir in der Lesung gehört haben.
In Vers 2 wird diese Sehnsucht als seelisches Durstgefühl umschrieben. Wie ein Lebewesen und eine Landschaft ohne Wasser verschmachten, so verdorrt der Mensch ohne Gott. Hier ist das Wasser mehr als nur ein irdisches Element. Es wird hier das lebendige Wasser geschildert, das der Heilige Geist ist. Er ist es, der uns belebt. Je trockener die Landschaft ist, in der wir leben, desto schlimmer ist der Durst. Und unsere heutige Zeit ist eine einzige Wüste.
König David versteht, dass die Gegenwart Gottes in seiner Zeit im Tempel zu finden ist: „Darum halte ich Ausschau nach dir im Heiligtum, zu sehen deine Macht und Herrlichkeit.“
Die Macht und Herrlichkeit Gottes haben die vielen Propheten des Alten Testaments erfahren, als Gott so viele Zeichen gewirkt hat. Und die Apostel und Augenzeugen Jesu Christi durften umso mehr Zeichen schauen. Wir denken besonders an die Auferstehung Jesu Christi. Das ist das größte Zeichen aller Zeiten.
Wir alle dürfen die Gegenwart Gottes in der Eucharistie schauen. Dort erahnen wir seine Macht und Herrlichkeit. Und wenn wir am Ende der Zeiten vor ihn treten, werden wir sie ganz unverhüllt schauen. Auf ewig.
„Denn deine Huld ist besser als das Leben“ kann König David wirklich mit Überzeugung sagen. Was ist das irdische Leben denn auch wert, wenn es nicht von Gott gesegnet ist! Wie sehr musste er leiden, weil er sich schwer gegen Gott versündigt hat! Ein Leben in Fülle ist das ewige Leben bei Gott. Besser für ihn sterben, aber dafür ewig bei ihm sein im Himmelreich. Dann werden die Lippen eines jeden Gerechten ihn ewig preisen. Das wird die ewige Tätigkeit im Himmel sein.
Es ist wichtig, damit schon in diesem Leben zu beginnen, ja das ganze Leben selbst zum Lobpreis zu machen. David hat dies wirklich umgesetzt, indem er Gottes Willen stets befolgt und ihm ganz vertraut hat. Er hat mit seiner gesamten Tätigkeit als König, zuvor schon als Hirte Gott ganz gepriesen. Jeremia hat Gott mit seinem Leben auch verherrlicht, auch wenn er manchmal geklagt hat. So sollen wir mit unserem Leben, egal in welcher Situation und mit welcher Berufung auch immer, Gott verherrlichen.
„Wie an Fett und Mark wird satt meine Seele“ – mit Gott in Beziehung zu treten, ihn zu loben und zu preisen, erfüllt die schmachtende Seele. Das stillt ihre Sehnsucht, denn sie ernährt sich von der Liebesbeziehung zu Gott. Auch unsere Seele wird „satt“, wenn sie in Kontakt mit Gott ist. Wir sind dazu geschaffen, mit Gott in Beziehung zu stehen und ihm mit unserer Gegenliebe zu antworten. Die ewige Gemeinschaft mit Gott macht uns zu Menschen, wie er sie gedacht hat.
Gott hat David stets geholfen und dieser konnte sich im Schatten der Flügel Gottes bergen. Er war in Gottes Liebe und Gottes Liebe war in ihm. Wer im Stand der Gnade ist, entscheidet sich für Gottes Schutz und Beistand.
David hat von Herzen gebetet: „Meine Seele hängt an dir.“ Wir alle sollen unser Herz an Gott hängen, was die Gottesliebe ausmacht. Denn wo unser Herz ist, da ist unser Schatz. Und das ist absolut entscheidend für unser ewiges Heil.

Röm 12
1 Ich ermahne euch also, Brüder und Schwestern, kraft der Barmherzigkeit Gottes, eure Leiber als lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer darzubringen – als euren geistigen Gottesdienst.
2 Und gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Denkens, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene!

Letzte Woche endete der Abschnitt aus dem Römerbrief mit der Unergründlichkeit der Wege Gottes. Heute appelliert Paulus an die römischen Christen, ihr Denken zu erneuern: Sie sollen ihre Leiber als lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer darbringen und dies als geistigen Gottesdienst verstehen. Wie ist das gemeint? Sollen sie sich jetzt umbringen als Ritual für Gott? Nein, hier meint „Leib“ viel mehr als nur den Körper des Menschen. Es meint das gesamte Leben mit Leib, Seele, Geist, Verstand, Emotionen, Sehnsüchten etc. Paulus möchte damit sagen, dass die Christen ihr ganzes Leben Gott aufopfern sollen als geistigen Gottesdienst. Das ist im Grunde dasselbe, was König David im Psalm aussagt, wenn er von der Verherrlichung Gottes mit dem ganzen Leben spricht. Das heißt konkret, dass Christen alles, was passiert, dem Herrn darbringen sollen – ihr Leiden, ihre Taten, ihre Zeit, ihre Gesundheit, einfach alles. Opfer für Gott müssen aber reine Opfer sein. Sie können nicht unvollkommen sein, weil ihm nur das beste gebührt. So sollen Christen ein vollkommenes Leben führen. Dass Christen dies nicht alleine bewerkstelligen müssen, erkennen wir an der Wendung „kraft der Barmherzigkeit Gottes“. Er verleiht die Gnade dazu, immer heiliger zu werden. Er vergibt die Sünden, wenn der Christ gefallen ist und aufrichtig umkehrt. Mit seiner Hilfe wird das Leben zu einem Lobpreis und Gottesdienst, das ihm würdig ist. Diese Aspekte betreffen nicht nur König David im Alten Israel oder die Christen in der Gemeinde von Rom. Das betrifft uns alle, die wir zu allen Zeiten unseren Weg in die Ewigkeit beschreiten. Und was wir hier auf Erden begehen, ist ein Vorgeschmack des ewigen himmlischen Gottesdienstes. Dieser wird wirklich vollkommen und heilig sein wie nichts anderes auf der Welt.
Paulus erklärt im nächsten Schritt, wie die Christen in Rom ein würdiges Lebensopfer erlangen: Sie sollen sich nicht angleichen an die Welt, sondern sollen ihr Denken stets erneuern. Wenn sie sich nämlich angleichen, dann gleichen sie sich der gefallenen Schöpfung an. Sie sind aber durch die Taufe zu neuen Menschen wiedergeboren worden im Hl. Geist. Dadurch gehören sie schon der neuen Schöpfung an, die nicht gefallen ist. Die stete Erneuerung des Denkens aber ist die ständige Umkehr und Erneuerung der Taufgnade. Und nur im Zustand der Gnade kann der Christ Gottes Stimme wirklich vernehmen. Diese ist es ja, die den Willen Gottes kundtut. Auch der Christ von heute soll auf die Stimme Gottes hören und nicht auf die Stimme der Welt mit ihren Ideologien, Trends und Pseudo-Moralitäten.

Mt 16
21 Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären: Er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten und Hohepriestern und Schriftgelehrten vieles erleiden, getötet und am dritten Tag auferweckt werden.
22 Da nahm ihn Petrus beiseite und begann, ihn zurechtzuweisen, und sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen!
23 Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Tritt hinter mich, du Satan! Ein Ärgernis bist du mir, denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.
24 Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.
25 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.
26 Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen?
27 Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters kommen und dann wird er jedem nach seinen Taten vergelten.

Jesus spricht mit seinen Jüngern über die Notwendigkeit des Leidens bei seiner Nachfolge. Zuvor hat Petrus ja bekannt, dass er der Christus sei. Das Ganze Szenario spielt sich ja in Caesarea-Philippi ab. Jesus hat Petrus daraufhin den Namen Petrus verliehen und ihm die Schlüsselgewalt des Himmels übertragen. Ihm ist eine große Aufgabe und Verantwortung verliehen worden.
Nun erklärt Jesus, dass Jüngerschaft und Nachfolge Christi nur mit Kreuztragen möglich ist. Er legt die Karten offen auf den Tisch und sagt, dass seine Nachfolge kein Zuckerschlecken ist. Was Jeremia in der Lesung schildert, wird umso intensiver auf die Apostel zukommen. Das Kreuztragen ist für die Apostel ein vertrautes Bild: Das Kreuztragen war Bestandteil der schändlichen Hinrichtung in Form von Kreuzigung. Es glich einem Spießrutenlauf und durch die Stadt hindurchlaufend gab man den Bewohnern die Gelegenheit, einen zu beschimpfen und zu bespucken. Wenn Jesus nun das Kreuztragen als notwendige Bedingung für seine Nachfolge herausstellt, heißt es, dass in seinem Namen man viel Spott und Hohn ertragen muss. Auch die Schmerzen und die Last des Kreuzes sind ein wichtiger Bestandteil: Als Jünger Jesu muss man eine Last tragen und sich diese freiwillig auferlegen. Weil es eine höchst schändliche Sache ist, verleugnet man sich selbst dabei. Das heißt man gibt das eigene Ansehen freiwillig auf für ein viel höheres Gut.
Wer krampfhaft versucht ist, immer gut dazustehen, ein möglichst bequemes Leben zu haben und in allem immer den eigenen Vorteil zu suchen, der wird das Leben verlieren. Dies dürfen wir moralisch verstehen – der wird den Stand der Gnade und somit das Leben verlieren. Dies dürfen wir aber vor allem anagogisch auslegen – der wird das ewige Leben verlieren, den Himmel.
Umgekehrt heißt es, dass wer sein irdisches Leben verliert – also Gott zuliebe auf Ansehen und guten Ruf verzichtet, der wird von Gott belohnt werden – moralisch gesehen mit dem Stand der Gnade und anagogisch gesehen mit dem ewigen Leben. Im äußersten Fall kann der Verlust des irdischen Lebens wortwörtlich gemeint sein, also Martyrium. Deshalb glaubt die Kirche, dass die Märtyrer sofort zu Gott kommen. Sie haben ihm zuliebe nämlich am radikalsten ihr Leben verloren. Deshalb werden sie auch sofort dafür belohnt.
Jesus stellt die Absurdität heraus, sein vorübergehendes, auf wenige Jahre beschränktes irdisches Leben retten zu wollen um den Preis des Verlustes des ewigen Lebens. Dieser Verlust ist irreversibel, man kann das ewige Leben nicht zurückkaufen, wenn es erstmal zu spät ist. Gewiss haben wir Menschen die Chance zur Umkehr, solange wir leben, aber unser Ende ist ja unbekannt, weshalb es ein unvernünftiges Risiko darstellt, dies auf die leichte Schulter zu nehmen.
Jesus erklärt heute, dass das Leiden unabdingbar ist. Und mitten in diese Ausführungen hinein, lenkt der gerade so gelobte Petrus ein mit den Worten: „Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht geschehen!“ Und Jesus reagiert sehr hart und unerwartet, könnte man denken: „Tritt hinter mich, du Satan! Ein Ärgernis bist du mir, denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“ Jesus beschimpft nicht Petrus als Satan, sondern verjagt diesen, der hinter den Aussagen des Petrus steckt. Er versucht den soeben Berufenen. Das ist ganz normal. Wenn ein Mensch eine große Berufung empfängt, zittert der Widersacher Gottes. Er hat Angst, dass seine Unheilsplan durch einen so mächtigen Kämpfer zunichte gemacht wird. Und so versucht er, den mächtigen Kämpfer in die Knie zu zwingen, dass dieser von selbst kapituliert. Diese Taktik sehen wir selbst bei Jesus. Er ist bei seiner Taufe als der geliebte Sohn propagiert worden, an dem der Vater Gefallen hat. Und dann wird er in die Wüste geführt und versucht. Der Satan lässt nichts unversucht, damit Jesus seine Entäußerung aufgibt. Er lässt nicht locker bis zum Tod am Kreuz. Dass Petrus nun also versucht wird, ist sogar ein gutes Zeichen, weil es seine große Vollmacht zeigt. Wer heilig sein will, wird immer versucht. Wer nicht versucht wird, muss sich Sorgen machen…
Gott lässt das zu, damit Petrus eine erste Bewährungsprobe durchläuft. Er soll dadurch auch auf dem Teppich gehalten werden, damit er nicht vor Hochmut abhebt. So zeigt Gott ihm und den anderen Aposteln, dass sie trotz großer Bevollmächtigung durch Christus schwache Menschen sind, die stets auf der Hut sein müssen. Und vor allem: Jesus kann dies zum Anlass nehmen, ihnen die Prioritäten des Widersachers aufzuzeigen: Der Teufel lehnt Gottes Willen ab und möchte die Menschen dazu bringen, es ihm gleichzutun. Er ist es, der den Menschen einredet, dass sie sich in ihre Komfortzone retten sollen und Leiden zu vermeiden ist. Er ist es, der ihnen einredet, dass Hingabe sich nicht lohnt. So soll Jesus dieses Leiden nicht auf sich nehmen. Der Teufel redet Petrus sogar ein, dass es etwas Gutes ist, Jesus vom Leiden abzuhalten, weil es sein Zeichen von Liebe zu seinem Rabbi darstellt. So heimtückisch agiert der Böse. Er ist es, der das Leiden überhaupt erst in die Welt gebracht hat, und hindert die Berufenen daran, dem Bösen die Stirn zu bieten.

Wir sollen uns der Welt nicht anpassen und auf die bezirzenden Worte des Widersachers nicht hören. Seien wir wachsam und stets zum Kampf gerüstet, denn das ganze Leben ist eine einzige Schlacht. Wenn wir sie aber bestehen, erwartet uns eine ewige Siegesfeier.

Ihre Magstrauss

Samstag der 21. Woche im Jahreskreis

1 Kor 1,26-31;Ps 33,12-13.14-15.20-21; Mk 6,17-29

Heute gedenken wir der Enthauptung des Täufers Johannes. Aus diesem Grund hören wir das Evangelium heute auch aus dem Markusevangelium und nicht wie in den Bahnlesungen zurzeit aus dem Matthäusevangelium. Die markinische Erzählung ist ausführlicher und detaillierter.

1 Kor 1
26 Seht doch auf eure Berufung, Brüder und Schwestern! Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme,

27 sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen.
28 Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt: das, was nichts ist, um das, was etwas ist, zu vernichten,
29 damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott.
30 Von ihm her seid ihr in Christus Jesus, den Gott für uns zur Weisheit gemacht hat, zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung.
31 Wer sich also rühmen will, der rühme sich des Herrn; so heißt es schon in der Schrift.

In der Lesung hören wir zunächst wieder einen Ausschnitt aus dem ersten Korintherbrief. Die gestrige Passage endete damit, dass das Schwächste Gottes noch stärker als das Stärkste der Welt ist. Ich erklärte, dass das rhetorisch gemeint ist für die absolute Überlegenheit Gottes, denn bei ihm ist nichts Schwaches oder Törichtes.
Und weil Gottes Weisheit die wahre Weisheit ist, können die ersten Christen anhand der Berufenen die Bestätigung sehen: Es werden nicht jene zu einer besondere Berufung auserwählt, die im irdischen Sinn mächtig, vornehm oder weise sind, sondern jene, die weltlich gesehen wirklich nichts bedeuten. Unter den Aposteln Jesu Christi sind vor allem unehrbare Berufe dabei, die der unteren Bildungsschicht angehören. So denken wir an die Fischer oder an den Zöllner Matthäus/Levi. Diejenigen, die Jesus zum ersten Mal sehen dürfen, sind neben seinen Eltern Hirten auf den Feldern. Und das ist alles so gewollt, denn „das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen.“ Es ist ein Fingerzeig Gottes und der Appell, die weltlichen Bestrebungen abzulegen. Jesus sagt in der Bergpredigt: „Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich.“ Diese innere Armutshaltung fällt dem Menschen natürlich leichter, wenn er von den äußeren Faktoren her keine Hindernisse hat wie viel Besitz, hoher Bildungsgrad, gesellschaftliche Stellung etc. Gott hat das Niedrige und Verachtete erwählt. Er hat sich für das Kreuz entschieden, das das Zeichen der Schande schlechthin ist. Das Stichwort ist die Demut. Nur mithilfe der Demut kann der Hochmut des Bösen überwunden werden, durch den er das Himmelreich verloren und auch die Menschen ins Exil geführt hat. Nur die Demut kann den Bann brechen und so beruft der Herr die Demütigen. Es dient auch dem Bewusstsein, dass der Mensch nicht aus sich selbst etwas erreicht, sondern alles Gute von Gott kommt. Gott ist es ja, der uns erlöst hat, sodass wir in Christus sein dürfen, „den Gott für uns zur Weisheit gemacht hat, zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung.“ Er ist das alles für uns, denn das können wir aus uns selbst heraus nicht sein. Und deshalb haben wir keinen Grund, mit irgendetwas anzugeben. Schließlich käme das dem Schmücken mit fremden Federn gleich.
Wenn man sich rühmen will, muss man sich des Herrn rühmen. Das steht schon im Alten Testament, was Paulus hier mit „Schrift“ meint. Zu seiner Zeit gibt es das Neue Testament ja noch nicht und mit „Schrift“ ist die Bibel der Juden gemeint. Er bezieht sich mit dem Schriftwort auf Jer 9,24. Auch dieser Prophet hat verstanden, dass alles Gute von Gott kommt, auch wenn er in Leidenssituationen so manche Klage von sich gegeben hat. Er kannte seine Grenzen genau und formulierte gleich bei seiner Berufung den Einwand, dass er doch aufgrund seiner Jugend gar nicht gut sprechen könne. Gott aber hat ihn mit allem ausgerüstet und befähigt, seinen Willen den Menschen zu übermitteln. Er hat am eigenen Leib erfahren, dass Gott einem die „Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung“ schenkt.

Ps 33
12 Selig die Nation, deren Gott der HERR ist, das Volk, das er sich zum Erbteil erwählt hat.

13 Der HERR blickt herab vom Himmel, er sieht alle Menschen.
14 Von seinem Thronsitz schaut er nieder auf alle Bewohner der Erde.
15 Der ihre Herzen gebildet hat, er achtet auf all ihre Taten.
20 Unsre Seele hofft auf den HERRN; er ist unsere Hilfe und unser Schild.
21 Ja, an ihm freut sich unser Herz, wir haben vertraut auf seinen heiligen Namen.

Wir beten als Antwort auf die Ausführungen Pauli Psalm 33, das als „Danklied des Volkes“ bezeichnet wird. Es bildet womöglich einen gemeinsamen Psalm mit Ps 32, so vermutet man, weil während in der Septuaginta die Überschrift vorhanden ist, der hebräische Urtext keine Überschrift aufweist.
Wir beten zunächst einen Makarismus, das heißt eine Seligpreisung. Und wenn wir die hebräischen Bezeichnungen für „Nation“ und „Volk“ betrachten, versetzt es uns in Erstaunen: Selig zu preisen ist הַ֭גֹּוי haggoj, die nichtjüdische Nation, die Jahwe zum Gott hat. Aber im nächsten Schritt heißt es הָעָ֓ם ha’am, das jüdische Volk, das sich Gott zum Erbteil erwählt hat. Wir könnten nun glätten, indem wir den ersten Begriff aufgrund der Singularform als „Ausnahme“ bewerten, also damit auch Israel gemeint ist. Die nichtjüdischen Völker werden ja zumeist im Plural genannt. Im wörtlichen Sinn ist das womöglich eine schlüssige Erklärung. Doch wenn wir dies mit christlichen Augen vertiefend betrachten, dann sehen wir den Neuen Bund vor Augen, die Einbeziehung von Juden und Heiden, sie alle dürfen sich selig nennen, wenn sie den Bund mit Gott eingehen.
Das ist deshalb eine nachvollziehbare Deutung, weil es im nächsten Vers heißt: „Der HERR blickt herab vom Himmel, er sieht alle Menschen.“ Ja, alle Menschen liegen ihm am Herzen und er möchte alle retten. Ihm ist nicht egal, was auf Erden passiert, während er in der Ewigkeit für sich lebt. Vielmehr hat er Teil an unserem Leben und wirkt in unserer Welt. Er schaut vom Himmelsthron „nieder auf alle Bewohner der Erde“ und nimmt dabei nicht einfach eine Vogelperspektive ein. Er hat die Herzen der Menschen gemacht und schaut auf ihre Taten. Er vergleicht die innere Haltung und das äußere Tun miteinander. Er wird es uns in seiner brennenden Liebe vorhalten, wenn wir eines Tages vor ihm stehen. Und dann werden wir uns sehr schämen über die frappierenden Unterschiede und unsere Lieblosigkeit.
Aber dass Gott so ist und alles sieht, erfüllt den Psalmenbeter nicht mit Angst und Panik. Im Gegenteil. Es ist ein hoffnungsvoller Gedanke, dass Gott alles sieht und an unserem Leben teilhat. Die Seele hofft auf seine Gegenwart, die ihr Hilfe und Schild ist. Wenn Gott an der Seite des Menschen ist, wovor muss er sich noch fürchten?
Gottes Gegenwart schenkt uns Freude. Und diese ist eine Frucht des Hl. Geistes. Wirkliche Freude, die bleibt, geht von Gott aus und deshalb werden wir Menschen nur glücklich, wenn wir innig mit Gott verbunden sind. Wenn wir auf seinen heiligen Namen vertrauen, dann werden wir am Ende in seine Herrlichkeit eingehen.

Mk 6
17 Herodes hatte nämlich Johannes festnehmen und ins Gefängnis werfen lassen. Schuld daran war Herodias, die Frau seines Bruders Philippus, die er geheiratet hatte.

18 Denn Johannes hatte zu Herodes gesagt: Es ist dir nicht erlaubt, die Frau deines Bruders zur Frau zu haben.
19 Herodias verzieh ihm das nicht und wollte ihn töten lassen. Sie konnte es aber nicht durchsetzen,
20 denn Herodes fürchtete sich vor Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war. Darum schützte er ihn. Wenn er ihm zuhörte, geriet er in große Verlegenheit und doch hörte er ihm gern zu.
21 Eines Tages ergab sich für Herodias eine günstige Gelegenheit. An seinem Geburtstag lud Herodes seine Hofbeamten und Offiziere zusammen mit den vornehmsten Bürgern von Galiläa zu einem Festmahl ein.
22 Da kam die Tochter der Herodias und tanzte und sie gefiel dem Herodes und seinen Gästen so sehr, dass der König zu dem Mädchen sagte: Verlange von mir, was du willst; ich werde es dir geben.
23 Er schwor ihr sogar: Was du auch von mir verlangst, ich will es dir geben, und wenn es die Hälfte meines Reiches wäre.
24 Sie ging hinaus und fragte ihre Mutter: Was soll ich verlangen? Herodias antwortete: Den Kopf Johannes’ des Täufers.
25 Da lief das Mädchen zum König hinein und verlangte: Ich will, dass du mir sofort auf einer Schale den Kopf Johannes’ des Täufers bringen lässt.
26 Da wurde der König sehr traurig, aber wegen der Eide und der Gäste wollte er ihren Wunsch nicht ablehnen.
27 Deshalb befahl er einem Scharfrichter, sofort ins Gefängnis zu gehen und den Kopf des Täufers herzubringen. Der Scharfrichter ging und enthauptete Johannes.
28 Dann brachte er den Kopf auf einer Schale, gab ihn dem Mädchen und das Mädchen gab ihn seiner Mutter.
29 Als die Jünger des Johannes das hörten, kamen sie, holten seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab.

Die bisherigen Ausführungen können wir sehr gut auf Johannes den Täufer anwenden, über den wir im Evangelium hören: Er hat Gott stets vertraut und war mit einer inneren Freude erfüllt. Er durfte Gottes Sohn taufen und darf mit ihm verwandt sein! Er weiß genau, dass alles Gute von Gott kommt und er nichts zu fürchten braucht, auch nicht im Moment seines Todes. Deshalb glauben wir, dass er bei Gott ist und die ewige Freude erleben darf, die seine unendliche Gegenwart beschert.
Johannes hat keine Angst, den Mund aufzumachen. Wo die Sünde ist, da nennt er sie auch deutlich beim Namen. Er kritisiert, dass Herodes die Frau seines noch lebenden Bruders Philippus zur Frau genommen hat. Das ist Ehebruch und zutiefst verwerflich in Gottes Augen. Das hat nichts mit Leviratsehe zu tun, welcher nach der Bruder eines Verstorbenen dessen Frau heiraten muss (Gen 38; Dtn 25,5-10; Rut 1-4), denn Philippus lebt noch. Weil Johannes der Täufer Ehebruch als Ehebruch angeprangert hat, musste er ins Gefängnis.
Und dort beeindruckt er Herodes immer wieder, weil dieser Johannes eigentlich mag. Zwar machen dessen Worte ihn immer unruhig, aber er hört ihm trotzdem gerne zu. Die Unruhe entsteht dadurch, dass sein Gewissen sich meldet. Es ist also etwas Heilsames, ein Umkehrruf Gottes an Herodes. Doch seine Schwäche sind die Frauen und das fehlende Rückgrat in der Öffentlichkeit. Er möchte den Menschen gefallen und das wird dem Täufer in der heutigen Erzählung zum Verhängnis.
Herodias kann dem Täufer nicht verzeihen, dass dieser deren Ehebruch mit Herodes öffentlich angeprangert hat. Sie konnte bisher ihre Tötungsabsichten nie durchsetzen, weil Herodes sie daran hinderte. Er respektierte den Täufer sehr, hatte sogar Angst. Das heißt er wusste, dass er einen Gottesmann nicht umbringen durfte.
Herodias sah ihre Chance nun am Geburtstag des Königs, als dieser viele Gäste einlud. Sie ließ ihre Tochter vor der Geburtstagsgesellschaft tanzen und verführte so den König. Es muss viel Alkohol geflossen sein, dass Herodes so leicht zu verführen war. Er ließ sich zu einem leichtsinnigen Schwur vor allen hochrangigen Anwesenden verleiten, dem Mädchen alles zu geben, was sie sich wünschte. Sie ließ die Mutter wählen und diese nutzte die Chance, nach dem Kopf des Täufers zu verlangen. So kam Herodes in ein Dilemma. Einerseits wollte er den Täufer nicht töten, andererseits wollte er vor seinen Gästen nicht das Gesicht verlieren. Er war gottesfürchtig, aber die Menschenfurcht war größer. Er tat, was er versprochen, und ließ den Täufer umbringen.
Herodias hat bekommen, was sie wollte. Herodes hat sich schwer versündigt. Johannes der Täufer musste sein Leben hingeben für die Gebote Gottes, genauer gesagt für das sechste Gebot.
Die Johannesjünger bestatteten Johannes den Täufer in einem Grab.
Wir lernen sehr viel vom heutigen Evangelium. Der Mensch ist ein zwiegespaltenes Wesen aufgrund der Erbsünde. Einerseits ist die Liebe zu Gott noch da, andererseits überdeckt die Sünde diese Liebe oft. So ist die Selbstliebe manchmal stärker als die Gottesliebe. Der Mensch entscheidet sich gegen Gott. Herodes ist eine arme Seele, weil er trotz Erkenntnis seiner Sünden nicht davon ablässt. Gott gibt ihm die Chance, umzukehren. Er rüttelt Herodes durch den Täufer regelrecht wach. Es trifft Herodes auch, denn er gerät in Verlegenheit. Doch er hat kein Rückgrat. Seine Schwäche ist die Manipulierbarkeit durch Frauen und die Menschenfurcht. Er lässt sich hinreißen zu bösen Taten durch schöne Frauen. Er möchte zudem vor anderen Menschen gut dastehen, vor allem politisch relevanten Menschen. Auch wenn er als Jude den Glauben kennt und versteht, was die Gebote Gottes sind, kann sich dieser kleine Glauben nicht durchsetzen gegenüber seiner großen Schwachpunkte.
Wir erkennen in der Familie des Herodes noch einen weiteren Aspekt wieder, der auch in heutigen Familien ein großes Übel darstellt: Intrigen zwischen den Familienmitgliedern. Herodias ist die Personifikation der Folgen der Erbsünde. Wie sie sich verhält, ist in Gen 3 angekündigt worden. Die Frau wird Verlangen nach ihrem Mann haben. Sie wird versuchen, ihn um den Finger zu wickeln, da sie auf andere Weise nicht über ihn herrschen kann. Physisch ist sie ihm unterlegen. Im Falle der hier beschriebenen Familie ist es sogar noch so, dass der Mann über sie herrscht als König. Die Tochter ist ebenfalls nur ein Schachzug der Mutter, sodass diejenige, die in dieser Familie das Sagen hat, Herodias ist. Die ganzen Umstände und Beziehungen zeigen, dass die Familie nicht so ist, wie Gott sie möchte. Somit wird Herodes‘ Familie zum Gegenbild der Heiligen Familie. Dort ist es Josef, der die Entscheidungen trifft, aber diese vom Willen Gottes abhängig macht. Weil seine Gottesfurcht stärker als alles üble Gerede der Menschen ist, kann seine Frau Maria ihm ganz und gar vertrauen. Bei ihnen ist nichts manipulativ oder intrigant. Sie kommunizieren zudem richtig. Sie nutzen Jesus nicht als Instrument einer Intrige. Es gibt keine zwei Parteien innerhalb der Familie Jesu, sodass dieser von einer Partei vereinnahmt und dann gegen die andere Partei aufgehetzt wird. Diese Familie hat eine Einheit abbildhaft wie die Einheit der Dreifaltigkeit. Wir Menschen sollen in den Familien nicht die Schwächen der Mitglieder für unsere eigenen Interessen ausnutzen. Ganz tragisch ist es auch, die eigenen Kinder gegen das andere Elternteil aufzuhetzen. Das zerstört die Seele der Kinder, die gleichermaßen Mutter und Vater brauchen, deren eigene Partnersuche, geschlechtliche Identität und Sicht auf das andere Geschlecht vom Beispiel der Beziehung der Eltern zueinander geprägt werden.
Wir sehen an Herodes als Gegenbild zu David, warum es so weit gekommen ist. Gott hat ihm genauso wie König David die Chance zur Umkehr gegeben. Beide sind dem Ehebruch verfallen. Aber Herodes hat diese Chance nicht genutzt. Er hätte seine Sünde bekennen, sein Leben ändern und das Unrecht wiedergutmachen können, wie es David getan hat. Doch ihm war es wichtiger, vor den Menschen gut dazustehen. Er hat im Dilemma die falsche Entscheidung getroffen. So hat er aber das Kostbarste aufs Spiel gesetzt – sein Seelenheil. David ist über alle anderen erhöht und mit großer Macht ausgestattet worden, eben weil er sich selbst gedemütigt hat vor Gott. Seine Gottesbeziehung war ihm immer wichtiger als sein Ansehen als König. Das ist der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Königen.
Wir lernen heute erneut, dass die Sünde immer Unschuldige mit ins Verderben reißt. Johannes der Täufer hat nichts Unrechtes getan, sondern die Sünde klar benannt. Aufgrund der Feigheit und Begierde des Herodes sowie der Sturheit und Manipulation der Herodias musste Johannes seinen Kopf hinhalten. Auch die Tochter ist in eine Intrige hineingezogen worden und hat sich so an einem Mord mitschuldig gemacht.
Auch heute halten Menschen ihren Kopf dafür hin, dass sie gerade das sechste Gebot verteidigen. Wie sehr werden jene Geistliche von den Medien zerrissen, die den Geboten Gottes treu bleiben möchten, damit aber den gesellschaftlichen Konventionen die Stirn bieten. Wie viele Heilige wurden dafür hingerichtet, dass sie die Unauflöslichkeit der Ehe und die Monogamie verteidigt haben! Und es waren mehrere Heilige, die gerade Königen dieses Unrecht ins Gesicht gesagt haben. Neben Johannes dem Täufer hat auch Thomas Morus so sein Leben verloren, weil er König Henrys VIII ehebrecherisches Verhalten nicht unterstützen wollte. Er wurde genauso wie Johannes der Täufer enthauptet.

Bitten wir heute den Hl. Johannes, der als Scharnier zwischen dem Alten und Neuen Bund steht, um seine Fürsprache, dass auch wir das nötige Rückgrat haben und uns in jeder Situation zu Christus bekennen. Nur so werden auch wir in die ewige Herrlichkeit Gottes eingehen und die ewige Freude erlangen, die ihm nun zuteil wird.

Ihre Magstrauss

Freitag der 21. Woche im Jahreskreis

1 Kor 1,17-25; Ps 33,1-2.4-5.10-11; Mt 25,1-13

1 Kor 1
17 Denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkünden, aber nicht mit gewandten und klugen Worten, damit das Kreuz Christi nicht um seine Kraft gebracht wird.
18 Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft.

19 In der Schrift steht nämlich: Ich werde die Weisheit der Weisen vernichten und die Klugheit der Klugen verwerfen.
20 Wo ist ein Weiser? Wo ein Schriftgelehrter? Wo ein Wortführer in dieser Weltzeit? Hat Gott nicht die Weisheit der Welt als Torheit entlarvt?
21 Denn da die Welt angesichts der Weisheit Gottes auf dem Weg ihrer Weisheit Gott nicht erkannte, beschloss Gott, alle, die glauben, durch die Torheit der Verkündigung zu retten.
22 Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit.
23 Wir dagegen verkünden Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein Ärgernis, für Heiden eine Torheit,
24 für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.
25 Denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen.

In der Lesung aus dem ersten Korintherbrief hören wir heute Paulus‘ Ausführungen über die Weisheit des Kreuzes. Durch seine Worte begreifen wir einmal mehr, wie diametral Gott und die Welt sich gegenüberstehen. Es liegt nicht daran, dass die Schöpfung an sich schlecht ist, sondern gefallen ist. Deshalb ist die weltliche Denkweise von Gottes ewiger Weisheit ganz zu unterscheiden.
Paulus ist dazu berufen, das Evangelium zu verkünden. Die Taufe ist dagegen nicht seine Aufgabe. Das zeigt, dass er wirklich ein Apostel ist. Diese haben sich weniger um diese Dinge gekümmert. Dafür haben sie andere Mitarbeiter geweiht. Wir lesen davon in der Apostelgeschichte.
Er sagt, dass er das Evangelium nicht mit gewandten und klugen Worten verkündet, „damit das Kreuz Christi nicht um seine Kraft gebracht wird.“ Die Kraft des Kreuzes besteht in der Einfachheit und Demut. Wenn man rhetorische Gymnastikübungen versucht, ist es dagegen ein Zeichen von Hochmut. Man demonstriert sein eigenes Können und es geht einem nicht um die Zuhörer, die es verstehen müssen. Diese Selbstinszenierung hat aber nichts mehr mit dem Kreuz Jesu Christi zu tun. Dieses soll bei seiner gesamten Evangelisierung im Vordergrund stehen. Und so möchte er selbst dahinter zurücktreten. Die einfache Ausdrucksweise soll den Inhalt hervorheben und die Menschen mitten ins Herz treffen. So decken sich Ausdrucksweise und Inhalt in ihrer Einfachheit.
Das Wort vom Kreuz ist den weltlich denkenden Menschen eine Torheit. Sie sehen keinen Sinn in den Worten, denn sie sehen nur die Schande, die diese Hinrichtungsart bringt. Sie sehen nicht über den irdischen Tellerrand hinaus. Für jene, die die heilbringende Kraft des Kreuzes erkannt und gläubig angenommen haben, ist es die Kraftquelle schlechthin. Sie halten ihre Leiden nur dadurch aus, dass Christus zuerst gelitten hat. Schon die Schrift kündigt an, dass Gott die Weisheit und Klugheit der Welt vernichten wird. Sie sind Schall und Rauch in Gottes Augen. Hier zitiert Paulus indirekt Jes 29,14 sowie Jer 10,7. Er sagt sogar, dass in der Welt keine Weisen und Schriftgelehrten sind, weil Gott die weltliche Weisheit als Torheit entlarvt hat. Auch hier müssen wir betonen, dass Paulus mit „Welt“ die gefallene Schöpfung meint. Jene, die in ihrem Denken weltlich sind, können in Gottes Augen nicht klug und weise genannt werden.
Und weil die Welt Gottes Weisheit abgelehnt hat, hat Gott den Gläubigen die Rettung durch die Torheit des Kreuzes hindurch ermöglicht. Die „Torheit der Verkündigung“ ist aus der Sicht der Welt so zu bezeichnen, aus Gottes Sicht ist es die einzige Weisheit.
Dann geht Paulus auf Juden und Griechen ein: Die Juden fordern Zeichen (zur Zeit Jesu wird das ja immer wieder erwähnt), die Griechen streben die Weisheit an (und das vor allem durch die Philosophie). Dementsprechend ist das Kreuz für die einen ein Anstoß, für die Anderen eine Torheit. Der gläubige Jude nimmt am Kreuz Jesu Christi deshalb Anstoß, weil er auf Dtn 21,23 verweist, wo ein Hingerichteter als Gottverfluchter bezeichnet wird. Der Sohn Gottes kann also nicht hingerichtet worden sein, wenn er nicht vom eigenen Vater verflucht sein will. Für die Griechen ist das Kreuz eine Torheit, weil sie die weltliche Weisheit anstreben, die nichts mit der Einfachheit und dem Sterben für andere zu tun hat.
Wer aber berufen ist zur Nachfolge Jesu Christi und diese annimmt, erkennt in dem Kreuz das Heil. Und da spielt es dann keine Rolle, ob die Person aus dem Judentum oder Heidentum kommt.
Gott ist so unendlich viel weiser und klüger, als es Menschen jemals sein werden. Deshalb ist selbst das Törichte und Schwache Gottes stärker als die Menschen. Das ist natürlich rhetorisch gemeint, denn in Gott gibt es nichts Schwaches oder Törichtes. Als Jesus Mensch wurde, nahm er freiwillig die Schwachheit des Menschen an, das ist aber nicht genuin göttliche Eigenschaft.
Paulus erklärt heute etwas Entscheidendes, was brandaktuell ist: Der gekreuzigte Christus ist unattraktiv und gilt auch heute als töricht in der Welt. Nur das Starke und Selbstverwirklichte hat Wert. Ein zerbrochener Christusleib hingegeben für die ganze Menschheit passt da nicht so recht hinein. Das möchte keiner sehen. Der Tod ist Tabuthema. Es ist so vielen heute ein Anstoß, so sehr, dass so mancher Geistlicher für sie sogar das Kreuz um den Hals wegnimmt. Und doch ist das Kreuz das Zeichen, das uns retten wird.

Ps 33
1 Jubelt im HERRN, ihr Gerechten, den Redlichen ziemt der Lobgesang.

2 Preist den HERRN auf der Leier, auf der zehnsaitigen Harfe spielt ihm!
4 Denn das Wort des HERRN ist redlich, all sein Tun ist verlässlich.

5 Er liebt Gerechtigkeit und Recht, erfüllt von der Huld des HERRN ist die Erde.
10 Der HERR vereitelte den Ratschluss der Nationen, er machte die Pläne der Völker zunichte.

11 Der Ratschluss des HERRN bleibt ewig bestehen, die Pläne seines Herzens durch alle Geschlechter.

Der Psalm, den wir als Antwort auf den Korintherbrief beten, reflektiert Gottes Heilsplan.
Wie so oft erfolgt zu Anfang eine Aufforderung zum Lob („Jubelt im HERRN“). Die Aufforderung umfasst sogar die Begleitung des Lobgesangs mit Instrumenten („auf der Leier, auf der zehnsaitigen Harfe“).
Das Wort und die Tat Gottes sind verlässlich. Gott ist treu und hält sich an seine Versprechen, auch wenn wir ihm untreu werden. Jesus hat seinen Aposteln angekündigt, dass sein Heil die ganze Welt erreichen wird. Es beginnt in Jerusalem und das Wachsen der Gemeinde bestätigt ihnen, dass Gott wirklich treu an ihnen handelt. Die Korinther sehen mit eigenen Augen die Kraft des Kreuzes, von dem Paulus ihnen geschrieben hat.
Gott liebt die Gerechtigkeit und das Recht. Das ist für uns keine Drohbotschaft im Sinne eines strengen Richterbildes. Gott sorgt für Gerechtigkeit, wo wir Unrecht erleiden. Sein Recht setzt sich durch, auch wenn es in unserem Leben aktuell nicht so erscheinen mag. Das ist eine totale Trostbotschaft.
Gott ist der Souveräne. Er hat die Macht über die ganze Schöpfung und so können die Mächtigen dieser Welt mit ihren eitlen Plänen, die voller Eigennutz und Schaden sind, mit einem Mal zunichte machen.
Gottes Ratschluss ist dabei ewig. Er ist der Treue und seine Pläne, die schon von Ewigkeit her feststehen, sind Pläne des Heils. Er führt die ganze Weltgeschichte in die ewige Seligkeit, weshalb die Unheilstäter der Welt keine Chance haben.

Mt 25
1 Dann wird es mit dem Himmelreich sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen.

2 Fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug.
3 Die Törichten nahmen ihre Lampen mit, aber kein Öl,
4 die Klugen aber nahmen mit ihren Lampen noch Öl in Krügen mit.
5 Als nun der Bräutigam lange nicht kam, wurden sie alle müde und schliefen ein.
6 Mitten in der Nacht aber erscholl der Ruf: Siehe, der Bräutigam! Geht ihm entgegen!
7 Da standen die Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen zurecht.
8 Die törichten aber sagten zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, sonst gehen unsere Lampen aus!
9 Die Klugen erwiderten ihnen: Dann reicht es nicht für uns und für euch; geht lieber zu den Händlern und kauft es euch!
10 Während sie noch unterwegs waren, um es zu kaufen, kam der Bräutigam. Die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal und die Tür wurde zugeschlossen.
11 Später kamen auch die anderen Jungfrauen und riefen: Herr, Herr, mach uns auf!
12 Er aber antwortete ihnen und sprach: Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.
13 Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.

Auch heute hören wir im Evangelium einen Ausschnitt aus der großen Endzeitrede Jesu. Heute beschreibt er die letzten Dinge anhand des Gleichnisses von den klugen und törichten Jungfrauen.
Mit dem Himmelreich wird es sein wie mit zehn Jungfrauen, die mit Lampen in der Hand dem Bräutigam entgegengingen. Im altorientalischen Kontext war es Sitte, einem Bräutigam auf dem Weg zu seiner Braut entgegenzukommen und ihn zur Braut zu führen. Wegen der Hitze werden Feiern am Abend angesetzt. Bei den Lampen, die die Brautjungfern mit sich tragen, handelt es sich um Stocklampen, die sehr klein sind und regelmäßig Öl nachgegossen bekommen müssen. Deshalb haben die klugen Jungfrauen Ölkrüge dabei.
Die Herausforderung besteht darin, dass die Brautjungfern nicht genau wissen, wann der Bräutigam kommt. Er lässt tatsächlich eine Zeit lang auf sich warten, weshalb die Frauen einschlafen. Dann aber mitten in der Nacht kommt der Bräutigam und die Brautjungfern „machen ihre Lampen zurecht“. Damit ist gemeint, dass sie die verkohlten Stücke des Dochts abtrennen und Öl nachgießen. Doch da merken die törichten Jungfrauen, dass sie nun ohne Ölkrüge ein Problem haben. Die Klugen erwidern, dass keine der Brautjungfern genug haben wird, wenn sie die Reserven aufteilen. Und so müssen die törichten Jungfrauen sich schnell das Öl besorgen. In der Zwischenzeit kommt aber der Bräutigam und geht mit den Jungfrauen in den Hochzeitssaal, wo die Tür verschlossen wird. Die Nachzüglerinnen kommen zu spät und kommen nicht mehr hinein. Sie rufen, doch der Bräutigam sagt: „Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.“ Und da geht uns auf, wer der Bräutigam ist: Jesus Christus selbst. Er spricht auf diese Weise. Das Gleichnis bringt er an, um folgendes zu verdeutlichen: „Er selbst ist der Bräutigam, der am Ende der Zeiten zur Hochzeit zurückkommen wird. Die Braut ist seine Kirche. Er kommt zu einem unbekannten Zeitpunkt und so müssen die Brautjungfern – die Christen – warten. Es ist nicht ein Dahinleben und Schleifenlassen, sondern ein stetes Gewappnet sein. Er hat gestern bereits erklärt, dass die Christen stets wachsam sein müssen, wenn sie am Ende das ewige Heil erlangen möchten. Das Öl sind die guten Taten, das Leben nach den Geboten Gottes, der Stand der Gnade. Öl wird zum Beispiel zur Salbung von Königen und Priestern eingesetzt und ist ein Sinnbild für die Salbung des Heiligen Geistes. Wir müssen von diesem also stets durchdrungen sein und das geht nur, wenn wir im Stand der Gnade sind. Und wenn Christus kommt und wir noch gar nicht bereit sind, ist es zu spät, umzukehren. Dann wird er mit den anderen in den Hochzeitssaal gehen und zu den bis dahin Unbußfertigen sagen: „Ich kenne euch nicht.“ Das erklärt Jesus so drastisch, um seinen Jüngern zu verdeutlichen, dass es irgendwann zu spät ist. Die Umkehr muss noch vor der Parusie geschehen.
Jesus möchte durch das heutige Bild wiederholen, was er gestern durch die Rede von Knechten schon verdeutlicht hat: Wir müssen wachsam sein, denn wir wissen nicht, wann das Ende der Welt ist. Wenn wir bei der Hochzeit des Lammes dabei sein möchten, müssen wir genug Öl dabei haben.
Klug und töricht – zwei Begriffe, die schon in der Lesung thematisiert worden sind. Um mit Paulus das Jesusgleichnis zusammenzufassen: Die törichten Jungfrauen ohne Ölkrüge meinen, dass sie das Kreuz Jesu Christi nicht brauchen. Sie sind es, die sich vor dem Leiden drücken und weder den Gekreuzigten ansehen noch ihr eigenes Kreuz auf die Schulter nehmen möchten. Die Klugen Jungfrauen sind die treuen Kreuzträgerinnen, die sich dabei mit ganzer Kraft an den Gekreuzigten klammern. Das ist ihre „Ölquelle“, die sie nie kapitulieren lässt, wenn die Nacht besonders lang erscheint.

Klammern auch wir uns ganz fest an das Kreuz Jesu Christi und gießen wir stets Öl nach, damit unsere Lampen nicht aus sind, wenn er wiederkommt!

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 21. Woche im Jahreskreis

1 Kor 1,1-9; Ps 145,2-3.4-5.6-7; Mt 24,42-51

1 Kor 1
1 Paulus, durch Gottes Willen berufener Apostel Christi Jesu, und der Bruder Sosthenes
2 an die Kirche Gottes, die in Korinth ist – die Geheiligten in Christus Jesus, die berufenen Heiligen – , mit allen, die den Namen unseres Herrn Jesus Christus überall anrufen, bei ihnen und bei uns.
3 Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
4 Ich danke meinem Gott jederzeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch in Christus Jesus geschenkt wurde,
5 dass ihr an allem reich geworden seid in ihm, an aller Rede und aller Erkenntnis.
6 Denn das Zeugnis über Christus wurde bei euch gefestigt,
7 sodass euch keine Gnadengabe fehlt, während ihr auf die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus wartet.
8 Er wird euch auch festigen bis ans Ende, sodass ihr schuldlos dasteht am Tag unseres Herrn Jesus Christus.
9 Treu ist Gott, durch den ihr berufen worden seid zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn.

Als Lesung hören wir heute den Beginn des ersten Korintherbriefes. Ein antiker Brief besitzt zu Beginn immer ein Präskript, in dem der Absender und die Empfänger genannt werden. Dann gibt es immer einen Gruß. In diesem Präskript hören wir schon inhaltlich Dichtes, denn Paulus setzt hier schon eine Art Legitimierung seines Briefes und seiner ganzen Evangelisierung an den Anfang. Er definiert auch schon etwas, wer die Korinther sind, nämlich die „Geheiligten in Christus Jesus“ und die „berufenen Heiligen“:
Paulus ist durch Gottes Willen Apostel Christi Jesu. Gott ist es, der sein Apostolat möchte. Paulus betont, dass er sich nicht selbst dazu gemacht hat und was er tut, aus der Gnade Gottes heraus tut. Paulus ist nicht nur berufen, in der Nachfolge Christi die Söhne Jakobs heimzuführen (er ist ja von Haus aus Pharisäer und tat genau dies zu Anfang), sondern gerade Licht für die Völker zu sein (denn seine Berufung besteht hauptsächlich in der Heidenmission!). Er verkündet Gottes Gerechtigkeit in großer Versammlung. Zuerst geht Paulus immer in die Synagogen und lehrt die Juden dort. Sie verstoßen ihn aber immer wieder, sodass er zu den Heiden geht. Er ist es auch, der die Opferpraxis kritisiert und den Glaubensgehorsam als heilsnotwendig verkündet.
Im Präskript nennt er noch einen Mitautoren oder zumindest einen Gruß von ihm, Sosthenes. Es gibt geteilte Meinungen darüber, ob er derselbe Sosthenes aus Apg 18,12-17 sei. Die Kirche hat beide genannten Personen als ein und denselben Sosthenes überliefert und zählt ihn zu den siebzig Jüngern aus Lk 10,1. Er war zunächst Synagogenvorsteher in Korinth, bekehrte sich zu Christus und wurde später sogar Bischof von Kolophon.
Zu den Adressaten schreibt Paulus wie gesagt die Berufung zur Heiligkeit und das Geheiligtsein aus Christus. Wir sind heilig nicht aus uns selbst heraus. Als Getaufte ist uns die Heiligkeit als Berufung geschenkt und ebenso die Fähigkeit, die Berufung zu erlangen.
Durch die Wendung „mit allen, die den Namen unseres Herrn Jesus Christus überall anrufen…“ wird verdeutlicht, was wir auch bis heute nachweisen können: Die Gemeindebriefe sind unter den Gemeinden ausgetauscht worden und wirklich öffentlich gemacht worden. Sie waren nie einfach nur ausschließlich an jene Gemeinde gerichtet, an die der Brief offiziell ging. Man sammelte Paulusbriefe etc. und gab sie auch anderen Gemeinden. Die Briefe wurden untereinander ausgetauscht, sodass man so viele Briefe wie möglich besaß. Was dort nämlich geschrieben worden ist, wurde als Hl. Schrift betrachtet. Die Probleme, die Paulus z.B. hier im Korintherbrief beantwortet, betrafen andere Gemeinden bestimmt auch, je nach spezifischem Grad. Man verstand sofort, dass durch jene Worte der Hl. Geist spricht. Aus dem Grund werden auch heute noch die Briefe in der Liturgie verlesen, die an eine andere Gemeinde zu einer ganz anderen Epoche gerichtet sind: erstens weil sie Hl. Schrift sind und der Geist Gottes die Hörer bis heute im Herzen berührt, zweitens weil die Inhalte zu jeder Zeit aktuell sind.
„Gnade sei mit euch und Friede“ ist ein typischer christlicher Gruß, den wir in den Briefanfängen des NT sehr oft lesen, auch in den katholischen Briefen und sogar in der Johannesoffenbarung. Dieser Gruß wird auch in der Liturgie aufgegriffen, denn der Priester begrüßt die Gemeinde oft so. Er umfasst alles, was wir brauchen – die Gnade Gottes („an Gottes Segen ist alles gelegen“) und seinen österlichen Frieden, den wahren Schalom, der unser christliches Fundament darstellt. Er sagt auch mit diesem Gruß aus, dass alles Gute von Gott kommt („von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus“). Man könnte beim ersten Hören denken: Warum wird so ein Begrüßungswort uns als Lesung in der Messe vorgetragen? Das ist doch banal. Aber wenn wir das alles nun betrachtet haben und die inhaltliche Dichte der Worte begriffen haben, werden wir dies ab jetzt nicht mehr zu sagen brauchen. Es gibt kein „um den heißen Brei herumreden“ in der Hl. Schrift. Selbst „banale“ Begrüßungen enthalten schon den Kern unserer christlichen Botschaft. In einem einzigen Begrüßungswort kann schon ein ganzes Glaubensbekenntnis enthalten sein oder die Zusammenfassung des gesamten Evangeliums vorgenommen werden.
Dann beginnt Paulus das Proömium des Briefes, einleitende Worte, bevor er zur Sache kommt, das heißt vor der Beantwortung der korinther Fragen und Anliegen der spezifischen Gemeinde. Dieses Proömium stellt für gewöhnlich einen Lobpreis Gottes dar. Paulus dankt Gott für die Gnade, die dieser den Korinthern zuteilwerden ließ. Sie sind reich geworden, was auch uns heute lehrt: Der wahre Reichtum ist der Gnadenschatz Gottes, der uns reich macht „an aller Rede und aller Erkenntnis“. Er deutet auch an, dass Gott seine Gnadengaben in der korinther Gemeinde gut verteilt hat, sodass sie in der Zeit bis zur Wiederkunft Christi gut ausgerüstet sind. So möchte Gott auch uns heute ausrüsten mit allen Waffen, damit wir kämpfen können gegen die Anfechtungen des Bösen, dem nur noch eine kurze Zeit bleibt. Gott wird den Korinthern so wie allen Christen alle Gnaden geben, damit sie sicheren Fußes in die Ewigkeit gelangen können. Jesus hat nicht umsonst vor seinem Heimgang zum Vater gesagt: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Damit hat er Gottes Namen aufgegriffen, der aus dem Dornbusch erklungen ist. Er hat seinem eigenen Namen alle Ehre gemacht und tut dies als eucharistischer Herr in seiner Kirche bis heute, der da lautet: „Immanuel“ – „Gott mit uns“. Wenn Gott etwas verspricht, hält er es auch, denn er ist absolut treu. So ermutigt Paulus die Korinther am Ende des heutigen Abschnitts.

Ps 145
2 Jeden Tag will ich dich preisen und deinen Namen loben auf immer und ewig.
3 Groß ist der HERR und hoch zu loben, unerforschlich ist seine Größe.
4 Geschlecht um Geschlecht rühme deine Werke, deine machtvollen Taten sollen sie künden.
5 Den herrlichen Glanz deiner Hoheit und deine Wundertaten will ich besingen.
6 Von der Macht deiner Furcht erregenden Taten sollen sie reden, von deinen Großtaten will ich erzählen.
7 Sie sollen die Erinnerung an deine große Güte wecken und über deine Gerechtigkeit jubeln.

Als Antwort beten wir Ps 145. Wir haben diesen erst neulich gebetet. Er stellt den Abschluss des fünften Psalmenbuches dar. Er beginnt wie so oft mit einer Selbstaufforderung zum Lob, das täglich erfolgen soll „auf immer und ewig.“ Es ist ein Gelübde, das ewig anhalten soll, denn Gottes Güte, Huld und Treue sind es ja auch.
„Groß ist der HERR und hoch zu loben, unerforschlich ist seine Größe.“ Gott ist wirklich groß. Er hat die Macht, alles mit seinem Volk anzustellen. Er ist zugleich der absolut Gute. Deshalb dient alles, was er tatsächlich mit seinem Volk tut, dessen Heil. Das betrifft nicht nur das Alte Israel, das betrifft auch das Volk Gottes des Neuen Bundes. Deshalb kann es auch nicht anders, als zu jeder Zeit, in jeder Generation („Geschlecht um Geschlecht“) diese Taten zu rühmen, statt sie zu beklagen. So tut es ja auch Paulus im Korintherbrief. Das Volk soll auch immer darüber sprechen, was ein missionarischer Aufruf ist. Was hier bereits beginnt, schließt sich mit Christi letzten Worten vor seiner Himmelfahrt. Gottes große Heilstaten sind so überwältigend, dass jeder davon erfahren muss.
Die Wundertaten Gottes sind gleichsam umhüllt von dem „herrlichen Glanz“ seiner „Hoheit“. Das ist eine sehr poetische Ausdrucksweise für die Herrlichkeit und Gnade Gottes. Sie ist so wunderbar, dass König David als Beter des Psalms sie besingen möchte.
Das beständige Erinnern an die Heilstaten Gottes wird das Volk immerzu dankbar sein lassen. Wer das Gute vergisst, ist auch nicht mehr dankbar dafür. Wer Gott aber nicht mehr dankbar ist, wird von seinen Wegen abrücken und sich den Götzen zuwenden.
Es soll auch über die „furchterregenden Taten“ geredet werden, damit der Respekt und das Staunen über den allmächtigen Gott nie endet. Und dieser überwältigende Gott ist absolut gut und gerecht.

Mt 24
42 Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.
43 Bedenkt dies: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht.
44 Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.
45 Wer ist denn der treue und kluge Knecht, den der Herr über sein Gesinde einsetzte, damit er ihnen zur rechten Zeit die Nahrung gebe? 46 Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt!
47 Amen, ich sage euch: Er wird ihn über sein ganzes Vermögen einsetzen.
48 Wenn aber der Knecht böse ist und in seinem Herzen sagt: Mein Herr verspätet sich!
49 und anfängt, seine Mitknechte zu schlagen, und mit Zechern isst und trinkt,
50 dann wird der Herr jenes Knechtes an einem Tag kommen, an dem er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt;
51 und der Herr wird ihn in Stücke hauen und ihm seinen Platz unter den Heuchlern zuweisen. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.

Im Evangelium hören wir heute einen Abschnitt aus der großen Endzeitrede Jesu. Dort bringt er viele Gleichnisse an, die das Ende der Welt umschreiben und vor allem die Wachsamkeit aufgrund des unbekannten Datums verdeutlichen.
Jesus sagt gleich zu Beginn, dass die Wachsamkeit unabdingbar ist, „denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.“ Es ist wie mit einem Hausherrn, der sich auf die Lauer legt, weil er die Stunde des Einbrechers nicht kennt. Er wird sich ja nicht gemütlich schlafen legen und zulassen, dass sein Haus ausgeraubt wird. Das ist fahrlässig und schadet ihm. Das versteht jeder Mensch mit gesundem Menschenverstand. Und so sollen auch die Christen wachsam sein, sich nicht von der Weltlichkeit berauschen lassen, sondern immer im nüchternen Zustand sein, denn es ist für das ewige Leben fahrlässig, zu „schlafen“. Der Dieb, der ihnen nämlich das ewige Leben rauben will, ist heimtückisch und nutzt jede Gelegenheit ihres „Schlafes“ aus, sie auszurauben. Aber das Bild nutzt Jesus nicht für diese moralische Lesart (also auch wachsam sein, um nicht den Stand der Gnade zu verlieren, indem man den Versuchungen erliegt). Vielmehr möchte Jesus darauf hinaus, dass er selbst wiederkommt, um das Weltgericht einzuleiten. Die Christen sollen nicht fahrlässig sein und ihr Leben schleifen lassen. Denn wenn Jesus dann unerwartet wiederkommt und sie nicht im Stand der Gnade sind, wie soll er über sie ein gutes Gerichtsurteil verhängen? So sollen sie jeden Tag so leben, als wäre es ihr letzter. Das gilt für uns alle. Wir sollen nicht in Endzeitangst leben und jeden Tag panisch werden, weil es jeden Moment das Ende der Welt kommen könnte, sondern bewusst leben, uns immer um ein reines Herz bemühen und die Gebote Gottes halten und stets umkehren. Dann müssen wir auch keine Angst vor einer plötzlichen Parusie und einem schlechten Gerichtsurteil des Menschensohns haben.
Jesus bringt noch ein anderes Gleichnis an, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen: Die Christen sind ein Knecht, den der Hausherr Christus während seiner Abwesenheit damit beauftragt, sich um sein Haus zu kümmern, das die Kirche ist. Wenn er dann länger auf sich warten lässt (und diese Erfahrung haben die frühen Christen ja irgendwann gemacht, denn sie dachten, das dauert nur paar Jahre), sollen sie dennoch treu ihre Aufgabe erfüllen und sich nicht darüber aufregen. Wenn sie ihre Aufgabe nämlich irgendwann schleifen lassen und Jesus dann unerwartet kommt, wird es für sie böse enden. Wenn ein Knecht nämlich anfängt, die Mitknechte zu schlagen und sich zu betrinken (Weltrausch!), dann wird es böse enden. Er wird „in Stücke gehauen“ und wo er landet, werden „Heulen und Zähneknirschen sein“. Das ist stets ein Code für die Hölle. Wir sollen also treue Knechte sein, damit der Herr uns viel Verantwortung zutraut und wir am Ende die ewige Seligkeit erlangen.

Gott hat uns ja mit allen Gnaden ausgestattet, dass wir bis zum Schluss treue Knechte sein können. So hat es Paulus den Korinthern ja auch im Brief geschrieben. Wir müssen den Weg bis zur Ewigkeit nicht alleine beschreiten und so können wir mit einem gewissen Maß an Gelassenheit diesen Weg gehen – nicht nachlässig, sondern stets bußfertig.

Ihre Magstrauss

Mittwoch der 21. Woche im Jahreskreis

2 Thess 3,6-10.16-18; Ps 128,1-2.4-5; Mt 23,27-32

2 Thess 3
6 Im Namen Jesu Christi, des Herrn, gebieten wir euch, Brüder und Schwestern: Haltet euch von jenen fern, die ein unordentliches Leben führen und sich nicht an die Überlieferung halten, die sie von uns empfangen haben!

7 Ihr selbst wisst, wie man uns nachahmen soll. Wir haben bei euch kein unordentliches Leben geführt
8 und bei niemandem unser Brot umsonst gegessen; wir haben uns gemüht und geplagt, Tag und Nacht haben wir gearbeitet, um keinem von euch zur Last zu fallen.
9 Nicht als hätten wir keinen Anspruch auf Unterhalt; wir wollten euch aber ein Beispiel geben, damit ihr uns nachahmen könnt.
10 Denn als wir bei euch waren, haben wir euch geboten: Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.
16 Der Herr des Friedens aber schenke euch den Frieden zu jeder Zeit und auf jede Weise. Der Herr sei mit euch allen.
17 Den Gruß schreibe ich, Paulus, eigenhändig. Das ist mein Zeichen in jedem Brief; so schreibe ich.
18 Die Gnade Jesu Christi, unseres Herrn, sei mit euch allen!

In der heutigen Lesung aus dem zweiten Thessalonicherbrief hören wir das Ende des Briefes. Dort lesen wir letzte Anweisungen des Paulus und seiner Mitarbeiter, deshalb heißt es auch „wir“. Paulus möchte, dass die Gemeindemitglieder sich von unordentlichen Menschen fernhalten. Das Adverb ἀτάκτως ataktos meint eine moralische Unordnung im Sinne eines Lebenswandels fernab der Gebote Gottes. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes ist sogar militärisch: „nicht in Schlachtordnung“. Ein Mensch, der nicht in Schlachtordnung lebt, kämpft nicht. Entweder hat er keine Waffen oder rüstet sich nicht zum Kampf. Wer aber nicht kämpft – gegen die Versuchungen und Angriffe des Bösen – der hat schon verloren.
Stattdessen sollen die Gemeindemitglieder sich an die Überlieferung der Apostel halten. Diese ist ein fester Grund, der die Gemeinde als Ganze und die einzelnen Mitglieder aufrecht erhält.
Wie die Thessalonicher sich an Paulus und seinen Mitarbeitern orientieren sollen, wissen sie selbst, da sie das Vorbild vor ihren eigenen Augen gesehen haben. Paulus lebte eine Zeit lang bei ihnen, sodass sie seinen Lebenswandel beobachten konnten. Seine Gefährten und er haben für ihren Unterhalt stets selbst gearbeitet und niemanden belastet. Und dies ist Ausdruck eines geordneten Lebens.
Paulus und seine Gefährten hätten einen Anspruch auf Unterhalt gehabt. Wenn ein Prophet oder grundsätzlich eine geistliche Person wirkt, hat sie keine Zeit, für den eigenen Unterhalt zu sorgen. So ist es üblich, dass man als Gemeinde für die Person sorgt. Paulus erklärt, dass er darauf verzichtet hat, um ein Beispiel zu geben. Was er hier verdeutlicht, ist ein zentraler Aspekt, der absolut aktuell ist: Geistliche dürfen nicht Wasser predigen und Wein trinken. Die Glaubwürdigkeit der Kirche hängt ab von der Kongruenz des Verkündeten und Gelebten. Paulus und seine Gefährten haben in Thessaloniki gepredigt: „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“ Wie sollen sie überzeugen, vor allem die besonders Sturen, wenn sie dies nicht selbst vorleben?
Dann wünscht er am Ende den Frieden ganz nach der Vorgabe Jesu Christi, der zu seinen Aposteln gesagt hat, sie sollen einem Haus den Frieden wünschen (Lk 10,5). Er erwähnt noch, dass er den Brief selbst verfasst hat. Das ist insofern erwähnenswert, als viele einen Schreiber für sich haben. Paulus besteht darauf, diese Aufgabe selbst zu übernehmen, und sagt sogar, dass es sein Markenzeichen sei.
Der Brief endet mit dem üblichen: „Die Gnade Jesu Christi, unseres Herrn, sei mit euch allen!“
Seine Worte gelten bis heute: Auch wir sollen aufpassen, mit wem wir uns abgeben. Oft ist es so, dass die Gesetzlosigkeit des Freundes einen selbst in die Gesetzlosigkeit zieht. Freunde kann man frei wählen, seien wir dabei ruhig wählerisch! Schließlich ist das Leben ein einziger Kampf, da sollte man sich einen Mitkämpfer suchen, um in der Schlacht nicht zu fallen.
Glaubwürdig ist die Kirche nicht, wenn sie sich der Welt anpasst. Glaubwürdig ist die Kirche, wenn sie das Verkündete auch vorlebt. Geistliche, die das Evangelium von der Kanzel predigen, aber in ihrem persönlichen Leben nicht nach den Zehn Geboten leben, sind unauthentisch. Man spürt als Gläubiger, wenn der Geistliche nicht hinter den Worten steht. Das gilt auch für jeden einzelnen Christen: Der Glaube des Gläubigen muss sich anhand des Lebenswandels ablesen lassen können. Missionarisch wirkt man dann, wenn man den Glauben in erster Linie vorlebt. Das erreicht Menschen viel mehr als nur gepredigte Worte (die auch sein müssen!).

Ps 128
1 Ein Wallfahrtslied. Selig jeder, der den HERRN fürchtet, der auf seinen Wegen geht!

2 Was deine Hände erarbeitet haben, wirst du genießen; selig bist du – es wird dir gut ergehn.
4 Siehe, so wird der Mann gesegnet, der den HERRN fürchtet.
5 Es segne dich der HERR vom Zion her. Du sollst schauen das Glück Jerusalems alle Tage deines Lebens.

Als Antwort auf die Lesung beten wir Ps 128, der zum psalmübergreifenden Wallfahrtslied 120-134 gehört. Er stellt einen Haussegen dar. Selig sind wir, wenn wir Gottes Gebote halten. Dieses Verhalten zeigt unsere Gottesfurcht und ein geordnetes Leben, wie Paulus erklärt hat. Wir werden Segen haben, wenn wir „auf seinen Wegen“ gehen. Dieser Segen wird sich z.B. am Erntereichtum zeigen. Das greift Gen 3 auf, wo als Folge des ersten Sündenfalls die mühevolle Arbeit angekündigt wird, um das tägliche Brot essen zu können. Erntereichtum ist umso mehr ein Zeichen der Gnade Gottes.
Auch Vers 4 drückt aus, dass der güttesfürchtige Mann gesegnet sein wird. Wer Gott aber fürchtet, wird sein Leben nicht einfach schleifen lassen.
Wenn es dann zum Ende hin heißt „Es segne dich der HERR vom Zion her“, dann ist das ein besonderer Segen. Für die Israeliten war das die maximale Form von Segen, denn „vom Zion“ meint „vom Tempel“. Und dort wohnte die Herrlichkeit Gottes. Wir Christen sehen darin eine typologische Verbindung zum eucharistischen Segen. „Zion“ ist nun die Kirche, in der das Allerheiligste nicht mehr die Bundeslade, sondern der Tabernakel mit den konsekrierten Hostien ist – das fleischgewordene Wort Gottes.
Das ewige Schauen des Glücks Jerusalems ist dann auch mehr als nur wörtlich zu verstehen: Es bezieht sich auf die Glückseligkeit des himmlischen Jerusalems. Dann werden wir mit der himmlischen Familie, also in Gemeinschaft der Heiligsten Dreifaltigkeit leben. Dann kommen wir von der Abbildhaftigkeit zur Vollendung. Das dürfen wir sakramental schon jetzt erfahren in der Gemeinschaft der Gläubigen, der Kirche. Wir sind eine einzige Familie, bei der der Priester unser Vater ist. Er sorgt für die Sakramente und Sakramentalien. Die Kirche gebärt uns, zieht uns auf und nährt uns mit den Heilsmitteln seelisch. Alle Gläubigen sind Geschwister im Glauben und bilden so die geistliche Familie, von der Jesus gesprochen hat (Mt 12,50; Mk 3,35).

Mt 23
27 Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr seid wie getünchte Gräber, die von außen schön aussehen, innen aber voll sind von Knochen der Toten und aller Unreinheit.

28 So erscheint auch ihr von außen den Menschen gerecht, innen aber seid ihr voll Heuchelei und Gesetzlosigkeit.
29 Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr errichtet den Propheten Grabstätten und schmückt die Denkmäler der Gerechten
30 und sagt dabei: Wenn wir in den Tagen unserer Väter gelebt hätten, wären wir nicht wie sie am Blut der Propheten schuldig geworden.
31 Damit bestätigt ihr selbst, dass ihr die Söhne der Prophetenmörder seid.
32 Macht nur das Maß eurer Väter voll!

Heute hören wir so wie gestern Wehrufe gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten. Sie stellen das Negativbeispiel der Worte Pauli dar: Ihre Worte und Taten unterscheiden sich diametral. Sie sind „wie getünchte Gräber, die von außen schön aussehen, innen aber voll sind von Knochen der Toten und aller Unreinheit.“ Dass Jesus das Grabbild verwendet, ist von höchster Brisanz, denn der Tod ist eines der kultisch verunreinigenden Aspekte, die den Juden kultunfähig machte. Wenn Jesus also jene als Gräber bezeichnet, die den höchsten Wert auf Ritualgebote gelegt haben – bei anderen! – dann provoziert sie dies auf unsägliche Weise! Jesus tut das aber ganz bewusst, damit er sie überhaupt erreichen kann. Sie sind von ihrer Selbstgerechtigkeit so vereinnahmt, dass man nur so zu ihnen durchdringen kann.
Jesus greift das Bild aber nicht nur deshalb auf, um sie zu provozieren, sondern auch zu betonen, dass sie innerlich tot sind. Wenn sie also nicht bald umkehren, wird sie der ewige Tod ereilen.
Sie sind innerlich voll Heuchelei und Gesetzlosigkeit. In ihren Herzen sind sie also wie jene, vor denen Paulus die Thessalonicher gewarnt hat: voller Unordnung. Die Pharisäer und Schriftgelehrten sind peinlich darauf bedacht, die Menschen bei der Einhaltung aller Gebote, insbesondere der Ritualgebote, zu überwachen und selbst eine perfekte Fassade zu wahren, obwohl sie selbst sich gar nicht um ein Leben nach Gottes Geboten bemühen.
Jesus spricht noch einen weiteren Aspekt ihrer Heuchelei an: Sie schmücken die Gräber und Gedenkstätten der Propheten und Gerechten. Dabei haben jene Toten ihr Leben dafür geopfert, Gottes Willen treu zu verkünden, die Selbstgerechten anzuprangern und immer wieder zur Umkehr aufzurufen. Sie mussten sehr oft dafür ihr Leben lassen, weil Selbstgerechte wie jene Pharisäer und Schriftgelehrten mit derselben Haltung nicht umkehren wollten. Wie heuchlerisch ist es also nun, dass die Pharisäer, die jene Propheten genauso abgelehnt hätten wie ihre Vorfahren, ihre Gräber pflegen? Sie kümmern sich nicht nur darum, sondern behaupten auch noch, dass sie die Propheten nicht umgebracht hätten. Dabei ist das, was die Propheten verkündet haben, verdichtet mit Jesus Christus gegeben, den sie nun mit aller Kraft ablehnen! Dadurch, dass sie sich mit ihren Worten so weit aus dem Fenster lehnen, bestätigen sie, dass sie die Söhne der Prophetenmörder sind. Denn sie nehmen dieselbe heuchlerische Haltung ein wie ihre Väter. Sie haben nicht das Bedürfnis, irgendwie Buße zu tun und stellvertretend für ihre Vorfahren Gott um Verzeihung zu bitten. So wiederholen sie dieselben Väter. Es ist wie mit der gesamten Weltgeschichte. Die schlimmen Ereignisse, Fehler, konkret die totalitären Regime und Kriege, wiederholen sich im Laufe der Geschichte immer wieder (vielleicht unter anderem Namen und Deckmantel, aber im Kern auf dieselbe Weise), weil die Menschen aus ihren Fehlern nicht lernen, weil sie keine Sühne leisten und sich von Gott nicht belehren lassen wollen.
Und was Jesus am Ende sagt, wird sich erfüllen. Die religiöse Elite seiner Zeit wird nicht nur das Maß ihrer Väter voll machen, sondern diese noch überbieten. Sie werden nicht nur die Diener Gottes umbringen, sondern Gott selbst. Und doch ist alles eingefasst in den universalen Heilswillen Gottes. Er wird die größte Katastrophe aller Zeiten in das größte Heil für die ganze Welt wandeln, wenn Christus von den Toten aufersteht.

Denken wir heute darüber nach, wo wir noch ein ungeordnetes Leben führen und wo unser Tun und Reden sich noch unterscheiden. Der Weg zur Heiligkeit ist der Weg in die Kongruenz von Wort und Tat, denn so werden wir Christus immer ähnlicher.

Ihre Magstrauss

Dienstag der 21. Woche im Jahreskreis

2 Thess 2,1-3a.14-17; Ps 96,10-11.12-13b; Mt 23,23-26

2 Thess 2
1 Brüder und Schwestern, wir bitten euch hinsichtlich der Ankunft Jesu Christi, unseres Herrn, und unserer Vereinigung mit ihm:
2 Lasst euch nicht so schnell aus der Fassung bringen und in Schrecken jagen, wenn in einem prophetischen Wort oder einer Rede oder in einem Brief, wie wir ihn geschrieben haben sollen, behauptet wird, der Tag des Herrn sei schon da!
3 Lasst euch durch niemanden und auf keine Weise täuschen!
14 Dazu hat er euch durch unser Evangelium berufen; ihr sollt nämlich die Herrlichkeit Jesu Christi, unseres Herrn, erlangen.
15 Seid also standhaft, Brüder und Schwestern, und haltet an den Überlieferungen fest, in denen wir euch unterwiesen haben, sei es mündlich, sei es durch einen Brief!
16 Jesus Christus selbst aber, unser Herr, und Gott, unser Vater, der uns liebt und uns in seiner Gnade ewigen Trost und sichere Hoffnung schenkt,
17 ermutige eure Herzen und gebe euch Kraft zu jedem guten Werk und Wort.

In der Lesung hören wir einen Ausschnitt aus dem zweiten Thessalonicherbrief, bei dem die Endzeit und Wiederkunft Christi thematisiert wird. Es handelt sich ja um einen Brief, weshalb Paulus hier auf Fragen und Themen eingeht, die die Gemeinde ihm zuvor gestellt hat. Offensichtlich herrscht dort eine panische Stimmung oder zumindest Verunsicherung vor, weil irgendwer behauptet hat, „der Tag des Herrn sei schon da!“ Gemeint ist, dass Jesus schon wiedergekommen ist. Paulus sagt der Gemeinde deshalb zu, dass sie sich „nicht so schnell aus der Fassung bringen und in Schrecken jagen“ lassen soll. Er lässt durchblicken, dass diese Behauptung zum Beispiel durch eine Prophezeiung den Christen von Thessaloniki zugekommen ist. Anscheinend haben sie nicht nur von Paulus Briefe erhalten, sondern auch von anderen Missionaren oder wem auch immer, da Paulus die Panikmacherei auch über dieses Medium für möglich hält. Er sagt ganz klar, dass dies alles eine Täuschung darstellt. Christus ist noch nicht wiedergekommen. Wir müssten die gesamte Schrift einmal durchlaufen und die entsprechenden Aussagen Jesu Christi hier nennen. Zusammengefasst lässt sich aus ihnen schließen: Wenn Jesus wiederkommt als verherrlichter Menschensohn am Letzten Tag, dann wird es jeder sehen. Er wird auf den Wolken des Himmels auf die Erde kommen und dies in aller Öffentlichkeit. Es kann also nicht sein, dass er vielleicht schon da ist und jemand es versäumt hat. Es geht auch nicht darum, ängstlich auf diesen Tag zu warten oder herumzuspekulieren, wann das sein wird. Vielmehr sollen die Christen die Gebote Gottes halten und im Stand der Gnade sein, damit sie jederzeit bereit sind.
Paulus erinnert die Thessalonicher daran, dass sie dazu berufen sind, die Herrlichkeit Christi zu erlangen. Das bedeutet, dass sie durch die Taufe zur Heiligkeit und zum ewigen Leben bei Gott berufen sind. Die praktische Konsequenz ist ein Leben nach den Geboten wie gesagt. Und deshalb ruft Paulus sie dazu auf, „an den Überlieferungen“ festzuhalten – mündlich oder durch einen Brief. Zu jener Zeit ist das Neue Testament noch nicht geschrieben. Dessen Inhalt wird in den ersten Jahrzehnten des Christentums mündlich weitergegeben oder in Form von Gemeindebriefen, was die erste Verschriftlichung darstellt. Diese Überlieferungen sind später nicht eins zu eins vollständig niedergeschrieben worden in Form des Neuen Testaments. Ich wiederhole. Das Neue Testament enthält nicht alle vollständigen Überlieferungen der Apostel. Das ist auch gar nicht möglich, weil es so viel ist. Diese Dinge sind mit der Zeit zwar verschriftlicht worden, aber nicht alle in der Bibel. Wenn wir die vollständige Lehre Jesu haben wollen, müssen wir also nicht nur das Neue Testament lesen, sondern auch die anderen Überlieferungen beachten, die aus Zeit- oder Platzgründen gar nicht mehr ins NT eingegangen sind. Wenn die Thessalonicher daran festhalten, wird sie keine Panikmache berühren, denn sie wissen von Christus selbst, wie es ablaufen wird. Und dieser selbst wird sie dazu ermutigen, nach den Geboten Gottes zu leben, bis er wiederkommt. Die Christengemeinde damals soll sich nicht in die Apokalyptik hineinsteigern (wachsam sein schon), sondern die restliche Zeit bis dahin ein gerechtes Leben führen. Darauf kommt es an.
Das erinnert uns an die Apostel, die damals zum Himmel hinaufgesehen haben, auch nachdem Christus schon längst zum Vater heimgekehrt ist. Und dann sprechen die Engel sprechen sie darauf an. Auch sie sollen tätig werden.
Und diese Worte gelten auch uns Christen heute. Natürlich müssen wir uns dessen bewusst sein, dass wir in der Endzeit leben. Bei so manchem Katholiken ist dies gänzlich aus dem Sinn. Dagegen herrscht eine regelrechte Hysterie ähnlich der Thessalonicher in verschiedenen kirchlichen Gemeinschaften. Auch dort wird diskutiert, ob Christus schon längst wiedergekommen ist. Es ist wie ein einziges Déjàvu der heutigen Lesung. Und auch dann möchte Paulus klarstellen: Haltet die Gebote und seid jederzeit bereit. Lasst euch nicht in Panik versetzen.

Ps 96
10 Verkündet bei den Nationen: Der HERR ist König! Fest ist der Erdkreis gegründet, er wird nicht wanken. Er richtet die Völker so, wie es recht ist.
11 Der Himmel freue sich, die Erde frohlocke, es brause das Meer und seine Fülle.
12 Es jauchze die Flur und was auf ihr wächst. Jubeln sollen alle Bäume des Waldes
13 vor dem HERRN, denn er kommt, denn er kommt, um die Erde zu richten.

Der Antwortpsalm ist heute Ps 96 entnommen, der von hymnischen Abschnitten durchzogen ist und zum Ende hin das sogenannte Thronbesteigungsmotiv aufgreift. Dabei handelt es sich um Aussagen, die Gottes Königtum thematisieren und seinen Herrschaftsantritt schildern.
Ganz in typischem Psalmenstil ruft der Psalmist die ganze Schöpfung dazu auf, den Herrn zu lobpreisen, denn der Messias kommt, der universales Heil bringt. Die Nationen werden mit dem Begriff בַגֹּויִ֨ם baggojim „in/bei den Völkern/Nationn“ ausgedrückt. Das heißt, es umfasst die nichtjüdischen Völker und ist somit ein Hinweis auf den Neuen Bund Gottes mit allen Menschen. In den heutigen Versen werden zudem die verschiedenen Bereiche der Schöpfung zum Lobpreis aufgefordert, was ein typisches Psalmenelement darstellt.
Diesen Psalm haben wir auch in der Adventszeit gebetet, hier bezieht er sich nun auf den zweiten Advent: auf die Wiederkunft Christi am Ende der Zeiten. Das ist auch das zentrale Thema der heutigen Lesung. Die ganze Kirche ist in einer adventlichen Stimmung bis zum Ende der Welt, denn sie erwartet das Kommen des Menschensohnes. Und das verleiht den Christen die unerschütterliche Hoffnung auf ein gutes Ende für die eigene Biographie, aber auch für die gesamte Weltgeschichte. Wenn Gott nämlich wiederkommt, wird er „seinen Thron besteigen“. Von den apokalyptischen Büchern der Bibel wissen wir, dass Gott längst auf seinem Thron sitzt und herrscht, doch am Ende der Zeiten wird er sich gegen die bösen Mächte durchsetzen, denen er momentan noch einen gewissen Spielraum zugesteht. Dann wird er als königlicher Herrscher die Völker richten. Am Ende der Zeiten wird es ein Weltgericht geben, dem sich keiner entziehen kann.
Was auffällig ist und auch in der Offb so formuliert wird: Gott wird nicht sein, sondern er kommt. Gleich zweimal wird dies hier ausgesagt. Gott ist schon unterwegs zu uns, statt in unbestimmter Zukunft erwartet zu werden. Das ist der Kern adventlicher Erwartung, sowohl auf Weihnachten hin als auch auf das Ende der Zeiten hin. Wir leben auch in adventlicher Erwartung auf die Eucharistie. Jesus Kommt sakramental immer wieder zu uns und wir leben in eucharistischer Gesinnung. Gott kommt auch immer wieder in unser alltägliches Leben. Wir müssen nur genau hinschauen. Wie viele Wunder geschehen von Tag zu Tag, an denen man Gottes Eingreifen erkennen kann. Wir empfangen den Herrn in der Kommunion und wenn wir es zulassen, dann bleibt er bei uns. Er bestimmt unser Leben und stärkt uns in den täglichen Kämpfen.
Im Psalm fällt auf, dass das Gericht Gottes sehr positiv gesehen wird. Gottes Gerichtshandeln ist absolut gerecht und dadurch eine Erlösung von der Ungerechtigkeit, unter der das Volk Israel leidet. Auch wir haben nichts zu befürchten, wenn wir uns aufrichtig um unsere Beziehung zu Gott bemühen, wie es auch Paulus im Thessalonicherbrief verdeutlicht. Konkret zeigt sich dies durch unsere Früchte – aus Liebe seine Gebote zu halten und die Heilsmittel dafür in Anspruch zu nehmen.

Mt 23
23 Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr gebt den Zehnten von Minze, Dill und Kümmel und lasst das Wichtigste im Gesetz außer Acht: Recht, Barmherzigkeit und Treue. Man muss das eine tun, ohne das andere zu lassen.
24 Blinde Führer seid ihr: Ihr siebt die Mücke aus und verschluckt das Kamel.
25 Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr haltet Becher und Schüsseln außen sauber, innen aber sind sie voll von Raffsucht und Gier.
26 Du blinder Pharisäer! Mach den Becher zuerst innen sauber, dann ist er auch außen rein.

Im Evangelium geht es um eine religiöse Gruppe zur Zeit Jesu, die eine falsche Haltung einnimmt und gerade nicht umsetzt, was Paulus oder der Psalm herausgestellt haben: Sie halten nicht die Gebote aus aufrichtiger Liebe zu Gott. Es geht um die Pharisäer und Schriftgelehrten. Jesus hat heute sehr harte Worte für sie, weil er auch sie erreichen möchte, damit sie gerettet werden. Außerdem möchte er den Anwesenden zeigen, wie Gottes Gericht schon in diesem Leben, spätestens am Lebens- und Weltende sein wird.
Jesus setzt zu Weherufen gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten ein, die die Heuchelei zum Kern haben. Ein Zehntel an Kräutern geben diese zwar ab, doch den „Zehnten“ des ethischen Verhaltens ignorieren sie. Jesus bezieht sich hier auf Lev 27,30, wo der Zehnte des Ernteertrags Gott gehört. Er soll ihm sozusagen zurückgegeben werden als Zeichen der Dankbarkeit. Das ist ja auch richtig, dass die Pharisäer und Schriftgelehrten das also tun. Das Problem ist die Doppelmoral, denn sie ignorieren zugleich die andere Seite der Medaille. Gott etwas vom Ertrag zurückzugeben, gründet ja auf der Gottesliebe. Diese ist aber zutiefst mit der Nächstenliebe verbunden. Wie kann man die Gottesliebe also im Falle der Pharisäer und Schriftgelehrten aufrichtig nennen, wenn sie zugleich die Nächstenliebe ignorieren? Jesus fasst deshalb zusammen: „Man muss das eine tun, ohne das andere zu lassen.“
Jesus fährt fort: „Blinde Führer seid ihr: Ihr siebt die Mücke aus und verschluckt das Kamel.“ Zurückbezogen auf das Beispiel der Zehntabgabe heißt das, dass es viel wichtigere Gebote gibt, die sie ignorieren, doch sind versessen auf die Kleinigkeiten. Hauptsache die Abgabe ist getätigt, auch wenn man dann im nächsten Moment die Armen und Rechtlosen ausnimmt und das Geld in die eigene Tasche steckt. Hauptsache die Hände sind vor dem Essen gewaschen, aber mit denselben Händen haben sie zuvor schlimme Sünden gegen die Zehn Gebote begangen wie das Stehlen oder das Morden (ja, auch mit dem Finger auf andere zeigen gehört zum fünften Gebot).
Jesus bringt als Beispiel für die Reinheitsgebote das äußerlich saubere Geschirr, das von innen dreckig ist. Die Pharisäer legen so sehr wert auf Äußerlichkeiten, dass sie die innere Haltung, die Herzensreinheit, die Absicht hinter den äußeren Handlungen ganz vergessen. Und dabei möchte Jesus, dass wir Menschen innen und außen kongruent sind. Unser innerer Antrieb für das Halten der Gebote muss allein die Liebe sein. Barmherzigkeit zeigt so eine innere Haltung, die jenen fehlt, die den Zehnten zum höchsten Dogma erheben, dafür aber den Rechtlosen kein Recht verschaffen – wir denken besonders an die Witwen und Waisen in den Städten, die auch mal ein Almosen verdient hätten. Wir denken an die Vergebung und Feindesliebe, an das Ehren von Vater und Mutter (da hebeln sie das Gebot Gottes ja sogar durch ein menschliches Gebot aus).
Vor Gott sind die Menschen nicht rein, wenn sie äußerlich rein sind – also können sich die Pharisäer und Schriftgelehrten die Ritualgebote schenken – sondern wenn ihr Herz rein ist. Und dies zeigt sich in einem barmherzigen Handeln, im Halten der Zehn Gebote und nicht des eigenen menschlichen Konstrukts. Gott möchte, dass wir die richtige Priorität nicht aus den Augen verlieren: Seine Zehn Gebote, die er selbst gegeben hat, sind an oberster Stelle. Denn Gottes Gebote basieren auf dem Doppelgebot der Liebe, das den gesamten Kern darstellt. Wenn wir dieses Doppelgebot mit aufrichtigem Herzen befolgen, dann müssen wir vor dem kommenden Gottesgericht keine Angst haben.

Ihre Magstrauss

Bartholomäus, Apostel (Fest)

Offb 21,9b-14; Ps 145, 10-11.12-13b.17-18; Joh 1,45-51

Offb 21
9 Komm, ich will dir die Braut zeigen, die Frau des Lammes.

10 Da entrückte er mich im Geist auf einen großen, hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem, wie sie von Gott her aus dem Himmel herabkam,
11 erfüllt von der Herrlichkeit Gottes. Sie glänzte wie ein kostbarer Edelstein, wie ein kristallklarer Jaspis.
12 Die Stadt hat eine große und hohe Mauer mit zwölf Toren und zwölf Engeln darauf. Auf die Tore sind Namen geschrieben: die Namen der zwölf Stämme der Söhne Israels.
13 Im Osten hat die Stadt drei Tore und im Norden drei Tore und im Süden drei Tore und im Westen drei Tore.
14 Die Mauer der Stadt hat zwölf Grundsteine; auf ihnen stehen die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes.

In der ersten Lesung aus der Johannesoffenbarung hören wir davon, wie Johannes die Braut des Lammes schauen darf, deren Hochzeit ihm ja schon zwei Kapitel zuvor angekündigt worden ist.
Der Visionär wird auf einen Berg entrückt, um von dort Jerusalem zu sehen, wie sie vom Himmel her herabkam. Er wird sich nicht gewundert haben, denn dass Jerusalem als Braut Gottes bezeichnet wird, ist uralte Bildsprache, die er schon aus dem Alten Testament kennt. Die Propheten haben dies immer wieder so ausgedrückt, um den Ehebruch des Volkes gegen Gott herauszustellen.
Die Braut glänzt „wie ein kostbarer Edelstein, wie ein kristallklarer Jaspis“. So ist zuvor Gott umschrieben worden und alles, was zu seiner Sphäre gehört. Auch der Vergleich des hellen Gnadenlichtes Gottes mit Edelsteinen ist dem Alten Testament entnommen. Hier wird dem Seher das gezeigt, was er von seiner jüdischen Abstammung her kennt. Edelsteine werden zum Vergleich deshalb herangezogen, weil das Licht sich in schöne Farben bricht und das Lichtspiel durch sie bewundert worden ist. Das Licht der göttlichen Herrlichkeit ist ansatzweise damit vergleichbar.
Johannes schaut Details des himmlischen Jerusalem, unter anderem die Mauer und die Tore. Auf jedem der zwölf Tore, die mit den Namen der zwölf Stämme der Söhne Israels beschriftet sind, stehen Engel. Zudem sind die zwölf Grundsteine der Mauer mit den Namen der zwölf Apostel des Lammes beschriftet. Was Johannes hier sieht, ist mit den 24 Ältesten auf 24 Thronen in Verbindung zu bringen. Gemeinsam bilden diese nämlich die Gesamtheit der Söhne Israels und der Apostel. Alter und Neuer Bund vereinen sich in Gottes Reich. Die Johannesoffenbarung ist ein eindeutiger Beweis dafür, dass der Alte Bund nicht beendet worden ist, nur weil er den Neuen Bund geschlossen hat. Wenn wir an diesem heutigen Apostelfest vor allem auf die Grundsteine der Mauer schauen, erkennen wir ein Motiv, das auch in 1 Petr 2,5 zum Tragen kommt und die Verbindung dieses himmlischen Jerusalem mit der Kirche herausstellt: Sie sind lebendige Steine, die das himmlische Jerusalem umfangen. Was Johannes im Himmel sieht, ist auf Erden schon grundgelegt in der Kirche Jesu Christi. Die Grundsteine des Mauerwerks hat er selbst konstruiert, indem er die zwölf Apostel auserwählt hat. Die Kirche ist das Sakrament, das dieses himmlische Jerusalem antizipiert. Das heißt konkret, dass was hier auf Erden in der Kirche passiert, Abbild dessen ist, was im Himmel geschieht. Ich spreche v.a. von der Liturgie. Wenn dieser Zusammenhang besteht, heißt das auch, dass die Kirche einen apostolisches Mauerwerk haben muss, damit sie Kirche ist. Wo eine Gemeinschaft sich als Kirche propagiert, aber nicht die apostolische Sukzession hat, ist sie nicht sakramentale Wirklichkeit des himmlischen Jerusalem.

Ps 145
10 Danken sollen dir, HERR, all deine Werke, deine Frommen sollen dich preisen.

11 Von der Herrlichkeit deines Königtums sollen sie reden, von deiner Macht sollen sie sprechen,
12 um den Menschen bekannt zu machen seine machtvollen Taten und die glanzvolle Herrlichkeit seines Königtums.
13 Dein Königtum ist ein Königtum aller Zeiten, von Geschlecht zu Geschlecht währt deine Herrschaft.
17 Gerecht ist der HERR auf all seinen Wegen und getreu in all seinen Werken.
18 Nahe ist der HERR allen, die ihn rufen, allen, die ihn aufrichtig rufen.

Als Antwort auf die spannende Vision des Johannes loben wir Gott im Psalm. Es ist wieder ein Aufruf zum Lobpreis bzw. Dank, der diesmal in dritter Person formuliert ist. Der Aufruf an die Frommen, ihn zu preisen, färbt den Psalm sehr liturgisch. Es ist ein Appell, hinter dem ursprünglich wohl wirklich ein liturgischer Kontext stand.
Es ist bemerkenswert, dass die Rede vom Königtum Gottes ist. Gott ist ein Herrscher und seine Königswürde ist Herrlichkeit. Das hebräische Wort כָּבוֹד kavod ist auch dasselbe, das für die Gegenwart Gottes im Tempel verwendet wird und das zum Gottesprädikat δόξα doxa wird – sowohl im griechischen AT als auch im NT. Diese Herrlichkeit ist uns in der Lesung in Form des Edelstein-Bildes zugekommen. Die Herrlichkeit des Reiches Gottes macht auch Jesus zum Kern seiner Verkündigung. Und am Ende seines Wirkens, bevor er nämlich zum Vater zurückkehrt, trägt er seinen Jüngern auf, diese Herrlichkeit des Gottesreiches allen Menschen zu verkünden. Somit wird das umgesetzt, was hier im Psalm schon gesagt wird: „Von der Herrlichkeit deines Königtums sollen sie reden…um den Menschen bekannt zu machen“. Die Kirche tut dies in ihren Vollzügen: Sie verkündet das Reich Gottes (martyria), sie feiert das Reich Gottes (leiturgia), sie lebt das Reich Gottes (diakonia). Und wir Menschen ersehnen das Reich Gottes jedes Mal, wenn wir im Vaterunser beten „dein Reich komme“. Das Reich Gottes ist ewig, so sagt es schon der Psalm. Es ist das Himmelreich, das unter anderem auch mit dem Begriff „himmlisches Jerusalem“ bezeichnet wird und von dem wir in der Lesung gehört haben.
Gottes Königtum ist vollkommen im Gegensatz zu menschlichen Königtümern, denn er ist gerecht „auf all seinen Wegen und getreu in all seinen Werken.“ Wenn er etwas verspricht, hält er dies auch. Wir sehen die Korruption der heutigen politischen Welt vor Augen, die einen krassen Gegensatz dazu darstellt. Gerade in Wahlkampagnen verdichtet sich das Problem, wenn die Kandidaten allerlei Versprechungen machen, um Wähler anzulocken und dann im Amt nichts davon umsetzen. Gott ist dagegen ein treuer Herrscher, der alles umsetzt und der den Bund mit den Menschen auf ewig hält. Weil er absolut vertrauenswürdig ist, gebührt ihm auch der volle Gehorsam in Liebe.
„Nahe ist der HERR allen, die ihn rufen, allen, die ihn aufrichtig rufen.“ Gott lässt nicht lange auf sich warten, ja er wartet selbst sehnsüchtig darauf, dass wir seine Nähe suchen. Dazu hat er uns ja geschaffen. Er möchte unsere Liebe nicht erzwingen, deshalb wartet er auf jeden von uns wie der Vater im Gleichnis vom verlorenen Sohn. Er kommt uns schon von weitem entgegen, wenn wir uns auf den Weg zu ihm machen. So sehr dürstet er nach unserer Gegenliebe. Wenn wir aufrichtig umkehren, ihn anrufen, auch nur stammelnd ein Gebet versuchen, zusammen zu kratzen, dann ist er schon ganz bei uns und schenkt uns die Gnade, die wir brauchen. So ein König ist unser Gott.

Joh 1
45 Philippus traf Natanaël und sagte zu ihm: Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben: Jesus, den Sohn Josefs, aus Nazaret.

46 Da sagte Natanaël zu ihm: Kann aus Nazaret etwas Gutes kommen? Philippus sagte zu ihm: Komm und sieh!
47 Jesus sah Natanaël auf sich zukommen und sagte über ihn: Sieh, ein echter Israelit, an dem kein Falsch ist.
48 Natanaël sagte zu ihm: Woher kennst du mich? Jesus antwortete ihm: Schon bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen.
49 Natanaël antwortete ihm: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel!
50 Jesus antwortete ihm: Du glaubst, weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah; du wirst noch Größeres als dieses sehen.
51 Und er sprach zu ihm: Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn.

Im Evangelium wird uns davon berichtet, wie Jesus seine Jünger berufen hat. Da wir heute das Fest des Hl. Bartholomäus begehen, steht seine Berufung im Vordergrund. Es ist anzumerken, dass im Johannesevangelium Bartholomäus Natanael genannt wird. Woran liegt das?
„Bartholomäus“ ist die latinisierte Form des hebräischen „Bar-Tolmay“, was „Sohn des Tolmay“ heißt. Es meint also nicht seinen Namen, sondern den Beinamen, den man als Zuschreibung der Person verwendet hat, so wie „Barjona“ für Petrus oder „Sohn des Zebedäus“ für die Donnersöhne. Natanael ist dagegen ein typischer Vorname (hier in der griechischen Fassung), der im Hebräischen die Form נתנאל netan’el hat. Der Name bedeutet „Gott hat gegeben“. Der volle Name der heutigen gefeierten Person lautet also Natanael Bar-Tolmai. Johannes nennt also einfach seinen Vornamen, während die Synoptiker und Apg sich für den Beinamen entscheiden.
Philippus, der ein neuberufener Apostel ist, geht zu Natanael und spricht ihn an. Das heißt, er kennt ihn schon, als Jesus die Apostel beruft. Zu ihm sagt Philippus nun: „Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben: Jesus den Sohn Josefs, aus Nazaret.“ Diese Aussage zeigt uns schon, dass Natanael ein schriftkundiger Jude sein muss, denn er weiß um die messianischen Verheißungen des Alten Testaments und legt offensichtlich Wert darauf. Man nimmt heutzutage auch an, dass Natanael ein Schriftgelehrter gewesen sei. Vor allem irritiert ihn ja die Aussage, dass Jesus aus Nazaret kommt. Gemäß den Hl. Schriften erwartet man ja einen davidischen Messias, der also aus Betlehem stammt. Was die Apostel zu jener Zeit vielleicht noch nicht wissen, ist ja, dass Jesus Davidide aus Betlehem ist, der nun in Nazaret wohnt. Die Verheißung erfüllt sich also schon, doch der erste Eindruck täuscht. Nazaret liegt in Galiläa und deshalb kommt von Natanael die skeptische Bemerkung „Kann aus Nazaret etwas Gutes kommen?“ Es gibt zwar Juden in diesem Dorf, doch ist die Gegend für starke pagane Einflüsse bekannt. Galiläa wird von den Judäern grundsätzlich verachtet und Nazaret hat zu jener Zeit von allen Städten den schlechtesten Ruf. Es gilt als zweifelhafter Ort voller Sünder. Doch die Vorsehung Gottes hat offensichtlich genau dies so gefügt, dass Jesus in so einer Region aufwächst und nachher auch wirkt. Gott sucht sich das Kleine und Schwache aus, denn er ist die Demut schlechthin. Er sucht sich auch bewusst einen Ort aus, der von Juden und Heiden besiedelt wird. Schließlich ist er gekommen, den Neuen Bund Gottes mit Juden UND Heiden zu besiegeln. Wir müssen über die Frage Natanaels ein wenig genauer nachdenken. Ist es eine komplette Ablehnung? Nein, es ist vielmehr eine Unsicherheit oder Unschlüssigkeit angesichts der fehlenden Aussagen in der Hl. Schrift. Wäre es eine Frage kompletter Ablehnung, würde Natanael Philippus nicht zu Jesus folgen. Er würde dort bleiben, wo er aufgesucht worden ist.
Wie sehr oft im Johannesevangelium antwortet Philippus mit den Worten: „Komm und sieh!“ Und Natanael wird sich selbst von der Messianität Jesu überzeugen, als dieser nämlich zu ihm sagt, während er auf ihn zukommt: „Sieh, ein echter Israelit, an dem kein Falsch ist.“ Jesus lehnt sich mit seinen Worten an Psalm 32,2 an, was eine ganz logische und passende Bemerkung für einen Schriftgelehrten ist. Jesus zeigt ihm somit, dass er die Hl. Schrift gut kennt, und macht ihm ein Kompliment. Jesus macht ihm dieses Kompliment, weil er die Aufrichtigkeit erkennt, mit der der Schriftgelehrte den Messias sucht. Natanael fragt Jesus, woher er ihn kennt – denn die Aussage, dass er ohne Falschheit sei, kann er ja nur tätigen, wenn er dessen Lebenswandel kennt. Und so antwortet Jesus mit einer Sache, die er gar nicht wissen kann: „Schon bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen.“ Das heißt nicht, dass Philippus ihn von einem Feigenbaum weggeholt hat, den Jesus von weitem gesehen hat. Das hat eine viel tiefere Bedeutung: Unter dem Feigenbaum sitzen die Menschen unter anderem in der Bibel, um sich zu erholen. Das ist ein Bild auch für den salomonischen Frieden. Es bezieht sich aber auch auf die frommen Juden, die aufrichtig nach Gott nachsinnen und die Hl. Schrift betrachten. Unter Rabbinern hat sich die Redewendung „unter dem Feigenbaum sitzen“ für die Betrachtung der Hl. Schrift eingebürgert. Jesus sagt Natanael also, was er zuvor getan hat. Er wird sich ganz ertappt gefühlt haben, denn als Johannesjünger hat dieser Mann stets über den Messias nachgedacht. Und nun sagt der Messias selbst ihm gleichsam zu: „Ich habe dich gesehen, wie du aufrichtig nach mir gesucht hast.“ Das ist die Antwort, auf die Natanael gewartet hat, und so antwortet er Jesus mit einem emotionalen Messiasbekenntnis.
Jesus nimmt dies zum Anlass, eine wichtige Lektion zu erteilen: Natanael kam zum Glauben an ihn, weil Jesus prophetische Worte zu ihm gesprochen hat. Doch er verdeutlicht, dass sowohl Natanael als auch die anderen Apostel noch größere Dinge sehen werden: die vielen Heilungen, Exorzismen, die Totenheilung des eigenen Freundes, die Auferstehung Jesu Christi. Sie werden durch die ganzen Wundertaten seine Herrlichkeit sehen. Dies umschreibt Jesus mithilfe eines biblischen Bildes, das er ganz bewusst für den Schriftgelehrten Natanael aufgreift: Die geöffnete Himmelstür mit auf- und absteigenden Engeln über dem Menschensohn. Die Himmelsleiter ist ein Motiv, das schon in der Jakobserzählung erscheint. Dort sieht der Patriarch im Traum die Himmelsleiter mit den sich bewegenden Engeln und Gott selbst am oberen Ende der Leiter. Jesus erklärt mithilfe dieses Motivs, dass Gott ans andere Ende der Leiter gekommen ist – er ist Mensch geworden in Jesus Christus, um bei den Menschen zu wohnen und die ganze Welt zu retten.

Natanael ist eine große Gnade zuteilgeworden. Er ist als Johannesjünger in der absoluten Messiaserwartung in die persönliche Begegnung mit ihm geführt worden. Bitten wir ihn heute ganz besonders um seine Fürsprache, dass auch wir Gott mit aufrichtigem Herzen suchen, damit auch er zu uns eines Tages sagt: „Ich habe dich unter deinem ganz persönlichen Feigenbaum sitzen gesehen“.

Ihre Magstrauss

21. Sonntag im Jahreskreis

Jes 22,19-23; Ps 138,1-2 b.2c -3.6 u. 8; Röm 11,33-36; Mt 16,13-20

Jes 22
19 Ich werde dich von deinem Posten stoßen und er wird dich aus deiner Stellung reißen.
20 An jenem Tag werde ich meinen Knecht Eljakim, den Sohn Hilkijas, berufen.
21 Ich werde ihn mit deinem Gewand bekleiden und ihm deine Schärpe fest umbinden. Deine Herrschaft gebe ich in seine Hand und er wird zum Vater für die Einwohner Jerusalems und für das Haus Juda.
22 Ich werde ihm den Schlüssel des Hauses David auf die Schulter legen. Er wird öffnen und niemand ist da, der schließt; er wird schließen und niemand ist da, der öffnet.
23 Ich werde ihn als Pflock an einer festen Stelle einschlagen und er wird zum Thron der Ehre für sein Vaterhaus.

Die Worte, die wir in der ersten Lesung hören, stellen ein Gotteswort dar, das der Prophet Jesaja an Schebna richtet. In diesen Worten wird ihm angekündigt, dass er durch Eljakim ersetzt werden soll. Er hat zu jener Zeit der assyrischen Fremdherrschaft den zweithöchsten Posten im Königreich Juda, den des Verwaltungsbeamten. Eine Schärpe ist sein Erkennungszeichen, sodass jeder daran erkannte, dass er die alle Vollmachten des Königs innehatte. Er war nicht nur der Palastvorsteher und musste das Krongut verwalten, auch die Tributzahlungen an die Assyrer managen, sondern war auch in Kontakt mit den Assyrern. So wurde er bestechlich und betrieb regelrechte Lobbyarbeit. Schebna ist also insgesamt ein schlechter Verwalter des Reiches Juda. Und deshalb übermittelt Jesaja ihm nun die Drohworte, die wir in der ersten Lesung gehört haben.
„Ich werde dich von deinem Posten stoßen und er wird dich aus deiner Stellung reißen.“ Das bezieht sich auf Eljakim, der seine Aufgabe übernehmen wird. Schebna selbst wird weiterhin Verantwortung haben, aber einen niedrigeren Posten erhalten: Er wird zum Schreiber seines Nachfolgers Eljakim.
Eljakim dagegen wird die Schärpe erhalten und auch das Gewand Schebnas tragen. Und dieser Mann wird wirklich väterlich handeln. Er wird seine Position nicht missbrauchen, sondern wirklich für Juda sorgen wie ein Vater für seine Familie. Das ist der Sinn dieses Postens und so ist es gottgewollt.
Jesaja fährt fort mit den Gottesworten: „Ich werde ihm den Schlüssel des Hauses David auf die Schulter legen. Er wird öffnen und niemand ist da, der schließt; er wird schließen und niemand ist da, der öffnet.“ Wir erkennen in Eljakim einen Typos Petri, dem Jesus höchstpersönlich die Schlüssel des Himmelreiches übergeben wird. Das ist schon ein Hinweis auf das Evangelium, seien Sie gespannt!
Eljakim wird die Schlüssel des Hauses David erhalten, das bedeutet wörtlich zunächst die Schlüssel des Palastes. Er wird ja zum Palastvorsteher, der alles verwalten soll. Später wird Jesus Petrus eine ähnliche Aufgabe übermitteln. Der König des Himmelreiches wird seinem Verwalter die Schlüssel seines Palastes überreichen, der nicht von dieser Welt ist. Er wird zum Verwalter überirdischer Schätze und erhält so wie Eljakim alle Vollmachten des Königs. Auch er wird aufschließen und zuschließen. Was er auf Erden tun wird, wird im Himmel gelten.
Eljakim wird zum „Pflock an einer festen Stelle“. Das erinnert uns wiederum an Petrus, der zum Felsen für die Kirche wird. Insgesamt erkennen wir eine typologische Verbindung der beiden Personen, bei der Petrus Eljakim in seiner übernatürlichen Vollmacht übertrumpft. Er wird nämlich zum Verwalter und Palastvorsteher Gottes, der unendlich höher steht als der König von Juda. Und dieser überirdische Palastvorsteher soll nicht wie Schebna sein und seine Macht missbrauchen, sondern ein Vater für die „Einwohner Jerusalems“ sein, aber nicht mehr des irdischen Jerusalems, sondern des himmlischen, das durch die Kirche jetzt schon fassbar ist. Wer würde auf die Idee kommen, Eljakim als Verwalter mit dem König von Juda zu verwechseln oder eine Rivalität zwischen beiden zu erkennen? Vor diesem Hintergrund erkennen wir das Amt des Papstes, der sich keineswegs als Gott auf Erden aufspielt, sondern Vater für die Kirche ist. Schauen wir auf Eljakim, verstehen wir die Aufgabe des Heiligen Vaters.

Ps 138
1 Von David. Ich will dir danken mit meinem ganzen Herzen, vor Göttern will ich dir singen und spielen.
2 Ich will mich niederwerfen zu deinem heiligen Tempel hin, will deinem Namen danken für deine Huld und für deine Treue. Denn du hast dein Wort größer gemacht als deinen ganzen Namen.
3 Am Tag, da ich rief, gabst du mir Antwort, du weckst Kraft in meiner Seele.
6 Erhaben ist der HERR, doch er schaut auf den Niedrigen, in der Höhe ist er, doch er erkennt von ferne.
8 Der HERR wird es für mich vollenden. HERR, deine Huld währt ewig. Lass nicht ab von den Werken deiner Hände!

Als Antwort auf die Lesung beten wir den Dankespsalm 138. David spricht davon, dass er „vor Göttern“ Gott singen und spielen will. Hier erkennen wir das Gottesverständnis der Monolatrie: Es gibt vielleicht mehrere Götter, aber nur ein Gott ist es, der angebetet werden darf. Er ist der Höchste und der Mächtigste von allen. König David lebt in einer Zeit, in der die Menschheit den Monotheismus noch nicht begriffen hat. Dies kommt erst mit dem Babylonischen Exil und der „Jahwe-allein-Bewegung“. Erst dann lernt das Volk Israel, dass es nur einen Gott gibt und die anderen Götter nur Götzen sind, menschengemachte Nichtigkeiten.
Dieser erste Vers ist ein typischer Psalmenbeginn, da er eine Selbstaufforderung zum Lob darstellt.
Auch der zweite Vers geht in diese Richtung, da er die Selbstaufforderung zur Anbetung im Tempel Gottes beinhaltet. David will zum heiligen Tempel hin Gott danken für dessen Huld und Treue. Das ist ein gängiges Begriffspaar für Gottes gute Vorsehung und Heilswillen. Alles, was dieser zulässt, ist gut und dient dem Heil der ganzen Welt. Gott hat sein Wort größer gemacht als seinen ganzen Namen. Wie ist das zu verstehen? Man müsste noch wörtlicher übersetzen „groß gemacht über deinen ganzen Namen“, denn es gibt im Hebräischen keinen Komparativ. Sein „Wort“ muss vom hebräischen Wort אִמְרָתֶֽךָ imratecha eher mit „deine Zusage“ übersetzt werden, denn es steckt das Verb „sagen“ darin. Man müsste das also so verstehen, dass Gott seinem Namen alle Ehre gemacht hat. Er hat gehalten, was sein Name als Programm verheißt. Er ist wirklich da und steht seinem Volk in jeder Notlage bei. Was auch immer passiert ist, Gott hat es nicht verlassen.
Was damit gemeint ist, wird in Vers 3 genauer ausgeführt. Gott erhörte die Bitte des Beters am selben Tag, als er rief. Gott erhört nicht nur Bitten oder gibt Antwort auf Fragen, sondern er spendet auch Kraft. Das ist ein wichtiger Aspekt, weil viele Menschen sich einbilden, alles aus eigener Kraft meistern zu müssen. Sie nennen es dann Autonomie und Mündigkeit und im Namen des Glaubens sagen sie sogar, das mache einen reifen erwachsenen Glauben aus. Aber Jesus sagt, wir sollen „wie die Kinder“ sein, wenn wir ins Reich Gottes eingehen wollen. König David hat diese Kindlichkeit nie aufgegeben, sondern hat sich als der mächtige König von zwölf Stämmen dennoch als Kind Gottes verstanden, das vertrauensvoll zu seinem Vater kommen darf.
Gott ist erhaben. Er thront im Himmel, denn er ist der Herrscher des ganzen Universums. Und doch schaut er auf den Niedrigen. Das macht sein väterliches Wesen aus. Er sorgt um jedes noch so kleinste Geschöpf, als wäre es das einzige auf der Welt. Auch wenn er in der Ewigkeit thront, weiß er um jedes einzelne Leben. Er sieht alles und schaut uns mit Liebe an.
Seine liebende Fürsorge ist jedem Menschen gewiss und so dürfen wir mit demselben Gottvertrauen beten wie König David. Auch wir dürfen uns ganz auf Gott verlassen, dem Herr des ganzen Universums, der allmächtig ist. Seine Huld währt ewig und so wird er an uns wirken, wie er verheißen hat – seinen Heilswillen in unserem Leben ausführen.

Röm 11
33 O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Entscheidungen, wie unerforschlich seine Wege!
34 Denn wer hat die Gedanken des Herrn erkannt? Oder wer ist sein Ratgeber gewesen?
35 Oder wer hat ihm etwas gegeben, sodass Gott ihm etwas zurückgeben müsste?
36 Denn aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist die ganze Schöpfung. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.

In der zweiten Lesung hören wir einen Hymnus auf Gottes gute Vorsehung, um die es ja auch schon in den anderen Texten ging.
Paulus spricht sehr poetisch, wenn er die Eigenschaften Gottes preist. „O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!“ Diese Eigenschaften möchte er ja durch den Hl. Geist auch den Menschen schenken und wir bitten besonders an Pfingsten um die sieben Gaben des Hl. Geistes. Gottes Wege sind nicht unsere Wege. Was er vorhat, offenbart er uns zwar immer wieder, aber wir kleinen Menschlein werden nicht das Gesamtbild sehen wie er. Im Nachhinein können wir seine Spuren in der Weltgeschichte erkennen, doch ist unser Verstand gar nicht groß genug, um Gottes ganzes Handeln zu begreifen. Seine Wege sind wirklich unerforschlich und seine Entscheidungen oft für uns nicht nachvollziehbar. Und doch dürfen wir nicht der Versuchung erliegen, seine Wege zu verurteilen, ihn vielleicht sogar böse zu nennen und mit ihm zu hadern. Gott ist gut und seine Wege führen immer zum Heil, auch wenn wir das nicht verstehen.
„Denn wer hat die Gedanken des Herrn erkannt? Oder wer ist sei Ratgeber gewesen?“ Gott bleibt für uns ein Geheimnis und wir sehen von ihm, was er von sich selbst offenbart. Auch Kinder verstehen noch nicht so viel von der Erwachsenenwelt. Sie wissen noch nichts von Steuern, Rechnungen, Schulden. Und doch vertrauen sie darauf, dass die Eltern alles regeln. Sie leben unbeschwert und sorgenlos. So dürfen auch wir in der Beziehung zu Gott sein. Überlassen wir ihm das mit der Heilsgeschichte und erfüllen die Aufgaben, mit denen er uns betraut. Was wir von ihm verstehen, sollen wir treu umsetzen, was wir nicht verstehen, sollen wir aushalten.
Kein Mensch hat Gott etwas gegeben, was Gott zurückgeben müsste. Wir sind es, die Gott stets etwas schuldig sind. Wir können von ihm nichts einfordern, weil er uns mit so viel Gnaden beschenkt, dass wir diejenigen mit einem großen Schuldenkonto sind. Doch er fordert die Schulden nicht einfach wie eine kalte Rechenmaschine ein. Er erlässt uns die Schuld, er verleiht uns die Heilsmittel und erlässt uns durch die Möglichkeit von Ablässen sogar noch alles. Was wir ihm aber immer schuldig bleiben werden, ist die Liebe.
Die ganze Schöpfung ist von Gott geschaffen. Er ist der Urheber. Durch ihn ist alles geschaffen worden, denn Christus ist der Schöpfungsmittler, der Logos, durch die ganze Welt ihre Gesetzmäßigkeit erhalten hat. Und auf Gott hin zielt alles ab, sodass wir mit einer gewissen Gelassenheit die Weltgeschichte betrachten können, auch wenn die Zustände immer schlimmer werden. Am Ende steht Gottes ewiges Heil. Deshalb sei ihm auf ewig die Ehre und deshalb schließt Paulus den hymnenartigen Gesang hier mit einer typischen Gebetsformel, die die Christen von den Juden übernommen haben. Eine Doxologie ist somit auch typisch christliches Gebetsformular geworden. Wir beten auch am Ende des Hochgebets der Hl. Messe eine Doxologie, die dieser hier sehr ähnlich ist. Paulus schreibt Briefe oft betend. Es sind nicht einfach ausgeklügelte theologische Traktate, sondern Reflektionen seiner Seele. So mischen sich in seinen Briefen verschiedenste Elemente von Grüßen über theologische Betrachtungen hin zu Gebeten.

Mt 16
13 Als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger und sprach: Für wen halten die Menschen den Menschensohn?
14 Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten.
15 Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich?
16 Simon Petrus antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!
17 Jesus antwortete und sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.
18 Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.
19 Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.
20 Dann befahl er den Jüngern, niemandem zu sagen, dass er der Christus sei.

Im Evangelium hören wir heute das berühmte Messiasbekenntnis des Petrus, das den Kreis des heutigen Tages schließt.
Jesus und seine Jünger kommen nach Cäsarea Philippi, einem Ort mit deutlichen kaiserkultischen Ansätzen (so der politische Rahmen). Und ausgerechnet dort fragt Jesus seine Jünger nun, für wen die Leute ihn halten. Das Ganze läuft darauf hinaus, dass Jesus zum Gegenbild des römischen Kaisers wird, nämlich als der eigentlich Gesalbte, der König eines übernatürlichen Königreichs. Die Analogie ist ein wichtiger pädagogischer Schachzug, um seine Jünger an die Abbildhaftigkeit von irdischem und himmlischem Königtum heranzuführen, auch in Bezug zum Amt des königlichen Beamten.
Der Ort ist noch für eine andere Sache bezeichnend: In der Nähe der Stadt befindet sich eine ganz bekannte Grotte zu Ehren des Gottes Pan, dem ursprünglichen Hirtengott. Das ist ein weiteres Stichwort. Jesus wird sich als der eigentliche Hirte, der gute Hirte charakterisieren, demgegenüber so eine pagane Gottheit verblasst. Und dies ist auch wichtig in Bezug zur Bevollmächtigung Petri, der sein Amt als Hirte verstehen soll und nicht zum Machtmissbrauch verleitet werden soll.
Die Jünger fassen die Gerüchteküche um Jesu Identität zusammen: Er sei Johannes der Täufer, Elija, Jeremia oder ein sonstiger Prophet.
Das ist teilweise sehr sinnlos und unlogisch, denn Johannes der Täufer war ja zusammen mit Jesus zu sehen. Wie kann Jesus also zugleich der Täufer sein? Die Elija-Frage ergibt als logische Konsequenz der Täufer-Aussage Sinn, denn Johannes ist als wiedergekommener Elija vermutet worden. Jesu Heilstaten lassen dies vermuten, denn er tut einige der von Elija bekannten Heilstaten. Wir merken hier, wie Gerüchte funktionieren: Ob sie überhaupt Sinn ergeben, wie hoch der Wahrheitsgehalt ist, spielt eine untergeordnete Rolle. Das Sensationelle daran erhält das Gerücht am Leben.
Dass Jesus ihnen die Frage überhaupt gestellt hat, ist eine Hinführung zu seiner eigentlichen Frage: Für wen haltet IHR mich?
Petrus ist wie so oft der erste, der sich zu Wort meldet. Dass er so schnell die treffende Antwort gibt, zeigt sein geisterfülltes Sprechen: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Das ist keine Schlussfolgerung aufgrund von logischem Nachdenken. Dies hätte mehr Zeit beansprucht. Es handelt sich um etwas, wofür ihm der Hl. Geist die Augen des Herzens geöffnet hat. Wie sonst kann ein ungebildeter Fischer aus Galiläa eine solch tiefe Wahrheit erkennen, wenn nicht aus dem Geist Gottes heraus?
Und aus dem Grund entgegnet Jesus auch diesem Messiasbekenntnis: „Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“ Mit Fleisch und Blut ist die menschliche Natur gemeint, zu der alles gehört, auch die kognitiven Fähigkeiten. Der Vater im Himmel hat es ihm offenbart, nämlich durch seinen Geist. Diesen werden sie in vollem Umfang an Pfingsten empfangen, was nicht heißt, dass sie nicht jetzt schon von ihm erfüllt werden. „Barjona“ ist übrigens kein zweiter Vorname oder Nachname, sondern der Beiname, mit dem Menschen spezifiziert worden sind: Es heißt wörtlich „Sohn des Jona“, was der Name seines Vaters ist. Gott ist unerforschlich, das haben wir in der zweiten Lesung schon gehört. Doch hier hat er einem gewöhnlichen Menschen etwas Entscheidendes von sich offenbart.
Aufgrund seines Bekenntnisses verleiht Jesus ihm nun den Namen, unter dem wir ihn auch kennen und verehren – Petrus, der Fels. Er erhält diesen neuen Namen aufgrund der besonderen Berufung. Er soll zum Fundament der Braut Christi werden („und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen“).
Die Mächte der Finsternis werden sie nicht überwältigen, was auf diesen besonderen Felsen zurückzuführen ist. Das macht den Unterschied zu all den Denominationen aus, die später entstanden sind. Sie gründen nicht auf diesem Felsen und sind deshalb nicht ewig.
Jesus verleiht Petrus so eine große Macht, dass sogar der Himmel sich nach seinen Entscheidungen richten wird: „19 Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.“ Diese Vollmacht hat nur er in seinem obersten Hirtenamt stellvertretend für Jesus, der zum Vater heimgekehrt und deshalb einen Stellvertreter auf Erden einsetzt. Diese Vollmacht überträgt sich jeweils auf den Nachfolger, denn dass Jesus dies nur für Petrus gesagt hat, ergibt keinen Sinn. Die Mächte der Finsternis werden die Kirche bestimmt nicht nur für die Lebenszeit des Petrus überwältigen. Das würde nicht zum Wesen Gottes passen, dessen Güte und Huld ewig sind.
Petrus wird zum Palastvorsteher des himmlischen Königreiches. Ihm überträgt Jesus alle nötigen Vollmachten, durch die Petrus‘ Taten nicht nur auf Erden, sondern auch im Himmelreich Auswirkungen haben werden. Dadurch wird Petrus nicht zum Gott erhoben, dadurch reißt er auch nicht die Aufmerksamkeit an sich, sondern er wird zum Verwalter, der das Werk Jesu Christi weiterführt. Petrus wird zum neuen Eljakim.
Diese Schlüsselgewalt analog zum Schlüssel des Hauses David gibt es nur in der katholischen Kirche, denn nur dort, wo der Gehorsam gegenüber dem Papst gelebt wird, gründen wir als Gläubige auf dem von Christus selbst gelegten Fundament. Diese Schlüsselgewalt wurde keinem Martin Luther, Joseph Smith, Charles T. Russell, Johannes Calvin, Ulrich Zwingli oder wie sie alle heißen, verliehen. Das macht den entscheidenden Unterschied aus. Das Haus, das auf Felsen gebaut ist, wird bei einem Sturm und bei Regengüssen nicht in sich zusammenfallen. Das ist für uns ein großer Trost, die wir heutzutage große Erschütterungen erleben. Diese werden die Kirche nicht zerstören, weil Jesus es uns versprochen hat.

Ihre Magstrauss

Samstag der 20. Woche im Jahreskreis

Ez 43,1-7a; Ps 85,9-10.11-12.13-14; Mt 23,1-12

Heute feiern wir das Fest „Maria Königin“. Es ist ganz bewusst eine Woche nach dem Hochfest „Mariä Himmelfahrt“ gesetzt. Beide hängen miteinander zusammen, denn wir glauben, dass die Gottesmutter mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden ist und als Mutter des Königs Christus an seiner Seite Platz genommen hat. Ihr ist die goldene Krone verliehen worden, die in Offb 12 beschrieben ist und aus zwölf Sternen besteht. Dementsprechend steht sie mit der Mutter Salomos in einer typologischen Beziehung. Trotz dieses wunderbaren Anlasses wollen wir die Texte des Tages betrachten.

Ez 43
1 Dann führte er mich zu einem der Tore, dem Tor, das im Osten lag.

2 Und siehe, die Herrlichkeit des Gottes Israels kam aus dem Osten heran. Ihr Rauschen war wie das Rauschen gewaltiger Wassermassen und die Erde leuchtete auf von seiner Herrlichkeit.
3 Wie ein Aufscheinen der Erscheinung war es, die ich gesehen hatte, wie die Erscheinung, die ich gesehen hatte – als ich kam, um die Stadt zu vernichten. – Und die Erscheinungen waren wie die Erscheinung, die ich am Fluss Kebar gesehen hatte. Da fiel ich nieder auf mein Gesicht.
4 Und die Herrlichkeit des HERRN zog in den Tempel ein durch das Tor, das im Osten lag.
5 Und der Geist hob mich empor und brachte mich in den inneren Vorhof. Und siehe, die Herrlichkeit des HERRN erfüllte den Tempel.
6 Dann hörte ich einen, der vom Tempel her zu mir redete. Der Mann aber stand neben mir.
7 Er sagte zu mir: Menschensohn, das ist der Ort, wo mein Thron steht, und der Ort, wo meine Füße ruhen; hier will ich für immer mitten unter den Israeliten wohnen.

Im heutigen Abschnitt aus dem Buch Ezechiel wird der Prophet ans Osttor versetzt. „Und siehe, die Herrlichkeit des Gottes Israels kam aus dem Osten heran.“ Diese Aussage hat eine lange Tradition, denn man nahm auch an, dass der Messias aus dem Osten kommen werde. Das hängt damit zusammen, dass die Sonne im Osten aufgeht und Gottes Heil mit der Lebensnotwendigkeit der Sonne verglichen wird. Gottes Herrlichkeit geht also auf den Propheten zu und wird begleitet von lauten Geräuschen und hellem Licht. Die Wassermassen schaut auch Johannes in der Johannesoffenbarung, als der Menschensohn zu ihm spricht. Wir denken an den Hl. Geist, der das lebendige Wasser ist. Die Überfülle der Gnade ist vergleichbar mit tosenden Wassermassen. Die Erfüllung der Erde mit Licht ist ein typisches Kennzeichen der Gnade. Das erste Menschenpaar war in dieses Licht gekleidet, als es noch nicht gesündigt hat. Die Visionen der Hl. Schrift beschreiben die himmlische Sphäre stets in Licht gehüllt, die Personen in weiße Gewänder gekleidet, viele Elemente aus Gold. Das hängt mit dem Strahlen der Herrlichkeit Gottes zusammen, die Ezechiel nun auf Erden sieht. Er erinnert sich an die Erscheinungen, die ihm in vergangenen Visionen gezeigt worden sind, und realisiert, dass es Gottes Gegenwart bedeutet. Er fällt auf sein Gesicht nieder aus Gottesfurcht. So zieht die Herrlichkeit Gottes durch das Osttor hindurch in den Tempel. Er nimmt diesen in Besitz. Ezechiel wird in den inneren Vorhof des Tempels gebracht, wo er Zeuge dieser Inbesitznahme Gottes wird. Dieses ganze Ereignis ist analog zur Inbesitznahme Gottes des ersten Tempels zu betrachten. Davon ist in Exodus die Rede, als es noch das Offenbarungszelt betraf, und in 1 Kön, als es um den salomonischen Tempel ging. Wenn Gottes Herrlichkeit sich auf den Tempel legt, kann kein Mensch ihn betreten.
Und dann sieht Ezechiel jemanden neben sich, dessen Stimme aber vom Tempel her kommt. Das scheint kurios, ist aber nicht ungewöhnlich in einer Vision, in der alles möglich ist. Abgesehen davon lesen wir mit christlichen Augen dieses Detail christologisch. Jesus ist noch nicht Mensch geworden, aber es scheint so, als ob Christus in menschlicher Gestalt neben ihm steht, die Stimme aber vom Tempel her kommt, weil er zugleich Gott ist. Und er ist es auch, der den neuen Tempel seines Leibes begründen wird, der ewig bestehen wird. Er wird dann wirklich „für immer mitten unter den Israeliten wohnen“, wobei sich die Schar öffnen wird auf alle Völker, Stämme, Sprachen und Nationen.
Der Thron Gottes steht im Tempel. Nicht umsonst wird auch in der Johannesoffenbarung der Himmel mal als Thronsaal, mal als Tempel geschaut. Gottes Thron steht nun im Allerheiligsten in jeder Kirche, wo Christus leibhaftig „thront“. Und Christus kündigte bereits an: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Johannes erhält sodann die Zusage, dass Gott mitten unter den Menschen wohnen wird, was uns zeigt: „Bis zum Ende der Welt“ heißt nicht „ab dann nicht mehr“, sondern „für immer“. In Ewigkeit wird Gott sein Zelt über den Menschen aufschlagen, das Offenbarungszelt, sein Heiligtum.
Ezechiel darf die Inbesitznahme des zweiten Tempels schauen, der nach der Rückkehr der Exilierten nach Jerusalem gebaut werden wird. Und doch weist es über dieses historische Ereignis hinaus, denn „für immer“ thront Gott ja nicht im Tempel. Von diesem ist heute nur eine einzige Mauer übrig, die Klagemauer. Der geistliche Sinn muss also miteingeschlossen sein.
Wenn wir diese Vision auf das heutige Fest beziehen, sehen wir eine wichtige typologische Analogie: Die Kirche hat schon ganz früh die typologische Verbindung von Exodus und 1 Kön (Inbesitznahme des Tempels durch die Herrlichkeit Gottes) mit dem Ereignis in Lk 1 in Verbindung gebracht, bei dem die Herrlichkeit Gottes den menschlichen Tempel Mariens in Besitz nimmt, sodass er in ihr Gestalt annimmt. Auch sie ist so heilig, dass keiner Zugang zu ihrem unberührten Leib hat. Weil sie Ja gesagt hat, ist Gottes Herrlichkeit in ihrem Leib aufgestrahlt. So wie im Tempel die Bundeslade den ganzen Tempel geheiligt hat, hat Gottes Gegenwart unter ihrem Herzen Maria geheiligt. Gottes Zusage durch seinen eigenen Namen „Ich bin da“ hat sich auf ganz dichte Weise an ihr erfüllt. Er ist unter den Menschen leibhaftig gegenwärtig geworden, um inmitten seines Volkes zu wohnen.

Ps 85
9 Ich will hören, was Gott redet: Frieden verkündet der HERR seinem Volk und seinen Frommen, sie sollen sich nicht zur Torheit wenden.

10 Fürwahr, sein Heil ist denen nahe, die ihn fürchten, seine Herrlichkeit wohne in unserm Land.
11 Es begegnen einander Huld und Treue; Gerechtigkeit und Friede küssen sich.
12 Treue sprosst aus der Erde hervor; Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder.
13 Ja, der HERR gibt Gutes und unser Land gibt seinen Ertrag.
14 Gerechtigkeit geht vor ihm her und bahnt den Weg seiner Schritte.

Als Antwort beten wir Psalm 85, der für die jüdische Liturgie bestimmt war. Es geht in diesen Versen um die Bitte um Gerechtigkeit.
„Ich will hören, was Gott redet“ ist ein Ausdruck der Bereitschaft des Beters. Gottes Willen anzuhören und nicht verstockt zu sein, ist eine wichtige Zusage an Gott. Es ist ein: „Rede HERR, dein Diener hört“ in Psalmensprache. Die Selbstaufforderung ist als Psalmenanfang ja häufig belegt. Gott verkündet seinem Volk den Frieden, das ist so eine große Verheißung, dass ihre Ablehnung eine einzige Torheit darstellt, einen absoluten Leichtsinn. Wer einen gesunden Menschenverstand besitzt, kann nur so reagieren. Wie kann man einen großen Schatz links liegen lassen und stattdessen im Kuhfladen herumstochern?
Im Folgenden hören wir von Heilsverheißungen: Huld und Treue begegnen einander. Das Begriffspaar wird üblicherweise auf Gott bezogen. Sie sind seine Eigenschaften. Ebenso kommen „Gerechtigkeit und Friede“ von Gott. Wenn hier bildlich-poetisch gesagt wird, dass sie sich küssen, meint das ihre Verbindung. Ich habe schon öfter erklärt, dass dem umfassenden Heil eine Gerichtsvollstreckung vorausgeht. Beides gehört zusammen. Gericht und Heil sind zwei Seiten einer Medaille. Der Friede des Gottesreiches kommt, nachdem alles Böse vernichtet und gerichtet worden ist. Es hat im Reich Gottes keinen Platz. Gottes Gerechtigkeit ist nicht als etwas Böses und Angsterfüllendes anzusehen, sondern als Erlösung von den Ungerechtigkeiten dieser Welt. Bedrohlich ist es nur für jene, die bis zum Schluss Gott abgelehnt haben. Diese erhalten dann ihre finale Abrechnung. So schaut der Prophet Ezechiel viele Heilsvisionen, nachdem das Gericht Gottes vollzogen ist.
„Treue sprosst aus der Erde hervor“ ist eine wunderbare poetische Formulierung, die verdeutlicht: Egal, wie sehr nun alles in Trümmern liegt und zerstört ist – Gott ist dennoch treu und hält fest an dem Bund, den er mit seiner Braut geschlossen hat. Die Treue sprosst aus der Erde hervor, denn die Wurzeln sind trotz der Verwüstung intakt geblieben. Auch wenn die Bäume abgehauen worden sind (was ein Gerichtsbild ist, das auch Johannes der Täufer aufgreifen wird), wächst aufgrund der gebliebenen Wurzel ein neuer Baum hervor.
„Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder“ ist wie bereits oben beschrieben keine bedrohliche Aussage, sondern ein tröstlicher Satz. Gott ist der Zustand auf Erden nicht egal. Er kümmert sich um seine Schöpfung und greift ein, wo Ungerechtigkeit herrscht. Er blickt vom Himmel herab, der sein „Wohnort“ ist, das heißt trotz seiner Existenz in der Ewigkeit sieht er alles, was im Diesseits geschieht. Das ist eine Aussage gegen deistische Konzepte.
Was von Gott kommt, ist immer gut. Auch das Gericht ist etwas Gutes, weil ohne es das umfassende Heil nicht kommen kann. Er gibt Gutes auch schon im Diesseits, indem er zum Beispiel für eine gute Ernte sorgt. Das ist Ausdruck seines Segens für die Menschen.
„Gerechtigkeit geht vor ihm her und bahnt den Weg seiner Schritte.“ Wie mehrfach gesagt kann Gott erst unter den Menschen wohnen im Himmlischen Jerusalem, wenn seine Gerechtigkeit alles Böse vernichtet, die gefallene Schöpfung komplett auf Null gebracht und eine neue Schöpfung hervorgebracht hat. Weil Gott der Gute ist, kann nichts Böses in seiner Gegenwart bestehen. Was Ezechiel also geschaut hat, ist wirklich über den irdischen Tempel hinaus das Kommen Gottes am Ende der Zeiten in der neuen Schöpfung!
Der ganze Zustand in unserer Welt muss erst immer schlimmer werden, weil es wie die Geburtswehen ist, die dem Glück des geborenen Kindes vorausgehen. Diese werden auch immer stärker, bis das Kind endlich kommt. Es ist für uns in dieser Welt also sehr schmerzhaft und wird immer schlimmer, aber wir wissen, dass mit zunehmender Drastik das Kommen unseres Herrn immer näherrückt.

Mt 23
1 Darauf sprach Jesus zum Volk und zu seinen Jüngern

2 und sagte: Auf dem Stuhl des Mose sitzen die Schriftgelehrten und die Pharisäer.
3 Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen, aber richtet euch nicht nach ihren Taten; denn sie reden nur, tun es aber nicht.
4 Sie schnüren schwere und unerträgliche Lasten zusammen und legen sie den Menschen auf die Schultern, selber aber wollen sie keinen Finger rühren, um die Lasten zu bewegen.
5 Alles, was sie tun, tun sie, um von den Menschen gesehen zu werden: Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren Gewändern lang,
6 sie lieben den Ehrenplatz bei den Gastmählern und die Ehrensitze in den Synagogen
7 und wenn man sie auf den Marktplätzen grüßt und die Leute sie Rabbi nennen.
8 Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder.
9 Auch sollt ihr niemanden auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel.
10 Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen; denn nur einer ist euer Lehrer, Christus.
11 Der Größte von euch soll euer Diener sein.
12 Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

Im Evangelium spricht Jesus deutliche Gerichtsworte gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer. Das tut er nicht, weil er Freude daran hat, jemanden schlecht zu reden, sondern weil er auch sie retten will. Die Pharisäer und Schriftgelehrten sind solche Menschen, die anderen die Gebote beibringen und aufs Peinlichste genau schauen, dass sie umgesetzt werden, nicht nur die Gebote Gottes, sondern auch das menschliche Konstrukt, das sie selbst darum gebaut haben. Sie erklären die Gebote Gottes schon vollständig (auch wenn mit unnötigen Erweiterungen) und so kann man auf ihre Lehre hören. Die Menschen sollen sich aber an deren Lebenswandel nicht orientieren, da sie die Gebote nicht befolgen.
Jesus spricht die maßlose Überforderung der Menschen durch die vielen Gebote und Verbote an, die die Pharisäer und Schriftgelehrten den Menschen aufbürden. Das geht an Gottes Geboten komplett vorbei, die genauestens auf den Menschen abgestimmt sind. Gott kennt uns und er weiß genau, was wir halten können und was nicht. Selbst wollen jene Lehrer aber nichts davon befolgen. Das macht ihr ganzes Lehren unauthentisch. So ist es auch heute in der Kirche: Wie viele etliche Priester stehen am Ambo und predigen Wasser, trinken aber selbst Wein. Sie stehen überhaupt nicht hinter dem, was sie predigen und deshalb hören die Gläubigen gar nicht hin, geschweige denn fehlt die Umsetzung. Bei jenen Priestern aber, die es selbst leben, die absolut hinter dem Gesagten stehen, die überhaupt auch die Gebote Gottes noch thematisieren (die Mehrheit der Priester spricht eben nicht mehr über die Gebote Gottes…), deren Kirchen sind übervoll. Die Menschen kommen in Scharen und hängen an ihren Lippen, weil sie spüren, dass es authentisch ist. So war es schon mit Jesus. Er hat alles, was er gelehrt hat, auch vollkommen vorgelebt. Die Menschen konnten seine Predigt an seinem Tun genauestens ablesen und so noch tiefer verstehen. Das hat Menschen aus dem ganzen Hl. Land angezogen, die weite Reisen für seine Predigten unternommen haben. Das hat bei den Heuchlern oft für Neid gesorgt, die selbst nicht so eine große Zuhörerschaft erlangt haben.
Dagegen machen die Pharisäer alles nur, um gesehen und gelobt zu werden. Sie verlagern ihr ganzes Wirken auf das Äußere, Sichtbare und vernachlässigen das Innere komplett. Ihnen fehlt es komplett an Demut, denn sie wollen die Ehrenplätze, immerzu eine Bevorzugung.
Wenn Jesus nun sagt, dass seine Jünger sich nicht Rabbi oder Vater nennen lassen sollen, müssen wir das richtig verstehen. Denn zugleich hat er sich ja von seinen Jüngern Rabbi nennen lassen und seinen Ziehvater Josef wird er auch Vater genannt haben. In diesem Kontext gelesen möchte Jesus seinen Jüngern sagen: „Ihr sollt euch nicht so nennen lassen, verlangt nicht diese Anrede.“ Sie sollen das nicht anstreben so wie die Pharisäer und Schriftgelehrten. Sie sollen nicht mit derselben Haltung ehrsüchtig sein, sondern sie sollen Demut haben. Nicht die Anrede selbst ist das Problem, sondern die Haltung und Absicht dahinter. Sie sollen im Grunde so eingestellt sein wie König David. Er war König und doch hat er seine Königschaft vom wahren König, Gott selbst, abhängig gemacht, sich dessen Königtum unterstellt. So soll das eigene Dasein als Rabbi sich vom eigentlichen und größten Rabbi definieren, Gott dem Lehrer und Geber der Gebote. Und auch als Vater soll man seine Vaterschaft von dem himmlischen Vater definieren. Als Lehrer soll man schließlich seine Gelehrsamkeit von dem eigentlichen Lehrer, Gott selbst, abhängig machen. So wird man immer demütig bleiben und nicht abheben. Darum geht es. David hat sich ja auch nicht geweigert, König genannt zu werden, aber er ist auf diese Weise auf dem Teppich geblieben. Das fasst Jesus auch zusammen, wenn er in Vers 11 damit schließt: „Der Größte von euch soll euer Diener sein.“ Das ist ein deutliches Wort für all jene, die heutzutage in der Kirche nach Macht streben und das Priestertum missverstehen, wie Jesus es in der von ihm gestifteten Kirche vorgesehen hat. Je höher die Vollmacht, desto demütiger soll der Bevollmächtigte sein.
„Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ Diese Umkehrung ist der Maßstab des Reiches Gottes. Was hier auf Erden erstrebenswert ist, nämlich die Anerkennung, die Macht und der Ruhm, sind nichtig vor Gott. Bei ihm sind erstrebenswerte Ziele die Demut, Einfachheit, Schlichtheit, das Dienen und der Gehorsam, allesamt unattraktive Einstellungen in heutiger Zeit.
Kommen wir zurück auf das heutige Fest, entdecken wir das vollkommenste Vorbild für diese Eigenschaften: die Musterschülerin Jesu, seine eigene Mutter. Maria ist auf vollkommene Weise demütig, einfach, schlicht. Sie hat den Menschen auf Erden gedient, wo sie nur konnte und tut es nun von der Ewigkeit aus. Ihre mächtige Fürsprache ist ein einziger Dienst an die Menschheit. Und vor allem: Sie war gehorsam und gab Gott ihr Ja. Dadurch konnte die Welt erlöst werden. Ihrem Gehorsam haben wir das ewige Leben zu verdanken. Sie ist wahrlich die „Mutter aller Lebenden“, die neue Eva!

Maria Königin, die du im himmlischen Heiligtum auf ewig weilst, bitte für uns!

Ihre Magstrauss