Donnerstag der 20. Woche im Jahreskreis

Ez 36,23-28; Ps 51,12-13-14-15.18-19; Mt 22,1-14

Ez 36
23 Meinen großen, bei den Nationen entweihten Namen, den ihr mitten unter ihnen entweiht habt, werde ich wieder heiligen. Und die Nationen – Spruch GOTTES, des Herrn – werden erkennen, dass ich der HERR bin, wenn ich mich an euch vor ihren Augen als heilig erweise.

24 Ich nehme euch heraus aus den Nationen, ich sammle euch aus allen Ländern und ich bringe euch zu eurem Ackerboden.
25 Ich gieße reines Wasser über euch aus, dann werdet ihr rein. Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen.
26 Ich gebe euch ein neues Herz und einen neuen Geist gebe ich in euer Inneres. Ich beseitige das Herz von Stein aus eurem Fleisch und gebe euch ein Herz von Fleisch.
27 Ich gebe meinen Geist in euer Inneres und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Rechtsentscheide achtet und sie erfüllt.
28 Dann werdet ihr in dem Land wohnen, das ich euren Vätern gegeben habe. Ihr werdet mir Volk sein und ich, ich werde euch Gott sein.

Heute hören wir aus dem Buch Ezechiel einen Abschnitt voller Heilsverheißungen. Gott wird seinen eigenen entweihten Namen wieder heiligen. Israel, seine untreue und nun ganz am Boden liegende Braut, die von allen Nationen ringsum verlacht worden ist, wird wieder neu aufblühen. Er wird jenen Gericht bringen, die Israel beschimpft haben. Das ist der Kontext des gesamten Kapitels.
Gott wird also seinen heiligen Namen wiederherstellen und die Nationen werden ihn als Gott erkennen, wenn er Israel wieder aus dem Staub der Straße erhebt („wenn ich mich vor ihren Augen als heilig erweise“). Mit „Nationen“ sind hier die nichtjüdischen Völker ringsum gemeint.
Gott wird sein Volk wieder sammeln, das in Zerstreuung gelebt hat. Vor allem wird er das gesammelte Volk wieder ins verheißene Land führen („zu eurem Ackerboden“). Dieses Sammlungsmotiv ist für uns eingehender zu betrachten, weil es auf mehrfache Weise in seinem geistlichen Sinn zu verstehen ist: Gott sammelt Israel auf dem Boden des verheißenen Landes. Er sammelt sein Volk aber auch als menschgewordenes Wort Jesus Christus zur Zeit seiner Verkündigung. Er zieht durch das ganze Heilige Land und viele kommen zum Glauben an ihn. Sie sind der Anfang des neuen Gottesvolkes, dessen verheißenes Land das Reich Gottes ist. Dieses ist nicht mehr ein irdisches Territorium, sondern ist nicht von dieser Welt, so wie Gott nicht von dieser Welt ist. Es ist bereits angebrochen, wird sich aber durchsetzen und offenbaren am Ende der Zeiten. Sakramental wird dieses Gottesreich für uns bereits offenbar in der Kirche und insbesondere in ihrer Liturgie, die ein Abbild der himmlischen Liturgie ist. Auch hier sammelt Gott selbst Menschen zu einem Volk, indem er sie zum Glauben beruft. Christen aus allen Ländern, Nationen, Sprachen und Regionen kommen zusammen zu einem einzigen geistigen Volk, zu einer einzigen Familie. Und am Ende der Zeiten werden aus der ganzen Welt Menschen zusammenkommen zum himmlischen Thron und Gott auf ewig die Ehre geben. Das verheißene Land, das Himmelreich, wird dann nicht mehr Verheißung sein, sondern Realität.
Gott verheißt seinem Volk reinigendes Wasser, das die Israeliten von Unreinheit und Götzendienst reinigt. Wir verstehen dieses Bild pneumatologisch. Das reinigende Wasser ist nämlich immer wieder ein Bild für den Hl. Geist. Dieser ist es, der den Menschen von der Sünde rein macht. Gott verheißt das nicht nur dem Volk Israel damals, sondern auch uns heute. Durch das Wasser der Taufe ist der Mensch gereinigt von jeglicher Sündenschuld. Er wird so rein wie nichts anderes auf der Welt. Und wenn jemand gesündigt hat, wird ihm das reinigende Wasser im Sakrament der Beichte ermöglicht, sodass auch nach der Taufe noch die Reinigung von der Sünde möglich ist. Gott möchte uns nicht unserem Dreck überlassen, sondern uns herausholen aus der Misere. Denn diese Unreinheit isoliert und vereinsamt den Menschen. Wer in Israel unrein ist, ist nicht kultfähig. Diese Person kann auch nicht mit anderen Menschen in Kontakt kommen, um die Unreinheit nicht auf den anderen zu übertragen. Das ist die Katastrophe der blutflüssigen Frau oder der Aussätzigen im Neuen Testament. Für jüdische Ohren bedeutet das also vor allem: „Du wirst wieder kultfähig gemacht und darfst zum Herrn in den Tempel kommen. Du darfst Gott wieder nahe sein und ihn anbeten.“ Und diese Anbetung ist, was wir im Himmelreich dauerhaft tun werden. Vor dem Hintergrund Israels müssen auch wir Christen die Reinigung durch das Wasser des Hl. Geistes verstehen: Wenn wir von Sünde befleckt sind, sind auch wir gewissermaßen kultunfähig. Natürlich darf jeder Mensch, auch ein Nichtchrist, der Hl. Eucharistie beiwohnen, was auch schon unzählige Gnaden erwirkt, doch dürfen wir die Kommunion in diesem Zustand nicht empfangen. Das tut sehr weh. Deshalb ist die Beichte ja so ein Segen, weil sie einem die notwendige Reinigung ermöglicht und wir dadurch Jesus Christus wieder in uns aufnehmen dürfen. Und wenn wir sterben und vor den Herrn treten, wird er uns reinigen mit dem Feuer seiner Liebe, damit wir als ganz reine Seelen bei ihm auf ewig sein dürfen.
Gott schenkt seinen Kindern ein neues Herz. Er ersetzt das steinerne Herz durch ein fleischliches. Der Stein ist durch die Verstocktheit der Israeliten entstanden. Je mehr Israel sich von Gott abgewandt und gesündigt hat, desto mehr stumpfte sein Gewissen ab. Und so wurde aus dem lebendigen Herzen mit dem wachen Gewissen ein kaltes steinernes Herz, also ein Mensch ohne Gewissen, ohne Gefühle, ohne Willenskraft. Das passiert mit jedem Menschen bis heute. Je mehr der Mensch sündigt, desto abgestumpfter wird er. Er spürt irgendwann nicht mehr, dass sein sündhaftes Leben falsch ist. Er ist taub für Gottes Wort geworden und blind für seine Wege. Doch Gottes große Gnade kann ihn wieder auftauen, die dicke Dreckkruste von den Augen und Ohren nehmen, ja sogar das Herz ersetzen. Gott schenkt dem toten Menschen ein neues Leben, wie Jesus es im Gleichnis vom verlorenen Sohn erklärt. Wer ganz in Todsünde steckte, kann zu einem großen Heiligen werden. Das neue Leben schenkt uns der Herr gerade auch durch die Erlösung Jesu Christi. Das geht über dieses irdische Dasein hinaus und bezieht sich auf das ewige Leben bei Gott. Er schenkt der gefallenen Schöpfung, deren Herz zu Stein geworden ist, ein neues fleischliches Herz, sodass sie fähig wird, das ewige Leben zu erlangen. Dieser Tausch vollzieht sich im Sakrament der Taufe, wenn der Mensch die Erlösung annimmt.
Gott sendet seinen Geist aus, damit sein Volk durch ihn wieder auf dem rechten Weg wandelt und die Gebote hält. Dann wird Israel im verheißenen Land wohnen und die Bundesbeziehung wieder neu leben. Das ist gemeint, wenn es heißt: „Ihr werdet mein Volk sein und ich, ich werde euch Gott sein.“ Aus der am Boden liegenden und mit Schande bedeckten Ehebrecherin wird wieder eine ehrbare Braut an der Seite Gottes werden. Das ist eine wunderbare Verheißung, die auch uns heute tröstet. Wir sehen viel Dreck in der sichtbaren Kirche und sehnen uns nach Erneuerung. Und auch uns gilt, dass Gott seinen Geist auf sie herabsenden und sie reinigen wird. Und jeder einzelne Sünder darf darauf hoffen, dass wenn er von Herzen umkehrt, Aussicht auf die Heiligung durch Gott hat. Gottes Allmacht und Barmherzigkeit ist größer als die schlimmste Sünde, die der Mensch begehen kann. Und wenn der Mensch wirklich von Herzen umkehrt, dann wird auch Gott seinen Bund mit ihm erneuern/eingehen, je nachdem ob die Person schon als getaufter Christ oder noch als Ungetaufter gesündigt hat. Die Taufe ist schließlich genau so ein Bund wie der Alte Bund Israels.

Ps 51
12 Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz und einen festen Geist erneuere in meinem Innern!

13 Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht, deinen heiligen Geist nimm nicht von mir!
14 Gib mir wieder die Freude deines Heils, rüste mich aus mit dem Geist der Großmut!
15 Ich will die Frevler deine Wege lehren und die Sünder kehren um zu dir.
18 Schlachtopfer willst du nicht, ich würde sie geben, an Brandopfern hast du kein Gefallen.
19 Schlachtopfer für Gott ist ein zerbrochener Geist, ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen.

Als Antwort beten wir einen Psalm, der die Gedankengänge aus Ezechiel ebenfalls aufgreift. Es handelt sich um einen Bußpsalm, der perfekt zur Situation der Israeliten passt: Es könnte ihr Gebet zur Umkehr sein, auf das Gott mit der Erneuerung seines Volkes reagiert.
„Erschaffe mir Gott ein reines Herz“ ist die Erkenntnis, dass der Mensch sich selbst nicht gut machen kann. Vor allem wenn man sich schuldig gemacht hat, kann man nicht selbstständig wieder den Zustand der Schuldlosigkeit zurückerlangen. Gott ist es, der uns wieder in den Stand der Gnade zurückversetzen kann, indem er uns die Schuld vergibt, uns reinigt, uns erneuert durch den Hl. Geist. Er kann unser Herz wieder rein machen und uns einen „neuen beständigen Geist“ schenken, wie er selbst durch den Propheten Ezechiel verheißen hat.
David bittet Gott darum, die Freundschaft mit ihm nicht zu kündigen („verwirf mich nicht von deinem Angesicht“). Er bittet ihn darum, die Salbung nicht zurückzunehmen, seinen gesamten Heilsplan mit David („nimm deinen Hl. Geist nicht von mir“, denn Salbung bedeutet Geistgabe). Er bittet Gott insgesamt darum, den Bund mit ihm nicht zu kündigen wegen dem, was er ihm angetan hat. Gott hat ihm aber zugesagt, dass er treu ist und einen Bund nicht zurücknimmt. Und diese Erfahrung macht auch Israel. Das Volk ist eine einzige Ehebrecherin geworden mit den vielen Götzenverehrungen. Und doch ist Gott bereit, sie wieder zu sich zu nehmen und zu heiligen.
Davids Sünde hat ihn unglücklich gemacht. Das wird uns deutlich aufgrund der Bitte hier im Psalm „mach mich wieder froh mit deinem Heil“. Die Sünde macht uns immer unglücklich, weil sie uns in einen Streit mit Gott bringt. Wenn wir uns aber von Gott entfernen, entfernen wir uns von der Lebensquelle. Dann kann es uns seelisch nur schlecht gehen. Wir werden innerlich einsam und unzufrieden. Wir werden traurig, weil Freude eine Frucht des Hl. Geistes ist. Diesen verlieren wir aber durch die Sünde. David möchte wieder zur glücklichen Beziehung zu Gott, zu seiner ersten Liebe zurückkehren. Er bittet Gott um die Frucht der Freude, die nur der Hl. Geist wieder verleihen kann. Er kann sich nicht selbst glücklich machen. Es ist ein Geschenk, das von Gott kommt. Das hat David verstanden. Und genau diese Freude stellt Gott seinem Volk auch im Babylonischen Exil wieder in Aussicht, wenn er die Erneuerung durch den Hl. Geist ankündigt.
David verspricht, Gott auch vor den Abtrünnigen zu bekennen und anderen Sündern auf den Weg zurück zu Gott zu führen. Gott möge ihn von der Blutschuld befreien, die er durch den Mord Urijas auf sich geladen hat, dann wird David Gott loben und preisen. Gott möge ihm die Lippen öffnen, damit er wieder Lobpreis machen kann. Dies kann er zurzeit nicht, denn sein Herz ist nicht bereit dafür. Dieses muss Gott erst verwandeln. Für David kommt kein oberflächliches Loben in Frage. Schließlich möchte er mit dem Herzen immer dabei sein und es ist für David ein Ausdruck der innigen Beziehung zu Gott. Diese ist jetzt aber gestört. Auch wir Menschen können Gott wieder loben und preisen, wenn alles Störende ausgeräumt ist. Wenn wir wieder im Stand der Gnade sind, können wir wieder feiern. Dann ist die Gemeinschaft mit Gott wiederhergestellt. Wir denken da besonders an die Eucharistie. Bei dieser antizipierten Hochzeit des Lammes können wir den Leib Christi erst empfangen, wenn die Gemeinschaft intakt ist. Wie traurig man sich fühlt, wenn man nicht nach vorne gehen kann, weil man sich schwer versündigt hat! Dann beten auch wir „verschaffe mir Gott ein reines Herz! Mach mich wieder froh mit deinem Heil, mit deinem Jesus!“ Auch uns möchte Gott die Schuld vergeben und hat deshalb das Sakrament der Versöhnung gestiftet. Wie wohltuend ist es für die Seele, dieses Heilmittel in Anspruch zu nehmen! Umso trauriger ist es, dass so wenige Menschen diese Chance in Anspruch nehmen möchten. So werden sie aber auch zeitlebens unglücklich sein.
Nicht die Schlachtopfer signalisieren Gott, dass der Mensch aufrichtig umgekehrt ist, sondern ein zerknirschter Geist. Denn äußere Handlungen kann jeder vollbringen. Es geht aber um das Innere des Menschen, das eine Änderung aufzeigen muss. Wer sein Leben ändert und ein neues Verhalten an den Tag legt, an dem sieht man die Aufrichtigkeit der Umkehr. Wir sehen dieselbe Versuchung heutzutage, es sich leicht machen zu wollen: Dann werden alle möglichen äußeren Dinge versucht, ohne dass man sich bekehren muss. Dann werden Möbel verschoben (Fengshui), dann wird Yoga betrieben, dann wird eine Fastenkur eingehalten, um das „Karma zu bereinigen“ oder „um innere Ruhe“ zu bekommen. Dann wird ein Guru oder Medium zurate gezogen, dass irgendwelche Energien reinigt. Doch die Sünde bleibt. Was uns aber wirklich Heil bringt, ist die Rückkehr zur innigen Beziehung zu Gott. Und das geschieht durch eine aufrichtige Umkehr.

Mt 22
1 Jesus antwortete und erzählte ihnen ein anderes Gleichnis:
2 Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete.
3 Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen. Sie aber wollten nicht kommen.
4 Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen: Siehe, mein Mahl ist fertig, meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit!
5 Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden,
6 wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um.
7 Da wurde der König zornig; er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen.
8 Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren nicht würdig.
9 Geht also an die Kreuzungen der Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein!
10 Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen.
11 Als der König eintrat, um sich die Gäste anzusehen, bemerkte er unter ihnen einen Menschen, der kein Hochzeitsgewand anhatte.
12 Er sagte zu ihm: Freund, wie bist du hier ohne Hochzeitsgewand hereingekommen? Der aber blieb stumm.
13 Da befahl der König seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.
14 Denn viele sind gerufen, wenige aber auserwählt.

Im Evangelium erzählt Jesus ein wichtiges Gleichnis, das den Kreis der heutigen Lesungen schließt. Denn er spricht von einem Hochzeitsfest, das ein gängiges Bild für die Ewigkeit darstellt. Er versucht das Himmelreich begreiflich zu machen, und erklärt:
Ein König möchte für seinen Sohn eine Hochzeit ausrichten. Wir verstehen, dass er den Vater und den Sohn Jesus Christus meint. Er spricht hier über seine eigene endzeitliche Hochzeit des Lammes, bei der er seine Braut, die Kirche, heiratet.
Dieses Reich ist ja mit seinem ersten Kommen auf die Erde angebrochen. Schon die Propheten des Alten Testaments haben auf die Hochzeit hingewiesen und die Menschen dazu eingeladen. Einigen hat Gott sogar aufgetragen, zölibatär zu leben, um die Brautschaft des Gottesvolkes anhand ihres Lebens sichtbar zu machen. Alles ist vorbereitet, doch die Menschen interessiert die Einladung nicht. Sie arbeiten und gehen ihrem Alltag nach, als ob nichts gewesen wäre. Manche töten sogar die Diener, die zum Hochzeitsmahl einladen. Die vielen Propheten, die den Herrn angekündigt haben, mussten wirklich schlimmes erleiden und wurden oft umgebracht.
Das bleibt nicht ohne Konsequenzen, denn die Hochzeit soll stattfinden, jedoch nicht mit jenen, die sich als unwürdig erwiesen haben. So weitet der König seine Einladung auf alle Gewillten aus und die Diener gehen auf die Straße. Sie holen „Böse und Gute“ zusammen, bis der Festsaal gefüllt ist. Wir verstehen dieses Bild für den neuen Bund, der mit allen Menschen guten Willens eingegangen wird, egal aus welchem Volk, welcher Sprache, Region oder Nation. Wir haben von dieser universalen Sammlung in der Lesung gehört. Die Diener sind nun die Apostel und Jünger Jesu, jene, die das Evangelium auch nach dem Heimgang Jesu zum Vater weiter verbreiten. „Das Reich Gottes ist nahe“ wird in dem Gleichnis ausgedrückt durch die Worte „Siehe, mein Mahl ist fertig“ und „Kommt zur Hochzeit!“ Viele Menschen kommen zum Glauben und werden Christen. Das heißt aber nicht, dass sie alle gut sind. In der Kirche wird es auch Menschen geben, die nicht aus Glauben oder Berufung hier sind, die vielleicht anfangs gut sind und später vom Glauben abfallen etc. Es ist eine Mischung von Unkraut und Weizen.
Als der König in den Saal kommt, schaut er sich die Gäste genau an. Wir sehen hier ein endzeitliches Bild, das das Gericht Gottes umschreibt. Er prüft die Menschen und schaut sie sich an.
Der König entdeckt einen Menschen ohne Hochzeitsgewand. Das gilt als absoluter Affront. Ich las einmal, dass zu jener Zeit üblich war, dass den Eingeladenen zu einer Hochzeit vor Ort die Gewänder ausgeteilt worden sind. Dieser Mensch ist also zur Hochzeit gekommen und hat das Gewand, das ihm angeboten worden ist, einfach abgelehnt. Wir verstehen die Hochzeitskleidung sakramental als Taufe. Schon Paulus erklärt, dass wir bei der Taufe Christus „anziehen“, weshalb der Täufling ja ein weißes Taufkleid trägt. Die Taufe aber ist heilsnotwendig, also kann der Mensch ohne dieses neue Gewand an der Hochzeit nicht teilnehmen. Aber was ist, wenn die Taufe schon durch die Sammlung des Gottesvolkes bzw. der Hochzeitsgesellschaft ausgedrückt wird? Der Mensch kann die Taufgnade wieder verlieren, wenn er nach der Taufe nicht ein entsprechendes Leben führt. Der Mensch muss also im Stand der Gnade geblieben sein. Es ist also zu präzisieren: Wer nicht aufrichtig umgekehrt ist und nach Gottes Geboten gelebt hat, kann an der Hochzeit nicht teilnehmen. Es wird im Gleichnis ja gesagt, dass Gute und Böse gerufen sind. Wenn der König kommt und prüft, wird er die Bösen aussortieren.
Dieser Mensch ohne Hochzeitsgewand wird hinausgeworfen „in die äußerste Finsternis“, wo es „Heulen“ und „Zähneknirschen“ gibt. Das sind Signalwörter für die Hölle. Was Jesus durch das Gleichnis ausdrücken will, ist nicht nur die heilsgeschichtliche Situation seiner Zeit (das nahe bevorstehende Reich Gottes, zu dem alle gerufen sind), sondern auch die Unterscheidung von Berufung und Auserwählung. Nur weil man gerufen ist, ist man noch nicht automatisch gerettet. Man muss schon noch ein bestimmtes Leben führen. Das kritisiert die Juden seiner Zeit, die sich auf ihre Beschneidung verlassen, aber die Zehn Gebote nicht so genau nehmen. Sie glauben, als Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs schon automatisch einen Platz im Himmel zu haben. Das Himmelreich erreicht aber nur, wer den Willen Gottes befolgt, egal welchen Volkes. Und wer aus eigener Kraft das Himmelreich zu erlangen versucht, meint: „Ich brauche dieses Hochzeitsgewand nicht, mein eigenes Gewand, das ist es.“ Das beschreibt die Haltung der Pharisäer. Sie meinen, ihre strikte Einhaltung der Torah macht sie gerecht vor Gott. Sie meinen, dass sie sich erlösen können, wenn sie perfekt alles befolgen, die Rettung also von ihrem eigenen Handeln ausgeht. Keiner kann sich selbst erlösen. Das konnte nur Jesus Christus für uns tun. Die Pharisäer und Schriftgelehrten zur Zeit Jesu müssen wieder lernen, wie König David zu werden und das Hochzeitsgewand anzunehmen. Sie müssen sich wieder an die Worte erinnern: „Erschaffe mir Gott ein reines Herz.“ Nur er kann den Menschen mit der Gnade ausrüsten, durch die er geheiligt wird. Zugleich geht es darum, diese in Anspruch zu nehmen und ein entsprechendes Leben zu führen. Das strahlende Hochzeitsgewand der Braut des Lammes besteht schließlich aus den gerechten Taten der Heiligen (Offb 19).

Ihre Magstrauss

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