7. Sonntag der Osterzeit

Apg 1,12-14; Ps 27,1.4.7-8; 1 Petr 4,13-16; Joh 17,1-11a

Apg 1
12 Dann kehrten sie von dem Berg, der Ölberg genannt wird und nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück.
13 Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben: Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelot, sowie Judas, der Sohn des Jakobus.
14 Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.

In der ersten Lesung wird von dem berichtet, was die Apostel zwischen der Himmelfahrt Christi und dem Pfingstereignis tun.
Gemäß dem Auftrag Jesu, in Jerusalem zu warten, verharren sie in Jerusalem in einem Obergemach. Dabei handelt es sich zunächst um die elf verbliebenen Apostel, die hier mit Namen aufgezählt werden. Petrus wird als erstes genannt, weil er unter ihnen eine Vorrangstellung hat. Auch die Frauen sind dort, die Jesus begleitet haben. Ganz entscheidend ist, dass die Mutter Maria anwesend ist. Sie ist der Leib, in dem sich der Geist Gottes ganz entfalten konnte – so sehr, dass Gott in ihr Mensch werden konnte. Wenn nicht sie also im Gebet verharrt und um den Geist Gottes bittet, wer sonst! Sie kann den Aposteln helfen, diese notwendige Haltung einzunehmen, die Pforten des Herzens ganz weit aufzureißen, damit die Fülle des Geistes dort einziehen kann. Sie hält alles zusammen und ist als erste „Pfingstliche“ der Archetyp der Kirche.
Auch die Brüder Jesu sind dort, das bedeutet die Verwandtschaft mütterlicherseits. Der berühmteste von diesen „Brüdern“ ist Jakobus (ich habe über das griechische Wort ἀδελφός adelphos schon oft gesprochen. Es meint im altorientalischen Kulturkreis längst nicht nur den leiblichen Bruder und die Brüder Jesu haben andere Eltern. Es sind Verwandte Jesu.). Er war Nasiräer und lebte besonders asketisch. Er leitete die Jerusalemer Urgemeinde, nachdem Petrus von Jerusalem abgereist ist.
Die Apostel und der weitere Jüngerkreis bereiten sich auf das Geburtsfest der Kirche vor, tun auch wir das?

Ps 27
1 Von David. Der HERR ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist die Zuflucht meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen?
4 Eines habe ich vom HERRN erfragt, dieses erbitte ich: im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens; die Freundlichkeit des HERRN zu schauen und nachzusinnen in seinem Tempel.
7 Höre, HERR, meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und gib mir Antwort!

8 Mein Herz denkt an dich: Suchet mein Angesicht! Dein Angesicht, HERR, will ich suchen.

Wir beten heute einen ganz bekannten Psalm, der das Vertrauensverhältnis Davids zu Gott offenbart. Es gibt hier messianische Hinweise bzw. erkennen wir Christus im Psalm: Der HERR, Jahwe, ist mein Heil. Das hebräische Wort weist denselben Stamm auf wie der Name Jesu. Das ist kein Zufall. Der Psalm ist ganz und gar von Vertrauen geprägt („vor wem sollte mir bangen“, „Zuflucht“, „Hoffe auf den HERRN“). Es ist eben jenes unerschütterliche Vertrauen, das auch die Apostel Gott gegenüber besitzen und weshalb sie Jesu Einladung folgen, den Vater um den Geist zu bitten.
Zugleich wird die Sehnsucht nach dem ewigen Leben deutlich: „im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens“; die Freundlichkeit des HERRN zu schauen“. Das entspricht unseren anagogischen Gedanken zum Beispiel bei den vielen Jesajatexten, in denen das Leben bei Gott im Himmelreich die ultimative Befreiung vom drückenden Joch ist. Es ist auch auf die Apostel zu beziehen, die mit einer brennenden Sehnsucht nach der Wiederkunft Christi und in einer absoluten Naherwartung leben.
Dann wird eine Bitte formuliert: „Höre, HERR, meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und gib mir Antwort!“ Das ist es ja, was Jesus seinen Aposteln in den Abschiedsreden besonders eindringlich erklärt hat: Bittet den Vater. Ich werde für euch einstehen und wenn ihr dann im Heiligen Geist neugeboren seid, werdet ihr eine solche Intimität zum Vater als seine geliebten Kinder haben, dass er euch alles geben wird in meinem Namen. Wie der Psalmist schreibt, suchen die Apostel im Pfingstsaal verharrend das Angesicht Gottes. Sie sehnen sich nach seiner umfassenden Manifestation. Sie dürsten nach dem Heiligen Geist, der sie beleben kann. Auch wir dürsten nach dem Wasser des ewigen Lebens, das uns so umfassend tränkt, dass wir keinen Durst mehr haben müssen. Der Mensch ist auf der Suche nach dem Heiligen Geist, manchmal ohne es zu merken. So hält er instinktiv die Gebote Gottes, um im Liebesradius Gottes zu bleiben. Durch die Sünde entfernt sich der Mensch davon. Der Geist Gottes wird in den Heilsmitteln der Kirche ausgegossen, besonders aber in Taufe und Firmung. Diese Sakramente sind einmalig zu spenden und so muss auch die Eucharistie als besondere Zeit der Geistgabe genannt werden. In Vorbereitung darauf wird der Geist auch in der Beichte in unsere Herzen ausgegossen. Ein sakramentales Leben bringt Freude. Und wenn wir sterben, werden wir mir dem Geist Gottes unverhüllt und in vollem Maße durchdrungen, dass es ein einziges Pfingstereignis sein wird.

1 Petr 4
13 Stattdessen freut euch, dass ihr Anteil an den Leiden Christi habt; denn so könnt ihr auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit voll Freude jubeln.

14 Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr seligzupreisen; denn der Geist der Herrlichkeit, der Geist Gottes, ruht auf euch.
15 Wenn einer von euch leiden muss, soll es nicht deswegen sein, weil er ein Mörder oder ein Dieb ist, weil er Böses tut oder sich in fremde Angelegenheiten einmischt.
16 Wenn er aber leidet, weil er Christ ist, dann soll er sich nicht schämen, sondern Gott darin verherrlichen.

Es geht in der zweiten Lesung weiter mit dem Petrusbrief. Im vierten Kapitel behandelt Petrus weiterhin das Thema Leiden für Christus. Dies tut er wieder in einem paränetischen Rahmen, also in Form von ethischen Unterweisungen. In den vorherigen Versen, die nicht zum heutigen Abschnitt gehören, sagt er, dass die Getauften vor ihrer Taufe genug Zeit mit irdischen Begierden zugebracht haben und nun die Zeit gekommen ist, sich nach dem Willen Gottes zu richten. Nun ein anderes Leben zu führen als früher wird jene erzürnen, mit denen man so ein Leben geführt hat. Ganz konkret heißt das für die Adressaten des Briefes primär ihre Familienmitglieder, die nicht mit ihnen zusammen Christen geworden sind. Da ist Konflikt und Leiden vorprogrammiert.
Und doch ermutigt Petrus die Adressaten und heute auch uns, die wir diese Lesung hören: Wir sollen uns freuen, dass wir auf diese Weise an dem Leiden Christi teilhaben. Er ist verspottet und von seinen engsten Freunden verraten worden. So können wir unsere eigene Situation mit seiner sehr gut identifizieren. Wie oft leiden auch heutige Christen darunter, dass sie die einzigen Gläubigen in ihrer Familie sind. Der Zustand selbst ist nicht gut und Gott leidet mit uns zusammen darunter, dass die Kinder trotz christlicher Erziehung einen anderen Weg gehen wollen. Doch in Situationen, die man nicht ändern kann, weil Glaube nicht erzwungen werden kann, ist es ein Trost, zu wissen, dass dieses Leiden nicht sinnlos ist. Denn wer für Christus leidet, wird auch mit Christus am Ende der Zeiten jubeln. Ein gemeinsamer Karfreitag bedeutet auch ein gemeinsames Ostern.
Petrus formuliert sogar eine Selipreisung, die an die Bergpredigt Jesu erinnert: „Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr seligzupreisen.“ Das hat nichts Pathologisches an sich, so als ob man das Leiden aktiv suchen und sich daran ergötzen soll. Vielmehr meint es, dass es für uns ein Zeichen ist, dass wir auf dem richtigen Weg sind. In den vergangenen Kapiteln des ersten Petrusbriefes hat Petrus die Fremdheit und Andersartigkeit der Getauften im Gegensatz zur gefallenen Welt herausgestellt. Die Heimat ist ins Himmelreich verlegt worden und so leben die Christen nun in der Fremde. Konflikte wegen des Glaubens signalisieren den Getauften, dass sie vom weltlichen Standpunkt aus gesehen wirklich ein Leben in der Fremde, vom göttlichen Standpunkt aus nach Gottes Willen leben.
Der entscheidende Aspekt für das Anderssein ist der „Geist der Herrlichkeit“. Dieser ruht auf den Getauften, denn in ihm sind sie eine neue Schöpfung geworden. Er belebt sie ganz und richtet sie auf die Ewigkeit aus. In Fülle empfangen bleibt er in ihnen.
Petrus sprach schon im Abschnitt von letzter Woche davon, dass es unterschiedliche Ursachen für das Leid gibt. Und so spricht er auch hier an, dass die Seligpreisung nur für das Leiden um des Himmelreiches willen gilt, nicht „weil er ein Mörder oder ein Dieb ist, weil er Böses tut oder sich in fremde Angelegenheiten einmischt.“ Dann handelt es sich um die natürliche Konsequenz der Sünde. Sie zieht von ihrem Wesen her weite Kreise. So muss der Sünder selbst sowie Unschuldige um ihn herum unter ihren Folgen leiden. Das ist dann aber keine Teilhabe am Leiden Christi, das ein Sühneleiden stellvertretend für andere ist.
Als Christ zu leiden soll dagegen kein Grund zur Scham sein, sondern Anlass, im Leiden Gott zu verherrlichen. Das haben in verdichteter Weise die Märtyrer der Kirche vorbildlich umgesetzt. Doch auch die vielen Bekenner, die zeitlebens für das Evangelium gelitten haben, doch eines natürlichen Todes gestorben sind, haben Gott dadurch verherrlicht. Es ist eine große Herausforderung, das Leiden zu umarmen und bereitwillig anzunehmen. Doch dies ist keine Aufgabe, die allein aus eigener menschlicher Kraft umgesetzt werden muss. Gott gibt dazu die Kraft, denn nicht umsonst ist bei Taufe und Firmung der Mensch mit der Fülle des Heiligen Geistes ausgestattet worden.

Joh 17
1 Dies sprach Jesus. Und er erhob seine Augen zum Himmel und sagte: Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht!
2 Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt.
3 Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus.
4 Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast.
5 Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war!
6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben und sie haben dein Wort bewahrt.
7 Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist.
8 Denn die Worte, die du mir gabst, habe ich ihnen gegeben und sie haben sie angenommen. Sie haben wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast.
9 Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir.
10 Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht.
11 Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt und ich komme zu dir.

Das heutige Evangelium ist ein Ausschnitt aus dem hohepriesterlichen Gebet Jesu. Dieses Gebet vervollständigt die „Liturgie“ Jesu am Abend vor seinem Tod. Er hat die Eucharistie eingesetzt und dabei das Pessachfest typologisch erfüllt. Mit seinem Kreuzestod wird die Versöhnung der Welt mit Gott erwirkt und so verbindet sich die Pessachtypologie des letzten Abendmahls mit der des Jom Kippur, des Versöhnungstages. Bei diesem Fest, das das höchste Fest der Juden darstellt, ist es zur Zeit Jesu so, dass der Hohepriester ausnahmsweise zum Allerheiligsten vordringen darf und mit dem Blut von zwei Opfertieren den Deckel der Bundeslade besprengt. Er tut dies stellvertretend für die ganze Gemeinde und bittet um Vergebung der Sünden des Volkes Israel. Unter anderem wird auch ein Sündenbockritual vorgenommen, bei dem die Sünden des Hohepriesters öffentlich bekannt werden, auf das Tier „übertragen“ und dieses dann in die Wildnis geschickt wird. An diesem Festtag wurde auch ein Opfer zur Reinigung des Tempels dargebracht.
Dies alles müssen wir bedenken, wenn wir Jesu Gebet betrachten. Dann geht uns auf, was den Aposteln in dem Moment vielleicht aufgegangen ist, mindestens dem Mystiker Johannes: Dass Jesus nicht nur Pessach in den Neuen Bund integriert, sondern auch Jom Kippur.
Bevor er zum Gebet ansetzt, hören wir als erstes: „Dies sprach Jesus“. Es signalisiert uns, dass die Reihe der Abschiedsreden nun abgeschlossen ist.
Jesus erhebt die Augen zum Himmel, weil er nun zum Vater sprechen wird. „Die Stunde ist gekommen.“ Im Johannesevangelium hat die Rede von der „Stunde“ eine heilsgeschichtliche Bedeutung. Als Maria ihren Sohn bei der Hochzeit zu Kana auf den ausgegangenen Wein hinweist, entgegnet er ihr: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Es ist nicht wörtlich zu verstehen, denn Jesus meint nie eine bestimmte Stunde des Tages, sondern einen Zeitpunkt im Heilsplan Gottes. Im heutigen Evangelium ist die Stunde des Leidens gekommen, das sehr bald beginnen würde. Und der ganze Vorgang bis zum letzten Atemzug am Kreuz ist ein Prozess der Verherrlichung. Jesus wird über alle anderen erhöht. Der Erhöhung durch den Vater bei der Himmelfahrt geht die Erhöhung am Kreuzesholz voraus. Die „Stunde“ meint zugleich das Hinübergehen zum Vater, zu dem er im Gebet spricht. Und Jesus verherrlicht im Gegenzug den Vater dadurch, dass an ihm Gottes große Taten offenbar werden. Dadurch werden wiederum viele Menschen Gott die Ehre geben.
Jesus spricht über sich in der dritten Person, wenn er als Grund für seine Verherrlichung die Bevollmächtigung durch den Vater nennt. Dieser vertraut ihm alle Menschen an, damit er ihnen das ewige Leben schenke.
Jesus erklärt, worin das ewige Leben besteht – in der Erkenntnis Gottes und seines Gesalbten. Die Erkenntnis eröffnet das ewige Leben, denn wer Gott erkannt hat, kommt zum Glauben an ihn und lässt sich taufen. Wer getauft ist, nimmt die Erlösung Christi an und wird zum Erben des Reiches Gottes eingesetzt.
Dieses Erkennen hat im gesamtbiblischen Zeugnis eine tiefe Bedeutung: Adam und Eva erkennen einander und so wird Eva schwanger. Es ist die liebende Vereinigung zwischen Mann und Frau. Erkennen ist aber auch eine Liebe auf seelischer Ebene. So erkennen z.B. die Emmausjünger beim Brechen des Brotes und Maria Magdalena Jesus am Grab. Es ist eine liebende Vereinigung der Seelen. Und wenn wir nach unserem Tod vor Gott stehen, werden wir ihn erkennen, sodass wir ihn sehen, wie er ist. So werden wir in der ewigen Erkenntnis leben – der ewigen Liebesgemeinschaft mit Gott. Diese ultimative Erkenntnis erfahren wir auf Erden stückhaft schon sakramental, wenn wir Eucharistie feiern. Dann erkennen wir in den eucharistischen Gestalten Jesus Christus. Wir erkennen ihn auch in der Liebe, die uns andere Menschen erweisen.
Jesus hat den Vater auf der Erde verherrlicht, weil er seinen Willen ganz erfüllt hat, der ein Heilswille ist. Er hat alles bis zum letzten Atemzug nach dem Willen des Vaters getan und dann zuletzt gesagt: „Es ist vollbracht.“
Und nun bittet er den Vater darum, dass auch dieser treu alles bis zum Ende vollbringt, sodass der Sohn dann wieder verherrlicht an seiner Seite sitzen wird. Hier spricht Jesus auch seine eigene Präexistenz aus („die ich bei dir hatte, bevor die Welt war“). Jesus ist das fleischgewordene Wort und dieses Wort war im Anfang bei Gott, wie es der Johannesprolog feierlich erklärt.
„Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart.“ Jesus hat den Vater wirklich authentisch ausgelegt. Er hat die Jünger „aus der Welt“ berufen zur Nachfolge (Welt ist hier wieder Ausdruck der gefallenen Schöpfung), damit sie das Herz des Vaters durch die Offenbarung Jesu Christi immer mehr kennenlernen. Mit „Name Gottes“ ist dessen innerstes Wesen gemeint. Auch am brennenden Dornbusch hat sich Gott dem Mose mit einer Eigenschaft oder Tätigkeit als Namensbezeichnung vorgestellt: Jahwe, „ich bin/ich werde sein“. Er ist ein Gott, der für die Menschen da ist und sie nie verlässt. Die Apostel haben das Wort bewahrt, das heißt das Evangelium Jesu Christi in ihre Herzen geschrieben. Nun brauchen sie nur noch den Heiligen Geist, der zur gegebenen Zeit alles wieder hervorholt.
„Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist.“ Der Vater hat den Sohn gesandt, er hat ihn mit allen Vollmachten ausgestattet. Und die Apostel haben einen langen Prozess durchlaufen, bis sie soweit sind, Jesu Herkunft ansatzweise zu begreifen. Selbst in den Abschiedsreden ist ihre Schwerbegrifflichkeit noch durchgesickert.
Konkret nennt Jesus dann das Wort, das Jesus vom Vater empfangen und den Aposteln weitergegeben hat. Man spürt förmlich, dass Jesus beim Vater ein gutes Wort für die Apostel einlegen möchte. Es ist wie eine Apologie oder ein Plädoyer vor Gericht. Nachdem er sie mehrfach gelobt hat, kommt er nun zur Fürbitte: Jesus bittet für seine Apostel, denn sie gehören nun dem Vater.
Der Vater und der Sohn teilen alles miteinander. Alles gehört auch jeweils dem Anderen. Das macht die innige Liebe des dreifaltigen Gottes aus. Und das gemeinsame Werk des Vaters und des Sohnes wird im Glauben der Gläubigen fortgesetzt und deshalb wird Christus in ihnen verherrlicht.
Sie werden weiterführen, was er getan hat, weil sie in der Welt sind (als neue Schöpfung inmitten der gefallenen Schöpfung). Jesus aber geht zurück zum Vater.

Betrachten wir all das vor dem Hintergrund des Jom Kippur, erkennen wir in Christus den Hohepriester, der Gott um Vergebung der Sünden des Volkes bittet – zu diesem neuen Volk Gottes zählt zunächst sein Kern, der Apostelkreis. Jesus bittet im Voraus schon um Vergebung für den Verrat, den seine eigenen Freunde an ihm begehen werden. Er bittet auch für uns alle als Hohepriester, der aber seine eigenen Sünden nicht bekennt. Jesus ist ohne Sünde und kann gar kein Sündenbekenntnis ablegen. Das unterscheidet ihn von den Hohepriestern des Alten Bundes. Und wenn wir dann weiterschauen, was passieren wird, gibt es noch einen entscheidenden Unterschied. Nicht mehr das Blut von Opfertieren wird auf den Deckel der Bundeslade gesprengt, sondern Jesus selbst wird zum Opfer, das seine Gläubigen mit dem kostbaren Blut besprengt. Dies berichtet Johannes im Passionsbericht sehr anschaulich, als durch den Lanzenstoß eines Soldaten ins Herz Jesu Blut und Wasser hervorfließen – sein kostbares Blut der Versöhnung und das Wasser des Heiligen Geistes, auf den wir uns vorbereiten! Jesus ist Hohepriester und Opfer zugleich. Als Makelloser hat er ein ultimatives Jom Kippur erwirkt, den Versöhnungstag, der keinen weiteren mehr notwendig machen wird. Jom Kippur wird lediglich erneuert und in die jeweilige Gegenwart geholt, wenn wir die Eucharistie begehen. Jom Kippur wird auch immer dort Gegenwart, wo wir das Sakrament der Versöhnung empfangen und wo uns die Sünde vergeben wird. Der Tag der Versöhnung wird vor allem dann offenbar, wenn wir in die Ewigkeit eingehen, wo wir Gott unverhüllt erkennen werden, wie er uns erkannt hat.

Jesus betet für seine Apostel, die nach seinem Tod und der Spendung des Heiligen Geistes als Gott ganz Geweihte Christi Werk fortsetzen werden. Bis dahin wird noch sehr viel passieren und die Apostel sind noch längst nicht so weit, dass man sie als brennende Zeugen für Christus bezeichnen kann. Der eine verrät seinen Rabbi, der andere leugnet, ihn zu kennen. Nur einer von zwölf Aposteln steht Jesus bis zum Schluss bei. Und doch schreibt Gott auf krummen Seiten gerade. Sein Werk ist es, in der Schwachheit des Menschen seine Gnade walten zu lassen, damit jeder erkennt, dass er es ist, der durch die Menschen wirkt.
Auf die Fülle dieser Gnade warten die Apostel zusammen mit dem erweiterten Jüngerkreis nach der Himmelfahrt Christi. Es ist im wahrsten Sinne die Ruhe vor dem Sturm. Aber wenn sie den Geist erst einmal empfangen haben, werden sie die Worte Davids im Psalm wirklich beherzigen: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil. Vor wem sollte ich mich fürchten?“

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 5. Osterwoche

Apg 15,7-21; Ps 96,1-2.3 u. 10; Joh 15,9-11

Apg 15
7 Als ein heftiger Streit entstand, erhob sich Petrus und sagte zu ihnen: Brüder, wie ihr wisst, hat Gott schon längst hier bei euch die Entscheidung getroffen, dass die Heiden durch meinen Mund das Wort des Evangeliums hören und zum Glauben gelangen sollen.

8 Und Gott, der die Herzen kennt, hat dies bestätigt, indem er ihnen ebenso wie uns den Heiligen Geist gab.
9 Er machte keinerlei Unterschied zwischen uns und ihnen; denn er hat ihre Herzen durch den Glauben gereinigt.
10 Warum stellt ihr also jetzt Gott auf die Probe und legt den Jüngern ein Joch auf den Nacken, das weder unsere Väter noch wir tragen konnten?
11 Wir glauben im Gegenteil, durch die Gnade Jesu, des Herrn, gerettet zu werden, auf die gleiche Weise wie jene.
12 Da schwieg die ganze Versammlung. Und sie hörten Barnabas und Paulus zu, wie sie erzählten, welch große Zeichen und Wunder Gott durch sie unter den Heiden getan hatte.
13 Als sie geendet hatten, nahm Jakobus das Wort und sagte: Brüder, hört mich an!
14 Simon hat berichtet, dass Gott selbst zuerst darauf geschaut hat, aus den Heiden ein Volk für seinen Namen zu gewinnen.
15 Damit stimmen die Worte der Propheten überein, die geschrieben haben:
16 Danach werde ich mich umwenden und die zerfallene Hütte Davids wieder aufrichten; ich werde sie aus ihren Trümmern wieder aufrichten und werde sie wiederherstellen,
17 damit die übrigen Menschen den Herrn suchen, auch alle Völker, über denen mein Name ausgerufen ist – spricht der Herr, der das ausführt,
18 was ihm seit Ewigkeit bekannt ist.
19 Darum halte ich es für richtig, den Heiden, die sich zu Gott bekehren, keine Lasten aufzubürden; 20 man weise sie nur an, Verunreinigung durch Götzenopferfleisch und Unzucht zu meiden und weder Ersticktes noch Blut zu essen.
21 Denn Mose hat seit alten Zeiten in jeder Stadt seine Verkünder, da er in den Synagogen an jedem Sabbat verlesen wird.

Gestern hörten wir bereits von den Streitigkeiten bei der Frage nach der Heilsnotwendigkeit der Beschneidung. Die judäer Christen befürworteten sie und sprachen sich in Antiochia bei ihrem Besuch dafür aus. Die Heidenchristen lehnen sie aber ab und so reisen Barnabas und Paulus nach Jerusalem, um die Streitfrage vor der höchsten Autorität, den Aposteln, darzulegen. Wir hörten dann davon, dass die Apostel und Ältesten gemeinsam über die Sache nachdenken.
Heute entfacht über die Beschneidungsfrage ein großer Streit. Wenn es hier heißt, dass er „heftig“ ist, müssen wir uns im orientalischen Kontext wirklich eine hitzige Diskussion vorstellen…da ging es richtig laut und temperamentvoll zu.
Inmitten dieser heftigen Auseinandersetzung ergreift Petrus das Wort und fungiert wieder als Vermittler und Diplomat zwischen den Parteien: Er erinnert die Anwesenden daran, dass nicht sie die Entscheidung treffen, sondern Gott. Er hat schon längst seinen Willen bei dieser Sache und Petrus diesen auch kundgetan. Er deutet das zweite Pfingsten von Caesarea im Hause des Kornelius an, bei dem Gott ihm auftrug, den Heiden das Evangelium zu verkünden. Durch ihn sollten sie zum Glauben an Jesus Christus kommen. Die Ausgießung des Heiligen Geistes über die Heiden im Haus des Kornelius bestätigt Gottes Auftrag an Petrus.
Petrus erklärt, dass Gott keinen Unterschied zwischen den Pfingstereignissen gemacht hat, sondern dass es ihm um die Herzenshaltung der Anwesenden ging. Dies soll den Anwesenden klarmachen, dass sie den Heiden nun nicht mehr auferlegen sollten als Gott selbst, der von ihnen keine Beschneidung für das Pfingstereignis vorausgesetzt hat.
Petrus erinnert die Anwesenden auch daran, dass nicht ihr eigenes Tun, sondern die Gnade Gottes sie gerettet hat. Warum soll es bei den Heiden nun anders sein? Ja, die Apostel waren zuvor Juden und deshalb beschnitten. Aber nicht diese Beschneidung hat ihnen die Erlösung geschenkt, sondern Jesu Christi Kreuzestod, auf den hin sie im Heiligen Geist neugeboren worden sind! Genauso ist es bei den Heiden, deren Taufe im Heiligen Geist ebenfalls durch ihren Glauben vollzogen worden ist, durch ihr Ja und ihr ganz geöffnetes Herz.
Durch seine Worte schafft er es, die ganze hitzige Situation zum Schweigen zu bringen. Das zeigt uns, wie begnadet Petrus von Gott ist, die verschiedenen Akzente in der Kirche zusammenzuhalten als Fels des Leibes Christi.
In diese entschärfte Situation hinein kommen nun Paulus und Barnabas zu Wort, die von ihrer ersten großen Missionsreise berichten und die Bekehrungswelle der Heiden zur Sprache bringen können.
Daraufhin kommt der Herrenbruder Jakobus zu Wort, der nach Petrus‘ Abreise der Gemeindevorsteher der Jerusalemer Urgemeinde wird. Er ist von seiner theologischen Position der strengen judenchristlichen Richtung zuzuordnen, die die Beschneidung auch von Heidenchristen verlangt. Er greift die Worte des Petrus auf und bettet sie in die Heilsgeschichte ein, die die Schriften des Alten Testaments belegt. Dort ist es schon angekündigt worden, dass auch die übrigen Völker den Herrn suchen würden. Dazu führt er Amos 9,11-12 an, wie es die Septuaginta (das griechische Alte Testament) formuliert, wenn die zerfallene Hütte Davids wieder aufgebaut würde – dies meint nun nicht mehr den Tempel von Jerusalem, sondern den Tempel des Leibes Christi, der die Kirche ist!
Aus dem Grund kann auch Jakobus sich damit anfreunden, den Heiden die Beschneidung nicht abzuverlangen. Dennoch schlägt er eine Mindestanforderung vor, die sich auf die Enthaltung von Götzenopferfleisch, Ersticktem und Blut zu enthalten sowie Unzucht zu meiden. Jakobus beruft sich hier auf das sogenannte Heiligkeitsgesetz ab Lev 17 und wendet es auf die momentane Situation an: Es handelt sich dabei um Gesetze für Fremde, die in Israel leben. Dabei geht es um Ritualgebote, die ein Zusammenleben der Juden und Heiden ermöglichen sollen, ohne dass die Juden sich rituell verunreinigen. In Lev 17 wird deshalb erklärt, dass sowohl Juden als auch Heiden, die im Heiligen Land wohnen, die Tiere schächten müssen. Es verbietet auch bestimmte sexuelle Verhaltensweisen wie den Inzest, die Sodomie oder homosexuelle Praktiken. Diese Dinge gelten ebenfalls für Juden sowie Heiden im Heiligen Land. Auf diese Dinge verweist Jakobus und verlangt sie auch von den Heidenchristen. Es geht bei den jakobinischen Klauseln eigentlich um Ritualgebote, die einzuhalten sind aus Rücksicht vor den Judenchristen, die ja durch die Beschneidung weiterhin die Torah halten müssen (der Alte Bund geht weiter!). Dennoch werden einige Dinge auch durch die zehn Gebote abgedeckt, die die Heidenchristen ja halten müssen (Götzenopferfleischverzehr ist Götzendienst, also ein Verstoß gegen das erste Gebot, Unzucht in allen Facetten ist eine Sünde gegen das sechste Gebot).
Dass es Jakobus vor allem um die Rücksicht auf die Juden geht, erkennen wir an dem letzten Vers, wo es heißt, dass Mose in jeder Stadt seine Verkünder hat. Es gibt ja viele Synagogen, in denen das mosaische Gesetz weiterhin verkündet wird. Juden sind im ganzen römischen Reich verteilt und so muss flächendeckend Rücksicht auf ihre rituelle Unversehrtheit genommen werden.
Was wir hier also lesen, ist kein göttliches Gebot, sondern eine pragmatische Mindestanforderung für die Situation, dass es in einer Gegend Juden(christen) gibt. Nun gibt es aber keine Judenchristen mehr. Sie sind „ausgestorben“ und nach vielen Jahrhunderten Unterbrechung ist nun eine Art „Neo-Judenchristentum“ entstanden – die Gruppe der messianischen Juden. Sie erkennen Jesus als Messias an, bleiben aber Juden und leben nach der Torah. Sie sind beschnitten und doch haben sie das Evangelium Jesu Christi angenommen.
Noch einmal deutlich: Die jakobinischen Klauseln gelten heute nicht mehr. Wir müssen unser Fleisch nicht schächten, aber aufgrund der zehn Gebote ist Götzendienst und Unzucht natürlich weiterhin eine schwere Sünde, die beiden schwersten Sünden überhaupt!

Ps 96
1 Singt dem HERRN ein neues Lied, singt dem HERRN, alle Lande,
2 singt dem HERRN, preist seinen Namen! Verkündet sein Heil von Tag zu Tag!
3 Erzählt bei den Nationen von seiner Herrlichkeit, bei allen Völkern von seinen Wundern!
10 Verkündet bei den Nationen: Der HERR ist König! Fest ist der Erdkreis gegründet, er wird nicht wanken. Er richtet die Völker so, wie es recht ist.

Als Antwortpsalm beten wir einen Lobpreispsalm, der das universale Heil und die Weltherrschaft Gottes zum Thema hat.
Wie so oft erfolgt ein Lobpreisaufruf zu Beginn. „Alle Lande“ werden zum „neuen Lied“ aufgefordert. Das umfasst nicht mehr nur die zwölf Stämme Israels, sondern alle Völker. Vor dem Hintergrund der Erlösung aller Menschen durch Jesus Christus können wir es als lobpreisende Antwort der Erlösten betrachten. In der Apostelgeschichte sind sowohl die Apostel in Jerusalem als auch die Heiden in Caesarea mit dem Heiligen Geist erfüllt worden, sodass es zwei Pfingstereignisse gab. Es ist ein Zeichen Gottes, was mit allen Menschen passiert, die Gott in ihrem Herzen willkommen heißen.
„Verkündet sein Heil“ wird dann für uns Christen auffällig christologisch, weil in den Worten „sein Heil“ hier wieder der Name Jesus enthalten ist. Während hier wörtlich das Heil Gottes als messianische Verheißung verkündet werden soll, sind wir Christen dadurch aufgerufen, Jesus Christus zu verkünden, der das Heil ist (Nomen est omen). Das ist einer der drei Hauptvollzüge der Kirche – die Verkündigung (martyria). Jeder einzelne Christ bezeugt dieses Heil durch sein Handeln. Wo wir einander lieben und die Gebote Gottes halten, kommt das Heil in die Welt, das Reich Gottes wird dann schon jetzt spürbar. Am Ende der Zeiten werden wir das Heil verkünden – aber als ewigen Lobpreis in Gottes Gegenwart, mit allen Engeln und Heiligen.
Der Psalm sagt zudem aus: Gott ist der König, der Herrscher. Die messianische Erwartung des Psalms geht über eine menschliche Figur hinaus (auch wenn zuerst eine politische Figur darunter verstanden wird). Die Menschen sollen es bei den Nationen verkünden, bei allen Nationen: Das deckt sich mit dem, was Jesus seinen Jüngern vor seiner Himmelfahrt aufträgt: alle Menschen zu seinen Jüngern zu machen. „Bei den Nationen“ haben sowohl Petrus als auch Barnabas und Paulus diesen Auftrag treu umgesetzt, bei denen so viele zum Glauben gekommen sind. Das Stichwort im Hebräischen für die Heiden ist an dieser Stelle wieder בַגֹּויִ֨ם baggojim, die Gojim.
Auch die Völker werden von diesem Weltenrichter und König gerichtet, wie es recht ist. Das bedeutet auch, dass sie ebenso die Aussicht auf ein positives Gerichtsurteil und somit auf das ewige Leben im Himmelreich haben, wenn sie zum Glauben an Gott gekommen sind.

Joh 15
9 Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!

10 Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.
11 Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.

Im heutigen Evangelium hören wir einen relativ kurzen Abschnitt aus der zweiten Abschiedsrede. Es gibt um die Liebe.
Jesus stellt wie so oft den Zusammenhang heraus, der sich aus ihm, dem Vater und seinen Jüngern ergibt. Die Liebe zwischen Vater und Sohn ist Vorbild für die Liebe, die zwischen den Jüngern herrschen soll. Die Liebe zwischen Vater und Sohn hat Christus schon übertragen auf seine Liebe zu den Jüngern. Darin hat er ihnen überhaupt die Liebe zwischen ihm und dem Vater offenbart. Was sie also zutiefst berührt hat, sollen sie einander weitergeben. Die Zeitform wird hier mit dem Perfekt übersetzt, weil es sich um eine Abschiedsrede handelt. Jesus spricht diese Worte zu ihnen im Rückblick auf die letzten Jahre, in denen sie so viel Zeit miteinander verbracht haben. So wie es war, so sollen sie nun weitermachen.
Das Leben in dieser Liebe kommt dem Halten der Gebote gleich bzw. ist sie die Grundhaltung und die Absicht, die Gebote Gottes zu halten. Und dies führt wiederum dazu, dass sie in der Liebesgemeinschaft mit Gott bleiben. Die Liebe ist also nicht nur Ursprung/Absicht, sondern auch Ziel des Haltens der Gebote. Das Bleiben in der Liebe ist eine Umschreibung für den Stand der Gnade. In diesem befinden wir uns, wenn wir in rechter Absicht die Gebote Gottes halten.
Er erklärt es ihnen, weil er ihre Freude in sie hineinlegen möchte, die sich ganz in ihnen entfalten soll. Warum nun Freude? Sie ist eine Frucht des Heiligen Geistes, eine übernatürliche Gabe, die ein Mensch sich nicht selbst geben kann. Sie ist mehr als nur eine situativ abhängige Emotion. Sie ist innere Gewissheit, dass Gott am Ende steht mit seinem ewigen Heil, ganz egal, wie es momentan im Leben des Einzelnen aussehen mag. Freude im Leben kann der Mensch dabei nur haben, wenn er in der Liebe Gottes bleibt (also nach den Geboten Gottes lebt). Nur so kann der Mensch glücklich werden.

Diese Worte Jesu sind für das Verständnis der Apostelgeschichte wichtig. Auch für die Heiden gilt: Das Halten der Gebote Gottes ermöglicht das Bleiben in der Liebe Gottes und die Freude im Leben. Die Gebote Gottes sollen sie nicht aus Angst oder Pflichtbewusstsein halten, sondern aus Liebe zu Christus, den sie in ihr Herz gelassen haben. Was genau sie allerdings halten müssen, das wird beim Apostelkonzil in Jerusalem heute ja diskutiert. Dass das Halten der Gebote nicht in eine Pflichtübung ausartet, soll die Beschneidung und das Halten der gesamten Torah den Heiden nicht auferlegt werden, sondern nur eine Mindestanforderung.

Vergessen auch wir beim Streben nach Vollkommenheit nicht, dass auch wir die Gebote Gottes aus Liebe zu ihm halten sollen. Das erkennen wir daran, dass die ersten drei Gebote des Dekalogs auf der Gottesliebe fußen (Verbot des Götzendienstes und der Verunehrung seines Namens, die Heiligung des Sonntags). Die weiteren sieben Gebote betreffen die Nächstenliebe (und da ist es kein Zufall, dass die Ehrung der Eltern ganz oben steht!). Aus diesem Grund heißt es auch, dass das Doppelgebot der Liebe das ganze Gesetz zusammenfasst. Einfach im Verständnis, schwer in der Umsetzung. Wäre dem nicht so, bräuchten wir die Beichte nicht…

Ihre Magstrauss

5. Sonntag der Osterzeit

Apg 6,1-7; Ps 33,1-2.4-5.18-19; 1 Petr 2,4-9; Joh 14,1-12

Apg 6
1 In diesen Tagen, als die Zahl der Jünger zunahm, begehrten die Hellenisten gegen die Hebräer auf,
weil ihre Witwen bei der täglichen Versorgung übersehen wurden.
2 Da riefen die Zwölf die ganze Schar der Jünger zusammen und erklärten: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und uns dem Dienst an den Tischen widmen.
3 Brüder, wählt aus eurer Mitte sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit; ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen.
4 Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben.
5 Der Vorschlag fand den Beifall der ganzen Gemeinde und sie wählten Stephanus, einen Mann, erfüllt vom Glauben und vom Heiligen Geist, ferner Philippus und Prochorus, Nikanor und Timon, Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia.
6 Sie ließen sie vor die Apostel hintreten und diese legten ihnen unter Gebet die Hände auf.
7 Und das Wort Gottes breitete sich aus und die Zahl der Jünger in Jerusalem wurde immer größer; auch eine große Anzahl von den Priestern nahm gehorsam den Glauben an.

Heute am fünften Ostersonntag hören wir in der ersten Lesung wieder aus der Apostelgeschichte, in der zweiten Lesung dann aus dem ersten Petrusbrief. Der obige Abschnitt behandelt die Wahl eines Diakonenkreises für die griechischsprachigen Juden. Es ist so, dass sich im Laufe des Gemeindelebens ein Missstand herauskristallisiert, den es zu beheben gilt. Die Witwen der Hellenisten (damit sind die griechischsprachigen Juden Jerusalems gemeint) werden bei der täglichen Versorgung übersehen. Das heißt es gibt eine caritative Arbeit der Jerusalemer Urgemeinde, bei der die Bedürftigen im Mittelpunkt stehen. Diese Aufgabe wird von Diakonen übernommen. Nun ist es aber so, dass eine spezifische Gruppe von Witwen ausgelassen wird, was wohl nicht aus Boswillen, sondern aus Versehen passiert. Wir müssen bedenken, dass die Gemeinde von Jerusalem sehr schnell anwächst und der Überblick bei solch rasantem Anstieg schnell verlorengeht. So kommt die Gemeinde um die Apostel herum zusammen, um das Problem anzugehen. Die Apostel haben die Berufung, dem Wort Gottes zu dienen. Sie sollen verkündigen. Damit sie diese Aufgabe nicht vernachlässigen, weil sie sich dem „Dienst an den Tischen“ widmen müssen, schlagen sie vor, einen Kreis von sieben Männern zu wählen, der sich mit diesem Dienst beschäftigen soll. Damit ist nicht der Dienst am Altar, also dem Tisch der Eucharistie, gemeint. Es meint den Tisch der bedürftigen Menschen, um die sie sich kümmern, also die Aufgaben des Diakons. Die Wähler des Diakonenkreises sind nicht die Apostel, sondern die „Jünger“. Damit sind die anderen Gemeindemitglieder gemeint, die nicht zum Zwölferkreis gehören.
Diese Männer sollen geeignete Kandidaten sein, von gutem Ruf sowie voll Geist und Weisheit. Die Aufgabe ist also nicht einfach nur ein caritativer Dienst, den jeder ausführen kann, der Hände hat. Es geht um einen Dienst, der noch viel tiefgründiger ist. Die Kandidaten sind Vorbilder in ihrer Tätigkeit, denn so sollen ja alle Getauften einander dienen. Deshalb müssen sie von gutem Ruf sein, sonst ist ihr Dienst ein heuchlerisches Schauspiel. Sie müssen zudem ausgestattet sein mit allen Gaben des Heiligen Geistes (voll Geist), gleichsam charismatisch. Und sie müssen erfüllt sein von der Weisheit Gottes, um sich nicht nur um das leibliche Wohl der Bedürftigen zu kümmern, sondern auch seelische Nahrung zu bringen. Gewiss müssen sie imstande sein, den zu Dienenden Rede und Antwort zu stehen, wann immer sie Fragen zum Glauben haben und nach den Erzählungen Jesu verlangen.
Das muss uns selbst zu denken geben, die wir heutzutage Gefahr laufen, die Diakonia als Selbstvollzug der Kirche aufs Äußere und Irdische zu verengen. Selbst das Dienen am leiblichen Wohl der Menschen ist auf das Seelenheil der Menschen ausgerichtet.
Mit der Aussage „ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen“ ist nicht einfach nur eine Ernennung gemeint. Im weiteren Verlauf erkennen wir, dass es eine sakramentale Bevollmächtigung ist. Die sakramentale Weihe wird von den Aposteln durch Handauflegung gespendet (Vers 6).
Die Apostel wollen sich währenddessen ihrer eigentlichen Berufung widmen („beim Gebet und beim Dienst am Wort“).
Dies gefällt der Gemeinde und so werden als erste Diakone Stephanus und Philippus gewählt, von denen wir in den letzten Wochen schon gehört haben, sodann Prochorus, Nikanor, Timon, Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia. Proselyten sind Juden, die zuvor Heiden waren. Wie schon öfter erwähnt gibt es im synagogalen Kontext häufig sogenannte Gottesfürchtige, Heiden, die dem Judentum nahe stehen, aber den letzten Schritt der Beschneidung nicht wagen. Proselyten sind solche, die diesen Schritt unternommen haben, sich beschneiden ließen und die Torah halten. Solch ein Proselyt ist nun Christ geworden und soeben von der Jerusalemer Urgemeinde als Diakon für griechischsprachige Witwen ausgewählt worden.
Das Wort Gottes verbreitet sich und die Gemeinde wächst immer weiter. Interessant ist, dass auch eine große Anzahl von den Priestern zum Glauben kommt. Hier ist die Frage, wer mit πολύς τε ὄχλος τῶν ἱερέων polys te ochlos ton hiereon gemeint ist. „Priester“ als sakramentaler Weihegrad würde keinen Sinn ergeben, denn wieso sollte jemand geweiht worden sein und der Gemeinde angehören, der nicht einmal gläubig ist? Der Glaube ist ja schon Voraussetzung für die Taufe. Diese Bedeutung ergibt auch deshalb keinen Sinn, weil der sakramentale Weihegrad im Neuen Testament mit dem Wort presbyteros, nicht mit hiereus wiedergegeben wird. Hiereis sind dagegen Priester der paganen Religionen oder die Priester des Judentums. Im griechischen Alten Testament lesen wir für das hebräische Wort כהן kohen dieses griechische Wort ἱερεύς hiereus. Es bezeichnet also jene, die zum aaronitischen Priestertum gehören und ihren Dienst im Tempel ausübten. Hier wird also gesagt, dass mehrere solcher Priester Christen geworden sind!

Ps 33
1 Jubelt im HERRN, ihr Gerechten, den Redlichen ziemt der Lobgesang.
2 Preist den HERRN auf der Leier, auf der zehnsaitigen Harfe spielt ihm!
4 Denn das Wort des HERRN ist redlich, all sein Tun ist verlässlich.
5 Er liebt Gerechtigkeit und Recht, erfüllt von der Huld des HERRN ist die Erde.
18 Siehe, das Auge des HERRN ruht auf denen, die ihn fürchten, die seine Huld erwarten,
19 dass er ihre Seele dem Tod entreiße und, wenn sie hungern, sie am Leben erhalte.

Der Psalm, den wir als Antwort auf die Apostelgeschichte beten, reflektiert Gottes Heilsplan.
Wie so oft erfolgt zu Anfang eine Aufforderung zum Lob („Jubelt im HERRN“). Die Aufforderung umfasst sogar die Begleitung des Lobgesangs mit Instrumenten („auf der Leier, auf der zehnsaitigen Harfe“).
Das Wort und die Tat Gottes sind verlässlich. Gott ist treu und hält sich an seine Versprechen, auch wenn wir ihm untreu werden. Jesus hat seinen Aposteln angekündigt, dass sein Heil die ganze Welt erreichen wird. Es beginnt in Jerusalem und das Wachsen der Gemeinde bestätigt ihnen, dass Gott wirklich treu an ihnen handelt.
Gott liebt die Gerechtigkeit und das Recht. Das ist für uns keine Drohbotschaft im Sinne eines strengen Richterbildes. Gott sorgt schon für Gerechtigkeit, wo wir Unrecht erleiden. Sein Recht setzt sich durch, auch wenn es in unserem Leben aktuell nicht so erscheinen mag. Das ist eine totale Trostbotschaft.
Auch die Rede vom „Auge des HERRN“ muss als Geborgenheitsausdruck verstanden werden. Gott sieht auf die Gottesfürchtigen, die sich um den Stand der Gnade bemühen. Die anderen verstecken sich wie Adam und Eva im Garten Eden oder meinen, Gott sehe sie nicht. Er sieht alles und jeden. Gemeint ist aber, dass die Gottesfürchtigen eine Beziehung zu Gott haben und er in ihrem Leben Gutes wirkt, denn sie heißen ihn willkommen. Gott entreißt ihre Seele dem Tod (נַפְשָׁ֑ם nafscham, also eigentlich „ihr Leben“, denn nefesch meint immer das gesamte Leben, nicht nur einen Teil). Gott entreißt auch unser Leben dem Tod – sowohl dem moralischen Tod durch die regelmäßige Sündenvergebung im Beichtsakrament als auch vom ewigen Tod am Ende des Lebens. Wenn wir uns nämlich voller Glauben immer um den Stand der Gnade, um eine gute Beziehung zu Gott bemühen und mit einem umkehrbereiten Herzen durchs Leben gehen, dann wird seine Barmherzigkeit uns auffangen, sodass wir den ewigen Tod nicht schauen müssen.
Gott erhält die Gottesfürchtigen am Leben, wenn sie hungern. Dies ist wörtlich zu verstehen im Sinne von Segen im Leben. Gott sorgt dafür, dass man genug zu essen hat, wenn man seinen Willen tut. Jesus wird es später aufgreifen, wenn er sagt: „Zuerst muss es euch um das Reich Gottes gehen. Alles Andere wird euch dazugegeben.“ Auch die griechischsprachigen Witwen in der Apostelgeschichte machen die Erfahrung, dass Gott sich um sie kümmert durch die Diakone, die zu ihrem Dienst bestellt werden. Und auch wir Christen heute werden am Leben erhalten, denn Gott nährt uns nicht nur leiblich, sondern auch mit seinem Wort Gottes in Schrift und Sakrament, in der Eucharistie! Beides nährt uns auf unserem Lebensweg seelisch, sodass die Seele nicht stirbt, ebenso wenig die Hoffnung!
Und diese Hoffnung ist eine Hoffnung auf Gott, der „Hilfe und Schild“ ist. Gott leitet nicht nur den Weg, er beschützt auch auf diesem Weg, er unterstützt uns mit seiner helfenden Gnade, damit wir trotz unserer Schwächen den Willen Gottes in unserem Leben umsetzen können.

1 Petr 2
4 Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist!

5 Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen!
6 Denn es heißt in der Schrift: Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde.
7 Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre. Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden,
8 zum Stein, an den man anstößt, und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt. Sie stoßen sich an ihm, weil sie dem Wort nicht gehorchen; doch dazu sind sie bestimmt.
9 Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.

In der zweiten Lesung hören wir heute wieder aus dem ersten Petrusbrief. Der heutige Abschnitt ist voll von wichtigen theologischen Begriffen. Er ist sehr dicht und somit sehr sorgfältig zu lesen/hören.
Petrus fordert die Adressaten auf, zum lebendigen Stein zu kommen, der von Menschen verworfen, von Gott aber auserwählt worden ist. Er greift die Steinmetapher auf, weil er hier sehr ekklesiologische Worte findet. Es geht also um die Kirche und diese ist errichtet auf dem Felsen, der Christus ist. Es ist aber keine tote Materie, sondern Jesus ist ein lebendiger Stein. Er lebt, er ist auferstanden und er ist Person. Kirche ist also mehr als nur ein Gebäude aus totem Material. Es ist ein lebendiger Leib, in dem ein Herz schlägt, das Herz Jesu!
Hier deutet Petrus auch das häufig zu lesende Schriftwort vom Eckstein an, den die Bauleute verworfen haben. Dies ist uns in den letzten Wochen schon einmal begegnet. Im Folgenden faltet er dieses Schriftwort, das ursprünglich aus Psalm 118 kommt, weiter aus.
Es gibt bei einem Bau viele Steine, nicht nur den entscheidenden Eckstein. So sind alle Gläubigen lebendige Steine dieses Hauses, das die Kirche ist. Die Gläubigen sind nicht nur deshalb lebendige Steine, weil sie biologisch existieren und Personen sind. Es geht viel mehr um das ewige Leben, zu dem sie durch die Taufe neugeboren sind und somit die Ewigkeit der Kirche erklärt werden kann! Die Kirche ist ein geistiges Haus, keines aus echten Steinen. Sie ist ein Mysterium, das unter anderem eine sichtbare Seite hat – die Kirche, die wir hier auf Erden wahrnehmen, die aber nicht die ganze Kirche ist!
Petrus sagt uns hier auch ganz klar, dass der Bau dieses Hauses nicht durch die Steine selbst geschieht. Der Baumeister ist Gott selbst. Er macht die Kirche. Die Menschen können sich nicht selbst die Kirche schenken. Sie sind Teil von ihr, doch der Leib Christi ist gestiftet von Christus selbst, der ihr Fundament gegossen hat durch den Tod und die Auferstehung. So sollen die Getauften sich zu einem Haus und zu einer heiligen Priesterschaft aufbauen lassen. Hier müssen wir genau hinschauen, um ideologischen Einflüssen standzuhalten. Diese Bibelstelle wird nämlich gerne herangezogen, um eine sakramentale Priesterweihe durch die Taufe zu erklären. Diese wird im Neuen Testament aber wie gesagt mit dem Presbyterbegriff ausgedrückt. Hier steht im Griechischen aber: εἰς ἱεράτευμα ἅγιον eis hierateuma hagion. Hierateuma meint die priesterliche Würde, die jedem Getauften zusammen mit der königlichen Würde geschenkt wird. Diese Würde hat aber nichts mit der sakramentalen Weihe zu tun. Es sind zwei verschiedene Begriffe für zwei verschiedene Dinge, die sich aus zwei verschiedenen Sakramenten speisen. Im Deutschen gibt es nur leider ein einziges Wort, das für beides verwendet wird.
Als Getaufte sind wir alle befähigt, geistige Opfer darzubringen. Alles, was uns im Alltag widerfährt sowie die gläubige Teilnahme an der Eucharistie können solche geistigen Opfer sein. Es sind Ausdrücke unserer Gegenliebe und somit Liebesopfer.
Dann zitiert Petrus Jes 28,16: „Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde.“ Diese Verheißung, die in der Geschichte Israels typologische Vorläufer erfahren hat, ist mit Christus zur Vollendung gekommen. Er ist dieser Eckstein, der in Ehren gehalten zum entscheidenden Stein des Gebäudes wird, doch zum Verhängnis den Ungläubigen. Jesus stellt den Menschen immer vor die Entscheidung. Es gibt kein Dazwischen und keiner kann in einer Grauzone dahinwandeln. Sie ist eine Illusion, die einem ebenfalls zum Verhängnis wird. Christus wird wirklich in Ehren gehalten. Der Vater hat ihn über allen anderen erhöht. Doch auch über die Gemeindemitglieder sagt Petrus dies aus, die ja ebenfalls Steine sind durch die Taufe. Deshalb sagt er: „Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre. Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden,
zum Stein, an den man anstößt, und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt.“ Sie sind nicht nur nicht zugrunde gegangen, da sie gläubig die Taufe empfangen haben, sondern sie erfahren ebenfalls die Ehre Gottes. Sie sind ja zu einem heiligen Priestertum getauft worden. Gott hat sie bereits mit einer unvergleichlichen Würde ausgestattet, der sie durch einen rechten Lebenswandel nun gerecht werden müssen. Dies hat er in dem Kapitel zuvor schon beschrieben.
Er sagt am Ende von Vers 8 über die Ungläubigen, denen der Stein zum Verhängnis wird: „Doch dazu sind sie bestimmt.“ Wir müssen auch hier wieder genau lesen. Hier steht im Griechischen das Wort ἐτέθησαν etethesan. Die Grammatik des Wortes, was hier mit „bestimmt“ übersetzt wird, ist einerseits etwas Einmaliges, andererseits ein tatsächlich passives Wort. Wir müssen es also wirklich so übersetzen, wie es hier auch steht. Doch wer ist gemeint? Der Kontext zeigt, dass es ganz bestimmte Menschen sind, die den Eckstein nicht angenommen haben. Es sind jene, die Christus abgelehnt haben und ihn den Römern ausgeliefert haben. Und dazu sind sie bestimmt gewesen. Gottes Erlösungsplan stand schon vor aller Zeit fest und so war auch schon klar, dass der Messias abgelehnt werden würde durch jene, die ihn dann umbringen würden. In dieser Hinsicht waren sie dazu bestimmt. Ein nachdenkenswerter Aspekt, der uns Demut lehrt. Gott bleibt ein Geheimnis und ebenso die Gleichzeitigkeit von Heilsplan und freiem Willen des Menschen.
Warum die Menschen ebenfalls an der Ehre teilhaben, wird nun im letzten Vers noch einmal explizit erklärt: Die Getauften sind ein „auserwähltes Geschlecht“, ein γένος ἐκλεκτόν genos eklekton. Es meint kein irdisches Geschlecht im Sinne einer Volksgruppe oder Familienzugehörigkeit. Es ist nun geistig zu verstehen als Familie Gottes. Die Getauften sind die neue Schöpfung aus dem Heiligen Geist, deren Anfang Jesus und Maria markieren als das erste neue Menschenpaar. Das heißt nicht, dass sie auserwählt sind im Gegensatz zu den anderen. Es heißt, dass sie jene sind, die zu diesem auserwählten Geschlecht dazugehören wollten durch die Annahme des Glaubens und den Empfang der Taufe. Auserwählt sind sie durch den Ruf Gottes. Der springende Punkt ist nur: Gott ruft alle Menschen und deshalb hat Jesus seinen Jüngern vor dem Heimgang zum Vater aufgetragen, ALLEN Menschen das Evangelium zu verkünden und die Menschen zu taufen.
 Die Getauften sind „eine königliche Priesterschaft“, βασίλειον ἱεράτευμα basileion hierateuma. Auch hier kommt wieder das Wort hierateuma und nicht der presbyteros-Begriff. Man kann aus dem Petrusbrief kein allgemeines sakramentales Priestertum herauslesen, das alle Getauften zur Priesterweihe befähigt. Hier wird diese besondere Würde durch die Taufe thematisiert. Sie ist königlich und priesterlich, weshalb bis heute bei der Taufe das Chrisamöl verwendet wird.
Die Getauften sind „ein heiliger Stamm“, ἔθνος ἅγιον ethnos hagion. Der Stammbegriff wird mit dem typischen Begriff ausgedrückt, der für nichtjüdische Völker verwendet wird. Das macht Petrus vielleicht deshalb, weil er sich vor allem an heidenchristliche Diasporagemeinden wendet. Heilig ist dieser geistige Stamm durch die Heiligung, das heißt durch die Herauslösung aus dem Rest der Welt. Die Getauften sind anders, weil sie schon für die Ewigkeit leben. Ihr Lebensstil zeigt dieses Anderssein, das Petrus in seinem Brief oft mit dem Begriff des Fremden ausdrückt.
Die Getauften sind auch „ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde“, λαὸς εἰς περιποίησιν laos eis peripoiesin. Hier beruft sich Petrus auf Jes 43,21. Das Verb περιποιέω peripoieo ist wörtlich zu übersetzen mit „sich verschaffen, erwerben“. Gott hat es erworben durch das kostbare Blut Jesu Christi. Hier spielt Petrus mit alttestamentlichem Vokabular, denn laos ist der Terminus technicus für das Volk Israel. Dieser Begriff für das Volk Gottes wird nun auf die Kirche angewandt, die das Volk des Neuen Bundes ist. Die überwältigende Gnade, die Gott den Getauften geschenkt hat, soll Anlass sein, von seinen großen Taten zu verkünden. Die Erlösung Jesu Christi ist Grund für den missionarischen Kern der Kirche!
Petrus gebraucht für die Erlösung – wie sehr oft auch Johannes – das Bild des Kommens von der Finsternis ins Licht.
Die heutige zweite Lesung ist sehr dicht und theologisch auch sehr anspruchsvoll. Wenn wir sie richtig verstehen, geht uns aber sehr viel über unsere eigene Identität als Getaufte auf. Diese Würde widerspricht aber nicht der besonderen Berufung einzelner zu einer Weihe in den verschiedenen Graden. Die Diakone in der ersten Lesung haben diese Weihe empfangen. Beides ist getrennt zu betrachten und doch sagt uns die zweite Lesung aus dem Petrusbrief heute, dass wir uns nicht einfach auf die Geweihten verlassen sollen und selbst keine Berufung haben. Auch wir sind mit einer Würde ausgestattet und auch mit einer Berufung, nämlich Christi Heilstaten zu verkünden, die er an uns erwirkt hat.

Joh 14
1 Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!

2 Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?
3 Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.
4 Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr.
5 Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen?
6 Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.
7 Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.
8 Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.
9 Jesus sagte zu ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater?
10 Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke.
11 Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Werke!
12 Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere als diese vollbringen, denn ich gehe zum Vater.
13 Alles, um was ihr in meinem Namen bitten werdet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird.
14 Wenn ihr mich um etwas in meinem Namen bitten werdet, werde ich es tun.

Im Evangelium hören wir heute einen Abschnitt aus der ersten Abschiedsrede Jesu. Das Schriftwort ist sehr bekannt und stets sehr aktuell:
„Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ Jesus sagt dies zu seinen Aposteln im Abendmahlssaal, weil er die vielen Verwirrungen und Angriffe schon vorhersieht, mit denen der Zwölferkreis konfrontiert werden wird. Und dann sollen sie an dem festhalten, was Jesus sie gelehrt hat und was die Heiligen Schriften erfüllt hat. Er spricht dies über die Apostel hinaus auch zu uns. In Zeiten zunehmender Verwirrung sollen auch wir uns nicht ablenken lassen, sondern weiterhin unbeirrt am Glauben festhalten. Antichristliche Lehren werden immer salonfähiger und das besonders Heimtückische – unter dem katholischen Deckmantel wird sehr viel Häretisches verbreitet. Man kann sich auf das Deckblatt „katholisch“ längst nicht mehr verlassen, sondern muss alles auf die Goldwaage legen, wachsam sein, die Gabe der Unterscheidung der Geister haben. Und je tiefer die Wurzeln des Glaubens sind, desto schwieriger wird es für den Widersacher, uns von Gott zu entfernen. Dies ist nicht einfach nur die Aufgabe der Geweihten, die ein geistliches Leben führen. Dies ist die Aufgabe von uns allen, die wir getauft sind!
Jesus motiviert seine Apostel und darüber hinaus auch uns damit, dass er zum Vater vorausgeht. Wir werden ihm also folgen dürfen, wenn wir schon hier auf Erden seinen Spuren nachgegangen sind! Beim Vater bereitet er uns schon eine Wohnung. Damit ist ein Platz im Himmelreich gemeint. Und zu gegebener Zeit wird Christus wiederkommen, um die Apostel und alle Erben des Reiches zu sich zu holen. Das alles werden die Apostel noch nicht richtig verstanden haben. Erst mit seiner Auferstehung und Himmelfahrt, spätestens nach der Geistgabe, wird es ihnen aufgegangen sein. Christus ist heimgekehrt zum Vater ins Himmelreich, um am Ende der Tage wiederzukommen. Deshalb haben die ersten Christen bereits in einer Naherwartung gelebt.
Jesus sagt, dass sie den Weg kennen. Doch sie verstehen ihn nicht. Deshalb fragt Thomas nach: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen?“ Was meint Jesus damit? Zu jenem Zeitpunkt hat Jesus seinen Jüngern immer wieder Leidensankündigungen gemacht. Er hat ihnen gesagt, wie leidvoll er sterben, aber am dritten Tage auferstehen würde. Zudem ist all dies in den Heiligen Schriften angekündigt worden. Nicht nur die Apostel, sondern jeder fromme Jude müsste diesen Weg also kennen. Was ihn am Ende widerfahren würde, hat sich sein ganzes Leben hindurch schon gezeigt. Vom Moment seiner Geburt an war er von den Mächtigen dieser Welt unerwünscht und sein Leben wurde bedroht. Nicht nur das Ende, schon sein ganzes Leben zuvor ist ein einziger Sühneweg und Prozess der Erlösung. Er ist der leidende Gerechte aus den jesajanischen Gottesknechtsliedern sein ganzes Leben hindurch!
Doch die Apostel sind wie mit Blindheit geschlagen und so spricht Jesus das entscheidende Wort: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ Der Weg zum Vater ist die Person Jesu Christi mit seinem ganzen Leben, seinen Worten und Taten. Wenn wir ihn in unserem Leben nachahmen, gehen wir diesen Weg zum Vater. Es ist aber nicht nur eine ethische Frage, sondern eine Sache der gläubigen Annahme. Wenn wir Christus als den Messias gläubig annehmen und die Wahrheit, die er ist, erkannt haben, sind wir auch bereit, ihm auf unserem Lebensweg ganz zu gehorchen. Dann erwartet uns das Leben – das ewige Leben bei Gott!
Jesus ist nicht nur eine Option unter vielen auf dem Weg ins Himmelreich – er ist DER Weg. Es gibt keinen anderen. Nur durch die Christustür hindurch können wir in die Ewigkeit eingehen. Dies hat er schon bei seiner Rede über den guten Hirten verdeutlicht. Wenn wir in diesem Leben durch die sakramentale Christustür schreiten und so den Christusweg beginnen, dann sind wir schon eingesetzt als Kinder der Familie Gottes, von der Petrus so ausführlich geschrieben hat. Den Weg nun zu beschreiten ist zugleich eine Sendung. Sendung heißt zugleich Mission.
„Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.“ Jesus zu begegnen ist schon ein Laufen auf dem Weg zum Vater. Die Apostel haben so viele Jahre Zeit mit Jesus verbracht, sein Wesen ganz kennengelernt, seine Worte verinnerlicht und so viele Heilstaten bezeugt. In all diesen Aspekten haben sie den Vater kennengelernt! Er und der Sohn sind eins. Das ist der springende Punkt, den Jesus immer wieder herausstellt. Deshalb sagt Jesus auch, dass die Apostel den Vater „schon jetzt“ kennen. Sie sind jene Menschen, denen der Vater durch den Sohn am meisten offenbart worden ist und die sich mitten auf dem Weg befinden.
Doch die Apostel begreifen Jesu Worte noch nicht ganz und wie so oft entsteht ein Missverständnis. Philippus sagt nämlich: „Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.“ Er hat nicht verstanden, dass Jesus durch sein ganzes Sein den Vater kontinuierlich zeigt und mit ihm eins ist.
Wir müssen uns klar werden, wann das alles passiert: Sie befinden sich beim letzten Abendmahl, kurz vor dem Leiden, Tod und der Auferstehung Jesu Christi. Es ist also alles am Ende der langen dreijährigen Phase des Umherziehens mit Jesus. Bis dahin müssten die Apostel also schon sehr viel verstanden haben, denn Jesus hat ihnen so viel erklärt und auch wiederholt. Wenn jemand Jesus erkannt haben müsste, dann also die Apostel. Doch Philippus offenbart, dass er den Kern von allem nicht begriffen hat. Deshalb sagt Jesus die folgenden Worte: „Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater?“ Es gilt natürlich nicht nur Philippus, sondern auch den anderen Aposteln, die so ähnlich denken. Ebenfalls richtet Jesus diese Worte auch an uns, die wir schon so lange auf seinem Weg gehen und die Basics noch nicht einmal begriffen haben – wir als einzelne Christen sowie die ganze Kirche als Leib Christi. Mit einem Seitenblick auf die erste Lesung könnte man als wichtiges Beispiel das Dienen nennen statt das Herrschen…
Jesus erklärt geduldig noch einmal, wie sein Verhältnis zum Vater ist und konfrontiert Philippus mit der Frage des Glaubens: „Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist?“ Er sieht das Problem des Philippus also nicht auf der Ebene des Verstehens, sondern des gläubigen Annehmens. Jesu Erklärung zeigt uns, dass er nicht nur Philippus anspricht, sondern alle seine Apostel, wenn er sagt: „Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Werke!“ Die Art und Weise, wie Jesus die Apostel adressiert, ist vergleichbar mit der Rede vor den vielen Menschenmassen, die er wenigstens von seinen Werken zu überzeugen versuchte. Wir merken hier, dass die Apostel nicht irgendwie besser sind als der Rest der Menschen. Sie sind nicht aus solchem Grund zum Zwölferkreis auserwählt worden. Es hängt nicht mit einer gewissen Leistung zusammen, sondern mit der Gnade Gottes, die unverdientes Geschenk ist. So müssen wir auch verstehen, dass Geweihte unserer heutigen Zeit nicht automatisch bessere Menschen sind, nur weil sie Priester sind. Die Würde ist eine sehr hohe und deshalb müssen wir ihnen mit ganz großer Achtung begegnen. Doch ihre Priesterweihe ist kein Ergebnis einer vorausgegangenen Leistung. Sie ist die Weihe eines Menschen, der sein ganzes Leben Gott schenken möchte und dafür auf eine Familie verzichtet.
Jesus sagt weiter, dass wenn sie ihm Glauben schenken werden, in seinem Namen dieselben Heilstaten und darüber hinaus vollbringen. Zweiteres begründet er mit seinem Heimgang zum Vater. Wie müssen wir das verstehen? Warum werden die Apostel aufgrund der Himmelfahrt Jesu noch größere Zeichen wirken? Das hängt mit dem Pfingstereignis zusammen. An anderer Stelle erklärt Jesus, dass er gehen muss, damit der Vater den Geist senden kann, der der Beistand ist (Joh 16,7ff.). Wenn der Geist erst einmal auf die Apostel kommen wird, dann werden sie mit der Fülle der Gnade ausgestattet, wodurch sie erst so richtig reiche Frucht bringen werden.
Und dieser Geist wird sie befähigen, alles im Namen Jesu zu erbitten, der zur Rechten des Vaters sitzen wird.

Heute hören wir sehr viel von Würde, von Berufung, Taufe und Weihe. Diese Dinge sind wichtig und müssen gut auseinandergehalten werden. Besonders wichtig ist für uns heute der Gedanke, dass wir als Getaufte eine so große Würde erhalten haben, die uns keiner nehmen kann. Zudem lernen wir heute vor allem, dass wir uns als Getaufte nicht einfach zurücklehnen und ausruhen können, weil wir ja nicht Priester sind. Nein, auch wir haben eine Berufung und dieser müssen wir gerecht werden, so gut wir können. Denn wenn wir am Ende unseres Lebens vor Gott stehen, wird er uns fragen, was wir aus der großen Verantwortung gemacht haben.

Ihre Magstrauss

Montag der 4. Osterwoche

Apg 11,1-18; Ps 42; 2-3; Ps 43,3.4; Joh 10,1-10

Apg 11
1 Die Apostel und die Brüder in Judäa hörten, dass auch die Heiden das Wort Gottes angenommen hatten.

2 Als nun Petrus nach Jerusalem hinaufkam, hielten ihm die gläubig gewordenen Juden vor:
3 Du bist bei Unbeschnittenen eingekehrt und hast mit ihnen gegessen.
4 Da begann Petrus, ihnen der Reihe nach zu berichten:
5 Ich war in der Stadt Joppe und betete; da hatte ich in einer Verzückung eine Vision: Eine Art Gefäß, das aussah wie ein großes Leinentuch, das, an den vier Ecken gehalten, auf die Erde heruntergelassen wurde, senkte sich aus dem Himmel und es kam bis zu mir herab.
6 Als ich genauer hinschaute, sah und betrachtete ich darin die Vierfüßler der Erde, die wilden Tiere, die Kriechtiere und die Vögel des Himmels.
7 Ich hörte auch eine Stimme, die zu mir sagte: Steh auf, Petrus, schlachte und iss!
8 Ich antwortete: Niemals, Herr! Noch nie ist etwas Unheiliges oder Unreines in meinen Mund gekommen.
9 Doch zum zweiten Mal kam eine Stimme vom Himmel; sie sagte: Was Gott für rein erklärt hat, nenne du nicht unrein!
10 Das geschah dreimal, dann wurde alles wieder in den Himmel hinaufgezogen.
11 Und siehe, gleich darauf standen drei Männer vor dem Haus, in dem wir wohnten; sie waren aus Cäsarea zu mir geschickt worden.
12 Der Geist aber sagte mir, ich solle ohne Bedenken mit ihnen gehen. Auch diese sechs Brüder zogen mit mir und wir kamen in das Haus jenes Mannes.
13 Er erzählte uns, wie er in seinem Haus den Engel stehen sah, der zu ihm sagte: Schick jemanden nach Joppe und lass Simon, der Petrus genannt wird, holen!
14 Er wird dir Worte sagen, durch die du mit deinem ganzen Haus gerettet werden wirst.
15 Als ich zu reden begann, kam der Heilige Geist auf sie herab, wie am Anfang auf uns.
16 Da erinnerte ich mich an das Wort des Herrn: Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet mit dem Heiligen Geist getauft werden.
17 Wenn nun Gott ihnen die gleiche Gabe verliehen hat wie uns, als wir zum Glauben an Jesus Christus, den Herrn, gekommen sind: Wer bin ich, dass ich Gott hindern könnte?
18 Als sie das hörten, beruhigten sie sich, priesen Gott und sagten: Gott hat also auch den Heiden die Umkehr zum Leben geschenkt.

Was wir heute hören, ist die Nachgeschichte eines zweiten Pfingstereignisses. Petrus war nach Cäsarea gerufen worden zu einem Gottesfürchtigen namens Kornelius. Gott hat ihn auf diese Begegnung vorbereitet, indem er ihm eine Vision geschenkt hat. Über diese berichtet Petrus den Juden in Jerusalem auch. Wir müssen bedenken, dass Jesus seinen Aposteln bereits klar und deutlich erklärt hat, dass die Erlösung universal ist und der neue Bund mit allen Menschen geschlossen wird. Doch so richtig scheint es ihnen erst jetzt klar zu werden, dass ihre jüdische Sichtweise vor allem bezüglich der kultischen Reinheitsgebote damit ein Ende findet.
Und so wie Petrus sich überwinden und sich von Gott eines Besseren belehren lassen musste, so betrifft es heute die Juden in Jerusalem. Als Petrus zu ihnen zurückkehrt, ist ihre erste Reaktion der Vorwurf, in das Haus von Unbeschnittenen eingekehrt zu sein und mit ihnen gegessen zu haben. Das widerspricht den jüdischen Regeln und da merken wir, dass sie trotz Erklärungen Jesu diesen noch ganz verhaftet sind.
Gott möchte sie auf das Heidenchristentum vorbereiten und so erzählt Petrus der Reihe nach von der Vision mit den unreinen Tieren, die Petrus essen soll, von den Worten Gottes, dass er entscheide, was rein sei, von der gleichzeitigen Eingebung des Kornelius in Cäsarea, der Petrus holen ließ, von Petrus‘ Predigt in dessen Haus, durch die der Heilige Geist auf die Anwesenden herabkam und sie in Sprachen sprechen ließ wie im Pfingsttag in Jerusalem.
Petrus schließt aus diesen Ereignissen, dass sie als Juden, die genau wissen, wo es langgeht, Gott wirken lassen müssen, der es besser weiß. Und wenn Gott nun auch die Heiden auf dieselbe Weise erfüllt und zur Taufe führen möchte, dann ist er der letzte, der das verhindern darf. Er beginnt zu begreifen, dass Jesus es absolut wörtlich meinte, als er sagte, dass er den Neue Bund für alle Menschen, also auch für Heiden schließen werde.
Nachdem die Jerusalemer das alles gehört haben, beruhigen sie sich. Sie lassen sich belehren und reagieren nicht stur wie die Hohepriester und Schriftgelehrten bei den Konflikten mit Jesus. Sie verstehen anhand der wunderbaren Zeichen Gottes, dass dieser es so will. Sie verstehen, dass etwas Neues passiert und über den jüdischen Tellerrand hinausgeht.
Schon der Äthiopier ist als Heide zum Glauben an Christus gekommen, ebenso die Samaritaner, die ja nicht als vollwertige Juden galten. Die Tendenz zum Heidenchristentum wächst.
Petrus steht bei all dem zwischen den Welten. Gott hat ihn zum Werkzeug der Einheit gemacht. Er ist es, der Judenchristen und Heidenchristen zusammenhält, der vermittelt und zusammenschweißt. Er ist wirklich ein Hirte, der die ganze Kirche stützt wie ein Fels. Jesus hat ihn ausersehen und durch den Hl. Geist wächst Petrus immer mehr über sich hinaus. Er erhält viele übernatürliche Gaben, um dieser großen Aufgabe gerecht zu werden. Es klappt nicht immer so, wie es soll, aber Gott schreibt auch in seinem Fall auf krummen Seiten gerade.

Ps 42/43
2 Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, nach dir, Gott.

3 Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann darf ich kommen und erscheinen vor Gottes Angesicht?
3 Sende dein Licht und deine Wahrheit; sie sollen mich leiten; sie sollen mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deinen Wohnungen.

4 So will ich kommen zu Gottes Altar, zum Gott meiner Freude und meines Jubels. Ich will dir danken zur Leier, Gott, du mein Gott.

Der Psalm reflektiert das lebendige Wasser des Hl. Geistes, der die Liebesglut Gottes ist. Er ist es, den unsere Seele so sehnlichst erwartet und der sie tränkt. Wie ein Hirsch nach frischem Wasser lechzt, so dürstet die Seele des Menschen nach Gott. Wir sind Abbild Gottes und sehnen uns immer nach unserem Schöpfer. Wir sind dazu geschaffen, ganz mit ihm in einer Liebesgemeinschaft zu sein. Und deshalb sucht der Mensch Gott immer bewusst oder unbewusst in seinem Leben. Und auch Gott wirbt lebenslänglich nach dem Menschen, er ruft und er zieht ihn. Es ist eine Grundaussage, die in der Apostelgeschichte konkret erfahren worden ist. Die Heiden in Cäsarea haben voller Durst nach diesem Wasser Petrus in ihr Haus aufgenommen. Sie haben voller Sehnsucht seine Worte aufgesogen wie einen Schwamm. Sie haben die Tore ihres Herzens ganz weit aufgerissen und so ist der Geist Gottes bereitwillig hineingezogen.
„Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“ Das ist eine absolute Entsprechung zum lebendigen Wasser, das wir trinken sollen. „Wann darf ich kommen und erscheinen vor Gottes Angesicht?“ – das ist besonders schmerzhaft zu beten bzw. sehr aktuell, da wir zwar in die Kirchen hineindürfen, es auch schon erste Lockerungen gibt, aber unter strengen Auflagen. Gottes Angesicht schauen zu dürfen, ist eine Sehnsucht, die der Mensch immer hat, auch wenn er es nicht merkt. Es kann moralisch auf den Stand der Gnade bezogen werden. Vor einigen Tagen beteten wir in einem anderen Psalm, dass Gott die Wege des Gerechten sieht. Das ist bildhaft gemeint und auch hier ist es dieses Gesehenwerden von Gott. Auf vollkommene und erfüllte Weise wird dies aber sein, wenn wir sterben und dann vor ihm stehen. Dann sieht nicht nur er uns, sondern auch wir ihn, wie er ist.
„Sende dein Licht und deine Wahrheit; sie sollen mich leiten“ – das Licht und die Wahrheit ist Jesus Christus. Dieser Vers ist absolut messianisch. Gott ist selbst zu uns gekommen, um uns zu leiten auf dem Weg, den er für uns bereitet hat. Er hat vorgelebt, wie wir die Gebote Gottes richtig umsetzen sollen, damit wir die Chance auf den heiligen Berg haben, das Himmelreich. Auch das Bild der Wohnungen ist darauf zu beziehen. Jesus sagt in seiner Abschiedsrede in Joh 14,1-2: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?“ Dieses Licht und diese Wahrheit leiten nun durch den Mund des Petrus auch die Heiden, die der Vater in gleichem Maße an sich zieht wie die Juden.
Was der Herr für uns getan hat bis hin zum Kreuz, ist ein lebenslanges Lob wert. Und so ist es elementar für uns Christen, zum Altar zu kommen, um dem Herrn zu danken – die Eucharistie, „Danksagung“ ist deshalb der Herzschlag der Kirche. Wenn sie ausbleibt, bleibt das Herz stehen und die Kirche stirbt. So lange sie aber gefeiert wird, werden die Mächte der Finsternis sie nicht überwältigen. Auch durch unseren Lebenswandel sollen wir immerzu dankbar sein. Gott schenkt uns so viel Gutes, doch oft sind wir versucht, nur den Mangel zu sehen, den wir dabei so oft selbst verschulden. Er lässt uns nicht im Stich und lässt uns auch nicht verdursten. Haben wir Vertrauen!

Joh 10
1 Amen, amen, ich sage euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber.
2 Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe.
3 Ihm öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.
4 Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme.
5 Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen.
6 Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte.
7 Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen.
8 Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört.
9 Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.
10 Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

Heute hören wir noch einmal das Evangelium vom guten Hirten. Diese Wiederholung kommt durch die Überschneidung der zwei verschiedenen Leseordnungen zustande (es gibt die Leseordnung der Sonn- und Feiertage sowie die Ordnung der Werktage). Deshalb kommen heute noch einmal dieselben Ausführungen, jedoch mit einem Seitenblick auf die bisherigen Texte des Tages.
Wer nicht geregelt durch die Tür geht, ist ein Dieb. Er hat nicht vor, den Schafen im Stall etwas zu essen oder zu trinken zu geben, sondern sie zu rauben und ihnen zu schaden.
Der Hirte kommt dagegen durch die Tür in den Stall. Er wird vom Türhüter hereingelassen und an seiner Stimme erkennen die Tiere, dass er es ist. Er weiß genau, wie jedes einzelne Schaf heißt und er führt sie auf die Weide hinaus. Er lässt sie dort aber nicht alleine, sondern geht ihnen voran. Die Stimme des Hirten ist entscheidend. Wenn ein Fremder versucht, die Herde irgendwohin zu treiben, wird es nicht funktionieren. Die Schafe hören gar nicht auf die fremde Stimme.
Jesus greift ganz bewusst so ein Bildfeld auf. Es ist sehr lebensnah für die Menschen, die dort anwesend sind und seiner Rede lauschen. Sie sind vertraut mit dem innigen Verhältnis von Hirt und Herde. Das Hirtenbild im Anschluss an Ps 42/43 verbindet sich heute nicht mit den grünen Auen wie gestern aufgrund von Ps 23, sondern wegen des lebendigen Wassers, das der gute Hirte den Menschen zu trinken gibt. Heute sind es die Schäfchen des Heidentums, die durch die Person des Petrus eigentlich von Christus selbst getränkt werden und in ihrem Durst große Schlücke davon nehmen.
Jesus erklärt dies, weil er der rechtmäßige Hirte ist, gesandt vom Vater. Er ist durch die Tür hineingekommen in den Stall. Es ist ein Bild für seine Menschwerdung: Durch die Tür der Geburt ist er in die Welt hineingeboren. Die Menschen, die die Schafe sind, kennen ihn. So viele Schriftstellen der jüdischen Bibel haben ihn vorausgesagt und angekündigt, was sich nun Schritt für Schritt mit seinem ganzen Dasein erfüllt – bis hin zu seinem Tod und seiner Auferstehung.
Es ist auch eucharistisch zu lesen, denn Jesus kommt als guter Hirte in jeder Heiligen Messe bei der Wandlung von Brot und Wein zu Leib und Blut durch die Tür der Ewigkeit in unsere Zeit. Wir erkennen ihn an seiner Stimme, die durch die Worte des Priesters am Altar erklingt: „Nehmet und esset, das ist mein Leib. Nehmet und trinket, das ist mein Blut.“
Jesus wird auch am Ende der Zeiten durch das Tor der Ewigkeit zurückkommen in unsere Welt, um das jüngste Gericht einzuberufen und seine Schafe auf die ewige Weide zu führen, die das Himmelreich ist.
Von sich grenzt er die Räuber ab, die den Schafen Böses wollen. Sie steigen woanders ein, das heißt sie haben nicht die göttliche Beauftragung und Sendung wie er. Sie sprechen nicht im Namen Gottes und haben auch eine ihm widerstrebende Botschaft. Der Räuber will die Schafe rauben und ihnen schaden. Die Schafe hören aber auch nicht auf den Fremden. Sie merken, dass da etwas nicht stimmt. So ist es mit jenen Gläubigen, die das Wort Gottes kennen und das Evangelium Jesu Christi in ihre Herzen eingeschrieben haben. Wenn sie ganz vertraut sind mit Gottes Lehre, wird ihnen auffallen, wenn jemand etwas anderes sagt. Die Alarmglocken werden angehen und sie werden auf diese falschen Messiasse nicht hören.
Die Anwesenden verstehen die Worte Jesu nicht. Er setzt dagegen wieder zum Sprechen an und bringt ein etwas abgewandeltes Wort: Er geht nicht nur durch die Tür, sondern er ist die Tür.
Wer durch ihn hindurchgeht, wird gerettet werden.
Seine Selbstoffenbarung lehrt uns zweierlei: Erstens ist er die Tür zu den Schafen. Wer also mit pastoralen Aufgaben betraut wird, muss ganz und gar von Christus und seinem Evangelium durchdrungen sein. Erst wenn er durch diese Christustür gegangen ist, kann er ein guter Hirte für jene sein, die er als Hirten-Nachfolger Christi hüten möchte. Er muss Christus ganz nachfolgen, indem er denselben Weg wählt wie Christus – durch die Tür, nicht durchs Fenster. Petrus ist selbst ganz erfüllt vom Heiligen Geist, der die Heiden in Cäsarea ganz durchdringt. Bevor es dieses heidnische Pfingsten geben konnte, mussten die Apostel selbst zu den Empfängern des pfingstlichen Geistes werden, der in ihnen das Feuer der Liebe entzündet und sie ganz durchtränkt mit dem lebendigen Wasser. So ist Petrus zu einem ganz gut ausgestatteten und auch von Gott selbst ausgesandten Hirten geworden, der nun die Herde vergrößert!
Das Zweite, das Jesu Gleichnis uns lehrt: Nur durch Christus hindurch können wir das ewige Leben haben. Wenn wird an ihn glauben und uns auf seinen Namen taufen lassen, nehmen wir die Erlösung an, die unser Exil vom Paradies bricht. Diese Tür der Taufe ist heilsnotwendig. Jesus sagt dann später: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wir können das ewige Leben nur durch die Christustür hindurch erhalten. Das Himmelreich ist hinter dieser Tür. Wir müssen aber nicht bis zum Lebensende warten, um durch sie hindurchzugehen. Wenn wir die Sakramente und Sakramentalien empfangen, gehen wir jedes Mal durch diese Tür. Das endgültige Hindurchschreiten wird uns schließlich am Ende der Zeiten erwarten, wenn der verherrlichte Menschensohn als Weltenrichter zurückkehren wird.
Weil die Taufe so heilsnotwendig ist und weil Jesus seinen Jüngern aufgetragen hat, alle Menschen zu taufen und sie zu seinen Jüngern zu machen, ist es Petrus‘ heilige Pflicht als Gesandter, in das Haus des Kornelius einzukehren und dort das Wort Gottes zu verkünden.

Was wir gestern und heute gehört haben, ist ganz entscheidend und aktuell auch für die heutige Zeit. Wenn wir wahrnehmen, dass immer weniger Menschen zur Heiligen Messe kommen, immer mehr Menschen aus der Kirche austreten, immer weniger überhaupt noch die Lehre der Kirche kennen und immer weniger Menschen daran glauben, dann hat Jesus mit dem heutigen Evangelium eine offensichtliche Antwort darauf: Wo sind die Hirten, die selbst ganz durchdrungen sind vom Heiligen Geist, die durch die Christustür gegangen und ein ganz persönliches Pfingsten erlebt haben? Wo sind die guten Hirten, die ihr Leben für die Schafe hingeben? Die Schafe sind zunehmend wie eine Herde ohne Orientierung, die nicht mehr richtig angeleitet wird. Und hier kommt die entscheidende Sache: Die Sehnsucht ist da. Sie ist kein bisschen erloschen, denn als Abbild Gottes sehnt sich der Mensch immer nach Gott. Der Durst des Menschen ist heute mindestens genauso groß wie damals. Doch wer geht hin und löscht diesen Durst mit dem lebendigen Wasser? Die Welt ist eine Wüste und umso voller sind die wenigen Oasen unserer Zeit. Wo es noch solche Hirten wie Jesus und in seiner Nachfolge Petrus gibt, da platzt der Ort aus allen Nähten. Die Menschen verstehen, dass sie hier endlich getränkt werden. Und eben jene guten Hirten werden eifersüchtig und missgünstig verfolgt von jenen, die keine guten Hirten sind. Das betrifft nicht nur die katholischen Gemeinden. Wir hören momentan die Schlagzeilen eines evangelischen Pastors, gegen den sogar Anzeige erstattet wird (ich denke, Sie wissen, wen ich meine….).

Beten wir dafür, dass der Heilige Geist das Antlitz der Erde neu mache und die Kirche erneuere. Beten wir um gute Hirten und um die Bekehrung der schlechten. Wie sehr wünsche ich ihnen von Herzen, dass auch sie ein ganz persönliches Pfingsten erleben und dadurch zu brennenden Glaubenszeugen werden! Beten, fasten und leiden wir für den Klerus, denn dieser trägt vor Gott eine ganz besondere Verantwortung!

Ihre Magstrauss

4. Sonntag der Osterzeit

Apg 2,14a.36-41; Ps 23,1-3.4.5.6; 1 Petr 2,20b-25; Joh 10,1-10

Heute geht es in den Sonntagslesungen um den guten Hirten. Zugleich feiern wir an diesem Ostersonntag jedes Jahr den Weltgebetstag um geistliche Berufungen. Er wird ganz bewusst immer am 4. Ostersonntag begangen, weil auch die Nachfolge Christi „hirtlich“, das heißt lateinisch „pastoral“ sein muss.

Apg 2
14 Da trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden:
36 Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Christus gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.
37 Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?
38 Petrus antwortete ihnen: Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung eurer Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.
39 Denn euch und euren Kindern gilt die Verheißung und all denen in der Ferne, die der Herr, unser Gott, herbeirufen wird.
40 Mit noch vielen anderen Worten beschwor und ermahnte er sie: Lasst euch retten aus diesem verdorbenen Geschlecht!
41 Die nun, die sein Wort annahmen, ließen sich taufen. An diesem Tag wurden ihrer Gemeinschaft etwa dreitausend Menschen hinzugefügt.

Heute am vierten Sonntag der Osterzeit hören wir erneut einen Ausschnitt aus der brennenden Pfingstrede des Petrus und die Reaktion der Anwesenden darauf.
Heute beendet er seine Rede, indem er erklärt:
„Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Christus gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.“ Ich habe schon öfter erklärt, was Petrus damit meint, wenn er die Zuhörer als Henker Jesu bezeichnet. Sie haben sich durch ihr „Kreuzige ihn“, durch das Manipuliertwerden und das Mitläufertum, durch die Verspottung des Ohnmächtigen am Kreuz mitschuldig gemacht.
Es geht ihm nicht darum, jemanden dadurch fertig zu machen. Er tut es vielmehr, damit die Menschen erkennen, wo sie gefehlt haben, und dadurch umkehren.
Und was er sagt, trifft sie mitten ins Herz. Sie erkennen vor dem Hintergrund der Heiligen Schrift, dass Jesus der angekündigte Messias ist. Sie realisieren, dass sie nicht mehr so leben können wie zuvor. Und deshalb fragen sie Petrus und die anderen Apostel:
„Was sollen wir tun, Brüder?“
Die Antwort ist klar: „Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung eurer Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“
Mit „Umkehr“ ist die gläubige Hinkehr zu Jesus Christus gemeint. Als äußeres Zeichen dieses Gekommenseins zum Glauben an ihn sollen sie sich taufen lassen. Jesus hat seinen Aposteln vor seiner Heimkehr zum Vater aufgetragen, alle Menschen zu seinen Jüngern zu machen und diese zu taufen. Petrus setzt also mit seiner Antwort gehorsam das um, was Jesus ihnen vorgegeben hat.
Die Taufe ist kein Zeichen der vorbereitenden Buße mehr wie bei Johannes dem Täufer. Es ist eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wer getauft wird, wird reingewaschen von seinen Sünden! Warum? Weil der Mensch auf den Tod Jesu Christi getauft wird und durch seinen Kreuzestod ist ja die Sühne für die Sünden aller Menschen erwirkt worden!
In diesem versöhnten Zustand sind sie dann empfängnisbereit für den Heiligen Geist, der ihnen in dem Sakrament geschenkt wird (man muss dazu sagen, dass Taufe und Firmung zunächst eins waren, aber natürlich wird der Hl. Geist einem schon allein bei der Taufe gespendet!). Dieser erwirkt die geistliche Wiedergeburt, denn die Getauften werden zum ewigen Leben bei Gott neugeboren.
Alle Menschen sind dazu berufen, dieses Heil zu empfangen, denn Jesus ist für sie alle gestorben.
So ermutigt Petrus die Zuhörerschaft, diesen Schritt zu unternehmen, unter anderem mit den Worten „Lasst euch retten aus diesem verdorbenen Geschlecht.“ Er meint damit die Menschheit der alten, gefallenen Natur. Diese hat nun die Chance, von diesem Zustand des ewigen Todes in das ewige Leben hinüberzugehen. Die Schwelle ist Jesus Christus, der Auferstandene von den Toten.
Petrus‘ Worte sind überzeugend. Dreitausend Menschen lassen sich an diesem einen Tag taufen! Der Geist Gottes hat am Pfingsttag vielen Menschen die Augen geöffnet!

Ps 23
1 Ein Psalm Davids. Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen.
2 Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
3 Meine Lebenskraft bringt er zurück. Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, getreu seinem Namen.
4 Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab, sie trösten mich.
5 Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, übervoll ist mein Becher.
6 Ja, Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang und heimkehren werde ich ins Haus des HERRN für lange Zeiten.

Heute beten wir den berühmten Psalm 23. Er passt perfekt zur Lesung, weil in diesem Vertrauenspsalm Gott als Hirte beschrieben wird. Immer wieder hören wir im AT davon, dass Gott sich als König für seine auserwählte Herde, sein Volk Israel, einen Hirten ausgesucht hat. Der König über die zwölf Stämme soll Gottes Stellvertreter in Israel sein. Er soll mit derselben Mentalität herrschen wie Gott es tut, nämlich als sorgender Diener aller. Das verkörpert auch der leidende Gottesknecht im Buch Jesaja, den die Kirche von Anfang an mit Jesus Christus identifiziert hat. Und auch Jesus selbst sagt im Johannesevangelium: „Ich bin der gute Hirte.“ Und zugleich mahnt er an: „Wer von euch der Erste sein will, soll der Diener aller sein.“ David hat diesen Psalm selbst gedichtet und man spürt, dass er diese Haltung selbst ganz gelebt hat. Gottes wunderbare Vorsehung hat alles so gefügt, dass er tatsächlich einen Hirten zum König erwählt hat.
Gott ist unser Hirte, der uns alles gibt, was wir brauchen. Es mangelt uns an nichts, wenn wir zuerst sein Reich suchen. Das sagt Jesus später nicht umsonst. Es ist vor dem Hintergrund des Psalms absolut nachvollziehbar. Gott lässt uns, seine Schafe, auf grünen Auen lagern. Er führt uns nicht ins Verderben, sondern nährt uns immer ausreichend, damit wir auf dem Weg durchs Leben hin zu ihm nicht zugrunde gehen. Auch wenn es zeitweise Wüstenlandschaften sind und nicht die grünen Auen, ist es für uns heilsam, damit wir die Auen wieder mehr zu schätzen lernen, in unserem Glauben gestärkt und in unserer Wachsamkeit geschärft werden. Konkret heißt das, dass Gott uns mit allen irdischen Gaben (Finanzen, Gesundheit, Nahrung und sauberes Trinkwasser, Frieden, Erfolg etc.), aber auch mit allen überirdischen Gaben ausstattet, die wir durch die Heilsmittel der Kirche erhalten. Dazu gehören die Sakramente, allen voran die Eucharistie, und die Sakramentalien, durch die er uns den Hl. Geist senden möchte. Nicht umsonst betet David zuerst „er lässt mich lagern auf grünen Auen“ und dann „und führt mich zum Ruheplatz am Wasser“. Es sind einerseits zwei Bilder für das Essen und Trinken des Menschen, andererseits die Bilder für die wichtigsten überirdischen Güter – die Eucharistie und der Hl. Geist, das lebendige Wasser.
Gott bringt die Lebenskraft zurück. Das hebräische Stichwort ist an dieser Stelle wie so oft nefesch. Gott bringt das ganze Leben zurück. Wir dürfen es sowohl moralisch als auch anagogisch verstehen, das heißt einerseits die Rückführung in den Stand der Gnade und zugleich die Rettung des ewigen Lebens. Vor allem die moralische Ebene wird uns klar, wenn wir danach lesen: „Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit.“
Selbst der Psalm 23 greift die Situation auf, dass es nicht immer die ruhigen grünen Auen sind, auf denen die Herde sich bewegt, sondern auch mal das finstere Tal. So ist das Leben. Es gibt nicht nur schöne Tage, sondern auch die Krisen und dunklen Stunden. Doch selbst da begleitet Gott einen hindurch und hinaus. David selbst hat dunkle Stunden gehabt, doch gerade in diesen hat er sich umso mehr an Gott geklammert. Er wusste, wie entscheidend sich die Qualität eines Hirten in finsteren Tälern herausstellte. Er wusste auch, wie sicher sich ein Schaf bei einem guten Hirten fühlen konnte. Er ist in dieser Hinsicht nicht nur der Typos des guten Hirten Christus, sondern auch des Lammes Gottes, das sich ganz und gar in die Hände Gottes übergab und selbst am Kreuz noch betete: „Vater, in deine Hände lege ich mein Leben.“ Von David können wir das absolute Gottvertrauen lernen und mit ihm zusammen beten: „Dein Stock und dein Stab trösten mich.“
Gott beschenkt uns, seine Kinder. Er hat nur Gutes für uns bereit. All der Segen Gottes wird hier mit verschiedenen Bildern umschrieben wie dem Decken des Tisches, dem Salben des Hauptes und dem übervollen Becher. All dies können wir zusammenfassen mit den darauffolgenden Worten: „Ja, Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang.“
Ins Haus des Herrn heimzukehren, bedeutet in diesem Kontext wörtlich den Tempel Gottes, der zu Davids Zeiten noch in Form des Offenbarungszeltes bestand. Wir lesen dies allegorisch weiter als das Reich Gottes und die Kirche. Moralisch verstehen wir damit unsere eigene Seele, die der Tempel Gottes ist und von wo aus die Entscheidungen zu einem Verhalten nach seinen Geboten getroffen werden. Schließlich kehren wir am Ende unseres Lebens heim in das Haus Gottes, den Himmel.

1 Petr 2
20 Wenn ihr aber recht handelt und trotzdem Leiden erduldet, das ist eine Gnade in den Augen Gottes.
21 Dazu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt.
22 Er hat keine Sünde begangen und in seinem Mund war keine Falschheit.
23 Als er geschmäht wurde, schmähte er nicht; als er litt, drohte er nicht, sondern überließ seine Sache dem gerechten Richter.
24 Er hat unsere Sünden mit seinem eigenen Leib auf das Holz des Kreuzes getragen, damit wir tot sind für die Sünden und leben für die Gerechtigkeit. Durch seine Wunden seid ihr geheilt.
25 Denn ihr hattet euch verirrt wie Schafe, jetzt aber habt ihr euch hingewandt zum Hirten und Hüter eurer Seelen.

Das Hirtenthema des heutigen Sonntags begleitet uns auch durch die zweite Lesung. Bei diesem Abschnitt handelt es sich um einen hymnenartigen Bekenntnistext, der gerne als Christuslied bezeichnet wird.
Petrus sagt, dass ein Leiden, das man unverdient erleiden muss (was man also nicht aus Konsequenz eigener Sünde, sondern vielmehr aufgrund des Glaubens an Christus erleidet), sehr viel Gnade bringt. Wir Getauften sind dazu berufen, Christus nachzufolgen, gleichsam seinen Spuren nachzugehen und diese führen unweigerlich nach Golgota. Christus hat für uns gelitten, damit wir überhaupt die Kraft haben, unser Kreuz durch den Tod hindurch zu tragen und in die Ewigkeit zu gelangen.
Jesus selbst ist gerecht und musste dennoch sehr schlimm leiden. Er ist ohne Sünde und doch wurde er geschmäht. Jesus wurde physisch, psychisch und seelisch sehr gequält. Er hat seinen Verfolgern aber in keinem Augenblick seines Lebens etwas Böses gewünscht, sondern noch am Kreuz für sie gebetet (Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun). Er hat alles dem Richter überlassen und noch um ein mildes Urteil gebeten.
Er hat Übermenschliches getan, als er die Sünden der gesamten Menschheit bis ans Kreuz mitgenommen hat für unser ewiges Leben. Er hat alle nur erdenklichen Wunden erlitten, damit unsere Wunden geheilt werden mögen. Dank ihm konnten wir getauft werden und somit der Sünde und dem ewigen Tod sterben. Wir leben nun für ihn, der das ewige Leben ist.
Die Menschen sind wirklich wie eine zerstreute Schafsherde gewesen, die keinen Hirten hatte. Doch Christus ist der gute Hirte, der unsere Seelen hütet wie einen Augapfel. Er hat erwirkt, dass unsere Seelen nicht sterben (Hölle), sondern ewig bei Gott sein werden (Himmel). Darin ist er uns gegenüber wie ein Hirte. Er ist Hüter unserer Seelen und darin sollen es die Nachfolger seiner Apostel gleich tun. Denn das griechische Wort für „Hüter“ ist ἐπίσκοπος episkopos. Es ist dasselbe Wort für „Bischof.“ Sie sind es, die Jesus nachahmen sollen in seinem Hirtencharakter. Sie sollen keine Tyrannen sein, die ihre Schäfchen unterdrücken, sondern sie sollen ihr Leben für die Schafe hingeben. Sie sollen so sein wie Gott, der wunderbare Hirte aus Psalm 23.

Joh 10
1 Amen, amen, ich sage euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber.
2 Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe.
3 Ihm öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.
4 Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme.
5 Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen.
6 Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte.
7 Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen.
8 Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört.
9 Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.
10 Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

Und Jesus selbst offenbart sich als Hirte heute im Evangelium. Seine Rede heute ist voll von dem Bildfeld „Hirte, Stall, Herde“.
Wer nicht geregelt durch die Tür geht, ist ein Dieb. Er hat nicht vor, den Schafen im Stall etwas zu essen oder zu trinken zu geben, sondern sie zu rauben und ihnen zu schaden.
Der Hirte kommt dagegen durch die Tür in den Stall. Er wird vom Türhüter hereingelassen und an seiner Stimme erkennen die Tiere, dass er es ist. Er weiß genau, wie jedes einzelne Schaf heißt und er führt sie auf die Weide hinaus. Er lässt sie dort aber nicht alleine, sondern geht ihnen voran. Die Stimme des Hirten ist entscheidend. Wenn ein Fremder versucht, die Herde irgendwohin zu treiben, wird es nicht funktionieren. Die Schafe hören gar nicht auf die fremde Stimme.
Jesus greift ganz bewusst so ein Bildfeld auf. Es ist sehr lebensnah für die Menschen, die dort anwesend sind und seiner Rede lauschen. Sie sind vertraut mit dem innigen Verhältnis von Hirt und Herde.
Jesus spricht diese Worte im Anschluss an die Auseinandersetzungen mit den Juden von Jerusalem, die den geheilten Blindgeborenen aus der Synagoge hinausgestoßen haben. Sie wollen Jesu Worte nicht annehmen.
Sie haben ganz und gar nicht als gute Hirten gehandelt, sondern den armen Mann ausgeschlossen. Sie haben kein inniges Verhältnis zu ihren anvertrauten Gläubigen. Leider verstehen sie überhaupt gar nicht, was in dieser Situation richtig wäre, halten sich aber für wissend.
Jesus bringt dieses Bild nun an, um zu zeigen, wie sein inniges Verhältnis zu seinen Gläubigen ist. Der ausgestoßene Geheilte schließt sich Jesus an. Er wird zu einem Schaf in Jesu Stall. Jesu Schafe hören auf seine Stimme. Er ist der rechtmäßige Hirte, weil er vom Vater selbst gesandt worden ist. Er ist durch die Tür hineingekommen in den Stall. Es ist ein Bild für seine Menschwerdung: Durch die Tür der Geburt ist er in die Welt hineingeboren. Die Menschen, die die Schafe sind, kennen ihn. So viele Schriftstellen der jüdischen Bibel haben ihn vorausgesagt und angekündigt, was sich nun Schritt für Schritt mit seinem ganzen Dasein erfüllt – bis hin zu seinem Tod und seiner Auferstehung.
Es ist auch eucharistisch zu lesen, denn Jesus kommt als guter Hirte in jeder Heiligen Messe bei der Wandlung von Brot und Wein zu Leib und Blut durch die Tür der Ewigkeit in unsere Zeit. Wir erkennen ihn an seiner Stimme, die durch die Worte des Priesters am Altar erklingt: „Nehmet und esset, das ist mein Leib. Nehmet und trinket, das ist mein Blut.“
Jesus wird auch am Ende der Zeiten durch das Tor der Ewigkeit zurückkommen in unsere Welt, um das jüngste Gericht einzuberufen und seine Schafe auf die ewige Weide zu führen, die das Himmelreich ist.
Von sich grenzt er die Räuber ab, die den Schafen Böses wollen. Sie steigen woanders ein, das heißt sie haben nicht die göttliche Beauftragung und Sendung wie er. Sie sprechen nicht im Namen Gottes und haben auch eine ihm widerstrebende Botschaft. Der Räuber will die Schafe rauben und ihnen schaden. Die Schafe hören aber auch nicht auf den Fremden. Sie merken, dass da etwas nicht stimmt. So ist es mit jenen Gläubigen, die das Wort Gottes kennen und das Evangelium Jesu Christi in ihre Herzen eingeschrieben haben. Wenn sie ganz vertraut sind mit Gottes Lehre, wird ihnen auffallen, wenn jemand etwas anderes sagt. Die Alarmglocken werden angehen und sie werden auf diese falschen Messiasse nicht hören. Als solche Räuber deutet Jesus eben jene an, die den Blindgeborenen so schlecht behandelt haben. Sie wollen seinen Glauben mit Füßen zertreten, der viel mehr erkannt hat als sie (nämlich dass nur der Messias im Stande sein könnte, einen Blindgeborenen zu heilen). Er hat ihnen gegenüber sogar das Wort Gottes zitiert, das ganz deutlich Jesu Messianität bestätigt. Doch diese Menschen stießen ihn hinaus.
Die Anwesenden verstehen die Worte Jesu nicht. Er setzt dagegen wieder zum Sprechen an und bringt ein etwas abgewandeltes Wort: Er geht nicht nur durch die Tür, sondern er ist die Tür.
Wer durch ihn hindurchgeht, wird gerettet werden. Für den Blindgeborenen ist klar: Wo sich eine Tür geschlossen hat, öffnet sich diese wahre Tür für ihn – Jesus Christus.
Seine Selbstoffenbarung lehrt uns zweierlei: Erstens ist er die Tür zu den Schafen. Wer also mit pastoralen Aufgaben betraut wird, muss ganz und gar von Christus und seinem Evangelium durchdrungen sein. Erst wenn er durch diese Christustür gegangen ist, kann er ein guter Hirte für jene sein, die er als Hirten-Nachfolger Christi hüten möchte. Er muss Christus ganz nachfolgen, indem er denselben Weg wählt wie Christus – durch die Tür, nicht durchs Fenster.
Das Zweite, das es uns lehrt: Nur durch Christus hindurch können wir das ewige Leben haben. Wenn wir an ihn glauben und uns auf seinen Namen taufen lassen, nehmen wir die Erlösung an, die unser Exil vom Paradies bricht. Diese Tür der Taufe ist heilsnotwendig. Jesus sagt dann später: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wir können das ewige Leben nur durch die Christustür hindurch erhalten. Das Himmelreich ist hinter dieser Tür. Wir müssen aber nicht bis zum Lebensende warten, um durch sie hindurchzugehen. Wenn wir die Sakramente und Sakramentalien empfangen, gehen wir jedes Mal durch diese Tür. Das endgültige Hindurchschreiten wird uns schließlich am Ende der Zeiten erwarten, wenn der verherrlichte Menschensohn als Weltenrichter zurückkehren wird.
Ein guter Hirte möchte nur das beste für seine Schafe. Der Dieb möchte ihnen dagegen schaden. Jesus beschreibt sich ganz mit den Eigenschaften Gottes in Psalm 23. Es ist wirklich eine Bestätigung dessen, dass König David bei der Komposition seines Psalms vom Heiligen Geist erfüllt worden ist – 1000 Jahre vor Christi Geburt! Und nun ist der Messias da und bestätigt all jene guten Eigenschaften Gottes, der seine Herde auf grüne Auen führen, an Quellen des Wassers führen möchte, den Tisch vor den Augen der Feinde decken, den Becher reichlich füllen möchte und selbst durch das finstere Tal des Todes hindurch den Menschen unversehrt ins Himmelreich führen möchte.

Heute lernen wir viel vom pastoralen Wesen des Vaters und des Sohnes. Wir lernen aber auch, wie die Nachfolger eines solchen guten Hirten sein müssen, wenn sie ihm nachahmen wollen. Beide Seiten gehören zu der einen Medaille und alles ist eingebettet in das freudige Osterereignis, das für uns den Grund für die felsenfeste Hoffnung darstellt. Beten wir um Menschen, die bereit sind, durch jene Christustür zu gehen und selbst zu Hirten der Schafe zu werden, damit die Herde niemals ohne Hirt bleibt. Beten wir um heilige Priester, die ganz durchdrungen sind vom Evangelium und die bereit sind, ihr Leben für die Herde hinzugeben, den Spuren Jesu nachzugehen bis nach Golgota. Und beten wir für die Geistlichen, die uns schon geschenkt worden sind. Mögen sie immer mehr Christus ähnlich werden und ihre Berufung wirklich ernst nehmen. Wir haben einen großen Anteil daran, denn ohne unser Gebet sind sie verloren.

Ihre Magstrauss

Montag der 3. Osterwoche

Apg 6,8-15; Ps 119,23-24.26-27.29-30; Joh 6,22-29

Apg 6
8 Stephanus aber, voll Gnade und Kraft, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk.
9 Doch einige von der sogenannten Synagoge der Libertiner und Kyrenäer und Alexandriner und Leute aus Kilikien und der Provinz Asien erhoben sich, um mit Stephanus zu streiten;
10 aber sie konnten der Weisheit und dem Geist, mit dem er sprach, nicht widerstehen.
11 Da stifteten sie Männer zu der Aussage an: Wir haben gehört, wie er gegen Mose und Gott lästerte.
12 Sie hetzten das Volk, die Ältesten und die Schriftgelehrten auf, drangen auf ihn ein, packten ihn und schleppten ihn vor den Hohen Rat.
13 Und sie brachten falsche Zeugen bei, die sagten: Dieser Mensch hört nicht auf, gegen diesen heiligen Ort und das Gesetz zu reden.
14 Wir haben ihn nämlich sagen hören: Dieser Jesus, der Nazoräer, wird diesen Ort zerstören und die Bräuche ändern, die uns Mose überliefert hat.
15 Und als alle, die im Hohen Rat saßen, gespannt auf ihn blickten, erschien ihnen sein Gesicht wie das Gesicht eines Engels.

Heute hören wir von Stephanus, dem ersten Märtyrer. Ich habe schon vor einigen Tagen vorgewarnt, dass das Leiden der Christen nicht lange auf sich warten lasse.
Mit Stephanus beginnt nun diese Leidensgeschichte von Verfolgungen, die bis heute nicht aufgehört hat.
Er ist „voll Gnade und Kraft“, was sein Erfülltsein mit dem Heiligen Geist umschreibt. Er ist mit denselben Früchten, Gaben und Charismen ausgestattet, die wir bei der brennenden Pfingstrede des Petrus bemerkt haben. Wer ist dieser Stephanus eigentlich? Er gehörte der Jerusalemer Urgemeinde an, war ursprünglich hellenistischer Jude und deshalb auch als einer der sieben Diakone ausgewählt worden, die caritative Aufgaben bei den Bedürftigen und vor allem bei den griechischsprachigen Witwen übernehmen sollten.
Er ist also nun Judenchrist, ein ehemaliger Jude, der zum Glauben an Christus gekommen ist. Es gibt in Jerusalem unterschiedliche jüdische Gruppen. Eine davon besteht aus Menschen, die so wie Stephanus sind, bevor er Christ wurde. Sie nennen sich Hellenisten. Die Aufzählung, die wir hier lesen (Libertiner, Kyrenäer, Alexandriner etc.) beweist, dass es eben solche hellenistischen Juden sind. Sie haben ein Problem mit Stephanus und erheben sich, um mit ihm zu streiten. Das Verb ἀνέστησαν anestesan meint an dieser Stelle weniger die physische Bewegung des Aufstehens, als vielmehr den Aufstand, das Rebellieren, sich beschweren. Das Verb συζητοῦντες syzetuntes meint einen Streit als Debatte oder Prüfung. Sie wollen die Rechtgläubigkeit des Stephanus prüfen.
Womöglich regen sie sich auf, weil er solch kraftvolle Zeichen vollbringt und sie nicht. Es spielt vielleicht Neid und Eifersucht eine Rolle so wie bei den Hohepriestern Jesus und seinen Aposteln gegenüber.
Die Gegner des Stephanus versuchen, gegen ihn anzukommen, aber seine Weisheit übertrifft die seiner Feinde. Sie wollen mit ihrer menschlichen Vernunft gegen den Geist Gottes kämpfen. Der Ausgang ist offensichtlich. An diesem Vers erkennen wir, dass der Streit tatsächlich im Debattieren besteht.
Als die Feinde merken, dass sie gegen Stephanus keine Chance haben (vielmehr gegen den Geist Gottes, aber das verstehen sie nicht), greifen sie zu unfairen Mitteln. Sie stiften Männer zu Falschaussagen an. Das ist nicht das erste Mal. Schon bei dem Prozess Jesu hat man Falschaussagen getätigt, die sich aber widersprochen haben. Ihr Plan ist es, Stephanus zu unterstellen, dass er Mose und die Torah lästere und die Lehre verändern wolle.
Mithilfe der religiösen Vertreter Jerusalems hetzen sie die Öffentlichkeit gegen Stephanus auf und schaffen es, ihn vor den Hohen Rat zu bringen. Es ist schon wieder ein ungerechter Prozess, so wie bei Jesus und auch bei den Aposteln nach dem Pfingstereignis.
Und so werden falsche Zeugnisse gegen ihn gebracht, die ihm Feindseligkeit gegenüber der jüdischen Lehre und des Tempels unterstellen.
Sie behaupten sogar: „Dieser Jesus, der Nazoräer, wird diesen Ort zerstören und die Bräuche ändern, die uns Mose überliefert hat.“ Jesus hat so etwas natürlich nie behauptet. Er hat vielmehr gesagt, dass nicht ein einziges Iota vom Gesetz geändert werden dürfe. Er hat das Gesetz mit seiner ganzen Person aber erfüllt. Jesus hat wirklich gesagt: „Reißt den Tempel nieder und ich werde ihn in drei Tagen wieder aufbauen“, was aber den Tempel seines Leibes meint. Es war ein prophetischer Zeichenakt, der auf seinen Tod und seine Auferstehung hinweisen sollte. Nun wird dies zum Anlass genommen, Stephanus zu verurteilen. Es wird mit absoluten Lügen vermischt und so entsteht eine falsche Anklage.
Stephanus aber hat keine Angst. Er bleibt ganz ruhig und ist viel mehr wie verklärt. Sein Gesicht leutet, das muss wohl heißen, seine Augen strahlen. Es wird verglichen mit einem Engelsgesicht. Das, was hier so leuchtet, ist die Gnade Gottes auf seinem Gesicht. Der Heilige Geist durchdringt ihn ganz und so wird er auch mit der Frucht des Mutes und der Ruhe beschenkt.
Wir wissen, dass es tödlich endet. Sie steinigen ihn und dieser unschuldige Mensch vergibt im Tod seinen Henkern. Er bittet Gott darum, deren Sünde nicht anzuerkennen. Er hat heroischen Mut und außerordentlich große Liebe bewiesen. Damit ist er wahrlich zum Zeugen für Christus geworden, der ebenfalls sterbend am Kreuz für seine Henker gebetet hat. Ganz wie Christus befiehlt Stephanus sein Leben dem, der ihm alles bedeutet – Gott. Er stirbt im tiefsten Vertrauen und so lebt er in Ewigkeit beim Herrn.

Ps 119
23 Sitzen auch Fürsten zusammen und verhandeln gegen mich, dein Knecht sinnt nach über deine Gesetze.
24 Deine Zeugnisse sind mein Ergötzen, sie sind meine Berater.
26 Meine Wege hab ich dir erzählt und du gabst mir Antwort. Lehre mich deine Gesetze!
27 Den Weg deiner Befehle lass mich begreifen, ich will nachsinnen über deine Wunder!
29 Halte mich fern vom Weg der Lüge, begnade mich mit deiner Weisung!
30 Ich wähle den Weg der Treue, deine Entscheide stelle ich mir vor Augen.

Heute beten wir aus dem längsten Psalm des gesamten Psalters und betrachten darin den lebenslangen Wandel nach dem Wort Gottes. Er greift auf, was Stephanus durchgemacht hat.
„Sitzen auch Fürsten zusammen und verhandeln gegen mich, dein Knecht sinnt nach über deine Gesetze.“ Und wenn auch die Mächtigen der Welt einen anklagen, ändert das nichts daran, dass „dein Knecht“, sprich jeder Gläubige (wörtlich gemeint Jude, im geistlichen Sinne Jesus Christus und jeder getaufte Christ) an dem Wort Gotte festhält. Petrus hat zu den Hohepriestern gesagt: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ Das ist es. Wer Gott von ganzem Herzen liebt, wird seine Gebote immer halten und als oberste Priorität erachten. Er ist die höchste Autorität, höher noch als Könige, heute vielleicht gesagt höher noch als die Politiker, Bänker, Stars und Sternchen.
Der nächste Vers ist etwas ungünstig übersetzt worden: Die Zeugnisse, von denen in Vers 24 die Rede ist, können vielmehr mit „Gebote“ übersetzt werden und statt „Ergötzen“ könnte man auch Freude oder Wonne formulieren. Das ist eine weniger anstößige Übersetzungsmöglichkeit. Was dadurch ausgesagt werden soll: Die Gebote sind keine Bürde, sondern vielmehr eine Erleichterung. Sie verhelfen dem Menschen zu einem gelungenen und glücklichen Leben. Sie sind also erstrebenswert und nicht eine Pflicht.
Der Gläubige hat eine Beziehung zu Gott. Er spricht mit ihm und teilt mit ihm seine Befindlichkeiten. Das können wir auf die Juden beziehen, insbesondere auf David. Das können wir vielmehr noch auf Jesus beziehen, der zum Vater eine derart intime Beziehung führt, dass wir daraus die Liebe Gottes förmlich ergreifen können. Das ist auch mit jedem Christen so, der Jesus nachfolgt auf dem Weg in die Herrlichkeit Gottes.
Gott ignoriert den Menschen nicht, der zu ihm kommt und ihm alles erzählt. Er erhört die Bitten seiner geliebten Kinder. Dies hat er an König David erwiesen, der immer wieder in Gefahr geraten ist. Er hat es ganz besonders an seinem eigenen Sohn gezeigt, den er von den Toten auferweckt hat. Er erhört auch unsere Bitten, die wir vertrauensvoll zu ihm kommen mit unseren Anliegen. Bei ihm gibt es kein Nein. Er hat höchstens ein Später oder ein Anders für uns vorgesehen und dies wiederum, um uns das Heil zu schenken.
„Lehre mich deine Gesetze“ ist der Ausdruck von Eifer. Der Gläubige möchte eine gute Beziehung zu Gott und ihn deshalb immer besser verstehen. Wenn wir einen Menschen lieben, wollen wir alles für ihn tun. So ist es auch bei Gott. Wenn wir ihn lieben, wollen wir alles für ihn tun. Er wiederum verlangt nur das von uns, was uns zum Heil führt.
So ist auch Vers 27 zu verstehen, der von Gottes Befehlen spricht. Die Juden damals wie auch die Christen heute wollen nachsinnen über die Wunder Gottes. Das heißt, dass wir solche Zeichen des Heils schauen möchten. Sie sind Bestätigung dafür, dass Gott auch heute gegenwärtig ist in dieser Welt. Und wenn wir hinschauen, werden wir viele dieser Wunder sehen. Das größte geschieht in jeder Heiligen Messe, wenn ein einfaches Stückchen Brot zum Leib Christi wird.
Gott soll den Menschen vom Weg der Lüge fernhalten. Dies gilt für die Juden damals als auch für uns heute: Ein Leben nach dem Willen Gottes ist ein Leben in Wahrhaftigkeit. Wenn wir uns selbst belügen, leben wir in einer Illusion, die uns nicht zum Vater führt. Erst wenn wir die Welt sehen, wie sie ist, vor allem uns selbst real sehen, dann erst können wir ins Reich Gottes eingehen. Denn diese reale Selbstsicht heißt Demut. Diese bedeutet zugleich, die eigene Armut zu erkennen und alles vom Vater zu erbitten. Das ist die Haltung eines Kindes, die uns in das Reich Gottes bringt.
Gott möge den Menschen mit seiner Weisung begnadigen. „Weisung“ heißt jüdisch gesehen zunächst die Torah. Die Weisung ist für uns heute aber noch viel mehr, denn in Christus ist sie Fleisch geworden. Die Begnadigung wird uns also vielmehr durch Jesus Christus geschenkt, der durch seinen Kreuzestod die Menschen erlöst und vor Gott gerecht gemacht hat.
„Ich wähle den Weg der Treue“ ist das Jawort gegenüber Gott, das wir jeden Tag erneuern müssen. Es ist die Entscheidung, Gott zu lieben und aus diesem Grund, seinen Willen zu tun. Es ist ein Jawort analog zum Ehebund. Liebe ist eine Entscheidung, eine Bejahung des zu Liebenden.
Dieser hier betende Knecht kann im Kontext der heutigen Lesung sehr gut mit Stephanus identifiziert werden. Er ist wirklich ein treuer Knecht Gottes, der erfüllt ist mit den Gaben des Heiligen Geistes. Sein Ja für Gott lässt ihn erstrahlen wie einen Engel. Seine innige Beziehung zu Gott stößt jenen eifersüchtigen Juden auf, die Jesus nicht als den Messias anerkennen und Stephanus die Früchte seiner Verkündigung nicht gönnen. Und doch erhält Stephanus bis zum letzten Atemzug dieses Jawort aufrecht. Er hat sich wirklich ganz für die Treue gegenüber Gott entschieden und die Mächtigen Jerusalems nicht gefürchtet.

Joh 6
22 Am nächsten Tag stand die Menge am anderen Ufer des Sees; sie hatten gesehen, dass nur ein Boot dort gewesen war und dass Jesus nicht mit seinen Jüngern ins Boot gestiegen war, sondern dass seine Jünger allein abgefahren waren.
23 Von Tiberias her kamen andere Boote in die Nähe des Ortes, wo sie nach dem Dankgebet des Herrn das Brot gegessen hatten.
24 Als die Leute sahen, dass weder Jesus noch seine Jünger dort waren, stiegen sie in die Boote, fuhren nach Kafarnaum und suchten Jesus.
25 Als sie ihn am anderen Ufer des Sees fanden, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hierhergekommen?
26 Jesus antwortete ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid.
27 Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird! Denn ihn hat Gott, der Vater, mit seinem Siegel beglaubigt.
28 Da fragten sie ihn: Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen?
29 Jesus antwortete ihnen: Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.

Im Evangelium hören wir heute einen Ausschnitt aus der Himmelsbrotrede Christi. Sie ist ein Zeugnis für die Eucharistie.
Letzte Woche haben wir von der wunderbaren Brotvermehrung gehört. Jesus hat die Menschen dort schon für die Eucharistie sensibilisiert, die er im Abendmahlssaal und auf dem Golgota etablieren würde.
Dann fahren die Aposteln mit dem Boot ans andere Ufer des Sees auf Kafarnaum zu, als ihnen der bis dahin auf einem Berg verbliebene Jesus ihnen auf dem See zugelaufen kommt. Das hören wir heute alles nicht, sondern erst die Nachgeschichte einen Tag später. Die Menschenmassen verfolgen die Apostel und Jesus, kommen sogar mit Booten angereist, nur um Jesus wiederzusehen.
Sie suchen regelrecht nach ihm und finden ihn schließlich am anderen Ufer des Sees in Kafarnaum. Zunächst waren sie an den Ort der Brotvermehrung zurückgekehrt. In Kafarnaum fragen sie ihn, wann er dort hingekommen sei (sie haben nicht mitbekommen, dass Jesus plötzlich über den See gewandelt ist).
Jesus antwortet sehr entlarvend: Sie haben sich nicht die ganze Mühe gemacht, ihn zu finden, weil er Zeichen getan hat, sondern wegen der Brote, die sie gesättigt haben. Er spricht hier eine allzu menschliche Haltung an: Wo es etwas zu essen und vor allem etwas umsonst gibt, kommen die Menschen in Scharen. Gerade Nahrung ist etwas Lebensnotwendiges, das man Tag für Tag neu verdienen muss. Gerade jene, die in nicht so guten Verhältnissen leben, müssen umso mehr Mühe aufwenden, das tägliche Brot zu erhalten und so für sich und ihre Familie zu sorgen. Das ist an sich ja nichts Schlechtes und Jesus sagt es nicht, um die Menschen zu entwürdigen, die etwas ganz Natürliches getan haben. Wir müssen bedenken, dass sie einmal weniger hart arbeiten mussten, um sich zu sättigen. Sie durften wenigstens an jenem Tag den Folgen der Erbsünde entgehen, über die es heißt: „Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen (Gen 3,19).“ Einmal ernten, was man nicht gesät hat! Das gönnt Jesus den Menschen durchaus, aber worauf er hinaus möchte, ist etwas ganz anderes: Er möchte die Menschen auf die übernatürliche Speise vorbereiten. Das war der Zweck seiner wunderbaren Brotvermehrung. Stattdessen haben die Menschen nur das Brot an sich gesehen, nicht die Zeichenhaftigkeit, die auf etwas Größeres hinweist.
Ihre mangelnde Erkenntnis, nicht das Essen von geschenktem Brot, kritisiert Jesus.
Die Speise, die für das ewige Leben bleibt, ist die Eucharistie. Sie ist es, die auch uns nährt auf dem Weg in die Herrlichkeit Gottes. Sie zu erhalten, sollte das höhere Gut sein, denn sie dient dem ewigen Leben. Dieses ist viel erstrebenswerter als das vorübergehende irdische Leben und deshalb jede Mühe wert.
Jesus ist der Menschensohn, der den Menschen diese Speise geben wird. Es ist zukünftig formuliert, weil es noch aussteht. Einerseits verweist er mit dieser Aussage auf die Einsetzung der Eucharistie im Abendmahlssaal, auf die Besiegelung des Neuen Bundes am Kreuz von Golgota einen Tag später, auf die Eucharistie, die die Christen damals und wir bis heute feiern. Er ist es bis heute, der dieses größte Heilsmittel aller Zeiten spendet. Der Priester tut es „in persona Christi“. Seine Hände, seine Stimme, seine Person sind Werkzeug Christi, durch die er selbst die Eucharistie schenkt.
Das Bild des Siegels, das Jesus hier verwendet, ist im antiken Verständnis wichtig im Kontext von Herrschaft (jeder König hat ein Siegel, mit dem er offizielle Dokumente besiegelt). Es ist auch wichtig im Kontext von Gericht und Testamenten (so werden Aussagen und Testamente von Zeugen beglaubigt, wofür auch Siegel eingesetzt werden). Schließlich sind Siegel in der Antike entscheidend bei der Markierung von Eigentum. Was ein bestimmtes Siegel besitzt, gehört dem Siegelträger. Jesus ist beglaubigt vom Vater mit seinem ganzen Sein, mit seinem Tun, mit seinem Auftreten. Das Siegel des Allmächtigen selbst ist ihm aufgedrückt – er hat die höchste Autorität und auch die größte Glaubwürdigkeit. Er gehört ganz dem Vater, denn sie sind ganz eins. Und auch wir, die wir durch die Taufe das Siegel des allmächtigen Gottes in unsere Seele eingeprägt bekommen, gehören ganz ihm als seine geliebten Kinder und Erben im Reich Gottes.
Die Menschen haben aufmerksam seinen Worten gelauscht. Nun fragen sie, was sie tun müssen, um die Werke Gottes zu vollbringen. Sie möchten Gott gefallen und seinen Willen tun. Sie sind nicht beleidigt und ziehen ab, weil Jesus ihr Essen des Brotes irgendwie kritisiert hat. Sie möchten aus Jesu Worten Konsequenzen für ihr Leben ziehen. Und so antwortet Jesus ihnen, dass sie an ihn glauben sollen. Er ist es, den der Vater gesandt hat. Wer an Jesus Christus glaubt, lässt sich auf seinen Namen hin taufen. Das wird das äußere Zeichen für den Glauben an ihn darstellen. All dies wird erst geschehen, nachdem Jesus den Neuen Bund besiegelt hat am Kreuz und nachdem er von den Toten auferstanden, in den Himmel aufgefahren und den Heiligen Geist gesandt hat. Der Glaube an Jesus Christus ist den Anwesenden aber schon jetzt möglich.

So fragen wir heute mit den Anwesenden: Herr, was sollen wir tun? Und auch uns sagt Jesus heute: Glaube an mich, den Menschensohn, der dir die Nahrung für das ewige Leben spenden möchte. Tue alles dir Mögliche, um sie zu erhalten.
Das ist in unserer heutigen Situation nicht so einfach, denn wir dürfen die Speise nicht empfangen, höchstens in geistiger Form. Und doch möchte der Herr uns auch heute besondere Gnaden erweisen. Fragen wir jeden Tag und in jeder Situation neu nach dem Willen Gottes. Halten wir fest an ihm, der uns ein neues ewiges Leben geschenkt hat, egal was kommt. Dann werden wir so wie Stephanus direkt in die Arme Gottes aufgenommen. Halten wir ganz an ihn, den Gott durch sein eigenes Siegel beglaubigt hat. Ihm können wir wirklich ganz vertrauen, weil er wahres Zeugnis ablegt im Gegensatz zu Menschen, die von Neid und Eifersucht getrieben sogar Falschaussagen tätigen wie in der Apostelgeschichte heute.
Er ist der wahre und treue Zeuge und seine Speise ist wirklich die Nahrung für das ewige Leben.

Ihre Magstrauss

Markus Evangelist (Fest)

1 Petr 5,5b-14; Ps 89,2-3.6-7.16-17; Mk 16,15-20

1 Petr 5
5 Ordnet euch den Ältesten unter! Alle aber begegnet einander in Demut! Denn Gott tritt Stolzen entgegen, Demütigen aber schenkt er seine Gnade.
6 Beugt euch also in Demut unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöht, wenn die Zeit gekommen ist!
7 Werft alle eure Sorge auf ihn, denn er kümmert sich um euch!
8 Seid nüchtern, seid wachsam! Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann.
9 Leistet ihm Widerstand in der Kraft des Glaubens! Wisst, dass eure Brüder und Schwestern in der Welt die gleichen Leiden ertragen.
10 Der Gott aller Gnade aber, der euch in Christus zu seiner ewigen Herrlichkeit berufen hat, wird euch, die ihr kurze Zeit leiden müsst, wieder aufrichten, stärken, kräftigen und auf festen Grund stellen.
11 Sein ist die Macht in Ewigkeit. Amen.
12 Durch Silvanus, den ich für einen treuen Bruder halte, habe ich euch kurz geschrieben: Ich habe euch ermahnt und habe bezeugt, dass dies die wahre Gnade Gottes ist, in der ihr stehen sollt.
13 Es grüßt euch die mitauserwählte Gemeinde in Babylon und Markus, mein Sohn.
14 Grüßt einander mit dem Kuss der Liebe! Friede sei mit euch allen, die ihr in Christus seid!

Heute feiern wir das Fest des Evangelisten Markus. Der Überlieferung nach handelt es sich bei Markus um den Petrus- und Paulusbegleiter Johannes Markus, der die Informationen für sein Evangelium von Petrus selbst hat. Deshalb hören wir heute sowohl aus eben jenem Evangelium als auch aus dem ersten Petrusbrief. Am Ende des Briefes wird unter anderem Markus erwähnt, den Petrus als seinen Sohn bezeichnet.
Der Brief behandelt unter anderem das Thema Hierarchie, vor allem die Einordnung der Getauften in das staatliche System. Sie gehören als Getaufte schon der Ewigkeit an, müssen aber in der Welt leben, in der Fremde, wie Petrus gerne zur Welt sagt.
Es geht um verschiedene Ebenen von Unterordnung. So behandelt er auch das Leben in der Familie oder wie hier zu Anfang des Abschnitts in der Gemeinde.
Er betont zunächst, dass die Christen sich ihren Ältesten unterordnen sollen (das griechische Wort ist presbyteros, wovon das Wort „Priester“ sich ableitet). Zugleich sollen die Gemeindemitglieder einander in Demut begegnen, das heißt unabhängig von ihrem Amt oder ihrer Weihe, ihrem Status einander dienen. Die dienende Hingabe ist gottgefällig und „Gott tritt Stolzen entgegen.“ Die Gnade fließt, wo der Mensch demütig ist. Das kann Petrus absolut von sich selbst sagen. Als er hochmütig und in totaler Selbstüberschätzung lebte, konnte Gott ihn noch nicht zum Felsen seiner Kirche machen. Erst als er gedemütigt wurde, seine eigene Armut sah und voller Reue über seine Verleugnung Christi diesem seine Liebe zusagte (Herr, du weißt, dass ich dich liebe), konnte Christus zu ihm sagen: „Weide meine Schafe“.
Wenn wir uns beugen unter die Hand Gottes, die die einzig wahre Macht ist, werden wir erhöht. Das ist mit Christus geschehen, den der Vater erhöht hat über alle anderen, weil er freiwillig in die tiefste Schande gegangen ist. Dies ist der Fall bei allen Aposteln, die ihr Leben hingegeben haben für Christus und für ihn den Märtyrertod gestorben sind (außer Johannes). All die Christen, die verspottet worden sind aufgrund ihres Glaubens, die gesellschaftliche Nachteile erlitten haben und erleiden, die verfolgt werden. Aber auch jene, die ihren Glauben frei leben können und sich ganz aufgeopfert haben für den Nächsten, die sich ganz klein gemacht haben, obwohl sie vor der Welt ganz groß waren (Franziskus, Ignatius von Loyola, Edit Stein, Mutter Teresa etc.). Sie haben sich ganz unter die Hand Gottes begeben und nun wähnt die Kirche sie bei Gott.
„Werft alle eure Sorge auf ihn, denn er kümmert sich um euch!“ Das ist ein tröstliches Wort, das auf Jesus zurückverweist, der den Menschen gesagt hat: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Ich werde euch Ruhe verschaffen!“ Gott kümmert sich wirklich um jedes seiner Kinder – und zwar so, als ob es das einzige Kind wäre. Er richtet seine ganze Aufmerksamkeit auf jeden Einzelnen. Keines seiner Kinder wird vernachlässigt. Wir müssen seine Aufmerksamkeit, seine Fürsorge, seine Hilfe aber auch von uns aus suchen und beanspruchen. Das fällt vielen Menschen schwer. Menschen möchten gerne alles selbst machen und sind zu stolz, die Hilfe Gottes in Anspruch zu nehmen. Es wird dann Autonomie genannt, Mündigkeit und Reife. Dabei ist es Torheit, weil die menschliche Natur von Schwäche geprägt ist und eben nicht alles unter Kontrolle haben kann.
„Seid nüchtern, seid wachsam!“ Wir leben in der Endzeit und die Zustände werden immer schlimmer und gottloser. Es ist wichtig, aufmerksam zu beobachten, was um uns geschieht. Wir müssen die Entwicklungen zur Kenntnis nehmen, damit wir ihnen nicht anheimfallen. Wenn wir im Rausch der Welt verbleiben, merken wir nicht, wie wir mit der Masse von Gott weggezogen werden und der Taktik des Bösen auf den Leim gehen. Wachsamkeit und Nüchternheit haben beide nichts mit Angst und Panik zu tun. Wir müssen alles beobachten und richtig einordnen, aber wir brauchen uns nicht zu fürchten. Was kann uns schon passieren? Selbst wenn unser Leben genommen wird, ist es doch nur das irdische Dasein. Unseren Glauben kann man uns nicht nehmen, auch nicht das ewige Leben bei Gott!
Der Böse ist sehr aggressiv in dieser Zeit – das heißt in der angebrochenen Endzeit. Ihm bleibt nicht mehr viel Zeit und er versucht alles, um uns Menschen von Gott wegzuführen. Das wird hier bildhaft mit dem Verschlingen ausgedrückt. Der Satan ist wie ein brüllender Löwe, er ist angsteinflößend und kommt majestätisch daher. Dabei ist er im Vergleich zu Gott nicht mehr als ein jaulendes Kätzchen. Sobald der Mensch die Angst vor ihm verliert, ist er schon größtenteils entmachtet. Geben wir ihm keine Chance!
Alle kämpfen den gleichen Kampf. Alle müssen leiden wegen dem Bösen, der die Menschen von Gott wegzieht. Und alle müssen denselben Widerstand leisten. Die Absage gegen den Bösen und die Waffen gegen ihn sind mächtig. Sie bestehen im Wesentlichen in den Heilsmitteln der Kirche, die ausrüsten gegen den Satan.
Das Leiden wegen der satanischen Angriffe ist zeitlich streng umrissen. Das tröstet, weil der Leidende Licht am Ende der Tunnels erhoffen darf. Und in dieser Zeit rüstet Gott mit allen Gnadenmitteln aus, mit den Sakramenten und Sakramentalien, die der Christ benötigt. („Der Gott aller Gnade aber, der euch in Christus zu seiner ewigen Herrlichkeit berufen hat, wird euch (…) wieder aufrichten, stärken, kräftigen und auf festen Grund stellen.“).
Diese Zusage schließt er ab mit einer Gebetsformel („Sein ist die Macht in Ewigkeit. Amen“).
Zum Ende hin erwähnt Petrus, dass Silvanus (das ist ein anderer Name für Silas, den wir auch von Paulus kennen) den Brief für ihn abgefasst hat. Durch ihn hat Petrus sich an die Adressaten gerichtet.
Er fasst nochmal zusammen, wozu er die Gemeinden ermahnt hat („dass dies die wahre Gnade ist, in der ihr stehen sollt“).
Dann kommen noch abschließende Grüße und hier kommt nun der Name des Markus ins Spiel.
„Es grüßt euch die mitauserwählte Gemeinde in Babylon und Markus, mein Sohn.“ Die „mitauserwählte Gemeinde“ sagt aus, dass auch die Gemeinde des Petrus zu den Erwählten zählt (für ihn ein Begriff der Berufenen durch die Taufe, ein Begriff für die Erben im Reich Gottes). Mit Babylon wird eine Chiffre ausgesagt, die in der Bibel oft für Rom verwendet wird. So ist es auch in der Johannesoffenbarung. Petrus ist in Rom, er leitet dort die Gemeinde. Es grüßt auch Markus, der wohl bei Petrus in Rom ist. Wenn Petrus ihn seinen Sohn nennt, ist das nicht biologisch gemeint, sondern geistlich. Die Kirche ist Familie Gottes und die Jünger, die die Apostel begleiten, neu zum Glauben kommen oder einfach jünger sind als ihre Mentoren, werden oft als Kinder bezeichnet. Es ist eine liebenswürdige Bezeichnung, schon fast ein Kosename.
Es endet mit einer üblichen Formel: „Grüßt einander mit dem Kuss der Liebe!“ bezieht sich dabei auf ein gutes Verhältnis der Gemeindemitglieder zueinander. Sie sollen friedlich miteinander reden und keinen Streit haben. Der Kuss der Liebe, der auch oft als heiliger Kuss bezeichnet wird (so bei Paulus), meint die Geste des Friedensgrußes in der Liturgie. Die Mitglieder sollen sich gut vertragen. Dazu passt dann auch der letzte Satz „Friede sei mit euch allen, die ihr in Christus seid!“ Es soll Friede bei den Christen sein, der Friede Gottes, die übernatürliche Gabe, die der Heilige Geist spendet. Er schenkt einen Frieden, den die Welt nicht geben kann und der durch die Versöhnung wirksam wird.

Ps 89
2 Von der Huld des HERRN will ich ewig singen, von Geschlecht zu Geschlecht mit meinem Mund deine Treue verkünden.
3 Denn ich bekenne: Auf ewig ist Huld gegründet, im Himmel deine Treue gefestigt.
6 Die Himmel preisen deine Wunder, HERR, und die Versammlung der Heiligen deine Treue.
7 Denn wer im Gewölk gleicht dem HERRN, ist dem HERRN ähnlich unter den Söhnen der Götter?
16 Selig das Volk, das den Jubelruf kennt, HERR, sie gehen im Licht deines Angesichts.
17 Sie freuen sich allezeit über deinen Namen und sie jubeln über deine Gerechtigkeit.

Der Psalm des heutigen Festtags ist ein Lobpreis Gottes. Er beginnt wie üblich mit einer Selbstaufforderung zum Lob, das in dem ewigen Gesang von der Huld Gottes besteht. „Von Geschlecht zu Geschlecht“ zeigt, dass es über den Psalmisten hinausgeht. Er lebt ja nur ein Leben und bekommt ja nicht mehrere Geschlechter, also Generationen, mit.
Es ist ein Gebet des Volkes Israel zu jeder Zeit, in jeder Etappe der Heilsgeschichte. Gott hat zu jeder Zeit Pläne des Heils und hilft seinem Volk aus allem heraus.
Seine Huld ist Anlass zu dem Bekenntnis, dass Gott der ewig Treue ist.
Die ganze Schöpfung preist Gott, auch die Natur. „Die Himmel“ bezieht sich überdies auf die unsichtbare Welt, die ebenfalls Schöpfung Gottes ist, bestehend aus den Engeln. Auch die Heiligen preisen ihn. Es ist ein einziger Lobpreis im Himmel und auf der Erde, ein gemeinsames Besingen der Güte Gottes.
Keiner kann sich mit Gott messen, auch die mächtigen Engel sind viel niedriger als Gott. Keiner kann sich mit ihm vergleichen, sondern kann ihn nur lobpreisen.
Wir beten, dass das auserwählte Volk (הָ֭עָם ha’am) sich freuen kann, das den Jubelruf kennt (תְרוּעָה teru’ah heißt auch „Kriegsgeschrei“). „Im Licht deines Angesichts“ ist eine Umschreibung für den Stand der Gnade. Das auserwählte Volk hat den Segen Gottes, wenn es ihn stets lobt und preist, in seinem Namen jauchzt und Gottes Gerechtigkeit anerkennt. Dann geht es im „Licht seines Angesichts“. Dann ist es im Stand der Gnade und auch wir.
Verbunden mit Gottes Namen ist die Freude und der Jubel. Gott kann nur glücklich machen. Wir können nur jubeln, wenn wir erkannt haben, was Gott auch bis heute Gutes tut. Seine Pläne sind wirklich stets Heilspläne.

Mk 16
15 Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung!
16 Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden.
17 Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden;
18 wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.
19 Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.
20 Sie aber zogen aus und verkündeten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte das Wort durch die Zeichen, die es begleiteten.

Im Evangelium hören wir den Abschluss des Markusevangeliums. Er lässt sich einbetten in die Osterzeit, denn wir hören von Jesu letzten Worten, bevor er in den Himmel auffährt.
Es ist der Auftrag an die Jünger, in die ganze Welt hinauszugehen und das Evangelium zu verkünden. Das meint nicht nur die Apostel, sondern auch den weiteren Jüngerkreis. Es wird so kommen, dass jeder Christusgläubige von seiner Liebe sprechen wird und das Christentum sich durch die römische Infrastruktur rasch verbreiten wird.
„Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet“ – die Taufe ist das äußere Zeichen des Glaubens an Christus. Deshalb wird beides getrennt an dieser Stelle genannt. Es ist logisch, dass wer zum Glauben gekommen ist, sich auch taufen lassen will. Die Rettung besteht in einem Leben in Ewigkeit, im Himmelreich. „Wer nicht glaubt, wird verurteilt werden.“ Das bedeutet, dass die Ungläubigen das ewige Leben nicht haben werden. Sie bleiben ewig von Gott abgeschnitten, was wir Hölle nennen. Jesus spricht hier eindeutige Worte. Die Taufe ist heilsnotwendig, weil der Glaube an Gott es ist. Deshalb sollen alle mit der Botschaft des Evangeliums in Kontakt kommen, damit sie dieses ewige Leben haben. Alle sollen gerettet werden, denn Christus ist für alle Menschen gestorben. Der Neue Bund ist besiegelt worden für jeden einzelnen Menschen.
Die Getauften werden folgende Zeichen im Namen Gottes tun: Exorzismus, Zungenrede, Unversehrtheit in Gefahr, Krankenheilung. Diese Dinge sind nicht an eine sakramentale Weihe gebunden, sondern hängen mit der Taufe zusammen (Taufe und Firmung, denn in der ersten Zeit werden beide Sakramente als ein gemeinsames angesehen). Wer den Heiligen Geist empfängt, der wird mit seinen Charismen beschenkt. Zu diesen gehören die aufgezählten Zeichen. Der Befreiungsdienst erfährt in heutiger Zeit eine immer größere Dimension und wird zunehmend professionalisiert. Befreiungsgebete darf jeder sprechen, aber für die Aposteln hat Jesus an anderer Stelle den expliziten Auftrag, Exorzismen durchzuführen. Solche dürfen dann nur von Bischöfen oder bischöflich Beauftragten Priestern durchgeführt werden. Das ist ein Unterschied (diese Exorzismen müssen nach einem festgelegten Ritus geschehen, einfache Befreiungsgebete darf jeder Getaufte beten und gestalten, wie er möchte).
Dann geht Jesus heim zum Vater, um sich zu dessen Rechten niederzulassen. So beten wir es im Glaubensbekenntnis.
Die Jünger setzen gehorsam um, was Jesus ihnen aufgetragen hat. Sie verkünden überall (gewiss geschieht das erst nach dem Pfingstereignis, das hier nicht erwähnt wird).
Und so wie Jesus seine Verkündigung durch Heilstaten unterstrich, wodurch die meisten Menschen überhaupt erst gläubig geworden sind, so ist es mit der Verkündigung seiner Jünger, die von Heilstaten im Namen Jesu begleitet werden. Der Herr steht ihnen bei allem bei, weil er ihnen versprochen hat, immer bei ihnen zu sein. Dies wird uns im Matthäusevangelium zum Schluss explizit gesagt.

Petrus und Markus, sein „Sohn“ haben diesen Auftrag Jesu Christi gewissenhaft umgesetzt. Sie sind bis nach Rom gegangen, um dort das Evangelium Jesu Christi zu predigen und die Gemeinde aufzubauen. Markus hat die Augenzeugenberichte des Petrus aufmerksam gehört und in sein Evangelium geschrieben, um die vielen Heilstaten und Worte Jesu Christi schriftlich festzuhalten. Es musste für die Nachwelt gesichert werden. Man merkt am Evangelium, dass Markus unsortiert mitgeschrieben hat – ganz so, wie Petrus mündlich erzählt und dabei natürlich von Thema zu Thema springt, je nach Situation. Man spürt förmlich, wie der Evangelist es so ungeändert wie möglich belässt, damit dieser Stil beibehalten wird.

Danken wir Gott für diesen Menschen, der Petrus und Paulus zugleich nahestand, der vieles von der frühchristlichen Mission mitbekommen hat und für uns so wichtige Worte schriftlich festgehalten hat. Danken wir Gott dafür, dass die Jünger Jesu Christi dessen Auftrag so ernst genommen und weltweit das Evangelium verkündet haben. Sonst wäre das Christentum nicht zu uns gekommen.

Ihre Magstrauss

Freitag der 2. Osterwoche

Apg 5,34-42; Ps 27,1.4.13-14; Joh 6,1-15

Apg 5
34 Da erhob sich im Hohen Rat ein Pharisäer namens Gamaliël, ein beim ganzen Volk angesehener Gesetzeslehrer; er befahl, die Apostel für kurze Zeit hinausführen.
35 Dann sagte er: Israeliten, überlegt euch gut, was ihr mit diesen Leuten tun wollt!
36 Vor einiger Zeit nämlich trat Theudas auf und behauptete, er sei etwas Besonderes. Ihm schlossen sich etwa vierhundert Männer an. Aber er wurde getötet und sein ganzer Anhang wurde zerstreut und aufgerieben.
37 Nach ihm trat in den Tagen der Volkszählung Judas, der Galiläer, auf; er brachte viel Volk hinter sich und verleitete es zum Aufruhr. Auch er kam um und alle seine Anhänger wurden zerstreut.
38 Darum rate ich euch jetzt: Lasst von diesen Männern ab und gebt sie frei; denn wenn dieses Vorhaben oder dieses Werk von Menschen stammt, wird es zerstört werden;
39 stammt es aber von Gott, so könnt ihr sie nicht vernichten; sonst werdet ihr noch als Kämpfer gegen Gott dastehen. Sie stimmten ihm zu,
40 riefen die Apostel herein und ließen sie auspeitschen; dann verboten sie ihnen, im Namen Jesu zu predigen, und ließen sie frei.
41 Sie aber gingen weg vom Hohen Rat und freuten sich, dass sie gewürdigt worden waren, für seinen Namen Schmach zu erleiden.
42 Und sie ließen nicht ab, Tag für Tag im Tempel und in den Häusern zu lehren, und verkündeten das Evangelium von Jesus, dem Christus.

Heute hören wir in der Lesung den weiteren Verlauf der Anhörung der Apostel vor dem Hohen Rat. Es kommt heute eine neue Person ins Blickfeld, die der Lehrer des Paulus ist: Gamaliel. Er bildet Männer zur Pharisäern aus und ist im Hohen Rat vertreten. Er lässt die Apostel hinausschicken, um mit den Mitgliedern des Hohen Rates eine Strategie auszumachen.
Er erzählt den Anwesenden, dass vor einiger Zeit ein gewisser Theudas mit messianischem oder prophetischem Anspruch aufgetreten war und ebenso ein gewisser Judas. Beide haben eine Menschenmenge um sich versammelt, doch wurde diese nach deren Tod zerstreut. In Bezug auf diese Ereignisse schlägt Gamaliel vor, die Apostel freizulassen, da auch sie diesem natürlich Prozess anheimfallen würden (dass sie irgendwann sterben und ihre Anhängerschaft sich zerstreuen werde). Wenn auch diese ganze Bewegung menschengemacht ist, wird auch sie so enden. Es ist bemerkenswert, dass Gamaliel die Möglichkeit stehenlässt, dass es doch ein gottgewirktes Werk sein könnte. Für jenen Fall sollte der Hohe Rat nicht dagegen ankämpfen, um nicht zu Kämpfern gegen Gott zu werden. Dann können sie ja sowieso nichts dagegen ausrichten, weil Menschen gegen Gott nicht ankommen. Das ist sehr interessant und wir Leser bzw. Hörer bestätigen seine Rede: Es ist von Gott gewirkt und die Apostel gehorchen seinem Willen. Hier ist der Heilige Geist am Werk und so kann auch der Hohe Rat nichts dagegen tun.
Seine Worte scheinen Anklang zu finden. Der Hohe Rat beschließt, diese Strategie umzusetzen: Die Apostel werden ausgepeitscht und dann freigelassen, wieder unter dem Verbot, weiter im Namen Jesu zu predigen.
Die Apostel sind überhaupt nicht eingeschüchtert von der ganzen Situation. Vielmehr fühlen sie sich geehrt, dass sie im Namen Jesu dieses Leiden durchmachen mussten. Davon unbeeindruckt gehen sie auch weiter in den Tempel und predigen das Evangelium Jesu Christi. Sie verkünden ihn auch in den Häusern, wahrscheinlich im Kontext der Hausgemeinschaften und der Eucharistiefeier. Ihre Sichtweise auf das Leid ist sehr reif. Sie nehmen es nicht nur an, sondern tragen es sogar mit Freude. Sie fühlen sich geehrt, an dem Leiden Jesu Christi mitzutragen, weil sie ihm nachfolgen und in seinem Namen das Werk Gottes weiterführen.

Ps 27
1 Von David. Der HERR ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist die Zuflucht meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen?
4 Eines habe ich vom HERRN erfragt, dieses erbitte ich: im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens; die Freundlichkeit des HERRN zu schauen und nachzusinnen in seinem Tempel.
13 Ich aber bin gewiss, zu schauen die Güte des HERRN im Land der Lebenden.
14 Hoffe auf den HERRN, sei stark und fest sei dein Herz! Und hoffe auf den HERRN!

Wir beten heute einen ganz bekannten Psalm, der das Vertrauensverhältnis Davids zu Gott offenbart. Es gibt hier messianische Hinweise bzw. erkennen wir Christus im Psalm: Der HERR, Jahwe, ist mein Heil. Das hebräische Wort weist denselben Stamm auf wie der Name Jesu. Das ist kein Zufall. Der Psalm ist ganz und gar von Vertrauen geprägt („vor wem sollte mir bangen“, „Zuflucht“, „Hoffe auf den HERRN“). Es ist eben jenes unerschütterliche Vertrauen, das auch die Apostel Gott gegenüber besitzen und weshalb sie freimütig mit der Verkündigung des Evangeliums fortfahren – trotz der Drohungen und Gefahren.
Zugleich wird die Sehnsucht nach dem ewigen Leben deutlich: „im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens“; die Freundlichkeit des HERRN zu schauen“. Das entspricht unseren anagogischen Gedanken zum Beispiel bei den vielen Jesajatexten, in denen das Leben bei Gott im Himmelreich die ultimative Befreiung vom drückenden Joch ist. Es ist auch auf die Apostel zu beziehen, die mit einer brennenden Sehnsucht nach der Wiederkunft Christi leben und in einer absoluten Naherwartung leben.
Im Psalm wird die Lichtmetapher verarbeitet, die im Johannesevangelium dann sehr wichtig wird. Hier wird auch der Übergang von der Dunkelheit ins Licht thematisiert, denn er beinhaltet die Einladung zur Hoffnung auf den HERRN. Diese Auslegung vom Licht Gottes sehen wir indirekt in der Apostelgeschichte. Sie steht hinter der Einstellung der Apostel, die in der Dunkelheit des irdischen Daseins umhergehen, aber aus dem Inneren so viel Licht ausstrahlen, dass es um sie herum ganz hell wird. Jesus ist die Hoffnung der Menschen. Er schenkt dem Menschen eine Perspektive, einen Sinn im Leben, eine Berufung – nämlich die Berufung zur Heiligkeit. Und diesen Sinn möchten die Apostel auch weitergeben, indem sie alle Menschen zu Jesu Jüngern machen wollen.
„Das Land der Lebenden“ ist durch und durch ein Zeugnis für die Auferstehungshoffnung von Christen. Dies zeigt, dass David mal wieder geisterfüllt diesen Psalm formuliert. Wie kann ein israelitischer König 1000 Jahre vor Christi Geburt so etwas Österliches sonst sagen? Lob sei Gott, dass er schon damals diesen König mit seinen wunderbaren Verheißungen erfüllt hat! Das Land der Lebenden ist das Himmelreich. Wir werden leben, auch wenn wir sterben. Das wird Jesus immer wieder erklären. Denn Gott ist ein Gott der Lebenden, nicht der Toten.

Joh 6
1 Danach ging Jesus an das andere Ufer des Sees von Galiläa, der auch See von Tiberias heißt.

2 Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat.
3 Jesus stieg auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder.
4 Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe.
5 Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben?
6 Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen; denn er selbst wusste, was er tun wollte.
7 Philippus antwortete ihm: Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll.
8 Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm:
9 Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele?
10 Jesus sagte: Lasst die Leute sich setzen! Es gab dort nämlich viel Gras. Da setzten sie sich; es waren etwa fünftausend Männer.
11 Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen.
12 Als die Menge satt geworden war, sagte er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Brocken, damit nichts verdirbt!
13 Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Brocken, die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren.
14 Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll.
15 Da erkannte Jesus, dass sie kommen würden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen. Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.

Im Evangelium wird uns heute von der wunderbaren Brotvermehrung berichtet, wie sie Johannes schildert. Sie ist die Vorgeschichte der sogenannten Himmelsbrotrede, in der Jesus zutiefst eucharistische Dinge erklärt, was aber nicht jeder Zuhörer ertragen kann.
Jesus geht an das andere Ufer des Sees Gennesaret. Er zieht weiter nördlich, dorthin, wo die Menschen seine Botschaft annehmen. Zuvor war er nämlich in Jerusalem und hat ein Streitgespräch mit der religiösen Elite geführt. Oft zieht er nach solch ablehnenden Situationen in Gegenden, wo er angenommen wird – vor allem nach Galiläa.
Er ist nun am See und viele Menschen folgen ihm dorthin wegen der Heilstaten, die er vor allem an den Kranken tut. Nun ist für Jesus wieder die Zeit für prophetische Zeichenhandlungen gekommen, weshalb er so kurz vor dem Paschafest auf einen Berg steigt und sich mit seinen Jüngern dort niederlässt. Da fragt man sich vielleicht, warum er ausgerechnet so einen Ort aufsucht. Schließlich müssen die vielen Menschen ihm folgen, die dort mit Beschwerden zu ihm kommen. Der springende Punkt ist: Jesus tut nie etwas ohne tieferen Sinn. Es gibt so viele Verheißungen des Messias und auch der Gabe der Torah vom Zion aus (statt vom Sinai). Es ist eine Verheißung, die mit dem Tempel zu tun hat. Und nun unterweist Jesus vom Berg aus die Menschen (er setzt sich, was die Geste des Lehrers bei der Unterweisung ist!). Wir erkennen auch eine typologische Verbindung zum Volk Israel am Sinai, das von Mose gelehrt wird. Die Anwesenden werden über diese Dinge nachgedacht haben und den Ort sowie das Verhalten Jesu viel signalhafter wahrgenommen haben als wir.
Das Lehren Jesu wie ein Rabbi erinnert auch an die Bergpredigt, die typologisch zur Unterweisung des Volkes durch Mose zu betrachten ist. Jesus ist die Personifikation der Torah und erfüllt dieses Wort. Jesus erfüllt noch mehr. Es heißt, dass er heilt. Die Menschen sehen dies und staunen, denn über den Messias heißt es, dass er diese Heilstaten tun wird.
Dann stellt Jesus irgendwann Philippus die Frage, woher sie genug Brot für die Anwesenden hernehmen sollen. Dies fragt er aber, um Philippus zu testen. Dieser rechnet den Preis für die Verpflegung aus und realisiert, dass es unmöglich sei. Andreas macht daraufhin auf den Proviant eines kleinen Jungen aufmerksam, der aber auch viel zu wenig für die Menschenmasse ist: fünf Gerstenbrote und zwei Fische.
Dann tut Jesus aber etwas Unerwartetes in der Wüste: Jesus bittet die Menge, sich hinzusetzen. Eigentlich steht da wörtlich das Verb ἀναπίπτω anapipto, was unter anderem die Bedeutung „sich zu Tisch legen“ aufweist und verwendet wird, wenn man sich zu Tisch begibt. In dem Kulturkreis lag man am Tisch, anstatt zu sitzen. Sich niederlegen in der Wüste auf einem Berg scheint absurd? Nicht für den Messias, der in seiner pädagogischen Feinfühligkeit den Juden zu verstehen geben will, dass sich nun ein weiteres Schriftwort erfüllt, nämlich Jesajas Schriftworte zum endzeitlichen Festmahl (z.B. Jes 25)! Jesus lädt zum Festmahl ein und bittet seine Gäste sozusagen „zu Tisch“. Hier ist die Endstation der Erfüllung noch nicht erreicht. Sie endet im Abendmahlssaal mit den zwölf Aposteln. Und doch werden die Menschen dafür schon vorbereitet, wenn Jesus neben den Fischen ausgerechnet Brot nimmt und dem Vater dafür dankt (die Danksagung heißt im Griechischen εὐχαριστία eucharistia!). Daraufhin lässt er die Jünger die übrigen Stücke wieder einsammeln. Bemerkenswert und wiederum ein göttliches Wunder ist, dass ganze zwölf Körbe voll von den Brotstücken übrig bleiben! Auch dies ist den Menschen ein Zeichen: Wenn Gott gibt, dann gibt er im Überfluss. Die Zahl Zwölf ist biblisch und immer eine Zahl der Fülle, Vollkommenheit und Vollständigkeit. Dies verdeutlicht das in dem Kontext stehende Verb ἐνεπλήσθησαν eneplesthesan „sie wurden gefüllt“. Die dort Anwesenden werden begriffen haben, dass die Verheißung der „fetten Speisen“ aus Jesaja sich nun vor ihren Augen erfüllt hat. Die frommen Juden werden vielleicht auch an das Manna in der Wüste gedacht haben. Dies erklärt auch, warum Jesus diese Speisung ausgerechnet in der Wüste vorgenommen hat. Auch damals war es zunächst eine Sättigung der Leiber und doch ging es damals schon darüber hinaus. Das alte Israel ist darauf vorbereitet worden, was nun mit Jesus geschah. Die Menschen mit ihm sind nicht nur körperlich, sondern auch im Glauben gesättigt worden – durch die Unterweisung, die Heilungen und die Speisung. Ein letzter Impuls, den dieses Evangelium gibt und den ich Ihnen heute besonders ans Herz legen möchte: In jeder Hl. Messe ist zunächst ein Wortgottesdienst vorgesehen, bei dem das Wort Gottes verkündigt wird. Es wird auch ausgelegt, die Menschen sozusagen unterwiesen. Und im Anschluss werden die Gaben bereitet und ein eucharistisches Festmahl gefeiert! Jesus bereitet im heutigen Evangelium auf das vor, was die Kirche nun sakramental nachempfindet!

Jesus hat mitten in der Finsternis der Wüste das Licht gebracht. Er hat Hoffnung in die Öde gebracht. Er hat gesättigt, wer erschöpft und hungrig ist. Jesus sättigt die ersten Christen der Apostelgeschichte durch die Eucharistie, wodurch sie die Kraft haben, bei den Anfeindungen und geistigen Anfechtungen standhaft zu bleiben und mutig für Christus einzustehen. Selbst gestärkt von der Eucharistie stehen die Apostel nun vor dem Hohen Rat, ebenfalls auf einem Berg, nämlich auf dem Zionsberg! Sie verkünden freimütig das Evangelium und unterweisen die religiöse Elite in Jerusalem. Sie tragen wirklich weiter, was Jesus begonnen hat – nun aber nicht mehr in der Wüste als Landschaft, sondern in der Wüste der mangelnden Erkenntnis der Hohepriester, Pharisäer und Schriftgelehrten!

Unterschätzen auch wir nicht die Kraft, die uns der Herr durch die Eucharistie und das Wort Gottes schenkt. Diese ist nicht dafür da, dass wir sie für uns selbst genießen, sondern sie strebt immer über uns hinaus zur Hingabe und zum Dienst am Nächsten.

Ihre Magstrauss

Freitag der Osteroktav

Apg 4,1-12; Ps 118,1 u. 4.22-23.24 u. 26-27a; Joh 21,1-14

Apg 4
1 Während sie zum Volk redeten, traten die Priester, der Tempelhauptmann und die Sadduzäer zu ihnen.

2 Sie waren aufgebracht, weil die Apostel das Volk lehrten und in Jesus die Auferstehung von den Toten verkündeten.
3 Und sie legten Hand an sie und hielten sie bis zum nächsten Morgen in Haft. Es war nämlich schon Abend.
4 Viele aber von denen, die das Wort gehört hatten, wurden gläubig; und die Zahl der Männer stieg auf etwa fünftausend.
5 Es geschah: Am anderen Morgen versammelten sich ihre Oberen sowie die Ältesten und die Schriftgelehrten in Jerusalem,
6 dazu Hannas, der Hohepriester, Kajaphas, Johannes, Alexander und alle, die aus dem Geschlecht der Hohepriester stammten.
7 Sie stellten die beiden in die Mitte und forschten sie aus: Mit welcher Kraft oder in wessen Namen habt ihr das getan?
8 Da sagte Petrus, erfüllt vom Heiligen Geist, zu ihnen: Ihr Führer des Volkes und ihr Ältesten!
9 Wenn wir heute wegen einer guten Tat an einem kranken Menschen darüber vernommen werden, durch wen er geheilt worden ist,
10 so sollt ihr alle und das ganze Volk Israel wissen: im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, den ihr gekreuzigt habt und den Gott von den Toten auferweckt hat. Durch ihn steht dieser Mann gesund vor euch.
11 Dieser Jesus ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist.
12 Und in keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen.

Heute hören wir die nachfolgenden Ereignisse, nachdem Petrus seine Bekenntnisrede in der Halle Salomos gehalten hat.
Die religiöse Elite bestehend aus dem Tempelhauptmann, den Sadduzäern und Hohepriestern tritt herzu und regt sich über die ganze Aktion auf.
Es passt ihnen überhaupt nicht, dass Petrus und Johannes die Auferstehung Jesu predigen, den sie nach umfassender Intrige endlich ans Kreuz bekommen haben.
So werden die beiden festgenommen und über Nacht gefangen gehalten. Das ist ihre erste Erfahrung mit Anfeindungen, weil sie im Namen Jesu gepredigt haben. Auch wenn sie festgehalten werden, kann die Tempellobby nichts dagegen tun, dass eine riesige Menge sich dem Glauben anschließt und die Zahl der Jerusalemer Urgemeinde auf 5000 ansteigt.
Am nächsten Tag werden die Apostel ähnlich wie Jesus damals verhört.
Es sind dieselben Hohepriester versammelt, die ähnliche Fragen stellen wie damals bei Jesus. Ihnen geht es um die Kraft, mit der die Apostel das Wunder vollbracht haben.
Auch jetzt ist Petrus nicht eingeschüchtert, sondern erfüllt vom Hl. Geist, der ihm den Mut verleiht, bekennt er Christus: In seinem Namen ist diese gute Tat an einem kranken Menschen vollzogen worden, den eben jene Hohepriester ans Kreuz gebracht haben, den der Tod aber nicht festhalten konnte. Jesus ist von den Toten auferstanden, so hat er den Tod und die Intrige der Hohepriester besiegt.
Genau diese Aussage untermauert Petrus mit dem sehr bekannten und viel verwendeten Zitat aus Ps 118: „Dieser Jesus ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist.“ Er zitiert die Hl. Schrift, weil er in der Sprache der Gelehrten sprechen möchte und die Erfüllung der Verheißungen unterstreichen möchte. Er versucht, ihnen den Wald begreiflich zu machen, von dem sie bisher nur die einzelnen Bäume betrachtet haben.
Petrus ist wie ausgewechselt. Er spricht freimütig, er zitiert dabei die Schrift und bezieht sie auf Christus. All dies verstand er zuvor nicht und er fürchtete sich davor, irgendeinen Nachteil zu erleiden dafür, dass er Jünger Jesu ist. Doch der Geist Gottes ist auf die Apostel hinabgestiegen und wirkt nun auch durch ihn. Er nimmt es sehr ernst, dass Christus ihn zum Felsen seiner Kirche gemacht hat. Wahrlich, er ist wirklich ein Fels in der Brandung, der die aufkommende Kirche mit allen Mitteln verteidigt! An ihm sehen wir, was möglich ist, wenn wir uns ganz und gar dem Wirken Gottes hingeben. Wenn wir uns ihm anbieten und ihm wirklich sagen: „Tue mit mir, was du willst! Nimm mein Leben hin!“, dann wird er aus uns glänzende Diamanten machen. Er wird uns schleifen, sodass wir unvorstellbar über uns selbst hinauswachsen. Wir werden selbst erstaunt sein, zu was Gott fähig ist mit uns!
Gott liebt auch die Hohepriester, die Sadduzäer, die Schriftgelehrten, alle, die ihn ablehnen. Er möchte, dass alle Menschen gerettet werden. Und so ist die ganze Situation für sie eine einzige Lektion. Sie sollen die Chance bekommen, die Ablehnung Jesu wieder gut zu machen. Stattdessen geht ihre Sturheit mit seinen Jüngern weiter.
So ist Gott. Er gibt uns immer wieder Chancen zur Umkehr. Er versucht einfach alles, um unsere Liebe zu erhalten. Er hat aus Liebe alle Menschen ins Dasein gerufen und möchte, dass jeder ihn zurückliebt. Deshalb wirbt er um jeden, deshalb versucht er, sich begreiflich zu machen. Bis zur letzten Sekunde unseres Lebens versucht er alles, damit wir nicht verloren gehen!

Ps 118
1 Dankt dem HERRN, denn er ist gut, denn seine Huld währt ewig!
4 So sollen sagen, die den HERRN fürchten: Denn seine Huld währt ewig.
22 Ein Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden.

23 Vom HERRN her ist dies gewirkt, ein Wunder in unseren Augen.
24 Dies ist der Tag, den der HERR gemacht hat; wir wollen jubeln und uns über ihn freuen.
26 Gesegnet sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch vom Haus des HERRN her.

27 Gott ist der HERR. Er ließ Licht für uns leuchten.

Im Kontext der Osteroktav beten wir wiederholt Psalm 118. Er wird uns die nächsten Tage immer wieder begleiten – wir haben ihn schon in der Osternacht gebetet. Es gibt kaum einen Psalm, der besser in die Osterzeit passt.
Gottes große Heilstaten verdienen stets unser Lob und unseren Dank. Wir können gar nicht genug danken für alles, was Gott uns Gutes tut! Und im Anschluss an den Mut des Petrus, der zur Heilung des Gelähmten steht, der die Chance für eine Bekenntnisrede nutzt und weitere 2000 Männer zum Glauben an Christus führt, können wir wirklich nur in einen Lobpreis verfallen!
Ganz im Psalmenstil beginnt das Danklied mit einer Aufforderung zum Dank, denn Gottes „Huld währt ewig!“
Alle Gottesfürchtigen sollen dies gläubig bekennen. Heute sind ganze 2000 Männer hinzugekommen, die gottesfürchtig geworden sind – sie waren es schon vorher, nun aber sind sie zugleich christusfürchtig geworden!
Dann beten wir Vers 22, den Petrus vor der Tempelelite auf Christus bezieht, auf ihn, dessen Verwerfung und Hinrichtung am Kreuz die Erlösung aller Menschen gebracht hat!
Gott hat diese Erlösung erwirkt, indem er selbst am Kreuz gestorben und auferstanden ist. Kein anderer Gott hat auf diese Weise die Menschheit erlöst und so können wir nicht anders, als zu jubeln und uns über ihn zu freuen. Diese Freude ist mehr als nur eine situative Emotion. Es handelt sich um eine innere Gewissheit, dass am Ende der Zeiten das Heil Gottes steht. Diese Gewissheit trägt den österlichen Menschen durch alles Leid hindurch, sodass er nicht anders kann, als optimistisch zu sein. Das hat nichts mit billiger Jenseitsvertröstung zu tun, sondern ist vielmehr ein gewandeltes irdisches Dasein mit einem österlichen Blick.
„Gesegnet sei, der kommt im Namen des HERRN!“ Diesen Ausruf haben die Jünger Jesu bei seinem Einzug in Jerusalem gesungen, als er auf einer Eselin hineingeritten kam und so als Messias die Hl. Schrift erfüllt hat. Wir beten diesen Ausruf in der Messe im sogenannten Benedictus, das heutzutage mit dem Sanctus gekoppelt ist.
„Wir segnen euch vom Haus des HERRN her“ ist für die Juden die höchste Form von Segen. Im Haus des HERRN, das heißt im Jerusalemer Tempel, ist Gott gegenwärtig. Der Tempel existiert heute nicht mehr. Dieser Vers ist für uns Christen nun auf den eucharistischen Segen zu beziehen, der die höchste Form von Segen darstellt. Gott wohnt im Haus des HERRN, das heißt jetzt in jedem Tabernakel der Kirche. Von dort aus geht ein Segen aus, der gleichzusetzen ist mit dem Segen Christi, den er den Menschen durch seine Heilstaten erwiesen hat. Er ist genauso leibhaftig anwesend wie vor seinem Tod und seiner Auferstehung, als er in Menschengestalt auf Erde wandelte.
Gott ist der HERR und er hat uns Licht geleuchtet – Christus, das Licht der Welt. Er ist der Messias, der die Finsternis erleuchtet hat, wie Jesaja schon 700 Jahre vor Christi Geburt angekündigt hat und wie Christus selbst über sich gesagt hat.

Joh 21
1 Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.

2 Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen.
3 Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.
4 Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
5 Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr keinen Fisch zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.
6 Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.
7 Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See.
8 Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot – sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen – und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.
9 Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot liegen.
10 Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt!
11 Da stieg Simon Petrus ans Ufer und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.
12 Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu befragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.
13 Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.
14 Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.

Im Evangelium hören wir nun von einer dritten Erscheinung Christi vor seinen Aposteln.
Die Apostel sind am See von Tiberias, womit der See Gennesaret gemeint ist. Bevor der Hl. Geist auf sie herabkommt, sind sie unschlüssig, wie sie ihr Leben fortsetzen sollen. Zwar hat Jesus ihnen gesagt: „Wie mich der Vater sendet, so sende ich euch!“ Doch sie verstehen das alles noch nicht. Deshalb tun sie das, was sie kennen und was sie vor ihrer Berufung als Jünger Jesu getan haben – fischen.
Petrus ist es ausgerechnet, der wieder als erstes das Wort ergreift und die anderen mitzieht. Er sagt kurzerhand „ich gehe fischen“. Die anderen anwesenden Apostel sagen daraufhin: „Wir kommen auch mit!“ Sie tun, worin sie am besten sind. In einer Situation der Ungewissheit bringt es einem Sicherheit, wenn man alte Gewohnheiten aufleben lässt.
Gott nutzt diese Situation, um ihnen wieder etwas Wichtiges beizubringen. Er lässt zu, dass sie in der gesamten Nacht nichts fangen.
Gegen Morgen erscheint ihnen Jesus am Ufer und fragt sie nach Fisch. Er weiß ganz genau, dass sie nichts gefangen haben, doch er möchte, dass sie dies von sich aus selbst sagen.
Währenddessen erkennen sie Jesus noch nicht. Man könnte annehmen, dass sie es langsam verstanden haben sollten, dass es der Auferstandene sein muss. Seine Wundmale an Händen und Füßen sind ja mehr als eindeutig. Man kann es vielleicht auf die Tageszeit beziehen. Die Sonne geht gerade erst auf und so ist es noch zu dunkel, Jesus zu erkennen. Wir können es auch auf das besorgte Kreisen der Apostel um sich selbst beziehen, die so von ihren Zukunftsängsten geplagt sind, dass sie gar nicht darauf achten, wer hier mit ihnen spricht.
Eines ist eindeutig: Es ist kein Zufall, dass Jesus ausgerechnet im Morgengrauen zu ihnen tritt. Für die Juden ist es verbreitet, den Messias vom Osten kommend zu erwarten. Im Osten geht die Sonne auf. Christus ist die Sonne der Gerechtigkeit. Er kommt im Morgengrauen. Dies haben wir auch schon beim Osterereignis selbst gemerkt! Er ist im Morgengrauen auferstanden und hat somit die Schrift erfüllt! Und nun kommt er wieder im Morgengrauen zu jenen, für die Nacht ist – die in ihrer Hoffnungslosigkeit und Orientierungslosigkeit dahinleben, die nicht wissen, wie es weitergeht. Er ist ihre Sonne, ihre Hoffnung, ihre Orientierung, ihr Segen. Und deshalb gibt er ihnen dann den Rat, nochmal die Netze auszuwerfen.
Er gibt ihnen Anweisungen, obwohl sie die Profis sind. Womöglich merken sie schon, dass hier etwas passiert, und werfen deshalb nochmal die Netze auf der rechten Seite des Bootes aus.
Als sie es wieder einholen wollen, ist es so brechend voll, dass die Netze zu reißen drohen!
So ist Gottes Gnade. Wenn er gibt, dann im Überfluss!
Wir können diese ganze Szene bis hierhin absolut auf unser eigenes Leben beziehen: Wenn Christus mit uns ist und wir alles tun, was er uns aufträgt, dann gelingt unser Leben. Wenn wir nach Gottes Willen leben und Hand in Hand mit ihm unser Leben leben, wird er uns überreich segnen. Dann werden wir große Zeichen in unserem Leben erkennen und die Größe Gottes mit eigenen Augen erfahren.
Johannes, der Jesu Herz am besten verstanden hat, der an diesem Herzen geruht hat im Abendmahlssaal und unter dem Kreuz bei der Durchbohrung, er ist der erste, der Jesus erkennt.
Als Petrus das erfährt, zieht er sich das Obergewand an, weil er nackt ist, und springt in den See. Was soll diese seltsame Reaktion? „Nackt sein“ bedeutet in diesem Fall nicht das Splitternacktsein, sondern die fehlende Oberbekleidung. Petrus fühlt sich bloßgestellt. Die eigentliche Nacktheit, die er verspürt, ist das Offenliegen seiner Ohnmacht vor dem Herrn. Er vermag nichts ohne ihn. Die ganze Nacht hat er versucht, das zu tun, was er am besten kann. Und selbst das hat nicht funktioniert. Seine ganze Armut liegt hier vor dem Auferstandenen bloß. Er springt in den See vor lauter Beschämung. Was ist denn daran so schlimm, sich vor Gott so hilflos zu fühlen, wenn dieser einem alles schenken kann? Für Petrus ist das ein Prozess der Demütigung. Er hat noch vor dem Leiden, dem Tod und der Auferstehung Jesu große Töne gespuckt. Er hat sich ganz weit aus dem Fenster gelehnt und sich grenzenlos überschätzt, als er zu Jesus sagte: „Mein Leben will ich für dich geben!“ DAS hier ist nun der echte Petrus. Ein einfacher Fischer, der selbst bei seinem Beruf nicht große Töne spucken kann. Der Mensch ist selbst bei den kleinsten Dingen auf Gott angewiesen. Petrus lernt endlich seine eigene Armut und Erlösungsbedürftigkeit kennen. Er lernt, endlich echt zu werden, authentisch. So lässt Gott auch in unserem Leben zu, dass wir lernen, uns im Angesicht Gottes so zu sehen, wie wir wirklich sind – mit allen Ecken und Kanten, mit allen Begrenzungen, mit Stärken und Schwächen. Erst wenn wir uns richtig erkannt haben, was Demut heißt, können wir Arbeiter in seinem Weinberg sein oder mit dem Bild dieses Evangeliums – Menschenfischer sein.
Petrus schämt sich vor Jesus, weil er ihn dreimal verleugnet hat. Im weiteren Verlauf, den wir heute nicht mehr hören, wird Christus ihn dreimal fragen, ob er ihn liebt. Er wird ihn konfrontieren und eine tiefe Versöhnung herbeibringen.
Es hat übrigens eine tiefe Bedeutung, dass sie am Ende die Fische zählen und es sich um 153 Exemplare handelt. So viele Länder sind zu jenem Zeitpunkt bekannt. Es zählt die Weltkarte, was für die Jünger ein Hinweis darauf sein soll, dass sie bald zu Menschenfischern in der ganzen Welt werden!
Jesus nimmt von den Fischen und bereiten den Jüngern ein Mahl. Ja, Jesus ist der Gastgeber auch der Eucharistie, zu der er uns immer wieder einlädt. Er ist es, der die Gaben wandelt und sich darin selbst opfert. Er ist es, der uns in unserem Leben nährt und Kraft schenkt. Er wird uns am Ende der Zeiten alle der Reihe nach bedienen bei der Hochzeit des Lammes. Es wird ein einziges Festmahl sein!
Das ist also die dritte Erscheinung des Auferstandenen. Petrus wird all dies in sich aufgenommen und nach der Spendung des Hl. Geistes begriffen haben. Von seiner Beschämung, von seinem gekränkten Ego, von seiner Furcht wird nichts mehr bleiben. Er wird voll von Erkenntnis und Weisheit freimütig für Christus einstehen und wahrlich ein vorbildlicher Menschenfischer werden. Wir sehen, dass dieser Petrus und der spätere Petrus das großartige Werk Gottes ist. So kann es auch mit uns gehen. Der Hl. Ignatius von Loyola hat es ganz trefflich ausgedrückt, als er sagte: „Die meisten Menschen ahnen nicht, was Gott aus ihnen machen könnte, wenn sie sich ihm nur zur Verfügung stellen würden.“ Genau so ist es. Petrus hat es gewagt und Gott sein Ja gegeben. So hat er eine unglaubliche Entwicklung durchlaufen mithilfe der Gnade Gottes. Und so können auch wir zu ganz neuen Menschen werden, die Tag für Tag über sich hinauswachsen, wenn wir ihm nur täglich unser Ja geben.

Das ist eine österliche Freudenbotschaft für alle Getauften und die, die es werden wollen! Es ist nicht zu spät, selbst wenn wir sehr große Sünder sind. Wenn wir den Mut aufbringen, umzukehren und auch den Demütigungsprozess zu durchlaufen, dann kann Gott auch uns ein neues Leben schenken.

Ihre Magstrauss

Donnerstag der Osteroktav

Apg 3,11-26; Ps 8,2 u. 5.6-7.8-9; Lk 24,35-48

Apg 3
11 Da er sich Petrus und Johannes anschloss, lief das ganze Volk bei ihnen in der sogenannten Halle Salomos zusammen, außer sich vor Staunen.
12 Als Petrus das sah, wandte er sich an das Volk: Israeliten, was wundert ihr euch darüber? Was starrt ihr uns an, als hätten wir aus eigener Kraft oder Frömmigkeit bewirkt, dass dieser gehen kann?
13 Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht, den ihr ausgeliefert und vor Pilatus verleugnet habt, obwohl dieser entschieden hatte, ihn freizulassen.
14 Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und die Freilassung eines Mörders erbeten.
15 Den Urheber des Lebens habt ihr getötet, aber Gott hat ihn von den Toten auferweckt. Dafür sind wir Zeugen.
16 Und aufgrund des Glaubens an seinen Namen hat dieser Name den Mann hier, den ihr seht und kennt, zu Kräften gebracht; der Glaube, der durch ihn kommt, hat ihm vor euer aller Augen die volle Gesundheit geschenkt.
17 Nun, Brüder, ich weiß, ihr habt aus Unwissenheit gehandelt, ebenso wie eure Anführer.
18 Gott aber hat auf diese Weise erfüllt, was er durch den Mund aller Propheten im Voraus verkündet hat: dass sein Christus leiden werde.

19 Also kehrt um und tut Buße, damit eure Sünden getilgt werden
20 und der Herr Zeiten des Aufatmens kommen lässt und Jesus sendet als den für euch bestimmten Christus!
21 Ihn muss freilich der Himmel aufnehmen bis zu den Zeiten der Wiederherstellung von allem, die Gott von jeher durch den Mund seiner heiligen Propheten verkündet hat.
22 Mose hat gesagt: Einen Propheten wie mich wird euch der Herr, euer Gott, aus euren Brüdern erwecken. Auf ihn sollt ihr hören in allem, was er zu euch sagt.
23 Jeder, der auf jenen Propheten nicht hört, wird aus dem Volk ausgemerzt werden.
24 Und auch alle Propheten von Samuel an und alle, die später auftraten, haben diese Tage angekündet.
25 Ihr seid die Söhne der Propheten und des Bundes, den Gott mit euren Vätern geschlossen hat, als er zu Abraham sagte: Durch deine Nachkommenschaft sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen.
26 Für euch zuerst hat Gott seinen Knecht erweckt und gesandt, damit er euch segnet und jeden von seiner Bosheit abbringt.

Heute hören wir die Fortsetzung der ersten Heilung im Namen Jesu. Diese schlägt hohe Wellen.
Viele Menschen sammeln sich in der Halle Salomos und staunen über das Wunder.
Petrus nutzt diese Gelegenheit und setzt zu einer Bekenntnisrede an:
Er beginnt diese mit einer rhetorischen Frage („Was wundert ihr euch darüber?“). Er bekennt freimütig, dass die Tat nicht aus eigener Kraft geschehen ist, sondern dass durch ihn Christus selbst gehandelt hat.
Er beginnt daraufhin eine Erklärung der Verheißungen des Alten Testaments, die sich mit Christus erfüllt haben. Ausgehend von dem, was die anwesenden Juden kennen, wendet er die Heilsgeschichte auf Christus an.
Dafür benutzt er bekannte Wendungen wie „der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter“ und „sein Knecht Jesus“, den er somit als den leidenden Gottesknecht identifiziert.
Er erklärt, dass Jesus der Messias ist, den Gott verherrlicht hat, der aber von den Menschen verkannt worden ist – und rhetorisch klug bezieht er dies auf eben jene, die in der Halle Salomos anwesend sind. Sie sollen von seinen Worten betroffen sein, damit sie umkehren und die Wahrheit erkennen. Er wirft ihnen vor, den Heiligen und Gerechten durch eine Intrige umgebracht zu haben, den Urheber des Lebens. Diese Titel sind typisch göttlich. Nur dieser ist der Heilige, Gerechte und der Urheber des Lebens. Petrus bekennt, dass Christus Gott ist.
Dieser blieb nicht im Tod. Petrus bekennt, dass Jesus von den Toten auferstanden ist und die Apostel Zeugen dafür sind.
Weil Petrus und Johannes an den Namen Jesu glauben, ist dieses Heilungswunder geschehen. Jesus selbst hat durch sie diese Heilstat begangen und dem Gelähmten die volle Gesundheit geschenkt, wofür nun die Anwesenden in der Halle Salomos Zeugen darstellen.
Petrus sagt dabei auch aus, dass der Glaube durch ihn komme. Das heißt, dass der Glaube ein Geschenk ist und nicht selbst gemacht werden kann. Er ist eine Gabe Gottes.
Im weiteren Verlauf räumt er den Anwesenden ein, dass sie nicht aus Boswillen, sondern Unwissenheit die Hinrichtung des Messias gefordert hätten. Ihm ist klar, dass hinter ihrem „Kreuzige ihn!“ die religiöse Elite steckt, die die Volksmenge manipuliert und aufgehetzt hat. Er räumt sogar ein, dass eben jene religiöse Elite unwissend war, denn sie haben Jesus als den Messias nicht erkannt. Aus demselben Grund hat Jesus ja auch am Kreuz gebetet: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“
Diese tragischen Umstände hat Gott aber wiederum genutzt, um das universale Heil zu erwirken. Gott kann die größte Katastrophe in den größten Segen umwandeln, weil er ein Gott des Heils ist. Dieser Heilsplan stand schon von Anfang an fest und die Propheten haben es schon angekündigt. Es ist aufgeschrieben in den Hl. Schriften der Juden, die die Anwesenden alle kennen. Sie haben vor allem sein Leiden angekündigt (wir denken natürlich besonders an die Gottesknechtslieder des für sie sehr bekannten Propheten Jesaja).
Und dies alles erklärt Petrus, um sie auf das Hauptanliegen seiner Ansprache zu führen – die Umkehr und Sühne der Sünden.
Und wenn sie dies tun, dann wird der Herr Zeiten des Aufatmens schenken (das heißt Segen) verbunden mit der Wiederkunft Christi. Wenn er wiederkommt, wird Gott alles wiederherstellen, wie es ebenfalls die Propheten vorhersagen.
So führt Petrus einige konkrete Beispiele an wie Mose, der von einem künftigen Propheten spricht, oder Samuel, der sehr ähnliche Dinge prophezeit hat.
Er spricht die Menge direkt an, indem er sie als die Nachkommen jener großen Heilsgestalten Mose und Samuel bezeichnet. Es ist verheißen worden, dass durch sie die ganze Welt Segen erlangen werde („das Heil kommt von den Juden“ – Jesus, das Heil in Person, ist selbst als Jude in diese Welt eingegangen!). Und weil die Juden das Volk sind, in das er hineingeboren wurde, das auserwählte Volk Gottes des Alten Bundes, ist Jesus zuerst für sie gekommen, damit sie von ihrem sündigen Weg abrücken.
Er ist für alle gestorben, das weiß Petrus auch. Aber er betont, was Jesus selbst in Anwesenheit der Syrophönizierin gesagt hat, damit die anwesenden Juden das Heil erkennen und annehmen.
Wie es weitergeht, hören wir heute nicht, aber uns ist ja bekannt, dass die Heilstaten bis zu den Hohepriestern und Schriftgelehrten vordringen. Wie diese sich wohl gefühlt haben? Sie dachten, sie hätten den Aufruhr im Volk, die ganze Bewegung um diesen für sie falschen Messias herum durch seine Hinrichtung endlich beendet und nun beginnt alles von vorne! Das Heil Gottes ist nicht mundtot zu kriegen. Das soll auch uns zum Nachdenken bringen!

Ps 8
2 HERR, unser Herr, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde, der du deine Hoheit gebreitet hast über den Himmel.
5 Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
6 Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, du hast ihn gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit.
7 Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über die Werke deiner Hände, alles hast du gelegt unter seine Füße:
8 Schafe und Rinder, sie alle und auch die wilden Tiere,
9 die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, was auf den Pfaden der Meere dahinzieht.

Im Psalm preisen wir nun den Namen Gottes auf der Erde. Es ist eben jener Name, durch den Petrus und Johannes den Gelähmten geheilt haben. Der Name liegt auf der Erde wie der Rauch bzw. die Wolke Gottes auf dem Tempel. Gott ist überall und das ist eine Trostbotschaft für uns. Er ist bei uns, die wir seine Schöpfung sind.
Wir betrachten in dem Psalm vor allem die Schöpfung der Menschheit. Wie kostbar ist diese für den Herrn, dass er sich ihrer annimmt und eine durchgehende Beziehung zu ihr führt! Die ganze Heilsgeschichte, die wir von der Genesis bis zur Johannesoffenbarung vor uns haben, ist eine einzige Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen. Er wendet sich seinen Geschöpfen zu und tut alles, um deren (Gegen)Liebe zu erwerben.
Dabei hat der Mensch im Gesamt der Schöpfung eine besondere Stellung. Er ist wahrlich die Krone der Schöpfung, denn „du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, du hast ihn gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit.“ Dies wird im Schöpfungsbericht ja dadurch deutlich, dass der Mensch als Abbild Gottes geschaffen worden ist. Die ewige Seele ist es, die ihm Herrlichkeit und Pracht verleiht.
„Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über die Werke deiner Hände, alles hast du gelegt unter seine Füße“ – die restliche Schöpfung ist dem Menschen anvertraut, weil dieser befähigt ist, Verantwortung für sie zu übernehmen. Gott legte ihm die Schöpfung aber nicht unter die Füße, damit er sie wie ein Tyrann unterdrücke, sondern wie ein Hirte für sie sorge.
In den letzten zwei Versen werden dann Bereiche der Schöpfung aufgezählt, die dem Menschen anvertraut werden.
All das sind wichtige und gute Ausführungen, werden aber erst dann zur Lesung in Bezug gebracht, wenn der Psalm über den wörtlichen Sinn hinaus in seinem geistlichen Sinn betrachtet wird:
Der Mensch, den Gott nur wenig geringer als sich geschaffen hat, ist auch mit der neuen Schöpfung gegeben – den Anfang dieser neuen Schöpfung kennzeichnet ebenfalls ein Menschenpaar – Jesus und Maria. Jesus hat diese neue Schöpfung begründet und auch ihm legt der Vater die gesamte Schöpfung unter die Füße – ihm, dem Erhöhten am Kreuz!
Und diese gesamte Schöpfung ist zusammengefasst in Maria und Johannes, die unter dem Kreuz stehen. Maria ist der Archetyp der Kirche, sie ist das Vorbild der vollkommenen Jüngerschaft und durch die Zuteilung des Johannes zu Maria als Sohn wird Maria zur Mutter aller Glaubenden – sie ist dadurch die neue Eva, die Mutter der Lebenden, nicht mehr der irdisch Lebenden, sondern ewig Lebenden bei Gott.
Jesus Christus ist wahrlich Herrlichkeit und Pracht verliehen worden in einem Maße, den der alte Mensch nicht erfahren hat – schon allein durch den Sündenfall. Wir sprechen hier von Christus in seiner Menschheit, in seiner Gottheit ist er Gott gleich.
Jesus ist der Herrscher über die Schöpfung – die Neugeschaffenen durch den Hl. Geist in der Taufe. Er ist das Haupt und wir die Glieder. Er ist der König des Reiches Gottes.
Und Christus ist dies alles nicht nur für die Menschen: Durch sein Erlösungswirken erlöst er die ganze Welt, auch die Tierwelt, denn diese ist durch den Sündenfall des ersten Menschenpaares auch ins Chaos gestürzt. Wir lesen bei der Friedensvision des Jesaja davon, wie die Tiere vor dem Sündenfall waren und wie sie mit Neuschöpfung Gottes wieder sein werden.
Es wird eine Versöhnung der gesamten Schöpfung sein!

Lk 24
35 Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.
36 Während sie noch darüber redeten, trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
37 Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen.
38 Da sagte er zu ihnen: Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen Zweifel aufkommen?
39 Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht.
40 Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße.
41 Als sie es aber vor Freude immer noch nicht glauben konnten und sich verwunderten, sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier?
42 Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch;
43 er nahm es und aß es vor ihren Augen.
44 Dann sagte er zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesprochen habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich geschrieben steht.
45 Darauf öffnete er ihren Sinn für das Verständnis der Schriften.
46 Er sagte zu ihnen: So steht es geschrieben: Der Christus wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen
47 und in seinem Namen wird man allen Völkern Umkehr verkünden, damit ihre Sünden vergeben werden. Angefangen in Jerusalem,
48 seid ihr Zeugen dafür.

Im Evangelium hören wir nun die Fortsetzung der Emmauserzählung. Die Emmausjünger sind in Jerusalem eingetroffen und erzählen von ihrer Begegnung mit dem Auferstandenen, nachdem es schon die in Jerusalem gebliebenen Apostel getan haben.
Während sie erzählen, kommt der Auferstandene in ihre Mitte und begrüßt sie mit den Worten „Friede sei mit euch!“
Sie reagieren mit Furcht, denn sie denken, einen Geist zu sehen. Das ist eine allzu menschliche Reaktion, denn dass jemand mit Leib und Seele aufersteht, ist bis dato etwas ganz Neues.
Jesus konfrontiert sie mit ihren Zweifeln, denn eigentlich haben sie ihn ja schon leibhaftig erfahren.
Er geht auf ihre Zweifel ein und zeigt ihnen die Hände und Füße, an denen die Male der Kreuzigung noch zu sehen sind und ihn als denselben ausweisen, den sie vor dem Tod gesehen haben.
Da sie es vor lauter Freude immer noch nicht fassen können, isst er vor ihren Augen sogar ein Stück gebratenen Fisch. Ein Geist kann ja nichts essen, denn er ist ja nicht einmal materiell.
Als Auferstandener erklärt Jesus ihnen ausgehend von der Hl. Schrift und den Verheißungen der Propheten, dass alles, was passiert ist, passieren musste und die Schrift erfüllt hat.
Insbesondere sein Leiden ist von den Propheten angekündigt worden als Voraussetzung für die Erlösung und Sühne aller Sünden. Er ist so weit gegangen, um die ganze Welt zur Umkehr zu bewegen, angefangen in Jerusalem.
Damit die Menschen diese Heilstat gläubig annehmen, sollen die Apostel mit ihrem Zeugnis einstehen. Deshalb erscheint er ihnen nach seiner Auferstehung immer wieder und erklärt ihnen ausgehend von der Schrift den Plan Gottes.
Er muss es immer wieder tun, denn den Aposteln ist der Hl. Geist in umfassender Weise noch nicht geschenkt worden, der ihnen die Augen für diese Zusammenhänge öffnet. Wenn Jesus „die Propheten“ andeutet, sind vor allem die Prophezeiungen der Gottesknechtslieder aus dem Buch Jesaja gemeint. Gerade dort wird der Sühnetod des Gerechten angekündigt, durch den die Sünde der Welt getragen wird.

Alles hat einen Sinn, auch wenn dieser oft erst im Nachhinein erkannt wird. Die schlimmste Katastrophe ist zum größten Heilsakt aller Zeiten geworden und Jesus ist leibhaftig auferstanden. Er verdeutlicht seinen Aposteln den Sinn seines Leidens und deutet es im Licht der Heilsgeschichte, die sie als fromme Juden aus den Hl. Schriften kennen. Dies wird Petrus nicht vergessen, wenn er dann nach dem Pfingstereignis voller Beherztheit vor die Menschenmengen tritt und mutig für Christus und das Osterereignis einsteht. Er setzt das um, was Jesus als Auferstandener in ihrer Mitte gesagt hat: „Ihr seid Zeugen dafür.“

Wie ist es mit uns? Auch wir sind Zeugen seiner Auferstehung, nämlich in jeder Heiligen Eucharistie. Was wir dort schauen und was wir empfangen – tragen wir es in die Welt hinaus und stehen mutig dafür ein? Herr, gib auch uns den Hl. Geist, damit wir so mutig bekennen, dass du ein Gott des Lebens bist und sich auch heute in Zeiten einer Kultur des Todes nichts daran ändert!

Ihre Magstrauss