Heiliger Josef, Bräutigam der Gottesmutter Maria

2 Sam 7,4-5a.12-14a.16; Ps 89,2-3.4-5.27 u. 29; Röm 4,13.16-18.22; Mt 1,16.18-21.24a

Heute feiern wir ein ganz besonderes Hochfest, nämlich zu Ehren des Pflegevaters und Bräutigams Josef. Er ist unter anderem der Schutzpatron der Kirche und somit ein besonders großer Fürsprecher in der momentanen Coronakrise. Heiliger Josef, bitte für uns!

2 Sam 7
4 Aber in jener Nacht erging das Wort des HERRN an Natan:
5 Geh zu meinem Knecht David und sag zu ihm: So spricht der HERR:
12 Wenn deine Tage erfüllt sind und du dich zu deinen Vätern legst, werde ich deinen leiblichen Sohn als deinen Nachfolger einsetzen und seinem Königtum Bestand verleihen.
13 Er wird für meinen Namen ein Haus bauen und ich werde seinem Königsthron ewigen Bestand verleihen.
14 Ich werde für ihn Vater sein und er wird für mich Sohn sein.
16 Dein Haus und dein Königtum werden vor dir auf ewig bestehen bleiben; dein Thron wird auf ewig Bestand haben.

In der ersten Lesung hören wir die Worte des Propheten Natan, die ihm im Anschluss an Davids Unterredung mit Gott eingegeben werden. Zuvor hat dieser nämlich Gott zu verstehen gegeben, dass er ihm ein festes Heiligtum bauen möchte, da bis dato der Tempel aus dem Offenbarungszelt bestand. Natan erhält nun die Antwort Gottes auf Davids Vorhaben. Dieser gibt ihm ein:
Nicht er selbst wird der Tempel errichten, sondern sein Sohn. Später werden wir erfahren, dass es sein Sohn Salomo sein wird. In den Chronikbüchern erfahren wir zudem noch weitere Details, warum nicht David selbst den Tempel errichten soll: An seinen Händen klebt zu viel Blut. Er hat so viele Schlachten geführt, zu viel Blut vergossen. Gottes Tempel ist heilig und deshalb muss der König von der Blutschuld verschont sein. Salomo wird zeitlebens keine Kriege führen müssen, weil Gottes wunderbare Vorsehung für eine friedliche Zeit sorgen wird. So wird er sich ganz auf den Tempelbau konzentrieren können.
Natan vermittelt David, dass wenn er sich zu den Vätern legt, das heißt wenn er stirbt, wird Salomo zum König eingesetzt werden und das Königtum Bestand haben. Er wird den Tempel errichten und er wird für Gott Sohn, Gott für ihn Vater sein. Dieser Königsthron wird auf ewig bestehen.
Diese Worte sind zunächst wörtlich zu nehmen und gelten unter der Voraussetzung, dass dieser König im Stand der Gnade ist, also sich an den Bund hält und sich nicht schwer versündigt. Wir wissen allerdings, dass Salomo sich einen riesigen Harem anlegen wird, wobei viele Frauen anderer Religionen angehören, zu denen er dann verführt wird. Er wird Götzen Altäre und Heiligtümer errichten und so die Gnade Gottes verspielen.
Wir lesen diese Botschaft Gottes an David heute noch weiter, nämlich allegorisch. So erkennen wir einen Typos Christi in Salomo! In dieser Leserichtung ist das Sterben Davids mit dem frühen Tod Josefs in Analogie zu setzen, der als Sohn Davids den König des Reiches Gottes als Sohn haben wird. Erst nach seinem Tod wird Jesus sein öffentliches Wirken antreten. Er wird das Reich Gottes verkünden und am Ende als „König der Juden“ hingerichtet werden. Er wird zur Tempellobby sagen: Reißt diesen Tempel nieder und ich werde ihn in drei Tagen wieder aufbauen. Es wird der Tempel seines Leibes sein und mit der Auferstehung wahr werden. Der Tempel, den er begründen wird, ist die Kirche. Er wird den neuen Bund besiegeln, den alle Christen mit Gott in der Taufe eingehen. So wird Gott auch in uns Wohnung nehmen in dem Tempel unserer Seele. Diese ist ewig, sie hat Bestand, wie Natan Salomo angekündigt hat. Auch die Kirche hat Bestand, denn Jesus verheißt an anderer Stelle, dass die Mächte der Finsternis sie nicht überwältigen werden.
Was Natan hier von Gott eingegeben bekommt, ist also mehr als nur die Antwort auf Davids Vorhaben. Es ist eine heilsgeschichtlich weitreichende Verheißung!

Ps 89
2 Von der Huld des HERRN will ich ewig singen, von Geschlecht zu Geschlecht mit meinem Mund deine Treue verkünden.

3 Denn ich bekenne: Auf ewig ist Huld gegründet, im Himmel deine Treue gefestigt.
4 Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten und David, meinem Knecht, geschworen:
5 Auf ewig gebe ich deinem Haus festen Bestand und von Geschlecht zu Geschlecht gründe ich deinen Thron.
27 Er wird zu mir rufen: Mein Vater bist du, mein Gott, der Fels meiner Rettung.
29 Auf ewig werde ich ihm meine Huld bewahren, mein Bund mit ihm ist verlässlich.

Wir beten aus gegebenem Anlass wieder den sogenannten Königspsalm 89. Die Psalmen reflektieren ja immer die Lesung aus dem AT. So beginnt der Abschnitt heute mit einer für Psalmen typischen Lobaufforderung an sich selbst (will ich ewig singen). Gottes Treue ist ewig, sie ist „im Himmel…gefestigt“. Gott hält seine Versprechen. Er ist es, aus dessen Sicht ab Vers 4 beschrieben wird: „Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten und David“. Wörtlich steht hier „Ich schnitt einen Bund (im Hebräischen schneidet man, כָּרַ֣תִּֽי karati „ich schnitt“) mit meinem Erwählten, ich schwor meinem Knecht David.“ Es handelt sich also nicht um zwei Personen, sondern bezieht sich beides auf ein und dieselbe Person. Gott hat einen Bund mit diesem besonderen König geschlossen. Es handelt sich um die Bekräftigung und Ausweitung des Alten Bundes zu einer gesamtstämmischen Einheit. Das ganze ist aber auch typologisch zu betrachten – der Erwählte (hier ist wieder das Wort בָּחִיר bachir enthalten, der Jüngling im heiratsfähigen Alter) ist nun auf Jesus zu beziehen, der sich freiwillig zum bachir macht um des Himmelreiches willen. Er bezeichnet sich sogar als Eunuchen, meint dies aber natürlich nicht wörtlich, sondern sinnbildlich. Dieser Bund, den Gott geschlossen hat durch Christus, ist der Neue Bund mit allen Menschen. Im griechischen AT wird sogar mit Plural übersetzt, was linguistisch gesehen auch möglich ist. Dadurch wird nicht Christus in den Blick genommen, DURCH den der Neue Bund besiegelt worden ist, sondern die „Erwählten“, wir Menschen, MIT denen er ja den Bund geschlossen hat. Der griechische Begriff an dieser Stelle ist ἐκλεκτοῖς eklektois und wird auch im NT sowohl für Christus als auch für die Getauften verwendet (Lk 23,35; 1 Petr 1,1).
Auch hier wird die Zusage Gottes aufgegriffen, dem davidischen Königshaus Bestand zu verleihen. Dies wird der Fall sein, aber anders als die Menschen denken: Es wird ewig bestehen durch Christus, den Sohn Davids, der tatsächlich leiblicher „Sohn“ Davids ist. Wir lesen dies ja im Stammbaum nach Matthäus. Er trägt Davids Gene in sich. Und doch ist dies ein anderes Königtum als das des David. Es geht hier um den König des Reiches Gottes. Sein Reich ist nicht von dieser Welt, wie er selbst vor Pilatus erklärt hat (vgl. Joh 18,36). „Von Geschlecht zu Geschlecht“, d.h. in diesem Fall dann zu allen Zeiten, wird Christus der König derer sein, die an ihn glauben und sich auf seinen Namen taufen lassen. Das „Haus“, das hier erwähnt wird, ist wörtlich gesehen zunächst das Königshaus. Wir müssen es aber tiefer verstehen als Kirche. Sie ist als Gemeinschaft der Gläubigen das Königreich Christi auf Erden, die sakramentale Antizipation der Ewigkeit. Sie wird auf ewig nicht untergehen – solange die Welt besteht, wird der Satan sie nicht überwältigen, das hat der treue Christus uns versprochen – und am Ende der Zeiten wird sie sich durchsetzen und ihren Wohnsitz einnehmen in der neuen Schöpfung Gottes.

Röm 4
13 Denn Abraham und seine Nachkommen erhielten nicht aufgrund des Gesetzes die Verheißung, Erben der Welt zu sein, sondern aufgrund der Glaubensgerechtigkeit.
16 Deshalb gilt: aus Glauben, damit auch gilt: aus Gnade. Nur so bleibt die Verheißung für die ganze Nachkommenschaft gültig, nicht nur für die, welche aus dem Gesetz, sondern auch für die, welche aus dem Glauben Abrahams leben. Er ist unser aller Vater,
17 wie geschrieben steht: Ich habe dich zum Vater vieler Völker bestimmt – im Angesicht des Gottes, dem er geglaubt hat, des Gottes, der die Toten lebendig macht und das, was nicht ist, ins Dasein ruft.
18 Gegen alle Hoffnung hat er voll Hoffnung geglaubt, dass er der Vater vieler Völker werde, nach dem Wort: So zahlreich werden deine Nachkommen sein.
22 Darum wurde es ihm auch als Gerechtigkeit angerechnet.

In der zweiten Lesung des heutigen Hochfestes reflektiert Paulus die Gunst, die uns Menschen durch den alten Bund erwiesen worden ist: Abraham und seinen Nachkommen, mit denen Gott den Bund immer wieder erneuert hat, ist diese besondere Ehre nicht deshalb zuteil geworden, weil sie es sich zuvor verdient hätten. Ebenso können wir Christen sagen, dass wir nicht deshalb durch das Kreuzesopfer Jesu Christi erlöst worden sind, weil wir das zunächst irgendwie verdient hätten. Das wird durch die Wendung „aufgrund des Gesetzes“ ausgedrückt, was meint, dass die Torah gehalten wird. Abraham und seinen Nachkommen wurde die Gnade aufgrund der Glaubensgerechtigkeit verliehen. Zu Abrahams Zeiten gab es die Torah noch gar nicht. Er hat Gott ganz geglaubt und ihm vertraut, deshalb hat Gott mit ihm den Bund geschlossen.
Paulus erklärt, dass Glaube und Gnade zusammenspielen. Abraham erhielt die Gnade wegen seines bedingungslosen Vertrauens auf Gott. So ist es auch mit allen anderen Menschen, die die Gnade Gottes dadurch erhalten, dass sie ihm bedingungslos vertrauen. Dabei müssen sie nicht notwendigerweise beschnitten sein und die Torah halten. Das ist zumindest nicht die Voraussetzung für die Gnade Gottes. Das wäre Werksgerechtigkeit. Auch wir als Christen sagen, dass die Taufe als sichtbares Zeichen unseres inneren Glaubens heilsnotwendig ist. Dass wir erlöst sind, kommt zuerst und der Glaube an Jesus Christus ist die Antwort auf die Erlösung. Diese ist uns geschenkt und deshalb unverdiente Gnade. Das bedeutet aber nicht, dass Paulus das Halten der Gebote für überflüssig erklärt. Es geht darum, was zuerst ist. Und die Gnade Gottes ist immer zuerst – sowohl bei Abraham als auch bei uns.
Es geht in diesem Ausschnitt aus dem Römerbrief um den Glauben Abrahams, der entgegen aller biologischen Voraussetzungen eine unglaubliche Verheißung erhält und dennoch daran glaubt. Trotz ausbleibender Nachkommen wurde ihm nämlich eine unzählbare Nachkommenschaft verheißen. Er ist Vater vieler Völker geworden und wir müssen seinen Glauben heute in Analogie zu Josef setzen, der ebenfalls Gott geglaubt hat in einer unglaublichen Situation. So ist auch er zum Vater vieler Völker geworden, wenn auch nur geistig – nämlich zum Patron des neuen Volkes, zum Schutzpatron der Kirche. Gott hat ihn auserwählt, nicht weil er es sich zuvor verdient hat, sondern weil es die Vorsehung so wollte. Es ist ein absolutes Geschenk Gottes. Auch Josef nennen wir einen gerechten Mann, nicht weil er sich die Gerechtigkeit durch das Halten der Torah verdient hat (die Torah hat er gewissenhaft gehalten!), sondern weil er Gott ganz geglaubt hat. Dies hören wir nun im Evangelium:

Mt 1
16 Jakob zeugte den Josef, den Mann Marias; von ihr wurde Jesus geboren, der der Christus genannt wird.
18 Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete – durch das Wirken des Heiligen Geistes.
19 Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen.
20 Während er noch darüber nachdachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.
21 Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.
24 Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.

Zu Beginn des Evangeliums hören wir den Abschluss des Stammbaums Jesu Christi. Dieser Stammbaum ist jüdisch und patrilinear orientiert. Das heißt wir hören immer wieder von einem Vater, der einen Sohn zeugt. Dies wird dreimal in vierzehn Generationen strukturiert, sodass für uns deutlich wird – Jesus ist der Sohn Davids. Am Ende des Stammbaums stutzen wir allerdings. Denn da heißt es ausgerechnet an der wichtigsten Stelle nicht mehr „Josef zeugte den Jesus“, sondern es wird gesagt, dass dieser der Mann Mariens ist und von ihr Jesus geboren wurde! Das fällt in einem typisch jüdischen Stammbaum auf. Hier ist also etwas Besonderes geschehen.
Dann hören wir von der Geburt des Messias. Das Matthäusevangelium berichtet sie vor allem aus der Sicht Josefs. Dies macht absolut Sinn, wenn wir an den patrilinearen, also väterorientierten Stammbaum denken. Wenn es also um die Geburt eines Kindes geht, macht es Sinn, dass das Matthäusevangelium die Vaterperspektive betont. Wir lesen heute auch wieder solche Formulierungen, die die biologische Vaterschaft Josefs ausschließen: „Maria, seine Mutter“ ist eine Andeutung solcher Art, die im Stammbaum durch das Auslassen des Satzes „Josef zeugte den Jesus“ und den Verweis auf seine Frau Maria ausgedrückt worden ist. Dies wird noch viel eindeutiger im weiteren Verlauf des Evangeliums, wo immer wieder „das Kind und seine Mutter“ gesagt wird, nicht „Josefs Sohn“ (z.B. in Mt 2,13-14) – in einem Evangelium, das eigentlich sehr patrilinear orientiert ist! Das fällt auf.
Josef ist ein gerechter Mann und somit ist die Verbindung zu Abraham geschaffen. Gott hat sich etwas dabei gedacht, ausgerechnet diesen Menschen als Ziehvater seines Sohnes vorzubereiten. Josef wollte seine Frau nicht bloßstellen – denn erstens war Maria vor der Ehe schwanger geworden und zweitens als geweihte Jungfrau! Um ihre Ehre zu bewahren, möchte er sich von ihr trennen. Wir verstehen seine noble Tat erst, wenn wir die jüdischen Gesetze kennen:
Wenn ein unberührtes Mädchen, das einem Mann versprochen ist, von einem anderen Mann schwanger wird, sollen der andere Mann sowie die Frau gesteinigt werden (Dtn 22,23f.). Dem Betrogenen wird keine Schuld zugeschrieben. Warum will sich Josef dann von ihr trennen? Josefs Gerechtigkeit ist eine größere als die der buchstabentreuen Juden seiner Zeit, die auch Paulus im Römerbrief kritisiert. Er denkt keinen Moment daran, das mosaische Gesetz auszuführen, sondern er überlegt, die ganze Schuld auf sich zu nehmen. Indem er sich nämlich in aller Stille von Maria getrennt hätte, hätte es nach außen hin so ausgesehen, als hätte er sie verlassen, nachdem er mit ihr ein Kind gezeugt hatte. So hätte sie als „Verführte“ und „Verlassene“ keine Schuld getroffen. Er wäre bestraft, Marias Leben und das des Kindes aber gerettet worden. DAS meine Lieben, ist ein würdiger Ziehvater, den sich Gott auserwählt hat. Er hat seine Gerechtigkeit schon vor der Geburt des Gotteskindes unter Beweis gestellt und das alles, noch bevor er von Gottes Plan gehört hat! Josef hat wirklich ein reines Herz.
Er führt seine Überlegungen nicht aus, weil ihm im Traum ein Engel des Herrn den Heilsplan Gottes offenbart hat. Bei den Worten des Engels ist sehr auffällig, dass er Josef „Sohn Davids“ nennt. Die jüdischen Hörer dieses Evangeliums werden eins und eins zusammengezählt haben. Das Kind, das in die Welt kommen soll, erhält auf Erden einen davidischen Vater. Somit erfüllen sich die messianischen Verheißungen der Hl. Schriften. Dieser Messias wird von einem davidischen Vater erzogen werden, der selbst ein gerechter Mann ist. Josef wird zum Antitypos des alternden David aus der Lesung. So wird der Messias selbst gerecht sein, als Gott durch die göttliche Eigenschaft der Gerechtigkeit, als Mensch dank Josef und seiner Tugend der Gerechtigkeit. Diese Zweidimensionalität reflektiert Paulus am Anfang seines Römerbriefs. Josef handelt nach Gottes Willen ohne Widerrede und Skepsis. Er hat diesen Glaubensgehorsam, von dem Paulus spricht. Dieser macht ihn gerecht. Die Steinigung seiner schwangeren Verlobten als Ausführung des mosaischen Gesetzes hätte ihn nicht gerecht gemacht.
Das Kind ist vom Hl. Geist, aber Josef soll es benennen. Damit wird deutlich, dass er es als sein Kind adoptieren soll.
Der Engel gibt ihm auch den Namen vor und erklärt dessen Bedeutung: Dieses Kind wird das Volk von seinen Sünden erlösen. Das ist eine Verheißung, die immer und immer wieder im AT genannt wird. Damit wird dem frommen Juden Josef klar: Das Kind ist der Messias und muss deshalb Jesus heißen.

Lassen wir uns heute berühren von Gottes großen Heilstaten. Er hat das lange jahrhundertelange Schreien seines auserwählten Volkes erhört und ist wie verheißen als davidisches Kind in dieser Welt Mensch geworden. Er hat für die Umsetzung seines Heilsplans sowohl die Jungfrau bereitet als auch den gerechten Mann, der sie mit allen Mitteln beschützt. Diese Familie ist besonders. Sie ist eine geistige Familie, da alles Biologische, was im Judentum sonst üblich ist, hier komplett entfällt. Das Kind hat keinen menschlichen Vater, es wird nicht auf natürliche Weise gezeugt, es wird nicht auf natürliche Weise geboren. Die Eltern führen keine natürliche, sondern übernatürliche Ehe.
Danken wir heute besonders dem Hl. Josef, der so wunderbar gehandelt hat. Sonst wäre Jesus nicht in diese Welt gekommen, dessen Leben schon von Anfang an bedroht gewesen ist. Wir können wirklich viel von ihm lernen, besonders für unsere eigenen Familien. Sein Glaubensgehorsam, der Taten sprechen lässt, hat uns die Erlösung ermöglicht. Bitten auch wir um diesen Glaubensgehorsam, durch den auch wir zu Werkzeugen des Heils Gottes werden. Danke du heiliger Ziehvater und treuer Bräutigam, beschütze auch uns, die Braut Christi, die Kirche, wie du Maria, deine Braut beschützt hast. Versorge du uns geistig, wie du deine Familie mit allen Mitteln versorgt hast.

Ihre Magstrauss

Mittwoch der 1. Woche in der Fastenzeit

Jona 3,1-10; Ps 51,3-4.12-13.18-19; Lk 11,29-32

Jona 3
1 Das Wort des HERRN erging zum zweiten Mal an Jona: 

2 Mach dich auf den Weg und geh nach Ninive, der großen Stadt, und rufe ihr all das zu, was ich dir sagen werde! 
3 Jona machte sich auf den Weg und ging nach Ninive, wie der HERR es ihm befohlen hatte. Ninive war eine große Stadt vor Gott; man brauchte drei Tage, um sie zu durchqueren. 
4 Jona begann, in die Stadt hineinzugehen; er ging einen Tag lang und rief: Noch vierzig Tage und Ninive ist zerstört! 
5 Und die Leute von Ninive glaubten Gott. Sie riefen ein Fasten aus und alle, Groß und Klein, zogen Bußgewänder an. 
6 Als die Nachricht davon den König von Ninive erreichte, stand er von seinem Thron auf, legte seinen Königsmantel ab, hüllte sich in ein Bußgewand und setzte sich in die Asche. 
7 Er ließ in Ninive ausrufen: Befehl des Königs und seiner Großen: Alle Menschen und Tiere, Rinder, Schafe und Ziegen, sollen nichts essen, nicht weiden und kein Wasser trinken. 
8 Sie sollen sich in Bußgewänder hüllen, Menschen und Tiere. Sie sollen mit aller Kraft zu Gott rufen und jeder soll umkehren von seinem bösen Weg und von der Gewalt, die an seinen Händen klebt. 
9 Wer weiß, vielleicht kehrt er um und es reut Gott und er lässt ab von seinem glühenden Zorn, sodass wir nicht zugrunde gehen. 
10 Und Gott sah ihr Verhalten; er sah, dass sie umkehrten und sich von ihren bösen Taten abwandten. Da reute Gott das Unheil, das er ihnen angedroht hatte, und er tat es nicht.

Heute hören wir die spannende Berufung Jonas zur Umkehrpredigt in Ninive. Im dritten Kapitel setzt er diese Aufgabe endlich um, nachdem er in den ersten zwei Kapiteln vor Gott und seinem Auftrag geflohen war. Gott sucht uns Menschen immer wieder auf, weil er uns liebt und wir ihm nicht egal sind. Für Jona hat er diese ehrenvolle Aufgabe, die Bewohner von Ninive zur Umkehr aufzurufen. Und wie wir sehen, hat diese Predigt eine starke Wirkung.
Die große Stadt, für die man mehrere Tage zur Durchquerung braucht, hat sehr einsichtige Bewohner. Die Menschen glauben dem, was Jona ihnen sagt, nämlich dass in vierzig Tagen die Stadt zerstört würde. Die Menschen reagieren richtig, nämlich mit einer umfassenden Bußhaltung. Sie sagen zueinander, dass wenn sie von Herzen bereuen, sich in eine Bußhaltung begeben und vor allem von ihren bösen Taten ablassen, Gott das Unheil vielleicht noch abwenden wird. Dies betrifft nicht nur die einfachen Menschen, dies betrifft sogar den König von Ninive, der seinen Königsmantel ablegt und sich in Asche setzt. Sogar die Tiere sollen fasten. In Ninive scheint ein Problem mit körperlicher Gewalt vorzuliegen, denn es wird durch die Aussage „Gewalt, die an seinen Händen klebt“ angedeutet. Womöglich meint es sogar die tödliche Gewalt, durch die das Blut der Opfer an den Händen klebt.
Ihre aufrichtige Buße bleibt nicht unerkannt. Gott sieht alles, vor allem das Herz des Menschen. Er sieht, dass die Bewohner der Stadt ihr Leben wirklich ändern und ihre bisherigen Taten bereuen. So zerstört er die Stadt nicht.
Es heißt wieder sehr menschlich „da reute Gott das Unheil“. Gott braucht nichts zu bereuen, da er keine Fehler begeht. Das ist die Vorstellung der Menschen von damals. Hier bemerken wir wieder den Einfluss des Autors. So hat er die Situation bewertet und so hat er sich Gottes nicht umgesetzte Zerstörung der Stadt erklärt.
Für uns ist diese Erzählung sehr tröstlich: Auch in unserem Fall ist es nicht zu spät, aufrichtig umzukehren. Auch wir müssen das ewige Verderben nicht schauen, wenn wir in uns gehen, unsere Sünden bereuen, bekennen, büßen und uns vornehmen, von nun an anders zu leben. Dann wird auch die Stadt unseres Herzens, unser inneres Ninive, die Seele, nicht verloren gehen. Es ist kein Zufall, dass Gott der Stadt vierzig Tage gegeben hat. Diese Zahl ist sehr tiefgründig und besonders in Bußzeiten entscheidend. Jesus fastet nachher auch vierzig Tage, das Volk Israel zieht vierzig Jahre durch die Wüste, der Regen der Sintflut kommt vierzig Tage auf die Erde herab. Sühne und Buße hängen mit der Zahl vierzig eng zusammen. Deshalb dauert auch unsere Fastenzeit vierzig Tage. Deshalb war auch die Adventszeit früher vierzig Tage lang, was leider verkürzt worden und so der Zusammenhang zur Fastenzeit abhanden gekommen ist. Wir sollen diese Zeit mit derselben aufrichtigen Bußhaltung verbringen wie die Bewohner Ninives. So wird Gott auch uns verschonen und noch mehr: Er wird uns ganz viele Gnaden schenken, wenn wir mit reinem und bereitem Herzen auf Ostern zugehen!

Ps 51
3 Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen! 

4 Wasch meine Schuld von mir ab und mach mich rein von meiner Sünde! 
12 Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz und einen festen Geist erneuere in meinem Innern! 
13 Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht, deinen heiligen Geist nimm nicht von mir!
18 Schlachtopfer willst du nicht, ich würde sie geben, an Brandopfern hast du kein Gefallen. 
19 Schlachtopfer für Gott ist ein zerbrochener Geist, ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen. 

Im heutigen Psalm bittet König David um Gottes Barmherzigkeit. Wir können uns richtig gut vorstellen, wie es heute die Bewohner Ninives gebetet haben, die ganz und gar den Bußmodus eingenommen haben. Er ist auch perfekt für jeden Einzelnen von uns, die wir uns vornehmen, in diesen Tagen in Vorbereitung auf Ostern ebenfalls diesen Bußmodus einzunehmen.
„Wasch meine Schuld von mir ab und mach mich rein von meiner Sünde“, ist ein Vers, den die Priester bei der Gabenbereitung zum Schluss beten, während der Messdiener ihnen Wasser über die Hände gießt. Diese Worte sind ganz wichtig für jeden Büßer und wir stellen uns vor, wie sogar der König von Ninive in der Asche sitzend diese Worte gebetet hat. Sogar er hat sich ganz gedemütigt, was beweist, dass er als Herrscher seine falschen Entscheidungen, seine Gewalttaten und Sünden bereut hat. Auch wir beten dies jedesmal, wenn wir uns in der Hl. Messe befinden, denn das kostbare Blut wäscht uns mehrfach rein. Wir beten es auch jedesmal, wenn wir Weihwasser verwenden und uns damit bekreuzigen. Umso schlimmer, dass diese so kraftvolle Sakramentalie einer allgemeinen Hysterie zum Opfer fällt. Welch Gottvertrauen….
„Erschaffe mir Gott ein reines Herz“ ist die Erkenntnis, dass der Mensch sich selbst nicht gut machen kann. Vor allem wenn man sich schuldig gemacht hat, kann man nicht selbstständig wieder den Zustand der Schuldlosigkeit zurückerlangen. Gott ist es, der uns wieder in den Stand der Gnade zurückversetzen kann, indem er uns die Schuld vergibt, uns reinigt, uns erneuert durch den Hl. Geist. Er kann unser Herz wieder rein machen und uns einen „neuen beständigen Geist“ schenken. Dies merken auch die Bewohner von Ninive heute. Sie können Gott nur aus der Asche heraus um Vergebung bitten.
David bittet Gott darum, die Freundschaft mit ihm nicht zu kündigen („verwirf mich nicht von deinem Angesicht“). Er bittet ihn darum, die Salbung nicht zurückzunehmen, seinen gesamten Heilsplan mit David („nimm deinen Hl. Geist nicht von mir“, denn Salbung bedeutet Geistgabe). Er bittet Gott insgesamt darum, den Bund mit ihm nicht zu kündigen wegen dem, was er ihm angetan hat. Gott hat ihm aber zugesagt, dass er treu ist und einen Bund nicht zurücknimmt. Er braucht keine Schlachtopfer und Brandopfer, wenn man sie tut, um Gott zu besänftigen, gleichzeitig aber ganz viele Leichen im Keller hat. Gerade König David hat schwere Sünden begangen und versteht, dass er die Beziehung zu Gott zerstört hat. Er konzentriert sich darauf, diese Beziehung wieder zu kitten, nicht einfach nur paar Opfer darzubringen und dann passt das schon. Das heißt nicht, dass wir das jetzt wortwörtlich nehmen müssen und David keine Opfer mehr darbringen soll. Wir sind hier in einem Psalm, einer poetischen Textgattung, die mit solchen rhetorischen Stilmitteln bestückt ist. Wir sehen an Davids Verhalten und an dem seines Sohnes Salomo, dass er diese Verse rhetorisch meint. Er hat den Festkalender mit all den Opfern ja noch ausgebaut und Salomo hat den Tempel gebaut, in dem weiterhin viele Opfer dargebracht wurden!
Es heißt vielmehr, dass Gott keine solchen Opfer braucht, wenn die Menschen ihr Leben nicht ändern wollen, wenn ihr Herz nicht umkehrbereit und reuevoll ist. Das ist sehr aktuell, denn auch heute locken viele Angebote aus der Esoterik damit, dass man Heil, Glück, Erfolg etc. haben kann ohne Umkehr: ob es Meditationen und körperliche Übungen sind (Yoga, Qigong etc), die Umstellung der Möbel im Haus für Glück im Leben (Fengshui) oder sogar Diäten für besseres Karma…
Vielmehr wünscht sich Gott einen zerbrochenen Geist und ein zerschlagenes Herz, das heißt eine innere Bußhaltung und Bereitschaft zur Umkehr. Das ist ihm viel wertvoller. David hat das wirklich vorgelebt und ist deshalb bis heute ein Vorbild im Prozess der Umkehr sowie im Gebet, auch wenn er schlimme Sünden begangen hat. Auch die Bewohner von Ninive haben es vorbildlich umgesetzt. Sie haben mit demselben zerschlagenen Herzen und zerbrochenen Geist Gott um Verzeihung gebeten. Deshalb hat Gott am Ende auch das Unheil abgewendet.
Für uns heißt das heute nicht, dass wir keine Messen besuchen sollen, dem einzigen Opfer, das wir als Christen noch haben, das alle anderen Opfer der Juden abgelöst hat. Das heißt vielmehr, dass hinter dem knienden Menschen in der Kirchenbank, dem Gläubigen, der sich ein Aschekreuz abholt und gesenkten Kopfes die Messe mitmacht, auch ein reuiges Herz stecken muss, ein zerschlagener Geist, der bereit zur Umkehr ist und dies auch durch Taten im Alltag zeigt. Wir alle sollen uns nicht einfach nur zurücknehmen – und schon gar nicht für eitle Gründe wie im säkularen Kontext für die Fastenzeit angepriesen wird! -, sondern dieses Minus auch durch ein Plus barmherziger Taten kompensieren! In der Fastenzeit muss man uns anmerken, dass wir uns darum bemühen, den anderen Menschen gegenüber netter zu sein, ihnen zu helfen, besonders das zu verschenken, das heutzutage zu den Wertvollsten Gütern zählt – unsere Zeit. Tun wir alles aus Liebe zu Gott, weil wir ihm zuliebe ein besserer Mensch werden möchten, dann wird er uns segnen und verwandeln.

Lk 11
29 Als immer mehr Menschen zusammenkamen, begann er zu sprechen: Diese Generation ist eine böse Generation. Sie fordert ein Zeichen; aber es wird ihr kein Zeichen gegeben werden außer das Zeichen des Jona. 

30 Denn wie Jona für die Einwohner von Ninive ein Zeichen war, so wird es auch der Menschensohn für diese Generation sein. 
31 Die Königin des Südens wird beim Gericht mit den Männern dieser Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie kam von den Enden der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören. Und siehe, hier ist mehr als Salomo. 
32 Die Männer von Ninive werden beim Gericht mit dieser Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie sind auf die Botschaft des Jona hin umgekehrt. Und siehe, hier ist mehr als Jona.

Im heutigen Evangelium wird auf den Propheten Jona Bezug genommen, durch dessen Umkehrpredigt die Menschen im Innersten betroffen wurden und dementsprechend aufrichtig umgekehrt sind.
Heute spricht Jesus sehr deutliche Worte, um die Menschen wachzurütteln: „Diese Generation ist eine böse Generation.“ Das ist harter Tobak, aber notwendig. Jesus merkt, dass er nur so die Menschen aufrütteln kann. Er erläutert genauer, was er damit meint: „Sie fordert ein Zeichen; aber es wird ihr kein Zeichen gegeben werden außer das Zeichen des Jona.“ Die Forderung von Zeichen ist nicht zu verwechseln mit der Sehnsucht nach Heilung, die bestimmte Menschen immer wieder zum Ausdruck bringen. So ist z.B. der Aussätzige zu nennen, der sagte: „Wenn du willst, kannst du mich rein machen.“ Hier ist eine ganz andere Haltung als die, die Jesus kritisiert: Wer Zeichen fordert, beweist durch seine Forderung seinen Unglauben. Sie stellen dabei Gott auf die Probe, denn Jesus soll seine Göttlichkeit zur Schau stellen. Sie behaupten, nur dann zu glauben, wenn Jesus sich als Gott offenbart. Vor einigen Tagen haben wir aber festgestellt, dass dies eine Versuchung Satans ist, der Jesus von seiner Entäußerung weglocken will! Er möchte dies, damit Jesus die Menschen nicht erlöst. Und wenn die Menschen in der Öffentlichkeit von Jesus nun ein Zeichen fordern, dann ist es genau dasselbe! Der Satan bedient sich der Menschen, um durch sie Jesus erneut von seiner Entäußerung wegzulocken (dass er seine Göttlichkeit nicht mehr verbirgt bzw. auf sie verzichtet). Das wird immer wieder passieren, auch noch am Kreuz, wenn die Hohepriester zu Jesus höhnisch sagen werden: „Wenn du der Messias bist, steig herab vom Kreuz und hilf dir selbst!“ So ist die Generation wahrlich böse, denn sie entscheidet sich eher dafür, sich vom Bösen leiten zu lassen, als ihr Herz für das Heil Gottes zu öffnen.
Das Zeichen des Jona, dass Jesus hier andeutet, ist das Zeichen der Gerichtsankündigung. Die Menschen werden es erkannt haben, denn sie kannten den Propheten Jona. Das Zeichen des Jona heißt also Ankündigung von Unheil, aber es bedeutet auch zugleich – „kehrt um! Noch ist die Zeit dazu da!“ Das ist ja der Kern der gesamten Verkündigung Jesu. Die Umkehr und der Glaube an das Evangelium.
Jesus erklärt es noch genauer: Er selbst, seine Person wird zum Zeichen für seine Generation, so wie Jona Zeichen für die Bewohner Ninives war.
Bemerkenswert ist, dass Jesus sich als Antitypos und Steigerung sowohl Jonas als auch Salomos betrachtet, wenn er nun über die Umsetzung des Gerichts spricht. Während die Gerichtsrede bei Jona noch die Zerstörung der Stadt als Unheil ankündigt, ist es das göttliche Gericht bei Jesus. Dies ist eine Steigerung insofern, als es nicht nur eine Stadt, sondern eine ganze Generation betrifft. Dieses Gericht wird noch strenger sein, weil der Umkehraufruf nicht nur von einem Propheten wie Jona ausgegangen ist, sondern von Gott selbst, Jesus Christus. Zweitens sagt als Zeugin die Königin von Saba aus, die von weit hergekommen ist, die Weisheit Salomos zu sehen. Die zu verurteilende Generation ist Nachfolgerin der Stämme Israels zur Zeit des Salomo und Jesus kritisiert nun, was aus dieser Weisheit geworden ist, ja noch viel mehr: Er selbst ist mehr als Salomo, denn er hat die göttliche Weisheit in Fülle! Er hat den Menschen wie ein Sämann diese Weisheit ausgestreut, doch was ist von dieser Weisheit fruchtbar geworden? Die Königin von Saba wird mit ihrem Finger auf die fehlenden Früchte zeigen!
Auch die Männer von Ninive werden als Zeugen gegen die Generation Jesu aussagen, denn sie haben sich bei den Worten eines Menschen und Propheten namens Jona ganz bekehrt, die zu verurteilende Generation hatte mehr als nur einen Propheten – Gott selbst ist Mensch geworden, um die Menschen zur Umkehr aufzurufen, doch sie haben sich nicht bekehrt. Die Generation hat die Zeit der Gnade nicht erkannt.
Und wie könnte unser Gerichtsprozess aussehen? Welche Zeugen werden gegen uns aussagen? Werden es unsere Eltern sein, die uns immer und immer wieder davor gewarnt haben, bestimmte Sünden zu begehen? Werden es Geistliche sein, die deutlich gepredigt, die bei der Katechese nichts ausgelassen, die uns alles genauestens erklärt und die wir ignoriert haben? Freunde, die uns gewarnt haben? Dann werden auch wir uns nicht verstecken können, denn Gott hat uns durch so viele Menschen, Ereignisse etc. zur Umkehr aufgerufen. All das sagt Jesus auch uns heute. Er möchte, dass wir noch heute umkehren, dass wir mit derselben Haltung Buße tun wie die Bewohner Ninives und wie König David. Wir haben noch Zeit, besonders jetzt in der Fastenzeit. Diese vierzig Tage der österlichen Bußzeit sind ein Beweis der Barmherzigkeit Gottes. Er gibt uns einen Zeitraum, in dem wir richtig intensiv die Gelegenheit haben, unser Leben zu ändern. Dafür fließen auch besonders große Gnaden. Wir müssen diese nur annehmen und die Zeit auch wirklich nutzen. Sonst wird genau das eintreten, was Jesus auch angekündigt hat. Die Entscheidung liegt bei uns: Wollen wir wie die Bewohner von Ninive sein oder wie die böse Generation Jesu?

Eines ist sicher: Keiner kann von sich aus sagen, er oder sie habe Umkehr nicht nötig. Wir alle machen Fehler und bedürfen der Barmherzigkeit Gottes. Nehmen wir sie in Anspruch.

Ihre Magstrauss

Samstag der 5. Woche im Jahreskreis

1 Kön 12,26-32; 13,33-34; Ps 106,6-7b.19-20.21-22; Mk 8,1-10

1 Kön 12
26 Jerobeam dachte in seinem Herzen: Das Königtum könnte wieder an das Haus David fallen. 

27 Wenn dieses Volk hinaufgeht, um im Haus des HERRN in Jerusalem Opfer darzubringen, wird sich sein Herz wieder seinem Herrn, dem König Rehabeam von Juda, zuwenden. Mich werden sie töten und zu Rehabeam, dem König von Juda, zurückkehren. 
28 So ging er mit sich zu Rate, ließ zwei goldene Kälber anfertigen und sagte: Ihr seid schon zu viel nach Jerusalem hinaufgezogen. Hier sind deine Götter, Israel, die dich aus Ägypten heraufgeführt haben. 
29 Er stellte das eine Kalb in Bet-El auf, das andere brachte er nach Dan. 
30 Dies wurde Anlass zur Sünde. Das Volk zog vor dem einen Kalb her bis nach Dan. 
31 Auch machte er das Haus der Kulthöhen und Priester, die aus allen Teilen des Volkes stammten und nicht zu den Söhnen Levis gehörten. 
32 Für den fünfzehnten Tag des achten Monats machte Jerobeam ein Fest, das dem Fest in Juda entsprach. Er stieg zum Altar hinauf. Das tat er in Bet-El, um den Kälbern zu opfern, die er hatte machen lassen. In Bet-El ließ er auch die Priester auftreten, die er für die Kulthöhen gemacht hatte. 
33 Jerobeam kehrte auch nach diesem Ereignis von seinem bösen Weg nicht um. Er machte weiterhin aus allen Teilen des Volkes Priester für die Kulthöhen; jedem, der es wünschte, füllte er die Hand und er wurde ein Höhenpriester. 
34 Das aber wurde dem Haus Jerobeam als Sünde angerechnet, sodass es vernichtet und vom Erdboden vertilgt wurde.

Wir haben vorgestern gehört, wie Gott Salomo angekündigt hat, dass er seinem Sohn das Königreich fast vollständig wegnehmen werde wegen des Götzendienstes, den Salomo durch seine Frauen begangen hat. Schon zu Salomos Lebzeiten kommen mehrere Feinde auf, die ihn bedrängen. Wir lesen in den Kapiteln vor dem heutigen Abschnitt davon. Dort wird nun auch von dem Sohn eines königlichen Beamten namens Jerobeam berichtet, einem Efratiter, dem vom Propheten Ahija angekündigt wird, dass er König von Israel werde, und zwar von zehn Stämmen. Salomo trachtet ihm nach dem Leben, doch er flieht nach Ägypten, wo er bis zum Tode Salomos bleibt. Salomos Sohn Rehabeam wird sein Nachfolger. Dieser trifft aber ganz unweise Entscheidungen und will viel strenger mit den Israeliten umgehen, als sein Vater Salomo. So erkennen ihn die Israeliten nicht an außer der Stamm Juda und der Stamm Benjamin. Es entstehen zwei Königreiche, denn die Israeliten machen Jerobeam zum König der zehn weiteren Stämme. Dieser baut in Sichem seinen Wohnsitz.
Der heutige Abschnitt schließt sich nun an: Jerobeam hat Angst, dass er sein Königtum wieder verlieren könnte, weil er genau weiß, dass die Jerusalemer Tempelpraxis alles ist. Es scheint so, als ob die Israeliten auch weiterhin nach Jerusalem ziehen, um Opfer darzubringen. Jerobeam befürchtet, dass sie dann wieder zu Rehabeam zurückkehren könnten.
Kurzerhand entschließt er sich zu einem folgenschweren Schritt: Er lässt zwei Götzen anfertigen und konstruiert einen Festkalender, eine Priesterschaft und eine Opferpraxis, die der des Jerusalemer Tempels ähnelt. Die Priesterschaft besteht aber nicht mehr aus den Söhnen Levis und die Feste finden an anderen Tagen statt als in Jerusalem. Er baut auch Kulthöhen für die Opfer.
Er behauptet vor den Israeliten, dass die zwei goldenen Kälber, die er hat anfertigen lassen, der Gott sei, der sie aus Ägypten heraufgeführt habe. Er verdeutlicht auch, dass die Israeliten sich nicht mehr auf den langen Weg machen müssen.
Ursprünglich hat Gott ihn auserwählt, König über Israel zu sein, doch er hat eine schwere Sünde begangen, indem er eine neue Götzenreligion gegründet hat. Damit hat er nicht besser gehandelt als Salomo, aufgrund dessen Jerobeam überhaupt erst König werden sollte.
Deshalb hören wir auch im letzten Vers, dass das Haus Jerobeams ausgelöscht werde. Er hat die Konsequenzen der Entscheidungen zu tragen, die er getroffen hat. Gott hat ihm eine Chance gegeben, die er sich selbst ziemlich schnell verbaut hat.

Ps 106
6 Wir haben gesündigt mit unseren Vätern, wir haben Unrecht getan und gefrevelt. 
7 Unsere Väter in Ägypten begriffen deine Wunder nicht, gedachten nicht der vielen Erweise deiner Huld.
19 Sie machten am Horeb ein Kalb und warfen sich nieder vor dem Gussbild. 
20 Die Herrlichkeit Gottes tauschten sie ein gegen das Abbild eines Stieres, der Gras frisst. 
21 Sie vergaßen Gott, ihren Retter, der einst in Ägypten Großes vollbrachte, 
22 Wunder im Land Hams, Furcht erregende Taten am Roten Meer. 

Der heutige Psalm ist eine Selbstanklage. Es handelt sich um ein öffentliches Sündenbekenntnis der Juden mit ausführlicher geschichtlicher Zusammenfassung. Auch Psalm 78 ist von dieser Art. Wenn wir heute diesen Psalm beten, ist es aber viel mehr als nur eine geschichtliche Erinnerung Israels. Erstens wiederholt sich Geschichte und dies ist uns heute in der Lesung besonders deutlich geworden: Jerobeam macht goldene Kälber wie die Israeliten am Sinai. Zweitens hat die Heilsgeschichte Gottes immer überzeitliche Bedeutung, sodass sie auch für uns gilt. Die Sünden, die damals begangen wurden, begehen auch wir heute. Dies ändert sich nie und so können wir uns mit dieser Geschichtszusammenfassung des Psalms identifizieren.
„Wir haben gesündigt mit unseren Vätern“ ist so zu verstehen, dass das gesamte Volk Israel hier das Sündenbekenntnis ablegt und die Sünde schon bei den Vätern begangen worden ist. Wer damit gemeint ist, erfahren wir einen Vers später: Es ist die Generation der Israeliten am Sinai, die während Moses Abwesenheit einen goldenen Götzen gegossen hat. Was hier rückblickend über die Israeliten damals gesagt wird, ist reflektierend und deutend: Ihr Verhalten wird damit erklärt, dass sie Gottes Wunder nicht begriffen haben. Gott hat ihnen so viel Gutes erwiesen, doch sie waren undankbar. Stattdessen haben sie sich einem Götzen zugewandt.
„Gedachten nicht der vielen Erweise deiner Huld“ stellt heraus, dass die Israeliten am Sinai die Gnade Gottes schnell vergessen haben. In der Wüste ist dies immer wieder zum Vorschein gekommen, wenn sie schwere Zeiten durchmachten, z.B. hungerten. Dann waren sie sogar noch so undankbar und wünschten sich wegen der Fleischtöpfe die Sklaverei Ägyptens zurück.
In Vers 19 wird das Gussbild am Sinai angesprochen (Horeb und Sinai sind zwei Namen für denselben Berg). Dieses Verhalten wird im Nachhinein als absurd bewertet, abgesehen davon dass es eine Sünde gegen das erste Gebot ist: Die Väter haben Gottes Herrlichkeit gegen ein Gras fressendes Tier ausgetauscht. Und diese Degradierung haben wir auch in der Lesung gehört, in der Gott und seine Verehrung durch eine billige Kopie degradiert wird. Dort sind es sogar zwei Götzenkälber, die angebetet werden.
Das Problem ist das Vergessen. Die Väter haben vergessen, was Gott ihnen Gutes getan hat. Nicht umsonst sagt Jesus bei der Stiftung des Neuen Bundes beim letzten Abendmahl „tut dies zu meinem Gedächtnis“, so wie bei Sedermahl des Pessachfestes der Exodus immer wieder erzählt werden soll zur ewigen Erinnerung an Gottes Taten. Und diese Erinnerungsmentalität wird auch im Gründonnerstagslied „Beim letzten Abendmahle“ hervorgehoben, in dem es heißt „damit ihr nie vergesset, was meine Liebe tut.“ Wenn man die Liebe des anderen vergisst, wird man nicht mehr dankbar sein und die Beziehung erkaltet.
Gottes Barmherzigkeit ist aber unendlich groß. Wenn wir zu einer brennenden Gemeinschaft mit ihm zurückkehren wollen, ist er sofort bereit, den Bund zu erneuern. Er gibt immer wieder eine neue Chance. Was die Israeliten mit diesem Psalm tun, ist genau die Voraussetzung für Gottes Vergebung – das Bekenntnis. Auch wir, die wir Gott untreu werden, wo wir sündigen, dürfen zu ihm zurückkehren und ihn um Vergebung bitten. Er schenkt uns diese Möglichkeit durch das Beichtsakrament. So erneuert Gott den Bund mit den Menschen und die Beziehung brennt von Neuem wieder lichterloh. Und auch in Krisenzeiten der Kirche – das heißt Glaubenskrisen, nicht Strukturkrisen – schenkt Gott Erneuerung durch den Hl. Geist, wenn ihre Mitglieder sich ihrer Schuld stellen und sich auf den Stiftungswillen Christi zurückbesinnen. Dann blüht die Kirche von Neuem auf. Wichtig ist, zur Einsicht zu kommen und umzukehren. Wenn die Gemeinschaft der Gläubigen und vor allem jeder Einzelne sich so verhält, dann wird Gott den Bund nach dem Tod bzw. am Ende der Zeiten auf besonders intensive Art und Weise erneuern, wenn er eine neue Schöpfung hervorbringen wird, zu der wir durch die Taufe jetzt schon gehören. Dann wird uns ein neues Leben in der Ewigkeit geschenkt.

Mk 8
1 In jenen Tagen waren wieder einmal viele Menschen um Jesus versammelt. Da sie nichts zu essen hatten, rief er die Jünger zu sich und sagte: 

2 Ich habe Mitleid mit diesen Menschen; sie sind schon drei Tage bei mir und haben nichts mehr zu essen. 
3 Wenn ich sie hungrig nach Hause schicke, werden sie auf dem Weg zusammenbrechen; denn einige von ihnen sind von weit her gekommen. 
4 Seine Jünger antworteten ihm: Woher könnte jemand diese hier in der Wüste mit Broten sättigen? 
5 Er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie antworteten: Sieben. 
6 Da forderte er die Leute auf, sich auf den Boden zu setzen. Dann nahm er die sieben Brote, sprach das Dankgebet, brach die Brote und gab sie seinen Jüngern zum Verteilen; und die Jünger teilten sie an die Leute aus. 
7 Sie hatten auch noch ein paar Fische bei sich. Jesus segnete sie und ließ auch sie austeilen. 
8 Die Leute aßen und wurden satt. Und sie hoben die Überreste der Brotstücke auf, sieben Körbe voll. 
9 Es waren etwa viertausend Menschen beisammen. Danach schickte er sie nach Hause.
10 Gleich darauf stieg er mit seinen Jüngern ins Boot und fuhr in das Gebiet von Dalmanuta.

Heute hören wir im Evangelium von der wunderbaren Speisung, die wir in der Advents- oder Weihnachtszeit schon aus anderen Evangelien gehört haben: Markus lässt die Information weg, wo genau die Speisung stattfindet, aber von Mt 15 wissen wir, dass Jesus auf einen Berg steigt. Da fragt man sich vielleicht, warum er ausgerechnet so einen Ort aufsucht. Schließlich müssen die vielen Menschen ihm folgen, die dort mit Beschwerden zu ihm kommen. Der springende Punkt ist: Jesus tat nie etwas ohne tieferen Sinn. Damit schließt sich ein Kreis der auf den Kulthöhen von Sichem und am Sinai des Psalms begonnen hat. So wie die Torah am Sinai gegeben wird, so nährt Jesus das Volk nun durch seine Worte und vor allem hier mit sieben Broten und ein paar Fischen.
Jesus sagt zu seinen Jüngern, er hat Mitleid (σπλαγχνίζομαι „ich habe Mitleid/ich erbarme mich“). Gott ist barmherzig mit seinen Kindern. Das ist uns durch den Psalm schon deutlich geworden und wird hier zugespitzt. Jesus tut mit der Speisung etwas Ungewöhnliches mitten auf einem Berg in der Wüste: Er sättigt sie, anstatt sie wegzuschicken. Auch dies ist nicht nur ein Akt der leiblichen Stärkung („sonst brechen sie auf dem Weg zusammen“). Jesus möchte uns auf dem Lebensweg nähren durch sein Wort und seine Sakramente, damit wir auch seelisch nicht zusammenbrechen. Er möchte uns die Kraft geben, nach dem Willen Gottes leben zu können. Den Menschen, die ihm bis in die Wüste gefolgt sind, ging es zuerst um das Reich Gottes, deshalb gab Jesus ihnen alles Andere dazu! Sie haben anders gehandelt als die Väter in der Wüste, die sich nach den Fleischtöpfen der Ägypter zurücksehnten. Ihnen war das leibliche Wohl wichtiger, als nun frei von der Sklaverei zu sein und Gott ungestört opfern zu können. Auch uns heute möchte Gott mit Überfülle beschenken, wenn wir zuerst ihn suchen. Und die Kirche ist ja auch Volk Gottes auf dem Weg, die Wegzehrung braucht. Deshalb ist es so überlebenswichtig für sie, die Eucharistie jeden Tag zu feiern. Diese ist das Brot, mit dem die Kirche genährt wird, um alles zu überstehen, auch jedes Schisma, jede Anschuldigung, jede Attacke. Dann wird sie am Ende der Zeiten in der Ewigkeit „gemästet“ werden beim Hochzeitsmahl des Lammes.
Jesus bittet die Menge, sich hinzusetzen. Eigentlich steht da wörtlich das Verb ἀναπίπτω anapipto, was unter anderem die Bedeutung „sich zu Tisch legen“ aufweist und verwendet wird, wenn man sich zu Tisch begibt. In dem Kulturkreis lag man am Tisch, anstatt zu sitzen. Sich niederlegen in der Wüste auf einem Berg scheint absurd? Nicht für den Messias, der in seiner pädagogischen Feinfühligkeit den Juden das Hochzeitsmahl des Lammes und den Himmel beibringen will! Jesus lädt zum Festmahl ein und bittet seine Gäste sozusagen „zu Tisch“. Hier ist die Endstation der Erfüllung noch nicht erreicht. Sie endet im Abendmahlssaal mit den zwölf Aposteln. Und doch werden die Menschen dafür schon vorbereitet, wenn Jesus neben den Fischchen ausgerechnet Brot nimmt und dem Vater dafür dankt (die Danksagung heißt im Griechischen εὐχαριστία eucharistia!). Interessant ist, dass er die Brote nicht selbst an die Menschen verteilt, sondern seine Jünger die Verteilung vornehmen lässt. Dies ist auch auf ekklesiologischer Ebene eine Vorbereitung ganz bestimmter liturgischer Dienste. In der Urkirche wurde die Austeilung der Eucharistie deshalb von Diakonen unterstützt. Bemerkenswert und wiederum ein göttliches Wunder ist, dass ganze sieben Körbe von den sieben Broten übrig bleiben. Auch dies ist den Menschen ein Zeichen: Wenn Gott gibt, dann gibt er im Überfluss. Die Zahlen Sieben und Zwölf sind biblisch immer Zahlen der Fülle, Vollkommenheit und Vollständigkeit. Dies verdeutlicht das in dem Kontext stehende Verb ἐχορτάσθησαν echortasthesan „sie wurden gemästet“, was die Einheitsübersetzung in Vers 8 mit „und wurden satt“ übersetzt. Die dort Anwesenden werden begriffen haben, dass hier der Messias eine göttliche Heilstat begangen hat, die schon Jesaja 25 angekündigt hat. Die frommen Juden werden vielleicht auch an das Manna in der Wüste gedacht haben, das ihre Väter gegessen haben. Dies erklärt auch, warum Jesus diese Speisung ausgerechnet in der Wüste vorgenommen hat. Auch damals war es zunächst eine Sättigung der Leiber und doch ging es damals schon darüber hinaus. Das alte Israel ist darauf vorbereitet worden, was nun mit Jesus geschah. Die Menschen mit ihm sind nicht nur körperlich, sondern auch im Glauben gesättigt worden – auch durch die Unterweisungen und Heilungen, von denen wir in den letzten Wochen aus dem Markusevangelium immer wieder gehört haben. Jesus nimmt auch sein eigenes Opfer vorweg, bei dem er selbst auf dem Berg hingegeben wird. Die Speise, die er dann nicht nur Viertausend, sondern allen Menschen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft geben wird, ist die Sättigung für den Weg in die Ewigkeit, damit wir nicht unterwegs zusammenbrechen, weder als Kirche noch als einzelne Christen im Alltag.
Nach der Speisung werden die Menschen nach Hause geschickt. Auch wir werden ausgesandt, kurz nachdem wir die Kommunion in der Messe empfangen haben. Der Priester sagt zum Schluss „ite, missa est“, wörtlich zu Deutsch „gehet, es ist gesandt/es ist eine Sendung“. Wir sollen das empfangene Heil zu den Menschen bringen bis an die Enden der Erde, wie wir gestern gehört haben.
Direkt im Anschluss an die Speisung steigt Jesus mit seinen Jüngern in ein Boot und fährt nach Dalmanuta. Die Gnade ist nicht nur für die hier anwesenden Viertausend, sondern für alle Menschen. Deshalb gibt es keine Pause für Jesus, sondern er zieht direkt weiter, um auch woanders den Menschen das Heil zu bringen. So ist Gottes Neuer Bund. Er möchte alle Menschen retten und bietet sein Heil deshalb der gesamten Menschheit an.

Heute haben wir viele Texte von Bergen und Opfern gehört, gottgewollten Opfern und Götzenopfern. Fragen wir uns heute, auf welchen Berg wir steigen – auf die Kulthöhen von Sichem mit den Götzenopfern oder auf den Gottesberg Sinai, wo Gott seine Weisung gibt bzw. den Zion, wo er seinen eigenen Sohn dahingibt? Die Entscheidung liegt ganz bei uns. Über diese Entscheidungsfähigkeit werden wir am morgigen Sonntag besonders viel nachdenken. Entscheiden wir uns für Gottes Speisung und nicht für die Verderbnis des Götzendienstes, indem wir seine Liebestaten in unserem Leben vergessen.

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 5. Woche im Jahreskreis

1 Kön 11,4-13; Ps 106,3-4.35-36.37 u. 40; Mk 7,24-30

1 Kön 11
4 Als Salomo älter wurde, machten seine Frauen sein Herz anderen Göttern geneigt, sodass sein Herz dem HERRN, seinem Gott, nicht mehr ungeteilt ergeben war wie das Herz seines Vaters David. 

5 Er verehrte Astarte, die Göttin der Sidonier, und Milkom, den Götzen der Ammoniter. 
6 Er tat, was böse war in den Augen des HERRN, und war ihm nicht so vollkommen ergeben wie sein Vater David. 
7 Damals baute Salomo auf dem Berg östlich von Jerusalem eine Kulthöhe für Kemosch, den Götzen der Moabiter, und für Milkom, den Götzen der Ammoniter. 
8 Dasselbe tat er für alle seine ausländischen Frauen, die ihren Göttern Rauch- und Schlachtopfer darbrachten. 
9 Der HERR aber wurde zornig über Salomo, weil sich sein Herz von ihm, dem Gott Israels, abgewandt hatte, der ihm zweimal erschienen war 
10 und ihm verboten hatte, fremden Göttern zu dienen. Doch Salomo hielt sich nicht an das, was der HERR von ihm verlangt hatte. 
11 Daher sprach der HERR zu ihm: Weil es so mit dir steht, weil du meinen Bund und meine Satzungen nicht bewahrt hast, die ich dir gegeben habe, werde ich dir das Königreich entreißen und es deinem Knecht geben. 
12 Nur deines Vaters David wegen werde ich es nicht schon zu deinen Lebzeiten tun; erst deinem Sohn werde ich es entreißen. 
13 Doch werde ich ihm das Königtum nicht ganz entreißen; einen Stamm lasse ich deinem Sohn wegen meines Knechtes David und wegen Jerusalem, das ich erwählt habe.

Heute hören wir davon, dass Salomo, der bisher mit ungeteiltem Herzen Gott geliebt hat, durch seine andersgläubigen Frauen zu anderen Göttern verleitet worden ist. Salomo ist nicht vollkommen, ebenso wenig wie sein Vater.
Und so lässt er sich von seinen Frauen beeinflussen. Die Frage ist natürlich auch, warum er sich überhaupt Frauen aus anderen Völkern nimmt, die diese Gottheiten verehren.
In Vers 7 lesen wir davon, dass er sogar Kulthöhen für die paganen Götter errichten lässt.
Was er tut, ist ein Verstoß gegen das erste der zehn Gebote. Gott ist aber ein eifersüchtiger Gott. Er möchte unsere ganze Liebe und will nicht, dass wir ihm untreu werden. Deshalb warnt er Salomo vor, dass er den bisherigen Segen verlieren wird. Das heißt nicht, dass Gott es ihm verweigern wird, sondern dass Salomo sich aus dem Stand der Gnade selbst verabschiedet hat. Er hat sein Herz von Gott abgewandt, nicht umgekehrt.
Wir erinnern uns an das Volk Israel, das so viel von Gott geschenkt bekommen hat, so viele Wunder gesehen hat und dann in der Wüste zu murren beginnt. Hätten sie noch nie Gottes große Taten bezeugt, hätte man ihre Resignation irgendwie nachvollziehen können, aber hier geht es um das Volk Gottes, das Gott auf so spektakuläre Weise aus Ägypten hinausgeführt hat! So ist es auch mit Salomo in der heutigen Episode: Gott hat ihm so viel Gnade erwiesen und doch wird er ihm auf so eine schlimme Weise untreu.
Wem viel geschenkt worden ist, wer vor allem so wie Salomo viel Erkenntnis hat und viel versteht, der wird auch entsprechend streng zur Rechenschaft gezogen. Gott wird sein mächtiges Königreich den Feinden überlassen. Das heißt nicht, dass Gott es aktiv wegnehmen und den anderen geben wird, sondern dass er die Eroberung der Fremdvölker zulassen wird. Aufgrund der Beziehung Davids zu Gott wird dieser die Tragödie erst nach Salomos Tod zulassen. Wir werden noch von einigen Fremdherrschaften hören, insbesondere das babylonische Exil wird ein großes Trauma für Israel darstellen.
Was hier jedoch angedeutet wird, ist die Herrschaft der Assyrer, die das Nordreich erobern werden, sodass nur noch der Stamm Juda den Israeliten bleiben wird. Wir haben davon im Advent gehört, als Jesaja König Ahas messianische Prophezeiungen übermittelt hat.
Gott lässt dies nicht zu, weil es ihm Spaß macht. Er muss damit leben, weil er dem Menschen einen freien Willen geschenkt hat. Er muss es aushalten und mit ansehen, wie seine geliebten Kinder die Konsequenzen ihrer Sünden am eigenen Leib erfahren müssen. Das muss ihm wirklich sehr wehtun…
Wie oft ist das auch bei uns so: Gott hat schon so viel Gutes in unserem Leben gewirkt und wir haben es auch anerkannt. Und dann passieren irgendwelche negativen Dinge in unserem Leben und wir beginnen, alles infrage zu stellen oder fallen überraschend schnell auf die Versuchungen des Widersachers hinein. Natürlich möchte Gott unseren Glauben stärken und lässt es zu, dass wir in solche Situationen geraten. Dann sehen wir uns selbst und realisieren, dass wir doch noch nicht so weit sind, wie wir dachten. Wir werden eines Besseren belehrt. Nehmen wir das dann demütig an und reagieren wir richtig, nämlich mit Reue und Umkehr. Das Stichwort ist König David und Batseba. Wie er nach so einer großen Sünde reagiert hat, kann uns wirklich ein Vorbild sein. Heute bleibt es offen, was Salomo tut und wie er reagiert. Seien wir gespannt, wie sich alles entwickeln wird!

Ps 106
3 Selig, die das Recht bewahren, die Gerechtigkeit üben zu jeder Zeit. 

4 Gedenke meiner, HERR, in Gnade für dein Volk, such mich heim mit deiner Hilfe,
35 Sie vermischten sich mit den Völkern und lernten von ihren Taten. 
36 Sie dienten deren Götzen, sie wurden ihnen zur Falle. 
37 Sie brachten ihre Söhne und Töchter dar als Opfer für die Dämonen.
40 Der Zorn des HERRN entbrannte gegen sein Volk, Abscheu empfand er gegen sein Erbe. 

Was wir von Salomo heute gehört haben, wird im Psalm reflektiert. Selig werden die gepriesen, die zu jeder Zeit Gerechtigkeit üben und das Recht bewahren, also die Gebote Gottes. Salomo hat dies nicht immer getan. Er hat Gott schon dadurch nicht ganz ernst genommen, indem er sich andersgläubige Frauen genommen hat. Dies provoziert eine Beeinflussung von Gott weg. Man könnte denken: „Ja, aber so ein fest im Glauben stehender Salomo glaubt doch für zwei und wird noch die andersgläubige Frau vom Gott Israels überzeugen.“ Wie wir sehen, kommt es eher umgekehrt und Salomo verehrt andere Götter. Man geht bei Mischehen immer dieses Risiko ein.
Gott ist es, der mit seiner Hilfe beistehen soll, nicht andere Götter. „In Gnade für dein Volk“ bezieht sich auf die bisherige Beziehung, in der Gott seinem auserwählten Volk (hier das hebräische Wort am, also bezogen auf Israel) so viele Gnaden erwiesen hat. Er soll das Volk mit seiner Hilfe heimsuchen. Das Wort ist hier בִּישׁוּעָתֶֽךָ bischu’atecha „in deiner Hilfe“ und ist absolut messianisch. Gott wird dies wirklich wortwörtlich tun und seinen Sohn dahingeben, dessen Name diese Hilfe beinhaltet, Jesus – „Jahwe rettet“.
„Sie vermischten sich mit den Völkern und lernten von ihren Taten“ bezieht sich auch auf Salomo, der sich andersgläubige Frauen genommen hat. Und das ist auch ein Grund, warum die Kirche die Mischehe früher ganz klar abgelehnt hat – nicht aus Verbotsmentalität, sondern um den Menschen einen Gefallen zu tun. Wir sehen ja, in welche Bredouille sich Salomo begeben hat…
„Sie dienten deren Götzen“ ist ebenfalls bei Salomo eingetreten. Er hat angefangen, deren Göttern zu opfern und ihnen Altäre zu bauen. Dafür hat Gott ihm aber den Reichtum und die Macht nicht geschenkt. „Sie wurden ihnen zur Falle“ ist eine Deutung dessen, was bei Salomo passiert ist. Er ist durch die Ehe mit Andersgläubigen in die Falle getappt, die Falle des Satan. Er ist es letztendlich, der die Fallen stellt und Keile zwischen Gott und die Menschen treibt. Er sät Misstrauen, er möchte das Herz entzweien, das eigentlich ganz bei Gott ist. Bei Salomo hat es leider geklappt.
„Sie brachten ihre Söhne und Töchter dar als Opfer für die Dämonen“ gibt uns zwei Erkenntnisse: Erstens, dass bei anderen Religionen die Opferung der Menschen an Gott den ersten Schritt darstellen (denn warum opfert man seine eigenen Kinder wie bei Moloch, wenn nicht, um den Gott zu besänftigen?). Beim Gott Israels, der auch der Gott Jesu Christi ist, geht es nicht um Besänftigung, sondern um dankbare Antwort auf SEINEN ersten Schritt, den er gemacht hat – uns zu lieben. Dies sehen wir z.B. an der Regelung, die Erstlingsfrüchte Gott darzubringen, egal ob die Getreideernte, das Vieh oder den erstgeborenen Sohn. Und das eigentliche Opfer bringt ER UNS dar. Es ist die andere Richtung! Gott schenkt uns seinen Sohn, damit wir gesühnt werden. Das zweite, das wir lernen, ist die Bewertung der Götzen anderer Religionen als dämonisch. Es gibt nur einen Gott und alles andere wird zum Götzen. Wer aber nicht für Gott ist, ist gegen Gott und somit dämonisch. Der Satan ist der Urgegner Gottes.
„Der Zorn Gottes entbrannte“ sowie die „Abscheu“ ist die Art und Weise, wie die Menschen die Reaktion Gottes auf den Götzendienst gedeutet haben. Gott kann keine hasserfüllten Emotionen haben und „Zorn“ ist bei Gott kein „Affekt“, keine spontane Emotion, die irrationale Handlungen nach sich zieht. „Zorn Gottes“ ist immer eine kontrollierte und auf Gerechtigkeit abzielende Reaktion Gottes auf das Unrecht der Menschen. Wir dürfen unsere menschlichen Emotionen nicht auf Gott beziehen, zumindest nicht wörtlich. Das verstehen wir heute, aber die Menschen damals waren geprägt von anthropomorphen, also menschenähnlichen, Gottesbildern. Wenn es hier also heißt, dass Gott „Abscheu“ empfindet, dann müssen wir dies natürlich auf die Sünde selbst beziehen, nicht auf das Erbe selbst (das steht für Israel). Nicht alles, was in der Bibel steht, ist eine Aufzählung von Lehren und Dogmen. Gerade die Psalmen stellen Reflektionen von Menschen in einer bestimmten zeitgeschichtlichen und kulturellen Epoche dar. Das müssen wir immer mitlesen, vor allem bei alttestamentlichen Texten. Und doch ist es inhaltlich nicht zu entkräften, was der Psalm uns heute sagt. Es muss nur richtig verstanden werden, denn auch hier ist es Gottes Wort, vom Hl. Geist inspiriert und bis heute gültig: Was das Volk Gottes tut, ist für Gott verabscheuungswürdig, denn es ist wie ein Ehebruch. Gottes Braut hat ihn mit anderen Göttern betrogen nach all dem, was Gott seiner Braut geschenkt hat. Und das Entscheidende ist: Er bleibt ihr dennoch treu. Er wird sie nicht verlassen, aber die Konsequenzen spüren lassen, wiederum weil er sie liebt und sie zur Besinnung führen möchte. Er wird dann, wenn die Konsequenzen sie überrollen werden (die ganzen Fremdherrschaften), nicht allein lassen, sondern durch Propheten mit ihr weiterhin kommunizieren. Er wird bei ihr sein und sie noch durch die Krisenzeiten hindurchtragen, nach allem, was sie ihm angetan hat. Warum? Weil er sie liebt.
Stellen Sie sich vor, Gott würde uns verlassen, wenn wir gesündigt haben. Gott stellt aber beim Bund, den er mit uns schließt, keine Bedingungen an seine Liebe. Er gibt alles und verspricht auf ewig die Treue. Wir sind es, die den Bund brechen, wenn wir sündigen. Aber er bleibt und wartet, bis wir zurückkommen. Er sieht mit „Herzbrechen“ (das ist natürlich ein Bild!) zu, wie wir durch die selbstgemachte Hölle des Lebens gehen, bis wir zu ihm zurückkehren. Er hasst die Sünde, aber nicht den Sünder.

Mk 7
24 Jesus brach auf und zog von dort in das Gebiet von Tyrus. Er ging in ein Haus, wollte aber, dass niemand davon erfuhr; doch es konnte nicht verborgen bleiben. 

25 Eine Frau, deren Tochter von einem unreinen Geist besessen war, hörte von ihm; sie kam sogleich herbei und fiel ihm zu Füßen. 
26 Die Frau, von Geburt Syrophönizierin, war eine Heidin. Sie bat ihn, aus ihrer Tochter den Dämon auszutreiben. 
27 Da sagte er zu ihr: Lasst zuerst die Kinder satt werden; denn es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den kleinen Hunden vorzuwerfen. 
28 Sie erwiderte ihm: Herr! Aber auch die kleinen Hunde unter dem Tisch essen von den Brotkrumen der Kinder. 
29 Er antwortete ihr: Weil du das gesagt hast, sage ich dir: Geh nach Hause, der Dämon hat deine Tochter verlassen! 
30 Und als sie nach Hause kam, fand sie das Kind auf dem Bett liegen und sah, dass der Dämon es verlassen hatte.

Und die abschließenden Worte zum Psalm möchte Jesus uns heute auch beibringen. Im Evangelium hören wir erneut von der heidnischen Religion einer Frau. Jesus, den wir in den letzten Tagen immer wieder als Antitypos zu Salomo kennengelernt haben, macht nun alles anders als sein „Vorgänger“. Und auch die Frau, der er hier begegnet, ist ganz anders als die Frauen Salomos:
Es kommt zu der Begegnung dadurch, dass Jesus sich heute in einem mehrheitlich paganen Umfeld bewegt. Tyros und Sidon werden vor allem von Syrophöniziern bewohnt, die ihre ganz eigenen Verehrungen haben. Es gibt dennoch auch Juden in dem Gebiet, denn Jesus kehrt bei jemandem ein. Es wird sich wohl um das Haus eines Juden gehandelt haben. Es bleibt wie so oft nicht verborgen und die Menschen kommen zu ihm. So hört auch eine hiesige Syrophönizierin von Jesus und kommt zu ihm. Dass sie sich in ein jüdisches Haus begibt, ist schon aller Achtung wert. Damit macht sie sich alles andere als beliebt. Doch ihr Glaube und die Hoffnung, von Jesus Hilfe zu erfahren, sind größer als die Angst vor der Reaktion der Juden. Es erinnert uns an die blutflüssige Frau, die sich trotz ihrer kultischen Unreinheit in die Menschenmenge begibt, weil ihr die Heilung Jesu wichtiger ist.
Die Syrophönizierin kommt zu Jesus, weil ihre Tochter besessen ist und sich von Jesus eine Fernheilung erhofft. Ihr Glaube ist so groß, dass sie ihre Tochter nicht einmal mitbringt. Es ist wie mit dem Hauptmann, der Jesus die Fernheilung seines Sklaven zutraut.
Was wir nun von Jesus lesen, verstehen wir nur dann richtig, wenn wir es nicht einfach oberflächlich lesen. Dann werden wir uns nur echauffieren. Bei Jesus ist nichts zufällig. Es hat einen tieferen Sinn, warum er folgende Worte zu der Frau sagt. Er möchte sie testen und zugleich den Umstehenden klarmachen, dass der Messias zuerst zu den Juden gekommen ist.
Sie lässt sich nicht beirren durch die Aussage, dass er sie als Hund bezeichnet hat, was bei den Juden als Schimpfwort für die Heiden galt. Sie zeigt ihm ihren starken Glauben und ihre Fürsorge gegenüber dem Kind, die stärker sind als ihr eigener Stolz. Sie wendet Jesu Provokation so, dass sie den Kern des Neuen Bundes zusammenfasst: Jesus ist gekommen, nicht nur für die Juden, sondern auch für die Heiden. Sie demütigt sich dabei, indem sie sich als den kleinen Hund einordnet, der nur die restlichen Krümel der jüdischen Kinder abbekommt. Diese Demütigung zeigt Jesus, dass sie wirklich einen starken Glauben hat. Musste Jesus das unbedingt alles tun, um ihren Glauben zu erfahren? Nein. Er ist Gott, er sieht mit einem Blick in ihre Seele hinein und weiß längst, wie stark ihr Glaube und die Anerkennung des Gottes Israels ist. Was er aber hier tut, ist eine Lektion für die Umstehenden und auch für die Frau. Er möchte den Menschen durch diese Provokation (durch die er die gängige Meinung der Juden verdeutlicht) das Neue hervorheben: Er möchte auch den Heiden das Heil bringen und deshalb sagt er ihr und vor allen Anwesenden: „Weil du das gesagt hast, sage ich dir: Geh nach Hause, der Dämon hat deine Tochter verlassen!“ Ihr Glaube hat ihr geholfen. Das ist den Umstehenden insofern eine Lehre, weil sie sehen, dass der Glaube das Entscheidende ist, auch wenn man nicht zum Judentum gehört. In dieser Situation verhält Jesus sich so, dass er gleichermaßen Juden und Heiden entgegenkommt, dabei den Umstehenden den Glauben dieser Frau demonstriert, damit nicht nur er den Glauben sieht, sondern auch die anderen, und schließlich eine messianische Heilstat vollzieht. An diesem Tag werden viele Menschen ihn als Messias angenommen haben, nicht nur die Syrophönizierin.
Im Gegensatz zu Salomo sind hier jetzt mehrere Aspekte anders: Jesus bleibt ganz fest in seiner Überzeugung, dass allein Gott die Ehre gebührt. Er fängt nicht an, die syrophönizischen Gottheiten anzuerkennen und zu sagen: „Alle Religionen sind gleich“ etc. Die Heidin selbst ist auch anders, denn sie erkennt den Gott Israels an, anstatt Jesus ihren Glauben aufzudrücken. Hier wird das Negative der Lesung ins Positive gewendet. Hier funktioniert es wirklich, dass der fromme Jude die Heidin beeinflusst und nicht die Heidin den frommen Juden. Dies gefällt Gott und die Frau ist vor Gott gerecht. Sie erkennt als Nichtjüdin Gottes große Taten voller Glauben an und deshalb wird sie erhört. Das Kind wird befreit. Wir hören nicht von der Nachgeschichte, aber womöglich ist die Frau später Christin geworden, bestimmt zusammen mit dem Kind.
Was entscheidend ist, ist der Glaube. Jesus hat die Frau ja nicht geheiratet wie Salomo seine heidnischen Frauen. Jesus zeigt sogar eine gewisse Distanz, um auch uns heute zu zeigen, wie unser Umgang mit den Andersgläubigen sein soll: Wir sollen niemanden verachten und helfen, wo wir können. Denn der Nächste ist unser Nächster. Aufgrund der unantastbaren Menschenwürde ist jeder Mensch gut zu behandeln. ZUGLEICH sollen wir fest in unserem eigenen Glauben stehen und andere zu tolerieren heißt nicht, ihre Ansichten übernehmen zu müssen. Diese Distanz in der Glaubensüberzeugung bleibt bestehen. Den Nächsten lieben, ja. Und doch müssen wir nicht alles gut finden, was er oder sie glaubt oder tut. Und ganz inklusivistisch muss man sagen: Wer nicht zu den Kindern Gottes gehört, Gott aber dennoch anerkennt und an ihn glaubt – mit entsprechendem Lebenswandel – dem kann man die Gnade nicht absprechen, so wie der Syrophönizierin. Sie gehört nicht zum auserwählten Volk, gefällt Gott aber doch in ihrem unbeirrten Glauben.
Das Evangelium hilft uns dabei, die Lesung heute nicht misszuverstehen. Das Problem bei den Frauen Salomos ist der Götzendienst und der Glaube an andere Gottheiten, nicht ihre nominelle Zugehörigkeit zu anderen Völkern. Freilich gehört es meistens zusammen und es gibt wenige Ausnahmen wie heute im Evangelium. Deshalb legt man es bei Mischehen darauf an. Salomo hat sich aber eben keine Frauen genommen, die so eingestellt sind wie die Syrophönizierin des heutigen Evangeliums. Hätte er dies getan, hätte er sich nicht die „Abscheu“ Gottes zugezogen. Diese Frauen hätten sich dann zu seinem Glauben bekannt und nicht umgekehrt.

Was wir aus alledem lernen, ist: Wenn wir noch stehen, sollten wir aufpassen, dass wir nicht fallen. Das geht schneller, als wir denken. Und wenn wir einen Ehepartner suchen, können wir uns nicht einfach nur an der offiziellen Religionszugehörigkeit orientieren. Das allein reicht nicht. Wir müssen auch den tatsächlichen Glauben des Menschen sehen. Und ganz entscheidend: Wie selbst müssen fest im Glauben stehen, wenn wir eine Ehe eingehen wollen. Wir lernen von Jesus, dass Gott auf den tatsächlichen Glauben schaut. Das heißt im Umkehrschluss auch: Gott schaut darauf, wie wir unserer Taufe und der damit einhergehenden Berufung zur Heiligkeit gerecht geworden sind. Seine Strenge wird sich an der Erkenntnis des Menschen messen. Wer viel verstanden hat, wird auch viel Rechenschaft ablegen. Wer durch den katholischen Glauben mit der Fülle der Wahrheit betraut ist, wird auch die volle Verantwortung tragen müssen.

Ihre Magstrauss

Mittwoch der 5. Woche im Jahreskreis

1 Kön 10,1-10; Ps 37,5-6.30-31.39-40b; Mk 7,14-23

1 Kön 10
1 Die Königin von Saba hörte vom Ruf Salomos, der zum Ruhm des HERRN gereichte, und kam, um ihn mit Rätselfragen auf die Probe zu stellen. 

2 Sie kam nach Jerusalem mit sehr großem Gefolge, mit Kamelen, die Balsam, eine gewaltige Menge Gold und Edelsteine trugen, trat bei Salomo ein und redete mit ihm über alles, was sie in ihrem Herzen erwogen hatte. 
3 Salomo gab ihr Antwort auf alle Fragen. Es gab nichts, was dem König verborgen war und was er ihr nicht hätte sagen können. 
4 Als nun die Königin von Saba die ganze Weisheit Salomos erkannte, als sie den Palast sah, den er gebaut hatte, 
5 die Speisen auf seiner Tafel, die Sitzplätze seiner Beamten, das Aufwarten der Diener und ihre Gewänder, seine Getränke und sein Brandopfer, das er im Haus des HERRN darbrachte, da stockte ihr der Atem. 
6 Sie sagte zum König: Was ich in meinem Land über dich und deine Weisheit gehört habe, ist wirklich wahr. 
7 Ich wollte es nicht glauben, bis ich nun selbst gekommen bin und es mit eigenen Augen gesehen habe. Und wahrlich, nicht einmal die Hälfte hat man mir berichtet; deine Weisheit und deine Vorzüge übertreffen alles, was ich gehört habe. 
8 Glücklich sind deine Männer, glücklich diese deine Diener, die allezeit vor dir stehen und deine Weisheit hören. 
9 Gepriesen sei der HERR, dein Gott, der an dir Gefallen fand und dich auf den Thron Israels setzte. Weil der HERR Israel ewig liebt, hat er dich zum König bestellt, damit du Recht und Gerechtigkeit übst. 
10 Sie gab dem König hundertzwanzig Talente Gold, dazu eine sehr große Menge Balsam und Edelsteine. Niemals mehr kam so viel Balsam in das Land, wie die Königin von Saba dem König Salomo schenkte.

Heute hören wir in der Lesung von der Königin von Saba, die sich von den Loberzählungen über Salomo vergewissern möchte. Das ist für uns, die wir gerade im Advent genau hingehört haben, ein Signal. Wir denken an die Querverweise von Jes 60 oder Ps 72. Da diese typologisch gelesen werden und ihre antitypologische Entsprechung mit den Magoi aus dem Morgenland an der Krippe in Mt finden, müssen wir auch die Königin von Saba in dieser Richtung interpretieren. Gehen wir zunächst die Lesung durch:
Die Königin von Saba folgt dem Ruf des Salomo. Sie besucht ihn, um mit Rätseln seine Weisheit zu prüfen. Lesen wir es typologisch, denken wir an die messianische Verheißung, die die zoroastrischen Magoi kennen, und aufgrund welcher sie sich auf den Weg in den Westen machen.
Die Königin kommt mit Gaben, die den Gaben der drei Weisen auf dem Morgenland in Mt ähneln. Einerseits bringt sie unter anderem Gold mit, andererseits Balsam, was der Myrrhe entspricht. Aus dem kostbaren Baumharz stellte man nämlich Balsam für die Bestattung von Leichnamen her, ebenfalls wurde es aufgrund der betäubenden Wirkung in der Medizin eingesetzt und auch bei kultischen Salbungen verwendet.
Die Königin schüttet Salomo sozusagen ihr Herz aus, weil sie seine Weisheit erkennt. Er hilft ihr in allen Fragen und kann ihr bei allem helfen. Sie sieht auch seinen ganzen Reichtum, die Art und Weise, wie er regiert. Sie bestätigt als Augenzeugin den Ruf, den Salomo bei den anderen Völkern besitzt. Auch dies können wir auf den Antitypos beziehen. Die Weisen aus dem Morgenland kommen zum Kind in der Krippe und werden zu Augenzeugen der Herrlichkeit Gottes. Dort wird all das, was die Königin von Saba sieht, getoppt. Hier kommen sie eben nicht in einen prächtigen Palast, sondern in einen ganz heruntergekommenen und dreckigen Ort. Und hier, in der absoluten Verborgenheit leuchtet der eigentliche Stern in Jakob auf – Jesus Christus in der alles entlarvenden Armut. Die Weisen auf dem Morgenland werden eines Besseren belehrt. Das Kind kann noch nicht sprechen und ihnen seine Weisheit bekunden, doch mit seiner Anwesenheit hat es ihnen viel mehr beigebracht, als Salomo in seiner gottgeschenkten Weisheit hätte lehren können.
Wenn wir hier in der Lesung so eine Betonung des Reichtums Salomos lesen, dann müssen wir uns daran nicht stören. Im Gegenteil. Das ist so gewollt und nur dann richtig zu verstehen, wenn wir uns noch einmal an Salomos Traum erinnern. Dort wünscht er sich von Gott ein weises Herz. Und Gott gefällt sein Wunsch so sehr, dass er ihm zusätzlich zu seiner Weisheit auch noch Reichtum schenkt. Wenn es hier also so betont wird, dass sogar eine Königin dies alles schaut und anerkennt, dann ist das hier keine Angeberei. Hier wird Gott die Ehre gegeben, der Salomo das alles geschenkt hat. Was Gott aber geschenkt hat, darf man nicht verstecken. Es ist ja kein eigenes Verdienst! Sonst tun wir das, was Jesus vor einigen Tagen durch Salz und Licht ausgedrückt hat: Wir stellen das Licht unter den Scheffel. Dabei haben wir gar nicht das Recht. Es ist ja nicht unser eigenes Licht, sondern das von Gott geschenkte! ER entscheidet, was damit gemacht wird. Und so ist es Gottes Werk, dass Salomo so reich ist. Die Königin von Saba erkennt das und gibt Gott deshalb die Ehre, wenn sie sagt: „Gepriesen sei der HERR, dein Gott!“ Sie erkennt an, dass Gott ihn eingesetzt hat, dass Gott hinter all dem steckt. Salomo tut, was wir alle tun sollten mit dem Reichtum, den Gott uns schenkt – ob in Form von materiellen Gütern oder Begabungen. Wir sollen es hegen und pflegen und ausbauen, damit es anderen Menschen nützt und diese vor allem den Vater im Himmel preisen wie die Königin von Saba! Wir werden beschenkt, damit wir Menschen zu Gott führen.
Die Königin schenkt Salomo noch mehr Gaben, vor allem importiert sie so viel Balsam, wie es danach nicht mehr vorkommen wird. Jesus wird später sagen: „Wer hat, dem wird gegeben.“ So ist es in diesem Fall wirklich eindrücklich zu beobachten. Salomo ist schon so reich und ihm wird noch dazu gegeben. Er ist wirklich überreich gesegnet.

Ps 37
5 Befiehl dem HERRN deinen Weg, vertrau ihm – er wird es fügen. 

6 Er lässt deine Gerechtigkeit aufgehen wie das Licht, dein Recht wie die Helle des Mittags. 
30 Der Mund des Gerechten bewegt Worte der Weisheit und seine Zunge redet, was recht ist. 
31 Die Weisung seines Gottes ist in seinem Herzen, seine Schritte werden nicht wanken.
39 Die Rettung der Gerechten kommt vom HERRN, ihre Zuflucht zur Zeit der Bedrängnis. 
40 Der HERR hat ihnen geholfen und sie gerettet, er wird sie vor den Frevlern retten.

Der heutige Psalm ist ein richtiger Vertrauenspsalm. Der erste Vers, den wir heute beten, ist eine Aufforderung dazu, Gott alles anzuvertrauen. Der „Weg“, der hier genannt wird, bezieht sich dabei auf den Lebensweg des einzelnen Menschen. Über den Literalsinn hinaus können wir es auch auf Christus beziehen, der dem Vater unendlich vertraut hat, selbst am Kreuz in der gefühlten Gottverlassenheit. Denn er betet selbst da noch Psalm 22, der in eine Vertrauensbekundung umschlägt: „24 Die ihr den HERRN fürchtet, lobt ihn; all ihr Nachkommen Jakobs, rühmt ihn; erschauert vor ihm, all ihr Nachkommen Israels! 25 Denn er hat nicht verachtet, nicht verabscheut des Elenden Elend. Er hat sein Angesicht nicht verborgen vor ihm; er hat gehört, als er zu ihm schrie.“ Und am Ende heißt es dann: „32 Seine Heilstat verkündet man einem Volk, das noch geboren wird: Ja, er hat es getan.“ Auch die Kirche soll in der Nachfolge Christi auf Gottes Vorsehung vertrauen. Sie ist das „Volk, das noch geboren wird.“ Jesus hat gesagt, dass die Mächte der Finsternis sie nicht überwältigen werden. Dieses Volk ist auf dem Weg, das pilgernde Gottesvolk unterwegs in die Ewigkeit. Auch jeder einzelne Christ darf auf Gott vertrauen, dass er ihn nie im Stich lässt.
Die Gerechtigkeit wird am Ende alles besiegen wie die Sonne im Zenit. Sie ist immer stärker als alles Unrecht – ob in der Kirche oder im Leben des Einzelnen. Diese Gerechtigkeit hat man vor Gottes Augen, wenn man ihm seine Wege befiehlt. Moralisch drücken wir es so aus: Wer Gottes Gebote hält und Gott in jedem Lebensbereich das Steuer übergibt, ist gerecht vor Gott. Er ist dann im Stand der Gnade. Wessen Herz in diesem Zustand ist – und das ist der Kern des Standes der Gnade, ein reines und mit Gnade erfülltes Herz! – der spricht auch Gerechtes und Weises. Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund, wird Jesus sagen (Mt 12,34f.). Und weil solch ein Mensch Gottes Gebote im Herzen trägt, werden seine Schritte nicht wanken, also auch seine Entscheidungen im Leben sowie sein Verhalten gemäß der Weisung Gottes erfolgen.
Wenn Gott somit zum Fundament des eigenen Lebens wird, wird ein solcher Mensch auch nicht fallen, wenn der Boden des Lebenswegs einmal holprig wird oder unter seinen Füßen weggezogen wird. Wer einen starken Glauben hat, den trägt dieser Glaube durch Notlagen und schwere Zeiten hindurch. Man muss dabei präzisieren: Nicht der Glaube trägt hindurch, sondern Gott, den man im Herzen trägt. Denn „der HERR hat ihnen geholfen und sie gerettet“. Er ist es ja letztendlich, der den Glauben schenkt. Und er wird sie auch von den „Frevlern“ retten. Was auch immer für Angriffe den Menschen erwarten, Gott ist sein Schild, wie es in vielen Psalmen auch heißt.
Das alles ist sehr „moralisch“ formuliert, denn die Psalmen haben von ihrer Schreibweise her eine Betonung auf dieser Lesart. Wir können es dennoch auch auf die Kirche übertragen, was wir hier lesen. Das A und O der Kirche ist Gottes Gegenwart in ihr – die Eucharistie im Herzen der Kirche. Wo die Kirche eucharistisch ist, bleibt sie lebendig und wirksam. Die Kirche muss zudem den Geist Gottes atmen. Immer. Wo sie dem Hl. Geist Raum lässt und ihn nicht mit den einseitig menschlichen Bemühungen verdrängt, ist sie wirklich fruchtbar und vor allem gerecht. Ohne die Gnade Gottes verkommt sie zur humanitären Organisation, zu einem menschlichen Verein und somit steigt auch die Korruption in ihr. Die Kirche ist aber Sakrament, das aus einer sichtbaren und unsichtbaren Seite besteht. Das eigentliche ist diese unsichtbare Wirklichkeit. Gott wird auch die Kirche vor allen Frevlern retten, wo die Kirche Gott in die Mitte ihrer Verkündigung, ihrer Liturgie und ihres caritativen Handelns stellt. Er ist auch ihr Orientierungspunkt auf dem Weg in die Ewigkeit. Er ist dann ihre Vorgabe im Denken, Sprechen und Handeln. Die Anweisungen des Körpers gehen vom Kopf aus, wo das Gehirn sitzt. Nicht umsonst sagt Paulus also in mehreren Briefen, dass Christus das Haupt, die Kirche aber die Glieder sind.

Mk 7
14 Dann rief er die Leute wieder zu sich und sagte: Hört mir alle zu und begreift, was ich sage! 

15 Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein. 
16 Wenn einer Ohren hat zum Hören, so höre er.
17 Er verließ die Menge und ging in ein Haus. Da fragten ihn seine Jünger nach dem Sinn dieses rätselhaften Wortes. 
18 Er antwortete ihnen: Begreift auch ihr nicht? Versteht ihr nicht, dass das, was von außen in den Menschen hineinkommt, ihn nicht unrein machen kann? 
19 Denn es gelangt ja nicht in sein Herz, sondern in den Magen und wird wieder ausgeschieden. Damit erklärte Jesus alle Speisen für rein. 
20 Weiter sagte er: Was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein. 
21 Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, 
22 Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Lästerung, Hochmut und Unvernunft. 
23 All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein.

Was wir in der Lesung und im Psalm bedacht haben, verdichtet sich nun im Evangelium. Es schließt sich direkt an Jesu Kritik der Pharisäer und Schriftgelehrten von gestern an. Dort ging es um ihre Betonung der äußeren Handlungen und der Überbietung göttlicher Gebote durch menschliche Ergänzungen, ohne eine entsprechende Herzenshaltung aufzuweisen. Heute vertieft Jesus seine Ausführungen und erklärt, was die eigentliche Reinheit oder Unreinheit ist:
Jesus ist es sehr wichtig, seine folgenden Worte den Menschen einzuprägen. Deshalb sagt er mit Nachdruck: „Hört mir alle zu und begreift, was ich sage“. Einige Verse später heißt es auch „wenn einer Ohren hat zum Hören, so höre er.“ Er möchte, dass die Menschen das nun Gesagte wirklich beherzigen, nicht einfach überhören.
Und dann kehrt er die Reihenfolge der pharisäischen Denkweise um: Nicht was von außen in den Menschen kommt, macht ihn unrein, sondern was von innen nach außen kommt. Nicht das von außen durch das Verdauungssystem in den Menschen kommende Essen z.B. macht den Menschen unrein – gemeint ist immer die kultische Reinheit oder Unreinheit! Jesus meint auch nicht, dass das von innen nach außen kommende Physische wie Exkremente, Ausfluss oder sonstiges, was im Buch Levitikus so detailliert beschrieben wird, unrein macht. Es geht nicht um den Verdauungsweg, sondern den Weg vom Herzen bis hin zum äußerlich erkennbaren Verhalten. Dies ist aber selbst seinen Jüngern zunächst nicht klar. Und Jesus tadelt sie wie damals, als sie das Gleichnis vom Sämann nicht verstanden haben. Er erklärt es ihnen und dadurch auch uns Hörern: Er entkräftet die Speisegebote der Juden, denn es ist die Zeit gekommen, dass die Menschheit dies begreifen kann. Nicht auf der Ebene des Verdauungstraktes wird entschieden, ob ein Mensch für den Gottesdienst rein ist oder wie wir sagen würden „im Stand der Gnade“ ist, sondern auf der Ebene des Herzens bzw. der moralischen Ebene. Man kann den Jüngern nicht übel nehmen, dass sie ihn nicht sofort verstehen, denn sie sind mit den Speisegeboten großgeworden. Das ist ein elementarer Bestandteil ihres jüdischen Glaubens. Jesus steht als Gott über der geschriebenen Torah, weil er nun ihre Erfüllung und Personifizierung ist. Er kann die Gebote neu auslegen mit der allerhöchsten Autorität.
Jesus führt weiter aus, was er mit dieser moralischen Ebene meint: Aus dem Inneren, aus der Seele, was biblisch oft mit „Herz“ umschrieben wird, kommen die bösen Gedanken, die einen zur Sünde verleiten wollen. Er zählt einen Sündenkatalog auf, um anhand der Beispiele den Jüngern zu verdeutlichen, was er meint. Und diese Gedanken sind es, die den Menschen unrein machen.
Wir müssen das richtig verstehen. Der Böse versucht uns dadurch, dass er uns solche Gedanken eingibt. Aber die Gedanken an sich sind noch nicht das Verwerfliche. Selbst Jesus ist ständig versucht worden. Das Entscheidende ist, was wir mit diesen Gedanken machen. Wenn wir sie zulassen und sie weiterdenken, sodass sie sich in unserer Seele breit machen können, dann wird unser Herz immer voller davon. Schließlich werden wir das zur Sprache bringen, es wird unsere Worte erfüllen, denn wie gesagt: Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund. Und was wir erst einmal laut ausgesprochen haben, werden wir auch eines Tages umsetzen. Das ist der Weg der Sünde. Und diese schneidet uns von Gott ab. Sie ist es, durch die wir uns aus dem Stand der Gnade hinauskatapultieren. Wenn wir den kommenden Gedanken aber einen Riegel vorschieben, wo wir sie ablegen und als Versuchung entlarven, wo wir gerade in Zeiten der Versuchung beten, da haben wir eben nicht gesündigt. Wir tun es dann Jesus gleich, der in der Wüste vom Satan versucht worden ist.
All das erklärt Jesus in dem Kontext der Begegnung mit den Pharisäern am Tisch. Was bringt es ihnen, dass sie äußerlich ein Verhalten vorspielen, das nicht aus dem Inneren, aus ihrem Herzen entspringt? Wenn sie rein sein wollen, müssen sie nicht die Hände waschen, sondern ihre Herzen. Wenn sie würdig vor Gott im Kult hinzutreten wollen, müssen sie reinen Herzens sein, frei von bösen Absichten, von sündhaften Gedanken, unabhängig davon, ob sie diese auch umgesetzt haben oder nicht. Mit Groll und Rachegedanken im Herzen sind sie kultisch nicht rein, auch wenn sie ihre Hände gewaschen haben. Wenn sie verbittert gegen jemanden sind und doch alle kultischen Handlungen korrekt ausführen, ist es kein Opfer, das dem Herrn gefällt. Gott braucht keinen Korban, keine Weihe, und wenn es auch die Weihe des gesamten Besitzes ist, wenn sie aus Habgier oder Bequemlichkeit vollzogen wird (damit man den Eltern nichts mehr geben braucht). Jesus konkretisiert dies z.B. in der Bergpredigt, indem er erklärt: 23 „Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, 24 so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe!“ Wenn etwas noch auf dem Herzen liegt, was noch nicht ausgesöhnt ist, selbst wenn man nicht der Schuldige ist, muss es vor der Opferung bereinigt werden. Dann kann man mit reinem Gewissen vor Gott treten und ist kultisch bereit. Dann ist nämlich auch das Herz ganz bei Gott.
Das ist auch in unserer Liturgie der Fall. Zuerst sollen wir uns mit Gott und unserem Nächsten versöhnen (Beichte) und können erst dann die Kommunion empfangen. Und auch die liturgischen Handlungen zeigen es uns auf: Am Anfang der Messe bitten wir Gott um Verzeihung und bekennen unsere Sündhaftigkeit. Wir geben uns direkt vor dem Kommunionempfang den Friedensgruß, auch wenn diese Geste nicht in erster Linie eine Versöhnung zwischen den Menschen darstellen soll (es geht eher darum, den österlichen Frieden Christi weiterzugeben. Deshalb soll man ja auch nicht quer durch die Kirche laufen und jedem die Hand geben, sondern nur dem Nebenmann). Und der Priester wäscht während der Gabenbereitung seine Hände – nicht zur Reinigung, sondern als äußeres Zeichen des inneren Kerns: Er betet nämlich dabei die Worte des Psalms 51 „Herr, wasch ab meine Schuld, von meinen Sünden mach mich rein“. Er bittet Gott als Vorsteher der Messe um Vergebung, damit sein Opfer, das er dann in Leib und Blut Christi wandelt (nicht er, sondern Christus in ihm!), ein reines Opfer sei. So söhnt er sich mit Gott aus, bevor er die Gaben opfert. Er wäscht die Hände ja direkt vor dem Beginn des Hochgebets.
Und wenn wir unser ganzes Leben so damit verbracht haben, diesen versöhnten Zustand beizubehalten, wird uns Gott als reine Opfergabe annehmen, wenn wir nach dem Tod vor ihm stehen. Dann wird er uns einen Platz zuweisen in seinem Reich.

Salomo hatte dieses reine Herz, dieses ungetrübte Gewissen. Deshalb hat ihn Gott mit vielen Gaben ausgestattet, dass sogar eine ferne Königin davon beeindruckt ist und Gott die Ehre gibt. Seine Art zu regieren wird von seinem Inneren bestimmt, das vor Gott gerecht ist. Er hat es verstanden, wirklich von Herzen zu beten und Gott nahe zu sein. Werden wir alle mehr zu Salomo und beherzigen wir das, was Jesus über die Herzensreinheit erklärt. Das Herz ist entscheidend. Es heißt so treffend in dem Buch der Sprichwörter, das Salomo selbst verfasst hat: 4,23 „Mehr als alles hüte dein Herz; denn von ihm geht das Leben aus.“ 

Ihre Magstrauss

Dienstag der 5. Woche im Jahreskreis

1 Kön 8,22-23.27-30; Ps 84,3.4.5 u. 10.11; Mk 7,1-13

1 Kön 8
22 Dann trat Salomo in Gegenwart der ganzen Versammlung Israels vor den Altar des HERRN, breitete seine Hände zum Himmel aus 

23 und betete: HERR, Gott Israels, im Himmel oben und auf der Erde unten gibt es keinen Gott, der so wie du Bund und Huld seinen Knechten bewahrt, die mit ungeteiltem Herzen vor ihm leben.
27 Wohnt denn Gott wirklich auf der Erde? Siehe, selbst der Himmel und die Himmel der Himmel fassen dich nicht, wie viel weniger dieses Haus, das ich gebaut habe. 
28 Wende dich, HERR, mein Gott, dem Beten und Flehen deines Knechtes zu! Höre auf das Rufen und auf das Gebet, das dein Knecht heute vor dir verrichtet! 
29 Halte deine Augen offen über diesem Haus bei Nacht und bei Tag, über der Stätte, von der du gesagt hast, dass dein Name hier wohnen soll! Höre auf das Gebet, das dein Knecht an dieser Stätte verrichtet! 
30 Achte auf das Flehen deines Knechtes und deines Volkes Israel, wenn sie an dieser Stätte beten! Höre sie im Himmel, dem Ort, wo du wohnst! Höre sie und verzeih!

Gestern haben wir davon gehört, dass die Bundeslade in den neu errichteten Tempel überführt worden ist. Das ganze Geschehen ist in einen liturgischen Kontext eingebettet worden. Sobald die Lade in den Tempel gebracht worden ist, legt sich die Wolke der Herrlichkeit Gottes auf ihn. Salomo hält daraufhin eine Ansprache, die wir heute nicht hören. Stattdessen setzt die heutige Lesung bei dem sich anschließenden Weihegebet des Königs an.
Er tritt „in Gegenwart der ganzen Versammlung Israels vor den Altar“, was eine ganz klare liturgische Handlung beschreibt. Sein Gebet, das wir gleich hören, wird von seinem Stehen vor dem Altar und durch die Ausbreitung seiner Hände begleitet.
Das Gebet beginnt mit dem Bekenntnis Salomos, dass es keinen Treueren als Gott gibt. Die Bezeichnung „im Himmel oben und auf der Erde unten“ bezieht sich dabei auf Irdisches und Überirdisches. Das Begriffspaar „Himmel und Erde“ stehen für die sichtbare und die unsichtbare Welt, die beide von Gott geschaffen worden sind. Er ist der Treue, der seinen Bund aufrecht erhält, der sein Versprechen gegenüber seinen Bündnispartnern nicht bricht.
Salomo hat die Erkenntnis, dass selbst der Himmel Gott nicht fassen kann. Der Himmel ist von Gott geschaffen und kann ihn nicht übersteigen. Gott lässt sich nicht fassen und wenn schon der Himmel ihn nicht umgeben kann, umso weniger der irdische Tempel Salomos. Auch wenn der König ein so prunkvolles Heiligtum errichtet hat, maßt er sich nicht an, wie die Menschen beim Turmbau zu Babel den Himmel erreichen zu können. Er weiß, dass das Beste und ihm nur Mögliche für Gott gerade gut genug ist. Das ist eine Demutsbekundung und bezeugt Salomos Gottesfurcht. Die Gottesfurcht ist wiederum der Anfang jeder Weisheit (Ps 111,10). Und im gestrigen Psalm haben wir schon dieses Bild vom Fußschemel gehört. Ein Tempel ist zwar Wohnstatt Gottes und doch kann man Gott darin nicht einfangen.
Salomo bittet Gott um Aufmerksamkeit und Erhörung („Wende dich (…) zu“; „Höre auf das Gebet“). Die Art seines Betens erinnert sehr stark an Psalmen.
Gott soll seine Augen offenhalten bei Tag und Nacht. Das ist bildlich gesprochen, denn Gott ist Geist und hat keine Augen. Was Salomo sich wünscht, ist Gottes Allsehen. Er soll die Opfer sehen und registrieren. Er soll alle Gebete mitbekommen, damit kein Gebet unerhört bleibt.
Dabei setzt Salomo voraus, dass Gott trotz Gegenwart im Tempel eigentlich im Himmel wohnt. Denn er sagt hier „im Himmel, dem Ort, wo du wohnst.“ Das Hören soll auf Vergebung abzielen. Gott soll das Flehen der Menschen hören, damit er ihnen verzeihe. Es geht um die ganze Opferpraxis, die sich im und um den Tempel herum abspielen wird.
Die ganze Situation ist bemerkenswert. Es handelt sich um ein Weihegebet. Der Tempel wird Gott geweiht. Derjenige, der die Weihe aber vornimmt, ist der König und nicht ein Hohepriester! Salomos ist gesalbt und hat als Gesalbter die Gnadengaben Gottes erhalten. Und doch ist es ungewohnt, weil sein Gebet an das hohepriesterliche Gebet Jesu in Joh 17 erinnert. Die typologische Verbindung zwischen Salomo und Jesus ist unverkennbar, insbesondere bei Betrachtung des Königtums.

Ps 84
3 Meine Seele verzehrt sich in Sehnsucht nach den Höfen des HERRN. Mein Herz und mein Fleisch, sie jubeln dem lebendigen Gott entgegen. 

4 Auch der Sperling fand ein Haus und die Schwalbe ein Nest, wohin sie ihre Jungen gelegt hat – deine Altäre, HERR der Heerscharen, mein Gott und mein König. 
5 Selig, die wohnen in deinem Haus, die dich allezeit loben.
11 Ja, besser ist ein einziger Tag in deinen Höfen als tausend andere. Lieber an der Schwelle stehen im Haus meines Gottes als wohnen in den Zelten der Frevler. 
12 Denn Gott der HERR ist Sonne und Schild. Der HERR schenkt Gnade und Herrlichkeit. Nicht versagt er Gutes denen, die rechtschaffen wandeln. 

Der heutige Psalm ist dem Tempel in Jerusalem gewidmet. Gleich zu Beginn wird uns dies durch die „Höfe des Herrn“ verdeutlicht. Es meint die verschiedenen Bereiche des Tempelgeländes. Der ganze Beter verzehrt sich in Sehnsucht nach dem Tempel. Er jubelt mit seiner ganzen Existenz („mein Herz und mein Fleisch“).
Er vergleicht seine Freude über den Tempel und seine damit verbundenen Heimatgefühle mit Sperling und Schwalbe, die ein Nest gebaut und ihre Jungen hineingelegt haben. Dabei ist die Anrede HERR der Heerscharen (Jahwe Zebaot) eine kultische Bezeichnung für Gott. Auch wir bezeichnen ihn so, wenn wir das Sanctus singen. Es ist ein liturgischer Titel auch bei den Christen.
„Selig, die wohnen in deinem Haus, die dich allezeit loben“ führt uns über den Buchstabensinn hinaus. Wir preisen jene selig, die ewig das Sanctus im Himmel singen. Nicht umsonst kündigt der Priester in der Präfation das Sanctus z.B. mit den Worten an: „Darum preisen wir dich mit allen Engeln und Heiligen und singen vereint mit ihnen das Lob deiner Herrlichkeit.“ Jene sind es, die wirklich selig sind und im Hause Gottes wohnen und ihn allezeit preisen. Neben dieser anagogischen Lesart können wir es schon allegorisch-ekklesiologisch verstehen, also auf die Kirche beziehen. Sie ist das Haus Gottes auf Erden, der Antitypos des Tempels. Hier wohnt Christus in der Eucharistie- Die Kirche ist die Gemeinschaft der Gläubigen, die Gott allezeit preisen. Hier wird ein Funke der eschatologischen Freude schon sakramental vorweggenommen.
Der Beter des Psalms bevorzugt diese Zeit im Tempel gegenüber vielen Tagen vom Tempel entfernt. Die Wallfahrtszeiten sind sein Höhepunkt. Er freut sich schon darüber, wenn er „an der Schwelle“ stehen darf, solange er nicht in den „Zelten der Frevler“ verbringen muss. Es ist wiederum anagogisch weiterzudenken: Selbst wenn wir an der Schwelle zum Himmelreich stehen, ist es besser, als in der ewigen Verdammnis zu verbringen. Selbst wenn wir noch geläutert werden müssen, aber schon mit einem Fuß im Himmelreich sind, haben wir Trost. Denn wir sind uns sicher, dass wir danach bei Gott sein dürfen. Es ist wie mit den Höfen des Tempels. Es muss zunächst die Reinigung erfolgen, damit wir weiter vordringen können. Der irdische Tempel ist wirklich nach dem Vorbild der Ewigkeit gebaut worden!
„Gott der HERR ist Sonne und Schild“. Er ist also Orientierung, Wärme und Schutz. Er schenkt Gnade und Herrlichkeit. Wer in den Tempel kommt, der wird beschenkt und wieder neu ausgerüstet. So ist es auch mit uns, die wir in die Kirche gehen, um in der Eucharistie neu ausgestattet zu werden mit Gnade und Herrlichkeit. Wir werden immer mehr gewandelt in den Leib Christi, den wir empfangen. So werden wir Gott immer ähnlicher, auch wenn wir nie Götter werden. Stattdessen werden wir immer mehr zu Menschen, wie Gott sie gedacht hat. Gott gibt Überfülle an Gnaden, wenn der Mensch rechtschaffen wandelt. Das Wandeln ist im biblischen Kontext immer ein moralischer Begriff und bezieht sich auf den Lebenswandel. Wer also die Gebote Gottes hält und somit im Stand der Gnade ist, wird immer mehr beschenkt. Der Kanal zwischen Gott und Mensch ist ja frei durch den einwandfreien Seelenzustand. Wenn der Mensch aber im Zustand schwerer Sünde ist, dann ist der Kanal verstopft. Dann kann Gott ihm diese Gnaden nicht schenken, nicht weil er es nicht möchte, sondern weil der Mensch sich selbst blockiert.
Wollen wir selig sein und das schon in diesem Leben, dann kommen wir zur Quelle, machen den Weg frei für Gottes Gnaden in der Beichte und empfangen wir Christus in der Eucharistie. Dann wird er in unserem inneren Tempel Wohnung nehmen. Dann werden wir schon hier auf Erden Heimatgefühle des Himmels haben.

Mk 7
1 Die Pharisäer und einige Schriftgelehrte, die aus Jerusalem gekommen waren, versammelten sich bei Jesus. 

2 Sie sahen, dass einige seiner Jünger ihr Brot mit unreinen, das heißt mit ungewaschenen Händen aßen. 
3 Die Pharisäer essen nämlich wie alle Juden nur, wenn sie vorher mit einer Handvoll Wasser die Hände gewaschen haben; so halten sie an der Überlieferung der Alten fest. 
4 Auch wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, ohne sich vorher zu waschen. Noch viele andere überlieferte Vorschriften halten sie ein, wie das Abspülen von Bechern, Krügen und Kesseln. 
5 Die Pharisäer und die Schriftgelehrten fragten ihn also: Warum halten sich deine Jünger nicht an die Überlieferung der Alten, sondern essen ihr Brot mit unreinen Händen? 
6 Er antwortete ihnen: Der Prophet Jesaja hatte Recht mit dem, was er über euch Heuchler sagte, wie geschrieben steht: Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir. 
7 Vergeblich verehren sie mich; was sie lehren, sind Satzungen von Menschen. 
8 Ihr gebt Gottes Gebot preis und haltet euch an die Überlieferung der Menschen. 
9 Und weiter sagte Jesus: Sehr geschickt setzt ihr Gottes Gebot außer Kraft, um eure eigene Überlieferung aufzurichten. 
10 Denn Mose hat gesagt: Ehre deinen Vater und deine Mutter! und: Wer Vater oder Mutter schmäht, soll mit dem Tod bestraft werden. 
11 Ihr aber lehrt: Wenn einer zu seinem Vater oder seiner Mutter sagt: Korbán – das heißt: Weihgeschenk sei, was du von mir als Unterstützung erhalten solltest – , 
12 dann lasst ihr ihn nichts mehr für Vater oder Mutter tun. 
13 So setzt ihr durch eure eigene Überlieferung Gottes Wort außer Kraft. Und ähnlich handelt ihr in vielen Fällen.

Heute lesen wir von einer Konfliktsituation zwischen Jesus/seinen Jüngern und den Pharisäern und Schriftgelehrten. Jesus und seine Jünger halten sich nicht an die Reinheitsgebote und anderen Überlieferungen der Alten. Das stört die Pharisäer, die sehr viel Wert auf die Einhaltung der jüdischen Gebote legen. An sich ist dies nicht verwerflich, denn dafür hat Gott die Menschen diese Gebote zur gegebenen Zeit auch gelehrt. Das Problem ist nicht, dass die Pharisäer sich vor dem Essen die Hände waschen und das auch von anderen erwarten. Das Problem ist, dass sie ihre Hände waschen, aber nicht ihr Herz. Sie sind Heuchler, weil sie sich um äußere Dinge kümmern, aber das Entscheidende nicht tun. Er vergleicht sie mit dem, was Jesaja schon beklagt hat: „Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir.“ Was bringen die noch so perfekt eingehaltenen äußeren Handlungen ohne entsprechende innere Haltung? Ganz wichtig: Jesus will nicht irgendwelche Gebote entkräften, zumindest nicht die göttlichen! Er kritisiert zurecht das von den Pharisäern errichtete menschliche Konstrukt um die göttlichen Gebote herum. Diese menschlich herbeigeführte Verkomplizierung führt vom wesentlichen Kern und von der ursprünglichen Absicht der Gebote Gottes weg. So greift Jesus als Beispiel das vierte Gebot „Ehre deinen Vater und deine Mutter“ auf und stellt heraus, wie die Pharisäer dieses Gebot durch eigene Gesetze entkräften. In diesem Fall würden sie z.B. ihren ganzen Besitz Gott weihen, was auf Hebräisch Korban heißt. Damit hätten sie dann einen Vorwand, ihre Eltern nicht mehr zu unterstützen, denn das dafür benötigte Geld etc. ist ja schon Gott geweiht worden. Auf diese Weise würden die Pharisäer das vierte Gebot entkräften, weil sie die Juden zur Umgehung des vierten Gebots provozieren würden. Jesus sagt nicht, dass Gebote überflüssig sind. Das wird aus solchen Episoden gerne geschlossen. Er sagt vielmehr, dass Gottes Gebote höchste Priorität haben und kein Mensch sie antasten kann. Anhand des Beispiels der Korban-Regelung möchte Jesus verdeutlichen, dass der pharisäische Umgang mit Geboten ihr von Gott weit entferntes Herz offenbart.
An anderer Stelle drückt Jesus es so aus: „21 Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut.“ (Mt 7,21). Die Pharisäer sind gut darin, ganz besonders laut und fromm „Herr, Herr“ zu sagen. Und die Sache an sich ist nicht falsch. Was Jesus möchte, ist aber die Kongruenz, die Deckungsgleichheit von innen und außen, von Lippen und Herz. Er selbst hat sich ja auch unter das Gesetz gestellt. Er hat auch gesagt, dass er von der Torah nichts ändern möchte. Im Falle der Korban-Regelung gilt dasselbe: Nicht jedes Weihegebet ist jetzt verwerflich und er möchte natürlich nicht damit sagen, dass man seinen Besitz jetzt nicht mehr Gott weihen soll. Sonst hätte er im Nachhinein auch das Weihegebet Salomos aus der heutigen Lesung verworfen. Er möchte vermeiden, dass wir vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen. Stattdessen sollen wir uns darauf besinnen, dass die Gebote Gottes Priorität Nummer eins haben. Wir sollen diese mit der rechten Absicht halten, also aus Liebe zu Gott und unserem Nächsten. Wenn wir aber Liebe haben, dann werden wir nicht unseren Besitz Gott weihen aus habgierigen Gründen, damit wir uns vor der Verantwortung für die Eltern drücken können. Dann werden wir gerade aus Liebe für unsere Eltern da sein und sie auch mit den nötigen Mitteln unterstützen. Gott weihen kann und muss man gerade deshalb alles. Man gibt ihm dankbar zurück, was man von ihm bekommen hat. Das wäre die richtige Handhabung in diesem Beispiel.

Wenn wir über Liturgie, über Frömmigkeitsformen etc. nachdenken, müssen wir uns das auch immer fragen: Wollen wir alles korrekt haben, weil wir Gott lieben? Dann ist unser Bestreben gut und richtig. Wollen wir es um der Liturgie selbst willen? Dann müssen wir uns fragen: Wer ist größer: Gott oder die Liturgie? Wollen wir es um unserer Selbst willen? Um uns selbst besser darzustellen als diejenigen, die nicht alles richtig machen bei äußerlich sichtbaren Handlungen? Preisen wir Gott laut „Herr, Herr“ und leben im Alltag dennoch genauso weltlich wie jene, die wir für die schlechteren Anbeter halten? Was bringt dann unser lautes „Herr, Herr“, wenn wir nicht mal den Willen des Vaters tun?

Wir sind auf dem Weg in die Fastenzeit. Ich lade uns alle dazu ein, den Weg in die Deckungsgleichheit von Lippen und Herz einzuschlagen, damit wir zu jenen Menschen werden, die Gott gedacht hat und die er selig machen möchte. Ich lade dazu ein, unser ganzes Bestreben wirklich auf die Liebe zu Gott und zu dem Nächsten auszurichten und bei allem wirklich nur Gott die Ehre zu geben. Ich bin sicher, dass Sie das alle schon tun. Und doch können wir uns immer noch verbessern. Erbitten wir dazu die Gnade Gottes, die uns dabei hilft, immer mehr zu Abbildern Gottes zu werden.

Ihre Magstrauss

Montag der 5. Woche im Jahreskreis

1 Kön 8,1-7.9-13; Ps 132,6-7.8-9.10 u. 13; Mk 6,53-56

1 Kön 8
1 Damals versammelte Salomo die Ältesten Israels, alle Stammesführer und die Häupter der israelitischen Großfamilien bei sich in Jerusalem, um die Bundeslade des HERRN aus der Stadt Davids, das ist Zion, heraufzuholen. 

2 Am Fest im Monat Etanim, das ist der siebte Monat, kamen alle Männer Israels bei König Salomo zusammen. 
3 Alle Ältesten Israels kamen und die Priester nahmen die Lade 
4 und brachten sie zugleich mit dem Offenbarungszelt und den heiligen Geräten, die im Zelt waren, hinauf. Die Priester und die Leviten übernahmen den Trägerdienst. 
5 König Salomo aber und die ganze Gemeinde Israels, die bei ihm vor der Lade versammelt war, schlachteten Schafe und Rinder, die man wegen ihrer Menge nicht zählen und nicht berechnen konnte. 
6 Darauf stellten die Priester die Bundeslade des HERRN an ihren Platz, an den hochheiligen Ort des Hauses, in das Allerheiligste, unter die Flügel der Kerubim. 
7 Denn die Kerubim breiteten ihre Flügel über den Ort, wo die Lade stand, und bedeckten sie und ihre Stangen von oben her. 
9 In der Lade befanden sich nur die zwei steinernen Tafeln, die Mose am Horeb hineingelegt hatte, die Tafeln des Bundes, den der HERR mit den Israeliten beim Auszug aus Ägypten geschlossen hatte. 
10 Als dann die Priester aus dem Heiligtum traten, erfüllte die Wolke das Haus des HERRN. 
11 Sie konnten wegen der Wolke ihren Dienst nicht verrichten; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus des HERRN. 
12 Damals sagte Salomo: Der HERR hat gesagt, er werde im Wolkendunkel wohnen. 
13 Erbaut habe ich ein fürstliches Haus für dich, eine Wohnstätte für ewige Zeiten.

Seit der Bitte um Weisheit in 1 Kön 3 sind viele Kapitel vergangen. Wir hören heute erst wieder aus Kapitel 8. In der Zwischenzeit hat sich z.B. die Weisheit Salomos in der berühmten Situation der zwei Frauen gezeigt, die beide behaupteten, die Mutter desselben Kindes zu sein. Es wird von seiner Innenpolitik und dem dauerhaften Frieden berichtet, von dem Reichtum des gesamten Reiches und der Herrschaft über alle Könige. Wir lesen auch davon, dass Salomos Weisheit die der Weisen Ägyptens und des Ostens übertrifft und er viele Sprüche und Lieder verfasst hat. Dann schließlich werden die Vorbereitungen zum Tempelbau geschildert, z.B. die Beschaffung von Holz aus Sidon. Daraufhin wird der Tempel innerhalb von sieben Jahren errichtet. Im Anschluss baut Salomo 13 Jahre lang an seinem Palast. Als alles fertiggestellt ist, bringt er die Weihegaben seines Vaters David in den Tempel und füllt die Schatzkammern mit den heiligen Geräten. Die Bauarbeiten werden sehr ausführlich geschildert, weshalb die Auslassung dieser Kapitel nachvollziehbar ist.
Heute hören wir nun davon, wie die Bundeslade, das heißt das Allerheiligste zum Tempel gebracht wird. Der Tempel wird erst durch sie zur Wohnstatt Gottes.
Es versammeln sich zu diesem Anlass die Ältesten Israels, die Stammesführer und die Häupter der Großfamilien. Es wird hier so geschildert wie ein liturgischer Rahmen, in den dieses Ereignis eingebettet ist. Das sehen wir daran, dass sich die Repräsentanten des Volkes versammeln und viele Opfer darbringen.
Die Priester und Leviten sind dabei die Träger der Bundeslade und stellen sie ihm Allerheiligsten des Tempels ab. In der Lade befinden sich „nur“ die Steintafeln mit den Geboten Gottes. Dieses „nur“ deutet an, dass später noch Manna und auch der Aaronstab dort hineingelegt werden.
Dann passiert etwas, das auch uns heute zu denken gibt: Gottes Herrlichkeit legt sich in Form einer Wolke auf den Tempel nieder. Die Priester und Leviten können nicht einmal mehr hinein, um ihre kultischen Dienste zu vollziehen.
Die Heiligkeit des Gottesortes wird nicht dadurch erzielt, dass Menschen ihn heiligen. Gott selbst ist es, der einen Ort heilig macht. Zuerst kommt Gottes Herrlichkeit, dann erst unser menschliches Bemühen, dieser Herrlichkeit liturgisch gerecht zu werden. Wann zudem Kult ausgeübt werden soll, hängt von Gott ab, der dies vorgibt. Wenn er mit seiner dunklen Wolke den Ort erfüllt, sodass keiner ihn betreten kann, signalisiert es dies zum Beispiel.
Für die Kirche ist es eine wichtige Lektion. Heutzutage gibt es viel Aktivismus in der Kirche und insgesamt denken viele Gemeinden sehr menschlich. Nicht sie bestimmen Liturgie, sondern Gott. Er ist es, der die Vorgaben macht und die Menschen können nur ihr bestes geben, seiner Heiligkeit gerecht zu werden durch eine angemessene Liturgie. Die Heiligkeit des Ortes hängt aber nicht von den Menschen ab, sondern von Gott, dessen Gegenwart die Kirche erfüllt – im Allerheiligsten, das nun eucharistisch ist.

Ps 132
 6 Siehe, wir hörten von seiner Lade in Efrata, fanden sie im Gefilde von Jáar. 

7 Lasst uns hingehen zu seiner Wohnung, uns niederwerfen am Schemel seiner Füße! 
8 Steh auf, HERR, zum Ort deiner Ruhe, du und deine machtvolle Lade! 
9 Deine Priester sollen sich in Gerechtigkeit kleiden und deine Frommen sollen jubeln. 
10 Um Davids willen, deines Knechts, weise nicht ab das Angesicht deines Gesalbten! 
13 Denn der HERR hat den Zion erwählt, ihn begehrt zu seinem Wohnsitz:

Heute beten wir im Anschluss an die Lesung einen Wallfahrtspsalm, der auf die Gegenwart Gottes im Tempel Bezug nimmt.
Die beiden Stichpunkte „Efrata“ und „Jaar“ deuten auf den Ort Kirjat-Jearim bzw. Baala hin, wo die Bundeslade vor der Überführung nach Jerusalem stand. König David hat sie laut 2 Sam 6 damals nach Jerusalem gebracht, wobei es einen Zwischenstopp geben musste. Ihre Heiligkeit ist so groß, dass als einer der Träger sie aus Versehen berührte, gestorben ist. Und diese Bundeslade ist auch der Grund, warum sich in der Lesung die Herrlichkeit Gottes als Wolke auf den Tempel gelegt hat. Es ist nicht die Lade selbst, sondern ihr Inhalt – das Wort Gottes, das Gott selbst in die Steintafeln vom Sinai geschrieben hat.
Der Wallfahrtscharakter des Psalms entsteht durch die Aufforderung zum Gehen „zu seiner Wohnung“. Die Wohnung Gottes ist dabei eine gängige Bezeichnung für den Tempel in Jerusalem. Dass Gott wirklich in diese Wohnung eingezogen ist, wurde ja durch diese den Israeliten bereits bekannte Theophanie der Wolke signalisiert.
Das Niederwerfen zeigt, dass das Ziehen zum Tempel auf die Anbetung Gottes abzielt. Der „Schemel seiner Füße“ ist dabei natürlich metaphorisch zu verstehen, denn Gott hat keine Füße. Was dadurch aber ausgedrückt wird, ist nicht einmal die Spitze des Eisbergs. Gottes Herrlichkeit kann kein Tempel der Welt vollständig fassen, sondern es ist lediglich ein Funke, den wir in seiner Wohnung sehen. All die noch so sakrale und würdige, angemessene Liturgie bringt die Anbeter höchstens an den Fußschemel des göttlichen Throns. Die Kirchenväter haben es für die Kirche so ausgedrückt, dass der Kult des Alten Israel ein Schatten der himmlischen Liturgie sei, die Liturgie der Kirche dagegen ein Bild. So kann selbst im Neuen Bund, der das Fleisch und das Blut des menschgewordenen Gottes umfasst, nicht mehr nur zwei Steintafeln, der himmlische Kult allenfalls erahnt werden.
Im Folgenden fordert der Beter Gott auf, Wohnung im Tempel zu nehmen. Dabei setzt der Psalm voraus, dass seine Herrlichkeit mit der Bundeslade zusammenhängt („du und deine machtvolle Lade“). Dies ist geschehen, als die Bundeslade von Kirjat-Jearim letztendlich nach Jerusalem ins Offenbarungszelt gekommen ist. Dies geschieht heute auch, als Salomo für Gott schließlich einen festen Tempel gebaut hat.
Die „Priester“ und „Frommen“ deuten an, wer den Tempel frequentiert: Die Diener des Kultes und die Gläubigen, die zu den großen Festen und sonstigen Anlässen in den Tempel zum Opfern kommen. Das Gewand der Priester soll dabei die Gerechtigkeit sein. An ihnen soll man die Heiligkeit Gottes erkennen. Sie sollen mit ihrem ganzen Dasein Gott gehorchen und seinen Willen tun. Diese Gedanken können wir durchaus auf unsere heutigen Priester übertragen, auch wenn sich ihr Weihepriestertum nicht vom Priestertum Aarons, sondern Melchisedeks ableitet. Wer wenn nicht sie soll in die Gerechtigkeit Gottes gekleidet sein!
Das „Angesicht des Gesalbten“ kann man unterschiedlich deuten. Wörtlich-historisch kann man es auf den aktuellen König Salomo beziehen, dem Gott aufgrund seines Vaters David wohlgesinnt sein soll. Wir lesen es aber auch schon messianisch, sodass das Antlitz des Gesalbten auf Jesus zu beziehen ist. Wir lesen den Vers dann so: „Um Davids willen, deines Knechts, weise nicht ab das Angesicht Christi.“ Jesus ist der Sohn Davids und so ist eine heilsgeschichtliche Verbindung zwischen beiden geschaffen. Wir beten auch für jeden von uns, die wir durch Taufe und Firmung gesalbt sind.
Auch der nächste Vers ist dahingehend mehrfach zu deuten: Denn Gott hat sich den Zion als Wohnstätte ausgesucht. Das ist wörtlich auf den Zionsberg zu beziehen, auf dem die Stadt Jerusalem erbaut ist. Es meint aber darüber hinaus die Person, in der Gott als Mensch Wohnung beziehen wird – Maria. Sie ist das Zion, die heilige Stadt, und sie ist der Tempel, auf den sich die Herrlichkeit Gottes legt. Der Geist Gottes zeugt in ihr den Sohn Gottes und so nimmt Gott selbst Wohnung in ihr wie im Tempel. Sie ist die Bundeslade, in der das Wort Gottes nun nicht mehr durch zwei Steintafeln in sie hineingelegt wird, sondern als das fleischgewordene Wort Gottes! Und damit legt sie archetypisch den Grund für die Kirche, die all das ist. Die Kirche hat Gott sich ausgesucht, gebaut, gestiftet. Er hat sie sich erwählt und sie deshalb zu seiner Wohnung gemacht. In jeder katholischen Kirche, die Sie betreten, sehen Sie das ewige Licht und den Tabernakel. In ihm wird der Leib Christi aufbewahrt. Es ist Gott selbst, der in jeder Kirche wohnt und deshalb ist es ein heiliger Ort. Gott hat auch jeden einzelnen Menschen erwählt zu seiner Wohnstatt. Er möchte in der Seele jedes Menschen wohnen. Dabei zieht er nur dann ein, wenn wir ihm den Tempel unserer Seele auch zur Verfügung stellen so wie Salomo, der sieben Jahre daran gebaut hat. Wenn wir in Gerechtigkeit gekleidet durch dieses Leben gegangen sind und ihm die Ehre gegeben haben, werden wir am Ende die letzte und endgültige Wallfahrt unternehmen zum himmlischen Zion.

Mk 6
53 Sie fuhren auf das Ufer zu, kamen nach Gennesaret und legten dort an. 

54 Als sie aus dem Boot stiegen, erkannte man ihn sogleich. 
55 Die Menschen eilten durch die ganze Gegend und brachten die Kranken auf Liegen zu ihm, sobald sie hörten, wo er war. 
56 Und immer, wenn er in ein Dorf oder eine Stadt oder zu einem Gehöft kam, trug man die Kranken auf die Straße hinaus und bat ihn, er möge sie wenigstens den Saum seines Gewandes berühren lassen. Und alle, die ihn berührten, wurden geheilt.

Heute hören wir von weiteren Heilungen Jesu. Wo auch immer er hinkommt, bleibt die Gnade Gottes nicht tatenlos. Die Menschen strömen in Scharen zu ihm und bringen voller Glauben die Kranken zu ihm. Dieser große Glaube wird z.B. daran deutlich, dass die Kranken wenigstens den Saum seines Gewandes berühren möchten und sich schon davon Heilung versprechen. Weil Gott diesen großen Glauben bei den Menschen sieht, werden sie geheilt.
Diese Geheilten und ihre Begleiter sind von ihrer Einstellung her mit dem Gelähmten zu vergleichen, der durch ein abgedecktes Dach zu Jesus hinabgelassen wird. Die Menschen unternehmen alles ihnen Mögliche, um Jesus zu begegnen. Sie tun es nicht aus Sensationsgier, Neugier oder sonstigen unreinen Absichten, sondern weil sie ganz darauf vertrauen, dass Gott sie heilen kann.
Diese Episode des Evangeliums erinnert uns an den Transport der Bundeslade durch die Straßen hindurch zum Tempel in Jerusalem. Auch sie ist durch die Straßen getragen worden. Während ihre Begleiter die Priester und Leviten darstellen, sind es in Jesu Fall seines Jünger. Während in der Bundeslade das Wort Gottes in Buchstabenform durch die Straßen getragen wird, ist es hier das Wort Gottes in Menschenform, das durch die Straßen geht. Wir lesen dieses Evangelium eucharistisch und fühlen uns an Fronleichnam erinnert. Dort wird das Wort Gottes in Form des Leibes Christi durch die Straßen getragen. Und auch heutzutage möchte Jesus die Menschen heilen, die ihm so einen großen Glauben entgegenbringen wie die Kranken im Evangelium. Er möchte so wie damals zuerst unsere Seele heilen und reinigen. Und unseren großen Glauben bekunden wir dadurch, dass wir sagen: Nicht den Saum des Gewandes zu berühren reicht aus, sondern die Hostie in uns aufzunehmen, in der Jesu Gegenwart verborgen ist. Wir sehen ihn nicht mit unseren Augen (in Ausnahmefällen dann doch, siehe die eucharistischen Wunder…) und doch glauben wir, dass er genauso durch die Straßen zieht wie damals, als er in Menschengestalt unter uns gelebt hat.
Und wenn Jesus auf dem Weg zu unserem inneren Tempel ist, halten auch wir ihm die kranken Seiten unseres Lebens hin, damit er sie heile, ob es die Verwundungen unserer Seele sind, unsere Schwächen, durch die wir ständig in dieselben Sünden fallen oder ober es die Bereiche unseres Lebens sind, in denen wir Gott noch nicht den ersten Platz geben, in denen wir ihn vielleicht gar nicht erst hineinlassen. So werden auch wir ganz heil und ganz zu seiner Wohnung.

Ihre Magstrauss

Samstag der 4. Woche im Jahreskreis

1 Kön 3,4-13; Ps 119,9-10.11-12.13-14; Mk 6,30-34

1 Kön 3
4 So ging der König nach Gibeon, um dort zu opfern; denn hier war die größte Kulthöhe. Tausend Brandopfer pflegte Salomo auf jenen Altar zu legen. 

5 In Gibeon erschien der HERR dem Salomo nachts im Traum und forderte ihn auf: Sprich eine Bitte aus, die ich dir gewähren soll! 
6 Salomo antwortete: Du hast deinem Knecht David, meinem Vater, große Huld erwiesen; denn er lebte vor dir in Treue, in Gerechtigkeit und mit aufrichtigem Herzen. Du hast ihm diese große Huld bewahrt und ihm einen Sohn geschenkt, der heute auf seinem Thron sitzt.
7 So hast du jetzt, HERR, mein Gott, deinen Knecht anstelle meines Vaters David zum König gemacht. Doch ich bin noch sehr jung und weiß nicht aus noch ein. 
8 Dein Knecht steht aber mitten in deinem Volk, das du erwählt hast: einem großen Volk, das man wegen seiner Menge nicht zählen und nicht schätzen kann. 
9 Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht! Wer könnte sonst dieses mächtige Volk regieren? 
10 Es gefiel dem Herrn, dass Salomo diese Bitte aussprach. 
11 Daher antwortete ihm Gott: Weil du gerade diese Bitte ausgesprochen hast und nicht um langes Leben, Reichtum oder um den Tod deiner Feinde, sondern um Einsicht gebeten hast, um auf das Recht zu hören, 
12 werde ich deine Bitte erfüllen. Sieh, ich gebe dir ein so weises und verständiges Herz, dass keiner vor dir war und keiner nach dir kommen wird, der dir gleicht. 
13 Aber auch das, was du nicht erbeten hast, will ich dir geben: Reichtum und Ehre, sodass zu deinen Lebzeiten keiner unter den Königen dir gleicht. 

Heute hören wir davon, wie Salomo Gott um die Gabe der Weisheit bittet. Er ist zu jener Zeit in Gibeon, wo es die größte Kulthöhe gab. Weil noch kein fester Tempel existiert, opfern Menschen auf solchen Höhen. Dort bringt Salomo nun 1000 Brandopfer dar.
In der Nacht spricht Gott zum König im Traum und gewährt ihm einen Wunsch. Statt sich aber Reichtum, Sieg über seine Feinde etc. zu wünschen, erbittet er von Gott ein weises Herz, da er in seinen jungen Jahren ein so großes Volk leiten muss. Er bittet um Gottes Gaben und erkennt an, was Gott für große Taten durch seinen Vater vollbracht hat. Er versteht, dass all der Erfolg König Davids durch die Beziehung mit Gott geschenkt worden ist.
Gott gefällt es, dass Salomo „diese Bitte aussprach“. Er sieht, dass Salomo frei von Habgier und Machtstreben ist. Das ist die beste Voraussetzung, ihn mit Charismen auszustatten.
An Salomo sehen wir, was auch am morgigen Sonntag thematisiert wird: Wenn wir mit reinem Herzen etwas erbitten, wird es uns gegeben. Er ist aufrichtigen Herzens, als er um Gottes Gaben bittet. Deshalb schenkt ihm Gott ein so weises Herz, wie es vor und nach ihm keiner hat/haben wird. Wir lernen heute noch etwas anderes: Salomo geht es zuerst um den Willen Gottes, den er als König Israels erfüllen möchte. Und deshalb gibt Gott ihm alles andere noch dazu, was Salomo gar nicht erbeten hat: Reichtum und Ehre.
Wenn wir uns als Kirche so, wie Jesus es dann auch erklärt hat, zuerst um das Reich Gottes bemühen, wird Gott uns alles andere dazu geben, was wir brauchen. Wenn also Christus die Mitte von Liturgie, Verkündigung und tätiger Liebe ist, wird dieser die Kirche versorgen mit allen materiellen und geistigen Gütern, derer sie bedarf – ob finanzielle Mittel, Kirchengebäude etc. oder geistliche Berufungen. Ein gutes Beispiel stellen Klöster dar, die aufgrund von knappen Finanzen anfangen, Yogakurse oder andere fernöstliche Praktiken anzubieten. Sie haben schon von vornherein verloren. Die Gnade ist verloren, ob es zu einem finanziellen Aufschwung kommt, ist auch die Frage. Neue Berufungen wird es jedenfalls davon nicht geben.
Es muss für jeden einzelnen Christen so wie für Salomo oberste Priorität sein, ein hörendes Herz von Gott zu erhalten. Wo der Einzelne Gott in die Mitte seines Lebens stellt und sich immer bemüht, seinen Willen zu tun, also seine Gebote zu halten, da wird dieser einem alles andere dazugeben. Wo es einem aber darum geht, möglichst viel Reichtum und Ansehen zu erhalten, verliert man die Gnade Gottes. Das Herz ist auch nicht aufrichtig, sondern voller Begierde. Aus so einem Herzen entspringt aber nichts Gutes, vor allem kein gutes moralisches Verhalten. Jesus fasst es dann so zusammen: Wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es finden (Mt 16,25). „Retten wollen“ ist dann eben dieses an sich Reißen von Gütern, die man sich selbst nimmt. Wir Menschen sind aber dazu gemacht, beschenkt zu werden. Was Jesus mit „verlieren“ meint, ist in diesem Fall der Verzicht auf oder die Freiheit von diesem selbst Ergreifen. Wenn der einzige Eifer der Eifer nach Gottes Liebe ist, dann wird dieser einem alles schenken. Er weiß nämlich, dass der Beschenkte die Güter nicht begehrt und deshalb missbraucht. Und so werden wir am Ende unseres Lebens entweder alles verlieren, weil wir schon zu Lebzeiten alles an uns gerissen haben, oder wir werden alles und noch viel mehr geschenkt bekommen, weil wir in unserem Leben nur eines begehrt haben – Gottes Liebe.

Ps 119
9 Wie geht ein junger Mann seinen Pfad ohne Tadel? Wenn er dein Wort beachtet. 

10 Ich suche dich mit ganzem Herzen. Lass mich nicht abirren von deinen Geboten!
11 Ich barg deinen Spruch in meinem Herzen, damit ich gegen dich nicht sündige. 
12 Gepriesen seist du, HERR! Lehre mich deine Gesetze! 
13 Mit meinen Lippen verkünde ich alle Entscheide deines Munds. 
14 Am Weg deiner Zeugnisse habe ich Freude, wie an jeglichem Reichtum. 

Der heutige Psalm reflektiert das richtige Verhalten und Bestreben Salomos. Er ist wie der hier genannte junge Mann, der „seinen Pfad ohne Tadel“ beschreitet. Oft wird das moralische Verhalten und der Lebenswandel des Menschen in der Bibel mithilfe der Wegmetapher umschrieben. Ein tadelloser Lebenswandel ist, Gottes Wort zu beachten, also seine Gebote zu befolgen. Das macht den Menschen gerecht vor Gott.
Dabei geht es nicht einfach nur darum, die Gebote um der Gebote willen zu halten, sondern darum, Gott „mit ganzem Herzen“ zu suchen. Eine Herzensangelegenheit hat dabei immer mit Liebe zu tun. „Lass mich nicht abirren von deinen Geboten!“ setzt nicht voraus, dass Gott uns Menschen zur Sünde verleitet, sondern es ist die Bitte vergleichbar mit der Vaterunser-Bitte „führe uns nicht in Versuchung“. Es geht darum, dass Gott einem die Kraft geben soll, auf dem Weg der Gebote zu bleiben. Es ist so wie im Vaterunser, wo Gott die Kraft geben soll, der Versuchung nicht zu erliegen.
Wenn der Psalmist hier betet „ich barg deinen Spruch in meinem Herzen“, dann erinnert es uns an Maria, die alles, was passiert ist, in ihrem Herzen bewahrte. Es ist, was jeder fromme Jude unter Gottesliebe versteht und was in Dtn 6,4-9 grundgelegt ist. Gottes Wille soll ins Herz eingeschrieben sein, denn aus dem Herzen entspringen die Gedanken, Worte und Werke des Menschen. Wer Gottes Gebote halten möchte, muss sie also im Herzen haben. Wenn das Herz voll Gottes ist, kann der Mensch nicht sündigen.
„Lehre mich deine Gesetze“ zeigt, dass Gott selbst uns schult. In erster Linie ist es eine Schule der Liebe. Dazu gehören auch die Versuchungen, die er zulässt (nicht, in die er selbst führt!). Er möchte, dass wir im Glauben gestärkt werden und unseren Egoismus immer mehr abbauen. So wandelt er uns immer mehr zu seinem Bild.
Was Gott uns lehrt, sollen wir mit unseren Lippen verkünden. Wir sollen seine Botschaft nicht für uns behalten. Jesus hat vor seinem Heimgang zum Vater seinen Aposteln diesen Sendungs- und Missionsauftrag gegeben.
Der letzte Vers deutet eine Mentalität an, wie wir sie bei Salomo heute gesehen haben: Für ihn sind die Zeugnisse Gottes (alternative Übersetzung ist „Vorschriften“) wichtiger als Reichtum. Weil er seine Prioritäten so gesetzt hat, dass Gott an erster Stelle steht, hat er auch den Reichtum erhalten. Gott an die erste Stelle zu setzen, ist auch für uns das erste Gebot. Es zählt zum ersten der zehn Gebote, Gott den ersten Platz im Leben, die höchste Priorität zu geben – als Kirche und als einzelner Christ.

Mk 6
30 Die Apostel versammelten sich wieder bei Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. 

31 Da sagte er zu ihnen: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus! Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen. 
32 Sie fuhren also mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein. 
33 Aber man sah sie abfahren und viele erfuhren davon; sie liefen zu Fuß aus allen Städten dorthin und kamen noch vor ihnen an. 
34 Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen und hatte Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange.

Heute hören wir im Evangelium, wie die zu zweit ausgesandten Apostel wiederkommen und Jesus von ihren Heilstaten berichten. Sie haben es mit eigenen Augen bezeugt, dass im Namen Jesu alles möglich ist. Der Geist Gottes ist es, der durch die von Christus Ausgesandten wirkt. Hier wird zwar nicht gesagt, welche Taten sie vollbracht haben, doch durch die vorausgegangene Beauftragung können wir darauf schließen, dass sie vor allem Exorzismen und Krankensalbungen vorgenommen haben.
Jesus möchte ihnen eine Chance zur Erholung geben. So möchte er mit ihnen an einen ruhigen Ort fahren. Evangelisierung ist ein aufwendiges Unterfangen, bei dem jene, die im Weinberg Gottes arbeiten, kaum Zeit für sich haben. Jesus fordert sie zur Ruhe auf, weil dies den zu dienenden Menschen nur zugute kommen kann. Was hilft es den Menschen, denen man helfen möchte, wenn man einen Schwächeanfall bekommt? So fahren sie mit einem Boot an einen verlassenen Ort, werden dabei jedoch gesehen. Als sie an dem Ort ankommen, haben sich schon viele Menschen aus umliegenden Städten dort versammelt.
Und weil er Mitleid mit ihnen hat, weil sie wie verlorene Schafe ohne Hirte sind, lehrt er sie lange. Das heißt, er nimmt sich zurück, weil er ein Herz für diese Menschen hat. Er nennt sich im Johannesevangelium den guten Hirten. Sie sind seine Schafe, um die er sich kümmern möchte. Ihm ist es wichtiger, ihnen geistige Nahrung und eine Perspektive zu geben, als sein eigenes Wohl vorzuziehen.
Was wir heute von Jesus lernen, ist die praktische Umsetzung dessen, was Salomo und auch der Psalm uns auf theoretischer Ebene gelehrt haben: Gott muss Priorität Nummer eins sein. Alles andere wird uns dazugegeben. Wenn wir unsere ganzen Ressourcen des Lebens in den Dienst Gottes investieren, wird er uns nicht nur das Gegebene zurückschenken, sondern viel mehr darüber hinaus. Die Hingabe ist die Erfüllung unseres Lebens, nicht die Selbstverwirklichung. Auch das praktische Tun muss dabei von einer Herzensreinheit ausgehen. Dies wird hier durch Jesu Mitleid ausgedrückt, das er mit den Menschen hat. Das griechische Wort σπλαγχνίζομαι splangchnizomai ist dabei entweder als „Mitleid haben“ oder „sich erbarmen“ zu übersetzen. Wir sollen in unserem Tun von der Barmherzigkeit Gottes geleitet sein.

Was wir heute in den Lesungen hören, ist die Priorisierung Gottes in unserem Leben. Einerseits soll er die erste Stelle in unserem Herzen einnehmen, andererseits davon ausgehend unsere Taten bestimmen. Mit anderen Worten: Wir hören heute, wie Gottes- und Nächstenliebe zueinander stehen: Wer Gott nämlich von ganzen Herzen liebt und ihm den ersten Platz im Leben gibt, dessen Herz ganz voll der Liebe Gottes ist, wird nicht sündigen, sondern den Nächsten lieben, wie sich selbst. Die Liebe, die wir unserem Nächsten also schenken, ist die Liebe, mit der uns Gott erfüllt (so wie es die Bevollmächtigung Jesu an seine Aposteln uns gezeigt hat). Dass wir bei der Nächstenliebe aber auch das richtige Maß einhalten sollen, um uns selbst nicht zu schädigen, sehen wir an Jesu Aufforderung an seine Jünger, sich auszuruhen.

Nehmen wir die Erklärung des Doppelgebots der Liebe ernst und richten wir unseren ganzen Lebenssinn auf das Reich Gottes aus, um das es immer zuerst gehen muss. Dann werden wir ein erfülltes und glückliches Leben haben.

Ihre Magstrauss

Freitag der 4. Woche im Jahreskreis

Sir 47,2-11 (2-13); Ps 18,31 u. 47.48-49.50-51; Mk 6,14-29

Sir 47
2 Wie Fett ausgesondert wird vom Heilsopfer, so war es David von den Söhnen Israels. 

3 Mit Löwen spielte er wie mit jungen Ziegen, mit Bären wie mit Lämmern der Herden. 
4 Hat er nicht in seiner Jugend einen Riesen getötet und die Schmach des Volkes beseitigt, indem er die Hand mit der Steinschleuder erhob und die Prahlerei Goliats zunichtemachte? 
5 Denn er hatte den Herrn, den Höchsten, angerufen und der gab seiner Rechten Kraft, um einen im Krieg geübten Menschen zu beseitigen, um die Macht seines Volkes zu erhöhen. 
6 So ehrten sie ihn unter Zehntausenden und lobten ihn mit Preisungen auf den Herrn, indem sie ihm eine Ehrenkrone brachten. 
7 Denn er vernichtete die Feinde ringsum und erniedrigte die gegnerischen Philister, bis heute hat er ihre Macht gebrochen. 
8 Bei all seinem Tun legte er ein Bekenntnis ab zum Heiligen, dem Höchsten, mit einem Wort der Verherrlichung; mit seinem ganzen Herzen sang er ein Loblied und er liebte den, der ihn gemacht. 
9 Er stellte Psalmensänger auf gegenüber dem Opferaltar, um durch ihren Klang die Lieder zu versüßen, und täglich werden sie ihn mit ihren Gesängen loben. 
10 Er verlieh den Festen Glanz und ordnete die Festzeiten bis zur Vollendung, durch ihr Lob seines heiligen Namens und den Widerhall vom frühen Morgen im Heiligtum. 
11 Der Herr nahm seine Sünden weg und erhöhte seine Macht für die Ewigkeit. Er gab ihm den Bund der Könige und den Thron der Herrlichkeit in Israel. 
12 Nach ihm erhob sich ein verständiger Sohn und seinetwegen wohnte er in weitem Raum. 
13 Salomo regierte als König in Friedenszeiten; ihm hat Gott ringsum Ruhe verschafft, damit er seinem Namen ein Haus baue und ein Heiligtum für die Ewigkeit bereite. 

Heute hören wir aus dem Buch Jesus Sirach, das die heilsgeschichtliche Bedeutung Davids und Salomos reflektiert. Rückblickend schauen wir mit Jesus Sirach auf das Leben und Wirken der Könige.
David wird mit dem Fett von Opfertieren verglichen, das bei Heilsopfern ausgesondert wird. Von den „Söhnen Israels“ ist er ausgesondert, das heißt Gott hat ihn unter seinen Brüdern auf besondere Weise erwählt.
Er war ein messianischer Typos, weil er mit wilden Tieren umgehen konnte. Wir lasen davon, wie er im ersten Samuelbuch von den Kämpfen gegen wilde Tiere sprach, die seine Schafe angriffen. Dies macht ihn deshalb messianisch, weil er darin die neue Schöpfung andeutet, wie wir sie in der Friedensvision Jesajas lesen. Dort liegt der Löwe beim Lamm und ein Knabe kann die wilden Tiere hüten. Es wird eine Versöhnung sein zwischen Mensch und Tier. Diese Typologie klingt schon hier im Buch Jesus Sirach an! In Vers 4 wird ganz deutlich Bezug genommen auf dieses Ereignis, als er nämlich Goliat mit einer Steinschleuder erlegte. Auch deutet dieser Vers schon die mehrfache Befreiung des Volkes von Goliat: Einerseits ist es die physische Gefahr und die drohende politische Unterdrückung. Andererseits hat er das Volk Gottes und Gott selbst beleidigt.
Davids Heldentat besteht also nicht nur in der militärischen Rettungsaktion, sondern vor allem in der Wiedergewinnung der Ehre Israels und Gottes. Dies zeigt der folgende Vers, in dem der Sieg Gottes über den Gotteslästerer als eigentlicher Sieg bezeichnet wird. Mit Gottes Hilfe ist ein gestandener „Veteran“ mit einer einfachen Steinschleuder eines Knaben besiegt worden.
Er hat sich den Königsthron regelrecht erkämpft. Auch die Lobgesänge an den Sieger werden hier angedeutet, die Saul so neidisch gemacht haben.
Jesus Sirach stellt daraufhin den Sieg Davids über alle seine Feinde heraus und merkt sogar an, dass bis zu seiner Zeit die Philister besiegt bleiben.
Sirach erkennt auch an, dass David bei allem immer gottesfürchtig und fromm geblieben ist. Er hat Gott wirklich von Herzen geliebt. Das können wir als Leser und Hörer der letzten Wochen bestätigen. Was auch passiert ist, er hat sich immer um Versöhnung bemüht, weil Gott, „der ihn gemacht“, das heißt sein Schöpfer, ihm so viel bedeutet hat. Er ist auch mit einer Ausnahme immer auf dem Boden geblieben. Er hat seinen wahren Wert in Gottes Augen immer berücksichtigt und sich nicht überhöht. Seinen Erfolg hat er immer auf Gott zurückbezogen. Auch seine Stärke im Lobpreis wird erwähnt, da es heißt „mit seinem ganzen Herzen sang er ein Loblied.“ Diesen Lobgesang hat er auch ausgebaut und die vielen Psalmen geschrieben für verschiedene Anlässe. Dies wird in Vers 9 beschrieben, wo die Rede von Psalmensängern gegenüber dem Opferaltar ist. Verbunden mit dem liturgischen Liedgut ist auch der Festkalender zu nennen, den David geregelt hat. Es gab die Festzeiten ja schon, aber er „verlieh ihnen Glanz“. Er hat die gesamte Liturgie und Tempelpraxis aufgewertet.
Auf den Punkt trifft Sirach es auch im nächsten Vers: „Der Herr nahm seine Sünden weg“. Dies tat er mehrfach. So wurde David der Ehebruch, der Mord an Urija, die Lügerei und auch die Überheblichkeit bei der Volkszählung vergeben. Dies geschah jedoch deshalb, weil David seine Sünden erkannte, bekannte, bereute und wiedergutmachte. Das ist der springende Punkt auch für uns, die wir ihn als Glaubensvorbild sehen: Nichts von unseren Sünden darf uns entmutigen, sodass wir meinen, Gott könne es uns nicht vergeben. Alles möchte er uns verzeihen, solange wir es wirklich von Herzen bereuen. Und auch wenn wir schuldig geworden sind, ist es nicht zu spät, heilig zu werden. Wie viele große Heilige sind zuvor ganz große Sünder gewesen? Das ist für uns ein großer Trost und soll zugleich nichts von unseren bösen Taten beschönigen.
Gott ging sogar noch weiter. Er hat David nicht nur die Schuld vergeben, sondern auch noch seine Macht erhöht. Er hat ihm so viel zugetraut und ihn mit großen Gaben ausgestattet, nicht weil er perfekt war, sondern weil er echt war. Er war ehrlich zu sich selbst und zu Gott. Er wusste genau um seine Schlechtigkeit. Er hat sich eingeschätzt, wie er wirklich war. Das hat ihn dazu befähigt, von Gott so beschenkt zu werden. Wenn wir uns unter- oder überschätzen, sind wir dagegen nicht fähig, den Auftrag Gottes zu erfüllen, den er für uns bereithält. Diese richtige Selbsteinschätzung ist aber die Demut.
Wenn es heißt, dass Gott David „den Bund der Könige“ gegeben hat, bezieht es sich auf den Bundesschluss Davids mit Gott. Die Bundesschlüsse im Alten Testament werden von Mal zu Mal umfassender, sodass während bei Adam und Eva noch ein Ehebund zwischen zwei Menschen besteht, bei David ein Bund zwischen ihm und allen Stämmen Israels geschlossen wird.
„Nach ihm erhob sich ein verständiger Sohn“ bezieht sich auf Salomo, der auf bereitetem Boden wirken konnte. Dass er dann zu so einer großen Herrschaft kommen konnte, hat er seinem Vater David zu verdanken. Verständig ist er in dem Sinne, dass er Gottes Willen verstand. Er wünschte sich von Gott dessen Weisheit in seinem königlichen Handeln. Mit dieser wurde er ausgestattet, sodass er Gott wirklich verstehen konnte.
Wir lesen im letzten Vers heute eine weitere rückblickende Deutung der Geschichte: Als Salomo regierte, war ein dauerhafter Frieden zu beobachten. Dieser ist dem Volk Israel geschenkt worden, weil es sich auf den Tempelbau konzentrieren sollte. Daraus lernen wir, dass wenn Gott uns einen Auftrag gibt, uns auch die passenden Umstände, die Kraft, den Mut, alle notwendigen Mittel dazu gibt. Wenn wir immer nach seinem Willen suchen, wird er uns reich beschenken mit allen notwendigen Gaben.

Ps 18
31 Gott, sein Weg ist lauter, das Wort des HERRN ist im Feuer geläutert. Ein Schild ist er für alle, die sich bei ihm bergen. 

47 Es lebt der HERR, gepriesen sei mein Fels. Der Gott meiner Rettung sei hoch erhoben. 
48 Gott, der mir Vergeltung verschaffte, er unterwarf mir Völker. 
49 Du rettest mich vor meinen zornigen Feinden, du erhöhst mich über die, die gegen mich aufstehen, du entreißt mich dem Mann der Gewalt. 
50 Darum will ich dir danken, HERR, inmitten der Nationen, ich will deinem Namen singen und spielen. 
51 Seinem König verleiht er große Hilfe, Huld erweist er seinem Gesalbten, David und seinem Stamm auf ewig.

Der Psalm, aus dem wir heute beten, ist ein Lobpsalm, den David nach dem Sieg über seine Feinde, vor allem aber auch über Saul komponiert hat.
Gottes Weg ist lauter. Dieses alte Wort bedeutet, dass Gottes Wege rein sind. Dies untermauert auch das Bild des Geläutertseins im Feuer. Wenn wir Gottes Wege gehen, also seinen Willen tun, ist das kein korrupter Weg. Er ist klar, so klar, dass er manchmal schmerzt wie Feuer. Wenn wir den Weg gehen und selbst noch nicht reines Gold sind, werden wir Feuer fangen und das Unechte in uns wird brennen. So war es auch bei David. Gott ließ zu, dass er in manchen Situationen erprobt wurde und auch manchmal nicht bestanden hat. Dann musste er geläutert werden.
Zugleich ist Gottes Weg „ein Schild für alle, die sich bei ihm bergen“. Gottes Weg beschützt uns, nämlich vor dem ewigen Tod. Auch wenn er uns „beschneidet“, dient dies nur zum besseren Wachstum. Wir sind geborgen in seiner Gegenwart und der Böse kann uns nichts anhaben. Mit Gottes Schild wehren wir die Angriffe des Bösen ab.
Auch als Kirche haben wir diesen klaren und eindeutigen Weg zu begehen, den Gott uns aufzeigt. Es ist der Weg der Lehre Christi. Nur so werden wir dem Auftrag Christi gerecht. Er hat die Kirche gestiftet und die Lehre selbst begründet. Wo wir uns davon entfernen, ist es nur ein Katzensprung zum Schisma entfernt. Zugleich ist seine Lehre ein Schild für die Kirche. Je mehr die Kirche in seiner Lehre verankert ist, desto weniger können Häresien sie verwirren oder verunsichern. Gottes Geist wird ihr dann die Gabe der Unterscheidung der Geister geben. Dies ist auch moralisch und anagogisch weiterzulesen: Je mehr der einzelne Christ in Gott verankert ist, desto weniger können ihn Versuchungen verwirren, desto mehr wird er diese als solche entlarven und nicht auf sie hereinfallen. Und der gesamte Weg ist als Lebensweg ein Übergang in die Ewigkeit. Wo der Mensch Zeit seines Lebens noch nicht ganz geläutertes Gold ist, muss er nach dem Tod geläutert werden, um Gott überhaupt aushalten zu können. Zugleich kann der Mensch sich sicher sein, dass er vom Bösen, also von der Hölle bewahrt wird. Der zu läuternde Mensch weiß, dass er nach der Läuterung ganz bei Gott sein darf.
Die kirchlich-allegorische Lesart ist auch im nächsten Vers herauszustellen: „Es lebt der HERR, gepriesen sei mein Fels.“ Ja, der HERR lebt, wir Christen beten noch genauer „Ja, Jesus lebt!“ Und er ist der Fels, auf dem wir die Kirche bauen. Deshalb können die Mächte der Finsternis sie ja nicht überwältigen. Jesus ist es also, der durch seinen Stellvertreter Fels der Kirche ist. Petrus und die Nachfolger Petri sind Fels in persona Christi.
„Der Gott meiner Rettung“ kann David wirklich mit Überzeugung beten. Wie oft hat Gott ihn aus militärischer/politischer Not sowie aus seelischer Not gerettet! Und wir können dies auch christologisch verstehen, indem wir das hebräische Wort für Rettung unübersetzt lassen: „Der Gott meines Jesus sei hoch erhoben.“ Jesus hat uns den Vater gezeigt, wie er ist.
Gott hat David die Völker unterworfen. Was David damit anerkennt, ist Gottes Wirken in den ganzen Siegen. Nicht er selbst hat dies alles vollbracht, sondern er hat seine Siege Gott zu verdanken. So sollen auch wir unseren ganzen Erfolg nicht uns selbst in die Schuhe schieben, sondern erkennen, wer uns wirklich so weit gebracht hat.
Gott schenkt auch uns Christen heute die Kraft, im Kampf gegen den Bösen zu siegen. Er hilft uns, die Versuchungen zu überstehen und gestärkt herauszugehen. Er ist es, der die Kirche vor ihren Feinden schützt, sodass sie sogar noch gestärkt aus Schismen und häretischen Angriffen hervorgeht. Und diese Worte kann Jesus nach seinem Tod wirklich beten: Gott hat ihn vor dem zornigen Erzfeind gerettet, dem Bösen. Jesus hat den Tod besiegt und Gott hat ihn über alle erhöht, wie es der Philipperhymnus feierlich zusammenfasst.
Gottes große Taten an David, an seinem eigenen Sohn, an der Kirche, an jedem einzelnen Christen sind den immerwährenden Lobpreis Gottes wert. „Inmitten der Nationen“ weist dabei schon auf den Neuen Bund hin, denn „inmitten der Heiden“ wird Gott durch den Bundesschluss Christi gepriesen.
Und wenn es zum Ende hin heißt, dass Gottes Hilfe „David und seinem Stamm auf ewig“ gelte, müssen wir das absolut ernst nehmen. Der Alte Bund, den Gott mit seinem auserwählten Volk geschlossen hat, besteht auf ewig. Dieser ist durch den neuen Bundesschluss nicht aufgehoben. Der spezifische Stamm Davids ist ja der Stamm Juda. Hier wird also auch schon auf den Neuen Bund hingewiesen, der mit Christus, dem Sohn Davids geschlossen Gottes Hilfe auch 1000 Jahre nach David offenbart. Gottes Hilfe, sein Jesus, wird in diesen Stamm hineingeboren.

Mk 6
14 Der König Herodes hörte von Jesus; denn sein Name war bekannt geworden und man sagte: Johannes der Täufer ist von den Toten auferstanden; deshalb wirken solche Kräfte in ihm. 

15 Andere sagten: Er ist Elija. Wieder andere: Er ist ein Prophet, wie einer von den alten Propheten. 
16 Als aber Herodes von ihm hörte, sagte er: Johannes, den ich enthaupten ließ, ist auferstanden. 
17 Herodes hatte nämlich Johannes festnehmen und ins Gefängnis werfen lassen. Schuld daran war Herodias, die Frau seines Bruders Philippus, die er geheiratet hatte. 
18 Denn Johannes hatte zu Herodes gesagt: Es ist dir nicht erlaubt, die Frau deines Bruders zur Frau zu haben. 
19 Herodias verzieh ihm das nicht und wollte ihn töten lassen. Sie konnte es aber nicht durchsetzen, 
20 denn Herodes fürchtete sich vor Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war. Darum schützte er ihn. Wenn er ihm zuhörte, geriet er in große Verlegenheit und doch hörte er ihm gern zu. 
21 Eines Tages ergab sich für Herodias eine günstige Gelegenheit. An seinem Geburtstag lud Herodes seine Hofbeamten und Offiziere zusammen mit den vornehmsten Bürgern von Galiläa zu einem Festmahl ein. 
22 Da kam die Tochter der Herodias und tanzte und sie gefiel dem Herodes und seinen Gästen so sehr, dass der König zu dem Mädchen sagte: Verlange von mir, was du willst; ich werde es dir geben. 
23 Er schwor ihr sogar: Was du auch von mir verlangst, ich will es dir geben, und wenn es die Hälfte meines Reiches wäre. 
24 Sie ging hinaus und fragte ihre Mutter: Was soll ich verlangen? Herodias antwortete: Den Kopf Johannes’ des Täufers. 
25 Da lief das Mädchen zum König hinein und verlangte: Ich will, dass du mir sofort auf einer Schale den Kopf Johannes’ des Täufers bringen lässt. 
26 Da wurde der König sehr traurig, aber wegen der Eide und der Gäste wollte er ihren Wunsch nicht ablehnen. 
27 Deshalb befahl er einem Scharfrichter, sofort ins Gefängnis zu gehen und den Kopf des Täufers herzubringen. Der Scharfrichter ging und enthauptete Johannes. 
28 Dann brachte er den Kopf auf einer Schale, gab ihn dem Mädchen und das Mädchen gab ihn seiner Mutter. 
29 Als die Jünger des Johannes das hörten, kamen sie, holten seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab.

Heute hören wir von einem wirklich bemitleidenswerten Menschen, König Herodes. Er ist deshalb so bemitleidenswert, weil er trotz seiner Königschaft ein Sklave ist, ein Sklave seiner eigenen Sünden. Man kann ihn mit Blick auf die bisherigen Lesungen des heutigen Tages als Gegenbild zu David betrachten:
Er hört von Jesu Machttaten und von den Gerüchten, er sei der auferstandene Täufer, den er hatte hinrichten lassen.
Jesus wird dabei unterschiedlich bewertet. Die einen setzen ihn mit Johannes den Täufer in Beziehung, wiederum andere sehen in Jesus einen Propheten wie jene aus dem Alten Testament.
Dann wird rückblickend erzählt, wie Johannes der Täufer umgekommen ist.
Herodes wurde Opfer einer Intrige seiner Frau. Eigentlich mochte er den Täufer, auch wenn seine Worte ihn beunruhigten. Das können wir ganz einfach erklären: Johannes rührte Herodes‘ Gewissen an, deshalb wurde dieser immer unruhig. Tief in seinem Innern wusste Herodes nämlich, dass er große Sünden begangen hat. Johannes‘ Worte machten ihn immer verlegen, weil er sich seiner Sünden schämte. Und doch hörte er ihm gern zu, denn der Täufer war wirklich geisterfüllt.
Herodias konnte dem Täufer nicht verzeihen, dass dieser deren Ehebruch mit Herodes öffentlich angeprangert hat. Sie war nämlich eigentlich die Frau seines Bruders Philippus. Herodes beging also Ehebruch mit ihr, denn Philippus lebte zu der Zeit noch. Die Tochter der Herodias war dabei eine gemeinsame Tochter mit Philippus. Herodias konnte ihre Tötungsabsichten nie durchsetzen, weil Herodes sie daran hinderte. Er respektierte den Täufer sehr, hatte sogar Angst. Das heißt er wusste, dass er einen Gottesmann nicht umbringen durfte.
Herodias sah ihre Chance nun am Geburtstag des Königs, als dieser viele Gäste einlud. Sie ließ ihre Tochter vor der Geburtstagsgesellschaft tanzen und verführte so den König. Es muss viel Alkohol geflossen sein, dass Herodes so leicht zu verführen war. Er ließ sich zu einem leichtsinnigen Schwur vor allen hochrangigen Anwesenden verleiten, dem Mädchen alles zu geben, was sie sich wünschte. Sie ließ die Mutter wählen und diese nutzte die Chance, nach dem Kopf des Täufers zu verlangen. So kam Herodes in ein Dilemma. Einerseits wollte er den Täufer nicht töten, andererseits wollte er vor seinen Gästen nicht das Gesicht verlieren. Er war gottesfürchtig, aber die Menschenfurcht war größer. Er tat, was er versprochen, und ließ den Täufer umbringen.
Herodias hat bekommen, was sie wollte. Herodes hat sich schwer versündigt. Johannes der Täufer musste sein Leben hingeben für die Gebote Gottes, genauer gesagt für das sechste Gebot.
Die Johannesjünger bestatteten Johannes den Täufer in einem Grab.
Wir lernen sehr viel vom heutigen Evangelium. Der Mensch ist ein zwiegespaltenes Wesen aufgrund der Erbsünde. Einerseits ist die Liebe zu Gott noch da, andererseits überdeckt die Sünde diese Liebe oft. So ist die Selbstliebe manchmal stärker als die Gottesliebe. Der Mensch entscheidet sich gegen Gott. Herodes ist eine arme Seele, weil er trotz Erkenntnis seiner Sünden nicht davon ablässt. Gott gibt ihm die Chance, umzukehren. Er rüttelt Herodes durch den Täufer regelrecht wach. Es trifft Herodes auch, denn er gerät in Verlegenheit. Doch er hat kein Rückgrat. Seine Schwäche ist die Manipulierbarkeit durch Frauen und die Menschenfurcht. Er lässt sich hinreißen zu bösen Taten durch schöne Frauen. Er möchte zudem vor anderen Menschen gut dastehen, vor allem politisch relevanten Menschen. Auch wenn er als Jude den Glauben kennt und versteht, was die Gebote Gottes sind, kann sich dieser kleine Glauben nicht durchsetzen gegenüber seiner großen Schwachpunkte.
Wir erkennen in der Familie des Herodes noch einen weiteren Aspekt wieder, der auch in heutigen Familien ein großes Übel darstellt: Intrigen zwischen den Familienmitgliedern. Herodias ist die Personifikation der Folgen der Erbsünde. Wie sie sich verhält, ist in Gen 3 angekündigt worden. Die Frau wird Verlangen nach ihrem Mann haben. Sie wird versuchen, ihn um den Finger zu wickeln, da sie auf andere Weise nicht über ihn herrschen kann. Physisch ist sie ihm unterlegen. Im Falle der hier beschriebenen Familie ist es sogar noch so, dass der Mann über sie herrscht als König. Die Tochter ist ebenfalls nur ein Schachzug der Mutter, sodass diejenige, die in dieser Familie das Sagen hat, Herodias ist. Die ganzen Umstände und Beziehungen zeigen, dass die Familie nicht so ist, wie Gott sie möchte. Somit wird Herodes‘ Familie zum Gegenbild der Heiligen Familie. Dort ist es Josef, der die Entscheidungen trifft, aber diese vom Willen Gottes abhängig macht. Weil seine Gottesfurcht stärker als alles üble Gerede der Menschen ist, kann seine Frau Maria ihm ganz und gar vertrauen. Bei ihnen ist nichts manipulativ oder intrigant. Sie kommunizieren zudem richtig. Sie nutzen Jesus nicht als Instrument einer Intrige. Es gibt keine zwei Parteien innerhalb der Familie Jesu, sodass dieser von einer Partei vereinnahmt und dann gegen die andere Partei aufgehetzt wird. Diese Familie hat eine Einheit abbildhaft wie die Einheit der Dreifaltigkeit. Wir Menschen sollen in den Familien nicht die Schwächen der Mitglieder für unsere eigenen Interessen ausnutzen. Ganz tragisch ist es auch, die eigenen Kinder gegen das andere Elternteil aufzuhetzen. Das zerstört die Seele der Kinder, die gleichermaßen Mutter und Vater brauchen, deren eigene Partnersuche, geschlechtliche Identität und Sicht auf das andere Geschlecht vom Beispiel der Beziehung der Eltern zueinander geprägt werden.
Wir sehen an Herodes als Gegenbild zu David, warum es so weit gekommen ist. Gott hat ihm genauso wie König David die Chance zur Umkehr gegeben. Beide sind dem Ehebruch verfallen. Aber Herodes hat diese Chance nicht genutzt. Er hätte seine Sünde bekennen, sein Leben ändern und das Unrecht wiedergutmachen können wie es David getan hat. Doch ihm war es wichtiger, vor den Menschen gut dazustehen. Er hat im Dilemma die falsche Entscheidung getroffen. So hat er aber das Kostbarste aufs Spiel gesetzt – sein Seelenheil. David ist über alle anderen erhöht und mit großer Macht ausgestattet worden, eben weil er sich selbst gedemütigt hat vor Gott. Seine Gottesbeziehung war ihm immer wichtiger als sein Ansehen als König. Das ist der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Königen.
Wir lernen heute erneut, dass die Sünde immer Unschuldige mit ins Verderben reißt. Johannes der Täufer hat nichts Unrechtes getan, sondern die Sünde klar benannt. Aufgrund der Feigheit und Begierde des Herodes sowie der Sturheit und Manipulation der Herodias musste Johannes seinen Kopf hinhalten. Auch die Tochter ist in eine Intrige hineingezogen worden und hat sich so an einem Mord mitschuldig gemacht.
Auch heute halten Menschen ihren Kopf dafür hin, dass sie gerade das sechste Gebot verteidigen. Wie sehr werden jene Geistliche von den Medien zerrissen, die den Geboten Gottes treu bleiben möchten, damit aber den gesellschaftlichen Konventionen die Stirn bieten. Wie viele Heilige wurden dafür hingerichtet, dass sie die Unauflöslichkeit der Ehe und die Monogamie verteidigt haben! Und es waren mehrere Heilige, die gerade Königen dieses Unrecht ins Gesicht gesagt haben. Neben Johannes dem Täufer hat auch Thomas Morus so sein Leben verloren, weil er König Henrys VIII ehebrecherisches Verhalten nicht unterstützen wollte. Er wurde genauso wie Johannes der Täufer enthauptet.

Wenn wir in unserem Leben wirklich Segen haben wollen und das Rückgrat, bei Versuchungen eben nicht einzuknicken wie Herodes, müssen wir uns stets um eine intakte Beziehung zu Gott bemühen. Wenn wir auf seinen Wegen gehen, also seine Gebote halten und im Stand der Gnade sind, dann wandelt uns Gott immer mehr nach seinem Bild so wie König David. Wo wir den Weg verlassen, werden wir immer wieder in solche Dilemmata geraten wie König Herodes und nicht die Kraft haben, uns für das Richtige zu entscheiden. Es geht hier um unser Seelenheil. Entscheiden wir uns für Gottes Weg.

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 4. Woche im Jahreskreis

1 Kön 2, 1-4.10-12; 1 Chr 29, 10b-11a.11b-12a.12b-13; Mk 6, 7-13

1 Kön 2
1 Als die Zeit herankam, da David sterben sollte, ermahnte er seinen Sohn Salomo: 

2 Ich gehe nun den Weg alles Irdischen. Sei also stark und mannhaft!
3 Erfüll deine Pflicht gegen den HERRN, deinen Gott: Geh auf seinen Wegen und bewahre alle seine Satzungen, Gebote, Rechtsentscheide und Bundeszeugnisse, die in der Weisung des Mose niedergeschrieben sind! Dann wirst du Erfolg haben bei allem, was du tust, und überall, wohin du dich wendest. 
4 Und der HERR wird sein Wort wahr machen, das er mir gegeben hat, als er sagte: Wenn deine Söhne auf ihren Weg achten und aufrichtig mit ganzem Herzen und ganzer Seele vor mir leben, wird es dir nie an Nachkommen auf dem Thron Israels fehlen.
10 David entschlief zu seinen Vätern und wurde in der Davidstadt begraben.
11 Die Zeit, in der David über Israel König war, betrug vierzig Jahre. In Hebron regierte er sieben und in Jerusalem dreiunddreißig Jahre. 
12 Salomo saß nun auf dem Thron seines Vaters David und seine Herrschaft festigte sich mehr und mehr.

Heute hören wir von den letzten Worten König Davids vor seinem Tod, die er seinem Thronfolger Salomo mit auf den Weg geben möchte. Als aufmerksame Hörer der Tageslesungen in der Liturgie werden wir uns jetzt fragen: „Huch? Wann ist es denn geschildert worden, dass Salomo sein Nachfolger wird?“ Diese Dinge sind im vorangegangenen Kapitel nachzulesen, das in der Leseordnung ausgelassen worden ist. Diese fasse ich im Folgenden zusammen: David ist mittlerweile hochbetagt und seine Lebenskraft weicht immer mehr von ihm. Wir erfahren davon, dass seine Körperwärme durch Decken nicht mehr kontrolliert werden kann. Er erhält ein unberührtes Mädchen als Pflegerin, Abischag aus Schunem, die ihn mit ihrer Körperwärme wärmen soll. Diese Aktion ist eine Unschuldige. David wird mit ihr nicht intim. Während er sich also dem Tod nähert, nutzt der Bruder des verstorbenen Abschalom namens Adonija die Chance, den Königsthron an sich zu reißen. Er bringt ein Opfer dar und lädt alle seine Brüder ein außer Salomo. Er weiß offensichtlich, dass Salomo der rechtmäßige Nachfolger sein soll. Er lädt auch den Priester Zadok sowie den Propheten Natan nicht ein, von dem er genau weiß, dass dieser ihm von Gott kein gutes Urteil geben würde. Adonija weiß also im Inneren, dass die ganze Aktion illegitim ist, weil er gegen Gott handelt. Im Buch der Chroniken werden noch weitere Informationen darüber gegeben, dass die Nachfolge Salomos in der Öffentlichkeit verkündet wird. Natan geht daraufhin zu Batseba, der Mutter Salomos (genau, das ist die Frau, mit der David den Ehebruch begangen hat! Salomo ist aber nicht das uneheliche Kind, denn dieses starb ja. Er ist ein weiteres Kind der beiden mittlerweile Verheirateten). Gemeinsam mit Batseba spricht er vor dem König aus, dass er ja Salomo als rechtmäßigen Nachfolger durch einen Schwur bestimmt hat und stattdessen sein Bruder Adonija die Macht an sich gerissen hat. Das Tragische ist auch, dass dieser unter anderem den Heerführer Joab eingeladen hat und ebenso Abjatar, also zwei Vertraute König Davids. Das ist ein Verrat am gealterten König.
König David, der nun zum ersten Mal überhaupt davon erfährt, zögert nicht. Er befiehlt die sofortige Inthronisation Salomos und die offizielle Salbung durch den Propheten Natan. Salomo soll auf Davids Maultier geritten kommen und die ganze Aktion wird im Gegensatz zum Adonija-Putsch eine hochoffizielle darstellen. Er wird sich auf den Thron Davids setzen und die engsten Vertrauten Davids, die auch die Berechtigung haben, werden Salomo zum König ausrufen. Es wird alles so umgesetzt und die Gesellschaft um Adonija löst sich panisch auf. Adonija selbst bekommt Angst vor Salomo, der nun ein von Gott Gesalbter ist, und ergreift die Hörner des Altars. Salomo zeigt als erste Amtshandlung seine Barmherzigkeit gegenüber dem Bruder und lässt ihn am Leben. Damit zeigt er, dass er im Geiste seines Vaters regieren wird.
Was wir heute lesen, ist sozusagen das Testament Davids, das er seinem Thronfolger hinterlässt.
„Ich gehe nun den Weg alles Irdischen“ meint, dass er sterben wird, so wie alles Irdische einmal sterben muss.
„Sei also stark und mannhaft!“ ist ungünstig übersetzt. Es handelt sich bei beiden Bestandteilen um Vergangenheitsformen. Die Aussage ist also eigentlich eine andere: „Du warst stark und bist zu einem Mann geworden.“ Er möchte damit seinem Sohn verdeutlichen, dass er in der schwierigen Situation gestärkt worden ist und gereift, zu einem Mann geworden ist. Er ist nun erwachsen und bereit, den Königsthron zu besteigen.
König David ermahnt seinen Sohn dazu, Gottes Gebote zu halten und in allem immer Gottes Willen zu befolgen. Er erinnert ihn an das Versprechen, das Gott ihm unter dieser Voraussetzung gemacht hat: (…) „wird es dir nie an Nachkommen auf dem Thron Israels fehlen.“ Gottes Segen wird auf Salomo ruhen, wenn er die Gottesfurcht und Frömmigkeit seines Vaters übernimmt.
David stirbt daraufhin und wird bei seinen Vätern begraben. Das ist immer der letzte Wille und ein erstrebenswertes Ziel für die Juden – bei den Vätern begraben zu werden. Er wird in Bethlehem beerdigt, was mit „Davidsstadt“ gemeint ist. Sein Vater Isai ist dort zuvor begraben worden.
Es wird noch einmal erwähnt, dass er insgesamt 40 Jahre regiert hat, davon 33 Jahre in Jerusalem und 7 Jahre in Hebron.
Es heißt zum Schluss, dass Salomos Herrschaft sich immer mehr festigte. Wir werden im weiteren Verlauf davon hören, wie groß seine Herrschaft sein und wie weise er in allem entscheiden wird.

1 Chr 29
10 Gepriesen bist du, HERR, Gott unseres Vaters Israel, von Ewigkeit zu Ewigkeit. 

11 Dein, HERR, sind Größe und Kraft, Ruhm und Glanz und Hoheit; dein ist alles im Himmel und auf Erden. HERR, dein ist das Königtum. Du erhebst dich als Haupt über alles. 
12 Reichtum und Ehre kommen von dir; du bist der Herrscher über das All. In deiner Hand liegen Kraft und Stärke; es steht in deiner Hand, alles groß und stark zu machen.
13 Darum danken wir dir, unser Gott, und rühmen deinen herrlichen Namen.

Was wir heute statt des Antwortpsalms beten, ist ein Loblied Davids, das uns das erste Buch der Chroniken überliefert. Es ist die Reaktion Davids auf die Großzügigkeit der Israeliten bei der Spende für den Tempelbau. Er betet „gepriesen bist du, HERR, Gott unseres Vaters Israel, von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ Es ist ein festes Gebetsformular, das in vielen Lobpreisungen verwendet wird. Gerade die abschließende Wendung מֵעֹולָ֖ם וְעַד־עֹולָֽם ma’olam ve’ad-olam oder die sonst auch verwendete Kurzform „ad olam“., die sogenannte „Ewigkeitsformel“ ist fester Bestandteil jüdischer Gebete. Es wird auch im NT aufgegriffen mit den Worten εἰς τοὺς αἰώνας τῶν αἰώνων eis tous aionas ton aionon und in lateinischer Form in saecula saeculorum.
Gott werden mehrere Prädikate zugeschrieben, die auch im NT in hymnenartigen Preisliedern verwendet werden. Es sind teilweise dieselben Begriffe, wenn man diesen Lobpreis im griechischen AT liest. Insbesondere die Begriffe der δύναμις dynamis für „Macht“ und ἰσχύς ischys für „Stärke“ sind gängige Gottesprädikate im Lobpreis. David preist Gottes Allmacht und Größe. David schreibt ihm alles zu („dein ist alles im Himmel und auf Erden“), denn er ist „Herrscher über das All.“ Dies verdient „Reichtum und Ehre“ (im Griechischen ὁ πλοῦτος καὶ ἡ δόξα), was wiederum typische Gottesbegriffe sind, die das NT übernimmt. Was David hier betet, können wir zu 100 Prozent übernehmen. Gott ist immer derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Ob also ein israelitischer König um das Jahr 1000 v.Chr. so betet oder wir im Jahre 2020, spielt keine Rolle.
Wir sollten auch das nächste nie vergessen: Alles liegt in Gottes Hand. Wir können tun und machen, so viel wir wollen. Letztendlich können wir nicht gegen Gott angehen. Er ist es, der Segen bringen kann und durch den uns alles gelingt. Dafür sei er immer gelobt und gepriesen, auch von uns heute, auch in schwierigen Situationen. Denn er trägt uns immer, wirklich immer durch alles hindurch. Er macht immer alles gut.

Mk 6
7 Er rief die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen Vollmacht über die unreinen Geister

8 und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, 
9 kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen. 
10 Und er sagte zu ihnen: Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst!
11 Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter und schüttelt den Staub von euren Füßen, ihnen zum Zeugnis. 
12 Und sie zogen aus und verkündeten die Umkehr. 
13 Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.

Heute sendet Jesus seinen Zwölferkreis zu zweit hinaus, weil die Evangelisierung so schneller vorangehen kann. Er tut es aber nicht nur aus pragmatischen Gründen. Das ist nie der Hauptgrund im Falle Jesu. Er möchte seine Jünger dafür sensibilisieren, dass sie nach seinem Tod, seiner Auferstehung und Himmelfahrt, nach der Geistsendung auf diese Weise das Reich Gottes bis an die Enden der Erde bringen sollen und dabei in seiner Vollmacht all die Heilstaten des Messias weiterführen werden. Es handelt sich also sozusagen um eine „Generalprobe“, die vorübergehend ist.
Jesus bevollmächtigt sie noch nicht zu allem, was dann später noch folgen wird, z.B. kommt die Sündenvergebung erst nach seiner Auferstehung. Er bevollmächtigt sie aber jetzt schon zum Exorzismus, was im Markusevangelium besonders hervorgehoben wird.
Wenn Jesus in Vers 8 seine Apostel dazu aufruft, nur einen Wanderstab mitzunehmen, möchte er damit vermitteln: Ihr sollt ganz auf die Vorsehung Gottes vertrauen. Euch soll es zuerst um das Reich Gottes gehen, alles Andere wird euch dazugegeben. Sie sollen deshalb kein Brot, keine Vorratstasche oder Geld mitnehmen. Sie sollen darauf vertrauen, dass Gott ihnen das alles durch andere Menschen geben wird. Dadurch vollziehen seine Apostel für die Menschen eine prophetische Zeichenhandlung. So wie Jesus alles, was er verkündet, auch an seinem Leben verdeutlicht, so sollen seine Nachfolger ebenfalls an ihrer Lebensführung das Verkündete lebendig werden lassen. So können die Menschen an ihrer Person das Gesagte ablesen und werden es als authentisch annehmen.
Sie sollen zudem in dem Haus bleiben, in das sie einkehren. Das soll heißen, dass sie nicht schauen sollen, wo es angenehmer ist. Sie sollen dankbar annehmen, was ihnen angeboten wird.
Wenn man sie an dem Ort aber nicht annimmt, also ihre Botschaft nicht annimmt, sollen sie diesen Ort verlassen und selbst den Staub abschütteln. Sie sollen nicht mehr zurückschauen oder sich an den Ort gebunden fühlen. Wenn man sie nicht möchte, sollen sie stattdessen dorthin gehen, wo das Evangelium angenommen wird. Dieses Abschütteln des Staubs hat noch eine andere Bedeutung, die uns heutzutage nicht mehr so vor Augen steht. Es war nämlich eine Geste der Gerichtsankündigung. Damit wird also ausgesagt: Ihr sollt das Richten Gott überlassen, der mit ihnen tun wird, wie er es für richtig hält. Ihr sollt nicht verurteilen, sondern es Gott überlassen. Nehmt den Segen mit zu jenen, die ihn annehmen.
Die Aposteln ziehen umher, verkünden die Umkehr so wie Jesus und tun, wozu Jesus sie bevollmächtigt hat – exorzieren und salben. Diese Salbung ist ein Beleg für die sakramentale Krankensalbung. Dass es nicht die Krankenheilung als Charisma, als Gnadengabe meint, von der dann Paulus sprechen wird, sehen wir daran, dass es nur die Bevollmächtigten tun, die Apostel. Wir sehen es auch an der Verbindung der Heilung mit Salbung. Wenn ein Getaufter und Gefirmter, egal ob Laie oder Kleriker, die Gabe der Krankenheilung von Gott geschenkt bekommt, führt er oder sie diese nicht in Verbindung mit einer Salbung aus. Das ist Bestandteil eines Sakraments. Auch der Exorzismus ist ein besonders wirksamer, weil er eine Bevollmächtigung Christi ist. Deshalb gilt bis heute, dass die Befugten zum offiziellen Exorzismus (davon zu unterscheiden sind Befreiungsgebete, die jeder beten darf) die geweihten Bischöfe oder von ihnen bestellte Stellvertreter sind. Die Bischöfe sind nämlich die Nachfolger der Apostel.
Später werden wir davon hören, wie die Apostel zu Jesus zurückkehren und voller Freude und Aufregung davon berichten, was sie im Namen Jesu alles getan haben. Das war nur eine Probe, später werden sie es dauerhaft tun und auch bis heute tun es ihre Nachfolger, die Bischöfe. Wir sehen also, dass die Sakramente und Sakramentalien der Kirche biblisch belegt und apostolischen Ursprungs sind.

Heute geht es um Bevollmächtigung und Nachfolge. Dabei geht es um königliche und priesterliche Beauftragungen. Entscheidend ist dabei der Beistand Gottes, dessen Segen und Wohlwollen das Wirken jener Menschen verursacht. Es liegt wirklich alles in Gottes Hand, wie David heute im Buch der Chroniken betet. So ist es bei Salomo und bei den Aposteln, so ist es auch bei uns, die wir in seinem Namen dieses Leben bestreiten. Wenn wir dabei Gottes Segen haben, werden wir immer fruchtbar sein in unserem Tun.

Ihre Magstrauss