Mittwoch der 6. Osterwoche

Apg 17,15.22 – 18,1; Ps 148,1-2.11-12.13-14; Joh 16,12-15

Apg 17
15 Die Begleiter des Paulus brachten ihn nach Athen. Mit dem Auftrag an Silas und Timotheus, Paulus möglichst rasch nachzukommen, kehrten sie zurück.
22 Da stellte sich Paulus in die Mitte des Areopags und sagte: Männer von Athen, nach allem, was ich sehe, seid ihr sehr fromm.
23 Denn als ich umherging und mir eure Heiligtümer ansah, fand ich auch einen Altar mit der Aufschrift: EINEM UNBEKANNTEN GOTT. Was ihr verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch.
24 Der Gott, der die Welt erschaffen hat und alles in ihr, er, der Herr über Himmel und Erde, wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand gemacht sind.
25 Er lässt sich auch nicht von Menschenhänden dienen, als ob er etwas brauche, er, der allen das Leben, den Atem und alles gibt.
26 Er hat aus einem einzigen Menschen das ganze Menschengeschlecht erschaffen, damit es die ganze Erde bewohne. Er hat für sie bestimmte Zeiten und die Grenzen ihrer Wohnsitze festgesetzt.
27 Sie sollten Gott suchen, ob sie ihn ertasten und finden könnten; denn keinem von uns ist er fern.
28 Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir; wie auch einige von euren Dichtern gesagt haben: Wir sind von seinem Geschlecht.
29 Da wir also von Gottes Geschlecht sind, dürfen wir nicht meinen, das Göttliche sei wie ein goldenes oder silbernes oder steinernes Gebilde menschlicher Kunst und Erfindung.
30 Gott, der über die Zeiten der Unwissenheit hinweggesehen hat, gebietet jetzt den Menschen, dass überall alle umkehren sollen.
31 Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis in Gerechtigkeit richten wird, durch einen Mann, den er dazu bestimmt und vor allen Menschen dadurch ausgewiesen hat, dass er ihn von den Toten auferweckte.
32 Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen, andere aber sagten: Darüber wollen wir dich ein andermal hören.
33 So ging Paulus aus ihrer Mitte weg.
34 Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig, unter ihnen auch Dionysius, der Areopagit, außerdem eine Frau namens Damaris und noch andere mit ihnen.
1 Hierauf verließ Paulus Athen und ging nach Korinth.

Gestern ging es in der Apostelgeschichte um das pfingstartige Ereignis im Gefängnis von Philippi. Am Ende bekehrte sich der Gefängniswärter, ließ sich mit seinem ganzen Haus taufen und nahm die Missionare bei sich auf. Um die Nachgeschichte ein wenig zusammenzufassen: Am nächsten Tag will man die beiden freilassen (es war wohl nicht bekannt geworden, dass die Missionare gar nicht mehr im Gefängnis saßen). Paulus lässt jene, die die Anordnung überbringen, wissen, dass Silas und er römische Bürger seien und eigentlich Anspruch auf einen Prozess gehabt hätten. So kommen die obersten Beamten, um Paulus und Silas hinauszuführen. Daraufhin gehen sie zu Lydia, wo sie den Brüdern Mut zusprechen. Das heißt, dass im Hause der Purpurhändlerin mittlerweile eine christliche Gemeinde entstanden ist. Daraufhin reisen Paulus und seine Gefährten weiter und kommen unter anderem nach Thessalonich und Beröa. Wie schon zuvor ernten sie eigentlich viel Offenheit und Verständnis, sodass viele zu Christen werden. Da aber auch viele Gottesfürchtige der Oberschicht den Glauben annehmen, stößt die Mission auf Eifersucht bei den ansässigen Juden. Diese hetzen die Stadt gegen die Missionare auf, sodass diese weiterziehen müssen. Jene Feinde kommen später dann in die Nachbarstadt, um auch dort gegen die Missionare anzugehen.
Dann bringen Silas und Timotheus Paulus nach Athen und bleiben selbst in Beröa zurück. folgen ihm später nach. So ist Paulus nun in der griechischen Stadt allein und ist aufgebracht wegen der vielen Götzenbilder. Er hat Kontakt zu den ansässigen Juden und tauscht sich gleichzeitig mit epikureischen und stoischen Philosophen aus. Diese bringen ihn eines Tages dann zum Areopag, von wo er eine ganz berühmte Bekenntnisrede hält.
Dabei setzt er rhetorisch sehr geschickt an, indem er den Zuhörern nicht gleich den Götzendienst vorwirft, sondern ihre Frömmigkeit lobt. Damit gewinnt er schon einmal die Gunst der Anwesenden. Dann kommt er auf den Altar für den Unbekannten Gott zu sprechen, den er in der Stadt gesehen hat. Dies dient ihm als Anknüpfungspunkt, über den Schöpfer des Himmels und der Erde zu sprechen, dem rein transzendenten Gott der Christen. Er braucht keinen Tempel, in dem er wohnt und in dem ihm geopfert wird (Kritik an den vielen Tempeln der Stadt). Er braucht auch nicht die Hilfe von Menschen, denn er ist der Helfer all seiner Geschöpfe. Er ist auch der Herr der ganzen Welt, nicht mehr nur eines bestimmten irdischen Bereichs wie bei den Griechen.
Dieser Gott hat die Menschen geschaffen, indem er sie alle von einem einzigen Menschen abstammen lässt (Adam).
Paulus erklärt sodann, dass in allen Menschen die Sehnsucht nach Gott eingepflanzt ist, sodass jeder nach Gott sucht. Er verweist auf griechische Philosophien, denen nach der Mensch von Gottes Geschlecht sei. Das heißt natürlich nicht, dass Paulus an die Göttlichkeit des Menschen glaubt, sondern dass er eine gemeinsame Basis schaffen möchte. So kann er auf sein eigentliches Anliegen zu sprechen kommen: Wenn wir Menschen also von göttlichem Geschlecht sind, können wir nicht Gebilde aus irdischen Materialien und von Menschenhand verehren.
Deshalb ruft Gott universal zur Umkehr auf. Es werde nämlich ein Gericht geben und dieses wird mit Jesus Christus zu tun haben, den er von den Toten auferweckt hat. Als Paulus dies anspricht, spotten einige der Anwesenden darüber, andere wiederum lassen ihn nicht weiterreden und vertrösten ihn auf ein nächstes Mal. Durch die Blume sagen sie ihm eigentlich: Das interessiert uns nicht und geht zu weit.
Dies ist für Paulus jedoch kein Grund zur Kränkung, sondern er geht einfach weg. Einige Menschen bekehren sich auf seine Worte hin, so zum Beispiel Dionysios der Areopagit und eine Frau namens Damaris. Dann geht Paulus nach Korinth. Dort wird er eine Gemeinde gründen, die zu einer beachtlichen Größe heranwachsen wird.

Ps 148
1 Halleluja! Lobt den HERRN vom Himmel her, lobt ihn in den Höhen:
2 Lobt ihn, all seine Engel, lobt ihn, all seine Heerscharen,
11 ihr Könige der Erde und alle Völker, ihr Fürsten und alle Richter der Erde,
12 ihr jungen Männer und auch ihr jungen Frauen, ihr Alten mit den Jungen!
13 Loben sollen sie den Namen des HERRN,/ denn sein Name allein ist erhaben, seine Hoheit strahlt über Erde und Himmel.
14 Er hat erhöht die Macht seines Volks, zum Lob für all seine Frommen, für die Kinder Israels, das Volk, das ihm nahe ist. Halleluja!

Auch heute beten wir im Anschluss an die Lesung einen Lobpreispsalm. Trotz der abrupten Unterbrechung an entscheidender Stelle spricht Paulus inmitten der Heiden über den christlichen Glauben. Das muss man sich einmal genauer vorstellen: Er spricht hier zu Menschen, denen Athena Promachos und der olympische Zeus alles bedeuten. Nicht der griechische Vatergott ist der Vater, Herr und Geber von allem, sondern der sich offenbarende jüdisch-christliche Gott.
Der heutige Psalm gehört zum Schluss-Hallel, der Psalmengruppe, die von Halleluja-Rufen gerahmt wird.
„Lobt den HERRN vom Himmel her, lobt ihn in den Höhen“ ist ein Lobaufruf an die himmlischen Wesen, das heißt an die Engel und Heiligen, die bei Gott sind. Dies wird uns dann auch im nächsten Vers explizit gesagt („Lobt ihn, all seine Engel…“).
Auch die irdischen Wesen sollen Gott loben, vor allem die Mächtigen der Welt: „ihr Könige der Erde und alle Völker, ihr Fürsten und alle Richter der Erde“. Ihre Macht ist von Gott her betrachtet geringer als die königliche und richterliche Gewalt Gottes. So müssen selbst diese irdischen Mächte dem Allmächtigen die Ehre geben.
Alle Menschen werden zum Lobpreis aufgerufen, Jung und Alt, Mann und Frau, denn Gottes Name ist erhaben. Er ist zwar ganz und gar von der Schöpfung verschieden, doch seine Herrlichkeit erstrahlt das All. In seiner Macht hat er seinem auserwählten Volk, „das ihm nahe ist“, Israel, Macht verliehen. Er hat ihm besondere Gnaden zuteil werden lassen und diese sind Anlass für das Lob Gottes.
Paulus als Kind Israels hat auch heute Anlass, Gott für diese Gnade zu loben und zu preisen. Zwar haben die Athener ihn beim Thema Auferstehung abgelehnt, ihn die Heilsgeschichte bis dahin aber erzählen lassen. Sie haben ihm Gehör geschenkt, als er ihre vielen Götzenbilder und Tempel kritisiert und eben jenen Gott beschrieben hat, den dieser Psalm zeichnet: als Herrscher des Himmels und der Erde, dem allein die Ehre gebührt.
Für Psalmen ist bezeichnend, dass Lobaufforderungen formuliert werden, besonders auch die Aufforderung an die verschiedenen Bereiche der Schöpfung.
Das Halleluja schließt auch hier den Lobgesang ab.

Joh 16
12 Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.
13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird reden, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird.
14 Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden.
15 Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.
16 Noch eine kurze Zeit, dann seht ihr mich nicht mehr, und wieder eine kurze Zeit, dann werdet ihr mich sehen.

Jesus spricht heute wieder einen Ausschnitt aus der dritten Abschiedsrede. Am liebsten möchte er noch so viel mehr sagen, kann seine Apostel aber nicht überfordern. Sie haben in den letzten Jahren schon so oft seine Worte nicht begriffen. Aus sich selbst heraus können sie die göttliche Weisheit nicht begreifen. Sie brauchen den Heiligen Geist dafür, der sie erfüllt und ihnen die Augen öffnet. Und so kündigt Jesus an, dass wenn der Geist der Wahrheit kommen wird, sie in der ganzen Wahrheit leiten wird. Das bedeutet nicht, dass er ihnen etwas Neues offenbaren, sondern Jesu verkündete Lehre begreiflich machen wird. Jesus erklärt ihnen auch, dass er mit dem Geist etwas gemeinsam hat: eine Lehre zu verkünden, die er nicht aus sich selbst besitzt, sondern vom Vater. Es ist eine gemeinsame Offenbarung, auch wenn der Geist und er nicht einfach identisch sind. So wie Christus der authentische Exeget des Vaters ist, weil er an dessen Herzen ruht, ist auch der Geist Zeuge der Wahrheit, weil er offenbart, was er „hört“. Auch er ist vom Vater gesandt und so bringt auch er authentische Kunde. Er wird den Jüngern seine Gaben geben, wodurch sie sehen werden „was kommen wird.“ Es klingt die Gabe der Prophetie an, die unter anderem eine Schau kommender Dinge ermöglicht. Man kann es auch so verstehen, dass Gottes Geist den Aposteln den göttlichen Willen in kommender Zeit aufzeigen wird.
Dieser Geist ist es, der Christus verherrlichen wird. Wir glauben, dass mit der Himmelfahrt Jesu dieser die Entäußerung ablegen wird, die er mit der Menschwerdung auf sich genommen hat. Dann wird er seine Göttlichkeit nicht mehr verbergen, sondern in seiner ganzen Macht und Herrlichkeit wieder beim Vater sein. Hier sagt Jesus selbst, dass dies durch den Heiligen Geist geschieht. Die Herrlichkeit Gottes hängt also mit dem Heiligen Geist zusammen, was uns den Psalm tiefer verstehen lässt. Dort heißt es, dass Gottes Hoheit über die ganze Erde erstrahlt. Es ist ein und dieselbe Glorie, der Glanz Gottes. Durch den Heiligen Geist ist Gott in der Welt gegenwärtig. Mit der umfassenden Geistgabe an Pfingsten wird seine Gegenwart auf Erden intensiviert. Dann wird er umfassend das Wort Gottes, Jesus Christus nach dessen Heimkehr zum Vater offenbaren. Er wird von dem nehmen, was Jesus gehört – gemeint ist die Fülle der Offenbarung (Jesus hat ALLES gelehrt, auch wenn die Jünger nicht alles verstanden haben). Von derselben Offenbarung wird er nehmen und den Jüngern zugänglich machen, sodass sie nichts Neues hören, sondern daran erinnert werden. Es wird eine pneumatische Wiederholung sein.
Zum Schluss spricht Jesus noch ein Wort, das die Apostel ziemlich verwirrt. Eine kurze Zeit wird bis zum Weggang Jesu vergehen, doch auch nur eine kurze Zeit bis zu seiner Wiederkehr. Dies können wir zunächst auf das Osterereignis beziehen: Die Worte spricht Jesus am Abend vor seinem Tod. Nicht einmal 24 Stunden später ist er tot, was die Apostel im Abendmahlssaal noch nicht erahnen. Und dann wird es keine 48 Stunden dauern, bis er von den Toten wieder auferstehen wird. In dieser wörtlichen Lesart können wir die „kurze Zeit“ wirklich auf wenige Stunden beziehen. Da er aber im Kontext des Heiligen Geistes diesen Vers spricht, müssen wir weitergehen: Er ist nicht mehr lange auf Erden, bevor er zum Vater heimgeht. Das feiern wir morgen! Dann wird er nur noch verborgen in eucharistischer Gestalt in der Welt sein, bis er als verherrlichter Menschensohn am Ende der Zeiten wiederkommt. Diese Zeiträume sind schon größer zu fassen, aber was ist von der Ewigkeit her gesehen schon ein Tag? Wir leben in der Endzeit, so können wir nachvollziehen, was er mit der kurzen Zeit meint. Seine Wiederkunft ist schon sehr bald. Und bei seinem zweiten Kommen werden nicht nur die Apostel ihn sehen, sondern die ganze Welt.

Ihre Magstrauss

Mittwoch der 4. Osterwoche

Apg 12,24 – 13,5; Ps 67,2-3.5.7-8; Joh 12,44-50

Apg 12
24 Das Wort Gottes aber wuchs und breitete sich aus.
25 Nachdem Barnabas und Saulus in Jerusalem den Dienst erfüllt hatten, kehrten sie zurück; Johannes, mit dem Beinamen Markus, nahmen sie mit.
1 In der Gemeinde von Antiochia gab es Propheten und Lehrer: Barnabas und Simeon, genannt Niger, Lucius von Kyrene, Manaën, ein Jugendgefährte des Tetrarchen Herodes, und Saulus.
2 Als sie zu Ehren des Herrn Gottesdienst feierten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Wählt mir Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie berufen habe!
3 Da fasteten und beteten sie, legten ihnen die Hände auf und ließen sie ziehen.
4 Vom Heiligen Geist ausgesandt, zogen sie nach Seleukia hinab und segelten von da nach Zypern.
5 Als sie in Salamis angekommen waren, verkündeten sie das Wort Gottes in den Synagogen der Juden. Johannes hatten sie als Helfer bei sich.

Zwischen der gestrigen und der heutigen Lesung passiert sehr viel in der Apostelgeschichte: Jakobus wird hingerichtet, Herodes wütet gegen die Christen in Jerusalem und lässt Petrus inhaftieren, der auf wundersame Weise befreit wird. Und Herodes stirbt. Das Wort Gottes verbreitet sich weiter trotz der Bedrängung der Christen. Paulus und Barnabas sind nach Jerusalem entsandt worden, um eine Kollekte für die Jerusalemer Gemeinde durch die Antiochener zu überbringen. Dieser Dienst ist gemeint, der in der heutigen Lesung erwähnt wird. Sie kommen also zurück nach Antiochia, von deren Gemeinde uns heute ein bisschen mehr beschrieben wird. Es gibt dort nämlich Propheten und Lehrer, die der Gemeinde dienen. Es werden sogar ganz konkrete Namen genannt, wobei auch Paulus und Barnabas dazugezählt werden. Sie gelten als Lehrer, denn sie erklären das Wort Gottes.
Während der Liturgie und der Fastenzeiten erhalten Geistbegabte die Eingebung, dass Barnabas und Saulus (Paulus) zu einer Mission berufen sind. Uns ist schon klar, worum es geht, nämlich um die erste Missionsreise. Die Reaktion der Gemeinde darauf ist das Fasten und Beten. Das ist bemerkenswert. Auch Jesus hat vor seinem öffentlichen Wirken eine Zeit lang im Fasten und Beten verharrt, sich dabei sogar in die Wüste zurückgezogen. Immer wenn er große Massen vor sich hat und viele Heilstaten tut, lange Predigten hält etc., zieht er sich für das Gebet zurück. Er holt sich immer wieder die Kraft von seinem Vater, der ihn gesandt hat. Und auch hier ist es eine Sendung zur Verkündigung des Reiches Gottes. Auch dies ist eine wichtige Mission, die viel Kraft und Mut kosten wird. Zu dieser Sendung werden die beiden Missionare vorbereitet, nicht nur durch das Fasten und Beten, sondern auch durch die Handauflegung der Gemeindevorsteher. Es muss sich um eine sakramentale Weihe handeln, durch die die beiden dann befähigt sind, anderen Menschen die Sakramente zu spenden. Weil wir später davon lesen werden, dass sie Älteste weihen, ihnen die Hände auflegen, handelt es sich bei ihrer eigenen Weihe um den höchsten Grad, die Bischofsweihe. Durch sie sind sie beide bevollmächtigt, alle Sakramente zu spenden (die es auch schon gibt, auch wenn noch nicht in der Form oder Bezeichnung wie heute). Der Geist führt sie zunächst nach Seleukia, von wo aus sie nach Zypern reisen. In der zyprischen Stadt Salamis lehren sie in den Synagogen das Wort Gottes. Johannes Markus begleitet sie auf ihrer ersten Missionsreise als Helfer. Die kirchliche Tradition identifiziert diesen Johannes Markus mit dem Evangelisten Markus und auch mit dem Gefährten des Petrus.
Wir lernen aus diesem heutigen Bericht der Apostelgeschichte, dass das Leben mit Gott nie langweilig ist. Er hat große Pläne mit jedem Menschen und sendet ihn dort hin, wo er ihn braucht. Wichtig ist, dass der Mensch diese Berufung einerseits erkennt, andererseits gehorsam umsetzt und dabei die Gnade Gottes in Anspruch nimmt. Es führt ganz schnell in eine Sackgasse, wenn man aus eigener Kraft versucht, die Berufung zu leben. Es ist auch entscheidend, dass der Mensch nicht nur betet, sondern auch in dem Anliegen fastet. Dies birgt ein ganz großes Potenzial, das nicht zu unterschätzen ist. Je größer der Anlass/die Mission, desto mehr muss der Mensch sich im Vorfeld darauf vorbereiten. Und dann wird er sich wundern, welche großen Zeichen durch ihn geschehen!

Ps 67
2 Gott sei uns gnädig und segne uns. Er lasse sein Angesicht über uns leuchten,
3 damit man auf Erden deinen Weg erkenne, deine Rettung unter allen Völkern.
5 Die Nationen sollen sich freuen und jubeln, denn du richtest die Völker nach Recht und leitest die Nationen auf Erden.
7 Die Erde gab ihren Ertrag. Gott, unser Gott, er segne uns!
8 Es segne uns Gott! Fürchten sollen ihn alle Enden der Erde.

Der heutige Psalm, den wir als Antwort auf die Lesung beten, stellt die Bitte um Gottes Segen dar. Er erinnert uns an den aaronitischen Segen aus dem Buch Numeri. Die beiden Bestandteile „Gnädigsein“ und „Leuchten seines Angesichts“ werden auch dort verwendet. Es wird aber nicht nur wiederholt, sondern hier weitergeführt. Der Zweck des Wunsches wird nämlich an dieser Stelle erklärt: Die Israeliten sollen durch das Leuchten des Angesichts Gottes seinen Weg erkennen, das heißt seinen Willen. Der aaronitische Segen wird hier paränetisch fortgesetzt, also zur Unterweisung im moralischen Verhalten. Der nächste Nebensatz geht darüber hinaus. Die Rettung unter allen Völkern klingt in unseren christlichen Ohren sehr messianisch (hebr. בְּכָל־גֹּ֝ויִ֗ם יְשׁוּעָתֶֽךָ b’chol-gojim jeschu’atecha, der Name Jesu ist enthalten und wird auf die nichtjüdischen Völker bezogen). So müssen wir den Vers mit folgender Interpretation lesen: Lass dein Angesicht leuchten, damit wir den Messias erkennen, der die ganze Welt erlösen wird.
Im Anschluss erkennen wir wieder die positive Sicht auf das göttliche Gericht, über das die „Nationen“ sich freuen. Hier sind die „Nationen“ die Stämme Israels ( עַמִּ֥ים ammim), kann in der Mehrzahl aber auch allgemein alle Nationen der Erde bezeichnen. Die Stämme können dann endlich aufatmen, nachdem sie so viel Leid durch Fremdherrschaft und Tyrannei erleiden mussten. Gott bringt endlich die ersehnte Gerechtigkeit! Und wenn alle Völker gemeint sind, dann lesen wir hier die Erleichterung der ganzen Welt, da nun die Weltmission startet, durch die sie mit der erlösenden Botschaft Jesu Christi in Berührung kommen.
Der Psalm wird mit einem Segenswunsch abgeschlossen, der wiederum an den aaronitischen Segen von Num 6 anknüpft.
Die Psalmen bringen immer wieder zum Ausdruck, dass Gottes Erlösungsplan, der sich mit Jesus erfüllt hat, über die jüdischen Grenzen hinausgeht, aber v.a. dort beginnt.
Es ist ein Gebet, das wir uns so richtig aus dem Mund der Gemeinde Antiochias vorstellen können. Sie beten um den Segen für die kommende Mission und auch für die Menschen, die mit dem Evangelium in Kontakt treten werden.

Joh 12
44 Jesus aber rief aus: Wer an mich glaubt, glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat,
45 und wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat.
46 Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt.
47 Wer meine Worte nur hört und sie nicht befolgt, den richte nicht ich; denn ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten, sondern um die Welt zu retten.
48 Wer mich verachtet und meine Worte nicht annimmt, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich gesprochen habe, wird ihn richten am Jüngsten Tag.
49 Denn ich habe nicht von mir aus gesprochen, sondern der Vater, der mich gesandt hat, hat mir aufgetragen, was ich sagen und reden soll.
50 Und ich weiß, dass sein Auftrag ewiges Leben ist. Was ich also sage, sage ich so, wie es mir der Vater gesagt hat.

Im Evangelium geht es ebenfalls um Sendung, nämlich um die ursprüngliche, an die die Apostel lediglich anknüpfen: die Sendung des Sohnes durch den Vater. Jesus ist von seinem Vater gesandt worden. Dies erklärt er besonders im Johannesevangelium den Menschen. Er ist vom Vater auf die Erde gesandt worden und hat somit die höchste Autorität und Bevollmächtigung. Was er über Gott aussagt, ist absolut authentisch. Und wer an ihn glaubt, glaubt an den Sender. Denn Jesus und der Vater sind eins. Jesus ist die Auslegung Gottes in Person. Deshalb kann man Gottes Wesen erkennen, wenn man ihn anschaut.
Jesus sagt, dass er das Licht der Welt ist, durch das keiner mehr in der Finsternis bleiben muss. Er ist Licht als Orientierung, Wahrheit/Erkenntnis, Reinheit von der Sünde, Beginn des ewigen Lebens (mit dem Tagesanbruch wird es hell). Wenn Jesus diese Worte spricht, knüpft er an Jesaja an, der prophezeit hat: „Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein helles Licht (Jes 9,1).“ Er spricht hier also ein Stichwort aus, das für die Zuhörer ein Signal darstellt.
Jesus kritisiert die Haltung, das Wort zu hören, es aber nicht zu befolgen. Er kritisiert noch mehr, wenn man nicht einmal die Worte hören will. Er selbst ist es aber nicht, der richtet. Es ist das Wort selbst, das zum Richter wird. Wer sich nicht danach richtet, hat sich letztendlich selbst gerichtet – das heißt durch die eigene Entscheidung gegen Jesus schon das Urteil gewählt.
Jesus sagt, dass er in die Welt gekommen ist, um sie zu retten, nicht um sie zu richten. Das ist ein wichtiger Punkt: Das heißt nicht, dass jeder gerettet wird und wir hier dem zugrunde liegenden Text eine Allversöhnungslehre unterstellen können. Das bedeutet, dass Jesus alles tut, damit wir gerettet würden, bis zum Tod am Kreuz! Er ist nicht gekommen, um zu richten, weil die Zeit noch gar nicht da ist. Sein erstes Kommen durch die Menschwerdung hatte den Zweck, das Erlösungswerk zu vollbringen, das vor aller Zeit schon feststand. Das meint die Rede vom Retten. Er wird aber wiederkommen als verherrlichter Menschensohn am Ende der Tage und dann wird er die Welt richten. Und dann wird er nicht nach eigenem Gutdünken richten wie ein korrupter Richter, sondern der Maßstab ist ein ganz klarer – das Wort Gottes. Die Sache ist nur: Letztendlich IST er das Wort Gottes in Person und aus dieser Perspektive ist er es doch wieder persönlich, der richtet. Jesus macht hier aber die Abgrenzung, um zu betonen, dass die Richtschnur eine ganz objektive ist und er diese Richtschnur den Menschen klar und deutlich erklärt hat. Wenn sie dieses Wort hören und sich dennoch nicht daran halten, haben sie ihr Urteil schon gesprochen.
Wenn Jesus betont, dass er nichts Anderes sagt als das, was der Vater ihm aufgetragen hat, möchte er die Einheit von Vater und Sohn verdeutlichen. Alles, was Jesus sagt und tut, ist in Einklang mit dem Vater. Für die Juden ist das wichtig, weil wer in absoluter Übereinstimmung mit dem transzendenten Gott ist, der muss autoritär nicht nur ganz hoch angesehen werden, sondern auch absolut authentisch sein.
Jesus erklärt auch, was für ein Auftrag es ist: das ewige Leben. Wer sich also an Jesu Worte hält, für den steht dieses ewige Leben bereit.

All diese Worte spricht Jesus, bevor das letzte Abendmahl und die Leidensgeschichte beginnen. Es ist ein letzter Appell an die Menschen, bevor er seinen Weg der vollkommenen Vollendung antritt.

Die Texte fügen sich zusammen zu einem Sendungskorpus. Heute geht es um den Auftrag Gottes, die Verkündigung und die Rettung der Menschen. Wenn die Apostel im Namen Gottes auftreten und das Wort Gottes verkündigen, sprechen sie dasselbe authentisch aus, was Jesus gesprochen hat. Ihr Wort ist von höchster Autorität und Relevanz. Wer sich an die gehörte Verkündigung hält, der verhängt über sich schon ein positives Gerichtsurteil für das Ende der Zeiten, wenn Jesus wiederkommt.

Fragen wir uns selbst heute, ob wir nicht in manchen Bereichen unseres Lebens so sind, dass wir hören, aber nicht befolgen. Kehren wir um von falschen Haltungen und vom Ungehorsam und werden wir wieder zu Hörenden und Gehorsamen!

Ihre Magstrauss

Katharina von Siena (Fest)

1 Joh 1,5 – 2,2; Ps 103,1-2.3-4.8-9.13-14.17-18a; Mt 11,25-30

Heute feiern wir eine der größten Frauen der Kirche, Katherina von Siena. Sie lebte im 14. Jh., war Ordensfrau, ist 1939 zur Kirchenlehrerin erhoben worden und zudem Schutzpatronin Europas. Mit so einem hohen Rang ist es verständlich, warum wir heute Lesungen hören, die ganz zu ihr passen. Warum ist sie Schutzpatronin und so eine große Heilige? Ihr haben wir zu verdanken, dass damals beim großen abendländischen Schisma Papst Gregor XI von Avignon nach Rom zurückkehrte. Sie hat einen großen Anteil daran, dass das schreckliche Schisma überwunden und die Kirche nicht untergegangen ist. Unermüdlich setzte sie sich für die Einheit der Kirche ein, was auch wirklich Früchte getragen hat. Beten wir auf ihre Fürsprache, dass sie an Gottes Thron fleht um den Schutz der Kirche heute, die von schismatischen Kräften auch heute hin und hergerissen wird.

1 Joh 1-2
5 Das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkünden: Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm.
6 Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben und doch in der Finsternis wandeln, lügen wir und tun nicht die Wahrheit.
7 Wenn wir im Licht wandeln, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander und das Blut seines Sohnes Jesus reinigt uns von aller Sünde.
8 Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre und die Wahrheit ist nicht in uns.
9 Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht.
10 Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, machen wir ihn zum Lügner und sein Wort ist nicht in uns.
1 Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt. Wenn aber einer sündigt, haben wir einen Beistand beim Vater: Jesus Christus, den Gerechten.
2 Er ist die Sühne für unsere Sünden, aber nicht nur für unsere Sünden, sondern auch für die der ganzen Welt.

In der Lesung hören wir aus dem ersten Johannesbrief.
Johannes verwendet im Kontext von Gott oft die Lichtmetaphorik. Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm. Mit dem Gegensatz „Licht“ – „Finsternis“ drückt Johannes aus, dass Gott nur Liebe ist. Nichts Böses ist in ihm.
Die Konsequenz davon ist auch auf uns Menschen zu beziehen: Wir können nicht Gemeinschaft mit dem Licht haben und selber in uns Finsternis haben. Das heißt, dass wir nicht zugleich in Todsünde leben (Finsternis) und im Stand der Gnade sein können (Gemeinschaft mit ihm). Wer das behauptet, belügt sich selbst.
Wir können nur Gemeinschaft haben, wenn wir „im Licht wandeln“ wie Gott. Das Wandeln ist ein Ausdruck für den Lebenswandel und somit ein moralischer Begriff. Wenn wir uns mit ganzer Kraft bemühen, auf dem Weg Gottes zu bleiben, d.h. seine Gebote zu halten, dann wandeln wir im Licht und Jesus reinigt uns von unseren Sünden. Dass überhaupt von Sünde die Rede ist, macht die ganze Rede so realistisch. Niemand sagt, dass wir ohne Sünde sind, nur weil wir uns bemühen, im Licht zu wandeln. Wir fallen trotzdem. Wenn wir aber aufstehen, d.h. umkehren und weitergehen, dann zeigen wir unsere Aufrichtigkeit und Gott vergibt uns unsere Sünden.
Diese Aufrichtigkeit zeigen wir vor allem daran, dass wir unsere Sünden bekennen (ὁμολογέω homologeo). Wir sollen das nicht einfach nur bereuen, was Gott sowieso schon von uns weiß, er sieht ja alles. Gott möchte auch, dass wir die Dinge beim Namen nennen. Das sollen wir nicht deshalb, weil er es unbedingt braucht, sondern weil wir es unbedingt brauchen.
Wer behauptet, ohne Sünde zu sein, lügt. Jeder Mensch ist gefährdet, zu fallen. Wir sind zwar von der Erbsünde erlöst, aber die Folgen der Erbsünde sind noch da. Wir haben immer noch die Neigung dazu, Böses zu tun. Wir sündigen weiter. Gottes Wort (also Jesus) ist nicht in uns, wenn wir behaupten, ohne Sünde zu sein.
Johannes schreibt diese Worte, um zur Ablegung der Sünde aufzurufen. Aber auch für jene, die es dennoch tun, hat er eine zuversichtliche Botschaft: Wir haben einen Beistand beim Vater, Jesus Christus. Er ist es ja, der durch sein Kreuzesopfer die Vergebung der Sünden ermöglicht hat. Er ist gestorben zur Sühne für unsere Sünden und die der ganzen Welt, wie wir auch im Barmherzigkeitsrosenkranz beten. Interessant ist dabei, dass der Begriff παράκλητος parakletos verwendet wird. Diese Umschreibung wird ja sonst für den Hl. Geist gebraucht. Aber auch im wortwörtlichen Sinn ist Jesus unser Beistand, gerade wo wir schuldig geworden sind.
Diese Worte sind sehr tröstlich, weil wir selbst in Schuld und Sünde nicht verzweifeln müssen. Wenn es uns von Herzen leidtut und wir umkehren, dann wird uns Gott die Sünden vergeben. Es ist bemerkenswert, wie die Worte des Johannes das Sakrament der Beichte erklären: Wir sollen unsere Sünden bereuen, wir sollen sie bekennen, unsere Schuld muss gesühnt werden, wofür Jesus ja gestorben ist. Unsere Aufrichtigkeit soll sich dadurch zeigen, dass wir uns bemühen, nicht mehr zu sündigen. Und wir sollen in uns gehen, um zu erkennen, wo wir uns selbst belügen. Die heutige Lesung ist eine richtige Beichtparänese, die Johannes mit Deutlichkeit formuliert, aber auch mit Liebe.

Ps 103
1 Von David. Preise den HERRN, meine Seele, und alles in mir seinen heiligen Namen!
2 Preise den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!
3 Der dir all deine Schuld vergibt und all deine Gebrechen heilt,
4 der dein Leben vor dem Untergang rettet und dich mit Huld und Erbarmen krönt,
8 Der HERR ist barmherzig und gnädig, langmütig und reich an Huld.
9 Er wird nicht immer rechten und nicht ewig trägt er nach.
13 Wie ein Vater sich seiner Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über alle, die ihn fürchten.
14 Denn er weiß, was wir für Gebilde sind, er bedenkt, dass wir Staub sind.
17 Doch die Huld des HERRN währt immer und ewig für alle, die ihn fürchten. Seine Gerechtigkeit erfahren noch Kinder und Enkel,
18 alle, die seinen Bund bewahren
.

Der Psalm, den wir David zu verdanken haben, ist ein sehr bekannter Lobpreispsalm. Wir haben immer Grund zum Lobpreis, weil Gott uns so viel Gutes getan hat. Er vergibt uns jeden Tag, wirklich JEDEN TAG, jeden Moment unseres Lebens unsere Sünden, wo wir umkehren! Wie unendlich viel Geduld hat Gott mit uns! Schon das Volk Israel kann viele Geschichten darüber erzählen…Wie oft ist es anderen Göttern nachgelaufen, wie oft hat es undankbar gehandelt. Und doch ist Gott seinem auserwählten Volk treu geblieben, hielt sein Versprechen, seinen Bund! Wie oft hat er es zurückgeholt, in dem er eine Fremdherrschaft nach der anderen zugelassen hat! Würden wir die Kraft haben, unserem Partner zu vergeben, wenn er/sie mir fremdgegangen ist? Nichts anderes tat und tut Gott mit uns, mit seiner geliebten Braut. Auch die Kirche als Volk Gottes schaut anderen hinterher und wird untreu, wo auch immer sie der Welt gefällt, sich von Gottes Willen entfernt. Und doch bleibt Christus seiner Braut treu und hält sein Versprechen, bei ihr zu sein alle Tage bis zum Ende der Welt (Mt 28). Er kommt trotzdem in der Eucharistie zu uns und spendet auch die anderen Sakramente. Gott vergibt uns immer und immer wieder die Schuld in der Beichte, auch wenn wir immer dieselben Sünden begehen. So geduldig ist er mit uns! Er gibt uns jedes Mal auch noch die Kraft durch das Beichtsakrament, das nächste Mal der Sünde zu widerstehen. Seine Gnade kennt keine Grenzen. Seine Barmherzigkeit ist auch noch so unendlich, dass er uns sogar die Chance auf das Himmelreich gibt, wenn wir noch nicht alles gesühnt haben. Das, was wir Fegefeuer nennen, ist mit Blick auf die Ewigkeit DER Beweis seiner vergebenden Barmherzigkeit!
Gott heilt all unsere Gebrechen. Ja, er heilt in erster Linie unsere Seele, das ewige Leben. Er heilte die Beziehung zwischen seinem Volk und ihm. Er heilte auch damals schon körperliche Gebrechen und soziale Ausgrenzung. Er heilte die Seele derer, die keine Hoffnung mehr hatten und er stärkte die Ängstlichen mit dem Geist des Mutes. Gott heilte ganz besonders durch Jesus Christus. Dieser heilte in erster Linie auch die Seele und die Beziehung der Menschen zu Gott durch die Sündenvergebung. Der Gelähmte, der über das Dach auf einer Trage hinabgelassen wurde, wurde zunächst seelisch geheilt, bevor Jesus ihm als Bonus auch die körperliche Heilung schenkte. Jesus sagte: „Euch soll es zunächst um das Reich Gottes gehen, alles Andere wird euch dazu gegeben.“ Jesus heilte auch die vielen Ausgegrenzten von ihren sozialen Gebrechen, in dem er sie körperlich heilte – sei es die blutflüssige Frau, die Blinden oder die vielen Aussätzigen. Vor allem trieb er auch Dämonen aus, die den Geplagten seelische Folter bescherten.
Jesus heilt auch heute noch durch die Sakramente. Wenn Sie sich mit dem Heilungs- und Befreiungsdienst der Kirche befassen, werden Sie oft zu hören bekommen: Das größte Heilungsgebet – auch gerade um körperliche Heilung – sind die Beichte und die Eucharistie. Wenn die Beziehung zu Gott wieder versöhnt ist, kann Gottes Kraft im Menschen wirken. Gott wird auch am Ende der Zeiten alles heil machen, sodass es nicht mal mehr den Tod geben wird.
Alles, was Gott an uns Menschen tat, tut und tun wird, hat das Ziel, uns das ewige Leben zu ermöglichen. Er will uns vor dem Untergang retten. Das ist für das Volk Israel zunächst das Ende des Fortbestehens, der Generationenabfolge und des Kultes. Es betrifft später auch das Leben nach dem Tod, als die Israeliten nach und nach eschatologische Zusammenhänge begriffen. Dies betrifft den Fortgang der Kirche als Leib Christi. Jesus hat Petrus zugesagt, dass die Mächte der Finsternis sie nicht überwältigen werden. Es meint im Hinblick auf jeden Einzelnen den moralischen Untergang, der nach dem Tod dann den Untergang der Seele zur Folge hat. Er rettet uns vor dem seelischen Tod, der Hölle, in dem er uns immer wieder Anlass zur Umkehr schenkt und wir noch bis zum Moment des Todes bereuen können. Gott ist wirklich langmütig, das heißt unendlich geduldig mit uns. Sein Gericht ist kein Berechnen im Sinne von: „Dies und das hast du getan, das ergibt so und so viel Strafe.“ Er richtet vor allem nach unserem Herzen, nach unserer Absicht und diese gibt Aufschluss über die Konsequenz. Und darüber hinaus währt seine Barmherzigkeit nach dem Maß unserer aufrichtigen Reue. Es ist wirklich ein entlarvender Psalm, der nämlich das Vorurteil entkräftet, im Alten Testament komme nur der strenge Richtergott vor. Schon hier lesen wir von Gottes unendlicher Barmherzigkeit.
Auch hier wird schon deutlich, dass Gott ein barmherziger Vater ist. Er weiß um unsere Schwachheit und erwartet nichts Übermenschliches von uns. Das Kreuz, das er seinen Kindern auferlegt, die täglichen Pflichten, die Berufung, die Umsetzung ihrer Talente, entspricht ganz den Möglichkeiten des Menschen. Gott überfordert uns nicht. Er möchte, dass wir mit den Lasten zu ihm kommen, damit er mit anpacken kann. Und wenn wir mit ihm kooperieren, dann werden wir überreichen Segen empfangen, nicht nur wir, sondern auch noch unsere Nachfahren! Es ist ein nicht zu unterschätzendes Wort. Segen und Fluch betreffen nie nur uns selbst. Sie gehen auch auf unsere Familien, unsere Kinder und Enkel über. Entweder profitieren sie von unserer Gottesfurcht oder müssen an den Konsequenzen unserer Sünden mitleiden. Bedenken wir das stets, wenn wir vor der Entscheidung für oder gegen Gott stehen. Wir haben eine Verantwortung.

Mt 11
25 In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast.
26 Ja, Vater, so hat es dir gefallen.
27 Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.
28 Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.
29 Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele.
30 Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.

In Jesus verdichtet und personifiziert sich das, was wir in den bisherigen Texten gehört haben. Er ist die Güte und Barmherzigkeit in Person.
Er setzt heute im Evangelium an mit einem Lobpreis an den Vater. Es ist ein Beispiel, wie wir selbst beten sollen, die wir als Getaufte Gott ebenfalls unseren Vater nennen dürfen.
Gott ist wirklich „Herr des Himmels und der Erde“. Er hat sie nicht nur geschaffen und erhält sie, sondern er hat auch die Macht über alles. Das ist eine tröstliche Erkenntnis, denn auch wenn wir jetzt sehen, dass die Mächtigen dieser Welt böse sind, steht über ihnen dennoch der eine und wahre Gott. Sie haben jetzt vielleicht noch einen Handlungsspielraum, aber wenn Gott kommt, wird er sie alle in einem Moment entmachten – sie, die eigentlich nur Marionetten des Bösen sind.
Die „Unmündigen“ dieser Welt sind die Empfänger der entscheidenden Botschaft. An sie ist die Offenbarung ergangen, nicht an die Reichen, Weisen und Klugen, die ganz in der Weisheit der Welt wandeln. Paulus nennt eben diese Menschen töricht, die der weltlichen Weisheit verhaftet sind. Die „Unmündigen“ sind dagegen die eigentlichen Weisen, denn sie wandeln in der göttlichen Weisheit. Von den Hirten auf den Feldern von Betlehem bis zu den Fischern am See von Tiberias sind es immer die einfachen Menschen, die eine große Aufgabe im Reich Gottes erhalten.
Alles ist vom Vater dem Sohn übergeben worden. Nicht nur der Sohn hat sich durch sein Leiden und seinen Tod ganz dem Vater hingegeben, sondern auch der Vater ganz dem Sohn. Dieser vollbringt das Werk des Vaters, ganz in dessen Willen. Ihre ganz innige Beziehung ist es, die uns den Vater sehen lässt, wenn wir Jesus sehen. Wenn wir die Offenbarung des Vaters erhalten möchten, müssen wir uns ganz an den Sohn Jesus Christus halten. Niemand kennt den Vater nämlich besser als er. Gott ist Geist und er ist Geheimnis. Wenn wir ihn kennenlernen möchten, muss er sich uns offenbaren. Dies hat er ganz in Christus getan.
Jesus will Ruhe verschaffen. Wenn wir zu leiden haben, müssen wir es nicht alleine tragen, sondern er lädt uns ein, damit zu ihm zu kommen. Wir müssen nicht resignieren wie die Israeliten im babylonischen Exil oder die Juden zurzeit der Römerherrschaft. Wir müssen es gar nicht so weit kommen lassen, dass wir zu hadern beginnen und verbittern. Auch diese Einladung Jesu ist Zeichen der großen Barmherzigkeit Gottes.
Von ihm lernen wir heute noch etwas Anderes: Eine Last zu tragen, ist notwendig. Wir alle müssen ein Joch tragen, aber es kommt darauf an, welches! Gottes Kreuz, das er uns auferlegt, ist auf uns abgestimmt. Wir haben bei Jesaja gelesen, dass Gott uns durch und durch kennt. Er hat uns schließlich geschaffen und kennt so auch unsere Grenzen. Sein auferlegtes Kreuz, das „Joch“, ist leicht und drückt nicht. An anderer Stelle sagt Jesus, dass wer sein Jünger sein will, sein Kreuz auf sich nehmen und tragen muss. Wenn wir Gottes Kreuz tragen, werden wir inneren Frieden haben und vor allem gibt er uns Kraft. Wir werden über uns hinauswachsen. Dies betrifft einerseits den einzelnen Christen, der die Gebote Gottes auf sich nimmt. Gottes Willen zu leben, ist nicht schwer und gibt uns inneren Frieden. Wir erhalten die Kraft und die Gnade, seinen Willen zu tun. Wo wir an unsere Grenzen stoßen, wachsen wir über uns hinaus durch seine helfende Gnade. Auch als ganze Kirche dürfen wir und müssen wir zu ihm kommen. Wir leben in einer Glaubenskrise. Immer mehr Menschen sind dem Namen nach Mitglied der Katholischen Kirche, leben aber nicht mehr nach den Geboten und nehmen die Heilsmittel nicht in Anspruch. Immer weniger Menschen glauben an Christus und daran, dass er in der Kirche lebt und wirkt. Auch diese Last müssen wir zum Herrn bringen und um Bekehrung und Erneuerung der Kirche beten! Wie oft werden stattdessen Sitzungen und Gespräche abgehalten, menschliche Krisenbewältigung und Anstrengungen unternommen, als ob diese Dinge das eigentliche Problem lösen könnten! Dabei müssen wir zuerst zu Christus zurückkehren. In erster Linie muss der Klerus wieder geistlich werden und auf Knien um Vergebung bitten. Und auch wir, jedes einzelne Glied des Leibes, muss bei sich anfangen und umkehren. Eine im Glauben erneuerte Kirche wird wieder authentisch und missionarisch sein. Auch als Kirche das Joch Christi auf sich zu nehmen, wird fruchtbar sein, nicht das Ablegen des Jochs durch die Angleichung an den Zeitgeist.

Katharina hat dies immer mit deutlichen Worten gesagt. Sie hat nie ein Blatt vor den Mund genommen und zahlreiche Briefe an die Einflussreichen ihrer Zeit geschrieben. Sie hat den weltlichen Herrschern sowie dem Klerus unermüdlich die Leviten gelesen, dass sie umkehren und die Kirche wieder zu ihrer ersten Liebe zurückkehre. Sie war nicht gebildet, lernte erst sehr spät Lesen und Schreiben. Sie ist wahrlich eine Unmündige, die aus einer verarmten Adelsfamilie stammte. Und doch hat sie von der Offenbarung Gottes, von seiner Weisheit mehr verstanden als die Gebildeten, aber Gottfernen. Sie ist ausgestattet worden mit vielen Gaben und Charismen, durch die sie die ganze Kirche vor der größten Katastrophe aller Zeiten bewahrt hat. Sie hing ganz am Herrn, so sehr, dass ihr sogar die Wundmale Jesu Christi geschenkt worden sind. Sie hat ihre ganze Sorge dem Herrn anvertraut und er hat sie erhört. So eine große Frau – wer wagt da noch zu sagen, dass Frauen in der Katholischen Kirche keine Rolle spielen? Der Papst hat auf sie gehört! Sie hat sich erlaubt, ganz harte Worte all jenen mächtigen Männern ihrer Zeit in Briefen zu schreiben. Eine wahre Powerfrau!

Herr, wir danken dir für die heilige Katharina. Schenke uns auf ihre Fürsprache auch heute den Schutz und die Einheit durch die Krisenzeit hindurch. Dies erbitten wir durch Christus unseren Herrn. Amen.

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 5. Woche der in der Fastenzeit

Gen 17,1a.3-9; Ps 105,4-5.6-7.8-9; Joh 8,51-59

Gen 17
1 Als Abram neunundneunzig Jahre alt war, erschien der HERR dem Abram und sprach zu ihm:
3 Abram fiel nieder auf sein Angesicht. Und Gott redete mit ihm und sprach:
4 Ich bin es. Siehe, das ist mein Bund mit dir: Du wirst Stammvater einer Menge von Völkern.
5 Man wird dich nicht mehr Abram nennen. Abraham, Vater der Menge, wird dein Name sein; denn zum Stammvater einer Menge von Völkern habe ich dich bestimmt.
6 Ich mache dich über alle Maßen fruchtbar und lasse dich zu Völkern werden; Könige werden von dir abstammen.
7 Ich richte meinen Bund auf zwischen mir und dir und mit deinen Nachkommen nach dir, Generation um Generation, einen ewigen Bund: Für dich und deine Nachkommen nach dir werde ich Gott sein.
8 Dir und deinen Nachkommen nach dir gebe ich das Land, in dem du als Fremder weilst, das ganze Land Kanaan zum ewigen Besitz und ich werde für sie Gott sein.
9 Und Gott sprach zu Abraham: Du aber sollst meinen Bund bewahren, du und deine Nachkommen nach dir, Generation um Generation.

Heute hören wir aus der Genesis den Bundesschluss Gottes mit Abraham. Gott „erscheint“ ihm, auf welche Weise erfahren wir nicht. Wie so oft fällt der „Heimgesuchte“ auf sein Gesicht nieder. So ist es immer, wenn Menschen mit Gott, seinen Boten, mit Übernatürlichem in Kontakt kommen. Es ist deshalb auffällig, dass Maria nicht so reagiert, als der Engel Gabriel ihr die frohe Botschaft überbringt. Dies wird oft mit ihrer Sündenlosigkeit in Verbindung gebracht.
Gott spricht zu Abram, der heute den neuen Namen Abraham erhält, „ich bin es“. Es ist nicht das erste Mal, dass Gott zu ihm spricht. Er hat sich dem Mann zum ersten Mal offenbart, um ihn aufzufordern, von seiner Heimat wegzuziehen. Nun schaut Abraham aber etwas Übernatürliches, was eine neue Stufe der Offenbarung erreicht. Und so bestätigt Gott, dass er es ist.
Gott verheißt ihm, dass er der Stammvater einer Menge von Völkern sein werde. Aufgrund dieser Verheißung heißt er von nun an nicht mehr Abram, was „Der Vater ist erhaben“ heißt, sondern Abraham, was „Vater der Menge“ heißt.
Gott möchte ihn über alle Maßen fruchtbar machen, eine unglaubliche Verheißung für einen in die Jahre gekommenen Mann, dessen Frau unfruchtbar ist! Aber bei Gott ist nichts unmöglich und so wird er zum Typos der Jungfrau Maria. Dies wird uns auch durch den nächsten Satz deutlich, wo es heißt „Könige werden von dir abstammen.“ So ist bei Abraham David, Salomo etc. gemeint, bei Maria ist es ein König, nämlich der einzige ewige König des Gottesreiches!
Gott schließt nicht nur mit Abraham einen Bund, sondern auch mit seinen Nachkommen. Es ist sogar ein ewiger Bund, bei dem Gott den Bundespartnern Gott sein will.
Auch die Gabe des gelobten Landes Kanaan ist Inhalt der Bundesverheißung. Zu jener Zeit wohnt Abraham mit seiner Familie dort als Gast.
Gott stellt ihm diese Dinge nicht einfach in Aussicht, sondern erwartet im Gegenzug, dass Abraham und seine Nachkommen den Bund halten.
Im weiteren Verlauf, den wir heute nicht mehr hören, führt Gott als äußere Zeichen des Bundesschlusses die Beschneidung ein. Sie soll ihm als Zeichen dienen für alle nachfolgenden Generationen.
Uns wird heute wirklich klar, dass dieser Alte Bund, den Gott mit Abraham geschlossen und zu späterer Zeit immer wieder erneuern wird, weiterläuft. Der Bundesschluss, der von Zeit zu Zeit ausgeweitet wird, läuft wirklich ewig weiter und so dürfen wir nicht sagen, dass die Juden mit dem neuen Bundesschluss aus dem Heilsplan Gott herausgefallen seien. Das ist unbiblisch und das ist auch nicht Lehre der Kirche.

Ps 105
4 Fragt nach dem HERRN und seiner Macht, sucht sein Angesicht allezeit!
5 Gedenkt der Wunder, die er getan hat, seiner Zeichen und der Beschlüsse seines Munds!
6 Ihr Nachkommen seines Knechts Abraham, ihr Kinder Jakobs, die er erwählt hat.
7 Er, der HERR, ist unser Gott. Auf der ganzen Erde gelten seine Entscheide.
8 Auf ewig gedachte er seines Bundes, des Wortes, das er gebot für tausend Geschlechter,
9 des Bundes, den er mit Abraham geschlossen, seines Eides, den er Isaak geschworen hat.

Der heutige Psalm reflektiert wie so oft die Geschehnisse der Lesung. Der heutige Ausschnitt besteht aus mehreren Aufforderungen zu einem bestimmten Verhalten. Das macht ihn paränetisch:
„Fragt nach dem HERRN und seiner Macht“ – die hebräische Verbform דִּרְשׁ֣וּ dirschu ist eigentlich mit „suchet, forscht“ zu übersetzen. Es geht also darum, in allem immer den Herrn zu suchen.
„Sucht sein Angesicht allezeit!“- auch בַּקְּשׁ֖וּ baqschu kann mit „suchen“ übersetzt werden, aber auch mit „wollen, begehren, bitten“. Beide Sätze sagen etwas Ähnliches aus und sind ähnlich strukturiert, was wir Parallelismus nennen. Dem Menschen soll es immer nach dem Angesicht Gottes verlangen. Es umschreibt, was mit dem Sch’ma Israel zusammengefasst wird (Dtn 6,4ff.), die absolute Gottesliebe und deshalb das stete Interesse daran, ihn besser zu verstehen. Es geht daran, das Herz an ihn zu hängen.
So wie wir schon oft gebetet haben, ergeht auch hier die Aufforderung an uns, Gottes Heilstaten nie zu vergessen („Gedenkt der Wunder, die er getan hat…“). So werden wir nie undankbar und auch nie etwas für selbstverständlich nehmen, was Gott uns schenkt.
In Vers 6 erkennen wir einen Bezug zur Lesung, wo nämlich die Nachkommen Abrahams, die ihm heute in Gen 17 verheißen worden sind, direkt angesprochen werden. Auch wir sind dazu zu zählen. Auch wir sollen uns angesprochen fühlen mit diesen Worten. Wir denken der großen Taten Gottes mit dankbarem Herzen in jeder Eucharistie. Wir beten jeden Tag die Psalmen und loben Gott darüber hinaus mit Hymnen und anderen Lobliedern.
Gott ist der Herrscher des Alls und deshalb gilt, was er entscheidet. Alles ist seinem universalen Heilswillen unterworfen, was auch für uns sehr tröstlich ist! Das bedeutet nämlich, dass auch der Böse nur so viel anrichten kann, wie Gott zulässt. Sobald das Ende der Zeiten erreicht ist, wird Gott ihm sofort und ganz ohne Mühe Einhalt gebieten. Er wird den Bösen für immer zerstören und wir werden nie wieder leiden müssen.
Gott ist der Treue, der es wirklich ernst meinte, als er den Bund mit Abraham ewig nannte. Die tausend Geschlechter, die hier genannt werden, sind eine symbolische Zahl, sodass wir nicht anfangen müssen, Geschlechter auszurechnen. Es ist ein Code, der eine sehr lange Zeit umschreibt und im poetischen Kontext der Psalmen als Stilmittel fungiert.
Gott hält seine Versprechen und so dürfen wir gläubig ausharren, bis der verherrlichte Menschensohn wiederkommen wird am Ende der Zeiten. Er hat uns ja versprochen, dass er uns reich belohnen werde, wenn wir bis zum Schluss standhaft und wachsam gewesen sind. Und wenn es in unserem Leben schwer wird, trägt er uns hindurch, der vor dem Heimgang zum Vater sagte: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“

Joh 8
51 Amen, amen, ich sage euch: Wenn jemand an meinem Wort festhält, wird er auf ewig den Tod nicht schauen.

52 Da sagten die Juden zu ihm: Jetzt wissen wir, dass du von einem Dämon besessen bist. Abraham und die Propheten sind gestorben, du aber sagst: Wenn jemand an meinem Wort festhält, wird er auf ewig den Tod nicht erleiden.
53 Bist du etwa größer als unser Vater Abraham? Er ist gestorben und die Propheten sind gestorben. Für wen gibst du dich aus?
54 Jesus antwortete: Wenn ich mich selbst verherrliche, ist meine Herrlichkeit nichts. Mein Vater ist es, der mich verherrlicht, er, von dem ihr sagt: Er ist unser Gott.
55 Doch ihr habt ihn nicht erkannt. Ich aber kenne ihn, und wenn ich sagen würde: Ich kenne ihn nicht, so wäre ich ein Lügner wie ihr. Aber ich kenne ihn und halte an seinem Wort fest.
56 Euer Vater Abraham jubelte, weil er meinen Tag sehen sollte. Er sah ihn und freute sich.
57 Die Juden entgegneten: Du bist noch keine fünfzig Jahre alt und willst Abraham gesehen haben?
58 Jesus erwiderte ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Noch ehe Abraham wurde, bin ich.
59 Da hoben sie Steine auf, um sie auf ihn zu werfen. Jesus aber verbarg sich und verließ den Tempel.

Im Evangelium hören wir heute den Schluss des achten Kapitels, das zum langen Streitgespräch Jesu mit den Juden in Jerusalem gehört.
Jesus verheißt den Juden hier, dass sie „ewig den Tod nicht schauen“ werden, wenn sie an seinem Wort festhalten. Dies sagte er bereits gestern schon zu den gläubig gewordenen Juden. Er meint damit den seelischen Tod, der die Hölle ist. Wer am Wort Jesu festhält, hält an ihm als Person fest. Erstens ist er nämlich das fleisch gewordene Wort Gottes, zweitens ist sein verkündetes Evangelium ganz und gar mit seiner Person verknüpft. Alles, was er verkündet hat, hat er auch gelebt.
Die Juden, die ihn nicht annehmen wollen und verstockt sind, ziehen aus seinen Worten erneut einen Fehlschluss. Sie unterstellen ihm Besessenheit. Sie erkennen leider nicht die messianische Codesprache, die er immer wieder an den Tag legt. Das ist so ironisch, da sie die Hl. Schriften eigentlich am besten studiert haben. In der jüdischen Tradition gibt es bereits Überlegungen zu einem Leben nach dem Tod. Einige jüdische Gruppierungen glauben an die Auferstehung. Das alles interessiert die Gegner Jesu aber nicht, denn sie suchen vielmehr nach einem Grund, Jesus anklagen zu können.
Anhand ihrer Reaktion erkennen wir, dass sie das ewige Leben auf das irdische Dasein beziehen und deshalb von einer Besessenheit ausgehen. Die Heilsgestalten des Alten Testaments, die für sie die höchsten Autoritäten darstellen, sind ja verstorben. Sie empfinden es als Gotteslästerung und Größenwahn, dass Jesus sich höher stellt als Abraham und die Propheten.
Jesus stellt klar, dass er sich nicht selbst verherrlicht. Es handelt sich bei seinen Worten nicht um Selbstlob, was seine Herrlichkeit ja entkräften würde. Stattdessen verherrlicht der Vater ihn. Wir erkennen an dieser Stelle, dass es eine prophetische Aussage ist. Verherrlichen wird der Vater ihn vollkommen erst nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt. Doch jetzt schon ist es immer wieder ansatzweise zu erahnen – von der Taufe bis hin zu Kreuz und Auferstehung.
Er sagt den Juden noch einmal zu, was er im Abschnitt von gestern bereits gesagt hat: Sie haben den Vater nicht erkannt, sonst würden sie die Signale erkennen, die Jesus aussendet. Er offenbart den Vater und kennt ihn im Gegensatz zu den Juden. Er ist ja eins mit dem Vater, was unvergleichlich ist mit dem intensivsten und ausführlichsten Bibelstudium, durch das man nur einen kleinen Funken von Gott verstehen kann. Gott übersteigt den Buchstaben bei weitem! Und die Gegner Jesu, die eigentlich schriftgelehrt sein sollten, sind es ja eben nicht. Sie erkennen nicht mal die Erfüllung messianischer Verheißungen durch Jesus.
Jesus sagt, dass ihre hohe Autorität Abraham den Tag ersehnt hat, dass die Erlösung komme. Und nun jubelt er, weil Gott Mensch geworden ist in Jesus Christus. Die Übersetzung ist in Vers 56 ist etwas missverständlich, weil sie aus Vergangenheitsformen besteht. Die grammatikalische Form der Verben ist der sogenannte Aorist. Er drückt keine bestimmte Zeit, sondern einen Aspekt aus: Aspekte können ein punktuelles Geschehen, ein Zeitraum, ein immer wiederkehrendes Geschehen sein etc. Diese können zu jeder Zeit passieren, sodass wir hier genauer übersetzen sollten: „Abraham jubelt, weil er meinen Tag sieht“ – mit Tag kann die Menschwerdung Christi gemeint sein, aber vor allem der Tag der Auferstehung, die nämlich sein ewiges Leben bei Gott ermöglichen würde. Er wartete wie alle anderen Gerechten des Alten Testaments auf die Erlösung, damit die Tür zum Paradies sich öffne. Ebenso ist der zweite Satz zu übersetzen: „Er sieht ihn und freut sich“. Alles geschieht ja zum Zeitpunkt, als Jesus diese Worte spricht. Er wandelt als Mensch und vollbringt den Willen Gottes, bis er alles am Kreuz vollbracht hat. Statt einer normalen Gegenwartsform wird der Aorist gewählt, damit eben kein Zeitraum, sondern eine punktuelle Tätigkeit betont wird. Abraham freut sich in dem Augenblick der Erlösung! Den Aoristen kann man auch ingressiv verstehen. Das heißt er markiert den Anfang einer Tätigkeit: Abraham kann sich vom Zeitpunkt der Erlösung und schon zuvor mit der Menschwerdung Jesu Christi freuen, weil er endlich die Herrlichkeit Gottes schauen darf!
Alls das ist den Juden egal. Sie verstehen Jesu Wort überhaupt nicht, sondern sind noch verwirrter und fragen Jesus, wie er in seinen jungen Jahren schon den seit Jahrtausenden toten Abraham gesehen haben will. Da sagt Jesus eine tiefe Wahrheit, die sie aber wiederum provoziert: „Amen, amen, ich sage euch: Noch ehe Abraham wurde, bin ich.“ Da steht nicht „war ich“, sondern tatsächlich „bin ich“. Auch im Griechischen steht es so (εἰμί eimi). Jesus ist Gott, er ist nicht an eine Zeit gebunden. Er ist ewig und so gibt es bei Gott kein gestern, heute oder morgen. Diese Worte spricht Jesus als Gott, nicht als Mensch. Denn als Mensch ist er ja an Zeiten gebunden. Er ist ja in die Weltgeschichte hineingeboren. Als Gott ist er in der Ewigkeit, die ein einziges Jetzt, ein einziges Heute ist. Jesus will damit sagen, dass noch bevor Abraham geborgen wurde, er schon ist – nämlich als Gott. Er drückt hier seine Präexistenz aus, also seine Existenz schon vor seiner Menschwerdung. Dies ist von einigen häretischen Gruppen bereits in der frühen Kirche bestritten worden, die Jesu Gottheit geleugnet haben.
Die Worte sind höchst provokativ für die Juden. Schon greifen sie nach Steinen, um Jesus gemäß dem mosaischen Gesetz zu steinigen. Doch dieser verlässt den Ort, sodass sie ihn noch nicht umbringen können. Seine Zeit ist noch nicht gekommen.
Jesus hat keine Angst, Dinge zu sagen, die die Menschen in Rage versetzen. Er steht mit seinem Leben für die Wahrheit ein, die er ist. Davon können wir uns wirklich eine Scheibe abschneiden, wenn wir über unsere heutige kirchliche Verkündigung nachdenken. Was überwiegt bei uns? Die Gottesfurcht oder vielmehr die Menschenfurcht? Trauen wir uns, zu verkünden, was die Menschen von heute wütend macht, weil sie das Wort Gottes nicht in sich aufnehmen?

Jesus ist Gott und er steht weit über Abraham, der nur ein Mensch war. Gott hat sein Versprechen gehalten und so stammt von Abraham eine Masse von Menschen ab! Gott hat auch zur Zeit Jesu sein Versprechen gehalten, die Menschen zu erlösen. Er hat somit auch Abraham die ersehnte Rettung erwirkt. Er tut es auch für uns heute und wird es auch am Ende der Zeiten tun, wenn er einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird.

„Ehe Abraham wurde, bin ich.“ Auch ehe wir geboren sind, ist Jesus schon, ist Gott schon. Er hat uns schon geliebt, bevor wir geboren wurden. Er hatte schon den Heilsplan für uns bereit, bevor wir die Bühne dieser Welt betreten haben! Das ist ein Grund zum ewigen Lobpreis!

Ihre Magstrauss

Mittwoch der 5. Woche der Fastenzeit

Dan 3,14-21.49.91-92.95; Dan 3,52.53.54.55.56; Joh 8,31-42

Dan 3
14 Nebukadnezzar sagte zu ihnen: Ist es wahr, Schadrach, Meschach und Abed-Nego: Meinen Göttern dient ihr nicht und das goldene Standbild, das ich errichtet habe, verehrt ihr nicht?
15 Nun, wenn ihr bereit seid, sobald ihr den Klang der Hörner, Pfeifen und Zithern, der Harfen, Lauten und Sackpfeifen und aller anderen Instrumente hört, sofort niederzufallen und das Standbild zu verehren, das ich habe machen lassen, ist es gut; verehrt ihr es aber nicht, dann werdet ihr noch zur selben Stunde in den glühenden Feuerofen geworfen. Wer ist der Gott, der euch retten könnte aus meiner Hand?
16 Schadrach, Meschach und Abed-Nego erwiderten dem König Nebukadnezzar: Wir haben es nicht nötig, dir darauf zu antworten:
17 Siehe, unser Gott, dem wir dienen, er kann uns retten. Aus dem glühenden Feuerofen und aus deiner Hand, König, wird er uns retten.
18 Und wenn nicht, so sei dir, König, kundgetan, dass wir deinen Göttern nicht dienen und das goldene Standbild, das du errichtet hast, nicht verehren.
19 Da wurde Nebukadnezzar wütend; sein Gesicht verzerrte sich vor Zorn über Schadrach, Meschach und Abed-Nego. Er ließ den Ofen siebenmal stärker heizen, als man ihn gewöhnlich heizte.
20 Dann befahl er, einige der stärksten Männer aus seinem Heer sollten Schadrach, Meschach und Abed-Nego fesseln und in den glühenden Feuerofen werfen.
21 Da wurden die Männer, wie sie waren – in ihren Mänteln, Röcken und Mützen und den übrigen Kleidungsstücken – gefesselt und in den glühenden Feuerofen geworfen.
49 Aber der Engel des HERRN war zusammen mit Asarja und seinen Gefährten in den Ofen hinabgestiegen. Er trieb die Flammen des Feuers aus dem Ofen hinaus
91 Da erschrak der König Nebukadnezzar; er sprang auf und fragte seine Räte: Haben wir nicht drei Männer gefesselt ins Feuer geworfen? Sie gaben dem König zur Antwort: Gewiss, König!
92 Er erwiderte: Ich sehe aber vier Männer frei im Feuer umhergehen. Sie sind unversehrt und der vierte sieht aus wie ein Göttersohn.
95 Da rief Nebukadnezzar aus: Gepriesen sei der Gott Schadrachs, Meschachs und Abed-Negos. Denn er hat seinen Engel gesandt und seine Diener gerettet. Im Vertrauen auf ihn haben sie lieber den Befehl des Königs missachtet und ihr Leben dahingegeben, als dass sie irgendeinen anderen als ihren eigenen Gott verehrten und anbeteten.

Heute hören wir aus dem Buch Daniel davon, wie die Freunde Daniels verbrannt werden sollen. Das ganze Geschehen findet zur Zeit des babylonischen Exils statt. Der Babylonierkönig Nebukadnezzar hat ein Standbild anfertigen lassen und erwartet von allen Bewohnern seines Reiches dessen uneingeschränkte Anbetung. Er erwartet dies auch von den dort lebenden Juden. So wird ihm schnell zugetragen, als die Freunde Daniels Schadrach Meschach und Abed-Nego seinem Befehl nicht Folge leisten, auch die babylonischen Götter nicht verehren.
So werden sie ihm vorgeführt und er stellt sie vor die Wahl: Entweder sie führen beim Schall der Anbetungsmusik die Proskynese vor dem Standbild aus oder sie müssen im glühenden Feuerofen sterben.
Ohne zu zögern erwidern die drei Männer dem König, dass ihr Gott sie aus der Hand des Königs und aus dem Feuerofen erretten werde, wenn es sein Wille ist. Andernfalls sei es ein Zeichen für den König, dass das Sterben besser sei als der Hochverrat an ihrem Gott.
Nebukadnezzar wird wütend und lässt den Ofen übermäßig stark heizen, nämlich siebenmal stärker als sonst. Dann werden die drei Männer komplett bekleidet in den Ofen geworfen, wo sie aber nicht verbrennen, sondern frei umhergehen. Auch sieht der König über die drei Männer hinaus noch eine Engelsgestalt im Ofen („sieht aus wie ein Göttersohn“). Wir müssen es uns so denken, dass Gott den Männern einen beistehenden Engel gesandt hat, der sie in dieser Notlage unterstützt. So ist der Herr. Wenn wir ihm zuliebe unseren Kopf hinhalten, dann lässt er uns nicht im Stich, sondern gibt uns die Kraft durchzuhalten.
Dieses Zeichen der Unbeschadetheit und auch der vierten Person lässt den König zur Einsicht kommen, dass der Gott der Juden stärker ist. Er ruft ihm sogar einen Lobpreis aus! So ist er zum Anbeter geworden und nicht die drei Freunde Daniels.
Das ist höchstaktuell. Wenn wir Einflüsse anderer Religionen um uns herum bemerken, heißt das nicht, dass wir irgendwen hasserfüllt behandeln oder sogar verfolgen sollen. Dennoch sollen wir bei allem friedlichen Zusammenleben bei unserem Glauben bleiben und auch offen bekennen. Wir können nicht um des friedlichen Zusammenlebens willen unseren eigenen Glauben aufgeben und unseren Gott betrügen, dem wir durch die Taufe die Treue versprochen haben. Und wenn es ernst wird, sollen wir ihn bis aufs Blut bezeugen – unser eigenes Blut! Diese Hingabe wird die anderen so sehr berühren, dass sie Gott die Ehre geben werden. Das ist die größte Mission, die es gibt. Dann wird der Andere durch unsere konsequent gelebte Liebe positiv beeinflusst. So soll es sein und nicht die nachlassende Liebe des Christen mit falschen Kompromissen.

Dan 3
52 Gepriesen bist du, HERR, du Gott unserer Väter, gelobt und gerühmt in Ewigkeit. Gepriesen ist dein heiliger, herrlicher Name, hochgelobt und verherrlicht in Ewigkeit.
53 Gepriesen bist du im Tempel deiner heiligen Herrlichkeit, hoch gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.
54 Gepriesen bist du, der in die Tiefen schaut und auf Kerubim thront, gelobt und gerühmt in Ewigkeit.
55 Gepriesen bist du auf dem Thron deiner Herrschaft, hoch gerühmt und gefeiert in Ewigkeit.
56 Gepriesen bist du am Gewölbe des Himmels, gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.

Statt eines Psalms beten wir heute als Antwort auf die Lesung einen Ausschnitt aus dem Lobpreis der Männer im Feuerofen. Dieses kraftvolle Gebet ist es, das die Männer vor den Flammen gerettet hat zusammen mit ihrem unerschütterlichen Gottvertrauen:
Die Verse beginnen jeweils mit „gepriesen bist du“ und enden mit Wendungen wie „gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit“ oder „gelobt und gerühmt in Ewigkeit“. Der Abschluss mit dem Begriff der Ewigkeit ist eine gängige Abschlussformel jüdischer Gebete. Im heutigen Abschluss preisen die Männer den Gott ihrer Väter, der an verschiedenen Orten gedacht wird, also als allpräsenten Gott: Er ist gepriesen im Tempel der heiligen Herrlichkeit. Das ist sehr tiefsinnig. Historisch-wörtlich ist es auf den ersten Blick ausgeschlossen, denn zur Zeit, als die Männer im Feuerofen Lobpreis machen, ist der Tempel in Jerusalem zerstört. Es gibt also keinen Tempel mehr auf Erden, in dem Gottes Herrlichkeit wohnt. Wenn wir aber einen zweiten Blick darauf werfen und in der Originalsprache lesen (dieser Lobpreis ist nur auf griechisch verfasst, nicht auf Hebräisch), dann sehen wir ein Partizip für „gepriesen sein“. Partizipien dienen der Zeitlosigkeit bzw. übergreifenden Zeitspanne. So ergibt ihr Lobpreis auch auf wörtlicher Ebene Sinn, denn es spielt keine Rolle, ob der Tempel jetzt gemeint ist oder der vergangene oder zukünftige Tempel, den sie sich als Juden natürlich erhofft haben. Über diesen wörtlichen Sinn hinaus lesen wir hier schon die christologische Bedeutung. Wir erkennen den Einfluss des Hl. Geistes bei den Worten der Männer: Gepriesen sei Gott, der im Tempel seiner Herrlichkeit Mensch geworden ist! Dieser Tempel ist die Jungfrau Maria und so ist es ein Lobpreis an Christus. Wir lesen es auch ekklesiologisch weiter als Preisung der Gegenwart Gottes im allerheiligsten Sakrament. Die Kirche wird somit zum neuen „Tempel seiner Herrlichkeit“. Es liest sich auch moralisch als Lobpreis Gottes, der in uns wohnt, nämlich im Tempel der Herrlichkeit unserer Seele! Und schließlich wird es im Feuerofen der Endzeit, wenn der Antichrist auf dem Höhepunkt seiner Macht sein wird, aber nichts ausrichten kann, der letzte Lobgesang irdischer Bedrängnis. Dann werden wir Gott preisen, der im himmlischen Tempel seiner Herrlichkeit wohnt.
Die Männer preisen Gott auch als den, der auf die Tiefen schaut und auf Kerubim thront. Gott ist nicht einfach irgendwo weit weg und gleichgültig unserer irdischen Bedrängnis gegenüber. Er ist ein solidarischer Gott, der tagtäglich zürnt, wie wir vor einigen Tagen bedacht haben – ja, er reagiert auf jede Ungerechtigkeit auf die angemessenste Weise. Er hört jeden Klageschrei seiner geliebten Kinder und er begleitet sie auf all ihren Wegen. Und doch ist er der Höchste, der auf Kerubim thront. Das ist ein Bild für seine Herrschaft. Sie sind es, die ihn ohne Ende preisen und ihn deshalb bildhaft gesprochen auf den Thron heben. Dieses Bild schauen viele Propheten im Alten Testament und es wird auch in der Johannesoffenbarung aufgegriffen, wo die Engelscharen Gott ohne Ende loben und preisen.
„Gepriesen bist du auf dem Thron deiner Herrschaft“ – auch hier könnten wir uns stundenlang aufhalten. Es meint nicht nur Gott, der Himmlische, der auf dem Thron sitzt. Es meint auch den Thron der Herrschaft, den Jesus mit seiner Menschwerdung, seinem Leiden, Tod und seiner Auferstehung bestiegen hat. Wir beten im Glaubensbekenntnis, dass Jesus zur Rechten Gottes des Vaters sitzt und von dort wiederkommen wird zu richten die Lebenden und die Toten. Er ist es, der auch in unserem Leben auf dem Thron sitzt, da wir mit ihm den Taufbund eingegangen sind. Er ist die Nummer eins in unserem Leben, so herrscht er dort als König. Und wenn wir im Stand der Gnade sterben, werden wir vor Gottes Thron kommen, um auf ewig dort zu bleiben. Dann wird dieser Lobpreis unsere dauerhafte Tätigkeit sein.
„Gepriesen bist du am Gewölbe des Himmels“ – Gott ist zunächst der ganz Andere. Er ist Geist. Er ist transzendent. Für die Juden ist das ganz wichtig und so grenzt Gott sich von den Götzen der anderen Völker ab. Diese sind Geschöpfe oder bestehen aus geschaffenem Material wie Holz, Stein, Gold, Silber etc. Sie sind Teil der Schöpfung und stehen nicht über ihr. So entlarven sie sich selbst als Götzen, als Nichtigkeiten. Als der Mensch soweit war, diese absolute Transzendenz zu verstehen, ist Gott Mensch geworden. Ein neues Kapitel hat sich aufgetan, sodass Gott, der ganz und gar von seiner Schöpfung verschieden ist, sich ganz klein gemacht hat. Er wollte bei den Menschen wohnen und so um seine Braut werben. Als er alles vollbracht hat, ist er mit Leib und Seele heimgekehrt zum Vater.
Der heutige Lobpreis ist sehr tiefgründig und auch nur ein kleiner Abschnitt. Es lohnt sich, einmal das gesamte Gebet zu betrachten und auch regelmäßig zu beten! Es ist ein kraftvolles Gebet zur Abwehr des Bösen auch in heutiger Zeit!

Joh 8
31 Da sagte er zu den Juden, die zum Glauben an ihn gekommen waren: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wahrhaft meine Jünger.
32 Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch befreien.
33 Sie erwiderten ihm: Wir sind Nachkommen Abrahams und sind noch nie Sklaven gewesen. Wie
kannst du sagen: Ihr werdet frei werden?
34 Jesus antwortete ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Wer die Sünde tut, ist Sklave der Sünde.
35 Der Sklave aber bleibt nicht für immer im Haus; nur der Sohn bleibt für immer.
36 Wenn euch also der Sohn befreit, dann seid ihr wirklich frei.
37 Ich weiß, dass ihr Nachkommen Abrahams seid. Doch ihr sucht mich zu töten, weil mein Wort in euch keine Aufnahme findet.
38 Ich sage, was ich beim Vater gesehen habe, und ihr tut, was ihr von eurem Vater gehört habt.
39 Sie antworteten ihm: Unser Vater ist Abraham. Jesus sagte zu ihnen: Wenn ihr Kinder Abrahams wärt, würdet ihr die Werke Abrahams tun.
40 Jetzt aber sucht ihr mich zu töten, einen Menschen, der euch die Wahrheit verkündet hat, die ich von Gott gehört habe. So hat Abraham nicht gehandelt.
41 Ihr vollbringt die Werke eures Vaters. Sie entgegneten ihm: Wir stammen nicht aus Unzucht, sondern wir haben nur den einen Vater: Gott.
42 Jesus sagte zu ihnen: Wenn Gott euer Vater wäre, würdet ihr mich lieben; denn von Gott bin ich ausgegangen und gekommen. Ich bin nicht von mir aus gekommen, sondern er hat mich gesandt.

Das heutige Evangelium setzt an dem gestrigen an. Wir hören die Fortsetzung des Streitgesprächs Jesu mit den Juden in Jerusalem, nachdem er einen Mann von seiner Lähmung geheilt hat.
Gestern sprach er über seine eigene Erhöhung und so kamen viele Menschen zum Glauben an ihn durch den sich schließenden Kreis.
Heute spricht Jesus jene gläubig gewordenen Menschen an: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wahrhaft meine Jünger.“ Sie sind zu seinem Wort gekommen, aber das kann nicht das Ende sein. Sie müssen diese Beziehung nun aufrechterhalten. Es ist ein Aufruf zu einem Leben der treuen Nachfolge. Sein Wort ist er selbst, das fleischgewordene Wort Gottes. In ihm zu bleiben ist johanneische Sprache für den Stand der Gnade. Seine Jünger sind auch wir heute nicht nur dadurch, dass wir getauft sind, sondern dass wir diesen Taufbund treu leben. Denn die Erbschaft der Taufe können wir durch ein unwürdiges Leben wieder verspielen.
„Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch befreien.“ – Dieser Vers ist so tiefgründig und vielschichtig, dass wir an dieser Stelle betrachtend einhalten müssen: Jesus spricht dies zu den gläubig gewordenen Juden. Sie werden dies zukünftig tun, obwohl sie ja jetzt schon die Wahrheit erkannt haben, sonst wären sie nicht gläubig geworden. In Zukunft werden sie es noch anders tun, nämlich bei der Taufe, die sie empfangen werden, wenn Jesus zum Vater heimgekehrt und seine Kirche durch den Hl. Geist zum Leben erweckt hat. Dann wird diese Wahrheit, die sie auf noch umfassendere Wahrheit erkennen, nämlich wenn Jesus gestorben und wieder auferstanden ist, wenn sie die Osterbotschaft als die Wahrheit erkennen werden. Dann werden sie sie gläubig annehmen und sich taufen lassen. Durch diesen sakramentalen Bundesschluss wird die Wahrheit, die Jesus selbst ist, die Getauften befreien – nämlich aus ihrer Sünde. So wird ihnen die Aussicht auf das Himmelreich ermöglicht, doch sie müssen entsprechend leben (wie Jesus zu Anfang gesagt hat). Dieser Vers ist zu allererst auf seine Mutter zu beziehen: Sie war nämlich die Erste, die die Wahrheit erkannt hat, die Gott ist. Sie hat sie so „erkannt“, dass sie von ihm schwanger geworden ist (erkennen umschreibt in biblischer Sprache auch immer den Geschlechtsakt). Sie hat durch den Hl. Geist die Wahrheit erkannt, die in ihr als Mensch herangewachsen ist. So ist sie der Archetyp der erlösten Menschheit. Sie gehört zur neuen Schöpfung, die Gott zum ewigen Leben befreit hat. Sie ist dies auf besondere Weise, denn sie ist es von Anbeginn ihres Lebens.
So wie sie werden auch wir zum ewigen Leben befreit, wenn wir die Wahrheit erkennen. Sie befruchtet uns zwar nur auf geistige Weise, aber doch ist es eine Empfängnis, deren Früchte wir am Ende unseres Lebens ernten werden. Gebe Gott, dass es gute Früchte sind!
Dieser Vers ist auch moralisch zu betrachten: Wir Menschen werden die Wahrheit seiner Gebote erkennen und diese so verinnerlichen, dass es uns immer leichter fällt, sie ganz umzusetzen. Dann wird diese Wahrheit, die Jesus Christus selbst ist, uns schon in diesem Leben frei machen, was wir den Stand der Gnade nennen. Wir sind frei, weil wir immer weniger Sklaven unserer Sünde sind. Dann handelt es sich um eine innere Freiheit, die aus 100% Gnade und 100% Tugend besteht. Sie ergibt sich aus dem wunderbaren Teamwork des Hl. Geistes in uns und unserer eigenen Fähigkeiten.
Schließlich können wir diese Worte Jesu auf anagogische Weise deuten: Spätestens am Ende unseres Lebens werden wir die Wahrheit erkennen, weil wir den Herrn sehen werden, wie er ist (1 Joh 3,2).
Dann wird er uns zu einem neuen Leben befreien in seinem Reich, wenn wir bis dahin standhaft im Glauben geblieben sind. Dann ist es wahrhaft „vom Glauben zum Schauen.“ Dieses Erkennen wird am Ende der Zeiten ein ultimatives und endgültiges Erkennen für alle sein – für die einen ein erlösendes, für die anderen ein schmerzhaftes. Befreiend wird es für jene sein, die Gott bis dahin angenommen haben, schmerzhaft und ewig fesselnd für jene, die ihn bis zum Schluss abgelehnt haben.
Die Juden verstehen diese Sklaverei noch nicht, in der sie sich befinden. Deshalb fragen sie Jesus auch, wie er sie befreien will, wenn ihre konkrete Generation in Freiheit lebt (die Fremdherrschaft der Römer wird wohl nicht als Sklaverei, sondern als Vasallentum verstanden, dennoch gibt es Freiheitskämpfer, die als Zeloten bezeichnet werden).
Jesus erklärt es ihnen geduldig, indem er die Sklaverei als eine Gefangenschaft der Sünde erläutert.
Jesus geht noch weiter und erklärt, dass er als Sohn des Hauses wirklich umfassend befreien kann, weil er ewig im Haus bleibt. Dies ist bildhaft gemeint für das Reich Gottes, in dem er der Sohn ist. Er ist ewig dort beim Vater. So kann Jesus wirklich umfassend befreien und erlösen, sodass die Sklaven der Sünde zu Kindern im Hause Gottes werden können. Dies betrifft nicht erst die Endzeit, sondern wird sakramental mit der Kirche vorweggenommen, in welcher die Getauften zu Kindern Gottes wiedergeboren werden.
Jesus sagt den Juden, die ihm nicht gutgesinnt zu, dass sie Kinder Abrahams sind, denn sie sind ja ins Judentum hineingeboren. Doch er entlarvt auch ihre bösen Absichten, ihn zu töten, weil sie sein Wort nicht annehmen. Sie nehmen damit ihn selbst nicht auf, wodurch sie sich unfruchtbar für das Reich Gottes machen.
Jesus betont noch einmal, dass alles, was er sagt und tut, Zeugnis für den Vater ist. Er verkündet, was er beim Vater gesehen hat. Die Juden sagen dagegen nur: „Unser Vater ist Abraham.“ Jesus wendet sein Selbstzeugnis nun auf sie an und sagt: Wärt ihr Kinder Abrahams, würdet ihr auch seine Werke tun. Abraham steht für einen absoluten Glaubensgehorsam. Sie sind dagegen weder gläubig noch gehorsam. Sie nehmen Gottes Willen und Botschaft nicht an. Stattdessen wollen sie ihn mundtot machen. Er stellt heraus, dass sie nicht wie ihr Stammvater Abraham handeln. So ändern sie die Strategie und sagen: „Wir stammen nicht aus Unzucht, sondern wir haben nur den einen Vater: Gott.“ Doch auch hier stellt Jesus richtig: „Wenn Gott euer Vater wäre, würdet ihr mich lieben; denn von Gott bin ich ausgegangen und gekommen. Ich bin nicht von mir aus gekommen, sondern er hat mich gesandt.“ Jesus ist der Sohn Gottes und eins mit dem Vater. Er offenbart durch sein Sprechen, Handeln und Sein den Vater. Würden die Juden diesen wirklich zum Vater haben, würden sie auch ihn lieben, der der göttliche Sohn des Vaters ist.

Die heutigen Lesungen haben uns vieles gelehrt von Gottvertrauen und Glauben, von den Anfeindungen derer, die im Gegensatz zu den Gläubigen das Wort Gottes nicht in sich aufnehmen, egal ob Juden oder babylonischer König. Nebukadnezzar hat durch die unerschütterliche Treue der drei Männer im Feuerofen den Gott Abrahams anerkannt. Die Juden zur Zeit Jesu tun es ihm jedoch nicht gleich bzw. muss Jesus sterben, damit sich viele zu ihm bekennen und die Wahrheit erkennen. Er wird nicht verschont wie die Männer im Feuerofen. Dafür hat er die Erlösung für alle Menschen erwirkt. Danken wir ihm und preisen wir Gott für seine übergroße Liebe mit den Worten Schadrachs, Meschachs und Abed-Negos!

Ihre Magstrauss

Dienstag der 2. Woche der Fastenzeit

Jes 1,10.16-20; Ps 50,8-9.16b-17.21 u. 23; Mt 23,1-12

Jes 1
10 Hört das Wort des HERRN, ihr Wortführer von Sodom! Horcht auf die Weisung unseres Gottes, Volk von Gomorra! 
16 Wascht euch, reinigt euch! Schafft mir eure bösen Taten aus den Augen! Hört auf, Böses zu tun! 
17 Lernt, Gutes zu tun! Sucht das Recht! Schreitet ein gegen den Unterdrücker! Verschafft den Waisen Recht, streitet für die Witwen!
18 Kommt doch, wir wollen miteinander rechten, spricht der HERR. Sind eure Sünden wie Scharlach, weiß wie Schnee werden sie. Sind sie rot wie Purpur, wie Wolle werden sie. 
19 Wenn ihr willig seid und hört, werdet ihr das Beste des Landes essen. 
20 Wenn ihr euch aber weigert und auflehnt, werdet ihr vom Schwert gefressen. Ja, der Mund des HERRN hat gesprochen.

Auch heute geht es in der Lesung um Schuld und Umkehr. Diese Wochen der Fastenzeit lesen wir immer wieder solche Bibelstellen, in denen Gott sein auserwähltes Volk kritisiert und zur Umkehr aufruft. Das ist auch an uns gerichtet, die wir jetzt in der österlichen Bußzeit stehen.
„Hört das Wort des HERRN, ihr Wortführer von Sodom!“ Wir sind zwar nicht die Bewohner der realen Stadt Sodom, sinnbildlich kann man sie aber mit einem sündhaften Lebensstil in Verbindung bringen. Die Wortführer sind dann in diesem Bild jene, die in unserer heutigen Gesellschaft etwas zu sagen haben.
„Horcht auf die Weisung unseres Gottes, Volk von Gomorra!“ Sodom und Gomorra werden immer gemeinsam genannt als Städte der absoluten Gottlosigkeit und moralischen Verderbnis. Es ist ein Aufruf Gottes auch in unsere Zeit hinein, wieder auf seine Gebote zu hören. Mit „Weisung“ wird das hebräische Wort תּוֹרָה torah übersetzt, deshalb Gebote.
„Wascht euch, reinigt euch!“ ist an die Juden gerichtet zunächst wörtlich zu verstehen, denn die rituelle Reinigung erfolgt durch das Waschen mit Wasser. Dafür waren sogenannte Mikwen vorgesehen, Becken zur Ganzkörperwaschung. Gleichzeitig sehen wir schon anhand des nächsten Satzes, dass noch mehr zu waschen ist – es geht auch um eine moralische Waschung sozusagen: „Schafft mit eure bösen Taten aus den Augen!“ Die Umkehr von den bösen Taten gilt auch uns heute. Auch wir waschen uns – aber eben nicht äußerlich, sondern innerlich mit dem kostbaren Blut Jesu. Er macht uns wieder „rituell rein“, indem sein Blut unsere kleinen Vergehen reinwäscht, sein vergebendes Sakrament der Beichte auch die größeren Sünden. So können wir die Kommunion wieder empfangen und uns mit ihm vereinen. Zugleich waschen wir uns mit Wasser, nämlich mit dem lebendigen Wasser des Hl. Geistes. Tag für Tag rufen wir ihn auf uns herab, dass er uns erfülle und die Kraft für den heutigen Tag verleiht.
„Hört auf, Böses zu tun!“ Gott möchte, dass sein Volk mit den Sünden aufhört und ihm wieder nachfolgt. Es geht ihm nicht darum, ein Spaßverderber zu sein, sondern er möchte uns vor der Selbstzerstörung bewahren. Die Sünde schadet uns nämlich nur und macht uns unglücklich.
„Lernt, Gutes zu tun! Sucht das Recht!“ Gott möchte, dass auch wir seine Gebote halten und nach und nach uns darin einüben, es in Fleisch und Blut übergehen zu lassen. Er nennt auch einige Beispiele dafür, was man tun soll – nämlich barmherzige Taten vollbringen: „Schreitet ein gegen den Unterdrücker! Verschafft den Waisen Recht, streitet für die Witwen!“ Wir sollen denen helfen, die überhaupt kein Recht besitzen. Wir sollen nicht auf uns schauen, sondern auf die Anderen.
Gott kennt die Sünden seines Volkes, möchte sie aber vergeben. Er ist bereit, ihre scharlachroten und purpurnen Sünden weiß wie Schnee und Wolle zu machen. So möchte Gott auch uns von unseren Sünden reinigen. Wir müssen es aber auch annehmen und zu ihm kommen, umkehren und unsere Schuld von Herzen bereuen. Gott kann auch heute aus dem größten Sünder den größten Heiligen machen. Das geht aber nur im Teamwork. Der Mensch muss selbst dazu bereit sein und von sich aus alles ihm Mögliche dafür tun. Es gibt unter den Heiligen der Kirche etliche Beispiele davon, ob Maria Magdalena, Augustinus oder Franziskus.
„Wenn ihr willig seid und hört, werdet ihr das Beste des Landes essen“ ist eine recht bemerkenswerte Verheißung Gottes an Israel und auch an uns: Bezogen auf das Volk Israel meint es die Aussicht auf ein sorgloses und reiches Leben im verheißenen Land, in das Gott sein Volk geführt hat. Eine gute Ernte ist dabei immer Indiz für Gottes Segen. Auch uns gilt diese Verheißung, denn einerseits haben auch wir den Segen Gottes, wenn wir seine Gebote halten. Das bezieht sich dann auf unser alltägliches Leben, in dem wir genug zu essen, finanzielle Sicherheit, beruflichen Erfolg und Gesundheit haben. Das bezieht sich aber vor allem auf die Eucharistie, die wir dann empfangen dürfen. Sie ist „das Beste des Landes“, nämlich der uns ewig nährende Leib Christi, der zum Reich Gottes gehört. Und am Ende der Zeiten werden wir auf ewig „das Beste des Landes“ essen, im übertragenen Sinn natürlich, denn dann werden wir alles in Fülle haben in Gottes Anschauung.
„Wenn ihr euch aber weigert und auflehnt, werdet ihr vom Schwert gefressen.“ Das ist eine besondere Warnung, denn das Schwert ist Sinnbild des Wortes Gottes. Gott richtet den Menschen mit seinem Wort, das Jesus Christus selbst ist. Er kommt als Richter zu richten die Lebenden und die Toten. Schon hier auf Erden bekommen wir es zu spüren, damit wir noch rechtzeitig umkehren. Denn wenn es einmal zu spät ist, können wir die Zeit nicht mehr zurückdrehen und Gott wird uns beim Wort nehmen. Wenn wir uns gegen ihn entschieden haben, wird er unsere Entscheidung auf ewig akzeptieren, sodass wir in der Abgeschnittenheit Gottes bleiben müssen.
„Ja, der Mund des HERRN hat gesprochen.“ Gott meint es ernst und was wir hier in der Lesung gehört haben, ist von Gott selbst dem Propheten übergeben worden. Wir sollen es beherzigen und danach handeln, das heißt konkret: Wir sollen umkehren, besser noch heute als morgen.

Ps 50
8 Nicht wegen deiner Opfer rüge ich dich, deine Brandopfer sind mir immer vor Augen. 
9 Aus deinem Haus nehme ich keinen Stier an, keine Böcke aus deinen Hürden.
16 Was zählst du meine Gebote auf und führst meinen Bund in deinem Mund? 
17 Dabei war Zucht dir verhasst, meine Worte warfst du hinter dich.
21 Das hast du getan und ich soll schweigen? Meinst du, ich bin wie du? Ich halte es dir vor Augen und rüge dich. 
23 Wer Opfer des Dankes bringt, ehrt mich; wer den rechten Weg beachtet, den lasse ich das Heil Gottes schauen. 

Auch im Psalm hören wir heute Gottes Vorwürfe. Er tut das nie, um uns fertig zu machen, sondern um uns wachzurütteln. Er möchte, dass wir zu ihm zurückkehren, bevor es zu spät ist. Deshalb appelliert er auch im Psalm an seine geliebten Kinder. In erster Linie kritisiert er das Volk Israel und ihre Opferpraxis: „Nicht wegen deiner Opfer rüge ich dich, deine Brandopfer sind mir immer vor Augen.“ Gott sagt nicht, dass die Opferpraxis an sich falsch ist. Er hat Mose diese ja vorgegeben. Er kritisiert aber das Wie.
Deshalb sagt er ganz drastisch: „Aus deinem Haus nehme ich keinen Stier an, keine Böcke aus deinen Hürden.“ Opfer ist nicht gleich Opfer. Was er kritisiert, kritisiert auch die Äußerlichkeit esoterischer Angebote von heute, in denen ein wenig Meditation, Möbel umstellen oder Diät den „Stand der Gnade“ wiederherstellt ohne persönliche Umkehr. Das Volk Israel bringt Opfer dar, ohne gleichzeitig eine korrekte innere Haltung einzunehmen und einen bestimmten moralischen Lebenswandel aufzuweisen. Es ist absolut aktuell, wenn wir es auf uns heute beziehen: Wie viele Menschen kommen zur Messe und empfangen sogar die Kommunion, obwohl sie die Gebote überhaupt gar nicht halten und seit über vierzig Jahren nicht mehr gebeichtet haben. Wir sind heute sogar schlimmer als die Israeliten damals, denn diese trugen die Worte und Gebote Gottes noch in ihrem Mund. Sie haben sie noch aufgezählt und thematisiert, aber nicht gehalten. In unserer heutigen Zeit werden die Gebote nicht einmal mehr thematisiert. Sie werden einfach ganz fallen gelassen.
„Das hast du getan und ich soll schweigen?“ Gott kann es nicht ignorieren, weil er seine Kinder auf einen riesigen Abgrund zulaufen sieht. Er möchte nicht, dass seine Kinder verloren gehen. Er hält es ihnen vor Augen, damit sie es selbst erkennen und umkehren. So ist es auch heute: Gott kritisiert auch unsere Vergehen und unsere Gottlosigkeit, unseren Unglauben selbst innerhalb der Kirche. Er tut das nicht, weil ihm langweilig ist, sondern er möchte uns vor dem Verderben bewahren! Wir steuern mit hoher Geschwindigkeit dem ewigen Tod zu. Das möchte Gott verhindern. Die Fastenzeit ist umso mehr ein Rettungsanker oder ein Rettungsring, der uns vor dem Ertrinken bewahren kann. Wir müssen aber auch nach ihm greifen.
„Wer Opfer des Dankes bringt, ehrt mich“ ist die richtige Haltung bei der Opferung. So sollen die Israeliten opfern, so sollen auch wir opfern! Nichts Anderes ist ja die Eucharistie, die „Danksagung“ heißt. Wenn wir ein Opfer des Dankes bringen – und damit ist nicht nur die äußerlich korrekte Form gemeint, sondern vor allem unsere Haltung, mit der wir der Hl. Messe beiwohnen! – dann ist es ein gottgefälliges Opfer, das er auch annimmt.
Zugleich können wir nicht einfach nur zur Messe gehen und dann zuhause machen, was wir wollen. Auch unser alltägliches Leben soll nach seinem Willen ausgerichtet sein. Dann werden wir am Ende unseres Lebens das Heil schauen, wenn wir nämlich Gott von Angesicht zu Angesicht schauen werden.

Mt 23
1 Darauf sprach Jesus zum Volk und zu seinen Jüngern 

2 und sagte: Auf dem Stuhl des Mose sitzen die Schriftgelehrten und die Pharisäer. 
3 Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen, aber richtet euch nicht nach ihren Taten; denn sie reden nur, tun es aber nicht. 
4 Sie schnüren schwere und unerträgliche Lasten zusammen und legen sie den Menschen auf die Schultern, selber aber wollen sie keinen Finger rühren, um die Lasten zu bewegen. 
5 Alles, was sie tun, tun sie, um von den Menschen gesehen zu werden: Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren Gewändern lang, 
6 sie lieben den Ehrenplatz bei den Gastmählern und die Ehrensitze in den Synagogen 
7 und wenn man sie auf den Marktplätzen grüßt und die Leute sie Rabbi nennen. 
8 Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder. 
9 Auch sollt ihr niemanden auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel. 
10 Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen; denn nur einer ist euer Lehrer, Christus. 
11 Der Größte von euch soll euer Diener sein. 
12 Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

Auch Jesus hat die Haltung kritisiert, die schon Gott im Buch Jesaja und in den Psalmen angesprochen hat: Nur nach außen hin so tun, vielleicht sogar die Gebote lehren, sie aber nicht selbst halten.
Die Pharisäer und Schriftgelehrten sind solche Menschen, die anderen die Gebote beibringen und aufs Peinlichste genau schauen, dass sie umgesetzt werden, nicht nur die Gebote Gottes, sondern auch das menschliche Konstrukt, das sie selbst darum gebaut haben! Sie erklären die Gebote Gottes schon vollständig (auch wenn mit unnötigen Erweiterungen) und so kann man auf ihre Lehre hören. Die Menschen sollen sich aber an deren Lebenswandel nicht orientieren, da sie die Gebote nicht befolgen.
Jesus spricht die maßlose Überforderung der Menschen durch die vielen Gebote und Verbote an, die die Pharisäer und Schriftgelehrten den Menschen aufbürden. Das geht an Gottes Geboten komplett vorbei, die genauestens auf den Menschen abgestimmt sind. Gott kennt uns und er weiß genau, was wir halten können und was nicht. Selbst wollen jene Lehrer aber nichts davon befolgen. Das macht ihr ganzes Lehren unauthentisch. So ist es auch heute in der Kirche: Wie viele etliche Priester stehen am Ambo und predigen Wasser, trinken aber selbst Wein. Sie stehen überhaupt nicht hinter dem, was sie predigen und deshalb hören die Gläubigen gar nicht hin, geschweige denn fehlt die Umsetzung. Bei jenen Priestern aber, die es selbst leben, die absolut hinter dem Gesagten stehen, die überhaupt auch die Gebote Gottes noch thematisieren (die Mehrheit der Priester spricht eben nicht mehr über die Gebote Gottes…), deren Kirchen sind übervoll. Die Menschen kommen in Scharen und hängen ihnen an den Lippen, weil sie spüren, dass es authentisch ist. So war es schon mit Jesus. Er hat alles, was er gelehrt hat, auch vollkommen vorgelebt. Die Menschen konnten seine Predigt an seinem Tun genauestens ablesen und so noch tiefer verstehen. Das hat Menschen aus dem ganzen Hl. Land angezogen, die weite Reisen für seine Predigten unternommen haben.
Dagegen machen die Pharisäer alles nur, um gesehen und gelobt zu werden. Sie verlagern ihr ganzes Wirken auf das Äußere, Sichtbare und vernachlässigen das Innere komplett. Ihnen fehlt es komplett an Demut, denn sie wollen die Ehrenplätze, immer zu eine Bevorzugung.
Wenn Jesus nun sagt, dass seine Jünger sich nicht Rabbi oder Vater nennen lassen soll, müssen wir das richtig verstehen. Denn zugleich hat er sich ja von seinen Jüngern Rabbi nennen lassen und seinen Ziehvater Josef wird er auch Vater genannt haben. In diesem Kontext gelesen möchte Jesus seinen Jüngern sagen: „Ihr sollt euch nicht so nennen lassen, verlangt nicht diese Anrede.“ Sie sollen das nicht anstreben so wie die Pharisäer und Schriftgelehrten. Sie sollen nicht mit derselben Haltung ehrsüchtig sein, sondern sie sollen Demut haben. Nicht die Anrede selbst ist das Problem, sondern die Haltung und Absicht dahinter. Sie sollen im Grunde so eingestellt sein wie König David. Er war König und doch hat er seine Königschaft vom wahren König, Gott selbst, abhängig gemacht, sich dessen Königtum unterstellt. So soll das eigene Dasein als Rabbi sich vom eigentlichen und größten Rabbi definieren, Gott dem Lehrer und Geber der Gebote. Und auch als Vater soll man seine Vaterschaft von dem himmlischen Vater definieren. Als Lehrer soll man schließlich seine Gelehrsamkeit von dem eigentlichen Lehrer, Gott selbst, abhängig machen. So wird man immer demütig bleiben und nicht abheben. Darum geht es. David hat sich ja auch nicht geweigert, König genannt zu werden, aber er ist auf diese Weise auf dem Teppich geblieben. Das fasst Jesus auch zusammen, wenn er in Vers 11 damit schließt: „Der Größte von euch soll euer Diener sein.“ Das ist ein deutliches Wort für all jene, die heutzutage in der Kirche nach Macht streben und das Priestertum missverstehen, wie Jesus es in der von ihm gestifteten Kirche vorgesehen hat. Je höher die Vollmacht, desto demütiger soll der Bevollmächtigte sein.
„Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ Diese Umkehrung ist der Maßstab des Reiches Gottes. Was hier auf Erden erstrebenswert ist, nämlich die Anerkennung, die Macht und der Ruhm, sind nichtig vor Gott. Bei ihm sind erstrebenswerte Ziele die Demut, Einfachheit, Schlichtheit, das Dienen und der Gehorsam, allesamt unattraktive Einstellungen in heutiger Zeit.

Vor dem Hintergrund der Lesung betrachtet lernen wir heute, dass Umkehr unbedingt notwendig ist. Wir sollen dabei demütig erkennen, wer wir wirklich sind und wo wir Gottes Gebote nicht befolgen. Die eigene Demütigung als Schärfung des Selbstbildes durch eine realistische Lupe ist dabei der richtige Weg, wieder zu Gott zurückzukehren. Das ist ein schmerzhafter Prozess, denn es geht gegen das eigene Ego, doch nur so können wir das ewige Heil erlangen. Hochmut hindert uns dagegen daran, durch die Tür des Himmelreiches zu kommen. Nutzen wir die momentane Zeit der Gnade und gehen wir in uns, legen wir die Realitätslupe an, mit der wir unser armseliges Ich erkennen. Legen wir dagegen die Schablone Jesu an und kehren wir um zu seine Demut, zu seinem Dienen, zu seiner Umsetzung der Gebote Gottes. Nur so können wir auf ewig glücklich werden.

Ihre Magstrauss

Dienstag der 4. Woche im Jahreskreis

2 Sam 18,6.9-10.14b.24-25a.30 – 19,3; Ps 86,1-2.3-4.5-6; Mk 5,21-43

2 Sam 18
6 Die Leute zogen ins Feld, den Israeliten entgegen, und im Wald Efraim kam es zur Schlacht.
9 Plötzlich kam Abschalom in das Blickfeld der Krieger Davids; er ritt auf einem Maultier. Als das Maultier unter den Ästen einer großen Eiche hindurchlief, blieb Abschalom mit dem Kopf fest an der Eiche hängen, sodass er zwischen Himmel und Erde schwebte und das Maultier unter ihm weglief. 
10 Jemand sah es und meldete Joab: Ich habe gerade Abschalom an einer Eiche hängen sehen.
14 Und er nahm drei Spieße in die Hand und stieß sie Abschalom, der noch lebend an der Eiche hing, ins Herz.
24 David saß zwischen den beiden Toren. Der Späher aber war auf das Dach des Tores, auf die Mauer, gestiegen, und als er Ausschau hielt, sah er einen einzelnen Mann herbeilaufen. 25 Der Späher rief dem König die Meldung zu. Der König sagte: Wenn er allein ist, dann bringt er eine gute Nachricht. 
25 Während der Mann herankam,
30 Der König befahl: Tritt zur Seite und stell dich hierher! Ahimaaz trat zur Seite und blieb dort stehen. 
31 Da kam auch der Kuschiter und sagte: Mein Herr, der König, lasse sich die gute Nachricht bringen, dass der HERR dir heute Recht verschafft hat gegenüber allen, die sich gegen dich erhoben hatten. 
32 Der König fragte den Kuschiter: Geht es dem Jungen, Abschalom, gut? Der Kuschiter antwortete: Wie dem jungen Mann möge es allen Feinden meines Herrn, des Königs, ergehen, allen, die sich in böser Absicht gegen dich erhoben haben.
1 Da zuckte der König zusammen, stieg in den oberen Raum des Tores hinauf und weinte. Während er hinaufging, rief er: Mein Sohn Abschalom, mein Sohn, mein Sohn Abschalom! Wäre ich doch an deiner Stelle gestorben, Abschalom, mein Sohn, mein Sohn! 
2 Man meldete Joab: Der König weint und trauert um Abschalom. 
3 So wurde der Tag der Rettung für das ganze Volk zu einem Trauertag; denn die Leute hörten an diesem Tag: Der König ist voll Schmerz wegen seines Sohnes.

Heute hören wir das tragische Ende des Davidssohnes. Auch heute wird ein Ausschnitt verlesen, nachdem mehrere Kapitel übersprungen worden sind. Diese fasse ich im Folgenden kurz zusammen: Abschalom versucht mit seinem Heer, David nachzusetzen, der sich verstecken kann. Botschafter müssen sich im Brunnen verstecken, um von Abschaloms Leuten nicht gesehen zu werden und David die Absichten seines Sohnes ausrichten zu können. Verschiedene Angriffsstrategien werden überlegt. Als es schließlich so aussieht, dass eine Schlacht zustande kommt, bittet David seine drei Kriegsführer, mit seinem Sohn schonend umzugehen. So kommt es im Wald Efraim zur Schlacht zwischen den Israeliten und den Leuten Davids, wobei letztere die Israeliten haushoch besiegen. Davon lesen wir nun in der Lesung. Schließlich passiert etwas Unerwartetes. Die Schlacht trägt sich ja in einem Wald zu und Abschalom reitet auf einem Maultier. Plötzlich bleibt er mit dem Kopf im Geäst einer Eiche hängen und das Tier reitet unter ihm weg. Joab nutzt den Moment und rammt Abschalom drei Spieße ins Herz. Das ist eigentlich nicht, was David von seinem Heerführer verlangt hat. Dieser hätte seinen Sohn verschonen sollen.
Dementsprechend tief fällt David in Trauer, als er vom Tod seines Sohnes erfährt. Er sagt sogar bei sich „wäre ich doch für dich gestorben“. So ist der Tag des Sieges zu einem Trauertag geworden, denn David hat noch einen Sohn verloren.
Diese ganze grausame Geschichte wird hier im zweiten Samuelbuch ganz wertfrei geschildert. Es wird nicht moralisch bewertet, was passiert ist. Alles, auch die Abwege der Israeliten, ist Wort Gottes, denn es gehört zur Heilsgeschichte dazu. Und alles, selbst diese grausame Episode, kann uns heute noch etwas sagen. Schon allein Davids Verhalten beim Tod seines Sohnes kann uns etwas zeigen: Sein eigener Sohn ist zu seinem Erzfeind geworden und doch liebte er ihn von Herzen. So ist die Liebe Gottes des Vaters, so ist die Liebe eines jeden menschlichen Vaters und jeder Mutter. Was das Kind auch tut, die Liebe zu ihm hängt nicht von dessen Verhalten ab. Eltern lieben ihre Kinder so, wie sie sind, aber sie heißen nicht alle Taten des Kindes gut. Die göttliche Liebe ist so hingebungsvoll und opferbereit, dass Gott lieber selbst stirbt, als dass der Mensch sein ewiges Leben verspielt. Was David hier noch im Zuge der Trauer sagt („Wäre ich doch an deiner Stelle gestorben“), setzt Gott tatsächlich um. Er stirbt für uns am Kreuz, damit unser ewiges Leben nicht stirbt, das heißt damit wir nicht verloren gehen. Wir sehen, wie Gott ist, wenn wir die hingebende Liebe unserer Eltern als Beispiel nehmen und ins Vielfache steigern.
Am Ende hat Abschalom seinen eigenen Vater nicht vom Thron stoßen können, weil dieser gesalbt ist. Er steht mit Gott in einem Bund und ist deshalb unter seinem Schutz. Gott hat einen Heilsplan mit uns Menschen und wir können nicht gegen ihn angehen. Natürlich überlässt er uns die Entscheidung, ob wir den Bund mit ihm eingehen oder nicht. Kein Mensch kann diesen Bund aber zerstören, den der Andere mit Gott eingegangen ist. Das können wir ganz eindrücklich am Ehebund sehen, denn es heißt bei der Eheschließung: „Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ Nicht einmal der apostolische Stuhl kann an einer gültig geschlossenen und vollzogenen Ehe rütteln.

Ps 86
1 Ein Bittgebet Davids. Neige dein Ohr, HERR, und gib mir Antwort, denn elend und arm bin ich! 
2 Beschütze mich, denn ich bin dir ergeben! Rette, du mein Gott, deinen Knecht, der auf dich vertraut! 
3 Mein Herr, sei mir gnädig, denn zu dir rufe ich den ganzen Tag! 
4 Erfreue die Seele deines Knechts, denn zu dir, mein Herr, erhebe ich meine Seele! 
5 Denn du, mein Herr, bist gut und bereit zu vergeben, reich an Liebe für alle, die zu dir rufen. 
6 Vernimm, HERR, mein Bittgebet, achte auf mein lautes Flehen! 

Heute beten wir einen Bittpsalm passend zur Lesung. Gott soll sein Ohr neigen, das heißt, Davids Bitte erhören. Dieser betet voller Trauer und klammert sich an den HERRN. „Elend und arm“ ist der Beter, weil er seinen Sohn verloren hat. Er ist es zunächst, weil sein eigener Sohn mit den Ältesten Israels nach seinem Leben trachtet. Deshalb betet David auch „beschütze mich, denn ich bin dir ergeben!“ Das hebräische Wort für „ergeben“ ist חָסִ֪יד chasid. Es heißt wörtlich „ich bin ein Jünger“. David bittet Gott um Schutz, weil er sein Jünger ist, weil er ihm nachfolgt. David ruft Gott „den ganzen Tag“. Die hebräische Verbform אֶ֝קְרָ֗א ist dabei eine sogenannte PK-Form. Diese ist entweder präsentisch oder futurisch zu übersetzen. Einerseits besagt Davids Satz hier also, dass er den ganzen Tag Gott anruft, andererseits, dass er es zukünftig tun wird. Es wird so zum Versprechen. Ebenso ist es mit dem nachfolgenden Vers, da auch dort als Argumentation für die Bitte eine Handlung als PK-Form ausgedrückt wird („denn zu dir (…) erhebe ich meine Seele!“). Das Verb für „erheben“ ist אֶשָּֽׂא esa. David sagt also, dass er es jetzt schon tut, es aber in Zukunft auch tun wird. An dieser Stelle möchte ich auf das Wort für „Seele“ eingehen. Im Alten Testament gibt es keine strikte Trennung des Menschen in Seele und Leib, so als ob das eine irgendwie wirken kann, beeinflusst werden kann ohne den Rest. Das Wort an dieser Stelle ist נַפְשִׁ֥י nafschi. Es ist eigentlich zu übersetzen mit „mein Leben“. Es meint die gesamte Existenz und nicht nur einen bestimmten Teil im Menschen. David erhebt also sein ganzes Leben zu Gott in dem Sinne, dass er sein ganzes Dasein auf Gott ausrichtet, ohne etwas für sich zu behalten. Gott soll die נֶ֣פֶשׁ nefesch, also das ganze Leben Davids erfreuen, weil dieser sein Leben Gott ganz widmet. Das ist für uns ein gutes Beispiel. Auch wir müssen Gott unser ganzes Leben hinhalten, wenn wir möchten, dass er es verwandelt. Dies tut er nur, wenn wir es ihm freiwillig überlassen. Und er tut es gern. Das bedeutet auch, dass er uns das ewige Leben schenken möchte.
David ist bereits vergeben worden, was er damals getan hat. Er hat die vergebende Liebe Gottes erfahren und kann deshalb umso vertrauensvoller beten: „Denn du, mein Herr, bist gut und bereit zu vergeben, reich an Liebe für alle, die zu dir rufen.“ Angesichts der Lesung können wir uns fragen, wem Gott hier denn vergeben soll. David hat diesmal nichts Unrechtes getan, sondern trägt die Konsequenzen seiner damaligen Sünde. Gestern realisierten wir auch, dass David das erkannt hat. Vielmehr scheint dieser Bittpsalm heute ein Fürbittgebet für seinen Sohn zu sein. Dieser versündigt sich gegen Gottes Bundesschluss mit David und auch gegen den eigenen Vater. So bittet David um die Rettung seines Sohnes, der nach dem Leben seines Vaters trachtete, doch die Tat nicht umsetzen konnte wegen seines frühzeitigen Todes.
Gott ist wirklich ein barmherziger Gott und bereit, unsere Schuld zu vergeben. Wir müssen seine Barmherzigkeit aber auch annehmen. So tut es David immer wieder, so tut es später auch Petrus, so tut es der verlorene Sohn im Gleichnis Jesu. So tun es die Gläubigen, die zur Beichte kommen. Dann umarmt Gott die Menschen bereitwillig mit seiner vergebenden Liebe und verändert das Leben jedes Reumütigen.

Mk 5
21 Jesus fuhr wieder ans andere Ufer hinüber und eine große Menschenmenge versammelte sich um ihn. Während er noch am See war, 

22 kam einer der Synagogenvorsteher namens Jaïrus zu ihm. Als er Jesus sah, fiel er ihm zu Füßen 
23 und flehte ihn um Hilfe an; er sagte: Meine Tochter liegt im Sterben. Komm und leg ihr die Hände auf, damit sie geheilt wird und am Leben bleibt! 
24 Da ging Jesus mit ihm. Viele Menschen folgten ihm und drängten sich um ihn. 
25 Darunter war eine Frau, die schon zwölf Jahre an Blutfluss litt. 
26 Sie war von vielen Ärzten behandelt worden und hatte dabei sehr zu leiden; ihr ganzes Vermögen hatte sie ausgegeben, aber es hatte ihr nichts genutzt, sondern ihr Zustand war immer schlimmer geworden. 
27 Sie hatte von Jesus gehört. Nun drängte sie sich in der Menge von hinten heran und berührte sein Gewand. 
28 Denn sie sagte sich: Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt. 
29 Und sofort versiegte die Quelle des Blutes und sie spürte in ihrem Leib, dass sie von ihrem Leiden geheilt war.
30 Im selben Augenblick fühlte Jesus, dass eine Kraft von ihm ausströmte, und er wandte sich in dem Gedränge um und fragte: Wer hat mein Gewand berührt? 
31 Seine Jünger sagten zu ihm: Du siehst doch, wie sich die Leute um dich drängen, und da fragst du: Wer hat mich berührt? 
32 Er blickte umher, um zu sehen, wer es getan hatte. 
33 Da kam die Frau, zitternd vor Furcht, weil sie wusste, was mit ihr geschehen war; sie fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit. 
34 Er aber sagte zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dich gerettet. Geh in Frieden! Du sollst von deinem Leiden geheilt sein. 
35 Während Jesus noch redete, kamen Leute, die zum Haus des Synagogenvorstehers gehörten, und sagten: Deine Tochter ist gestorben. Warum bemühst du den Meister noch länger? 
36 Jesus, der diese Worte gehört hatte, sagte zu dem Synagogenvorsteher: Fürchte dich nicht! Glaube nur!
37 Und er ließ keinen mitkommen außer Petrus, Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus. 
38 Sie gingen zum Haus des Synagogenvorstehers. Als Jesus den Tumult sah und wie sie heftig weinten und klagten, 
39 trat er ein und sagte zu ihnen: Warum schreit und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, es schläft nur. 
40 Da lachten sie ihn aus. Er aber warf alle hinaus und nahm den Vater des Kindes und die Mutter und die, die mit ihm waren, und ging in den Raum, in dem das Kind lag. 
41 Er fasste das Kind an der Hand und sagte zu ihm: Talita kum!, das heißt übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf! 
42 Sofort stand das Mädchen auf und ging umher. Es war zwölf Jahre alt. Die Leute waren ganz fassungslos vor Entsetzen. 
43 Doch er schärfte ihnen ein, niemand dürfe etwas davon erfahren; dann sagte er, man solle dem Mädchen etwas zu essen geben.

Heute hören wir ein komplexeres Evangelium, das es in sich hat.
Jesus ist wieder am ursprünglichen Ufer des Sees Gennesaret angekommen und dort sammeln sich wieder viele Menschen um ihn. Da kommt Jairus, ein Synagogenvorsteher zu Jesus und wirft sich vor ihm nieder. Er fleht ihn von Herzen an, dass er seine sterbende Tochter heile. Jairus betet inbrünstig wie David im heutigen Psalm. Es ist dieselbe Haltung eines Vaters im Gebet für sein Kind und Jesus ist gerne bereit, ihm zu helfen. So machen sie sich auf den Weg zu ihm nach Hause. Doch Jesus hat einen noch größeren Plan.
Während sie sich durch die Masse drängen, spürt Jesus, wie eine Kraft von ihm ausströmt. Jesus weiß schon längst, wer ihn berührt hat, was für ein Leben diese Person geführt hat und wie ihr Innenleben ist. Er weiß schon längst alles und fragt doch ganz bewusst: „Wer hat mein Gewand berührt?“
Es ist eine unscheinbare Frau voller Glauben. Keiner hat sie beachtet und doch hat sie mit ihrer Aktion sehr viel Mut bewiesen. Denn es handelt sich um eine seit zwölf Jahren blutflüssige Frau. Ihre Blutungen machen sie kultisch dauerhaft unrein und sie kann weder am Gottesdienst teilnehmen, noch irgendwelche sozialen Kontakte pflegen. Andere Juden werden durch den Kontakt zu ihr ja auch kultisch unrein und meiden sie deshalb. Sie ist eine seit Jahren isolierte Frau, die es dennoch gewagt hat, sich in eine Menschenmenge zu begeben. Noch mehr: Ihr Glaube ist so stark, dass er die Furcht vor den kultischen Reinheitsgeboten übertrumpft. Sie vertraut so sehr, dass ihre Berührung Jesus kultisch nichts anhaben kann, weil er der Sohn Gottes ist.
Eigentlich ist Jesus unterwegs zu Jairus‘ Tochter und doch widmet er sich der blutflüssigen Frau. Erstens möchte er ihr mit der Aufmerksamkeit zeigen, wie die Liebe des Vaters ist: Er liebt jeden Einzelnen so, als wäre er der Einzige auf der Welt. Zweitens möchte Jesus den Glauben der Frau den Umstehenden als Glaubensbeispiel heranziehen und sie zugleich in die Gesellschaft wieder eingliedern. Ihr Glaube ist so stark, dass sie die kultischen Reinheitsgebote aufs Spiel setzt. Sie glaubt sogar so stark, dass sie nicht mal Jesus selbst, sondern nur sein Gewand berühren muss. Er ruft deshalb in die Menge: „Wer hat mein Gewand berührt?“. Sie soll sich outen, damit es jeder mitbekommt als Glaubenszeugnis. Zitternd vor Furcht stellt sie sich der Aufmerksamkeit Gottes. Sie hat Angst, weil sie genau weiß, dass sie gegen die jüdischen Gesetze gehandelt hat. Sie hat Angst, dass die Menschen um sie herum sie bestrafen werden. Drittens ist die ganze Situation eine Lektion für Jairus, der Jesus ja zum Weitergehen drängt. Jede Sekunde zählt, um seine sterbende Tochter zu retten. Jesus möchte ihm etwas beibringen: Gott erhört unsere Bitten sehr gern und bereitwillig, aber eben nicht immer nach unseren Vorstellungen. Er tut es manchmal sogar ganz anders oder im Gegenteil dessen, was wir erbeten haben – nicht weil er uns quälen will, sondern weil er dadurch noch viel mehr Heil bringen möchte. So verzögert sich das Kommen Jesu zur Tochter des Synagogenvorstehers nicht, weil sie Jesus egal ist. Er möchte ein noch viel größeres Zeichen wirken, als Jairus von ihm erbeten hat. Durch das, was nun kommt, möchte er nämlich nicht nur ein biologisches Leben retten, sondern auch den Glauben der Anwesenden stärken.
Der worst case tritt ein. Bevor sie Jairus‘ Haus schließlich erreichen, ist seine Tochter verstorben und Angehörige fangen die Gruppe mit Jesus und Jairus unterwegs ab. Sie geben richtig auf und sagen sogar: „Warum bemühst du den Meister noch länger?“ Jesus ermutigt entgegen aller Erwartungen Jairus dazu, es der gerade bezeugten blutflüssigen Frau gleichzutun – zu glauben und sich nicht zu fürchten. Jesus hat Jairus bewusst diese Frau vor Augen geführt und in seiner Gegenwart die Heilung vorgenommen mit den abschließenden Worten: „Dein Glaube hat dich gerettet.“ Jairus sollte innerlich auf das Kommende vorbereitet werden.
Sie gehen jedenfalls weiter bis zum Haus und Jesus nimmt die drei Jünger Petrus, Jakobus und Johannes mit. Auch diese sollen heute etwas lernen.
Die Trauer über das zwölfjährige Kind ist groß. Es ist kein Zufall, dass ihr Alter dem Zeitraum der Krankheit der blutflüssigen Frau entspricht. Beide Heilungen hängen zusammen. In beiden Fällen geht es um kultische Verunreinigung. Im ersten Fall ist es der blutige Ausfluss der Frau, im zweiten Fall ist es der Tod des Mädchens, der alle verunreinigt, die zu ihr ins Haus gehen. Dies erklärt unter anderem, warum Jesus nicht so viele Menschen mit ins Haus nimmt. Er tut es aber auch wegen des Zeichens, das er wirken möchte und das nicht weitererzählt werden soll: die Totenerweckung.
Die dort anwesenden Menschen verspüren heftige Trauer und weinen sehr. Wir erinnern uns an König David, der sein eigenes Kind verloren hat. Der Schmerz über den Tod des eigenen Kindes ist eines der grausamsten Dinge, die man im Leben erfahren kann. So muss sich auch Gott gefühlt haben beim grausamen Tod seines Sohnes. So muss es auch Maria ergangen sein, der ein Schwer durchs Herz ging, wie Simeon ihr angekündigt hat. Wie sehr wird Gott über jene geweint haben, die ihn abgelehnt, ausgeliefert und hingerichtet haben? Wie sehr weint er über den Verlust des ewigen Lebens seiner geliebten Geschöpfe, die seine Liebe auch heute nicht annehmen und ihn bis zum Schluss ablehnen?
Jesus sagt den Menschen zu, dass das Kind nicht tot sei, sondern schlafe. Womöglich ist das Kind in eine Art Koma gefallen. Was auch immer mit dem Kind passiert ist, die Menschen sind sehr ungläubig. Sie lachen Jesus aus und scheinen seine Worte nicht einmal in Betracht zu ziehen. So ist es immer wieder. Jesus wird verspottet, obwohl er Gott ist. Wir in seiner Nachfolge erfahren bis heute genau dasselbe. Wo wir mutig zur Wahrheit stehen, werden wir ausgelacht, insbesondere wo das gesellschaftliche Umfeld besonders atheistisch ist. Dann wird das Gesagte nicht einmal als eine Alternative unter vielen angesehen. Das Wort Gottes wird einfach als Ganzes abgelehnt.
Wer ungläubig ist und somit zum Gegenbild der blutflüssigen Frau wird, soll das Haus verlassen. Nur die Familie, Jesus und seine drei Jünger bleiben. Jesus geht zum Mädchen, fasst sie bei der Hand, wie er immer wieder die zu Heilenden bei der Hand fasst, und sagt zu ihr „Talita kum“, „Mädchen, steh auf“. Er richtet die Menschen immer auf, nicht nur körperlich, sondern seelisch, psychisch, gesellschaftlich, einfach umfassend. Er richtet den Glauben vieler Menschen auf, wo diese Heilungen geschehen. Er heilt also nie einfach nur offensichtlich den körperlich Kranken, sondern immer die ganzen Anwesenden gleich seelisch mit. Dabei hat Jesus keine Mühe. Er fasst die Tochter des Jairus einfach und sie steht direkt auf. Jesus ist Gott und muss deshalb keine Anstrengung aufwenden wie z.B. der Prophet Elija beim Jungen in 1 Kön 17. In beiden Fällen lässt Gott den tödlichen Krankheitsverlauf zu, damit er an den Leidenden seine Herrlichkeit offenbaren kann und die Familien zum Glauben an ihn kommen. Bei Gott gibt es nie ein „zu spät“. Wenn er unserem Empfinden nach erst spät eingreift, ist es seiner wunderbaren Vorsehung nach genau der richtige Zeitpunkt. Wir sehen als Menschen nur unsere derzeitige Situation und im Leiden ist unser Blick noch eingeschränkter. Gott sieht aber stets das Gesamtbild und so dürfen wir ihm bei seinem Timing und in der Art und Weise seiner Gebetserfüllung vertrauen. Gott ist so sensibel, dass er Jairus durch die Heilung der blutflüssigen Frau auf die richtige Glaubenshaltung vorbereitet. Hätte Jesus seine Tochter schon geheilt, bevor sie „gestorben“ wäre, wäre sein Glaube und jener seiner Familie vielleicht gar nicht so gestärkt worden.
Jesus schärft den Zeugen dieser Heilung ein, es nicht zu verbreiten. Der Grund ist der übliche: Einerseits soll eine sofortige Verhaftung Jesu vermieden werden, andererseits die Lektion Gottes nicht beeinflusst werden – die Juden sollen von selbst auf Jesu Messianität kommen.
Der letzte Vers ist typisch für Heilungen, in denen Menschen ins Leben zurückversetzt werden. Es betont, dass die wieder Lebendigen ganz leibhaftig zurück sind. Sie essen wieder, weil sie einen echten lebendigen Körper haben und biologisch wieder gestärkt werden müssen nach der Krankheit. Zurückkehrender Appetit ist ein Signal für die zurückgekehrte Gesundheit.

Wir lernen heute, dass Jesus als Gott immer wieder mitten in die kultische Unreinheit geht, um Menschen wieder in die Reinheit zu führen. Was er durch die Heilungen tut, ist vor allem die Stärkung des Glaubens Anderer. Er zeigt durch die körperlichen Heilungen auch, was Gott eigentlich mit unserer Seele tut: Was unrein sein kann, ist das Herz, von dem die bösen Gedanken, Worte und Werke ausgehen. Dieses ist es, das wieder gereinigt werden soll. Dieses Herz kann auch sterben und so das ewige Leben verloren gehen. Das ist viel gravierender für Gott, denn was wir dann verlieren, ist ein ewiger Verlust. Das hat König David schon verstanden und deshalb um Gottes Vergebung gebeten, nicht dass dieser seinen Sohn Abschalom wieder lebendig macht.
Wir lernen heute, wie die Liebe des Vaters zu uns Geschöpfen ist. Er lässt sich lieber ans Kreuz schlagen, als dass er auch nur ein einziges seiner Geschöpfe auf ewig verliert. Er möchte jedes Herz für sich gewinnen und tut deshalb diese Sühne am Kreuz, indem er sein Kostbarstes, seinen einzigen Sohn für uns dahingibt. Schließlich steht unser ewiges Leben auf dem Spiel. Darum geht es immer zuerst.
Jesus nimmt auch seine Aposteln mit zur Erweckung des Mädchens, um sie auf seine eigene Auferstehung vorzubereiten. Der Vater wird ihn von den Toten auferwecken, der im Gegensatz zum Mädchen nicht schlafen wird, sondern wirklich sterben wird. Und diese ultimative Heilstat wird nicht nur ein paar Zeugen zum Glauben führen, sondern eine riesige Menschenmenge! Wir sehen heute, wie viele Menschen an Jesus glauben und dafür sogar in den Tod gehen – denn sie haben verstanden, dass es um das ewige Leben geht.
Wir lernen noch eine wichtige Sache heute: Unser ganzes Dasein hängt von Gott ab. Wir tun und machen, wir bemühen uns und investieren unser ganzes Geld in Gesundheit und Wohlergehen. Letztendlich kann aber nur einer unser Leben lebenswert machen – und das ist Gott. Wir gehören nicht uns selbst und auch unsere Kinder sind nicht unser Eigentum. Alles ist gottgeschenkt, vielmehr noch gottgeliehen. So nimmt er es manchmal wieder zurück, ohne uns freilich etwas noch viel Besseres zurückzugeben! Bezogen auf Gesundheit und Krankheit heißt das, dass wir uns nicht selbst heilen können und kein Arzt jede Krankheit heilen kann. Eine wirklich umfassende äußere und innere Heilung, die ewig anhält, kommt nur von Gott.

Ihre Magstrauss

Dienstag der 2. Woche im Jahreskreis

1 Sam 16,1-13; Ps 89,20-21.22 u. 29.27-28; Mk 2, 23-28

1 Sam 16
1 Der HERR sagte zu Samuel: Wie lange willst du noch um Saul trauern? Ich habe ihn doch verworfen; er soll nicht mehr als König über Israel herrschen. Fülle dein Horn mit Öl und mach dich auf den Weg! Ich schicke dich zu dem Betlehemiter Isai; denn ich habe mir einen von seinen Söhnen als König ausersehen. 

2 Samuel erwiderte: Wie kann ich da hingehen? Saul wird es erfahren und mich umbringen. Der HERR sagte: Nimm ein junges Rind mit und sag: Ich bin gekommen, um dem HERRN ein Schlachtopfer darzubringen.
3 Lade Isai zum Opfer ein! Ich selbst werde dich dann erkennen lassen, was du tun sollst: Du sollst mir nur den salben, den ich dir nennen werde.
4 Samuel tat, was der HERR befohlen hatte. Als er nach Betlehem kam, gingen ihm die Ältesten der Stadt zitternd entgegen und fragten: Bedeutet dein Kommen Frieden? 
5 Er antwortete: Frieden. Ich bin gekommen, um dem HERRN ein Schlachtopfer darzubringen. Heiligt euch und kommt mit mir zum Opfer! Dann heiligte er Isai und seine Söhne und lud sie zum Opfer ein.
6 Als sie kamen und er den Eliab sah, dachte er: Gewiss steht nun vor dem HERRN sein Gesalbter. 
7 Der HERR aber sagte zu Samuel: Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt, denn ich habe ihn verworfen; Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der HERR aber sieht das Herz. 
8 Nun rief Isai den Abinadab und ließ ihn vor Samuel treten. Dieser sagte: Auch ihn hat der HERR nicht erwählt. 
9 Isai ließ Schima kommen. Samuel sagte: Auch ihn hat der HERR nicht erwählt. 
10 So ließ Isai sieben seiner Söhne vor Samuel treten, aber Samuel sagte zu Isai: Diese hat der HERR nicht erwählt. 
11 Und er fragte Isai: Sind das alle jungen Männer? Er antwortete: Der jüngste fehlt noch, aber der hütet gerade die Schafe. Samuel sagte zu Isai: Schick jemand hin und lass ihn holen; wir wollen uns nicht zum Mahl hinsetzen, bevor er hergekommen ist. 
12 Isai schickte also jemand hin und ließ ihn kommen. David war rötlich, hatte schöne Augen und eine schöne Gestalt. Da sagte der HERR: Auf, salbe ihn! Denn er ist es. 
13 Samuel nahm das Horn mit dem Öl und salbte David mitten unter seinen Brüdern. Und der Geist des HERRN war über David von diesem Tag an. Samuel aber brach auf und kehrte nach Rama zurück.

Heute hören wir davon, dass nun der König gesalbt wird, den Gott eigentlich für das Volk Israel auserwählt hat – David, den Sohn Isais aus dem Stamm Juda. Schon im Pentateuch, in den fünf Büchern Mose ist es angedeutet worden, dass der verheißene Herrscher aus dem Stamm Juda kommen würde. Nun ist die Zeit gekommen, die Gott für das Volk ausersehen hat.
Samuel schmerzt die Sache mit Saul offensichtlich länger als uns durch die Texte bisher vermittelt worden ist. Gott tröstet ihn über Saul hinweg, indem er ihn auf die Zukunft verweist. Er soll den verheißenen König salben, der in Bethlehem wohnt. Gott sagt ihm aber nicht, welchen der Söhne Isais er auserwählt hat. Samuel hat Bedenken, weil Saul ja noch amtierender König ist und er durch die Salbung eines anderen seinen Zorn auf sich ziehen wird. Gott beschützt den Propheten aber und trägt ihm auf, er solle ein Schlachtopfer zum Vorwand nehmen. So zieht Samuel zu Isai und lädt diesen zum Opfer ein zusammen mit den Ältesten der Stadt.
Dann beginnt ein amüsantes Zwiegespräch zwischen Samuel und Gott, während er Isais Söhne sieht und überlegt, welchen von diesen Gott salben möchte. Gott erklärt Samuel dann, dass er nicht auf das Aussehen der Söhne achten soll. Gott sieht auf das Herz und entscheidet daran. Das ist ein wichtiges Wort auch für uns heute: Gott sieht auf das Herz des Menschen und richtet ihn danach am Ende seines Lebens. Was auch immer der Mensch nach außen hin vorgibt, selbst das Halten der Gebote, es stellt sein Gerechtsein vor Gott nicht sicher, wenn das Halten der Gebote nicht mit der rechten Absicht geschieht. Und umgekehrt ist nicht jeder Mensch, der nach außen hin für andere erkennbar etwas Böses tut, automatisch schlechter vor Gott als der Urteilende, der diese Sünde vielleicht nicht begeht. Gott allein sieht die Herzen der Menschen und ihm allein steht das Urteil zu. Vielleicht ist der offensichtliche Sünder echter und demütiger, reumütiger und bemühter, Gottes Willen zu tun als der versteckte Sünder, dessen Inneres ganz verdorben, unbußfertig und selbstgerecht ist. Wir sehen es ja nicht. Deshalb sagt Jesus: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.“
Samuel hält ein regelrechtes Casting ab, bei dem er sieben Söhne begutachtet. Gott gibt ihm aber zu verstehen, dass keiner von ihnen der Erwählte ist. Der Gewollte hütet die Schafe. Er ist ein Hirte. DAS, meine Lieben, ist wiedermal ein schöner Aha-Effekt. Bei Gott gibt es keine Zufälle. NATÜRLICH ist der beste Herrscher derjenige, der zuvor Schafe gehütet hat. Dieser Spross aus der Wurzel Isai, David, wird zum Typos Christi, der antitypisch dann erklären wird: „Ich bin der gute Hirte.“ Und die Fortsetzung dieses Hirtentums sehen wir bis heute in der Kirche, deren Hirten die Bischöfe sind, deren Helfer Pastoren genannt werden, das lateinische Wort für „Hirte“.
Samuel zögert nicht und salbt den Jungen vor den Augen seiner Brüder. Der Geist Gottes, der mit der Salbung gegeben wird, bleibt von da an auf David. Wir werden die nächsten Tage weiter von diesem Erwählten hören.

Ps 89
20 Einst hast du in einer Vision zu deinen Frommen gesprochen: Einem Helden habe ich Hilfe gewährt, einen jungen Mann aus dem Volk erhöht. 
21 Ich habe David, meinen Knecht, gefunden und ihn mit meinem heiligen Öl gesalbt. 
22 Fest wird meine Hand ihn halten und mein Arm ihn stärken. 
29 Auf ewig werde ich ihm meine Huld bewahren, mein Bund mit ihm ist verlässlich.
27 Er wird zu mir rufen: Mein Vater bist du, mein Gott, der Fels meiner Rettung. 
28 Ja, zum Erstgeborenen mache ich ihn, zum Höchsten unter den Königen der Erde.

Der Psalm reflektiert die heutige Lesung wunderbar. Wir müssen uns ja auch bewusst sein, dass die Psalmen von König David gedichtet worden sind. Er reflektiert sich und sein Leben in den Psalmen besonders intensiv.
Die Frommen, von denen hier in Vers 20 die Rede ist, können wir mit Blick auf die Lesung unter anderem auf Samuel beziehen. Diesem hat Gott eingegeben, dass er nun den echten Kandidaten gesalbt haben möchte. David bezeichnet sich selbst hier als „Held“, was aber kein Hochmutzeichen ist. Vielmehr bezieht er es zurück auf Gott, der ihn zum Helden gemacht hat. Er ist noch jung, wie er sich selbst hier nennt. Das hebräische Wort בָח֣וּר bachur bezeichnet dabei einen unverheirateten jungen Mann im heiratsfähigen Alter. Es ist nicht zufällig, dass Gott ihn in diesem Zustand beruft. Auch dies hat eine pädagogische Bedeutung, auch wenn ein Zölibat hier noch nicht gefordert wird. Gott beruft den Herrscher Israels so, dass dieser sich ganz an Gott bindet, ohne gleichzeitig an eine Frau gebunden zu sein. Das soll den Menschen als Zeichenhandlung dienen.
Jesus selbst wird sich dauerhaft „zum Eunuchen machen um des Himmelreiches willen“, d.h. zeitlebens enthaltsam bleiben. Darin ist er nicht nur die antitypische Entsprechung Davids, sondern überbietet diesen auch. Dass Davids Ehelosigkeit eine Rolle in der Gottesbeziehung spielt, sehen wir an seinem innigen, vertrauten Verhältnis zum Herrn. Davon werden wir die Tage noch aus dem ersten Samuelbuch hören, davon zeugen aber auch die Psalmen.
David wurde „gefunden“ und mit Öl gesalbt. Das wird uns in der Lesung heute berichtet. Erst musste Samuel seine ganzen Brüder prüfen, bis er darauf kam, dass der Richtige gar nicht anwesend ist.
Durch die Salbung ist David gestärkt und wird getragen von der Hand Gottes, wie es Vers 22 voraussagt (hier stehen Zukunftsformen).
„Auf ewig“ bleibt der Bund, den Gott mit David schließt. Auch wenn er Gott enttäuschen wird, bleibt Gott treu. Man könnte fragen: Warum wird David vergeben und Saul wird verworfen? Der Unterschied besteht darin, dass David seine Sünde direkt bereut und sich um Versöhnung mit Gott bemüht. Saul sieht seine Schuld gar nicht ein. So ist es auch bei uns: Mag die Sünde noch so schwerwiegend sein. Gott vergibt einfach alles, was wir von Herzen bereuen. Wir müssen seine Barmherzigkeit dafür aber annehmen. Wo wir sie ablehnen, stellen wir uns selbst in den Weg. Das wird Jesus dann „Sünde gegen den Hl. Geist“ nennen. Gott verwirft also eigentlich niemanden, sondern der Mensch verwirft sich selbst, indem er sich aufgibt.
David ist so fromm, dass er ganz „fortschrittlich“ in seiner Gottesbeziehung ist. Darin ist er absoluter Typos Christi. Er nennt Gott nämlich seinen Vater, was sonst bezeichnend für Jesus sein wird.
Dies ist mehr als nur wörtlich zu lesen. Das sehen wir sofort. Hier müssen wir schon Jesus selbst dahinter sehen, der Gott seinen Vater nennt, der der Erstgeborene ist.
Die Verheißung des Erstgeborenenrechts ist ein wichtiger Hinweis, den wir beachten müssen. Wir hören ja in der Lesung, dass David eigentlich der Jüngste ist. Nach jüdischem Recht hat er also nicht die Privilegien seines ältesten Bruders. Doch Gott verheißt ihm ein derartiges „Erstgeborenenrecht“, das über die biologische Dimension hinausgeht. Er wird zum Erstgeborenen der Könige Israels. Gott zählt Saul also nicht einmal in der Reihe der Könige auf. Er ist ganz ausgelöscht aus Gottes „Gedächtnis“. David wird zum Höchsten der Könige der Erde, weil er ein gerechter Herrscher, ein durch und durch frommer Jude und der Begründer der davididischen Dynastie ist. Auch hier dürfen wir schon mehr erkennen als nur die historische Figur Davids: Jesus wird der eigentliche „Höchste der König der Erde“ sein. Vor ihm werden die Weisen aus dem Morgenland in die Knie gehen und wie Paulus es im Philipperhymnus sagt, jedes Knie sich beugen, jeder Mund bekennen, dass er der Herr ist.

Mk 2
23 An einem Sabbat ging er durch die Kornfelder und unterwegs rissen seine Jünger Ähren ab. 
24 Da sagten die Pharisäer zu ihm: Sieh dir an, was sie tun! Das ist doch am Sabbat nicht erlaubt. 
25 Er antwortete: Habt ihr nie gelesen, was David getan hat, als er und seine Begleiter hungrig waren und nichts zu essen hatten, 
26 wie er zur Zeit des Hohepriesters Abjatar in das Haus Gottes ging und die Schaubrote aß, die außer den Priestern niemand essen darf, und auch seinen Begleitern davon gab? 
27 Und Jesus sagte zu ihnen: Der Sabbat wurde für den Menschen gemacht, nicht der Mensch für den Sabbat.
28 Deshalb ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.

Auch im Evangelium gibt es einen Verweis auf König David und dessen inniges Verhältnis zu Gott. Die Pharisäer stören sich erneut an Jesu Verhalten bzw. an dem seiner Jünger: Sie wagen es, am Sabbat Ähren vom Feld zu pflücken und zu essen. Warum tun sie das überhaupt? Jesus ist mit seinen Jüngern unterwegs und da bekommt man eben Hunger. Sie müssen etwas essen, deshalb bedienen sie sich an den Ähren. Das hat auch nichts mit Stehlen zu tun, wie man jetzt vielleicht daraus schließen könnte. Laut Dtn 23,26 ist es erlaubt, mit der Hand Ähren vom Feld eines anderen zu pflücken. Jesus und seine Jünger sind stets unterwegs. Sie haben keinen festen Wohnsitz und führen ein anderes Leben als die anderen. Sie müssen irgendwann essen und somit erlaubt Jesus ihnen auch das Essen von den Ähren.
Als sie dafür von anderen kritisiert werden, verweist Jesus auf König David und seine Begleiter, die sogar die Schaubrote im Offenbarungszelt essen, die eigentlich nur für die Priester gedacht sind. Was Jesus durch diesen Verweis sagen möchte, ist: Es gibt Gebote nicht dafür, dass wir eingeschränkt werden. Sie sollen uns ja in die Freiheit führen. Wenn Jesus den Sinn von Geboten erklärt, hat das höchste Autorität. Er ist Gott und erklärt den Menschen höchstpersönlich, warum er die Gebote den Menschen überhaupt gegeben hat! Die Sabbatruhe ist nicht dafür da, dass man verhungert (auch nicht, dass jemand an einer Krankheit stirbt, wenn man ihn nicht heilt). Er ist dafür da, damit wir mehr Zeit für das Gebet und die Beziehung mit Gott haben. Die Kritik der Menschen geht also an dem Sinn der Sabbatruhe vorbei. Seine Jünger werden ihre Gottesbeziehung nicht weniger verinnerlichen können, nur weil sie eine Mahlzeit zu sich genommen haben. Im Gegenteil: Sie folgen Jesus nach, durch den sie eine ganz innige Beziehung zum Herrn lernen. Aber auch heute sehen wir, dass die Menschen Jesus als Messias und Gott nicht erkennen. Sie sehen nicht, dass er schon längst mitten unter ihnen ist. Sie verstehen dadurch auch nicht, wenn Jesus sagt: Der Menschensohn ist Herr über den Sabbat. Gott ist höher als seine gegebene Torah.
Auch hier lernen wir, worum es eigentlich gehen sollte: um die Beziehung zu Gott. So wie König David ganz nah an Gottes Herz hing, sollen auch die Juden zur Zeit Jesu leben. Schließlich ist die Motivation für das Halten der Gebote Gottes die Liebe zu ihm. Den Kritikern Jesu geht es aber nicht um Beziehung, um Liebe oder sonst etwas. Ihnen geht es um das Halten der Gebote um der Gebote selbst willen. Sie sind so beschäftigt damit, in ihrer eigenen Selbstgerechtigkeit und der Buchstabentreue zu verbleiben, dass sie das Heil direkt vor ihren Augen nicht erkennen. Ja noch schlimmer – sie verwehren es auch noch jenen, die sie wie eine Torah-Polizei verurteilen. Sie lassen sich nicht belehren, auch nicht von Gott selbst. Aber Jesus sieht ihr Herz und gibt durch seine Erklärungen immer wieder die Chance, es zu verstehen. Er liebt auch die Pharisäer von ganzem Herzen und möchte ihnen helfen. Er sieht, dass die Pharisäer zwar kritisieren, aber selbst die absolut strikte Sabbatruhe nicht nutzen, um ihre Beziehung zum Herrn zu vertiefen.

Die Gebote Gottes sollen uns in die Freiheit führen, die wahre Freiheit(von der Sünde!) und nicht in die Anarchie. Und doch dürfen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht übersehen. Besinnen wir uns immer wieder darauf, warum und wofür die Gebote Gottes gegeben sind – ihn zu lieben und den Nächsten zu lieben wie sich selbst. Wo die Liebe nicht mehr Antrieb ist, wird unser Verhalten unfruchtbar und unser Herz entfernt sich von Gott. Orientieren wir uns an Menschen wie König David, die mit so kindlichem Vertrauen und inniger Liebe für Gott gebrannt haben. Dann werden wir nicht nur die Gebote halten, sondern sie mit Liebe halten.

Ihre Magstrauss

10. Januar in der Weihnachtszeit

1 Joh 4,19-5,4; Ps 72,1-2.14-15bc.17; Lk 4,14-22a

1 Joh 4
19 Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. 

20 Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott!, aber seinen Bruder hasst, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht. 
21 Und dieses Gebot haben wir von ihm: Wer Gott liebt, soll auch seinen Bruder lieben.
1 Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, ist aus Gott gezeugt und jeder, der den Vater liebt, liebt auch den, der aus ihm gezeugt ist. 
2 Daran erkennen wir, dass wir die Kinder Gottes lieben: wenn wir Gott lieben und seine Gebote erfüllen. 
3 Denn darin besteht die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer. 
4 Denn alles, was aus Gott gezeugt ist, besiegt die Welt. Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat: unser Glaube.

Was die letzten Tage im ersten Johannesbrief besprochen worden ist, wird heute unter anderem wiederholt. Es geht hier um einen Brief. Johannes möchte die wichtigen Aussagen hervorheben, damit sie sich den Adressaten gut einprägen. Deshalb greift er erneut auf, dass unsere Liebe immer Konsequenz des zuerst Geliebtseins von Gott ist.
Er bringt dann ein Negativbeispiel, dass diese Kernaussage verdeutlicht und auch die Linie von der Gottesliebe(serwiderung) zur Nächstenliebe zieht. Dabei ist diese Bezugslinie unterbrochen: Wer behauptet, Gott zu lieben, aber seinen Bruder hasst (also den Nächsten allgemein), lügt. Die Bezugslinie ist ja Gottesliebe -> Nächstenliebe. Die echte Agape (die übernatürliche Liebe) speist sich ja aus der Gottesliebe. Wenn jemand seinen Nächsten hasst, hat er diese Gottesliebe also nicht, sondern behauptet das nur. Gestern haben wir ja gelernt, dass die Liebe, die wir anderen schenken, eigentlich Gott ist, der den Anderen in dem Moment liebt. Johannes argumentiert heute sehr treffend: Wie wollen wir denn den unsichtbaren Gott lieben, wenn wir es mit den direkt um uns stehenden Sichtbaren nicht einmal auf die Reihe bekommen?
Also schließt Johannes das vierte Kapitel noch einmal mit dieser Bezugslinie ab: Wer Gott liebt, muss auch den Nächsten lieben. Warum ist das eigentlich so? Liebe ist immer etwas, dass überläuft, etwas Maßloses, das die Grenzen überschreitet. Deshalb gibt es uns Menschen überhaupt. Gott hätte sich der Zeit selbst genügen können, da er in seiner Dreifaltigkeit ja schon Liebesgemeinschaft in sich selbst ist. Diese Liebe ist aber überfließend und deshalb hat er aus Liebe die Welt geschaffen und uns als sein Abbild. Wir sind da, um in diese Liebesgemeinschaft hineingenommen zu werden. Wie können wir also eine Liebesbeziehung mit Gott haben, die nicht ebenfalls grenzüberschreitend ist? Natürlich muss es überfließen, damit auch andere in diese Gemeinschaft hineingenommen werden. Das ist die Nächstenliebe.
Das fünfte Kapitel beginnt mit einem interessanten Vers: Wir sind aus Gott gezeugt, wenn wir an die Messianität Jesu glauben. Das ist natürlich sakramental zu verstehen. Wir können nicht wortwörtlich aus Gott gezeugt sein. Das kann nur Jesus, der den Vater wortwörtlich zum Vater hat. Sonst wären wir Götter. Wir sind aber geschaffene Wesen, was die Zeugung ausschließt. Was ist hier also gemeint? Wir sind gezeugt, also in einer genealogischen Beziehung zu Gott durch die Taufe! Wir haben Jesus als den Christus, also den Messias, angenommen und uns taufen lassen. Dadurch sind wir zu Kindern Gottes geworden, aber durch die Taufgnade, nicht durch unsere eigene Natur. Und im zweiten Teil dieses Verses wird noch einmal der Bezug von Vater und Sohn deutlich: Wir haben Jesus angenommen, weil wir Gott lieben. Denn beide sind eins. Wenn wir den Vater lieben, lieben wir auch den, der aus ihm gezeugt ist, also Jesus.
Im Anschluss wird zunächst die Bezugslinie von der Gottesliebe zur Nächstenliebe wiederholt und dann konkretisiert, was die Gottesliebe ist: das Halten der Gebote Gottes. Der entscheidende Satz ist dabei: Und seine Gebote sind nicht schwer. Wir kennen das von unseren menschlichen Beziehungen. Wenn wir jemanden von ganzem Herzen lieben, fällt es uns nicht schwer, Dinge für den anderen zu tun. Wir machen das dann gern, obwohl es Kraft, Mühe und Zeit kostet. So ist es auch mit Gott. Wenn wir ihn wirklich lieben, dann wird es uns auch nicht schwerfallen, seine Gebote aus Liebe zu halten. Auch Jesus sagt in den Evangelien „mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht“. Gott hat sich nichts Kompliziertes ausgedacht, um uns zu ärgern, sondern wirklich Gebote für uns, die unserem Heil dienen! Das Heil ist erreichbar, denn die Gebote sind machbar. Gott kennt uns durch und durch. Er wird uns nicht überfordern.
Im letzten Vers für heute wird noch einmal ein christologischer Kernsatz genannt: Was aus Gott gezeugt ist, allen voran Jesus Christus, besiegt die Welt. Ja, er hat die Welt besiegt, indem er von den Toten auferstanden ist und das Heil für die ganze Menschheit erwirkt hat. Und auch wir, die wir durch die Taufe aus Gott gezeugt sind, besiegen die Welt, indem wir nach unserem Tod das Himmelreich erlangen können. Am Ende der Zeiten können wir wie Christus mit Leib und Seele wiedervereint ewig bei Gott sein. Ich sage „können“ und nicht „werden“, weil das kein Automatismus ist. Wir haben die Befähigung und Verantwortung durch die Taufe erhalten, Gottes Gebote zu halten. Wo dies nicht geschieht, verlieren wir die Chance auf das Himmelreich.
Was die Welt besiegt, fasst Johannes in einem Wort zusammen: Glaube. Der Glaube an Gott, nicht ein tatenloses Bekenntnis, sondern ein Glaube, der sich bewährt in der gelebten Gottes- und Nächstenliebe (wir haben es so ausführlich in den Kapiteln zuvor gelesen), besiegt die Welt. Und auch hier gilt wieder: die Welt, die vom Bösen infiltriert ist, nicht die gute Schöpfung Gottes.

Ps 72
1 Für Salomo. Verleih dein Richteramt, o Gott, dem König, dem Königssohn gib dein gerechtes Walten. 
2 Er regiere dein Volk in Gerechtigkeit und deine Elenden durch rechtes Urteil. 
14 Aus Unterdrückung und Gewalt erlöse er ihr Leben, kostbar sei ihr Blut in seinen Augen. 
15 Man soll für ihn allezeit beten, jeden Tag für ihn Segen erflehen.
17 Sein Name soll ewig bestehen, solange die Sonne bleibt, sprosse sein Name. Mit ihm wird man sich segnen, ihn werden seligpreisen alle Völker.

Heute beten wir ein letztes Mal Psalm 72 vor dem Fest der Taufe des Herrn. Es ist die Bitte des Königs David an Gott, seinen Königssohn Salomo mit allen notwendigen Gaben zu beschenken, die er als Nachfolger benötigt. Vor allem bittet David um „gerechtes Walten“ und „rechtes Urteil“. Wir lesen hier schon einen typologischen Anfang, der seine antitypische Erfüllung in Jesus Christus erhält. Er ist es dann wirklich, der das Volk Gottes („dein Volk“ עַמְּךָ֣  amecha, also das auserwählte Volk), nun aber nicht mehr nur das Volk des Alten, sondern des Neuen Bundes, regiert. Sein Königreich ist nun nicht mehr irdisch wie das des Salomo, sondern es ist „nicht von dieser Welt.“ Aus diesem Grund erlöst Jesus nicht nur aus Unterdrückung und Gewalt des Diesseits, sondern vor allem aus geistiger Unterdrückung, aus Sünde und Verderben mit Blick auf die Ewigkeit! Die Zukunftsform יִגְאַ֣ל  jig’al „er wird erlösen“ zeigt, dass es von der Perspektive des Psalms aus gesehen noch aussteht. Wir schauen nun retrospektiv, im Rückblick auf diese Erlösung und danken dem Herrn dafür, dass er so barmherzig ist. Wenn es heißt, dass „ihr Blut“ kostbar sei, ist das im Alten Testament immer wichtig. Blut ist nach alttestamentlicher Auffassung nämlich der Bestandteil des Menschen, in dem seine Lebenskraft steckt. Wenn die Rede von Blut ist, müssen wir also lesen: „kostbar sei ihr LEBEN in seinen Augen“. In Jesu Fall meint es vielmehr als nur das irdische Dasein. Es geht um das ewige Leben. Dies ist Jesus so unendlich wichtig, dass er dafür sein Leben für uns hingegeben hat!
Während David für seinen Königssohn noch erbittet, dass für ihn allezeit gebetet und Segen ausgesprochen werden soll, ist Jesus es nun, der für uns am Thron seines Vaters einsteht und der uns allezeit segnet. Vor einiger lasen wir im Epheserbrief die Worte „Gnade über Gnade“. Diese ist uns durch Christi Mittlerschaft geschenkt.
Der Name Salomos soll ewig bestehen – ein Ziel, das die Israeliten als ewiges Leben verstanden haben, bevor sie nach und nach zu einem Glauben nach einem Leben nach dem Tod kamen. Aber auch dies lässt sich typologisch weiterführen: Jesu heiliger Name, auf den wir getauft sind, soll ewig bestehen. Mit ihm segnen wir tatsächlich andere Menschen, vor allem die Priester mit dem priesterlichen Segen und ganz intensiv ist der Segen im Namen Jesu durch den eucharistischen Segen. Da ist es nämlich nicht nur der Name, sondern Jesu Gegenwart selbst! Alle Völker werden ihn seligpreisen (das steht hier im Psalm noch aus, was durch die hebräische Zukunftsform יְאַשְּׁרֽוּהוּ je’aschruhu deutlich wird). Dies werden alle Völker tun (hier die גֹּויִ֥ם gojim, also die Heidenvölker). Wir haben hier eine Ankündigung der Kirche (denn sie ist die Gemeinschaft der Gläubigen der ganzen Welt), deren Gläubige Jesus anbeten. Zugleich ist es die Ankündigung der Ewigkeit. Dann werden alle zum himmlischen Jerusalem kommen, um auf ewig den Königssohn anzubeten, der zur Rechten des Vaters sitzt, Jesus Christus.

Lk 4
14 Jesus kehrte, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend. 

15 Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen.
16 So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um vorzulesen,
17 reichte man ihm die Buchrolle des Propheten Jesaja. Er öffnete sie und fand die Stelle, wo geschrieben steht: 
18 Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze 
19 und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe. 
20 Dann schloss er die Buchrolle, gab sie dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. 
21 Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt. 
22 Alle stimmten ihm zu; sie staunten über die Worte der Gnade, die aus seinem Mund hervorgingen.

Was wir heute lesen, ist eine Erfüllung von Psalm 72. Der heutige Abschnitt endet ja mit den Worten: Ihn werden seligpreisen alle Völker. Hier lesen wir nun, dass Jesus in den Synagogen lehrt und von allen gepriesen wird. Seine Verkündigung gilt zunächst den Juden, die das auserwählte Volk (hebräisch immer AM) darstellen. Erst später wird er zu den Heiden gehen und sie sogar als Glaubensvorbilder bezeichnen.
Er lehrt die Juden und erklärt, dass die Verheißungen der Hl. Schriften sich in ihm erfüllen. In der heutigen Episode soll er aus der Hl. Schrift vorlesen und diese auslegen. Ihm wird ausgerechnet Jesaja gereicht, der die prägnanteste Messiaserwartung beinhaltet. Jesus liest Worte vor, die eins zu eins auf ihn zutreffen. Ihm ist klar, dass er sich selbst in Gefahr bringt, wenn er die folgenden Worte spricht, und doch sagt er sie: „Heute hat sich das Schriftwort (…) erfüllt.“ Das ist für jüdische Ohren, die Jesus als Gott nicht erkennen, absolut blasphemisch. Jesus bezeichnet sich als Gesalbten, was auf hebräisch Messias heißt. Am Ende des heutigen Abschnitts lesen wir zwar noch, dass die Anwesenden erstaunt sind und ihm zustimmen. Sie werden von den vielen Wundertaten und der brennenden Verkündigung Jesu gehört haben. Sie werden von Blindenheilungen und von der frohen Botschaft Jesu Christi erfahren haben. Ihnen wird aufgefallen sein, welch Segen von diesem Menschen ausgeht. Und doch wird diese Anerkennung nicht lange halten. Was wir heute nicht mehr lesen, ist die Provokation der Menge durch die Worte Jesu „ein Prophet wird in seiner Heimat nicht anerkannt.“ Wir lesen nicht mehr davon, wie sie ihn zur Stadt hinaustreiben und versuchen, ihn zu steinigen. So ist es oft auch mit uns. Gott bietet uns das Heil an. Er sagt Dinge, die unseren Ohren schmeicheln, aber auch Dinge, die hart für uns klingen. Er tut dies nicht, um uns zu ärgern, sondern weil wir nur so gerettet werden können. Oft nehmen wir das dann nicht an, sondern beschuldigen ihn. Wir hadern mit ihm und wollen ihn mundtot machen wie die Menge Jesus steinigen will.
Diese heutige Episode wird auch als „Antrittspredigt“ bezeichnet. Von Anfang an gefährdet Jesus sein eigenes Leben mit der öffentlichen Predigt. Und doch ist er bereit, sein Leben hinzugeben und nicht zu schweigen, damit die Menschen das Heil erfahren. Wer weiß, wie viele der Anwesenden, die ihn noch steinigen wollten, am Ende zum Glauben an ihn gekommen sind…
Auch heute werden wir wieder vor die Entscheidung gestellt: Nehmen wir Jesus als den Messias an und beweisen dabei unsere Liebe zu Gott? Dieser Zusammenhang ist uns heute ja im ersten Johannesbrief erklärt worden. Nehmen wir den Christus an oder wollen auch wir ihn steinigen? Wann tun wir das denn konkret? Jedesmal, wenn wir Gottes Gebote eben nicht halten, dann lehnen wir auch Christus ab, der für unsere Sünden gestorben ist. Nutzen wir die Zeit der Gnade und verpassen wir heute nicht die Chancen, die Gott uns bereitet, unsere Liebe zu ihm zu beweisen.

Ihre Magstrauss