Freitag der 6. Osterwoche

Apg 18,9-18; Ps 47,2-3.4-5.6-7; Joh 16,20-23a

Apg 18
9 Der Herr aber sagte nachts in einer Vision zu Paulus: Fürchte dich nicht! Rede nur, schweige nicht!
10 Denn ich bin mit dir, niemand wird dir etwas antun. Viel Volk nämlich gehört mir in dieser Stadt.
11 So blieb Paulus ein Jahr und sechs Monate und lehrte bei ihnen das Wort Gottes.
12 Als aber Gallio Prokonsul von Achaia war, traten die Juden einmütig gegen Paulus auf, brachten ihn vor den Richterstuhl
13 und sagten: Dieser verführt die Menschen zu einer Gottesverehrung, die gegen das Gesetz verstößt.

14 Als Paulus etwas erwidern wollte, sagte Gallio zu den Juden: Läge hier ein Vergehen oder Verbrechen vor, ihr Juden, so würde ich eure Klage ordnungsgemäß behandeln.
15 Streitet ihr jedoch über Lehre und Namen und euer Gesetz, dann seht selber zu! Darüber will ich nicht Richter sein.
16 Und er wies sie vom Richterstuhl weg.
17 Da ergriffen alle den Synagogenvorsteher Sosthenes und verprügelten ihn vor dem Richterstuhl. Gallio aber kümmerte sich nicht darum.
18 Paulus blieb noch längere Zeit. Dann verabschiedete er sich von den Brüdern und segelte zusammen mit Priscilla und Aquila nach Syrien ab. In Kenchreä hatte er sich aufgrund eines Gelübdes den Kopf kahl scheren lassen.

Heute setzen wir die Bahnlesung der Apostelgeschichte sowie die der Abschiedsreden fort.
Zuletzt wurde uns von Paulus‘ Areopagrede in Athen berichtet und es endete damit, dass er nach Korinth ging. Im weiteren Verlauf lernte er das jüdische Ehepaar Aquila und Priscilla kennen, das durch das Claudius-Edikt von 49 n.Chr. aus Rom verbannt worden ist. Sie teilen mit Paulus denselben Beruf der Zeltmacherei und arbeiteten mit ihm, bis seine Gefährten aus Mazedonien nachgereist kamen. Auch in Korinth gab es Anfeindungen durch die ansässigen Juden, weshalb er zu den Heiden ging. Dennoch ist es sehr bemerkenswert, dass ausgerechnet der Synagogenvorsteher sich mit seinem Haus zum Christentum bekehrt hat.
Heute beginnt es damit, dass Gott ihm in nächtlicher Vision seinen Beistand zusagt. Es wird ihm noch einiges zustoßen und doch möchte ihm der Herr versichern, dass alles gut wird. Er spricht ihm diese Worte auch deshalb zu, weil er in Korinth so viele Widerstände erfahren hat. Gott nimmt uns meistens nicht das Leid in unserem Leben. Was er aber voller Bereitschaft tut, ist uns die Kraft zu geben, das Leiden anzunehmen und es zu tragen. Er sichert auch uns immer wieder die Bereitschaft zu, uns beizustehen. Gott gibt ihm auch zu verstehen, dass Pauli Verkündigung seinem Willen entspricht und keiner Paulus etwas antun wird.
Er sagt Paulus in dem Kontext auch, dass in der Stadt viele ihm gehören. Das heißt nicht, dass nur auserwählte Menschen Gott gehören und der Rest nicht. Im Griechischen heißt es διότι λαός ἐστίν μοι πολὺς ἐν τῇ πόλει ταύτῃ dioti laos estin moi polys en te polei taute – in dieser Stadt ist dem Herrn viel Volk. Laos ist der Begriff für das auserwählte Volk Israel, nun aber angewandt auf das neue Volk Gottes, das ihm gehört. Er kündigt Paulus also an, dass eine große Gemeinde in der Stadt entstehen wird.
Nach eineinhalb Jahren wendet sich das Blatt, denn als Gallio Prokonsul wird, klagen die korinther Juden Paulus bei ihm an. Der Vorwurf lautet „Gottesverehrung, die gegen das Gesetz verstößt. Das Stichwort νόμος nomos zeigt uns, dass es die Torah meint. Die Juden haben ein religiöse Problem mit Paulus. Doch Gallio reagiert unbeeindruckt, denn es liegt außerhalb seines Aufgabenbereichs. Für religiöse Angelegenheiten haben die Juden ihre eigene Torah. Er selbst kümmert sich um Verbrechen und römische Gesetzesbrüche. So weist er die Ankläger ab und Paulus bleibt unbeschadet. Doch aus Wut und Frust ergreifen die Juden Sosthenes, der für sie als Hochverräter gelten muss. Ausgerechnet er als Synagogenvorsteher hat sich ja mit seinem Haus zum Christentum bekehrt. So prügeln sie vor Gallio auf ihn ein, doch den Prokonsul lässt es kalt. Er sagte, dass er „echte“ Verbrechen ordnungsgemäß fahnde. Angesichts der Gewalt, die sich vor seinen Augen abspielt und gegen die er nichts unternimmt, scheint dies nicht ganz zu stimmen.
Paulus verlässt die Stadt nicht sofort, sondern bleibt noch ein wenig bei den korinther Christen, bevor er sich mit Aquila und Priscilla auf den Weg nach Syrien begibt.
Zum Schluss wird noch von einem Gelübde berichtet, bei dem er sich die Haare schert. Zumeist wird angenommen, dass damit das Nasiräergelübde gemeint ist, das dann in Kenchreä durch das Scheren der Haare beendet wird. Vielleicht wollte sich Paulus dadurch unter den besonderen Schutz Gottes stellen und auch den judäischen Gegnern bei der Durchreise über Jerusalem seine Gesetzestreue beweisen (man musste bei einem Nasiräat auch nach Jerusalem reisen). Dies ist aber nicht ganz sicher und dann hätte Paulus auch am Herrenmahl das Blut Christi nicht empfangen können (Nasiräer dürfen keinen Wein trinken). Welches Gelübde auch gemeint sei: Paulus handelt nie nach eigenem Gutdünken und auch nicht aus eigener Kraft. Er tut alles mit der Gnade Gottes. Vielleicht hat er das Gelübde auch abgelegt aus Dank für den Schutz und Beistand des Herrn während seiner Zeit in Korinth.

Ps 47
2 Ihr Völker alle, klatscht in die Hände; jauchzt Gott zu mit lautem Jubel!
3 Denn Furcht gebietend ist der HERR, der Höchste, ein großer König über die ganze Erde.
4 Er unterwerfe uns Völker und zwinge Nationen unter unsere Füße.
5 Er erwähle für uns unser Erbland, den Stolz Jakobs, den er lieb hat.
6 Gott stieg empor unter Jubel, der HERR beim Schall der Hörner.
7 Singt unserm Gott, ja singt ihm! Singt unserm König, singt ihm!

Der Missionsabschnitt in Korinth ist sehr erfolgreich gewesen. Eine große Gemeinde ist daraus entstanden und Paulus ist unbeschadet wieder von dort abgereist. Dies ist für uns Anlass zum Lobpreis im Psalm.
Gott ist furchtgebietend. Das ist nicht dasselbe wie angsteinflößend. Es meint, dass sein Wirken in uns nur eine Reaktion von Ehrfurcht hervorrufen kann. Auch seine Erscheinung ist furchteinflößend, auch wenn wir ihn unverhüllt gar nicht sehen können, ohne zu sterben. Seine Manifestationen wie die Wolke oder der Rauch sind schon furchteinflößend, sodass zum Beispiel bei der Verklärung die drei anwesenden Jünger es mit der Angst zu tun bekommen, als sie von der Wolke Gottes umhüllt werden. Erst recht werden alle Menschen überwältigt werden, wenn Jesus am Jüngsten Tag mit dieser göttlichen Herrlichkeit wiederkehren wird…
Die Unterwerfung von Völkern und das Zwingen unter die Füße seiner Auserwählten ist zuvor wörtlich verstanden worden. Mit militärischer Gewalt und politischen Mitteln sind diese Dinge im Alten Israel umgesetzt worden. Sie sind nun aber viel mehr geistlich zu verstehen: Es geht um die Gewinnung von Christen für das Volk Gottes des Neuen Bundes. Dies soll nicht durch Gewalt geschehen, sondern durch Überzeugung. Es soll genauso wenig eine tyrannische Herrschaft sein wie der Herrschaftsauftrag der ersten Schöpfung. Dort meint die „Unterwerfung der Erde“ unter das erste Menschenpaar die Sorge um die ihnen anvertraute Schöpfung. Nun sind es die Apostel, die ersten Menschen der neuen Schöpfung nach dem Erstgeborenen Christus, die in liebender Fürsorge die neue Schöpfung versorgen sollen.
Auch das Erbland ist nicht mehr irdisch zu verstehen, sondern bezieht sich auf das Reich Gottes. In dieses gehen jene ein, die im Heiligen Geist neugeboren sind. Im Gegensatz zum irdischen Erbland ist genug Platz für jeden und kein bisher dort lebendes Land muss dem auserwählten Volk weichen.
„Gott stieg empor unter Jubel, der HERR beim Schall der Hörner.“ Dies ist heute ganz aktuell mit Christus gegeben, der in den Himmel aufgestiegen ist. Hörner und Jubel sind vielleicht nicht von den Jüngern betätigt worden, dafür aber können wir uns vorstellen, von welcher Freudenmusik begleitet der Menschensohn in die himmlische Heimat zurückgekehrt ist, aufgenommen in das Herz des Vaters!
„Singt unserm Gott, ja singt ihm! Singt unserm König, singt ihm!“ Auch hier wie in Vers 2 erklingt ein Lobpreisaufruf dessen, der der Allherrscher ist.
Psalm 47 beinhaltet Thronbesteigungsmotive, Elemente für die Krönungsfeier eines Herrschers. Mithilfe von Bildern des irdischen Königszeremoniells wird die kommende Herrschaft Gottes ausgedrückt. Es ist also absolut sinnvoll, diesen Psalm an Christi Himmelfahrt zu beten. Christus kommt wie bei einem Triumphzug der römischen Kaiser zurück in die Ewigkeit, als siegreicher Messias, der die Welt erlöst hat. Er wird begrüßt von den himmlischen Heerscharen und besteigt den Thron zur Rechten des Vaters. So können wir gut nachvollziehen, was Stephanus vor seinem Tod schauen durfte (Apg 7,56) und auch was Paulus meint, wenn er im Philipperhymnus betet: „Darum hat ihn Gott über alle anderen erhöht.“ (Phil 2,9).

Joh 16
20 Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, aber eure Trauer wird sich in Freude verwandeln.
21 Wenn die Frau gebären soll, hat sie Trauer, weil ihre Stunde gekommen ist; aber wenn sie das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an ihre Not über der Freude, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist.
22 So habt auch ihr jetzt Trauer, aber ich werde euch wiedersehen; dann wird euer Herz sich freuen und niemand nimmt euch eure Freude.
23 An jenem Tag werdet ihr mich nichts mehr fragen.

Im Evangelium hören wir einen weiteren Ausschnitt aus der dritten Abschiedsrede. Jesus macht weitere Andeutungen, dass die Apostel es um seines Namens willen schwer haben werden. Sie werden „weinen und klagen“. Hier werden eindeutig die schlimmen Christenverfolgungen angedeutet, die bis heute andauern. Wenn die Welt ihn schon gehasst hat, wird es seinen Jüngern nicht anders ergehen. In dieser Hinsicht ist auch zu verstehen, warum die Welt sich freuen wird: Dabei handelt es sich nämlich um die Schadenfreude. Diese ist aber nur von kurzer Dauer, denn die Trauer der Jünger wird sich in Freude umwandeln. Dies wird spätestens mit der Ewigkeit passieren, wo die Freude eine Frucht des Heiligen Geistes ist und den anhaltenden Zustand darstellen wird.
Diese Worte spricht Jesus kurz vor seinem Tod. Das bedeutet, dass die Trauer der Apostel zuallererst mit seinem Tod zu tun haben wird. Sie werden unter Schock stehen und traurig sein über Jesu Tod. Die Trauer wird nicht einmal 48 Stunden andauern und sich dann am Ostermorgen in Freude verwandeln. Die Schadenfreude der Welt (damit ist bei Johannes ja immer die gefallene Schöpfung gemeint) bezieht sich in dieser Lesart vor allem auf den Hohen Rat Jerusalems, der scheinbar triumphiert. Auch moralisch können wir diesen Vers verstehen, denn der Böse tut alles daran, uns von Gott wegzuziehen. Er ist es, der sich freut, wenn wir sündigen. Er redet uns dann ein, dass nichts mehr zu retten ist. Er will uns einreden, dass wir nach dem Fall liegenbleiben sollen. Seine Schadenfreude ist nur von kurzer Dauer (er ist schadenfroh, weil er uns von dem wegzieht, was ihm selbst weggenommen worden ist – das Himmelreich). Aber er hat die Rechnung ohne Gott gemacht, der uns im Sakrament der Versöhnung die Sünden vergeben und uns in den Stand der Gnade zurückversetzen kann! So wird unsere Trauer über unsere Sündhaftigkeit in Freude über die Versöhnung mit Gott umgewandelt.
Insbesondere die eschatologische Lesart wird uns durch den nächsten Vers verdeutlicht (also die Perspektive auf die Ewigkeit hin), aber auch die ekklesiologische (auf die Kirche bezogen). Dort vergleicht Jesus die vorübergehende Trauer mit dem Prozess einer Geburt, der sehr schmerzhaft ist, aber das Ergebnis reine Freude bereitet. Wenn nach den Geburtswehen das Kind dann da ist, vergisst die Frau voller Freude, was sie durchgemacht hat. So ist es mit der Ewigkeit und deshalb greift Paulus dieses Bild dann später wieder auf: Die ganze Welt liegt in Wehen und je näher sie der (geistlichen) Geburt der neuen Schöpfung entgegen geht, desto akuter wird es. Dies wird durch die zunehmenden Christenverfolgungen spürbar, aber auch durch immer deutlichere Zeichen der Endzeit politischer und kosmologischer Natur. Wenn die neue Schöpfung aber dann vollzogen ist durch die Schaffung eines neuen Himmels und einer neuen Erde, wird nur noch die Freude des Himmels herrschen.
Aber auch in ekklesiologischer Perspektive ist es so zu verstehen, wie uns die Berichte der Apostelgeschichte besonders zeigen: Die Missionare müssen viel durchmachen, werden gesteinigt, ins Gefängnis gesteckt, vor die Gerichte gebracht, verunglimpft und immer wieder verspottet, doch all dies ist es Wert, wenn sich dafür die Menschen zu Christus bekehren.
Jesus wird seine Apostel wiedersehen – das ist wie gesagt auf seiner Auferstehung zu beziehen, ebenso auf das Ende der Zeiten. Gestern feierten wir Christi Himmelfahrt. Es ist ein Abschied auf Zeit, denn er wird wiederkommen als verherrlichter Menschensohn am Jüngsten Tag.
Und die Freude, die die Apostel sowie alle bis dahin standhaft gebliebenen Menschen erfüllen wird, kann ihnen keiner nehmen. Dies gilt vor allem jenen Christen, die um ihres Glaubens willen viel erleiden müssen und sogar ihr Leben geben. Die Freude der Märtyrer kann ihnen keiner nehmen, am wenigsten ihre Verfolger.
Und dann werden die Apostel Jesus nichts mehr fragen. Warum sagt er das? Wenn der Mensch vor Gott steht, wird er alles sehen und erkennen. Er wird alles begreifen und so bleiben keine Fragen mehr offen. Das gilt auch uns: Noch haben wir viele Fragen, weil wir die Entwicklungen nicht verstehen, unser Leben nicht im Überblick vor uns haben und das Geheimnis Gottes nicht erfassen können. Doch wenn wir sterben und vor ihn treten, werden wir ihn sehen, wie er ist. Und in der Schau Gottes werden wir auch unser Leben sehen, wie es ist – mit all dem, was uns bis dahin unklar war. Das wird viel Schmerz verursachen, weil wir uns unserer Sünde schmerzlich bewusst werden, ebenso der vielen verpassten Chancen, Gottes unendliche Liebe zu erwidern.

Ihre Magstrauss

Montag der 6. Osterwoche

Apg 16,11-15; Ps 149,1-2.3-4.5-6au. 9b; Joh 15,26 – 16,4a

Apg 16
11 So brachen wir von Troas auf und fuhren auf dem kürzesten Weg nach Samothrake und am folgenden Tag nach Neapolis.
12 Von dort gingen wir nach Philippi, eine führende Stadt des Bezirks von Mazedonien, eine Kolonie. In dieser Stadt hielten wir uns einige Tage auf.
13 Am Sabbat gingen wir durch das Stadttor hinaus an den Fluss, wo wir eine Gebetsstätte vermuteten. Wir setzten uns und sprachen zu den Frauen, die sich eingefunden hatten.
14 Eine Frau namens Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; sie war eine Gottesfürchtige und der Herr öffnete ihr das Herz, sodass sie den Worten des Paulus aufmerksam lauschte.
15 Als sie und alle, die zu ihrem Haus gehörten, getauft waren, bat sie: Wenn ihr wirklich meint, dass ich zum Glauben an den Herrn gefunden habe, kommt in mein Haus und bleibt da. Und sie drängte uns.

Am Samstag endete die Lesung damit, dass Paulus einen Traum von Gott erhielt, in dem ein Mazedonier ihn um Hilfe bat. Nach ihrer Arbeit in Troas macht Paulus sich mit seinem Gefolge auf den Weg nach Samothrake, um von dort nach Neapolis und Philippi zu kommen. Diese Stadt ist ein wichtiger Ort in Mazedonien und so bleiben sie dort mehrere Tage. Am Sabbat geht Paulus mit seinem Gefolge (Lukas der Autor bezieht sich an dieser Stelle durch das „wir“ wieder mit ein!) an den Fluss. Dort scheint es eine jüdische Gebetsstätte zu geben, wo sie predigen. Die Gottesfürchtige und Purpurhänderlin Lydia hört aufmerksam und mit offenem Herzen das Evangelium Jesu Christi. Das ist eine optimale Voraussetzung und so kommt sie zum Glauben an Christus zusammen mit ihrem ganzen Haus. Das bedeutet, dass ihre Familie und ihre Sklaven sich alle taufen lassen. Sie drängt die Missionare, bei ihr unterzukommen und weil sie so fest darauf besteht, gehen sie mit.
Die heutige Missionspredigt zeigt die Evangelisierung allein von Frauen. Das ist sehr besonders, denn eine reine Frauengruppe ist uns in den Missionsberichten bisher noch nicht untergekommen.
Lydia kommt aus Thyatira, einer lydischen Stadt im Lykostal und einer der Städte der Johannesoffenbarung. Thyatira war für den Tuchhandel und die Purpurfärberei berühmt und machte ein riesiges Geschäft in dem Bereich. Anscheinend wird auch Export betrieben, sodass Lydia auch in Makedonien erfolgreich ist. Es wird sich um eine sehr reiche Frau handeln. Sie ist Gottesfürchtige, das heißt eine Heidin mit Sympathie für das Judentum, die zwar jüdische Ethik und Gebetsleben praktiziert, doch den letzten Schritt zum Judentum nicht wagt. Solche Gottesfürchtigen kommen bei den Missionsreisen des Paulus immer wieder zum Glauben an Jesus Christus. Für sie ist es eine ideale Lösung: Die jüdische Ethik ist auch der Kern der Botschaft Jesu, der die Gottesgebote mit seiner Person erfüllt. Doch die Beschneidung und die ganzen Ritualgebote fordert er nicht mehr. Stattdessen betont er die Herzensreinheit und die Taufe als Heilsnotwendigkeit.

Ps 149
1 Halleluja! Singt dem HERRN ein neues Lied, sein Lob in der Versammlung der Frommen!
2 Israel soll sich freuen über seinen Schöpfer, die Kinder Zions sollen jubeln über ihren König.
3 Seinen Namen sollen sie loben mit Reigentanz, mit Trommel und Leier ihm spielen.
4 Denn der HERR hat an seinem Volk Gefallen, er krönt die Gebeugten mit Rettung.
5 In Herrlichkeit sollen die Frommen frohlocken, sie sollen jauchzen auf ihren Lagern,
6 Hochgesänge auf Gott in ihrer Kehle

9 Lichtglanz ist das all seinen Frommen. Halleluja!

Als Antwort auf die gläubig gewordenen Frauen Philippis beten wir heute einen Lobpreispsalm mit dem Titel „Das neue Lied von der Königsherrschaft Gottes durch Israel“.
Halleluja ist ein Ausruf, der mit „Preist Jahwe“ übersetzt wird. Es handelt sich zu Anfang also wieder um eine typische Lobaufforderung. Diese Art von Lob steht zu Anfang dieses Psalms, weil er zu der Psalmengruppe des Schlusshallels gehört, bei dem am Anfang immer Halleluja steht.
Weil wieder eine Gruppe zum Lob aufgefordert wird und nicht eine Einzelperson, wirkt der Psalm sehr liturgisch. Dies wird uns auch durch die „Versammlung der Frommen“ deutlich. Mit Blick auf die Lesung sehen wir die Frauen am Fluss von Philippi vor uns, die ihre Herzen ganz weit machen und ihre Ohren spitzen, um alles in sich aufzunehmen, was Paulus erzählt. Diese Empfänglichkeit ist sehr vorbildlich und hat schon Maria auf vollkommene Weise gelebt. Die Mutter Gottes hat alle Geschehnisse, alle Worte und Taten Jesu, die ganzen Umstände immer in ihrem Herzen aufbewahrt und darüber nachgedacht. Der Grad ihrer Empfängnis war so hoch, dass Gott in ihr Fleisch angenommen hat. Und diese Frauen hier sind ebenfalls empfänglich, sodass Gott durch die Taufe in ihnen Wohnung nehmen möchte, die so zu seinem Tempel „eingeweiht“ werden.
„Israel soll sich freuen über seinen Schöpfer, die Kinder Zions sollen jubeln über ihren König.“ Israels Kinder wie Paulus und Silas dürfen sich wirklich freuen über die Offenheit der Menschen auf der Missionsreise, über die Hinzufügung der Heiden zum Volk Gottes. Sie sollen Gott loben mit „Reigentanz und instrumentaler Begleitung.“ Psalm 149 vermittelt den Eindruck, dass die Juden sich für die gläubig gewordenen Heiden freuen sollen. Dies werden sie auch durch die Einbeziehung von Gottesfürchtigen und Proselyten umgesetzt haben. Doch es geht noch weiter: Die Gottesfürchtigen und die Juden verbindet nun die eine Taufe zur Vergebung der Sünden! Jesus Christus begründet den Neuen Bund, der nun nicht mehr auf biologischer Abstammung basiert, sondern auf der neuen Schöpfung.
„Jauchzen auf ihren Lagern“ zeigt uns, dass die Juden sich nicht nur am Tag, sondern auch in der Nacht freuen und Gott für diese große Barmherzigkeit zu jeder Zeit danken sollen. Immer sei ein Lobgesang in ihrer Kehle. Diese ist mehr als nur ein Teil des Körpers. Mit „Kehle“ ist viel mehr gemeint, denn ursprünglich ist auch die Nephesch als Kehle gedacht worden, durch die der Atem ein- und ausgeht. Deshalb lechzt auch die Seele im Psalmenkontext oft nach Wasser, als ob sie im Mund oder in der Kehle sitzen würde. Den Lobgesang in der Kehle zu haben, heißt also nicht nur die ständige Bereitschaft zum Singen, sondern auch den Lobpreis im „Herzen“, das heißt in der Seele. Dieser Lobpreis ist den Frommen „Lichtglanz“, das heißt Pracht und Schönheit, die sie schmückt.
Der Psalm endet mit dem wiederholten Halleluja, für den er bekannt ist.

Joh 15
26 Wenn aber der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich ablegen.

27 Und auch ihr legt Zeugnis ab, weil ihr von Anfang an bei mir seid.
1 Das habe ich euch gesagt, damit ihr keinen Anstoß nehmt.
2 Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen, ja es kommt die Stunde, in der jeder, der euch tötet, meint, Gott einen heiligen Dienst zu leisten.
3 Das werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich erkannt haben.
4 Ich habe es euch aber gesagt, damit ihr euch, wenn die Stunde kommt, daran erinnert, dass ich es euch gesagt habe.

Heute hören wir im Evangelium den Abschluss der zweiten und den Beginn der dritten Abschlussrede. Jesus spricht wieder vom Parakleten, dem Heiligen Geist als Beistand, den Christus vom Vater senden wird. Dieser Geist der Wahrheit, wie Jesus es zuletzt erklärt hat, wird Christus bezeugen. Dies wird er dadurch tun, dass er einerseits den Jüngern die Augen öffnen, andererseits durch sie die Heilstaten Christi wirken wird. Da Gott die Apostel als seine Werkzeuge gebrauchen wird, werden auch sie Zeugen Christi sein. Sie haben Jesus drei Jahre lang begleitet und alles gesehen und gehört. Sie sind wirklich authentische Zeugen für das Evangelium.
Jesus spricht diese Worte, damit sie keinen Anstoß nehmen. Das Wort σκανδαλισθῆτε skandalisthete heißt eigentlich „Anstoß nehmen“, steht hier aber im Passiv. Als Passivform müsste man viel mehr übersetzen mit „Anlass zum Anstoß geben“ oder sogar „stolpern“. Jesus sagt ihnen den Beistand zu, damit sie auf dem Weg in die Ewigkeit nicht straucheln. Sie sollen standhaftig bis zum Schluss sein. Er kündigt die Widerstände an, mit denen die Apostel für das Evangelium rechnen müssen: mit dem Ausschluss aus der Synagoge und dem Martyrium. Er erklärt ihnen, dass die Juden das mit ihnen tun werden, weil sie es gut meinen. So sollen die Apostel darauf vorbereitet werden, dass sie wie er dann am Kreuz beten können: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Sie werden den Christen gegenüber so feindselig sein, weil sie die Wahrheit nicht erkannt haben. So sollen die Apostel nicht mit Gegenhass antworten, sondern Mitleid haben mit jenen. Sie sollen für sie beten und ihr Leiden für eben jene aufopfern.
Jesus sagt ihnen zum Schluss, dass er all das zu ihnen sagt, damit sie sich dann zu gegebener Zeit daran erinnern werden. Wir wissen auch, wie sie sich erinnern werden – durch die Eingebung des Heiligen Geistes.
Dass sie diese Worte beherzigen werden, sehen wir z.B. am Märtyrer Stephanus. Dieser Diakon hat in seinem Sterben für seine Steiniger gebetet: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!“ (Apg 7,60).

Beten wir heute um diese Liebe, so heroisch auf den Hass der Mitmenschen zu reagieren, auch gerade in den kleinen Dingen und Situationen: wenn uns jemand demütigt und schikaniert, wenn jemand zynische Bemerkungen uns gegenüber macht oder uns auslacht. Wenn jemand uns bedroht und einzuschüchtern versucht. Bezeugen auch wir dann Christus gemeinsam mit dem Heiligen Geist und überlassen wir das Richten dann dem Vater. Unser unerwartetes Verhalten wird den Anderen verändern, das kann ich Ihnen versprechen!

Ihre Magstrauss

Samstag der 5. Osterwoche

Apg 16,1-10; Ps 100,2-3.4-5; Joh 15,18-21

Apg 16
1 Er kam auch nach Derbe und nach Lystra. Und siehe, dort lebte ein Jünger namens Timotheus, der
Sohn einer gläubig gewordenen Jüdin und eines Griechen.
2 Er war Paulus von den Brüdern in Lystra und Ikonion empfohlen worden.
3 Paulus wollte ihn als Begleiter mitnehmen und ließ ihn mit Rücksicht auf die Juden, die in jenen Gegenden wohnten, beschneiden; denn alle wussten, dass sein Vater ein Grieche war.
4 Als sie nun durch die Städte zogen, überbrachten sie ihnen die von den Aposteln und den Ältesten in Jerusalem gefassten Beschlüsse und trugen ihnen auf, sich daran zu halten.
5 So wurden die Gemeinden im Glauben gestärkt und wuchsen von Tag zu Tag.
6 Weil ihnen aber vom Heiligen Geist verwehrt wurde, das Wort in der Provinz Asien zu verkünden, reisten sie durch Phrygien und das galatische Land.
7 Sie zogen an Mysien entlang und versuchten, Bithynien zu erreichen; doch auch das erlaubte ihnen der Geist Jesu nicht.
8 So durchwanderten sie Mysien und kamen nach Troas hinab.
9 Dort hatte Paulus in der Nacht eine Vision. Ein Mazedonier stand da und bat ihn: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns!
10 Auf diese Vision hin wollten wir sofort nach Mazedonien abfahren; denn wir kamen zu dem Schluss, dass uns Gott dazu berufen hatte, dort das Evangelium zu verkünden.

Die heutige Lesung berichtet von den Ereignissen der zweiten Missionsreise des Paulus. Am Ende des 15. Kapitels wird erzählt, wie Paulus Barnabas eine zweite Reise vorschlägt, um nach den Neubekehrten zu schauen. Barnabas möchte Johannes Markus mitnehmen, der letztes Mal mit auf die Insel Zypern gereist, dann jedoch nicht weiter mitgekommen ist. Paulus nimmt es ihm wohl immer noch übel, denn er weigert sich, ihn auf die zweite Reise mitzunehmen. Wir müssen bedenken, dass Johannes Markus ein Verwandter des Barnabas ist und dieser ihn nicht einfach links liegen lassen will. So kommt es zu einem Konflikt zwischen den beiden Missionaren und sie gehen getrennte Wege. Barnabas reist mit seinem Verwandten nach Zypern, wohingegen Paulus Silas mitnimmt. Zusammen reisen sie durch Syrien und Kilikien.
Heute hören wir dann davon, dass Paulus in die Städte von damals kommt. Dort lernt er Timotheus kennen, den Sohn einer Judenchristin und eines Griechen. Er nimmt ihn als Begleitung mit und lässt ihn zuvor beschneiden. Dies tut er aus Rücksicht vor den Juden, die seinen Vater kennen. Er tut es nicht, weil es heilsnotwendig wäre, sondern um keinen Anstoß zu erregen.
Als sie die jungen Gemeinden besuchen, klären sie sie auch über die neuen Beschlüsse des Apostelkonzils auf. Sie sollen die Jakobinischen Klauseln berücksichtigen, müssen aber weder beschnitten werden noch die gesamte Torah halten. Der Besuch der Missionare bringt nicht nur Glaubensvertiefung mit sich, sondern auch weitere Gläubige.
Auch jetzt ist es der Heilige Geist, der die Missionare leitet. Wir erfahren, dass dieser sie davon abhält, durch die Provinz Asia zu ziehen (Westküste Kleinasiens). Stattdessen wirken sie in Phrygien und Galatien, die an die Asia im Osten angrenzen. Selbst als sie nach Bithynien möchten und dafür an Mysien vorbeiziehen müssen (da liegt z.B. Pergamon), warnt sie der Heilige Geist davor. Stattdessen ziehen sie durch Mysien nach Troas. Eines Nachts erhält Paulus eine prophetische Eingebung durch einen Traum, in dem er einen Mazedonier ihn um Hilfe bitten sieht. Sofort bewertet Paulus diesen Traum als gottgegeben und sie planen die Abreise nach Mazedonien. In Vers 10 lesen wir einen Perspektivwechsel, denn der Autor bezieht sich in die Geschichte ein! Er sagt „wir kamen zu dem Schluss“. Das bedeutet, dass Lukas als Autor der Apostelgeschichte die ganze Zeit mitgezogen ist.
So endet der heutige Abschnitt. Die Missionare machen zu keinem Zeitpunkt einfach das, was sie möchten. Sie lassen sich vom Heiligen Geist leiten und sind gerade deshalb so fruchtbar in ihrem Dienst. Auch uns möchte der Geist Gottes in unserem Leben leiten. Wir müssen ihm dafür nur den Raum geben.

Ps 100
2 Dient dem HERRN mit Freude! Kommt vor sein Angesicht mit Jubel!
3 Erkennt: Der HERR allein ist Gott. Er hat uns gemacht, wir sind sein Eigentum, sein Volk und die Herde seiner Weide.
4 Kommt mit Dank durch seine Tore, mit Lobgesang in seine Höfe! Dankt ihm, preist seinen Namen! 5 Denn der HERR ist gut, ewig währt seine Huld und von Geschlecht zu Geschlecht seine Treue.

Als Antwort auf diesen Missionserfolg beten wir Psalm 100, der betitelt wird als „Lobgesang der Völker beim Einzug ins Heiligtum“.
„Dient dem HERRN mit Freude! Kommt vor sein Angesicht mit Jubel!“ Diese Worte beziehen sich nun auf die neubekehrten Heidenchristen, die durch die Mission des Paulus und Barnabas Christen geworden sind. Sie sind es, die zu einem freudigen Dienst aufgefordert werden. Der Wortsinn dieses Psalms ist zunächst auf die Heiden in alttestamentlicher Zeit zu beziehen, die zum Tempel kommen sollen („vor sein Angesicht“). Dort gibt es einen eigens für sie bestimmten Tempelhof. Mit Blick auf die Heidenchristen zur Zeit des Paulus müssen wir uns fragen, was dann mit „Angesicht Gottes“ gemeint sein könnte. Jesus hat der samaritanischen Frau am Jakobsbrunnen schon angekündigt, dass in Zukunft weder der Tempel in Jerusalem noch die Kulthöhe auf dem Garizim die Anbetungsorte Gottes darstellen werden. Er hat angekündigt, dass er selbst der Ort der Anbetung darstellen wird und die rechte Weise der Anbetung im Geist und in der Wahrheit sein werde. Es wird keine örtliche Gebundenheit mehr geben, weil Jesus in jeder Heiligen Messe eucharistisch anwesend sein wird! Die Heidenchristen der Lesung treten also nun durch die Liturgie zum Angesicht Gottes, egal wo sie sich befinden – Lystra, Derbe, Ikonion, Jerusalem oder Antiochia.
„Erkennt: Der HERR allein ist Gott. Er hat uns gemacht, wir sind sein Eigentum, sein Volk und die Herde seiner Weide.“ Dass es nur diesen einen Gott gibt, wird den Heiden gegenüber natürlich deshalb betont, weil sie den Monotheismus erst einmal lernen müssen. Sie kommen aus einem polytheistischen Kontext (Vielgötterei). Dieser eine wahre Gott hat die Welt geschaffen, auch die Menschen. Deshalb gehören alle Menschen ihm. Auch die Heiden gehören zum auserwählten Volk. Das Hebräische gibt dies wieder mit dem Wort עַ֝מֹּ֗ו ammo. Es geht wirklich um das auserwählte Volk. Dies ist bemerkenswert im Kontext des Alten Testaments! Nicht nur das Volk Israel gehört zum Volk Gottes, sondern nun auch die Heiden! Hier wird etwas deutlich, was mit dem Neuen Bund wahr wird: Gottes Volk setzt sich nicht mehr durch biologische Abstammung zusammen, sondern durch Menschen aller Nationen, Völker, Stämme und Sprachen, die durch die Taufe zur neuen Schöpfung werden, eine geistliche Familie. Als solche ist das neue Volk Gottes Herde des guten Hirten. Dieses Bild greift Jesus dann auf, wenn er sich selbst als diesen guten Hirten offenbart und seine Jünger als seine Herde.
„Kommt mit Dank durch seine Tore“ ist wörtlich zunächst auf die Stadttore Jerusalems und des Tempelareals gemeint, durch die die Heiden in die Höfe des Tempels gelangen. Im weiteren Sinn meint es auch die Heidenchristen der jungen Gemeinden der Apostelgeschichte. Diese treten durch das Tor der Taufe hindurch in den Hof des Heiligtums Gottes, der in ihren Herzen Wohnung nimmt. Sie treten durch das Tor, wenn sie sich zur Eucharistie versammeln (wohl in Hausgemeinschaften). So ist es mit allen Menschen, die bis heute die Liturgie feiern. Die ganze Menschheit tritt durch das Tor des Todes ein in die Ewigkeit.
„Dankt ihm, preist seinen Namen!“ Dazu haben vor allem jene Neugetauften der Apostelgeschichte Anlass. Sie sind gerettet worden auf das ewige Leben hin. Dies veranlasst sie zu Lob und Dank.
Gott ist gut. Er hat das Heil jedes Menschen im Sinn. Er ist wirklich treu und verlässt seine Schäfchen nie. Deshalb können wir Menschen nicht anders, als zu jubeln über seine guten Taten an uns. Wir erkennen sie nicht immer und manchmal verdunkeln die Krisen unseres Lebens den dankbaren Blick auf das, was wir haben und was uns gelingt. Doch Gott ist immer der gleiche gute Gott, dem Ehre gebührt – gestern, heute und in Ewigkeit.

Joh 15
18 Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat.
19 Wenn ihr von der Welt stammen würdet, würde die Welt euch als ihr Eigentum lieben. Aber weil ihr nicht von der Welt stammt, sondern weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt.
20 Denkt an das Wort, das ich euch gesagt habe: Der Sklave ist nicht größer als sein Herr. Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen; wenn sie an meinem Wort festgehalten haben, werden sie auch an eurem Wort festhalten.
21 Doch dies alles werden sie euch um meines Namens willen antun; denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat.

Im Evangelium hören wir heute wieder einen Ausschnitt aus der zweiten Abschiedsrede. Gestern ging es vor allem um die Nächstenliebe aus der göttlichen Liebe heraus. Heute bereitet Jesus die Apostel auf die Widerstände vor, die sie erwarten.
Jesus spricht vom Hass durch die Welt. „Welt“ meint im Johannesevangelium immer die gefallene Schöpfung, nicht die Welt als Schöpfung Gottes. Was Gott gemacht hat, ist natürlich gut und nicht schändlich, sodass wir keine Weltfeindlichkeit daraus machen dürfen. Vielmehr meint es, was aus der Schöpfung Gottes geworden ist durch die Bosheit und Sünde der Menschen. Und diese hasst Gott. Dahinter steht der Satan, der Widersacher Gottes, der ihn ablehnt und auch die Menschen von Gott wegziehen möchte. Deshalb hasst die Welt auch Christus, das fleischgewordene Wort Gottes, das sie deshalb auch ans Kreuz schlagen werden. Und wer ihm nachfolgen will, wird ebenfalls gehasst werden aufgrund dieser Feindschaft auf geistlicher Ebene. Dieser geistliche Krieg steht eigentlich hinter den Konflikten zwischen den Menschen. Von diesem aus verstehen wir die Christenverfolgungen und innerkirchlichen Konflikte.
Wer getauft ist, stammt nicht mehr von der Welt, weil er oder sie nun zu der neuen Schöpfung gehört. Diese ist dabei auf die Ewigkeit hin ausgerichtet.
Auch die Apostel sind nicht von dieser Welt, zwar zu dem Zeitpunkt der zweiten Abschiedsrede noch nicht durch die Neuschöpfung im Heiligen Geist (dies erfolgt dann an Pfingsten), sondern aufgrund ihrer Erwählung durch Jesus Christus. Er greift hier vor, was mit ihnen passieren wird. Ihre Einstellungen sind aber schon eben jene der neuen Schöpfung. Sie leben schon auf die Ewigkeit hin, weil sie das Evangelium Jesu Christi angenommen haben.
Aufgrund dieser ganz anderen Prioritäten und Einstellungen sind sie der Welt fremd. Diese würde sie lieben und feiern, wenn sie noch in der Einstellung der Welt verharren würden. Das tun sie aber nicht und deshalb werden sie Verfolgung erleiden. Alle Apostel außer Johannes werden den Märtyrertod erleiden aus genau diesem Grund.
Ein anschauliches Beispiel für die Worte Jesu begegnet uns bei seiner Verurteilung: Dort steht er ganz zerschunden und verspottet als König der Juden mit Dornenkrone vor der Menschenmenge und neben ihm steht ein Schwerverbrecher, der als Zelot das Kommen des Gottesreiches mit Gewalt erzwingen wollte. Die Menschen feiern diesen anderen Messias (Bar-abbas, „Sohn des Vaters“) und fordern den Tod des wahren Messias, dessen Reich nicht von dieser Welt ist. Die Menschen feiern den, der in der weltlichen Logik lebt und wirkt. Sie hassen den, der mit göttlicher Weisheit die Welt verändert.
Schon bei der Fußwaschung erklärte Jesus seinen Aposteln, dass sie als seine Schüler nicht höher als er stehen können. Wenn er einen Sklavendienst verrichtet, sollen auch sie den Sklavendienst an anderen Menschen verrichten – freiwillig und aus Liebe. Dies greift er nun wieder auf, um sie auf die Anfeindungen vorzubereiten: Wenn er als ihr Rabbi schon auf solch schändliche Weise behandelt werden wird, dann wird es sie mindestens genauso treffen.
Aber dies wird nicht nur die negativen Reaktionen der Menschen betreffen: Ebenso werden jene, die das Wort Gottes durch den Messias selbst angenommen haben, es von seinen Aposteln akzeptieren, die in seinem Namen das Evangelium verkünden werden.
Zurück zu den Verfolgungen erklärt Jesus den Aposteln, dass die kommenden Verfolgungen, Bedrängnisse und Nachteile ihnen deshalb widerfahren werden, weil sie im Namen Jesu Christi auftreten werden, den sie zuerst gehasst haben. Und dies wiederum führt Jesus darauf zurück, dass die Feinde die Sendung des Sohnes vom Vater nicht erkannt haben. Hätten sie die Augen einmal richtig aufgemacht, wäre ihnen aufgegangen, dass Jesus im Namen des Vaters verkündet, nichts gegen dessen Willen gesagt und getan und somit die alttestamentlichen Verheißungen erfüllt hat.
Er ist der Sohn Gottes und hat nichts verkündet, was sich nicht mit den Worten Gottes in alttestamentlicher Zeit deckt.
Seine Gegner sind einfach blind und werden es auch sein, wenn sie den Aposteln vieles antun werden. Die Apostel sind gewarnt. Die Tragweite der Worte Jesu werden ihnen wohl nicht bewusst gewesen sein bis zu dem Moment, als sich dies dann bewahrheitet hat (wir denken an die Heilung des Gelähmten an der Schönen Pforte und die Verhaftung durch den Sanhedrin).

Die Worte Christi sind auch an uns gerichtet. Die Welt hasst die Christen, weil sie ganz andere Werte, eine ganz andere Ausrichtung, ganz andere Prioritäten aufweisen als die Gesellschaft. Das Christentum beugt sich nicht dem Zeitgeist (ich beziehe mich auf den unverfälschten Glauben und die konsequente Praxis, nicht auf die Scheinkatholiken, die die Lehre gar nicht mehr glauben). Es bietet die Stirn vor allem gegenüber totalitären Regimen wie dem Kommunismus und Nationalsozialismus. Wie viele Geistliche sind umgebracht worden für diese mutigen Kampfansagen! Wie viele Christen werden heute umgebracht, die mutig am Glauben festhalten, obwohl ihnen gedroht wird! Noch nie gab es so eine schlimme Christenverfolgung wie heutzutage. Das ist uns ein Zeichen dafür, dass die Welt immer gottloser wird. Die Diskrepanz wird immer größer und so auch die Gewalt.

Das ist etwas, das die Apostel annehmen müssen, doch es muss weder ihnen noch uns Angst einjagen. Jesus sagte, wenn wir die Zeichen der Endzeit sehen werden, sollen wir uns aufrichten und unsere Häupter erheben, weil die Erlösung naht (Lk 21,28). Und er steht uns bis zum Schluss bei mit allen Engeln und Heiligen, besonders mit seiner lieben Mutter, die auch unsere Mutter ist.

Ihre Magstrauss

Dienstag der 5. Osterwoche

Apg 14,19-28; Ps 145,10-11.12-13b.20-21; Joh 14,27-31a

Apg 14
19 Von Antiochia und Ikonion aber kamen Juden und überredeten die Volksmenge. Und sie steinigten den Paulus und schleiften ihn zur Stadt hinaus, in der Meinung, er sei tot.
20 Als aber die Jünger ihn umringten, stand er auf und ging in die Stadt. Am anderen Tag zog er mit Barnabas nach Derbe weiter.
21 Als sie dieser Stadt das Evangelium verkündet und viele Jünger gewonnen hatten, kehrten sie nach Lystra, Ikonion und Antiochia zurück.
22 Sie stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, treu am Glauben festzuhalten; sie sagten: Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen.
23 Sie setzten für sie in jeder Gemeinde Älteste ein und empfahlen sie unter Gebet und Fasten dem Herrn, an den sie nun glaubten.
24 Nachdem sie durch Pisidien gezogen waren, kamen sie nach Pamphylien,
25 verkündeten in Perge das Wort und gingen dann nach Attalia hinab.
26 Von dort segelten sie nach Antiochia, wo man sie für das Werk, das sie nun vollbracht hatten, der Gnade Gottes übereignet hatte.
27 Als sie dort angekommen waren, riefen sie die Gemeinde zusammen und berichteten alles, was Gott mit ihnen zusammen getan und dass er den Heiden die Tür zum Glauben geöffnet hatte.
28 Und sie blieben noch längere Zeit bei den Jüngern.

Gestern hörten wir von dem skurrilen Missverständnis der Bewohner von Lystra. Sie dachten aufgrund eines Heilungswunders, dass Paulus und Barnabas Zeus und Hermes in Menschengestalt seien. Mit Mühe schaffte Paulus es, die Volksmenge von Zeusopfern abzubringen. Das ist aber noch nicht das Ende vom Lied. Heute wird uns nämlich davon berichtet, dass nun die Gegener aus Antiochia und Ikonion nach Lystra anreisen, um auch dort die Menschen von den Missionaren abzubringen. Sie hetzen die Bewohner regelrecht gegen die Missionare auf, sodass sie Paulus steinigen und aus der Stadt hinausschleifen. Sie denken, er sei tot. Deshalb lassen sie ihn dort einfach liegen und gehen weg.
Es kommen dann aber Jünger, die ihn umkreisen. Dabei muss es sich um Bekehrte der Stadt handeln, die das Evangelium angenommen haben. Und kurzerhand steht Paulus auf und geht zurück in die Stadt. Das ist ein wahres Wunder. Von einer Steinigung stirbt man normalerweise. Doch Gott hat ihn vor dem Tod bewahrt, sogar dafür gesorgt, dass er nicht mal Erholung braucht! Tags darauf zieht er mit Barnabas weiter nach Derbe, um auch dort das Evangelium zu verkünden. Viele Menschen kommen zum Glauben.
Es ist bemerkenswert, dass die Missionare dann zurück in die Städte gehen, in denen sie viele Gegner haben und Paulus fast gestorben wäre. Warum tun sie das? Sie gehen zu denen, die Jünger Jesu Christi geworden sind. Da diese noch ganz am Anfang stehen, kümmern sie sich um den Aufbau der Gemeinde. Dies geschieht unter anderem dadurch, dass sie Älteste als Gemeindevorsteher weihen. Eine Gemeinde braucht eine Führungsperson, die die Gläubigen zusammenhält und vor allem die sakramentale Vollmacht hat.
Da es sich um Neubekehrte handelt, müssen Paulus und Barnabas die Seelen der Menschen stärken. Der Weg des Christentums ist vom Grundsatz her ein Weg des Leidens. Die Missionare bereiten die Neubekehrten darauf vor, indem sie ihnen zukünftige Drangsale ankündigen.
Nachdem die Missionare durch Pisidien gezogen sind, setzen sie ihr Werk in Pamphylien fort. Sie verkünden das Wort Gottes in Perge und ziehen dann weiter nach Attalia.
Als sie auch dort fertig sind, reisen sie zurück ins syrische Antiochia, von wo aus sie sich auf den Weg gemacht haben. Dort erzählen sie von ihren Erlebnissen und vor allem von dem Erfolg bei den Heiden. Sie bleiben längere Zeit dort.
So endet die erste Missionsreise, auf der sie schon bis an ihre Grenzen gehen mussten. Paulus hat sogar eine Steinigung überlebt. Sie sind wirklich durch Drangsale gegangen und konnten ihr Leiden ganz mit dem Leiden Jesu Christi vereinen. All die Strapazen haben sie auf sich genommen als Leiden für jene, die zum Glauben kommen sollten. Bei solch großen Missionsreisen reicht Gebet und Fasten einfach nicht. Gott lässt zu, dass seine auserwählten Apostel zusätzlich viel erleiden müssen. Auf das große Leiden folgt dann aber die große Gnade. Schon durch die erste Missionsreise sind viele Menschen zum Glauben an Christus gekommen.
Wie viel nehmen wir heute als Kirche auf uns, um den Menschen Jesus Christus zu verkünden?

Ps 145
10 Danken sollen dir, HERR, all deine Werke, deine Frommen sollen dich preisen.
11 Von der Herrlichkeit deines Königtums sollen sie reden, von deiner Macht sollen sie sprechen,

12 um den Menschen bekannt zu machen seine machtvollen Taten und die glanzvolle Herrlichkeit seines Königtums.
13 Dein Königtum ist ein Königtum aller Zeiten, von Geschlecht zu Geschlecht währt deine Herrschaft.
20 Der HERR behütet alle, die ihn lieben, doch alle Frevler vernichtet er.
21 Das Lob des HERRN spreche mein Mund,/ alles Fleisch preise seinen heiligen Namen auf immer und ewig!

Als Antwort auf den Erfolg der ersten Missionsreise loben wir Gott im Psalm. Es ist wieder ein Aufruf zum Lobpreis bzw. Dank, der diesmal in dritter Person formuliert ist. Der Aufruf an die Frommen, ihn zu preisen, färbt den Psalm sehr liturgisch. Es ist ein Appell, hinter dem ursprünglich wohl wirklich ein liturgischer Kontext stand.
Es ist bemerkenswert, dass die Rede vom Königtum Gottes ist. Gott ist ein Herrscher und seine Königswürde ist Herrlichkeit. Das hebräische Wort כָּבוֹד kavod ist auch dasselbe, das für die Gegenwart Gottes im Tempel verwendet wird und das zum Gottesprädikat δόξα doxa wird – sowohl im griechischen AT als auch im NT. Die Herrlichkeit des Reiches Gottes macht auch Jesus zum Kern seiner Verkündigung. Und am Ende seines Wirkens, bevor er nämlich zum Vater zurückkehrt, trägt er seinen Jüngern auf, diese Herrlichkeit des Gottesreiches allen Menschen zu verkünden. Somit wird das umgesetzt, was hier im Psalm schon gesagt wird: „Von der Herrlichkeit deines Königtums sollen sie reden…um den Menschen bekannt zu machen“. Die Kirche tut dies in ihren Vollzügen: Sie verkündet das Reich Gottes (martyria), sie feiert das Reich Gottes (leiturgia), sie lebt das Reich Gottes (diakonia). Und wir Menschen ersehnen das Reich Gottes jedes Mal, wenn wir im Vaterunser beten „dein Reich komme“. Das Reich Gottes ist ewig, so sagt es schon der Psalm. Es ist das Himmelreich, das unter anderem auch mit dem Begriff „himmlisches Jerusalem“ bezeichnet wird.
Paulus und Barnabas gehören zu den Frommen. Sie verkünden Jesus Christus und nehmen dabei alles auf sich. Sie riskieren sogar ihr Leben. Sie sind wirklich gute Hirten, die ihr Leben für die Schafe hingeben, bevor diese überhaupt zu ihrer Herde gehören.
Auch wenn ihnen so einiges zustößt, verhindert Gott das Schlimmste. So ist Vers 20 ganz vor dem Hintergrund der Lesung zu verstehen, wenn es heißt: „Der HERR behütet alle, die ihn lieben“. Er lässt nicht zu, dass Paulus durch die Steinigung stirbt. Gott vernichtet die Frevler. Das tut er aber deshalb, weil sie es sich selbst ausgesucht haben. Er tut es auch nicht sofort, sondern setzt alles daran, sie zur Umkehr zu bewegen. Er versucht sie zu retten, solange es geht. Aber wer bis zum Schluss am Frevel festhält, den nimmt Gott beim Wort. Wer nein sagt, bekommt auch die Konsequenz des Nein zu spüren.
Der Psalm endet mit einem erneuten Lob, wobei dieses nun als Gelübde oder Versprechen in Ich-Form formuliert ist. Das Loben Gottes ist zwar im liturgischen Kontext eine Sache der Gruppe, doch jeder einzelne Mensch muss dies auch ganz persönlich tun. Und die Entscheidung für Gott kann ich nicht als Gruppe treffen. Ich muss mich ganz persönlich entscheiden. So ist es auch mit den Menschen in Pisidien und Pamphylien. Letztendlich verstecken sich die Gegner der Missionare hinter den Menschenmengen, indem sie diese gegen sie aufhetzen. Doch die Entscheidung, den Glauben anzunehmen, muss man als Einzelmensch treffen.

Joh 14
27 Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht, wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.
28 Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch. Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich.
29 Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.
30 Ich werde nicht mehr viel zu euch sagen; denn es kommt der Herrscher der Welt. Über mich hat er keine Macht,
31 aber die Welt soll erkennen, dass ich den Vater liebe und so handle, wie es mir der Vater aufgetragen hat.

Heute hören wir im Evangelium den Abschluss der ersten Abschiedsrede.
Jesus endete den Abschnitt gestern mit den Worten vom Beistand. Er kündigt das Pfingstereignis an, bei dem der Heilige Geist in Fülle auf sie herabkommen und sie ganz durchdringen wird, sodass ihnen alles wieder in Erinnerung gerufen wird. Dabei ist es kein Zufall, dass Jesus direkt im Anschluss vom Frieden spricht, der den Anfang des heutigen Abschnitts bildet. Friede ist eine Frucht des Heiligen Geistes. Er ist nichts, was die Menschen sich selbst machen können. Der Friede der Welt ist allenfalls ein Waffenstillstand, etwas Vorübergehendes, das politischer Natur ist. Der Friede Gottes ist verbunden mit dem ewigen und umfassenden Heil, das nur Gott schenken kann. Das hebräische Wort שלום schalom bedeutet zugleich „Frieden“ und „Heil“. Im Griechischen wird dafür immer das Wort εἰρήνη eirene gebraucht. Jesus hinterlässt etwas. Wenn er so spricht, ist für die Apostel klar, dass er sich verabschiedet. Sie verstehen noch nicht, was als nächstes passieren wird. Sie werden trotz der mehrfachen Leidensankündigungen Jesu von der Auslieferung und den Geschehnissen der Nacht überrumpelt werden. Es wird sie ganz überfordern, sodass nur Johannes in der Sterbestunde Jesu bei ihm sein wird. Der Apostelführer Petrus wird ihn sogar verleumden und Judas Iskariot sich aus Verzweiflung umbringen. Und dennoch wird Jesus ihnen sein Testament zurücklassen, sein göttliches Wort. Er hat ihnen alles gesagt und es ihnen durch Taten verdeutlicht. Sie werden nicht alles begriffen haben und deshalb vergessen. Doch deshalb wird der Geist sie an Pfingsten an all diese wichtigen Aussagen Jesu wieder erinnern. Und das, was sie von Jesu Worten und Taten dann verkündet und weitergegeben haben, ist das Testament Jesu. Nicht umsonst nennen wir den verschriftlichen Teil von dieser Überlieferung das Neue Testament.
Jesus beruhigt die Apostel im Vorfeld schon, indem er ihnen zuspricht: „Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.“ Vielleicht spüren die Apostel im Abendmahlssaal schon, dass sich etwas anbahnt.
Jesus greift die Rede von seiner Heimkehr zum Vater wieder auf, die er einige Verse zuvor schon angedeutet hat: „Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch. Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich.“ Was meint Jesus damit? Anscheinend haben die Apostel traurig reagiert, als er dies angedeutet hat. Jesus wird sie schließlich verlassen, den sie so lieb gewonnen haben. Dabei können sie sich freuen, denn wenn Jesus zum Vater geht, wird er seine Entäußerung ablegen und verherrlicht werden. Er wird wiederkommen in seiner ganzen Macht und Stärke. In dieser Hinsicht ist der Vater stärker als der irdische Jesus vor seiner Auferstehung und Himmelfahrt. Er nimmt seine Göttlichkeit auf Erden ja nicht in Anspruch.
Die Apostel können sich freuen, weil sie von der sich durchsetzenden Macht Gottes nur profitieren können, so wie die ganze Welt, die das Heil Gottes schauen wird. Zudem können sie sich freuen, weil der Vater ja auch den Geist senden wird, der den Aposteln als Beistand dienen wird und sie noch viel größere Zeichen sehen lassen wird.
Jesus sagt zu seinen Aposteln, dass er ihnen das alles voraussagt, damit sie dann zum Glauben kommen, wenn es geschieht. Das heißt nicht, dass sie jetzt Ungläubige wären, sondern dass sie dann alles begreifen werden. Was man richtig verstanden hat, kann man auch bewusst gläubig annehmen. Das wird geschehen, wenn der Geist Gottes ihnen die Augen öffnen wird. Momentan nehmen sie es an, obwohl sie es noch gar nicht richtig verstehen.
Dann sagt Jesus ein rätselhaftes Wort, das man richtig auslegen muss: Er wird nicht mehr viel sagen, außer dass der Herrscher der Welt kommt, der aber keine Macht über ihn hat. Wer ist denn dieser Herrscher der Welt, dass er nicht einmal Macht über Jesus hat? Damit ist der bis zum Erlösungswerk Jesu Christi herrschende Satan gemeint. Er hat die Welt im Griff, bis Jesus ihm durch Tod und Auferstehung einen Strich durch die Rechnung macht. Von da an ist Christus der Herrscher der Welt, auch wenn der Böse noch für eine begrenzte Zeit seinen Handlungsspielraum hat.
Jesus deutet den Aposteln hier noch einmal sein Leiden an. Der Herrscher der Welt kommt und bedient sich eines Apostels, der also zu den engsten Freunden Jesu gehört: Judas Iskariot. Der Satan wird dafür sorgen, dass Jesus am Ende gekreuzigt wird. Doch weil Jesus auferstehen wird, hat er keine Macht über ihn. Der Tod als Konsequenz der Sünde hat somit auch keine Macht über Christus, den Österlichen.
Durch die Hingabe am Kreuz wird die Sühne der Sünde aller Menschen erwirkt und zugleich möchte Jesus seine Liebe zum Vater zum Ausdruck bringen, dessen Willen er bis zum Schluss gehorsam ausübt. Darin ist er Vorbild jenen, die ihm nachfolgen und als Christen ebenso den Willen des Vaters auszuführen bereit sind.

So endet die erste Abschiedsrede. Zwei weitere folgen. Jesus hat gerade in diesen Ansprachen sehr entscheidende Dinge zu sagen, die auch uns gelten, die wir in seiner Nachfolge stehen und ebenso sein Testament empfangen, nämlich durch die Nachfolger der Apostel. Wir müssen also auch heute 2000 Jahre später nicht traurig sein, dass der irdische Jesus in Menschengestalt nicht mehr mit uns zusammenlebt. Er ist zum Vater gegangen und dadurch konnte uns ja die Fülle des Geistes überhaupt geschenkt werden. Dass er in eucharistischer Realpräsenz mitten unter uns lebt und wir ihn sogar in uns aufnehmen können, verdanken wir ebenso seinem Heimgang zum Vater. Von der Ewigkeit her kann er uns erst so richtig nahe sein.

Ihre Magstrauss

Montag der 5. Osterwoche

Apg 14,5-18; Ps 115,1-2.3-4.15-16; Joh 14,21-26

Apg 14
5 Als die Apostel merkten, dass die Heiden und die Juden zusammen mit ihren Führern entschlossen waren, sie zu misshandeln und zu steinigen,

6 flohen sie in die Städte von Lykaonien, Lystra und Derbe und in deren Umgebung.
7 Auch dort verkündeten sie das Evangelium.
8 In Lystra saß ein Mann, der keine Kraft in den Füßen hatte, von Geburt an lahm, der noch nie hatte gehen können.
9 Er hörte, wie Paulus redete. Dieser blickte ihm fest ins Auge; und da er sah, dass der Mann den Glauben hatte, geheilt zu werden,
10 sprach er mit lauter Stimme: Steh auf! Stell dich aufrecht auf deine Füße! Da sprang der Mann auf und ging umher.
11 Als die Menge sah, was Paulus getan hatte, fing sie an zu schreien und rief auf Lykaonisch: Die Götter sind in Menschengestalt zu uns herabgestiegen.
12 Und sie nannten den Barnabas Zeus, den Paulus aber Hermes, weil er der Wortführer war.
13 Der Priester des vor der Stadt gelegenen Tempels des Zeus brachte Stiere und Kränze an die Tore und wollte zusammen mit der Volksmenge ein Opfer darbringen.
14 Als die Apostel Barnabas und Paulus dies hörten, zerrissen sie ihre Kleider, eilten hinaus unter das Volk und riefen:
15 Männer, was tut ihr? Auch wir sind nur schwache Menschen wie ihr! Wir bringen euch das Evangelium, damit ihr euch von diesen Nichtsen zu dem lebendigen Gott bekehrt, der den Himmel, die Erde und das Meer geschaffen hat und alles, was dazugehört.
16 Er ließ in den vergangenen Zeiten alle Heidenvölker ihre Wege gehen.
17 Und doch hat er sich nicht unbezeugt gelassen: Er tat Gutes, gab euch vom Himmel her Regen und fruchtbare Zeiten; mit Nahrung und mit Freude erfüllte er euer Herz.
18 Mit diesen Worten konnten sie die Volksmenge mit Mühe davon abbringen, ihnen zu opfern.

Letzten Samstag endete die Zeit in Antiochia mit hetzenden und missgünstigen Bewohnern. Die Missionare schüttelten den Staub den Füßen und zogen nach Ikonion. Es ist auch dort ähnlich: Sie predigen bei den Juden und ernten zunächst eine große Offenheit und positive Rückmeldungen. Doch auch dort kommt es bald zu Auseinandersetzungen und so beginnt der heutige Abschnitt mit der Bemerkung, dass sie von Ikonion fliehen müssen. Sowohl Juden als auch Heiden möchten sie nämlich steinigen.
So ziehen sie ins lykaonische Gebiet. Die Menschen dort sprechen zusätzlich zu Griechisch noch ihre lykaonische Sprache. Es handelt sich bei den genannten Städten um heidnisches Gebiet. Dies ist wichtig zu wissen, um das sich im Folgenden zutragende Missverständnis zu verstehen.
Sie predigen in Lystra das Evangelium und da fällt Paulus ein gelähmter Mann auf, der ihm fest in die Augen schaute. Er merkt, dass der Mann ein offenes Herz hat für den Glauben und so befiehlt er ihm, aufzustehen. Sogleich steht er auf und kann umhergehen, obwohl er von Geburt an gelähmt war. Dies ist ein großes Wunder und die anwesenden Menschen reagieren so, wie es für Heiden zu erwarten ist: Sie denken, dass ihre Götter Zeus und Hermes in Menschengestalt vor ihnen stehen und dies erwirkt haben. Dies ist die religiöse Welt, die sie kennen und so versuchen sie es sich zu erklären. Paulus und Barnabas bekommen derweil nichts davon mit, denn sie verstehen die lykaonische Sprache nicht. Erst als sie gemäß des in der Stadt etablierten Zeuskults Opfer darbringen wollen, realisieren die Missionare das fatale Missverständnis und versuchen, die Menschen von den Opfern abzubringen.
Paulus erklärt den Bewohnern, dass sie ja gerade deshalb das Evangelium verkündet haben, damit sie von ihrer paganen Verehrung Abschied nehmen. Er betont dies durch die Bezeichnung „Nichtse“ für die Götter. Das Wort μάταιος mataios heißt „nichtig, eitel, ohne Kraft/Wirkung“. Die Götter der Heiden, z.B. Zeus und Hermes, sind in Wirklichkeit nichts. Es gibt sie nicht. Der Gott, den sie verkünden, ist dagegen der lebendige Gott. Er existiert wirklich und hat vor ihren Augen soeben seine Macht offenbart.
Paulus stellt klar, dass Barnabas und er nur schwache Menschen sind und keine Götter. Deshalb umschreibt er den lebendigen Gott auch als Schöpfer, „der den Himmel, die Erde und das Meer geschaffen hat und alles, was dazugehört.“ Er ist von der Schöpfung strikt zu unterscheiden. Er ist der ganz Andere und deshalb kann auch kein Mensch göttlich sein. Dieser Schöpfergott hat allen Menschen bisher Gutes erwiesen, auch den Heiden. Er hat durch die gute Schöpfung alle Menschen mit reichen Gaben beschenkt.
So schaffen die Missionare es, die Bewohner von Lystra vor dem Götzendienst zu bewahren. So endet die heutige Episode. Für die beiden birgt die erste Missionsreise sehr viele Überraschungen und Ungewissheit. In einem Moment ernten sie reiche Zustimmung, im nächsten Moment trachten die Menschen nach ihrem Leben. Sie gehen wirklich bis an ihre Grenzen, um Jesus Christus zu den Menschen zu bringen.

Ps 115
1 Nicht uns, HERR, nicht uns, nein, deinem Namen gib Herrlichkeit, wegen deiner Huld, wegen deiner Treue!
2 Warum sollen die Völker sagen: Wo ist denn ihr Gott?
3 Unser Gott, er ist im Himmel, alles, was ihm gefällt, vollbringt er.
4 Ihre Götzen sind nur Silber und Gold, Machwerk von Menschenhand.
15 Gesegnet seid ihr vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.
16 Der Himmel ist Himmel des HERRN, die Erde aber gab er den Menschen

Der heutige Antwortpsalm ist in der Einheitsübersetzung betitelt mit dem Thema „Der Gott Israels und die Götzen der Völker“. Er passt also perfekt zum lykaonischen Missverständnis der heutigen Lesung.
Er beginnt mit einer Bitte und zugleich einer Abgrenzung: Nicht die Menschen, sondern Gott allein soll verherrlicht werden. Paulus und Barnabas sind ja als Götter behandelt worden, was Götzendienst darstellt. Es ist ein Verstoß gegen das erste Gebot, denn nur Gott allein gebührt die Anbetung. Nur ihm darf ein Opfer dargebracht werden.
„Wegen deiner Huld, wegen deiner Treue“ deutet an, dass Gott seinem Volk immer wieder die Treue bewiesen hat, die er durch die Bundesschlüsse des Alten Testaments versprochen hat. Gott ist selbst dann seinem Volk treu, wenn es ihm untreu geworden ist.
„Warum sollen die Völker sagen: Wo ist denn ihr Gott?“ Solche Wendungen finden wir häufig bei den Psalmen. Sie drücken aus, dass wenn dem auserwählten Volk etwas Schlimmes widerfährt, die umliegenden Völker mit Schadenfreude und Spott reagieren im Sinne von „wo ist ihr Gott jetzt, wo er sein Volk doch aus dem Leiden herausführen soll!“ Diese Art von Verspottung muss auch Jesus erleiden, wenn er am Kreuz hängt und sowohl die Hohepriester als auch die Jerusalempilger und sogar die Mitgekreuzigten zu ihm sagen: „Wenn du der Sohn Gottes bist, hilf dir doch selbst und steig herab vom Kreuz.“ Hier beten es die Juden, um deutlich zu machen: „Herr, hilf uns, damit die umliegenden Völker deine Macht erkennen und gläubig werden!“
Vers 3 betont Gottes Anderssein. In der Theologie wird dafür der Begriff der Transzendenz verwendet. Gott ist der rein Transzendente. Nichts in der Schöpfung ist Gott. Er ist davon ganz zu unterscheiden. Er ist im Himmel, was nicht das Himmelsgewölbe über uns meint, sondern die Dimension der Ewigkeit. Er ist außerhalb von Raum und Zeit, denn auch diese Kategorien sind von Gott geschaffen.
„Alles, was ihm gefällt, vollbringt er.“ Alles hängt von Gottes Willen ab. Er wirkt ganz nach seinem Willen, der ein Heilswille ist.
„Ihre Götzen sind nur Silber und Gold, Machwerk von Menschenhand.“ Götzen sind aus irdischem Material und auch ihre Gestalt ist geschaffen, nicht mal von Gott, sondern von Menschenhand. Sie sind gar nicht zu vergleichen mit diesem ganz anderen Gott, der über seine Schöpfung steht. Sie sind wirkungsloses Stück Edelmetall, das keine eigene Kraft besitzt, weder einen Willen noch die Macht hat, irgendetwas zu vollbringen. Um mit Paulus zu sprechen: Es sind Nichtse.
Gott ist der Schöpfer von Himmel und Erde – von sichtbarer und unsichtbarer Welt. Die unsichtbare Welt ist jene, in der er selbst ganz gegenwärtig ist. Die sichtbare Welt ist jene, in der wir Menschen leben.
Wir sind gesegnet von diesem Schöpfergott, der alles vermag. Segen kann kein Stück Silber oder Gold verleihen. Gott ist ein persönlicher Gott, zu dem wir eine Beziehung haben können, zu ihm, der der Herrscher des ganzen Universums ist! Wie überwältigend ist das?

Joh 14
21 Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.
22 Judas – nicht der Iskariot – fragte ihn: Herr, wie kommt es, dass du dich nur uns offenbaren willst und nicht der Welt?
23 Jesus antwortete ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen.
24 Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat.
25 Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin.
26 Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

Heute hören wir im Evangelium die Fortsetzung aus der ersten Abschiedsrede.
„Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt.“ Das ist ein wichtiger Grundsatz, der eigentlich das ganze christliche Leben zusammenfasst. Sie zu haben heißt, dass sie einem offenbart worden sind. Mose hat sie den Juden bereits übergeben, aber Jesus hat sie den Menschen einerseits richtig ausgelegt, andererseits mit seinem ganzen Sein erfüllt. Er ist die Personifikation der Gebote. Christus ist uns geoffenbart worden und wir haben ihn gläubig angenommen durch die Taufe. Wir haben ihn in der Taufe gleichsam angezogen und nehmen ihn in der Eucharistie immer wieder in uns auf, sodass wir immer mehr zu seinem Leib werden. Wir haben die Gebote wirklich in unser Herz aufgenommen. Und diese zu halten, und zwar vollständig und mit rechter Absicht, das ist der Erweis unserer Gottesliebe. Wenn wir einen Menschen lieben und ihm am Traualtar lebenslang die Treue versprechen, nehmen wir ihn ganz an mit allen seinen Facetten. Wir erklären uns bereits, alles für ihn zu tun, egal wie schwer es uns in den schlechten Tagen auch schwerfallen sollte. Aus Liebe sind wir bereit, über unsere Komfortzone hinauszugehen. Was wir mit dem Ehebund eingehen, ist Abbild des eigentlichen Bundes mit Gott! Wir nehmen ihn ganz an mit allen seinen Facetten, wie auch er uns ganz annimmt mit unseren Stärken und Schwächen. Bund heißt „ich gehöre ganz dir und du gehörst ganz mir“. So funktioniert Liebe. Es ist also ganz falsch zu fragen, welche Gebote wir halten sollen und welche uns nicht gefallen. Wir halten ALLE Gebote, weil wir Gott GANZ annehmen und ALLES für ihn tun, weil wir ihn LIEBEN. Es ist keine Einbahnstraße, sondern unsere Liebe ist schon Antwort auf die zuerst von ihm ausgegangene Liebe. Der Mensch, der Christus in der Taufe annimmt, wird vom Vater geliebt werden zusammen mit dem Sohn.
Judas Thaddäus fragt Jesus, warum er sich nur den Aposteln offenbaren will, denn Jesus spricht seine Apostel im Abendmahlssaal direkt an.
Jesus antwortet mit einer Umschreibung der Situation, aufgrund dessen er sich einem Menschen offenbart: Es geht darum, auf sein Wort zu hören. Dieses ist ausgestreut in alle Richtungen. Er ist schließlich von Ort zu Ort gezogen und hat überall das Reich Gottes verkündet. Das Wort hat er also allen angeboten – und somit sich selbst, denn er ist dieses Wort Gottes in fleischgewordenener Form! Dieses kam in sein Eigentum, doch die Seinen nahmen ihn nicht an, wie der Johannesprolog ausdrückt. Es gibt also solche, die auf sein Wort hören, und solche, die nicht darauf hören. Wer es aber annimmt, den wird der Vater lieben und zusammen mit dem Sohn bei diesem Menschen Wohnung nehmen. Sie offenbaren sich somit auch jenem Menschen. Die Apostel haben so wie der erweiterte Jüngerkreis Jesus angenommen und so offenbart er sich ihnen auch zusammen mit dem Vater. Gott nimmt den Willen des Menschen ernst. Er offenbart sich eigentlich der ganzen Welt durch sein Wort, doch wer es nicht annimmt, für den bleibt Gott dunkel – nicht weil Gott Bedingungen stellt, sondern der Mensch selbst dafür sorgt.
Jesus sagt auch, dass das von den Aposteln gehörte Wort vom Vater stammt. Jesus sagt nichts, was nicht im Einklang mit dem Vater ist. Sie sind eins.
Er erklärt zum Ende hin auch, dass er ihnen das alles in seiner Zeit auf Erden gesagt hat. Doch durch den Heiligen Geist, der der Beistand ist, werden sie an alles erinnert werden. Das können wir als Leser und Hörer der Apostelgeschichte wirklich unterschreiben. Sie werden dann erst so richtig verstehen, was Jesus mit bestimmten Aussagen meinte. Sie werden das schon längst Vergessene als sehr entscheidende Dinge begreifen und sie voller Begeisterung auch den anderen Menschen verkünden, sodass auch diese zum Glauben an Jesus Christus kommen. Allein die Pfingstpredigt ist ein absolutes Meisterwerk von Schriftenauslegung auf Christus hin. Ein einfacher Fischer ist von einem Moment auf den anderen zum Exegeten Gottes geworden mit so einem Enthusiasmus, dass er 3000 Menschen auf einen Schlag für Christus gewinnt. Das hat der Heilige Geist in ihm bewirkt und das kann der Geist auch mit uns tun, wenn wir ihn nur lassen.
Dieser Geist geht vom Vater aus, aber auf den Namen Jesu Christi, somit auch von diesem.

Wir lernen heute so einiges über Götzendienst und Monotheismus. Allein Gott ist der Schöpfer von Himmel und Erde. Allein ihm gebührt Anbetung. Offenbart hat er sich in Jesus Christus auf der Höhe der Zeit. Diese wunderbare Offenbarung des Heils gilt es, allen Menschen zu verkünden, auf dass sie auf das Wort Gottes hören und es befolgen. Zwingen werden auch die Apostel die Menschen nicht. Wer es ablehnt und ihnen sogar nach dem Leben trachten will, vor denen schütteln sie den Staub von den Füßen als Zeichen gegen sie. Sie machen sich nichts daraus und ziehen zur nächsten Stadt. Und immer mehr Menschen nehmen das Wort an und lassen sich taufen. Gott nimmt auch in ihren Herzen Wohnung und offenbart sich ihnen. Das Christentum wächst immer weiter.

Ist uns bewusst, dass Gott in uns wohnt? Handeln wir so, dass wir uns vor ihm nicht schämen müssen, der uns ja innerlicher ist als wir uns selbst? Er hat sich uns offenbart als Gott des Heils. Er hat so etwas Unglaubliches für uns getan, um uns das ewige Leben zu schenken. Ist unser Leben eine würdige Antwort darauf?

Ihre Magstrauss

Freitag der 4. Osterwoche

Apg 13,26-33; Ps 2,6-7.8-9.10-11; Joh 14,1-6

Apg 13
26 Brüder, ihr Söhne aus Abrahams Geschlecht und ihr Gottesfürchtigen! Uns wurde das Wort dieses Heils gesandt.

27 Denn die Einwohner von Jerusalem und ihre Führer haben Jesus nicht erkannt, aber sie haben die Worte der Propheten, die an jedem Sabbat vorgelesen werden, erfüllt und haben ihn verurteilt. 28 Obwohl sie nichts fanden, wofür er den Tod verdient hätte, forderten sie von Pilatus seine Hinrichtung.
29 Als sie alles vollbracht hatten, was in der Schrift über ihn gesagt ist, nahmen sie ihn vom Kreuzesholz und legten ihn ins Grab.
30 Gott aber hat ihn von den Toten auferweckt
31 und er ist viele Tage hindurch denen erschienen, die mit ihm zusammen von Galiläa nach Jerusalem hinaufgezogen waren und die jetzt vor dem Volk seine Zeugen sind.
32 So verkünden wir euch das Evangelium: Gott hat die Verheißung, die an die Väter ergangen ist,
33 an uns, ihren Kindern, erfüllt, indem er Jesus auferweckt hat, wie es im zweiten Psalm heißt: Mein Sohn bist du, heute habe ich dich gezeugt.

In der Lesung hören wir heute die Fortsetzung der Predigt Pauli, die gestern mit dem Vorläufer und Täufer Johannes endete. Heute formuliert er ein richtiges Christusbekenntnis:
Er spricht sie zunächst noch einmal direkt an, um ihre Aufmerksamkeit von Neuem zu erhalten. So wie gestern spricht er nicht nur zu den Söhnen Abrahams, also zu den anwesenden Juden in der Synagoge, sondern auch zu den Gottesfürchtigen. Diese Gruppe habe ich schon ein paar Mal erklärt – es handelt sich um Heiden, die dem jüdischen Glauben nahe stehen, die jüdische Ethik übernehmen und die Schriften studieren, aber den letzten Schritt der Beschneidung nicht unternehmen.
Paulus macht deutlich, dass Jesus und das mit ihm gekommene Heil an sie persönlich gerichtet ist. Das macht den jüdischen und auch christlichen Glauben aus: persönliche Begegnung mit Gott. Es ist somit auch an die dort Anwesenden gerichtet, ja gerade an die Juden in der Diaspora. Denn die Einwohner Jerusalems haben ihn abgelehnt. Paulus stellt das Paradox heraus, dass die jerusalemer Juden die Propheten Sabbat für Sabbat in der Synagoge vorlesen und umsetzen und doch den dort angekündigten Messias nicht erkannt haben. Stattdessen haben sie ihn verurteilt.
Trotz seiner Unschuld erreichten sie eine Hinrichtung durch Pontius Pilatus. Dann fasst Paulus den ganzen Kreuzigungsprozess als die Erfüllung vieler Schriftstellen zusammen (Vers 29). In meinem Bibelworkshop über das Leben Jesu habe ich einige dieser Bezüge herausgestellt (https://www.youtube.com/watch?v=zhM4M88c2Ww).
Dass Jesus gekreuzigt worden ist, sagt er explizit erst im nächsten Vers, denn er spricht vom Kreuzesholz, von dem man ihn abnahm.
Das war aber nicht das Ende vom Lied, denn Gott hat ihn von den Toten auferweckt. Paulus erklärt hier das Unsägliche – der Messias hat den Tod besiegt! Er, der durch die Hinrichtung gemäß Deuteronomium als ein Gottverfluchter galt, wurde von eben jenem wieder ins Leben zurückgeholt!
Paulus erzählt sodann von den mehrfachen Erscheinungen des Auferstandenen in Judäa und Galiläa (vor allem am See). Die Zeugen seiner Auferstehung sind seine Apostel. Und sich selbst zählt Paulus ebenfalls dazu, weil der Auferstandene auch ihm persönlich erschienen ist.
Davon ausgehend stehen die beiden Missionare nun vor den Juden in Antiochia und verkünden das Evangelium Jesu Christi. Es ist eine lange Geschichte der Verheißung, die mit Christus ihren Höhepunkt gefunden hat. Die Schrift hat sich mit ihm und in ihm ganz erfüllt. Das Osterereignis ist dabei der ultimative Moment dieser Erfüllung.
Am Ende des heutigen Abschnitts zitiert Paulus Psalm 2, den wir gleich als Antwortpsalm beten.
Paulus und Barnabas möchten die Menschen mit dem Evangelium Jesu Christi berühren, auf dass auch sie davon begeistert werden und darin die Wahrheit erkennen. Dafür ordnet er Jesu Leben, Wort und Tat in die gesamte Heilsgeschichte Gottes mit seinem auserwählten Volk ein, damit die frommen Juden erkennen, dass alles so kommen musste. Morgen hören wir die Reaktion der Anwesenden. Durch Paulus spricht der Heilige Geist die Menschen im Herzen an. Die Kraft und Weisheit seiner Predigt ist nicht auf seine rhetorischen und theologischen Fähigkeiten zurückzuführen, die natürlich der ganzen Sache förderlich sind (und Gott hat sich auch deshalb den Pharisäer Paulus zum Werkzeug der Heidenmission erwählt), sondern auf Gott selbst. Er möchte alle Menschen an sich ziehen und so rüttelt er heftig an den Herzen jedes Menschen. Wo dieser es aber nicht zulässt oder nicht reagiert, zwingt Gott sich ihm nicht auf. Er versucht es zwar immer wieder, aber zugleich achtet er die Freiheit des Menschen.

Ps 2
6 Ich selber habe meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berg.

7 Den Beschluss des HERRN will ich kundtun./ Er sprach zu mir: Mein Sohn bist du. Ich selber habe dich heute gezeugt.
8 Fordere von mir und ich gebe dir die Völker zum Erbe und zum Eigentum die Enden der Erde.
9 Du wirst sie zerschlagen mit eisernem Stab, wie Krüge aus Ton wirst du sie zertrümmern.
10 Nun denn, ihr Könige, kommt zur Einsicht, lasst euch warnen, ihr Richter der Erde!
11 Mit Furcht dient dem HERRN, jubelt ihm zu mit Beben.

Nun beten wir diesen am Ende zitierten Psalm. Er bildet zusammen mit Psalm 1 den Rahmen des gesamten Psalters.
In Vers 6 spricht Gott selbst, dass er seinen König für Zion selbst eingesetzt hat. Dies ist wörtlich erst einmal auf den König von Juda zu beziehen, David, den sich Gott selbst ausersehen hat. Gott wird den Menschen vorwerfen, dass sie ihn nicht geachtet haben. Und wir beziehen es im weiteren Sinne und in Erfüllung dieses irdischen Königtums auf Christus, den König des himmlischen Zion, dem Reiche Gottes! Ihn haben die Menschen verkannt, indem sie voller Spott die Kreuzestafel mit dem Vorwurf angebracht haben „König der Juden“, aber nicht geglaubt haben, dass er tatsächlich ein König ist – nicht nur irgendeiner, sondern der König der Könige! Das Königtum Jesu Christi ist ja ein zentrales Thema auch in der Predigt des Paulus in Antiochia.
Eingesetzt auf dem Zion hat Gott wörtlich gesehen zunächst König David, den Typos Christi. Er hat seinen Thron in Jerusalem. Zugleich setzt der Vater Christus ein auf dem Zion der Ewigkeit. Dessen Thron befindet sich zur Rechten des Vaters im Himmelreich. Er ist aber auch eingesetzt als König des Reiches Gottes, das mit der Kirche ansatzweise schon vorweggenommen wird. Dieses angebrochene Königtum wird sich am Ende der Zeiten vollkommen durchsetzen und alle werden den König wiederkommen sehen.
Noch viel mehr als mit David ist Gott der Vater mit seinem Sohn Jesus Christus.
Von ihm kann er wirklich wortwörtlich sagen: „Mein Sohn bist du. Ich selber habe dich heute gezeugt.“
Das „Heute“ ist ein entscheidendes Stichwort für die Ewigkeit. Bei Gott gibt es keine Zeit mehr. Diese ist eine irdische Kategorie, die Gott geschaffen hat (siehe Schöpfungsbericht in der Genesis durch die Himmelskörper und das Licht).
Der Sohn ist vor aller Zeit gezeugt worden, nicht geschaffen. Jesus ist wirklich der Sohn Gottes und somit ihm gleich. Das kann kein Geschöpf von sich sagen.
Jesus kann von seinem Vater alles fordern, denn sie sind eins. Gott gibt ihm die Völker zum Erbe. Es meint die heidnischen Völker. Jesus werden sie aber nicht übergeben, um sie zu zerstören, sondern um sie zu Erben des Reiches Gottes zu machen! Er ist gekommen, damit jeder gerettet werde, bis zu den Enden der Erde!
Und wer bis zum Schluss Jesus ablehnt, der wird am Ende wie Ton zerschlagen. Das ist ein Bild für das Gericht Gottes. Gott nimmt die Menschen ernst. Wenn sie sich in aller Freiheit gegen ihn entscheiden, müssen sie die Konsequenzen ihrer Entscheidung tragen. Der eiserne Stab Christi ist ein Code für den Messias. Er wird auch bei den messianischen Verheißungen des Buches Jesaja aufgegriffen. Demnach wird der Messias mit eisernem Zepter herrschen.
Aus dem eisernen Stab wird mit der Zeit das zweischneidige Schwert. Es handelt sich nicht um ein echtes Schwert aus Metall, sondern um das Wort Gottes, das dadurch bildhaft ausgesagt wird. Christus herrscht mithilfe des Wortes Gottes. Was nicht gut ist am Menschen, wird dadurch zerschnitten und das ist schmerzhaft. Es schneidet dabei aber in die Seele ein, nicht in den Körper des Menschen. Das ist das Schmerzhafte daran.
Die Könige und Richter der Erde sollen zur Einsicht kommen und erkennen, dass der eigentliche König und Richter Jesus Christus ist. Er wird sich in seiner vollen Herrlichkeit zeigen am Jüngsten Tag und alle werden es sehen. Dann zerfallen die Königtümer und Richterstühle zu Staub, denn sie sind nichts im Gegensatz zur Herrlichkeit Gottes.
König David hat seinen Wert stets von der Gegenwart Gottes her betrachtet. Er hat sich in seinem Königtum nie überschätzt, sondern ist demütig geblieben vor dem eigentlichen König, der Gott ist. Er hat ihm wirklich mit Furcht gedient. Was er hier am Ende also von den Königen und Richtern verlangt, hat er selbst ganz vorgelebt.
Und doch ist David nur Typos des eigentlichen Königs Jesus Christus. Wenn David schon so vorbildlich war, um wie viel mehr müssen wir das für den Messias sagen!

Joh 14
1 Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!

2 Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?
3 Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.
4 Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr.
5 Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen? 6 Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.

Im Evangelium hören wir heute einen Abschnitt aus der ersten Abschiedsrede Jesu. Das Schriftwort ist sehr bekannt und stets sehr aktuell:
„Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ Jesus sagt dies zu seinen Aposteln im Abendmahlssaal, weil er die vielen Verwirrungen und Angriffe schon vorhersieht, mit denen der Zwölferkreis konfrontiert werden wird. Und dann sollen sie an dem festhalten, was Jesus sie gelehrt hat und was die Heiligen Schriften erfüllt hat. Er spricht dies über die Apostel hinaus auch zu uns. In Zeiten zunehmender Verwirrung sollen auch wir uns nicht ablenken lassen, sondern weiterhin unbeirrt am Glauben festhalten. Antichristliche Lehren werden immer salonfähiger und das besonders Heimtückische – unter dem katholischen Deckmantel wird sehr viel Häretisches verbreitet. Man kann sich auf das Deckblatt „katholisch“ längst nicht mehr verlassen, sondern muss alles auf die Goldwaage legen, wachsam sein, die Gabe der Unterscheidung der Geister haben. Und je tiefer die Wurzeln des Glaubens sind, desto schwieriger wird es für den Widersacher, uns von Gott zu entfernen.
Jesus motiviert seine Apostel und darüber hinaus auch uns damit, dass er zum Vater vorausgeht. Wir werden ihm also folgen dürfen, wenn wir schon hier auf Erden seinen Spuren nachgegangen sind! Beim Vater bereitet er uns schon eine Wohnung. Damit ist ein Platz im Himmelreich gemeint. Und zu gegebener Zeit wird Christus wiederkommen, um die Apostel und alle Erben des Reiches zu sich zu holen. Das alles werden die Apostel noch nicht richtig verstanden haben. Erst mit seiner Auferstehung und Himmelfahrt, spätestens nach der Geistgabe, wird es ihnen aufgegangen sein. Christus ist heimgekehrt zum Vater ins Himmelreich, um am Ende der Tage wiederzukommen. Deshalb haben die ersten Christen bereits in einer Naherwartung gelebt.
Jesus sagt, dass sie den Weg kennen. Doch sie verstehen ihn nicht. Deshalb fragt Thomas nach: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen?“ Was meint Jesus damit? Zu jenem Zeitpunkt hat Jesus seinen Jüngern immer wieder Leidensankündigungen gemacht. Er hat ihnen gesagt, wie leidvoll er sterben, aber am dritten Tage auferstehen würde. Zudem ist all dies in den Heiligen Schriften angekündigt worden. Nicht nur die Apostel, sondern jeder fromme Jude müsste diesen Weg also kennen. Was ihn am Ende widerfahren würde, hat sich sein ganzes Leben hindurch schon gezeigt. Vom Moment seiner Geburt an war er von den Mächtigen dieser Welt unerwünscht und sein Leben wurde bedroht. Nicht nur das Ende, schon sein ganzes Leben zuvor ist ein einziger Sühneweg und Prozess der Erlösung. Er ist der leidende Gerechte aus den jesajanischen Gottesknechtsliedern sein ganzes Leben hindurch!
Doch die Apostel sind wie mit Blindheit geschlagen und so spricht Jesus das entscheidende Wort: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ Der Weg zum Vater ist die Person Jesu Christi mit seinem ganzen Leben, seinen Worten und Taten. Wenn wir ihn in unserem Leben nachahmen, gehen wir diesen Weg zum Vater. Es ist aber nicht nur eine ethische Frage, sondern eine Sache der gläubigen Annahme. Wenn wir Christus als den Messias gläubig annehmen und die Wahrheit, die er ist, erkannt haben, sind wir auch bereit, ihm auf unserem Lebensweg ganz zu gehorchen. Dann erwartet uns das Leben – das ewige Leben bei Gott!
Jesus ist nicht nur eine Option unter vielen auf dem Weg ins Himmelreich – er ist DER Weg. Es gibt keinen anderen. Nur durch die Christustür hindurch können wir in die Ewigkeit eingehen. Dies hat er schon bei seiner Rede über den guten Hirten verdeutlicht.

Wenn wir in diesem Leben durch die sakramentale Christustür schreiten und so den Christusweg beginnen, dann sind wir schon eingesetzt als Kinder der Familie Gottes. Den Weg nun zu beschreiten ist zugleich eine Sendung. Vergessen wir das nie, wenn wir meinen, einen Umweg gehen zu können oder uns auf halbem Wege niederzulassen, ohne zum Ziel zu kommen.

Ihre Magstrauss

Mittwoch der 4. Osterwoche

Apg 12,24 – 13,5; Ps 67,2-3.5.7-8; Joh 12,44-50

Apg 12
24 Das Wort Gottes aber wuchs und breitete sich aus.
25 Nachdem Barnabas und Saulus in Jerusalem den Dienst erfüllt hatten, kehrten sie zurück; Johannes, mit dem Beinamen Markus, nahmen sie mit.
1 In der Gemeinde von Antiochia gab es Propheten und Lehrer: Barnabas und Simeon, genannt Niger, Lucius von Kyrene, Manaën, ein Jugendgefährte des Tetrarchen Herodes, und Saulus.
2 Als sie zu Ehren des Herrn Gottesdienst feierten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Wählt mir Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie berufen habe!
3 Da fasteten und beteten sie, legten ihnen die Hände auf und ließen sie ziehen.
4 Vom Heiligen Geist ausgesandt, zogen sie nach Seleukia hinab und segelten von da nach Zypern.
5 Als sie in Salamis angekommen waren, verkündeten sie das Wort Gottes in den Synagogen der Juden. Johannes hatten sie als Helfer bei sich.

Zwischen der gestrigen und der heutigen Lesung passiert sehr viel in der Apostelgeschichte: Jakobus wird hingerichtet, Herodes wütet gegen die Christen in Jerusalem und lässt Petrus inhaftieren, der auf wundersame Weise befreit wird. Und Herodes stirbt. Das Wort Gottes verbreitet sich weiter trotz der Bedrängung der Christen. Paulus und Barnabas sind nach Jerusalem entsandt worden, um eine Kollekte für die Jerusalemer Gemeinde durch die Antiochener zu überbringen. Dieser Dienst ist gemeint, der in der heutigen Lesung erwähnt wird. Sie kommen also zurück nach Antiochia, von deren Gemeinde uns heute ein bisschen mehr beschrieben wird. Es gibt dort nämlich Propheten und Lehrer, die der Gemeinde dienen. Es werden sogar ganz konkrete Namen genannt, wobei auch Paulus und Barnabas dazugezählt werden. Sie gelten als Lehrer, denn sie erklären das Wort Gottes.
Während der Liturgie und der Fastenzeiten erhalten Geistbegabte die Eingebung, dass Barnabas und Saulus (Paulus) zu einer Mission berufen sind. Uns ist schon klar, worum es geht, nämlich um die erste Missionsreise. Die Reaktion der Gemeinde darauf ist das Fasten und Beten. Das ist bemerkenswert. Auch Jesus hat vor seinem öffentlichen Wirken eine Zeit lang im Fasten und Beten verharrt, sich dabei sogar in die Wüste zurückgezogen. Immer wenn er große Massen vor sich hat und viele Heilstaten tut, lange Predigten hält etc., zieht er sich für das Gebet zurück. Er holt sich immer wieder die Kraft von seinem Vater, der ihn gesandt hat. Und auch hier ist es eine Sendung zur Verkündigung des Reiches Gottes. Auch dies ist eine wichtige Mission, die viel Kraft und Mut kosten wird. Zu dieser Sendung werden die beiden Missionare vorbereitet, nicht nur durch das Fasten und Beten, sondern auch durch die Handauflegung der Gemeindevorsteher. Es muss sich um eine sakramentale Weihe handeln, durch die die beiden dann befähigt sind, anderen Menschen die Sakramente zu spenden. Weil wir später davon lesen werden, dass sie Älteste weihen, ihnen die Hände auflegen, handelt es sich bei ihrer eigenen Weihe um den höchsten Grad, die Bischofsweihe. Durch sie sind sie beide bevollmächtigt, alle Sakramente zu spenden (die es auch schon gibt, auch wenn noch nicht in der Form oder Bezeichnung wie heute). Der Geist führt sie zunächst nach Seleukia, von wo aus sie nach Zypern reisen. In der zyprischen Stadt Salamis lehren sie in den Synagogen das Wort Gottes. Johannes Markus begleitet sie auf ihrer ersten Missionsreise als Helfer. Die kirchliche Tradition identifiziert diesen Johannes Markus mit dem Evangelisten Markus und auch mit dem Gefährten des Petrus.
Wir lernen aus diesem heutigen Bericht der Apostelgeschichte, dass das Leben mit Gott nie langweilig ist. Er hat große Pläne mit jedem Menschen und sendet ihn dort hin, wo er ihn braucht. Wichtig ist, dass der Mensch diese Berufung einerseits erkennt, andererseits gehorsam umsetzt und dabei die Gnade Gottes in Anspruch nimmt. Es führt ganz schnell in eine Sackgasse, wenn man aus eigener Kraft versucht, die Berufung zu leben. Es ist auch entscheidend, dass der Mensch nicht nur betet, sondern auch in dem Anliegen fastet. Dies birgt ein ganz großes Potenzial, das nicht zu unterschätzen ist. Je größer der Anlass/die Mission, desto mehr muss der Mensch sich im Vorfeld darauf vorbereiten. Und dann wird er sich wundern, welche großen Zeichen durch ihn geschehen!

Ps 67
2 Gott sei uns gnädig und segne uns. Er lasse sein Angesicht über uns leuchten,
3 damit man auf Erden deinen Weg erkenne, deine Rettung unter allen Völkern.
5 Die Nationen sollen sich freuen und jubeln, denn du richtest die Völker nach Recht und leitest die Nationen auf Erden.
7 Die Erde gab ihren Ertrag. Gott, unser Gott, er segne uns!
8 Es segne uns Gott! Fürchten sollen ihn alle Enden der Erde.

Der heutige Psalm, den wir als Antwort auf die Lesung beten, stellt die Bitte um Gottes Segen dar. Er erinnert uns an den aaronitischen Segen aus dem Buch Numeri. Die beiden Bestandteile „Gnädigsein“ und „Leuchten seines Angesichts“ werden auch dort verwendet. Es wird aber nicht nur wiederholt, sondern hier weitergeführt. Der Zweck des Wunsches wird nämlich an dieser Stelle erklärt: Die Israeliten sollen durch das Leuchten des Angesichts Gottes seinen Weg erkennen, das heißt seinen Willen. Der aaronitische Segen wird hier paränetisch fortgesetzt, also zur Unterweisung im moralischen Verhalten. Der nächste Nebensatz geht darüber hinaus. Die Rettung unter allen Völkern klingt in unseren christlichen Ohren sehr messianisch (hebr. בְּכָל־גֹּ֝ויִ֗ם יְשׁוּעָתֶֽךָ b’chol-gojim jeschu’atecha, der Name Jesu ist enthalten und wird auf die nichtjüdischen Völker bezogen). So müssen wir den Vers mit folgender Interpretation lesen: Lass dein Angesicht leuchten, damit wir den Messias erkennen, der die ganze Welt erlösen wird.
Im Anschluss erkennen wir wieder die positive Sicht auf das göttliche Gericht, über das die „Nationen“ sich freuen. Hier sind die „Nationen“ die Stämme Israels ( עַמִּ֥ים ammim), kann in der Mehrzahl aber auch allgemein alle Nationen der Erde bezeichnen. Die Stämme können dann endlich aufatmen, nachdem sie so viel Leid durch Fremdherrschaft und Tyrannei erleiden mussten. Gott bringt endlich die ersehnte Gerechtigkeit! Und wenn alle Völker gemeint sind, dann lesen wir hier die Erleichterung der ganzen Welt, da nun die Weltmission startet, durch die sie mit der erlösenden Botschaft Jesu Christi in Berührung kommen.
Der Psalm wird mit einem Segenswunsch abgeschlossen, der wiederum an den aaronitischen Segen von Num 6 anknüpft.
Die Psalmen bringen immer wieder zum Ausdruck, dass Gottes Erlösungsplan, der sich mit Jesus erfüllt hat, über die jüdischen Grenzen hinausgeht, aber v.a. dort beginnt.
Es ist ein Gebet, das wir uns so richtig aus dem Mund der Gemeinde Antiochias vorstellen können. Sie beten um den Segen für die kommende Mission und auch für die Menschen, die mit dem Evangelium in Kontakt treten werden.

Joh 12
44 Jesus aber rief aus: Wer an mich glaubt, glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat,
45 und wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat.
46 Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt.
47 Wer meine Worte nur hört und sie nicht befolgt, den richte nicht ich; denn ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten, sondern um die Welt zu retten.
48 Wer mich verachtet und meine Worte nicht annimmt, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich gesprochen habe, wird ihn richten am Jüngsten Tag.
49 Denn ich habe nicht von mir aus gesprochen, sondern der Vater, der mich gesandt hat, hat mir aufgetragen, was ich sagen und reden soll.
50 Und ich weiß, dass sein Auftrag ewiges Leben ist. Was ich also sage, sage ich so, wie es mir der Vater gesagt hat.

Im Evangelium geht es ebenfalls um Sendung, nämlich um die ursprüngliche, an die die Apostel lediglich anknüpfen: die Sendung des Sohnes durch den Vater. Jesus ist von seinem Vater gesandt worden. Dies erklärt er besonders im Johannesevangelium den Menschen. Er ist vom Vater auf die Erde gesandt worden und hat somit die höchste Autorität und Bevollmächtigung. Was er über Gott aussagt, ist absolut authentisch. Und wer an ihn glaubt, glaubt an den Sender. Denn Jesus und der Vater sind eins. Jesus ist die Auslegung Gottes in Person. Deshalb kann man Gottes Wesen erkennen, wenn man ihn anschaut.
Jesus sagt, dass er das Licht der Welt ist, durch das keiner mehr in der Finsternis bleiben muss. Er ist Licht als Orientierung, Wahrheit/Erkenntnis, Reinheit von der Sünde, Beginn des ewigen Lebens (mit dem Tagesanbruch wird es hell). Wenn Jesus diese Worte spricht, knüpft er an Jesaja an, der prophezeit hat: „Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein helles Licht (Jes 9,1).“ Er spricht hier also ein Stichwort aus, das für die Zuhörer ein Signal darstellt.
Jesus kritisiert die Haltung, das Wort zu hören, es aber nicht zu befolgen. Er kritisiert noch mehr, wenn man nicht einmal die Worte hören will. Er selbst ist es aber nicht, der richtet. Es ist das Wort selbst, das zum Richter wird. Wer sich nicht danach richtet, hat sich letztendlich selbst gerichtet – das heißt durch die eigene Entscheidung gegen Jesus schon das Urteil gewählt.
Jesus sagt, dass er in die Welt gekommen ist, um sie zu retten, nicht um sie zu richten. Das ist ein wichtiger Punkt: Das heißt nicht, dass jeder gerettet wird und wir hier dem zugrunde liegenden Text eine Allversöhnungslehre unterstellen können. Das bedeutet, dass Jesus alles tut, damit wir gerettet würden, bis zum Tod am Kreuz! Er ist nicht gekommen, um zu richten, weil die Zeit noch gar nicht da ist. Sein erstes Kommen durch die Menschwerdung hatte den Zweck, das Erlösungswerk zu vollbringen, das vor aller Zeit schon feststand. Das meint die Rede vom Retten. Er wird aber wiederkommen als verherrlichter Menschensohn am Ende der Tage und dann wird er die Welt richten. Und dann wird er nicht nach eigenem Gutdünken richten wie ein korrupter Richter, sondern der Maßstab ist ein ganz klarer – das Wort Gottes. Die Sache ist nur: Letztendlich IST er das Wort Gottes in Person und aus dieser Perspektive ist er es doch wieder persönlich, der richtet. Jesus macht hier aber die Abgrenzung, um zu betonen, dass die Richtschnur eine ganz objektive ist und er diese Richtschnur den Menschen klar und deutlich erklärt hat. Wenn sie dieses Wort hören und sich dennoch nicht daran halten, haben sie ihr Urteil schon gesprochen.
Wenn Jesus betont, dass er nichts Anderes sagt als das, was der Vater ihm aufgetragen hat, möchte er die Einheit von Vater und Sohn verdeutlichen. Alles, was Jesus sagt und tut, ist in Einklang mit dem Vater. Für die Juden ist das wichtig, weil wer in absoluter Übereinstimmung mit dem transzendenten Gott ist, der muss autoritär nicht nur ganz hoch angesehen werden, sondern auch absolut authentisch sein.
Jesus erklärt auch, was für ein Auftrag es ist: das ewige Leben. Wer sich also an Jesu Worte hält, für den steht dieses ewige Leben bereit.

All diese Worte spricht Jesus, bevor das letzte Abendmahl und die Leidensgeschichte beginnen. Es ist ein letzter Appell an die Menschen, bevor er seinen Weg der vollkommenen Vollendung antritt.

Die Texte fügen sich zusammen zu einem Sendungskorpus. Heute geht es um den Auftrag Gottes, die Verkündigung und die Rettung der Menschen. Wenn die Apostel im Namen Gottes auftreten und das Wort Gottes verkündigen, sprechen sie dasselbe authentisch aus, was Jesus gesprochen hat. Ihr Wort ist von höchster Autorität und Relevanz. Wer sich an die gehörte Verkündigung hält, der verhängt über sich schon ein positives Gerichtsurteil für das Ende der Zeiten, wenn Jesus wiederkommt.

Fragen wir uns selbst heute, ob wir nicht in manchen Bereichen unseres Lebens so sind, dass wir hören, aber nicht befolgen. Kehren wir um von falschen Haltungen und vom Ungehorsam und werden wir wieder zu Hörenden und Gehorsamen!

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 3. Osterwoche

Apg 8,26-40; Ps 66,8-9.16-17.19-20; Joh 6,44-51

Apg 8
26 Ein Engel des Herrn sagte zu Philippus: Steh auf und geh nach Süden auf der Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt! Sie führt durch eine einsame Gegend.
27 Und er stand auf und ging. Und siehe, da war ein Äthiopier, ein Kämmerer, Hofbeamter der Kandake, der Königin der Äthiopier, der über ihrer ganzen Schatzkammer stand. Dieser war gekommen, um in Jerusalem anzubeten,
28 und fuhr jetzt heimwärts. Er saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja.
29 Und der Geist sagte zu Philippus: Geh und folge diesem Wagen!
30 Philippus lief hin und hörte ihn den Propheten Jesaja lesen. Da sagte er: Verstehst du auch, was du liest?
31 Jener antwortete: Wie könnte ich es, wenn mich niemand anleitet? Und er bat den Philippus, einzusteigen und neben ihm Platz zu nehmen.
32 Der Abschnitt der Schrift, den er las, lautete: Wie ein Schaf wurde er zum Schlachten geführt; und wie ein Lamm, das verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.
33 In der Erniedrigung wurde seine Verurteilung aufgehoben. Seine Nachkommen, wer wird von ihnen berichten? Denn sein Leben wurde von der Erde fortgenommen.
34 Der Kämmerer wandte sich an Philippus und sagte: Ich bitte dich, von wem sagt der Prophet das? Von sich selbst oder von einem anderen?

35 Da tat Philippus seinen Mund auf und ausgehend von diesem Schriftwort verkündete er ihm das Evangelium von Jesus.
36 Als sie nun weiterzogen, kamen sie zu einer Wasserstelle. Da sagte der Kämmerer: Siehe, hier ist Wasser. Was steht meiner Taufe noch im Weg?
37 Da sagte Philippus zu ihm: Wenn du aus ganzem Herzen glaubst, ist es möglich. Er antwortete: Ich glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist.
38 Er ließ den Wagen halten und beide, Philippus und der Kämmerer, stiegen in das Wasser hinab und er taufte ihn.
39 Als sie aber aus dem Wasser stiegen, entrückte der Geist des Herrn den Philippus. Der Kämmerer sah ihn nicht mehr und er zog voll Freude auf seinem Weg weiter.
40 Den Philippus aber sah man in Aschdod wieder. Und er wanderte durch alle Städte und verkündete das Evangelium, bis er nach Cäsarea kam.

Heute hören wir von einem gewissen Philippus, der auf Anweisung Gottes (durch einen Engel) die Reise auf der Straße von Jerusalem nach Gaza antritt. Gott führt ihn dort hin, weil er durch ihn einen äthiopischen Kämmerer zu seinem geliebten Sohn und Erben machen möchte. Dieser Philippus ist nicht einer der zwölf Apostel, sondern bezieht sich auf einen der sieben Diakone der Urgemeinde in Jerusalem (so wie Stephanus). Zuvor verkündete Philippus das Wort Gottes in Samarien, dem Gebiet, das von den Juden als aus dem Heilsplan herausgefallen gilt. Zuvor schon waren die Bewohner der Stadt Sychar zum Glauben an Christus gekommen, nachdem Jesus dort mit einer Frau am Jakobsbrunnen ein Gespräch über das lebendige Wasser geführt hat. Als nach Philippus‘ Früchten die Apostel Petrus und Johannes dort hinkommen und den gläubig Gewordenen den Heiligen Geist spenden, erfüllt sich nun, was Jesus schon angekündigt hat. Sie werden mit dem lebendigen Wasser getränkt, das sie nie mehr dürsten lässt.
Und nun ist Philippus also unterwegs, um einen neuen Plan Gottes umzusetzen.
Auf dieser besagten Straße begegnet er nun einem Kämmerer, also einem Schatzmeister, der äthiopischen Königin. Er ist auf dem Rückweg von Jerusalem, wo er angebetet hat. Das zeigt uns: Es handelt sich um einen sogenannten Gottesfürchtigen. Das sind Menschen, die sich dem jüdischen Glauben sehr verbunden wissen, sogar die jüdische Ethik umsetzen, aber den letzten Schritt der Beschneidung und Einhaltung der Torah scheuen.
Er liest laut aus dem Buch Jesaja und Philippus, der die Eingebung bekommt, dem Wagen des Kämmerers zu folgen, spricht ihn an mit der entscheidenden Frage: „Verstehst du auch, was du liest?“
Der Kämmerer ist sehr aufgeschlossen und überhaupt nicht hochmütig. Er sagt offen, dass er es nicht versteht, weil ihm keiner den Sinn davon erschließt. Er hat ein offenes und bereites Herz, nur keinen Lehrer oder Katecheten. Darin ist er ein perfekter Nährboden für die Gnade Gottes.
Der Mann ist auf der Suche. Er strebt nach Erkenntnis und lädt von sich aus Philippus auf seinen Wagen ein.
Dieser erkennt, was für eine messianische Stelle der Kämmerer liest: „Wie ein Schaf wurde er zum Schlachten geführt; und wie ein Lamm, das verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf. In der Erniedrigung wurde seine Verurteilung aufgehoben. Seine Nachkommen, wer wird von ihnen berichten? Denn sein Leben wurde von der Erde fortgenommen.“
Dieser Abschnitt ist aus dem vierten Gottesknechtslied, das wir an Karfreitag gehört haben. Der Kämmerer versteht, dass es eine wichtige Person sein muss, die hier so betrachtet wird. Er möchte verstehen, wer das ist. Ausgehend davon erklärt ihm Philippus, dass es sich mit Jesus Christus erfüllt hat. Er nimmt diesen Wissensdurst und die Offenheit des Kämmerers zum Anlass, das Evangelium Jesu Christi zu verkünden. Was er inhaltlich sagt, wird uns hier nicht überliefert, aber wir können uns denken, was er alles sagt.
Jesus Christus ist dieses makellose Lamm, das sich nicht gewährt hat und das zum Opferlamm für die ganze Welt geworden ist. Er ist wirklich gerecht und ohne Sünde. Er ist für die ganze Menschheit gekreuzigt worden, blieb aber nicht im Tod. Er hat allen Menschen die Erlösung erwirkt und hat gesagt: Wer an mich glaubt und sich taufen lässt, wird auf ewig nicht sterben, wird das ewige Leben haben. Philippus wird von der ersten Urgemeinde, vor allem von den vielen Augenzeugen der Auferstehung berichtet haben. Er wird von den vielen wunderbaren Dingen erzählt haben, die Jesus gesagt und getan hat, von den vielen Heilstaten, Exorzismen und Sündenvergebungen.
Und als sie dann an eine Wasserstelle kommen, sagt der eifrige Kämmerer nun: „Siehe, hier ist Wasser. Was steht meiner Taufe noch im Weg?“ Er bittet von sich aus um die Taufe, doch zuvor erklärt der Diakon ihm die wichtigste Bedingung: „Wenn du aus ganzem Herzen glaubst, ist es möglich.“ Die Taufe ist ein äußeres Zeichen für den inneren Glauben des Menschen. Deshalb wird ein Taufbewerber bis heute vor der Taufe zur Widersagung des Bösen aufgefordert und daraufhin nach dem Glauben an Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist gefragt.
Der Kämmerer antwortet klar und deutlich mit einem Glaubensbekenntnis: „Ich glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist.“
Kurzerhand steigen sie ins Wasser und Philippus tauft den Kämmerer.
Als er wieder auftaucht, hat der Geist den Diakon schon woanders hin entrückt. Das ist ein Charisma, das wir von einigen Heiligen überliefert haben. Dazu ist Gott fähig, der die Naturgesetze geschaffen und deshalb auch überbieten kann. Philippus taucht in Aschdod wieder auf.
Der Kämmerer zieht weiter heim, und zwar voller Freude. Das ist nicht einfach nur eine banale Nebensächlichkeit, sondern es handelt sich dabei um eine tiefgründige Aussage. In den letzten Wochen habe ich immer wieder über die Freude gesprochen, die dem Menschen als übernatürliche Gabe Gottes geschenkt wird und der Inbegriff von Ostern ist. Durch die Taufe ist sie nun auch dem Äthiopier geschenkt worden.
Philippus verkündet und missioniert unermüdlich weiter, bis er nach Cäsarea kommt.

Ps 66
8 Preist unseren Gott, ihr Völker, lasst laut sein Lob erschallen!
9 Er erhielt uns am Leben und ließ unseren Fuß nicht wanken.
16 Alle, die ihr Gott fürchtet, kommt und hört; ich will euch erzählen, was er mir Gutes getan hat.
17 Mit meinem Mund habe ich zu ihm gerufen, da lag das Rühmen mir schon auf der Zunge.
19 Gott aber hat gehört, auf mein drängendes Bittgebet geachtet.
20 Gepriesen sei Gott; denn er hat mein Bittgebet nicht unterbunden und mir seine Huld nicht entzogen.

Die Taufe des Äthiopiers ist ein Grund zum Lobpreis Gottes, der die Menschen wirklich an sich zieht. Er möchte alle Menschen retten und sie zu seinen Kindern machen. Das ist der Sinn ihres Lebens. Die Universalität der Erlösung Jesu Christi wird immer deutlicher, da nun auch „Ausländer“ zum Glauben an ihn kommen.
Der Lobpreis ist besonders, denn die psalmentypische Aufforderung zum Lobpreis richtet sich heute an die „Völker“. Im Hebräischen wird nicht das Wort für heidnische Völker gojim verwendet, sondern עַמִּ֥ים ammim. Dieser Plural bezieht sich auf alle Völker der Erde in ihrer Gesamtheit, ist in der Mehrzahl also ein allgemeiner Begriff. Alle Völker sollen Gott danken für das, was er an seinem auserwählten Volk getan hat. Wir lesen es schon christologisch, was wörtlich hier natürlich erst einmal die Rettung des Volkes Israel aus der Knechtschaft Ägyptens und später aus dem babylonischen Exil meint. Gott hat sein auserwähltes Volk, was nun aus allen Menschen egal welcher Nation besteht, die die Erlösung Jesu Christi annehmen. Die Rettung, die allen Menschen angeboten wird, ist eine Rettung aus dem Exil des irdischen Lebens hinein in das ewige Leben bei Gott!
So ist es wirklich existenziell zu verstehen, wenn es in Vers 9 heißt: „Er erhielt uns am Leben und ließ unseren Fuß nicht wanken.“ Es meint wörtlich zunächst das irdische Leben im verheißenen Land, in politischem Frieden und in einem unbeschwerten, wohlhabenden Leben. Doch mit Christus ist eine neue Etappe erreicht worden: Unser ewiges Leben ist nun erhalten worden, was zuvor nicht der Fall war. Selbst die Gerechten des Alten Testaments durften das Angesicht Gottes nicht schauen, was der Inbegriff des ewigen Lebens ist.
„Alle, die ihr Gott fürchtet, kommt und hört“ bezieht sich heute in ganz besonderer Weise auf den Kämmerer! Eigentlich ist ursprünglich der gottesfürchtige Jude gemeint, der die Torah hält und die Opfer darbringt. Nun geht es über den jüdischen Tellerrand hinaus, denn der Neue Bund ist nicht mehr an eine einzige Nation gebunden. Er steht bereit für alle Menschen guten Willens. Und der äthiopische Kämmerer in der Apostelgeschichte stellt ein wunderbares Beispiel dafür dar. Gott hat ihn gleichsam zu sich gezogen, indem er den Diakon Philippus zu ihm gesandt hat. Dieser hat die Vollmacht, Menschen zu Kindern Gottes zu machen, indem er sie als Gläubige tauft. Wir brauchen die geweihten Männer. Das sehen wir an dieser Lesung noch einmal deutlich. Auch wenn wir zum Glauben an Gott kommen – das Sakrament der Taufe, das unauslöschliche Siegel auf unseren Seelen, das uns das ewige Leben ermöglicht, können wir uns nicht selbst geben. Dafür brauchen wir die Geweihten, also die Bevollmächtigten der Sakramente.
„Mit meinem Mund habe ich zu ihm gerufen, da lag das Rühmen mir schon auf der Zunge.“ Mit dem Mund gerufen haben all jene, die zum Herrn vertrauensvoll ihre Bitten gebracht haben. Da war das Rühmen schon auf der Zunge, weil Gott die Gebete erhört. Jesus hat diese Art von Beten wunderbar vorgelebt, indem er bei der Auferweckung des Lazarus nicht mal ein Bittgebet formuliert. Er dankt dem Vater schon für seine Gebetserhörung, weil er von ganzem Herzen gewiss ist, dass dieser ihm alles gewährt. Mit so einem Vertrauen hat womöglich auch der Kämmerer in Jerusalem gebetet, als er zur Anbetung zum Tempel gegangen ist. Dort gibt es für die Heiden einen eigenen Hof.
Auch Vers 19 bringt dies auf den Punkt. Gott erhört das Bittgebet. Er hat das Schreien seiner geliebten Kinder in Ägypten gehört, die unter der Last der Sklaverei gelitten haben. Er hat das Schreien seiner geliebten Kinder in Babylon gehört, die fernab von ihrer Heimat und ohne Tempel ganz verloren und verzweifelt sind. Er hat das Schreien seines Volkes gehört, das unter den Römern gelitten hat. Aber vor allem hat er den Schrei jener gehört, die sein Angesicht nicht schauen durften, die aus dem Paradies verbannt im Exil der Vorhölle verharren mussten.
Gott sei gelobt und gepriesen, weil er das Gebet der gesamten Menschheit erhört hat. Er hat seinen einzigen Sohn dahingegeben, damit alle Menschen gerettet werden würden auf das ewige Leben hin! Gott ist so gütig und barmherzig, dass unser ganzes Leben eine einzige lobpreisende Antwort auf dieses überwältigende Heil darstellen soll.
Der freudige Duktus dieses Psalms fasst in poetischen Worten die Freude des Neugetauften in der Apostelgeschichte zusammen. Nun kann er sein weiteres Leben ganz im dankenden Lobpreis verbringen, denn er ist als Erbe im Reiche Gottes eingesetzt worden!

Joh 6
44 Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag.
45 Bei den Propheten steht geschrieben: Und alle werden Schüler Gottes sein. Jeder, der auf den Vater hört und seine Lehre annimmt, wird zu mir kommen.
46 Niemand hat den Vater gesehen außer dem, der von Gott ist; nur er hat den Vater gesehen.
47 Amen, amen, ich sage euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben.
48 Ich bin das Brot des Lebens.
49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben.
50 So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben.
51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt.

Im Evangelium hören wir heute einen weiteren Abschnitt aus der wunderbaren Brotrede Jesu in Kafarnaum. Gestern habe ich erwähnt, dass es eigentlich ein Dialog mit den dort versammelten Menschen ist und analog zum Gespräch Jesu mit der samaritanischen Frau am Jakobsbrunnen zu betrachten ist.
Jesus sagt hier etwas Entscheidendes, was einen Bogen zum Kämmerer zieht: „Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht.“ Kornelius hat sich aufrichtig bemüht, die Wahrheit zu erkennen. Er liest laut, er geht nach Jerusalem zur Anbetung. Er sehnt sich nach der Wahrheit, aber er schafft es von sich aus nicht, sie zu erhalten. Der Vater hat ihn wirklich gezogen, zu sich! Dafür hat er den Diakon Philippus zu seinem Werkzeug gemacht. Dieser ist sein Sprachrohr, das Sprachrohr des Heiligen Geistes, der durch ihn spricht und dem Kämmerer die Augen öffnet. So wie der Vater den Sohn gesandt hat (Jesus Christus als Mensch in diese Welt, nun als Leib Christi in jede Heilige Messe), so sendet er in dessen Nachfolge seine Jünger, auf dass sie den Menschen die frohe Botschaft verkünden, die Jesus zuvor verkündet hat.
Er wird jene, die der Vater an sich gezogen hat, auferwecken am jüngsten Tag. Dann werden sie mit Leib und Seele vereint für immer Gottes Angesicht schauen.
Jesus verweist dann auf die Propheten, wo geschrieben steht: „Alle werden Schüler Gottes sein.“ Es bezieht sich auf die Schriftstelle Jes 54,13, die die künftige Herrlichkeit Zions thematisiert. Der Kämmerer ist einer von diesen Schülern und deshalb beauftragt Jesus seine Apostel vor seiner Himmelfahrt auch damit, alle Menschen zu seinen Jüngern zu machen. Wir alle sind anhaltende Schüler in der Schule Gottes. Er lehrt uns durch seinen Heiligen Geist Tag für Tag immer mehr von seiner göttlichen Weisheit. Wir begreifen täglich ein wenig mehr von seiner Offenbarung. Am Ende werden wir ihn dann sehen, wie er ist. Dann brauchen wir keine Unterweisung mehr, sondern werden alles erkennen.
Jesus betont heute noch einmal, dass nur er ein authentische Kunde vom Vater geben kann, weil er beim Vater war, bevor er Mensch wurde. Er ist der Sohn, der am väterlichen Herzen ruht auch jetzt in seiner Zeit auf Erden.
Jesus bringt auf den Punkt, warum der Kämmerer sich taufen ließ und nun voller Freude den Rest seines irdischen Daseins leben kann: Er glaubt an Jesus Christus und dieser Glaube bringt ihn zum ewigen Leben! Das ist der größte Grund zur Freude.
Jesus sagt explizit, dass er das Brot des Lebens ist. Direkt im Anschluss an den Satz über das ewige Leben wird uns klar, dass Jesus damit das Brot des EWIGEN Lebens ist.
Er als Brot des Lebens ist abzugrenzen von dem Manna in der Wüste, was das höchste Brot für die Juden war. Es ist wirklich eine physische Stärkung des Volkes Israels in der Wüstenzeit, aber immerhin kam es vom Himmel. Doch es kann sich nicht mit Christus messen, denn diese physische Stärkung verhinderte nicht, dass die Väter irgendwann gestorben sind.
Wer aber von dem Brot des Lebens isst, hat er das ewige Leben! Das Essen ist eindeutig eucharistisch gemeint. Wenn wir den Leib Christi, der wirklich und real ist, essen, werden wir nicht sterben (zumindest seelisch nicht, bis zum jüngsten Tag, wo auch unser gestorbener Leib wiederhergestellt wird). Das Essen des Leibes ist kein Kannibalismus. Gerne verlinke ich Ihnen hier mein Video, in dem ich erkläre, warum die Eucharistie eben kein Kannibalismus ist und doch das Brot des Lebens wirklich Jesus selbst ist: https://www.youtube.com/watch?v=Pq8dTMK5kT4 (ab Min. 10).
Jesu Brotsein impliziert keinesfalls eine tote Materie. Dieses Brot führt nicht nur zum Leben, sondern ist selbst lebendig.
Er sagt selbst von sich aus, dass er vom Himmel herabgekommen ist. Das ist eine Typologie zum Manna der Wüstenväter mit eben jenem Unterschied, dass er lebendig ist – eine Person! Er spricht seine eigene Präexistenz aus, von der wir im Johannesprolog feierlich bekennen.
Jesus deutet noch eine weitere wichtige Sache an, die Gründonnerstag und Karfreitag miteinander verbindet: Jesus ist das lebendige Brot, das er geben wird – nicht nur im Abendmahlssaal, wenn er die Eucharistie stiften wird. Es ist sein eigenes Fleisch, das er am Kreuz dahingeben wird. Das Fleisch, das ganz zerschunden und bis auf den letzten Tropfen grausam ausgeblutet wird. Es ist wie ein Schächtvorgang bei den Opferlämmern, die für den Jerusalemer Tempel geschlachtet wurden.
Was im Abendmahlssaal gestiftet wird, erfüllt sich erst so richtig am Tag darauf mit dem Opfertod auf Golgota.

Jesus spricht hier schon sehr tiefgründige und existenzielle Dinge an, doch die Menschen werden lange brauchen, das alles zu begreifen. Viele werden sich auch von ihm abwenden, weil sie sagen, seine Worte seien unerträglich. Und doch gibt es immer mehr Menschen, die von seiner Botschaft berührt werden und darin den Sinn ihres Lebens erkennen – und das ewige Leben nur durch den Glauben an Christus ermöglicht sehen.

Wir brauchen das lebendige Brot, das das Fleisch Jesu Christi ist und das er hingegeben hat für das Leben der Welt, für Sie und mich! Danken wir ihm für seine große Liebe, aufgrund der er uns sein Leben geschenkt hat.

Ihre Magstrauss

Samstag der Osteroktav

Apg 4,13-21; Ps 118,1-2.14-15.16-17.18-19.20-21; Mk 16,9-15

Apg 4
13 Als sie den Freimut des Petrus und des Johannes sahen und merkten, dass es ungebildete und einfache Leute waren, wunderten sie sich. Sie erkannten sie als Jünger Jesu,

14 sahen aber auch, dass der Geheilte bei ihnen stand; so konnten sie nichts dagegen sagen.
15 Sie befahlen ihnen, den Hohen Rat zu verlassen; dann berieten sie miteinander
16 und sagten: Was sollen wir mit diesen Leuten anfangen? Dass ein offenkundiges Zeichen durch sie geschehen ist, das ist allen Einwohnern von Jerusalem bekannt; wir können es nicht abstreiten.
17 Damit aber die Sache nicht weiter im Volk verbreitet wird, wollen wir ihnen unter Drohungen verbieten, je wieder in diesem Namen zu irgendeinem Menschen zu sprechen.
18 Und sie riefen sie herein und verboten ihnen, jemals wieder im Namen Jesu zu verkünden und zu lehren.
19 Doch Petrus und Johannes antworteten ihnen: Ob es vor Gott recht ist, mehr auf euch zu hören als auf Gott, das entscheidet selbst.
20 Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben.
21 Jene aber drohten ihnen noch mehr und ließen sie dann gehen; denn sie sahen keine Möglichkeit, sie zu bestrafen, mit Rücksicht auf das Volk, da alle Gott wegen des Geschehenen priesen.

Gestern hörten wir bereits das freimütige Bekenntnis des Petrus vor dem Hohen Rat, als Johannes und er vernommen werden. Er hat ganz offen erklärt, dass die Heilung im Namen dessen geschehen ist, den die Hohepriester haben umbringen lassen, Jesus der Christus.
Heute hören wir nun die Reaktion derer, die sie verhören.
Sie wundern sich über den Freimut, mit dem die Apostel vor ihnen stehen. Normalerweise würde man erwarten, dass ein Menschen ganz eingeschüchtert und kleinlaut vor der religiösen Elite Israels ist. Doch diese ganz einfachen Männer, die keinerlei Bildung genossen haben, sprechen total tiefgründig und legen die Heilige Schrift aus. Die Hohepriester merken, dass hier etwas passiert, denn auf solch tiefe Gedanken, die selbst die der Schriftgelehrten übersteigt, kann ihrer Meinung nach ein einfacher Jude nicht kommen. Für uns Hörer des Wortes Gottes heute ist das ein ganz klares Zeichen für den Hl. Geist, der den Menschen am besten unterweist in der Weisheit Gottes. Er ist es, der die Linien der gesamten Schrift auf Christus zusammenführt. Er deckt den Menschen auf, wie die messianischen Verheißungen sich erfüllt haben.
Die Hohepriester sind verwirrt, müssen aber glauben, dass die Heilung tatsächlich stattgefunden hat. Schließlich steht der Geheilte neben den Aposteln vor ihnen.
Interessant ist auch, dass die Hohepriester die Apostel wiedererkennen. Die Ereignisse um Jesus herum sind jetzt noch nicht allzu lange her, aber dennoch sehen sie ja viele Menschen im Laufe der Zeit. Der Tempel wird von Gläubigen ja immerzu aufgesucht.
Die Situation ist etwas verzwickt für den Hohen Rat. Sie möchten keinen öffentlichen Aufruhr, indem sie die Apostel bestrafen, denn alle preisen Gott dafür und halten es wirklich für eine gute Tat. Sie können aber auch nicht so tun, als sei nie etwas geschehen. Das ganze Volk hat den Geheilten gesehen und die Bekenntnisrede des Petrus gehört.
Also schärfen sie den Aposteln unter Drohungen ein, nicht mehr im Namen Jesu aufzutreten und zu verkündigen.
Die Apostel nehmen kein Blatt vor den Mund und sagen auf geschickte Weise (entscheidet selbst), dass sie Gott mehr gehorchen werden als den Hohepriestern.
Was sie erlebt haben, hat ihr Leben dermaßen verändert und sie so begeistert, dass sie es einfach gar nicht für sich behalten können.
Das ist für uns ein wichtiges Stichwort. Hier geht es nicht einfach nur um die Osterfreude, die geteilt werden will. Sie sind durch den Hl. Geist neugeboren worden. Der Hl. Geist ist die Liebesglut Gottes, die immer über den Menschen hinausgeht. Sie ist so groß, dass sie über die Liebe, die Gott in sich ist, hinausgeht und die Welt schafft. Menschen als Gottes Abbild sind mit dieser Liebesglut geschaffen worden, dass ihre Liebe ebenfalls über sich selbst hinausgeht und neues Leben schafft. Und so ist es auch mit der geistlichen Natur der neuen Schöpfung, zu der die Apostel nun gehören. Die in ihre Herzen ausgegossene Liebe strömt über sie hinaus zu den Menschen, mit denen sie diese Liebesglut teilen müssen. Sie können nicht anders, denn es drängt sie, dies weiterzugeben.
Der Hohe Rat droht ihnen noch mehr, weil sie nicht wieder dasselbe Procedere durchmachen will wie mit Jesus, der eine ganze Volksbewegung verursacht hat. Die Hohepriester mögen sich noch so bemühen wie sie wollen. Gott ist stärker und auch wenn sie Jesus umgebracht haben, kann das Reich Gottes nicht gestoppt werden. Im Gegenteil. Dadurch haben sie es erst so richtig in Gang gebracht.

Ps 118
1 Dankt dem HERRN, denn er ist gut, denn seine Huld währt ewig!
2 So soll Israel sagen: Denn seine Huld währt ewig.
14 Meine Stärke und mein Lied ist der HERR; er ist für mich zur Rettung geworden.
15 Schall von Jubel und Rettung in den Zelten der Gerechten: Die Rechte des HERRN, Taten der Macht vollbringt sie,
16 die Rechte des HERRN, sie erhöht, die Rechte des HERRN, Taten der Macht vollbringt sie.
17 Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des HERRN zu verkünden.
18 Der HERR hat mich gezüchtigt, ja, gezüchtigt, doch mich dem Tod nicht übergeben.
19 Öffnet mir die Tore der Gerechtigkeit, ich will durch sie hineingehn, um dem HERRN zu danken!
20 Dies ist das Tor zum HERRN, Gerechte dürfen hineingehn.
21 Ich will dir danken, dass du mir Antwort gabst, du bist mir zur Rettung geworden.

Heute beten wir den so wunderbaren Psalm 118, der durch die Auferstehung Jesu Christi zu unserem Lebensprogramm geworden ist. Ja, Gottes Huld währt ewig, denn er ist gut. Kein anderer Gott hat sich jemals von seinen geliebten Kindern umbringen lassen, um ebenjene von allen Sünden zu erlösen!
„Israel“ ist nun nicht mehr nur das irdische Volk der zwölf Stämme, sondern meint nun alle, die an Christus glauben. Wir alle sollen nun sagen: „Seine Huld währt ewig.“ Wir sind es, die Gott fürchten.
Gott ist wirklich die Stärke und das Lied aller, die gerettet worden sind. Er selbst ist zur Rettung geworden, indem er Mensch wurde, unter den Menschen lebte und sich für sie hingegeben hat.
Die „Zelte der Gerechte“ erkennen wir jetzt nicht mehr nur als Häuser jener Israeliten, die in der Wüste ihr Zelt aufschlugen, sondern es meint vor dem Hintergrund der Apostelgeschichte auch jene, in deren Häusern die Eucharistie gefeiert worden ist.
Die Rechte des Herrn hat wirklich große Taten vollbracht. Damals schon beim Auszug aus Ägypten hat er heftige Wunder getan, sogar das Meer gespalten! Doch was er nun an Christus getan hat, ist unvergleichlich höher! Er hat nämlich seinen einzigen Sohn hingegeben. Dieser ist gestorben und von den Toten auferstanden, um das ewige Leben aller Menschen gestern, heute und morgen zu erwirken!
Gott hat durch die Auferstehung seines Sohnes wirklich seine Macht bewiesen. Das war die größte Heilstat aller Zeiten, die die Menschen gestern, heute und morgen erlöst hat!
Und deshalb darf der Mensch voller Freude sagen: „Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des HERRN zu verkünden.“ Ja, das ist die einzig angemessene Antwort auf die Erlösung, die uns zuteilgeworden ist – ihn zu verkünden und immerfort Zeugnis für ihn abzulegen.
Gott züchtigt seine Kinder, das heißt, er erzieht uns und gibt uns Lektionen auf, damit wir unser eigenes Ego immer mehr abbauen, demütiger werden und ihm immer besser nachfolgen. Dies ist uns gestern sehr eindrücklich an Petrus deutlich geworden. Und das allnächtliche Fischen ohne Erfolg, das uns im gestrigen Evangelium berichtet worden ist, ist genau so eine Züchtigung. Gott lässt es zu, damit die Apostel lernen, dass sie ganz auf ihn angewiesen sind, der ihnen Segen und Erfolg schenkt, selbst in dem Beruf, den sie professionell ausüben können.
Und auch wenn Gott manchmal wartet, bis wir in die Knie gezwungen werden, lässt er uns doch nicht in die Irre gehen oder sogar sterben. Er rettet uns und wir können nicht tiefer fallen als in Gottes Hand.
Bemerkenswert ist das hier verwendete Tor-Motiv. Der Psalm ist ja ein Wallfahrtspsalm, weshalb in diesem Kontext zunächst auch wieder die Stadttore Jerusalems und des Tempels gemeint sind. Dass v.a. das zweite zu verstehen ist, sieht man an der Bemerkung, dass nur Gerechte hineingehen dürfen. Dem HERRN zu danken, meint nicht nur mit Worten, sondern auch mit Dankopfern. Umso mehr ist also der Tempel in Jerusalem gemeint. Wir Christen beten auch diesen Psalm, also müssen wir ihn auch allegorisch betrachten. Die Tore sind dann die Kirchentore, durch die wir zum Allerheiligsten gelangen, das die Eucharistie im Tabernakel/in der Monstranz oder in der Hl. Messe ist. Der entscheidende und berührende Unterschied: Jeder darf zum Allerheiligsten kommen, auch die Ungetauften. Bei den Juden gab es verschiedene Bereiche auf dem Tempelgelände, die, je näher man dem Allerheiligsten (der Bundeslade) kam, von immer weniger Befugten betreten werden durften. Hier dürfen nun alle kommen. Jesus hat es schon grundgelegt, indem er gesagt hat: „Ich bin die Tür. Wer durch mich hindurchgeht, wird gerettet werden (Joh 10). Das Allerheiligste in sich aufnehmen durch den Empfang der Kommunion dürfen aber auch heute nur die Gerechten, wir sagen theologisch die im Stand der Gnade Seienden. In dieser moralischen Auslegung versteht man die Aussage „Tore der Gerechtigkeit“. Durch die Taufe und danach durch die Beichte öffnen sich diese Tore der Gerechtigkeit, sodass man in Gemeinschaft mit Gott sein kann.
Wir sind in der Osteroktav und danken dem Herrn jeden Tag für seine große Rettung, mit der er uns Antwort auf die Sehnsucht nach Erlösung gegeben hat. Wir danken dem Herrn in besonderer Weise durch das Gloria.

Mk 16
9 Als Jesus am frühen Morgen des ersten Wochentages auferstanden war, erschien er zuerst Maria aus Magdala, aus der er sieben Dämonen ausgetrieben hatte.
10 Sie ging und berichtete es denen, die mit ihm zusammengewesen waren und die nun klagten und weinten.
11 Als sie hörten, er lebe und sei von ihr gesehen worden, glaubten sie es nicht.
12 Darauf erschien er in einer anderen Gestalt zweien von ihnen, als sie unterwegs waren und aufs Land gehen wollten.
13 Auch sie gingen und berichteten es den anderen und auch ihnen glaubte man nicht.
14 Später erschien Jesus den Elf selbst, als sie bei Tisch waren; er tadelte ihren Unglauben und ihre Verstocktheit, weil sie denen nicht glaubten, die ihn nach seiner Auferstehung gesehen hatten.
15 Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung!

Als Evangelium wird uns heute wieder ein österlicher Text vorgelesen. Die Erscheinungen des Auferstandenen werden im Markusevangelium etwas knapper erzählt als in anderen Evangelien, weil das gesamte Evangelium etwas kürzer ausfällt.
Wir erfahren noch einmal, dass Jesus am ersten Tag der Woche auferstanden ist und dies im Morgengrauen. Die tiefe Bedeutung der Auferstehung mit dem Aufgehen der Sonne habe ich mehrfach schon thematisiert. Nach jüdischem Verständnis kommt der Messias aus dem Osten – das Wort für den Osten ist dasselbe Wort für den Sonnenaufgang! Es ist also absolut logisch, dass Christus also mit dem Aufgang der Sonne von den Toten auferstanden ist, er ist die Sonne der Gerechtigkeit!
Wir erfahren auch nochmal, dass Maria Magdalena die erste Zeugin der Auferstehung ist. Hier wird auch angemerkt, dass Jesus sieben Dämonen aus ihr ausgetrieben hat. Dies ist unterschiedlich gedeutet worden: Entweder waren es wirklich sieben Dämonen oder die Siebenzahl ist ein Zahlencode für die Fülle. Dann wären es einfach viele unterschiedliche Dämonen. Oder es ist angenommen worden, dass damit die sieben Todsünden/Hauptsünden gemeint sind, worauf die Siebenzahl geschlossen worden ist. Eines ist auf jeden Fall klar: Maria Magdalena war ganz tief verstrickt in die Sünde. Durch Jesus hat sie eine tiefe Bekehrung erlebt. Von da an hat die reiche Witwe Jesus und seine Jünger mit ihrem Vermögen unterstützt und ist selbst Jüngerin Jesu geworden mit einer brennenden Liebe zu ihm.
Wir hören davon, dass Maria Magdalena den Aposteln von ihrer Begegnung mit dem Auferstandenen berichtet und diese es zunächst nicht glauben.
Es wird sogar das Emmaus-Ereignis angesprochen, auch wenn die Details nicht ausgefaltet werden.
Jesus erscheint schließlich den Aposteln und spricht sie auf ihren Kleinglauben an. Diese Apostel vor dem Pfingstereignis sind noch ganz anders als nach der Gabe des Hl. Geistes. Dann haben sie keine Angst mehr, stehen mutig ein für Christus und haben einen brennenden Glauben.
Gottes Geist kann Menschen wirklich ganz verwandeln!
Wir hören auch davon, dass Christus seine Apostel in die ganze Welt aussendet, um das Evangelium zu verkünden. In der Apostelgeschichte lesen wir einen ersten Anfang dieser Evangelisierung. Sie beginnt im Kern, in Jerusalem und dann auch noch im Tempel. Das ist wichtig, denn dort wohnt die Herrlichkeit Gottes.
Das zeigt uns, dass auch wir, die wir Österliche sind, die wir getauft sind auf den Tod und die Auferstehung Jesu Christi, die wir den Hl. Geist empfangen haben, ebenfalls das Evangelium verkünden müssen mit unserem eigenen Leben, aber auch mit unserem freimütigen Bekenntnis. Dieser missionarische Kerngedanke ist heutzutage so sehr abhanden gekommen und eingeschlafen. Wir alle haben diese Berufung durch die Taufe. Jeder von uns hat die Verantwortung von Gott bekommen. Dabei denken viele: „Ach, ich bin doch nur ein normaler Mensch. Was kann ich schon ausrichten?“ Manche denken sogar: „Was andere tun, ist nicht meine Sache. Hauptsache ich halte mich an die Gebote Gottes. Religion ist Privatsache.“ Dabei verkennen sie, dass ihr ganzer Lebensstil ein einziger missionarischer Akt sein soll. Wir können gar nicht anders, als aufzufallen in einer Welt zunehmender Säkularisierung. Wenn wir dann auf unser Anderssein angesprochen werden, sollen wir mutig einstehen für den Glauben und erklären, was unsere Motivation für ein solches Leben ist. Das ist dann die Gelegenheit, wie Petrus in den Hallen Salomos den Tod und die Auferstehung Jesu Christi zu verkünden, sodass die Menschen innerlich davon ergriffen werden und sich ebenfalls für Christus begeistern lassen.

Ostern und Pfingsten führen hinein in ein missionarisches Leben und Gott wird uns am Ende unseres Lebens die verpassten Gelegenheiten aufzeigen. Dann wird er von uns Rechenschaft verlangen. Er hat uns den Geist gegeben, damit er übersprudelt und übergeht auf andere. Haben wir dann genug davon weitergegeben oder es für uns selbst behalten?

Ihre Magstrauss

Hl. Cyrill und Methodius (Fest)

Apg 13,46-49; Ps 117,1.2; Lk 10,1-9

Apg 13
46 Paulus und Barnabas aber erklärten freimütig: Euch musste das Wort Gottes zuerst verkündet werden. Da ihr es aber zurückstoßt und euch selbst des ewigen Lebens für unwürdig erachtet, siehe, so wenden wir uns jetzt an die Heiden. 

47 Denn so hat uns der Herr aufgetragen: Ich habe dich zum Licht für die Völker gemacht, bis an das Ende der Erde sollst du das Heil sein. 
48 Als die Heiden das hörten, freuten sie sich und priesen das Wort des Herrn; und alle wurden gläubig, die für das ewige Leben bestimmt waren. 
49 Das Wort des Herrn aber verbreitete sich in der ganzen Gegend. 

Heute feiern wir zwei große Heilige, denen die Slaven das Christentum, die kyrillische Schrift und Liturgie zu verdanken haben – Cyrill und Methodius. Sie werden sowohl von der Ost- als auch von der Westkirche verehrt und ihr Gedenktag ist von Papst Johannes Paul II zum Fest angehoben worden.
Analog zu den beiden Heiligen, die übrigens Brüder waren, lesen wir heute von Paulus und Barnabas, die zwar nicht biologisch verwandt, doch wie Familienmitglieder sind.
Der heutige Abschnitt hat folgende Vorgeschichte: Die beiden Missionare ziehen nach Pisidien und lehren im pisidischen Antiochien (es gibt noch andere Städte mit demselben Namen) in der Synagoge. Dort nimmt Paulus eine heilsgeschichtliche Zusammenfassung vor, die in das Heilsgeschehen Jesu Christi mündet. Es erinnert ein wenig an das Martyrologium vor der Christmette, auch wenn Paulus nicht bei Adam und Eva anfängt. Die Anwesenden nehmen seine Botschaft an und bitten ihn sogar, am Sabbat darauf erneut zu sprechen. Dieser Tag ist in der heutigen Lesung angebrochen und die gesamte Stadt hat sich für die Predigt der Missionare versammelt. Dies macht die hiesigen schriftgelehrten Juden eifersüchtig und sie legen sich mit den beiden Gastrednern an. Weil sie die Botschaft Jesu Christi nicht annehmen, entgegnet Paulus nun die in der heutigen Lesung erfolgenden Verse:
„Euch“ bezieht sich dabei auf die Juden. Ihnen musste das Evangelium zuerst verkündet werden. So hat es auch Jesus im gestrigen Evangelium zu der Syrophönizierin gesagt. Weil die Juden ihn nicht annehmen, geht Jesus dann aber selbst zu den Heiden und so tun es auch Paulus und seine Begleiter immer wieder. Heute verkünden sie den Juden, dass durch deren Zurückweisung sie das Evangelium nun den Heiden verkünden. Es geht um eine bestimmte Stadt oder Region. Immer, wenn Paulus in eine Gegend kommt, versucht er es immer von Neuem zuerst beiden Juden, bevor er den Heiden predigt – vorausgesetzt es gibt überhaupt Juden in einer Stadt.
Es ist weniger ein schadenfrohes „Tja, Pech gehabt, ich gehe jetzt zu den anderen!“, sondern eher eine Lektion für die frommen Juden. Er zitiert nämlich Jes 49,6, um ihnen zu erklären, dass Jesus den neuen Bund gleichermaßen mit Juden und Heiden besiegelt hat. Das „Licht für die Heiden“ wird dabei in Jesaja mit der hebräischen Bezeichnung לְאֹ֣ור גֹּויִ֔ם le’or gojim, in der Septuaginta (griechische Übersetzung des AT) mit εἰς φῶς ἐθνῶν eis fos ethnon wiedergegeben. Beides – gojim bzw. ethne impliziert immer die nichtjüdischen Völker. Dies ist in erster Linie messianisch zu verstehen, weil Paulus hier aus einem der Gottesknechtslieder zitiert und die Kirche stets Jesus damit verbunden hat. Ein weiterer Hinweis ist die Aussage, dass bis zum Ende der Erde der Angesprochene „das Heil“ sein soll. Die hebräische Formulierung in Jesaja ist יְשׁוּעָתִ֖י jeschu’ato, „mein Heil“ und deutet den Namen Jesu an. Es ist wie eine Ankündigung, dass Jesus ewig leben wird. Wir beziehen all dies auch auf jene, die ihm nachfolgen, also auch auf uns und unsere Auferstehung! Geographisch gelesen deutet es zudem die weltweite Verbreitung des Evangeliums an. Dem sind Paulus und Barnabas wirklich nachgekommen und sind bis an die Enden der Erde gezogen, um den Menschen Jesus zu bringen. Und aus dem Grund ist es auch auf die Jünger Jesu zu beziehen, die hier in Pisidien sein Evangelium verkünden, auf Paulus und Barnabas. Sie sollen das Licht für die Völker, für die Heiden sein. Paulus hat dieses Wort ganz und gar als seine Berufung verstanden und ist somit zum größten Heidenmissionar geworden. Wir nennen ihn deshalb auch den Völkerapostel. Dieses „Völker“ bezieht sich auf die Heiden. Wir können es auch auf die beiden Slavenapostel Cyrill und Methodius beziehen, die zu den Heiden gegangen sind. Durch sie ist das heutige Russland sowie der gesamte Ostblock christlich bzw. haben sie die östliche Liturgie maßgeblich geprägt. So wie Paulus und Barnabas zunächst zu den Juden gingen, aber verworfen wurden, so versuchten die beiden es erst in Mähren, der heutigen Tschechei, und kamen in Konflikt mit dem ostfränkischen Klerus, sodass sie ihr Wirken in Pannonien fortsetzten, dem heutigen westlichen Ungarn. Es gab in ihrem Leben ständig Auseinandersetzungen aus politischen Gründen und so starb Methodius im schwäbischen Exil, nachdem sein Bruder schon längst tot war.
Die Worte, die Paulus und Barnabas an die frommen Juden gerichtet haben, hinterlässt auch seine Wirkung bei den Heiden. Diese freuen sich, Teil einer Heilsbotschaft zu sein. Sie bekehren sich zum Christentum und preisen den Herrn.
Das Evangelium verbreitet sich in der hauptsächlich heidnischen Gegend.

Ps 117
1 Lobt den HERRN, alle Völker, rühmt ihn, alle Nationen! 

2 Denn mächtig waltet über uns seine Huld, die Treue des HERRN währt in Ewigkeit. Halleluja!

Der heutige Psalm besteht aus nur zwei Versen, doch fassen diese das Wesentliche des heutigen Festes zusammen. Es ist ein Aufruf an die Völker, Gott zu loben.
Der Aufruf ist ein gängiges Wort in der jüdischen Frömmigkeitspraxis und wird von den Christen übernommen. Im Hebräischen steht nämlich das Verb הַֽלְל֣וּ  hallelu. Es fehlt das „ja“ am Ende, denn hier wird nicht „ja“ angehängt, was die Kurzform des Gottesnamens ist, sondern der vollständige Name Jahwe ausgeschrieben, also „hallelu et-jahwe“ (das „et“ drückt den Akkusativ aus, ist also nur eine Partikel).
„Alle Völker“ wird wiederum mit כָּל־גֹּויִ֑ם kol-gojim wiedergegeben und meint die nichtjüdischen Völker. Auch im zweiten Teil des Verses wird für „alle Nationen“ kein typisches Wort für das Volk Gottes gewählt, sondern כָּל־הָאֻמִּֽים kol ha’ummim. Ummim ist ein allgemeiner Begriff, der aber oft auch auf die Heidenvölker angewandt wird. Dieser Vers und der gesamte Psalm sind eigentlich etwas Unerhörtes oder Überraschendes. Die Heiden sollen den jüdischen Gott preisen. Es kommt noch besser. Sie sollen dies tun, weil seine Huld über ihnen waltet! Gott verdammt die Heiden nicht, sondern er hat auch mit ihnen einen Heilsplan! Sie sollen sich zu ihm bekehren, was bei Paulus und Barnabas dann ja passieren wird.
Und die Treue währt tatsächlich auch ihnen gegenüber in Ewigkeit. Gottes Bünde sind nie zeitlich begrenzt, sondern ewig. Jesus hat am Kreuz einen neuen Bund zwischen Gott und allen Menschen besiegelt, der ewig ist. Deshalb verspricht Gott auch den Heiden die ewige Treue, die mit ihm diesen Bund eingehen. Hier wird es im Psalm prophetisch vorweggenommen, denn bis Jesus Mensch wird, werden noch so einige Jahrhunderte vergehen.
Der Psalm lehrt uns heute, dass Gott einen wunderbaren Plan mit allen Menschen hat und jedem Einzelnen seine Treue verspricht. Das Angebot steht für alle bereit. Das Entscheidende ist, es anzunehmen und ihm nachzufolgen.

Lk 10
1 Danach suchte der Herr zweiundsiebzig andere aus und sandte sie zu zweit vor sich her in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte.  

2 Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden! 
3 Geht! Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. 
4 Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Grüßt niemanden auf dem Weg! 
5 Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem Haus! 
6 Und wenn dort ein Sohn des Friedens wohnt, wird euer Friede auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren. 
7 Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, ist seines Lohnes wert. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes! 
8 Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt. 
9 Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt ihnen: Das Reich Gottes ist euch nahe!

Was wir heute von Paulus und Barnabas gehört haben und was auch Cyrill und Methodius umgesetzt haben, das legt Jesus im heutigen Evangelium zugrunde. Wir hören die Aussendung seiner Jünger nach dem Lukasevangelium. Dabei handelt es sich um eine Art „Generalprobe“, wie ich über dieses Ereignis in der Markusversion schon gesagt habe. Hier sind es nicht die zwölf Apostel, sondern 72 Jünger aus dem weiteren Jüngerkreis. Jesus möchte sie dafür sensibilisieren, was sie nach seinem Tod, seiner Auferstehung, seiner Himmelfahrt und nach der Geistsendung für eine Berufung erhalten werden.
Er schickt die Jünger zu zweit los. Das befolgen auch Paulus und Barnabas sowie 800 Jahre später die Brüder Cyrill und Methodius. Warum eigentlich? Jesus schickt Juden los, die zuerst zu den Juden gehen sollen. Was die Jünger dabei tun sollen, ist Zeugnis ablegen. Ihr Missionskonzept ist das Zeugnis, zu Griechisch μαρτύριον martyrion. Für die zu missionierenden Juden ist diese Zweiheit bereits Teil der Botschaft. So verstehen sie, dass das Gesagte ein Zeugnis ist. Warum? Weil bereits die Torah sagt, dass eine Sache immer durch mindestens zwei Zeugen bestätigt werden soll (Dtn 19,15). Die „Sache“ ist hier das Evangelium Jesu Christi, die durch zwei Zeugen bestätigt als wahr vermittelt werden soll, als Tatsache.
Jesus sendet seine Jünger als Zeugen aus in die Städte, in die er selbst gehen will, aber aus Zeitgründen nicht schafft. Die Ernte ist nämlich sehr groß, wie er einige Verse weiter selbst sagt.
Beim Wort der Ernte sagt er übrigens noch eine sehr entscheidende Sache: Um Arbeiter im Weinberg muss man Gott bitten. Es hat sich bis heute nicht geändert. Wir müssen auch heute um geistliche Berufungen beten. Wo wir das nicht tun, verschulden wir uns am Reich Gottes. Denn die Ernte lässt nie nach. Die Arbeit wird nicht weniger, eher mehr.
Dass diese Missionsarbeit nicht immer leicht ist, deutet Jesus durch die Bilder von Schafen und Wölfen an. Missionare liefern sich aus. So sehen wir es bei Paulus und Barnabas, die immer wieder Feindschaft erleben müssen. Paulus wird sogar gesteinigt und überlebt diesen Übergriff überraschenderweise.
Jesus sendet seine Zeugen mittellos aus, um ihnen klar zu machen: Ihr sollt ganz auf die Vorsehung Gottes vertrauen. Euch soll es zuerst um das Reich Gottes gehen, alles Andere wird euch dazugegeben. Sie sollen deshalb kein Brot, keine Vorratstasche oder Geld mitnehmen. Sie sollen darauf vertrauen, dass Gott ihnen das alles durch andere Menschen geben wird. Dadurch vollziehen seine Apostel für die Menschen eine prophetische Zeichenhandlung. So wie Jesus alles, was er verkündet, auch an seinem Leben verdeutlicht, so sollen seine Nachfolger ebenfalls an ihrer Lebensführung das Verkündete lebendig werden lassen. So können die Menschen an ihrer Person das Gesagte ablesen und werden es als authentisch annehmen. Ihre Botschaft soll nämlich sein: „Das Reich Gottes ist nahe“. Und aus dem Grund sollen sie schon so auftreten, als seien sie mit mindestens einem Bein bereits in der Ewigkeit. Die weltlichen Güter sollen sie nicht von der Ewigkeit ablenken, die ihre bereits auf Erden neue Lebensweise bestimmt. Sie sollen eschatologisch auftreten.
Sie sollen zudem in dem Haus bleiben, in das sie einkehren. Das soll heißen, dass sie nicht schauen sollen, wo es angenehmer ist. Sie sollen dankbar annehmen, was ihnen angeboten wird.
Wenn man sie an dem Ort aber nicht annimmt, also ihre Botschaft nicht annimmt, sollen sie diesen Ort verlassen. Was nach Lukas nicht überliefert wird, ist das Abschütteln des Staubes, das wir dann auch an Paulus und Barnabas erkennen. Sie werden an dem Ort ja nicht angenommen, zumindest nicht von den dort ansässigen Juden. Das heißt einerseits, sie sollen nicht mehr zurückschauen oder sich an den Ort gebunden fühlen. Wenn man sie nicht möchte, sollen sie stattdessen dorthin gehen, wo das Evangelium angenommen wird. Dieses Abschütteln des Staubs hat noch eine andere Bedeutung, die uns heutzutage nicht mehr so vor Augen steht. Es war nämlich eine Geste der Gerichtsankündigung. Damit wird also ausgesagt: Ihr sollt das Richten Gott überlassen, der mit ihnen tun wird, wie er es für richtig hält. Ihr sollt nicht verurteilen, sondern es Gott überlassen. Nehmt den Segen/Frieden mit zu jenen, die ihn annehmen. Im Falle von Paulus und Barnabas sind es die Heiden, die den Segen Gottes mit offenen Armen empfangen.

Heute hören wir viel über die Evangelisierung und Berufung, die insbesondere auserwählten Personen geschenkt wird. Jesus hat von Anfang an vorgewarnt, dass es nicht einfach sein würde (Schafe unter den Wölfen), aber das hat damals keinen davon abgehalten die Botschaft Jesu Christi mit dem Leben zu verteidigen – weshalb viele zu Blutzeugen geworden sind, zu Märtyrern – das ist auch heute so in einer Zeit der zunehmenden Gottlosigkeit und antichristlichen Einstellung. Noch nie sind so viele Menschen für Jesus in den Tod gegangen wie heute. Möge das Wort Tertullians uns auch heute Mut machen: Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche.

Ihr Heiligen Cyrill und Methodius, bittet für uns!

Ihre Magstrauss