Hl. Cyrill und Methodius (Fest)

Apg 13,46-49; Ps 117,1.2; Lk 10,1-9

Apg 13
46 Paulus und Barnabas aber erklärten freimütig: Euch musste das Wort Gottes zuerst verkündet werden. Da ihr es aber zurückstoßt und euch selbst des ewigen Lebens für unwürdig erachtet, siehe, so wenden wir uns jetzt an die Heiden. 

47 Denn so hat uns der Herr aufgetragen: Ich habe dich zum Licht für die Völker gemacht, bis an das Ende der Erde sollst du das Heil sein. 
48 Als die Heiden das hörten, freuten sie sich und priesen das Wort des Herrn; und alle wurden gläubig, die für das ewige Leben bestimmt waren. 
49 Das Wort des Herrn aber verbreitete sich in der ganzen Gegend. 

Heute feiern wir zwei große Heilige, denen die Slaven das Christentum, die kyrillische Schrift und Liturgie zu verdanken haben – Cyrill und Methodius. Sie werden sowohl von der Ost- als auch von der Westkirche verehrt und ihr Gedenktag ist von Papst Johannes Paul II zum Fest angehoben worden.
Analog zu den beiden Heiligen, die übrigens Brüder waren, lesen wir heute von Paulus und Barnabas, die zwar nicht biologisch verwandt, doch wie Familienmitglieder sind.
Der heutige Abschnitt hat folgende Vorgeschichte: Die beiden Missionare ziehen nach Pisidien und lehren im pisidischen Antiochien (es gibt noch andere Städte mit demselben Namen) in der Synagoge. Dort nimmt Paulus eine heilsgeschichtliche Zusammenfassung vor, die in das Heilsgeschehen Jesu Christi mündet. Es erinnert ein wenig an das Martyrologium vor der Christmette, auch wenn Paulus nicht bei Adam und Eva anfängt. Die Anwesenden nehmen seine Botschaft an und bitten ihn sogar, am Sabbat darauf erneut zu sprechen. Dieser Tag ist in der heutigen Lesung angebrochen und die gesamte Stadt hat sich für die Predigt der Missionare versammelt. Dies macht die hiesigen schriftgelehrten Juden eifersüchtig und sie legen sich mit den beiden Gastrednern an. Weil sie die Botschaft Jesu Christi nicht annehmen, entgegnet Paulus nun die in der heutigen Lesung erfolgenden Verse:
„Euch“ bezieht sich dabei auf die Juden. Ihnen musste das Evangelium zuerst verkündet werden. So hat es auch Jesus im gestrigen Evangelium zu der Syrophönizierin gesagt. Weil die Juden ihn nicht annehmen, geht Jesus dann aber selbst zu den Heiden und so tun es auch Paulus und seine Begleiter immer wieder. Heute verkünden sie den Juden, dass durch deren Zurückweisung sie das Evangelium nun den Heiden verkünden. Es geht um eine bestimmte Stadt oder Region. Immer, wenn Paulus in eine Gegend kommt, versucht er es immer von Neuem zuerst beiden Juden, bevor er den Heiden predigt – vorausgesetzt es gibt überhaupt Juden in einer Stadt.
Es ist weniger ein schadenfrohes „Tja, Pech gehabt, ich gehe jetzt zu den anderen!“, sondern eher eine Lektion für die frommen Juden. Er zitiert nämlich Jes 49,6, um ihnen zu erklären, dass Jesus den neuen Bund gleichermaßen mit Juden und Heiden besiegelt hat. Das „Licht für die Heiden“ wird dabei in Jesaja mit der hebräischen Bezeichnung לְאֹ֣ור גֹּויִ֔ם le’or gojim, in der Septuaginta (griechische Übersetzung des AT) mit εἰς φῶς ἐθνῶν eis fos ethnon wiedergegeben. Beides – gojim bzw. ethne impliziert immer die nichtjüdischen Völker. Dies ist in erster Linie messianisch zu verstehen, weil Paulus hier aus einem der Gottesknechtslieder zitiert und die Kirche stets Jesus damit verbunden hat. Ein weiterer Hinweis ist die Aussage, dass bis zum Ende der Erde der Angesprochene „das Heil“ sein soll. Die hebräische Formulierung in Jesaja ist יְשׁוּעָתִ֖י jeschu’ato, „mein Heil“ und deutet den Namen Jesu an. Es ist wie eine Ankündigung, dass Jesus ewig leben wird. Wir beziehen all dies auch auf jene, die ihm nachfolgen, also auch auf uns und unsere Auferstehung! Geographisch gelesen deutet es zudem die weltweite Verbreitung des Evangeliums an. Dem sind Paulus und Barnabas wirklich nachgekommen und sind bis an die Enden der Erde gezogen, um den Menschen Jesus zu bringen. Und aus dem Grund ist es auch auf die Jünger Jesu zu beziehen, die hier in Pisidien sein Evangelium verkünden, auf Paulus und Barnabas. Sie sollen das Licht für die Völker, für die Heiden sein. Paulus hat dieses Wort ganz und gar als seine Berufung verstanden und ist somit zum größten Heidenmissionar geworden. Wir nennen ihn deshalb auch den Völkerapostel. Dieses „Völker“ bezieht sich auf die Heiden. Wir können es auch auf die beiden Slavenapostel Cyrill und Methodius beziehen, die zu den Heiden gegangen sind. Durch sie ist das heutige Russland sowie der gesamte Ostblock christlich bzw. haben sie die östliche Liturgie maßgeblich geprägt. So wie Paulus und Barnabas zunächst zu den Juden gingen, aber verworfen wurden, so versuchten die beiden es erst in Mähren, der heutigen Tschechei, und kamen in Konflikt mit dem ostfränkischen Klerus, sodass sie ihr Wirken in Pannonien fortsetzten, dem heutigen westlichen Ungarn. Es gab in ihrem Leben ständig Auseinandersetzungen aus politischen Gründen und so starb Methodius im schwäbischen Exil, nachdem sein Bruder schon längst tot war.
Die Worte, die Paulus und Barnabas an die frommen Juden gerichtet haben, hinterlässt auch seine Wirkung bei den Heiden. Diese freuen sich, Teil einer Heilsbotschaft zu sein. Sie bekehren sich zum Christentum und preisen den Herrn.
Das Evangelium verbreitet sich in der hauptsächlich heidnischen Gegend.

Ps 117
1 Lobt den HERRN, alle Völker, rühmt ihn, alle Nationen! 

2 Denn mächtig waltet über uns seine Huld, die Treue des HERRN währt in Ewigkeit. Halleluja!

Der heutige Psalm besteht aus nur zwei Versen, doch fassen diese das Wesentliche des heutigen Festes zusammen. Es ist ein Aufruf an die Völker, Gott zu loben.
Der Aufruf ist ein gängiges Wort in der jüdischen Frömmigkeitspraxis und wird von den Christen übernommen. Im Hebräischen steht nämlich das Verb הַֽלְל֣וּ  hallelu. Es fehlt das „ja“ am Ende, denn hier wird nicht „ja“ angehängt, was die Kurzform des Gottesnamens ist, sondern der vollständige Name Jahwe ausgeschrieben, also „hallelu et-jahwe“ (das „et“ drückt den Akkusativ aus, ist also nur eine Partikel).
„Alle Völker“ wird wiederum mit כָּל־גֹּויִ֑ם kol-gojim wiedergegeben und meint die nichtjüdischen Völker. Auch im zweiten Teil des Verses wird für „alle Nationen“ kein typisches Wort für das Volk Gottes gewählt, sondern כָּל־הָאֻמִּֽים kol ha’ummim. Ummim ist ein allgemeiner Begriff, der aber oft auch auf die Heidenvölker angewandt wird. Dieser Vers und der gesamte Psalm sind eigentlich etwas Unerhörtes oder Überraschendes. Die Heiden sollen den jüdischen Gott preisen. Es kommt noch besser. Sie sollen dies tun, weil seine Huld über ihnen waltet! Gott verdammt die Heiden nicht, sondern er hat auch mit ihnen einen Heilsplan! Sie sollen sich zu ihm bekehren, was bei Paulus und Barnabas dann ja passieren wird.
Und die Treue währt tatsächlich auch ihnen gegenüber in Ewigkeit. Gottes Bünde sind nie zeitlich begrenzt, sondern ewig. Jesus hat am Kreuz einen neuen Bund zwischen Gott und allen Menschen besiegelt, der ewig ist. Deshalb verspricht Gott auch den Heiden die ewige Treue, die mit ihm diesen Bund eingehen. Hier wird es im Psalm prophetisch vorweggenommen, denn bis Jesus Mensch wird, werden noch so einige Jahrhunderte vergehen.
Der Psalm lehrt uns heute, dass Gott einen wunderbaren Plan mit allen Menschen hat und jedem Einzelnen seine Treue verspricht. Das Angebot steht für alle bereit. Das Entscheidende ist, es anzunehmen und ihm nachzufolgen.

Lk 10
1 Danach suchte der Herr zweiundsiebzig andere aus und sandte sie zu zweit vor sich her in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte.  

2 Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden! 
3 Geht! Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. 
4 Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Grüßt niemanden auf dem Weg! 
5 Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem Haus! 
6 Und wenn dort ein Sohn des Friedens wohnt, wird euer Friede auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren. 
7 Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, ist seines Lohnes wert. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes! 
8 Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt. 
9 Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt ihnen: Das Reich Gottes ist euch nahe!

Was wir heute von Paulus und Barnabas gehört haben und was auch Cyrill und Methodius umgesetzt haben, das legt Jesus im heutigen Evangelium zugrunde. Wir hören die Aussendung seiner Jünger nach dem Lukasevangelium. Dabei handelt es sich um eine Art „Generalprobe“, wie ich über dieses Ereignis in der Markusversion schon gesagt habe. Hier sind es nicht die zwölf Apostel, sondern 72 Jünger aus dem weiteren Jüngerkreis. Jesus möchte sie dafür sensibilisieren, was sie nach seinem Tod, seiner Auferstehung, seiner Himmelfahrt und nach der Geistsendung für eine Berufung erhalten werden.
Er schickt die Jünger zu zweit los. Das befolgen auch Paulus und Barnabas sowie 800 Jahre später die Brüder Cyrill und Methodius. Warum eigentlich? Jesus schickt Juden los, die zuerst zu den Juden gehen sollen. Was die Jünger dabei tun sollen, ist Zeugnis ablegen. Ihr Missionskonzept ist das Zeugnis, zu Griechisch μαρτύριον martyrion. Für die zu missionierenden Juden ist diese Zweiheit bereits Teil der Botschaft. So verstehen sie, dass das Gesagte ein Zeugnis ist. Warum? Weil bereits die Torah sagt, dass eine Sache immer durch mindestens zwei Zeugen bestätigt werden soll (Dtn 19,15). Die „Sache“ ist hier das Evangelium Jesu Christi, die durch zwei Zeugen bestätigt als wahr vermittelt werden soll, als Tatsache.
Jesus sendet seine Jünger als Zeugen aus in die Städte, in die er selbst gehen will, aber aus Zeitgründen nicht schafft. Die Ernte ist nämlich sehr groß, wie er einige Verse weiter selbst sagt.
Beim Wort der Ernte sagt er übrigens noch eine sehr entscheidende Sache: Um Arbeiter im Weinberg muss man Gott bitten. Es hat sich bis heute nicht geändert. Wir müssen auch heute um geistliche Berufungen beten. Wo wir das nicht tun, verschulden wir uns am Reich Gottes. Denn die Ernte lässt nie nach. Die Arbeit wird nicht weniger, eher mehr.
Dass diese Missionsarbeit nicht immer leicht ist, deutet Jesus durch die Bilder von Schafen und Wölfen an. Missionare liefern sich aus. So sehen wir es bei Paulus und Barnabas, die immer wieder Feindschaft erleben müssen. Paulus wird sogar gesteinigt und überlebt diesen Übergriff überraschenderweise.
Jesus sendet seine Zeugen mittellos aus, um ihnen klar zu machen: Ihr sollt ganz auf die Vorsehung Gottes vertrauen. Euch soll es zuerst um das Reich Gottes gehen, alles Andere wird euch dazugegeben. Sie sollen deshalb kein Brot, keine Vorratstasche oder Geld mitnehmen. Sie sollen darauf vertrauen, dass Gott ihnen das alles durch andere Menschen geben wird. Dadurch vollziehen seine Apostel für die Menschen eine prophetische Zeichenhandlung. So wie Jesus alles, was er verkündet, auch an seinem Leben verdeutlicht, so sollen seine Nachfolger ebenfalls an ihrer Lebensführung das Verkündete lebendig werden lassen. So können die Menschen an ihrer Person das Gesagte ablesen und werden es als authentisch annehmen. Ihre Botschaft soll nämlich sein: „Das Reich Gottes ist nahe“. Und aus dem Grund sollen sie schon so auftreten, als seien sie mit mindestens einem Bein bereits in der Ewigkeit. Die weltlichen Güter sollen sie nicht von der Ewigkeit ablenken, die ihre bereits auf Erden neue Lebensweise bestimmt. Sie sollen eschatologisch auftreten.
Sie sollen zudem in dem Haus bleiben, in das sie einkehren. Das soll heißen, dass sie nicht schauen sollen, wo es angenehmer ist. Sie sollen dankbar annehmen, was ihnen angeboten wird.
Wenn man sie an dem Ort aber nicht annimmt, also ihre Botschaft nicht annimmt, sollen sie diesen Ort verlassen. Was nach Lukas nicht überliefert wird, ist das Abschütteln des Staubes, das wir dann auch an Paulus und Barnabas erkennen. Sie werden an dem Ort ja nicht angenommen, zumindest nicht von den dort ansässigen Juden. Das heißt einerseits, sie sollen nicht mehr zurückschauen oder sich an den Ort gebunden fühlen. Wenn man sie nicht möchte, sollen sie stattdessen dorthin gehen, wo das Evangelium angenommen wird. Dieses Abschütteln des Staubs hat noch eine andere Bedeutung, die uns heutzutage nicht mehr so vor Augen steht. Es war nämlich eine Geste der Gerichtsankündigung. Damit wird also ausgesagt: Ihr sollt das Richten Gott überlassen, der mit ihnen tun wird, wie er es für richtig hält. Ihr sollt nicht verurteilen, sondern es Gott überlassen. Nehmt den Segen/Frieden mit zu jenen, die ihn annehmen. Im Falle von Paulus und Barnabas sind es die Heiden, die den Segen Gottes mit offenen Armen empfangen.

Heute hören wir viel über die Evangelisierung und Berufung, die insbesondere auserwählten Personen geschenkt wird. Jesus hat von Anfang an vorgewarnt, dass es nicht einfach sein würde (Schafe unter den Wölfen), aber das hat damals keinen davon abgehalten die Botschaft Jesu Christi mit dem Leben zu verteidigen – weshalb viele zu Blutzeugen geworden sind, zu Märtyrern – das ist auch heute so in einer Zeit der zunehmenden Gottlosigkeit und antichristlichen Einstellung. Noch nie sind so viele Menschen für Jesus in den Tod gegangen wie heute. Möge das Wort Tertullians uns auch heute Mut machen: Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche.

Ihr Heiligen Cyrill und Methodius, bittet für uns!

Ihre Magstrauss

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