Samstag der 3. Woche im Jahreskreis

Hebr 11,1-2.8-19; Lk 1,68-69.70-71.72-73.74-75; Mk 4,35-41

Hebr 11
1 Glaube aber ist: Grundlage dessen, was man erhofft, ein Zutagetreten von Tatsachen, die man nicht sieht.

2 Aufgrund dieses Glaubens haben die Alten ein gutes Zeugnis erhalten.
8 Aufgrund des Glaubens gehorchte Abraham dem Ruf, wegzuziehen in ein Land, das er zum Erbe erhalten sollte; und er zog weg, ohne zu wissen, wohin er kommen würde.

9 Aufgrund des Glaubens siedelte er im verheißenen Land wie in der Fremde und wohnte mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung, in Zelten;
10 denn er erwartete die Stadt mit den festen Grundmauern, die Gott selbst geplant und gebaut hat.
11 Aufgrund des Glaubens empfing selbst Sara, die unfruchtbar war, die Kraft, trotz ihres Alters noch Mutter zu werden; denn sie hielt den für treu, der die Verheißung gegeben hatte.
12 So stammen denn auch von einem einzigen Menschen, dessen Kraft bereits erstorben war, viele ab: zahlreich wie die Sterne am Himmel und der Sand am Meeresstrand, den man nicht zählen kann.
13 Im Glauben sind diese alle gestorben und haben die Verheißungen nicht erlangt, sondern sie nur von fern geschaut und gegrüßt und sie haben bekannt, dass sie Fremde und Gäste auf Erden sind.
14 Und die, die solches sagen, geben zu erkennen, dass sie eine Heimat suchen.
15 Hätten sie dabei an die Heimat gedacht, aus der sie weggezogen waren, so wäre ihnen Zeit geblieben zurückzukehren;
16 nun aber streben sie nach einer besseren Heimat, nämlich der himmlischen. Darum schämt sich Gott ihrer nicht, er schämt sich nicht, ihr Gott genannt zu werden; denn er hat ihnen eine Stadt bereitet.
17 Aufgrund des Glaubens hat Abraham den Isaak hingegeben, als er auf die Probe gestellt wurde; er gab den einzigen Sohn dahin, er, der die Verheißungen empfangen hatte
18 und zu dem gesagt worden war: Durch Isaak wirst du Nachkommen haben.
19 Er war überzeugt, dass Gott sogar die Macht hat, von den Toten zu erwecken; darum erhielt er Isaak auch zurück. Das ist ein Sinnbild.

Im heutigen Abschnitt aus dem Hebräerbrief geht es um das Glaubenszeugnis vergangener Generationen. Uns wird also vor Augen geführt, dass der Alte Bund kein Zeugnis für Unglauben und ebenfalls gottgewollt ist.
Zunächst einmal hören wir eine ganz bekannte Definition für „Glauben“, die sehr weit verbreitet ist: „Grundlage dessen, was man erhofft, ein Zutagetreten von Tatsachen, die man nicht sieht.“ In der alten Einheitsübersetzung ist es ein wenig schöner formuliert: „Überzeugtsein von dem, was man nicht sieht.“ Das Wort ἔλεγχος elengchos ist sehr vielseitig und kann deshalb sehr unterschiedlich übersetzt werden. Glaube ist dabei zutiefst praktisch, das heißt auf das konkrete Tun ausgerichtet. Denn das „Überzeugtsein“ von Dingen bezieht sich auf πραγμά pragma.
So verwundert es uns auch nicht, dass die daraufhin beschriebenen Glaubenszeugnisse der Alten Verhaltensweisen aufzählen: Der Glaube, wie er zu Anfang definiert worden ist, stellt den Kern des Verhaltens Abrahams dar. Ohne diesen Glauben hätte er nicht sein Leben aufgegeben, um in ein fernes Land zu ziehen. Schließlich hat er dabei auf den gehört, den er nicht sieht, auf den unsichtbaren Gott.
Auch das Leben in diesem fremden Land und das Warten auf feste Stadtmauern ist auf diesen Glauben zurückzuführen. Dass Abraham und seine Nachkommen ein Leben in Vorläufigkeit führten, ist auf das Vertrauen zurückzuführen, dass Gott sein Versprechen einlösen wird, ihnen eine feste Stadt zu verleihen.
Auch Sara hat Gott geglaubt, dass er seine Verheißung wahr machen werde, dass ihr im hohen Alter noch ein Kind geschenkt würde. Deshalb hat sich die Verheißung auch erfüllt. So ist Gottes Verheißung an Abraham, Vater vieler Völker zu werden, in Erfüllung gegangen. Der Argumentationsgang des Hebräerbriefes ist nun, herauszustellen, dass auch wenn diese Dinge sich erfüllt haben, die eigentliche Verheißung der gesamten Heilsgeschichte ausgeblieben ist bzw. nur von Weitem geschaut worden ist – die Erlösung und Versöhnung der gefallenen Menschheit mit Gott. Sie sind ja doch gestorben – das bezieht sich nicht nur auf den biologischen Tod, sondern dahinter steckt die Überzeugung, dass sie nach dem Tod Gott nicht schauen durften trotz ihrer Gerechtigkeit. Auch wenn das Volk Israel das Verheißene Land auf Erden empfangen hat, so ist ihnen doch das eigentlich Verheißene Land nicht gegeben worden – das Himmelreich. Diese lange Wanderung war mit ihnen noch nicht abgeschlossen. Das „Zelten“ ging noch weiter, bis Gott Mensch wurde, um sein Zelt aufzuschlagen unter den Menschen.
Und doch ist das ja bereits ein Glaubenszeugnis, das sie hinterlassen haben. Abraham hätte gleich beim ersten Problem zurück in seine Heimat gehen können. Stattdessen Strebt Abraham nun nach einer besseren Heimat. Damit ist das Himmelreich gemeint. Dahinter steht die Überzeugung, dass Jesus Christus mit seinem Erlösungswirken die Gerechten des Alten Testaments in die himmlische Heimat geführt hat. Die Stadt, die Gott auch ihnen bereitet, ist das himmlische Jerusalem.
Ein besonders starkes Glaubenszeugnis stellt Abrahams Opfer dar: Er war bereit, seinen einzigen Sohn zu opfern, auf den er so lange gewartet hatte. Er war bereit, es zu tun, obwohl es allem widersprach, was Gott verheißen hat, nämlich dass durch diesen Sohn Abraham Vater vieler Völker werden würde. Gegen den Verstand hat Abraham Gott blind vertraut. Und weil Gott dennoch seine Versprechen hält und Abraham davon überzeugt war, ist hier die einzige Erklärung, dass Abraham an die Macht Gottes glaubte, Tote auferstehen zu lassen.
Am Schluss wird als Bemerkung angefügt, dass es sich dabei um ein Sinnbild handelt. Die ganze Glaubensprobe stellt ein einziges Sinnbild dar. So wie Abraham bereit ist, Isaak zu opfern, so ist der Vater bereit, seinen einzigen Sohn Jesus Christus zu opfern – in derselben Region, denn Morija entspricht dem Bergland von Judäa mit Zion als Höhe, auf der die Hauptstadt Jerusalem erbaut ist. So wie Isaak das Holz für das Opfer auf den Berg trägt, auf dem er selbst geopfert werden würde, so trug der Herr Jesus Christus sein Opferholz zum Golgota, um darauf festgenagelt und gekreuzigt zu werden. Und so wie Abraham offensichtlich an die Totenerweckung glaubte, so ist Jesus Christus, der neue Isaak wirklich von den Toten auferstanden!

Lk 1
68 Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! / Denn er hat sein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen;
69 er hat uns einen starken Retter erweckt / im Hause seines Knechtes David.
70 So hat er verheißen von alters her / durch den Mund seiner heiligen Propheten.
71 Er hat uns errettet vor unseren Feinden / und aus der Hand aller, die uns hassen;
72 er hat das Erbarmen mit den Vätern an uns vollendet / und an seinen heiligen Bund gedacht,
73 an den Eid, den er unserm Vater Abraham geschworen hat;
74 er hat uns geschenkt, dass wir, aus Feindeshand befreit, / ihm furchtlos dienen
75 in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinem Angesicht all unsre Tage.

Heute beten wir als Antwort auf die Lesung keinen Psalm, sondern den Lobpreis des Zacharias, als sein Sohn Johannes geboren wurde und er von seiner Stummheit befreit worden ist. Er betet diese Worte ganz erfüllt vom Heiligen Geist.
Es ist ein Gebet nach jüdischem Gebetsformular. Es wird mit einer üblichen Benediktionsformel eingeleitet („gepriesen sei der Herr, der Gott Israels“). Sodann fasst er die gesamte Heilsgeschichte Gottes mit dem Volk Israel zusammen, den Alten Bund, der mit Johannes den Täufer enden wird. Er wird als letzter Prophet dieses Bundes auftreten und zugleich auf den Neuen Bund verweisen. Als Scharnier zwischen den Bünden wird er eine entscheidende Funktion einnehmen. Auch Zacharias bleibt nicht einfach bei den Ereignissen des Alten Bundes stehen, sondern führt sie auf den Höhepunkt der Heilsgeschichte zusammen – der Erlöser ist unterwegs, geboren zu werden!
Die Erlösung, von der hier die Rede ist, meint mehr als das, was die Israeliten unter dem Begriff verstanden haben: Eine umfassende Erlösung, eine Versöhnung mit Gott, dessen Herrlichkeit die Menschen endlich wieder schauen dürfen. Es geht um einen umfassenden Frieden, den die Welt nicht geben kann, nicht um einen politischen Frieden, eine Befreiung aus der Knechtschaft eines fremden Volkes wie in dieser Zeit der Römer.
Es kann nicht so verstanden werden, dass Zacharias von seinem eigenen Sohn spricht, wenn er betet: „Er hat uns einen starken Retter erweckt im Hause seines Knechtes David.“ Denn Johannes ist in den Stamm Levi geboren. Vielmehr geht es um den Retter Jesus Christus, dessen Ankunft ja sechs Monate später erfolgen wird. Dieser ist wirklich Davidide und Retter. Johannes ist ein besonderes Kind und wird große Dinge tun, aber zugleich wird er sich als nicht einmal würdig bezeichnen, die Sandalen des Messias auszuziehen.
Gott steht in den Startlöchern. Er ist bereit, in diese Welt geboren zu werden, um sein Volk von den Feinden zu retten, um das zu erfüllen, was er durch die Propheten verheißen hat. Er kommt, um sein Erbarmen zu zeigen – auf eine Weise, wie es die Väter zuvor nicht erlebt haben. Und doch schließt sich der Kreis, denn Gott kommt zu den Juden, den Nachfahren des Vaters Abraham, mit dem Gott einen Bund geschlossen hat.
Gott kommt, uns zu erlösen, um aus dem Sklavenvolk ein freies Volk zu machen, das geheiligt ist und ihm dient bis in Ewigkeit. Gottes Heilsplan, alle Menschen zu erlösen und sie in seine himmlische Gemeinschaft aufzunehmen, stand von Anfang an fest. Mit Jesus Christus erfüllt sich dies nun!
Und wenn wir die Begeisterung des Zacharias so erleben, berührt es uns umso mehr, dass wir diese Worte mit ihm zusammen beten dürfen, und zwar als Erlöste! Wir schauen schon rückblickend darauf und dürfen voll Dankbarkeit sein, dass der Herr uns schon zu Erben gemacht hat.

Mk 4
35 Am Abend dieses Tages sagte er zu ihnen: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. 

36 Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; und andere Boote begleiteten ihn. 
37 Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann. 
38 Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? 
39 Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein. 
40 Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? 
41 Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Wer ist denn dieser, dass ihm sogar der Wind und das Meer gehorchen?

Nachdem Jesus jetzt mehrere Gleichnisse erzählt hat (wir hörten davon die letzten Tage), fährt er nun mit seinen Jüngern in einem Boot zum anderen Ufer des Sees Genesaret. Vor einigen Wochen haben wir über die Fahrt von einem Ufer zum anderen vierfach nachgedacht. Dann war dieses Boot als die Kirche zu betrachten, die auf dem See der Endzeit durch allerlei Stürme hindurch auf die Ewigkeit zusteuert. Es ist auch das Boot unseres Lebens, in dem wir durch die Stürme unseres Alltags hindurch auf das ewige Leben zusteuern, ebenso die gesamte Menschheitsgeschichte, die sich auf die Endzeit zubewegt, auf den Tag des Jüngsten Gerichts zu.
Entscheidend ist, dass Jesus mit im Boot ist. So kann das Boot nicht kentern, weder als Kirche Christi betrachtet, die die Mächte der Finsternis nicht überwältigen werden, noch als unser eigenes Leben betrachtet, in denen die Versuchungen des Teufels uns mit Jesu Beistand nichts anhaben können. Auch mit Blick auf das Ende der Zeiten und dem Gericht Gottes wird uns ein gutes Gerichtsurteil erwarten, wenn Jesus im Boot ist.
Und wenn die schweren Stürme kommen, vergessen wir manchmal, dass er da ist. Dann werden wir panisch, weil Wasser ins Boot läuft. Dann schreien wir zu Gott, dass er uns helfe und rütteln am schlafenden Jesus. Wir verstehen dann nicht, warum Gott so gelassen bleibt, obwohl die Situation so dramatisch erscheint. Das ist sowohl im kirchlichen Leben als auch im alltäglichen Leben des Einzelnen so. Wir haben den Eindruck, dass wenn ein Schisma droht, wenn Angriffe von innen und außen kommen, die Kirche untergehen wird. Dabei vergessen wir, dass dies nicht passieren kann. Jesus hat es uns versprochen und er wird uns auch helfen. Das ist auch so, wenn wir schlimmen Versuchungen ausgesetzt sind oder schwierige Probleme im Leben bekommen. Dann haben wir schnell den Eindruck, dass alles den Bach hinuntergeht. Wir schöpfen wie wild eimerweise das hineinlaufende Wasser aus und reagieren hektisch, unüberlegt. Genau dies möchte der Teufel auch, er will uns verrückt machen, dass wir die Orientierung verlieren. Dabei müssen wir dann erst recht ruhig bleiben, uns besinnen und uns an Christus wenden. Wenn wir Versuchungen ausgesetzt sind, sollen wir beten, Kontakt zu Gott suchen. Er wird sie vertreiben. Er muss nur ein Wort sagen und alles wird verwandelt werden. Wir sollen auf Gott vertrauen und seinen Worten glauben, wenn er sagt: Es wird euch nichts passieren. Wie oft machen wir die Erfahrung, dass wir uns vornehmen, unsere Beziehung zu Gott zu vertiefen und ihn besser kennen lernen zu wollen. Dann kommen tausend Ablenkungsmanöver durch die alltäglichen Sorgen, Probleme und Zwischenfälle. Wir werden davon so abgelenkt, dass wir weder die Zeit noch die Kraft, noch den Gedanken übrig haben, unser ursprüngliches Vorhaben in die Tat umzusetzen. Es sind die typischen Schachzüge des Teufels, uns von Gott wegzuziehen. Wenn im Alltag so viele Probleme auftauchen und uns wieder aufzuzehren versuchen, seien wir uns dann bewusst, wer eigentlich dahintersteckt. Zeigen wir es ihm dann so richtig, indem wir uns dann gerade an Gott klammern, uns dann gerade mehr Zeit zum Beten nehmen und vor allem noch mehr die Sakramente in Anspruch nehmen, häufiger beichten, häufiger die Kommunion empfangen. Dann tun wir dadurch genau das, was die Jünger Jesu auch tun – mit dem Wasserschöpfen aufhören und Jesus wecken. Mit seiner Hilfe wird uns alles gelingen.

Das, was sich in stürmischen Zeiten bewährt, ist der Glaube, um den es im Hebräerbrief ging. Wenn wir dann an dem festhalten, was wir eigentlich nicht sehen – Gott und seine Verheißung von Anfang an – werden wir nicht enttäuscht werden. Zacharias jubelt schon, bevor Christus geboren wird, weil er Glauben hat. Das war nicht von Anfang an so, denn aufgrund seiner Zweifel an der Botschaft des Engels ist er mit Stummheit geschlagen worden. Aber besser spät als nie. Wie sieht es bei uns aus? Handeln wir ausgehend von einem tiefen Glauben? Wir können nicht verlieren, wenn wir diesen Weg wählen. Abraham zog los, ohne zu wissen, wohin. Wohin ziehen wir?

Ihre Magstrauss

4. Sonntag im Jahreskreis

Dtn 18,15-20; Ps 95,1-2.6-7c.7d-9; 1 Kor 7,32-35; Mk 1,21-28

Dtn 18
15 Einen Propheten wie mich wird dir der HERR, dein Gott, aus deiner Mitte, unter deinen Brüdern, erstehen lassen. Auf ihn sollt ihr hören.

16 Der HERR wird ihn als Erfüllung von allem erstehen lassen, worum du am Horeb, am Tag der Versammlung, den HERRN, deinen Gott, gebeten hast, als du sagtest: Ich kann die donnernde Stimme des HERRN, meines Gottes, nicht noch einmal hören und dieses große Feuer nicht noch einmal sehen, ohne dass ich sterbe.
17 Damals sagte der HERR zu mir: Was sie von dir verlangen, ist recht.
18 Einen Propheten wie dich will ich ihnen mitten unter ihren Brüdern erstehen lassen. Ich will ihm meine Worte in den Mund legen und er wird ihnen alles sagen, was ich ihm gebiete.
19 Den aber, der nicht auf meine Worte hört, die der Prophet in meinem Namen verkünden wird, ziehe ich selbst zur Rechenschaft.
20 Doch ein Prophet, der sich anmaßt, in meinem Namen ein Wort zu verkünden, dessen Verkündigung ich ihm nicht geboten habe, oder der im Namen anderer Götter spricht, ein solcher Prophet soll sterben.

In der ersten Lesung hören wir ein prophetisches Wort des Mose. Das Buch Deuteronomium, das zu Deutsch „zweites Gesetz“ heißt im Sinne einer Wiederholung der gesamten mosaischen Gesetzgebung, stellt eine einzige Abschlusspredigt des Mose dar, bevor das Volk Gottes in das Verheißene Land einzieht. Er selbst darf ja nicht dahin eingehen aufgrund seiner Glaubenszweifel in Massa und Meriba.
Was Mose hier spricht, ist vom Hl. Geist eingegeben. Denn er kündigt Jesus Christus an, ohne dass er dies erahnen kann.
Jesus Christus wird zwar nicht nur ein Prophet sein wie die üblichen Propheten des Alten Testaments, er ist der Sohn Gottes! Und doch entspricht es der Wahrheit, dass er ein Prophet sein wird, den der Herr mitten unter den Brüdern erstehen lassen wird. Er wird mitten unter den Menschen wohnen, geboren in eine Familie und in einen Stammbaum hinein. Er wird die ersten dreißig Jahre seines Lebens in der Verborgenheit verbringen, einen Beruf ausüben, ganz wie ein gewöhnlicher Mensch leben, bevor seine Zeit gekommen ist. Wenn er dann das Reich Gottes predigen wird, sollen die Menschen auf ihn hören. Bereits Mose hält die Israeliten dazu an, auf den Messias zu hören! Was werden sie aber daraus machen? Am Ende wird Christus ans Kreuz geschlagen werden, weil die religiöse Elite ihn als Dorn im Auge haben.
Aber die Bedeutung des Messias ist schon damals ganz klar: Er wird der Inbegriff der Gebetserhörung Gottes sein. Er wird alles erfüllen, um das die Israeliten beim Bundesschluss am Sinai gebeten haben. Er wird die gesamte alttestamentliche Verheißung erfüllen. Alles wird sich in seiner Person verdichten, denn er selbst ist das Wort Gottes, das Fleisch geworden ist!
Damals fürchteten die Israeliten sich vor der Gegenwart Gottes. Dieser ist so überwältigend, dass sie vor dem Donnern und den anderen Theophaniezeichen Angst hatten. Die Kirchenväter schreiben in ihren Weihnachtspredigten von dieser Furcht vor der Allmacht Gottes, die dieser in seiner Menschwerdung nicht zur Schau gestellt haben, gerade damit die Menschen ihre Angst verlieren und ihm in die Augen sehen können. Gott ist ganz ohnmächtig geworden, hat die Schwachheit des Menschen angenommen, um als Mensch unter Menschen zu wohnen. Mose ist wirklich ein Prophet und durch ihn spricht hier der Hl. Geist! Er kann noch gar nicht begreifen, welche Tiefe seine Worte enthalten! Er spricht zwar noch von einem Propheten, sodass man fälschlicherweise annehmen könnte, Jesus Christus ist nur Mensch. Was hier angekündigt wird, wird sich immer mehr als messianische Erwartung im Volk Israel entwickeln, sodass immer mehr ein übermenschlicher Messias erwartet wird.
Weil der Mensch die Herrlichkeit Gottes nicht aushalten kann, ist Gott dem Menschen entgegengekommen. Er hat seine Herrlichkeit verborgen, damit die Menschen seine Gegenwart aushalten können.
Jesus Christus hat nichts verkündet, nichts getan, was nicht im Einklang mit dem Vater ist. Er hat den Menschen den Vater gezeigt, diesem gleichsam ein Gesicht verliehen. Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes, wie es Paulus im Kolosserbrief zu Anfang formuliert. Wer also nicht auf das hört, was dieser „Prophet“ sagt, widersetzt sich dem heiligen Willen des Vaters! Wer auf Christus nicht hört, den wird der Vater zur Rechenschaft ziehen.
Als Negativfolie werden die falschen Propheten herangezogen, die etwas verkündigen, das nicht dem Willen Gottes entspricht, die vielleicht sogar anderen „Göttern“ dienen. Jesus wird in seinen apokalyptischen Reden immer wieder betonen, dass am Ende der Zeiten immer mehr falsche Propheten auftreten werden, dass sogar falsche Messiasse kommen werden, auf die wir nicht hören sollen. Der Antichrist wird versuchen, die Menschheit von Gott wegzubringen. Doch unser Herz soll sich nicht verwirren oder beunruhigen lassen.

Ps 95
1 Kommt, lasst uns jubeln dem HERRN, jauchzen dem Fels unsres Heils!

2 Lasst uns mit Dank seinem Angesicht nahen, ihm jauchzen mit Liedern!
6 Kommt, wir wollen uns niederwerfen, uns vor ihm verneigen, lasst uns niederknien vor dem HERRN, unserem Schöpfer!
7 Denn er ist unser Gott, wir sind das Volk seiner Weide, die Herde, von seiner Hand geführt. Würdet ihr doch heute auf seine Stimme hören!
8 Verhärtet euer Herz nicht wie in Meríba, wie in der Wüste am Tag von Massa!
9 Dort haben eure Väter mich versucht, sie stellten mich auf die Probe und hatten doch mein Tun gesehen.

Der Psalm reflektiert die Exodusgeschichte. Er beginnt psalmenspezifisch mit einer Lobaufforderung. Gott ist „der Fels unseres Heils“ im wahrsten Sinne, denn das Volk Israel dürstete in der Wüste, bevor es mit Wasser aus einem Felsen getränkt wurde. Das ist kein Zufall, dass Gott ausgerechnet aus einem Felsen hat Wasser hervorsprudeln lassen. Das war eine ganz große Lektion und im Nachhinein erkennen wir Christen diesen Typos: Das Wasser ist ein Zeichen des lebendigen Wassers, des Heiligen Geistes! Dass es ausgerechnet aus einem Felsen kommt, ist für uns auch kein bisschen zufällig: Jesus sagt zu Petrus in Mt 16: „Du bist Petrus, der Fels. Und auch diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen.“ Wir hörten dies vor zwei Wochen! Durch den Hl. Geist nahm die Kirche am Pfingsttag ihren Anfang, die Petrus zum Fels in der Brandung hat, damals bei der Pfingstpredigt wie heute mit dem Papst.
Der Psalm ruft zur Dankbarkeit auf, zum Jauchzen „mit Liedern“. Das ist es, was Gott immer verdient hat, egal, ob es uns gerade gut oder schlecht geht. Er hat nur Gutes für uns bereit und tut uns nur Heilsames. Auch das Gericht, das wir in unserem Leben ansatzweise immer schon zu spüren bekommen, ist gut und heilsam. Wer sind wir, dass wir unser Lob, das ihm immer zusteht, von unserer eigenen Befindlichkeit abhängig machen? Er ist schließlich unser Schöpfer. Dass wir existieren, dafür allein gebührt ihm auf ewig unser Lob. Das allein ist schon Grund genug, dass der Psalm auffordert: „Wir wollen uns niederwerfen, uns vor ihm verneigen, lasst uns niederknien vor dem HERRN, unserem Schöpfer!“
Gott ist keine undurchschaubare Macht, sondern teilt mit uns immer wieder seinen Heilsplan. Er schickt zu allen Zeiten Propheten zu seinem Volk, der Gottes Pläne transparent macht. Auf der Höhe der Zeit offenbart er sich selbst in seinem Sohn! Gott kümmert sich schon damals um seine Herde, die Israeliten. Er kümmert sich auch heute um uns, indem er uns alles Notwendige in unserem Leben schenkt. Weil er ein guter Hirte ist, so wie Jesus sich im Johannesevangelium selbst nennt, dürfen und müssen wir auf seine Stimme hören.
Das Volk Israel soll nicht verstockt und verbittert sein wie die Väter im Exodus, als sie Gott auf die Probe stellten, obwohl sie so große Heilstaten gesehen haben. Das ist wie gesagt der Grund, warum Mose in das Verheißene Land nicht eingehen darf. Auch wir sollen angesichts des temporären Dursts Gottes Güte nicht infragestellen, sondern fragen: „Was hast du mit mir vor? Wofür ist diese Situation gut?“ Wir sollen uns an die Zeiten erinnern, in denen Gott uns überreich getränkt hat, in denen er uns so große Heilszeichen erwiesen hat. Und so wie Jesus sollen wir uns in diesen Zeiten noch mehr an Gott klammern. Dann wird er unser Vertrauen reich belohnen, indem er uns in das verheißene Land führt, in dem Milch und Honig fließen – auf Erden in den Stand der Gnade, nach dem Tod ins Himmelreich.

1 Kor 7
32 Ich wünschte aber, ihr wäret ohne Sorgen. Der Unverheiratete sorgt sich um die Sache des Herrn; er will dem Herrn gefallen.

33 Der Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; er will seiner Frau gefallen.
34 So ist er geteilt. Die unverheiratete Frau aber und die Jungfrau sorgen sich um die Sache des Herrn, um heilig zu sein an Leib und Geist. Die Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; sie will ihrem Mann gefallen.
35 Dies sage ich zu eurem Nutzen: nicht um euch eine Fessel anzulegen, vielmehr, damit ihr euch in rechter Weise und ungestört immer an den Herrn haltet.

In der zweiten Lesung hören wir die Fortsetzung von 1 Kor 7. Zur Erinnerung: Es geht um die Naherwartung und die entsprechende Verhaltensweise. Letzte Woche deutete ich bereits an, warum Paulus als persönlichen Rat den Stand der Ehelosigkeit hervorhebt. Heute hören wir, warum: Der Unverheiratete kann ungeteilt im Weinberg des Herrn arbeiten. Er möchte ganz dem Herrn gefallen. Bei den Verheirateten geht das nicht ohne Weiteres, weil man die irdischen Sorgen der Welt erfährt. Man will also zusätzlich dem Ehepartner gefallen. Das ist nicht wertend gemeint, sodass die Geteiltheit des Menschen eine Sünde darstelle. Es ist normal, dass man sich um die Kinder kümmern muss, den Bund mit dem Ehepartner ja ernstnehmen möchte und ganz andere Herausforderungen bestehen muss. Vielmehr bewertet Paulus es vor dem Hintergrund der Naherwartung. Wer bereits verheiratet ist, soll sich vom Ehepartner nicht lösen, so hörten wir ja letzte Woche. Wer aber nicht verheiratet ist, soll sich lieber auf das unmittelbar bevorstehende Ende vorbereiten und sich heiligen „an Leib und Geist“. Darin steckt keine Leibfeindlichkeit, sodass ein verheirateter Mensch nicht heilig sein kann. Vielmehr geht es darum, sich selbst ganz und gar dem Herrn zu schenken und nicht einem Ehepartner. Heilig wurde im Alten Israel beispielsweise der Priesterstamm Levi genannt. Die Leviten gehörten auf besondere Weise dem Herrn und waren vom Irdischen auf eine einzigartige Weise herausgelöst. Mit Heiligkeit ist auch in diesem Kontext ein Anderssein gemeint im Gegensatz zum Rest der Menschheit, ein Herausgenommensein aus dem Gewöhnlichen. Damit ist also nicht die offizielle Kanonisierung eines Menschen in der Katholischen Kirche gemeint. Ebenso wenig meint es den Heiligkeitsbegriff von der Taufe her. Denn getauft sind ja alle Christen egal welchen Lebensstandes. Der Begriff bezieht sich auf die geistliche Berufung, die diese Herausgelöstheit aus der Welt auf besonders umfassende Weise gewährleistet. Wenn wir Paulus Anliegen verstehen, werden wir uns auch in unseren verschiedenen Lebensständen nicht angegriffen fühlen. Es geht um die Naherwartung. Paulus macht diesen Vorschlag, der übrigens kein Gebot des Herrn ist, sondern sein eigener Rat (vgl. Vers 25), um den Menschen das restliche Leben in Erwartung auf die Wiederkunft Christi zu vereinfachen, nicht um den Menschen eine „Fessel anzulegen“. Warum sollte das denn eine Fessel darstellen? Paulus möchte nicht missverstanden werden, sodass die Korinther aufgrund seiner Worte den Schluss ziehen, er befürworte die rigoristischen Strömung einiger Gemeindemitglieder. Diese fordern nämlich ein Enthaltsamkeitsgebot für alle Christen egal welchen Lebensstands. Das hat er ja klar abgelehnt und deshalb geschrieben, dass Ehepartner sich einander nicht entziehen sollen, zumindest nicht dauerhaft. Das führt früher oder später zur Unzucht. Nur wer dazu berufen ist, soll enthaltsam leben. Er rät also durchaus den Menschen, keine eheliche Beziehung mehr einzugehen, damit man ungeteilt bereits mit Blick auf das Reich Gottes leben kann, aber das soll keine allgemeine Verpflichtung sein. Unter dem Strich müssen wir also festhalten: Paulus hat ein differenziertes Verhältnis zu dem ganzen Thema und spricht ganz in der Einstellung, dass Christus jeden Moment wiederkommt, auf jeden Fall noch innerhalb seiner Generation. Seine sehr differenzierten Ausführungen des siebten Kapitels können wir sehr gut als Selbsttest lesen, wenn wir auf der Suche nach unserer Berufung sind. Wenn man diese verschiedenen Szenarien und Einwände durchkaut, um sie für das eigene Leben zu betrachten, hilft es vielleicht dem ein oder anderen bei der Entscheidung für einen Lebensstand?

Mk 1
21 Sie kamen nach Kafarnaum. Am folgenden Sabbat ging er in die Synagoge und lehrte.

22 Und die Menschen waren voll Staunen über seine Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten.
23 In ihrer Synagoge war ein Mensch, der von einem unreinen Geist besessen war. Der begann zu schreien:
24 Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes.
25 Da drohte ihm Jesus: Schweig und verlass ihn!
26 Der unreine Geist zerrte den Mann hin und her und verließ ihn mit lautem Geschrei.
27 Da erschraken alle und einer fragte den andern: Was ist das? Eine neue Lehre mit Vollmacht: Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl.
28 Und sein Ruf verbreitete sich rasch im ganzen Gebiet von Galiläa.

Im heutigen Evangelium hören wir, dass Jesus gleichzeitig verkündet und das Verkündete praktisch umsetzt. Er kommt nach Kafarnaum und geht wie jeder fromme Jude am Sabbat in die Synagoge. Er lehrt dort, aber nicht wie ein gewöhnlicher Rabbi, sondern „wie einer, der Vollmacht hat“. Das Wort ἐξουσία exusia für Vollmacht ist schon im Alten Testament ein Begriff. In Dan 7,14 wird er bereits für den Menschensohn gebraucht (dasselbe Wort in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments), der vom „Hochbetagten“, den Daniel hier sieht, die Vollmacht übertragen bekommt. Auch im Buch Jesus Sirach wird derselbe Begriff schon gewählt, um die Vollmacht ganz auf Gott selbst zurückzuführen. Wir sehen hier den neuen Menschen, den neuen Adam, dessen göttliche Vollmacht analog zum ersten Adam seinen „Herrschaftsauftrag“ darstellt. Wenn die Menschen in Kafarnaum ihn nun in der Synagoge reden hören und hinter seiner Predigt eine Vollmacht erahnen, meint das allerdings eine über menschliche Fähigkeiten hinausgehende Vollmacht – eine von Gott kommende Kraft. Auch wenn Christus als neuer Adam betrachtet wird, sind die beiden nicht ebenbürtig zu verstehen. Christus ist unvergleichlich höher einzustufen!
Die Schriftgelehrten lehren so, wie sie es von ihren Lehrern gelernt haben. Was sie sagen, ist die Tradierung dessen, was schon immer galt. Jesus spricht aber nun ganz neu. Er spricht nicht wie ein Schriftgelehrter, der die Inhalte von seinem eigenen Lehrer übernimmt. Er legt die Hl. Schrift nun ganz neu aus. Die Menschen sind deshalb so erstaunt, weil Jesus vom Hl. Geist erfüllt spricht. Der Geist Gottes ist es, der die Menschen im Innersten der Seele anrührt. Wenn dieser so etwas in ihren Herzen bewirkt, liegt es nun an ihnen, auf die Worte Christi zu hören, ganz wie es Mose bereits viele Jahre zuvor angekündigt hat!
Dann passiert etwas, das die Vermutung der Anwesenden bestätigt. Gott lässt folgende Situation zu, damit die Menschen eine weitere Lektion von ihm erhalten: Sie werden an die Identität Jesu herangeführt und lernen, dass dessen Botschaft und Verhalten absolut deckungsgleich sind. Ein Besessener ist anwesend und der Dämon in ihm konfrontiert Jesus mit seiner Identität. Jesus gebietet ihm zu schweigen. Wir denken zunächst an die ganz pragmatische Begründung, dass Jesus noch nicht direkt festgenommen werden kann, sondern seine Verkündigung erst einmal zuende führen muss. Er tut es auch, damit die Menschen seine Vollmacht ganz konkret sehen, mit der er gepredigt hat. Es ist auch kein Zufall, dass Jesu erstes Wunder hier im Markusevangelium ein Exorzismus ist: Die Dämonenaustreibung ist eine Aufgabe, die die Pharisäer für gewöhnlich vornehmen. Das Procedere ist dasselbe, das bis heute bei Exorzismen gewählt wird: die Kommunikation mit dem Dämon durch den Besessenen erlangen, um den Namen des Dämons zu erfahren. Sobald dieser seinen Namen nämlich verraten hat, ist er entmachtet und die Exorzisten können dem Dämon befehlen, aus dem Besessenen herauszufahren. Bei Jesus ist es jetzt ganz anders. Es ist nicht Jesus, der auf den Besessenen zugeht und den Dämon zum Sprechen auffordert. Der Dämon meldet sich von selbst, was ungewöhnlich ist. Das tun die bösen Geister ja immer nur in der Gegenwart Gottes. Schon dies wird den Anwesenden zu denken gegeben haben. Dann bekennt der Dämon im Mann Jesu Identität – Heiliger Gottes. Das ist ein messianischer Hoheitstitel. Die Dämonen sind als gefallene Engel von Gott geschaffene Geistwesen. Die ganze Schöpfung existiert um Christi willen. Alles ist geschaffen, um ihn anzubeten und ihm die Ehre zu geben. Alles ist „durch ihn und auf ihn hin“ geschaffen. Deshalb kann auch dieser Dämon nicht anders, als ihn zu bekennen, der der Christus ist. Er gehorcht auch seinen Befehlen und fährt aus dem Mann aus. Welche Vollmacht muss dieser Mensch haben, dass sogar die Dämonen ihn bekennen? Das wird den Menschen eine riesige Lehre gewesen sein. So etwas haben sie noch nie gesehen und deshalb verbreitet sich dieses Ereignis in ganz Galiläa. Die Menschen haben ja lange auf den Messias gewartet. Nun kommt einer, der die Verheißungen erfüllt. Das verbreitet sich wie ein Strohfeuer.

Wie ist es mit uns? Wir haben ein einziges Zeugnis seiner Macht, die Hl. Schrift. Wir sehen ihn verborgen in den eucharistischen Gaben. Wir sehen sein Wirken auch in heutiger Zeit! Was tun wir mit all diesen offensichtlichen Machterweisen? Lassen wir uns berühren und fallen wir dankbar auf die Knie? Hören wir auf ihn und leben ein entsprechendes Leben?

Ihre Magstrauss

Freitag der 3. Woche im Jahreskreis

Hebr 10,32-39; Ps 37,3-4.5-6.23-24.39-40b; Mk 4,26-34

Hebr 10
32 Erinnert euch an die früheren Tage, in denen ihr als Erleuchtete einen harten Leidenskampf auf euch genommen habt,

33 da ihr durch Beschimpfungen und Bedrängnisse öffentlich zur Schau gestellt wurdet oder mitbetroffen gewesen seid vom Geschick derer, denen es so erging;
34 denn ihr habt mit den Gefangenen gelitten und auch den Raub eures Vermögens mit Freuden hingenommen, da ihr wusstet, dass ihr einen besseren und bleibenden Besitz habt.
35 Werft also eure Zuversicht nicht weg – sie hat großen Lohn!
36 Was ihr braucht, ist Ausdauer, damit ihr den Willen Gottes erfüllt und die Verheißung erlangt.
37 Denn nur noch eine ganz kurze Zeit, dann wird der kommen, der kommen soll, und er bleibt nicht aus.
38 Mein Gerechter aber wird aus Glauben leben; doch wenn er zurückweicht, hat meine Seele kein Gefallen an ihm.
39 Wir aber gehören nicht zu denen, die zurückweichen und verloren gehen, sondern zu denen, die glauben und das Leben gewinnen.

Der heutige Abschnitt aus dem Hebräerbrief steht unter dem Thema „Warnung vor dem Abfall“. Christus nachzufolgen stellt einen einzigen geistlichen Kampf dar, denn der Widersacher unternimmt alles, um dem Menschen die heiligmachende Gnade zu entreißen. Nach dem Kommen zum Glauben kommen also die großen Versuchungen. Der Glaubensabfall ist der schlimmste Ausgang.
Hier wird diese schwere Zeit der Bedrängnis angedeutet, wenn die „früheren Tage“ erwähnt werden. Offensichtlich haben die adressierten Christen in ihren ersten Jahren diese Bedrängnisse ausgehalten, die Bloßstellungen „mit Freuden hingenommen“, weil sie ganz aus dem Ostergeheimnis gelebt haben. Sie wussten, dass sie für ihre Standhaftigkeit mit dem ewigen Leben belohnt würden. Was hier beschrieben wird, gilt uns allen: Auch wenn wir es im Leben schwer haben und gerade für unseren christlichen Glauben an den Pranger gestellt werden, Benachteiligungen erleiden, verlacht oder sogar verfolgt werden, sollen wir die innere Freude nie verlieren. Die österliche Hoffnung, die durch kein Beben erschüttert werden kann, ist in unser Herz gelegt durch die Taufe. Solange wir dieses innere Feuer nicht selbst auslöschen, sondern stets Holz nachlegen, wird es nicht ersticken.
Was mit den adressierten Gemeinden wohl passiert, ist der Verlust der inneren Freude angesichts der anhaltenden Bedrängnisse. Christus nachzufolgen ist ein einziger Kreuzweg. Wenn die Bedrängnisse so groß werden, dass sie den Christen ganz aufreiben und kraftlos werden lassen, ist die Versuchung sehr groß, zu resignieren und einfach mit dem Strom zu schwimmen. Wir lesen in der Johannesoffenbarung z.B. das Sendschreiben an die Gemeinde von Ephesus. Der Kampf gegen die Irrlehren und die Gottlosigkeit ist voller Tatendrang wie schon zuvor. Doch die Epheser haben die Freude und Leidenschaft für Christus verloren. Sie tun nur noch, weil sie tun müssen, nicht weil sie es aus Liebe zum Herrn tun. Die Euphorie ist verschwunden, nun gehen sie auf Zahnfleisch. Dieser Zustand scheint nun auch die adressierten Christen des Hebräerbriefes zu betreffen. Wie schnell kommen auch wir in diesen Zustand, wenn es nur Probleme und wenig positive Erfahrungen in unserem Leben gibt! Auch wir müssen uns davor hüten, die innere Freude zu verlieren und zu vergessen, wofür wir diese ganzen Mühen aufbringen und die ganzen Leiden auf uns nehmen. Haben wir stets den gekreuzigten und auferstandenen Christus vor uns, damit wir nicht vergessen, dass all die Erfahrungen unseres Lebens nicht umsonst sind! Schließlich steht die ewige Gemeinschaft mit Christus in Aussicht!
So werden die Christen zur Ausdauer ermutigt, denn die Zeit bis zur Wiederkunft ist nur noch kurz. Die erste Christengeneration ging davon aus, dass Christus innerhalb derselben Generation wiederkommt. Die Naherwartung war besonders stark. Je mehr Zeit verstrich, desto schwieriger wurde es für die Christen, denn sie merkten, dass der Herr sich noch Zeit lassen würde. Die Bedrängnisse und Verfolgungen nahmen gleichzeitig immer mehr zu.
So zitiert der Brief verschiedene alttestamentliche Verheißungen, um den Adressaten zu verdeutlichen: Ihr braucht Durchhaltevermögen, denn der Herr selbst hat durch Jesaja angekündigt, dass er die bis zum Schluss Standhaften belohnen wird. Das wird gerade zum Ende der Zeiten ausschlaggebend sein! Hier wird vor allem Jes 26,20 nach der Version der Septuaginta zitiert. Auch das Buch Habakuk wird zitiert.
Lassen auch wir uns von den Worten berühren, denn in heutiger Zeit wird es immer schwieriger, den christlichen Glauben zu leben. Die Christenverfolgungen unserer heutigen Zeit sind die schlimmsten, die es je gab. Doch auch dann ruft uns der Herr durch die Hl. Schrift dazu auf, an ihm festzuhalten. Es dauert nicht mehr lange!

Ps 37
3 Vertrau auf den HERRN und tue das Gute, wohne im Land und hüte die Treue!

4 Habe deine Lust am HERRN! So wird er dir geben, was dein Herz begehrt.
5 Befiehl dem HERRN deinen Weg, vertrau ihm – er wird es fügen.
6 Er lässt deine Gerechtigkeit aufgehen wie das Licht, dein Recht wie die Helle des Mittags.
23 Der HERR festigt die Schritte des Menschen, an seinem Weg hat er Gefallen.

24 Auch wenn er strauchelt, stürzt er nicht hin, denn der HERR stützt seine Hand.
39 Die Rettung der Gerechten kommt vom HERRN, ihre Zuflucht zur Zeit der Bedrängnis.

40 Der HERR hat ihnen geholfen und sie gerettet, er wird sie vor den Frevlern retten.

Der heutige Psalm ist ein richtiger Vertrauenspsalm. Der erste Vers, den wir heute beten, ist eine Aufforderung dazu, Gott alles anzuvertrauen. Bleiben auch wir in unserer heutigen Zeit Gott treu und tun auch dann seine Gebote, wenn es schwierig wird. Wir sollen unsere „Lust am HERRN“ haben. Das ist für die Israeliten damals sowie für uns heute die Ermunterung, mit Leidenschaft für Gott einzustehen, nicht nur aus Pflichtgefühl seine Gebote zu halten, sondern aus Liebe. Dann wird uns alles, was wir tun, viel leichter fallen. Wir sollen dem Herrn unseren „Weg“ anempfehlen. Der „Weg“ bezieht sich dabei auf den Lebensweg des einzelnen Menschen. Über den Literalsinn hinaus können wir es auch auf Christus beziehen, der dem Vater unendlich vertraut hat, selbst am Kreuz in der gefühlten Gottverlassenheit. Er ist ja das absolute Vorbild, wenn es für Christen schwer wird, an Gott festzuhalten im schlimmsten Leiden. Denn Christus betet selbst da noch den Psalm 22, als er kurz vor dem Tod steht. Dieser Klagespalm schlägt ebenfalls wie dieser hier in eine Vertrauensbekundung um: „24 Die ihr den HERRN fürchtet, lobt ihn; all ihr Nachkommen Jakobs, rühmt ihn; erschauert vor ihm, all ihr Nachkommen Israels! 25 Denn er hat nicht verachtet, nicht verabscheut des Elenden Elend. Er hat sein Angesicht nicht verborgen vor ihm; er hat gehört, als er zu ihm schrie.“ Und am Ende heißt es dann: „32 Seine Heilstat verkündet man einem Volk, das noch geboren wird: Ja, er hat es getan.“ Auch die Kirche soll in der Nachfolge Christi auf Gottes Vorsehung vertrauen. Sie ist das „Volk, das noch geboren wird.“ Jesus hat gesagt, dass die Mächte der Finsternis sie nicht überwältigen werden. Dieses Volk ist auf dem Weg, das pilgernde Gottesvolk unterwegs in die Ewigkeit. Auch jeder einzelne Christ darf auf Gott vertrauen, dass er ihn nie im Stich lässt. Damit wir das nie vergessen, ist die Eucharistie so wichtig für uns. Das Kreuzesopfer Jesu Christi wird in jeder Hl. Messe vergegenwärtigt, so haben wir das Kreuz stets vor Augen, aber auch die Auferstehung. Wir werden daran erinnert, was er uns Gutes getan hat, und werden zugleich innerlich aufgerichtet. Die himmlische Nahrung der Eucharistie gibt uns die Kraft, weiterhin am Herrn festzuhalten, auch wenn keine Menschenseele mehr zu uns stehen sollte.
Die Gerechtigkeit wird am Ende alles besiegen wie die Sonne im Zenit. Sie ist immer stärker als alles Unrecht – ob in der Kirche oder im Leben des Einzelnen. Diese Gerechtigkeit hat man vor Gottes Augen, wenn man ihm seine Wege befiehlt. Moralisch drücken wir es so aus: Wer Gottes Gebote hält und Gott in jedem Lebensbereich das Steuer übergibt, ist gerecht vor Gott. Er ist dann im Stand der Gnade. Wessen Herz in diesem Zustand ist – und das ist der Kern des Standes der Gnade, ein reines und mit Gnade erfülltes Herz! – der spricht auch Gerechtes und Weises. Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund, wird Jesus sagen (Mt 12,34f.). Und weil solch ein Mensch Gottes Gebote im Herzen trägt, werden seine Schritte nicht wanken, also auch seine Entscheidungen im Leben sowie sein Verhalten gemäß der Weisung Gottes erfolgen.
Wenn Gott somit zum Fundament des eigenen Lebens wird, wird ein solcher Mensch auch nicht fallen, wenn der Boden des Lebenswegs einmal holprig wird oder unter seinen Füßen weggezogen wird. Wer einen starken Glauben hat, den trägt dieser Glaube durch Notlagen und schwere Zeiten hindurch. Man muss dabei präzisieren: Nicht der Glaube trägt hindurch, sondern Gott, den man im Herzen trägt. Denn „der HERR hat ihnen geholfen und sie gerettet“. Er ist es ja letztendlich, der den Glauben schenkt. Und er wird sie auch von den „Frevlern“ retten. Was auch immer für Angriffe den Menschen erwarten, Gott ist sein Schild, wie es in vielen Psalmen auch heißt.
Das alles ist sehr „moralisch“ formuliert, denn die Psalmen haben von ihrer Schreibweise her eine Betonung auf dieser Lesart. Wir können es dennoch auch auf die Kirche übertragen, was wir hier lesen. Das A und O der Kirche ist Gottes Gegenwart in ihr – die Eucharistie im Herzen der Kirche. Wo die Kirche eucharistisch ist, bleibt sie lebendig und wirksam. Die Kirche muss zudem den Geist Gottes atmen. Immer. Wo sie dem Hl. Geist Raum lässt und ihn nicht mit den einseitig menschlichen Bemühungen verdrängt, ist sie wirklich fruchtbar und vor allem gerecht. Ohne die Gnade Gottes verkommt sie zur humanitären Organisation, zu einem menschlichen Verein und somit steigt auch die Korruption in ihr. Die Kirche ist aber Sakrament, das aus einer sichtbaren und unsichtbaren Seite besteht. Das eigentliche ist diese unsichtbare Wirklichkeit. Gott wird auch die Kirche vor allen Frevlern retten, wo die Kirche Gott in die Mitte ihrer Verkündigung, ihrer Liturgie und ihres caritativen Handelns stellt. Er ist auch ihr Orientierungspunkt auf dem Weg in die Ewigkeit. Er ist dann ihre Vorgabe im Denken, Sprechen und Handeln. Die Anweisungen des Körpers gehen vom Kopf aus, wo das Gehirn sitzt. Nicht umsonst sagt Paulus also in mehreren Briefen, dass Christus das Haupt, die Kirche aber die Glieder sind.

Mk 4
26 Er sagte: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät;

27 dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst und der Mann weiß nicht, wie.
28 Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre.
29 Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.
30 Er sagte: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben?

31 Es gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät.
32 Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, sodass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.
33 Durch viele solche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort, so wie sie es aufnehmen konnten.

34 Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen; seinen Jüngern aber erklärte er alles, wenn er mit ihnen allein war.

Im Evangelium hören wir heute weitere Gleichnisse, die das Reich Gottes umschreiben.
Zunächst hören wir vom Samen auf dem Acker. Es ist vergleichbar mit dem Gleichnis vom Sämann. Dieses landwirtschaftliche Bildfeld ist für die Zuhörer Jesu einfach sehr lebensnah und wird deshalb mehrfach verwendet.
Das Säen von Samen auf einen Acker ist das Säen des Wortes Gottes auf die Menschen. Der Mann ist in dieser Situation Jesus, der seine Verkündigung an die gekommenen Menschen richtet. Diese sind somit der Acker. Später werden Jesu Jünger zu den säenden Menschen und Jesu Testament wird der Same sein, den sie auf den Acker der ganzen Welt streuen. Wir können dieses Bild auch auf Gott übertragen. Er ist der säende Landwirt, der seinen Sohn, das fleischgewordene Wort Gottes auf die Erde sät, damit er Frucht bringe in der Welt, die der Acker ist. So bricht das Reich Gottes auf dem Acker an. Dabei muss das Korn sterben, damit es reiche Frucht bringt. Es könnte also schon als Passionsbild gedeutet werden: Gott hat seinen einzigen Sohn für uns, den Acker hingegeben, damit wir gerettet werden. Jesus ist ja das Reich Gottes in Person. Es ist auch moralisch deutbar: Wir alle werden so zu säenden Menschen. Was wir säen, wächst, entwickelt sich und trägt Früchte, ohne dass wir nach dem Säen den weiteren Verlauf beeinflussen können. Die Früchte, die wir ernten, können dabei gut oder schlecht sein. Nicht umsonst heißt es, „ernten, was wir säen“. Das Wort, das wir zu anderen sprechen, kann so vieles bewirken – sowohl Gutes als auch Schlechtes. Was wir Gutes säen und was sich vermehrt, ist der Aufbau des Reiches Gottes. Schließlich ist es anagogisch zu deuten: Gott sät uns in diese Welt, die der Acker ist. Am Ende wird er uns ernten und je nachdem, ob wir gute oder schlechte Früchte geworden sind, trägt er uns in die Scheune oder ins Feuer. Die Sammlung der guten Früchte und das Erntefest, das nun gefeiert werden kann mit diesen Früchten, ist das Reich Gottes, das Himmelreich. Das Bild der Ernte ist in der Bibel oft eine Metapher für die Endzeit.
In der Evangelisierung ist es oft so, dass wir den Anfang machen, aber den weiteren Verlauf nicht mehr mitbekommen. Vielleicht erfahren wir noch von den Früchten, vielleicht aber auch nicht. Ich habe viele solcher Fälle erlebt. Da hat man eine Bemerkung gemacht oder ein kurzes Wort mit jemandem gesprochen und nicht geahnt, wie viel es bei dem Anderen ins Rollen gebracht hat. Eine lange Zeit später hat man diese Person wieder getroffen und sie ist ein ganz anderer Mensch geworden – ein brennender Christ. Wie es sich in der Zwischenzeit entwickelt hat, hat man nicht mitbekommen.
Ab Vers 30 bringt Jesus dann ein weiteres Gleichnis aus dem landwirtschaftlichen Bereich. Das Reich Gottes ist wie ein Senfkorn. Sie werden ein solches vielleicht schon einmal in Händen gehalten haben. Es ist wirklich sehr klein und steht im Gegensatz zu der imposanten Größe der ausgewachsenen Staude, das anderen Lebewesen noch Schatten bietet. Mit diesem Bild möchte Jesus verdeutlichen, dass seine Verkündigung alles andere als imposant beginnt. Er ist zunächst allein, die ersten Jünger sind seine Eltern. Dann kommen nach und nach Menschen hinzu. Die Art und Weise, wie Jesus verkündet, ist schlicht und unkompliziert. Sein Kommen in diese Welt ist schon so unscheinbar gewesen, dass Herodes bei der Erwähnung seiner Geburt aus allen Wolken gefallen ist. Jesus wurde in einem armen Stall geboren. Der große Gott hat sich so klein gemacht, dass er als bedürftiges Baby den Menschen erschienen ist! Wenn das keine Senfkorn-Mentalität ist, was dann? Jesus ist nicht mit Pomp gekommen, er hat seine Verkündigung auch nicht spektakulär betrieben. Er kam einfach zum Jordan und stellte sich zu den anderen Menschen. Johannes sagte sogar: „Unter euch steht einer, den ihr nicht kennt.“ Er ging zu einzelnen Menschen und sagte „komm und folge mir nach“. Wer ihn ansprach, den nahm er kurzerhand mit nach Hause. Mit dieser Schlichtheit und Demut sollen auch seine Jünger evangelisieren. So ist auch das Christentum im ganzen Römischen Reich verbreitet worden. Es war ein Erzählen von Jesus Christus zwischen Tür und Angel, oft waren es Soldaten, Kaufmänner, Sklaven. Es war eine Weitergabe von Mensch zu Mensch, ganz unscheinbar. Und es ist so herangewachsen, dass es im 4. Jh. zur Staatsreligion im Römischen Reich geworden ist! Bis heute ist es die weltweit größte Religion der Welt mit den meisten Mitgliedern. Es ist wirklich zu einer riesigen Senfpflanze geworden. Was mit ein paar Jüngern begann, ist jetzt zur Weltreligion geworden. Das Evangelium von Jesus Christus ist wirklich bis an die Enden der Welt gekommen.

Gottes Wege sind unergründlich. Auch wenn wir seine Vorsehung nicht immer durchschauen und in schwierigen Zeiten sehr viel gegen die Versuchung ankämpfen, die Güte Gottes infragezustellen, müssen wir uns immer vor Augen halten: Gott hat nur Pläne des Heils, nicht des Unheils. Vertrauen wir ihm in allem und lassen wir uns von ihm stärken, damit wir auch die schwierigen Zeiten, die Durststrecken überleben. Und schauen wir ab und zu auf die Lebenszeit zurück. Dann erkennen wir das große Wirken Gottes, das er an uns und unserem Lebensumfeld bereits getan hat! Dann sehen wir die Früchte des Ackers, die große Senfpflanze, die vielen guten Dinge, die der Herr bereits getan hat.

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 3. Woche im Jahreskreis

Hebr 10,19-25; Ps 24,1-2.3-4.5-6; Mk 4,21-25

Hebr 10
19 So haben wir die Zuversicht, Brüder und Schwestern, durch das Blut Jesu in das Heiligtum einzutreten.
20 Er hat uns den neuen und lebendigen Weg erschlossen durch den Vorhang hindurch, das heißt durch sein Fleisch.
21 Und da wir einen Hohepriester haben, der über das Haus Gottes gestellt ist,
22
lasst uns mit aufrichtigem Herzen und in voller Gewissheit des Glaubens hinzutreten, die Herzen durch Besprengung gereinigt vom schlechten Gewissen und den Leib gewaschen mit reinem Wasser!
23 Lasst uns an dem unwandelbaren Bekenntnis der Hoffnung festhalten, denn er, der die Verheißung gegeben hat, ist treu!
24 Lasst uns aufeinander achten und uns zur Liebe und zu guten Taten anspornen!
25 Lasst uns nicht unseren Zusammenkünften fernbleiben, wie es einigen zur Gewohnheit geworden ist, sondern ermuntert einander, und das umso mehr, als ihr seht, dass der Tag naht!

In der heutigen Lesung aus dem Hebräerbrief hören wir vom unwandelbaren Bekenntnis und von der Treue Gottes. Dieser ist stets derselbe und hält, was er verspricht. Wenn er einen Bund eingeht, besteht dieser auf immer.
Die Zuversicht, „durch das Blut Jesu in das Heiligtum einzutreten“ ist so wie alle darauffolgenden Wendungen eine Andeutung des israelitischen Tempelkults. Wir sehen den Tempel in Jerusalem vor uns, in dem die Menschen an den Wallfahrtsfesten und zu allen möglichen weiteren Anlässen Opfer darbringen. Dies tun sie nicht persönlich, sondern geben es bei den Priestern vor Ort in Auftrag. Das Blut, das die Menschen dort soweit heiligt, dass sie vor den Herrn treten können, bezieht sich auf das Blut von Tieren, die geopfert werden.
Demgegenüber ist das Blut Jesu Christi unvergleichlich wirksamer. Er selbst hat sich geopfert und die Menschen des Neuen Bundes dadurch ganz geheiligt. Sie sind würdig, jederzeit ins Heiligtum einzutreten – nämlich in die Kirche vor den Tabernakel, wo Christus real gegenwärtig ist. Dabei müssen wir es uns wirklich auf der Zunge zergehen lassen – wir nennen die Eucharistie das Allerheiligste! Was im Alten Bund nur einmal im Jahr dem Hohepriester gestattet war, ist uns allen erlaubt. Wir alle dürfen ganz vor das Allerheiligste treten, zu jeder Zeit! Das ist so ein großes Privileg, das wir nicht selbstverständlich nehmen sollten. Umso trauriger ist es, dass Jesus den ganzen Tag alleine im Tabernakel verbringt und kaum jemand kommt, um bei ihm zu sein…
Weil die Sühnewirkung und entsprechende Heiligung im Falle Jesu Christi unvergleichlich größer ist als die eines gewöhnlichen Opfertiers, hat er uns allen dieses Privileg erwirkt.
Uns ist ein neuer und lebendiger Weg erschlossen worden, der Jesus Christus selbst ist: Der Weg durch den Vorhang hindurch – eine Wendung, die wiederum der Jerusalemer Tempelpraxis entnommen ist – ist der Weg in die Ewigkeit zum himmlischen Heiligtum. Es ist zugleich der Weg zum Vater, ein Weg der Rechtfertigung und der Gnade. Der Vorhang ist zugleich der Übergang von der Alten zur Neuen Schöpfung. Jesus Christus hat selbst gesagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ (Joh 14). Dies ist nicht nur auf das Leben in Christi Nachfolge gemeint, sondern erfüllte sich ganz mit seinem Opfer, das er dargebracht hat. Der Vorhang, durch den wir Christen bereits in der Taufe gegangen sind, ist sein eigenes Fleisch, wie es hier heißt. Deshalb riss im Moment des Todes Jesu Christi auch der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei.
Jesus Christus ist Hohepriester und Opfer zugleich. Er hat sich selbst dargebracht, um das größte Opfer aller Zeiten zu erwirken. Er ist eingesetzt worden als Hohepriester im himmlischen Heiligtum, dessen sichtbarer Teil auf Erden besteht. Das „Haus Gottes“ ist die Kirche. Gestern erklärte ich bereits, dass deshalb auch die Priester der Kirche nicht hiereus genannt werden, sondern presbyteros. Der einzig wahre arc-hiereus ist Jesus Christus. Er ist es, der sich selbst darbringt in jeder Hl. Messe in der Person des Geweihten. Er ist auch in diesem liturgischen Sinne das Haupt der Kirche. Er ist das Zentrum, um das es in allen kirchlichen Vollzügen geht.
Weil er Bereit war, so ein Opfer zu bringen, werden wir dazu aufgerufen, mit aufrichtigem Herzen zum Herrn hinzutreten. Das heißt konkret, dass wir im Stand der Gnade sein sollen und uns vor dem Kommunionempfang wirklich prüfen sollen. Ist unser Gewissen rein? Wir sollen wirklich voller Glauben zu ihm kommen, nämlich in der Überzeugung, dass er wirklich anwesend ist. Der Leib, der in reinem Wasser gewaschen ist, muss genauer betrachtet werden. Dies ist wiederum ein Bild aus der Tempelpraxis des Alten Bundes. Bestimmte Wasserbadestellen waren für die kultische Reinigung vorgesehen, sogenannte Mikwen. Wenn wir den Begriff des Leibes lesen, muss uns aber die geistliche Bedeutung dieser Aussage aufgehen, denn im Griechischen wird das Wort σῶμα  soma verwendet: Es meint mehr als nur den Körper des Menschen. Mit diesem Terminus wird der gesamte Mensch bezeichnet, also Körper, Seele und Geist. Da man aber die Seele eines Menschen nicht mit herkömmlichen Wasser reinigen kann, geht uns auf, dass hier der Hl. Geist, das lebendige Wasser, gemeint ist! Der Mensch, der zum Herrn kommt, soll also gereinigt sein im Blut Jesu Christi und im Hl. Geist. Wenn wir uns einer schweren Sünde bewusst sind, die aus dem Stand der Gnade geführt hat, bedürfen wir des Sakraments der Versöhnung. Doch in jeder Hl. Messe werden wir mehrmals gereinigt von den lässlichen Sünden. Das Blut Jesu Christi kommt über uns, sodass wir ganz rein vor den Herrn treten und ihn würdig empfangen können. Der Geist Gottes durchdringt uns ganz, sodass auch die letzte Unvollkommenheit in uns getilgt wird. Blut und Wasser – zwei wichtige Stichworte, zwei Elemente, die die Kirche liturgisch weiterführt. Wichtig ist, dass wir an dem Taufbekenntnis festhalten, also nicht den Stand der Gnade verlieren, indem wir uns schwer am Herrn versündigen. Wir sollen die Liebe leben, zu der wir berufen sind. Und wenn es schwer wird, dürfen wir uns daran erinnern, was Christus uns versprochen hat. Er hält seine Versprechen und dieses erfüllt uns zutiefst mit Hoffnung. So werden wir nicht resignieren.
Wir sollen nicht der Eucharistie fernbleiben, die durch die Wendung „Zusammenkünfte“ angedeutet wird. Vielmehr sollen wir am „Herrentag“, dem Sonntag, zum Altar treten und dem Herrn für alles danken. Wenn wir sehen, dass andere Menschen die Sonntagspflicht nicht ernstnehmen, sollen wir sie ermuntern, zur Messe zu kommen, denn die Zeit ist begrenzt. Wir stehen am Ende der Zeiten und sollen bewusst so leben, dass wir jederzeit bereit sind, vor den Herrn zu treten. Die Sonntagsmesse nicht mitzufeiern, ist eine schwere Sünde, denn sie verstößt gegen das dritte der Zehn Gebote. Wenn wir nicht kommen, sind wir undankbar. Uns ist ja eine so große Gnade geschenkt worden, denn wir dürfen vor den Herrn treten, zum Allerheiligsten! Halten wir fest an unserem Bundesversprechen der Taufe. Nicht nur Gott soll ewig sein Versprechen halten, sondern auch wir.

Ps 24
1 Ein Psalm Davids. Dem HERRN gehört die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und seine Bewohner.
2 Denn er hat ihn auf Meere gegründet, ihn über Strömen befestigt.
3 Wer darf hinaufziehn zum Berg des HERRN, wer darf stehn an seiner heiligen Stätte?
4 Der unschuldige Hände hat und ein reines Herz, der seine Seele nicht an Nichtiges hängt und keinen trügerischen Eid geschworen hat.
5 Er wird Segen empfangen vom HERRN und Gerechtigkeit vom Gott seines Heils.
6 Das ist das Geschlecht, das nach ihm fragt, die dein Angesicht suchen, Jakob.

Als Antwort beten wir den liturgischen Psalm 24, der im Wechselgesang zwischen Gläubigen und Priestern im Tempel von Jerusalem gebetet worden ist. In den ersten Versen wird die Universalherrschaft Gottes thematisiert: „Dem HERRN gehört die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und seine Bewohner.“ Nicht nur der Planet ist Gottes Eigentum, sondern auch die Lebewesen auf der Erde. Alles gehört ihm, weil er alles geschaffen hat, „denn er hat ihn auf Meere gegründet, ihn über Strömen befestigt.“ Wir müssen bei diesen Worten bedenken, wie das Weltbild der Menschen damals aussah: Man glaubte, dass die Erde von Wasser umschlossen war, sodass unter der Erde sowie über dem Himmel Wasser vermutet worden ist. Man glaubte, dass die Erde auf Pfeilern über dem Urmeer errichtet worden sei. Das steckt hinter der Formulierung, dass der Erdkreis auf Meere gegründet sei.
„Wer darf hinaufziehn zum Berg des HERRN, wer darf stehn an seiner heiligen Stätte?“ ist eine Frage der Gläubigen, die sie an die Priester richten.
Daraufhin antworten die Priester: „Der unschuldige Hände hat und ein reines Herz, der seine Seele nicht an Nichtiges hängt“. Das ist eine sehr fortgeschrittene Antwort, da die Herzensreinheit zu jener Zeit oft ignoriert oder einfach noch nicht begriffen wird. Viele Propheten sprechen das Thema an und kritisieren die unreinen Opfer der Menschen aufgrund der fehlenden Aufrichtigkeit. Sie beuten die Schwachen aus und führen ein unmoralisches Leben, bringen aber zugleich Opfer dar in der Erwartung, dass Gott sie erhört. Vor diesem Hintergrund hörten wir auch die Ermahnung, uns im Neuen Bund ganz zu reinigen und mit reinem Gewissen vor Gott hinzutreten.
König David, der diesen Psalm gedichtet hat, versteht diesen Aspekt sehr gut und möchte deshalb, dass die Gläubigen die Herzensreinheit in der Liturgie ansprechen. Im zweiten Satzteil geht es um die Unabhängigkeit von Nichtigkeiten. Gemeint sind Güter, die vergänglich sind und die einen nicht näher zu Gott bringen. Götzen werden oft als Nichtigkeiten bezeichnet, doch das hebräische Wort ist an der Stelle nicht wie hier שָׁוְא shaw sondern אֱלִיל elil. Auch das Schwören eines Meineids macht den Menschen kultunfähig. Wer sich dagegen von alledem fernhält, „wird Segen empfangen vom HERRN und Gerechtigkeit vom Gott seines Heils.“ Wer also die Gebote Gottes hält, ist gerecht.
Und zum Ende hin sprechen die Priester im Grunde Gott selbst an mit verheißungsvollen Worten für die Gläubigen: Jakob trifft darauf zu. Es ist wahrlich ein Geschlecht, dass nach Gott fragt und somit würdig ist, zu seinem heiligen Tempel zu kommen. Wir müssen uns das hebräische Verb genauer anschauen: Das Verb an dieser Stelle ist דֹּרְשֹׁו darschu, was wir als ein sehnsuchtsvolles Fragen verstehen. Es kann auch mit „verlangen“ übersetzt werden. Es ist eine Sehnsucht nach Gott, die nur jener Mensch besitzen kann, dessen Herz an Gott hängt. Auch die zweite Verbform ist in diesem Duktus zu betrachten: מְבַקְשֵׁ֨י m’waqschej ist eine Suche nach dem Angesicht Gottes aus Sehnsucht nach ihm. Damit ist das entscheidende Stichwort genannt: Es geht beim Halten der Gebote, bei der Aufrichtigkeit des Herzens, beim reinen Gewissen während der Kultpraxis um Beziehung zu Gott. Wir sollen erfüllt sein von der Liebe zu ihm. Unser Wunsch soll sein, sein Angesicht zu suchen. Wenn unser Herz ganz weit weg von ihm ist, wie können wir ihm einfach begegnen, am besten noch die Heilige Kommunion empfangen, obwohl unser Herz voll von Sünde ist? Dies bildet auch den Kern von dem, was uns die Lesung vermittelt hat: Es geht um Gemeinschaft mit Gott.

Mk 4
21 Er sagte zu ihnen: Zündet man etwa eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel oder unter das Bett? Stellt man sie nicht auf den Leuchter?
22 Denn es gibt nichts Verborgenes, das nicht bekannt werden soll, und nichts Geheimes, das nicht an den Tag kommen soll.
23 Wenn einer Ohren hat zum Hören, so höre er!
24 Weiter sagte er: Achtet auf das, was ihr hört! Nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden, ja, es wird euch noch mehr gegeben.
25 Denn wer hat, dem wird gegeben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.

Gestern hörten wir im Evangelium von dem Gleichnis vom Sämann. Heute setzt sich die Gleichnisserie fort. Jesus geht es bei dem Gleichnis vom Sämann ja um die richtige Herzenshaltung der Menschen, um ihre Empfängnisbereitschaft des Samens Gottes, den er in seinem Wort ausstreut. Heute erklärt er anhand eines weiteren Bildes, wie das Hören funktioniert, von dem gestern auch die Rede war.
Das Licht stellt man nicht unter den Scheffel oder unter das Bett. Es gehört auf den Leuchter. Ganz logisch. Wie ist das zum Gleichnis vom Sämann in Beziehung zu setzen? Das Licht, das entzündet wird, ist ein anderes Bild für den Samen. Es ist das Wort Gottes, das dem Menschen verkündet wird. Der Vorgang des Entzündens ist diese Verkündigung. Was nun mit diesem Licht gemacht wird, sind die verschiedenen Böden, auf die der Same fällt. Der Scheffel, von dem hier die Rede ist, ist eigentlich ein Hohlmaß jener Zeit. Man benutzt es auch für Gefäße, die dieses Maß besitzen. Hier ist also ein Gefäß gemeint, das man über das Licht stülpt. Wenn man dies tut, wird das Licht ja gelöscht. Dieses Bild ist also vergleichbar mit dem Dornengestrüpp oder der sengenden Hitze der Sonne aus dem ersten Gleichnis. Stellt man es dagegen auf den Leuchter, leuchtet es allen im Haus. Mit diesem Gleichnis wird das rechte Hören noch weitergeführt. Es stellt eine Weiterentwicklung dar. Es geht nicht mehr nur darum, dass man das Wort Gottes in sich aufnimmt und es in sein eigenes Denken, Sprechen und Handeln übergeht, sondern dass man es auch weitergibt an andere! Das Licht soll auch anderen leuchten, sie wärmen, ihnen Hoffnung schenken. Gott entzündet uns nicht für uns selbst, sondern damit wir weitergeben. An anderer Stelle sagt Jesus „umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“ (Mt 10,8). Das Fließen der Gnade gerät ins Stocken, wo wir sie für uns behalten. Nur wenn wir weitergeben, wird uns noch mehr und noch mehr gegeben ohne Ende.
Das wird uns am Ende des Evangeliums noch beschäftigen. Doch zunächst zu diesem Vers: Jesus begründet auch damit, dass nichts Geheimes geheim bleibe, dass alles ans Licht komme. Das ist in diesem Kontext weniger als Drohung gemeint, vielmehr als positive Konsequenz des Lichtes (natürlich sagt die Bibel auch, dass alle Geheimnisse offenbar werden, auch gerade die bösen Dinge. Hier in diesem Kontext geht es aber nicht darum). Es ist zu vergleichen mit dem Bild der Stadt auf dem Berg. Sie kann nicht verborgen bleiben (Mt 5,14). Wer durch die Gnade Gottes glänzt, die ins Herz eingepflanzt ist, kann nur auffallen. Je dunkler es um einen herum ist, desto heller erscheint das Licht auf dem Leuchter. Wir sollen dieses Licht auf dem Leuchter sein, das anderen Menschen strahlt. Wir sollen also zum Wort Gottes stehen, das heißt wir sollen zu Christus stehen. Nicht nur im Kämmerlein, sondern offen. Wir sollen nicht so feige sein, in einer Gruppe zu schweigen, wenn Jesus gelästert wird. Dann sollen wir mutig sein und für ihn einstehen. Wenn wir sehen, dass alle um uns herum gegen die Gebote verstoßen, die Liebe nicht leben, dann sollen wir nicht mitziehen, sondern dennoch zu Christus stehen. Das wird auffallen und zwar nicht immer nur positiv. Es wird viel gesellschaftlichen Druck geben, Druck von Freunden, von Familie. Aber es wird auch Menschen geben, die es berührt und die dadurch wiederum zum Glauben kommen. Wir entzünden Menschen also nicht nur durchs Predigen – und es gibt wirklich viele, die alle Menschen durch langes Einreden und mit hundert Bibelstellen bekehren wollen, am besten noch heute. Es ist wichtig, das Evangelium zu verkünden, aber das Entscheidende, das Menschen zum Glauben bringt, ist das gelebte Evangelium. Wir sehen es an Christus. Aus ganz Israel reisen die Menschen zu ihm wegen der Dinge, die er GETAN hat. Durch unser Verhalten geben wir das stärkste Zeugnis, das die anderen Menschen „entzündet“ und den „Samen Gottes ausstreut“. Wenn sie dann nachfragen, ist es an der Zeit, darüber zu sprechen.
Dann erfolgt wieder das oft formulierte Wort „Wer Ohren hat, der höre.“ Es ist ein Hinhören und ein auf ihn Hören, das das gehorsame Befolgen des Willens Gottes mit einschließt.
„Achtet auf das, was ihr hört“ ist etwas unglücklich übersetzt. Wörtlich steht da eigentlich „seht, was ihr hört“. Es bekräftigt den vorherigen Vers. Wir sollen das Gehörte wirklich beachten im Sinne von befolgen. Wir sollen es vor Augen haben. Je nachdem, wie wir das Gehörte annehmen, werden wir gerichtet. Das Maß, mit dem wir messen, wird an uns angelegt. Wir verstehen das in dem Kontext richtig, wenn wir das zweite Verb beachten, das hier steht. Es geht nicht nur ums Messen, sondern auch ums Dazugeben (das griechische Verb ist προστίθημι prostithemi „dazugeben, hinzufügen“). Das ist so zu verstehen, wie ich es vorhin mit dem Fließen des Gnadenstroms umschrieben habe. Je nachdem, wie viel ich in mich aufnehme von der Gnade Gottes (Same/Licht) und an andere weitergebe (Licht auf dem Leuchter, dass es allen leuchte im Haus!), so viel wird mir wiederum dazugegeben. Es kommt immer nach wie ein nie endender Strom einer unversiegbaren Quelle. So ist der Hl. Geist, das lebendige Wasser, über das wir schon beim Hebräerbrief nachgedacht haben. Was wir bekommen, geben wir weiter. Und so bekommen wir immer mehr, um es noch mehr weiterzugeben.
Wenn wir das erstmal richtig verstanden haben, wird uns auch der letzte Vers aufgehen: „Wer hat“ meint in diesem Kontext dann „wer den Samen/das Licht hat“. Wer sich entzünden ließ und das Licht auf den Leuchter stellte, wer den Samen in sich aufgenommen hat, wachsen ließ und Früchte trug, bekommt noch mehr. „Wer aber nicht hat“, das heißt kein Licht und keinen Samen, also den Scheffel darüberstülpte, den Samen verdorren/absterben ließ, dem wird auch noch weggenommen was er hat. Was kann er denn noch haben, wenn er beides verstreichen ließ? Den Zugang zum Gnadenstrom. Dieser stoppt, wo man einen Damm baut. Die Seele ist kein reißender Fluss mehr, sondern wird zu einem Stausee, dessen Wasser verfault und stinkt, weil es abgestanden ist. Es fließt keine Gnade mehr – und ich wiederhole, was ich oben gesagt habe: nicht wegen Gottes Begrenztheit, sondern weil man selbst den Staudamm errichtet hat.

Wir können Lesung und Evangelium absolut zusammen lesen. Was uns der Hebräerbrief beschreibt, ist im Bildfeld des Gleichnisses Jesu der Erhalt des Lichtes, die Entzündung oder das Nachgießen von Öl. Wir werden getränkt mit dem lebendigen Wasser, werden gleichsam gewaschen – aber auch entzündet, denn das Feuer ist ebenfalls Bild für denselben Geist. Was wir daraus machen, wäre beispielsweise das Festhalten am Bekenntnis, das Halten der Gebote und die Ermunterung anderer zur Umkehr. Was uns an Gnadenströmen geschenkt wird vor allem in der Eucharistie, sollen wir nicht für uns behalten, sondern weitergeben. Die Liturgie wird nicht umsonst „Messe“ genannt. Es kommt vom lateinischen „missa“, was soviel bedeutet wie „Sendung“. Wir sind gesandt, das Gehörte, das Geschenkte, das Überwältigende der Liebe Gottes den Menschen weiterzugeben. Wir sollen wie Maria zu Tabernakeln werden, die den Herrn zu den Menschen bringen.
Hüten wir uns also davor, Staudämme zu errichten und die Gnade Gottes schön für uns selbst auszukosten. Hüten wir uns davor, den Hl. Geist in uns auszulöschen. Dies kommt einem seelischen Selbstmord gleich. Das wird Jesus an anderer Stelle noch mit dem Gleichnis der Talente verdeutlichen. Was Gott uns geschenkt hat, darüber haben nicht wir zu verfügen, sondern er. Wir haben gar kein Recht, die Begabungen, die er uns geschenkt hat, zu vergraben, absterben zu lassen. Diese sind da, um anderen zu dienen. Wir sollen uns auch nicht anmaßen, diese Begabungen als unser eigenes Verdienst anzusehen. Bevor wir uns versehen, werden sie uns weggenommen. Was Gott uns an Gnade schenkt, ist in sein Werk zu investieren, nicht für unsere Selbstbeweihräucherung. Und wenn wir zurückschauen auf unser Leben, dann sehen wir, wie viel Gott durch uns bewirkt hat.

Hören, aufnehmen, fruchtbar sein, abfärben auf unseren Nächsten. Das ist die Art und Weise, wie wir evangelisieren sollen. Der Gnadenstrom wird dann nie enden. Wenn wir die Reihenfolge umdrehen, funktioniert es aber nicht mehr. Zuerst auf Gott hören und sich selbst verwandeln lassen. Dann kann man auch die anderen verwandeln. Aktivismus ohne eigenes Brennen führt ins Nirgendwo. Das sollten wir in der Pastoral immer wieder beherzigen.

Ihre Magstrauss

Mittwoch der 3. Woche im Jahreskreis

Hebr 10,11-18; Ps 110,1-2.3.4-5; Mk 4,1-20

Hebr 10
11 Und jeder Priester steht Tag für Tag da, versieht seinen Dienst und bringt viele Male die gleichen Opfer dar, die doch niemals Sünden wegnehmen können.

12 Dieser aber hat nur ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht und sich dann für immer zur Rechten Gottes gesetzt;
13 seitdem wartet er, bis seine Feinde ihm als Schemel unter die Füße gelegt werden.
14 Denn durch ein einziges Opfer hat er die, die geheiligt werden, für immer zur Vollendung geführt.
15 Das bezeugt uns auch der Heilige Geist; nachdem er gesagt hat:
16 Dies ist der Bund, den ich nach diesen Tagen mit ihnen schließen werde – spricht der Herr: Ich lege meine Gesetze in ihr Herz und schreibe sie in ihr Denken hinein;
17 und: An ihre Sünden und Übertretungen denke ich nicht mehr.
18 Wo also die Sünden vergeben sind, da gibt es kein Opfer für die Sünden mehr.

In der heutigen Lesung hören wir wieder aus dem Hebräerbrief. Das Thema des gehörten Abschnitts ist die endgültige Wirkung des Opfers Jesu Christi im Gegensatz zu den Opfern des Alten Bundes.
So wird zunächst erklärt, wie die Priester des Alten Bundes ihren Dienst Tag für Tag versehen mussten, immer wieder die gleichen Tiere schlachten mussten und „doch niemals Sünden wegnehmen können“. In gewisser Weise wirkten sie sicherlich sühnend, sonst hätte Gott dem Mose die ganzen Kultvorschriften nicht gemacht. Und doch ist es nicht vergleichbar mit dem, was Christus durch die Selbsthingabe am Kreuz erwirkt hat: die Erlösung! Diese konnte kein Tieropfer erlangen, sonst wäre die Menschheit schon viel früher erlöst worden und es hätte den Neuen Bund gar nicht benötigt. An dieser Stelle sei herauszustellen, was für die gesamte Rede im Hebräerbrief sowie im Neuen Testament zu beobachten ist: Im Griechischen werden zwei unterschiedliche Begriffe für Priester verwendet. Das ist wichtig für uns, weil wir im Deutschen nur ein Wort haben. Dies verleitet jene zu einer ideologischen Umformung des biblischen Priesterverständnisses, die das Priestertum für alle öffnen möchten. Dann wird das allgemeine Priestertum aller Getauften, das mit dem Begriff des hierateuma wiedergegeben wird, als Legitimation herangezogen, obwohl geweihte Priester mit dem Begriff presbyteros bezeichnet werden. Es handelt sich auch um zwei unterschiedliche Sakramente. Wenn Christus hier als Priester mit den Priestern des Alten Bundes verglichen wird, wird im Griechischen nicht der Presbyteros-Begriff gewählt, sondern hiereus bwz. archiereus (Hohepriester). Dies wiederum ist die griechische Übersetzung des hebräischen Wortes kohen. Was wir daraus lernen: Die Priester des Neuen Bundes sind nicht jene, die etwas aus sich selbst heraus bewirken. Nicht der Priester am Altar wandelt die Gaben von Brot und Wein in den Leib und das Blut Jesu Christi, sondern der eine wahre Hohepriester Jesus Christus. Er ist es, der das Entscheidende tut. Deshalb ist kein menschlich gemachter Gottesdienst, kein Wortgottesdienst, keine Katechesestunde, keine Auslegung oder sonstiger Gottesdienst vergleichbar mit der Hl. Messe. Denn in der Eucharistie ist es Gott selbst, der das Entscheidende tut. Der Priester handelt am Altar in persona Christi. Er leiht ihm die Hände, er leiht ihm seine Stimme, um die Wandlungsworte zu sprechen, den Geist auf die Gaben herabzurufen, die Hände aufzulegen. Dass Jesus dies durch sie tun möchte, sehen wir an seiner Bevollmächtigung der Apostel, die diese Vollmacht ihren Nachfolgern übertragen haben und diese wiederum ihren Nachfolgern etc.
Der Hebräerbrief betont, dass Christus sich nur einmal geopfert hat. Es ist nicht so, dass in der Liturgie Christus immer wieder neu ans Kreuz geschlagen wird, was ein protestantischer Einwand ist. Er ist einmal gestorben und hat sich zur Rechten des Vaters gesetzt. Er „wartet“, was sich auf die jetzige Zeit der Kirche bezieht, die auf die Wiederkunft Christi wartet. So warten beide, bis der heilsgeschichtliche Schlussstrich gezogen wird. Dann wird der Vater dem Sohn seine Feinde als Schemel unter die Füße setzen, wie es Ps 110 ausdrückt und den wir deshalb als Antwort zur Lesung beten. Am Ende der Zeiten wird der Böse, dem jetzt noch Handlungsspielraum zugestanden wird, endgültig entmachtet. Dann setzt sich die Gottesherrschaft gänzlich durch und wird allen offenbar werden.
Dieses endgültige Opfer, das Christus am Kreuz dargebracht hat, bewirkt die Heiligung aller Menschen gestern, heute und morgen. Diese werden vollendet werden, wenn dann das Ende der Zeiten gekommen ist. Das heißt, dass sie ins Gottesreich eingehen, gleichsam das Erbe antreten werden, das ihnen in der Taufe zugesichert worden ist. So schließt sich der Kreis zu Jer 31,33, was hier in der Septuagintafassung zitiert wird. Damals hat Gott Jeremia einen zukünftigen Bund angekündigt, der eine „Beschneidung des Herzens“ sein wird, wir verwenden für die Taufe ein anderes Bild, nämlich das des Siegels. Es wird ein Bundesschluss sein, bei dem die vollständige Sündenvergebung erwirkt wird.
Dies hat sich mit der Taufe erfüllt und so muss nach der Taufe kein anderes Opfer als das eine Opfer Jesu Christi dargebracht werden. Alles andere wäre eine Infragestellung der Allmacht Gottes. Dies bedeutet nicht, dass wir keine Eucharistie mehr mitfeiern müssen, sondern dass wir zusätzlich keine Tiere als Sündopfer mehr brauchen. Christi eines Opfer wird ja in jeder Messe vergegenwärtigt, damit wir seine Liebe nie vergessen. Wir tun es zu seinem Gedächtnis und um uns ganz mit ihm zu vereinen. Er löst sein Versprechen ein, immer bei uns zu sein bis zum Ende der Welt, denn er ist real gegenwärtig in der Eucharistie. Wieso sollte ein Tier dieses makellose und allwirksame Opfer des Sohnes Gottes noch ergänzen?

Ps 110
1 Ein Psalm Davids. So spricht der HERR zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten und ich lege deine Feinde als Schemel unter deine Füße.

2 Das Zepter deiner Macht streckt der HERR aus vom Zion her: Herrsche inmitten deiner Feinde!
3 Dich umgibt Herrschaft am Tag deiner Macht, im Glanz des Heiligtums. Ich habe dich aus dem Schoß gezeugt vor dem Morgenstern.
4 Der HERR hat geschworen und nie wird es ihn reuen: Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks.
5 Der HERR steht dir zur Rechten; er zerschmettert Könige am Tag seines Zorns.

Heute beten wir als Antwort auf die Lesung Ps 110, einen Königspsalm, der so viele messianische Andeutungen besitzt, dass er den am häufigsten zitierten alttestamentlichen Text im Neuen Testament darstellt.
Gott spricht: „Setze dich mir zur Rechten“, was uns an Jesus Christus erinnert, den wir zur Rechten des Vaters glauben. Er ist aufgefahren in den Himmel, um nun an der Seite des Vaters zu sein. So beten wir im Glaubensbekenntnis. Doch zunächst auf König David angewandt bedeutet dies, dass wenn König David in Gemeinschaft mit Gott ist, gesegnet sein wird. Zur Rechten Gottes zu sitzen, meint im wörtlichen Sinn also zunächst, ganz in Gott zu sein, wir würden sagen: im Stand der Gnade zu sein. Es ist also moralisch zu verstehen und darin können wir uns mit König David identifizieren. Wenn wir also ganz in Gemeinschaft mit Gott sind, liegt auch auf unseren Plänen und Vorhaben, auf unseren Bemühungen und Bestrebungen Gottes Segen. Wenn dann verheißen wird, dass Gott seine Feinde wird unter den Schemel seiner Füße stellen wird, ist es im Falle Davids auf die Kriegserfolge zu beziehen. Wenn er ganz in Gott bleibt, um es einmal johanneisch auszudrücken, dann wird er seine Feinde besiegen und ein Friedensreich schaffen. Das ist es, was der Herr den Propheten eingibt, die den Messias ankündigen. Sie erwarten einen neuen David, einen Nachkommen, dessen Reich Bestand haben wird und das vor allem ein Friedensreich sein wird. Wenn wir diese Stelle nun christologisch verstehen, sehen wir die Feinde Christi vor uns: Bezogen auf sein erstes Kommen und seine Erlösungstat denken wir an den Tod, den er besiegt, indem er von den Toten aufersteht! Wir sehen auch die Sünde der Welt, die er ein für allemal gesühnt hat. Das sind Abstracta, die aber auf einen ganz konkreten Feind zurückzuführen sind: den Widersacher Gottes, den Satan. Dieser ist der Feind Christi. Betrachten wir die momentane Phase in der Heilsgeschichte, sehen wir den bleibenden Spielraum des Bösen bis zum Ende der Zeiten. Das ist schon im Hebräerbrief angeklungen. Wenn das Ende kommt, wird der Vater den Bösen endgültig unter die Füße Christi treiben. Dann wird ganz mit ihm abgerechnet. Selbst der Tod wird zerstört werden.
Die Wiederkunft Christi wird angedeutet durch sein Erscheinen in heiligem Schmuck. Und dennoch ist diese Aussage mehrfach zu verstehen: Allein auf König David bezogen ist sie in ihrer Tiefe nicht zu begreifen, denn warum ist er von Gott gezeugt worden und nicht von Isai? Und warum ist er vor dem Morgenstern gezeugt worden? Wir begreifen diese Aussage immerhin als Gewolltsein von Gott, als die Zusage, dass Gott ihn ins Dasein gerufen hat wie jeden Menschen, mit einem eigenen Plan, mit einer eigenen Berufung. Und doch weist die Aussage über sich selbst hinaus auf Christus, der wirklich wortwörtlich vor dem Morgenstern gezeugt wurde. Er ist kein Geschöpf, er ist nicht geschaffen, sondern gezeugt. Er ist zudem, bevor überhaupt etwas geschaffen worden ist. Der „Tau in der Frühe“ ist zutiefst messianisch. Nicht umsonst singt die Kirche in der Adventszeit „Tauet Himmel den Gerechten, Wolken, regnet ihn herab“. Das Kommen des Messias wird wie das Herabregnen des Niederschlags verstanden. Und was ist der heilige Schmuck Christi? Es ist moralisch zu verstehen als seine Sündenlosigkeit, es ist aber auch anagogisch zu verstehen als seine Herrlichkeit, die er offenbaren wird am Ende der Zeiten, wenn er nämlich zum zweiten Mal kommt! Dann wird seine Entäußerung und die Verborgenheit seiner Gottheit hinweggenommen sein.
Und dann sagt Gott selbst ihm zu, dass er Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks ist. Das ist nun wirklich über König David hinaus zu verstehen. Christus ist nach der Ordnung Melchisedeks Hohepriester. Er steht über dem gesamten Kult des Alten Bundes. Sein Opfer ist endgültig, weshalb es die Opfer des Alten Israel nicht mehr braucht. Und diese Ordnung auf Christus bezogen ist eine ewige Ordnung. „Nie wird es ihn reuen“ müssen wir als Anthropomorphismus verstehen, der hier in einem poetischen Kontext formuliert wird, das heißt eine Wesensart des Menschen, die auf Gott angewandt wird: Gott ist kein Sünder. Er muss nichts bereuen, aber so hat man Gott gedacht, so wird er vor allem in den ältesten Schriften des Alten Testaments gedacht. So lesen wir davon, dass er die Sintflut bereut. Gott ist weder impulsiv noch begeht er Fehler. Er ist der Vollkommene und Heilige. Er muss nichts bereuen, sondern so stellt König David sich Gott vor bzw. kann es auch sein, dass er begreift, dass Gott nichts bereuen muss, aber er verwendet es bildlich, weil er hier ja im Psalm dichtet.
Der Herr zerschmettert Könige am Tag seines Zorns. Dieser Tag umschreibt den Jüngsten Tag, an dem Christus als verherrlichter Menschensohn wiederkommt. Dann wird er mit den Mächtigen dieser Welt abrechnen. Dann wird allen offenbar werden, wer der wahre Herrscher ist. Das ist für uns eine tröstliche Botschaft, weil es uns zeigt: Gott hat das letzte Wort. Er ist der Herr der Geschichte und entgegen aller gegenwärtigen Eindrücke wird er am Ende seinen Heilsplan durchsetzen.

Mk 4
1 Und wieder begann er, am Ufer des Sees zu lehren, und sehr viele Menschen versammelten sich um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot auf dem See und setzte sich; die Leute aber standen am Ufer.

2 Und er sprach lange zu ihnen und lehrte sie in Gleichnissen. Bei dieser Belehrung sagte er zu ihnen:
3 Hört! Siehe, ein Sämann ging hinaus, um zu säen.
4 Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen es.
5 Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war;
6 als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte.
7 Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat und sie brachte keine Frucht.
8 Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht; die Saat ging auf und wuchs empor und trug dreißigfach, sechzigfach und hundertfach.
9 Und Jesus sprach: Wer Ohren hat zum Hören, der höre!
10 Als er mit seinen Begleitern und den Zwölf allein war, fragten sie ihn nach dem Sinn seiner Gleichnisse.
11 Da sagte er zu ihnen: Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben; für die aber, die draußen sind, geschieht alles in Gleichnissen;
12 denn sehen sollen sie, sehen, aber nicht erkennen; hören sollen sie, hören, aber nicht verstehen, damit sie sich nicht bekehren und ihnen nicht vergeben wird.
13 Und er sagte zu ihnen: Wenn ihr schon dieses Gleichnis nicht versteht, wie wollt ihr dann all die anderen Gleichnisse verstehen?
14 Der Sämann sät das Wort.
15 Auf den Weg fällt das Wort bei denen, die es zwar hören, aber sofort kommt der Satan und nimmt das Wort weg, das in sie gesät wurde.
16 Ähnlich ist es bei den Menschen, bei denen das Wort auf felsigen Boden fällt: Sobald sie es hören, nehmen sie es freudig auf;
17 aber sie haben keine Wurzeln, sondern sind unbeständig, und wenn sie dann um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt werden, kommen sie sofort zu Fall.
18 Bei anderen fällt das Wort in die Dornen: Sie hören es zwar,
19 aber die Sorgen der Welt, der trügerische Reichtum und die Gier nach all den anderen Dingen machen sich breit und ersticken es und es bleibt ohne Frucht.
20 Auf guten Boden ist das Wort bei denen gesät, die es hören und aufnehmen und Frucht bringen, dreißigfach, sechzigfach und hundertfach.

Wir hören als Evangelium heute das Gleichnis vom Sämann. Es beginnt mit Mk 4 eine Reihe von Gleichnissen, die Jesus für das Reich Gottes anbringt.
Die Umstände der Lehre Jesu stellen ein Déjà vu dar. Er muss wieder in ein Boot steigen, um von dort aus die Menschenmassen zu lehren. Es ist einerseits voll, andererseits lehrt er dadurch seine Jünger. Eigentlich hätte er auch auf einen Felsen oder ein Podest steigen können, aber er möchte seinen berufenen Menschenfischern noch einmal demonstrieren, wie das geht. Der Köder, durch den die Fische anbeißen sollen, ist das Wort Gottes. Das Bild muss dabei richtig verstanden werden. Im Gegensatz zu den Fischen, die durch das erfolgreiche Fangen sterben, erhalten die Menschenfische durch das Gefangenwerden das ewige Leben, die Freiheit des Reiches Gottes. Und doch ist dieses Bild das Geeignetste für die „Fischer-Jünger“. Jesus wirft vor ihren Augen die Netze aus. Er beginnt zu lehren. Er erklärt dabei das Reich Gottes. Seine Worte sind der köstlichste Köder, denn die Menschenmassen nehmen dafür lange Reisen auf sich (naja, vor allem natürlich wegen der darauffolgenden Heilungen, aber dennoch…). Was Jesus heute erklärt, ist ein anderes Bild für das Menschenfischen – das Säen von Samen.
So ist der Hl. Geist. Wenn Gott uns Menschen etwas Entscheidendes eingeben möchte, wenn er uns seinen Willen kundtun will, dann tut er das nicht einmalig. Er möchte sicherstellen, dass wir seine Botschaft wirklich begreifen, deshalb wiederholt er Eingebungen. Der Hl. Geist wiederholt sich. Er macht sich sogar noch mehr Mühe und gibt es einem mit unterschiedlichen Worten, auf unterschiedlichen Wegen, mit unterschiedlichen Bildern ein. Deshalb erklärt Jesus den Menschen das Reich Gottes mit vielen unterschiedlichen Metaphern und Gleichnissen. Deshalb erklärt er seinen Jüngern auch das Menschenfischen mit unterschiedlichen Bildern. Das Gleichnis selbst werden wir direkt in der gedeuteten Form thematisieren:
Die Deutung nimmt Christus nicht vor den Menschenmassen vor, sondern nur für den Zwölferkreis. Der Sämann ist Christus, der Same das Wort Gottes. Jesus hat mit dem Gleichnis das umschrieben, was er während seiner Verkündigung auch tat: vom Boot aus den Menschenmassen, die die unterschiedlichen Böden darstellen, das Wort Gottes predigen, also aussäen. Die Jünger haben seine Pointe nicht verstanden, obwohl es Jesus immer darum geht, Dinge nicht zu sagen, sondern zu zeigen. Er konfrontiert sie, um sie wach zu rütteln: „Wenn ihr das schon nicht verstanden habt, wie wollt ihr dann die künftigen Gleichnisse verstehen?“ Er möchte sie dadurch nicht niedermachen, sondern tadelt sie, ja er schleift sie, damit sie zu schönen Diamanten werden. Sie sollen lernen, alles so zu sehen wie er selbst.
Jesus erklärt auch die verschiedenen Beschaffenheiten des Bodens, auf denen das Wort Gottes fällt. Es sind die unterschiedlichen Herzenshaltungen der Menschen, mit denen sie Jesu Predigt in sich aufnehmen: Der Same auf dem Weg wird vom Satan direkt geraubt, bevor es Wurzeln schlagen kann. Warum ausgerechnet auf dem Weg? Es sind die Menschen, die im Prozess der Umkehr sind, die noch auf dem Weg zu Gott sind. Der Satan gerät in Panik und tut alles, damit die Seele nicht für Christus gewonnen wird. Er will die Seele für sich behalten. Deshalb müssen wir sehr viel für jene beten, die Gott suchen und vielleicht sogar schon auf dem Weg zur Taufe sind. Sie erleiden starke Anfechtungen und Versuchungen, denn Satan will unsere Königskindschaft mit allen Mitteln verhindern. Schließlich bedeutet die Taufe die Selbstübereignung an Christus, den einzig wahren Herrscher. Wenn der Mensch die Taufe angenommen hat, ist die Macht des Bösen gebrochen, zumindest sehr beeinträchtigt.
Der felsige Boden ist die Haltung der Menschen, die einen oberflächlichen Glauben haben, ohne Wurzeln und unbeständig. Beim ersten Widerstand geben sie auf, weil es zu unangenehm wird und es ihnen aufgrund der fehlenden Wurzeln den Boden unter den Füßen wegzieht. Solche „christlichen Sanguiniker“ sind jene, die sich das Angenehme gern herauspicken und das Unangenehme ausblenden. Sie sind felsig, das heißt, sie wollen sich nicht ganz formen lassen von Gott, der auch mal züchtigen muss, der uns nicht immer nur Feierlaune, sondern auch mal den grauen Alltag bereithält. Die Felsen der eigenen Voreingenommenheit, die Patchwork-Mentalität zerstören aber die Samen des Wortes Gottes.
Die Herzenshaltung des dornigen Gestrüpps ist besonders tödlich. Gottes ewiges Wort, seine Weisheit, die nicht von dieser Welt ist, gerade auch vom Denken her, ist ganz anders als die Sichtweise der Welt mit ihren Verlockungen und ihrer Sünde. Doch in Menschen, die so weltlich eingestellt sind, auch gerade Menschen, die sich übertriebene Sorgen machen, also zu wenig Gottvertrauen besitzen, kann das Wort Gottes nicht keimen, Wurzeln schlagen, wachsen, Früchte tragen. Es stirbt sofort ab, weil das Herz voll von anderem ist. Jesus, das Wort Gottes, findet keinen Platz im Herzen solcher Menschen. Und er ist ein Gentleman. Wer ihn nicht hineinlässt, den lässt er auch in Ruhe. Dieses Dornengestrüpp breitet sich in unserer Kirche heutzutage rasant aus. Immer weniger Geistliche sind noch geistlich eingestellt. Wie viele unserer deutschen Bischöfe bestimmen ihr gesamtes Wirken noch von Christus her, dessen Reich nicht von dieser Welt ist? Es dominiert immer mehr die menschliche und weltliche Denkweise. Sie erfüllt die ganzen kirchlichen Grundvollzüge – so stark, dass für den Hl. Geist kein Platz mehr übrig bleibt.
Schließlich beschreibt Jesus die Fruchtbaren – die, die hören, aufnehmen und Frucht tragen. „Hören“ meint mehr als nur das physische Hören. Es meint den Ge-hor-sam, das Hören mit dem Glauben, das „auf ihn Hören“. In sich aufnehmen tun jene das Wort Gottes, die es an sich heranlassen. Die es akzeptieren und be-herzigen im wortwörtlichen Sinn: die es in sich verarbeiten, es betrachten, darüber nachdenken, es immer tiefer zu verstehen versuchen, die es nicht nur oberflächlich und rein informativ registrieren. Es ist, was Gott dem Propheten Jeremia mit der Ankündigung des Neuen Bundes zugesagt hat – ein Schreiben ins Herz und in den Sinn, eine intensive Verinnerlichung. Maria ist ein perfektes Beispiel für dieses „in sich Aufnehmen“. Sie bewahrt alle Geschehnisse in ihrem Herzen und denkt darüber nach. Das macht sie zur perfekten Jüngerin und zum fruchtbarsten Boden – auf dem das Wort Gottes deshalb auch Fleisch geworden ist! Früchte trägt das Wort Gottes dann, wenn die Menschen es in ihr eigenes Denken aufgenommen haben, wenn es von da an ihre eigenen Gedanken, Worte und Taten bestimmt, wenn es konkrete Auswirkungen hat im Verhalten.

Am Ende wird Jesus das Gleichnis überbieten. Er wird nicht nur das Wort Gottes säen in Form von gesprochenem Wort und Heilsdienst. Er wird sich selbst hingeben für die vielen Menschen am Kreuz. Er wird das eine gültige Opfer für alle Zeiten darbringen. Er wird sein Fleisch und Blut austeilen und auch dann wird es auf unterschiedlichen Boden fallen. Der Neue Bund wird allen Menschen angeboten, doch annehmen werden ihn nicht alle. Viele wird es kalt lassen, was Jesus für sie getan hat. Viele werden es zunächst annehmen und dann beim ersten Problem von ihm weglaufen. Nicht alle werden fruchtbar. Einige werden nicht glauben, dass Jesu Tat sie wirklich gerettet hat. Sie werden an ihrem fehlenden Vertrauen an Gott ersticken.
Jesus sät seinen „Samen“, d.h. sein Fleisch und Blut, in jeder Hl. Messe in das Herz der Kirche. Er sät sein Fleisch in unsere Herzen, die wir ihn in der Kommunion empfangen. Wird sein Same dort auf fruchtbaren Boden fallen? „Du bist, was du isst.“ Das ist nicht nur der Slogan von Wasa, das ist zuerst das Motto der Eucharistie. Wir werden immer mehr zum Leib Christi, indem wir ihn empfangen. Dies wird sich in unseren Gedanken, Worten und Werken immer mehr zeigen. Auch gerade im Alltag, da wo uns keiner sieht, da wo wir dann umsetzen sollen, was wir gelernt haben.
Das alles drückt Jesus heute im Evangelium aus.

Heute streut Jesus durch die Tageslesungen sehr viel Samen auf unseren Boden. Wir haben wirklich viel Arbeit damit, es zu hören, es in uns aufzunehmen und in uns wachsen zu lassen. Mit dem Säen des göttlichen Wortes ist nicht alles abgeschlossen. Vielmehr markiert es den Anfang. Nun liegt es an uns, fruchtbar zu werden oder eben nicht. Was machen wir aus der Taufgnade, die uns der Herr geschenkt hat?

Ihre Magstrauss

Dienstag der 3. Woche im Jahreskreis

2 Tim 1,1-8 oder Tit 1,1-5; Ps 40,2 u. 4ab.7-8.9-10; Mk 3,31-35

2 Tim 1
1 Paulus, durch den Willen Gottes Apostel Christi Jesu, gemäß der Verheißung des Lebens in Christus Jesus,
2 an Timotheus, sein geliebtes Kind: Gnade, Erbarmen und Friede von Gott, dem Vater, und Christus Jesus, unserem Herrn.
3 Ich danke Gott, dem ich wie schon meine Vorfahren mit reinem Gewissen diene. Unablässig denke ich an dich in meinen Gebeten bei Tag und bei Nacht.
4 Wenn ich mich an deine Tränen erinnere, habe ich Sehnsucht, dich zu sehen, um mich wieder von Herzen freuen zu können;
5 denn ich denke an deinen aufrichtigen Glauben, der schon in deiner Großmutter Loïs und in deiner Mutter Eunike lebendig war und der nun, wie ich weiß, auch in dir lebt.
6 Darum rufe ich dir ins Gedächtnis: Entfache die Gnade Gottes wieder, die dir durch die Auflegung meiner Hände zuteilgeworden ist!
7 Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.
8 Schäme dich also nicht des Zeugnisses für unseren Herrn und auch nicht meiner, seines Gefangenen, sondern leide mit mir für das Evangelium! Gott gibt dazu die Kraft
.

Passend zum heutigen Gedenktag der Heiligen Timotheus und Titus hören wir heute den Beginn des zweiten Timotheusbriefes. Er gehört zu den Pastoralbriefen, die Paulus seinen einzelnen pastoralen Mitarbeitern schreibt, während er in Abwesenheit ist. Sie sollen die Gemeinden aufbauen bzw. ausbauen. Speziell 2 Tim ist wie ein Testament geschrieben, das Paulus kurz vor seinem Tod verfasst. Er schaut auf sein Leben zurück und erahnt seinen baldigen Tod.
Der Anfang des Briefes ist nach dem klassischen antiken Briefformular gestaltet. Er besteht aus einem Präskript, der den Absender und den Empfänger nennt. Paulus, der bei der Nennung seines Namens ein ihn legitimierendes Attribut anhängt, schreibt an Timotheus, den er „sein geliebtes Kind“ nennt. Das ist geistig zu verstehen, da er sich um ihn gekümmert hat und sie gemeinsam in der Familie Gottes gelebt haben. Timotheus war schon Christ, als Paulus ihn kennenlernt, und er begleitet Paulus auf dessen Missionsreisen.
Das Präskript wird mit einem Gruß abgeschlossen.
Zu der Selbstvorstellung Pauli: Er nennt sich einen Apostel durch den Willen Gottes, was verdeutlichen soll, dass er sich dieses Amt nicht selbst gewählt hat und dass er kein selbsternannter Apostel sei. Das weiß Timotheus natürlich schon alles, aber vielleicht schreibt Paulus diese Worte wiederum für die Mitarbeiter des Timotheus. Es ist unabhängig vom Adressaten schon zum festen Kern der Paulusbriefe geworden.
Der Gruß des Paulus ist eine gängige Formulierung in christlichen Kreisen durch die Stichworte χάρις charis und εἰρήνη eirene.
Auf dieses Präskript folgt ein Proömium, einleitende Worte des Dankes und Lobpreises Gottes. Paulus dankt Gott, dem er unablässig dient. Auf seinen Missionsreisen erleidet er so einige Strapazen und Leiden. Paulus denkt Tag und Nacht an seinen Mitarbeiter. Er macht sich wohl Sorgen um dessen Wohlergehen und seine Aufgabe beim Aufbau der Gemeinden in der Abwesenheit des Paulus. Timotheus trägt die Gemeinde in Ephesus als erster Bischof. Dabei müssen wir ganz vor Augen haben, was es in der frühen Christenheit bedeutete, Bischof zu sein. Es ist zu vergleichen mit der vordersten Front in einer Schlachtordnung. Deshalb verwundert es nicht, dass der Hl. Martin sich der Legende nach in einem Gänsestall versteckt, weil er sich vor dem Bischofsamt drücken will. Wir können also sehr gut nachvollziehen, dass Paulus hier von den Tränen des Timotheus schreibt.
Wir erfahren in Vers 5 etwas von Timotheus` Familie: Seine Großmutter und seine Mutter sind schon zuvor zum christlichen Glauben gekommen, sodass er durch sie Christ wurde. Es ist ein aufrichtiger Glaube, das heißt nichts Äußerliches aus Tradition. Timotheus hat eine lebendige Gottesbeziehung und glaubt an Gott, weil er ihn lebendig erfahren hat.
Ab Vers 6 lesen wir dann paränetische Aussagen, das heißt ethische Unterweisungen. Timotheus soll den Geist Gottes wieder entfachen – in der Gemeinde, die in letzter Zeit so abgekühlt ist. Auch Timotheus selbst soll wieder erneuert werden.
Deshalb argumentiert Paulus auch mit der Verleihung eines Geistes des Mutes und nicht der Verzagtheit. Paulus erinnert seinen Mitarbeiter an die Weihe, die er von Paulus erhalten hat. Dies wird durch die Geste der Handauflegung angedeutet. Timotheus hat dabei den Geist Gottes erhalten (was dann vielleicht weniger auf die Weihe und vielleicht eher auf die Firmung hindeutet).
Mit dem erhaltenen Geist der Kraft, Liebe und Besonnenheit soll Timotheus nun für das Evangelium leiden und soll sich nicht schämen. Wohl fällt es dem Mitarbeiter schwer, hart durchzugreifen, wenn es notwendig ist. Für Christus zu leiden, ist nie ein Alleingang. Gott steht einem bei und verleiht dem Menschen Kraft für das Tragen dieses Kreuzes.
Das spricht auch uns heute an. In der Nachfolge Jesu Christi haben wir alle unser ganz persönliches Kreuz zu tragen. Das ist aber keine Aufgabe, unter der wir zerbrechen. Gott möchte uns nicht überfordern, sondern in die Freiheit der Kinder Gottes führen. Deshalb verleiht er uns die Kraft, durchzuhalten, wenn es auch schwer ist. Er gibt uns die volle Gnade und wir sollen unsere ganze Hingabe in die Nachfolge Christi investieren. Dieses wunderbare Teamwork führt uns zur Heiligkeit.

Ps 40
2 Ich hoffte, ja ich hoffte auf den HERRN. Da neigte er sich mir zu und hörte mein Schreien. 
4 Er gab mir ein neues Lied in den Mund, einen Lobgesang auf unseren Gott. 
7 An Schlacht- und Speiseopfern hattest du kein Gefallen, doch Ohren hast du mir gegraben, Brand- und Sündopfer hast du nicht gefordert. 
8 Da habe ich gesagt: Siehe, ich komme. In der Buchrolle steht es über mich geschrieben.
9 Deinen Willen zu tun, mein Gott, war mein Gefallen und deine Weisung ist in meinem Innern. 
10 Gerechtigkeit habe ich in großer Versammlung verkündet, meine Lippen verschließe ich nicht; HERR, du weißt es.

Wir beten heute Psalm 40, den wir bereits am 2. Sonntag im Jahreskreis gebetet haben. Der erste Teil des Psalms, dem der heutige Abschnitt entnommen ist, besitzt die Form eines Dankespsalms. Dabei sehen wir König David vor uns, der Gott für die Rettung aus einer sehr dramatischen Notlage dankt. Er hat in seiner Notsituation seine ganze Hoffnung auf Gott gesetzt und dieser hat ihn nicht enttäuscht. Hier betet König David nicht nur als Einzelperson, sondern exemplarisch für das ganze Volk Israel. Es eröffnet sich uns ein mächtiges unisono derer, die in der absoluten Dunkelheit saßen und auf die Erlösung Gottes warten. Und dann war es soweit: Das Licht strahlte auf, Gott wurde Mensch, der Messias kam in die Welt und lebte als Mensch unter Menschen. Gott hat sein Versprechen eingelöst! Auch wir dürfen unsere ganze Hoffnung auf ihn setzen, denn er ist treu. Er macht uns keine leeren Versprechungen und Verheißungen, die sich nicht erfüllen. Er wird auch uns aus unserer ganz persönlichen Notlage helfen und die ganze Menschheit vom Dunkel ins Licht der Ewigkeit führen. Auch Timotheus musste nicht lange warten auf die Gnade Gottes. Er ist reich beschenkt worden mit den Gaben des Hl. Geistes, vor allem ist er ausgestattet worden mit dem Mut, den es als Bischof benötigt.
Sowohl König David als auch das ganze Volk Gottes damals und heute können nicht anders als in dieser Situation Gott zu loben. Wir haben tagtäglich viele Gründe, Gott zu danken und ihm ein Loblied zu singen. Er gibt uns so viel Gutes, das wir vor lauter schlechten Dingen manchmal übersehen. Danken wir ihm schon allein für unsere Existenz, für unsere Gesundheit, für jeden neuen Tag, den er uns schenkt!
Die Aussage „an Schlacht- und Speiseopfern hattest du kein Gefallen…“ ist auch darauf zu beziehen, was dann in Vers 9 geschrieben steht: „deinen Willen zu tun“, also den Willen Gottes zu befolgen, ist das Entscheidende, ohne dass die Opfertätigkeit überflüssig wird. Dies müssen wir als rhetorische Wendung verstehen. Es gab immer wieder Phasen der Geschichte Israels, in denen der Opferkult unaufrichtig praktiziert worden ist. Die Israeliten lebten nicht, wie es Gott gefällt und deshalb brachten die Opfer in ihrem Fall nichts. Diese machen den Menschen nicht gerecht vor Gott, wenn nicht zugleich eine innere Einstellung der Reue und Umkehrbereitschaft vorliegt. Wer nicht bereit ist, auf Gottes Willen zu hören – deshalb die gegrabenen Ohren – der kann Gottes Gunst nicht mit Opfern erkaufen. Der Glaube muss aufrichtig sein wie im Falle des Hl. Timotheus, dessen wahren Glauben Paulus in der Lesung bestätigt.
Vers 8 ist ein zutiefst messianischer Vers: Auf der Oberfläche erkennen wir die Zusage des frommen Königs gegenüber Gott, zum Herrn zu kommen – im Allerheiligsten des Offenbarungszeltes. Die Aussage „in der Buchrolle steht es über mich geschrieben“ zeigt uns jedoch bereits den geistlichen Sinn der Aussage: Der Messias kommt und ist bereits gekommen, über den in der Buchrolle geschrieben steht – nämlich in den Hl. Schriften der Juden, besonders in der prophetischen Literatur wie Jesaja! Diese christologische Auslegung der Bibelstelle ist nicht aus den Fingern gesogen. Bereits der Hebräerbrief nimmt dies vor in 10,9. Vor diesem Hintergrund können wir auch die folgenden Verse verstehen: Die Gehorsamsbekundung spricht Christus selbst als Mensch, der in seiner Entäußerung gehorsam war bis zum Tod. Er hat den Willen des Vaters ganz erfüllt und dabei die Weisung – die Torah – ganz und gar erfüllt. Er ist wahrlich das fleischgewordene Wort Gottes! Er hat seine Lippen nie verschlossen, sodass das Unliebsame die Menschen dazu trieb, ihn fast zu steinigen und am Ende sogar ans Kreuz zu schlagen. So war es auch mit den vielen Propheten zuvor, die den Menschen den Willen Gottes kundgetan haben. Sie sind zumeist den Märtyrertod gestorben, weil man sie mundtot machen wollte, bis zum letzten Propheten, dem Täufer Johannes.

Mk 3
31 Da kamen seine Mutter und seine Brüder; sie blieben draußen stehen und ließen ihn herausrufen. 
32 Es saßen viele Leute um ihn herum und man sagte zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und suchen dich. 
33 Er erwiderte: Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder?
34 Und er blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn herumsaßen, und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder. 
35 Wer den Willen Gottes tut, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.

Im Evangelium hören wir heute von der geistlichen Familie. Es ist so, dass Jesus sich wie so oft in einem Haus aufhält und lehrt. Dieser Ort muss mal wieder überfüllt sein, denn Jesu Mutter und „Geschwister“ stehen draußen und suchen Jesus. Die Suche ist entweder darauf zu beziehen, dass die Menschenmasse einen Überblick verunmöglicht, oder es ist ein Aufsuchen Jesu. Im griechischen Text steht das Wort ἀδελφός, das unter anderem den direkten Bruder meint. Wir befinden uns im orientalischen Kontext, wo mit „Bruder“ alle möglichen Personen bezeichnet werden, auch Cousins oder entferntere Verwandte. Die Perspektive von „Familie“ ist weitergefasst als unsere heutige. Im Hebräischen und auch im Griechischen gibt es zu jener Zeit auch nur einen Begriff für männliche Verwandte, ob Bruder oder Cousin. Diese „Brüder“, von denen wir hier lesen, werden an anderer Stelle namentlich erwähnt. An wiederum anderer Stelle werden aber auch deren Eltern genannt und die Mutter ist eben nicht Maria, die Mutter Jesu, sondern die andere Maria, die Frau des Kleopas. Wahrscheinlich sind es Jesu Cousins (mindestens zweiten Grades!). Maria ist immerwährende Jungfrau, so glaubt es die Kirche. Sie hat nur diesen einen Sohn zur Welt gebracht und auf eine andere Art und Weise als sonst gewöhnlich. Ihre biologische Jungfräulichkeit ist auch durch die Geburt nicht genommen worden.
Es geht also um die Großfamilie Jesu hier im Evangelium. Sie sucht Jesus auf und er serviert sie nicht ab. Dies können wir aus der heutigen Schriftstelle nur dann schließen, wenn wir oberflächlich lesen. Es geht Jesus um mehr. Er nimmt ihre Anwesenheit zum Anlass, etwas zu erklären, nämlich die geistliche Familie, die die Kirche ist. Alle, die den Willen Gottes tun, sind Geschwister, nämlich im Glauben. Und darin sind sie viel mehr zusammengeschweißt als die biologische Zusammengehörigkeit. Das muss Jesus den anwesenden Juden ganz behutsam beibringen, denn es ist keineswegs selbstverständlich. Für die Juden ist die Biologie alles. Als Jude wird man geboren. Zum Judentum gehörig ist der Beschnittene am Körper. Für die Anwesenden ist es also eine ganz große Herausforderung über ihren „jüdischen Tellerrand“ hinauszuschauen. Das erinnert uns sehr an Timotheus, der zwar gläubiger Christ ist, aber seine Mutter Eunike war vor ihrer Konversion zum Christentum Jüdin. Um bei den Christen der Urgemeinde keinen Anstoß zu erregen, ließ sich Timotheus sogar beschneiden. Dabei hat Christus bereits begonnen, den jüdischen Horizont zu weiten, wie wir hier im Evangelium gehört haben.
Jesus kann es sich erlauben, diese Dinge zu sagen. Er weiß, dass seine Mutter ihn versteht. Er weiß, dass sie nicht beleidigt reagieren wird, wenn er die anwesenden Menschen, die gekommen sind, den Willen Gottes zu erfahren, als seine Familie, sogar als seine Mutter bezeichnet. Wer, wenn nicht Maria wird dies alles schon sehr früh gelernt haben! Sie ist durch ein Gelübde „unfruchtbar“ und ist doch Mutter geworden. Schon von Kindheit auf ist Jesus einerseits den Eltern gehorsam, andererseits lehrt er seine Eltern als Gott. Sie sind nicht nur seine Eltern, sie sind auch seine Schüler, seine Kinder im Glauben. Jesus ist Marias Rabbi und Maria ist eine erste und beste Jüngerin. Sie wird ihm im heutigen Evangelium also absolut Recht gegeben haben. Wir wissen nicht, wie es ausgegangen ist. Vielleicht ist er danach hinausgegangen oder hat seine biologische Familie hinzugeholt. Denn was Jesus im Laufe seiner Verkündigung immer wieder vorlebt, ist die perfekte Kombination von biologischer und geistlicher Familie: Er ehrt in allem seine Mutter und ist zugleich mit ihr als geistliche Familie vereint. In ihrer Beziehung sehen wir, wie es bei uns der Idealfall sein kann: Unsere Familien sollen nicht nur biologischen, sondern gleichzeitig einen geistlichen Zusammenhang bilden. Dann haben wir einen Vorgeschmack des Himmels auf Erden. Wie schön ist es, wenn Geschwister gut miteinander auskommen, zugleich aber auch im Glauben zusammen wachsen, sich über Gott unterhalten und zusammen bzw. füreinander beten! Leider sehen wir oft, dass Geschwister überhaupt nicht gut miteinander auskommen, biologisch zwar verwandt, doch innerlich Fremde sind. Gleichzeitig haben wir Freunde, die mit uns den Glauben teilen und denen wir deshalb viel näher stehen. Die geistliche Familie ist eine viel stärkere Bindung als die Blutsverbindung. In diesem Fall greift das Sprichwort nicht: „Blut ist dicker als Wasser.“ Denn in diesem Fall ist das Wasser dicker als das Blut, nämlich das lebendige Wasser, das der Hl. Geist ist, aus dem wir neugeboren sind in der Taufe!
Die ersten Christen haben diese geistliche Familie gelebt, indem sie einander als Brüder und Schwestern, aber auch als Eltern und Kinder bezeichnet haben. In der Lesung hörten wir davon, dass Paulus Timotheus als sein Kind bezeichnet hat. Dies verändert auch unser Verhalten heute, wenn wir uns immer bewusst sind, dass alle Getauften unsere Geschwister im Glauben sind. Dann werden wir die Verantwortung für sie spüren (vor allem für ihr Seelenheil). Wir werden sie dann nicht mehr schlecht behandeln, sondern werden ihnen mit einer geschwisterlichen Liebe begegnen, einer hingebenden und aufopfernden Liebe.

Bitten wir die heutigen Tagesheiligen, nicht nur Timotheus sondern auch Titus, um ihre Fürsprache beim Herrn, dass auch wir einen aufrichtigen Glauben, eine hingebende Liebe und einen stets geschwisterlichen Blick für unsere Mitmenschen haben. Möge der Herr auch uns alle Gnaden verleihen, damit wir die Heiligkeit erlangen können, die Timotheus und Titus in ihrem irdischen Dasein vorbildlich gelebt haben.

Ihre Magstrauss

Bekehrung des Apostels Paulus

Apg 9,1-22; Ps 117,1.2; Mk 16, 15-18

Heute ist das Fest der Bekehrung des Paulus. Jesus sagte einmal: „So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.“ (Lk 15,7). Das gilt heute besonders für den eifrigen Pharisäer aus Tarsus, der meinte, sich nicht bekehren zu müssen. Gott unternimmt immer alles, damit wir Menschen ihm unser Herz zuwenden. Und so wird aus dem selbstgerechten Eiferer ein reumütiger Apostel.

Apg 9
1 Saulus wütete noch immer mit Drohung und Mord gegen die Jünger des Herrn. Er ging zum Hohepriester 
2 und erbat sich von ihm Briefe an die Synagogen in Damaskus, um die Anhänger des Weges Jesu, Männer und Frauen, die er dort finde, zu fesseln und nach Jerusalem zu bringen.
3 Unterwegs aber, als er sich bereits Damaskus näherte, geschah es, dass ihn plötzlich ein Licht vom Himmel umstrahlte. 
4 Er stürzte zu Boden und hörte, wie eine Stimme zu ihm sagte: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? 
5 Er antwortete: Wer bist du, Herr? Dieser sagte: Ich bin Jesus, den du verfolgst.
6 Steh auf und geh in die Stadt; dort wird dir gesagt werden, was du tun sollst! 
7 Die Männer aber, die mit ihm unterwegs waren, standen sprachlos da; sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemanden. 
8 Saulus erhob sich vom Boden. Obwohl seine Augen offen waren, sah er nichts. Sie nahmen ihn bei der Hand und führten ihn nach Damaskus hinein. 
9 Und er war drei Tage blind und er aß nicht und trank nicht. 
10 In Damaskus lebte ein Jünger namens Hananias. Zu ihm sagte der Herr in einer Vision: Hananias! Er antwortete: Siehe, hier bin ich, Herr. 
11 Der Herr sagte zu ihm: Steh auf und geh zu der Straße, die man Die Gerade nennt, und frag im Haus des Judas nach einem Mann namens Saulus aus Tarsus! Denn siehe, er betet 
12 und hat in einer Vision gesehen, wie ein Mann namens Hananias hereinkommt und ihm die Hände auflegt, damit er wieder sieht. 
13 Hananias antwortete: Herr, ich habe von vielen gehört, wie viel Böses dieser Mann deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat. 
14 Auch hier hat er Vollmacht von den Hohepriestern, alle zu fesseln, die deinen Namen anrufen. 
15 Der Herr aber sprach zu ihm: Geh nur! Denn dieser Mann ist mir ein auserwähltes Werkzeug: Er soll meinen Namen vor Völker und Könige und die Söhne Israels tragen. 
16 Denn ich werde ihm zeigen, wie viel er für meinen Namen leiden muss. 
17 Da ging Hananias hin und trat in das Haus ein; er legte ihm die Hände auf und sagte: Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Weg, den du gekommen bist, erschienen ist; du sollst wieder sehen und mit dem Heiligen Geist erfüllt werden. 
18 Sofort fiel es wie Schuppen von seinen Augen und er sah wieder; er stand auf und ließ sich taufen. 
19 Und nachdem er etwas gegessen hatte, kam er wieder zu Kräften. Einige Tage blieb er bei den Jüngern in Damaskus; 
20 und sogleich verkündete er Jesus in den Synagogen: Dieser ist der Sohn Gottes. 
21 Alle, die es hörten, waren fassungslos und sagten: Ist das nicht der Mann, der in Jerusalem alle vernichten wollte, die diesen Namen anrufen? Und ist er nicht auch hierhergekommen, um sie gefesselt vor die Hohepriester zu führen? 
22 Saulus aber trat umso kraftvoller auf und brachte die Juden in Damaskus in Verwirrung, weil er ihnen darlegte, dass Jesus der Christus ist.

Saulus verfolgt die Christen im Hl. Land und rings umher, weil er meint, Gott damit einen heiligen Dienst zu leisten (vgl. Joh 16,2). Er versucht sogar, mehr Systematik in die Tötung der Christen zu erlangen, indem er beim Hohepriester um Briefe für die Synagogen in Damaskus erbittet, damit auch dort die Christen festgenommen und in Jerusalem verurteilt würden.
Dann passiert etwas, das sein ganzes Leben verändern wird: „Ein Licht vom Himmel umstrahlte“ ihn. Alles, was himmlisch ist, wird von Visionären und Mystikern voller Licht beschrieben. Es ist die Gnade und Herrlichkeit Gottes, die heller ist als jegliches irdische Licht. Deshalb ist die Lichtmetapher auch so verbreitet für den Messias und in den vielen Himmelsvisionen des Alten und Neuen Testaments.
Er stürzt zu Boden, was ebenfalls eine typische Manifestation der Gegenwart Gottes ist, die auch heutzutage zu beobachten ist. Das ist weder etwas Gutes noch etwas Schlechtes, sondern einfach die Reaktion eines schwachen Menschen auf die überwältigende Kraft des Hl. Geistes. Und dann spricht Jesus zu ihm. Er fragt ihn gerade heraus: „Warum verfolgst du mich?“ So ist der Herr. Er konfrontiert uns mit einer Frage, damit wir uns selbst hinterfragen. Er hat dies vor dem Hohen Rat getan, als der Diener des Hohepriesters ihm ins Gesicht geschlagen hat („Warum schlägst du mich?“). Dabei ruft er Saulus auch beim Namen. Dadurch fühlt er sich nicht nur persönlich angesprochen, sondern weiß auch, dass Jesus ihn kennt. Er wird sich in dem Moment ganz und gar durchschaut gefühlt haben.
Auf die Frage hin, wer er sei, antwortet Jesus ihm: „Ich bin Jesus, den du verfolgst.“ Er sagt nicht: „Ich bin Jesus, dessen Jünger du verfolgst.“ Das ist wichtig. Jesus hat einmal erklärt, dass was wir den geringsten Brüdern getan haben, ihm getan haben und umgekehrt. Derjenige, den Saulus also am meisten verletzt, ist Jesus selbst.
Jesus fordert den Christenverfolger auf, nach Damaskus zu gehen, wo ihm alles Weitere aufgetragen werde. Die Begleiter des Saulus müssen total irritiert sein, weil sie Jesu Stimme hören, jedoch nichts sehen.
Sie merken aber, dass etwas passiert sein muss, denn Saulus ist blind. Das Licht der Herrlichkeit Gottes hat ihn so geblendet, dass er nichts sehen kann. Er muss nach Damaskus geführt werden. Insgesamt hat die Begegnung mit Jesus ihre Folgen. Er kann drei Tage weder etwas sehen noch etwas zu sich nehmen. Auch dies ist eine Manifestation des Hl. Geistes. Viele Menschen berichten, dass sie bei Exerzitien oder anderen geistlichen Veranstaltungen kaum etwas essen, weil sie kein Hungergefühl oder keinen Appetit verspüren.
Gott führt daraufhin Saulus mit einem Christen namens Hananias zusammen so wie an anderer Stelle Petrus und Kornelius. Gott bereitet den Jünger darauf vor, dem großen Christenverfolger die Hände aufzulegen, damit er wieder sieht. Er hakt beim Herrn nach, weil er nur Schlimmes von Saulus gehört hat, doch Gott ermutigt ihn. Er kündigt Hananias an, dass Saulus noch ein großes Werkzeug Gottes werden würde. Er wird dabei den Christus nicht nur den „Söhnen Israels“ bringen, sondern gerade den „Völkern“.
Hananias gehorcht dem Herrn und geht zur Unterkunft des Saulus. Er legt ihm die Hände auf, was eventuell schon auf einen sakramentalen Akt hinweist (Hananias ist wahrscheinlich geweiht, also Diakon, Priester oder Bischof). Denn nach der Verleihung des Hl. Geistes kann Saulus wieder sehen, steht auf und lässt sich taufen. Dieses „wie Schuppen von den Augen“ können wir mehrfach verstehen. Der Geist Gottes hat ihm die biologischen Augen geöffnet, aber dadurch, dass er sich sofort taufen lässt, müssen auch die Augen seines Glaubens geöffnet worden sein. Er wird erkannt haben, dass er sein bisheriges Leben falsch gelebt hat. Nun kann er auch wieder essen und zu Kräften kommen. Er verbringt noch einige Tage bei der Gemeinde in Damaskus und beginnt sehr schnell mit der Verkündigung Jesu Christi in den Synagogen. Man muss sich vorstellen, wie verwirrt die dort Ansässigen gewesen sein mussten, dass der eifrige Christenverfolger, der ein richtiger Prominenter war, plötzlich FÜR Christus gesprochen hat.
So groß ist Gottes Gnade. Der Herr kann in einem kurzen Moment unser ganzes Leben auf den Kopf stellen und aus dem größten Sünder einen begeisterten Jünger machen. Das Problem ist, dass Menschen das oft nicht anerkennen und immer noch den alten Menschen sehen. Sie haben einen schon längst in eine bestimmte Schublade gesteckt und einen Stempel aufgedrückt. Sie werden den Bekehrten unter Umständen ewig als alten Menschen betrachten, so als ob man sich nicht ändern könne. Gott ist aber anders. Er sieht immer das Potenzial und möchte dieses immer aus uns herauskitzeln, uns zu echten Diamanten schleifen, zu wunderbaren Werkzeugen seines Heils. Freuen wir uns heute darüber, dass Saulus alias Paulus sich bekehrt hat! Ohne ihn wären wir womöglich gar keine Christen geworden. Die Heidenmission ist größtenteils ja ihm zu verdanken.

Ps 117
1 Lobt den HERRN, alle Völker, rühmt ihn, alle Nationen! 
2 Denn mächtig waltet über uns seine Huld, die Treue des HERRN währt in Ewigkeit. Halleluja!

Der heutige Psalm ist sehr kurz. Er besteht aus nur zwei Versen. Er ist betitelt mit „Aufruf an alle Völker zum Lob Gottes“. Genau darin knüpft er an die Bekehrung des Paulus an. Wir, die wir im Grunde zu den sogenannten „Heidenchristen“ gehören, die also nicht zuvor Juden waren, haben allen Grund, Gott zu loben. Er hat Paulus zum Werkzeug der Heidenmission eingesetzt, sodass der Glaube in unseren Breitengraden überhaupt ankommen konnte. Auch wenn er nicht direkt hier gewirkt hat, hat Paulus die Weichenstellungen gesetzt. Hier lesen wir die Aufforderung zum Lob an die heidnischen Völker, das hebräische Wort גֹּויִם gojim wird verwendet.
Gott ist treu. Er hat schon damals mit Paulus an unsere Gotteskindschaft gedacht und alles schon so geplant, dass das Evangelium wirklich allen Geschöpfen verkündet werden konnte. Das ist immer und überall den Hallelujaruf wert!

Mk 16
15 Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung! 
16 Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden. 
17 Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; 
18 wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.

Heute lesen wir genau diesen Auftrag, zu dem Paulus heute direkt im Anschluss an seine Bekehrung berufen wird. Jesus trägt seinen Jüngern vor seiner Heimkehr zum Vater auf, weltweit das Evangelium allen Menschen zu verkünden. Paulus ist so viel herumgereist wie kein anderer Apostel. Durch die Briefliteratur und die Apostelgeschichte sind uns einige dieser Reisen bekannt, doch längst nicht alle! Wer weiß, wo er noch alles war und wie viele Gefängnisaufenthalte, Misshandlungen und Katastrophen er tatsächlich erleiden musste…Dass er viel erleiden würde, kündete Jesus Hananias heute in der Lesung ja bereits an. Das Leiden ist nicht zu unterschätzen. Wir können noch so viel für den anderen beten – eine Tiefe erreicht unser Fürbittgebet vor allem durch Opfer, Unannehmlichkeiten, größere und kleinere Leiden, die wir für das Gebetsanliegen aufopfern.
„Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet“. Das hat auch Paulus getan. Er hat verstanden und den Glauben an Jesus Christus gewonnen. Zum Zeichen dafür hat er sich direkt taufen gelassen. Er hat die Chance angenommen, die Gott ihm geschenkt hat. Es hätte auch anders kommen können. Er hätte auch in dieser offensichtlichen Situation sein Herz verhärten können und Jesus nicht annehmen können. Das hätte aber auch Konsequenzen gehabt: Er wäre verurteilt worden.
Jesus kündigt seinen Aposteln mehrere Zeichen an, zuerst die Exorzismen (wir sind im Markusevangelium, wo die Dämonenaustreibungen besonders betont werden), sodann die Zungenrede, den Schutz vor tödlichen Gefahren, die Krankenheilung. Von diesen hier angekündigten Dingen haben wir so einiges in der Lesung gelesen. Hananias legt Paulus die Hände auf und er kann wieder sehen. Das ist wie eine Krankenheilung zu werten. Es handelt sich dabei aber nicht um das Sakrament der Krankensalbung, denn zum Zeitpunkt der Handauflegung ist Paulus nicht getauft. Wir können uns diese Geste also so denken, dass sie entweder eine charismatische ist (also ein Akt einer getauften Person, die mit dem Charisma der Krankenheilung beschenkt worden ist gemäß Charismenlehre 1 Kor 12) oder eine sakramentale (ein Geweihter tauft Paulus hier, wobei die Handauflegung auch Teil der Taufe ist).
Dadurch dass der Missionsauftrag Jesu und das Leben des Paulus sich so decken, verstehen wir umso besser, dass Paulus wirklich ein Apostel ist, auch wenn er nicht zum Zwölferkreis gehört. Wir sehen heute auch erneut, dass Gott nicht perfekte Menschen beruft, sondern potenzielle Heilige. Paulus hat so viele Menschen auf dem Gewissen und doch hat Gott für ihn so eine große Aufgabe. Das gibt uns Mut. Wir erkennen, dass Gott auch für uns einen Heilsplan hat, obwohl wir unsere Schwächen und Fehler haben. Wichtig ist unsere Reaktion auf Gottes Intervention (auch wenn er uns nicht vom Pferd wirft und blind macht…). Nehmen wir Gott an und kommen wir zum Glauben! Ändern wir von Grund auf unser Leben und widmen wir von nun an unsere ganze Lebenszeit dem Reich Gottes. Entscheidend ist unser Rest des Lebens von nun an!

Ihre Magstrauss

Samstag der 2. Woche im Jahreskreis

Hebr 9,2-3.11-14; Ps 47,2-3.6-7.8-9; Mk 3,20-21

Hebr 9
2 Es wurde nämlich ein erstes Zelt errichtet, in dem sich der Leuchter, der Tisch und die Schaubrote befanden; dieses wird das Heilige genannt.

3 Hinter dem zweiten Vorhang jedoch war ein Zelt, das Allerheiligstes genannt wird,
11 Christus aber ist gekommen als Hohepriester der künftigen Güter durch das größere und vollkommenere Zelt, das nicht von Menschenhand gemacht, das heißt nicht von dieser Schöpfung ist.
12 Nicht mit dem Blut von Böcken und jungen Stieren, sondern mit seinem eigenen Blut ist er ein für alle Mal in das Heiligtum hineingegangen und so hat er eine ewige Erlösung bewirkt.
13 Denn wenn schon das Blut von Böcken und Stieren und die Asche einer jungen Kuh die Unreinen, die damit besprengt werden, so heiligt, dass sie leiblich rein werden,
14 um wie viel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst als makelloses Opfer kraft des ewigen Geistes Gott dargebracht hat, unser Gewissen von toten Werken reinigen, damit wir dem lebendigen Gott dienen.

In der heutigen Lesung betrachten wir erneut das Verhältnis zwischen Altem und Neuem Bund, was den jeweiligen Kult anbelangt: Auch heute ist als Hauptthese der Grundsatz zu nennen, dass der Neue Bund ein „besserer“ ist, weil er den Alten Bund überbietet. Das wird anhand eines Vergleichs zwischen den Tempeln und der Opferpraxis ausdekliniert:
So wird zunächst beschrieben, wie das „irdische Zelt“ errichtet war, gemeint ist das Offenbarungszelt, bevor ein fester Bau entstand. Die Struktur des Tempels besteht in der Steigerung von Heiligkeit von außen nach innen. Im Innersten, befindet sich das Allerheiligste, „hinter dem zweiten Vorhang“ wie wir es bereits vor einigen Tagen hörten. Der Raum, der von diesem innersten Raum abgetrennt ist, ist das Heilige, wo sich die Menora und der Tisch mit den Schaubroten befindet.
Diese Beschreibung zeigt, dass Menschenhände den Tempel errichtet haben. Zwar ist er nach Gottes Vorgaben gestaltet, aber es ist Menschenwerk. Christus dagegen ist „Hohepriester der künftigen Güter“. Schon allein diese Bezeichnung zeigt uns, dass er in einem anderen Heiligtum seinen Dienst ausübt, denn der Tempel des Alten Bundes ist mittlerweile zerstört. Auch der nächste Satzteil zeigt, dass es sich um ein Heiligtum handelt, das nicht von Menschenhand gemacht ist: „durch das größere und vollkommenere Zelt, das nicht von Menschenhand gemacht, das heißt nicht von dieser Schöpfung ist.“ Wovon ist hier die Rede? Es geht um den himmlischen Tempel und den eigentlichen Gottesdienst, wohingegen der Kult des Alten sowie Neuen Bundes diesen originalen Gottesdienst nur abbildet.
Das Opfer dieser himmlischen Liturgie ist das eigene Leben des wahren Hohepriesters Christus. Er hat nicht das Blut von Opfertieren, sondern sein eigenes Blut vergossen. Dabei ist es ein einmaliges und endgültiges Opfer im Gegensatz zu den regelmäßigen und zu wiederholenden Opfern des Alten Bundes. Christus wird nicht immer wieder ans Kreuz geschlagen, auch in der Hl. Eucharistie nicht, sondern das eine und endgültige Opfer wird jeweils vergegenwärtigt.
Dass das Kreuzesopfer Jesu Christi wirklich ein Opfer ist, das kultische Bedeutung hat, sehen wir an dem Zerreißen des Tempelvorhangs in der Passionserzählung. Von oben bis unten zerreißt genau dieser Vorhang, der das Heilige vom Allerheiligsten abtrennt. Der Neue Bund überbietet den Alten Bund, Christus ist das Allerheiligste geworden, da ohnehin schon zu jener Zeit das alte Allerheiligste aus einem leeren Raum bestand. Der Leib und das Blut Christi sind zum Allerheiligsten geworden, einem „Heiligtum“, das nicht von Menschenhand errichtet ist.
Sodann wird das Blut Jesu Christi in seiner Sühnewirkung und Reinigung mit dem sogenannten Reinigungswasser aus Num 19 verglichen. Wenn schon eine Mischung aus Quellwasser und der Asche einer roten Kuh, die als Sündopfer Gott dargebracht worden ist, die Wirkung haben, einen kultisch unreinen Menschen zu entsündigen, umso wie viel mehr hat das kostbare Blut Jesu Christi diese Wirkung! Christi Blut reinigt das Innere des Menschen von toten Werken, damit wir dem lebendigen Gott dienen. Was ist damit gemeint? Das Blutvergießen Jesu Christi stellt die Besiegelung des Neuen Bundes dar zwischen Gott und allen Menschen. Das ist aber kein Automatismus, sondern wenn wir diesen Bund annehmen, das heißt uns taufen lassen, werden wir besprengt mit diesem kostbaren Blut, das uns reinigt von aller Schuld. Wir werden ganz vor Gott gerechtfertigt. Das kann keine Gesetzestreue. Ich betone: Es geht hier um die Erlösung und Vergebung der Sünden. Diese erhalten wir durch die Erlösung Jesu Christi, nicht dadurch, dass wir die Torah halten. Das ist eine Anspielung auf die jüdische Sichtweise, dass der Mensch vor Gott gerechtfertigt werde durch Buchstabentreue. Kein Mensch kann über 600 Gebote am Tag einhalten. Das heißt, dass kein Mensch von sich aus die Erlösung erreichen kann. Wir können uns nicht selbst erlösen. Deshalb hat Christus diese für uns erwirkt (Was wir aus der Taufgnade machen, ist dann eine ganz andere Geschichte. Selbstverständlich sollen wir als Getaufte nun den Weg der Gebote gehen, zu dem wir ja aufgrund der Gnade befähigt sind! Aber es geht darum, was uns diese Rechtfertigung vor Gott erst schenkt. Und das können wir uns nicht selbst schenken. Selbsterlösung ist eine große Illusion). Die toten Werke sind also alle Versuche, aus eigener Kraft die Erlösung zu erlangen. Diese kann uns nur der Herr schenken, der wahre Hohepriester, der in einem Heiligtum dient, das nicht von Menschenhand errichtet ist.

Ps 47
2 Ihr Völker alle, klatscht in die Hände; jauchzt Gott zu mit lautem Jubel!
3 Denn Furcht gebietend ist der HERR, der Höchste, ein großer König über die ganze Erde.
6 Gott stieg empor unter Jubel, der HERR beim Schall der Hörner.
7 Singt unserm Gott, ja singt ihm! Singt unserm König, singt ihm!
8 Denn König der ganzen Erde ist Gott. Singt ihm ein Weisheitslied!
9 Gott wurde König über die Völker, Gott hat sich auf seinen heiligen Thron gesetzt.

Als Antwort beten wir heute den Psalm, der auch an Christi Himmelfahrt gebetet wird. In diesem wird die königliche Natur Jesu Christi betrachtet, was dem obigen Hohepriesterbild nicht widerspricht. Wir hörten vor einigen Tagen ja von Melchisedek als Vorausbild Jesu Christi und dieser ist König und Hohepriester zugleich.
So beginnt der Psalm mit einem Lobpreisaufruf an eine Gruppe. Das zeichnet den Psalm liturgisch und spricht nicht nur die Israeliten damals an, sondern auch uns. Wir haben ebenfalls allen Grund zur Freude und zum Klatschen in die Hände. Wir sind erlöst durch den wahren Hohepriester. Er hat uns die Freiheit der Kinder Gottes geschenkt! Mit dieser Leichtigkeit dürfen wir durch das Leben gehen!
Gott ist zugleich furchtgebietend. Das ist nicht dasselbe wie angsteinflößend. Es meint, dass sein Wirken in uns nur eine Reaktion von Ehrfurcht hervorrufen kann. Auch seine Erscheinung ist furchteinflößend, auch wenn wir ihn unverhüllt gar nicht sehen können, ohne zu sterben. Seine Manifestationen wie die Wolke oder der Rauch sind schon furchteinflößend, sodass zum Beispiel bei der Verklärung Jesu die drei anwesenden Jünger es mit der Angst zu tun bekommen, als sie von der Wolke Gottes umhüllt werden. Erst recht werden alle Menschen überwältigt werden, wenn Jesus am Jüngsten Tag mit dieser göttlichen Herrlichkeit wiederkehren wird…
„Gott stieg empor unter Jubel, der HERR beim Schall der Hörner.“ Das ist mit Christus gegeben, der in den Himmel aufgestiegen ist, der in das himmlische Heiligtum eingegangen ist. Hörner und Jubel sind vielleicht nicht von den Jüngern betätigt worden, dafür aber können wir uns vorstellen, von welcher Freudenmusik begleitet der Menschensohn in die himmlische Heimat zurückgekehrt ist, aufgenommen in das Herz des Vaters! Hörner und Jubel gehören zu diesem himmlischen Heiligtum.
„Singt unserm Gott, ja singt ihm! Singt unserm König, singt ihm!“ Auch hier wie in Vers 2 erklingt ein Lobpreisaufruf dessen, der der Allherrscher ist.
Psalm 47 beinhaltet Thronbesteigungsmotive, Elemente für die Krönungsfeier eines Herrschers. Mithilfe von Bildern des irdischen Königszeremoniells wird die kommende Herrschaft Gottes ausgedrückt. Es ist also absolut sinnvoll, diesen Psalm an Christi Himmelfahrt zu beten. Christus kommt wie bei einem Triumphzug der römischen Kaiser zurück in die Ewigkeit, als siegreicher Messias, der die Welt erlöst hat. Er wird begrüßt von den himmlischen Heerscharen und besteigt den Thron zur Rechten des Vaters. So können wir gut nachvollziehen, was Stephanus vor seinem Tod schauen durfte (Apg 7,56) und auch was Paulus meint, wenn er im Philipperhymnus betet: „Darum hat ihn Gott über alle anderen erhöht.“ (Phil 2,9).
Von dort wird er am Jüngsten Tag wiederkommen zu richten die Lebenden und die Toten, wie wir im Glaubensbekenntnis beten. Gott ist schon der „König der ganzen Erde“, doch seine Herrschaft wird erst am Ende der Zeiten offenbar werden. Das Reich Gottes wird sich dann endgültig durchsetzen.
„Gott wurde König über die Völker, Gott hat sich auf seinen heiligen Thron gesetzt.“ Ja, Christus ist nicht nur Mensch, sondern auch wahrer Gott. Er ist gegangen, um sich auf seinen Thron zu setzen. Was mit Jesus passiert, als er in den Himmel eingeht, durften drei seiner Apostel schon auf dem Tabor schauen – die Verklärung. Jesus streift den Schleier der verborgenen Gottheit ab und seine Herrlichkeit erstrahlt. So wird er zurückkommen und alle werden es sehen. Sein Aufstieg muss vor dem Hintergrund der heutigen Lesung auch kultisch betrachtet werden. So wie es vom Hohepriester heißt, dass er durch den Vorhang hindurch das Allerheiligste betritt, um für das Volk Versöhnung zu schaffen am Versöhnungstag, so geht Christus ein in das Allerheiligste des Himmelreiches, durch den Vorhang hindurch, der das Diesseits von der Ewigkeit trennt. Er geht ein, um für uns einzustehen beim Vater.
Nicht umsonst schaut Johannes in der Offenbarung das Himmelreich mal als königlichen Thronsaal, mal als Tempel. Beides gehört in Gottes Gegenwart zusammen.

Mk 3
20 Jesus ging in ein Haus und wieder kamen so viele Menschen zusammen, dass sie nicht einmal mehr essen konnten.

21 Als seine Angehörigen davon hörten, machten sie sich auf den Weg, um ihn mit Gewalt zurückzuholen; denn sie sagten: Er ist von Sinnen.

Im heutigen sehr kurzen Evangelium geht es darum, dass Jesus sehr viel zu tun hat und große Menschenmassen sich um ihn sammeln. Es ist so voll, „dass sie nicht einmal mehr essen konnten.“ Das zeigt uns, wie sehr die Menschen ihre ganze Hoffnung auf Christus setzen. Sie kommen von überall her, weil sie Heilung von ihm ersehnen. Sie hören von seinen vielen Wundern und viele von ihnen begreifen, dass sich mit Christus die messianischen Verheißungen erfüllen. Sie kommen, weil sie ihn sehen wollen.
Mitten in diese Szene hinein kommen Jesu Angehörige. Sie wollen ihn mit Gewalt zurückholen. Das heißt, sie wollen ihn zurück nach Hause bringen, nach Nazaret, wo die ganze Verwandtschaft lebt. Sie halten ihn wohl auch für verrückt, denn es heißt hier: „Er ist von Sinnen.“ Von so weit her „pilgern“ fremde Menschen gleichsam zu Christus, den sie als Messias erkannt haben, doch die eigenen Verwandten erkennen in ihm nur einen „Bruder“, der den Schuss nicht gehört hat. Sie wollen ihm beibringen: „Schuster, bleib bei deinen Leisten.“ Was bildet sich dieser Zimmermann ein, hier den Rabbi zu spielen? Sie sehen nur den Menschen Jesus und erkennen seine Gottheit nicht.
Einige Kirchenväter sagen, dass die Verwandten so reagieren, weil die ganze übernatürliche Vorgeschichte – die besondere Schwangerschaft Mariens, die übernatürliche Geburt etc. – bewusst vor den Verwandten verschwiegen wurde. Erst später, als sie davon erfahren, kommen sie zum Glauben an Christus.
Entscheidend ist: Sie erkennen seine messianische Identität nicht, weshalb sie meinen, er sei verwirrt oder habe den Verstand verloren (das griechische Wort ist an dieser Stelle ἐξίστημι existemi). Christus aber weiß genau, was er tut. Er ist weder verwirrt noch irre. Er ist der Sohn Gottes und nun ist seine Zeit gekommen, nachdem er viele Jahre im Verborgenen gelebt hat. Er tritt seinen Dienst als Hohepriester an, auch wenn er das Opfer selbst erst am Ende seines Lebens darbringen wird.

Ihre Magstrauss

3. Sonntag im Jahreskreis

Jona 3,1-5.10; Ps 25,4-5.6-7.8-9; 1 Kor 7,29-31; Mk 1,14-20

Jona 3
1 Das Wort des HERRN erging zum zweiten Mal an Jona:

2 Mach dich auf den Weg und geh nach Ninive, der großen Stadt, und rufe ihr all das zu, was ich dir sagen werde!
3 Jona machte sich auf den Weg und ging nach Ninive, wie der HERR es ihm befohlen hatte. Ninive war eine große Stadt vor Gott; man brauchte drei Tage, um sie zu durchqueren.
4 Jona begann, in die Stadt hineinzugehen; er ging einen Tag lang und rief: Noch vierzig Tage und Ninive ist zerstört!
5 Und die Leute von Ninive glaubten Gott. Sie riefen ein Fasten aus und alle, Groß und Klein, zogen Bußgewänder an.
10 Und Gott sah ihr Verhalten; er sah, dass sie umkehrten und sich von ihren bösen Taten abwandten. Da reute Gott das Unheil, das er ihnen angedroht hatte, und er tat es nicht.

In der ersten Lesung hören wir heute aus dem Propheten Jona. Der Ausschnitt schließt sich an die berühmte Flucht vor Gott an, bei der Jona den Auftrag Gottes nicht ausführen will und deshalb ein Schiff nach Tarschisch besteigt. Daraufhin kommt es zu einem Sturm, er wird über Bord geworfen und von einem großen Fisch verschluckt, in dem er drei Tage bleibt, bevor er wieder ausgespuckt wird. Gott ist geduldig. Nach diesem Umweg beauftragt er Jona zum zweiten Mal mit seiner Aufgabe: Er soll nach Ninive gehen, um den Menschen den Untergang zu predigen, wenn sie nicht von Herzen umkehren. Ninive ist eine große Stadt, die im heutigen Irak liegt und in den letzten Jahren vom IS immer wieder angegriffen wurde. Viele archäologische Überreste sind zerstört worden. Warum soll Jona aber nach Ninive gehen und Buße predigen? Ninive wird als „die große Stadt“ bezeichnet. Aus verschiedenen biblischen Zeugnissen erfahren wir, dass sie als letzte Hauptstadt des neuassyrischen Reiches galt, paradigmatisch zum Ort der antigöttlichen Königsherrschaft geworden ist. Die Niniviten sollen also zurück zum Glauben an den einen Gott zurückkehren.
Diesmal ist Jona gehorsam und geht in die große Stadt, wo er den ganzen Tag lang Buße predigte. Dabei sagte er, dass Ninive noch vierzig Tage bestehen würde, bevor es zerstört werde. Das Bemerkenswerte ist: Seine ganzen Sorgen waren unbegründet. Die Bewohner nehmen sich seine Worte zu Herzen und kehren um. Sie tragen Bußgewänder als äußeres Zeichen ihrer inneren Haltung, die wirklich aufrichtig ist. Das erkennen wir an ihrem Verhalten, denn sie fasten. Gott sieht das alles und wendet die Zerstörung der Stadt ab. Ihn reute das Unheil, heißt es hier. Das müssen wir als eine sehr menschliche Aussage herausstellen. Gott muss nichts bereuen, denn er ist kein Sünder wie der Mensch. So hat man sein Wirken interpretiert und wir erkennen hier die menschliche Brille, durch die der Mensch Gott betrachtet.
Wir lernen aus dieser Erzählung heute, dass aufrichtige Umkehr wirklich Segen und Heil nach sich zieht. Was der Stadt beinahe widerfahren ist, kann man moralisch und anagogisch auslegen: Wenn der Mensch sich schwer versündigt, ist er nicht mehr im Stand der Gnade. Gottes Segen liegt nicht mehr auf ihm. Erst wenn er umkehrt – vielleicht auch durch den Aufruf zur Umkehr durch einen Mitmenschen wie Jona -, kann es wieder zur Versöhnung mit Gott kommen. Diese Umkehr ist vollendet mit dem Beichtsakrament, in dem der Mensch Gottes Barmherzigkeit auf dichteste Weise erfahren darf. Ihm wird die ursprüngliche Taufgnade zurück geschenkt. So wird der Mensch wieder glücklich und empfängt Frieden im Herzen.
Wenn der Mensch noch rechtzeitig umkehrt, bevor er stirbt und vor Gottes Angesicht tritt, hat er noch die Möglichkeit, diese Versöhnung zu erfahren. Wenn er aber nicht so bußfertig ist wie die Bewohner von Ninive, verstockt ist und an seiner Todsünde festhält, wird er nach dem Tod die endgültige Konsequenz tragen. Unsere jetzige Haltung in diesem irdischen Dasein zeichnet also den Weg des ewigen Lebens oder des ewigen Todes. Wählen wir den richtigen Weg, damit wir auf ewig bei Gott sein können!

Ps 25
4 Zeige mir, HERR, deine Wege, lehre mich deine Pfade!
5 Führe mich in deiner Treue und lehre mich; denn du bist der Gott meines Heils. Auf dich hoffe ich den ganzen Tag.
6 Gedenke deines Erbarmens, HERR, und der Taten deiner Gnade; denn sie bestehen seit Ewigkeit!
7 Gedenke nicht meiner Jugendsünden und meiner Frevel! Nach deiner Huld gedenke meiner, HERR, denn du bist gütig!
8 Der HERR ist gut und redlich, darum weist er Sünder auf den rechten Weg.
9 Die Armen leitet er nach seinem Recht, die Armen lehrt er seinen Weg.

„Zeige mir, HERR, deine Wege“ ist in Krisensituationen die Bitte, in schwierigen Zeiten das richtige Verhalten zu übernehmen und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Gott zeige uns immer das richtige moralische Verhalten auf, indem er uns seinen Willen aufzeigt. Dies tut er durch sein Heiliges Wort und seine Gebote. Dieser Psalm schließt sich somit an die Lesung an.
Dieser Psalm ist zudem messianisch zu lesen, denn wir sehen das an der hebräischen Formulierung אֱלֹהֵ֣י יִשְׁעִ֑י elohe, jisch’i, was mit „Gott meines Heils“ übersetzt wird. Die Wurzel des Wortes „Heil“ ist dieselbe wie der Name Jesu. „Auf dich hoffe ich den ganzen Tag“ ist ein besonders intensiver Ausdruck messianischer Erwartung. Eine solche Sehnsucht sehen wir beim Volk Israel insbesondere in der babylonischen Gefangenschaft. Der „Gott meines Heils“ widerspricht dem Gott im Jonabuch keineswegs. Gott möchte keinen Menschen zerstören. Er möchte, dass alle Menschen gerettet werden und mit ihm in ewiger Gemeinschaft leben. Das ist der Heilsplan, den er für jeden Menschen bereithält und weshalb er ihn geschaffen hat! Er möchte, dass wir aber auch das von uns aus Nötige dafür tun, damit wir auch wirklich bei ihm im Himmelreich sein können.
Auch wir hoffen den ganzen Tag auf den Messias, insbesondere jetzt in dieser Extremsituation der Coronakrise. Je drastischer die Weltsituation ist, desto lauter wird der Schrei nach dem Gott des Heils.
Mit der Erwartung Gottes kommt auch hier die Frage nach dem Zustand der Menschen auf: „Gedenke deines Erbarmens“ und „gedenke nicht meiner Jugendsünden“ zeigen das Verständnis auf, dass wenn Gott kommt, die Menschen vor ihm gut dastehen möchten. Auch hier ist der Wunsch spürbar, dass wenn Gott kommt, barmherzig mit den sündigen Menschen umgehen soll. So sollen auch wir beten und das tut die Kirche auch immer nach dem Vaterunser in der Hl. Messe: „Schau nicht auf unsere Sünden, sondern auf den Glauben deiner Kirche und schenke uns nach deinem Willen Einheit und Frieden.“ Das wird vor dem Kommen Jesu in der Kommunion gebetet, also bevor die Menschen ihn in ihr Herz aufnehmen. So sollen wir auch persönlich beten, auch dann, wenn Gottes Gegenwart ganz weit weg zu sein scheint. Er wird uns aus der Hand des Bösen erretten und uns verschonen, wenn wir aufrichtig vor ihm stehen. So hat es uns die Episode im Jonabuch gezeigt, so zeigt es uns aber auch die Gleichnisse vom verlorenen Sohn sowie vom Zöllner und Pharisäer. Entscheidend ist, dass wir uns vor ihm wirklich als Arme verstehen – in dem Sinne, dass wir nicht perfekt sind und seine Erlösung wirklich benötigen. Wenn wir mit dieser demütigen Haltung vor ihm stehen und immerzu bereit sind, uns zu bessern, dann wird er uns mit der Fülle seiner Barmherzigkeit überschütten.

1 Kor 7
29 Denn ich sage euch, Brüder: Die Zeit ist kurz. Daher soll, wer eine Frau hat, sich in Zukunft so verhalten, als habe er keine,
30 wer weint, als weine er nicht, wer sich freut, als freue er sich nicht, wer kauft, als würde er nicht Eigentümer,
31 wer sich die Welt zunutze macht, als nutze er sie nicht; denn die Gestalt dieser Welt vergeht.

In der heutigen Lesung geht es um den Kontext der Endzeit, die man zur Zeit des Paulus als unmittelbar bevorstehend erwartete. Deshalb fragte man sich, wie man mit dem Thema Familiengründung, Ehe und Beziehungen angesichts des Weltendes umgehen sollte.
Paulus sagt deshalb in dem siebten Kapitel, dass angesichts des Weltendes es gut ist, in dem gegenwärtigen Lebensstand zu verharren, in dem man sich befindet, statt ihn zu ändern. Das heißt, dass die Unverheirateten unverheiratet bleiben sollen und wenn man verheiratet ist, sich nicht vom Partner trennen soll. Am Anfang des Kapitels hat Paulus auch erklärt, dass Ehepaare nicht zu einem zölibatären Leben verpflichtet sind, wie aber bestimmte Gruppen in der Gemeinde behaupteten. Dieser rigorose Umgang mit der Ehe würde früher oder später zur Unzucht führen. Deshalb sollen Paare sich einander auch nicht entziehen. Jesus hat auch nicht geboten, dass die Ehe aufgrund der Endzeit angebrochen sei. Paulus hält es dennoch für ratsam, nicht mehr zu heiraten, wenn am nächsten Tag vielleicht die Ewigkeit hereinbricht. Der Schlüsselsatz hier ist „die Zeit ist kurz“.
Warum aber erfahren Verheiratete Bedrängnis im irdischen Leben? Im weiteren Verlauf argumentiert Paulus damit, dass wer verheiratet ist, sich um die Dinge der Welt sorgen muss. Es ist eben keine geistliche Berufung und so ist man nicht ganz ungebunden für die Ewigkeit. Wer zölibatär lebt, ist in dieser Hinsicht freier. Das wird er auch an dieser Stelle mit „Bedrängnis“ gemeint haben. Er möchte diese aber den Christen ersparen, die nicht mehr viel Zeit haben. Das bedeutet aber nicht, dass es verboten ist, zu heiraten.
Er schlägt deshalb eine Haltung der Vorläufigkeit und des Gerüstetseins vor – es erinnert uns an die Worte des Mose zu den Israeliten in der Nacht vor dem Auszug aus Ägypten: Wer eine Frau hat, soll so tun, als ob er keine habe. Wer weint oder sich freut, soll so tun, als ob er es nicht tue, wer einkauft, als ob er nichts kaufe. Diese Beispiele zählt er auf, um die Korinther aufzurufen zu einem Leben „mit einem Bein in der Ewigkeit“. Sie sollen sich bereit machen für das ewige Leben und somit geistlicher sein. Sie sollen keine großen Anschaffungen machen oder familiäre Beziehungen eingehen, die sie ganz einnehmen. Sie sollen die Traurigkeit des irdischen Lebens nicht an sich heranlassen, ebenso die Freuden der Weltlichkeit nur als vorläufig verstehen. Alles soll der Ewigkeit dienen und was sie davon abhält, sollen sie lieber lassen.
Deshalb fasst er es damit zusammen, dass man sich die Welt zunutze macht, aber nur in bedingtem Maße – denn die Welt ist vergänglich. Ehe ist vergänglich. Besitz und Emotionen sind vergänglich. Gott aber ist ewig. Das soll man zur Priorität machen. Wir haben eine Familie, die das ganz umgesetzt hat, worum es Paulus hier geht: die heilige Familie. Maria und Josef lebten zölibatär aus Berufung. Sie waren verheiratet und taten doch so, als ob sie es nicht wären. Sie hatten wenig Besitz und taten doch so, als ob sie ihn nicht hätten. Maria freute sich und weinte und doch behielt sie alles in ihrem Herzen mit dem Blick auf die Ewigkeit. Sie wusste, dass der Tod ihres Sohnes nicht das Ende war und behielt im Innersten die Gewissheit, dass die Auferstehung das Endziel sei. Sie ließ sich nicht zerreissen von vergänglichen Emotionen, sondern ließ sich erfüllen von der Freude des Hl. Geistes.
Wir dürfen also nicht die Ausführungen des Paulus nehmen und deshalb daraus schließen, dass man entweder heiraten MUSS (ja, das wird aus 1 Kor 7 manchmal geschlossen) oder dass die Ehe etwas Semigutes sei, das man dulden müsse (wie gesagt, hier geht es um die Naherwartung, deshalb die Worte). Und wenn Paulus sagt, dass die Ehelosigkeit besser ist als die Ehe, dann betont er, dass das seine persönliche Meinung ist, kein Gebot von Gott. Und auch dies sagt er aufgrund der Naherwartung – man war wirklich davon überzeugt, dass das Ende der Welt innerhalb dieser Generation kommen würde. Erst mit den Jahren wurde klar, dass es sich noch verzögern würde. Deshalb musste Paulus auch erklären, was mit denen geschieht, die schon vor dem Kommen Jesu Christi gestorben sind.
Für uns sind die Worte des Paulus trotz der nun anders gearteten Situation absolut wichtig: Wir sollen in allem, was wir tun und in welchem Lebensstand auch immer wir uns befinden, mit einem Bein in der Ewigkeit stehen. Wir sollen nie vergessen, dass wir ein pilgerndes Gottesvolk sind, das auf Durchreise ist. Wir leben mit dem Wanderstab in der Hand, gegürtet und bereits an der Schwelle zum Aufbruch. Je nachdem in welchem Lebensstand wir stehen, können wir diese Haltung mehr oder weniger umsetzen. Als verheirateter Mensch ist man nicht so ungeteilt wie als Geistlicher. Deshalb ist es unerlässlich, dass wir für den Zölibat einstehen! Das ist ein großer Segen, denn dadurch haben wir wirklich jene Menschen, die diese eschatologische Lebensweise ganz umsetzen können. Sie sind uns unter anderem Gedächtnisstütze, die uns daran erinnert, dass wir auf die Ewigkeit hin leben. Sie helfen uns, dass wir von den irdischen Sorgen nicht gänzlich vereinnahmt werden und in das Denken kommen, dass wir allein für diese Dinge leben.

Mk 1
14 Nachdem Johannes ausgeliefert worden war, ging Jesus nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes 
15 und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!
16 Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihre Netze auswarfen; sie waren nämlich Fischer. 
17 Da sagte er zu ihnen: Kommt her, mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. 
18 Und sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm nach. 
19 Als er ein Stück weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren im Boot und richteten ihre Netze her. 
20 Sogleich rief er sie und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach.

Im Evangelium hören wir von den Anfängen der Reich-Gottes-Verkündigung Jesu. Er beginnt damit, als Johannes ins Gefängnis geworfen wird. Der Kern seiner Verkündigung von Anfang an besteht aus Umkehr und Glaube, weil das Reich Gottes nahe ist (Vers 15). Ohne beide Elemente können wir nicht Teil des Gottesreiches werden. Es ist zugleich so einfach und doch so schwer in der Umsetzung. Die Umkehr ist so ziemlich das Unattraktivste, das man verkündigen kann. Umkehr ist anstrengend und unbequem. Man muss sein Leben ändern, um die Beziehung zu Gott zu retten.
Warum ist „die Zeit (…) erfüllt“ und „das Reich Gottes (…) nahe“? Es hängt mit der Person Jesu Christi ganz eng zusammen. Er ist nun mitten unter den Menschen, wodurch das Reich Gottes selbst angebrochen ist.
Jesu Existenz führt die Menschen immer zur Entscheidung. So appelliert er an sie: „Kehrt um und glaubt“. Nun liegt es an ihnen, dies zu befolgen und das Reich Gottes zu gewinnen oder ihn abzulehnen und mit ihm das Himmelreich. Er führt noch viel intensiver zur Entscheidung als Jona in der ersten Lesung. Er ist selbst Gott. Wie Simeon im Tempel angekündigt hat, wird Jesus zum Maßstab, an dem sich die Geister scheiden. Dies hat sich bis heute nicht geändert. Tag für Tag müssen wir dem Herrn aufs Neue unser Ja schenken, indem wir umkehren und an ihn glauben. Die tägliche Umkehr heißt, den gestrigen Menschen abzulegen und heute alles daran zu setzen, einen weiteren Schritt zur Heiligkeit zu machen: heute die Sünde zu vermeiden, die ich gestern noch getan habe, und die Liebe zu Gott und zu dem Nächsten besser umzusetzen.
In der Kirche geschieht die Umsetzung dessen, was Jesus hier sagt, durch die Taufe, die das sichtbare Zeichen des inneren Glaubens ist. Im Taufritus widersagt man dem Bösen mit seinen Versuchungen und wird daraufhin nach dem Glaubensbekenntnis gefragt. Durch diese Elemente wird die Umkehr (in Form von Abkehr vom Bösen) sowie der Glaube (an den dreifaltigen Gott) umgesetzt. Das angebrochene Reich Gottes wird sakramental durch die Gemeinschaft der Gläubigen (der Kirche) vorweggenommen. Erfüllen wird es sich am Ende der Zeiten, weil es dann für alle offenbar wird.
Gott braucht uns Menschen theoretisch nicht, um Gott zu sein und Liebe zu sein. Er ist ja in sich schon Gemeinschaft. Er möchte uns aber bei sich haben und hat uns zur Liebe geschaffen. Darüber sprach ich schon in der ersten Lesung. Er hat nur Pläne des Heils für uns, nämlich die ewige Liebesgemeinschaft mit Gott. Die Menschen sind also liebesfähig und können Verantwortung übernehmen. Aus dem Grund möchte Jesus auch die Mithilfe von Menschen bei der Verkündigung seiner Reich-Gottes-Botschaft. Deshalb geht er am See entlang (der hier angedeutete See ist der See Gennesaret). Er sieht Simon (den späteren Petrus) und seinen Bruder Andreas sowie die Zebedäusbrüder Johannes und Jakobus bei ihrer Arbeit als Fischer. Bereits letzte Woche hörten wir deren Berufungsgeschichte, allerdings nach Johannes.
Es ist kein Zufall, dass Jesus ausgerechnet Fischer als Jünger auswählt. Diese sind wie Hirten sehr einfache Berufe, die von Menschen mit geringem Bildungsgrad ausgeübt worden sind. Das schließt jedoch nicht die religiöse Bildung ein, welche in der Regel sorgfältig vonstatten geht. So wie einfache Hirten die ersten Zeugen der Geburt Christi darstellten, so sind es jetzt einfache Fischer, die zur Nachfolge Christi berufen werden. Gottes Pädagogik ist so überragend, dass er auch hier eine ganz bestimmte Berufsgruppe auserwählt hat: In Ezechiel wird der Tempel mit dem lebendigen Wasser verheißen, welches viele Fische und gesundes Meer zur Folge haben wird und die Fischer von „En-Gedi bis En-Eglajim“ viele Fische fangen werden (Ez 47,9-10). Ebenso sollen Simon, Andreas, Johannes und Jakobus sich nun bereit machen, aufgrund des lebendigen Wassers, dem Heiligen Geist, viele „Fische“ zu fangen. Jesus erklärt aber nun, dass er damit Menschen meint. Die auserwählten Jünger sollen von nun an Menschen „fangen“, also gewinnen, die durch das lebendige Wasser in die Fischernetze der Fischer kommen werden.
Womöglich ist den Gerufenen das auch aufgegangen, weil sie sofort alles stehen und liegen lassen (sogar den eigenen Vater Zebedäus), um Jesus nachzufolgen. Es heißt hier im Griechischen εὐθύς euthys, was „sofort“ heißt. Sie zögern nicht. Jesus ruft sie und sagt „kommt und folgt mir nach“. Bis heute beruft er Menschen mit diesen Worten. Er möchte bis heute Menschenfischer für sein Reich haben, denn die „Arbeit“ ist nie abgeschlossen. Das meint zu allererst besondere Einzelpersonen wie Petrus usw. Wir sprechen hier von geistlicher Berufung, in besonderer Weise das übliche Leben zurückzulassen, sogar die biologische Familie zu verlassen, um einer größeren Berufung nachzugehen. Es meint in erster Linie diejenigen, die sich für das Weltpriestertum oder für ein Ordensleben entscheiden.
Darüber hinaus ruft Gott jeden einzelnen Menschen bei seinem Namen. Er ruft nach uns, damit wir zu ihm kommen und ihn zurücklieben, ihn, der uns zuerst geliebt hat. Jeder Mensch, ob er will oder nicht, wird von Gott angezogen und ersehnt ihn in der Tiefe seines Herzens, weil er Abbild Gottes ist. Diese Sehnsucht treibt ihn so lange, bis er das ewige Heil in Christus gefunden hat und sich taufen lässt. Der Geist, das lebendige Wasser, führt die Menschen zu Jesus. Und auch uns ruft der Herr mitten ins Leben hinein, damit wir uns im Hier und Jetzt ändern.

Dieses Rufen – zur geistlichen Berufung und der Ruf zur Umkehr – ist der rote Faden aller heutigen Lesungen. Gott ruft und hört nicht auf zu rufen, bis nicht das Ende der Zeiten gekommen ist. Hören wir seine Stimme, denn auch uns hat der Herr Ohren gegraben, wie es König David im Psalm sagt. Hören wir hin, hören wir auf ihn und beten wir um geistliche Berufungen, damit es immer wieder Gedächtnisstützen der Ewigkeit in unserem Leben gibt – Menschen, die mit einem Bein in der Ewigkeit stehen.

Ihre Magstrauss

Freitag der 2. Woche im Jahreskreis

Hebr 8,6-13; Ps 85,8 u. 10.11-12.13-14; Mk 3,13-19

Hebr 8
6 Jetzt aber ist ihm ein umso erhabenerer Priesterdienst übertragen worden, weil er auch Mittler eines besseren Bundes ist, der auf bessere Verheißungen gegründet ist.

7 Wäre nämlich jener erste Bund ohne Tadel, so würde man nicht einen zweiten an seine Stelle zu setzen suchen.
8 Denn er tadelt sie und sagt: Siehe, es werden Tage kommen – spricht der Herr – , da werde ich mit dem Haus Israel und dem Haus Juda einen neuen Bund schließen,
9 nicht wie der Bund war, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe, am Tag, da ich sie an der Hand nahm, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen. Denn sie sind nicht bei meinem Bund geblieben und ich habe mich auch nicht mehr um sie gekümmert – spricht der Herr.
10 Denn das wird der Bund sein, den ich nach diesen Tagen mit dem Haus Israel schließe – spricht der Herr: Ich lege meine Gesetze in ihr Denken hinein und schreibe sie ihnen in ihr Herz. Ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein.
11 Und keiner wird seinen Mitbürger belehren und keiner seinem Bruder sagen: Erkenne den Herrn! Denn sie alle, Klein und Groß, werden mich kennen.
12 Denn ich werde ihr Unrecht vergeben und an ihre Sünden nicht mehr denken.
13 Indem er von einem neuen Bund spricht, hat er den ersten für veraltet erklärt. Was aber veraltet und überlebt ist, das ist dem Untergang nahe.

In der heutigen Lesung aus dem Hebräerbrief nehmen wir die Liturgie des Neuen Bundes genauer in den Blick. Gestern betrachteten wir die hohepriesterliche Wesensart Christi. Dort hörten wir bereits, dass sein Hohepriestertum nicht durch das Gesetz verliehen wird – durch die Geburt in den Priesterstamm Levi sowie die direkte Nachkommenschaft des Aaron. Vielmehr ist sein Hohepriestertum durch den Bundesschluss inkraftgetreten bzw. kommt es von Gott selbst.
Heute setzt der Hebräerbrief erneut an diesem letzten Gedanken an: Christus ist ein besonders erhabener Priesterdienst übertragen worden, der größer ist als das des irdischen Priestertums. Das hängt mit dem Neuen Bund zusammen, der ein „besserer“ ist. Gott selbst hat sich geopfert, um die Erlösung für alle Zeiten zu bewirken! Weil Christus Mittler dieses Neuen Bundes ist, kann niemand sein Priestertum überbieten.
Sodann erfolgt eine Argumentation, die uns zeigt: der Alte Bund war nicht vollkommen. Das soll nicht heißen, dass hier die Vorstellung zugrunde liegt, Gott habe etwas Unvollkommenes vorgenommen, das er selbst nun korrigieren muss. Vielmehr geht es darum, dass die Bündnispartner Gottes, das Volk Israel, sich nicht an das Bundesversprechen gehalten haben und dadurch den Bund beeinträchtigt haben. Sie sind nicht bei diesem Bund geblieben, sondern haben sich anderen Göttern zugewandt. Gott hat sich deshalb „nicht mehr um sie gekümmert“, weil sie sich dafür entschieden haben. Gott nimmt den freien Willen des Menschen ernst. Er lässt auch die Konsequenz falscher Entscheidungen spüren, damit man begreift, was man falsch gemacht hat. Er möchte den Menschen Lektionen erteilen.
Aufgrund dieser Fehlentwicklung, so die Argumentation des Briefes, ist ein Neuer Bund notwendig geworden. Wir dürfen diese Worte ernst nehmen und müssen sie doch in das gesamtbiblische Zeugnis einordnen. So merken wir schnell, dass das eine persönliche Argumentation ist, die nicht mit dem Heilsplan Gottes zusammenhängt. Denn der Neue Bund, die Erlösung, die Hingabe des einzigen Sohnes, stand schon von Anfang an fest. So zeigen uns viele weitere Bibelstellen auf. Es ist nicht erst Thema für Gott geworden, nachdem der erste Bund sozusagen „gescheitert“ ist. Dieser Bund besteht ja weiter, auf ewig! Das dürfen wir nicht vergessen. Gott ist treu und bleibt es auch bei der Untreue seiner Braut.
Dieser Argumentationsgang bereitet jedenfalls die Verheißung aus Jer 31,33 vor, die ab Vers 10 zitiert wird. Gott kündigt den Neuen Bund an, bei dem das Gesetz Gottes nicht nur den Menschen gegeben, sondern gleichsam in ihr Herz geschrieben wird. Das führt uns zur Bergpredigt, in der Jesus Christus das Gesetz erfüllt. Er radikalisiert die Gebote Gottes in dem Sinne, dass sie nicht nur die äußeren Handlungen bestimmen, sondern bis ins Tiefste des Herzens eindringen sollen. Mit ihm erfüllt sich diese Verheißung aus Jeremia. Ganz wie es üblich ist für einen Bundesschluss, wird es eine gegenseitige Selbstübereignung sein: Gott wird dem Volk Gott sein und das Volk wird ihm Volk sein.
Wie müssen wir Vers 11 verstehen? Keiner wird den anderen mehr belehren? Warum sagt Jesus in Mt 18 dann, dass wenn unser Mitmensch sündigt, wir ihn unter vier Augen zurechtweisen sollen? Das eine widerspricht dem anderen keineswegs, sondern hier kündigt der Herr selbst an, was in Ewigkeit sein wird. Es wird ein gemeinsames Schauen Gottes sein, wenn wir sterben und vor ihn treten. Dann braucht es keine Unterweisung mehr im Gegensatz zum irdischen Dasein. Womöglich kann man diese Aussage aber auch auf die Zeit der Kirche beziehen in dem Sinne, dass durch die Taufe Groß und Klein die gleiche Würde erhalten, das Taufkatechumenat dasselbe ist und somit alle Gott „kennen“, wenn sie in die Kirche eintreten. Schließlich geht es in diesem Kontext um den Neuen Bund, den wir durch die Taufe eingehen. Dann ist diese Aussage der unnötig gewordenen Unterweisung jedoch nur ansatzhaft zu begreifen, denn es gibt ja auch danach Lehrer, Katecheten, Geistliche, die Homilien halten. Auch die Rede von Sündenvergebung und Barmherzigkeit hat diese beiden Verständnisebenen: Einerseits ist die Taufe ja das Hauptsakrament der Sündenvergebung und somit wird Gott an das alte Leben des Getauften nicht mehr denken. Andererseits sehen wir den Moment vor uns, in dem wir vor Gott stehen und voller Reue über unser vergangenes Leben sind. Was wir gebeichtet und gesühnt haben, daran wird der Herr nicht mehr denken.
Der Argumentationsgang des Hebräerbriefes geht weiter: So wird der Alte Bund als veraltet bezeichnet – jetzt, wo es den Neuen Bund gibt, der dem Menschen das ewige Leben schenken kann, ist es logisch, dass alle den Neuen Bund eingehen sollen. Der Alte Bund bringt das nicht zustande. Er ist veraltet und vergreist. Was aber vergreist ist, ist nahe dem Verschwinden, so die wörtliche Übersetzung dieser Stelle. Ich sagte es bereits weiter oben. Aus einem solchen Argumentationsgang allein dürfen wir keine Lehre entwickeln und dadurch die antijudaistische Schlussfolgerung ziehen, dass der Alte Bund aufgehört hat zu existieren. Gott ist treu und seine Bünde sind ewig. Alles Andere wäre auch die Absprechung der Treue Gottes. Wir müssen diese Ausführungen mit allen anderen Stellen der Hl. Schrift vergleichen, in denen es um das Verhältnis von Altem und Neuem Bund geht. Die Antwort ist ganz eindeutig, vor allem wenn wir in die Johannesoffenbarung sehen und das himmlische Jerusalem nicht nur erbaut ist mit den Namen der zwölf Apostel, sondern auch der zwölf Stämme Israels. Der Alte Bund geht weiter!
Und doch dürfen wir diesen Text ernst nehmen: Wenn Gott selbst für uns Mensch geworden ist, um sich für uns zu opfern und die ganze Welt zu erlösen, dann können wir eigentlich nicht anders, als diese Erlösung anzunehmen. Damit es alle Menschen erkennen und sich davon berühren lassen, müssen wir allen Menschen diesen Neuen Bund anbieten. Das ist, was wir Mission nennen und zu dem die Apostel ja von Christus höchstpersönlich berufen worden sind. Auch jenen, die dem Alten Bund angehören, dürfen wir also etwas von Christus erzählen und diese Erlösung anbieten. Das eine hebelt das andere nicht aus.

Ps 85
8 Lass uns schauen, HERR, deine Huld und schenk uns dein Heil!
10 Fürwahr, sein Heil ist denen nahe, die ihn fürchten, seine Herrlichkeit wohne in unserm Land.

11 Es begegnen einander Huld und Treue; Gerechtigkeit und Friede küssen sich.
12 Treue sprosst aus der Erde hervor; Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder.
13 Ja, der HERR gibt Gutes und unser Land gibt seinen Ertrag.
14 Gerechtigkeit geht vor ihm her und bahnt den Weg seiner Schritte.

Als Antwort beten wir Psalm 85, der für die jüdische Liturgie bestimmt war. Es geht in diesen Versen um die Bitte um Gerechtigkeit.
„Lass uns schauen, HERR, deine Huld und schenk uns dein Heil!“ ist die Bitte um das Heil Gottes. Das Volk Israel bittet besonders in Krisensituationen um das Heil Gottes. Zugleich wird in Vers 10 deutlich, dass Gott jenen das Heil schenkt, die gottesfürchtig sind. Das Schauen der Huld Gottes ist der Wunsch nach Gottes Segen, wir würden sagen nach dem Stand der Gnade, von dem aus wir fruchtbar sein können. Wenn der Wunsch formuliert wird, dass Gottes Herrlichkeit in ihrem Land wohnen soll, ist das Ausdruck für Gottes Gegenwart im Tempel. Er soll immer bei ihnen sein. Das wird ihnen verwehrt, wenn der Tempel durch die Babylonier zerstört werden wird und ein großer Teil der Jerusalemer deportiert werden wird. Dann werden sie sich zurücksehnen zu der Zeit, als sie dem Herrn im Tempel begegnen konnten. Wir dürfen diese Sehnsucht und Bitte nach Gottes Gegenwart auch christologisch weiterdenken: Gott wird Mensch und ist auf viel intensivere Weise unter den Menschen gegenwärtig, als er es durch die Bundestafeln jemals sein konnte. Denn nun sind die Gebote Gottes nicht in Stein gemeißelt, sondern in Fleisch gekommen! Mit der Zeit wird eine messianische Erwartung immer stärker. Der Alte Bund wartet sehnsüchtig auf diesen, der den wahren Frieden bringen kann. Der Wunsch der Volkes Israel zeigt uns bereits: Der Heilsplan Gottes ist bereits ihnen nach und nach offenbart worden. Es ist also nicht einfach ein Umweg aufgrund eines gescheiterten ersten Bundes.
Im Folgenden hören wir von Heilsverheißungen: Huld und Treue begegnen einander. Das Begriffspaar wird üblicherweise auf Gott bezogen. Sie sind seine Eigenschaften. Ebenso kommen „Gerechtigkeit und Friede“ von Gott. Wenn hier bildlich-poetisch gesagt wird, dass sie sich küssen, meint das ihre Verbindung. Ich habe schon öfter erklärt, dass dem umfassenden Heil eine Gerichtsvollstreckung vorausgeht. Beides gehört zusammen. Gericht und Heil sind zwei Seiten einer Medaille. Der Friede des Gottesreiches kommt, nachdem alles Böse vernichtet und gerichtet worden ist. Es hat im Reich Gottes keinen Platz. Gottes Gerechtigkeit ist nicht als etwas Böses und Angsterfüllendes anzusehen, sondern als Erlösung von den Ungerechtigkeiten dieser Welt. Bedrohlich ist es nur für jene, die bis zum Schluss Gott abgelehnt haben. Diese erhalten dann ihre finale Abrechnung.
„Treue sprosst aus der Erde hervor“ ist eine wunderbare poetische Formulierung, die verdeutlicht: Egal, wie sehr nun alles in Trümmern liegt und zerstört ist – Gott ist dennoch treu und hält fest an dem Bund, den er mit seiner Braut geschlossen hat. Die Treue sprosst aus der Erde hervor, denn die Wurzeln sind trotz der Verwüstung intakt geblieben. Auch wenn die Bäume abgehauen worden sind (was ein Gerichtsbild ist, das auch Johannes der Täufer aufgreifen wird), wächst aufgrund der gebliebenen Wurzel ein neuer Baum hervor. Auch diese Aussagen sind messianische weiterzudenken. Der Trieb aus der Wurzel Isai, der neue David wird kommen, Jesus Christus. Er ist wirklich ein König, dessen Reich größer und ganz anders ist als alle Reiche dieser Welt.
„Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder“ ist wie bereits oben beschrieben keine bedrohliche Aussage, sondern ein tröstlicher Satz. Gott ist der Zustand auf Erden nicht egal. Er kümmert sich um seine Schöpfung und greift ein, wo Ungerechtigkeit herrscht. Er blickt vom Himmel herab, der sein „Wohnort“ ist, das heißt trotz seiner Existenz in der Ewigkeit sieht er alles, was im Diesseits geschieht. Das ist eine Aussage gegen deistische Konzepte. Der größte Beweis gegen Deismus ist Gottes Menschwerdung in Jesus Christus. Weil er voller Eifer für sein Volk brennt, weil Gott voller Liebe für seine Braut ist, kommt er auf die Erde, um ganz bei ihr zu sein. Christus ist für seine Braut gestorben und auferstanden, um sie zu erlösen. Er hat wirklich Rettung gebracht und wird am Ende der Zeiten wiederkommen, um Gerechtigkeit zu bringen. Gerade mit seinem zweiten Kommen wird Gerechtigkeit vom Himmel herniederblicken – wenn er als verherrlichter Menschensohn von dort auf die Erde kommen wird.
Was von Gott kommt, ist immer gut. Auch das Gericht ist etwas Gutes, weil ohne es das umfassende Heil nicht kommen kann. Gott gibt Gutes auch schon im Diesseits, indem er zum Beispiel für eine gute Ernte sorgt. Das ist Ausdruck seines Segens für die Menschen.
„Gerechtigkeit geht vor ihm her und bahnt den Weg seiner Schritte.“ Wie mehrfach gesagt kann Gott erst unter den Menschen wohnen im Himmlischen Jerusalem, wenn seine Gerechtigkeit alles Böse vernichtet, die gefallene Schöpfung komplett auf Null gebracht und eine neue Schöpfung hervorgebracht hat. Weil Gott der Gute ist, kann nichts Böses in seiner Gegenwart bestehen.
Für uns bedeutet diese wiederholte Aussage ganz konkret: Der ganze Zustand in unserer Welt muss erst immer schlimmer werden, weil es wie die Geburtswehen ist, die dem Glück des geborenen Kindes vorausgehen. Diese werden auch immer stärker, bis das Kind endlich kommt. Es ist für uns in dieser Welt also sehr schmerzhaft und wird immer schlimmer, aber wir wissen, dass mit zunehmender Drastik das Kommen unseres Herrn immer näher rückt.

Mk 3
13 Jesus stieg auf einen Berg und rief die zu sich, die er selbst wollte, und sie kamen zu ihm. 
14 Und er setzte zwölf ein, damit sie mit ihm seien und damit er sie aussende, zu verkünden 
15 und mit Vollmacht Dämonen auszutreiben.
16 Die Zwölf, die er einsetzte, waren: Petrus – diesen Beinamen gab er dem Simon – , 
17 Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und Johannes, der Bruder des Jakobus – ihnen gab er den Beinamen Boanerges, das heißt Donnersöhne – ,
18 dazu Andreas, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Jakobus, der Sohn des Alphäus, Thaddäus, Simon Kananäus 
19 und Judas Iskariot, der ihn dann ausgeliefert hat.

Heute lesen wir im Evangelium von der Erwählung des Zwölferkreises, dem innersten Kreis um Jesus herum, deren Mitglieder wir Apostel nennen. Diese Männer, die namentlich aufgezählt werden, erhalten Vollmachten von Jesus, hier explizit genannt wird den Exorzismus. Das Markusevangelium betont Jesu Dämonenaustreibungen ganz besonders. Die Apostel bekommen eine große Vollmacht, die den Sieg Gottes über die Mächte des Bösen ganz konkretisiert. Es ist die Zeit gekommen, dass der Satan, der bisherige Fürst dieser Welt, in die Knie gezwungen wird, weil er so viel auf Erden angerichtet hat. Dass Jesus gekommen ist, um die Tür zum Paradies wieder freizugeben, ist dem Satan nämlich ein riesiger Strich durch die Rechnung. Dieser wollte den Menschen das Heil nehmen, das er selbst verloren hat (nach dem Motto „wenn ich es schon nicht haben kann, sollen sie es auch nicht haben“). Die Exorzismen sind ein ganz großes Zeichen dieser Erlösung, bevor sie am Kreuz besiegelt wird.
Am Ende der Aufzählung wird auch Judas Iskariot genannt, der Jesus später verraten wird. Uns wird heute ganz bewusst, dass Gott jedem Menschen eine Chance gibt. Er beruft unterschiedliche Charaktere, auch solche, von denen er genau weiß, dass sie „anfälliger“ sind: Er beruft Judas Iskariot, obwohl er habgierig und illoyal ist. Gott versucht alles, um die positiven Eigenschaften eines Menschen zu fördern, doch diese verspielen oft die Gnade Gottes selbst durch ihre Ablehnung. Judas versucht, Gott unter die Arme zu greifen und bildet sich ein, er wüsste es besser. So beschwert er sich z.B. über die Verschwendung des kostbaren Nardenöls, mit dem Jesus gesalbt wird.
Bei Judas wird der größte Fehler nicht der Verrat sein, sondern die Ablehnung der Barmherzigkeit Gottes. Er wird nicht glauben können, dass Gott ihm vergibt. Dass er Christus ausgeliefert hat, ist eine schwere Sünde, aber wenn er bereut hätte, hätte Gott ihm diese Sünde vergeben. Petrus hat Christus aus verraten, indem er behauptete, ihn nicht zu kennen. Doch er hat sein Leben lang bereut und Gott hat ihm nicht nur vergeben, sondern große Verantwortung verliehen!
Was ist mit uns? Können wir uns selbst vergeben, wenn wir uns vor Gott und den Menschen schwer versündigt haben? Glauben wir daran, dass Gottes „Liebe reicht, so weit der Himmel ist“, wie es in den Psalmen heißt? Dass seine Liebe größer ist als unsere schlimmste Sünde? Es gibt nichts, was Gott uns nicht vergeben möchte, solange wir von Herzen bereuen. Wenn wir seine Barmherzigkeit leugnen, nennen wir das die Sünde gegen den Hl. Geist.

Was uns gerade durch das Evangelium verdeutlicht wird, ist die Etablierung des Neuen Bundes mit der „neuen Schöpfungsordnung“. So wie er bei der Erschaffung der ersten Schöpfung als Schöpfungsmittler gewirkt hat, als Logos das ganze Dasein geordnet hat, so ordnet er auch die zweite Schöpfung, indem er den engsten Jüngerkreis benennt. Die Ordnung in dieser neuen Schöpfung, deren sichtbarer Teil hier auf Erden die Kirche ist, ist also von Christus vorgegeben und wir können nicht daran rütteln. Wenn wir also Anstoß nehmen am Sakrament der Weihe, an den verschiedenen Berufungen von Geweihten und Nichtgeweihten, von Männern und Frauen, dann nehmen wir Anstoß an Christus selbst.
Der Neue Bund überbietet den Alten Bund von seiner heilsgeschichtlichen Bedeutung. Gott selbst bringt sich dar als Opfer für alle Zeiten. Wenn wir alle Menschen lieben, müssen wir diese Erlösung allen Menschen bekannt machen, auch jenen, die bisher dem Alten Bund angehört haben. Danken wir dem Herrn, dass wir ihn kennenlernen durften und durch die Taufe mit ihm in einer Bundesbeziehung leben dürfen!

Ihre Magstrauss