3. Sonntag im Jahreskreis

Jona 3,1-5.10; Ps 25,4-5.6-7.8-9; 1 Kor 7,29-31; Mk 1,14-20

Jona 3
1 Das Wort des HERRN erging zum zweiten Mal an Jona:

2 Mach dich auf den Weg und geh nach Ninive, der großen Stadt, und rufe ihr all das zu, was ich dir sagen werde!
3 Jona machte sich auf den Weg und ging nach Ninive, wie der HERR es ihm befohlen hatte. Ninive war eine große Stadt vor Gott; man brauchte drei Tage, um sie zu durchqueren.
4 Jona begann, in die Stadt hineinzugehen; er ging einen Tag lang und rief: Noch vierzig Tage und Ninive ist zerstört!
5 Und die Leute von Ninive glaubten Gott. Sie riefen ein Fasten aus und alle, Groß und Klein, zogen Bußgewänder an.
10 Und Gott sah ihr Verhalten; er sah, dass sie umkehrten und sich von ihren bösen Taten abwandten. Da reute Gott das Unheil, das er ihnen angedroht hatte, und er tat es nicht.

In der ersten Lesung hören wir heute aus dem Propheten Jona. Der Ausschnitt schließt sich an die berühmte Flucht vor Gott an, bei der Jona den Auftrag Gottes nicht ausführen will und deshalb ein Schiff nach Tarschisch besteigt. Daraufhin kommt es zu einem Sturm, er wird über Bord geworfen und von einem großen Fisch verschluckt, in dem er drei Tage bleibt, bevor er wieder ausgespuckt wird. Gott ist geduldig. Nach diesem Umweg beauftragt er Jona zum zweiten Mal mit seiner Aufgabe: Er soll nach Ninive gehen, um den Menschen den Untergang zu predigen, wenn sie nicht von Herzen umkehren. Ninive ist eine große Stadt, die im heutigen Irak liegt und in den letzten Jahren vom IS immer wieder angegriffen wurde. Viele archäologische Überreste sind zerstört worden. Warum soll Jona aber nach Ninive gehen und Buße predigen? Ninive wird als „die große Stadt“ bezeichnet. Aus verschiedenen biblischen Zeugnissen erfahren wir, dass sie als letzte Hauptstadt des neuassyrischen Reiches galt, paradigmatisch zum Ort der antigöttlichen Königsherrschaft geworden ist. Die Niniviten sollen also zurück zum Glauben an den einen Gott zurückkehren.
Diesmal ist Jona gehorsam und geht in die große Stadt, wo er den ganzen Tag lang Buße predigte. Dabei sagte er, dass Ninive noch vierzig Tage bestehen würde, bevor es zerstört werde. Das Bemerkenswerte ist: Seine ganzen Sorgen waren unbegründet. Die Bewohner nehmen sich seine Worte zu Herzen und kehren um. Sie tragen Bußgewänder als äußeres Zeichen ihrer inneren Haltung, die wirklich aufrichtig ist. Das erkennen wir an ihrem Verhalten, denn sie fasten. Gott sieht das alles und wendet die Zerstörung der Stadt ab. Ihn reute das Unheil, heißt es hier. Das müssen wir als eine sehr menschliche Aussage herausstellen. Gott muss nichts bereuen, denn er ist kein Sünder wie der Mensch. So hat man sein Wirken interpretiert und wir erkennen hier die menschliche Brille, durch die der Mensch Gott betrachtet.
Wir lernen aus dieser Erzählung heute, dass aufrichtige Umkehr wirklich Segen und Heil nach sich zieht. Was der Stadt beinahe widerfahren ist, kann man moralisch und anagogisch auslegen: Wenn der Mensch sich schwer versündigt, ist er nicht mehr im Stand der Gnade. Gottes Segen liegt nicht mehr auf ihm. Erst wenn er umkehrt – vielleicht auch durch den Aufruf zur Umkehr durch einen Mitmenschen wie Jona -, kann es wieder zur Versöhnung mit Gott kommen. Diese Umkehr ist vollendet mit dem Beichtsakrament, in dem der Mensch Gottes Barmherzigkeit auf dichteste Weise erfahren darf. Ihm wird die ursprüngliche Taufgnade zurück geschenkt. So wird der Mensch wieder glücklich und empfängt Frieden im Herzen.
Wenn der Mensch noch rechtzeitig umkehrt, bevor er stirbt und vor Gottes Angesicht tritt, hat er noch die Möglichkeit, diese Versöhnung zu erfahren. Wenn er aber nicht so bußfertig ist wie die Bewohner von Ninive, verstockt ist und an seiner Todsünde festhält, wird er nach dem Tod die endgültige Konsequenz tragen. Unsere jetzige Haltung in diesem irdischen Dasein zeichnet also den Weg des ewigen Lebens oder des ewigen Todes. Wählen wir den richtigen Weg, damit wir auf ewig bei Gott sein können!

Ps 25
4 Zeige mir, HERR, deine Wege, lehre mich deine Pfade!
5 Führe mich in deiner Treue und lehre mich; denn du bist der Gott meines Heils. Auf dich hoffe ich den ganzen Tag.
6 Gedenke deines Erbarmens, HERR, und der Taten deiner Gnade; denn sie bestehen seit Ewigkeit!
7 Gedenke nicht meiner Jugendsünden und meiner Frevel! Nach deiner Huld gedenke meiner, HERR, denn du bist gütig!
8 Der HERR ist gut und redlich, darum weist er Sünder auf den rechten Weg.
9 Die Armen leitet er nach seinem Recht, die Armen lehrt er seinen Weg.

„Zeige mir, HERR, deine Wege“ ist in Krisensituationen die Bitte, in schwierigen Zeiten das richtige Verhalten zu übernehmen und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Gott zeige uns immer das richtige moralische Verhalten auf, indem er uns seinen Willen aufzeigt. Dies tut er durch sein Heiliges Wort und seine Gebote. Dieser Psalm schließt sich somit an die Lesung an.
Dieser Psalm ist zudem messianisch zu lesen, denn wir sehen das an der hebräischen Formulierung אֱלֹהֵ֣י יִשְׁעִ֑י elohe, jisch’i, was mit „Gott meines Heils“ übersetzt wird. Die Wurzel des Wortes „Heil“ ist dieselbe wie der Name Jesu. „Auf dich hoffe ich den ganzen Tag“ ist ein besonders intensiver Ausdruck messianischer Erwartung. Eine solche Sehnsucht sehen wir beim Volk Israel insbesondere in der babylonischen Gefangenschaft. Der „Gott meines Heils“ widerspricht dem Gott im Jonabuch keineswegs. Gott möchte keinen Menschen zerstören. Er möchte, dass alle Menschen gerettet werden und mit ihm in ewiger Gemeinschaft leben. Das ist der Heilsplan, den er für jeden Menschen bereithält und weshalb er ihn geschaffen hat! Er möchte, dass wir aber auch das von uns aus Nötige dafür tun, damit wir auch wirklich bei ihm im Himmelreich sein können.
Auch wir hoffen den ganzen Tag auf den Messias, insbesondere jetzt in dieser Extremsituation der Coronakrise. Je drastischer die Weltsituation ist, desto lauter wird der Schrei nach dem Gott des Heils.
Mit der Erwartung Gottes kommt auch hier die Frage nach dem Zustand der Menschen auf: „Gedenke deines Erbarmens“ und „gedenke nicht meiner Jugendsünden“ zeigen das Verständnis auf, dass wenn Gott kommt, die Menschen vor ihm gut dastehen möchten. Auch hier ist der Wunsch spürbar, dass wenn Gott kommt, barmherzig mit den sündigen Menschen umgehen soll. So sollen auch wir beten und das tut die Kirche auch immer nach dem Vaterunser in der Hl. Messe: „Schau nicht auf unsere Sünden, sondern auf den Glauben deiner Kirche und schenke uns nach deinem Willen Einheit und Frieden.“ Das wird vor dem Kommen Jesu in der Kommunion gebetet, also bevor die Menschen ihn in ihr Herz aufnehmen. So sollen wir auch persönlich beten, auch dann, wenn Gottes Gegenwart ganz weit weg zu sein scheint. Er wird uns aus der Hand des Bösen erretten und uns verschonen, wenn wir aufrichtig vor ihm stehen. So hat es uns die Episode im Jonabuch gezeigt, so zeigt es uns aber auch die Gleichnisse vom verlorenen Sohn sowie vom Zöllner und Pharisäer. Entscheidend ist, dass wir uns vor ihm wirklich als Arme verstehen – in dem Sinne, dass wir nicht perfekt sind und seine Erlösung wirklich benötigen. Wenn wir mit dieser demütigen Haltung vor ihm stehen und immerzu bereit sind, uns zu bessern, dann wird er uns mit der Fülle seiner Barmherzigkeit überschütten.

1 Kor 7
29 Denn ich sage euch, Brüder: Die Zeit ist kurz. Daher soll, wer eine Frau hat, sich in Zukunft so verhalten, als habe er keine,
30 wer weint, als weine er nicht, wer sich freut, als freue er sich nicht, wer kauft, als würde er nicht Eigentümer,
31 wer sich die Welt zunutze macht, als nutze er sie nicht; denn die Gestalt dieser Welt vergeht.

In der heutigen Lesung geht es um den Kontext der Endzeit, die man zur Zeit des Paulus als unmittelbar bevorstehend erwartete. Deshalb fragte man sich, wie man mit dem Thema Familiengründung, Ehe und Beziehungen angesichts des Weltendes umgehen sollte.
Paulus sagt deshalb in dem siebten Kapitel, dass angesichts des Weltendes es gut ist, in dem gegenwärtigen Lebensstand zu verharren, in dem man sich befindet, statt ihn zu ändern. Das heißt, dass die Unverheirateten unverheiratet bleiben sollen und wenn man verheiratet ist, sich nicht vom Partner trennen soll. Am Anfang des Kapitels hat Paulus auch erklärt, dass Ehepaare nicht zu einem zölibatären Leben verpflichtet sind, wie aber bestimmte Gruppen in der Gemeinde behaupteten. Dieser rigorose Umgang mit der Ehe würde früher oder später zur Unzucht führen. Deshalb sollen Paare sich einander auch nicht entziehen. Jesus hat auch nicht geboten, dass die Ehe aufgrund der Endzeit angebrochen sei. Paulus hält es dennoch für ratsam, nicht mehr zu heiraten, wenn am nächsten Tag vielleicht die Ewigkeit hereinbricht. Der Schlüsselsatz hier ist „die Zeit ist kurz“.
Warum aber erfahren Verheiratete Bedrängnis im irdischen Leben? Im weiteren Verlauf argumentiert Paulus damit, dass wer verheiratet ist, sich um die Dinge der Welt sorgen muss. Es ist eben keine geistliche Berufung und so ist man nicht ganz ungebunden für die Ewigkeit. Wer zölibatär lebt, ist in dieser Hinsicht freier. Das wird er auch an dieser Stelle mit „Bedrängnis“ gemeint haben. Er möchte diese aber den Christen ersparen, die nicht mehr viel Zeit haben. Das bedeutet aber nicht, dass es verboten ist, zu heiraten.
Er schlägt deshalb eine Haltung der Vorläufigkeit und des Gerüstetseins vor – es erinnert uns an die Worte des Mose zu den Israeliten in der Nacht vor dem Auszug aus Ägypten: Wer eine Frau hat, soll so tun, als ob er keine habe. Wer weint oder sich freut, soll so tun, als ob er es nicht tue, wer einkauft, als ob er nichts kaufe. Diese Beispiele zählt er auf, um die Korinther aufzurufen zu einem Leben „mit einem Bein in der Ewigkeit“. Sie sollen sich bereit machen für das ewige Leben und somit geistlicher sein. Sie sollen keine großen Anschaffungen machen oder familiäre Beziehungen eingehen, die sie ganz einnehmen. Sie sollen die Traurigkeit des irdischen Lebens nicht an sich heranlassen, ebenso die Freuden der Weltlichkeit nur als vorläufig verstehen. Alles soll der Ewigkeit dienen und was sie davon abhält, sollen sie lieber lassen.
Deshalb fasst er es damit zusammen, dass man sich die Welt zunutze macht, aber nur in bedingtem Maße – denn die Welt ist vergänglich. Ehe ist vergänglich. Besitz und Emotionen sind vergänglich. Gott aber ist ewig. Das soll man zur Priorität machen. Wir haben eine Familie, die das ganz umgesetzt hat, worum es Paulus hier geht: die heilige Familie. Maria und Josef lebten zölibatär aus Berufung. Sie waren verheiratet und taten doch so, als ob sie es nicht wären. Sie hatten wenig Besitz und taten doch so, als ob sie ihn nicht hätten. Maria freute sich und weinte und doch behielt sie alles in ihrem Herzen mit dem Blick auf die Ewigkeit. Sie wusste, dass der Tod ihres Sohnes nicht das Ende war und behielt im Innersten die Gewissheit, dass die Auferstehung das Endziel sei. Sie ließ sich nicht zerreissen von vergänglichen Emotionen, sondern ließ sich erfüllen von der Freude des Hl. Geistes.
Wir dürfen also nicht die Ausführungen des Paulus nehmen und deshalb daraus schließen, dass man entweder heiraten MUSS (ja, das wird aus 1 Kor 7 manchmal geschlossen) oder dass die Ehe etwas Semigutes sei, das man dulden müsse (wie gesagt, hier geht es um die Naherwartung, deshalb die Worte). Und wenn Paulus sagt, dass die Ehelosigkeit besser ist als die Ehe, dann betont er, dass das seine persönliche Meinung ist, kein Gebot von Gott. Und auch dies sagt er aufgrund der Naherwartung – man war wirklich davon überzeugt, dass das Ende der Welt innerhalb dieser Generation kommen würde. Erst mit den Jahren wurde klar, dass es sich noch verzögern würde. Deshalb musste Paulus auch erklären, was mit denen geschieht, die schon vor dem Kommen Jesu Christi gestorben sind.
Für uns sind die Worte des Paulus trotz der nun anders gearteten Situation absolut wichtig: Wir sollen in allem, was wir tun und in welchem Lebensstand auch immer wir uns befinden, mit einem Bein in der Ewigkeit stehen. Wir sollen nie vergessen, dass wir ein pilgerndes Gottesvolk sind, das auf Durchreise ist. Wir leben mit dem Wanderstab in der Hand, gegürtet und bereits an der Schwelle zum Aufbruch. Je nachdem in welchem Lebensstand wir stehen, können wir diese Haltung mehr oder weniger umsetzen. Als verheirateter Mensch ist man nicht so ungeteilt wie als Geistlicher. Deshalb ist es unerlässlich, dass wir für den Zölibat einstehen! Das ist ein großer Segen, denn dadurch haben wir wirklich jene Menschen, die diese eschatologische Lebensweise ganz umsetzen können. Sie sind uns unter anderem Gedächtnisstütze, die uns daran erinnert, dass wir auf die Ewigkeit hin leben. Sie helfen uns, dass wir von den irdischen Sorgen nicht gänzlich vereinnahmt werden und in das Denken kommen, dass wir allein für diese Dinge leben.

Mk 1
14 Nachdem Johannes ausgeliefert worden war, ging Jesus nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes 
15 und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!
16 Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihre Netze auswarfen; sie waren nämlich Fischer. 
17 Da sagte er zu ihnen: Kommt her, mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. 
18 Und sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm nach. 
19 Als er ein Stück weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren im Boot und richteten ihre Netze her. 
20 Sogleich rief er sie und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach.

Im Evangelium hören wir von den Anfängen der Reich-Gottes-Verkündigung Jesu. Er beginnt damit, als Johannes ins Gefängnis geworfen wird. Der Kern seiner Verkündigung von Anfang an besteht aus Umkehr und Glaube, weil das Reich Gottes nahe ist (Vers 15). Ohne beide Elemente können wir nicht Teil des Gottesreiches werden. Es ist zugleich so einfach und doch so schwer in der Umsetzung. Die Umkehr ist so ziemlich das Unattraktivste, das man verkündigen kann. Umkehr ist anstrengend und unbequem. Man muss sein Leben ändern, um die Beziehung zu Gott zu retten.
Warum ist „die Zeit (…) erfüllt“ und „das Reich Gottes (…) nahe“? Es hängt mit der Person Jesu Christi ganz eng zusammen. Er ist nun mitten unter den Menschen, wodurch das Reich Gottes selbst angebrochen ist.
Jesu Existenz führt die Menschen immer zur Entscheidung. So appelliert er an sie: „Kehrt um und glaubt“. Nun liegt es an ihnen, dies zu befolgen und das Reich Gottes zu gewinnen oder ihn abzulehnen und mit ihm das Himmelreich. Er führt noch viel intensiver zur Entscheidung als Jona in der ersten Lesung. Er ist selbst Gott. Wie Simeon im Tempel angekündigt hat, wird Jesus zum Maßstab, an dem sich die Geister scheiden. Dies hat sich bis heute nicht geändert. Tag für Tag müssen wir dem Herrn aufs Neue unser Ja schenken, indem wir umkehren und an ihn glauben. Die tägliche Umkehr heißt, den gestrigen Menschen abzulegen und heute alles daran zu setzen, einen weiteren Schritt zur Heiligkeit zu machen: heute die Sünde zu vermeiden, die ich gestern noch getan habe, und die Liebe zu Gott und zu dem Nächsten besser umzusetzen.
In der Kirche geschieht die Umsetzung dessen, was Jesus hier sagt, durch die Taufe, die das sichtbare Zeichen des inneren Glaubens ist. Im Taufritus widersagt man dem Bösen mit seinen Versuchungen und wird daraufhin nach dem Glaubensbekenntnis gefragt. Durch diese Elemente wird die Umkehr (in Form von Abkehr vom Bösen) sowie der Glaube (an den dreifaltigen Gott) umgesetzt. Das angebrochene Reich Gottes wird sakramental durch die Gemeinschaft der Gläubigen (der Kirche) vorweggenommen. Erfüllen wird es sich am Ende der Zeiten, weil es dann für alle offenbar wird.
Gott braucht uns Menschen theoretisch nicht, um Gott zu sein und Liebe zu sein. Er ist ja in sich schon Gemeinschaft. Er möchte uns aber bei sich haben und hat uns zur Liebe geschaffen. Darüber sprach ich schon in der ersten Lesung. Er hat nur Pläne des Heils für uns, nämlich die ewige Liebesgemeinschaft mit Gott. Die Menschen sind also liebesfähig und können Verantwortung übernehmen. Aus dem Grund möchte Jesus auch die Mithilfe von Menschen bei der Verkündigung seiner Reich-Gottes-Botschaft. Deshalb geht er am See entlang (der hier angedeutete See ist der See Gennesaret). Er sieht Simon (den späteren Petrus) und seinen Bruder Andreas sowie die Zebedäusbrüder Johannes und Jakobus bei ihrer Arbeit als Fischer. Bereits letzte Woche hörten wir deren Berufungsgeschichte, allerdings nach Johannes.
Es ist kein Zufall, dass Jesus ausgerechnet Fischer als Jünger auswählt. Diese sind wie Hirten sehr einfache Berufe, die von Menschen mit geringem Bildungsgrad ausgeübt worden sind. Das schließt jedoch nicht die religiöse Bildung ein, welche in der Regel sorgfältig vonstatten geht. So wie einfache Hirten die ersten Zeugen der Geburt Christi darstellten, so sind es jetzt einfache Fischer, die zur Nachfolge Christi berufen werden. Gottes Pädagogik ist so überragend, dass er auch hier eine ganz bestimmte Berufsgruppe auserwählt hat: In Ezechiel wird der Tempel mit dem lebendigen Wasser verheißen, welches viele Fische und gesundes Meer zur Folge haben wird und die Fischer von „En-Gedi bis En-Eglajim“ viele Fische fangen werden (Ez 47,9-10). Ebenso sollen Simon, Andreas, Johannes und Jakobus sich nun bereit machen, aufgrund des lebendigen Wassers, dem Heiligen Geist, viele „Fische“ zu fangen. Jesus erklärt aber nun, dass er damit Menschen meint. Die auserwählten Jünger sollen von nun an Menschen „fangen“, also gewinnen, die durch das lebendige Wasser in die Fischernetze der Fischer kommen werden.
Womöglich ist den Gerufenen das auch aufgegangen, weil sie sofort alles stehen und liegen lassen (sogar den eigenen Vater Zebedäus), um Jesus nachzufolgen. Es heißt hier im Griechischen εὐθύς euthys, was „sofort“ heißt. Sie zögern nicht. Jesus ruft sie und sagt „kommt und folgt mir nach“. Bis heute beruft er Menschen mit diesen Worten. Er möchte bis heute Menschenfischer für sein Reich haben, denn die „Arbeit“ ist nie abgeschlossen. Das meint zu allererst besondere Einzelpersonen wie Petrus usw. Wir sprechen hier von geistlicher Berufung, in besonderer Weise das übliche Leben zurückzulassen, sogar die biologische Familie zu verlassen, um einer größeren Berufung nachzugehen. Es meint in erster Linie diejenigen, die sich für das Weltpriestertum oder für ein Ordensleben entscheiden.
Darüber hinaus ruft Gott jeden einzelnen Menschen bei seinem Namen. Er ruft nach uns, damit wir zu ihm kommen und ihn zurücklieben, ihn, der uns zuerst geliebt hat. Jeder Mensch, ob er will oder nicht, wird von Gott angezogen und ersehnt ihn in der Tiefe seines Herzens, weil er Abbild Gottes ist. Diese Sehnsucht treibt ihn so lange, bis er das ewige Heil in Christus gefunden hat und sich taufen lässt. Der Geist, das lebendige Wasser, führt die Menschen zu Jesus. Und auch uns ruft der Herr mitten ins Leben hinein, damit wir uns im Hier und Jetzt ändern.

Dieses Rufen – zur geistlichen Berufung und der Ruf zur Umkehr – ist der rote Faden aller heutigen Lesungen. Gott ruft und hört nicht auf zu rufen, bis nicht das Ende der Zeiten gekommen ist. Hören wir seine Stimme, denn auch uns hat der Herr Ohren gegraben, wie es König David im Psalm sagt. Hören wir hin, hören wir auf ihn und beten wir um geistliche Berufungen, damit es immer wieder Gedächtnisstützen der Ewigkeit in unserem Leben gibt – Menschen, die mit einem Bein in der Ewigkeit stehen.

Ihre Magstrauss

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