Samstag der 2. Woche im Jahreskreis

Hebr 9,2-3.11-14; Ps 47,2-3.6-7.8-9; Mk 3,20-21

Hebr 9
2 Es wurde nämlich ein erstes Zelt errichtet, in dem sich der Leuchter, der Tisch und die Schaubrote befanden; dieses wird das Heilige genannt.

3 Hinter dem zweiten Vorhang jedoch war ein Zelt, das Allerheiligstes genannt wird,
11 Christus aber ist gekommen als Hohepriester der künftigen Güter durch das größere und vollkommenere Zelt, das nicht von Menschenhand gemacht, das heißt nicht von dieser Schöpfung ist.
12 Nicht mit dem Blut von Böcken und jungen Stieren, sondern mit seinem eigenen Blut ist er ein für alle Mal in das Heiligtum hineingegangen und so hat er eine ewige Erlösung bewirkt.
13 Denn wenn schon das Blut von Böcken und Stieren und die Asche einer jungen Kuh die Unreinen, die damit besprengt werden, so heiligt, dass sie leiblich rein werden,
14 um wie viel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst als makelloses Opfer kraft des ewigen Geistes Gott dargebracht hat, unser Gewissen von toten Werken reinigen, damit wir dem lebendigen Gott dienen.

In der heutigen Lesung betrachten wir erneut das Verhältnis zwischen Altem und Neuem Bund, was den jeweiligen Kult anbelangt: Auch heute ist als Hauptthese der Grundsatz zu nennen, dass der Neue Bund ein „besserer“ ist, weil er den Alten Bund überbietet. Das wird anhand eines Vergleichs zwischen den Tempeln und der Opferpraxis ausdekliniert:
So wird zunächst beschrieben, wie das „irdische Zelt“ errichtet war, gemeint ist das Offenbarungszelt, bevor ein fester Bau entstand. Die Struktur des Tempels besteht in der Steigerung von Heiligkeit von außen nach innen. Im Innersten, befindet sich das Allerheiligste, „hinter dem zweiten Vorhang“ wie wir es bereits vor einigen Tagen hörten. Der Raum, der von diesem innersten Raum abgetrennt ist, ist das Heilige, wo sich die Menora und der Tisch mit den Schaubroten befindet.
Diese Beschreibung zeigt, dass Menschenhände den Tempel errichtet haben. Zwar ist er nach Gottes Vorgaben gestaltet, aber es ist Menschenwerk. Christus dagegen ist „Hohepriester der künftigen Güter“. Schon allein diese Bezeichnung zeigt uns, dass er in einem anderen Heiligtum seinen Dienst ausübt, denn der Tempel des Alten Bundes ist mittlerweile zerstört. Auch der nächste Satzteil zeigt, dass es sich um ein Heiligtum handelt, das nicht von Menschenhand gemacht ist: „durch das größere und vollkommenere Zelt, das nicht von Menschenhand gemacht, das heißt nicht von dieser Schöpfung ist.“ Wovon ist hier die Rede? Es geht um den himmlischen Tempel und den eigentlichen Gottesdienst, wohingegen der Kult des Alten sowie Neuen Bundes diesen originalen Gottesdienst nur abbildet.
Das Opfer dieser himmlischen Liturgie ist das eigene Leben des wahren Hohepriesters Christus. Er hat nicht das Blut von Opfertieren, sondern sein eigenes Blut vergossen. Dabei ist es ein einmaliges und endgültiges Opfer im Gegensatz zu den regelmäßigen und zu wiederholenden Opfern des Alten Bundes. Christus wird nicht immer wieder ans Kreuz geschlagen, auch in der Hl. Eucharistie nicht, sondern das eine und endgültige Opfer wird jeweils vergegenwärtigt.
Dass das Kreuzesopfer Jesu Christi wirklich ein Opfer ist, das kultische Bedeutung hat, sehen wir an dem Zerreißen des Tempelvorhangs in der Passionserzählung. Von oben bis unten zerreißt genau dieser Vorhang, der das Heilige vom Allerheiligsten abtrennt. Der Neue Bund überbietet den Alten Bund, Christus ist das Allerheiligste geworden, da ohnehin schon zu jener Zeit das alte Allerheiligste aus einem leeren Raum bestand. Der Leib und das Blut Christi sind zum Allerheiligsten geworden, einem „Heiligtum“, das nicht von Menschenhand errichtet ist.
Sodann wird das Blut Jesu Christi in seiner Sühnewirkung und Reinigung mit dem sogenannten Reinigungswasser aus Num 19 verglichen. Wenn schon eine Mischung aus Quellwasser und der Asche einer roten Kuh, die als Sündopfer Gott dargebracht worden ist, die Wirkung haben, einen kultisch unreinen Menschen zu entsündigen, umso wie viel mehr hat das kostbare Blut Jesu Christi diese Wirkung! Christi Blut reinigt das Innere des Menschen von toten Werken, damit wir dem lebendigen Gott dienen. Was ist damit gemeint? Das Blutvergießen Jesu Christi stellt die Besiegelung des Neuen Bundes dar zwischen Gott und allen Menschen. Das ist aber kein Automatismus, sondern wenn wir diesen Bund annehmen, das heißt uns taufen lassen, werden wir besprengt mit diesem kostbaren Blut, das uns reinigt von aller Schuld. Wir werden ganz vor Gott gerechtfertigt. Das kann keine Gesetzestreue. Ich betone: Es geht hier um die Erlösung und Vergebung der Sünden. Diese erhalten wir durch die Erlösung Jesu Christi, nicht dadurch, dass wir die Torah halten. Das ist eine Anspielung auf die jüdische Sichtweise, dass der Mensch vor Gott gerechtfertigt werde durch Buchstabentreue. Kein Mensch kann über 600 Gebote am Tag einhalten. Das heißt, dass kein Mensch von sich aus die Erlösung erreichen kann. Wir können uns nicht selbst erlösen. Deshalb hat Christus diese für uns erwirkt (Was wir aus der Taufgnade machen, ist dann eine ganz andere Geschichte. Selbstverständlich sollen wir als Getaufte nun den Weg der Gebote gehen, zu dem wir ja aufgrund der Gnade befähigt sind! Aber es geht darum, was uns diese Rechtfertigung vor Gott erst schenkt. Und das können wir uns nicht selbst schenken. Selbsterlösung ist eine große Illusion). Die toten Werke sind also alle Versuche, aus eigener Kraft die Erlösung zu erlangen. Diese kann uns nur der Herr schenken, der wahre Hohepriester, der in einem Heiligtum dient, das nicht von Menschenhand errichtet ist.

Ps 47
2 Ihr Völker alle, klatscht in die Hände; jauchzt Gott zu mit lautem Jubel!
3 Denn Furcht gebietend ist der HERR, der Höchste, ein großer König über die ganze Erde.
6 Gott stieg empor unter Jubel, der HERR beim Schall der Hörner.
7 Singt unserm Gott, ja singt ihm! Singt unserm König, singt ihm!
8 Denn König der ganzen Erde ist Gott. Singt ihm ein Weisheitslied!
9 Gott wurde König über die Völker, Gott hat sich auf seinen heiligen Thron gesetzt.

Als Antwort beten wir heute den Psalm, der auch an Christi Himmelfahrt gebetet wird. In diesem wird die königliche Natur Jesu Christi betrachtet, was dem obigen Hohepriesterbild nicht widerspricht. Wir hörten vor einigen Tagen ja von Melchisedek als Vorausbild Jesu Christi und dieser ist König und Hohepriester zugleich.
So beginnt der Psalm mit einem Lobpreisaufruf an eine Gruppe. Das zeichnet den Psalm liturgisch und spricht nicht nur die Israeliten damals an, sondern auch uns. Wir haben ebenfalls allen Grund zur Freude und zum Klatschen in die Hände. Wir sind erlöst durch den wahren Hohepriester. Er hat uns die Freiheit der Kinder Gottes geschenkt! Mit dieser Leichtigkeit dürfen wir durch das Leben gehen!
Gott ist zugleich furchtgebietend. Das ist nicht dasselbe wie angsteinflößend. Es meint, dass sein Wirken in uns nur eine Reaktion von Ehrfurcht hervorrufen kann. Auch seine Erscheinung ist furchteinflößend, auch wenn wir ihn unverhüllt gar nicht sehen können, ohne zu sterben. Seine Manifestationen wie die Wolke oder der Rauch sind schon furchteinflößend, sodass zum Beispiel bei der Verklärung Jesu die drei anwesenden Jünger es mit der Angst zu tun bekommen, als sie von der Wolke Gottes umhüllt werden. Erst recht werden alle Menschen überwältigt werden, wenn Jesus am Jüngsten Tag mit dieser göttlichen Herrlichkeit wiederkehren wird…
„Gott stieg empor unter Jubel, der HERR beim Schall der Hörner.“ Das ist mit Christus gegeben, der in den Himmel aufgestiegen ist, der in das himmlische Heiligtum eingegangen ist. Hörner und Jubel sind vielleicht nicht von den Jüngern betätigt worden, dafür aber können wir uns vorstellen, von welcher Freudenmusik begleitet der Menschensohn in die himmlische Heimat zurückgekehrt ist, aufgenommen in das Herz des Vaters! Hörner und Jubel gehören zu diesem himmlischen Heiligtum.
„Singt unserm Gott, ja singt ihm! Singt unserm König, singt ihm!“ Auch hier wie in Vers 2 erklingt ein Lobpreisaufruf dessen, der der Allherrscher ist.
Psalm 47 beinhaltet Thronbesteigungsmotive, Elemente für die Krönungsfeier eines Herrschers. Mithilfe von Bildern des irdischen Königszeremoniells wird die kommende Herrschaft Gottes ausgedrückt. Es ist also absolut sinnvoll, diesen Psalm an Christi Himmelfahrt zu beten. Christus kommt wie bei einem Triumphzug der römischen Kaiser zurück in die Ewigkeit, als siegreicher Messias, der die Welt erlöst hat. Er wird begrüßt von den himmlischen Heerscharen und besteigt den Thron zur Rechten des Vaters. So können wir gut nachvollziehen, was Stephanus vor seinem Tod schauen durfte (Apg 7,56) und auch was Paulus meint, wenn er im Philipperhymnus betet: „Darum hat ihn Gott über alle anderen erhöht.“ (Phil 2,9).
Von dort wird er am Jüngsten Tag wiederkommen zu richten die Lebenden und die Toten, wie wir im Glaubensbekenntnis beten. Gott ist schon der „König der ganzen Erde“, doch seine Herrschaft wird erst am Ende der Zeiten offenbar werden. Das Reich Gottes wird sich dann endgültig durchsetzen.
„Gott wurde König über die Völker, Gott hat sich auf seinen heiligen Thron gesetzt.“ Ja, Christus ist nicht nur Mensch, sondern auch wahrer Gott. Er ist gegangen, um sich auf seinen Thron zu setzen. Was mit Jesus passiert, als er in den Himmel eingeht, durften drei seiner Apostel schon auf dem Tabor schauen – die Verklärung. Jesus streift den Schleier der verborgenen Gottheit ab und seine Herrlichkeit erstrahlt. So wird er zurückkommen und alle werden es sehen. Sein Aufstieg muss vor dem Hintergrund der heutigen Lesung auch kultisch betrachtet werden. So wie es vom Hohepriester heißt, dass er durch den Vorhang hindurch das Allerheiligste betritt, um für das Volk Versöhnung zu schaffen am Versöhnungstag, so geht Christus ein in das Allerheiligste des Himmelreiches, durch den Vorhang hindurch, der das Diesseits von der Ewigkeit trennt. Er geht ein, um für uns einzustehen beim Vater.
Nicht umsonst schaut Johannes in der Offenbarung das Himmelreich mal als königlichen Thronsaal, mal als Tempel. Beides gehört in Gottes Gegenwart zusammen.

Mk 3
20 Jesus ging in ein Haus und wieder kamen so viele Menschen zusammen, dass sie nicht einmal mehr essen konnten.

21 Als seine Angehörigen davon hörten, machten sie sich auf den Weg, um ihn mit Gewalt zurückzuholen; denn sie sagten: Er ist von Sinnen.

Im heutigen sehr kurzen Evangelium geht es darum, dass Jesus sehr viel zu tun hat und große Menschenmassen sich um ihn sammeln. Es ist so voll, „dass sie nicht einmal mehr essen konnten.“ Das zeigt uns, wie sehr die Menschen ihre ganze Hoffnung auf Christus setzen. Sie kommen von überall her, weil sie Heilung von ihm ersehnen. Sie hören von seinen vielen Wundern und viele von ihnen begreifen, dass sich mit Christus die messianischen Verheißungen erfüllen. Sie kommen, weil sie ihn sehen wollen.
Mitten in diese Szene hinein kommen Jesu Angehörige. Sie wollen ihn mit Gewalt zurückholen. Das heißt, sie wollen ihn zurück nach Hause bringen, nach Nazaret, wo die ganze Verwandtschaft lebt. Sie halten ihn wohl auch für verrückt, denn es heißt hier: „Er ist von Sinnen.“ Von so weit her „pilgern“ fremde Menschen gleichsam zu Christus, den sie als Messias erkannt haben, doch die eigenen Verwandten erkennen in ihm nur einen „Bruder“, der den Schuss nicht gehört hat. Sie wollen ihm beibringen: „Schuster, bleib bei deinen Leisten.“ Was bildet sich dieser Zimmermann ein, hier den Rabbi zu spielen? Sie sehen nur den Menschen Jesus und erkennen seine Gottheit nicht.
Einige Kirchenväter sagen, dass die Verwandten so reagieren, weil die ganze übernatürliche Vorgeschichte – die besondere Schwangerschaft Mariens, die übernatürliche Geburt etc. – bewusst vor den Verwandten verschwiegen wurde. Erst später, als sie davon erfahren, kommen sie zum Glauben an Christus.
Entscheidend ist: Sie erkennen seine messianische Identität nicht, weshalb sie meinen, er sei verwirrt oder habe den Verstand verloren (das griechische Wort ist an dieser Stelle ἐξίστημι existemi). Christus aber weiß genau, was er tut. Er ist weder verwirrt noch irre. Er ist der Sohn Gottes und nun ist seine Zeit gekommen, nachdem er viele Jahre im Verborgenen gelebt hat. Er tritt seinen Dienst als Hohepriester an, auch wenn er das Opfer selbst erst am Ende seines Lebens darbringen wird.

Ihre Magstrauss

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