Siebter Tag der Weihnachtsoktav

1 Joh 2,18-21; Ps 96,1-2.11-13; Joh 1,1-18

1 Joh 2
18 Meine Kinder, die letzte Stunde ist da. Ihr habt gehört, dass der Antichrist kommt, und jetzt sind viele Antichriste aufgetreten. Daran erkennen wir, dass die letzte Stunde da ist. 

19 Sie sind aus unserer Mitte gekommen, aber sie haben nicht zu uns gehört; denn wenn sie zu uns gehörten, wären sie bei uns geblieben. Es sollte aber offenbar werden, dass sie alle nicht zu uns gehören. 
20 Ihr habt die Salbung von dem, der heilig ist, und ihr alle wisst es. 
21 Ich schreibe euch nicht, weil ihr die Wahrheit nicht kennt, sondern weil ihr sie kennt und weil keine Lüge von der Wahrheit stammt.

In der heutigen Lesung hören wir die Fortsetzung der gestrigen. Die „letzte Stunde“ macht uns deutlich, dass wir in der Endzeit leben. Diese hat mit der Menschwerdung Gottes begonnen und die ganze Zeitspanne, in der es die Kirche gibt, gehört zur Endzeit. Bald kommt das Ende der Welt, auch wenn wir nicht genau wissen, wann. Ein „Symptom“ dieser Phase ist das Aufbäumen des Antichristen. Ja, es sind viele Personen in unserer heutigen Zeit aufgetreten, die man als Antichristen bezeichnen kann. Sie sind gegen Christus. Sie bringen seine geliebten Kinder um, sie töten generell viele Menschen und rotten die ganze gute Schöpfung aus. Sie sorgen dafür, dass die Ordnung der Naturgesetze übergangen und pervertiert werden. Sie spielen Gott, in dem sie Menschen schaffen wollen, ein Paradies auf Erden schaffen und entscheiden wollen, wer lebenswert ist und wer nicht. Ein weiteres Kennzeichen dieser Antichristen ist die Verwirrung von Identität und Geschichte und die Lügerei.
Wenn Johannes sagt, dass sie „aus unserer Mitte kommen“, spricht er etwas sehr Tiefgründiges aus. Einerseits meint das historisch-wörtlich, dass die Häretiker zunächst Teil der Großkirche waren. Er spricht hier vor allem gnostische Sektierer an, die zuvor Christen waren und sich dann abgespaltet haben. Deshalb sagt er, dass sie nicht „zu uns“ gehört hätten. Wären sie mit Überzeugung Christen geworden, hätten sie sich nicht gegen Christus entschieden. In Jesu Gegenwart scheiden sich aber die Geister und deshalb sollte sich auch ihre Irrlehre offenbaren. Als die Eltern Jesu mit dem Kind im Tempel waren und der greise Simeon den Messias endlich schauen durfte, kündigte er ihnen dies an, indem er sagte: „So sollen die Gedanken vieler Herzen offenbar werden.“
Die Salbung, von der Johannes spricht, meint die Firmung. Diese war zunächst mit der Taufe kombiniert. Johannes will damit sagen, dass die Getauften den Hl. Geist empfangen haben und dies ganz bewusst („und ihr alle wisst es“).
Die Getauften kennen die Wahrheit, also Jesus und seine Lehre. Sie haben im Vorfeld der Taufe alles erklärt bekommen im Katechumenat. Weil sie in der Wahrheit leben und den Hl. Geist empfangen haben, können sie Wahrheit und Lüge voneinander unterscheiden. Die Lüge kommt nicht von Gott, sondern vom Widersacher.

Ps 96
1 Singt dem HERRN ein neues Lied, singt dem HERRN, alle Lande, 
2 singt dem HERRN, preist seinen Namen! Verkündet sein Heil von Tag zu Tag!
3 Erzählt bei den Nationen von seiner Herrlichkeit, bei allen Völkern von seinen Wundern!  
11 Der Himmel freue sich, die Erde frohlocke, es brause das Meer und seine Fülle. 
12 Es jauchze die Flur und was auf ihr wächst. Jubeln sollen alle Bäume des Waldes 
13 vor dem HERRN, denn er kommt, denn er kommt, um die Erde zu richten. Er richtet den Erdkreis in Gerechtigkeit und die Völker nach seiner Treue.

Der heutige Psalm ist „ein neues Lied“, was heute wieder einen messianischen Psalm kennzeichnet. Es handelt sich um einen Lobespsalm, der das Heil Gottes thematisiert. Es handelt sich um den Psalm aus der Christmette. Es wird also noch einmal weihnachtlich heute. Die Heilstaten Gottes sollen verkündet und verbreitet werden, damit auch andere zum Glauben an ihn kommen. Die Aufforderung in Vers 3 erinnert an Jesu Missionsauftrag von Mt 28. Gott soll verkündet werden in der ganzen Welt („die Nationen“ meint immer die Heiden im AT und NT). Das größte Wunder, das Gott getan hat, ist seine eigene Menschwerdung in einer Jungfrau und seine Auferstehung von den Toten. Es ist so groß, weil dadurch Gott das universale Heil für die ganze Welt ermöglicht hat. Die ganze Schöpfung hat deshalb Grund zum Lobpreis, denn auch sie litt unter der Erbsünde der Menschen. 
Schon mit dem ersten Kommen hat Gott Gericht gebracht. Jesus hat sehr oft Gerichtsreden gehalten und bestimmten Personen Gerichtsworte gewidmet. Ganz prominent sind seine Weherufe im Anschluss an die Seligpreisungen und jene gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten. An Jesus haben sich schon von Anfang an die Geister geschieden und viele haben sich schon zu seinen Lebzeiten gegen ihn entschieden. Sie haben sich selbst gerichtet in seinem Angesicht. Hier haben wir eine deutliche Verbindung zur Lesung, die ebenfalls diese simeonische Ankündigung aufgreift: An Jesus scheiden sich die Geister – die einen werden durch ihn zu Fall kommen, die anderen aufgerichtet werden.
Gericht ist nie als Drohung zu verstehen. Gericht ist immer Erlösung und Barmherzigkeit für jene, die Gott lieben und seine Gebote halten. Gericht ist Erlösung von der Ungerechtigkeit jener, die die Gerechten unterdrücken und die Unschuldigen leiden lassen.

Joh 1
1 Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.
2 Dieses war im Anfang bei Gott. 
3 Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist. 
4 In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. 
5 Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.
6 Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt; sein Name war Johannes. 
7 Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. 
8 Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. 
9 Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. 
10 Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. 
11 Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. 
12 Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, 
13 die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
14 Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. 
15 Johannes legt Zeugnis für ihn ab und ruft: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. 
16 Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. 
17 Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. 
18 Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.

Heute hören wir als Evangelium den einleitenden hymnenartigen Gesang des Johannesevangeliums.
Dabei hören wir von der „Vorgeschichte“ des menschgewordenen Gottes, nämlich seine Präexistenz bei Gott.
Nicht umsonst beginnt das Evangelium auf dieselbe Weise wie der Schöpfungsbericht in Genesis. Jesus, das ewige Wort des Vaters, war „im Anfang“, das heißt in Gott, der der Anfang ist.
Es wird auch gesagt, dass Jesus als Schöpfungsmittler an der Schöpfung mitgewirkt hat („alles ist durch das Wort geworden“).
Wenn über das Wort ausgesagt wird, dass in ihm Leben ist, dann bestätigt sich, dass Jesus Gott ist. Dieser ist nämlich ein Gott des Lebens. Als dieser ist er den Menschen Licht, nämlich Hoffnung.
Auf dieses Hoffnung spendende Licht bezieht sich auch Jesaja, wenn er prophezeit: „Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein helles Licht.“ Gottes wunderbare Vorsehung hat Jesus zu einer ganz bestimmten Zeit Mensch werden lassen, in der die Menschen in besonders großer Dunkelheit waren. Er schien ihnen sein Leben hindurch, doch die Menschen nahmen es nicht an. Jesus ist gekreuzigt worden. Sein Leiden wird an diesem heutigen ersten Weihnachtstag schon mitgesagt. Das ist der Grund, weshalb er Mensch geworden ist. Und doch konnte die Finsternis das Licht nicht auslöschen. Jesus ist von den Toten auferstanden und hat somit den Tod überwunden! Auch Ostern wird heute schon mitgesagt.
Wir, die wir Jesu Erlösung angenommen haben und getauft worden sind, sind zu Kindern Gottes geworden, zu Erben in seinem Reich. Diese Taufe ist eine Geburt aus dem Geist, nicht aus dem Fleisch, wie Johannes es hier formuliert.
Und das Wort ist Fleisch geworden – das ist heute. Es hat unter uns gewohnt – 33 Jahre lang in Gestalt des Menschen und bis heute in Gestalt der eucharistischen Gaben. Wir haben seine Herrlichkeit gesehen, insbesondere die drei Apostel, die mit ihm auf dem Berg Tabor waren. Seine Herrlichkeit ist auch all denen offenbart worden, die Zeugen seiner Auferstehung geworden sind. Wir alle sehen seine Herrlichkeit in jeder Hl. Messe, in jeder guten Tat und am Ende der Zeiten die Fülle des verherrlichten Menschensohnes.
Johannes der Täufer ist der größte Zeuge seiner Herrlichkeit geworden, sogar noch vor seiner Geburt im Mutterleib Elisabets. Johannes der Evangelist schreibt hier, dass auch wenn Johannes der Täufer irdisch gesehen vor Jesus „war“, also geboren wurde, ist Jesus ihm Voraus. Dieser hat nämlich keinen Anfang, sondern war im Anfang, der Gott ist. Jesus wird seine Präexistenz immer wieder aussagen. Z.B. sagt er einmal: „Ehe Abraham war, bin ich“ (Joh 8,58). Jesus IST, gestern, heute und in Ewigkeit.
Jesus bringt uns Gnade über Gnade. Alles haben wir dem Herrn zu verdanken. Er steht auch höher als Mose, der zwar das Gesetz gebracht hat, Jesus aber dieses mit Leben gefüllt hat, mit Gnade und Wahrheit, die er selbst ist.
Jesus ist aus dem Himmel zu uns gekommen. Deshalb ist er auch der einzige Mensch, der Gott je gesehen hat. Gott ist Geist und wir alle werden ihn erst sehen, wie er ist, wenn wir sterben. Der Kern der ganzen Verkündigung Jesu ist, uns den Vater zu zeigen. Dafür wird er heute Mensch. Gott liebt uns so sehr und will uns sein „Herz“ zeigen, seinen „Augapfel“, sein ein und alles, seinen Sohn.
Gott sandte seinen eigenen Sohn und unsereins hat ihn nicht überall angenommen. Im Gegenteil. Er ist gekreuzigt worden, obwohl er wirklich unschuldig war.

Auch wir sind gefragt, uns zu entscheiden: Wollen wir ihn annehmen oder ablehnen? Wir sind getauft, wir kennen im besten Fall die Grundlagen unseres Glaubens. Nutzen wir eigentlich das Potenzial unserer Firmung? Auch wir müssen tagtäglich um die Gabe der Unterscheidung der Geister beten, dass wir erkennen, was vom Hl. Geist ist und was Irrlehre ist. In heutiger Zeit ist die Verwirrung und Lüge so schlimm wie noch nie. Tendenz steigend. Und doch hoffen wir. Je schlimmer es wird, desto näher kommen wir dem Reiche Gottes.

Ich wünsche Ihnen zum Ende des Kalenderjahres alles Gute, Gottes reichen Segen und für das neue Jahr seinen überreichen Segen und Schutz. Möge die Jungfrau Maria auch im nächsten Jahr zusammen mit allen Engeln und Heiligen für Sie einstehen!

Ihre Magstrauss

Sechster Tag der Weihnachtsoktav

1 Joh 2,12-17; Ps 96,7-10; Lk 2,36-40

1 Joh 2
12 Ich schreibe euch, ihr Kinder: Euch sind die Sünden vergeben um seines Namens willen. 

13 Ich schreibe euch, ihr Väter: Ihr habt den erkannt, der von Anfang an ist. Ich schreibe euch, ihr jungen Männer: Ihr habt den Bösen besiegt. 
14 Ich habe euch geschrieben, ihr Kinder: Ihr habt den Vater erkannt. Ich habe euch geschrieben, ihr Väter: Ihr habt den erkannt, der von Anfang an ist. Ich habe euch geschrieben, ihr jungen Männer: Ihr seid stark und das Wort Gottes bleibt in euch und ihr habt den Bösen besiegt. 
15 Liebt nicht die Welt und was in der Welt ist! Wer die Welt liebt, in dem ist die Liebe des Vaters nicht. 
16 Denn alles, was in der Welt ist, die Begierde des Fleisches, die Begierde der Augen und das Prahlen mit dem Besitz, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. 
17 Die Welt vergeht und ihre Begierde; wer den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit.

Der heutige Abschnitt aus dem ersten Johannesbrief beschreibt das neue Leben, das den Getauften geschenkt ist – jung und alt. Uns, die wir Kinder Gottes geworden sind („ihr Kinder“), sind die Sünden vergeben. Das ist uns durch die Taufe auf den Namen Jesu geschenkt worden. Es ist auch interessant, dass im Laufe der heutigen Lesung verschiedene Altersgruppen oder Generationen angesprochen werden. Wenn hier die „Kinder“ nicht nur auf die Taufe bezogen die Wiedergeborenen im Heiligen Geist meint, sondern wörtlich verstanden werden muss, dann haben wir sogar einen Hinweis darauf, dass schon damals Kinder getauft worden sind, nicht nur Erwachsene (Diesen Hinweis haben wir ohnehin, wenn es heißt, dass Menschen mit ihrem ganzen Haus getauft werden, also auch mit den Kindern).
Die Väter haben Gott erkannt und sich deshalb zu ihm bekannt. Und die jungen Männer haben den Bösen besiegt, nämlich durch die Taufe. Der Unheilsplan des Bösen ist durch die Erlösung Jesu Christi zunichte gemacht worden. Jeder Mensch, der sich taufen lässt, wird von dem Fluch der Erbsünde befreit. Er hat die Chance und die Berufung, in das Himmelreich zu gelangen.
Erneut an die Kinder gerichtet schreibt Johannes: Ihr habt den Vater erkannt. Das bezieht sich weniger auf ihren irdischen Vater, denn den kannten sie ja von Anfang an. „Erkennen“ ist in der Bibel entweder auf den Geschlechtsverkehr zu beziehen oder auf das Erkennen Gottes und die darauf folgende Bekehrung. Hier muss es sich also auf den himmlischen Vater beziehen, den die Kinder erkannt haben und sich deshalb haben taufen lassen. Auf denselben Vater bezieht sich Johannes auch bei den Worten an die Väter: Ihr habt den erkannt, der von Anfang an ist. Die Taufe macht stark, v.a. im Kampf gegen den Bösen, den die jungen Männer schon besiegt haben. Das Wort Gottes bleibt in ihnen, das heißt, Jesus bleibt in ihnen. Durch die Taufe ist Jesus auf besondere Weise in unseren Herzen. Er wohnt in unserer Seele und nimmt so viel Raum ein, wie wir ihm zugestehen.
Ab Vers 15 thematisiert Johannes jetzt die Konsequenz dieser Taufe: Das Leben in der Welt kann nicht mehr dasselbe sein wie vor der Taufe.
„Liebt nicht die Welt und was in der Welt ist.“ Das heißt natürlich nicht, dass wir gleichgültig oder sogar hasserfüllt gegenüber allem sein sollen, was in der Welt ist, oder alles verteufeln sollen. Das wäre gnostisch und die Gnostiker waren der Erzfeind des Johannes, wie man in den johanneischen Schriften ganz deutlich lesen kann. Es geht darum, dass wir den weltlichen Dingen keine so große Priorität geben sollen wie dem ewigen Leben, in das wir durch die Taufe ja hineingeboren sind. „Lieben“ meint in diesem Kontext also das, was wir auf unserer Prioritätenliste ganz oben haben. Lieben heißt, „im Herzen tragen“. Das Wort Gottes wohnt ja jetzt in uns und wir sollen ihm den ganzen Raum geben. Wie soll es diesen aber haben, wenn wir unser Herz mit weltlichen Dingen füllen, die doch vergänglich sind? Wo diese Dinge den Raum füllen, ist kein Platz mehr für Gottes Liebe. Deshalb sagt Johannes auch „in dem ist die Liebe des Vaters nicht“. Es bleibt einfach kein Platz mehr übrig.
Die Wendung in Vers 16 „in der Welt“ umfasst, was weltlich ist. Es meint nicht nur, was dem ewigen Leben nicht nur nicht dient, sondern es sogar verhindert. Es handelt sich nicht um die „weltlichen“ Dinge im positiven Sinn, also was Gott geschaffen hat, sondern die Dinge im negativen Sinn: was sich durch die Erbsünde in die Welt eingeschlichen hat. Das ist ein wichtiger Unterschied. Wo wir diesen ignorieren, werden wir weltfeindlich, was aber nicht der christlichen Lehre entspricht. Hier meint „Welt“ diese negativen Dinge und das erkennen wir auch an dem Wort „Begierde“. Diese ist mit dem Sündenfall des ersten Menschenpaares in die Welt gekommen. Die Begierden, die hier aufgezählt werden, sind eben nicht Teil der guten Schöpfung, die vom Vater kommt (Begierde der Augen, des Fleisches, Prahlerei mit Besitz). Es kommt nicht vom Vater, sondern von der „Welt“, genauer von der gefallenen Welt, die vom Bösen infiltriert ist. Diese wird aber vergehen. Am Ende wird Gott alles zusammenbrechen lassen, nur um einen neuen Himmel und eine neue Erde zu schaffen – eine unvergängliche Welt, in der nichts Böses mehr Platz haben wird. Und wenn wir den Willen des Vaters tun – eben auch bezogen auf unser Verhalten in dieser Welt, die nicht mehr die gute Schöpfung des Vaters ist (nur noch teilweise), dann werden wir auch eingehen in die neue Schöpfung, in die wir schon hineingeboren sind durch die Taufe. Es reicht also nicht nur, getauft zu sein. Wir müssen uns auch dementsprechend verhalten! Das spricht Johannes nicht nur zu den damaligen Christen, sondern auch zu uns. Auch wir können nicht leben wie die anderen Menschen. Wir sind in dieser Welt, aber wir sind getauft für die Ewigkeit. Auf diese hin sollen wir leben.
Dabei sind wir zur Freiheit berufen – zu der wahren Freiheit, nicht zur Anarchie. Begierde, die die Welt bietet, macht immer unfrei. Man ist gedrängt und wird immer wieder getrieben. Es ist nie genug. Wir werden Sklaven unserer Selbst. Wenn wir aber diese Begierden nicht haben, dann sind wir frei für Gott. Unser Leben erreicht dann schon hier auf Erden eine Weite, die sich in der Ewigkeit vollenden wird.

Ps 96
7 Bringt dar dem HERRN, ihr Stämme der Völker, bringt dar dem HERRN Ehre und Macht,
8 bringt dar dem HERRN die Ehre seines Namens! Bringt Gaben und tretet ein in die Höfe seines Heiligtums! 
9 Werft euch nieder vor dem HERRN in heiligem Schmuck! Erbebt vor ihm, alle Lande! 
10 Verkündet bei den Nationen: Der HERR ist König! Fest ist der Erdkreis gegründet, er wird nicht wanken. Er richtet die Völker so, wie es recht ist. 

Heute loben und preisen wir den HERRN nochmal ganz besonders. Es erinnert uns daran, dass wir noch mitten in der Weihnachtsoktav sind. Der HERR ist König und nur er. Es klingt, als wäre der heutige Psalm ein Appell an die Weisen aus dem Morgenland: „Bringt Gaben und tretet ein in die Höfe seines Heiligtums!“ Klar ist damit zunächst ein Aufruf an alle Juden zum Lobpreis Gottes im Tempel von Jerusalem gemeint. Es geht um Darbringung und Opfer. Die Höfe des Heiligtums deuten die Architektur des Tempelgeländes an, das von außen nach innen mehrere Schichten besitzt, die nach innen immer heiliger werden. Den innersten Kern, das Allerheiligste, darf nur einmal im Jahr, nämlich an Jom Kippur (dem Versöhnungstag) der Hohepriester betreten.
Wir denken aber auch weiter und sehen die Höhle von Bethlehem, in der das Allerheiligste nun in einer Krippe liegt. Das Wort Gottes, die Steintafeln vom Sinai, die Mose übergeben worden sind, sind nun nicht mehr Stein, sondern eine Person! Und es kommt noch viel heftiger. Dieser heilige Ort ist jüdisch gesehen gar nicht so kultisch rein. Voller Viehmist und natürlich auch als Ort einer Geburt ist er eigentlich unzugänglich. Dann sind da noch die Hirten, gesellschaftlich Randständige, die in das Heiligtum eingehen, ganz und gar ohne „heiligen Schmuck“. Dieses Heiligtum ist nicht nur für Auserwählte, sondern für jeden offen! Das ist jüdisch gesehen etwas Unerhörtes und Skandalöses, aber das ist die Wahrheit!
Eine Gruppe von Menschen kommt tatsächlich in voller Montur, dass man sie in der Tradition sogar als königlich bezeichnet hat – die Magoi aus dem Osten! Sie kommen und treten ein in das Heiligtum Gottes, der Grotte von Bethlehem. Sie sind voller Prunk gekleidet und bringen dem Kind Gaben: Weihrauch, Myrrhe und Gold.
Es ist dennoch nicht ganz analog, denn „alle Lande“ bezieht sich nicht auf die Länder um Israel herum. Es meint eigentlich wörtlich „das ganze Land“ im Sinne des Hl. Landes (כָּל־הָאָֽרֶץ kol ha’arez). Der nächste Vers lässt dennoch erahnen, dass die Botschaft dieses Königs der Könige über die Juden hinausgeht: „Verkündet bei den Nationen“ ist nämlich auf die nichtjüdischen Völker bezogen ( אִמְר֤וּ בַגֹּויִ֨ם imru hagojim, gojim meint immer die nichtjüdischen Völker). Die Juden haben das tatsächlich gemacht. Als sie in babylonischer Gefangenschaft waren, haben die Babylonier deren Messiaserwartung übernommen und Jahrhunderte später aufgrund des aufgehenden Sterns erkannt, dass dieser Messias nun geboren ist. Deshalb haben sich ihre Priester/Sterndeuter auf den Weg gemacht und huldigen dem Messias nun tatsächlich in der Grotte von Bethlehem!
Dieser König ist nicht nur Weltenherrscher, sondern auch Weltenrichter.

Lk 2
36 Damals lebte auch Hanna, eine Prophetin, eine Tochter Penuëls, aus dem Stamm Ascher. Sie war schon hochbetagt. Als junges Mädchen hatte sie geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt; 
37 nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten. 
38 Zu derselben Stunde trat sie hinzu, pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten. 
39 Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück.
40 Das Kind wuchs heran und wurde stark, erfüllt mit Weisheit und Gottes Gnade ruhte auf ihm.

Heute hören wir von einem wichtigen jüdischen Brauch, eigentlich von zwei Bräuchen: Der Opferung des Kindes im Tempel und der kultischen Reinigung der Mutter. Den Hinweis auf beides erhalten wir schon in Vers 22, den wir heute nicht hören. Eine Frau, die einen Sohn geboren hat, ist die ersten vierzig Tage nach der Geburt kultisch unrein und muss sich nach Ablauf dieser Zeit einem Reinigungsritual im Tempel unterziehen. Wir lesen die genauen Vorschriften bei Levitikus (Lev 12). Gleichzeitig sieht das Judentum ein weiteres Ritual vor, das die Opferung der Erstgeborenen betrifft und Pidjon haBen heißt: Als Zeichen der Dankbarkeit für den Auszug aus Ägypten werden das erstgeborene Vieh Jahwe dargebracht und die erstgeborenen Söhne ausgelöst. Das bedeutet, dass anstelle von ihnen entweder ein Lamm oder zwei (Turtel)Tauben geopfert werden (Ex 13,14-15; Num 18,15). Kinderopfer sind im Judentum nämlich verboten und ja auch gar nicht erwünscht. Jesus wird also im Tempel ausgelöst und so sagen seine Eltern deutlich aus: Dieses Kind gehört Gott. Und im Falle Jesu trifft es nicht nur im übertragenen Sinne zu, sondern ist wortwörtlich zu verstehen. Jesus gehört seinem Vater im Himmel!
Das ist die Vorgeschichte des heutigen Evangeliums. Die heilige Familie ist also im Tempel und heute hören wir von Hanna, der Prophetin, die dem Tempel dient. Sie kommt aus dem Stamm Ascher und ist schon alt. Ganze vierundachtzig Jahre ist sie Witwe und hat sich ganz dem Tempel hingegeben. Ihr Dienst ist eremitisch bzw. kontemplativ. Sie betet und fastet, womit sie der Menschheit einen besonders großen Dienst erweist. Ihre Rolle sowie die des greisen Simeon ist nicht zu unterschätzen. Da beide in hohem Alter noch so wichtige Aufgaben übernehmen, sind sie beide ein gutes Vorbild für alle Großeltern bis heute. Nicht umsonst hören wir von Hanna einen Tag nach dem Fest der Hl. Familie und zwei Tage nach dem Fest der unschuldigen Kinder. Bis heute haben die Großeltern dann, wenn sie alt und schwach geworden sind, noch eine Berufung. Nur weil sie nicht mehr so rüstig sind wie in ihren frischesten Jahren, heißt das nicht, dass sie nicht mehr am Reich Gottes mitwirken. Die Aufgaben ändern sich, sind aber nicht weniger wichtig wie die der jungen und aktiven Menschen. Die Lebenserfahrung des Simeon und der Hanna, ihr Wirken im Verborgenen und ihre Weisheit, die das Geschehen im Lichte des göttlichen Heilsplans deutet, sind Vorbild für heutige Großeltern. Auch sie können jetzt, wo ihr beruflicher Stress abfällt, mehr beten und im Verborgenen Gottes Reich mit aufbauen. Sie können den jungen Menschen mit ihrer Lebenserfahrung helfen und in ihren Familien prophetisch wirken. Das heißt, sie können das Geschehen in und um ihre Familien herum im Lichte des Willens Gottes deuten und auch warnen, wo sich die Familie von Gott entfernt.
Hanna tut dies, indem sie zu allen über das Kind spricht. Ihr Reden ist kein Tratschen, sondern prophetische Deutung! Sie erklärt allen, die den Messias erwartet haben, dass er nun da ist! Sie verkündet das Evangelium. Das ist so eine große Aufgabe, zu der jeder und jede berufen ist, egal welchen Alters!
Nachdem Jesu Eltern ihre Pflicht als fromme Juden erledigt haben, kehren sie nach Nazaret zurück, wo sie leben. Lukas erwähnt die Flucht nach Ägypten nicht, weil er die Prioritäten anders setzt als Matthäus.
Er sagt auch kaum etwas über die Kindheit Jesu, nur dass Jesus heranwächst und stark wird. Diese Stärke ist nicht nur physisch zu verstehen, sondern vor allem geistig/seelisch. Er ist erfüllt mit Weisheit und Gnade Gottes. Wie sich diese zeigt, erfahren wir in einer Episode, die heute nicht mehr verlesen wird: der Debatte Jesu im Tempel mit den Schriftgelehrten.

Was wir von der hl. Familie heute lesen, ist sehr schlicht. Sie tut, was sie zu tun hat aus jüdischer Sicht. Maria und Josef sprechen nicht ein einziges Wort, dafür kommen andere zu Wort wie Hanna, die die heilsgeschichtliche Bedeutung dieses Kindes den Juden erklärt. Sowohl Simeon als auch Hanna, die biologisch gesehen unfruchtbar sind, werden durch ihre „Evangelisierung“ fruchtbarer denn je. Insbesondere Hanna, die ihren Mann in jungen Jahren verloren hat und deshalb keine eigenen Kinder bekam, hat durch ihre Verkündigung so viele Menschen zu Jesus gebracht. Wer weiß, wie viele dieser Juden, die ihre Worte gehört haben, sich nachher haben taufen lassen! Dann hat sie wirklich dafür gesorgt, dass diese Menschen zum ewigen Leben neugeboren worden sind, wie wir im ersten Johannesbrief heute gelesen haben!

Beten wir heute für alle Großeltern, die sich nutzlos und einsam fühlen.
Beten wir auch für die Großeltern, die ihre Enkel nicht sehen dürfen oder nicht sehen wollen.
Beten wir für alle Familien auf der ganzen Welt, in denen die Generationen-Solidarität nicht mehr so gegeben ist, wie sie sein sollte.

Ihre Magstrauss

Fest der Heiligen Familie

Sir 3,2-6.12-14 (oder 3,3-7.14-17a); Ps 128,1-5; Kol 3,12-21; Mt 2,13-15.19-23

Liebe Freunde,
heute ist das Fest der Heiligen Familie. Das bezieht sich auf Josef, Maria und Jesus. Dieses Fest feiern wir immer am Sonntag nach Weihnachten (früher am Sonntag nach Erscheinung des Herrn). Wir betrachten diese Familie als unser Vorbild. Alles, was schon im AT über das ideale Familienleben geschrieben steht, können wir auf besonders eindrückliche Weise an der Heiligen Familie erfüllt sehen. Dabei ist sie wiederum nur Abbild der göttlichen Familie: der heiligsten Dreifaltigkeit. Zwar glauben wir, dass Jesus und Maria ohne Sünde sind, Josef aber von der Erbsünde nicht bewahrt ist. Die Eltern Jesu sind zudem nicht allwissend und müssen deshalb so einiges mit einem Fragezeichen hinnehmen. Und dennoch kann uns diese Familie gerade darin ein Vorbild sein: Wie halten wir in Krisen zusammen?

Sir 3
2 Denn der Herr hat dem Vater Ehre verliehen bei den Kindern und das Recht der Mutter bei den Söhnen bestätigt. 
3 Wer den Vater ehrt, sühnt Sünden,
4 und wer seine Mutter ehrt, sammelt Schätze. 
5 Wer den Vater ehrt, wird Freude haben an den Kindern und am Tag seines Gebets wird er erhört. 
6 Wer den Vater ehrt, wird lange leben, und seiner Mutter verschafft Ruhe, wer auf den Herrn hört. 
7 Wer den Herrn fürchtet, ehrt den Vater. So wie Herren dient er seinen Eltern.
12 Kind, nimm dich deines Vaters im Alter an und kränke ihn nicht, solange er lebt! 
13 Wenn er an Verstand nachlässt, übe Nachsicht und verachte ihn nicht in deiner ganzen Kraft! 
14 Denn die dem Vater erwiesene Liebestat wird nicht vergessen; und statt der Sünden wird sie dir zur Erbauung dienen. 
15 Am Tag deiner Bedrängnis wird man sich deiner erinnern; wie heiteres Wetter auf Frost folgt, so werden sich deine Sünden auflösen. 
16 Wie ein Gotteslästerer ist, wer den Vater im Stich lässt, und ein vom Herrn Verfluchter ist, wer seine Mutter erzürnt.
17 Kind, bei all deinem Tun bleibe bescheiden und du wirst geliebt werden von anerkannten Menschen!

Das Buch Jesus Sirach ist eine weisheitliche Schrift und liefert uns sehr sehr wichtige Aspekte, die zum vierten Gebot auch im Katechismus zusammengefasst werden: Wir sollen Vater und Mutter ehren. Das ist nicht einfach nur eine Floskel, sondern führt uns zum Heil!
Es ist sogar so, dass wir unsere eigenen Sünden sühnen, wenn wir gehorsam sind! Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Wer den Eltern gehorsam ist, sammelt sich zudem Schätze – himmlische Schätze, gemeint ist die Gnade. Warum eigentlich? Unsere Eltern haben uns das Leben geschenkt. Dass wir da sind, haben wir ihnen zu verdanken. Ganz unabhängig davon, wie sie uns behandeln, was sie uns geben und was nicht, sie verdienen unsere Ehre einfach schon dadurch, dass wir dank ihnen existieren.
Wenn wir unsere Eltern behandeln, wie es Gott gefällt, werden wir Segen haben und im Stand der Gnade sein: Dann wird Gott unsere Gebete erhören und wir werden selbst Kinderreichtum genießen. Viele Kinder sind im AT immer ein Zeichen des Segens Gottes. Wenn es im AT zudem heißt, dass man lange leben wird, meint es zu Beginn noch das irdische Leben oder das Weiterleben in den Nachfahren. Mit der Zeit werden die Juden es aber als ein Weiterleben nach dem Tod verstehen, wenn sie nach und nach die Auferstehung begreifen. Hier im Buch Jesus Sirach darf man Jenseitsvorstellungen schon voraussetzen! Wir gewinnen das Himmelreich, wenn wir unseren Eltern gehorsam sind und ihnen die Ehre geben, die ihnen zusteht. Das hat Jesus getan, wie wir nachher noch lesen werden. Er als Gott (!) hat sich seinen irdischen Eltern unterworfen und den Beruf seines Ziehvaters Josef erlernt. Er wird sich nach dem Tod Josefs um seine Mutter kümmern und noch am Kreuz dafür sorgen, dass nach seinem eigenen Tod der Apostel Johannes Maria zu sich nehmen wird. Für uns sind das ganz wichtige Aussagen in einer Zeit, in der Kinder immer weniger Respekt vor ihren Eltern haben. In einer Zeit, in der Eltern sogar Angst vor ihren Kindern haben müssen. In einer Zeit, in der die Kinder die „Herren“ (Vers 7) sind und nicht die Eltern. Am Ende der Zeiten ist es unser Ziel, dem himmlischen Vater, dem Herrn, auf ewig die Ehre zu geben, in dem wir mit allen Engeln und Heiligen ihn loben und preisen. Dann werden wir das nicht mehr abbildhaft tun wie bei unseren irdischen Eltern, sondern vollkommen.
Es schließen sich an die bisher grundsätzlichen Überlegungen ganz konkrete Anweisungen an: Wir sollen uns um unsere Eltern im Alter kümmern. Warum? Als wir klein und hilflos waren, waren sie es, die sich um uns gekümmert haben. Sie haben auf so vieles verzichtet, um uns großzuziehen: auf Schlaf, auf eigenen Luxus, auf eigene Pläne, auf Selbstverwirklichung, auf den eigenen Willen. Wenn sie mit dem Alter nun immer hilfloser werden, wendet sich das Blatt. Nun liegt es an uns, ganz für sie da zu sein, bis sie aus diesem Leben scheiden. Das ist der Lauf der Dinge.
Als wir kleine Kinder waren und herumgenörgelt haben, als wir noch nicht sprechen konnten und unseren eigenen Kopf durchs laute Schreien und Weinen kundgetan haben, nahmen unsere Eltern alles geduldig hin. Sie gaben uns zu essen, wechselten unsere Windeln und sangen uns stundenlang in den Schlaf. Haben unsere Eltern es nicht verdient, dass wir nachsichtig und geduldig mit ihnen umgehen, wenn ihr Verstand nachlässt und sie uns immer schlechter hören? Haben sie es nicht verdient, dass wir ihre mit dem Alter wachsende Sturheit ertragen? Unsere Eltern verachteten uns doch auch nicht, als wir kleine schwache Babys waren. So steht es uns auch nicht zu, in der Fülle unseres Lebens verachtend auf unsere alternden Eltern zu schauen.
Unser respektvoller Umgang als erwachsene Kinder wird nicht unerkannt bleiben. Gott wird sich dies merken und uns dafür reich beschenken.
Wer die Eltern im Stich lässt, wird als Gotteslästerer angesehen. Das ist wichtig: Die Gottesfurcht wird nämlich durch die Elternfurcht umgesetzt, die Abbild Gottes in unserer Familie sind. Furcht meint in diesem Fall nicht Angst, also etwas Pathologisches, sondern den Respekt und das Bemühen, den Anderen nicht zu verletzen. Gott hat uns unsere Eltern geschenkt. Dieses sollen wir dankbar annehmen und gut damit umgehen, sonst beleidigen wir den, der uns das Geschenk gemacht hat. Unsere Eltern sind Gottes Hände und Füße in unserer Familie. Sie sind sein Ausführungsorgan. Er liebt uns durch unsere Eltern. Und wir lieben ihn durch unsere Eltern. Das ist der Wille Gottes für die Familien.
Diese Elternliebe soll schlicht sein und kein Grund zur Angeberei. Das ist nicht etwas, womit man angeben kann, sondern das Mindeste, das wir unseren Eltern schulden. Wie können wir da Lob erwarten?

Ps 128
1 Ein Wallfahrtslied. Selig jeder, der den HERRN fürchtet, der auf seinen Wegen geht! 
2 Was deine Hände erarbeitet haben, wirst du genießen; selig bist du – es wird dir gut ergehn. 
3 Deine Frau ist wie ein fruchtbarer Weinstock im Innern deines Hauses. Wie Schösslinge von Ölbäumen sind deine Kinder rings um deinen Tisch herum. 
4 Siehe, so wird der Mann gesegnet, der den HERRN fürchtet. 
5 Es segne dich der HERR vom Zion her. Du sollst schauen das Glück Jerusalems alle Tage deines Lebens.

Der Psalm betont das, was den Kern der Elternliebe aus dem Buch Jesus Sirach darstellt: Es geht letztendlich um Gottesfurcht. Selig sind wir, wenn wir Gottes Gebote halten. Das ist die konkrete Umsetzung der Gottesfurcht. Wir werden Segen haben, wenn wir „auf seinen Wegen“ gehen. Dieser Segen wird sich z.B. am Erntereichtum zeigen. Vielleicht erinnern Sie sich an die Worte Gottes in Gen 3 nach dem Sündenfall? Eine Folge der Erbsünde ist die mühevolle Arbeit, um das tägliche Brot essen zu können. Erntereichtum ist dagegen ein Zeichen der Gnade Gottes.
Wenn die Frau als fruchtbarer Weinstock bezeichnet wird, ist das ebenfalls ein Zeichen des Segens Gottes. Kinderreichtum wird immer zum Indikator vor allem für die Frau, dass sie den Segen Gottes auf sich hat. Die Kinder als Ölbäume deuten auf deren Langlebigkeit und Fruchtbarkeit hin. Der Ölbaum ist deshalb ein Bild, das häufig zusammen mit dem Weinstock genannt wird.
Was nach jüdischem Verständnis Ausdruck des Segens Gottes war, ist christologisch erfüllt worden, jedoch auf eine neue und unerwartete Weise: Maria und Josef, zwei gottesfürchtige Menschen, erlangen eine Fruchtbarkeit, die ungleich größer ist als die biologische. Ein Ehepaar, das lebenslange Enthaltsamkeit lebt, zieht Gott selbst auf, Jesus Christus. Maria, die gottgeweiht ist und von allen Menschen die größte Gottesfurcht gehabt hat, ist zur Mutter aller und zum Urbild der Kirche geworden, die Menschen durch die Taufe zum neuen Leben gebiert. Diese geistige Fruchtbarkeit, wie man das Führen von Menschen zu Jesus nennen kann, übertrifft die biologische Fruchtbarkeit als Segen, wie er in diesem Psalm zum Ausdruck kommt.
Wenn es dann zum Ende hin heißt „Es segne dich der HERR vom Zion her“, dann ist das ein besonderer Segen. Für die Israeliten war das die maximale Form von Segen, denn „vom Zion“ meint „vom Tempel“. Und dort wohnte die Herrlichkeit Gottes. Wir Christen sehen darin eine typologische Verbindung zum eucharistischen Segen. „Zion“ ist nun die Kirche, in der das Allerheiligste nicht mehr die Bundeslade, sondern der Tabernakel mit den konsekrierten Hostien ist – das fleischgewordene Wort Gottes. Und zuvor müssen wir auf eine entscheidende Typologie hinweisen, die das ganze heutige Fest erklärt! Nämlich die Muttergottes selbst als Zion! Sie trägt den Sohn Gottes, das fleischgewordene Wort Gottes. Gottes Segen geht von ihrem Leib aus! Sie ist die neue Bundeslade, in der nicht mehr die Torah in Steintafelform, sondern als Mensch geborgen ist, nicht mehr die Schaubrote, sondern das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Von diesem Zion geht Segen aus, weil der HERR selbst mit ihr ist. Schauen wir auf dieses Vorbild, verstehen wir die besondere Bedeutung des mütterlichen Segens, auch den Segen unserer irdischen Mutter. Sie hat uns geboren, die wir Abbild Gottes sind, wenn auch nicht Gottes Sohn wie Jesus. Wenn wir Gottes Willen tun, in diesem Fall das Ehren der Eltern, dann geht von diesen Eltern der Segen Gottes auf uns über!
Das ewige Schauen des Glücks Jerusalems ist dann auch mehr als nur wörtlich zu verstehen: Es bezieht sich auf die Glückseligkeit des himmlischen Jerusalems. Dann werden wir mit der himmlischen Familie, also in Gemeinschaft der Heiligsten Dreifaltigkeit leben. Dann kommen wir von der Abbildhaftigkeit zur Vollendung. Das dürfen wir sakramental schon jetzt erfahren in der Gemeinschaft der Gläubigen, der Kirche. Wir sind eine einzige Familie, bei der der Priester unser Vater ist. Er sorgt für die Sakramente und Sakramentalien. Die Kirche gebärt uns, zieht uns auf und nährt uns mit den Heilsmitteln seelisch. Alle Gläubigen sind Geschwister im Glauben und bilden so die geistliche Familie, von der Jesus gesprochen hat (Mt 12,50; Mk 3,35).

Kol 3
12 Bekleidet euch also, als Erwählte Gottes, Heilige und Geliebte, mit innigem Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Geduld! 
13 Ertragt einander und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat! Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! 
14 Vor allem bekleidet euch mit der Liebe, die das Band der Vollkommenheit ist! 
15 Und der Friede Christi triumphiere in euren Herzen. Dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes. Seid dankbar! 
16 Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch. In aller Weisheit belehrt und ermahnt einander! Singt Gott Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder in Dankbarkeit in euren Herzen! 
17 Alles, was ihr in Wort oder Werk tut, geschehe im Namen Jesu, des Herrn. Dankt Gott, dem Vater, durch ihn!
18 Ihr Frauen, ordnet euch den Männern unter, wie es sich im Herrn geziemt!
19 Ihr Männer, liebt die Frauen und seid nicht erbittert gegen sie! 
20 Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern in allem, denn das ist dem Herrn wohlgefällig!
21 Ihr Väter, schüchtert eure Kinder nicht ein, damit sie nicht mutlos werden!

Auch der Paulusbrief gibt uns heute konkrete Anweisungen, wie wir als Familie zusammenleben sollen. Er sagt auch aus, warum wir wie beschrieben leben sollen: „als Erwählte Gottes, Heilige“. Durch die Taufe sind wir zur Heiligkeit berufen und dies soll sich an unserem Lebensstil bemerkbar machen.
Wir sollen einander ertragen. Wir können uns die Familienmitglieder nicht aussuchen und es kommt manchmal zu Spannungen. Charaktere treffen aufeinander, die nicht immer kompatibel sind. Wir sollen das aber aushalten.
Ein entscheidender Aspekt ist die Vergebung. Wir sollen einander immer verzeihen, jeden Tag aufs Neue. Wir sollen das bedingungslos tun, weil wir in der Nachfolge Christi stehen. Er hat immer und überall vergeben. Er hat noch seinen Henkern am Kreuz vergeben und für sie gebetet. Das soll unser Vorbild auch im Familienleben sein.
Zu dieser Voraussetzung tritt das Band, das alles zusammenhält – die Liebe. Diese ist nicht immer nur ein schönes Gefühl. Spätestens da, wo wir einander vergeben müssen, obwohl wir uns gegenseitig am liebsten auf den Mond schießen würden. Liebe ist manchmal harte Arbeit, und stets die Entscheidung füreinander, auch wo unsere momentanen Gefühle dagegen sprechen.
Der Wunsch einer friedlichen Familie kann nur in Erfüllung gehen, wo Gott Einzug in sie hält. Wo Gott das Zentrum der Familie ist, kann auch sein Frieden, der vollkommen ist, in ihr wirken.
Wir sollen dankbar sein. Das ist nicht zu unterschätzen. Das hat nämlich zur Folge, dass wir nichts, ich wiederhole, NICHTS für selbstverständlich nehmen sollen. Das zeigen wir im Alltag dadurch, dass wir uns für die Dinge bedanken, die uns der andere gibt und tut.
„Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch“ heißt, dass das Evangelium ganz und gar Realität in unseren Familien sein soll. Es soll davon geredet werden, aber vor allem soll es gelebt werden.
Wir sollen uns gegenseitig belehren (natürlich mit Liebe) und Gott loben mit Liedern und Gebeten. Das alles klingt, als ob hier nicht die Rede von Familie, sondern Kirche ist. Beides stimmt. Die Familie ist nämlich eine Hauskirche, eine Zelle des Leibes Christi. Diese geistige Dimension von Familie dürfen wir nicht vergessen. Deshalb ist das gemeinsame Gebet analog zur Leiturgia zu betrachten, die gegenseitige Ermahnung analog zur Martyria und das gegenseitige Lieben und Verzeihen analog zur Diakonia. Diese drei wiederum sind die kirchlichen Grundvollzüge. Und so wie alles in der Kirche im Namen Jesu geschehen soll, gilt es für das Familienleben.
Es schließt sich dann eine „Haustafel“ an, das heißt eine Erklärung, wie die Mitglieder des Hauses zueinander stehen sollen. Auch dies ist analog zur Hierarchie der Kirche zu verstehen: Frauen sollen sich ihren Männern unterordnen, die Männer sollen das aber nicht missbrauchen, sondern ihre Frauen lieben. Sie sollen auch die Kinder nicht einschüchtern, obwohl die Kinder den Eltern gehorchen sollen. Das ist die christliche Ordnung der Familie. Leben wir so, haben wir Segen und den Frieden Christi. Das Haupt der Kirche ist Christus, der vor seinem Heimgehen zum Vater Apostel bevollmächtigt hat, an seiner Statt die Rolle des Hauptes einzunehmen. Die Frau ist die Kirche, die Kinder gebärt, sie erzieht und nährt. Der Priester soll seine Frau, die Kirche lieben und nicht über sie herrschen. Die Kirche soll sich dem Mann, dem Priester in persona Christi unterordnen. Die Kinder, die geboren werden, die Täuflinge, diejenigen, die noch im Begriff sind, in die volle Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen zu werden, sollen der Kirche gehorchen, das heißt die Gebote Gottes und Voraussetzungen für den sakramentalen Empfang erfüllen. Sie sollen auch dem Priester gehorsam sein und auf ihn hören. Das hat aber nichts mit Machtgefüge zu tun, weil diese Art von Unterordnung und Hauptsein Christus zum Zentrum hat. Wo dieser aus der Mitte entfernt wird – sowohl in der Kirche als auch in der Familie – gerät diese Hierarchie aus den Fugen. Dann kommt Missbrauch, Hass und Gewalt hinein. Und diejenigen, die am meisten darunter leiden, sind die Kinder – sowohl in der Familie als auch in der Kirche.

Mt 2
13 Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, siehe, da erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten. 
14 Da stand Josef auf und floh in der Nacht mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. 
15 Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.
19 Als Herodes gestorben war, siehe, da erschien dem Josef in Ägypten ein Engel des Herrn im Traum 
20 und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und zieh in das Land Israel; denn die Leute, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben, sind tot. 
21 Da stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel. 
22 Als er aber hörte, dass in Judäa Archelaus anstelle seines Vaters Herodes regierte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und weil er im Traum einen Befehl erhalten hatte, zog er in das Gebiet von Galiläa 
23 und ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder. Denn es sollte sich erfüllen, was durch die Propheten gesagt worden ist: Er wird Nazoräer genannt werden.

Im Evangelium hören wir heute davon, dass die Hl. Familie von Anfang an bedroht wird. Herodes sieht mit der Geburt Jesu Christi sein Königtum in Gefahr und trachtet deshalb nach dem Leben des Kindes. Gott lässt die Familie aber auch in dieser schweren Stunde nicht im Stich, sondern gibt dem Gerechten erneut einen Traum. Er wird gewarnt und flieht deshalb mit dem Kind und „dessen Mutter“ nach Ägypten. Hier haben wir übrigens wieder eine Formulierung, die zeigt, dass er nicht der Vater des Kindes ist. Erst nach dem Tod des Königs ist die Lage wieder sicher, sodass er mit seiner Familie nach Nazaret zurückkehren kann. Hier heißt es sogar, dass die Familie anscheinend darüber nachgedacht hatte, nach Judäa zu gehen. Das verwundert vielleicht, weil wir bisher gehört haben, dass Josef und Maria in Nazaret gelebt hatten. Verstehen können wir dies erst, wenn wir die messianischen Verheißungen wieder berücksichtigen. Die Eltern Jesu wussten, dass ihr Sohn der Messias ist, von dem es heißt, dass er als Sohn Davids nach Jerusalem gehört. Dies wird sich erst im Erwachsenenalter realisieren, wenn er auf einer Eselin nach Jerusalem hinein geritten kommen wird und die Menschen ihn mit Hosannarufen begrüßen werden. Bis dahin wird er als Spross (nezer) in Nazaret aufwachsen. Deshalb wird man ihn auch Jesus von Nazaret oder den Nazoräer nennen – Jesus, den Spross!
Die ganzen Umstände werden hier im Matthäusevangelium aus heilsgeschichtlicher Sicht betrachtet und gedeutet. Die Schrift erfüllt sich auch hier.
Wie wir in den letzten Wochen schon öfter gehört haben, betont das Matthäusevangelium die Ereignisse aus der Sicht Josefs und aus der Sicht der alttestamentlichen Verheißungen. Wir sehen hier, wie ein Vater sein soll. Er soll beschützen. Insofern soll er das Haupt der Familie sein. Ein Vater soll zudem gehorsam sein – nämlich Gott. So wie Josef ohne Zögern den Willen Gottes direkt umsetzt, so soll der Vater sein eigenes „Herrschen“ der Herrschaft Gottes unterstellen. So wird er seine „Macht“ nie missbrauchen, sondern mit seinem ganzen Sein dienen. Dann wird sich die Frau ihrem Mann auch gerne unterordnen. Maria hat nie Einwände gezeigt (so wird es jedenfalls nie berichtet). Sie macht alles mit, weil sie weiß, dass ihr Mann nach dem Willen Gottes Entscheidungen trifft.
Was Paulus im Kolosserbrief schildert, sehen wir anhand der Hl. Familie vorgelebt. Sie ist uns wirklich ein Vorbild, dem wir nacheifern können. Gewiss werden wir das Ideal nie ganz erfüllen, weil wir sündige Menschen sind. Väter missbrauchen ihre Macht leider doch manchmal und schüchtern ihre Kinder ein. Mütter ordnen sich alles andere als unter, sondern tragen einen regelrechten Konkurrenzkampf mit dem Vater aus. Kinder gehorchen ihren Eltern nicht und haben auch keinen Respekt vor ihnen. Die Ordnung der Familie, die Frieden bringen würde, ist oft nicht gegeben. Und doch ist die Hl. Familie unser Maßstab, unser Ziel, unser Wunsch. Wir dürfen trotz der Missstände unser Ideal nicht aufgeben, sonst sind wir verloren! So wie Josef, Maria und Jesus müssen wir wieder lernen, Gott in unsere Mitte zu stellen, dann wird er nach und nach die Ordnung in unser Familienleben bringen, die uns Frieden bringt.

Ihre Magstrauss

Fest der unschuldigen Kinder

1 Joh 1,5-2,2; Ps 124,2-5.7-8; Mt 2,13-18

1 Joh 1-2
5 Das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkünden: Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm. 
6 Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben und doch in der Finsternis wandeln, lügen wir und tun nicht die Wahrheit. 
7 Wenn wir im Licht wandeln, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander und das Blut seines Sohnes Jesus reinigt uns von aller Sünde. 
8 Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre und die Wahrheit ist nicht in uns.

9 Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht. 
10 Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, machen wir ihn zum Lügner und sein Wort ist nicht in uns.
1 Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt. Wenn aber einer sündigt, haben wir einen Beistand beim Vater: Jesus Christus, den Gerechten. 
2 Er ist die Sühne für unsere Sünden, aber nicht nur für unsere Sünden, sondern auch für die der ganzen Welt.

Wir haben gestern schon bei den johanneischen Schriften bedacht, dass Johannes im Kontext von Gott oft die Lichtmetaphorik verwendet. Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm. Mit dem Gegensatz „Licht“ – „Finsternis“ drückt Johannes aus, dass Gott nur Liebe ist. Nichts Böses ist in ihm.
Die Konsequenz davon ist auch auf uns Menschen zu beziehen: Wir können nicht Gemeinschaft mit dem Licht haben und selber in uns Finsternis haben. Das heißt, dass wir nicht zugleich in Todsünde leben (Finsternis) und im Stand der Gnade sein können (Gemeinschaft mit ihm). Wer das behauptet, belügt sich selbst.
Wir können nur Gemeinschaft haben, wenn wir „im Licht wandeln“ wie Gott. Das Wandeln ist ein Ausdruck für den Lebenswandel und somit ein moralischer Begriff. Wenn wir uns mit ganzer Kraft bemühen, auf dem Weg Gottes zu bleiben, d.h. seine Gebote halten, dann wandeln wir im Licht und Jesus reinigt uns von unseren Sünden. Dass überhaupt von Sünde die Rede ist, macht die ganze Rede so realistisch. Niemand sagt, dass wir ohne Sünde sind, nur weil wir uns bemühen, im Licht zu wandeln. Wir fallen trotzdem. Wenn wir aber aufstehen, d.h. umkehren und weitergehen, dann zeigen wir unsere Aufrichtigkeit und Gott vergibt uns unsere Sünden.
Diese Aufrichtigkeit zeigen wir vor allem daran, dass wir unsere Sünden bekennen (ὁμολογέω homologeo). Wir sollen das nicht einfach nur bereuen, was Gott sowieso schon von uns weiß, er sieht ja alles. Gott möchte auch, dass wir die Dinge beim Namen nennen. Das sollen wir nicht deshalb, weil er es unbedingt braucht, sondern weil wir es unbedingt brauchen.
Wer behauptet, ohne Sünde zu sein, lügt. Jeder Mensch ist gefährdet, zu fallen. Wir sind zwar von der Erbsünde erlöst, aber die Folgen der Erbsünde sind noch da. Wir haben immer noch die Neigung dazu, Böses zu tun. Wir sündigen weiter. Gottes Wort (also Jesus) ist nicht in uns, wenn wir behaupten, ohne Sünde zu sein.
Johannes schreibt diese Worte, um zur Ablegung der Sünde aufzurufen. Aber auch für jene, die es dennoch tun, hat er eine zuversichtliche Botschaft: Wir haben einen Beistand beim Vater, Jesus Christus. Er ist es ja, der durch sein Kreuzesopfer die Vergebung der Sünden ermöglicht hat. Er ist gestorben zur Sühne für unsere Sünden und die der ganzen Welt, wie wir auch im Barmherzigkeitsrosenkranz beten. Interessant ist dabei, dass der Begriff παράκλητος parakletos verwendet wird. Diese Umschreibung wird ja sonst für den Hl. Geist gebraucht. Aber auch im wortwörtlichen Sinn ist Jesus unser Beistand, gerade wo wir schuldig geworden sind.
Diese Worte sind sehr tröstlich, weil wir selbst in Schuld und Sünde nicht verzweifeln müssen. Wenn es uns von Herzen leidtut und wir umkehren, dann wird uns Gott die Sünden vergeben. Es ist bemerkenswert, wie die Worte des Johannes das Sakrament der Beichte erklärt: Wir sollen unsere Sünden bereuen, wir sollen sie bekennen, unsere Schuld muss gesühnt werden, wofür Jesus ja gestorben ist. Unsere Aufrichtigkeit soll sich dadurch zeigen, dass wir uns bemühen, nicht mehr zu sündigen. Und wir sollen in uns gehen, um zu erkennen, wo wir uns selbst belügen. Die heutige Lesung ist eine richtige Beichtparänese, die Johannes mit Deutlichkeit formuliert, aber auch mit Liebe.

Ps 124
2 wäre es nicht der HERR gewesen, der da war für uns, als sich gegen uns Menschen erhoben, 
3 dann hätten sie uns lebendig verschlungen, als gegen uns ihr Zorn entbrannte, 
4 dann hätten die Wasser uns weggespült, hätte sich über uns ein Wildbach ergossen, 
5 dann hätten sich über uns ergossen die wilden und wogenden Wasser.
7 Unsre Seele ist wie ein Vogel dem Netz des Jägers entkommen; das Netz ist zerrissen und wir sind frei. 
8 Unsere Hilfe ist im Namen des HERRN, der Himmel und Erde erschaffen hat. 

Auch heute danken wir mit dem Psalm Gott, der uns aus der Gefahr rettet. Diese Rettung betrifft wiederum nicht das irdische Leben, sondern das ewige. Wir werden davon gleich im Evangelium hören und wir lasen bereits in der Lesung davon, was wir von uns aus tun können, damit unsere Seele gerettet wird.
Der Herr ist es, der das Volk Israel gerettet hat von den Feinden, die es sonst lebendig verschlungen hätten. Es ist politisch zu verstehen als Rettung aus dem babylonischen Exil.
Es bezieht sich auch auf die Menschheit, die ohne die Erlösung Jesu Christi das ewige Leben nicht gehabt hätte. Es bezieht sich auch auf die Kirche, durch die die Erlösung den Menschen angeboten wird in der Taufe. Das bezieht sich auf die Möglichkeit zur Beichte, um Versöhnung zu erlangen und so in den Stand der Gnade zurückkehren zu können. Das bezieht sich auch auf das Ende des Lebens, wenn wir vom ewigen Kampf erlöst sein werden und nicht mehr leiden müssen (im besten Fall).
In diesem Psalm wird die Wassermetapher nicht wie sonst als lebendiges Wasser und Bild für den Hl. Geist verwendet, sondern als lebensbedrohlicher Faktor. Wenn wir auch gerade über Sünde und ewigem Leben sprechen, macht das Bild absolut Sinn und erinnert an die Sintflut, die auch die Konsequenz der Sünde war.
Wir, die wir erlöst sind, können wirklich sagen, dass wir frei sind. Frei von dem unausweichlichen Schicksal der Hölle. Dort kommt nur hinein, wer es auch will. Wenn wir getauft sind und uns immer um unsere Berufung bemühen, müssen wir dieses letzte Los nicht fürchten.
„Unsere Hilfe ist im Namen des HERRN, der Himmel und Erde geschaffen hat“. Diese Hilfe (hebr. עֵזֶר ezer) kann man in Analogie zum Beistand aus dem ersten Johannesbrief verstehen. Gott, der Vater, der alles geschaffen hat, ist unser Beistand! Somit schließt sich der Kreis der Trinität: Der Paraklet, wie es im Griechischen heißt, ist nicht nur der Hl. Geist, wie Jesus ankündigen wird (Johannesevangelium), sondern auch Jesus selbst (erster Johannesbrief) und auch der Vater (Psalm 124).

Mt 2
13 Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, siehe, da erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten. 
14 Da stand Josef auf und floh in der Nacht mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. 
15 Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.
16 Als Herodes merkte, dass ihn die Sterndeuter getäuscht hatten, wurde er sehr zornig und er sandte aus und ließ in Betlehem und der ganzen Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten, genau der Zeit entsprechend, die er von den Sterndeutern erfahren hatte. 
17 Damals erfüllte sich, was durch den Propheten Jeremia gesagt worden ist: 
18 Ein Geschrei war in Rama zu hören, lautes Weinen und Klagen: Rahel weinte um ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn sie waren nicht mehr.

Heute lesen wir die drastische Episode der Wahnvorstellungen des Herodes: Dieser König ist in seinem letzten Lebensabschnitt immer paranoider geworden. Er verdächtigte alles und jeden, irgendwie einen Komplett gegen ihn zu schmieden. Er ließ so viele umbringen, sogar seine eigenen Familienmitglieder (unter anderem drei seiner Söhne!). Er beauftragte viele Spione, die in der ganzen Stadt nach möglichen Revolten Ausschau halten sollten, und verkleidete sich sogar selbst als Bürger, um sich dahingehend umzuschauen.
Und dieser paranoide Herrscher reagiert im heutigen Evangelium natürlich dementsprechend, als die Sterndeuter aus dem Osten zu ihm kommen und von einem neuen Herrscher sprechen. Er hat ihnen aufgetragen, ihm Bescheid zu geben, wenn sie das Kind gefunden haben. Diese spüren aber die Gefahr und ziehen auf einem anderen Weg zurück in ihre Heimat. Dies ist die „Vorgeschichte“ des heutigen Evangeliums.
Josef, der sich ganz dem Willen Gottes öffnet und alles dafür tut, seine Familie zu beschützen, wird im Traum vor Herodes gewarnt, der Jesus umbringen will. Also flieht Josef nach Ägypten – ganz wie sein Namensvetter aus dem AT nach Ägypten gelangte. Gott hat auch dies zugelassen, „damit sich die Schrift erfülle“ und die Juden zum Glauben an Jesus kommen. Wir Christen glauben, dass Jesu ganzes Leben schon eine einzige Sühne ist, die mit dem Leiden und Kreuzestod ihren Höhepunkt erreicht. Deshalb ergibt es absolut Sinn, dass Jesus auch nach Ägypten fliehen musste wie das auserwählte Volk. Seine schwierige frühe Kindheit ist ein Akt, den er später erklären wird: Er kommt, um aus der Knechtschaft zu befreien, so wie das Volk Israel aus Ägypten befreit worden ist. Er befreit nun aber aus der Sklaverei der Sünde! Auch dies lehrt Gott die Juden durch die Flucht der Hl. Familie. Er bereitet sein auserwähltes Volk darauf vor. Das ist typisch göttliche Pädagogik.
Herodes reagiert wie zu erwarten auf die Täuschung der Sterndeuter. Er lässt in seiner Rage alle Jungen bis zum zweiten Lebensjahr umbringen. Diese armen, unschuldigen Kinder haben nichts Böses getan und mussten ihr Leben lassen wegen eines verrückt gewordenen Menschen! Was muss der Himmel geweint haben über diese große Schandtat! So weint der ganze Himmel über jedes getötete Kind bis heute. Wie viele unschuldige Kinder müssen ihr Leben lassen, bevor sie geboren werden? DAS ist der schlimmste Genozid aller Zeiten!
Ein Merkmal von Geschichte ist, dass sie sich wiederholt. Die Menschheit hat es nun mal an sich, aus vergangenen Zeiten nicht zu lernen. Deshalb passieren dieselben Dinge immer wieder neu, nur unter einem anderen Namen und unter anderen historischen Umständen. Dies sagt auch Matthäus, wenn er auf Jeremias Prophezeiung in Jer 31 verweist. Rahel wird dann als Personifikation Israels. Bei Jeremia geht es noch um die Juden, die vor dem babylonischen Exil stehen. Dies wird jetzt typologisch auf die unschuldigen Kinder in Bethlehem übertragen. Es wiederholt sich auch der Knabenmord von Ägypten. Die erstgeborenen Söhne der Israeliten werden in den Nil geworfen und ein einziges bestimmtes Kind überlegt. Mose. Jesus wird typologisch mit ihm in Verbindung gebracht. Auch das ist absolut wichtig und eine Lektion Gottes für die vor allem judenchristlichen Adressaten des Matthäusevangeliums!
Nach heutigem Stand stirbt Herodes der Große 4 n.Chr. So lange bleibt die Heilige Familie in Ägypten und kann dann wieder zurückkehren.
An dem heutigen Evangelium erkennen wir, wie Sünde funktioniert: Sie zieht immer Unschuldige mit hinein und bleibt nie auf den Sünder beschränkt. Sie ist wie ein hochansteckender Virus, der um sich treibt. Man kann niemanden in Quarantäne stecken und ist den Konsequenzen der Sünde auch als Unschuldiger ausgeliefert. Und doch können wir auf den HERRN schauen. Er ist immer – ich wiederhole – immer größer und mächtiger als die Sünde und ihre schlagenden Wellen. Seine Gnade siegt über den Satan und sein Unwesen. Immer.

Ihr unschuldigen Kinder, bittet für uns!
Bittet für alle heutzutage gefährdeten Kinder, die in den Sog der Sünde unschuldig mit hineingezogen werden und ihre größten Opfer sind.
Bittet für alle Frauen, die über eine Abtreibung nachdenken,
bittet für alle Familien, die zerrüttet sind und in denen das Leben wie die Hölle ist wegen Missbrauch, Gewalt und Verwahrlosung.
Bittet für alle Kinder auf der ganzen Welt.
Gott, steh und allen bei!

Ihre Magstrauss

Johannes, Apostel und Evangelist

1 Joh 1,1-4; Ps 97,1-2.5-6.11-12; Joh 20,2-8

Liebe Freunde, heute ist der Gedenktag des Hl. Johannes. Es handelt sich nicht um den Täufer, wie man aufgrund des weihnachtlichen Kontexts denken könnte, sondern um den Apostel und Evangelisten. Er ist der Jünger, den Jesus liebte. Von allen Aposteln war er der einzige, der nicht verheiratet war und der einzige, der nicht als Märtyrer gestorben ist. Wir nennen die Heiligen, die eines natürlichen Todes gestorben sind, Bekenner.

1 Joh 1
1 Was von Anfang an war, was wir gehört, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben vom Wort des Lebens – 
2 das Leben ist erschienen und wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns erschienen ist – , 
3 was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt. Wir aber haben Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. 
4 Dies schreiben wir, damit unsere Freude vollkommen ist.

„Was von Anfang an war“ verweist auf den Johannes-Prolog, dieser hymnenartigen Einleitung des Johannesevangeliums, die wir am ersten Weihnachtstag gehört haben. Dieser Relativsatz umschreibt Jesus, das Wort, das am Anfang war.
Dieses Wort, das Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat, konnten wir mit eigenen Sinnen erfassen („mit unseren Augen gesehen“, „was unsere Hände angefasst haben“). Mit eigenen Augen haben Jesu Jünger so viele Wunder gesehen, das größte war die Auferstehung. Davon werden wir nachher im Evangelium lesen. Johannes selbst hat an Jesu Brust geruht. Er hat seine Körperwärme gespürt und Jesu Herzschlag. Wir denken auch an Thomas, der Jesu Auferstehung zunächst nicht glauben wollte und dann vom erschienenen Jesus dazu eingeladen wird, seine Hand in dessen Seite und auf die Male der Kreuzigung zu legen.
„Das Leben ist erschienen“. Das feiern wir zu Weihnachten. Die Zeugen seines Lebens verkünden nun „das ewige Leben“, nicht nur den irdischen Jesus, der seine Göttlichkeit nicht in Anspruch genommen hat, sondern den ganzen Jesus, der schon vor seiner Menschwerdung beim Vater war (und nun wieder ist). Johannes nennt ihn Logos.
Wenn es dann heißt „was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch“, dann ist das die Umsetzung des Missionsauftrags Jesu vor seiner Heimkehr zum Vater. Dies bestätigt sich auch durch die hier deutlich werdende Absicht: „damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt.“ Johannes so wie alle Aposteln und Jünger stehen in Gemeinschaft „mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.“
Warum ist die Freude eigentlich vollkommen durch das Schreiben dieses Briefes? Freude ist immer dann komplett, wenn sie geteilt werden kann. Wenn die Aposteln und Jünger mit Jesu Erlösungstat so viele überwältigende Dinge erfahren haben, dann können sie es nicht einfach für sich behalten. Sie müssen ihre Begeisterung einfach teilen.

Ps 97
1 Der HERR ist König. Es juble die Erde! Freuen sollen sich die vielen Inseln.
2 Rings um ihn her sind Wolken und Dunkel, Gerechtigkeit und Recht sind die Stützen seines Thrones.
5 Berge schmelzen wie Wachs vor dem HERRN, vor dem Angesicht des HERRN der ganzen Erde. 
6 Seine Gerechtigkeit verkünden die Himmel, seine Herrlichkeit schauen alle Völker.  11 Licht wird ausgesät für den Gerechten, Freude für die, die geraden Herzens sind. 
12 Freut euch am HERRN, ihr Gerechten, dankt seinem heiligen Namen!

Heute betet die Kirche wieder einen Lobpsalm. Gott ist König und ist als Mensch gewordener Messias zu uns gekommen. Seine Königsherrschaft, so wird Jesus als Erwachsener erklären, ist nicht von dieser Welt und doch fühlen sich mit seiner Geburt die irdischen Herrscher bedroht. Herodes lässt sogar alle erstgeborenen Söhne bis zum zweiten Lebensjahr umbringen, damit der Messias ihm den Königsthron nicht streitig macht. Wir glauben, dass Gott über allen Königen steht und der Weltenherrscher ist. Dies bejubeln wir heute als gesamte Menschheit („es juble die Erde“). Auch „die vielen Inseln“ sollen sich freuen. Weltweit soll das Lob Gottes erschallen.
Gottes Thron wird von „Gerechtigkeit und Recht“ gestützt. Das ist sehr bildhaft geschrieben und ist auf Gottes Herrschaft zu beziehen: Diese gründet auf Gerechtigkeit und Recht. Wenn Gott richtet, ist es immer gerecht und berücksichtigt jene, die auf Erden Ungerechtigkeit erfahren haben. Deshalb ist Gottes Gericht auch eine Erlösung für die Menschen. „Wolken“ sind uns als Theophaniezeichen bekannt. Immer dort, wo Gottes Herrlichkeit im AT sowie NT sich auf etwas hinabsenkt, kommt eine Wolke oder Wolkensäule. Manchmal wird es als Rauch beschrieben. Die Nennung von Dunkelheit ist nicht ganz wörtlich. Eigentlich heißt das hebräische Wort עֲרָפֶל arafel nicht Dunkelheit, sondern Nebel. Beides – „Wolke“ und „Nebel“ stellen Theophaniezeichen Gottes dar, also Phänomene, die seine Gegenwart anzeigen.
Gott ist so mächtig und überragend, dass selbst die mächtigsten Naturerscheinungen wie die Berge, in Gottes Angesicht dahinschmelzen wie Wachs. Das gesamtbiblische Zeugnis beschreibt Gottes Gegenwart als verzehrendes Feuer. Es ist das Feuer der Liebe.
Gottes Herrlichkeit schauen die Völker. Dabei ist nicht ganz klar, ob es die Fremdvölker um Israel herum meint oder die Stämme Israels. Das hebr. הָעַמִּ֣ים ha’amim „die Völker“ wird eher für die Stämme Israels verwendet, kann aber seltener auch für die nichtjüdischen Völker genannt werden.
Es ist bemerkenswert, dass in diesem Psalm die Lichtmetaphorik verwendet wird. Dies ist bezeichnend für die johanneischen Texte. Für den Gerechten wird Licht ausgesät und Freude für die geraden Herzens. Das lesen wir an vielen anderen Bibelstellen. Wenn wir Gottes Gebote befolgen, johanneisch würde es heißen „in seiner Liebe bleiben“, dann haben wir Segen. Dann sind wir im Stand der Gnade und können alles erbitten – es wird uns gegeben. „Freude“ und „Licht“ sind Faktoren dieses Segens von Gott. Der Ausdruck „geraden Herzens“ drückt die Aufrichtigkeit des Handelns aus. Das Adjektiv יָשָׁר jaschar heißt nicht nur „gerade“ als Gegenteil von „schief, krumm“, sondern kann auch mit „ehrlich, aufrichtig“ übersetzt werden. Das ist sehr fortschrittlich für die Entstehungszeit der Psalmen. Es geht nicht nur um die Taten, sondern auch um die Absicht dahinter! Wir können also nicht automatisch damit rechnen, dass wir vor Gott gerecht sind, nur weil wir Gutes tun. Wir müssen es auch in der rechten Absicht tun, damit es Gott gefällt. Und die einzig richtige Absicht ist die Liebe.
Am Ende werden wir alle dazu aufgerufen, Gott zu loben. Sein heiliger Name, der auch zum Programm Jesu Christi wird, ist „ich bin“ – da für euch! Immanuel, „Gott mit uns“ und Jesus „Jahwe rettet“. Am dritten Januar werden wir den Namen Jesu besonders verehren, auf den wir getauft und durch den wir gerettet sind.

Joh 20
2 Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben. 
3 Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; 
4 sie liefen beide zusammen, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. 
5 Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging jedoch nicht hinein. 
6 Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen 
7 und das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. 
8 Da ging auch der andere Jünger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. 

Heute hören wir einen Ausschnitt aus dem Johannesevangelium, das sehr sehr bezeichnend für den „Lieblingsjünger“ Jesu ist.
Es ist der Ostertag. Jesus ist auferstanden und das leere Grab von den Frauen soeben entdeckt worden. Sie laufen schnell zu den Aposteln, von denen sich sofort zwei auf den Weg machen: Petrus und Johannes. Man könnte bei der Übersetzung des Verses 3 denken, dass die beiden ganz gemütlich hinausgingen und zum Grab spazierten. Das Verb ἐξῆλθεν exelthen sagt nichts über die Art der Bewegung aus, sondern betont das Verlassen des Ortes, an dem sie waren. Die beiden waren mit den anderen Aposteln in einem Raum eingeschlossen, weil sie Angst davor hatten, vom Hohen Rat gefangen genommen zu werden. Das Hinaustreten aus dem Haus hat also mehr als nur eine wörtliche Bedeutung. Im übertragenen Sinne treten sie heraus aus ihrem Schneckenhaus. Sie wagen es, ihre eigene Grenze zu überschreiten. Jesus bietet uns das Heil an, das er durch Kreuz und Auferstehung erwirkt hat. Wir müssen aber aus unserem eigenen alten Leben hinaustreten, um es anzunehmen. Dieses Heil bietet er bis heute durch die Kirche an, die die Menschen in ihrem Schoß aufnimmt und durch die Taufe zu Erben des Reiches Gottes einsetzt. Dafür müssen die Menschen aber zunächst aus ihrem alten Leben treten und ein neues Leben in Gott beginnen. Wir werden am Ende der Zeiten wie Petrus und Johannes „hinauskommen“, nämlich aus unserem irdischen Leben in Richtung ewiges Leben.
In Vers 4 merken wir spätestens, dass die beiden Apostel nicht gemütlich zum leeren Grab spazieren, sondern rennen (das Verb τρέχω trecho meint wirklich die schnelle Fortbewegung). Johannes ist jünger als Petrus, können wir annehmen. Er ist unverheiratet und hat keine Kinder im Gegensatz zu Petrus, der als Familienvater schon ein paar Jahre mehr hinter sich hat. Aus dem Grund kann man auch verstehen, dass Johannes früher am Grab ankommt. Man könnte es aber auch anders verstehen: Johannes brannte so voller Liebe, dass sie ihn so schnell zum Grab gedrängt hat. Manchmal erinnert Johannes uns an Maria Magdalena in seinem Liebeseifer Jesus gegenüber.
In diesem Eifer schaut er auch hinein und sieht die Leinenbinden dort liegen.
Dann lesen wir von einer Geste, die für uns absolut entscheidend ist. Zwar kommt Johannes früher an, wartet dann aber auf Petrus, dass dieser als erstes in das Grab steigt. Dies hat nichts damit zu tun, dass Johannes sich von dem kultisch unrein machenden Grab scheut. Die Aposteln haben in der Zeit ihres Umherziehens mit Jesus viele kultisch verunreinigende Dinge getan wie das fehlende Waschen der Hände vor dem Essen oder das Heilen am Sabbat. Ausgerechnet Johannes ist zusammen mit Petrus und Jakobus auch in das Haus der verstorbenen Tochter des Synagogenvorstehers gegangen, obwohl auch dort der Tod sie kultisch unrein gemacht hat. Das ist nicht der Grund, sondern ein ganz anderer: Petrus ist der „Anführer“ der Apostel. Er ist von Jesus auf ganz besondere Weise berufen worden. Das weiß Johannes und nimmt es demütig an. Deshalb lässt er Petrus den Vortritt.
Petrus geht ohne zu zögern in das Grab hinein (es handelt sich um eine Gruft, die ziemlich dunkel gewesen sein muss). Die Sonne ging gerade auf und schien ein wenig hinein, sodass man gerade die Leinenbinden ausmachen konnte. Petrus fiel auch auf, dass das Schweißtuch, das auf Jesu Gesicht gelegen hatte (das Muschelseidentuch, das wir heutzutage in Manopello verehren und das man sonst nur bei königlichen Begräbnissen verwendet hat), liegt zusammengebunden an einer bestimmten Stelle. Das Verb ἐντυλίσσω zeigt an, dass es nicht wie die Leinenbinden durcheinander geworfen ist, wie wenn jemand den Leichnam genommen und die Binden zurückgelassen hat, sondern jemand muss es sorgsam auf eine bestimmte Art zusammengerollt oder gefaltet haben! Es liegt auch nicht am selben Ort wie die Leinenbinden, sondern an einem eigenen Ort (εἰς ἕνα τόπον eis hena topon). Diese Bemerkung ist entscheidend und führt dazu, dass der Jünger Johannes, der nach Petrus das Grab betritt „sieht und glaubt“.
Johannes war ein mystischer und kontemplativer Mensch. Das wird durch jeden Buchstaben deutlich, den er in den johanneischen Schriften schreibt und in jeder Handlung, die über ihn geschrieben steht. Von Petrus lesen wir das nicht. Er ist nicht der Anführer der Apostel geworden, weil er die meiste Erkenntnis hatte oder weil er am frömmsten oder heiligsten war. Gott hat sich absolut etwas dabei gedacht, ihm diese besondere Vollmacht zu übertragen, aber derjenige, der am schnellsten begreift und Jesu Herz wirklich am meisten verstanden hat, ist Johannes. Er sah und verstand sofort den Code des Schweißtuches: „Ich komme wieder.“ Laut jüdischer Tradition hatte der Diener dem Rabbi den Tisch zu decken nach strengen Vorgaben. Der Rabbi benutzte dabei eine Serviette zum Abwischen seines Mundes und Bartes. Wenn er mit dem Essen fertig war, warf er die Serviette einfach ungeordnet auf den Tisch als Zeichen „ich bin fertig“. So wusste der Diener, er kann abräumen. Ging der Rabbi kurz weg, um nachher weiter zu essen, faltete er die Serviette zusammen und legte sie auf den Tisch, damit der Diener wusste, dass sein Meister wiederkomme.
Johannes hat das Signal sofort wiedererkannt. Sein Rabbi, den er so innig liebte, wollte ihnen zu verstehen geben „ich komme wieder“. Johannes versteht in dem Moment wirklich, dass Jesu Worte sich nun erfüllt haben, die er ihnen mehrfach vor seinem Tod gesagt hatte: Er müsse sterben, würde aber nach drei Tagen von den Toten auferstehen.

Beten wir heute besonders auf die Fürsprache dieses Jüngers, der Jesus so sehr liebte. Er ruhte nicht nur wortwörtlich an Jesu Brust, als sie zu Tisch lagen beim letzten Abendmahl, sondern er ruhte auch im übertragenen Sinne an dessen Herz. Er verstand Jesus auch ohne Worte. Bitten wir den Herrn auf seine Fürsprache um eben jene brennende Liebe, dass auch wir Gottes Herz verstehen, seinen Willen erkennen und ebenso sehen und glauben können! Das ist es schließlich, was auch die Hirten an der Krippe in Bethlehem erfahren durften. Auch sie sahen und glaubten, nachdem sie das Signal der „Windeln“ gesehen haben, die der Engel ihnen angekündigt hatte. Die Leinentücher in Bethlehem müssen unbedingt in Analogie zu den Leinentüchern in Jerusalem verstanden werden. Es schließt sich ein Kreis. Und Petrus sowie Johannes sind ebenfalls als Hirten zu verstehen, die das Signal der Heilstaten Gottes schauen durften. Sie sehen, was in der Grotte von Bethlehem begonnen hat. Nur ist es jetzt vollendet – der Heilsplan Gottes für die ganze Menschheit!

Ich wünsche Ihnen, dass auch Sie sehen und glauben können!

Ihre Magstrauss

Zweiter Weihnachtstag (Stephanus, erster Märtyrer)

Apg 6,8-10; 7,54-60; Ps 31,3b-4.6.8.16-17; Mt 10,17-22

Apg 6
8 Stephanus aber, voll Gnade und Kraft, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk. 
9 Doch einige von der sogenannten Synagoge der Libertiner und Kyrenäer und Alexandriner und Leute aus Kilikien und der Provinz Asien erhoben sich, um mit Stephanus zu streiten; 
10 aber sie konnten der Weisheit und dem Geist, mit dem er sprach, nicht widerstehen.  54 Als sie das hörten, waren sie in ihren Herzen aufs Äußerste über ihn empört und knirschten mit den Zähnen gegen ihn. 
55 Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen 
56 und rief: Siehe, ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen. 
57 Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten einmütig auf ihn los,
58 trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß. 
59 So steinigten sie Stephanus; er aber betete und rief: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! 
60 Dann sank er in die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Nach diesen Worten starb er.

Heute am zweiten Weihnachtstag hören wir von dem ersten Märtyrer, von Stephanus, der für Jesus gestorben ist.
Dieser Mensch war „voll Gnade und Kraft“, war also mit übernatürlichen Gaben ausgestattet bei allem, was er tat. Er erwirkte mit der Kraft Jesu Christi die ganzen Wundertaten, ganz wie Jesus angekündigt hatte: „In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.“ (Mk 16,17f.).
Es gab aber Juden aus dem synagogalen Kontext, die etwas gegen ihn hatten. In der Einheitsübersetzung wird das Verb συζητέω syzeteo  mit „streiten“ übersetzt. Wörtlich heißt es aber eher „suchen“ oder „untersuchen“. Sie wollen ihn prüfen. Es ist freilich so etwas wie eine Debatte, denn die genannten Juden können seiner Weisheit, die die göttliche ist, nicht widerstehen. Das an dieser Stelle verwendete Verb ἀνθίστημι anthistemi heißt „widerstehen“ im Sinne von Abwehr, Verteidigung im Krieg. Anhand dieser Situation sehen wir, was mit dem Bild des zweischneidigen Schwertes in Hebr und Offb gemeint ist: Das Wort Gottes ist die größte Waffe, mit der man die Menschen besiegen kann.
Die Niederlage macht die Feinde des Stephanus wütend, sodass das Folgende sie noch mehr provoziert: Stephanus sieht eine Vision, als er in den Himmel schaut: Er sah Gottes Herrlichkeit und vor allem, was die Juden am meisten provoziert haben wird, Jesus zur Rechten Gottes sitzen. Warum aber schenkt Gott ihm in dem Moment so eine Vision? Das ist sehr wichtig und wiederum ein Zeichen der überragenden Pädagogik Gottes: Er tut es für die Juden, die gegen Stephanus sind. Als fromme Juden war ihnen bekannt, dass durch den Sündenfall des ersten Menschenpaares der Himmel für alle Menschen geschlossen war. Sie glaubten an die Erlösung von diesem Bann durch einen angekündigten Messias. Nun gibt Gott ihnen die Chance, anhand der Vision des Stephanus zu erkennen, dass der Himmel eben nicht mehr geschlossen ist! Jesus, den sie nicht als Messias anerkennen wollten, hat den Zugang zum Vater wieder eröffnet und sitzt ihm zur Rechten. Der Himmel steht offen, das heißt, Jesus IST der Messias, auf den die Juden so lange gewartet haben!
Sie haben die „Zeit der Gnade nicht erkannt“ (Lk 19,44). Die Vision bringt statt Erkenntnis das Fass zum Überlaufen und die Juden steinigen Stephanus. Wir müssen uns dies weniger als affektiven, pogromartigen Übergriff vorstellen, sondern eher als Befolgung des mosaischen Gesetzes. Auf Blasphemie (Gotteslästerung) steht die Todesstrafe. Wir lesen ähnliche Situationen in den Evangelien, in denen Jesus fast gesteinigt worden ist, nachdem er z.B. die vorgelesene Jesajalesung auf sich bezogen hat.
Wir lesen heute schon davon, dass die Tat von einem besonders frommen Juden angeführt worden ist und dem die anderen deshalb die Kleider zu Füßen gelegt haben – Saulus. Es handelt sich um den Pharisäer Paulus, der bei dem berühmten Gamaliel ausgebildet worden war und nach gnadenloser Verfolgung von Christen vor Damaskus eine Bekehrung erleben wird.
Die heroische Kraft, die Stephanus in dem Moment seines Todes aufbringt und die Märtyrer ausmacht, ist erstens sein absolutes Gottvertrauen („Herr Jesus, nimm meinen Geist auf“) und seine Vergebungsbereitschaft. Er betet noch im Moment seiner Exekution für seine Henker („Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an.“). Er ist wirklich zum Zeugen für Jesus Christus geworden, weil er ihm in allem nachgefolgt ist, auch in den Tod.
Wir könnten uns fragen: Was hat das mit Weihnachten zu tun? Warum müssen wir das unbedingt am zweiten Weihnachtstag hören? Das hat absolut mit Weihnachten zu tun und wir sollten uns mit dem Gedanken anfreunden, dass dieses große Fest eben nichts Glamouröses und Kuscheliges an sich hat. Jesus ist in einem stinkenden kultisch unrein machenden Stall geboren. Seine ersten Gäste waren die Hirten, gesellschaftlich ganz Randständige. Von Anfang an war Jesu Leben bedroht und die Hl. Familie musste nach Ägypten fliehen. Wir wissen auch, dass Jesus geboren worden ist, um zu sterben. Den qualvollsten und schändlichsten Tod, den es gab. An Stephanus sehen wir die Konsequenz von Weihnachten auch für uns. Auch unser Leben ist von Anfang an bedroht, nämlich unser ewiges Leben. Wenn wir Jesus nachfolgen, müssen wir mit all jenen Konsequenzen rechnen, die auch in seinem Leben gegolten haben.
Die christliche „Radikalität“, also die Konsequenz der Weihnachtsbotschaft und des Christseins ist eben nicht die Macht über andere, sondern die Ohnmacht der Liebe. Sie geht so weit, sich kreuzigen zu lassen. Im Gegensatz zu anderen „fanatischen“ Religionen tötet der Christ nicht, sondern er wird getötet. Überall, wo es anders ausgegangen ist, wurde der christliche Glaube missbraucht.

Ps 31
3 Sei mir ein schützender Fels, ein festes Haus, mich zu retten!
4 Denn du bist mein Fels und meine Festung; um deines Namens willen wirst du mich führen und leiten. 
6 In deine Hand lege ich voll Vertrauen meinen Geist; du hast mich erlöst, HERR, du Gott der Treue.  
8 Ich will jubeln und deiner Huld mich freuen; denn du hast mein Elend angesehn, du kanntest die Ängste meiner Seele. 
16 In deiner Hand steht meine Zeit; entreiß mich der Hand meiner Feinde und Verfolger! 
17 Lass dein Angesicht leuchten über deinem Knecht, hilf mir in deiner Huld! 

Passend zu diesem heutigen ersten Märtyrer-Fest beten wir einen Bittpsalm, der dann in einen Lobpreis umschwenkt.
Unser einziger wahrer Schutz ist beim Herrn. Er ist unser Fels, der uns rettet. König David bittet um diesen Schutz, ebenso wird Stephanus gebetet haben und so beten auch wir.
„In deine Hand lege ich voll Vertrauen meinen Geist“ war eines der letzten Worte des ersten Märtyrers. Er hatte dieses starke Gottvertrauen, das auch schon David ausgemacht hat.
Und so ist Stephanus direkt zum Herrn gekommen, dessen Herrlichkeit er in der Vision schon gesehen hatte. Nun kann er im Angesicht Gottes jubeln und dessen Huld sich freuen. Gott hat ihn für seine heldenhafte Tat belohnt. Nun darf Stephanus auf ewig bei Gott sein.
Auch „in deiner Hand steht meine Zeit“ drückt diese Geborgenheit und das Vertrauen aus, das wir ausdrücken, wenn wir diesen Psalm beten.
Gott ist der einzige, der uns unseren Feinden entreißen kann. Er hat es bei Stephanus getan, der verfolgt worden ist für den Glauben an Jesus Christus. Auch uns wird der Herr erretten von unseren Feinden. Wir haben keine Garantie, dass er unser irdisches Leben bewahren wird. Oft wird uns ja gerade dieses genommen. Unseren Glauben und unser ewiges Leben kann aber kein Feind entreißen. Und wenn wir um Jesu willen umgebracht werden, kommen wir direkt zu ihm.
Beten wir diesen Psalm immer wieder, wenn wir in Not sind, vor allem in seelischer Not! Gott wird uns unserem wahren Feind entreißen: Dem Satan, der unsere Seele von Gott wegführen und uns den ewigen Tod, die Hölle bescheren will.

Mt 10
17 Nehmt euch aber vor den Menschen in Acht! Denn sie werden euch an die Gerichte ausliefern und in ihren Synagogen auspeitschen. 
18 Ihr werdet um meinetwillen vor Statthalter und Könige geführt werden, ihnen und den Heiden zum Zeugnis. 
19 Wenn sie euch aber ausliefern, macht euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde eingegeben, was ihr sagen sollt. 
20 Nicht ihr werdet dann reden, sondern der Geist eures Vaters wird durch euch reden.
21 Der Bruder wird den Bruder dem Tod ausliefern und der Vater das Kind und Kinder werden sich gegen die Eltern auflehnen und sie in den Tod schicken.
22 Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden; wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet.

Im heutigen Evangelium hören wir, dass Jesus das Geschick des Stephanus und so vielen anderen vorhersagt. Er spricht von der Radikalität seiner Liebe – der Ohnmacht und der Passion.
Die ersten Christen, die ja auch immer noch Juden sind (es sollte ja keine neue Religion werden), werden von den anderen Juden bestraft und verfolgt werden – nämlich jenen, die Jesus als Messias nicht anerkennen.
Jesus kündigt diese schlimmen Verfolgungen nicht einfach nur schonungslos an, sondern gibt seinen Jüngern auch zu verstehen, dass Gott sie nicht alleine lassen wird.
Er lädt die Jünger dazu ein, Vertrauen zu haben und sich vom Geist leiten zu lassen. Dieser wird ihnen eingeben, was sie vor Gericht sagen sollen.
Das besonders Drastische, was Jesus ankündigt, ist die Auslieferung von eigenen Familienmitgliedern. Da, wo vor allem einzelne Personen sich bekehren und die Ehepartner, Kinder oder Eltern aber nicht, wird dies vorprogrammiert sein. „Dem Tod ausliefern“ könnte durchaus die direkte Steinigung durch das Familienmitglied andeuten. Bei Stephanus bewahrheitet sich dies ja. Er wird direkt in den Tod geschickt – und direkt in den Himmel zu Gott!
Aber das Sterben für Gott wird nicht negativ dargestellt. Jesus sagt, wir werden gerettet, wenn wir standhaft bleiben trotz der Widerstände. Das bezieht sich nicht auf das irdische, sondern auf das ewige Leben. Es ist also sogar besser, für den Glauben zu sterben, um dafür das ewige Leben bei Gott zu sichern. Wo wir Gott nämlich abschwören, um unsere leibliche Unversehrtheit zu erhalten, verlieren wir unsere Seele. Wir sind dann nicht besser als Judas oder Petrus. Aber auch dann wäre es nicht zu spät. Petrus hat es bereut und wurde sogar mit dem Papstamt betraut („Weide meine Lämmer“).
Wir werden von allen gehasst werden. Das sehen wir ja in heutiger Zeit besonders. Die Christen haben ein sehr schlechtes Image in unserer Gesellschaft und erfahren wenige Solidarität oder Mitgefühl in einer Zeit, in der es die heftigste Christenverfolgung aller Zeiten gibt. Wir müssen uns nicht wundern und doch sollen wir auch jetzt standhaft bleiben.

Beten wir heute besonders auf die Fürsprache des Hl. Stephanus, dass Gott uns in Zeiten der Bedrängnis auch mit einem heldenhaften Mut beschenkt und wir zu ihm stehen können. Sind wir ihm in den kleinen Dingen treu, damit wir es auch in den großen sein können! Das ist schließlich die letzte Konsequenz von Weihnachten.

Ihre Magstrauss

Hochfest der Geburt des Herrn

Jes 52,7-10; Ps 98,1-6; Hebr 1,1-6; Joh 1,1-18

Liebe Freunde,
ich wünsche Ihnen frohe und gesegnete Weihnachten!

Jes 52
7 Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten, der Frieden ankündigt, der eine frohe Botschaft bringt und Heil verheißt, der zu Zion sagt: Dein Gott ist König. 
8 Horch, deine Wächter erheben die Stimme, sie beginnen alle zu jubeln. Denn sie sehen mit eigenen Augen, wie der HERR nach Zion zurückkehrt. 
9 Brecht in Jubel aus, jauchzt zusammen, ihr Trümmer Jerusalems! Denn der HERR hat sein Volk getröstet, er hat Jerusalem erlöst. 
10 Der HERR hat seinen heiligen Arm vor den Augen aller Nationen entblößt und alle Enden der Erde werden das Heil unseres Gottes sehen.

Wir hören heute aus einem Kapitel in Jesaja, das historisch gesehen in den Kontext der babylonischen Gefangenschaft einzuordnen ist. Diese stellte für die Israeliten ein regelrechtes Trauma dar. Der Tempel war zerstört. Sie konnten Gott nicht mehr opfern und seine Herrlichkeit hatte auf Erden ihren Platz verloren. Doch nun ist das Ende des Leids gekommen.
„Die Schritte des Freudenboten“ sind all die Jahrzehnte des Exils ersehnt worden. Dies haben die Juden damals zunächst auf ihre konkret historische Situation bezogen. Sie haben die Freudenbotschaft ersehnt, endlich aus dem Exil zurückkehren zu dürfen. Dies war für sie zunächst ihr „Evangelium“. Wir ersehnen die Freudenbotschaft heute, aus dem Exil der Erbsünde heraustreten zu können und in die Heimat, in den Schoß der Kirche eintreten zu dürfen durch die Taufe. Jeder Einzelne ersehnt die Befreiung aus dem Exil der Sünde und das Eintreten in den Stand der Gnade durch die Beichte.
Wenn es heißt, dass die eigenen Wächter die Rückkehr Gottes nach Jerusalem sehen werden, ist das die Verheißung, dass Gottes Herrlichkeit in den neu erbauten Tempel wieder einziehen wird.
Dies ist Grund zur absoluten Freude. Deshalb erklingt auch durch Jesaja der Aufruf zum Lobpreis der „Trümmer Jerusalems“. Der HERR hat das Volk getröstet und erlöst.
„Vor den Nationen“ hat Gott die Heilstat vollbracht, sein auserwähltes Volk wieder zurück nach Jerusalem zu bringen. Das bedeutet, dass auch die Nichtjuden so wie damals beim Auszug aus Ägypten den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs anerkennen. Alle Enden der Erde schauen Gottes Heil. Wir lesen das überzeitlich und viel umfassender als auf das Exil beschränkt. Alle Enden der Erde werden das Heil erhalten, da Christus sich für alle Menschen opfern wird. Er wird nicht nur aus einer bestimmten Situation und nur bestimmte Menschen, sondern alle Menschen ein für alle Mal erlösen! Dies beginnt mit seiner Menschwerdung im Stall von Bethlehem und dies wird sich am Ende der Zeiten vollenden, wenn er in Herrlichkeit zurückkehren wird. Die frohe Botschaft, die ein Freudenbote bringt, seine Schritte auf den Bergen, all das erinnert uns an die Engel, die im gebirgigen Judäa zu den Hirten kommen, um die endgültige frohe Botschaft, das Evangelium zu verkünden – Gott ist Mensch geworden. Als Zeichen dient ein Kind in Windeln gewickelt in einer Krippe. Gott ist gekommen als davidischer König (Jes 52,7).
Diese Wächter, nämlich die Wächter der Schafe, sehen mit eigenen Augen die Herrlichkeit Gottes, der auf die Erde gekommen ist. Es ist noch nicht der Zion. Dies wird sich erst im Laufe seines Lebens erfüllen. Womöglich kann man die Wächteraussage auch auf Simeon und Hanna beziehen. Simeon betet ja schließlich, als Jesu Eltern das Kind in den Tempel auf dem Zionsberg bringen: Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast.
Dies ist ein Grund zur Freude und zum Lobpreis. Deshalb lesen wir in der Weihnachtsgeschichte von dem Engelschor, der das Gloria anstimmt.

Ps 98
1 Ein Psalm. Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er hat wunderbare Taten vollbracht! Geholfen hat ihm seine Rechte und sein heiliger Arm. 
2 Der HERR hat sein Heil bekannt gemacht und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker. 

3 Er gedachte seiner Huld und seiner Treue zum Haus Israel. Alle Enden der Erde sahen das Heil unsres Gottes. 
4 Jauchzet dem HERRN, alle Lande, freut euch, jubelt und singt! 
5 Spielt dem HERRN auf der Leier, auf der Leier zu lautem Gesang! 
6 Mit Trompeten und lautem Widderhorn jauchzt vor dem HERRN, dem König!

Auch der Psalm ist ein Lob und Dank auf den HERRN, der Israel aus der Knechtschaft Babylons befreit hat. Gott hat wunderbare Taten vollbracht. Dass das Volk Israel zurückkehren durfte, ist alles andere als selbstverständlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass es so gut ausgehen würde, war absolut gering. Deshalb erkennen auch die Völker, die hier genannt werden, den Gott Israels an (הַ֝גֹּויִם hagojim „die Völker“ meint im Hebräischen die nichtjüdischen Völker, es steht dann immer ἔθνη im griechischen AT und NT).
Was wir bereits bei Jesaja gelesen haben, steht auch im Psalm: „Alle Enden der Erde sahen das Heil unseres Gottes.“ Dies können wir bezogen auf die Weihnachtsgeschichte auch gerade mit Blick auf die Magoi aus dem Morgenland nachvollziehen. Diese kommen von den Enden der Erde und stehen schon am Anfang des Lebens Jesu für die „Völker“, die Nichtjuden, die von weit her gekommen sind, um das Heil zu schauen – Jesus („Jahwe rettet“).
Auch im Psalm geht die frohe Botschaft in einen Lobpreis über. Das ist unsere einzige angemessene Reaktion auf die Heilstaten Gottes.

Hebr 1
1 Vielfältig und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten; 
2 am Ende dieser Tage hat er zu uns gesprochen durch den Sohn, den er zum Erben von allem eingesetzt, durch den er auch die Welt erschaffen hat; 
3 er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Abbild seines Wesens; er trägt das All durch sein machtvolles Wort, hat die Reinigung von den Sünden bewirkt und sich dann zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt; 
4 er ist umso viel erhabener geworden als die Engel, wie der Name, den er geerbt hat, ihren Namen überragt.
5 Denn zu welchem Engel hat er jemals gesagt: Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt, und weiter: Ich will für ihn Vater sein und er wird für mich Sohn sein? 
6 Wenn er aber den Erstgeborenen wieder in die Welt einführt, sagt er: Alle Engel Gottes sollen sich vor ihm niederwerfen.

Im Hebräerbrief wird dieser Höhepunkt der Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen reflektiert. Gott hat sich im Laufe dieser Geschichte immer wieder offenbart – ob am Dornbusch, am Sinai oder wo auch immer. Er hat vor allem Propheten berufen, dem Volk Israel seinen Willen zu vermitteln.
Und nun spricht Gott nicht mehr durch Propheten, sondern durch seinen eigenen Sohn. Hier wird sogar gesagt „am Ende dieser Tage“. Die Heilsgeschichte erreicht den Höhepunkt zum Ende hin. Das heißt, Gott hat sich etwas dabei gedacht, nicht sofort am Anfang der Menschheitsgeschichte selbst auf die Erde zu kommen.
Dieser Sohn Gottes, Jesus Christus, wird als Schöpfungsmittler bezeichnet („durch den er auch die Welt erschaffen hat“). Er hat ihn zum Erben eingesetzt, was sich auf die neue Schöpfung bezieht, auf das Reich Gottes. Jesus markiert den Anfang.
Jesu Natur wird weiterhin reflektiert: Er ist der Abglanz der Herrlichkeit und Abbild des Wesens Gottes. Jesus selbst hat gesagt: „Wer mich sieht, sieht den Vater.“
Jesus trägt das All durch eben jenes machtvolle Wort, das immer wieder ausgesprochen die Vergebung der Sünden, die Heilung von Krankheiten und die Befreiung von Dämonen bewirkt hat („Ich will es, werde rein“, „Deine Sünden sind dir vergeben“ etc.). Dieses Wort, das hier im Hebr und auch in der Offb bildlich als zweischneidiges Schwert verstanden wird, ist Jesus selbst, durch das Gott die Welt geschaffen hat. Es heißt im Schöpfungsbericht immer wieder „und Gott sprach“. Jesus als Wort Gottes wird auch im sich anschließenden Johannesevangelium zum Kern des heutigen Tages.
Jesus hat sehr oft die Sünden vergeben. Das kann nur Gott und deshalb nahmen viele Menschen Anstoß an ihm. Sie haben nicht erkannt, dass er Gott ist und deshalb die Vollmacht zur Sündenvergebung hat.
Er ist jetzt zur Rechten des Vaters, nachdem er in den Himmel aufgefahren ist.
Dort ist er ungleich viel höher als alle Engel. Er ist der Sohn Gottes. Das ist nur er. Er ist gezeugt, nicht geschaffen wie die Engel.
Jesus wird wiederkommen auf die Erde. Wir erwarten seine Wiederkunft und stehen deshalb als Kirche in einem zweiten Advent. Alle Engel werden sich vor Christus niederwerfen, so wie wir uns vor ihm niederwerfen werden. Schon beim ersten Kommen als kleines Kind im Stall haben sich die Zeugen seiner Menschwerdung niedergeworfen und ihn angebetet, der er Gott ist.

Joh 1
1 Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.
2 Dieses war im Anfang bei Gott. 
3 Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist. 
4 In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. 
5 Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.
6 Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt; sein Name war Johannes. 
7 Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. 
8 Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. 
9 Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. 
10 Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. 
11 Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. 
12 Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, 
13 die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
14 Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. 
15 Johannes legt Zeugnis für ihn ab und ruft: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. 
16 Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. 
17 Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. 
18 Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.

Heute hören wir als Evangelium den einleitenden hymnenartigen Gesang des Johannesevangeliums.
Dabei hören wir von der „Vorgeschichte“ des menschgewordenen Gottes, nämlich seine Präexistenz bei Gott.
Nicht umsonst beginnt das Evangelium auf dieselbe Weise wie der Schöpfungsbericht in Genesis. Jesus, das ewige Wort des Vaters, war „im Anfang“, das heißt in Gott, der der Anfang ist.
Es wird auch gesagt, dass Jesus als Schöpfungsmittler an der Schöpfung mitgewirkt hat („alles ist durch das Wort geworden“).
Wenn über das Wort ausgesagt wird, dass in ihm Leben ist, dann bestätigt sich, dass Jesus Gott ist. Dieser ist nämlich ein Gott des Lebens. Als dieser ist er den Menschen Licht, nämlich Hoffnung.
Auf dieses Hoffnung spendende Licht bezieht sich auch Jesaja, wenn er prophezeit: „Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein helles Licht.“ Gottes wunderbare Vorsehung hat Jesus zu einer ganz bestimmten Zeit Mensch werden lassen, in der die Menschen in besonders großer Dunkelheit waren. Er schien ihnen sein Leben hindurch, doch die Menschen nahmen es nicht an. Jesus ist gekreuzigt worden. Sein Leiden wird an diesem heutigen ersten Weihnachtstag schon mitgesagt. Das ist der Grund, weshalb er Mensch geworden ist. Und doch konnte die Finsternis das Licht nicht auslöschen. Jesus ist von den Toten auferstanden und hat somit den Tod überwunden! Auch Ostern wird heute schon mitgesagt.
Wir, die wir Jesu Erlösung angenommen haben und getauft worden sind, sind zu Kindern Gottes geworden, zu Erben in seinem Reich. Diese Taufe ist eine Geburt aus dem Geist, nicht aus dem Fleisch, wie Johannes es hier formuliert.
Und das Wort ist Fleisch geworden – das ist heute. Es hat unter uns gewohnt – 33 Jahre lang in Gestalt des Menschen und bis heute in Gestalt der eucharistischen Gaben. Wir haben seine Herrlichkeit gesehen, insbesondere die drei Apostel, die mit ihm auf dem Berg Tabor waren. Seine Herrlichkeit ist auch all denen offenbart worden, die Zeugen seiner Auferstehung geworden sind. Wir alle sehen seine Herrlichkeit in jeder Hl. Messe, in jeder guten Tat und am Ende der Zeiten die Fülle des verherrlichten Menschensohnes.
Johannes der Täufer ist der größte Zeuge seiner Herrlichkeit geworden, sogar noch vor seiner Geburt im Mutterleib Elisabets. Johannes der Evangelist schreibt hier, dass auch wenn Johannes der Täufer irdisch gesehen vor Jesus „war“, also geboren wurde, ist Jesus ihm Voraus. Dieser hat nämlich keinen Anfang, sondern war im Anfang, der Gott ist. Jesus wird seine Präexistenz immer wieder aussagen. Z.B. sagt er einmal: „Ehe Abraham war, bin ich“ (Joh 8,58). Jesus IST, gestern, heute und in Ewigkeit.
Jesus bringt uns Gnade über Gnade. Alles haben wir dem Herrn zu verdanken. Er steht auch höher als Mose, der zwar das Gesetz gebracht hat, Jesus aber dieses mit Leben gefüllt hat, mit Gnade und Wahrheit, die er selbst ist.
Jesus ist aus dem Himmel zu uns gekommen. Deshalb ist er auch der einzige Mensch, der Gott je gesehen hat. Gott ist Geist und wir alle werden ihn erst sehen, wie er ist, wenn wir sterben. Der Kern der ganzen Verkündigung Jesu ist, uns den Vater zu zeigen. Dafür wird er heute Mensch. Gott liebt uns so sehr und will uns sein „Herz“ zeigen, seinen „Augapfel“, sein ein und alles, seinen Sohn.

Danken wir Gott für die Gnade über Gnade. Freuen wir uns heute über diese größte Heilstat Gottes, ganz unabhängig davon, wie es uns geht, wie die heutige Welt aussieht, wie unsere Laune ist. Seine Heilstat bleibt für immer das A und O unserer Hoffnung. Sie gibt uns auf ewig den Grund, in diesem Leben durchzuhalten und standhaft zu bleiben.

Ihnen und Ihren Familien heute ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein friedliches Beisammensein!

Ihre Magstrauss

Heiligabend Christmette

Jes 9,1-6; Ps 96,1-3.11-13a; Tit 2,11-14; Lk 2,1-14

Liebe Freunde,
diese Nacht feiern wir die heilige Nacht, die Nacht, in der Gott Mensch geworden ist in einem kleinen schwachen Baby, das in Windeln gewickelt in eine Krippe gelegt worden ist. Wir feiern den Sieg Gottes über die Mächte der Finsternis, indem er sich ganz klein und hilflos gemacht hat.

Jes 9
1 Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht; über denen, die im Land des Todesschattens wohnten, strahlte ein Licht auf. 
2 Du mehrtest die Nation, schenktest ihr große Freude. Man freute sich vor deinem Angesicht, wie man sich freut bei der Ernte, wie man jubelt, wenn Beute verteilt wird.
3 Denn sein drückendes Joch und den Stab auf seiner Schulter, den Stock seines Antreibers zerbrachst du wie am Tag von Midian. 
4 Jeder Stiefel, der dröhnend daherstampft, jeder Mantel, im Blut gewälzt, wird verbrannt, wird ein Fraß des Feuers. 
5 Denn ein Kind wurde uns geboren, ein Sohn wurde uns geschenkt. Die Herrschaft wurde auf seine Schulter gelegt. Man rief seinen Namen aus: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. 
6 Die große Herrschaft und der Frieden sind ohne Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, es zu festigen und zu stützen durch Recht und Gerechtigkeit, von jetzt an bis in Ewigkeit. Der Eifer des HERRN der Heerscharen wird das vollbringen.

Ganz wie zu erwarten hören wir heute aus dem Buch Jesaja, dem Propheten, der wie kein anderer den Messias angekündigt hat. In der alten Einheitsübersetzung lesen wir „das Volk, das im Dunkeln lebt“. Dies bezieht sich zunächst auf das Volk Israel, das im Dunkeln ist aufgrund der Fremdvölker. Es hatte die Aussicht auf Frieden und Freiheit verloren und sah aus diesem Grund keinen Funken Hoffnung. Zu stark wurde die Bedrängnis durch die Assyrer. Doch es wird ihnen ein Licht in ihrer Dunkelheit verheißen: Die Juden haben dieses Licht zunächst mit einer politischen Figur in Verbindung gebracht: König Hiskija, den Sohn des Ahas. Dieser ist der Sohn, der den Juden geschenkt worden ist. Mit seiner Geburt ist eine große Freude verbunden worden, die mit der Freude über eine reiche Ernte oder Kriegsbeute verglichen wird (zwei lebensnahe Bilder der Israeliten jener Zeit). Gott greift ein, deshalb wird die Kriegsmacht der Assyrer zunichte gemacht. So bricht Gott den Stock des Antreibers bzw. das drückende Joch der Assyrer, die Israel belastet haben. Stiefel und Mantel, die hier Kriegsmetaphern darstellen, werden ein Fraß des Feuers. Der militärischen Macht der Assyrer wird ein Ende bereitet.
Bis hierhin ergibt diese rein historische Leseart einen Sinn. Doch im Folgenden sehen wir, dass es darüber hinausgehen muss: Das Kind, das geboren wird, erhält die Titel „Wunderbarer Ratgeber“, „starker Gott“, „Vater in Ewigkeit“ und „Fürst des Friedens“. Die meisten sind laut jüdischem Verständnis nicht auf menschliche Herrscher anzuwenden! Hier wird mehr als nur eine politische Figur angekündigt. Es ist der Messias, der Gott ist!
Er wird das Volk Gottes befreien von der drückenden Last der Erbsünde und in die Freiheit führen. Er wird einen wahren Frieden schenken, den die Welt nicht geben kann – den österlichen Frieden, den wir in jeder Messe vor der Hl. Kommunion weitergeben. Wenn es heißt „Vater in Ewigkeit“, dann ist das kein Widerspruch: Jesus und der Vater sind eins.
„Die große Herrschaft“ ist keine weltliche oder politische. Jesus wird zu Pilatus sagen: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Das Reich Gottes ist mit ihm schon angebrochen und wird offenbar am Ende der Zeiten, wenn es die jetzige Welt gar nicht mehr geben wird. Jesus ist aber nicht nur Geist, sondern auch ganz Mensch. Er wird als Jude aus dem Stamm Juda und aus der Sippe Davids geboren. Jesus als Sohn Davids erfüllt die Verheißung aus Jesaja.

Ps 96
1 Singt dem HERRN ein neues Lied, singt dem HERRN, alle Lande, 
2 singt dem HERRN, preist seinen Namen! Verkündet sein Heil von Tag zu Tag!
3 Erzählt bei den Nationen von seiner Herrlichkeit, bei allen Völkern von seinen Wundern! 
11 Der Himmel freue sich, die Erde frohlocke, es brause das Meer und seine Fülle. 
12 Es jauchze die Flur und was auf ihr wächst. Jubeln sollen alle Bäume des Waldes 
13 vor dem HERRN, denn er kommt, denn er kommt, um die Erde zu richten. 

Der heutige Psalm ist „ein neues Lied“, was heute wieder einen messianischen Psalm kennzeichnet. Es handelt sich um einen Lobespsalm, der das Heil Gottes thematisiert. Die Heilstaten Gottes sollen erzählt werden. Seine großen Wunder sind es wert, verbreitet zu werden, damit auch andere zum Glauben an ihn kommen. Die Aufforderung in Vers 3 erinnert an Jesu Missionsauftrag von Mt 28. Gott soll verkündet werden in der ganzen Welt („die Nationen“ meint immer die Heiden im AT und NT). Das größte Wunder, das Gott getan hat, ist seine eigene Menschwerdung in einer Jungfrau und seine Auferstehung von den Toten. Es ist so groß, weil dadurch Gott das universale Heil für die ganze Welt ermöglicht hat. Die ganze Schöpfung hat deshalb Grund zum Lobpreis, denn auch sie litt unter der Erbsünde der Menschen.
Schon mit dem ersten Kommen hat Gott Gericht gebracht. Jesus hat sehr oft Gerichtsreden gehalten und bestimmten Personen Gerichtsworte gewidmet. Ganz prominent sind seine Weherufe im Anschluss an die Seligpreisungen und jene gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten. An Jesus haben sich schon von Anfang an die Geister geschieden und viele haben sich schon zu seinen Lebzeiten gegen ihn entschieden. Sie haben sich selbst gerichtet in seinem Angesicht.
Gericht ist nie als Drohung zu verstehen. Gericht ist immer Erlösung und Barmherzigkeit für jene, die Gott lieben und seine Gebote halten. Gericht ist Erlösung von der Ungerechtigkeit jener, die die Gerechten unterdrücken und die Unschuldigen leiden lassen.

Tit 2
11 Denn die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten. 
12 Sie  erzieht uns dazu, uns von der Gottlosigkeit und den irdischen Begierden loszusagen und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt zu leben,
13 während wir auf die selige Erfüllung unserer Hoffnung warten: auf das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Christus Jesus.  
14 Er hat sich für uns hingegeben, damit er uns von aller Ungerechtigkeit erlöse und für sich ein auserlesenes Volk schaffe, das voll Eifer danach strebt, das Gute zu tun.

Die „Gnade Gottes“ ist Mensch geworden. Gott wollte uns retten, deshalb wurde er Mensch mit dem Namen Jesus („Jahwe rettet“).
Was wir in dieser zweiten Lesung hören, ist die Konsequenz der Erlösung Gottes. Wir sind durch seine Gnade befähigt, gut zu leben. Wir sind auch von nun an dazu berufen. Wo wir diese Potenziale nicht ausschöpfen, werden wir zur Rechenschaft gezogen!
Gott gibt uns die Gnade, uns von dem alten Leben abzusagen, das gottlos war. Er befähigt uns, gerecht und fromm zu sein. Das bedeutet, er gibt uns die Kraft, seine Gebote zu halten! Wie oft wird heutzutage behauptet, die zehn Gebote seien nicht mehr zeitgemäß und eine viel zu große Zumutung. Sie sind es nicht. Oft wollen wir uns nicht bemühen, weil es bequemer ist, sich gehen zu lassen. Und oft versuchen wir alles nur aus unserer eigenen menschlichen Kraft, die allzu schnell an ihre Grenzen gelangt. Nehmen wir die Gnadenmittel in Anspruch, die Gott uns durch Taufe und Firmung schenkt, dass wir ihm wirklich nachfolgen können! Gott gibt uns die geistige Nahrung, das Wort Gottes und die Eucharistie, die Erfrischung durch den Hl. Geist, die Reinigung durch die Beichte, die Stärkung durch die Krankensalbung und die Gemeinschaft durch die Ehe. So sind wir bestens ausgerüstet, seinen Willen zu tun und dies nicht auf uns allein gestellt!
Dass wir seine Gebote halten und uns nach unserem besten Wissen und Gewissen bemühen, ist vorübergehend. Wir sind in der Zwischenspanne zwischen Jesu Himmelfahrt und Wiederkunft am Ende der Zeiten. Die Sehnsucht nach dem zweiten Kommen Jesu ist uns Ansporn und Hoffnung, standhaft zu bleiben, gerade wenn es schwierig wird.
Jesus ist es, der sich für uns am Kreuz hingegeben hat und der uns am Ende der Zeiten und am Ende unseres Lebens von unseren Leiden erlösen wird.

Lk 2
1 Es geschah aber in jenen Tagen, dass Kaiser Augustus den Befehl erließ, den ganzen Erdkreis in Steuerlisten einzutragen.  
2 Diese Aufzeichnung war die erste; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. 
3 Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. 
4 So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. 
5 Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. 
6 Es geschah, als sie dort waren, da erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte, 
7 und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war. 
8 In dieser Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. 
9 Da trat ein Engel des Herrn zu ihnen und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie und sie fürchteten sich sehr. 
10 Der Engel sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: 
11 Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr. 

12 Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. 
13 Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: 
14 Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens. 

Heute hören wir die Weihnachtsgeschichte nach Lukas. Wir lesen davon, warum Jesus eigentlich in Bethlehem geboren wird, obwohl seine Familie in Nazaret wohnt. Der römische Kaiser veranlasste eine Eintragung aller Bewohner des römischen Reiches in Steuerlisten. Dabei mussten die Bewohner, wie Historiker herausgefunden haben, nicht nur in ihren Heimatort gehen, sondern vor allem auch dorthin, wo sie Ländereien besaßen. Das ist ein wichtiger Aspekt und erklärt einige weitere Dinge der Weihnachtsgeschichte.
In den letzten Tagen hörten wir vermehrt aus dem Matthäusevangelium und dort vor allem den Stammbaum und die Vorgeschichte der Geburt Jesu aus jüdischer Sicht. Dazu gehört neben der patrilinearen Denkweise auch der biologische Akzent. Im Lukasevangelium wird eine andere Perspektive eingenommen: die gesetzliche. Es geht weniger darum, wie man biologisch miteinander in Beziehung steht, sondern vielmehr um die gesetzliche Konstellation. Im Stammbaum nach Lukas (Lk 3) hören wir zum Beispiel, dass Josef als der Sohn des Vaters der Maria aufgeführt wird (Eli ist die Kurzform von Eliakim. Eliakim ist eine andere Variante von Jojakim. So hieß Marias Vater). Es heißt in der Einheitsübersetzung, Jesus „galt“ als Josefs Sohn. Das Verb νομίζω nomizo meint insbesondere mit dem Wörtchen ὡς  hos „wie“ jemanden/etwas anerkennen, gesetzlich annehmen, adoptieren. Jesus wird im Stammbaum als gesetzlicher Sohn des Josef angegeben, den dieser adoptiert hat! Dies erkläre ich deshalb, weil wir auch hier in Lk 2 gesetzliche Zusammenhänge haben: Josef wird von Marias Vater adoptiert, weil Maria Einzelkind ist und nach dem sogenannten Erbtochterrecht der Mann der einzigen Tochter als Sohn des Vaters geführt werden muss. Deshalb muss der Mann aus derselben Sippe stammen, also auch Davidide sein.
Josef ist juristisch gesehen also sozusagen der ältere Bruder Mariens und ihr Vormund. Deshalb wird hier gesagt, dass sie wegen Josef nach Bethlehem gehen. Josef selbst war Zimmermann, hatte also kaum irgendwelche Ländereien. In Bethlehem werden also vielmehr Ländereien der Familie Mariens gelegen haben.
Bevor wir weiterlesen, müssen wir uns den Ort Bethlehem auf der Zunge zergehen lassen. Warum ist ausgerechnet Bethlehem der Heimatort und der Ort von Ländereien? Warum war es schon ein wichtiger Ort zur Zeit König Davids? Gott hat das so vorbereitet, damit wir seine wunderbare Vorsehung noch heute bestaunen können: Bethlehem heißt „Haus des Brotes“. Jesus musste im Haus des Brotes geboren werden, weil er das Himmelsbrot ist! Jesus ist der Leib Christi!
Als sie in Bethlehem sind, kommt die Zeit der Niederkunft Mariens. Sie gebärt einen Sohn, der als Erstgeborener bezeichnet wird. Das ist wiederum ein juristischer Begriff.
Sie wickelt ihn in Windeln. Dieser Aspekt wird für die Hirten zu einem Zeichen. Warum? Viele Experten versuchen, es mit Parallelen aus der ägyptischen Königsideologie zu erklären. Solche Versuche werden den einfachen Hirten aber kaum bekannt gewesen sein. Sie werden stattdessen die eigenen Hl. Schriften gekannt haben, so auch das Buch der Weisheit, wo Salomo im siebten Kapitel sagt: 4 „In Windeln und mit Sorgen wurde ich aufgezogen; 5 kein König trat anders ins Dasein. 6 Alle haben den gleichen Eingang zum Leben, gleich ist auch der Ausgang.“ Solche Aussagen verankern dieses Neugeborene in der Linie der davidischen Dynastie. Schauen wir ins Griechische, werden wir von einem ganz besonderen Detail überwältigt: Die Windeln Jesu muss man sich anders vorstellen als wir sie von uns kennen. Im griechischen Text steht nichts von Windeln, sondern dort steht das Partizip von „einwickeln“. Jesus ist in Bandagen komplett eingewickelt worden, auch der Kopf. Es handelt sich um eine Ganzkörper-Bandagierung, die das Kind vor Erfrierung schützen soll. Ich las sogar, dass der Stoff, der verwendet worden ist, eigentlich der Stoff für die Einwickelung von Leichnamen war, den man zu jeder größeren Reise mit sich geführt hat. Nehmen wir dieses Detail, mag dies hier zutreffen oder nicht, und beachten noch weitere historische Tatsachen: Die Heilige Familie kam nicht in einem Holzstall unter, sondern in einer Felsgrotte. In solchen Grotten kamen zur Zeit der Geburt Christi auch die Lämmer auf die Welt, die dann nach Jerusalem für die verschiedenen Opfer im Tempel verkauft worden sind. In diesen Felsgrotten gab es als Futterkrippe auch keine Holzbehälter, sondern es wurden Nischen in die Felswände geschlagen. Stellen wir es uns einmal bildlich vor. Maria bandagiert das Kind komplett ein und legt es dann in eine Felsnische. Das ist ein Bild, das sich um die dreißig Jahre später wiederholen wird. Maria wickelt den Leichnam ihres geliebten Sohnes komplett in Grabtücher und legt ihn in ein Troggrab – eine Nische gehauen in einen Felsen, auf dem ein erwachsener Mensch Platz findet. Jesus ist geboren, um zu sterben. Als Opferlamm in Jerusalem. Alles nimmt hier seinen Anfang. Und er ist ein König. David hatte auch mit Schafen zu tun. Er war Hirte, bis er zum König gesalbt worden ist! Beide Linien kommen hier zusammen. Wie Salomo ist Jesus gewickelt worden. Er ist ganz Mensch. Wie jedes kleine Kind war er ganz hilflos und auf die Fürsorge seiner liebenden Eltern angewiesen.
Wir müssen auch darüber nachdenken, warum in der Herberge eigentlich kein Platz für sie war. Maria war dabei, ein Kind zu bekommen. Das war nach jüdischem Verständnis eine Sache, die kultisch unrein machte, dabei nicht nur die Frau selbst, sondern auch den ganzen Raum, in dem sie gebar. Maria hätte also eigentlich einen Raum für sich alleine gebraucht, was angesichts des kaiserlichen Erlasses und der deshalb vielen wandernden Familien nicht möglich war. Gott hat sich aber auch dabei etwas gedacht. Er hätte ja auch so zur Welt kommen können, dass in dem Moment eben kein Andrang von Menschen und eine Herberge frei gewesen wäre. Aber Gott wollte den Menschen etwas beibringen: Nämlich, dass Jesus das Lamm Gottes und das Himmelsbrot ist. Er musste in dieser Grotte geboren werden, damit die Menschen tiefer in das Geheimnis Gottes eingeführt werden.

Die Hirten können in jener Nacht auf dem freien Feld lagern, weil die Geburt Jesu sich ungefähr zur selben Zeit zugetragen hat wie sein Tod, also März/April. Ich möchte auf die Mehrdeutigkeit dieser Szene hinweisen: Die Nachtwache der Hirten ist weiterzuführen auf die Hirten der Kirche. In der Zeit zwischen Jesu Heimkehr zum Vater bis zur Wiederkunft am Ende der Zeiten befinden wir uns in einem Ausharren und Warten auf den Messias, der die aufgehende Sonne der Gerechtigkeit ist. Immer wieder spricht Jesus selbst von dem Warten auf die Heimkehr des Hausherrn und der Wachsamkeit seiner Diener („Wehe, er findet sie schlafend“). Dass ausgerechnet die Hirten die ersten Besucher im Stall von Bethlehem sind, ist wiederum kein Zufall. Diese sind es, die das Lamm Gottes zu sehen bekommen. Hirte und Schafe gehören zusammen und haben etwas mit König David zu tun. Auch sind die Hirten neben den Eltern die ersten Zeugen der Menschwerdung, weil sie verkörpern, wie die Familie Gottes, die Kirche, sein soll – nämlich „pastoral“, hirtlich.
Jesu Geburt ist eine große Freude. Endlich, nach so vielen Jahren ist die Chance auf das Paradies wieder eröffnet worden!
Für die Hirten ist es ein Signal, wenn der Engel ihnen verkündet, dass der „Retter“ „in der Stadt Davids“ geboren ist. Es ist die uralte messianische Verheißung, die in dieser Nacht endlich, ja ENDLICH wahr geworden ist!
Dass ein ganzer Engelchor Gott lobt und preist, ist absolut logisch. Die Engel preisen Gott dort, wo er ist. Gott ist nun auf die Erde gekommen. Also loben die Engel ihn nun auch auf Erden! In dem Moment kann man wirklich sagen: Der Himmel ist auf die Erde gekommen! Was die Engel tun, ist eigentlich ihre Tätigkeit im Himmel.

Jesus ist das Lamm Gottes, das auch in jeder Hl. Messe auf die Erde kommt. In vielen Kirchen ist an Weihnachten direkt im Anschluss an die Wandlung ein Weihnachtslied angestimmt worden, in dem Gottes Fleischwerdung thematisiert worden ist. In der Wandlung wird das nämlich sakramental nachempfunden. Und wenn wir dabei sind, heute ganz besonders, dann werden wir zu Zeugen wie die Hl. Familie und wie die Hirten im „Stall“ von Bethlehem.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest! Gloria, in excelsis Deo!!

Ihre Magstrauss

Montag der vierten Adventswoche (A)

Mal 3,1-4.23-24; Ps 25,4-5.8-10.14; Lk 1,57-66

Mal 3
1 Seht, ich sende meinen Boten; er soll den Weg für mich bahnen. Dann kommt plötzlich zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht, und der Bote des Bundes, den ihr herbeiwünscht. Seht, er kommt!, spricht der HERR der Heerscharen. 
2 Doch wer erträgt den Tag, an dem er kommt? Wer kann bestehen, wenn er erscheint? Denn er ist wie das Feuer des Schmelzers und wie die Lauge der Walker. 
3 Er setzt sich, um das Silber zu schmelzen und zu reinigen: Er reinigt die Söhne Levis, er läutert sie wie Gold und Silber. Dann werden sie dem HERRN die richtigen Opfer darbringen. 
4 Und dem HERRN wird das Opfer Judas und Jerusalems angenehm sein wie in den Tagen der Vorzeit, wie in längst vergangenen Jahren.
23 Bevor aber der Tag des HERRN kommt, der große und furchtbare Tag, seht, da sende ich zu euch den Propheten Elija. 
24 Er wird das Herz der Väter wieder den Söhnen zuwenden und das Herz der Söhne ihren Vätern, damit ich nicht komme und das Land schlage mit Bann.

Die Verheißung des Propheten Maleachi (auf deutsch „mein Bote“), das den Abschluss des AT bildet, weist auf den unmittelbaren Vorläufer Jesu hin – Johannes den Täufer. Er ist es, der den Weg für den Messias bahnt.
Wenn wir lesen „dann kommt plötzlich“, ist das für uns mehrdeutig zu verstehen und legt zugrunde, was Jesus später sagen wird: Sein Kommen ist unerwartet – auch gerade zeitlich. Keiner weiß, wann er wirklich kommt. Und dies beziehen wir nicht nur auf das erste Kommen des Messias bei seiner Menschwerdung. Wir lesen hier besonders das zweite Kommen Jesu, über das er selbst sagte, dass wir den Zeitpunkt nicht kennen. Aus diesem Grund müssen wir jederzeit dafür bereit sein.
Interessant ist auch die Rede vom plötzlichen Kommen in den Tempel. Dies lesen wir mehrdimensional: Gott kommt in seinen Tempel, d.h. seine Herrlichkeit wohnt wieder im Tempel, der nach der Zerstörung durch die Babylonier wieder aufgebaut wird unter Aufsicht des Statthalters Serubabbel, der Enkel Jojachins von Juda. Wir denken aber auch einen Tag vor Heiligabend an das Kommen Gottes in den Tempel durch seine Menschwerdung im Mutterleib Mariens. Sie ist somit der Tempel, in dem Gott Wohnung nimmt! Wir lesen es weiter als eucharistischen Einzug Gottes in jeder Hl. Messe und im Allerheiligsten in jeder Kirche. Gott wird auch Wohnung nehmen am Ende der Zeiten, wenn das himmlische Jerusalem von oben her auf die neue Schöpfung herabkommt. Dann wird Gott „in ihrer Mitte wohnen“ (Offb 21,3).
Der „Bote des Bundes“ könnte einerseits auf Johannes den Täufer verweisen, der sozusagen zwischen den Bünden steht. Andererseits denken wir ganz im wörtlichen Sinn des Wortes מַלְאַךְ mal’ach an einen Engel, der als Bote fungiert. Uns geht auf, dass hier der Erzengel Gabriel angedeutet wird! Dieser Engel eröffnet dem Tempel des Messias, der Jungfrau von Nazaret, den Heilsplan Gottes, dem sie voller Glauben zustimmt. Daraufhin kann Gottes Herrlichkeit in ihr Wohnung nehmen.
Wenn Gott vor allem zum zweiten Mal kommt, d.h. bei der Wiederkunft Christi, wird es ein universales Gericht geben. Er wird in seiner ganzen Herrlichkeit, in dem Feuer seiner Liebe kommen und überall, wo an uns „brennbares Material“ ist, wird es verbrennen. Deshalb wird hier die rhetorische Frage gestellt: „Wer kann bestehen, wenn er erscheint?“
Sein brennendes Feuer wird mit vertrauten Bildern verglichen, mit denen die ersten Adressaten dieser Prophetie etwas anfangen konnten: Mit dem Walken und Schmelzen. Diese Bilder verdeutlichen, dass Gott mit seinem Feuer nicht zerstören will, sondern einen anderen Zustand des Ausgangsmaterials erreichen will. Deshalb heißt es auch im Anschluss, dass Gott die Stämme reinigen und läutern will. Hätte das Gold oder Silber, mit dem die Stämme verglichen werden, Gefühle, würde es in dem Prozess Schmerzen erleiden. Aber am Ende ist es edel und rein. Das ist auch die Funktion der Gerichtsrede des Täufers und später des Messias. Sie sagen Dinge, die nicht allen passen. Es tut weh, aber es ist ein seelischer Reinigungsprozess. Gott möchte aus uns reines Gold oder um ein anderes Bild zu nennen – geschliffene Diamanten aus einem Stück Kohle machen. Bis dahin ist es manchmal ein schmerzhafter Prozess. Das betrifft auch unser eigenes Leben. Gott lässt manchmal Dinge zu, die wir nicht verstehen und unter denen wir leiden. Aber wenn wir sie durchgehalten haben, werden wir gestärkt und gereinigt daraus hervorgehen. Dasselbe muss die Kirche als die Braut Christi immer wieder durchlaufen. Als mystischer Leib ist sie heilig und doch gibt es in ihr immer wieder schwarze Schafe. Die Braut muss bereit für ihren Mann geschmückt sein, wenn die Hochzeit des Lammes kommt. Deshalb lässt Gott auch hier zu, dass es immer wieder zu schmerzhaften Situationen kommt. Diese haben aber ihre Reinigung und Läuterung zum Ziel, weshalb wir nicht verzweifeln müssen. Am Ende unseres Lebens und am Ende der Zeiten werden wir vor Gottes Angesicht stehen. Wir werden diesem brennenden Feuer ausgeliefert sein, das in uns dort Feuer fängt, was noch nicht reines Gold ist. Das wird uns dann schmerzen und das nennt die Kirche Fegefeuer. Im himmlischen Jerusalem kann nur reines Gold bestehen, weil Gott, der wie brennendes Feuer ist, nämlich die Liebe, hier wohnt. Deshalb werden wir auch hier noch leiden, bis wir ganz in seiner Liebe leben können. Aber auch dort können wir gewiss sein, dass wir bei ihm sein werden.
Und wenn wir gereinigt sind wie hier durch den Stamm Levi ausgesagt, dann werden wir Gott die richtigen Opfer darbringen. Das ist wiederum mehrfach zu verstehen: Der Stamm Levi, der Priesterstamm, muss kultisch rein sein, um Gott Opfer darbringen zu können. Die Kirche sieht das Sakrament der Versöhnung vor, damit wir moralisch rein sind für das Messopfer und den Empfang der Kommunion. Wir müssen rein sein auch am Ende unseres Lebens, damit wir an der himmlischen Liturgie teilnehmen können, also im Himmel sein können. Dann wird Gott dieses Opfer gefallen – interessant, wie hier nun der Stamm Juda genannt wird. Aus diesem geht nämlich Jesus hervor, der das endgültige Opfer für alle Zeiten vollbringen wird!
Wenn dann die Rede von Elija unmittelbar vor dem großen und furchtbaren Tag ist, haben wir hier erneut einen Code, der auf Johannes den Täufer verweist. Er ist der wiederkehrende Elija. Gemein ist, dass er in derselben Kraft auftritt wie der Prophet des AT.
Johannes hat wirklich die Menschen zur Versöhnung gebracht („das Herz der Väter wieder den Söhnen“ zugewandt und umgekehrt). Er hat die Menschen zur Buße und Umkehr aufgerufen, damit sie gereinigt würden in ihrem Herzen und dem Kommen des Herrn entgegen gehen konnten. Er hat viele vor dem Bann Gottes bewahrt – das heißt vor der Hölle.

Ps 25
4 Zeige mir, HERR, deine Wege, lehre mich deine Pfade! 
5 Führe mich in deiner Treue und lehre mich; denn du bist der Gott meines Heils. Auf dich hoffe ich den ganzen Tag.
8 Der HERR ist gut und redlich, darum weist er Sünder auf den rechten Weg. 
9 Die Armen leitet er nach seinem Recht, die Armen lehrt er seinen Weg. 
10 Alle Pfade des HERRN sind Huld und Treue denen, die seinen Bund und seine Zeugnisse wahren.

Der kurze Ausschnitt aus dem Psalm heute ist eine Bitte um die rechte (moralische) Unterweisung und um Erkenntnis des Heilsplans Gottes.
Die Bitten des Psalms sind für uns alle eine wunderbare Vorlage: Wenn wir von unserer Seite aus unsere eigene Läuterung unterstützen und weitere Verunreinigungen vermeiden möchten, dann müssen wir aktiv darum bitten, dass Gott uns seinen Willen zeigt. Denn das Tun seines Willens ist der richtige Weg zu unserem möglichst unverfälschten „Goldmaterial.“
Gott zeigt uns seinen Willen und führt die vom Weg abgekommenen Sünder wieder zurück. Er möchte, dass keines seiner Kinder verloren geht. Uns geht es gut, wenn wir auf seinem Weg bleiben.
„Auf dich hoffe ich den ganzen Tag“ ist wiederum eine Andeutung messianischer Hoffnung, ebenso die Bemerkung „Gott meines Heils“ (אֱלֹהֵי יִשְׁעִי elohej jisch’i). Für das Heil Gottes wird wie immer dieselbe hebräische Wurzel gewählt wie im Namen Jesu.
Auf Gott hofft das unterdrückte Volk Israel insbesondere in Zeiten der Bedrängnis. Je schlimmer die Zeiten, desto stärker ist die messianische Hoffnung. Auf Gott hoffen auch wir den ganzen Tag und vor allem in Zeiten der Versuchung. Die Kirche hofft auf den Herrn den ganzen Tag insbesondere heutzutage, da die Christenverfolgungen einen Höhepunkt erreichen. Die ganze Welt hofft auf Erlösung von all den Leiden, dem Unrecht, dem Bösen.

Lk 1
57 Für Elisabet aber erfüllte sich die Zeit, dass sie gebären sollte, und sie brachte einen Sohn zur Welt. 
58 Ihre Nachbarn und Verwandten hörten, welch großes Erbarmen der Herr ihr erwiesen hatte, und freuten sich mit ihr.
59 Und es geschah: Am achten Tag kamen sie zur Beschneidung des Kindes und sie wollten ihm den Namen seines Vaters Zacharias geben. 
60 Seine Mutter aber widersprach und sagte: Nein, sondern er soll Johannes heißen.
61 Sie antworteten ihr: Es gibt doch niemanden in deiner Verwandtschaft, der so heißt. 
62 Da fragten sie seinen Vater durch Zeichen, welchen Namen das Kind haben solle. 
63 Er verlangte ein Schreibtäfelchen und schrieb darauf: Johannes ist sein Name. Und alle staunten. 
64 Im gleichen Augenblick konnte er Mund und Zunge wieder gebrauchen und er redete und pries Gott. 
65 Und alle ihre Nachbarn gerieten in Furcht und man sprach von all diesen Dingen im ganzen Bergland von Judäa. 
66 Alle, die davon hörten, nahmen es sich zu Herzen und sagten: Was wird wohl aus diesem Kind werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm.

Wir haben in den letzten Wochen die Vorgeschichten der Geburten Johannes‘ des Täufers und Jesu gehört. Heute ist es soweit. Johannes wird geboren. Wie vom Erzengel Gabriel angekündigt bringt der Sohn insbesondere Elisabet große Freude und viele freuen sich zusammen mit ihr. Dies wird so explizit genannt, weil sie lange keine Kinder bekommen konnte. Im Judentum war mit Kinderreichtum der Segen Gottes verbunden. Kinderlosigkeit wurde dagegen als Fluch und Gottesferne verstanden. Dass Elisabet so unerwartet Mutter geworden und auch noch einen Sohn geboren hat (durch den das Blut der Familie weitergegeben wird), wird als Erbarmen Gottes interpretiert.
Nach jüdischem Gesetz wird das Kind am achten Tag beschnitten und benannt. Es wird wie so oft erwartet, dass das Kind nach dem Vater benannt wird, doch dieser setzt den Willen Gottes um, der ihm einen anderen Namen sagen ließ: Der Junge soll Johannes heißen, obwohl kein anderer in der Verwandtschaft so heißt. Warum soll das Kind so heißen? Der Name bedeutet „Gott ist gnädig“. Gott hat sich Zacharias und Elisabet barmherzig angenommen und diese Aussage wird auch zum Programm der Bußpredigt des Täufers. Weil Gott eben barmherzig ist, gibt er uns die Chance, umzukehren. Und diese Umkehr bildet den Kern seiner Verkündigung.
Zacharias kann in dem Moment wieder sprechen, als er Gottes Willen gehorsam annimmt. Während Maria beim Engelsbesuch von Anfang an den Willen angenommen hat, wird dies in Zacharias‘ Fall verspätet nachgeholt. Dass er zuvor mit Stummheit geschlagen worden war, ist nicht einfach eine sadistische Strafe Gottes, der von ihm Kadavergehorsam gefordert hatte. Gott wollte an diesem Priester seine Herrlichkeit erweisen und dies als Zeichen für die Umstehenden erwirken lassen. Wir lesen, dass sein Zeichenhandeln eine nachhaltige Wirkung erzielt hat. Die Menschen reden im ganzen Bergland von Judäa davon.
Gott hat die Menschen auch schon auf den Täufer vorbereitet. Sie sind schon Zeugen des wundersamen Anfangs des Kindes geworden. Umso besser werden sie seine Verkündigung einige Jahrzehnte später verstehen.

Was Maleachi mit der Läuterung der Söhne Levis angedeutet hat, ist uns durch das Evangelium deutlich geworden: An Zacharias war nicht alles gold, sodass Gott ihn läutern musste. Er schlug den Mann mit Stummheit, damit er seine Lektion lernte.

Nutzen wir die letzten Stunden vor Weihnachten, um von uns aus zu tun, was wir zur Reinigung unserer Seele tun können. Richten wir uns aus auf das Kommen des Jesuskindes, damit es in unseren Herzen Platz findet.

Ihre Magstrauss

Vierter Adventssonntag (A)

Jes 7,10-14; Ps 24,1-6; Röm 1,1-7; Mt 1,18-24

Jes 7
10 Der HERR sprach weiter zu Ahas und sagte: 
11 Erbitte dir ein Zeichen vom HERRN, deinem Gott, tief zur Unterwelt oder hoch nach oben hin! 
12 Ahas antwortete: Ich werde um nichts bitten und den HERRN nicht versuchen. 
13 Da sagte er: Hört doch, Haus Davids! Genügt es euch nicht, Menschen zu ermüden, dass ihr auch noch meinen Gott ermüdet? 
14 Darum wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau hat empfangen, sie gebiert einen Sohn und wird ihm den Namen Immanuel geben.

Lesen wir die heutige Jesajalesung zunächst einmal historisch und betrachten auch den Kontext dieses Ausschnitts. Wir haben ihn in der vergangenen Woche schon gehört. König Ahas von Juda sieht sich von seinen Feinden bedroht, die gegen ihn Krieg führen wollen. Jesaja übermittelt ihm die Zusage Gottes, dass er sich nicht fürchten muss. Die geplante Bekämpfung Judas und Ersetzung des Königs durch den Sohn Tabeals wird nicht zustande kommen, so lässt Gott Aram sagen. In der sukzessiven Eroberung des Nordreichs und der wachsenden Bedrohung Judas wendet Gott die Gefahr ab, doch Ahas lässt es kalt. Er glaubt Gott nicht und ist immer noch ängstlich. Gott fordert ihn dann auf, um ein Zeichen zu bitten. Gott ist bereit, dem König von Juda seine Pläne zu offenbaren. Dieser lehnt das Angebot zunächst ab, was Gott dennoch nicht davon abhält, ihm durch Jesaja die Botschaft zu vermitteln. Und nun kommt dieser Vers, den wir absolut messianisch weiterdenken und auf Jesu Menschwerdung beziehen: Die Jungfrau wird ein Kind empfangen, in der neuen Einheitsübersetzung „hat empfangen“ und wird ihm den Namen Immanuel geben. Dieses Kind wird es verstehen, das Böse zu verwerfen und das Gute zu wählen. So heißt es im weiteren Verlauf, den wir heute nicht mehr hören. Historisch gesehen könnten die Juden im Nachhinein die Ankündigung König Hiskijas, den Sohn von Ahas, erkannt haben. Er war ein frommer König, der es wirklich verstand, das Richtige zu tun im Gegensatz zu seinem Vater. Und doch können wir bei dieser Leserichtung nicht stehen bleiben. Schon allein die Prophezeiung einer Jungfrau lässt weiterdenken: Hier steht im Hebräischen das Wort הָעַלְמָ֗ה  ha’alma „die Jungfrau“, was ein junges Mädchen im heiratsfähigen Alter meint. Natürlich ist eine alma biologisch gesehen dann auch eine Jungfrau! Dies wird im griechischen AT deshalb mit ἡ παρθένος übersetzt, was ganz eindeutig „Jungfrau“ heißt. Hier wird ein übernatürlicher Zeugungsvorgang angekündigt, von dem wir bei Hiskija noch nicht lesen. Hier handelt es sich um einen Typos, der in Jesus Christus einen Antitypos erhält! So wie durch die Geburt Hiskijas die davidische Dynastie am Leben erhalten wurde, wird durch Jesus, dem Sohn Davids, die Genealogie der neuen Schöpfung eingeleitet, der wir durch die Taufe angehören! Und das Zeichen der Menschwerdung Christi wird zum größten Zeichen Gottes aller Zeiten. Er wird wahrlich der Immanuel sein, Gott, der mit uns ist. Dies hat er bereits im Dornbusch durch den Namen Jahwe verheißen und nun mit dem Messias noch einmal bestätigt. Jesus wird auch am Ende seines Wirkens vor der Himmelfahrt noch einmal bekräftigen: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ So ist Gott. Dies ist nicht nur eine heilsgeschichtliche Entwicklung für die ganze Menschheit, sondern auch für das alltägliche Leben jedes Einzelnen. Gott ist mit uns, auch da, wo wir von allen Seiten bedrängt werden wie Juda in der heutigen Lesung. Er gibt uns viele Zeichen, die wir im Rausch des Alltags manchmal gar nicht wahrnehmen. Je mehr wir aber aus seinem Geist heraus leben, erkennen wir Gottes Handschrift in allem, was uns widerfährt. Seien wir dankbar und vertrauen wir auf seine wunderbare Vorsehung. Seien wir nicht wie König Ahas und bleiben skeptisch, obwohl Gottes Verheißung so offensichtlich vor uns ist.

Ps 24
1 Ein Psalm Davids. Dem HERRN gehört die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und seine Bewohner. 
2 Denn er hat ihn auf Meere gegründet, ihn über Strömen befestigt. 
3 Wer darf hinaufziehn zum Berg des HERRN, wer darf stehn an seiner heiligen Stätte? 
4 Der unschuldige Hände hat und ein reines Herz, der seine Seele nicht an Nichtiges hängt und keinen trügerischen Eid geschworen hat. 
5 Er wird Segen empfangen vom HERRN und Gerechtigkeit vom Gott seines Heils. 
6 Das ist das Geschlecht, das nach ihm fragt, die dein Angesicht suchen, Jakob.

Der heutige Davidpsalm ist ein Lobpreis der Macht Gottes, dem die ganze Welt gehört. Auch wir Menschen gehören ganz ihm, der alles geschaffen hat. Das ist sehr bemerkenswert. König David war ein sehr mächtiger Herrscher und doch unterstellte er Gott seine eigene Macht. Diese Gottesfurcht hat ihm so einen Segen beschert, der auch auf seinen Sohn überging. Die salomonische Herrschaft war überragend, sodass sogar die umstehenden Herrscher sie anerkannten. David zeigt uns, wie unsere Haltung sein sollte: Gott ist größer als der größte König. Dies ist durchaus mit der Lesung von heute in Verbindung zu bringen: Es wird ein Immanuel angekündigt, den die Juden zunächst politisch verstanden, nämlich Hiskija. Und doch ist die Rettung Judas Gottes Werk. Er steht über dem König Judas. Rettung kommt von Gott, nicht von einer politischen Figur.
David fährt fort, über das Kommen zur heiligen Stätte zu reden. Er bezieht sich auf die Stiftshütte (der Tempel wird ja erst unter Salomo gebaut und bis dahin als Zelt gehalten). Mit dem Berg des HERRN ist Zion gemeint, auf dem die Stadt Jerusalem errichtet ist. David erklärt, dass nur die reinen Herzens zum „Tempel“ Gottes treten dürfen. Das ist interessant und fortschrittlich. Es geht nicht nur um kultische Reinheit, wie wir vor allem die ganzen ausführlichen mosaischen Gesetze zusammenfassen können, sondern um moralische Reinheit. „Unschuldige Hände“ bezieht sich nicht auf das Nichtberühren unreiner Dinge, sondern auf das Ausbleiben von Blut Ermorderter an den Händen. Die Seele an Nichtiges zu hängen und Gott falsche Versprechen zu machen, sind ebenfalls Aspekte, die moralisch zu bewerten sind – meine Beziehung zu Gott muss einwandfrei sein, damit ich in sein Heiligtum kommen kann. Das, was David hier beschreibt, ist eine Art Gewissenserforschung und führt uns weiter zu dem, was wir über den wörtlichen Sinn hinaus hier verstehen: Zunächst denken wir an den momentanen liturgischen Kontext: Verbinden wir die heilige Stätte mit der Person Jesu Christi (er bezeichnet später den Tempel als Tempel seines Leibes!), dann müssen wir unser Gewissen erforschen, bevor der Herr kommt und wir ihm begegnen. Dasselbe gilt für die Kirche als sein Leib. Wer sich taufen lassen will, um in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden, muss einen Katechumenat durchlaufen und das alte sündige Leben abstreifen. Wenn wir Jesus in der Eucharistie begegnen, müssen wir auch reinen Herzens sein, weil wir ihn sonst nicht empfangen können. Er kann nur in unser Herz eingehen, wenn es rein ist. Am Ende der Zeiten wird es so sein, dass auch nur jene ins himmlische Jerusalem eingehen werden, die im Buch des Lebens verzeichnet sind. Und das werden jene sein, die ein gutes Leben geführt haben, also reinen Herzens gestorben sind.
All diese Situationen und Dimensionen werden Segen nach sich ziehen: Die Kirche wird wachsen und Bestand haben, die Seelen der Menschen, die ihn empfangen, werden Segen haben. Paulus sagt in 1 Kor 11, dass wir uns ansonsten das Gericht essen, also alles andere als Segen…und ewigen Segen werden wir am Ende unseres Lebens und der Zeiten erlangen, wenn wir im Angesicht Gottes leben dürfen.

Röm 1
1 Paulus, Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, ausgesondert, das Evangelium Gottes zu verkünden, 
2 das er durch seine Propheten im Voraus verheißen hat in heiligen Schriften: 
3 das Evangelium von seinem Sohn, der dem Fleisch nach geboren ist als Nachkomme Davids, 
4 der dem Geist der Heiligkeit nach eingesetzt ist als Sohn Gottes in Macht seit der Auferstehung von den Toten, das Evangelium von Jesus Christus, unserem Herrn. 
5 Durch ihn haben wir Gnade und Apostelamt empfangen, um unter allen Heiden Glaubensgehorsam aufzurichten um seines Namens willen; 
6 unter ihnen lebt auch ihr, die ihr von Jesus Christus berufen seid. 
7 An alle in Rom, die von Gott geliebt sind, die berufenen Heiligen: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.

Wir hören heute den Beginn des Römerbriefs, dem theologischen Traktat des Paulus, also der Zusammenfassung seiner gesamten Theologie. Das Briefpräskript, das wir heute lesen, enthält bereits das Programm und die Berufung des Völkerapostels.
Paulus, der sich berufen sieht, das Evangelium zu verkünden, knüpft dieses an die Verheißungen des Alten Testaments an. Wir dürfen den Römerbrief heute also vor dem Hintergrund des Jesaja-Abschnitts und des Psalms lesen.
Paulus sagt selbst, dass das Verheißene sich in Jesus Christus erfüllt hat. Er reflektiert auch das, was wir in der letzten Woche intensiv betrachtet haben: Die davidische Abstammung Jesu „dem Fleische nach“. Während dieser von seiner Menschlichkeit her Sohn Davids ist, ist er von seiner Göttlichkeit her Sohn Gottes, der seit seiner Auferstehung eingesetzt ist in Macht. Er ist jetzt beim Vater. Wir beten im Glaubensbekenntnis, dass Jesus nun als Auferstandener zur Rechten des Vaters sitzt und von dort aus wiederkommen wird als Weltenrichter.
Paulus macht klar, dass die Vollmacht, mit der er den Römern durch den Brief das Evangelium verkündet, von Christus selbst kommt. Er sagt auch, dass er sich berufen sieht, die Heiden zu evangelisieren, die das unmittelbare Umfeld der römischen Gemeinde bilden.
Wenn Paulus von den Heiligen als Adressaten spricht, meint er immer die Getauften. Dies tut er aber nicht, weil er davon ausgeht, dass die Taufe sie schon automatisch heilig macht, sondern, weil sie a) dadurch von der Welt ausgesondert sind wie er (Vers 1), b) durch die Taufe dazu berufen sind, heilig zu leben.
Paulus war es in seiner Verkündigung wichtig, die Heiden zu Christus zu bekehren und zu betonen, dass nicht das Halten der Torah (bei ihm immer „das Gesetz“) die Christen gerecht macht, sondern der Glaube an Gott. Damit grenzte er sich von jenen Aposteln ab, die auch von den Heiden die Beschneidung und Befolgung der gesamten Torah forderten. Das hat nichts mit Abgrenzung zwischen theoretischem Glauben („Glaube allein“, was nirgendwo in der Bibel steht) und Taten zu tun (angebliche Werksgerechtigkeit). Was Paulus hier nämlich beschreibt, werden wir im Anschluss im Evangelium hören: Ein absoluter Glaube beim Ziehvater Jesu: Er sagt nicht einfach nur „ich glaube an dich, mein Gott“. Er sagt überhaupt nichts. Nicht ein einziges Wort von ihm ist in der Bibel enthalten. Und doch lässt er Taten sprechen. Diese machen ihn zum gerechten Mann. Josef zeigt uns heute, was der Glaubensgehorsam ist, den Paulus hier anspricht: Gottes Willen gehorsam tun und darauf vertrauen, dass wenn Gott etwas von uns verlangt, es immer zu unserem Heil ist. Dadurch, dass Josef Gottes Willen GETAN hat und nichts Trügerisches im Sinne hatte, ist er von Gott reichlich gesegnet worden, wie David in dem obigen Psalm beschreibt. Josef war sogar bereit, sich gegen das mosaische Gesetz zu stellen, um seine Verlobte zu beschützen. Lesen Sie selbst:

Mt 1
18 Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete – durch das Wirken des Heiligen Geistes. 
19 Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. 
20 Während er noch darüber nachdachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. 
21 Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen. 
22 Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: 
23 Siehe: Die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären und sie werden ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott mit uns. 
24 Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.

Das heutige Evangelium ist die Fortsetzung des Stammbaums. Wir hören jetzt von der Geburt des Messias. Das Matthäusevangelium berichtet sie vor allem aus der Sicht Josefs. Dies macht absolut Sinn, wenn wir uns an den Stammbaum erinnern. Juden denken bei der Weitergabe des Lebens und des eigenen Blutes patrilinear, also väterorientiert. Wenn es also um die Geburt eines Kindes geht, macht es Sinn, dass das Matthäusevangelium die Vaterperspektive betont. Wir lesen heute auch wieder solche Formulierungen, die die biologische Vaterschaft Josefs ausschließen: „Maria, seine Mutter“ ist eine Andeutung solcher Art, die im Stammbaum durch das Auslassen des Satzes „Josef zeugte den Jesus“ und den Verweis auf seine Frau Maria ausgedrückt worden ist. Dies wird noch viel eindeutiger im weiteren Verlauf des Evangeliums, wo immer wieder „das Kind und seine Mutter“ gesagt wird, nicht „Josefs Sohn“ (z.B. in Mt 2,13-14) – in einem Evangelium, das eigentlich sehr patrilinear orientiert ist! Das fällt auf.
Josef ist ein gerechter Mann. Gott hat sich etwas dabei gedacht, ausgerechnet diesen Menschen als Ziehvater seines Sohnes vorzubereiten. Josef wollte seine Frau nicht bloßstellen – denn erstens war Maria vor der Ehe schwanger geworden und zweitens als geweihte Jungfrau! Um ihre Ehre zu bewahren, möchte er sich von ihr trennen. Wir verstehen seine noble Tat erst, wenn wir die jüdischen Gesetze kennen:
Wenn ein unberührtes Mädchen, das einem Mann versprochen ist, von einem anderen Mann schwanger wird, sollen der andere Mann sowie die Frau gesteinigt werden (Dtn 22,23f.). Dem Betrogenen wird keine Schuld zugeschrieben. Warum will sich Josef dann von ihr trennen? Josefs Gerechtigkeit ist eine größere als die der buchstabentreuen Juden seiner Zeit. Er denkt keinen Moment daran, das mosaische Gesetz auszuführen, sondern er überlegt, die ganze Schuld auf sich zu nehmen. Indem er sich nämlich in aller Stille von ihr getrennt hätte, hätte es nach außen hin so ausgesehen, als hätte er sie verlassen, nachdem er mit ihr ein Kind gezeugt hatte. So hätte sie als „Verführte“ und „Verlassene“ keine Schuld getroffen. Er wäre bestraft, Marias Leben und das des Kindes aber gerettet worden. DAS meine Lieben, ist ein würdiger Ziehvater, den sich Gott auserwählt hat. Er hat seine Gerechtigkeit schon vor der Geburt des Gotteskindes unter Beweis gestellt und das alles, noch bevor er von Gottes Plan gehört hat! Josef hat wirklich so ein reines Herz, das David im Psalm beschreibt.
Josef führt seine Überlegungen nicht aus, weil ihm im Traum ein Engel des Herrn den Heilsplan Gottes offenbart hat. Bei den Worten des Engels ist sehr auffällig, dass er Josef „Sohn Davids“ nennt. Die jüdischen Hörer dieses Evangeliums werden eins und eins zusammengezählt haben. Das Kind, das in die Welt kommen soll, erhält auf Erden einen davidischen Vater. Somit erfüllen sich die messianischen Verheißungen der Hl. Schriften. Dieser Messias wird von einem davidischen Vater erzogen werden, der selbst ein gerechter Mann ist. So wird der Messias selbst gerecht sein, als Gott durch die göttliche Eigenschaft der Gerechtigkeit, als Mensch dank Josef und seiner Tugend der Gerechtigkeit. Diese Zweidimensionalität reflektiert Paulus am Anfang seines Römerbriefs. Josef handelt nach Gottes Willen ohne Widerrede und Skepsis. Er hat diesen Glaubensgehorsam, von dem Paulus spricht. Dieser macht ihn gerecht. Die Steinigung seiner schwangeren Verlobten als Ausführung des mosaischen Gesetzes hätte ihn nicht gerecht gemacht.
Das Kind ist vom Hl. Geist, aber Josef soll es benennen. Damit wird deutlich, dass er es als sein Kind adoptieren soll.
Der Engel gibt ihm auch den Namen vor und erklärt dessen Bedeutung: Dieses Kind wird das Volk von seinen Sünden erlösen. Das ist eine Verheißung, die immer und immer wieder im AT genannt wird. Damit wird dem frommen Juden Josef klar: Das Kind ist der Messias und muss deshalb Jesus heißen.
Daraufhin wird die Erfüllung der Verheißung durch das heute gehörte Jesajazitat unterstrichen: Die Jungfrau wird ein Kind empfangen…Die frommen Juden, die dieses Evangelium gehört haben, verstanden spätestens jetzt, was für ein Kind hier geboren wird.

Lassen wir uns heute berühren von Gottes großen Heilstaten. Er hat das lange jahrhundertelange Schreien seines auserwählten Volkes erhört und ist wie verheißen als davidisches Kind in dieser Welt Mensch geworden. Er hat für die Umsetzung seines Heilsplans sowohl die Jungfrau bereitet als auch den gerechten Mann, der sie mit allen Mitteln beschützt. Diese Familie ist besonders. Sie ist eine geistige Familie, da alles Biologische, was im Judentum sonst üblich ist, hier komplett entfällt. Das Kind hat keinen menschlichen Vater, es wird nicht auf natürliche Weise gezeugt, es wird nicht auf natürliche Weise geboren. Die Eltern führen keine natürliche, sondern übernatürliche Ehe.
Danken wir heute besonders dem Hl. Josef, der so wunderbar gehandelt hat. Sonst wäre Jesus nicht in diese Welt gekommen, dessen Leben schon von Anfang an bedroht gewesen ist. Wir können wirklich viel von ihm lernen, besonders für unsere eigenen Familien. Sein Glaubensgehorsam, der Taten sprechen lässt, hat uns die Erlösung ermöglicht. Bitten auch wir um diesen Glaubensgehorsam, durch den auch wir zu Werkzeugen des Heils Gottes werden. Es ist bald soweit. In einigen Tagen wird Gott Mensch. Befolgen auch wir seinen Willen, der uns immer nur Heil beschert, und tun wir unser bestes, damit der Herr auch in diesem Jahr in den Herzen unserer Mitmenschen geboren werden kann.

Ihre Magstrauss