Samstag der zweiten Adventswoche (A)

Sir 48,1-4.9-11; Ps 80,2-3.15-16.18-19; Mt 17,9.10-13

Sir 48
1 Da stand Elija auf, ein Prophet wie Feuer, sein Wort brannte wie eine Fackel.
2 Er ließ über sie eine Hungersnot hereinbrechen und verringerte sie mit seinem Eifer; 
3 durch das Wort des Herrn verschloss er den Himmel, ebenso ließ er dreimal Feuer herabfallen.
4 Wie wurdest du verherrlicht, Elija, durch deine Wunder! Wer wird sich gleich dir rühmen können?
9 der mit einem Wirbelsturm aus Feuer hinweggenommen wurde in einem Wagen mit feurigen Pferden; 
10 der aufgeschrieben ist für Zurechtweisungen für künftige Zeiten, um den Zorn vor dem Ausbruch zu besänftigen, um das Herz des Vaters dem Sohn zuzuwenden und um die Stämme Jakobs aufzurichten. 
11 Selig, die dich gesehen haben und die in Liebe entschlafen sind; denn auch wir werden gewiss leben
.

Heute hören wir einmal nicht aus dem Buch Jesaja, sondern aus einer weisheitlichen Schrift, dem Buch Jesus Sirach. Sie reflektiert die heilsgeschichtliche Bedeutung Elijas. Knüpfen wir dies an die gestrigen Lesungen an, denken wir sofort an Johannes den Täufer, der als wiedergekommener Elija bezeichnet worden ist. Auch in den heutigen Lesungen geht es weiterhin um diese Verknüpfung, aber warum? Johannes ist der unmittelbare Vorläufer Jesu und bereitet uns auf das Kommen des Messias vor.
In dieser Lesung erfahren wir Eigenschaften des Elija, die auch für Johannes gelten: Sein Wort brannte wie Feuer, weil er für Gott brannte. Feuer hat die Eigenschaft, alles zu verbrennen, das ihm nicht standhält. Nur echtes Gold bleibt bestehen. Wo wir uns an seiner Verkündigung stören, ist noch etwas an uns, das in diesem Feuer geläutert werden muss. Das betraf auch seine Zeitgenossen. Und so war es auch mit Johannes. Seine Verkündigung war ohne Beschönigung und er nannte die Sünde beim Namen. Die Sadduzäer und Pharisäer störten sich an seinen Worten, weil er den Nagel auf den Kopf traf. Besonders störte es auch Herodes, dessen ehebrecherisches Verhalten Johannes ihm wie einen Spiegel vorhielt. Er wollte es sich nicht eingestehen und ließ Johannes ins Gefängnis werfen. Herodias nahm es ihm sogar so übel, dass sie durch eine geschickte Intrige Johannes einen Kopf kürzer machen ließ. Was Johannes tat, ist nicht von Jesus abzugrenzen, was die heutige Forschung gerne vornimmt. Jesus sprach im selben Geist wie sein Vorgänger und nahm auch kein Blatt vor den Mund. Er provozierte mit seiner Verkündigung seine Zeitgenossen auch, bis auch er schließlich hingerichtet worden ist. Es handelte sich um dasselbe Feuer, das der Hl. Geist ist! Die kirchliche Verkündigung soll in der Nachfolge Christi stehen und brennen. Leider geschieht das nicht immer. Wie sollen die Menschen von allem gereinigt werden, was sie vom Reich Gottes abhält, wenn das Feuer nicht mehr lodert? Das Reinigungsmittel schlechthin sind das Wort Gottes und die Heilsmittel der Kirche. Wo das Wort Gottes aber nicht mehr verkündigt wird und v.a. die Beichte nicht mehr zum kirchlichen Leben gehört, gerät dieser heilsame Prozess immer mehr ins Stocken. Beten wir um den Hl. Geist, der die Kirche wieder neu entzünden kann! Gottes Feuer verbrennt Tag für Tag auch in unserer Seele, was dort nicht hineingehört. Er schenkt uns Mitmenschen, deren Worte wie bei Johannes oder Elija brennen. Es tut manchmal richtig weh, sie zu hören, aber wir müssen es zu hören bekommen. Auf diese Weise wird unser Hochmut immer mehr abgebaut und wir werden immer heiliger. Manchmal sind auch wir so ein Johannes oder Elija und werden zu Werkzeugen der Heiligung unserer Mitmenschen. So wie die beiden Heilsgestalten müssen auch wir davon ausgehen, dass Konflikte vorprogrammiert sind und wir unter Umständen einen Kopf kürzer gemacht werden könnten. Sind wir bereit, unseren Kopf um des Himmelreiches willen hinzuhalten?
Elija hat viele Wunder vollbracht, um Gottes Herrlichkeit den Menschen zu vermitteln. Die Vollmacht, die er von Gott erhalten hat, vollbrachte die Hungersnöte, Dürren und Feuer. Dies alles ließ Gott nicht zu, weil er sadistisch ist, sondern weil er die Menschen von sich überzeugen wollte.
Elija erhielt noch ein weiteres, seltenes Privileg. Er starb nicht, sondern wurde entrückt. Wir lesen in 2 Kön 2 von der Entrückungsepisode und erinnern uns an eine weitere Person, die so aus dem Leben schied: Henoch in Gen 4 und 5. Anhand dieser Einzelfälle wurde die Menschheit schon darauf vorbereitet, dass es eine leibliche Auferstehung aller Menschen geben wird.
Jesus Sirach erklärt mithilfe dieser Andeutungen, wofür es aufgeschrieben worden ist: als Zurechtweisung und um den Zorn Gottes zu besänftigen. Wir sollen aus der Lebensgeschichte des Elija lernen, so auch zuvor das Volk Israel. Es sollte zudem aufgerichtet werden. Elijas Geschichte ist eine Hoffnungsgeschichte!
Weil Elija nicht gestorben, sondern entrückt worden ist, glaubten die Juden auch, dass er wiederkommen würde. Deshalb konnte Jesus auch den Elija-Code auf Johannes den Täufer anwenden, um zu erklären, dass dieser mit derselben Kraft und Vollmacht aufgetreten ist.

Ps 80
2 Du Hirte Israels, höre! Der du auf den Kerubim thronst, erscheine!
3 Wecke deine gewaltige Kraft und komm zu unserer Rettung!
15 Gott der Heerscharen, kehre doch zurück,/ blicke vom Himmel herab und sieh, sorge für diesen Weinstock! 
16 Beschütze, was deine Rechte gepflanzt hat, und den Sohn, den du dir stark gemacht!
18 Deine Hand sei über dem Mann zu deiner Rechten, über dem Menschensohn, den du dir stark gemacht. 
19 Wir werden nicht von dir weichen. Belebe uns und wir rufen deinen Namen an.

Psalm 80 ist durch und durch von der Messiassehnsucht durchtränkt. Es ist ein einziger Ruf nach Gottes Kommen. Man sieht es sprachlich anhand der vielen Imperative wie „höre“, „erscheine“, „wecke“, „kehre doch zurück“, „blicke herab“, „sieh“, „sorge“ etc. Die Menschen schreien zu Gott und dieser erhört sie. Er wird seinen Sohn schicken. Er hört, er blickt herab und sieht. Er erscheint als kleines Kind in einem Stall, er sorgt wie ein Hirte für seine Herde und sagt über sich „ich bin der gute Hirte“ und „ich bin der Weinstock“. Wir beten diesen Psalm aus der Perspektive der Gebetserhörung und zugleich mit Blick auf sein zweites Kommen. So beten auch wir „kehre doch zurück“ und „komm zu unserer Rettung“.
Es ist bemerkenswert, wie hier bestimmte Metaphern verwendet werden, die später Jesus aufgreift. Dies zeigt erneut die pädagogische Sensibilität Gottes, denn Jesus greift das auf, was Tradition ist, was bekannt ist. Es verschafft den frommen Juden einen Aha-Effekt nach dem anderen. Wir erkennen diese überwältigenden Querverweise nicht so intensiv wie diejenigen, die ganz mit den Psalmen und dem AT lebten, die die Schriften durch und durch auswendig kannten, die ihnen dachten. Der Weinstock ist ein absolut traditionelles Bild. Ebenso verhält es sich mit dem Bild des Hirten für Gott. Wenn Jesus von sich aus sagt, dass er der gute Hirte sei, deutet er für die Juden verständlich an, dass er Gott ist! Wir lesen Vers 18 mit besonderer Aufmerksamkeit: Dies ist ja zunächst auf keine bestimmte Person zu beziehen, sondern die Hand auf dem Mann zur Rechten bezieht sich auf den Schutz und Beistand Gottes für all jene, die der Weisung folgen. Diese sind „zur Rechten“ Gottes. So ist jeder Mensch dann als Menschensohn zu bezeichnen. Dies ist der Literalsinn, den auch die Zeitgenossen so zunächst verstanden haben. Wir lesen so eine Aussage, aber vor allem christologisch: Die Hand Gottes liegt auf dem, von dem wir glauben, dass er nun zur Rechten Gottes sitzt, Jesus Christus! Er ist der Menschensohn, wie er sich selbst zu Lebzeiten immer bezeichnet hat. Er ist der Sohn des Menschen – der Nachkomme Adams. Wenn Jesus sich so nannte, dann aus der Perspektive seines vollen Menschseins. Auch wir sind Nachkommen Adams und erbitten den Beistand Gottes, seine Hand auf uns, die wir uns darum bemühen, an seiner Rechten zu sein, also seine Gebote zu halten. Am Ende der Zeiten erhoffen wir uns, zur Rechten Gottes auf ewig bestehen zu dürfen – nicht so wie Christus, aber doch in deren Gemeinschaft.
Auch wir versprechen dem Herrn, nicht von ihm zu weichen. Dies ist nicht nur ein Versprechen, das die Israeliten JHWH gemacht haben. Gewiss brechen wir dieses Versprechen mit jeder Sünde, aber doch bemühen wir uns. Gott ist so barmherzig mit uns, dass er uns die Schuld vergibt, wenn wir ihn aufrichtig um Vergebung bitten.
Bemerkenswert ist auch der letzte Satz: Wir bitten um Belebung. Dies lesen wir sehr ekklesiologisch: Wir bitten als Christen um den Hl. Geist, der uns belebt, sodass wir seinen Namen anrufen können. Dies wird in der Apg wieder aufgegriffen, als die Aufforderung an Paulus ergeht: „Was wartest du? Lass dich taufen und deine Sünden abwaschen und rufe seinen Namen an!“ (Apg 22,16). Die Belebung verstehen wir sakramental als die Wiedergeburt im Hl. Geist, die Taufe! Zugleich lässt es uns an die Firmung denken, das ein persönliches Pfingsten in der Seele des Menschen ist. Diese beiden Sakramente waren ursprünglich eines. So verwundert das nicht. Wir bitten auch um Belebung der Kirche. Wir beten um Erneuerung durch den Geist Gottes, der das Feuer neu aufflammen lässt. Diese Erneuerung wird den angemessenen Lobpreis Gottes mit sich bringen. Dieser Satz ist auch auf die persönliche Umkehr jedes Menschen zu beziehen: Durch die (sakramentale) Umkehr erlangt der Mensch den Stand der Gnade, was eine Belebung der Seele ist. Der Zustand der Todsünde wird nicht umsonst in der Bibel Tod der Seele bezeichnet. Und am Ende der Zeiten werden wir belebt zum ewigen Leben, eines Tages sogar mit Leib und Seele! Dann werden wir auf ewig den Namen Gottes anrufen, in dessen Gegenwart wir leben werden.

Mt 17
9 Während sie den Berg hinabstiegen, gebot ihnen Jesus: Erzählt niemandem von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferweckt ist!
10 Da fragten ihn die Jünger: Warum sagen denn die Schriftgelehrten, zuerst müsse Elija kommen? 
11 Er gab zur Antwort: Ja, Elija kommt und er wird alles wiederherstellen. 
12 Ich sage euch aber: Elija ist schon gekommen, doch sie haben ihn nicht erkannt, sondern mit ihm gemacht, was sie wollten. Ebenso wird auch der Menschensohn durch sie leiden müssen. 
13 Da verstanden die Jünger, dass er zu ihnen von Johannes dem Täufer sprach.

Auch das Evangelium greift die Elija-Johannes-Typologie auf. Der heutige Abschnitt ist einzuordnen im Anschluss an die Verklärung auf dem Berg Tabor. Dort haben die Apostel Petrus, Jakobus und Johannes schon den verherrlichten Menschensohn gesehen, wie wir ihn erst am Ende der Zeiten schauen werden. Mit ihm sahen die drei auch Mose und Elija, ausgerechnet die beiden Menschen, von denen wir eine Entrückung annehmen (bei Mose ist es nochmal besonders, weil nicht klar ist, ob er zuerst tot war und dann lebendig wurde). Das war für die drei frommen Juden von besonderer Aussagekraft, denn Elija sollte ja nach jüdischer Vorstellung wiederkommen.
Auch wenn es den dreien bekannt war, wussten sie nicht um das Warum. Jesus erklärte ihnen, was es mit der Wiederkunft des Elija auf sich hat: Dieser soll alles wiederherstellen. Damit ist gemeint, dass er alles wieder in den richtigen Zustand versetzen soll. Schauen wir auf Johannes als wiedergekommenen Elija, verstehen wir, um welchen Zustand es sich handelt. Die Menschen sollen umkehren und ihren Seelenzustand auf das Kommen Gottes ordnen. In diesem Sinne trat Johannes als Bußprediger auf und predigte das unmittelbar bevorstehende Kommen des Messias.
Jesus erklärte den Jüngern, das Elija wiedergekommen ist. Dabei wird deutlich, dass er nicht von der Verklärungsszene sprach, sondern von Johannes dem Täufer. Dieser ist nicht gehört, sondern mundtot gemacht worden.
Es ist bemerkenswert, dass Jesus den Lebensweg des Johannes zum Anlass nimmt, sich selbst anzuschließen. So wird auch der Menschensohn leiden – das bezieht sich zunächst auf ihn selbst. Das ist ein Gegenbeweis für all jene, die zwischen Jesus und Johannes eine Rivalität erkennen wollen. Dies betrifft im weiteren Sinne all jene, die Menschensohn sind, also die Nachkommen des Adam – jeden Menschen, der im Namen Gottes spricht. Dies betrifft auch die Nachkommen des NEUEN Adam, Jesus Christus. Das ist die Kirche, die im Namen Jesu das Reich Gottes verkündigt. Wir sehen es besonders akut in unserer heutigen Zeit. Noch nie gab es so schlimme Christenverfolgung wie heutzutage. Es wird noch schlimmer kommen und der Satan wird noch sehr heftig wüten. Doch dann wird Gott am Ende siegen. Die Verfolgten werden ein ewiges Siegeslied singen und in ewiger Seligkeit bei Gott sein.

Was wir in den heutigen Lesungen hören, betrifft auch uns in der momentanen Adventszeit: Wir werden vor die Entscheidung gestellt, ob wir zur Rechten Gottes sein wollen und dafür unseren Kopf hinhalten wollen oder nicht. Wir können nicht beten: „Belebe uns!“, wenn wir nicht zugleich das absolute Risiko für ihn eingehen wollen. Vor allem aber kann er uns erst dann beleben, wenn wir uns bereit machen. Zuvor muss es auch mal wehtun, wenn Gott unser Ego Stück für Stück abbaut. Die Früchte werden dies aber alles wettmachen. Die kurzzeitigen Schmerzen sind nichts im Gegensatz zur ewigen Freude des Himmels.

Ihre Magstrauss

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