Mittwoch der 6. Osterwoche

Apg 17,15.22 – 18,1; Ps 148,1-2.11-12.13-14; Joh 16,12-15

Apg 17
15 Die Begleiter des Paulus brachten ihn nach Athen. Mit dem Auftrag an Silas und Timotheus, Paulus möglichst rasch nachzukommen, kehrten sie zurück.
22 Da stellte sich Paulus in die Mitte des Areopags und sagte: Männer von Athen, nach allem, was ich sehe, seid ihr sehr fromm.
23 Denn als ich umherging und mir eure Heiligtümer ansah, fand ich auch einen Altar mit der Aufschrift: EINEM UNBEKANNTEN GOTT. Was ihr verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch.
24 Der Gott, der die Welt erschaffen hat und alles in ihr, er, der Herr über Himmel und Erde, wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand gemacht sind.
25 Er lässt sich auch nicht von Menschenhänden dienen, als ob er etwas brauche, er, der allen das Leben, den Atem und alles gibt.
26 Er hat aus einem einzigen Menschen das ganze Menschengeschlecht erschaffen, damit es die ganze Erde bewohne. Er hat für sie bestimmte Zeiten und die Grenzen ihrer Wohnsitze festgesetzt.
27 Sie sollten Gott suchen, ob sie ihn ertasten und finden könnten; denn keinem von uns ist er fern.
28 Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir; wie auch einige von euren Dichtern gesagt haben: Wir sind von seinem Geschlecht.
29 Da wir also von Gottes Geschlecht sind, dürfen wir nicht meinen, das Göttliche sei wie ein goldenes oder silbernes oder steinernes Gebilde menschlicher Kunst und Erfindung.
30 Gott, der über die Zeiten der Unwissenheit hinweggesehen hat, gebietet jetzt den Menschen, dass überall alle umkehren sollen.
31 Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis in Gerechtigkeit richten wird, durch einen Mann, den er dazu bestimmt und vor allen Menschen dadurch ausgewiesen hat, dass er ihn von den Toten auferweckte.
32 Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen, andere aber sagten: Darüber wollen wir dich ein andermal hören.
33 So ging Paulus aus ihrer Mitte weg.
34 Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig, unter ihnen auch Dionysius, der Areopagit, außerdem eine Frau namens Damaris und noch andere mit ihnen.
1 Hierauf verließ Paulus Athen und ging nach Korinth.

Gestern ging es in der Apostelgeschichte um das pfingstartige Ereignis im Gefängnis von Philippi. Am Ende bekehrte sich der Gefängniswärter, ließ sich mit seinem ganzen Haus taufen und nahm die Missionare bei sich auf. Um die Nachgeschichte ein wenig zusammenzufassen: Am nächsten Tag will man die beiden freilassen (es war wohl nicht bekannt geworden, dass die Missionare gar nicht mehr im Gefängnis saßen). Paulus lässt jene, die die Anordnung überbringen, wissen, dass Silas und er römische Bürger seien und eigentlich Anspruch auf einen Prozess gehabt hätten. So kommen die obersten Beamten, um Paulus und Silas hinauszuführen. Daraufhin gehen sie zu Lydia, wo sie den Brüdern Mut zusprechen. Das heißt, dass im Hause der Purpurhändlerin mittlerweile eine christliche Gemeinde entstanden ist. Daraufhin reisen Paulus und seine Gefährten weiter und kommen unter anderem nach Thessalonich und Beröa. Wie schon zuvor ernten sie eigentlich viel Offenheit und Verständnis, sodass viele zu Christen werden. Da aber auch viele Gottesfürchtige der Oberschicht den Glauben annehmen, stößt die Mission auf Eifersucht bei den ansässigen Juden. Diese hetzen die Stadt gegen die Missionare auf, sodass diese weiterziehen müssen. Jene Feinde kommen später dann in die Nachbarstadt, um auch dort gegen die Missionare anzugehen.
Dann bringen Silas und Timotheus Paulus nach Athen und bleiben selbst in Beröa zurück. folgen ihm später nach. So ist Paulus nun in der griechischen Stadt allein und ist aufgebracht wegen der vielen Götzenbilder. Er hat Kontakt zu den ansässigen Juden und tauscht sich gleichzeitig mit epikureischen und stoischen Philosophen aus. Diese bringen ihn eines Tages dann zum Areopag, von wo er eine ganz berühmte Bekenntnisrede hält.
Dabei setzt er rhetorisch sehr geschickt an, indem er den Zuhörern nicht gleich den Götzendienst vorwirft, sondern ihre Frömmigkeit lobt. Damit gewinnt er schon einmal die Gunst der Anwesenden. Dann kommt er auf den Altar für den Unbekannten Gott zu sprechen, den er in der Stadt gesehen hat. Dies dient ihm als Anknüpfungspunkt, über den Schöpfer des Himmels und der Erde zu sprechen, dem rein transzendenten Gott der Christen. Er braucht keinen Tempel, in dem er wohnt und in dem ihm geopfert wird (Kritik an den vielen Tempeln der Stadt). Er braucht auch nicht die Hilfe von Menschen, denn er ist der Helfer all seiner Geschöpfe. Er ist auch der Herr der ganzen Welt, nicht mehr nur eines bestimmten irdischen Bereichs wie bei den Griechen.
Dieser Gott hat die Menschen geschaffen, indem er sie alle von einem einzigen Menschen abstammen lässt (Adam).
Paulus erklärt sodann, dass in allen Menschen die Sehnsucht nach Gott eingepflanzt ist, sodass jeder nach Gott sucht. Er verweist auf griechische Philosophien, denen nach der Mensch von Gottes Geschlecht sei. Das heißt natürlich nicht, dass Paulus an die Göttlichkeit des Menschen glaubt, sondern dass er eine gemeinsame Basis schaffen möchte. So kann er auf sein eigentliches Anliegen zu sprechen kommen: Wenn wir Menschen also von göttlichem Geschlecht sind, können wir nicht Gebilde aus irdischen Materialien und von Menschenhand verehren.
Deshalb ruft Gott universal zur Umkehr auf. Es werde nämlich ein Gericht geben und dieses wird mit Jesus Christus zu tun haben, den er von den Toten auferweckt hat. Als Paulus dies anspricht, spotten einige der Anwesenden darüber, andere wiederum lassen ihn nicht weiterreden und vertrösten ihn auf ein nächstes Mal. Durch die Blume sagen sie ihm eigentlich: Das interessiert uns nicht und geht zu weit.
Dies ist für Paulus jedoch kein Grund zur Kränkung, sondern er geht einfach weg. Einige Menschen bekehren sich auf seine Worte hin, so zum Beispiel Dionysios der Areopagit und eine Frau namens Damaris. Dann geht Paulus nach Korinth. Dort wird er eine Gemeinde gründen, die zu einer beachtlichen Größe heranwachsen wird.

Ps 148
1 Halleluja! Lobt den HERRN vom Himmel her, lobt ihn in den Höhen:
2 Lobt ihn, all seine Engel, lobt ihn, all seine Heerscharen,
11 ihr Könige der Erde und alle Völker, ihr Fürsten und alle Richter der Erde,
12 ihr jungen Männer und auch ihr jungen Frauen, ihr Alten mit den Jungen!
13 Loben sollen sie den Namen des HERRN,/ denn sein Name allein ist erhaben, seine Hoheit strahlt über Erde und Himmel.
14 Er hat erhöht die Macht seines Volks, zum Lob für all seine Frommen, für die Kinder Israels, das Volk, das ihm nahe ist. Halleluja!

Auch heute beten wir im Anschluss an die Lesung einen Lobpreispsalm. Trotz der abrupten Unterbrechung an entscheidender Stelle spricht Paulus inmitten der Heiden über den christlichen Glauben. Das muss man sich einmal genauer vorstellen: Er spricht hier zu Menschen, denen Athena Promachos und der olympische Zeus alles bedeuten. Nicht der griechische Vatergott ist der Vater, Herr und Geber von allem, sondern der sich offenbarende jüdisch-christliche Gott.
Der heutige Psalm gehört zum Schluss-Hallel, der Psalmengruppe, die von Halleluja-Rufen gerahmt wird.
„Lobt den HERRN vom Himmel her, lobt ihn in den Höhen“ ist ein Lobaufruf an die himmlischen Wesen, das heißt an die Engel und Heiligen, die bei Gott sind. Dies wird uns dann auch im nächsten Vers explizit gesagt („Lobt ihn, all seine Engel…“).
Auch die irdischen Wesen sollen Gott loben, vor allem die Mächtigen der Welt: „ihr Könige der Erde und alle Völker, ihr Fürsten und alle Richter der Erde“. Ihre Macht ist von Gott her betrachtet geringer als die königliche und richterliche Gewalt Gottes. So müssen selbst diese irdischen Mächte dem Allmächtigen die Ehre geben.
Alle Menschen werden zum Lobpreis aufgerufen, Jung und Alt, Mann und Frau, denn Gottes Name ist erhaben. Er ist zwar ganz und gar von der Schöpfung verschieden, doch seine Herrlichkeit erstrahlt das All. In seiner Macht hat er seinem auserwählten Volk, „das ihm nahe ist“, Israel, Macht verliehen. Er hat ihm besondere Gnaden zuteil werden lassen und diese sind Anlass für das Lob Gottes.
Paulus als Kind Israels hat auch heute Anlass, Gott für diese Gnade zu loben und zu preisen. Zwar haben die Athener ihn beim Thema Auferstehung abgelehnt, ihn die Heilsgeschichte bis dahin aber erzählen lassen. Sie haben ihm Gehör geschenkt, als er ihre vielen Götzenbilder und Tempel kritisiert und eben jenen Gott beschrieben hat, den dieser Psalm zeichnet: als Herrscher des Himmels und der Erde, dem allein die Ehre gebührt.
Für Psalmen ist bezeichnend, dass Lobaufforderungen formuliert werden, besonders auch die Aufforderung an die verschiedenen Bereiche der Schöpfung.
Das Halleluja schließt auch hier den Lobgesang ab.

Joh 16
12 Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.
13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird reden, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird.
14 Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden.
15 Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.
16 Noch eine kurze Zeit, dann seht ihr mich nicht mehr, und wieder eine kurze Zeit, dann werdet ihr mich sehen.

Jesus spricht heute wieder einen Ausschnitt aus der dritten Abschiedsrede. Am liebsten möchte er noch so viel mehr sagen, kann seine Apostel aber nicht überfordern. Sie haben in den letzten Jahren schon so oft seine Worte nicht begriffen. Aus sich selbst heraus können sie die göttliche Weisheit nicht begreifen. Sie brauchen den Heiligen Geist dafür, der sie erfüllt und ihnen die Augen öffnet. Und so kündigt Jesus an, dass wenn der Geist der Wahrheit kommen wird, sie in der ganzen Wahrheit leiten wird. Das bedeutet nicht, dass er ihnen etwas Neues offenbaren, sondern Jesu verkündete Lehre begreiflich machen wird. Jesus erklärt ihnen auch, dass er mit dem Geist etwas gemeinsam hat: eine Lehre zu verkünden, die er nicht aus sich selbst besitzt, sondern vom Vater. Es ist eine gemeinsame Offenbarung, auch wenn der Geist und er nicht einfach identisch sind. So wie Christus der authentische Exeget des Vaters ist, weil er an dessen Herzen ruht, ist auch der Geist Zeuge der Wahrheit, weil er offenbart, was er „hört“. Auch er ist vom Vater gesandt und so bringt auch er authentische Kunde. Er wird den Jüngern seine Gaben geben, wodurch sie sehen werden „was kommen wird.“ Es klingt die Gabe der Prophetie an, die unter anderem eine Schau kommender Dinge ermöglicht. Man kann es auch so verstehen, dass Gottes Geist den Aposteln den göttlichen Willen in kommender Zeit aufzeigen wird.
Dieser Geist ist es, der Christus verherrlichen wird. Wir glauben, dass mit der Himmelfahrt Jesu dieser die Entäußerung ablegen wird, die er mit der Menschwerdung auf sich genommen hat. Dann wird er seine Göttlichkeit nicht mehr verbergen, sondern in seiner ganzen Macht und Herrlichkeit wieder beim Vater sein. Hier sagt Jesus selbst, dass dies durch den Heiligen Geist geschieht. Die Herrlichkeit Gottes hängt also mit dem Heiligen Geist zusammen, was uns den Psalm tiefer verstehen lässt. Dort heißt es, dass Gottes Hoheit über die ganze Erde erstrahlt. Es ist ein und dieselbe Glorie, der Glanz Gottes. Durch den Heiligen Geist ist Gott in der Welt gegenwärtig. Mit der umfassenden Geistgabe an Pfingsten wird seine Gegenwart auf Erden intensiviert. Dann wird er umfassend das Wort Gottes, Jesus Christus nach dessen Heimkehr zum Vater offenbaren. Er wird von dem nehmen, was Jesus gehört – gemeint ist die Fülle der Offenbarung (Jesus hat ALLES gelehrt, auch wenn die Jünger nicht alles verstanden haben). Von derselben Offenbarung wird er nehmen und den Jüngern zugänglich machen, sodass sie nichts Neues hören, sondern daran erinnert werden. Es wird eine pneumatische Wiederholung sein.
Zum Schluss spricht Jesus noch ein Wort, das die Apostel ziemlich verwirrt. Eine kurze Zeit wird bis zum Weggang Jesu vergehen, doch auch nur eine kurze Zeit bis zu seiner Wiederkehr. Dies können wir zunächst auf das Osterereignis beziehen: Die Worte spricht Jesus am Abend vor seinem Tod. Nicht einmal 24 Stunden später ist er tot, was die Apostel im Abendmahlssaal noch nicht erahnen. Und dann wird es keine 48 Stunden dauern, bis er von den Toten wieder auferstehen wird. In dieser wörtlichen Lesart können wir die „kurze Zeit“ wirklich auf wenige Stunden beziehen. Da er aber im Kontext des Heiligen Geistes diesen Vers spricht, müssen wir weitergehen: Er ist nicht mehr lange auf Erden, bevor er zum Vater heimgeht. Das feiern wir morgen! Dann wird er nur noch verborgen in eucharistischer Gestalt in der Welt sein, bis er als verherrlichter Menschensohn am Ende der Zeiten wiederkommt. Diese Zeiträume sind schon größer zu fassen, aber was ist von der Ewigkeit her gesehen schon ein Tag? Wir leben in der Endzeit, so können wir nachvollziehen, was er mit der kurzen Zeit meint. Seine Wiederkunft ist schon sehr bald. Und bei seinem zweiten Kommen werden nicht nur die Apostel ihn sehen, sondern die ganze Welt.

Ihre Magstrauss

Montag der 5. Osterwoche

Apg 14,5-18; Ps 115,1-2.3-4.15-16; Joh 14,21-26

Apg 14
5 Als die Apostel merkten, dass die Heiden und die Juden zusammen mit ihren Führern entschlossen waren, sie zu misshandeln und zu steinigen,

6 flohen sie in die Städte von Lykaonien, Lystra und Derbe und in deren Umgebung.
7 Auch dort verkündeten sie das Evangelium.
8 In Lystra saß ein Mann, der keine Kraft in den Füßen hatte, von Geburt an lahm, der noch nie hatte gehen können.
9 Er hörte, wie Paulus redete. Dieser blickte ihm fest ins Auge; und da er sah, dass der Mann den Glauben hatte, geheilt zu werden,
10 sprach er mit lauter Stimme: Steh auf! Stell dich aufrecht auf deine Füße! Da sprang der Mann auf und ging umher.
11 Als die Menge sah, was Paulus getan hatte, fing sie an zu schreien und rief auf Lykaonisch: Die Götter sind in Menschengestalt zu uns herabgestiegen.
12 Und sie nannten den Barnabas Zeus, den Paulus aber Hermes, weil er der Wortführer war.
13 Der Priester des vor der Stadt gelegenen Tempels des Zeus brachte Stiere und Kränze an die Tore und wollte zusammen mit der Volksmenge ein Opfer darbringen.
14 Als die Apostel Barnabas und Paulus dies hörten, zerrissen sie ihre Kleider, eilten hinaus unter das Volk und riefen:
15 Männer, was tut ihr? Auch wir sind nur schwache Menschen wie ihr! Wir bringen euch das Evangelium, damit ihr euch von diesen Nichtsen zu dem lebendigen Gott bekehrt, der den Himmel, die Erde und das Meer geschaffen hat und alles, was dazugehört.
16 Er ließ in den vergangenen Zeiten alle Heidenvölker ihre Wege gehen.
17 Und doch hat er sich nicht unbezeugt gelassen: Er tat Gutes, gab euch vom Himmel her Regen und fruchtbare Zeiten; mit Nahrung und mit Freude erfüllte er euer Herz.
18 Mit diesen Worten konnten sie die Volksmenge mit Mühe davon abbringen, ihnen zu opfern.

Letzten Samstag endete die Zeit in Antiochia mit hetzenden und missgünstigen Bewohnern. Die Missionare schüttelten den Staub den Füßen und zogen nach Ikonion. Es ist auch dort ähnlich: Sie predigen bei den Juden und ernten zunächst eine große Offenheit und positive Rückmeldungen. Doch auch dort kommt es bald zu Auseinandersetzungen und so beginnt der heutige Abschnitt mit der Bemerkung, dass sie von Ikonion fliehen müssen. Sowohl Juden als auch Heiden möchten sie nämlich steinigen.
So ziehen sie ins lykaonische Gebiet. Die Menschen dort sprechen zusätzlich zu Griechisch noch ihre lykaonische Sprache. Es handelt sich bei den genannten Städten um heidnisches Gebiet. Dies ist wichtig zu wissen, um das sich im Folgenden zutragende Missverständnis zu verstehen.
Sie predigen in Lystra das Evangelium und da fällt Paulus ein gelähmter Mann auf, der ihm fest in die Augen schaute. Er merkt, dass der Mann ein offenes Herz hat für den Glauben und so befiehlt er ihm, aufzustehen. Sogleich steht er auf und kann umhergehen, obwohl er von Geburt an gelähmt war. Dies ist ein großes Wunder und die anwesenden Menschen reagieren so, wie es für Heiden zu erwarten ist: Sie denken, dass ihre Götter Zeus und Hermes in Menschengestalt vor ihnen stehen und dies erwirkt haben. Dies ist die religiöse Welt, die sie kennen und so versuchen sie es sich zu erklären. Paulus und Barnabas bekommen derweil nichts davon mit, denn sie verstehen die lykaonische Sprache nicht. Erst als sie gemäß des in der Stadt etablierten Zeuskults Opfer darbringen wollen, realisieren die Missionare das fatale Missverständnis und versuchen, die Menschen von den Opfern abzubringen.
Paulus erklärt den Bewohnern, dass sie ja gerade deshalb das Evangelium verkündet haben, damit sie von ihrer paganen Verehrung Abschied nehmen. Er betont dies durch die Bezeichnung „Nichtse“ für die Götter. Das Wort μάταιος mataios heißt „nichtig, eitel, ohne Kraft/Wirkung“. Die Götter der Heiden, z.B. Zeus und Hermes, sind in Wirklichkeit nichts. Es gibt sie nicht. Der Gott, den sie verkünden, ist dagegen der lebendige Gott. Er existiert wirklich und hat vor ihren Augen soeben seine Macht offenbart.
Paulus stellt klar, dass Barnabas und er nur schwache Menschen sind und keine Götter. Deshalb umschreibt er den lebendigen Gott auch als Schöpfer, „der den Himmel, die Erde und das Meer geschaffen hat und alles, was dazugehört.“ Er ist von der Schöpfung strikt zu unterscheiden. Er ist der ganz Andere und deshalb kann auch kein Mensch göttlich sein. Dieser Schöpfergott hat allen Menschen bisher Gutes erwiesen, auch den Heiden. Er hat durch die gute Schöpfung alle Menschen mit reichen Gaben beschenkt.
So schaffen die Missionare es, die Bewohner von Lystra vor dem Götzendienst zu bewahren. So endet die heutige Episode. Für die beiden birgt die erste Missionsreise sehr viele Überraschungen und Ungewissheit. In einem Moment ernten sie reiche Zustimmung, im nächsten Moment trachten die Menschen nach ihrem Leben. Sie gehen wirklich bis an ihre Grenzen, um Jesus Christus zu den Menschen zu bringen.

Ps 115
1 Nicht uns, HERR, nicht uns, nein, deinem Namen gib Herrlichkeit, wegen deiner Huld, wegen deiner Treue!
2 Warum sollen die Völker sagen: Wo ist denn ihr Gott?
3 Unser Gott, er ist im Himmel, alles, was ihm gefällt, vollbringt er.
4 Ihre Götzen sind nur Silber und Gold, Machwerk von Menschenhand.
15 Gesegnet seid ihr vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.
16 Der Himmel ist Himmel des HERRN, die Erde aber gab er den Menschen

Der heutige Antwortpsalm ist in der Einheitsübersetzung betitelt mit dem Thema „Der Gott Israels und die Götzen der Völker“. Er passt also perfekt zum lykaonischen Missverständnis der heutigen Lesung.
Er beginnt mit einer Bitte und zugleich einer Abgrenzung: Nicht die Menschen, sondern Gott allein soll verherrlicht werden. Paulus und Barnabas sind ja als Götter behandelt worden, was Götzendienst darstellt. Es ist ein Verstoß gegen das erste Gebot, denn nur Gott allein gebührt die Anbetung. Nur ihm darf ein Opfer dargebracht werden.
„Wegen deiner Huld, wegen deiner Treue“ deutet an, dass Gott seinem Volk immer wieder die Treue bewiesen hat, die er durch die Bundesschlüsse des Alten Testaments versprochen hat. Gott ist selbst dann seinem Volk treu, wenn es ihm untreu geworden ist.
„Warum sollen die Völker sagen: Wo ist denn ihr Gott?“ Solche Wendungen finden wir häufig bei den Psalmen. Sie drücken aus, dass wenn dem auserwählten Volk etwas Schlimmes widerfährt, die umliegenden Völker mit Schadenfreude und Spott reagieren im Sinne von „wo ist ihr Gott jetzt, wo er sein Volk doch aus dem Leiden herausführen soll!“ Diese Art von Verspottung muss auch Jesus erleiden, wenn er am Kreuz hängt und sowohl die Hohepriester als auch die Jerusalempilger und sogar die Mitgekreuzigten zu ihm sagen: „Wenn du der Sohn Gottes bist, hilf dir doch selbst und steig herab vom Kreuz.“ Hier beten es die Juden, um deutlich zu machen: „Herr, hilf uns, damit die umliegenden Völker deine Macht erkennen und gläubig werden!“
Vers 3 betont Gottes Anderssein. In der Theologie wird dafür der Begriff der Transzendenz verwendet. Gott ist der rein Transzendente. Nichts in der Schöpfung ist Gott. Er ist davon ganz zu unterscheiden. Er ist im Himmel, was nicht das Himmelsgewölbe über uns meint, sondern die Dimension der Ewigkeit. Er ist außerhalb von Raum und Zeit, denn auch diese Kategorien sind von Gott geschaffen.
„Alles, was ihm gefällt, vollbringt er.“ Alles hängt von Gottes Willen ab. Er wirkt ganz nach seinem Willen, der ein Heilswille ist.
„Ihre Götzen sind nur Silber und Gold, Machwerk von Menschenhand.“ Götzen sind aus irdischem Material und auch ihre Gestalt ist geschaffen, nicht mal von Gott, sondern von Menschenhand. Sie sind gar nicht zu vergleichen mit diesem ganz anderen Gott, der über seine Schöpfung steht. Sie sind wirkungsloses Stück Edelmetall, das keine eigene Kraft besitzt, weder einen Willen noch die Macht hat, irgendetwas zu vollbringen. Um mit Paulus zu sprechen: Es sind Nichtse.
Gott ist der Schöpfer von Himmel und Erde – von sichtbarer und unsichtbarer Welt. Die unsichtbare Welt ist jene, in der er selbst ganz gegenwärtig ist. Die sichtbare Welt ist jene, in der wir Menschen leben.
Wir sind gesegnet von diesem Schöpfergott, der alles vermag. Segen kann kein Stück Silber oder Gold verleihen. Gott ist ein persönlicher Gott, zu dem wir eine Beziehung haben können, zu ihm, der der Herrscher des ganzen Universums ist! Wie überwältigend ist das?

Joh 14
21 Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.
22 Judas – nicht der Iskariot – fragte ihn: Herr, wie kommt es, dass du dich nur uns offenbaren willst und nicht der Welt?
23 Jesus antwortete ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen.
24 Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat.
25 Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin.
26 Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

Heute hören wir im Evangelium die Fortsetzung aus der ersten Abschiedsrede.
„Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt.“ Das ist ein wichtiger Grundsatz, der eigentlich das ganze christliche Leben zusammenfasst. Sie zu haben heißt, dass sie einem offenbart worden sind. Mose hat sie den Juden bereits übergeben, aber Jesus hat sie den Menschen einerseits richtig ausgelegt, andererseits mit seinem ganzen Sein erfüllt. Er ist die Personifikation der Gebote. Christus ist uns geoffenbart worden und wir haben ihn gläubig angenommen durch die Taufe. Wir haben ihn in der Taufe gleichsam angezogen und nehmen ihn in der Eucharistie immer wieder in uns auf, sodass wir immer mehr zu seinem Leib werden. Wir haben die Gebote wirklich in unser Herz aufgenommen. Und diese zu halten, und zwar vollständig und mit rechter Absicht, das ist der Erweis unserer Gottesliebe. Wenn wir einen Menschen lieben und ihm am Traualtar lebenslang die Treue versprechen, nehmen wir ihn ganz an mit allen seinen Facetten. Wir erklären uns bereits, alles für ihn zu tun, egal wie schwer es uns in den schlechten Tagen auch schwerfallen sollte. Aus Liebe sind wir bereit, über unsere Komfortzone hinauszugehen. Was wir mit dem Ehebund eingehen, ist Abbild des eigentlichen Bundes mit Gott! Wir nehmen ihn ganz an mit allen seinen Facetten, wie auch er uns ganz annimmt mit unseren Stärken und Schwächen. Bund heißt „ich gehöre ganz dir und du gehörst ganz mir“. So funktioniert Liebe. Es ist also ganz falsch zu fragen, welche Gebote wir halten sollen und welche uns nicht gefallen. Wir halten ALLE Gebote, weil wir Gott GANZ annehmen und ALLES für ihn tun, weil wir ihn LIEBEN. Es ist keine Einbahnstraße, sondern unsere Liebe ist schon Antwort auf die zuerst von ihm ausgegangene Liebe. Der Mensch, der Christus in der Taufe annimmt, wird vom Vater geliebt werden zusammen mit dem Sohn.
Judas Thaddäus fragt Jesus, warum er sich nur den Aposteln offenbaren will, denn Jesus spricht seine Apostel im Abendmahlssaal direkt an.
Jesus antwortet mit einer Umschreibung der Situation, aufgrund dessen er sich einem Menschen offenbart: Es geht darum, auf sein Wort zu hören. Dieses ist ausgestreut in alle Richtungen. Er ist schließlich von Ort zu Ort gezogen und hat überall das Reich Gottes verkündet. Das Wort hat er also allen angeboten – und somit sich selbst, denn er ist dieses Wort Gottes in fleischgewordenener Form! Dieses kam in sein Eigentum, doch die Seinen nahmen ihn nicht an, wie der Johannesprolog ausdrückt. Es gibt also solche, die auf sein Wort hören, und solche, die nicht darauf hören. Wer es aber annimmt, den wird der Vater lieben und zusammen mit dem Sohn bei diesem Menschen Wohnung nehmen. Sie offenbaren sich somit auch jenem Menschen. Die Apostel haben so wie der erweiterte Jüngerkreis Jesus angenommen und so offenbart er sich ihnen auch zusammen mit dem Vater. Gott nimmt den Willen des Menschen ernst. Er offenbart sich eigentlich der ganzen Welt durch sein Wort, doch wer es nicht annimmt, für den bleibt Gott dunkel – nicht weil Gott Bedingungen stellt, sondern der Mensch selbst dafür sorgt.
Jesus sagt auch, dass das von den Aposteln gehörte Wort vom Vater stammt. Jesus sagt nichts, was nicht im Einklang mit dem Vater ist. Sie sind eins.
Er erklärt zum Ende hin auch, dass er ihnen das alles in seiner Zeit auf Erden gesagt hat. Doch durch den Heiligen Geist, der der Beistand ist, werden sie an alles erinnert werden. Das können wir als Leser und Hörer der Apostelgeschichte wirklich unterschreiben. Sie werden dann erst so richtig verstehen, was Jesus mit bestimmten Aussagen meinte. Sie werden das schon längst Vergessene als sehr entscheidende Dinge begreifen und sie voller Begeisterung auch den anderen Menschen verkünden, sodass auch diese zum Glauben an Jesus Christus kommen. Allein die Pfingstpredigt ist ein absolutes Meisterwerk von Schriftenauslegung auf Christus hin. Ein einfacher Fischer ist von einem Moment auf den anderen zum Exegeten Gottes geworden mit so einem Enthusiasmus, dass er 3000 Menschen auf einen Schlag für Christus gewinnt. Das hat der Heilige Geist in ihm bewirkt und das kann der Geist auch mit uns tun, wenn wir ihn nur lassen.
Dieser Geist geht vom Vater aus, aber auf den Namen Jesu Christi, somit auch von diesem.

Wir lernen heute so einiges über Götzendienst und Monotheismus. Allein Gott ist der Schöpfer von Himmel und Erde. Allein ihm gebührt Anbetung. Offenbart hat er sich in Jesus Christus auf der Höhe der Zeit. Diese wunderbare Offenbarung des Heils gilt es, allen Menschen zu verkünden, auf dass sie auf das Wort Gottes hören und es befolgen. Zwingen werden auch die Apostel die Menschen nicht. Wer es ablehnt und ihnen sogar nach dem Leben trachten will, vor denen schütteln sie den Staub von den Füßen als Zeichen gegen sie. Sie machen sich nichts daraus und ziehen zur nächsten Stadt. Und immer mehr Menschen nehmen das Wort an und lassen sich taufen. Gott nimmt auch in ihren Herzen Wohnung und offenbart sich ihnen. Das Christentum wächst immer weiter.

Ist uns bewusst, dass Gott in uns wohnt? Handeln wir so, dass wir uns vor ihm nicht schämen müssen, der uns ja innerlicher ist als wir uns selbst? Er hat sich uns offenbart als Gott des Heils. Er hat so etwas Unglaubliches für uns getan, um uns das ewige Leben zu schenken. Ist unser Leben eine würdige Antwort darauf?

Ihre Magstrauss

Montag der 4. Osterwoche

Apg 11,1-18; Ps 42; 2-3; Ps 43,3.4; Joh 10,1-10

Apg 11
1 Die Apostel und die Brüder in Judäa hörten, dass auch die Heiden das Wort Gottes angenommen hatten.

2 Als nun Petrus nach Jerusalem hinaufkam, hielten ihm die gläubig gewordenen Juden vor:
3 Du bist bei Unbeschnittenen eingekehrt und hast mit ihnen gegessen.
4 Da begann Petrus, ihnen der Reihe nach zu berichten:
5 Ich war in der Stadt Joppe und betete; da hatte ich in einer Verzückung eine Vision: Eine Art Gefäß, das aussah wie ein großes Leinentuch, das, an den vier Ecken gehalten, auf die Erde heruntergelassen wurde, senkte sich aus dem Himmel und es kam bis zu mir herab.
6 Als ich genauer hinschaute, sah und betrachtete ich darin die Vierfüßler der Erde, die wilden Tiere, die Kriechtiere und die Vögel des Himmels.
7 Ich hörte auch eine Stimme, die zu mir sagte: Steh auf, Petrus, schlachte und iss!
8 Ich antwortete: Niemals, Herr! Noch nie ist etwas Unheiliges oder Unreines in meinen Mund gekommen.
9 Doch zum zweiten Mal kam eine Stimme vom Himmel; sie sagte: Was Gott für rein erklärt hat, nenne du nicht unrein!
10 Das geschah dreimal, dann wurde alles wieder in den Himmel hinaufgezogen.
11 Und siehe, gleich darauf standen drei Männer vor dem Haus, in dem wir wohnten; sie waren aus Cäsarea zu mir geschickt worden.
12 Der Geist aber sagte mir, ich solle ohne Bedenken mit ihnen gehen. Auch diese sechs Brüder zogen mit mir und wir kamen in das Haus jenes Mannes.
13 Er erzählte uns, wie er in seinem Haus den Engel stehen sah, der zu ihm sagte: Schick jemanden nach Joppe und lass Simon, der Petrus genannt wird, holen!
14 Er wird dir Worte sagen, durch die du mit deinem ganzen Haus gerettet werden wirst.
15 Als ich zu reden begann, kam der Heilige Geist auf sie herab, wie am Anfang auf uns.
16 Da erinnerte ich mich an das Wort des Herrn: Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet mit dem Heiligen Geist getauft werden.
17 Wenn nun Gott ihnen die gleiche Gabe verliehen hat wie uns, als wir zum Glauben an Jesus Christus, den Herrn, gekommen sind: Wer bin ich, dass ich Gott hindern könnte?
18 Als sie das hörten, beruhigten sie sich, priesen Gott und sagten: Gott hat also auch den Heiden die Umkehr zum Leben geschenkt.

Was wir heute hören, ist die Nachgeschichte eines zweiten Pfingstereignisses. Petrus war nach Cäsarea gerufen worden zu einem Gottesfürchtigen namens Kornelius. Gott hat ihn auf diese Begegnung vorbereitet, indem er ihm eine Vision geschenkt hat. Über diese berichtet Petrus den Juden in Jerusalem auch. Wir müssen bedenken, dass Jesus seinen Aposteln bereits klar und deutlich erklärt hat, dass die Erlösung universal ist und der neue Bund mit allen Menschen geschlossen wird. Doch so richtig scheint es ihnen erst jetzt klar zu werden, dass ihre jüdische Sichtweise vor allem bezüglich der kultischen Reinheitsgebote damit ein Ende findet.
Und so wie Petrus sich überwinden und sich von Gott eines Besseren belehren lassen musste, so betrifft es heute die Juden in Jerusalem. Als Petrus zu ihnen zurückkehrt, ist ihre erste Reaktion der Vorwurf, in das Haus von Unbeschnittenen eingekehrt zu sein und mit ihnen gegessen zu haben. Das widerspricht den jüdischen Regeln und da merken wir, dass sie trotz Erklärungen Jesu diesen noch ganz verhaftet sind.
Gott möchte sie auf das Heidenchristentum vorbereiten und so erzählt Petrus der Reihe nach von der Vision mit den unreinen Tieren, die Petrus essen soll, von den Worten Gottes, dass er entscheide, was rein sei, von der gleichzeitigen Eingebung des Kornelius in Cäsarea, der Petrus holen ließ, von Petrus‘ Predigt in dessen Haus, durch die der Heilige Geist auf die Anwesenden herabkam und sie in Sprachen sprechen ließ wie im Pfingsttag in Jerusalem.
Petrus schließt aus diesen Ereignissen, dass sie als Juden, die genau wissen, wo es langgeht, Gott wirken lassen müssen, der es besser weiß. Und wenn Gott nun auch die Heiden auf dieselbe Weise erfüllt und zur Taufe führen möchte, dann ist er der letzte, der das verhindern darf. Er beginnt zu begreifen, dass Jesus es absolut wörtlich meinte, als er sagte, dass er den Neue Bund für alle Menschen, also auch für Heiden schließen werde.
Nachdem die Jerusalemer das alles gehört haben, beruhigen sie sich. Sie lassen sich belehren und reagieren nicht stur wie die Hohepriester und Schriftgelehrten bei den Konflikten mit Jesus. Sie verstehen anhand der wunderbaren Zeichen Gottes, dass dieser es so will. Sie verstehen, dass etwas Neues passiert und über den jüdischen Tellerrand hinausgeht.
Schon der Äthiopier ist als Heide zum Glauben an Christus gekommen, ebenso die Samaritaner, die ja nicht als vollwertige Juden galten. Die Tendenz zum Heidenchristentum wächst.
Petrus steht bei all dem zwischen den Welten. Gott hat ihn zum Werkzeug der Einheit gemacht. Er ist es, der Judenchristen und Heidenchristen zusammenhält, der vermittelt und zusammenschweißt. Er ist wirklich ein Hirte, der die ganze Kirche stützt wie ein Fels. Jesus hat ihn ausersehen und durch den Hl. Geist wächst Petrus immer mehr über sich hinaus. Er erhält viele übernatürliche Gaben, um dieser großen Aufgabe gerecht zu werden. Es klappt nicht immer so, wie es soll, aber Gott schreibt auch in seinem Fall auf krummen Seiten gerade.

Ps 42/43
2 Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, nach dir, Gott.

3 Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann darf ich kommen und erscheinen vor Gottes Angesicht?
3 Sende dein Licht und deine Wahrheit; sie sollen mich leiten; sie sollen mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deinen Wohnungen.

4 So will ich kommen zu Gottes Altar, zum Gott meiner Freude und meines Jubels. Ich will dir danken zur Leier, Gott, du mein Gott.

Der Psalm reflektiert das lebendige Wasser des Hl. Geistes, der die Liebesglut Gottes ist. Er ist es, den unsere Seele so sehnlichst erwartet und der sie tränkt. Wie ein Hirsch nach frischem Wasser lechzt, so dürstet die Seele des Menschen nach Gott. Wir sind Abbild Gottes und sehnen uns immer nach unserem Schöpfer. Wir sind dazu geschaffen, ganz mit ihm in einer Liebesgemeinschaft zu sein. Und deshalb sucht der Mensch Gott immer bewusst oder unbewusst in seinem Leben. Und auch Gott wirbt lebenslänglich nach dem Menschen, er ruft und er zieht ihn. Es ist eine Grundaussage, die in der Apostelgeschichte konkret erfahren worden ist. Die Heiden in Cäsarea haben voller Durst nach diesem Wasser Petrus in ihr Haus aufgenommen. Sie haben voller Sehnsucht seine Worte aufgesogen wie einen Schwamm. Sie haben die Tore ihres Herzens ganz weit aufgerissen und so ist der Geist Gottes bereitwillig hineingezogen.
„Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“ Das ist eine absolute Entsprechung zum lebendigen Wasser, das wir trinken sollen. „Wann darf ich kommen und erscheinen vor Gottes Angesicht?“ – das ist besonders schmerzhaft zu beten bzw. sehr aktuell, da wir zwar in die Kirchen hineindürfen, es auch schon erste Lockerungen gibt, aber unter strengen Auflagen. Gottes Angesicht schauen zu dürfen, ist eine Sehnsucht, die der Mensch immer hat, auch wenn er es nicht merkt. Es kann moralisch auf den Stand der Gnade bezogen werden. Vor einigen Tagen beteten wir in einem anderen Psalm, dass Gott die Wege des Gerechten sieht. Das ist bildhaft gemeint und auch hier ist es dieses Gesehenwerden von Gott. Auf vollkommene und erfüllte Weise wird dies aber sein, wenn wir sterben und dann vor ihm stehen. Dann sieht nicht nur er uns, sondern auch wir ihn, wie er ist.
„Sende dein Licht und deine Wahrheit; sie sollen mich leiten“ – das Licht und die Wahrheit ist Jesus Christus. Dieser Vers ist absolut messianisch. Gott ist selbst zu uns gekommen, um uns zu leiten auf dem Weg, den er für uns bereitet hat. Er hat vorgelebt, wie wir die Gebote Gottes richtig umsetzen sollen, damit wir die Chance auf den heiligen Berg haben, das Himmelreich. Auch das Bild der Wohnungen ist darauf zu beziehen. Jesus sagt in seiner Abschiedsrede in Joh 14,1-2: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?“ Dieses Licht und diese Wahrheit leiten nun durch den Mund des Petrus auch die Heiden, die der Vater in gleichem Maße an sich zieht wie die Juden.
Was der Herr für uns getan hat bis hin zum Kreuz, ist ein lebenslanges Lob wert. Und so ist es elementar für uns Christen, zum Altar zu kommen, um dem Herrn zu danken – die Eucharistie, „Danksagung“ ist deshalb der Herzschlag der Kirche. Wenn sie ausbleibt, bleibt das Herz stehen und die Kirche stirbt. So lange sie aber gefeiert wird, werden die Mächte der Finsternis sie nicht überwältigen. Auch durch unseren Lebenswandel sollen wir immerzu dankbar sein. Gott schenkt uns so viel Gutes, doch oft sind wir versucht, nur den Mangel zu sehen, den wir dabei so oft selbst verschulden. Er lässt uns nicht im Stich und lässt uns auch nicht verdursten. Haben wir Vertrauen!

Joh 10
1 Amen, amen, ich sage euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber.
2 Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe.
3 Ihm öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.
4 Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme.
5 Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen.
6 Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte.
7 Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen.
8 Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört.
9 Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.
10 Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

Heute hören wir noch einmal das Evangelium vom guten Hirten. Diese Wiederholung kommt durch die Überschneidung der zwei verschiedenen Leseordnungen zustande (es gibt die Leseordnung der Sonn- und Feiertage sowie die Ordnung der Werktage). Deshalb kommen heute noch einmal dieselben Ausführungen, jedoch mit einem Seitenblick auf die bisherigen Texte des Tages.
Wer nicht geregelt durch die Tür geht, ist ein Dieb. Er hat nicht vor, den Schafen im Stall etwas zu essen oder zu trinken zu geben, sondern sie zu rauben und ihnen zu schaden.
Der Hirte kommt dagegen durch die Tür in den Stall. Er wird vom Türhüter hereingelassen und an seiner Stimme erkennen die Tiere, dass er es ist. Er weiß genau, wie jedes einzelne Schaf heißt und er führt sie auf die Weide hinaus. Er lässt sie dort aber nicht alleine, sondern geht ihnen voran. Die Stimme des Hirten ist entscheidend. Wenn ein Fremder versucht, die Herde irgendwohin zu treiben, wird es nicht funktionieren. Die Schafe hören gar nicht auf die fremde Stimme.
Jesus greift ganz bewusst so ein Bildfeld auf. Es ist sehr lebensnah für die Menschen, die dort anwesend sind und seiner Rede lauschen. Sie sind vertraut mit dem innigen Verhältnis von Hirt und Herde. Das Hirtenbild im Anschluss an Ps 42/43 verbindet sich heute nicht mit den grünen Auen wie gestern aufgrund von Ps 23, sondern wegen des lebendigen Wassers, das der gute Hirte den Menschen zu trinken gibt. Heute sind es die Schäfchen des Heidentums, die durch die Person des Petrus eigentlich von Christus selbst getränkt werden und in ihrem Durst große Schlücke davon nehmen.
Jesus erklärt dies, weil er der rechtmäßige Hirte ist, gesandt vom Vater. Er ist durch die Tür hineingekommen in den Stall. Es ist ein Bild für seine Menschwerdung: Durch die Tür der Geburt ist er in die Welt hineingeboren. Die Menschen, die die Schafe sind, kennen ihn. So viele Schriftstellen der jüdischen Bibel haben ihn vorausgesagt und angekündigt, was sich nun Schritt für Schritt mit seinem ganzen Dasein erfüllt – bis hin zu seinem Tod und seiner Auferstehung.
Es ist auch eucharistisch zu lesen, denn Jesus kommt als guter Hirte in jeder Heiligen Messe bei der Wandlung von Brot und Wein zu Leib und Blut durch die Tür der Ewigkeit in unsere Zeit. Wir erkennen ihn an seiner Stimme, die durch die Worte des Priesters am Altar erklingt: „Nehmet und esset, das ist mein Leib. Nehmet und trinket, das ist mein Blut.“
Jesus wird auch am Ende der Zeiten durch das Tor der Ewigkeit zurückkommen in unsere Welt, um das jüngste Gericht einzuberufen und seine Schafe auf die ewige Weide zu führen, die das Himmelreich ist.
Von sich grenzt er die Räuber ab, die den Schafen Böses wollen. Sie steigen woanders ein, das heißt sie haben nicht die göttliche Beauftragung und Sendung wie er. Sie sprechen nicht im Namen Gottes und haben auch eine ihm widerstrebende Botschaft. Der Räuber will die Schafe rauben und ihnen schaden. Die Schafe hören aber auch nicht auf den Fremden. Sie merken, dass da etwas nicht stimmt. So ist es mit jenen Gläubigen, die das Wort Gottes kennen und das Evangelium Jesu Christi in ihre Herzen eingeschrieben haben. Wenn sie ganz vertraut sind mit Gottes Lehre, wird ihnen auffallen, wenn jemand etwas anderes sagt. Die Alarmglocken werden angehen und sie werden auf diese falschen Messiasse nicht hören.
Die Anwesenden verstehen die Worte Jesu nicht. Er setzt dagegen wieder zum Sprechen an und bringt ein etwas abgewandeltes Wort: Er geht nicht nur durch die Tür, sondern er ist die Tür.
Wer durch ihn hindurchgeht, wird gerettet werden.
Seine Selbstoffenbarung lehrt uns zweierlei: Erstens ist er die Tür zu den Schafen. Wer also mit pastoralen Aufgaben betraut wird, muss ganz und gar von Christus und seinem Evangelium durchdrungen sein. Erst wenn er durch diese Christustür gegangen ist, kann er ein guter Hirte für jene sein, die er als Hirten-Nachfolger Christi hüten möchte. Er muss Christus ganz nachfolgen, indem er denselben Weg wählt wie Christus – durch die Tür, nicht durchs Fenster. Petrus ist selbst ganz erfüllt vom Heiligen Geist, der die Heiden in Cäsarea ganz durchdringt. Bevor es dieses heidnische Pfingsten geben konnte, mussten die Apostel selbst zu den Empfängern des pfingstlichen Geistes werden, der in ihnen das Feuer der Liebe entzündet und sie ganz durchtränkt mit dem lebendigen Wasser. So ist Petrus zu einem ganz gut ausgestatteten und auch von Gott selbst ausgesandten Hirten geworden, der nun die Herde vergrößert!
Das Zweite, das Jesu Gleichnis uns lehrt: Nur durch Christus hindurch können wir das ewige Leben haben. Wenn wird an ihn glauben und uns auf seinen Namen taufen lassen, nehmen wir die Erlösung an, die unser Exil vom Paradies bricht. Diese Tür der Taufe ist heilsnotwendig. Jesus sagt dann später: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wir können das ewige Leben nur durch die Christustür hindurch erhalten. Das Himmelreich ist hinter dieser Tür. Wir müssen aber nicht bis zum Lebensende warten, um durch sie hindurchzugehen. Wenn wir die Sakramente und Sakramentalien empfangen, gehen wir jedes Mal durch diese Tür. Das endgültige Hindurchschreiten wird uns schließlich am Ende der Zeiten erwarten, wenn der verherrlichte Menschensohn als Weltenrichter zurückkehren wird.
Weil die Taufe so heilsnotwendig ist und weil Jesus seinen Jüngern aufgetragen hat, alle Menschen zu taufen und sie zu seinen Jüngern zu machen, ist es Petrus‘ heilige Pflicht als Gesandter, in das Haus des Kornelius einzukehren und dort das Wort Gottes zu verkünden.

Was wir gestern und heute gehört haben, ist ganz entscheidend und aktuell auch für die heutige Zeit. Wenn wir wahrnehmen, dass immer weniger Menschen zur Heiligen Messe kommen, immer mehr Menschen aus der Kirche austreten, immer weniger überhaupt noch die Lehre der Kirche kennen und immer weniger Menschen daran glauben, dann hat Jesus mit dem heutigen Evangelium eine offensichtliche Antwort darauf: Wo sind die Hirten, die selbst ganz durchdrungen sind vom Heiligen Geist, die durch die Christustür gegangen und ein ganz persönliches Pfingsten erlebt haben? Wo sind die guten Hirten, die ihr Leben für die Schafe hingeben? Die Schafe sind zunehmend wie eine Herde ohne Orientierung, die nicht mehr richtig angeleitet wird. Und hier kommt die entscheidende Sache: Die Sehnsucht ist da. Sie ist kein bisschen erloschen, denn als Abbild Gottes sehnt sich der Mensch immer nach Gott. Der Durst des Menschen ist heute mindestens genauso groß wie damals. Doch wer geht hin und löscht diesen Durst mit dem lebendigen Wasser? Die Welt ist eine Wüste und umso voller sind die wenigen Oasen unserer Zeit. Wo es noch solche Hirten wie Jesus und in seiner Nachfolge Petrus gibt, da platzt der Ort aus allen Nähten. Die Menschen verstehen, dass sie hier endlich getränkt werden. Und eben jene guten Hirten werden eifersüchtig und missgünstig verfolgt von jenen, die keine guten Hirten sind. Das betrifft nicht nur die katholischen Gemeinden. Wir hören momentan die Schlagzeilen eines evangelischen Pastors, gegen den sogar Anzeige erstattet wird (ich denke, Sie wissen, wen ich meine….).

Beten wir dafür, dass der Heilige Geist das Antlitz der Erde neu mache und die Kirche erneuere. Beten wir um gute Hirten und um die Bekehrung der schlechten. Wie sehr wünsche ich ihnen von Herzen, dass auch sie ein ganz persönliches Pfingsten erleben und dadurch zu brennenden Glaubenszeugen werden! Beten, fasten und leiden wir für den Klerus, denn dieser trägt vor Gott eine ganz besondere Verantwortung!

Ihre Magstrauss

4. Sonntag der Osterzeit

Apg 2,14a.36-41; Ps 23,1-3.4.5.6; 1 Petr 2,20b-25; Joh 10,1-10

Heute geht es in den Sonntagslesungen um den guten Hirten. Zugleich feiern wir an diesem Ostersonntag jedes Jahr den Weltgebetstag um geistliche Berufungen. Er wird ganz bewusst immer am 4. Ostersonntag begangen, weil auch die Nachfolge Christi „hirtlich“, das heißt lateinisch „pastoral“ sein muss.

Apg 2
14 Da trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden:
36 Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Christus gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.
37 Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?
38 Petrus antwortete ihnen: Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung eurer Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.
39 Denn euch und euren Kindern gilt die Verheißung und all denen in der Ferne, die der Herr, unser Gott, herbeirufen wird.
40 Mit noch vielen anderen Worten beschwor und ermahnte er sie: Lasst euch retten aus diesem verdorbenen Geschlecht!
41 Die nun, die sein Wort annahmen, ließen sich taufen. An diesem Tag wurden ihrer Gemeinschaft etwa dreitausend Menschen hinzugefügt.

Heute am vierten Sonntag der Osterzeit hören wir erneut einen Ausschnitt aus der brennenden Pfingstrede des Petrus und die Reaktion der Anwesenden darauf.
Heute beendet er seine Rede, indem er erklärt:
„Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Christus gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.“ Ich habe schon öfter erklärt, was Petrus damit meint, wenn er die Zuhörer als Henker Jesu bezeichnet. Sie haben sich durch ihr „Kreuzige ihn“, durch das Manipuliertwerden und das Mitläufertum, durch die Verspottung des Ohnmächtigen am Kreuz mitschuldig gemacht.
Es geht ihm nicht darum, jemanden dadurch fertig zu machen. Er tut es vielmehr, damit die Menschen erkennen, wo sie gefehlt haben, und dadurch umkehren.
Und was er sagt, trifft sie mitten ins Herz. Sie erkennen vor dem Hintergrund der Heiligen Schrift, dass Jesus der angekündigte Messias ist. Sie realisieren, dass sie nicht mehr so leben können wie zuvor. Und deshalb fragen sie Petrus und die anderen Apostel:
„Was sollen wir tun, Brüder?“
Die Antwort ist klar: „Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung eurer Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“
Mit „Umkehr“ ist die gläubige Hinkehr zu Jesus Christus gemeint. Als äußeres Zeichen dieses Gekommenseins zum Glauben an ihn sollen sie sich taufen lassen. Jesus hat seinen Aposteln vor seiner Heimkehr zum Vater aufgetragen, alle Menschen zu seinen Jüngern zu machen und diese zu taufen. Petrus setzt also mit seiner Antwort gehorsam das um, was Jesus ihnen vorgegeben hat.
Die Taufe ist kein Zeichen der vorbereitenden Buße mehr wie bei Johannes dem Täufer. Es ist eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wer getauft wird, wird reingewaschen von seinen Sünden! Warum? Weil der Mensch auf den Tod Jesu Christi getauft wird und durch seinen Kreuzestod ist ja die Sühne für die Sünden aller Menschen erwirkt worden!
In diesem versöhnten Zustand sind sie dann empfängnisbereit für den Heiligen Geist, der ihnen in dem Sakrament geschenkt wird (man muss dazu sagen, dass Taufe und Firmung zunächst eins waren, aber natürlich wird der Hl. Geist einem schon allein bei der Taufe gespendet!). Dieser erwirkt die geistliche Wiedergeburt, denn die Getauften werden zum ewigen Leben bei Gott neugeboren.
Alle Menschen sind dazu berufen, dieses Heil zu empfangen, denn Jesus ist für sie alle gestorben.
So ermutigt Petrus die Zuhörerschaft, diesen Schritt zu unternehmen, unter anderem mit den Worten „Lasst euch retten aus diesem verdorbenen Geschlecht.“ Er meint damit die Menschheit der alten, gefallenen Natur. Diese hat nun die Chance, von diesem Zustand des ewigen Todes in das ewige Leben hinüberzugehen. Die Schwelle ist Jesus Christus, der Auferstandene von den Toten.
Petrus‘ Worte sind überzeugend. Dreitausend Menschen lassen sich an diesem einen Tag taufen! Der Geist Gottes hat am Pfingsttag vielen Menschen die Augen geöffnet!

Ps 23
1 Ein Psalm Davids. Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen.
2 Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
3 Meine Lebenskraft bringt er zurück. Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, getreu seinem Namen.
4 Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab, sie trösten mich.
5 Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, übervoll ist mein Becher.
6 Ja, Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang und heimkehren werde ich ins Haus des HERRN für lange Zeiten.

Heute beten wir den berühmten Psalm 23. Er passt perfekt zur Lesung, weil in diesem Vertrauenspsalm Gott als Hirte beschrieben wird. Immer wieder hören wir im AT davon, dass Gott sich als König für seine auserwählte Herde, sein Volk Israel, einen Hirten ausgesucht hat. Der König über die zwölf Stämme soll Gottes Stellvertreter in Israel sein. Er soll mit derselben Mentalität herrschen wie Gott es tut, nämlich als sorgender Diener aller. Das verkörpert auch der leidende Gottesknecht im Buch Jesaja, den die Kirche von Anfang an mit Jesus Christus identifiziert hat. Und auch Jesus selbst sagt im Johannesevangelium: „Ich bin der gute Hirte.“ Und zugleich mahnt er an: „Wer von euch der Erste sein will, soll der Diener aller sein.“ David hat diesen Psalm selbst gedichtet und man spürt, dass er diese Haltung selbst ganz gelebt hat. Gottes wunderbare Vorsehung hat alles so gefügt, dass er tatsächlich einen Hirten zum König erwählt hat.
Gott ist unser Hirte, der uns alles gibt, was wir brauchen. Es mangelt uns an nichts, wenn wir zuerst sein Reich suchen. Das sagt Jesus später nicht umsonst. Es ist vor dem Hintergrund des Psalms absolut nachvollziehbar. Gott lässt uns, seine Schafe, auf grünen Auen lagern. Er führt uns nicht ins Verderben, sondern nährt uns immer ausreichend, damit wir auf dem Weg durchs Leben hin zu ihm nicht zugrunde gehen. Auch wenn es zeitweise Wüstenlandschaften sind und nicht die grünen Auen, ist es für uns heilsam, damit wir die Auen wieder mehr zu schätzen lernen, in unserem Glauben gestärkt und in unserer Wachsamkeit geschärft werden. Konkret heißt das, dass Gott uns mit allen irdischen Gaben (Finanzen, Gesundheit, Nahrung und sauberes Trinkwasser, Frieden, Erfolg etc.), aber auch mit allen überirdischen Gaben ausstattet, die wir durch die Heilsmittel der Kirche erhalten. Dazu gehören die Sakramente, allen voran die Eucharistie, und die Sakramentalien, durch die er uns den Hl. Geist senden möchte. Nicht umsonst betet David zuerst „er lässt mich lagern auf grünen Auen“ und dann „und führt mich zum Ruheplatz am Wasser“. Es sind einerseits zwei Bilder für das Essen und Trinken des Menschen, andererseits die Bilder für die wichtigsten überirdischen Güter – die Eucharistie und der Hl. Geist, das lebendige Wasser.
Gott bringt die Lebenskraft zurück. Das hebräische Stichwort ist an dieser Stelle wie so oft nefesch. Gott bringt das ganze Leben zurück. Wir dürfen es sowohl moralisch als auch anagogisch verstehen, das heißt einerseits die Rückführung in den Stand der Gnade und zugleich die Rettung des ewigen Lebens. Vor allem die moralische Ebene wird uns klar, wenn wir danach lesen: „Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit.“
Selbst der Psalm 23 greift die Situation auf, dass es nicht immer die ruhigen grünen Auen sind, auf denen die Herde sich bewegt, sondern auch mal das finstere Tal. So ist das Leben. Es gibt nicht nur schöne Tage, sondern auch die Krisen und dunklen Stunden. Doch selbst da begleitet Gott einen hindurch und hinaus. David selbst hat dunkle Stunden gehabt, doch gerade in diesen hat er sich umso mehr an Gott geklammert. Er wusste, wie entscheidend sich die Qualität eines Hirten in finsteren Tälern herausstellte. Er wusste auch, wie sicher sich ein Schaf bei einem guten Hirten fühlen konnte. Er ist in dieser Hinsicht nicht nur der Typos des guten Hirten Christus, sondern auch des Lammes Gottes, das sich ganz und gar in die Hände Gottes übergab und selbst am Kreuz noch betete: „Vater, in deine Hände lege ich mein Leben.“ Von David können wir das absolute Gottvertrauen lernen und mit ihm zusammen beten: „Dein Stock und dein Stab trösten mich.“
Gott beschenkt uns, seine Kinder. Er hat nur Gutes für uns bereit. All der Segen Gottes wird hier mit verschiedenen Bildern umschrieben wie dem Decken des Tisches, dem Salben des Hauptes und dem übervollen Becher. All dies können wir zusammenfassen mit den darauffolgenden Worten: „Ja, Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang.“
Ins Haus des Herrn heimzukehren, bedeutet in diesem Kontext wörtlich den Tempel Gottes, der zu Davids Zeiten noch in Form des Offenbarungszeltes bestand. Wir lesen dies allegorisch weiter als das Reich Gottes und die Kirche. Moralisch verstehen wir damit unsere eigene Seele, die der Tempel Gottes ist und von wo aus die Entscheidungen zu einem Verhalten nach seinen Geboten getroffen werden. Schließlich kehren wir am Ende unseres Lebens heim in das Haus Gottes, den Himmel.

1 Petr 2
20 Wenn ihr aber recht handelt und trotzdem Leiden erduldet, das ist eine Gnade in den Augen Gottes.
21 Dazu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt.
22 Er hat keine Sünde begangen und in seinem Mund war keine Falschheit.
23 Als er geschmäht wurde, schmähte er nicht; als er litt, drohte er nicht, sondern überließ seine Sache dem gerechten Richter.
24 Er hat unsere Sünden mit seinem eigenen Leib auf das Holz des Kreuzes getragen, damit wir tot sind für die Sünden und leben für die Gerechtigkeit. Durch seine Wunden seid ihr geheilt.
25 Denn ihr hattet euch verirrt wie Schafe, jetzt aber habt ihr euch hingewandt zum Hirten und Hüter eurer Seelen.

Das Hirtenthema des heutigen Sonntags begleitet uns auch durch die zweite Lesung. Bei diesem Abschnitt handelt es sich um einen hymnenartigen Bekenntnistext, der gerne als Christuslied bezeichnet wird.
Petrus sagt, dass ein Leiden, das man unverdient erleiden muss (was man also nicht aus Konsequenz eigener Sünde, sondern vielmehr aufgrund des Glaubens an Christus erleidet), sehr viel Gnade bringt. Wir Getauften sind dazu berufen, Christus nachzufolgen, gleichsam seinen Spuren nachzugehen und diese führen unweigerlich nach Golgota. Christus hat für uns gelitten, damit wir überhaupt die Kraft haben, unser Kreuz durch den Tod hindurch zu tragen und in die Ewigkeit zu gelangen.
Jesus selbst ist gerecht und musste dennoch sehr schlimm leiden. Er ist ohne Sünde und doch wurde er geschmäht. Jesus wurde physisch, psychisch und seelisch sehr gequält. Er hat seinen Verfolgern aber in keinem Augenblick seines Lebens etwas Böses gewünscht, sondern noch am Kreuz für sie gebetet (Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun). Er hat alles dem Richter überlassen und noch um ein mildes Urteil gebeten.
Er hat Übermenschliches getan, als er die Sünden der gesamten Menschheit bis ans Kreuz mitgenommen hat für unser ewiges Leben. Er hat alle nur erdenklichen Wunden erlitten, damit unsere Wunden geheilt werden mögen. Dank ihm konnten wir getauft werden und somit der Sünde und dem ewigen Tod sterben. Wir leben nun für ihn, der das ewige Leben ist.
Die Menschen sind wirklich wie eine zerstreute Schafsherde gewesen, die keinen Hirten hatte. Doch Christus ist der gute Hirte, der unsere Seelen hütet wie einen Augapfel. Er hat erwirkt, dass unsere Seelen nicht sterben (Hölle), sondern ewig bei Gott sein werden (Himmel). Darin ist er uns gegenüber wie ein Hirte. Er ist Hüter unserer Seelen und darin sollen es die Nachfolger seiner Apostel gleich tun. Denn das griechische Wort für „Hüter“ ist ἐπίσκοπος episkopos. Es ist dasselbe Wort für „Bischof.“ Sie sind es, die Jesus nachahmen sollen in seinem Hirtencharakter. Sie sollen keine Tyrannen sein, die ihre Schäfchen unterdrücken, sondern sie sollen ihr Leben für die Schafe hingeben. Sie sollen so sein wie Gott, der wunderbare Hirte aus Psalm 23.

Joh 10
1 Amen, amen, ich sage euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber.
2 Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe.
3 Ihm öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.
4 Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme.
5 Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen.
6 Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte.
7 Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen.
8 Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört.
9 Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.
10 Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

Und Jesus selbst offenbart sich als Hirte heute im Evangelium. Seine Rede heute ist voll von dem Bildfeld „Hirte, Stall, Herde“.
Wer nicht geregelt durch die Tür geht, ist ein Dieb. Er hat nicht vor, den Schafen im Stall etwas zu essen oder zu trinken zu geben, sondern sie zu rauben und ihnen zu schaden.
Der Hirte kommt dagegen durch die Tür in den Stall. Er wird vom Türhüter hereingelassen und an seiner Stimme erkennen die Tiere, dass er es ist. Er weiß genau, wie jedes einzelne Schaf heißt und er führt sie auf die Weide hinaus. Er lässt sie dort aber nicht alleine, sondern geht ihnen voran. Die Stimme des Hirten ist entscheidend. Wenn ein Fremder versucht, die Herde irgendwohin zu treiben, wird es nicht funktionieren. Die Schafe hören gar nicht auf die fremde Stimme.
Jesus greift ganz bewusst so ein Bildfeld auf. Es ist sehr lebensnah für die Menschen, die dort anwesend sind und seiner Rede lauschen. Sie sind vertraut mit dem innigen Verhältnis von Hirt und Herde.
Jesus spricht diese Worte im Anschluss an die Auseinandersetzungen mit den Juden von Jerusalem, die den geheilten Blindgeborenen aus der Synagoge hinausgestoßen haben. Sie wollen Jesu Worte nicht annehmen.
Sie haben ganz und gar nicht als gute Hirten gehandelt, sondern den armen Mann ausgeschlossen. Sie haben kein inniges Verhältnis zu ihren anvertrauten Gläubigen. Leider verstehen sie überhaupt gar nicht, was in dieser Situation richtig wäre, halten sich aber für wissend.
Jesus bringt dieses Bild nun an, um zu zeigen, wie sein inniges Verhältnis zu seinen Gläubigen ist. Der ausgestoßene Geheilte schließt sich Jesus an. Er wird zu einem Schaf in Jesu Stall. Jesu Schafe hören auf seine Stimme. Er ist der rechtmäßige Hirte, weil er vom Vater selbst gesandt worden ist. Er ist durch die Tür hineingekommen in den Stall. Es ist ein Bild für seine Menschwerdung: Durch die Tür der Geburt ist er in die Welt hineingeboren. Die Menschen, die die Schafe sind, kennen ihn. So viele Schriftstellen der jüdischen Bibel haben ihn vorausgesagt und angekündigt, was sich nun Schritt für Schritt mit seinem ganzen Dasein erfüllt – bis hin zu seinem Tod und seiner Auferstehung.
Es ist auch eucharistisch zu lesen, denn Jesus kommt als guter Hirte in jeder Heiligen Messe bei der Wandlung von Brot und Wein zu Leib und Blut durch die Tür der Ewigkeit in unsere Zeit. Wir erkennen ihn an seiner Stimme, die durch die Worte des Priesters am Altar erklingt: „Nehmet und esset, das ist mein Leib. Nehmet und trinket, das ist mein Blut.“
Jesus wird auch am Ende der Zeiten durch das Tor der Ewigkeit zurückkommen in unsere Welt, um das jüngste Gericht einzuberufen und seine Schafe auf die ewige Weide zu führen, die das Himmelreich ist.
Von sich grenzt er die Räuber ab, die den Schafen Böses wollen. Sie steigen woanders ein, das heißt sie haben nicht die göttliche Beauftragung und Sendung wie er. Sie sprechen nicht im Namen Gottes und haben auch eine ihm widerstrebende Botschaft. Der Räuber will die Schafe rauben und ihnen schaden. Die Schafe hören aber auch nicht auf den Fremden. Sie merken, dass da etwas nicht stimmt. So ist es mit jenen Gläubigen, die das Wort Gottes kennen und das Evangelium Jesu Christi in ihre Herzen eingeschrieben haben. Wenn sie ganz vertraut sind mit Gottes Lehre, wird ihnen auffallen, wenn jemand etwas anderes sagt. Die Alarmglocken werden angehen und sie werden auf diese falschen Messiasse nicht hören. Als solche Räuber deutet Jesus eben jene an, die den Blindgeborenen so schlecht behandelt haben. Sie wollen seinen Glauben mit Füßen zertreten, der viel mehr erkannt hat als sie (nämlich dass nur der Messias im Stande sein könnte, einen Blindgeborenen zu heilen). Er hat ihnen gegenüber sogar das Wort Gottes zitiert, das ganz deutlich Jesu Messianität bestätigt. Doch diese Menschen stießen ihn hinaus.
Die Anwesenden verstehen die Worte Jesu nicht. Er setzt dagegen wieder zum Sprechen an und bringt ein etwas abgewandeltes Wort: Er geht nicht nur durch die Tür, sondern er ist die Tür.
Wer durch ihn hindurchgeht, wird gerettet werden. Für den Blindgeborenen ist klar: Wo sich eine Tür geschlossen hat, öffnet sich diese wahre Tür für ihn – Jesus Christus.
Seine Selbstoffenbarung lehrt uns zweierlei: Erstens ist er die Tür zu den Schafen. Wer also mit pastoralen Aufgaben betraut wird, muss ganz und gar von Christus und seinem Evangelium durchdrungen sein. Erst wenn er durch diese Christustür gegangen ist, kann er ein guter Hirte für jene sein, die er als Hirten-Nachfolger Christi hüten möchte. Er muss Christus ganz nachfolgen, indem er denselben Weg wählt wie Christus – durch die Tür, nicht durchs Fenster.
Das Zweite, das es uns lehrt: Nur durch Christus hindurch können wir das ewige Leben haben. Wenn wir an ihn glauben und uns auf seinen Namen taufen lassen, nehmen wir die Erlösung an, die unser Exil vom Paradies bricht. Diese Tür der Taufe ist heilsnotwendig. Jesus sagt dann später: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wir können das ewige Leben nur durch die Christustür hindurch erhalten. Das Himmelreich ist hinter dieser Tür. Wir müssen aber nicht bis zum Lebensende warten, um durch sie hindurchzugehen. Wenn wir die Sakramente und Sakramentalien empfangen, gehen wir jedes Mal durch diese Tür. Das endgültige Hindurchschreiten wird uns schließlich am Ende der Zeiten erwarten, wenn der verherrlichte Menschensohn als Weltenrichter zurückkehren wird.
Ein guter Hirte möchte nur das beste für seine Schafe. Der Dieb möchte ihnen dagegen schaden. Jesus beschreibt sich ganz mit den Eigenschaften Gottes in Psalm 23. Es ist wirklich eine Bestätigung dessen, dass König David bei der Komposition seines Psalms vom Heiligen Geist erfüllt worden ist – 1000 Jahre vor Christi Geburt! Und nun ist der Messias da und bestätigt all jene guten Eigenschaften Gottes, der seine Herde auf grüne Auen führen, an Quellen des Wassers führen möchte, den Tisch vor den Augen der Feinde decken, den Becher reichlich füllen möchte und selbst durch das finstere Tal des Todes hindurch den Menschen unversehrt ins Himmelreich führen möchte.

Heute lernen wir viel vom pastoralen Wesen des Vaters und des Sohnes. Wir lernen aber auch, wie die Nachfolger eines solchen guten Hirten sein müssen, wenn sie ihm nachahmen wollen. Beide Seiten gehören zu der einen Medaille und alles ist eingebettet in das freudige Osterereignis, das für uns den Grund für die felsenfeste Hoffnung darstellt. Beten wir um Menschen, die bereit sind, durch jene Christustür zu gehen und selbst zu Hirten der Schafe zu werden, damit die Herde niemals ohne Hirt bleibt. Beten wir um heilige Priester, die ganz durchdrungen sind vom Evangelium und die bereit sind, ihr Leben für die Herde hinzugeben, den Spuren Jesu nachzugehen bis nach Golgota. Und beten wir für die Geistlichen, die uns schon geschenkt worden sind. Mögen sie immer mehr Christus ähnlich werden und ihre Berufung wirklich ernst nehmen. Wir haben einen großen Anteil daran, denn ohne unser Gebet sind sie verloren.

Ihre Magstrauss

Freitag der 3. Osterwoche

Apg 9,1-20; Ps 117,1.2; Joh 6,52-59

Heute am 1. Mai feiern wir Josef den Arbeiter. Doch in diesen Tagen hören wir aus der Brotrede Jesu, die so wichtig ist, dass wir deshalb die Lesungen des Tages nehmen. Gestern am Fest der Heiligen Katharina haben wir sie ja schon unterbrochen.

Apg 9
1 Saulus wütete noch immer mit Drohung und Mord gegen die Jünger des Herrn. Er ging zum Hohepriester
2 und erbat sich von ihm Briefe an die Synagogen in Damaskus, um die Anhänger des Weges Jesu, Männer und Frauen, die er dort finde, zu fesseln und nach Jerusalem zu bringen.
3 Unterwegs aber, als er sich bereits Damaskus näherte, geschah es, dass ihn plötzlich ein Licht vom Himmel umstrahlte.
4 Er stürzte zu Boden und hörte, wie eine Stimme zu ihm sagte: Saul, Saul, warum verfolgst du mich?

5 Er antwortete: Wer bist du, Herr? Dieser sagte: Ich bin Jesus, den du verfolgst.
6 Steh auf und geh in die Stadt; dort wird dir gesagt werden, was du tun sollst!
7 Die Männer aber, die mit ihm unterwegs waren, standen sprachlos da; sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemanden.
8 Saulus erhob sich vom Boden. Obwohl seine Augen offen waren, sah er nichts. Sie nahmen ihn bei der Hand und führten ihn nach Damaskus hinein.
9 Und er war drei Tage blind und er aß nicht und trank nicht.
10 In Damaskus lebte ein Jünger namens Hananias. Zu ihm sagte der Herr in einer Vision: Hananias! Er antwortete: Siehe, hier bin ich, Herr.
11 Der Herr sagte zu ihm: Steh auf und geh zu der Straße, die man Die Gerade nennt, und frag im Haus des Judas nach einem Mann namens Saulus aus Tarsus! Denn siehe, er betet
12 und hat in einer Vision gesehen, wie ein Mann namens Hananias hereinkommt und ihm die Hände auflegt, damit er wieder sieht.
13 Hananias antwortete: Herr, ich habe von vielen gehört, wie viel Böses dieser Mann deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat.
14 Auch hier hat er Vollmacht von den Hohepriestern, alle zu fesseln, die deinen Namen anrufen.
15 Der Herr aber sprach zu ihm: Geh nur! Denn dieser Mann ist mir ein auserwähltes Werkzeug: Er soll meinen Namen vor Völker und Könige und die Söhne Israels tragen.
16 Denn ich werde ihm zeigen, wie viel er für meinen Namen leiden muss.
17 Da ging Hananias hin und trat in das Haus ein; er legte ihm die Hände auf und sagte: Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Weg, den du gekommen bist, erschienen ist; du sollst wieder sehen und mit dem Heiligen Geist erfüllt werden.
18 Sofort fiel es wie Schuppen von seinen Augen und er sah wieder; er stand auf und ließ sich taufen.
19 Und nachdem er etwas gegessen hatte, kam er wieder zu Kräften. Einige Tage blieb er bei den Jüngern in Damaskus;
20 und sogleich verkündete er Jesus in den Synagogen: Dieser ist der Sohn Gottes.

In der Lesung hören wir von der wunderbaren Bekehrung des Paulus/Saulus. In der Osterzeit hören wir ja immer einen Ausschnitt aus der Apostelgeschichte und da ist uns neulich bereits angedeutet worden, dass mit der Tötung des Stephanus gleichsam eine Christenverfolgung in Jerusalem begann. Dort wurde schon gesagt, dass Saulus einen großen Anteil daran hat. Heute hören wir, dass er mittlerweile die Christen im Hl. Land und rings umher verfolgt, weil er meint, Gott damit einen heiligen Dienst zu leisten (vgl. Joh 16,2). Er versucht sogar, mehr Systematik in die Tötung der Christen zu erlangen, indem er beim Hohepriester um Briefe für die Synagogen in Damaskus erbittet, damit auch dort die Christen festgenommen und in Jerusalem verurteilt würden.
Dann passiert etwas, das sein ganzes Leben ändern wird: „Ein Licht vom Himmel umstrahlte“ ihn. Alles, was himmlisch ist, wird von Visionären und Mystikern voller Licht beschrieben. Es ist die Gnade und Herrlichkeit Gottes, die heller ist als jegliches irdische Licht. Deshalb ist die Lichtmetapher auch so verbreitet für den Messias und in den vielen Himmelsvisionen des Alten und Neuen Testaments.
Er stürzt zu Boden, was ebenfalls eine typische Manifestation der Gegenwart Gottes ist. Wir kennen das aus charismatischen Kreisen. Dort fallen auch Menschen zu Boden, weil sie keine Kontrolle mehr über ihren Körper haben. Sie werden nicht ohnmächtig, sondern für einen kurzen Moment gelähmt. Das ist weder etwas Gutes noch etwas Schlechtes, sondern einfach die Reaktion eines schwachen Menschen auf die überwältigende Kraft des Hl. Geistes. Und dann spricht Jesus zu ihm. Er fragt ihn gerade heraus: „Warum verfolgst du mich?“ So ist der Herr. Er konfrontiert uns mit einer Frage, damit wir uns selbst hinterfragen. Er hat dies vor dem Hohen Rat getan, als der Diener des Hohepriesters ihm ins Gesicht geschlagen hat („Warum schlägst du mich?“). Dabei ruft er Saulus auch beim Namen. Dadurch fühlt er sich nicht nur persönlich angesprochen, sondern weiß auch, dass Jesus ihn kennt. Er wird sich in dem Moment ganz und gar durchschaut gefühlt haben.
Auf die Frage hin, wer er sei, antwortet Jesus ihm: „Ich bin Jesus, den du verfolgst.“ Er sagt nicht: „Ich bin Jesus, dessen Jünger du verfolgst.“ Das ist wichtig. Jesus hat einmal erklärt, dass was wir den geringsten Brüdern getan haben, wir ihm getan haben und umgekehrt. Derjenige, den Saulus also am meisten verletzt, ist Jesus selbst.
Jesus fordert den Christenverfolger auf, nach Damaskus zu gehen, wo ihm alles Weitere aufgetragen werde. Die Begleiter des Saulus müssen total irritiert sein, weil sie Jesu Stimme hören, jedoch nichts sehen.
Sie merken aber, dass etwas passiert sein muss, denn Saulus ist blind. Das Licht der Herrlichkeit Gottes hat ihn so geblendet, dass er nichts sehen kann. Er muss nach Damaskus geführt werden. Insgesamt hat die Begegnung mit Jesus ihre Folgen. Er kann drei Tage weder etwas sehen noch etwas zu sich nehmen. Auch dies ist eine Manifestation des Hl. Geistes. Viele Menschen berichten, dass sie bei Exerzitien oder anderen geistlichen Veranstaltungen kaum etwas essen, weil sie kein Hungergefühl oder keinen Appetit verspüren.
Gott führt daraufhin Saulus mit einem Christen namens Hananias zusammen so wie an anderer Stelle Petrus und Kornelius. Gott bereitet den Jünger darauf vor, dem großen Christenverfolger die Hände aufzulegen, damit er wieder sieht. Er hakt beim Herrn nach, weil er nur Schlimmes von Saulus gehört hat, doch Gott ermutigt ihn. Er kündigt Hananias an, dass Saulus noch ein großes Werkzeug Gottes werden würde. Er wird dabei den Christus nicht nur den „Söhnen Israels“ bringen, sondern gerade den „Völkern“.
Hananias gehorcht dem Herrn und geht zur Unterkunft des Saulus. Er legt ihm die Hände auf, was eventuell schon auf einen sakramentalen Akt hinweist (Hananias ist wahrscheinlich geweiht, also Diakon, Priester oder Bischof). Denn bei der Gabe des Hl. Geistes kann er wieder sehen, steht auf und lässt sich taufen. Dieses „wie Schuppen von den Augen“ können wir mehrfach verstehen. Der Geist Gottes hat ihm die biologischen Augen geöffnet, aber dadurch, dass er sich sofort taufen lässt, müssen auch die Augen seines Glaubens geöffnet worden sein. Er wird erkannt haben, dass er sein bisheriges Leben falsch gelebt hat. Nun kann er auch wieder essen und zu Kräften kommen. Er verbringt noch einige Tage bei der Gemeinde in Damaskus und beginnt sehr schnell mit der Verkündigung Jesu Christi in den Synagogen. Man muss sich vorstellen, wie verwirrt die dort Ansässigen gewesen sein mussten, dass der eifrige Christenverfolger, der ein richtiger Prominenter war, plötzlich FÜR Christus gesprochen hat.
So groß ist Gottes Gnade. Er kann in einem kurzen Moment unser ganzes Leben auf den Kopf stellen und aus dem größten Sünder den begeistertsten Jünger machen. Das Problem ist, dass Menschen das oft nicht anerkennen und immer noch den alten Menschen sehen. Sie haben einen schon längst in eine bestimmte Schublade gesteckt und einen Stempel aufgedrückt. Sie werden einen unter Umständen ewig als diesen alten Menschen betrachten, so als ob man sich nicht ändern könne. Gott ist aber anders. Er sieht immer das Potenzial und möchte dieses immer aus uns herauskitzeln, uns zu echten Diamanten schleifen, zu wunderbaren Werkzeugen seines Heils. Freuen wir uns heute darüber, dass Saulus alias Paulus sich bekehrt hat! Ohne ihn wären wir womöglich gar keine Christen geworden. Die Heidenmission ist größtenteils ja ihm zu verdanken.

Ps 117
1 Lobt den HERRN, alle Völker, rühmt ihn, alle Nationen!

2 Denn mächtig waltet über uns seine Huld, die Treue des HERRN währt in Ewigkeit. Halleluja!

Der heutige Psalm ist sehr kurz. Er besteht aus nur zwei Versen. Er ist betitelt mit „Aufruf an alle Völker zum Lob Gottes“. Genau darin knüpft er an die Bekehrung des Paulus an. Wir, die wir im Grunde zu den sogenannten „Heidenchristen“ gehören, die also nicht zuvor Juden waren, haben allen Grund, Gott zu loben. Er hat Paulus zum Werkzeug der Heidenmission eingesetzt, sodass der Glaube in unseren Breitengraden überhaupt ankommen konnte. Auch wenn er nicht direkt hier gewirkt hat, hat Paulus die Weichenstellungen gesetzt. Hier lesen wir die Aufforderung zum Lob an die heidnischen Völker, das hebräische Wort גֹּויִם gojim wird verwendet.
Gott ist treu. Er hat schon damals mit Paulus an unsere Gotteskindschaft gedacht und alles schon so geplant, dass das Evangelium wirklich allen Geschöpfen verkündet werden konnte. Das ist immer und überall den Hallelujaruf wert!

Joh 6
52 Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?
53 Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.
54 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag.
55 Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank.
56 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.
57 Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.
58 Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Es ist nicht wie das Brot, das die Väter gegessen haben, sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.
59 Diese Worte sprach Jesus, als er in der Synagoge von Kafarnaum lehrte.

Nun hören wir die letzten Ausführungen aus der Brotrede Jesu. Die Juden streiten sich, gemeint ist untereinander. Dieser Streit muss in verbalen Auseinandersetzungen bestehen, wie das Wort μάχομαι machomai unter anderem verstanden werden kann. Sonst wird im Johannesevangelium auch gerne gesagt, dass „unter ihnen Spaltung entsteht“. Es gibt viele Zuhörer, die Jesus widersprechen und das nicht annehmen wollen, was er sagt. Sie fragen deshalb ganz verwirrt nach: „Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?“ Jesus könnte jetzt schon einhaken und sagen, dass er es symbolisch meint. Stattdessen setzt er noch einen drauf: „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.“ Wir können also nur das ewige Leben haben, wenn wir ihn essen und trinken. Es ist auch logisch: Er ist das ewige Leben und es ist nur in uns, wenn wir es in uns aufnehmen.
Jesus rudert nicht zurück und versucht sich zu erklären, damit die Menschen keinem kannibalistischen Missverständnis aufsitzen. Sie können es noch nicht verstehen, weil Jesus die Eucharistie erst viel später etablieren wird.
Er spricht weiter: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag.“ Sein Fleisch und Blut sind für uns existenziell. Wir werden mit unseren Leibern wieder vereint und als neue Schöpfung ewig bei Gott leben in seinem Reich, wenn wir Jesus in uns aufgenommen haben. Auch jetzt sagt Jesus nichts davon, dass er es symbolisch meint.
Im Gegenteil. Er betont noch einmal und stellt klar: „Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank.“ Nichts mit reinem Gedächtnismahl. Er selbst ist es, den wir als wahre Speise und wahren Trank in uns aufnehmen sollen, um das ewige Leben zu haben! Es ist wahre Nahrung für den Leib (also essen und trinken wir es wortwörtlich). Doch sie nährt und tränkt nicht nur den Leib, sondern vor allem auch die Seele des Menschen auf dem Lebensweg bis hin in die Ewigkeit.
Das Essen und Trinken Jesu ist ein Akt, der uns ganz mit ihm vereinigt, so dass er wirklich in uns ist und wir in ihm. Das ist die intimste Begegnung, die wir mit ihm haben können. In ihm zu sein und umgekehrt ist bei Johannes auch immer die Wendung für den Stand der Gnade. Uns werden überreiche Gnaden geschenkt, wenn wir ihn immer wieder in uns aufnehmen. In dieser intimen Vereinigung mit Jesus können wir wirklich durch ihn leben, ihn, den der Vater gesandt hat.
Auch heute lesen wir davon, dass Jesus sich als Himmelsbrot mit dem Manna der Väter in der Wüste vergleicht. Sie sind leiblich gestärkt worden durch dieses Brot, doch irgendwann sind sie gestorben. Ja noch mehr: Sie konnten auch in Ewigkeit nicht leben (das ewige Leben meint das Himmelreich). Sie mussten ausharren, bis das wahre Himmelsbrot kommt, Jesus Christus! Durch ihn würden sie aus dem Exil befreit.
Wer aber dieses Himmelsbrot isst, das auch leiblich stärkt, wird zugleich seelisch am Leben gehalten. Seine Identität als Himmelsbrot führt die Menschen ins Himmelreich.
Wir brauchen dieses Himmelsbrot so sehr, dass wir ohne es das ewige Leben beim Vater nicht haben können. Denn es verhilft uns zu einem Ineinandersein mit Jesus Christus.
Diese Predigt hält Jesus in Kafarnaum und danach werden viele Menschen von ihm weggehen. Sie haben ihn gefeiert, als er sie mit reichlich Brot und Fisch satt gemacht hat. Nun, wo er die Pointe dieser Heilstat erklärt, wollen sie ihm nicht mehr folgen. So ist es bis zum Schluss: Wo Jesus angenehme Sachen predigt, viele Menschen heilt und spektakuläre Wunder vollbringt, kommen die Menschen in Scharen zu ihm. Je mehr es aber um die entscheidenden Dinge geht und je mehr es um Umkehr, Leiden und Opfer geht, desto mehr verringert sich der Kreis um ihn. Je näher er dem Kreuz kommt, desto mehr Menschen wenden sich von ihm ab. Am Ende steht nur ein einziger von zwölf Aposteln unter dem Kreuz und einige Frauen mit der Mutter Jesu.

Wählen wir. Wollen wir zu jenen gehören, die bei Jesus bleiben, solange seine Botschaft unsere Komfortzone nicht überschreitet? Oder sind wir bereit, mit ihm den ganzen Weg bis zum Kreuz auf Golgota zu gehen, um mit ihm gekreuzigt zu werden? Paulus hat gewählt. Nachdem es ihm wie Schuppen von den Augen gefallen ist, hat er sein restliches Leben ganz hingegeben für die Sendung Jesu Christi. Er hat alles gegeben und ist am Ende hingerichtet Worten für das Evangelium Jesu Christi. Er ist den Weg bis Golgota gegangen. Und auch in seinem Fall sind viele Menschen von ihm weggegangen, als er dieselbe Botschaft Jesu Christi fortgeführt hat. Auch ihn haben die Menschen sehr oft abgelehnt, weil ihnen das Evangelium einfach zu radikal oder unverständlich erschien. Doch er hat weitergemacht, weil er begriffen hat, worum es geht. Bitten wir den Herrn auf die Fürsprache seiner treuen Zeugen um Mut und Standhaftigkeit, auf dass auch wir diesen Weg bis zum Ende gehen können.

Ihre Magstrauss

Freitag der 2. Osterwoche

Apg 5,34-42; Ps 27,1.4.13-14; Joh 6,1-15

Apg 5
34 Da erhob sich im Hohen Rat ein Pharisäer namens Gamaliël, ein beim ganzen Volk angesehener Gesetzeslehrer; er befahl, die Apostel für kurze Zeit hinausführen.
35 Dann sagte er: Israeliten, überlegt euch gut, was ihr mit diesen Leuten tun wollt!
36 Vor einiger Zeit nämlich trat Theudas auf und behauptete, er sei etwas Besonderes. Ihm schlossen sich etwa vierhundert Männer an. Aber er wurde getötet und sein ganzer Anhang wurde zerstreut und aufgerieben.
37 Nach ihm trat in den Tagen der Volkszählung Judas, der Galiläer, auf; er brachte viel Volk hinter sich und verleitete es zum Aufruhr. Auch er kam um und alle seine Anhänger wurden zerstreut.
38 Darum rate ich euch jetzt: Lasst von diesen Männern ab und gebt sie frei; denn wenn dieses Vorhaben oder dieses Werk von Menschen stammt, wird es zerstört werden;
39 stammt es aber von Gott, so könnt ihr sie nicht vernichten; sonst werdet ihr noch als Kämpfer gegen Gott dastehen. Sie stimmten ihm zu,
40 riefen die Apostel herein und ließen sie auspeitschen; dann verboten sie ihnen, im Namen Jesu zu predigen, und ließen sie frei.
41 Sie aber gingen weg vom Hohen Rat und freuten sich, dass sie gewürdigt worden waren, für seinen Namen Schmach zu erleiden.
42 Und sie ließen nicht ab, Tag für Tag im Tempel und in den Häusern zu lehren, und verkündeten das Evangelium von Jesus, dem Christus.

Heute hören wir in der Lesung den weiteren Verlauf der Anhörung der Apostel vor dem Hohen Rat. Es kommt heute eine neue Person ins Blickfeld, die der Lehrer des Paulus ist: Gamaliel. Er bildet Männer zur Pharisäern aus und ist im Hohen Rat vertreten. Er lässt die Apostel hinausschicken, um mit den Mitgliedern des Hohen Rates eine Strategie auszumachen.
Er erzählt den Anwesenden, dass vor einiger Zeit ein gewisser Theudas mit messianischem oder prophetischem Anspruch aufgetreten war und ebenso ein gewisser Judas. Beide haben eine Menschenmenge um sich versammelt, doch wurde diese nach deren Tod zerstreut. In Bezug auf diese Ereignisse schlägt Gamaliel vor, die Apostel freizulassen, da auch sie diesem natürlich Prozess anheimfallen würden (dass sie irgendwann sterben und ihre Anhängerschaft sich zerstreuen werde). Wenn auch diese ganze Bewegung menschengemacht ist, wird auch sie so enden. Es ist bemerkenswert, dass Gamaliel die Möglichkeit stehenlässt, dass es doch ein gottgewirktes Werk sein könnte. Für jenen Fall sollte der Hohe Rat nicht dagegen ankämpfen, um nicht zu Kämpfern gegen Gott zu werden. Dann können sie ja sowieso nichts dagegen ausrichten, weil Menschen gegen Gott nicht ankommen. Das ist sehr interessant und wir Leser bzw. Hörer bestätigen seine Rede: Es ist von Gott gewirkt und die Apostel gehorchen seinem Willen. Hier ist der Heilige Geist am Werk und so kann auch der Hohe Rat nichts dagegen tun.
Seine Worte scheinen Anklang zu finden. Der Hohe Rat beschließt, diese Strategie umzusetzen: Die Apostel werden ausgepeitscht und dann freigelassen, wieder unter dem Verbot, weiter im Namen Jesu zu predigen.
Die Apostel sind überhaupt nicht eingeschüchtert von der ganzen Situation. Vielmehr fühlen sie sich geehrt, dass sie im Namen Jesu dieses Leiden durchmachen mussten. Davon unbeeindruckt gehen sie auch weiter in den Tempel und predigen das Evangelium Jesu Christi. Sie verkünden ihn auch in den Häusern, wahrscheinlich im Kontext der Hausgemeinschaften und der Eucharistiefeier. Ihre Sichtweise auf das Leid ist sehr reif. Sie nehmen es nicht nur an, sondern tragen es sogar mit Freude. Sie fühlen sich geehrt, an dem Leiden Jesu Christi mitzutragen, weil sie ihm nachfolgen und in seinem Namen das Werk Gottes weiterführen.

Ps 27
1 Von David. Der HERR ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist die Zuflucht meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen?
4 Eines habe ich vom HERRN erfragt, dieses erbitte ich: im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens; die Freundlichkeit des HERRN zu schauen und nachzusinnen in seinem Tempel.
13 Ich aber bin gewiss, zu schauen die Güte des HERRN im Land der Lebenden.
14 Hoffe auf den HERRN, sei stark und fest sei dein Herz! Und hoffe auf den HERRN!

Wir beten heute einen ganz bekannten Psalm, der das Vertrauensverhältnis Davids zu Gott offenbart. Es gibt hier messianische Hinweise bzw. erkennen wir Christus im Psalm: Der HERR, Jahwe, ist mein Heil. Das hebräische Wort weist denselben Stamm auf wie der Name Jesu. Das ist kein Zufall. Der Psalm ist ganz und gar von Vertrauen geprägt („vor wem sollte mir bangen“, „Zuflucht“, „Hoffe auf den HERRN“). Es ist eben jenes unerschütterliche Vertrauen, das auch die Apostel Gott gegenüber besitzen und weshalb sie freimütig mit der Verkündigung des Evangeliums fortfahren – trotz der Drohungen und Gefahren.
Zugleich wird die Sehnsucht nach dem ewigen Leben deutlich: „im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens“; die Freundlichkeit des HERRN zu schauen“. Das entspricht unseren anagogischen Gedanken zum Beispiel bei den vielen Jesajatexten, in denen das Leben bei Gott im Himmelreich die ultimative Befreiung vom drückenden Joch ist. Es ist auch auf die Apostel zu beziehen, die mit einer brennenden Sehnsucht nach der Wiederkunft Christi leben und in einer absoluten Naherwartung leben.
Im Psalm wird die Lichtmetapher verarbeitet, die im Johannesevangelium dann sehr wichtig wird. Hier wird auch der Übergang von der Dunkelheit ins Licht thematisiert, denn er beinhaltet die Einladung zur Hoffnung auf den HERRN. Diese Auslegung vom Licht Gottes sehen wir indirekt in der Apostelgeschichte. Sie steht hinter der Einstellung der Apostel, die in der Dunkelheit des irdischen Daseins umhergehen, aber aus dem Inneren so viel Licht ausstrahlen, dass es um sie herum ganz hell wird. Jesus ist die Hoffnung der Menschen. Er schenkt dem Menschen eine Perspektive, einen Sinn im Leben, eine Berufung – nämlich die Berufung zur Heiligkeit. Und diesen Sinn möchten die Apostel auch weitergeben, indem sie alle Menschen zu Jesu Jüngern machen wollen.
„Das Land der Lebenden“ ist durch und durch ein Zeugnis für die Auferstehungshoffnung von Christen. Dies zeigt, dass David mal wieder geisterfüllt diesen Psalm formuliert. Wie kann ein israelitischer König 1000 Jahre vor Christi Geburt so etwas Österliches sonst sagen? Lob sei Gott, dass er schon damals diesen König mit seinen wunderbaren Verheißungen erfüllt hat! Das Land der Lebenden ist das Himmelreich. Wir werden leben, auch wenn wir sterben. Das wird Jesus immer wieder erklären. Denn Gott ist ein Gott der Lebenden, nicht der Toten.

Joh 6
1 Danach ging Jesus an das andere Ufer des Sees von Galiläa, der auch See von Tiberias heißt.

2 Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat.
3 Jesus stieg auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder.
4 Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe.
5 Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben?
6 Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen; denn er selbst wusste, was er tun wollte.
7 Philippus antwortete ihm: Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll.
8 Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm:
9 Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele?
10 Jesus sagte: Lasst die Leute sich setzen! Es gab dort nämlich viel Gras. Da setzten sie sich; es waren etwa fünftausend Männer.
11 Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen.
12 Als die Menge satt geworden war, sagte er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Brocken, damit nichts verdirbt!
13 Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Brocken, die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren.
14 Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll.
15 Da erkannte Jesus, dass sie kommen würden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen. Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.

Im Evangelium wird uns heute von der wunderbaren Brotvermehrung berichtet, wie sie Johannes schildert. Sie ist die Vorgeschichte der sogenannten Himmelsbrotrede, in der Jesus zutiefst eucharistische Dinge erklärt, was aber nicht jeder Zuhörer ertragen kann.
Jesus geht an das andere Ufer des Sees Gennesaret. Er zieht weiter nördlich, dorthin, wo die Menschen seine Botschaft annehmen. Zuvor war er nämlich in Jerusalem und hat ein Streitgespräch mit der religiösen Elite geführt. Oft zieht er nach solch ablehnenden Situationen in Gegenden, wo er angenommen wird – vor allem nach Galiläa.
Er ist nun am See und viele Menschen folgen ihm dorthin wegen der Heilstaten, die er vor allem an den Kranken tut. Nun ist für Jesus wieder die Zeit für prophetische Zeichenhandlungen gekommen, weshalb er so kurz vor dem Paschafest auf einen Berg steigt und sich mit seinen Jüngern dort niederlässt. Da fragt man sich vielleicht, warum er ausgerechnet so einen Ort aufsucht. Schließlich müssen die vielen Menschen ihm folgen, die dort mit Beschwerden zu ihm kommen. Der springende Punkt ist: Jesus tut nie etwas ohne tieferen Sinn. Es gibt so viele Verheißungen des Messias und auch der Gabe der Torah vom Zion aus (statt vom Sinai). Es ist eine Verheißung, die mit dem Tempel zu tun hat. Und nun unterweist Jesus vom Berg aus die Menschen (er setzt sich, was die Geste des Lehrers bei der Unterweisung ist!). Wir erkennen auch eine typologische Verbindung zum Volk Israel am Sinai, das von Mose gelehrt wird. Die Anwesenden werden über diese Dinge nachgedacht haben und den Ort sowie das Verhalten Jesu viel signalhafter wahrgenommen haben als wir.
Das Lehren Jesu wie ein Rabbi erinnert auch an die Bergpredigt, die typologisch zur Unterweisung des Volkes durch Mose zu betrachten ist. Jesus ist die Personifikation der Torah und erfüllt dieses Wort. Jesus erfüllt noch mehr. Es heißt, dass er heilt. Die Menschen sehen dies und staunen, denn über den Messias heißt es, dass er diese Heilstaten tun wird.
Dann stellt Jesus irgendwann Philippus die Frage, woher sie genug Brot für die Anwesenden hernehmen sollen. Dies fragt er aber, um Philippus zu testen. Dieser rechnet den Preis für die Verpflegung aus und realisiert, dass es unmöglich sei. Andreas macht daraufhin auf den Proviant eines kleinen Jungen aufmerksam, der aber auch viel zu wenig für die Menschenmasse ist: fünf Gerstenbrote und zwei Fische.
Dann tut Jesus aber etwas Unerwartetes in der Wüste: Jesus bittet die Menge, sich hinzusetzen. Eigentlich steht da wörtlich das Verb ἀναπίπτω anapipto, was unter anderem die Bedeutung „sich zu Tisch legen“ aufweist und verwendet wird, wenn man sich zu Tisch begibt. In dem Kulturkreis lag man am Tisch, anstatt zu sitzen. Sich niederlegen in der Wüste auf einem Berg scheint absurd? Nicht für den Messias, der in seiner pädagogischen Feinfühligkeit den Juden zu verstehen geben will, dass sich nun ein weiteres Schriftwort erfüllt, nämlich Jesajas Schriftworte zum endzeitlichen Festmahl (z.B. Jes 25)! Jesus lädt zum Festmahl ein und bittet seine Gäste sozusagen „zu Tisch“. Hier ist die Endstation der Erfüllung noch nicht erreicht. Sie endet im Abendmahlssaal mit den zwölf Aposteln. Und doch werden die Menschen dafür schon vorbereitet, wenn Jesus neben den Fischen ausgerechnet Brot nimmt und dem Vater dafür dankt (die Danksagung heißt im Griechischen εὐχαριστία eucharistia!). Daraufhin lässt er die Jünger die übrigen Stücke wieder einsammeln. Bemerkenswert und wiederum ein göttliches Wunder ist, dass ganze zwölf Körbe voll von den Brotstücken übrig bleiben! Auch dies ist den Menschen ein Zeichen: Wenn Gott gibt, dann gibt er im Überfluss. Die Zahl Zwölf ist biblisch und immer eine Zahl der Fülle, Vollkommenheit und Vollständigkeit. Dies verdeutlicht das in dem Kontext stehende Verb ἐνεπλήσθησαν eneplesthesan „sie wurden gefüllt“. Die dort Anwesenden werden begriffen haben, dass die Verheißung der „fetten Speisen“ aus Jesaja sich nun vor ihren Augen erfüllt hat. Die frommen Juden werden vielleicht auch an das Manna in der Wüste gedacht haben. Dies erklärt auch, warum Jesus diese Speisung ausgerechnet in der Wüste vorgenommen hat. Auch damals war es zunächst eine Sättigung der Leiber und doch ging es damals schon darüber hinaus. Das alte Israel ist darauf vorbereitet worden, was nun mit Jesus geschah. Die Menschen mit ihm sind nicht nur körperlich, sondern auch im Glauben gesättigt worden – durch die Unterweisung, die Heilungen und die Speisung. Ein letzter Impuls, den dieses Evangelium gibt und den ich Ihnen heute besonders ans Herz legen möchte: In jeder Hl. Messe ist zunächst ein Wortgottesdienst vorgesehen, bei dem das Wort Gottes verkündigt wird. Es wird auch ausgelegt, die Menschen sozusagen unterwiesen. Und im Anschluss werden die Gaben bereitet und ein eucharistisches Festmahl gefeiert! Jesus bereitet im heutigen Evangelium auf das vor, was die Kirche nun sakramental nachempfindet!

Jesus hat mitten in der Finsternis der Wüste das Licht gebracht. Er hat Hoffnung in die Öde gebracht. Er hat gesättigt, wer erschöpft und hungrig ist. Jesus sättigt die ersten Christen der Apostelgeschichte durch die Eucharistie, wodurch sie die Kraft haben, bei den Anfeindungen und geistigen Anfechtungen standhaft zu bleiben und mutig für Christus einzustehen. Selbst gestärkt von der Eucharistie stehen die Apostel nun vor dem Hohen Rat, ebenfalls auf einem Berg, nämlich auf dem Zionsberg! Sie verkünden freimütig das Evangelium und unterweisen die religiöse Elite in Jerusalem. Sie tragen wirklich weiter, was Jesus begonnen hat – nun aber nicht mehr in der Wüste als Landschaft, sondern in der Wüste der mangelnden Erkenntnis der Hohepriester, Pharisäer und Schriftgelehrten!

Unterschätzen auch wir nicht die Kraft, die uns der Herr durch die Eucharistie und das Wort Gottes schenkt. Diese ist nicht dafür da, dass wir sie für uns selbst genießen, sondern sie strebt immer über uns hinaus zur Hingabe und zum Dienst am Nächsten.

Ihre Magstrauss

Samstag der Osteroktav

Apg 4,13-21; Ps 118,1-2.14-15.16-17.18-19.20-21; Mk 16,9-15

Apg 4
13 Als sie den Freimut des Petrus und des Johannes sahen und merkten, dass es ungebildete und einfache Leute waren, wunderten sie sich. Sie erkannten sie als Jünger Jesu,

14 sahen aber auch, dass der Geheilte bei ihnen stand; so konnten sie nichts dagegen sagen.
15 Sie befahlen ihnen, den Hohen Rat zu verlassen; dann berieten sie miteinander
16 und sagten: Was sollen wir mit diesen Leuten anfangen? Dass ein offenkundiges Zeichen durch sie geschehen ist, das ist allen Einwohnern von Jerusalem bekannt; wir können es nicht abstreiten.
17 Damit aber die Sache nicht weiter im Volk verbreitet wird, wollen wir ihnen unter Drohungen verbieten, je wieder in diesem Namen zu irgendeinem Menschen zu sprechen.
18 Und sie riefen sie herein und verboten ihnen, jemals wieder im Namen Jesu zu verkünden und zu lehren.
19 Doch Petrus und Johannes antworteten ihnen: Ob es vor Gott recht ist, mehr auf euch zu hören als auf Gott, das entscheidet selbst.
20 Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben.
21 Jene aber drohten ihnen noch mehr und ließen sie dann gehen; denn sie sahen keine Möglichkeit, sie zu bestrafen, mit Rücksicht auf das Volk, da alle Gott wegen des Geschehenen priesen.

Gestern hörten wir bereits das freimütige Bekenntnis des Petrus vor dem Hohen Rat, als Johannes und er vernommen werden. Er hat ganz offen erklärt, dass die Heilung im Namen dessen geschehen ist, den die Hohepriester haben umbringen lassen, Jesus der Christus.
Heute hören wir nun die Reaktion derer, die sie verhören.
Sie wundern sich über den Freimut, mit dem die Apostel vor ihnen stehen. Normalerweise würde man erwarten, dass ein Menschen ganz eingeschüchtert und kleinlaut vor der religiösen Elite Israels ist. Doch diese ganz einfachen Männer, die keinerlei Bildung genossen haben, sprechen total tiefgründig und legen die Heilige Schrift aus. Die Hohepriester merken, dass hier etwas passiert, denn auf solch tiefe Gedanken, die selbst die der Schriftgelehrten übersteigt, kann ihrer Meinung nach ein einfacher Jude nicht kommen. Für uns Hörer des Wortes Gottes heute ist das ein ganz klares Zeichen für den Hl. Geist, der den Menschen am besten unterweist in der Weisheit Gottes. Er ist es, der die Linien der gesamten Schrift auf Christus zusammenführt. Er deckt den Menschen auf, wie die messianischen Verheißungen sich erfüllt haben.
Die Hohepriester sind verwirrt, müssen aber glauben, dass die Heilung tatsächlich stattgefunden hat. Schließlich steht der Geheilte neben den Aposteln vor ihnen.
Interessant ist auch, dass die Hohepriester die Apostel wiedererkennen. Die Ereignisse um Jesus herum sind jetzt noch nicht allzu lange her, aber dennoch sehen sie ja viele Menschen im Laufe der Zeit. Der Tempel wird von Gläubigen ja immerzu aufgesucht.
Die Situation ist etwas verzwickt für den Hohen Rat. Sie möchten keinen öffentlichen Aufruhr, indem sie die Apostel bestrafen, denn alle preisen Gott dafür und halten es wirklich für eine gute Tat. Sie können aber auch nicht so tun, als sei nie etwas geschehen. Das ganze Volk hat den Geheilten gesehen und die Bekenntnisrede des Petrus gehört.
Also schärfen sie den Aposteln unter Drohungen ein, nicht mehr im Namen Jesu aufzutreten und zu verkündigen.
Die Apostel nehmen kein Blatt vor den Mund und sagen auf geschickte Weise (entscheidet selbst), dass sie Gott mehr gehorchen werden als den Hohepriestern.
Was sie erlebt haben, hat ihr Leben dermaßen verändert und sie so begeistert, dass sie es einfach gar nicht für sich behalten können.
Das ist für uns ein wichtiges Stichwort. Hier geht es nicht einfach nur um die Osterfreude, die geteilt werden will. Sie sind durch den Hl. Geist neugeboren worden. Der Hl. Geist ist die Liebesglut Gottes, die immer über den Menschen hinausgeht. Sie ist so groß, dass sie über die Liebe, die Gott in sich ist, hinausgeht und die Welt schafft. Menschen als Gottes Abbild sind mit dieser Liebesglut geschaffen worden, dass ihre Liebe ebenfalls über sich selbst hinausgeht und neues Leben schafft. Und so ist es auch mit der geistlichen Natur der neuen Schöpfung, zu der die Apostel nun gehören. Die in ihre Herzen ausgegossene Liebe strömt über sie hinaus zu den Menschen, mit denen sie diese Liebesglut teilen müssen. Sie können nicht anders, denn es drängt sie, dies weiterzugeben.
Der Hohe Rat droht ihnen noch mehr, weil sie nicht wieder dasselbe Procedere durchmachen will wie mit Jesus, der eine ganze Volksbewegung verursacht hat. Die Hohepriester mögen sich noch so bemühen wie sie wollen. Gott ist stärker und auch wenn sie Jesus umgebracht haben, kann das Reich Gottes nicht gestoppt werden. Im Gegenteil. Dadurch haben sie es erst so richtig in Gang gebracht.

Ps 118
1 Dankt dem HERRN, denn er ist gut, denn seine Huld währt ewig!
2 So soll Israel sagen: Denn seine Huld währt ewig.
14 Meine Stärke und mein Lied ist der HERR; er ist für mich zur Rettung geworden.
15 Schall von Jubel und Rettung in den Zelten der Gerechten: Die Rechte des HERRN, Taten der Macht vollbringt sie,
16 die Rechte des HERRN, sie erhöht, die Rechte des HERRN, Taten der Macht vollbringt sie.
17 Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des HERRN zu verkünden.
18 Der HERR hat mich gezüchtigt, ja, gezüchtigt, doch mich dem Tod nicht übergeben.
19 Öffnet mir die Tore der Gerechtigkeit, ich will durch sie hineingehn, um dem HERRN zu danken!
20 Dies ist das Tor zum HERRN, Gerechte dürfen hineingehn.
21 Ich will dir danken, dass du mir Antwort gabst, du bist mir zur Rettung geworden.

Heute beten wir den so wunderbaren Psalm 118, der durch die Auferstehung Jesu Christi zu unserem Lebensprogramm geworden ist. Ja, Gottes Huld währt ewig, denn er ist gut. Kein anderer Gott hat sich jemals von seinen geliebten Kindern umbringen lassen, um ebenjene von allen Sünden zu erlösen!
„Israel“ ist nun nicht mehr nur das irdische Volk der zwölf Stämme, sondern meint nun alle, die an Christus glauben. Wir alle sollen nun sagen: „Seine Huld währt ewig.“ Wir sind es, die Gott fürchten.
Gott ist wirklich die Stärke und das Lied aller, die gerettet worden sind. Er selbst ist zur Rettung geworden, indem er Mensch wurde, unter den Menschen lebte und sich für sie hingegeben hat.
Die „Zelte der Gerechte“ erkennen wir jetzt nicht mehr nur als Häuser jener Israeliten, die in der Wüste ihr Zelt aufschlugen, sondern es meint vor dem Hintergrund der Apostelgeschichte auch jene, in deren Häusern die Eucharistie gefeiert worden ist.
Die Rechte des Herrn hat wirklich große Taten vollbracht. Damals schon beim Auszug aus Ägypten hat er heftige Wunder getan, sogar das Meer gespalten! Doch was er nun an Christus getan hat, ist unvergleichlich höher! Er hat nämlich seinen einzigen Sohn hingegeben. Dieser ist gestorben und von den Toten auferstanden, um das ewige Leben aller Menschen gestern, heute und morgen zu erwirken!
Gott hat durch die Auferstehung seines Sohnes wirklich seine Macht bewiesen. Das war die größte Heilstat aller Zeiten, die die Menschen gestern, heute und morgen erlöst hat!
Und deshalb darf der Mensch voller Freude sagen: „Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des HERRN zu verkünden.“ Ja, das ist die einzig angemessene Antwort auf die Erlösung, die uns zuteilgeworden ist – ihn zu verkünden und immerfort Zeugnis für ihn abzulegen.
Gott züchtigt seine Kinder, das heißt, er erzieht uns und gibt uns Lektionen auf, damit wir unser eigenes Ego immer mehr abbauen, demütiger werden und ihm immer besser nachfolgen. Dies ist uns gestern sehr eindrücklich an Petrus deutlich geworden. Und das allnächtliche Fischen ohne Erfolg, das uns im gestrigen Evangelium berichtet worden ist, ist genau so eine Züchtigung. Gott lässt es zu, damit die Apostel lernen, dass sie ganz auf ihn angewiesen sind, der ihnen Segen und Erfolg schenkt, selbst in dem Beruf, den sie professionell ausüben können.
Und auch wenn Gott manchmal wartet, bis wir in die Knie gezwungen werden, lässt er uns doch nicht in die Irre gehen oder sogar sterben. Er rettet uns und wir können nicht tiefer fallen als in Gottes Hand.
Bemerkenswert ist das hier verwendete Tor-Motiv. Der Psalm ist ja ein Wallfahrtspsalm, weshalb in diesem Kontext zunächst auch wieder die Stadttore Jerusalems und des Tempels gemeint sind. Dass v.a. das zweite zu verstehen ist, sieht man an der Bemerkung, dass nur Gerechte hineingehen dürfen. Dem HERRN zu danken, meint nicht nur mit Worten, sondern auch mit Dankopfern. Umso mehr ist also der Tempel in Jerusalem gemeint. Wir Christen beten auch diesen Psalm, also müssen wir ihn auch allegorisch betrachten. Die Tore sind dann die Kirchentore, durch die wir zum Allerheiligsten gelangen, das die Eucharistie im Tabernakel/in der Monstranz oder in der Hl. Messe ist. Der entscheidende und berührende Unterschied: Jeder darf zum Allerheiligsten kommen, auch die Ungetauften. Bei den Juden gab es verschiedene Bereiche auf dem Tempelgelände, die, je näher man dem Allerheiligsten (der Bundeslade) kam, von immer weniger Befugten betreten werden durften. Hier dürfen nun alle kommen. Jesus hat es schon grundgelegt, indem er gesagt hat: „Ich bin die Tür. Wer durch mich hindurchgeht, wird gerettet werden (Joh 10). Das Allerheiligste in sich aufnehmen durch den Empfang der Kommunion dürfen aber auch heute nur die Gerechten, wir sagen theologisch die im Stand der Gnade Seienden. In dieser moralischen Auslegung versteht man die Aussage „Tore der Gerechtigkeit“. Durch die Taufe und danach durch die Beichte öffnen sich diese Tore der Gerechtigkeit, sodass man in Gemeinschaft mit Gott sein kann.
Wir sind in der Osteroktav und danken dem Herrn jeden Tag für seine große Rettung, mit der er uns Antwort auf die Sehnsucht nach Erlösung gegeben hat. Wir danken dem Herrn in besonderer Weise durch das Gloria.

Mk 16
9 Als Jesus am frühen Morgen des ersten Wochentages auferstanden war, erschien er zuerst Maria aus Magdala, aus der er sieben Dämonen ausgetrieben hatte.
10 Sie ging und berichtete es denen, die mit ihm zusammengewesen waren und die nun klagten und weinten.
11 Als sie hörten, er lebe und sei von ihr gesehen worden, glaubten sie es nicht.
12 Darauf erschien er in einer anderen Gestalt zweien von ihnen, als sie unterwegs waren und aufs Land gehen wollten.
13 Auch sie gingen und berichteten es den anderen und auch ihnen glaubte man nicht.
14 Später erschien Jesus den Elf selbst, als sie bei Tisch waren; er tadelte ihren Unglauben und ihre Verstocktheit, weil sie denen nicht glaubten, die ihn nach seiner Auferstehung gesehen hatten.
15 Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung!

Als Evangelium wird uns heute wieder ein österlicher Text vorgelesen. Die Erscheinungen des Auferstandenen werden im Markusevangelium etwas knapper erzählt als in anderen Evangelien, weil das gesamte Evangelium etwas kürzer ausfällt.
Wir erfahren noch einmal, dass Jesus am ersten Tag der Woche auferstanden ist und dies im Morgengrauen. Die tiefe Bedeutung der Auferstehung mit dem Aufgehen der Sonne habe ich mehrfach schon thematisiert. Nach jüdischem Verständnis kommt der Messias aus dem Osten – das Wort für den Osten ist dasselbe Wort für den Sonnenaufgang! Es ist also absolut logisch, dass Christus also mit dem Aufgang der Sonne von den Toten auferstanden ist, er ist die Sonne der Gerechtigkeit!
Wir erfahren auch nochmal, dass Maria Magdalena die erste Zeugin der Auferstehung ist. Hier wird auch angemerkt, dass Jesus sieben Dämonen aus ihr ausgetrieben hat. Dies ist unterschiedlich gedeutet worden: Entweder waren es wirklich sieben Dämonen oder die Siebenzahl ist ein Zahlencode für die Fülle. Dann wären es einfach viele unterschiedliche Dämonen. Oder es ist angenommen worden, dass damit die sieben Todsünden/Hauptsünden gemeint sind, worauf die Siebenzahl geschlossen worden ist. Eines ist auf jeden Fall klar: Maria Magdalena war ganz tief verstrickt in die Sünde. Durch Jesus hat sie eine tiefe Bekehrung erlebt. Von da an hat die reiche Witwe Jesus und seine Jünger mit ihrem Vermögen unterstützt und ist selbst Jüngerin Jesu geworden mit einer brennenden Liebe zu ihm.
Wir hören davon, dass Maria Magdalena den Aposteln von ihrer Begegnung mit dem Auferstandenen berichtet und diese es zunächst nicht glauben.
Es wird sogar das Emmaus-Ereignis angesprochen, auch wenn die Details nicht ausgefaltet werden.
Jesus erscheint schließlich den Aposteln und spricht sie auf ihren Kleinglauben an. Diese Apostel vor dem Pfingstereignis sind noch ganz anders als nach der Gabe des Hl. Geistes. Dann haben sie keine Angst mehr, stehen mutig ein für Christus und haben einen brennenden Glauben.
Gottes Geist kann Menschen wirklich ganz verwandeln!
Wir hören auch davon, dass Christus seine Apostel in die ganze Welt aussendet, um das Evangelium zu verkünden. In der Apostelgeschichte lesen wir einen ersten Anfang dieser Evangelisierung. Sie beginnt im Kern, in Jerusalem und dann auch noch im Tempel. Das ist wichtig, denn dort wohnt die Herrlichkeit Gottes.
Das zeigt uns, dass auch wir, die wir Österliche sind, die wir getauft sind auf den Tod und die Auferstehung Jesu Christi, die wir den Hl. Geist empfangen haben, ebenfalls das Evangelium verkünden müssen mit unserem eigenen Leben, aber auch mit unserem freimütigen Bekenntnis. Dieser missionarische Kerngedanke ist heutzutage so sehr abhanden gekommen und eingeschlafen. Wir alle haben diese Berufung durch die Taufe. Jeder von uns hat die Verantwortung von Gott bekommen. Dabei denken viele: „Ach, ich bin doch nur ein normaler Mensch. Was kann ich schon ausrichten?“ Manche denken sogar: „Was andere tun, ist nicht meine Sache. Hauptsache ich halte mich an die Gebote Gottes. Religion ist Privatsache.“ Dabei verkennen sie, dass ihr ganzer Lebensstil ein einziger missionarischer Akt sein soll. Wir können gar nicht anders, als aufzufallen in einer Welt zunehmender Säkularisierung. Wenn wir dann auf unser Anderssein angesprochen werden, sollen wir mutig einstehen für den Glauben und erklären, was unsere Motivation für ein solches Leben ist. Das ist dann die Gelegenheit, wie Petrus in den Hallen Salomos den Tod und die Auferstehung Jesu Christi zu verkünden, sodass die Menschen innerlich davon ergriffen werden und sich ebenfalls für Christus begeistern lassen.

Ostern und Pfingsten führen hinein in ein missionarisches Leben und Gott wird uns am Ende unseres Lebens die verpassten Gelegenheiten aufzeigen. Dann wird er von uns Rechenschaft verlangen. Er hat uns den Geist gegeben, damit er übersprudelt und übergeht auf andere. Haben wir dann genug davon weitergegeben oder es für uns selbst behalten?

Ihre Magstrauss

Donnerstag der Osteroktav

Apg 3,11-26; Ps 8,2 u. 5.6-7.8-9; Lk 24,35-48

Apg 3
11 Da er sich Petrus und Johannes anschloss, lief das ganze Volk bei ihnen in der sogenannten Halle Salomos zusammen, außer sich vor Staunen.
12 Als Petrus das sah, wandte er sich an das Volk: Israeliten, was wundert ihr euch darüber? Was starrt ihr uns an, als hätten wir aus eigener Kraft oder Frömmigkeit bewirkt, dass dieser gehen kann?
13 Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht, den ihr ausgeliefert und vor Pilatus verleugnet habt, obwohl dieser entschieden hatte, ihn freizulassen.
14 Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und die Freilassung eines Mörders erbeten.
15 Den Urheber des Lebens habt ihr getötet, aber Gott hat ihn von den Toten auferweckt. Dafür sind wir Zeugen.
16 Und aufgrund des Glaubens an seinen Namen hat dieser Name den Mann hier, den ihr seht und kennt, zu Kräften gebracht; der Glaube, der durch ihn kommt, hat ihm vor euer aller Augen die volle Gesundheit geschenkt.
17 Nun, Brüder, ich weiß, ihr habt aus Unwissenheit gehandelt, ebenso wie eure Anführer.
18 Gott aber hat auf diese Weise erfüllt, was er durch den Mund aller Propheten im Voraus verkündet hat: dass sein Christus leiden werde.

19 Also kehrt um und tut Buße, damit eure Sünden getilgt werden
20 und der Herr Zeiten des Aufatmens kommen lässt und Jesus sendet als den für euch bestimmten Christus!
21 Ihn muss freilich der Himmel aufnehmen bis zu den Zeiten der Wiederherstellung von allem, die Gott von jeher durch den Mund seiner heiligen Propheten verkündet hat.
22 Mose hat gesagt: Einen Propheten wie mich wird euch der Herr, euer Gott, aus euren Brüdern erwecken. Auf ihn sollt ihr hören in allem, was er zu euch sagt.
23 Jeder, der auf jenen Propheten nicht hört, wird aus dem Volk ausgemerzt werden.
24 Und auch alle Propheten von Samuel an und alle, die später auftraten, haben diese Tage angekündet.
25 Ihr seid die Söhne der Propheten und des Bundes, den Gott mit euren Vätern geschlossen hat, als er zu Abraham sagte: Durch deine Nachkommenschaft sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen.
26 Für euch zuerst hat Gott seinen Knecht erweckt und gesandt, damit er euch segnet und jeden von seiner Bosheit abbringt.

Heute hören wir die Fortsetzung der ersten Heilung im Namen Jesu. Diese schlägt hohe Wellen.
Viele Menschen sammeln sich in der Halle Salomos und staunen über das Wunder.
Petrus nutzt diese Gelegenheit und setzt zu einer Bekenntnisrede an:
Er beginnt diese mit einer rhetorischen Frage („Was wundert ihr euch darüber?“). Er bekennt freimütig, dass die Tat nicht aus eigener Kraft geschehen ist, sondern dass durch ihn Christus selbst gehandelt hat.
Er beginnt daraufhin eine Erklärung der Verheißungen des Alten Testaments, die sich mit Christus erfüllt haben. Ausgehend von dem, was die anwesenden Juden kennen, wendet er die Heilsgeschichte auf Christus an.
Dafür benutzt er bekannte Wendungen wie „der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter“ und „sein Knecht Jesus“, den er somit als den leidenden Gottesknecht identifiziert.
Er erklärt, dass Jesus der Messias ist, den Gott verherrlicht hat, der aber von den Menschen verkannt worden ist – und rhetorisch klug bezieht er dies auf eben jene, die in der Halle Salomos anwesend sind. Sie sollen von seinen Worten betroffen sein, damit sie umkehren und die Wahrheit erkennen. Er wirft ihnen vor, den Heiligen und Gerechten durch eine Intrige umgebracht zu haben, den Urheber des Lebens. Diese Titel sind typisch göttlich. Nur dieser ist der Heilige, Gerechte und der Urheber des Lebens. Petrus bekennt, dass Christus Gott ist.
Dieser blieb nicht im Tod. Petrus bekennt, dass Jesus von den Toten auferstanden ist und die Apostel Zeugen dafür sind.
Weil Petrus und Johannes an den Namen Jesu glauben, ist dieses Heilungswunder geschehen. Jesus selbst hat durch sie diese Heilstat begangen und dem Gelähmten die volle Gesundheit geschenkt, wofür nun die Anwesenden in der Halle Salomos Zeugen darstellen.
Petrus sagt dabei auch aus, dass der Glaube durch ihn komme. Das heißt, dass der Glaube ein Geschenk ist und nicht selbst gemacht werden kann. Er ist eine Gabe Gottes.
Im weiteren Verlauf räumt er den Anwesenden ein, dass sie nicht aus Boswillen, sondern Unwissenheit die Hinrichtung des Messias gefordert hätten. Ihm ist klar, dass hinter ihrem „Kreuzige ihn!“ die religiöse Elite steckt, die die Volksmenge manipuliert und aufgehetzt hat. Er räumt sogar ein, dass eben jene religiöse Elite unwissend war, denn sie haben Jesus als den Messias nicht erkannt. Aus demselben Grund hat Jesus ja auch am Kreuz gebetet: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“
Diese tragischen Umstände hat Gott aber wiederum genutzt, um das universale Heil zu erwirken. Gott kann die größte Katastrophe in den größten Segen umwandeln, weil er ein Gott des Heils ist. Dieser Heilsplan stand schon von Anfang an fest und die Propheten haben es schon angekündigt. Es ist aufgeschrieben in den Hl. Schriften der Juden, die die Anwesenden alle kennen. Sie haben vor allem sein Leiden angekündigt (wir denken natürlich besonders an die Gottesknechtslieder des für sie sehr bekannten Propheten Jesaja).
Und dies alles erklärt Petrus, um sie auf das Hauptanliegen seiner Ansprache zu führen – die Umkehr und Sühne der Sünden.
Und wenn sie dies tun, dann wird der Herr Zeiten des Aufatmens schenken (das heißt Segen) verbunden mit der Wiederkunft Christi. Wenn er wiederkommt, wird Gott alles wiederherstellen, wie es ebenfalls die Propheten vorhersagen.
So führt Petrus einige konkrete Beispiele an wie Mose, der von einem künftigen Propheten spricht, oder Samuel, der sehr ähnliche Dinge prophezeit hat.
Er spricht die Menge direkt an, indem er sie als die Nachkommen jener großen Heilsgestalten Mose und Samuel bezeichnet. Es ist verheißen worden, dass durch sie die ganze Welt Segen erlangen werde („das Heil kommt von den Juden“ – Jesus, das Heil in Person, ist selbst als Jude in diese Welt eingegangen!). Und weil die Juden das Volk sind, in das er hineingeboren wurde, das auserwählte Volk Gottes des Alten Bundes, ist Jesus zuerst für sie gekommen, damit sie von ihrem sündigen Weg abrücken.
Er ist für alle gestorben, das weiß Petrus auch. Aber er betont, was Jesus selbst in Anwesenheit der Syrophönizierin gesagt hat, damit die anwesenden Juden das Heil erkennen und annehmen.
Wie es weitergeht, hören wir heute nicht, aber uns ist ja bekannt, dass die Heilstaten bis zu den Hohepriestern und Schriftgelehrten vordringen. Wie diese sich wohl gefühlt haben? Sie dachten, sie hätten den Aufruhr im Volk, die ganze Bewegung um diesen für sie falschen Messias herum durch seine Hinrichtung endlich beendet und nun beginnt alles von vorne! Das Heil Gottes ist nicht mundtot zu kriegen. Das soll auch uns zum Nachdenken bringen!

Ps 8
2 HERR, unser Herr, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde, der du deine Hoheit gebreitet hast über den Himmel.
5 Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
6 Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, du hast ihn gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit.
7 Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über die Werke deiner Hände, alles hast du gelegt unter seine Füße:
8 Schafe und Rinder, sie alle und auch die wilden Tiere,
9 die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, was auf den Pfaden der Meere dahinzieht.

Im Psalm preisen wir nun den Namen Gottes auf der Erde. Es ist eben jener Name, durch den Petrus und Johannes den Gelähmten geheilt haben. Der Name liegt auf der Erde wie der Rauch bzw. die Wolke Gottes auf dem Tempel. Gott ist überall und das ist eine Trostbotschaft für uns. Er ist bei uns, die wir seine Schöpfung sind.
Wir betrachten in dem Psalm vor allem die Schöpfung der Menschheit. Wie kostbar ist diese für den Herrn, dass er sich ihrer annimmt und eine durchgehende Beziehung zu ihr führt! Die ganze Heilsgeschichte, die wir von der Genesis bis zur Johannesoffenbarung vor uns haben, ist eine einzige Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen. Er wendet sich seinen Geschöpfen zu und tut alles, um deren (Gegen)Liebe zu erwerben.
Dabei hat der Mensch im Gesamt der Schöpfung eine besondere Stellung. Er ist wahrlich die Krone der Schöpfung, denn „du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, du hast ihn gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit.“ Dies wird im Schöpfungsbericht ja dadurch deutlich, dass der Mensch als Abbild Gottes geschaffen worden ist. Die ewige Seele ist es, die ihm Herrlichkeit und Pracht verleiht.
„Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über die Werke deiner Hände, alles hast du gelegt unter seine Füße“ – die restliche Schöpfung ist dem Menschen anvertraut, weil dieser befähigt ist, Verantwortung für sie zu übernehmen. Gott legte ihm die Schöpfung aber nicht unter die Füße, damit er sie wie ein Tyrann unterdrücke, sondern wie ein Hirte für sie sorge.
In den letzten zwei Versen werden dann Bereiche der Schöpfung aufgezählt, die dem Menschen anvertraut werden.
All das sind wichtige und gute Ausführungen, werden aber erst dann zur Lesung in Bezug gebracht, wenn der Psalm über den wörtlichen Sinn hinaus in seinem geistlichen Sinn betrachtet wird:
Der Mensch, den Gott nur wenig geringer als sich geschaffen hat, ist auch mit der neuen Schöpfung gegeben – den Anfang dieser neuen Schöpfung kennzeichnet ebenfalls ein Menschenpaar – Jesus und Maria. Jesus hat diese neue Schöpfung begründet und auch ihm legt der Vater die gesamte Schöpfung unter die Füße – ihm, dem Erhöhten am Kreuz!
Und diese gesamte Schöpfung ist zusammengefasst in Maria und Johannes, die unter dem Kreuz stehen. Maria ist der Archetyp der Kirche, sie ist das Vorbild der vollkommenen Jüngerschaft und durch die Zuteilung des Johannes zu Maria als Sohn wird Maria zur Mutter aller Glaubenden – sie ist dadurch die neue Eva, die Mutter der Lebenden, nicht mehr der irdisch Lebenden, sondern ewig Lebenden bei Gott.
Jesus Christus ist wahrlich Herrlichkeit und Pracht verliehen worden in einem Maße, den der alte Mensch nicht erfahren hat – schon allein durch den Sündenfall. Wir sprechen hier von Christus in seiner Menschheit, in seiner Gottheit ist er Gott gleich.
Jesus ist der Herrscher über die Schöpfung – die Neugeschaffenen durch den Hl. Geist in der Taufe. Er ist das Haupt und wir die Glieder. Er ist der König des Reiches Gottes.
Und Christus ist dies alles nicht nur für die Menschen: Durch sein Erlösungswirken erlöst er die ganze Welt, auch die Tierwelt, denn diese ist durch den Sündenfall des ersten Menschenpaares auch ins Chaos gestürzt. Wir lesen bei der Friedensvision des Jesaja davon, wie die Tiere vor dem Sündenfall waren und wie sie mit Neuschöpfung Gottes wieder sein werden.
Es wird eine Versöhnung der gesamten Schöpfung sein!

Lk 24
35 Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.
36 Während sie noch darüber redeten, trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
37 Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen.
38 Da sagte er zu ihnen: Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen Zweifel aufkommen?
39 Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht.
40 Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße.
41 Als sie es aber vor Freude immer noch nicht glauben konnten und sich verwunderten, sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier?
42 Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch;
43 er nahm es und aß es vor ihren Augen.
44 Dann sagte er zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesprochen habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich geschrieben steht.
45 Darauf öffnete er ihren Sinn für das Verständnis der Schriften.
46 Er sagte zu ihnen: So steht es geschrieben: Der Christus wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen
47 und in seinem Namen wird man allen Völkern Umkehr verkünden, damit ihre Sünden vergeben werden. Angefangen in Jerusalem,
48 seid ihr Zeugen dafür.

Im Evangelium hören wir nun die Fortsetzung der Emmauserzählung. Die Emmausjünger sind in Jerusalem eingetroffen und erzählen von ihrer Begegnung mit dem Auferstandenen, nachdem es schon die in Jerusalem gebliebenen Apostel getan haben.
Während sie erzählen, kommt der Auferstandene in ihre Mitte und begrüßt sie mit den Worten „Friede sei mit euch!“
Sie reagieren mit Furcht, denn sie denken, einen Geist zu sehen. Das ist eine allzu menschliche Reaktion, denn dass jemand mit Leib und Seele aufersteht, ist bis dato etwas ganz Neues.
Jesus konfrontiert sie mit ihren Zweifeln, denn eigentlich haben sie ihn ja schon leibhaftig erfahren.
Er geht auf ihre Zweifel ein und zeigt ihnen die Hände und Füße, an denen die Male der Kreuzigung noch zu sehen sind und ihn als denselben ausweisen, den sie vor dem Tod gesehen haben.
Da sie es vor lauter Freude immer noch nicht fassen können, isst er vor ihren Augen sogar ein Stück gebratenen Fisch. Ein Geist kann ja nichts essen, denn er ist ja nicht einmal materiell.
Als Auferstandener erklärt Jesus ihnen ausgehend von der Hl. Schrift und den Verheißungen der Propheten, dass alles, was passiert ist, passieren musste und die Schrift erfüllt hat.
Insbesondere sein Leiden ist von den Propheten angekündigt worden als Voraussetzung für die Erlösung und Sühne aller Sünden. Er ist so weit gegangen, um die ganze Welt zur Umkehr zu bewegen, angefangen in Jerusalem.
Damit die Menschen diese Heilstat gläubig annehmen, sollen die Apostel mit ihrem Zeugnis einstehen. Deshalb erscheint er ihnen nach seiner Auferstehung immer wieder und erklärt ihnen ausgehend von der Schrift den Plan Gottes.
Er muss es immer wieder tun, denn den Aposteln ist der Hl. Geist in umfassender Weise noch nicht geschenkt worden, der ihnen die Augen für diese Zusammenhänge öffnet. Wenn Jesus „die Propheten“ andeutet, sind vor allem die Prophezeiungen der Gottesknechtslieder aus dem Buch Jesaja gemeint. Gerade dort wird der Sühnetod des Gerechten angekündigt, durch den die Sünde der Welt getragen wird.

Alles hat einen Sinn, auch wenn dieser oft erst im Nachhinein erkannt wird. Die schlimmste Katastrophe ist zum größten Heilsakt aller Zeiten geworden und Jesus ist leibhaftig auferstanden. Er verdeutlicht seinen Aposteln den Sinn seines Leidens und deutet es im Licht der Heilsgeschichte, die sie als fromme Juden aus den Hl. Schriften kennen. Dies wird Petrus nicht vergessen, wenn er dann nach dem Pfingstereignis voller Beherztheit vor die Menschenmengen tritt und mutig für Christus und das Osterereignis einsteht. Er setzt das um, was Jesus als Auferstandener in ihrer Mitte gesagt hat: „Ihr seid Zeugen dafür.“

Wie ist es mit uns? Auch wir sind Zeugen seiner Auferstehung, nämlich in jeder Heiligen Eucharistie. Was wir dort schauen und was wir empfangen – tragen wir es in die Welt hinaus und stehen mutig dafür ein? Herr, gib auch uns den Hl. Geist, damit wir so mutig bekennen, dass du ein Gott des Lebens bist und sich auch heute in Zeiten einer Kultur des Todes nichts daran ändert!

Ihre Magstrauss

Ostermontag

Apg 2,14.22-33; Ps 89,2-3.4-5; 1 Kor 15,1-8.11; Lk 24,13-35

Apg 2
14 Da trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden: Ihr Juden und alle Bewohner von Jerusalem! Dies sollt ihr wissen, achtet auf meine Worte!
22 Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, einen Mann, den Gott vor euch beglaubigt hat durch Machttaten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst –
23 ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht.
24 Gott aber hat ihn von den Wehen des Todes befreit und auferweckt; denn es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde.
25 David nämlich sagt über ihn: Ich hatte den Herrn beständig vor Augen. Denn er steht mir zur Rechten, dass ich nicht wanke.
26 Darum freute sich mein Herz und frohlockte meine Zunge und auch mein Leib wird in Hoffnung wohnen;
27 denn du gibst meine Seele nicht der Unterwelt preis, noch lässt du deinen Frommen die Verwesung schauen.
28 Du hast mir die Wege zum Leben gezeigt, du wirst mich erfüllen mit Freude vor deinem Angesicht.
29 Brüder, ich darf freimütig zu euch über den Patriarchen David reden: Er starb und wurde begraben und sein Grabmal ist bei uns erhalten bis auf den heutigen Tag.
30 Da er ein Prophet war und wusste, dass Gott ihm einen Eid geschworen hatte, einer von seinen Nachkommen werde auf seinem Thron sitzen,
31 sagte er vorausschauend über die Auferstehung des Christus: Er gab ihn nicht der Unterwelt preis und sein Leib schaute die Verwesung nicht.
32 Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen.
33 Zur Rechten Gottes erhöht, hat er vom Vater den verheißenen Heiligen Geist empfangen und ihn ausgegossen, wie ihr seht und hört.

Heute geht die Osterfreude weiter. In der ersten Lesung hören wir einen Ausschnitt aus Petrus‘ Ansprache am Pfingsttag. Erfüllt vom Hl. Geist geht ihm auf, dass die Ankündigungen der Hl. Schriften (zu seiner Zeit meint dies das Alte Testament) sich wirklich mit Jesus erfüllt haben. Er erkennt nun die Verbindungslinien, weil es ihm wie Schuppen von den Augen fällt. Zuvor hat er vieles noch gar nicht verstanden. Der Geist Gottes führt die Apostel aber nun in die Wahrheit, wie Jesus bereits angekündigt hat.
Nun hält Petrus also eine Ansprache und diese ist im Grunde eine Taufkatechese. Im Anschluss an diese kraftvolle Predigt lassen sich nämlich sehr viele Menschen taufen.
Er erinnert die Israeliten an die Heilstaten Jesu Christi, die Gott vor ihren eigenen Augen beglaubigt hat. Jesus hat nie okkult (verborgen, im Geheimen) gehandelt, sondern immer in der Öffentlichkeit gesprochen und gewirkt. Es gab immer sehr viele Zeugen für seine Zeichen.
Nun ist die Zeit gekommen, all die Zeichen im Lichte der Heilsgeschichte als messianisch zu erkennen. Die Menschen sollen vor allem den Tod und die Auferstehung Jesu Christi als Erfüllung der Verheißungen begreifen („der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde“).
Petrus ist klar, dass die Zuhörer seiner Predigt selbst Jesus nicht umgebracht haben, sondern dass dies auf die religiöse Elite Jerusalems zurückzuführen ist. Wenn er in seiner Pfingstrede also nun sagt: „Habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht“, dann möchte er verdeutlichen, dass jeder, der „Kreuzige ihn!“ geschrien hat, mitverantwortlich ist. Wenn er das sagt, dann schließt er sich selbst mit ein. Schließlich hat er in der für ihn nachteiligen Situation Jesus verleugnet und behauptet, ihn nicht zu kennen.
Petrus meint mit „Gesetzlosen“ die Römer, die nicht beschnitten sind und die Torah nicht halten. Diese ist aber mit „Gesetz“ gemeint.
„Gott aber hat ihn von den Wehen des Todes befreit und auferweckt.“ Durch den Hl. Geist, dem Geist des Lebens, ist die Auferstehung Jesu Christi erwirkt worden. Er konnte nicht ewig im Grab bleiben, denn er ist Gott und dieser ist ein Gott des Lebens. Der Tod hat keine Macht über ihn. Dass er leben werde, sagt schon König David vorher, als er unter dem Einfluss des Hl. Geistes die Worte des Psalm 16 gedichtet hat: „Ich hatte den Herrn beständig vor Augen. Denn er steht mir zur Rechten, dass ich nicht wanke. Darum freute sich mein Herz und frohlockte meine Zunge und auch mein Leib wird in Hoffnung wohnen; denn du gibst meine Seele nicht der Unterwelt preis, noch lässt du deinen Frommen die Verwesung schauen. Du hast mir die Wege zum Leben gezeigt, du wirst mich erfüllen mit Freude vor deinem Angesicht.“ Gott gab seinen Sohn der Unterwelt wirklich nicht preis, obwohl dieser dort hinabgestiegen ist. Er ging zu den Gerechten, die sehnlichst auf ihn warteten, um endlich die Herrlichkeit Gottes schauen zu dürfen. Er führte sie aus dem Exil in die himmlische Heimat. Und er erstand von den Toten, noch bevor die Verwesung einsetzen konnte. Er schaute die Verwesung wirklich nicht, er, der frommste der Frommen.
Und so wie er Jesus die Wege zum Leben gezeigt und mit Freude erfüllt hat (die Freude des Himmels), so wird er es auch mit jenen tun, die ihm nachfolgen – mit uns, die wir auf seinen Tod und seine Auferstehung getauft worden sind.
Petrus erklärt nach der ausführlichen Zitation des Psalms, dass es sich nicht auf David selbst beziehe, der ja gestorben ist. Vielmehr hat David selbst schon auf seinen Nachkommen verwiesen, der Jesus Christus ist. Er ist Sohn Davids.
Petrus selbst und die anderen Apostel haben den Auferstandenen mit eigenen Augen gesehen. Sie sind Zeugen dafür, dass Jesus lebt. Diesen glauben sie nun an der Rechten des Vaters, was wir bis heute im Glaubensbekenntnis beten. Von ihm, dem erhöhten Christus, ging der Heilige Geist aus, den die Apostel am Pfingsttag in umfassendem Maße empfangen haben.
„Wie ihr seht und hört“ bezieht sich auf die Manifestationen des Heiligen Geistes, die die Jerusalempilger an jenem Tag gesehen und gehört haben – das Brausen, die Sprachen etc.
Bis zu jenem Ereignis versteckten die Apostel sich im Obergemach eines Hauses, ohne in die Öffentlichkeit zu treten. Doch der Geist Gottes verlieh ihnen die Früchte (z.B. Mut), Gaben (z.B. Einsicht) und Charismen (z.B. Sprachengebet), sodass sie von da an zu den Menschen gehen und freimütig das Evangelium verkünden können. Er hat ihnen ein neues Leben geschenkt, denn die Gemeinschaft der Gläubigen als Leib Christi, die Kirche, ist an jenem Tag zum Leben erweckt worden! Wir feiern an Pfingsten ihren Geburtstag. Der Geist Gottes ist ein Lebensspender. Dies gilt nicht nur für den auferstandenen Christus, das gilt auch für die ersten Christen damals und für uns Christen heute!

Ps 89
2 Von der Huld des HERRN will ich ewig singen, von Geschlecht zu Geschlecht mit meinem Mund deine Treue verkünden.
3 Denn ich bekenne: Auf ewig ist Huld gegründet, im Himmel deine Treue gefestigt.
4 Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten und David, meinem Knecht, geschworen:
5 Auf ewig gebe ich deinem Haus festen Bestand und von Geschlecht zu Geschlecht gründe ich deinen Thron.

Nun beten wir im Anschluss an die Pfingstrede des Petrus einen Dankespsalm.
„Von der Huld des HERRN will ich ewig singen“ ist ein typischer Psalmenanfang – die Selbstaufforderung zum Lobpreis. Die Huld des HERRN ist so großartig, dass sie zu allen Zeiten besungen werden muss. Wir können gar nicht anders, es ist die einzig angemessene Reaktion von uns Menschen, auf Gottes große Gnade dankend zu antworten. Und so sind die Worte König Davids bis heute absolut aktuell. „Von Geschlecht zu Geschlecht mit meinem Mund deine Treue verkünden“ – dies tun wir in jeder Hl. Messe auf dichteste Art und Weise. Eucharistie heißt „Danksagung“. Wir danken Gott für diese alles entscheidende Heilstat Christi, der durch seinen Tod und seine Auferstehung die Welt mit Gott versöhnt hat.
„Denn ich bekenne: Auf ewig ist Huld gegründet, im Himmel deine Treue gefestigt.“ Die Treue Gottes hat sich am dichtesten erwiesen am Ostertag. Sie ist am intensivsten spürbar geworden am leeren Grab. Gott hat den Menschen gezeigt, dass er seinen einzigen Sohn nicht im Stich lässt, sondern wie versprochen das Leben schenkt. Wir dürfen glauben, dass er auch uns nicht im Stich lassen wird, wenn wir sterben und vor ihn treten, wenn wir ihm zeitlebens unsere Treue gehalten haben.
Ja, auf ewig gibt Gott dem Haus festen Bestand. Damit ist das Haus Davids gemeint. Jesus der Sohn Davids wird auf ewig leben und nicht nur das. Er erhält den Thron, denn er ist König im Reiche Gottes. Wir beten deshalb im Glaubensbekenntnis, dass er zur Rechten Gottes thront.
Mit dem Haus, das heißt dem Geschlecht Davids, ist nun die Kirche gemeint, die die Familie Gottes ist. Sie wird ewig Bestand haben, denn Gott selbst hat sie zum Leben erweckt. Was Gott aber geschaffen hat, wird ewig leben. Das ist die Botschaft von Ostern. Halleluja!

1 Kor 15
1 Ich erinnere euch, Brüder und Schwestern, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht.
2 Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet werden, wenn ihr festhaltet an dem Wort, das ich euch verkündet habe, es sei denn, ihr hättet den Glauben unüberlegt angenommen.
3 Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift,
4 und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift,
5 und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.
6 Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen.
7 Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln.
8 Zuletzt erschien er auch mir, gleichsam der Missgeburt.
11 Ob nun ich verkünde oder die anderen: Das ist unsere Botschaft und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt.

In der zweiten Lesung hören wir aus einem wichtigen Kapitel des ersten Korintherbriefes. Dort erklärt Paulus viele Aspekte zum Thema Auferstehung.
Dabei betont er am Anfang, dass das Fundament des Glaubens, den auch die Korinther angenommen haben, die Osterbotschaft ist. Sie nämlich ist der Kern des gesamten Evangeliums.
Wer an diesem Evangelium festhält, wird gerettet werden. Die Bejahung des Evangeliums wiederum geschieht durch die Taufe als äußeres Zeichen des inneren Glaubens. Und deshalb wiederholt er es noch einmal, falls der ein oder andere diese Botschaft unüberlegt angenommen hat.
Dann hören wir aus der ältesten Osterüberlieferung, die das Neue Testament tradiert. Paulus selbst hat sie schon von woanders empfangen, also ist sie sehr alt, das heißt sehr nah an dem Osterereignis selbst dran.
„Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift“ – ja, das ist der Grund – entgegen aller theologischen Bemühungen heutzutage, den Sühnetod wegzuargumentieren. Jesus ist für unsere Sünden gestorben, für jeden einzelnen Menschen!
Die Wendung „gemäß der Schrift“ verdeutlicht uns, dass es schon das Alte Testament angekündigt hat. Das ist wichtig, weil es den frommen Juden zeigt, dass Jesu Tod und Auferstehung heilsgeschichtlich entscheidend ist und sogar den Höhepunkt der Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen darstellt.
„Jesus ist begraben worden.“ Das heißt, er war wirklich komplett tot, nicht scheintot, nicht ohnmächtig oder gar nicht erst gestorben. Er ist wirklich gestorben, was für unsere Erlösung absolut notwendig war. Er konnte nicht erlösen, was er nicht selbst durchgemacht hat. Deshalb musste er ganz sterben.
Er ist dann aber am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift.“ Petrus hat diese Schriftstellen teilweise zitiert, als er am Pfingsttag vor die Menschen getreten ist. Jesus selbst hat dies angekündigt, indem er immer wieder Leidensankündigungen vorgenommen hat. Die Apostel haben es damals nicht verstanden, doch nun ist ihnen alles klar.
Er erscheint dem Kephas (also Petrus), dann den Zwölf, sogar 500 Brüdern gleichzeitig. Das kann also keine Einbildung sein, keine Fata Morgana oder Halluzination. Viele der Augenzeugen leben noch zur Zeit des Paulus.
Mit Jakobus ist der „Herrenbruder“ Jakobus gemeint, der die Jerusalemer Gemeinde nach der Abreise des Petrus geleitet hat. Er ist Verwandter Jesu, deshalb heißt er auch „Herrenbruder“. Wir wissen von dem biblischen Zeugnis, dass es sich dabei um den Sohn einer anderen Maria und des Kleopas handelt, der übrigens einer der Emmausjünger ist. Diese andere Maria kann kaum die Schwester der Mutter Jesu sein (diese war laut Protevangelium des Jakobus ohnehin Einzelkind). Es wird sich vielleicht um die Cousine der Mutter Jesu gehandelt haben, also ist Jakobus Jesu Cousin zweiten Grades. Und doch ist es im orientalischen Kontext normal, Bruder zu sagen (Es gibt damals auch nur ein Wort für Bruder, Cousin etc.). Mit „Familie“ ist mehr gemeint als die gerade Linie, wie wir es aus unserem Kontext kennen. Damit ist vielmehr die Großfamilie gemeint.
„Zuletzt erschien er auch mir, gleichsam der Missgeburt.“ Das bezieht sich auf Pauli Begegnung mit Christus vor den Toren von Damaskus. Paulus nennt sich einerseits Missgeburt, weil er sich selbst als den geringsten Apostel erachtet. Er hat schließlich die Christen zunächst verfolgt und somit Christus selbst verfolgt. Er nennt sich andererseits so, weil das griechische Wort ἔκτρωμα ektroma „unzeitige Geburt“ heißt. Es bezieht sich aber in seinem Fall nicht auf die biologische Geburt, sondern auf die Wiedergeburt im Hl. Geist. Seine Bekehrung kommt spät, ist also unzeitig im Gegensatz zu den anderen Aposteln.
Zum Schluss sagt Paulus noch ein wichtiges Wort: Es spielt keine Rolle, ob er selbst diese Botschaft verkündet oder ein anderer. Es ist und bleibt dieselbe Botschaft vom Sieg des Lebens über den Tod. Diese Wendung formuliert er deshalb, weil es in Korinth ja die Rivalitäten und Parteien gibt (die einen halten zu Paulus, die anderen zu Apollos, die anderen zu Kephas…).
Dank Paulus haben wir diese uralte Überlieferung erhalten. Sie bestätigt, was wir glauben – dass Jesu Auferstehung eine historische Tatsache ist, die nachträglich nicht symbolisiert werden kann. Jesus ist leibhaftig auferstanden und so werden auch wir es!

Lk 24
13 Und siehe, am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist.
14 Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.
15 Und es geschah, während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen.
16 Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.
17 Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen
18 und der eine von ihnen – er hieß Kleopas – antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?
19 Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk.
20 Doch unsere Hohepriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen.
21 Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist.
22 Doch auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab,
23 fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe.
24 Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht.
25 Da sagte er zu ihnen: Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist, um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben.
26 Musste nicht der Christus das erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen?
27 Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.
28 So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen,
29 aber sie drängten ihn und sagten: Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt! Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.
30 Und es geschah, als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen.
31 Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn; und er entschwand ihren Blicken.
32 Und sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete?
33 Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück und sie fanden die Elf und die mit ihnen versammelt waren.
34 Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.
35 Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.

Im Evangelium hören wir nun von dem Emmausereignis. Kleopas, von dem wir vorhin schon gehört haben, ist unterwegs mit einem weiteren Jünger. Sie sind unterwegs nach Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt liegt. Sie planen, über Nacht in einem Haus einzukehren.
Als sie unterwegs über die ganzen Ereignisse reden, stößt der auferstandene Christus zu ihnen. Sie erkennen ihn aber nicht. Das ist nicht ungewöhnlich. Auch Maria Magdalena hat ihn nicht erkannt und sogar gedacht, er sei der Gärtner (das bringt mich jedesmal zum Lachen…). Das liegt daran, dass Jesu Leib nach der Auferstehung ein anderer ist als vor seinem Tod. Sein Aussehen müssen wir uns so vorstellen, dass er wie das erste Menschenpaar vor dem Sündenfall ist – nicht ganz, da er noch nicht zum Vater heimgekehrt ist, wo er verherrlicht wird (also in ein so helles Lichtkleid gehüllt ist, wie er es bei der Verklärung auf dem Berg Tabor war).
Er fragt nun nach, worüber sie reden. Er weiß natürlich ganz genau, worum es geht, aber Jesus geht es immer darum, dass die Menschen von sich aus selbst Dinge aussprechen, mit eigenen Worten etwas bekennen (so auch beim Sakrament der Buße).
Die Jünger sind traurig. Das ist aber nicht die richtige Reaktion auf das Osterereignis. Jesus kritisiert ihre mangelnde Erkenntnis und erklärt ihnen ausgehend von den Propheten, von all den messianischen Verheißungen, dass sein Tod und seine Auferstehung notwendig waren, um die Welt von ihren Sünden zu erlösen.
Den Jüngern dämmert es und im Nachhinein werden sie auch sagen: „Brannte uns nicht das Herz, als der Herr unterwegs mit uns redete?“ Das Wort Gottes zu hören, es erklärt zu bekommen – all das entzündet in uns schon das Feuer seiner Liebe. Aber „erkennen“ können wir Christus erst so richtig, wenn er vor unseren Augen das Brot bricht, in der Eucharistie. Dann gehen auch uns die Augen auf und wir erkennen den Auferstandenen.
Doch zunächst noch einmal zurück zum Weg. Gott begleitet auch uns auf unserem Lebensweg, auch wenn wir ihn manchmal gar nicht erkennen. Er spricht durch die Heilige Schrift zu uns, auch gerade durch jene, die sie für uns auslegen. Gott schickt uns auf unserem Lebensweg Menschen, durch die er uns etwas sagen möchte – ob Kritik, Lob, Trost, Ermutigung oder Warnung.
Die Kirche ist ebenfalls unterwegs – zum himmlischen Emmaus am Ende der Zeiten. Sie ist das pilgernde Gottesvolk, das gegürtet und mit dem Stab in der Hand das Passahlamm isst – Jesus Christus, den eucharistischen Herrn. Und unterwegs zur Begegnung mit dem Leib Christi hört auch sie das Wort Gottes, dass auf Christus vorbereitet, den die Christen dann in der Kommunion in sich aufnehmen. Deshalb ist die Liturgie im Emmaus-Stil aufgebaut: Zuerst kommt der Wortgottesdienst, dann der Mahlgottesdienst.
Als sie in Emmaus ankommen, möchte Jesus weitergehen, doch die Jünger bitten ihn, mit ihm im Haus einzukehren. Was sie zu ihm sagen, hat in der Wirkungsgeschichte mehrfache Vertonungen erfahren: „Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt!“ Es ist eine Bitte, die wir auf mehrfache Weise verstehen können. Es ist ein Bittgebet der gesamten Kirche darum, dass Jesus seine Braut nie verlasse. Der Tag, der sich geneigt hat und der Abend, der gekommen ist, sind Bilder für die Endzeit, die mit Christus angebrochen ist. Wir gehen der Ewigkeit entgegen. Diese bricht mit dem neuen Tag an. Im Übergang vom alten Tag der alten Schöpfung zum neuen Tag der neuen Schöpfung möge Christus uns beistehen und bei uns sein. Und auch jeder einzelne Christ bei seinem Lebenswandel bittet den Herrn, bei ihm zu bleiben – Tag für Tag und deshalb ist dieses Schriftwort auch ein Abendgebet. Es bezieht sich aber auch auf das gesamte irdische Dasein und wird so zum Abschiedsgebet des Lebens, wenn der Lebensabend angebrochen ist und die Nacht des Todes unmittelbar bevorsteht.
Als sie dann bei Tisch sind, tut Jesus genau das, was er schon beim letzten Abendmahl getan hat – ein Beweis, dass seine Gesten damals wirklich die Begründung eines neuen Bundes mit festem Ritus darstellt.
Von dem eucharistischen Mahl her haben sie im Nachhinein die Auslegung der Schriften verstanden. Es ist analog zu Petrus zu betrachten, der im Nachhinein erkennt, was Jesus die ganze Zeit über gemeint hat, als er von Leiden, Tod und Auferstehung gesprochen hat. Das ist der wunderbare Verstehensprozess der Menschen, den Gott geduldig mit ihnen geht – er erklärt ihnen vieles und sensibilisiert sie für jeden heilsgeschichtlichen Schritt. Durch seinen Heiligen Geist erinnert er sie dann zu späteren Zeiten an das, was er ihnen zuvor erklärt hat. So realisiert der Mensch nach und nach immer mehr von der Offenbarung Gottes.
Die Jünger bleiben nicht in Emmaus, sondern machen sich sofort auf den Heimweg nach Jerusalem, um den Aposteln und den anderen Jüngern von ihrem Erlebnis zu erzählen. Dort erfahren sie zudem, dass Jesus auch ihnen erschienen ist.
Jesus ist nicht mehr so wie vor seinem Tod. Er kann an mehreren Orten gleichzeitig erscheinen und kann plötzlich verschwinden. Er kann durch geschlossene Türen hindurch in einem Raum erscheinen und ist doch kein Geist. Er kann nämlich essen und ist berührbar, wie wir bald in der Episode des Apostels Thomas explizit erfahren werden. Jesu Auferstehungsleib gibt uns Aufschluss darüber, wie der Mensch vor dem Sündenfall war.

Er erscheint Menschen, um ihnen die Osterbotschaft begreiflich zu machen. Wo, wann und wem er dabei erscheint, ist ganz im Willen des Vaters. Er lebt und deshalb haben wir allen Grund zu feiern!

Ihre Magstrauss

Ostersonntag (am Tag)

Apg 10,34a.37-43; Ps 118,1-2.16-17.22-23; Kol 3,1-4 oder 1 Kor 5,6b-8; Joh 20,1-9 oder Joh 20,1-18

Christus ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden, Halleluja! Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Osterfest!

Apg 10
34 Da begann Petrus zu reden und sagte:

37 Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat:
38 wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm.
39 Und wir sind Zeugen für alles, was er im Land der Juden und in Jerusalem getan hat. Ihn haben sie an den Pfahl gehängt und getötet.
40 Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt und hat ihn erscheinen lassen,
41 zwar nicht dem ganzen Volk, wohl aber den von Gott vorherbestimmten Zeugen: uns, die wir mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten gegessen und getrunken haben.
42 Und er hat uns geboten, dem Volk zu verkünden und zu bezeugen: Dieser ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten.
43 Von ihm bezeugen alle Propheten, dass jeder, der an ihn glaubt, durch seinen Namen die Vergebung der Sünden empfängt.

Als erste Lesung hören wir eine Ansprache des Apostels Petrus, wie sie die Apostelgeschichte überliefert. Er nimmt dabei eine Rückschau der Osterereignisse vor:
„Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist…“ Er bezieht sich auf Jesu ganze Verkündigung in ganz Israel, die in Galiläa begonnen hat nach der Johannestaufe. Jesus hat mit seiner Verkündigung ja begonnen, nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hat. Dieser war der unmittelbare Vorläufer, der die Umkehr als Vorbereitung auf den Messias gepredigt hat.
Dann spielt Petrus auf die Taufe Jesu im Jordan an und erklärt dabei auch, dass die eigentliche Tat nicht in der Taufe durch Johannes, sondern in der Salbung Gottes mit dem Hl. Geist besteht.
Er blickt dann darauf zurück, wie Jesus umherzog und Gutes tat – das bezieht sich auf seine ganzen Heilstaten. Er thematisiert auch die Exorzismen („die in der Gewalt des Teufels waren“).
Wenn Petrus sagt: „Wir sind Zeugen für alles, was er im Land der Juden und in Jerusalem getan hat“, dann bezieht es sich auf die ganze Jüngerschaft, die Augenzeugen Jesu darstellen.
„Ihn haben sie an den Pfahl gehängt und getötet.“ Dies lässt offen, wer damit gemeint ist, aber für die Zuhörerschaft ist klar, dass damit die Tempelelite gemeint ist, denen Jesus ein Dorn im Auge war. Das heißt nicht, dass er antisemitische Dinge hier andeutet. Es bezieht sich ja nicht auf das gesamte jüdische Volk. Dies wäre ja auch sinnlos, da er selbst dazugehört.
Dann kommt die österliche Aussage: „Gott aber hat ihn am dritten Tag von den Toten auferweckt und hat ihn erscheinen lassen, zwar nicht dem ganzen Volk, wohl aber den von Gott vorherbestimmten Zeugen: uns, die wir mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten gegessen und getrunken haben.“ Jesus ist am dritten Tage auferweckt worden und seine Gestalt, die nicht nur ein Geist war, sondern mit Leib, haben die Aposteln bezeugt. Wir hören bei Paulus, der noch ältere Augenzeugnisse der Ostererscheinungen überliefert, dass Jesus sogar 500 Menschen zugleich erschienen ist. Dass Jesus lebt, ist kein Märchen, sondern eine historische Tatsache!
Die Jünger haben mit ihm gegessen und getrunken, was beweist, dass er mehr ist als nur eine Vision, ein Geist oder eine Halluzination trauernder Männer.
Bevor Jesus zu seinem Vater heimgegangen ist, hat er seinen Aposteln aufgetragen, sein Evangelium zu verkündigen und zu bezeugen: „Dieser ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten.“ So beten wir bis heute im Glaubensbekenntnis: „Von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.“
Zum Schluss sagt Petrus noch etwas Wichtiges: Was Jesus anbelangt, haben die Propheten schon vorhergesagt. Ihn haben sie angekündigt. In Jesu Namen werden die Menschen die Vergebung der Sünden empfangen. Dies geschieht in erster Linie durch die Taufe auf den Namen Jesu Christi. Diese wäscht nämlich den alten Menschen ab. Sie ist der Bundesschluss mit Gott, den Jesus durch seinen Tod und seine Auferstehung besiegelt hat.

Ps 118
1 Dankt dem HERRN, denn er ist gut, denn seine Huld währt ewig!
2 So soll Israel sagen: Denn seine Huld währt ewig.
16 die Rechte des HERRN, sie erhöht, die Rechte des HERRN, Taten der Macht vollbringt sie.
17 Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des HERRN zu verkünden.
22 Ein Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden.
23 Vom HERRN her ist dies gewirkt, ein Wunder in unseren Augen.

Heute beten wir wie gestern in der Osternacht den so wunderbaren Psalm 118, der durch die Auferstehung Jesu Christi zu unserem Lebensprogramm geworden ist. Ja, Gottes Huld währt ewig, denn er ist gut. Kein anderer Gott hat sich jemals von seinen geliebten Kindern umbringen lassen, um ebenjene von allen Sünden zu erlösen!
Gott hat durch die Auferstehung seines Sohnes wirklich seine Macht bewiesen. Das war die größte Heilstat aller Zeiten, die die Menschen gestern, heute und morgen erlöst hat!
Und deshalb darf der Mensch voller Freude sagen: „Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des HERRN zu verkünden.“ Ja, das ist die einzig angemessene Antwort auf die Erlösung, die uns zuteilgeworden ist – ihn zu verkünden und immerfort Zeugnis für ihn abzulegen.
Jesus Christus ist wirklich zum Eckstein geworden, nachdem die Bauleute ihn verworfen haben. Dies greifen die Autoren des Neuen Testaments auf wie Petrus im ersten Petrusbrief oder Paulus im Römerbrief. Ja, Jesus selbst hat dieses Schriftwort aufgegriffen und auf sich bezogen, wie wir in allen synoptischen Evangelien lesen. Die Menschen haben ihn nicht angenommen, aber Gott hat diese Ablehnung wiederum ins Heil umgekehrt. Gott ist ein Gott des Heils und hat somit der gesamten Menschheit die Rettung gebracht.

Kol 3
1 Seid ihr nun mit Christus auferweckt, so strebt nach dem, was oben ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt!
2 Richtet euren Sinn auf das, was oben ist, nicht auf das Irdische!
3 Denn ihr seid gestorben und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott.
4 Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit.

Als zweite Lesung gibt es eine Auswahl, entweder einen Aussschnitt aus dem Kolosserbrief oder aus dem ersten Korintherbrief. Ich schreibe gerne einige Gedanken zu beiden Texten:
Die Taufe, mit der die Ansprache des Petrus endet, wird hier weiter fortgesetzt: Durch dieses heilsnotwendige Sakrament sind wir Getaufte mit Christus auferweckt. Deshalb sage ich so gern, dass wir Christen österliche Menschen sind. Mit dem Sakrament ist es aber nicht getan. Wir müssen nun auch entsprechend leben als Antwort auf diese unfassbar große Liebestat Jesu Christi. Als Österliche sollen wir unseren Blick schon auf die Ewigkeit richten, die das wahre Leben ist. Das Irdische soll nicht unsere Aufmerksamkeit erhalten – zumindest nicht in dem Ausmaß, dass es unserem ewigen Leben im Weg steht. Es geht um die richtigen Prioritäten. Ganz oben steht das Bestreben „nach dem, was oben ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt“.
Unser alter Mensch ist gestorben und mit Christus in Gott verborgen. Da können wir nicht mehr so leben, als wären wir immer noch dieser alte Mensch.
Christus ist unser Leben, denn durch ihn sind wir im Hl. Geist wiedergeboren. Und wenn Christus offenbar wird – gemeint ist am Ende der Zeiten bei seiner Wiederkunft -, dann wird diese neue Identität durch die Taufe an uns für alle offenbar. Man wird das unlöschbare Siegel in unserer Seele erkennen. Dann werden alle sehen, dass wir Erben des Reiches Gottes sind.

1 Kor 5
6 Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert?
7 Schafft den alten Sauerteig weg, damit ihr neuer Teig seid! Ihr seid ja schon ungesäuertes Brot; denn als unser Paschalamm ist Christus geopfert worden.
8 Lasst uns also das Fest nicht mit dem alten Sauerteig feiern, nicht mit dem Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit den ungesäuerten Broten der Aufrichtigkeit und Wahrheit!

Der erste Korintherbrief vermittelt im Grunde dieselbe Botschaft wie der Ausschnitt aus dem Kolosserbrief. Jetzt, wo wir getauft sind, können wir nicht mehr so leben wie zuvor. Wir müssen konsequent und radikal den alten Menschen hinter uns lassen. Schließlich ist unser alter Mensch gestorben. Wenn wir nicht radikal den alten Menschen von uns abschneiden, dann wird dessen Bosheit uns irgendwann wieder ganz befallen so wie ein bisschen Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert. Dabei sind wir ja durch den Neuen Bund zu ungesäuerten Broten geworden, denn Christus ist das Passahlamm (dazu gehören ja die Mazzen, die man in Kräuter eintaucht). Und dieses Bild ist als Gegenbild zu dem gesäuerten Brot zu betrachten als Sinnbild für die Aufrichtigkeit und Wahrheit des christlichen Lebenswandels. Ostern hat seine Konsequenzen – nicht nur sakramental in Form der Taufe, sondern auch im moralischen Sinne.

Joh 20
1 Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war.
2 Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben.
3 Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab;
4 sie liefen beide zusammen, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab.
5 Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging jedoch nicht hinein.
6 Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen
7 und das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.
8 Da ging auch der andere Jünger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte.
9 Denn sie hatten noch nicht die Schrift verstanden, dass er von den Toten auferstehen müsse.
10 Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück.
11 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein.

12 Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten.
13 Diese sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben.
14 Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war.
15 Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn holen.
16 Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister.
17 Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.
18 Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.

Das Evangelium vom Ostertag berichtet von Maria Magdalena, die voller Liebe zu Christus um ihren verstorbenen Herrn trauert. Sie kommt frühmorgens noch vor Sonnenaufgang zum Grab, doch da sieht sie, dass der Stein weggerollt worden ist! Sie denkt, dass man den Leichnam woanders hingelegt hat, und rennt ganz entsetzt zu den Aposteln. Petrus und Johannes machen sich sofort auf den Weg zum Grab, wobei Johannes schneller dort ankommt als Petrus. Man könnte es auf den Altersunterschied schieben (Johannes ist jünger als Petrus), doch daran liegt es nicht. Es drückt vielmehr aus, wie sehr Johannes Jesus geliebt hat – er ist wie die männliche Version von Maria Magdalena…Johannes kommt früher an, geht jedoch nicht hinein. Er weiß, dass Petrus eine Vorrangstellung hat. Jesus hat ihm die Schlüssel des Himmelreiches übergeben, er hat ihn den Fels genannt, auf dem er seine Kirche bauen will. Deshalb lässt er Petrus den Vortritt, der hineingeht und die Leinenbinden dort liegen sieht. Sie sehen auch das Schweißtuch (das Wort an dieser Stelle ist σουδάριον Soudarion). Es liegt an einer besonderen Stelle und wir erfahren, dass es zusammengebunden dort liegt. Das kann nur eines heißen: Der Leichnam ist nicht einfach weggenommen worden, sondern Jesus ist von den Toten auferstanden! Er hat dieses besondere Tuch sorgsam präpariert und dort hingelegt, damit die Jünger den Code verstehen: „Ich komme wieder!“ Ein Rabbi hat bei einem Mahl seine Serviette auf eine bestimmte Weise hinterlassen, wenn er sich vom Tisch erhob. War er mit dem Essen fertig, warf er die Serviette ganz ungeordnet auf den Tisch. Wollte er nach einer Weile das Mahl fortsetzen, legte er sie sorgsam zusammen, was dem Schüler signalisierte: „Ich komme gleich zurück und esse weiter.“ Jesus hat seinen Jüngern den Code gegeben und deshalb heißt es, dass Johannes sah und glaubte. Er kommt wieder und wird mehrfach mit seinen Jüngern Mahl halten, aber dieses wird nur die Antizipation dessen sein, was im Himmel geschehen wird: Das Hochzeitsmahl des Lammes!
Nun geht ihnen also auf, was Jesus meinte, als er sagte, er müsse von den Toten auferstehen.
Danach gehen sie zurück, denn ihnen bleibt nichts weiter zu tun, als abzuwarten.
Maria Magdalena bleibt am Grab. Sie hat Jesus sehr geliebt und so weint sie an seinem offenen Grab. Sie hat offensichtlich noch nicht verstanden, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Als sie hineinsieht, erblickt sie zwei Engel, die sie nach ihren Tränen fragen. Sie erklärt daraufhin, dass sie ratlos ist, weil der Leichnam Jesu irgendwo hingebracht worden ist.
Nun tritt Jesus selbst an sie heran. Sie hat die Ehre, ihm zuerst zu begegnen. Ihr wird diese große Gnade zuteil, weil sie ihn mit so inniger Liebe geliebt hat.
Auch er fragt sie, warum sie weint. Sie erkennt den Auferstandenen zunächst nicht, denn sein Auferstehungsleib ist anders als vor seinem Tod. Sie denkt, es sei der Gärtner. Deshalb fragt sie ihn, wohin er den Leichnam Jesu gelegt habe. Erst als Jesus sie beim Namen nennt (ein unbekannter Gärtner wird schwerlich ihren Namen gekannt haben!), erkennt sie den auferstandenen Jesus.
Wir lesen zwar nicht davon, aber offensichtlich möchte sie Jesus voller Freude festhalten. Er ist aber noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Das heißt, dass sie Jesus ganz festhalten darf und soll, wenn er zum Vater in den Himmel aufgefahren ist. Jetzt ist er mal hier und da und vor allem: Er ist noch nicht verherrlicht.
Jesus hat eine wichtige Aufgabe für sie. Sie soll seinen Aposteln, dem engsten Jüngerkreis die Osterbotschaft bringen, dass er lebt und vor allem, dass er heimgehen muss „zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott“. Das ist ein wichtiger Hinweis. Als Jesus vor den Aposteln das Mahl des Neuen Bundes etabliert hat, hat er schon angedeutet, dass dadurch ein neuer Bund geschlossen werde. Sie sind nun Erlöste, sie sind zu Kindern Gottes geworden. Jesus hat ihnen das Vaterunser beigebracht und somit schon sensibilisiert, was durch seine Erlösungstat nun Realität geworden ist: Sie sind Kinder Gottes und dürfen Gott ihren Vater nennen! Sie gehören nun zur Familie Gottes, sodass nicht mehr nur Jesus Gott seinen Vater nennt, sondern auch die Apostel es nun dürfen. Das betrifft alle, die den Glauben an Jesus Christus angenommen haben und sich haben taufen lassen. Wir sind nun Teil der Familie Gottes und wir dürfen Gott unseren Vater nennen. Jesus ist nicht nur unser Herr und König, er ist auch unser Bruder.
Maria von Magdala eilt nun zu den Jüngern und berichtet, dass sie den Herrn gesehen habe. Sie übergibt den Aposteln die Botschaft und wird so zur Apostolin der Apostel.

Ostern bedeutet Freiheit und Leben, aber durch die geschenkte Fähigkeit zum Gutsein auch Verantwortung. Weil Jesus diese unfassbar große Liebe allen Menschen erwiesen hat, konnten wir bzw. unsere Eltern stellvertretend für uns diese Liebe bejahen und als Antwort darauf die Taufe empfangen. Jesus lässt uns wirklich nicht als Waisen zurück, wie er schon angekündigt hat!

Halleluja!

Ihre Magstrauss