Dienstag der 6. Osterwoche

Apg 16,22-34; Ps 138,1-2b.2c-3.7c-8; Joh 16,5-11

Apg 16
22 Da erhob sich das Volk gegen sie und die obersten Beamten ließen ihnen die Kleider vom Leib reißen und befahlen, sie mit Ruten zu schlagen.
23 Sie ließen ihnen viele Schläge geben und sie ins Gefängnis werfen; dem Gefängniswärter gaben sie Befehl, sie in sicherem Gewahrsam zu halten.
24 Auf diesen Befehl hin warf er sie in das innere Gefängnis und schloss ihre Füße in den Block.
25 Um Mitternacht beteten Paulus und Silas und sangen Loblieder; und die Gefangenen hörten ihnen zu.
26 Plötzlich begann ein gewaltiges Erdbeben, sodass die Grundmauern des Gefängnisses wankten. Mit einem Schlag sprangen die Türen auf und allen fielen die Fesseln ab.
27 Als der Gefängniswärter aufwachte und die Türen des Gefängnisses offen sah, zog er sein Schwert, um sich zu töten; denn er meinte, die Gefangenen seien entflohen.
28 Da rief Paulus laut: Tu dir nichts an! Wir sind alle noch da.
29 Jener rief nach Licht, stürzte hinein und fiel Paulus und Silas zitternd zu Füßen.
30 Er führte sie hinaus und sagte: Ihr Herren, was muss ich tun, um gerettet zu werden?
31 Sie antworteten: Glaube an Jesus, den Herrn, und du wirst gerettet werden, du und dein Haus.
32 Und sie verkündeten ihm und allen in seinem Haus das Wort des Herrn.
33 Er nahm sie in jener Nachtstunde bei sich auf, wusch ihre Striemen und ließ sich sogleich mit allen seinen Angehörigen taufen.
34 Dann führte er sie in sein Haus hinauf, ließ ihnen den Tisch decken und war mit seinem ganzen Haus voll Freude, weil er zum Glauben an Gott gekommen war.

Zuletzt hörten wir von der Purpurhändlerin Lydia, die Paulus und seine Gefährten zu sich nach Hause einlud. Was wir dann nicht mehr gehört haben, ist die Begegnung mit einer Frau, die von einem Wahrsagegeist besessen ist. Diese läuft den Missionaren hinterher und bekennt öffentlich und laut: „Diese Menschen sind Knechte des höchsten Gottes; sie verkünden euch den Weg des Heils.“ Nach einigen Tagen reißt Paulus der Geduldsfaden und er befiehlt dem Dämon, die Frau zu verlassen. Dies hat nun folgende Konsequenz: Mit der Befreiung von dem Dämon endet auch ihre Wahrsagefähigkeit – sehr zum Unmut ihrer Herren, die aus ihrer „Gabe“ ein Geschäft gemacht haben. Aus diesem Grund klagen diese Paulus und Silas bei den Stadtbehörden an und hetzen die ganze Bevölkerung gegen sie auf. Dabei ist bemerkenswert, dass diese Männer Paulus und sein Gefolge als Juden anklagen, mit deren Glauben sie als Römer nichts anfangen können.
Heute hören wir nun die Auswirkungen dieser Stimmungsmache gegen die Missionare: Diese werden gewaltsam entkleidet und mit Ruten geschlagen, bevor sie ins Gefängnis geworfen werden. Hier wird betont, dass die Missionare in sicheren Gewahrsam gehalten werden. Konkret bedeutet dies, dass ihre Füße in einen Block gesteckt und sie im inneren Gefängnis gehalten werden. Wir sehen nun also folgendes Bild: Zwei Missionare, die für das Evangelium Jesu Christi nicht nur ins Gefängnis, sondern in ein unterirdisches Loch gesteckt und dann auch noch bewegungsunfähig gemacht worden sind durch Holzblöcke, in denen ihre Füße stecken.
Wenn Paulus und Silas nun menschlich denken würden, könnten sie vor den Widerständen kapitulieren. Doch das Gegenteil ist der Fall. Voller Gottvertrauen und Furchtlosigkeit beginnen sie, Gott zu loben und zu preisen. Die Mitgefangenen hören ihnen zu, ohne ihnen Schweigen zu gebieten.
Weil Paulus und Silas ihre ganze Hoffnung auf Gott setzen, selbst in einer ausweglosen Situation, wirkt Gott ein Wunder: Durch ein plötzliches Beben springen die Gefängnistüren und die Holzblöcke auf, in denen ihre Füße stecken. Es ist die Rede von abfallenden Fesseln. Hier muss betont werden, dass sich nicht nur die Türen und Fesseln des Paulus und Silas öffnen, sondern aller Gefangenen.
Betrachten wir diesen Vorgang ein wenig mehr: Die Missionare singen dem Herrn Loblieder. Dadurch lösen sich die Fesseln aller anwesenden Gefangenen. Dies ist über den wörtlichen Sinn hinaus geistlich zu verstehen: Die Apostel stoßen im Gefängnis auf offenherzige Gefangene. Sie lauschen ihren Liedern und diese sind gesalbter Gesang. Durch sie wirkt der Geist Gottes, der auch die Seelen der Menschen von inneren Fesseln befreien kann! Der Lobpreis Gottes darf nicht unterschätzt werden. In Erfahrungsberichten der Exorzisten lesen wir sehr oft davon, dass Dämonen mithilfe von Lobpreis gebunden werden können und Menschengruppen Exorzismen durch Lobpreis unterstützen. Diese weitere Lesart ist keineswegs aus den Fingern gesogen, wenn wir den weiteren Kontext der Ereignisse berücksichtigen: Paulus und Silas sind ja ins Gefängnis gekommen, weil sie eine Frau exorziert haben. Gott hat zugelassen, dass sie dafür nicht Lob, sondern Strafe geerntet haben, um zusätzlich die Seelen der Gefängnisinsassen zu retten. Dem so großen Wunder im Gefängnis von Philippi – nicht nur der äußeren, sondern vor allem der inneren Befreiung der Insassen! – geht ein großes Leiden vonseiten der Missionare aus. Wie oft hören wir von Sühneseelen, die die Bekehrung von Menschen durch Leiden begleiten. Von Pater Pio wissen wir, dass er viel für seine Pönitenten gelitten hat, damit sie eine gute Beichte und tiefe Bekehrung erfahren dürfen.
Was mit Paulus und Silas in Philippi passiert, ist also gar kein Misserfolg bei ihrer Mission, sondern ein besonders großer Erfolg durch Umwege.
Nachdem dieses unglaubliche Ereignis geschehen ist, wacht der Gefängniswärter auf und sieht die offenen Türen des Gefängnisses. In der Annahme, dass die Insassen alle geflohen seien, zückt er das Schwert, um sich umzubringen. Zu sehr fürchtet er die harte Strafe und den Verdacht, die Insassen aufgrund von Bestechung freigelassen zu haben. Vielleicht ist der Wärter ein städtischer Sklave, wie es bei diesem Beruf oft der Fall ist, zumindest ein Mann aus der Unterschicht.
Doch Paulus ruft ihm zu, sich nichts anzutun, da sich alle noch in ihren Zellen befinden. Zitternd stürzt er in das Loch der Missionare und fällt ihnen zitternd zu Füßen.
Die Geschehnisse haben dem Mann bewiesen, dass hier höhere Mächte am Werk sind. Der Gott der Missionare ist real! Und so fragt er, was er tun muss, um gerettet zu werden. Ihre Antwort ist: „Glaube an Jesus, den Herrn, und du wirst gerettet werden, du und dein Haus.“ Dies deutet an, dass das gesamte Haus des Wärters getauft wird – also auch seine Kinder!
Anscheinend nimmt der Wärter die Missionare mit zu sich nach Hause, wo sie seinem ganzen Haushalt das Evangelium Jesu Christi verkünden. Sie lassen sich tatsächlich alle taufen und der Wärter versorgt die Wunden der Missionare von den Schlägen. Auch erhalten sie etwas zu essen. Im Haus des Wärters kehrt Freude über den gewonnenen Glauben ein. Die Freude ist ein gängiger Begleiter bei Bekehrungs- und Taufgeschichten. Sie ist eine Frucht des Heiligen Geistes, der die Bekehrten erfüllt.

Ps 138
1 Von David. Ich will dir danken mit meinem ganzen Herzen, vor Göttern will ich dir singen und spielen. 2 Ich will mich niederwerfen zu deinem heiligen Tempel hin, will deinem Namen danken für deine Huld und für deine Treue. Denn du hast dein Wort größer gemacht als deinen ganzen Namen.

3 Am Tag, da ich rief, gabst du mir Antwort, du weckst Kraft in meiner Seele.
7 Du streckst deine Hand aus, deine Rechte hilft mir.
8 Der HERR wird es für mich vollenden. HERR, deine Huld währt ewig. Lass nicht ab von den Werken deiner Hände!

Der auf Umwegen gekommene Missionserfolg bei den Römern von Philippi veranlasst uns dazu, Gott dafür zu danken und ihn zu loben.
„Ich will dir danken mit meinem ganzen Herzen“. Wie gut ist unser Gott! Auch wenn wir seine Wege manchmal nicht verstehen, so hat er doch stets Pläne des Heils für uns. Auch wenn Paulus und Silas einiges durchmachen mussten, haben sie durch eben jene Umwege ein ganzes Haus gerettet – und dies hat einen Dominostein angestoßen, der wiederum weitere anstoßen würde.
Diese Worte können wir alle beten, denen uns das ewige Leben ermöglicht worden ist. Das sind Worte, die das Haus des Gefängniswärters als Dankgebet für die empfangene Taufe beten konnten.
„Vor Göttern will ich dir singen und spielen“ – genau dies haben die Missionare im Gefängnis getan. Sie haben inmitten der Römer den Lobpreis Gottes angestimmt. Von Herzen haben sie gebetet und der Geist Gottes hat diesen Gesang gesalbt.
„Ich will mich niederwerfen zu deinem heiligen Tempel hin“ – Diese Worte verraten uns, dass der Psalm in einem liturgischen Kontext gebetet worden ist. Das Loblied ist im Vorhof des Tempels gesungen worden. Seitdem es den Tempel aber nicht mehr gibt und Jesus den Anbetungsort mit seiner Person verknüpft hat (nämlich vor der Frau am Jakobsbrunnen in Joh 4), beten wir den Psalm nun, indem wir uns vor Jesus Christus niederwerfen, dem wahren Anbetungsort mit eucharistischer Gegenwart hier auf Erden. Und in der Ewigkeit braucht es dann nicht mal mehr einen Tempel, da Gott unverhüllt gegenwärtig sein wird.
„Am Tag, da ich rief, gabst du mir Antwort.“ Gott erhört Bitten, immer. Die Art und Weise ist uns nur nicht immer bewusst, ebenso der Zeitpunkt seiner Erhörung. Paulus und Silas haben Gottes Erhörung ziemlich schnell erfahren – durch wackelnde Gefängnismauern und aufspringende Zellentüren!
„Du streckst deine Hand aus, deine Recht hilft mir.“ Diese Geste ist auf Gott bezogen sinnbildlich zu verstehen, denn er ist Geist. Er hat keine Hand, die er ausstrecken kann. Doch als menschgewordener Gott zeigt er uns diese Geste wortwörtlich! Wie oft werden wir Zeugen von Heilungswundern Jesu Christi, bei denen er seine Hand ausstreckt und die Menschen berührt. Sehr oft ergreift er die rechte Hand der zu Heilenden, sodass diese sich erheben können – so die tote Tochter des Jairus oder die Gelähmten.
Die Aussage in Vers 8 ist eine tiefe Vertrauensbekundung, dass Gott dem Beter helfen wird. Schließlich endet der Psalm mit der Bitte, auf ewig sein göttliches Wirken walten zu lassen. Gottes Taten sind so groß! Er hat immer wieder Überraschungen für den Menschen bereit und überschüttet ihn mit seinem Heil.

Joh 16
5 Jetzt aber gehe ich zu dem, der mich gesandt hat, und keiner von euch fragt mich: Wohin gehst du?

6 Vielmehr hat Trauer euer Herz erfüllt, weil ich euch das gesagt habe.
7 Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich fortgehe. Denn wenn ich nicht fortgehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; gehe ich aber, so werde ich ihn zu euch senden.
8 Und wenn er kommt, wird er die Welt der Sünde überführen und der Gerechtigkeit und des Gerichts;
9 der Sünde, weil sie nicht an mich glauben;
10 der Gerechtigkeit, weil ich zum Vater gehe und ihr mich nicht mehr seht;
11 des Gerichts, weil der Herrscher dieser Welt gerichtet ist.

Gestern endete das Evangelium damit, dass Jesus seinen Aposteln wiederholt die kommenden Widerstände angekündigt hat, durch die sie aber nicht ins Straucheln kommen sollen.
Nun wendet sich Jesus erneut seinem Weggang zu.
Er konfrontiert die Apostel mit ihrer Traurigkeit über die Abschiedsstimmung. Sie sind von ihrer Trauer so vereinnahmt, dass sie sich gar nicht fragen, wohin Jesus eigentlich gehen will.
Er versichert ihnen aber, dass sein Weggang für seine Jünger gut ist. Nur so kann der Paraklet zu ihnen kommen, den Jesus vom Vater senden wird. Ohne diesen Geist werden sie als Leib Christi nicht zum Leben erweckt. Wir gehen mit großen Schritten auf das Pfingstfest zu, deshalb mehren sich die Aussagen über den Heiligen Geist. Jesus muss an Christi Himmelfahrt zum Vater heimkehren, damit er vom Vater aus den Geist senden kann.
Dessen Funktion wird unter anderem sein, die Sünde der Welt aufzudecken und Gerechtigkeit und Gericht zu bringen. Der Geist deckt auf – das heißt, er hat mit Erkenntnis zu tun. Erfüllt vom Heiligen Geist wird Petrus in der Halle Salomos z.B. die Schuld artikulieren, die die Anwesenden durch ihre Mitläuferschaft am Tod Jesu tragen. Er wird sie zur Umkehr aufrufen, was der Weg aus der Schuld ist. Auch im Falle Paulus ist der Geist Gottes am Werk. Er ist es, der die Gefängnismauern zum Wackeln bringt und die Türen und Fesseln aufspringen lässt. Er sorgt für Gerechtigkeit, wo Paulus und Silas ungerechterweise wie Schwerverbrecher behandelt werden.
Der Geist wird Gericht und Gerechtigkeit bringen, weil er der Geist der Wahrheit ist. So erklärte es Jesus zuvor in den Abschiedsreden. Wer zum Glauben kommt und sich taufen lässt, muss vor dem Gericht aber keine Angst haben, da die Erben, die ihrem Erbe treu geblieben sind, ein positives Gerichtsurteil empfangen werden. Wer aber nicht an Jesus Christus glaubt, den wird der Geist der Sünde überführen. Im Falle des Paulus und Silas haben wir das deutlich gehört: Sie haben das Wort Gottes in Philippi verkündet und den Geist gespendet. Dieser legt das Innenleben der Menschen offen, denn die mit dem Wahrsagegeist besessene Frau schreit tagelang ein Bekenntnis heraus, wer die Missionare sind. Auch das Verhalten der Ankläger stellt die Offenlegung dar, nämlich des Unglaubens. Christus scheidet zwar die Geister (indem man sich für oder gegen ihn entscheidet), doch der Geist offenbart diese Gespaltenheit. Bei Johannes sind „Gerechtigkeit“ und „Sünde“ ein Gegensatzpaar. Der Geist Gottes wird also aufdecken, ob ein Mensch gerecht oder sündig ist. Die Gerechtigkeit als Belohnung für die Standhaftigkeit im Glauben erwirkt Jesus dadurch, dass er beim Vater für seine Apostel einsteht. Deshalb wird es in Vers 10 als Begründung angeführt.
Der letzte Vers meint mit dem „Herrscher der Welt“ wie zuvor auch schon den Satan, den Widersacher Gottes. Seine Macht wird gebannt durch das Erlösungswirken Jesu Christi und so kann mit allen seinen menschlichen „Handlangern“ abgerechnet werden.


Man merkt, dass Jesus langsam auf das Endgericht zu sprechen kommt, von dem wir demnächst noch mehr hören werden. Mit ihm ist die Endzeit angebrochen und durch die Geistgabe wird diese letzte Phase der Welt, die immer schlimmer wird, von Gott getragen. Paulus und Silas sind in der Apostelgeschichte ein anschauliches Beispiel dafür. Die Widerstände sind teilweise sehr drastisch. Im Namen Jesu Christi werden sie geschlagen und gedemütigt sowie ihrer Freiheit beraubt. Doch der Geist Gottes steht ihnen bei. Er erwirkt mitten in der Ausweglosigkeit ein neues Pfingsten inmitten der Gefängnisinsassen. Gott lässt die Seinen wirklich nicht im Stich.

Ihre Magstrauss

Samstag der 5. Osterwoche

Apg 16,1-10; Ps 100,2-3.4-5; Joh 15,18-21

Apg 16
1 Er kam auch nach Derbe und nach Lystra. Und siehe, dort lebte ein Jünger namens Timotheus, der
Sohn einer gläubig gewordenen Jüdin und eines Griechen.
2 Er war Paulus von den Brüdern in Lystra und Ikonion empfohlen worden.
3 Paulus wollte ihn als Begleiter mitnehmen und ließ ihn mit Rücksicht auf die Juden, die in jenen Gegenden wohnten, beschneiden; denn alle wussten, dass sein Vater ein Grieche war.
4 Als sie nun durch die Städte zogen, überbrachten sie ihnen die von den Aposteln und den Ältesten in Jerusalem gefassten Beschlüsse und trugen ihnen auf, sich daran zu halten.
5 So wurden die Gemeinden im Glauben gestärkt und wuchsen von Tag zu Tag.
6 Weil ihnen aber vom Heiligen Geist verwehrt wurde, das Wort in der Provinz Asien zu verkünden, reisten sie durch Phrygien und das galatische Land.
7 Sie zogen an Mysien entlang und versuchten, Bithynien zu erreichen; doch auch das erlaubte ihnen der Geist Jesu nicht.
8 So durchwanderten sie Mysien und kamen nach Troas hinab.
9 Dort hatte Paulus in der Nacht eine Vision. Ein Mazedonier stand da und bat ihn: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns!
10 Auf diese Vision hin wollten wir sofort nach Mazedonien abfahren; denn wir kamen zu dem Schluss, dass uns Gott dazu berufen hatte, dort das Evangelium zu verkünden.

Die heutige Lesung berichtet von den Ereignissen der zweiten Missionsreise des Paulus. Am Ende des 15. Kapitels wird erzählt, wie Paulus Barnabas eine zweite Reise vorschlägt, um nach den Neubekehrten zu schauen. Barnabas möchte Johannes Markus mitnehmen, der letztes Mal mit auf die Insel Zypern gereist, dann jedoch nicht weiter mitgekommen ist. Paulus nimmt es ihm wohl immer noch übel, denn er weigert sich, ihn auf die zweite Reise mitzunehmen. Wir müssen bedenken, dass Johannes Markus ein Verwandter des Barnabas ist und dieser ihn nicht einfach links liegen lassen will. So kommt es zu einem Konflikt zwischen den beiden Missionaren und sie gehen getrennte Wege. Barnabas reist mit seinem Verwandten nach Zypern, wohingegen Paulus Silas mitnimmt. Zusammen reisen sie durch Syrien und Kilikien.
Heute hören wir dann davon, dass Paulus in die Städte von damals kommt. Dort lernt er Timotheus kennen, den Sohn einer Judenchristin und eines Griechen. Er nimmt ihn als Begleitung mit und lässt ihn zuvor beschneiden. Dies tut er aus Rücksicht vor den Juden, die seinen Vater kennen. Er tut es nicht, weil es heilsnotwendig wäre, sondern um keinen Anstoß zu erregen.
Als sie die jungen Gemeinden besuchen, klären sie sie auch über die neuen Beschlüsse des Apostelkonzils auf. Sie sollen die Jakobinischen Klauseln berücksichtigen, müssen aber weder beschnitten werden noch die gesamte Torah halten. Der Besuch der Missionare bringt nicht nur Glaubensvertiefung mit sich, sondern auch weitere Gläubige.
Auch jetzt ist es der Heilige Geist, der die Missionare leitet. Wir erfahren, dass dieser sie davon abhält, durch die Provinz Asia zu ziehen (Westküste Kleinasiens). Stattdessen wirken sie in Phrygien und Galatien, die an die Asia im Osten angrenzen. Selbst als sie nach Bithynien möchten und dafür an Mysien vorbeiziehen müssen (da liegt z.B. Pergamon), warnt sie der Heilige Geist davor. Stattdessen ziehen sie durch Mysien nach Troas. Eines Nachts erhält Paulus eine prophetische Eingebung durch einen Traum, in dem er einen Mazedonier ihn um Hilfe bitten sieht. Sofort bewertet Paulus diesen Traum als gottgegeben und sie planen die Abreise nach Mazedonien. In Vers 10 lesen wir einen Perspektivwechsel, denn der Autor bezieht sich in die Geschichte ein! Er sagt „wir kamen zu dem Schluss“. Das bedeutet, dass Lukas als Autor der Apostelgeschichte die ganze Zeit mitgezogen ist.
So endet der heutige Abschnitt. Die Missionare machen zu keinem Zeitpunkt einfach das, was sie möchten. Sie lassen sich vom Heiligen Geist leiten und sind gerade deshalb so fruchtbar in ihrem Dienst. Auch uns möchte der Geist Gottes in unserem Leben leiten. Wir müssen ihm dafür nur den Raum geben.

Ps 100
2 Dient dem HERRN mit Freude! Kommt vor sein Angesicht mit Jubel!
3 Erkennt: Der HERR allein ist Gott. Er hat uns gemacht, wir sind sein Eigentum, sein Volk und die Herde seiner Weide.
4 Kommt mit Dank durch seine Tore, mit Lobgesang in seine Höfe! Dankt ihm, preist seinen Namen! 5 Denn der HERR ist gut, ewig währt seine Huld und von Geschlecht zu Geschlecht seine Treue.

Als Antwort auf diesen Missionserfolg beten wir Psalm 100, der betitelt wird als „Lobgesang der Völker beim Einzug ins Heiligtum“.
„Dient dem HERRN mit Freude! Kommt vor sein Angesicht mit Jubel!“ Diese Worte beziehen sich nun auf die neubekehrten Heidenchristen, die durch die Mission des Paulus und Barnabas Christen geworden sind. Sie sind es, die zu einem freudigen Dienst aufgefordert werden. Der Wortsinn dieses Psalms ist zunächst auf die Heiden in alttestamentlicher Zeit zu beziehen, die zum Tempel kommen sollen („vor sein Angesicht“). Dort gibt es einen eigens für sie bestimmten Tempelhof. Mit Blick auf die Heidenchristen zur Zeit des Paulus müssen wir uns fragen, was dann mit „Angesicht Gottes“ gemeint sein könnte. Jesus hat der samaritanischen Frau am Jakobsbrunnen schon angekündigt, dass in Zukunft weder der Tempel in Jerusalem noch die Kulthöhe auf dem Garizim die Anbetungsorte Gottes darstellen werden. Er hat angekündigt, dass er selbst der Ort der Anbetung darstellen wird und die rechte Weise der Anbetung im Geist und in der Wahrheit sein werde. Es wird keine örtliche Gebundenheit mehr geben, weil Jesus in jeder Heiligen Messe eucharistisch anwesend sein wird! Die Heidenchristen der Lesung treten also nun durch die Liturgie zum Angesicht Gottes, egal wo sie sich befinden – Lystra, Derbe, Ikonion, Jerusalem oder Antiochia.
„Erkennt: Der HERR allein ist Gott. Er hat uns gemacht, wir sind sein Eigentum, sein Volk und die Herde seiner Weide.“ Dass es nur diesen einen Gott gibt, wird den Heiden gegenüber natürlich deshalb betont, weil sie den Monotheismus erst einmal lernen müssen. Sie kommen aus einem polytheistischen Kontext (Vielgötterei). Dieser eine wahre Gott hat die Welt geschaffen, auch die Menschen. Deshalb gehören alle Menschen ihm. Auch die Heiden gehören zum auserwählten Volk. Das Hebräische gibt dies wieder mit dem Wort עַ֝מֹּ֗ו ammo. Es geht wirklich um das auserwählte Volk. Dies ist bemerkenswert im Kontext des Alten Testaments! Nicht nur das Volk Israel gehört zum Volk Gottes, sondern nun auch die Heiden! Hier wird etwas deutlich, was mit dem Neuen Bund wahr wird: Gottes Volk setzt sich nicht mehr durch biologische Abstammung zusammen, sondern durch Menschen aller Nationen, Völker, Stämme und Sprachen, die durch die Taufe zur neuen Schöpfung werden, eine geistliche Familie. Als solche ist das neue Volk Gottes Herde des guten Hirten. Dieses Bild greift Jesus dann auf, wenn er sich selbst als diesen guten Hirten offenbart und seine Jünger als seine Herde.
„Kommt mit Dank durch seine Tore“ ist wörtlich zunächst auf die Stadttore Jerusalems und des Tempelareals gemeint, durch die die Heiden in die Höfe des Tempels gelangen. Im weiteren Sinn meint es auch die Heidenchristen der jungen Gemeinden der Apostelgeschichte. Diese treten durch das Tor der Taufe hindurch in den Hof des Heiligtums Gottes, der in ihren Herzen Wohnung nimmt. Sie treten durch das Tor, wenn sie sich zur Eucharistie versammeln (wohl in Hausgemeinschaften). So ist es mit allen Menschen, die bis heute die Liturgie feiern. Die ganze Menschheit tritt durch das Tor des Todes ein in die Ewigkeit.
„Dankt ihm, preist seinen Namen!“ Dazu haben vor allem jene Neugetauften der Apostelgeschichte Anlass. Sie sind gerettet worden auf das ewige Leben hin. Dies veranlasst sie zu Lob und Dank.
Gott ist gut. Er hat das Heil jedes Menschen im Sinn. Er ist wirklich treu und verlässt seine Schäfchen nie. Deshalb können wir Menschen nicht anders, als zu jubeln über seine guten Taten an uns. Wir erkennen sie nicht immer und manchmal verdunkeln die Krisen unseres Lebens den dankbaren Blick auf das, was wir haben und was uns gelingt. Doch Gott ist immer der gleiche gute Gott, dem Ehre gebührt – gestern, heute und in Ewigkeit.

Joh 15
18 Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat.
19 Wenn ihr von der Welt stammen würdet, würde die Welt euch als ihr Eigentum lieben. Aber weil ihr nicht von der Welt stammt, sondern weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt.
20 Denkt an das Wort, das ich euch gesagt habe: Der Sklave ist nicht größer als sein Herr. Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen; wenn sie an meinem Wort festgehalten haben, werden sie auch an eurem Wort festhalten.
21 Doch dies alles werden sie euch um meines Namens willen antun; denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat.

Im Evangelium hören wir heute wieder einen Ausschnitt aus der zweiten Abschiedsrede. Gestern ging es vor allem um die Nächstenliebe aus der göttlichen Liebe heraus. Heute bereitet Jesus die Apostel auf die Widerstände vor, die sie erwarten.
Jesus spricht vom Hass durch die Welt. „Welt“ meint im Johannesevangelium immer die gefallene Schöpfung, nicht die Welt als Schöpfung Gottes. Was Gott gemacht hat, ist natürlich gut und nicht schändlich, sodass wir keine Weltfeindlichkeit daraus machen dürfen. Vielmehr meint es, was aus der Schöpfung Gottes geworden ist durch die Bosheit und Sünde der Menschen. Und diese hasst Gott. Dahinter steht der Satan, der Widersacher Gottes, der ihn ablehnt und auch die Menschen von Gott wegziehen möchte. Deshalb hasst die Welt auch Christus, das fleischgewordene Wort Gottes, das sie deshalb auch ans Kreuz schlagen werden. Und wer ihm nachfolgen will, wird ebenfalls gehasst werden aufgrund dieser Feindschaft auf geistlicher Ebene. Dieser geistliche Krieg steht eigentlich hinter den Konflikten zwischen den Menschen. Von diesem aus verstehen wir die Christenverfolgungen und innerkirchlichen Konflikte.
Wer getauft ist, stammt nicht mehr von der Welt, weil er oder sie nun zu der neuen Schöpfung gehört. Diese ist dabei auf die Ewigkeit hin ausgerichtet.
Auch die Apostel sind nicht von dieser Welt, zwar zu dem Zeitpunkt der zweiten Abschiedsrede noch nicht durch die Neuschöpfung im Heiligen Geist (dies erfolgt dann an Pfingsten), sondern aufgrund ihrer Erwählung durch Jesus Christus. Er greift hier vor, was mit ihnen passieren wird. Ihre Einstellungen sind aber schon eben jene der neuen Schöpfung. Sie leben schon auf die Ewigkeit hin, weil sie das Evangelium Jesu Christi angenommen haben.
Aufgrund dieser ganz anderen Prioritäten und Einstellungen sind sie der Welt fremd. Diese würde sie lieben und feiern, wenn sie noch in der Einstellung der Welt verharren würden. Das tun sie aber nicht und deshalb werden sie Verfolgung erleiden. Alle Apostel außer Johannes werden den Märtyrertod erleiden aus genau diesem Grund.
Ein anschauliches Beispiel für die Worte Jesu begegnet uns bei seiner Verurteilung: Dort steht er ganz zerschunden und verspottet als König der Juden mit Dornenkrone vor der Menschenmenge und neben ihm steht ein Schwerverbrecher, der als Zelot das Kommen des Gottesreiches mit Gewalt erzwingen wollte. Die Menschen feiern diesen anderen Messias (Bar-abbas, „Sohn des Vaters“) und fordern den Tod des wahren Messias, dessen Reich nicht von dieser Welt ist. Die Menschen feiern den, der in der weltlichen Logik lebt und wirkt. Sie hassen den, der mit göttlicher Weisheit die Welt verändert.
Schon bei der Fußwaschung erklärte Jesus seinen Aposteln, dass sie als seine Schüler nicht höher als er stehen können. Wenn er einen Sklavendienst verrichtet, sollen auch sie den Sklavendienst an anderen Menschen verrichten – freiwillig und aus Liebe. Dies greift er nun wieder auf, um sie auf die Anfeindungen vorzubereiten: Wenn er als ihr Rabbi schon auf solch schändliche Weise behandelt werden wird, dann wird es sie mindestens genauso treffen.
Aber dies wird nicht nur die negativen Reaktionen der Menschen betreffen: Ebenso werden jene, die das Wort Gottes durch den Messias selbst angenommen haben, es von seinen Aposteln akzeptieren, die in seinem Namen das Evangelium verkünden werden.
Zurück zu den Verfolgungen erklärt Jesus den Aposteln, dass die kommenden Verfolgungen, Bedrängnisse und Nachteile ihnen deshalb widerfahren werden, weil sie im Namen Jesu Christi auftreten werden, den sie zuerst gehasst haben. Und dies wiederum führt Jesus darauf zurück, dass die Feinde die Sendung des Sohnes vom Vater nicht erkannt haben. Hätten sie die Augen einmal richtig aufgemacht, wäre ihnen aufgegangen, dass Jesus im Namen des Vaters verkündet, nichts gegen dessen Willen gesagt und getan und somit die alttestamentlichen Verheißungen erfüllt hat.
Er ist der Sohn Gottes und hat nichts verkündet, was sich nicht mit den Worten Gottes in alttestamentlicher Zeit deckt.
Seine Gegner sind einfach blind und werden es auch sein, wenn sie den Aposteln vieles antun werden. Die Apostel sind gewarnt. Die Tragweite der Worte Jesu werden ihnen wohl nicht bewusst gewesen sein bis zu dem Moment, als sich dies dann bewahrheitet hat (wir denken an die Heilung des Gelähmten an der Schönen Pforte und die Verhaftung durch den Sanhedrin).

Die Worte Christi sind auch an uns gerichtet. Die Welt hasst die Christen, weil sie ganz andere Werte, eine ganz andere Ausrichtung, ganz andere Prioritäten aufweisen als die Gesellschaft. Das Christentum beugt sich nicht dem Zeitgeist (ich beziehe mich auf den unverfälschten Glauben und die konsequente Praxis, nicht auf die Scheinkatholiken, die die Lehre gar nicht mehr glauben). Es bietet die Stirn vor allem gegenüber totalitären Regimen wie dem Kommunismus und Nationalsozialismus. Wie viele Geistliche sind umgebracht worden für diese mutigen Kampfansagen! Wie viele Christen werden heute umgebracht, die mutig am Glauben festhalten, obwohl ihnen gedroht wird! Noch nie gab es so eine schlimme Christenverfolgung wie heutzutage. Das ist uns ein Zeichen dafür, dass die Welt immer gottloser wird. Die Diskrepanz wird immer größer und so auch die Gewalt.

Das ist etwas, das die Apostel annehmen müssen, doch es muss weder ihnen noch uns Angst einjagen. Jesus sagte, wenn wir die Zeichen der Endzeit sehen werden, sollen wir uns aufrichten und unsere Häupter erheben, weil die Erlösung naht (Lk 21,28). Und er steht uns bis zum Schluss bei mit allen Engeln und Heiligen, besonders mit seiner lieben Mutter, die auch unsere Mutter ist.

Ihre Magstrauss

5. Sonntag der Osterzeit

Apg 6,1-7; Ps 33,1-2.4-5.18-19; 1 Petr 2,4-9; Joh 14,1-12

Apg 6
1 In diesen Tagen, als die Zahl der Jünger zunahm, begehrten die Hellenisten gegen die Hebräer auf,
weil ihre Witwen bei der täglichen Versorgung übersehen wurden.
2 Da riefen die Zwölf die ganze Schar der Jünger zusammen und erklärten: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und uns dem Dienst an den Tischen widmen.
3 Brüder, wählt aus eurer Mitte sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit; ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen.
4 Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben.
5 Der Vorschlag fand den Beifall der ganzen Gemeinde und sie wählten Stephanus, einen Mann, erfüllt vom Glauben und vom Heiligen Geist, ferner Philippus und Prochorus, Nikanor und Timon, Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia.
6 Sie ließen sie vor die Apostel hintreten und diese legten ihnen unter Gebet die Hände auf.
7 Und das Wort Gottes breitete sich aus und die Zahl der Jünger in Jerusalem wurde immer größer; auch eine große Anzahl von den Priestern nahm gehorsam den Glauben an.

Heute am fünften Ostersonntag hören wir in der ersten Lesung wieder aus der Apostelgeschichte, in der zweiten Lesung dann aus dem ersten Petrusbrief. Der obige Abschnitt behandelt die Wahl eines Diakonenkreises für die griechischsprachigen Juden. Es ist so, dass sich im Laufe des Gemeindelebens ein Missstand herauskristallisiert, den es zu beheben gilt. Die Witwen der Hellenisten (damit sind die griechischsprachigen Juden Jerusalems gemeint) werden bei der täglichen Versorgung übersehen. Das heißt es gibt eine caritative Arbeit der Jerusalemer Urgemeinde, bei der die Bedürftigen im Mittelpunkt stehen. Diese Aufgabe wird von Diakonen übernommen. Nun ist es aber so, dass eine spezifische Gruppe von Witwen ausgelassen wird, was wohl nicht aus Boswillen, sondern aus Versehen passiert. Wir müssen bedenken, dass die Gemeinde von Jerusalem sehr schnell anwächst und der Überblick bei solch rasantem Anstieg schnell verlorengeht. So kommt die Gemeinde um die Apostel herum zusammen, um das Problem anzugehen. Die Apostel haben die Berufung, dem Wort Gottes zu dienen. Sie sollen verkündigen. Damit sie diese Aufgabe nicht vernachlässigen, weil sie sich dem „Dienst an den Tischen“ widmen müssen, schlagen sie vor, einen Kreis von sieben Männern zu wählen, der sich mit diesem Dienst beschäftigen soll. Damit ist nicht der Dienst am Altar, also dem Tisch der Eucharistie, gemeint. Es meint den Tisch der bedürftigen Menschen, um die sie sich kümmern, also die Aufgaben des Diakons. Die Wähler des Diakonenkreises sind nicht die Apostel, sondern die „Jünger“. Damit sind die anderen Gemeindemitglieder gemeint, die nicht zum Zwölferkreis gehören.
Diese Männer sollen geeignete Kandidaten sein, von gutem Ruf sowie voll Geist und Weisheit. Die Aufgabe ist also nicht einfach nur ein caritativer Dienst, den jeder ausführen kann, der Hände hat. Es geht um einen Dienst, der noch viel tiefgründiger ist. Die Kandidaten sind Vorbilder in ihrer Tätigkeit, denn so sollen ja alle Getauften einander dienen. Deshalb müssen sie von gutem Ruf sein, sonst ist ihr Dienst ein heuchlerisches Schauspiel. Sie müssen zudem ausgestattet sein mit allen Gaben des Heiligen Geistes (voll Geist), gleichsam charismatisch. Und sie müssen erfüllt sein von der Weisheit Gottes, um sich nicht nur um das leibliche Wohl der Bedürftigen zu kümmern, sondern auch seelische Nahrung zu bringen. Gewiss müssen sie imstande sein, den zu Dienenden Rede und Antwort zu stehen, wann immer sie Fragen zum Glauben haben und nach den Erzählungen Jesu verlangen.
Das muss uns selbst zu denken geben, die wir heutzutage Gefahr laufen, die Diakonia als Selbstvollzug der Kirche aufs Äußere und Irdische zu verengen. Selbst das Dienen am leiblichen Wohl der Menschen ist auf das Seelenheil der Menschen ausgerichtet.
Mit der Aussage „ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen“ ist nicht einfach nur eine Ernennung gemeint. Im weiteren Verlauf erkennen wir, dass es eine sakramentale Bevollmächtigung ist. Die sakramentale Weihe wird von den Aposteln durch Handauflegung gespendet (Vers 6).
Die Apostel wollen sich währenddessen ihrer eigentlichen Berufung widmen („beim Gebet und beim Dienst am Wort“).
Dies gefällt der Gemeinde und so werden als erste Diakone Stephanus und Philippus gewählt, von denen wir in den letzten Wochen schon gehört haben, sodann Prochorus, Nikanor, Timon, Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia. Proselyten sind Juden, die zuvor Heiden waren. Wie schon öfter erwähnt gibt es im synagogalen Kontext häufig sogenannte Gottesfürchtige, Heiden, die dem Judentum nahe stehen, aber den letzten Schritt der Beschneidung nicht wagen. Proselyten sind solche, die diesen Schritt unternommen haben, sich beschneiden ließen und die Torah halten. Solch ein Proselyt ist nun Christ geworden und soeben von der Jerusalemer Urgemeinde als Diakon für griechischsprachige Witwen ausgewählt worden.
Das Wort Gottes verbreitet sich und die Gemeinde wächst immer weiter. Interessant ist, dass auch eine große Anzahl von den Priestern zum Glauben kommt. Hier ist die Frage, wer mit πολύς τε ὄχλος τῶν ἱερέων polys te ochlos ton hiereon gemeint ist. „Priester“ als sakramentaler Weihegrad würde keinen Sinn ergeben, denn wieso sollte jemand geweiht worden sein und der Gemeinde angehören, der nicht einmal gläubig ist? Der Glaube ist ja schon Voraussetzung für die Taufe. Diese Bedeutung ergibt auch deshalb keinen Sinn, weil der sakramentale Weihegrad im Neuen Testament mit dem Wort presbyteros, nicht mit hiereus wiedergegeben wird. Hiereis sind dagegen Priester der paganen Religionen oder die Priester des Judentums. Im griechischen Alten Testament lesen wir für das hebräische Wort כהן kohen dieses griechische Wort ἱερεύς hiereus. Es bezeichnet also jene, die zum aaronitischen Priestertum gehören und ihren Dienst im Tempel ausübten. Hier wird also gesagt, dass mehrere solcher Priester Christen geworden sind!

Ps 33
1 Jubelt im HERRN, ihr Gerechten, den Redlichen ziemt der Lobgesang.
2 Preist den HERRN auf der Leier, auf der zehnsaitigen Harfe spielt ihm!
4 Denn das Wort des HERRN ist redlich, all sein Tun ist verlässlich.
5 Er liebt Gerechtigkeit und Recht, erfüllt von der Huld des HERRN ist die Erde.
18 Siehe, das Auge des HERRN ruht auf denen, die ihn fürchten, die seine Huld erwarten,
19 dass er ihre Seele dem Tod entreiße und, wenn sie hungern, sie am Leben erhalte.

Der Psalm, den wir als Antwort auf die Apostelgeschichte beten, reflektiert Gottes Heilsplan.
Wie so oft erfolgt zu Anfang eine Aufforderung zum Lob („Jubelt im HERRN“). Die Aufforderung umfasst sogar die Begleitung des Lobgesangs mit Instrumenten („auf der Leier, auf der zehnsaitigen Harfe“).
Das Wort und die Tat Gottes sind verlässlich. Gott ist treu und hält sich an seine Versprechen, auch wenn wir ihm untreu werden. Jesus hat seinen Aposteln angekündigt, dass sein Heil die ganze Welt erreichen wird. Es beginnt in Jerusalem und das Wachsen der Gemeinde bestätigt ihnen, dass Gott wirklich treu an ihnen handelt.
Gott liebt die Gerechtigkeit und das Recht. Das ist für uns keine Drohbotschaft im Sinne eines strengen Richterbildes. Gott sorgt schon für Gerechtigkeit, wo wir Unrecht erleiden. Sein Recht setzt sich durch, auch wenn es in unserem Leben aktuell nicht so erscheinen mag. Das ist eine totale Trostbotschaft.
Auch die Rede vom „Auge des HERRN“ muss als Geborgenheitsausdruck verstanden werden. Gott sieht auf die Gottesfürchtigen, die sich um den Stand der Gnade bemühen. Die anderen verstecken sich wie Adam und Eva im Garten Eden oder meinen, Gott sehe sie nicht. Er sieht alles und jeden. Gemeint ist aber, dass die Gottesfürchtigen eine Beziehung zu Gott haben und er in ihrem Leben Gutes wirkt, denn sie heißen ihn willkommen. Gott entreißt ihre Seele dem Tod (נַפְשָׁ֑ם nafscham, also eigentlich „ihr Leben“, denn nefesch meint immer das gesamte Leben, nicht nur einen Teil). Gott entreißt auch unser Leben dem Tod – sowohl dem moralischen Tod durch die regelmäßige Sündenvergebung im Beichtsakrament als auch vom ewigen Tod am Ende des Lebens. Wenn wir uns nämlich voller Glauben immer um den Stand der Gnade, um eine gute Beziehung zu Gott bemühen und mit einem umkehrbereiten Herzen durchs Leben gehen, dann wird seine Barmherzigkeit uns auffangen, sodass wir den ewigen Tod nicht schauen müssen.
Gott erhält die Gottesfürchtigen am Leben, wenn sie hungern. Dies ist wörtlich zu verstehen im Sinne von Segen im Leben. Gott sorgt dafür, dass man genug zu essen hat, wenn man seinen Willen tut. Jesus wird es später aufgreifen, wenn er sagt: „Zuerst muss es euch um das Reich Gottes gehen. Alles Andere wird euch dazugegeben.“ Auch die griechischsprachigen Witwen in der Apostelgeschichte machen die Erfahrung, dass Gott sich um sie kümmert durch die Diakone, die zu ihrem Dienst bestellt werden. Und auch wir Christen heute werden am Leben erhalten, denn Gott nährt uns nicht nur leiblich, sondern auch mit seinem Wort Gottes in Schrift und Sakrament, in der Eucharistie! Beides nährt uns auf unserem Lebensweg seelisch, sodass die Seele nicht stirbt, ebenso wenig die Hoffnung!
Und diese Hoffnung ist eine Hoffnung auf Gott, der „Hilfe und Schild“ ist. Gott leitet nicht nur den Weg, er beschützt auch auf diesem Weg, er unterstützt uns mit seiner helfenden Gnade, damit wir trotz unserer Schwächen den Willen Gottes in unserem Leben umsetzen können.

1 Petr 2
4 Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist!

5 Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen!
6 Denn es heißt in der Schrift: Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde.
7 Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre. Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden,
8 zum Stein, an den man anstößt, und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt. Sie stoßen sich an ihm, weil sie dem Wort nicht gehorchen; doch dazu sind sie bestimmt.
9 Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.

In der zweiten Lesung hören wir heute wieder aus dem ersten Petrusbrief. Der heutige Abschnitt ist voll von wichtigen theologischen Begriffen. Er ist sehr dicht und somit sehr sorgfältig zu lesen/hören.
Petrus fordert die Adressaten auf, zum lebendigen Stein zu kommen, der von Menschen verworfen, von Gott aber auserwählt worden ist. Er greift die Steinmetapher auf, weil er hier sehr ekklesiologische Worte findet. Es geht also um die Kirche und diese ist errichtet auf dem Felsen, der Christus ist. Es ist aber keine tote Materie, sondern Jesus ist ein lebendiger Stein. Er lebt, er ist auferstanden und er ist Person. Kirche ist also mehr als nur ein Gebäude aus totem Material. Es ist ein lebendiger Leib, in dem ein Herz schlägt, das Herz Jesu!
Hier deutet Petrus auch das häufig zu lesende Schriftwort vom Eckstein an, den die Bauleute verworfen haben. Dies ist uns in den letzten Wochen schon einmal begegnet. Im Folgenden faltet er dieses Schriftwort, das ursprünglich aus Psalm 118 kommt, weiter aus.
Es gibt bei einem Bau viele Steine, nicht nur den entscheidenden Eckstein. So sind alle Gläubigen lebendige Steine dieses Hauses, das die Kirche ist. Die Gläubigen sind nicht nur deshalb lebendige Steine, weil sie biologisch existieren und Personen sind. Es geht viel mehr um das ewige Leben, zu dem sie durch die Taufe neugeboren sind und somit die Ewigkeit der Kirche erklärt werden kann! Die Kirche ist ein geistiges Haus, keines aus echten Steinen. Sie ist ein Mysterium, das unter anderem eine sichtbare Seite hat – die Kirche, die wir hier auf Erden wahrnehmen, die aber nicht die ganze Kirche ist!
Petrus sagt uns hier auch ganz klar, dass der Bau dieses Hauses nicht durch die Steine selbst geschieht. Der Baumeister ist Gott selbst. Er macht die Kirche. Die Menschen können sich nicht selbst die Kirche schenken. Sie sind Teil von ihr, doch der Leib Christi ist gestiftet von Christus selbst, der ihr Fundament gegossen hat durch den Tod und die Auferstehung. So sollen die Getauften sich zu einem Haus und zu einer heiligen Priesterschaft aufbauen lassen. Hier müssen wir genau hinschauen, um ideologischen Einflüssen standzuhalten. Diese Bibelstelle wird nämlich gerne herangezogen, um eine sakramentale Priesterweihe durch die Taufe zu erklären. Diese wird im Neuen Testament aber wie gesagt mit dem Presbyterbegriff ausgedrückt. Hier steht im Griechischen aber: εἰς ἱεράτευμα ἅγιον eis hierateuma hagion. Hierateuma meint die priesterliche Würde, die jedem Getauften zusammen mit der königlichen Würde geschenkt wird. Diese Würde hat aber nichts mit der sakramentalen Weihe zu tun. Es sind zwei verschiedene Begriffe für zwei verschiedene Dinge, die sich aus zwei verschiedenen Sakramenten speisen. Im Deutschen gibt es nur leider ein einziges Wort, das für beides verwendet wird.
Als Getaufte sind wir alle befähigt, geistige Opfer darzubringen. Alles, was uns im Alltag widerfährt sowie die gläubige Teilnahme an der Eucharistie können solche geistigen Opfer sein. Es sind Ausdrücke unserer Gegenliebe und somit Liebesopfer.
Dann zitiert Petrus Jes 28,16: „Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde.“ Diese Verheißung, die in der Geschichte Israels typologische Vorläufer erfahren hat, ist mit Christus zur Vollendung gekommen. Er ist dieser Eckstein, der in Ehren gehalten zum entscheidenden Stein des Gebäudes wird, doch zum Verhängnis den Ungläubigen. Jesus stellt den Menschen immer vor die Entscheidung. Es gibt kein Dazwischen und keiner kann in einer Grauzone dahinwandeln. Sie ist eine Illusion, die einem ebenfalls zum Verhängnis wird. Christus wird wirklich in Ehren gehalten. Der Vater hat ihn über allen anderen erhöht. Doch auch über die Gemeindemitglieder sagt Petrus dies aus, die ja ebenfalls Steine sind durch die Taufe. Deshalb sagt er: „Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre. Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden,
zum Stein, an den man anstößt, und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt.“ Sie sind nicht nur nicht zugrunde gegangen, da sie gläubig die Taufe empfangen haben, sondern sie erfahren ebenfalls die Ehre Gottes. Sie sind ja zu einem heiligen Priestertum getauft worden. Gott hat sie bereits mit einer unvergleichlichen Würde ausgestattet, der sie durch einen rechten Lebenswandel nun gerecht werden müssen. Dies hat er in dem Kapitel zuvor schon beschrieben.
Er sagt am Ende von Vers 8 über die Ungläubigen, denen der Stein zum Verhängnis wird: „Doch dazu sind sie bestimmt.“ Wir müssen auch hier wieder genau lesen. Hier steht im Griechischen das Wort ἐτέθησαν etethesan. Die Grammatik des Wortes, was hier mit „bestimmt“ übersetzt wird, ist einerseits etwas Einmaliges, andererseits ein tatsächlich passives Wort. Wir müssen es also wirklich so übersetzen, wie es hier auch steht. Doch wer ist gemeint? Der Kontext zeigt, dass es ganz bestimmte Menschen sind, die den Eckstein nicht angenommen haben. Es sind jene, die Christus abgelehnt haben und ihn den Römern ausgeliefert haben. Und dazu sind sie bestimmt gewesen. Gottes Erlösungsplan stand schon vor aller Zeit fest und so war auch schon klar, dass der Messias abgelehnt werden würde durch jene, die ihn dann umbringen würden. In dieser Hinsicht waren sie dazu bestimmt. Ein nachdenkenswerter Aspekt, der uns Demut lehrt. Gott bleibt ein Geheimnis und ebenso die Gleichzeitigkeit von Heilsplan und freiem Willen des Menschen.
Warum die Menschen ebenfalls an der Ehre teilhaben, wird nun im letzten Vers noch einmal explizit erklärt: Die Getauften sind ein „auserwähltes Geschlecht“, ein γένος ἐκλεκτόν genos eklekton. Es meint kein irdisches Geschlecht im Sinne einer Volksgruppe oder Familienzugehörigkeit. Es ist nun geistig zu verstehen als Familie Gottes. Die Getauften sind die neue Schöpfung aus dem Heiligen Geist, deren Anfang Jesus und Maria markieren als das erste neue Menschenpaar. Das heißt nicht, dass sie auserwählt sind im Gegensatz zu den anderen. Es heißt, dass sie jene sind, die zu diesem auserwählten Geschlecht dazugehören wollten durch die Annahme des Glaubens und den Empfang der Taufe. Auserwählt sind sie durch den Ruf Gottes. Der springende Punkt ist nur: Gott ruft alle Menschen und deshalb hat Jesus seinen Jüngern vor dem Heimgang zum Vater aufgetragen, ALLEN Menschen das Evangelium zu verkünden und die Menschen zu taufen.
 Die Getauften sind „eine königliche Priesterschaft“, βασίλειον ἱεράτευμα basileion hierateuma. Auch hier kommt wieder das Wort hierateuma und nicht der presbyteros-Begriff. Man kann aus dem Petrusbrief kein allgemeines sakramentales Priestertum herauslesen, das alle Getauften zur Priesterweihe befähigt. Hier wird diese besondere Würde durch die Taufe thematisiert. Sie ist königlich und priesterlich, weshalb bis heute bei der Taufe das Chrisamöl verwendet wird.
Die Getauften sind „ein heiliger Stamm“, ἔθνος ἅγιον ethnos hagion. Der Stammbegriff wird mit dem typischen Begriff ausgedrückt, der für nichtjüdische Völker verwendet wird. Das macht Petrus vielleicht deshalb, weil er sich vor allem an heidenchristliche Diasporagemeinden wendet. Heilig ist dieser geistige Stamm durch die Heiligung, das heißt durch die Herauslösung aus dem Rest der Welt. Die Getauften sind anders, weil sie schon für die Ewigkeit leben. Ihr Lebensstil zeigt dieses Anderssein, das Petrus in seinem Brief oft mit dem Begriff des Fremden ausdrückt.
Die Getauften sind auch „ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde“, λαὸς εἰς περιποίησιν laos eis peripoiesin. Hier beruft sich Petrus auf Jes 43,21. Das Verb περιποιέω peripoieo ist wörtlich zu übersetzen mit „sich verschaffen, erwerben“. Gott hat es erworben durch das kostbare Blut Jesu Christi. Hier spielt Petrus mit alttestamentlichem Vokabular, denn laos ist der Terminus technicus für das Volk Israel. Dieser Begriff für das Volk Gottes wird nun auf die Kirche angewandt, die das Volk des Neuen Bundes ist. Die überwältigende Gnade, die Gott den Getauften geschenkt hat, soll Anlass sein, von seinen großen Taten zu verkünden. Die Erlösung Jesu Christi ist Grund für den missionarischen Kern der Kirche!
Petrus gebraucht für die Erlösung – wie sehr oft auch Johannes – das Bild des Kommens von der Finsternis ins Licht.
Die heutige zweite Lesung ist sehr dicht und theologisch auch sehr anspruchsvoll. Wenn wir sie richtig verstehen, geht uns aber sehr viel über unsere eigene Identität als Getaufte auf. Diese Würde widerspricht aber nicht der besonderen Berufung einzelner zu einer Weihe in den verschiedenen Graden. Die Diakone in der ersten Lesung haben diese Weihe empfangen. Beides ist getrennt zu betrachten und doch sagt uns die zweite Lesung aus dem Petrusbrief heute, dass wir uns nicht einfach auf die Geweihten verlassen sollen und selbst keine Berufung haben. Auch wir sind mit einer Würde ausgestattet und auch mit einer Berufung, nämlich Christi Heilstaten zu verkünden, die er an uns erwirkt hat.

Joh 14
1 Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!

2 Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?
3 Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.
4 Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr.
5 Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen?
6 Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.
7 Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.
8 Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.
9 Jesus sagte zu ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater?
10 Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke.
11 Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Werke!
12 Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere als diese vollbringen, denn ich gehe zum Vater.
13 Alles, um was ihr in meinem Namen bitten werdet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird.
14 Wenn ihr mich um etwas in meinem Namen bitten werdet, werde ich es tun.

Im Evangelium hören wir heute einen Abschnitt aus der ersten Abschiedsrede Jesu. Das Schriftwort ist sehr bekannt und stets sehr aktuell:
„Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ Jesus sagt dies zu seinen Aposteln im Abendmahlssaal, weil er die vielen Verwirrungen und Angriffe schon vorhersieht, mit denen der Zwölferkreis konfrontiert werden wird. Und dann sollen sie an dem festhalten, was Jesus sie gelehrt hat und was die Heiligen Schriften erfüllt hat. Er spricht dies über die Apostel hinaus auch zu uns. In Zeiten zunehmender Verwirrung sollen auch wir uns nicht ablenken lassen, sondern weiterhin unbeirrt am Glauben festhalten. Antichristliche Lehren werden immer salonfähiger und das besonders Heimtückische – unter dem katholischen Deckmantel wird sehr viel Häretisches verbreitet. Man kann sich auf das Deckblatt „katholisch“ längst nicht mehr verlassen, sondern muss alles auf die Goldwaage legen, wachsam sein, die Gabe der Unterscheidung der Geister haben. Und je tiefer die Wurzeln des Glaubens sind, desto schwieriger wird es für den Widersacher, uns von Gott zu entfernen. Dies ist nicht einfach nur die Aufgabe der Geweihten, die ein geistliches Leben führen. Dies ist die Aufgabe von uns allen, die wir getauft sind!
Jesus motiviert seine Apostel und darüber hinaus auch uns damit, dass er zum Vater vorausgeht. Wir werden ihm also folgen dürfen, wenn wir schon hier auf Erden seinen Spuren nachgegangen sind! Beim Vater bereitet er uns schon eine Wohnung. Damit ist ein Platz im Himmelreich gemeint. Und zu gegebener Zeit wird Christus wiederkommen, um die Apostel und alle Erben des Reiches zu sich zu holen. Das alles werden die Apostel noch nicht richtig verstanden haben. Erst mit seiner Auferstehung und Himmelfahrt, spätestens nach der Geistgabe, wird es ihnen aufgegangen sein. Christus ist heimgekehrt zum Vater ins Himmelreich, um am Ende der Tage wiederzukommen. Deshalb haben die ersten Christen bereits in einer Naherwartung gelebt.
Jesus sagt, dass sie den Weg kennen. Doch sie verstehen ihn nicht. Deshalb fragt Thomas nach: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen?“ Was meint Jesus damit? Zu jenem Zeitpunkt hat Jesus seinen Jüngern immer wieder Leidensankündigungen gemacht. Er hat ihnen gesagt, wie leidvoll er sterben, aber am dritten Tage auferstehen würde. Zudem ist all dies in den Heiligen Schriften angekündigt worden. Nicht nur die Apostel, sondern jeder fromme Jude müsste diesen Weg also kennen. Was ihn am Ende widerfahren würde, hat sich sein ganzes Leben hindurch schon gezeigt. Vom Moment seiner Geburt an war er von den Mächtigen dieser Welt unerwünscht und sein Leben wurde bedroht. Nicht nur das Ende, schon sein ganzes Leben zuvor ist ein einziger Sühneweg und Prozess der Erlösung. Er ist der leidende Gerechte aus den jesajanischen Gottesknechtsliedern sein ganzes Leben hindurch!
Doch die Apostel sind wie mit Blindheit geschlagen und so spricht Jesus das entscheidende Wort: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ Der Weg zum Vater ist die Person Jesu Christi mit seinem ganzen Leben, seinen Worten und Taten. Wenn wir ihn in unserem Leben nachahmen, gehen wir diesen Weg zum Vater. Es ist aber nicht nur eine ethische Frage, sondern eine Sache der gläubigen Annahme. Wenn wir Christus als den Messias gläubig annehmen und die Wahrheit, die er ist, erkannt haben, sind wir auch bereit, ihm auf unserem Lebensweg ganz zu gehorchen. Dann erwartet uns das Leben – das ewige Leben bei Gott!
Jesus ist nicht nur eine Option unter vielen auf dem Weg ins Himmelreich – er ist DER Weg. Es gibt keinen anderen. Nur durch die Christustür hindurch können wir in die Ewigkeit eingehen. Dies hat er schon bei seiner Rede über den guten Hirten verdeutlicht. Wenn wir in diesem Leben durch die sakramentale Christustür schreiten und so den Christusweg beginnen, dann sind wir schon eingesetzt als Kinder der Familie Gottes, von der Petrus so ausführlich geschrieben hat. Den Weg nun zu beschreiten ist zugleich eine Sendung. Sendung heißt zugleich Mission.
„Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.“ Jesus zu begegnen ist schon ein Laufen auf dem Weg zum Vater. Die Apostel haben so viele Jahre Zeit mit Jesus verbracht, sein Wesen ganz kennengelernt, seine Worte verinnerlicht und so viele Heilstaten bezeugt. In all diesen Aspekten haben sie den Vater kennengelernt! Er und der Sohn sind eins. Das ist der springende Punkt, den Jesus immer wieder herausstellt. Deshalb sagt Jesus auch, dass die Apostel den Vater „schon jetzt“ kennen. Sie sind jene Menschen, denen der Vater durch den Sohn am meisten offenbart worden ist und die sich mitten auf dem Weg befinden.
Doch die Apostel begreifen Jesu Worte noch nicht ganz und wie so oft entsteht ein Missverständnis. Philippus sagt nämlich: „Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.“ Er hat nicht verstanden, dass Jesus durch sein ganzes Sein den Vater kontinuierlich zeigt und mit ihm eins ist.
Wir müssen uns klar werden, wann das alles passiert: Sie befinden sich beim letzten Abendmahl, kurz vor dem Leiden, Tod und der Auferstehung Jesu Christi. Es ist also alles am Ende der langen dreijährigen Phase des Umherziehens mit Jesus. Bis dahin müssten die Apostel also schon sehr viel verstanden haben, denn Jesus hat ihnen so viel erklärt und auch wiederholt. Wenn jemand Jesus erkannt haben müsste, dann also die Apostel. Doch Philippus offenbart, dass er den Kern von allem nicht begriffen hat. Deshalb sagt Jesus die folgenden Worte: „Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater?“ Es gilt natürlich nicht nur Philippus, sondern auch den anderen Aposteln, die so ähnlich denken. Ebenfalls richtet Jesus diese Worte auch an uns, die wir schon so lange auf seinem Weg gehen und die Basics noch nicht einmal begriffen haben – wir als einzelne Christen sowie die ganze Kirche als Leib Christi. Mit einem Seitenblick auf die erste Lesung könnte man als wichtiges Beispiel das Dienen nennen statt das Herrschen…
Jesus erklärt geduldig noch einmal, wie sein Verhältnis zum Vater ist und konfrontiert Philippus mit der Frage des Glaubens: „Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist?“ Er sieht das Problem des Philippus also nicht auf der Ebene des Verstehens, sondern des gläubigen Annehmens. Jesu Erklärung zeigt uns, dass er nicht nur Philippus anspricht, sondern alle seine Apostel, wenn er sagt: „Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Werke!“ Die Art und Weise, wie Jesus die Apostel adressiert, ist vergleichbar mit der Rede vor den vielen Menschenmassen, die er wenigstens von seinen Werken zu überzeugen versuchte. Wir merken hier, dass die Apostel nicht irgendwie besser sind als der Rest der Menschen. Sie sind nicht aus solchem Grund zum Zwölferkreis auserwählt worden. Es hängt nicht mit einer gewissen Leistung zusammen, sondern mit der Gnade Gottes, die unverdientes Geschenk ist. So müssen wir auch verstehen, dass Geweihte unserer heutigen Zeit nicht automatisch bessere Menschen sind, nur weil sie Priester sind. Die Würde ist eine sehr hohe und deshalb müssen wir ihnen mit ganz großer Achtung begegnen. Doch ihre Priesterweihe ist kein Ergebnis einer vorausgegangenen Leistung. Sie ist die Weihe eines Menschen, der sein ganzes Leben Gott schenken möchte und dafür auf eine Familie verzichtet.
Jesus sagt weiter, dass wenn sie ihm Glauben schenken werden, in seinem Namen dieselben Heilstaten und darüber hinaus vollbringen. Zweiteres begründet er mit seinem Heimgang zum Vater. Wie müssen wir das verstehen? Warum werden die Apostel aufgrund der Himmelfahrt Jesu noch größere Zeichen wirken? Das hängt mit dem Pfingstereignis zusammen. An anderer Stelle erklärt Jesus, dass er gehen muss, damit der Vater den Geist senden kann, der der Beistand ist (Joh 16,7ff.). Wenn der Geist erst einmal auf die Apostel kommen wird, dann werden sie mit der Fülle der Gnade ausgestattet, wodurch sie erst so richtig reiche Frucht bringen werden.
Und dieser Geist wird sie befähigen, alles im Namen Jesu zu erbitten, der zur Rechten des Vaters sitzen wird.

Heute hören wir sehr viel von Würde, von Berufung, Taufe und Weihe. Diese Dinge sind wichtig und müssen gut auseinandergehalten werden. Besonders wichtig ist für uns heute der Gedanke, dass wir als Getaufte eine so große Würde erhalten haben, die uns keiner nehmen kann. Zudem lernen wir heute vor allem, dass wir uns als Getaufte nicht einfach zurücklehnen und ausruhen können, weil wir ja nicht Priester sind. Nein, auch wir haben eine Berufung und dieser müssen wir gerecht werden, so gut wir können. Denn wenn wir am Ende unseres Lebens vor Gott stehen, wird er uns fragen, was wir aus der großen Verantwortung gemacht haben.

Ihre Magstrauss

4. Sonntag der Osterzeit

Apg 2,14a.36-41; Ps 23,1-3.4.5.6; 1 Petr 2,20b-25; Joh 10,1-10

Heute geht es in den Sonntagslesungen um den guten Hirten. Zugleich feiern wir an diesem Ostersonntag jedes Jahr den Weltgebetstag um geistliche Berufungen. Er wird ganz bewusst immer am 4. Ostersonntag begangen, weil auch die Nachfolge Christi „hirtlich“, das heißt lateinisch „pastoral“ sein muss.

Apg 2
14 Da trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden:
36 Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Christus gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.
37 Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?
38 Petrus antwortete ihnen: Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung eurer Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.
39 Denn euch und euren Kindern gilt die Verheißung und all denen in der Ferne, die der Herr, unser Gott, herbeirufen wird.
40 Mit noch vielen anderen Worten beschwor und ermahnte er sie: Lasst euch retten aus diesem verdorbenen Geschlecht!
41 Die nun, die sein Wort annahmen, ließen sich taufen. An diesem Tag wurden ihrer Gemeinschaft etwa dreitausend Menschen hinzugefügt.

Heute am vierten Sonntag der Osterzeit hören wir erneut einen Ausschnitt aus der brennenden Pfingstrede des Petrus und die Reaktion der Anwesenden darauf.
Heute beendet er seine Rede, indem er erklärt:
„Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Christus gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.“ Ich habe schon öfter erklärt, was Petrus damit meint, wenn er die Zuhörer als Henker Jesu bezeichnet. Sie haben sich durch ihr „Kreuzige ihn“, durch das Manipuliertwerden und das Mitläufertum, durch die Verspottung des Ohnmächtigen am Kreuz mitschuldig gemacht.
Es geht ihm nicht darum, jemanden dadurch fertig zu machen. Er tut es vielmehr, damit die Menschen erkennen, wo sie gefehlt haben, und dadurch umkehren.
Und was er sagt, trifft sie mitten ins Herz. Sie erkennen vor dem Hintergrund der Heiligen Schrift, dass Jesus der angekündigte Messias ist. Sie realisieren, dass sie nicht mehr so leben können wie zuvor. Und deshalb fragen sie Petrus und die anderen Apostel:
„Was sollen wir tun, Brüder?“
Die Antwort ist klar: „Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung eurer Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“
Mit „Umkehr“ ist die gläubige Hinkehr zu Jesus Christus gemeint. Als äußeres Zeichen dieses Gekommenseins zum Glauben an ihn sollen sie sich taufen lassen. Jesus hat seinen Aposteln vor seiner Heimkehr zum Vater aufgetragen, alle Menschen zu seinen Jüngern zu machen und diese zu taufen. Petrus setzt also mit seiner Antwort gehorsam das um, was Jesus ihnen vorgegeben hat.
Die Taufe ist kein Zeichen der vorbereitenden Buße mehr wie bei Johannes dem Täufer. Es ist eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wer getauft wird, wird reingewaschen von seinen Sünden! Warum? Weil der Mensch auf den Tod Jesu Christi getauft wird und durch seinen Kreuzestod ist ja die Sühne für die Sünden aller Menschen erwirkt worden!
In diesem versöhnten Zustand sind sie dann empfängnisbereit für den Heiligen Geist, der ihnen in dem Sakrament geschenkt wird (man muss dazu sagen, dass Taufe und Firmung zunächst eins waren, aber natürlich wird der Hl. Geist einem schon allein bei der Taufe gespendet!). Dieser erwirkt die geistliche Wiedergeburt, denn die Getauften werden zum ewigen Leben bei Gott neugeboren.
Alle Menschen sind dazu berufen, dieses Heil zu empfangen, denn Jesus ist für sie alle gestorben.
So ermutigt Petrus die Zuhörerschaft, diesen Schritt zu unternehmen, unter anderem mit den Worten „Lasst euch retten aus diesem verdorbenen Geschlecht.“ Er meint damit die Menschheit der alten, gefallenen Natur. Diese hat nun die Chance, von diesem Zustand des ewigen Todes in das ewige Leben hinüberzugehen. Die Schwelle ist Jesus Christus, der Auferstandene von den Toten.
Petrus‘ Worte sind überzeugend. Dreitausend Menschen lassen sich an diesem einen Tag taufen! Der Geist Gottes hat am Pfingsttag vielen Menschen die Augen geöffnet!

Ps 23
1 Ein Psalm Davids. Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen.
2 Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
3 Meine Lebenskraft bringt er zurück. Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, getreu seinem Namen.
4 Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab, sie trösten mich.
5 Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, übervoll ist mein Becher.
6 Ja, Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang und heimkehren werde ich ins Haus des HERRN für lange Zeiten.

Heute beten wir den berühmten Psalm 23. Er passt perfekt zur Lesung, weil in diesem Vertrauenspsalm Gott als Hirte beschrieben wird. Immer wieder hören wir im AT davon, dass Gott sich als König für seine auserwählte Herde, sein Volk Israel, einen Hirten ausgesucht hat. Der König über die zwölf Stämme soll Gottes Stellvertreter in Israel sein. Er soll mit derselben Mentalität herrschen wie Gott es tut, nämlich als sorgender Diener aller. Das verkörpert auch der leidende Gottesknecht im Buch Jesaja, den die Kirche von Anfang an mit Jesus Christus identifiziert hat. Und auch Jesus selbst sagt im Johannesevangelium: „Ich bin der gute Hirte.“ Und zugleich mahnt er an: „Wer von euch der Erste sein will, soll der Diener aller sein.“ David hat diesen Psalm selbst gedichtet und man spürt, dass er diese Haltung selbst ganz gelebt hat. Gottes wunderbare Vorsehung hat alles so gefügt, dass er tatsächlich einen Hirten zum König erwählt hat.
Gott ist unser Hirte, der uns alles gibt, was wir brauchen. Es mangelt uns an nichts, wenn wir zuerst sein Reich suchen. Das sagt Jesus später nicht umsonst. Es ist vor dem Hintergrund des Psalms absolut nachvollziehbar. Gott lässt uns, seine Schafe, auf grünen Auen lagern. Er führt uns nicht ins Verderben, sondern nährt uns immer ausreichend, damit wir auf dem Weg durchs Leben hin zu ihm nicht zugrunde gehen. Auch wenn es zeitweise Wüstenlandschaften sind und nicht die grünen Auen, ist es für uns heilsam, damit wir die Auen wieder mehr zu schätzen lernen, in unserem Glauben gestärkt und in unserer Wachsamkeit geschärft werden. Konkret heißt das, dass Gott uns mit allen irdischen Gaben (Finanzen, Gesundheit, Nahrung und sauberes Trinkwasser, Frieden, Erfolg etc.), aber auch mit allen überirdischen Gaben ausstattet, die wir durch die Heilsmittel der Kirche erhalten. Dazu gehören die Sakramente, allen voran die Eucharistie, und die Sakramentalien, durch die er uns den Hl. Geist senden möchte. Nicht umsonst betet David zuerst „er lässt mich lagern auf grünen Auen“ und dann „und führt mich zum Ruheplatz am Wasser“. Es sind einerseits zwei Bilder für das Essen und Trinken des Menschen, andererseits die Bilder für die wichtigsten überirdischen Güter – die Eucharistie und der Hl. Geist, das lebendige Wasser.
Gott bringt die Lebenskraft zurück. Das hebräische Stichwort ist an dieser Stelle wie so oft nefesch. Gott bringt das ganze Leben zurück. Wir dürfen es sowohl moralisch als auch anagogisch verstehen, das heißt einerseits die Rückführung in den Stand der Gnade und zugleich die Rettung des ewigen Lebens. Vor allem die moralische Ebene wird uns klar, wenn wir danach lesen: „Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit.“
Selbst der Psalm 23 greift die Situation auf, dass es nicht immer die ruhigen grünen Auen sind, auf denen die Herde sich bewegt, sondern auch mal das finstere Tal. So ist das Leben. Es gibt nicht nur schöne Tage, sondern auch die Krisen und dunklen Stunden. Doch selbst da begleitet Gott einen hindurch und hinaus. David selbst hat dunkle Stunden gehabt, doch gerade in diesen hat er sich umso mehr an Gott geklammert. Er wusste, wie entscheidend sich die Qualität eines Hirten in finsteren Tälern herausstellte. Er wusste auch, wie sicher sich ein Schaf bei einem guten Hirten fühlen konnte. Er ist in dieser Hinsicht nicht nur der Typos des guten Hirten Christus, sondern auch des Lammes Gottes, das sich ganz und gar in die Hände Gottes übergab und selbst am Kreuz noch betete: „Vater, in deine Hände lege ich mein Leben.“ Von David können wir das absolute Gottvertrauen lernen und mit ihm zusammen beten: „Dein Stock und dein Stab trösten mich.“
Gott beschenkt uns, seine Kinder. Er hat nur Gutes für uns bereit. All der Segen Gottes wird hier mit verschiedenen Bildern umschrieben wie dem Decken des Tisches, dem Salben des Hauptes und dem übervollen Becher. All dies können wir zusammenfassen mit den darauffolgenden Worten: „Ja, Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang.“
Ins Haus des Herrn heimzukehren, bedeutet in diesem Kontext wörtlich den Tempel Gottes, der zu Davids Zeiten noch in Form des Offenbarungszeltes bestand. Wir lesen dies allegorisch weiter als das Reich Gottes und die Kirche. Moralisch verstehen wir damit unsere eigene Seele, die der Tempel Gottes ist und von wo aus die Entscheidungen zu einem Verhalten nach seinen Geboten getroffen werden. Schließlich kehren wir am Ende unseres Lebens heim in das Haus Gottes, den Himmel.

1 Petr 2
20 Wenn ihr aber recht handelt und trotzdem Leiden erduldet, das ist eine Gnade in den Augen Gottes.
21 Dazu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt.
22 Er hat keine Sünde begangen und in seinem Mund war keine Falschheit.
23 Als er geschmäht wurde, schmähte er nicht; als er litt, drohte er nicht, sondern überließ seine Sache dem gerechten Richter.
24 Er hat unsere Sünden mit seinem eigenen Leib auf das Holz des Kreuzes getragen, damit wir tot sind für die Sünden und leben für die Gerechtigkeit. Durch seine Wunden seid ihr geheilt.
25 Denn ihr hattet euch verirrt wie Schafe, jetzt aber habt ihr euch hingewandt zum Hirten und Hüter eurer Seelen.

Das Hirtenthema des heutigen Sonntags begleitet uns auch durch die zweite Lesung. Bei diesem Abschnitt handelt es sich um einen hymnenartigen Bekenntnistext, der gerne als Christuslied bezeichnet wird.
Petrus sagt, dass ein Leiden, das man unverdient erleiden muss (was man also nicht aus Konsequenz eigener Sünde, sondern vielmehr aufgrund des Glaubens an Christus erleidet), sehr viel Gnade bringt. Wir Getauften sind dazu berufen, Christus nachzufolgen, gleichsam seinen Spuren nachzugehen und diese führen unweigerlich nach Golgota. Christus hat für uns gelitten, damit wir überhaupt die Kraft haben, unser Kreuz durch den Tod hindurch zu tragen und in die Ewigkeit zu gelangen.
Jesus selbst ist gerecht und musste dennoch sehr schlimm leiden. Er ist ohne Sünde und doch wurde er geschmäht. Jesus wurde physisch, psychisch und seelisch sehr gequält. Er hat seinen Verfolgern aber in keinem Augenblick seines Lebens etwas Böses gewünscht, sondern noch am Kreuz für sie gebetet (Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun). Er hat alles dem Richter überlassen und noch um ein mildes Urteil gebeten.
Er hat Übermenschliches getan, als er die Sünden der gesamten Menschheit bis ans Kreuz mitgenommen hat für unser ewiges Leben. Er hat alle nur erdenklichen Wunden erlitten, damit unsere Wunden geheilt werden mögen. Dank ihm konnten wir getauft werden und somit der Sünde und dem ewigen Tod sterben. Wir leben nun für ihn, der das ewige Leben ist.
Die Menschen sind wirklich wie eine zerstreute Schafsherde gewesen, die keinen Hirten hatte. Doch Christus ist der gute Hirte, der unsere Seelen hütet wie einen Augapfel. Er hat erwirkt, dass unsere Seelen nicht sterben (Hölle), sondern ewig bei Gott sein werden (Himmel). Darin ist er uns gegenüber wie ein Hirte. Er ist Hüter unserer Seelen und darin sollen es die Nachfolger seiner Apostel gleich tun. Denn das griechische Wort für „Hüter“ ist ἐπίσκοπος episkopos. Es ist dasselbe Wort für „Bischof.“ Sie sind es, die Jesus nachahmen sollen in seinem Hirtencharakter. Sie sollen keine Tyrannen sein, die ihre Schäfchen unterdrücken, sondern sie sollen ihr Leben für die Schafe hingeben. Sie sollen so sein wie Gott, der wunderbare Hirte aus Psalm 23.

Joh 10
1 Amen, amen, ich sage euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber.
2 Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe.
3 Ihm öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.
4 Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme.
5 Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen.
6 Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte.
7 Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen.
8 Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört.
9 Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.
10 Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

Und Jesus selbst offenbart sich als Hirte heute im Evangelium. Seine Rede heute ist voll von dem Bildfeld „Hirte, Stall, Herde“.
Wer nicht geregelt durch die Tür geht, ist ein Dieb. Er hat nicht vor, den Schafen im Stall etwas zu essen oder zu trinken zu geben, sondern sie zu rauben und ihnen zu schaden.
Der Hirte kommt dagegen durch die Tür in den Stall. Er wird vom Türhüter hereingelassen und an seiner Stimme erkennen die Tiere, dass er es ist. Er weiß genau, wie jedes einzelne Schaf heißt und er führt sie auf die Weide hinaus. Er lässt sie dort aber nicht alleine, sondern geht ihnen voran. Die Stimme des Hirten ist entscheidend. Wenn ein Fremder versucht, die Herde irgendwohin zu treiben, wird es nicht funktionieren. Die Schafe hören gar nicht auf die fremde Stimme.
Jesus greift ganz bewusst so ein Bildfeld auf. Es ist sehr lebensnah für die Menschen, die dort anwesend sind und seiner Rede lauschen. Sie sind vertraut mit dem innigen Verhältnis von Hirt und Herde.
Jesus spricht diese Worte im Anschluss an die Auseinandersetzungen mit den Juden von Jerusalem, die den geheilten Blindgeborenen aus der Synagoge hinausgestoßen haben. Sie wollen Jesu Worte nicht annehmen.
Sie haben ganz und gar nicht als gute Hirten gehandelt, sondern den armen Mann ausgeschlossen. Sie haben kein inniges Verhältnis zu ihren anvertrauten Gläubigen. Leider verstehen sie überhaupt gar nicht, was in dieser Situation richtig wäre, halten sich aber für wissend.
Jesus bringt dieses Bild nun an, um zu zeigen, wie sein inniges Verhältnis zu seinen Gläubigen ist. Der ausgestoßene Geheilte schließt sich Jesus an. Er wird zu einem Schaf in Jesu Stall. Jesu Schafe hören auf seine Stimme. Er ist der rechtmäßige Hirte, weil er vom Vater selbst gesandt worden ist. Er ist durch die Tür hineingekommen in den Stall. Es ist ein Bild für seine Menschwerdung: Durch die Tür der Geburt ist er in die Welt hineingeboren. Die Menschen, die die Schafe sind, kennen ihn. So viele Schriftstellen der jüdischen Bibel haben ihn vorausgesagt und angekündigt, was sich nun Schritt für Schritt mit seinem ganzen Dasein erfüllt – bis hin zu seinem Tod und seiner Auferstehung.
Es ist auch eucharistisch zu lesen, denn Jesus kommt als guter Hirte in jeder Heiligen Messe bei der Wandlung von Brot und Wein zu Leib und Blut durch die Tür der Ewigkeit in unsere Zeit. Wir erkennen ihn an seiner Stimme, die durch die Worte des Priesters am Altar erklingt: „Nehmet und esset, das ist mein Leib. Nehmet und trinket, das ist mein Blut.“
Jesus wird auch am Ende der Zeiten durch das Tor der Ewigkeit zurückkommen in unsere Welt, um das jüngste Gericht einzuberufen und seine Schafe auf die ewige Weide zu führen, die das Himmelreich ist.
Von sich grenzt er die Räuber ab, die den Schafen Böses wollen. Sie steigen woanders ein, das heißt sie haben nicht die göttliche Beauftragung und Sendung wie er. Sie sprechen nicht im Namen Gottes und haben auch eine ihm widerstrebende Botschaft. Der Räuber will die Schafe rauben und ihnen schaden. Die Schafe hören aber auch nicht auf den Fremden. Sie merken, dass da etwas nicht stimmt. So ist es mit jenen Gläubigen, die das Wort Gottes kennen und das Evangelium Jesu Christi in ihre Herzen eingeschrieben haben. Wenn sie ganz vertraut sind mit Gottes Lehre, wird ihnen auffallen, wenn jemand etwas anderes sagt. Die Alarmglocken werden angehen und sie werden auf diese falschen Messiasse nicht hören. Als solche Räuber deutet Jesus eben jene an, die den Blindgeborenen so schlecht behandelt haben. Sie wollen seinen Glauben mit Füßen zertreten, der viel mehr erkannt hat als sie (nämlich dass nur der Messias im Stande sein könnte, einen Blindgeborenen zu heilen). Er hat ihnen gegenüber sogar das Wort Gottes zitiert, das ganz deutlich Jesu Messianität bestätigt. Doch diese Menschen stießen ihn hinaus.
Die Anwesenden verstehen die Worte Jesu nicht. Er setzt dagegen wieder zum Sprechen an und bringt ein etwas abgewandeltes Wort: Er geht nicht nur durch die Tür, sondern er ist die Tür.
Wer durch ihn hindurchgeht, wird gerettet werden. Für den Blindgeborenen ist klar: Wo sich eine Tür geschlossen hat, öffnet sich diese wahre Tür für ihn – Jesus Christus.
Seine Selbstoffenbarung lehrt uns zweierlei: Erstens ist er die Tür zu den Schafen. Wer also mit pastoralen Aufgaben betraut wird, muss ganz und gar von Christus und seinem Evangelium durchdrungen sein. Erst wenn er durch diese Christustür gegangen ist, kann er ein guter Hirte für jene sein, die er als Hirten-Nachfolger Christi hüten möchte. Er muss Christus ganz nachfolgen, indem er denselben Weg wählt wie Christus – durch die Tür, nicht durchs Fenster.
Das Zweite, das es uns lehrt: Nur durch Christus hindurch können wir das ewige Leben haben. Wenn wir an ihn glauben und uns auf seinen Namen taufen lassen, nehmen wir die Erlösung an, die unser Exil vom Paradies bricht. Diese Tür der Taufe ist heilsnotwendig. Jesus sagt dann später: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wir können das ewige Leben nur durch die Christustür hindurch erhalten. Das Himmelreich ist hinter dieser Tür. Wir müssen aber nicht bis zum Lebensende warten, um durch sie hindurchzugehen. Wenn wir die Sakramente und Sakramentalien empfangen, gehen wir jedes Mal durch diese Tür. Das endgültige Hindurchschreiten wird uns schließlich am Ende der Zeiten erwarten, wenn der verherrlichte Menschensohn als Weltenrichter zurückkehren wird.
Ein guter Hirte möchte nur das beste für seine Schafe. Der Dieb möchte ihnen dagegen schaden. Jesus beschreibt sich ganz mit den Eigenschaften Gottes in Psalm 23. Es ist wirklich eine Bestätigung dessen, dass König David bei der Komposition seines Psalms vom Heiligen Geist erfüllt worden ist – 1000 Jahre vor Christi Geburt! Und nun ist der Messias da und bestätigt all jene guten Eigenschaften Gottes, der seine Herde auf grüne Auen führen, an Quellen des Wassers führen möchte, den Tisch vor den Augen der Feinde decken, den Becher reichlich füllen möchte und selbst durch das finstere Tal des Todes hindurch den Menschen unversehrt ins Himmelreich führen möchte.

Heute lernen wir viel vom pastoralen Wesen des Vaters und des Sohnes. Wir lernen aber auch, wie die Nachfolger eines solchen guten Hirten sein müssen, wenn sie ihm nachahmen wollen. Beide Seiten gehören zu der einen Medaille und alles ist eingebettet in das freudige Osterereignis, das für uns den Grund für die felsenfeste Hoffnung darstellt. Beten wir um Menschen, die bereit sind, durch jene Christustür zu gehen und selbst zu Hirten der Schafe zu werden, damit die Herde niemals ohne Hirt bleibt. Beten wir um heilige Priester, die ganz durchdrungen sind vom Evangelium und die bereit sind, ihr Leben für die Herde hinzugeben, den Spuren Jesu nachzugehen bis nach Golgota. Und beten wir für die Geistlichen, die uns schon geschenkt worden sind. Mögen sie immer mehr Christus ähnlich werden und ihre Berufung wirklich ernst nehmen. Wir haben einen großen Anteil daran, denn ohne unser Gebet sind sie verloren.

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 3. Osterwoche

Apg 8,26-40; Ps 66,8-9.16-17.19-20; Joh 6,44-51

Apg 8
26 Ein Engel des Herrn sagte zu Philippus: Steh auf und geh nach Süden auf der Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt! Sie führt durch eine einsame Gegend.
27 Und er stand auf und ging. Und siehe, da war ein Äthiopier, ein Kämmerer, Hofbeamter der Kandake, der Königin der Äthiopier, der über ihrer ganzen Schatzkammer stand. Dieser war gekommen, um in Jerusalem anzubeten,
28 und fuhr jetzt heimwärts. Er saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja.
29 Und der Geist sagte zu Philippus: Geh und folge diesem Wagen!
30 Philippus lief hin und hörte ihn den Propheten Jesaja lesen. Da sagte er: Verstehst du auch, was du liest?
31 Jener antwortete: Wie könnte ich es, wenn mich niemand anleitet? Und er bat den Philippus, einzusteigen und neben ihm Platz zu nehmen.
32 Der Abschnitt der Schrift, den er las, lautete: Wie ein Schaf wurde er zum Schlachten geführt; und wie ein Lamm, das verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.
33 In der Erniedrigung wurde seine Verurteilung aufgehoben. Seine Nachkommen, wer wird von ihnen berichten? Denn sein Leben wurde von der Erde fortgenommen.
34 Der Kämmerer wandte sich an Philippus und sagte: Ich bitte dich, von wem sagt der Prophet das? Von sich selbst oder von einem anderen?

35 Da tat Philippus seinen Mund auf und ausgehend von diesem Schriftwort verkündete er ihm das Evangelium von Jesus.
36 Als sie nun weiterzogen, kamen sie zu einer Wasserstelle. Da sagte der Kämmerer: Siehe, hier ist Wasser. Was steht meiner Taufe noch im Weg?
37 Da sagte Philippus zu ihm: Wenn du aus ganzem Herzen glaubst, ist es möglich. Er antwortete: Ich glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist.
38 Er ließ den Wagen halten und beide, Philippus und der Kämmerer, stiegen in das Wasser hinab und er taufte ihn.
39 Als sie aber aus dem Wasser stiegen, entrückte der Geist des Herrn den Philippus. Der Kämmerer sah ihn nicht mehr und er zog voll Freude auf seinem Weg weiter.
40 Den Philippus aber sah man in Aschdod wieder. Und er wanderte durch alle Städte und verkündete das Evangelium, bis er nach Cäsarea kam.

Heute hören wir von einem gewissen Philippus, der auf Anweisung Gottes (durch einen Engel) die Reise auf der Straße von Jerusalem nach Gaza antritt. Gott führt ihn dort hin, weil er durch ihn einen äthiopischen Kämmerer zu seinem geliebten Sohn und Erben machen möchte. Dieser Philippus ist nicht einer der zwölf Apostel, sondern bezieht sich auf einen der sieben Diakone der Urgemeinde in Jerusalem (so wie Stephanus). Zuvor verkündete Philippus das Wort Gottes in Samarien, dem Gebiet, das von den Juden als aus dem Heilsplan herausgefallen gilt. Zuvor schon waren die Bewohner der Stadt Sychar zum Glauben an Christus gekommen, nachdem Jesus dort mit einer Frau am Jakobsbrunnen ein Gespräch über das lebendige Wasser geführt hat. Als nach Philippus‘ Früchten die Apostel Petrus und Johannes dort hinkommen und den gläubig Gewordenen den Heiligen Geist spenden, erfüllt sich nun, was Jesus schon angekündigt hat. Sie werden mit dem lebendigen Wasser getränkt, das sie nie mehr dürsten lässt.
Und nun ist Philippus also unterwegs, um einen neuen Plan Gottes umzusetzen.
Auf dieser besagten Straße begegnet er nun einem Kämmerer, also einem Schatzmeister, der äthiopischen Königin. Er ist auf dem Rückweg von Jerusalem, wo er angebetet hat. Das zeigt uns: Es handelt sich um einen sogenannten Gottesfürchtigen. Das sind Menschen, die sich dem jüdischen Glauben sehr verbunden wissen, sogar die jüdische Ethik umsetzen, aber den letzten Schritt der Beschneidung und Einhaltung der Torah scheuen.
Er liest laut aus dem Buch Jesaja und Philippus, der die Eingebung bekommt, dem Wagen des Kämmerers zu folgen, spricht ihn an mit der entscheidenden Frage: „Verstehst du auch, was du liest?“
Der Kämmerer ist sehr aufgeschlossen und überhaupt nicht hochmütig. Er sagt offen, dass er es nicht versteht, weil ihm keiner den Sinn davon erschließt. Er hat ein offenes und bereites Herz, nur keinen Lehrer oder Katecheten. Darin ist er ein perfekter Nährboden für die Gnade Gottes.
Der Mann ist auf der Suche. Er strebt nach Erkenntnis und lädt von sich aus Philippus auf seinen Wagen ein.
Dieser erkennt, was für eine messianische Stelle der Kämmerer liest: „Wie ein Schaf wurde er zum Schlachten geführt; und wie ein Lamm, das verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf. In der Erniedrigung wurde seine Verurteilung aufgehoben. Seine Nachkommen, wer wird von ihnen berichten? Denn sein Leben wurde von der Erde fortgenommen.“
Dieser Abschnitt ist aus dem vierten Gottesknechtslied, das wir an Karfreitag gehört haben. Der Kämmerer versteht, dass es eine wichtige Person sein muss, die hier so betrachtet wird. Er möchte verstehen, wer das ist. Ausgehend davon erklärt ihm Philippus, dass es sich mit Jesus Christus erfüllt hat. Er nimmt diesen Wissensdurst und die Offenheit des Kämmerers zum Anlass, das Evangelium Jesu Christi zu verkünden. Was er inhaltlich sagt, wird uns hier nicht überliefert, aber wir können uns denken, was er alles sagt.
Jesus Christus ist dieses makellose Lamm, das sich nicht gewährt hat und das zum Opferlamm für die ganze Welt geworden ist. Er ist wirklich gerecht und ohne Sünde. Er ist für die ganze Menschheit gekreuzigt worden, blieb aber nicht im Tod. Er hat allen Menschen die Erlösung erwirkt und hat gesagt: Wer an mich glaubt und sich taufen lässt, wird auf ewig nicht sterben, wird das ewige Leben haben. Philippus wird von der ersten Urgemeinde, vor allem von den vielen Augenzeugen der Auferstehung berichtet haben. Er wird von den vielen wunderbaren Dingen erzählt haben, die Jesus gesagt und getan hat, von den vielen Heilstaten, Exorzismen und Sündenvergebungen.
Und als sie dann an eine Wasserstelle kommen, sagt der eifrige Kämmerer nun: „Siehe, hier ist Wasser. Was steht meiner Taufe noch im Weg?“ Er bittet von sich aus um die Taufe, doch zuvor erklärt der Diakon ihm die wichtigste Bedingung: „Wenn du aus ganzem Herzen glaubst, ist es möglich.“ Die Taufe ist ein äußeres Zeichen für den inneren Glauben des Menschen. Deshalb wird ein Taufbewerber bis heute vor der Taufe zur Widersagung des Bösen aufgefordert und daraufhin nach dem Glauben an Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist gefragt.
Der Kämmerer antwortet klar und deutlich mit einem Glaubensbekenntnis: „Ich glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist.“
Kurzerhand steigen sie ins Wasser und Philippus tauft den Kämmerer.
Als er wieder auftaucht, hat der Geist den Diakon schon woanders hin entrückt. Das ist ein Charisma, das wir von einigen Heiligen überliefert haben. Dazu ist Gott fähig, der die Naturgesetze geschaffen und deshalb auch überbieten kann. Philippus taucht in Aschdod wieder auf.
Der Kämmerer zieht weiter heim, und zwar voller Freude. Das ist nicht einfach nur eine banale Nebensächlichkeit, sondern es handelt sich dabei um eine tiefgründige Aussage. In den letzten Wochen habe ich immer wieder über die Freude gesprochen, die dem Menschen als übernatürliche Gabe Gottes geschenkt wird und der Inbegriff von Ostern ist. Durch die Taufe ist sie nun auch dem Äthiopier geschenkt worden.
Philippus verkündet und missioniert unermüdlich weiter, bis er nach Cäsarea kommt.

Ps 66
8 Preist unseren Gott, ihr Völker, lasst laut sein Lob erschallen!
9 Er erhielt uns am Leben und ließ unseren Fuß nicht wanken.
16 Alle, die ihr Gott fürchtet, kommt und hört; ich will euch erzählen, was er mir Gutes getan hat.
17 Mit meinem Mund habe ich zu ihm gerufen, da lag das Rühmen mir schon auf der Zunge.
19 Gott aber hat gehört, auf mein drängendes Bittgebet geachtet.
20 Gepriesen sei Gott; denn er hat mein Bittgebet nicht unterbunden und mir seine Huld nicht entzogen.

Die Taufe des Äthiopiers ist ein Grund zum Lobpreis Gottes, der die Menschen wirklich an sich zieht. Er möchte alle Menschen retten und sie zu seinen Kindern machen. Das ist der Sinn ihres Lebens. Die Universalität der Erlösung Jesu Christi wird immer deutlicher, da nun auch „Ausländer“ zum Glauben an ihn kommen.
Der Lobpreis ist besonders, denn die psalmentypische Aufforderung zum Lobpreis richtet sich heute an die „Völker“. Im Hebräischen wird nicht das Wort für heidnische Völker gojim verwendet, sondern עַמִּ֥ים ammim. Dieser Plural bezieht sich auf alle Völker der Erde in ihrer Gesamtheit, ist in der Mehrzahl also ein allgemeiner Begriff. Alle Völker sollen Gott danken für das, was er an seinem auserwählten Volk getan hat. Wir lesen es schon christologisch, was wörtlich hier natürlich erst einmal die Rettung des Volkes Israel aus der Knechtschaft Ägyptens und später aus dem babylonischen Exil meint. Gott hat sein auserwähltes Volk, was nun aus allen Menschen egal welcher Nation besteht, die die Erlösung Jesu Christi annehmen. Die Rettung, die allen Menschen angeboten wird, ist eine Rettung aus dem Exil des irdischen Lebens hinein in das ewige Leben bei Gott!
So ist es wirklich existenziell zu verstehen, wenn es in Vers 9 heißt: „Er erhielt uns am Leben und ließ unseren Fuß nicht wanken.“ Es meint wörtlich zunächst das irdische Leben im verheißenen Land, in politischem Frieden und in einem unbeschwerten, wohlhabenden Leben. Doch mit Christus ist eine neue Etappe erreicht worden: Unser ewiges Leben ist nun erhalten worden, was zuvor nicht der Fall war. Selbst die Gerechten des Alten Testaments durften das Angesicht Gottes nicht schauen, was der Inbegriff des ewigen Lebens ist.
„Alle, die ihr Gott fürchtet, kommt und hört“ bezieht sich heute in ganz besonderer Weise auf den Kämmerer! Eigentlich ist ursprünglich der gottesfürchtige Jude gemeint, der die Torah hält und die Opfer darbringt. Nun geht es über den jüdischen Tellerrand hinaus, denn der Neue Bund ist nicht mehr an eine einzige Nation gebunden. Er steht bereit für alle Menschen guten Willens. Und der äthiopische Kämmerer in der Apostelgeschichte stellt ein wunderbares Beispiel dafür dar. Gott hat ihn gleichsam zu sich gezogen, indem er den Diakon Philippus zu ihm gesandt hat. Dieser hat die Vollmacht, Menschen zu Kindern Gottes zu machen, indem er sie als Gläubige tauft. Wir brauchen die geweihten Männer. Das sehen wir an dieser Lesung noch einmal deutlich. Auch wenn wir zum Glauben an Gott kommen – das Sakrament der Taufe, das unauslöschliche Siegel auf unseren Seelen, das uns das ewige Leben ermöglicht, können wir uns nicht selbst geben. Dafür brauchen wir die Geweihten, also die Bevollmächtigten der Sakramente.
„Mit meinem Mund habe ich zu ihm gerufen, da lag das Rühmen mir schon auf der Zunge.“ Mit dem Mund gerufen haben all jene, die zum Herrn vertrauensvoll ihre Bitten gebracht haben. Da war das Rühmen schon auf der Zunge, weil Gott die Gebete erhört. Jesus hat diese Art von Beten wunderbar vorgelebt, indem er bei der Auferweckung des Lazarus nicht mal ein Bittgebet formuliert. Er dankt dem Vater schon für seine Gebetserhörung, weil er von ganzem Herzen gewiss ist, dass dieser ihm alles gewährt. Mit so einem Vertrauen hat womöglich auch der Kämmerer in Jerusalem gebetet, als er zur Anbetung zum Tempel gegangen ist. Dort gibt es für die Heiden einen eigenen Hof.
Auch Vers 19 bringt dies auf den Punkt. Gott erhört das Bittgebet. Er hat das Schreien seiner geliebten Kinder in Ägypten gehört, die unter der Last der Sklaverei gelitten haben. Er hat das Schreien seiner geliebten Kinder in Babylon gehört, die fernab von ihrer Heimat und ohne Tempel ganz verloren und verzweifelt sind. Er hat das Schreien seines Volkes gehört, das unter den Römern gelitten hat. Aber vor allem hat er den Schrei jener gehört, die sein Angesicht nicht schauen durften, die aus dem Paradies verbannt im Exil der Vorhölle verharren mussten.
Gott sei gelobt und gepriesen, weil er das Gebet der gesamten Menschheit erhört hat. Er hat seinen einzigen Sohn dahingegeben, damit alle Menschen gerettet werden würden auf das ewige Leben hin! Gott ist so gütig und barmherzig, dass unser ganzes Leben eine einzige lobpreisende Antwort auf dieses überwältigende Heil darstellen soll.
Der freudige Duktus dieses Psalms fasst in poetischen Worten die Freude des Neugetauften in der Apostelgeschichte zusammen. Nun kann er sein weiteres Leben ganz im dankenden Lobpreis verbringen, denn er ist als Erbe im Reiche Gottes eingesetzt worden!

Joh 6
44 Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag.
45 Bei den Propheten steht geschrieben: Und alle werden Schüler Gottes sein. Jeder, der auf den Vater hört und seine Lehre annimmt, wird zu mir kommen.
46 Niemand hat den Vater gesehen außer dem, der von Gott ist; nur er hat den Vater gesehen.
47 Amen, amen, ich sage euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben.
48 Ich bin das Brot des Lebens.
49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben.
50 So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben.
51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt.

Im Evangelium hören wir heute einen weiteren Abschnitt aus der wunderbaren Brotrede Jesu in Kafarnaum. Gestern habe ich erwähnt, dass es eigentlich ein Dialog mit den dort versammelten Menschen ist und analog zum Gespräch Jesu mit der samaritanischen Frau am Jakobsbrunnen zu betrachten ist.
Jesus sagt hier etwas Entscheidendes, was einen Bogen zum Kämmerer zieht: „Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht.“ Kornelius hat sich aufrichtig bemüht, die Wahrheit zu erkennen. Er liest laut, er geht nach Jerusalem zur Anbetung. Er sehnt sich nach der Wahrheit, aber er schafft es von sich aus nicht, sie zu erhalten. Der Vater hat ihn wirklich gezogen, zu sich! Dafür hat er den Diakon Philippus zu seinem Werkzeug gemacht. Dieser ist sein Sprachrohr, das Sprachrohr des Heiligen Geistes, der durch ihn spricht und dem Kämmerer die Augen öffnet. So wie der Vater den Sohn gesandt hat (Jesus Christus als Mensch in diese Welt, nun als Leib Christi in jede Heilige Messe), so sendet er in dessen Nachfolge seine Jünger, auf dass sie den Menschen die frohe Botschaft verkünden, die Jesus zuvor verkündet hat.
Er wird jene, die der Vater an sich gezogen hat, auferwecken am jüngsten Tag. Dann werden sie mit Leib und Seele vereint für immer Gottes Angesicht schauen.
Jesus verweist dann auf die Propheten, wo geschrieben steht: „Alle werden Schüler Gottes sein.“ Es bezieht sich auf die Schriftstelle Jes 54,13, die die künftige Herrlichkeit Zions thematisiert. Der Kämmerer ist einer von diesen Schülern und deshalb beauftragt Jesus seine Apostel vor seiner Himmelfahrt auch damit, alle Menschen zu seinen Jüngern zu machen. Wir alle sind anhaltende Schüler in der Schule Gottes. Er lehrt uns durch seinen Heiligen Geist Tag für Tag immer mehr von seiner göttlichen Weisheit. Wir begreifen täglich ein wenig mehr von seiner Offenbarung. Am Ende werden wir ihn dann sehen, wie er ist. Dann brauchen wir keine Unterweisung mehr, sondern werden alles erkennen.
Jesus betont heute noch einmal, dass nur er ein authentische Kunde vom Vater geben kann, weil er beim Vater war, bevor er Mensch wurde. Er ist der Sohn, der am väterlichen Herzen ruht auch jetzt in seiner Zeit auf Erden.
Jesus bringt auf den Punkt, warum der Kämmerer sich taufen ließ und nun voller Freude den Rest seines irdischen Daseins leben kann: Er glaubt an Jesus Christus und dieser Glaube bringt ihn zum ewigen Leben! Das ist der größte Grund zur Freude.
Jesus sagt explizit, dass er das Brot des Lebens ist. Direkt im Anschluss an den Satz über das ewige Leben wird uns klar, dass Jesus damit das Brot des EWIGEN Lebens ist.
Er als Brot des Lebens ist abzugrenzen von dem Manna in der Wüste, was das höchste Brot für die Juden war. Es ist wirklich eine physische Stärkung des Volkes Israels in der Wüstenzeit, aber immerhin kam es vom Himmel. Doch es kann sich nicht mit Christus messen, denn diese physische Stärkung verhinderte nicht, dass die Väter irgendwann gestorben sind.
Wer aber von dem Brot des Lebens isst, hat er das ewige Leben! Das Essen ist eindeutig eucharistisch gemeint. Wenn wir den Leib Christi, der wirklich und real ist, essen, werden wir nicht sterben (zumindest seelisch nicht, bis zum jüngsten Tag, wo auch unser gestorbener Leib wiederhergestellt wird). Das Essen des Leibes ist kein Kannibalismus. Gerne verlinke ich Ihnen hier mein Video, in dem ich erkläre, warum die Eucharistie eben kein Kannibalismus ist und doch das Brot des Lebens wirklich Jesus selbst ist: https://www.youtube.com/watch?v=Pq8dTMK5kT4 (ab Min. 10).
Jesu Brotsein impliziert keinesfalls eine tote Materie. Dieses Brot führt nicht nur zum Leben, sondern ist selbst lebendig.
Er sagt selbst von sich aus, dass er vom Himmel herabgekommen ist. Das ist eine Typologie zum Manna der Wüstenväter mit eben jenem Unterschied, dass er lebendig ist – eine Person! Er spricht seine eigene Präexistenz aus, von der wir im Johannesprolog feierlich bekennen.
Jesus deutet noch eine weitere wichtige Sache an, die Gründonnerstag und Karfreitag miteinander verbindet: Jesus ist das lebendige Brot, das er geben wird – nicht nur im Abendmahlssaal, wenn er die Eucharistie stiften wird. Es ist sein eigenes Fleisch, das er am Kreuz dahingeben wird. Das Fleisch, das ganz zerschunden und bis auf den letzten Tropfen grausam ausgeblutet wird. Es ist wie ein Schächtvorgang bei den Opferlämmern, die für den Jerusalemer Tempel geschlachtet wurden.
Was im Abendmahlssaal gestiftet wird, erfüllt sich erst so richtig am Tag darauf mit dem Opfertod auf Golgota.

Jesus spricht hier schon sehr tiefgründige und existenzielle Dinge an, doch die Menschen werden lange brauchen, das alles zu begreifen. Viele werden sich auch von ihm abwenden, weil sie sagen, seine Worte seien unerträglich. Und doch gibt es immer mehr Menschen, die von seiner Botschaft berührt werden und darin den Sinn ihres Lebens erkennen – und das ewige Leben nur durch den Glauben an Christus ermöglicht sehen.

Wir brauchen das lebendige Brot, das das Fleisch Jesu Christi ist und das er hingegeben hat für das Leben der Welt, für Sie und mich! Danken wir ihm für seine große Liebe, aufgrund der er uns sein Leben geschenkt hat.

Ihre Magstrauss

Dienstag der 2. Osterwoche

Apg 4,32-37; Ps 93,1.2-3.4-5; Joh 3,7-15

Apg 4
32 Die Menge derer, die gläubig geworden waren, war ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam.
33 Mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung Jesu, des Herrn, und reiche Gnade ruhte auf ihnen allen.
34 Es gab auch keinen unter ihnen, der Not litt. Denn alle, die Grundstücke oder Häuser besaßen, verkauften ihren Besitz, brachten den Erlös
35 und legten ihn den Aposteln zu Füßen. Jedem wurde davon so viel zugeteilt, wie er nötig hatte.
36 Auch Josef, ein Levit, gebürtig aus Zypern, der von den Aposteln Barnabas, das heißt übersetzt: Sohn des Trostes, genannt wurde,
37 verkaufte einen Acker, der ihm gehörte, brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.

Gestern hörten wir ein wunderbares Gebet der ersten Christen, in dem sie gar nicht darum bitten, dass ihr Leiden von ihnen genommen werde, sondern dass sie Kraft für das Tragen ihres Kreuzes erhalten.
Heute werden erneut die Zustände in der Jerusalemer Urgemeinde geschildert, wie wir schon am Sonntag gehört haben. Die Gemeindemitglieder sind „ein Herz und eine Seele.“ Ich habe es schon bei der Auslegung von Apg 2 erklärt: Ihre Herzen hängen ganz an Christus, der ihnen diese ganz innige Gemeinschaft schenkt. Sie lieben gemeinsam den Herrn mit ihrem ganzen Sein. Das schweißt sie zusammen. Deshalb haben sie auch alles gemeinsam. Das ist der Stil, den schon die Apostel in den Jahren des Reisens mit Jesus gepflegt haben. Eine brennende Gottesliebe hat eine ebenso brennende Nächstenliebe zur Folge.
„Mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung Jesu, des Herrn, und reiche Gnade ruhte auf ihnen allen.“ Diese Kraft, mit der sie Christus bezeugen, ist ihnen durch den Hl. Geist geschenkt. Dass es nicht von ihnen selbst kommt, können wir an ihrem Verhalten vor dem Pfingstereignis sehen. Die Apostel haben sich wochenlang verbarrikadiert und hatten Angst. Sie haben den tieferen Sinn der Ereignisse auch nicht verstanden. Sie waren ganz kraftlos und ohne Perspektive. Und als Christus kam und ihnen vieles erklärt hat, ist ihnen zwar schon dies und das aufgegangen, aber dennoch waren sie nicht voll der reichen Gnade, wie es in der Lesung heißt. Hätten sie in der Zeit zwischen Himmelfahrt Jesu und dem Pfingstereignis nicht die Mutter Jesu bei sich gehabt, die mit ihnen gemeinsam gebetet und ausgeharrt hat, hätten sie sich womöglich nicht so gut auf das Kommen des Hl. Geistes vorbereiten können.
Die „reiche Gnade“ meint die umfassende Ausstattung mit den Gaben, Früchten und Charismen des Hl. Geistes, die den Aposteln am Pfingsttag geschenkt worden ist.
Diese Geisterfülltheit trägt Früchte im moralischen Lebenswandel des Einzelnen, aber auch als Gemeinde. Die Gemeindemitglieder verkaufen ihren Besitz und geben allen, so viel sie benötigen. So wird uns in der Lesung als Beispiel von einem gewissen Leviten namens Josef berichtet, der seinen Acker verkauft und den Erlös der Gemeinde übergibt. Solche Beispiele zeigen uns, dass diese Worte von Lukas nicht ausgedacht sind als „utopische Charakterisierung“. Es sind Tatsachen.
Wenn wir die Lesung hören, dann begreifen wir, was es heißt: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ (Joh 7,16). Der Geist Gottes drängt zur tätigen Liebe. Er will nicht nur für sich selbst bleiben und egoistisch für sich ausgekostet werden. Die Liebe Gottes weist immer über sich selbst hinaus.

Ps 93
1 Der HERR ist König, bekleidet mit Hoheit; der HERR hat sich bekleidet und mit Macht umgürtet. Ja, der Erdkreis ist fest gegründet, nie wird er wanken.
2 Dein Thron steht fest von Anbeginn, du bist seit Ewigkeit.
3 Fluten erhoben, HERR, Fluten erhoben ihr Tosen, Fluten erheben ihr Brausen.
4 Mehr als das Tosen vieler Wasser, gewaltiger als die Brandung des Meeres ist gewaltig der HERR in der Höhe.
5 Deine Gesetze sind fest und verlässlich; deinem Haus gebührt Heiligkeit, HERR, für alle Zeiten.

Wir beten als Antwort auf die Lesung einen Psalm, der die Thronbesteigung Gottes thematisiert.
„Der HERR ist König, bekleidet mit Hoheit; der HERR hat sich bekleidet und mit Macht umgürtet.“ Gott ist wirklich der König, der Herrscher über das All. Er hat dies vor allem durch das Osterereignis bewiesen, als er den Tod besiegt hat, den größten Feind der Schöpfung.
Wenn es heißt „der Erdkreis ist fest gegründet, nie wird er wanken“, dann setzt dies voraus, dass die Erde Gottes Herrschergebiet ist. Sie wird nicht wanken, weil Gottes Herrschaft nicht wanken wird. Das heißt aber nicht, dass die Erde ewig ist. Gott wird am Ende der Zeiten die Schöpfung rückkehren, um daraufhin einen neuen Himmel und eine neue Erde zu schaffen, eine neue Schöpfung aus dem Hl. Geist. Dann wird Gottes Herrschaft für alle sichtbar sein und Gott wird seinen Widersacher keinen Spielraum mehr lassen. Vielmehr wird er ihn für immer verbannen, sodass ihm keine Macht mehr bleibt.
„Dein Thron steht fest von Anbeginn“, du bist seit Ewigkeit.“ Gottes Herrschaft ist ewig, das heißt sie hat weder einen Anfang noch ein Ende. Gott IST vielmehr der Anfang und das Ende von allem, sodass auch seine Herrschaft ewig ist. Wir lesen in den Thronsaalvisionen des Alten und Neuen Testaments, dass Gottes Thron immer schon dort steht, wenn der Visionär die Vision empfängt. Sowohl Jesaja als auch Johannes in der Johannesoffenbarung betonen, dass der Thron dort schon stand, bevor er in den Thronsaal geführt worden ist.
„Fluten erhoben ihr Tosen, Fluten erheben ihr Brausen.“ Die Schöpfung Gottes ist mächtig und manchmal auch bedrohlich. Gerade Wassermassen haben etwas Ambivalentes an sich. Sie können einerseits lebensspendend sein, doch in der überwältigenden Masse zugleich zum Ertrinken führen.
Die Urflut ist es, über der der Geist Gottes in der Genesis schwebte. Die Sintflut ist es, die die Menschheit vernichtet hat. Es sind auch die Fluten, durch die hindurch das Volk Israel hindurch geschritten ist beim Auszug aus Ägypten. Es ist das Wasser des Jordan, in dem Jesus getauft worden ist. Dort ist der Geist wiederum wie eine Taube auf ihn herabgekommen. Die Fluten sind es auch, auf denen Jesus geschritten ist und Petrus ermutigt hat, es ihm gleichzutun.
Die Wassermassen sind gewaltig und doch steht Gott über ihnen. Er beherrscht sie, „der HERR in der Höhe“.
So wie die Herrschaft Gottes sind auch seine Gesetze fest und verlässlich. Der Mensch kann sich ganz auf sie verlassen und wird nicht enttäuscht werden. Es ist sogar so verlässlich, dass das Gesetz Gottes, die Torah, Mensch geworden ist, um den Menschen sogar vorzuleben, wie es geht. Verlässlicher geht es nicht!
Gott ist wirklich ein Gott für alle Zeiten. Er ist immer derselbe. Er ist immer der Heilige, das heißt „der ganz Andere“. Er ist ganz anders als die Schöpfung und bleibt es auch trotz seiner Menschwerdung in Jesus Christus. Gottes Heiligkeit ist der Grund für die Heiligkeit seiner Kinder. Weil er anders ist, sind es auch die ersten Christen. Wir haben es in der Lesung gehört. Sie führen ein ganz bestimmtes Leben, das man so von anderen nicht kennt. Sie brennen für einander, weil sie für IHN brennen, Christus. Dabei spielt auch für sie keine Rolle, ob sie im 1. Jh.n.Chr. leben oder ob es uns Christen heute betrifft. Heilig zu sein wie Gott ist ein überzeitlicher Auftrag und eine Berufung, die sich aus der Taufe ergibt. Wir können nicht wie die Welt sein, auch wenn wir in der Welt sind. Wir Christen werden im Brennen für Christus immer anders sein. Diese Andersartigkeit wird zu jeder Zeit irgendwem nicht passen. Deshalb wird es immer Anfeindungen geben. Das soll den Christen aber zu keiner Zeit davon abhalten, die brennende Nächstenliebe abkühlen zu lassen. Niemals.

Joh 3
7 Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von oben geboren werden.
8 Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist.
9 Nikodemus erwiderte ihm: Wie kann das geschehen?
10 Jesus antwortete: Du bist der Lehrer Israels und verstehst das nicht?
11 Amen, amen, ich sage dir: Was wir wissen, davon reden wir, und was wir gesehen haben, das bezeugen wir und doch nehmt ihr unser Zeugnis nicht an.
12 Wenn ich zu euch über irdische Dinge gesprochen habe und ihr nicht glaubt, wie werdet ihr glauben, wenn ich zu euch über himmlische Dinge spreche?
13 Und niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn.
14 Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden,
15 damit jeder, der glaubt, in ihm ewiges Leben hat.

Im Evangelium geht das Gespräch mit Nikodemus über die Notwendigkeit einer Neugeburt aus dem Hl. Geist weiter.
Der letzte Vers von gestern wird zunächst wieder aufgegriffen, damit wir wissen, wo das Gespräch weitergeht.
Der Geist Gottes weht, wo er will, und wir wissen nichts über seinen Ursprung oder ein Ziel. Das deckt sich mit dem, was wir im Thronbesteigungspsalm betrachtet haben. Gott ist der Anfang und das Ende. Am Geist als Person der Dreifaltigkeit erkennen wir diese Eigenschaft durch Jesu Worte wieder.
Wenn wir im Geist geboren sind, haben wir unseren Anfang und unser Ziel in Gott. Wir werden zu ewigen Menschen – das heißt ohne Anfang und Ende, gewissermaßen zu „Jetzt-Menschen“, die im Jetzt der Ewigkeit leben, wo es keine Zeit gibt, wo immer „jetzt“ ist, wo immer „heute“ ist.
Nikodemus versteht Jesu Worte nicht.
Und Jesus nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er sagt: „Du bist der Lehrer Israels und verstehst das nicht?“
Gottes Weisheit ist nicht zu begreifen mit menschlicher Anstrengung. Sie wird ansatzweise verständlich oder erahnbar, wo Gottes Geist dem Menschen das Verständnis dafür öffnet. Nikodemus ist noch nicht so weit, dass er diese Weisheit versteht. Bei ihm ist es aber weniger das Unvermögen. Vielmehr ist es seine Haltung, die Christus kritisiert. Denn er sagt:
„Was wir wissen, davon reden wir, und was wir gesehen haben, das bezeugen wir und doch nehmt ihr unser Zeugnis nicht an.“ Nikodemus nimmt es nicht an. Er öffnet sich noch nicht für die göttliche Weisheit.
Warum aber spricht Jesus in Wir-Form an dieser Stelle? Die Jünger können kaum gemeint sein, denn Zeugnis legt Jesus ab, der am Herzen des Vaters geruht hat. Man könnte höchstens Johannes den Täufer hier vermuten, mit dem er denselben bezeugt. Anderseits hat Johannes Zeugnis für Christus abgelegt. Was ist also gemeint? Jesus spricht hier dreifaltig. Der Sohn und der Geist legen Zeugnis ab für den Vater! Er hat ja das Gespräch hindurch vom Geist Gottes gesprochen. Dieser ist es, der zusammen mit ihm Zeugnis ablegt. Deshalb spricht Jesus in Wir-Form.
Jesus kritisiert die mangelnde Einsicht des Nikodemus, die schon bei irdischen Themen fehlt. Wie soll er also diese geistigen Themen verstehen, die Jesus ihm in dem Gespräch geteilt hat. Nikodemus kommt bei dem Gespräch wirklich schlecht weg, aber das tut Jesus, um ihn aufzurütteln. Er möchte, dass Nikodemus ihn versteht und endlich aus dem Geist heraus denkt. Er möchte, dass Nikodemus zu einem brennenden Jünger Jesu wird.
Jesus ist wirklich derjenige, der über den Himmel ganz zuverlässige Aussagen machen kann. Er ist schließlich von dort auf die Erde gekommen. Und er wird erhöht werden wie die Schlange, die Mose hat aufstellen lassen, damit die Menschen von den Schlangenbissen in der Wüste nicht sterben. Er sagt Nikodemus ganz unverblümt, dass er den Menschen das ewige Leben ermöglichen kann, wenn sie an ihn glauben. Das sind ganz tiefe Gedanken, die Nikodemus noch nicht versteht. Die Nacht, in der sie sich getroffen haben, passt zu der Dunkelheit seines Verständnisses. Noch ist er nicht soweit. Doch der Geist Gottes wird auch ihn an alles erinnert haben, was Jesus gesagt und getan hat. Auch in ihm wird die Sonne aufgegangen sein. Er wird alles verstanden haben und dafür dann mutig Zeugnis abgelegt haben.

Wir sind oft wie Nikodemus und tappen im Dunkeln, obwohl Jesus es uns ganz deutlich erklärt. Dann müssen wir geduldig daran festhalten und auf Christus vertrauen, bis wir nach und nach diese Dinge verstehen.

Ihre Magstrauss

Montag der 2. Osterwoche

Apg 4,23-31; Ps 2,1-3.4-6.7-9; Joh 3,1-8

Apg 4
23 Nach ihrer Freilassung gingen sie zu den Ihren und berichteten alles, was die Hohepriester und die Ältesten zu ihnen gesagt hatten.
24 Als sie das hörten, erhoben sie einmütig ihre Stimme zu Gott und sprachen: Herr, du hast den Himmel, die Erde und das Meer geschaffen und alles, was sie erfüllt;
25 du hast durch den Mund unseres Vaters David, deines Knechtes, durch den Heiligen Geist gesagt: Warum tobten die Völker, warum machten die Nationen nichtige Pläne?
26 Die Könige der Erde standen auf und die Herrscher haben sich verbündet gegen den Herrn und seinen Christus.
27 Wahrhaftig, verbündet haben sich in dieser Stadt gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hast, Herodes und Pontius Pilatus mit den Heiden und den Stämmen Israels,
28 um alles auszuführen, was deine Hand und dein Wille im Voraus bestimmt haben, dass es geschehe.
29 Doch jetzt, Herr, sieh auf ihre Drohungen und gib deinen Knechten, mit allem Freimut dein Wort zu verkünden!
30 Streck deine Hand aus, damit Heilungen und Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Knechtes Jesus!
31 Als sie gebetet hatten, bebte der Ort, an dem sie versammelt waren, und alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und sie verkündeten freimütig das Wort Gottes.

Heute hören wir davon, wie die Apostel sich nach ihrer Freilassung verhalten. Sie sind alles andere als eingeschüchtert. Sie berichten „den Ihren“, also den anderen Aposteln und Jüngern Jesu, von den Ereignissen.
Diese reagieren ganz vorbildlich – sie hadern nicht mit Gott oder verlieren den Glauben beim ersten Widerstand, sondern sie gehen damit sofort ins Gebet. Sie suchen den Kontakt zum Herrn und sprechen ganz im Psalmenstil, so wie sie es als fromme Juden gewohnt sind:
Dabei beginnen sie mit einem Lobpreis. Das ist nicht einfach zu überlesen oder zur Kenntnis zu nehmen, sondern wir müssen das ernst nehmen. Ganz unabhängig davon, wie es uns geht, was wir in unserem Leben durchmachen, Gott sei immer gelobt und gepriesen. Den Lobpreis schulden wir ihm immer! Dieser hängt nicht von unserem eigenen Befinden ab. Es gibt ja immer etwas, wofür wir ihm danken können, schon allein für die Existenz und für die Schöpfung. Und so beginnt ihr Gebet mit einem Lobpreis der Schöpfung Gottes.
Sie thematisieren daraufhin die Psalmen, die Gott König David eingegeben hat. Dabei zitieren sie den Beginn von Psalm 2, den sie auf ihre momentane Situation beziehen. Wir werden diesen Psalm nachher beten.
Der Psalm beginnt mit den Worten: „Warum toben die Völker, ersinnen die Nationen nichtige Pläne?“ Eigentlich geht es hier um die heidnischen Völker, die sich gegen Gott erheben (גֹויִ֑ם gojim). Umso schärfer ist die Kritik an jenen, die die Apostel haben festnehmen lassen. Sie benehmen sich, als ob sie Gott nicht kennen würden. Im zweiten Teil des Verses wird der Begriff וּ֝לְאֻמִּ֗ים ule’ummim gebraucht, wobei es keine bestimmte Einschränkung in „jüdisch“ und „nichtjüdisch“ umfasst. Es ist offen gehalten.
Auch den zweiten Vers dieses Psalms beten sie gemeinsam, wo es laut Apg heißt: „Die Könige der Erde standen auf und die Herrscher haben sich verbündet gegen den Herrn und seinen Christus.“ Es ist bemerkenswert, wie sie diese Psalmworte durch eine kleine Veränderung als erfüllt voraussetzen: Im Psalm selbst wird der Vers noch zukünftig gehalten, was wir an den hebräischen Verbformen erkennen können. Hier wird es nun als bereits geschehen formuliert. Wir sehen auch heute wieder, dass durch die Gabe des Hl. Geistes die Jünger Jesu Christi Dinge begreifen, die schon längst vorbereitet worden sind. Wie Jesus es ihnen angekündigt hat, erinnert der Geist Gottes sie an alles, was er gesagt und getan hat. Sie kombinieren dies mit der Hl. Schrift, mit den Verheißungen, den Ankündigungen und Warnungen des AT.
In Vers 27 wenden sie diese Psalmworte nun ganz explizit auf jene an, die für den Tod Christi verantwortlich sind: auf Pilatus, Herodes, die Nationen (die Heiden, also hier die Römer) und auf die Stämme (also die Juden, die „Kreuzige ihn!“ geschrien haben). Sie erkennen, dass die Geschehnisse um Christus herum eine einzige Auflehnung gegen Gott dargestellt hat. Dadurch, dass sie hier alles auf Christus beziehen, setzen sie voraus, dass die Anfeindungen gegen sich selbst eine logische Konsequenz der Anfeindung Christi sind. Schließlich folgen sie ihm nach und führen sein Evangelium weiter.
Was mit Christus passiert ist, musste geschehen. Jetzt nach dem Pfingstereignis begreifen die Apostel dies. Es musste so kommen, damit die universale Erlösung überhaupt erwirkt werden konnte.
Und dann formulieren sie Bitten, die überraschenderweise nichts von einer Schutzbitte erkennen lassen. Sie streben gar nicht die Verschonung ihres Lebens an. Sie gehen davon aus, ebenfalls in Gefahr zu geraten für die Botschaft, die Christus ans Kreuz gebracht hat. Was sie erbitten, ist das Wirken Gottes in Wort und Tat, damit so viele Menschen wie möglich zum Glauben an ihn kommen!
Sie bitten den Herrn nicht darum, das Leid von ihnen zu nehmen, sondern um Kraft, es tragen zu können! Sie beten um Freimut, ungetrübt das Evangelium Jesu Christi verkünden zu können.
Ihnen geht es zuerst um das Reich Gottes, wie es Christus geboten hat.
Als sie ihr kraftvolles Gebet beenden, bebt der Ort, an dem sie versammelt sind. Das ist ein Zeichen der Gegenwart Gottes. Sie werden mit dem Hl. Geist erfüllt und verkünden freimütig das Wort Gottes. Der Herr schenkt ihnen wirklich die Gnaden, die sie erbitten, weil sie in rechter Absicht bitten. Ihr Gebet ist ganz selbstlos und allein von der Verbreitung der frohen Botschaft bestimmt. Deshalb zögert Gott nicht, sie in Überfülle zu beschenken.

Ps 2
1 Warum toben die Völker, warum ersinnen die Nationen nichtige Pläne?
2 Die Könige der Erde stehen auf, die Großen tun sich zusammen gegen den HERRN und seinen Gesalbten:
3 Lasst uns ihre Fesseln zerreißen und von uns werfen ihre Stricke!
4 Er, der im Himmel thront, lacht, der HERR verspottet sie.
5 Dann spricht er in seinem Zorn zu ihnen, in seinem Grimm wird er sie erschrecken:
6 Ich selber habe meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berg.
7 Den Beschluss des HERRN will ich kundtun./ Er sprach zu mir: Mein Sohn bist du. Ich selber habe dich heute gezeugt.
8 Fordere von mir und ich gebe dir die Völker zum Erbe und zum Eigentum die Enden der Erde.
9 Du wirst sie zerschlagen mit eisernem Stab, wie Krüge aus Ton wirst du sie zertrümmern.

Nun beten wir diesen Psalm, den die Apostel angeschnitten haben.
Es ist noch zukünftig formuliert (die grammatikalische Form lässt beide Zeitformen zu – Präsens und Futur).
Das Thema ist die Auflehnung und das Spinnen von Intrigen gegen Gott. Die Heiden machen Pläne gegen Gott und meinen, dass sie sich mit ihm anlegen können, der der Allmächtige ist. Dabei sind es „nichtige Pläne“.
Die Mächtigen dieser Welt versuchen eine Rebellion gegen Gott und seinen Gesalbten. In Davids Fall müssen wir sagen, es handelt sich um nichtjüdische Völker, die Israel besiegen wollen, obwohl Gott und sein gesalbter König David sich nur besiegen können. Wir beziehen es durch die Apostelgeschichte aber auch auf den Gesalbten schlechthin, auf Christus, den Sohn Gottes. Nun sind es die Gegner Jesu in Jerusalem. Im weiteren Sinne muss diese Feindseligkeit aber auf die ganze Welt ausgeweitet werden, denn Christus ist für alle Menschen gestorben. Wer sich gegen ihn auflehnt, rebelliert gegen Gott. Das passiert jedesmal, wenn wir Menschen sündigen. Wir verletzen den Herrn und lehnen uns gegen ihn auf. Dann sind wir nicht besser als jene, die Jesus ans Kreuz gebracht haben. Deshalb sagen wir auch, dass Jesus all die Leiden für uns am Kreuz auf sich genommen hat.
Diese Auflehnung gegen Gott erreich globale Dimensionen. Am Ende der Zeiten wird er nur einmal kurz eingreifen müssen und ihr nichtiger Plan zerfällt wie Staub, fällt in sich zusammen wie ein mikriges Kartenhaus.
Es ist im Grunde lächerlich, dass kleine Menschlein, die Gott selbst geschaffen hat, sich nun mit ihm messen wollen und sich einbilden, ihn besiegen zu können. Gott kann nur lachen (Vers 4).
Dann wird er in seinem Zorn sprechen – es ist sein Eingreifen in die Ungerechtigkeit der Weltgeschichte. Er wird den Menschen vorhalten, was sie ignoriert und verkannt haben: seinen eigens eingesetzten König für Zion. Dies ist wörtlich erst einmal auf den König von Juda zu beziehen, David, den sich Gott selbst ausersehen hat. Gott wird den Menschen vorwerfen, dass sie ihn nicht geachtet haben. Und wir beziehen es im weiteren Sinne und in Erfüllung dieses irdischen Königtums auf Christus, den König des himmlischen Zion, dem Reiche Gottes! Ihn haben die Menschen verkannt, indem sie voller Spott die Kreuzestafel mit dem Vorwurf angebracht haben „König der Juden“, aber nicht geglaubt haben, dass er tatsächlich ein König ist – nicht nur irgendeiner, sondern der König der Könige!
Noch viel mehr als mit David ist Gott der Vater mit seinem Sohn Jesus Christus.
Von ihm kann er wirklich wortwörtlich sagen: „Mein Sohn bist du. Ich selber habe dich heute gezeugt.“
Das „Heute“ ist ein entscheidendes Stichwort für die Ewigkeit. Bei Gott gibt es keine Zeit mehr. Diese ist eine irdische Kategorie, die Gott geschaffen hat (siehe Schöpfungsbericht in der Genesis durch die Himmelskörper und das Licht).
Der Sohn ist vor aller Zeit gezeugt worden, nicht geschaffen. Jesus ist wirklich der Sohn Gottes und somit ihm gleich. Das kann kein Geschöpf von sich sagen. Deshalb ist es mikrig, was die Menschen in Auflehnung gegen Gott alles versuchen…
Jesus kann von seinem Vater alles fordern, denn sie sind eins. Gott gibt ihm die Völker zum Erbe. Es meint die heidnischen Völker. Jesus werden sie aber nicht übergeben, um sie zu zerstören, sondern um sie zu Erben des Reiches Gottes zu machen! Er ist gekommen, damit jeder gerettet werde, bis zu den Enden der Erde!
Und wer bis zum Schluss Jesus ablehnt, der wird am Ende wie Ton zerschlagen. Das ist ein Bild für das Gericht Gottes. Gott nimmt die Menschen ernst. Wenn sie sich in aller Freiheit gegen ihn entscheiden, müssen sie die Konsequenzen ihrer Entscheidung tragen. Der eiserne Stab Christi ist ein Code für den Messias. Er wird auch bei den messianischen Verheißungen des Buches Jesaja aufgegriffen. Demnach wird der Messias mit eisernem Zepter herrschen.
Aus dem eisernen Stab wird mit der Zeit das zweischneidige Schwert. Es handelt sich nicht um ein echtes Schwert aus Metall, sondern um das Wort Gottes, das dadurch bildhaft ausgesagt wird. Christus herrscht mithilfe des Wortes Gottes. Was nicht gut ist am Menschen, wird dadurch zerschnitten und das ist schmerzhaft. Es schneidet dabei aber in die Seele ein, nicht in den Körper des Menschen. Das ist das Schmerzhafte daran.

Joh 3
1 Es war da einer von den Pharisäern namens Nikodemus, ein führender Mann unter den Juden.
2 Der suchte Jesus bei Nacht auf und sagte zu ihm: Rabbi, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, wenn nicht Gott mit ihm ist.
3 Jesus antwortete ihm: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht von oben geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.
4 Nikodemus entgegnete ihm: Wie kann ein Mensch, der schon alt ist, geboren werden? Kann er etwa in den Schoß seiner Mutter zurückkehren und noch einmal geboren werden?
5 Jesus antwortete: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus dem Wasser und dem Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.
6 Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist.
7 Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von oben geboren werden.
8 Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist.

Im Evangelium wird uns von einem nächtlichen Gespräch erzählt, das Jesus mit einem Hohepriester des Hohen Rates geführt hat. Nikodemus ist „ein führender Mann unter den Juden“. Er ist Jünger Jesu, aber nur heimlich aufgrund seiner hohen Position.
Wir merken insgesamt, dass er in dem Gespräch die wichtigsten Dinge nicht begreift. Es ist wir ein Armutszeugnis für die religiöse Elite Israels zur Zeit Jesu. Und doch möchte der Mann Jesus verstehen und Jesus versucht alles, um ihm den Kern seiner Botschaft verständlich zu machen.
Warum hören wir dieses Gespräch in der Osterzeit? Wir haben in den letzten Tagen immer wieder realisiert, dass die einzig angemessene Reaktion auf das Osterereignis das Kommen zum Glauben an Christus sein kann. Es ist die Bejahung und das Eingehen des Neuen Bundes mit Gott, den Christus am Kreuz besiegelt hat. Und dies geschieht durch das Sakrament der Taufe. Deshalb hörten wir bereits viele Passagen aus der Apostelgeschichte, die die vielen Taufen direkt nach der Gabe des Hl. Geistes schildert.
Schauen wir uns das Gespräch im Einzelnen an:
Nikodemus bekennt zu Anfang des Dialogs, dass er an den göttlichen Ursprung Christi glaubt. Er erkennt an, dass dessen Heilstaten dies beweisen. Er zeigt dadurch, dass er anders ist als die anderen Männer des Sanhedrin. Er lässt sich auf Christus ein und setzt sich mit allem auseinander.
Jesus sagt ihm daraufhin einen wichtigen Satz, den er gründlich missversteht:
„Wenn jemand nicht von oben geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ Was Jesus damit meint, ist die Wiedergeburt aus dem Hl. Geist, die durch die Taufe erwirkt wird. Dann werden wir nämlich zu Erben eingesetzt in seinem Reich. Neugeboren zu so einem geistlichen Leben haben die Menschen erst die Chance auf das Himmelreich. Es ist ein Wort, dass Christus nicht nur zu Nikodemus sagt, sondern auch zu uns, die wir manchmal vergessen, was für ein Geschenk uns durch die Taufe geschenkt worden ist. Es gilt auch jenen, die nicht getauft sind und meinen, dass sie es nicht nötig hätten.
Nikodemus versteht es wie gesagt falsch, denn er nimmt die Worte Jesu wörtlich: Natürlich kann ein erwachsener Mensch nicht in den Schoß seiner Mutter zurückkehren. Das ist natürlich unmöglich. Jesus meint ja eine geistliche Wiedergeburt, keine erneute Geburt aus dem Fleisch.
Diese Unterscheidung versucht er nun, Nikodemus klarzumachen:
Die Geburt, die Jesus meint, ist aus dem Wasser und dem Geist. Es ist das lebendige Wasser, das durch das Taufwasser symbolisiert wird und den Antitypos der Urflut sowie der Sintflut darstellt, ebenso einen Antitypos zum Roten Meer, durch das die Israeliten beim Auszug aus Ägypten gezogen sind.
Der Geist Gottes ist den Menschen an Pfingsten gegeben worden, sodass sie zu neuen Menschen geboren worden sind. Ein besonders eindrückliches Beispiel stellt Petrus dar. Wir sehen, dass der alte Petrus am See von Tiberias ein komplett anderer Petrus ist als jener, der am Pfingsttag durch seine brennende Rede 3000 Menschen zur Taufe geführt hat.
Besonders in Vers 6 macht Jesus den Unterschied klar, dass wer aus dem Fleisch geboren ist, Fleisch ist und wer aus dem Geist geboren ist, Geist ist. Mit „Fleisch“ und „Geist“ ist mehr gemeint als wirklich nur das Fleisch des Menschen. Es ist ein Stichwort, das ganz nach biblischem Stil den ganzen Menschen meint, seine gefallene Natur durch den Sündenfall des ersten Menschenpaares. Wer aus dem Fleisch geboren ist, also in diese Welt auf biologische Weise eingegangen ist, unterliegt noch dieser sündigen Natur. Gott hat alles gut geschaffen und die Welt ist sein Werk. Aber durch die Sünde hat der Mensch die gute Schöpfung Gottes pervertiert. Dieses Gefallene ist hier mit „Fleisch“ gemeint, sodass man sich vor einer leibfeindlichen Interpretation hüten muss.
Mit Geist ist der Hl. Geist gemeint, der das ewige Leben schenkt und die Sphäre Gottes kennzeichnet.
Wer aus dem Geist geboren ist, lebt schon mit Blick auf dieses ewige Leben. Er ist vom Geist erfüllt, der im inneren Tempel Wohnung nimmt. Dieser kann wieder abhanden kommen, wenn der Mensch in Todsünde fällt, doch Gott ist so barmherzig, dass er durch das Sakrament der Versöhnung die Möglichkeit der Rückkehr zur Taufgnade schenkt.
Mit Geist ist nicht die Seele des Menschen gemeint, die ja unsterblich ist. Diese ist dem Menschen ja schon durch die biologische Geburt eingegeben. Es meint vielmehr den Hl. Geist, der einen erfüllt.
Moralisch heißt das, dass wir Menschen ohne den Blick auf die Ewigkeit, materialistisch und atheistisch leben, wenn wir „fleischlich“ leben. Wenn wir aber unser ganzes Leben auf die Ewigkeit ausrichten und uns stets bewusst machen, dass unser jetziges Leben Auswirkungen auf die Ewigkeit hat, dann leben wir „geistlich“.
Jesus sagt zu Nikodemus: „Wundere dich nicht“, doch ob der Pharisäer Jesu Erläuterung wohl verstanden hat? „Von oben geboren werden“ meint, vom Himmel her, der aber nicht das Gewölbe über einem meint, sondern die Sphäre Gottes.
Wir werden nie so sein wie Christus, der als einziger wirklich von Gott vor aller Zeit gezeugt worden ist. Wir bleiben Geschöpfe Gottes. Dieser Einwand ist hier klar zu benennen, denn es gibt genug Strömungen auch in katholischen Kreisen, die diese Grenze kühn zu überschreiten versuchen…
Zum Schluss führt Jesus deshalb einen Vergleich an, bei dem er den Hl. Geist mit dem Brausen des Windes vergleicht: Dieser weht, wo er will. Mein weiß nicht, woher er kommt und wohin er geht.
So ist es mit dem geistlichen Menschen, das heißt dem Getauften. Er hat weder einen irdischen Ursprung noch ein irdisches Ziel. Seine Herkunft ist Gott und sein Ziel ist Gott. Wir denken an Melchisedek, den Typos Christi. Schon von ihm ist dies alles nicht bekannt, was uns einen Hinweis auf seine Geistlichkeit gibt. Christus selbst hat seinen Ursprung in Gott und ebenso sein Ziel, auch wenn er selbst als Gott noch einmal zu unterscheiden ist von uns Getauften. Es sind wichtige Gedanken zum übernatürlichen Leben, das wir als dennoch Irdische begehen. Es ist eine Spannung, die deshalb durch den Grundsatz getragen wird „in dieser Welt, doch nicht von dieser Welt“.
Die „Welt“ meint dabei immer die gefallene Welt, die nicht auf die Ewigkeit ausgerichtet ist.

Diese Welt ist geprägt von der Auflehnung gegen Gott und seinen Gesalbten. Davon hörten wir bereits in der Lesung und im Psalm. Es geht auch nicht anders. Die Welt steht unter dem Einfluss des Widersachers. Er ist entmachtet, aber es bleibt ihm gewisse Macht, die Menschen von Gott wegzuziehen. Seine Versuche sind lächerlich, weil auch er nur Geschöpf ist so wie die Menschen, die seine Marionetten sind. So ist aber verständlich, warum die „Welt“ zum Gegensatz des Geistes Gottes wird. Wo wir die Widerstände erfahren, müssen wir umso mehr um den Beistand Gottes bitten. Mit ihm in uns können wir nur gewinnen, denn es ist Gott, der gegen den Bösen den Kampf austrägt. Damit die Menschen nicht mehr Marionetten des Bösen sind, muss es unser Anliegen sein, alle Menschen zu Jüngern Jesu zu machen, das heißt sie zur Wiedergeburt im Hl. Geist führen wie Petrus. Die Taufe ist heilsnotwendig.

Hadern wir nicht mit Gott und seien wir uns selbst nicht zu schade, mit den Mitteln, die uns der Geist geschenkt hat, Christus mutig zu bekennen. An uns soll die Osterfreude und das Wirken des „brausenden Windes“ ablesbar sein.

Ihre Magstrauss

Dienstag der Osteroktav

Apg 2,14a.36-41; Ps 33,4-5.18-19.20 u. 22; Joh 20,11-18

Apg 2
14 Da trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden:
36 Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Christus gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.
37 Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?
38 Petrus antwortete ihnen: Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung eurer Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.
39 Denn euch und euren Kindern gilt die Verheißung und all denen in der Ferne, die der Herr, unser Gott, herbeirufen wird.
40 Mit noch vielen anderen Worten beschwor und ermahnte er sie: Lasst euch retten aus diesem verdorbenen Geschlecht!
41 Die nun, die sein Wort annahmen, ließen sich taufen. An diesem Tag wurden ihrer Gemeinschaft etwa dreitausend Menschen hinzugefügt.

Ostern ist das größte Fest der Christenheit. Deshalb feiern wir es eine ganze Oktav lang, also acht Tage. Heute am Dienstag der Osteroktav hören wir die Fortsetzung der Pfingstpredigt des Petrus. Gestern hat er bereits eine heilsgeschichtliche Rückschau der Osterereignisse vorgenommen.
Heute beendet er seine Rede, indem er erklärt:
„Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Christus gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.“ Ich erklärt schon gestern, was Petrus damit meint, wenn er die Zuhörer als Henker Jesu bezeichnet. Sie haben sich durch ihr „Kreuzige ihn“, durch das Manipuliertwerden und das Mitläufertum, durch die Verspottung des Ohnmächtigen am Kreuz.
Es geht ihm nicht darum, jemanden dadurch fertig zu machen. Er tut es vielmehr, damit die Menschen erkennen, wo sie gefehlt haben, und dadurch umkehren.
Und was er sagt, trifft sie mitten ins Herz. Sie erkennen vor dem Hintergrund der Heiligen Schrift, dass Jesus der angekündigte Messias ist. Sie realisieren, dass sie nicht mehr so leben können wie zuvor. Und deshalb fragen sie Petrus und die anderen Apostel:
„Was sollen wir tun, Brüder?“
Die Antwort ist klar: „Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung eurer Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“
Mit „Umkehr“ ist die gläubige Hinkehr zu Jesus Christus gemeint. Als äußeres Zeichen dieses Gekommenseins zum Glauben an ihn sollen sie sich taufen lassen. Jesus hat seinen Aposteln vor seiner Heimkehr zum Vater aufgetragen, alle Menschen zu seinen Jüngern zu machen und diese zu taufen. Petrus setzt also mit seiner Antwort gehorsam das um, was Jesus ihnen vorgegeben hat.
Die Taufe ist kein Zeichen der vorbereitenden Buße mehr wie bei Johannes dem Täufer. Es ist eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wer getauft wird, wird reingewaschen von seinen Sünden! Warum? Weil der Mensch auf den Tod Jesu Christi getauft wird und durch seinen Kreuzestod ist ja die Sühne für die Sünden aller Menschen erwirkt worden!
In diesem versöhnten Zustand sind sie dann empfängnisbereit für den Heiligen Geist, der ihnen in dem Sakrament geschenkt wird (man muss dazu sagen, dass Taufe und Firmung zunächst eins waren, aber natürlich wird der Hl. Geist einem schon allein bei der Taufe gespendet!). Dieser erwirkt die geistliche Wiedergeburt, denn die Getauften werden zum ewigen Leben bei Gott neugeboren.
Alle Menschen sind dazu berufen, dieses Heil zu empfangen, denn Jesus ist für sie alle gestorben.
So ermutigt Petrus die Zuhörerschaft, diesen Schritt zu unternehmen, unter anderem mit den Worten „Lasst euch retten aus diesem verdorbenen Geschlecht.“ Er meint damit die Menschheit der alten, gefallenen Natur. Diese hat nun die Chance, von diesem Zustand des ewigen Todes in das ewige Leben hinüberzugehen. Die Schwelle ist Jesus Christus, der Auferstandene von den Toten.
Petrus‘ Worte sind überzeugend. Dreitausend Menschen lassen sich an diesem einen Tag taufen! Der Geist Gottes hat am Pfingsttag vielen Menschen die Augen geöffnet!

Ps 33
4 Denn das Wort des HERRN ist redlich, all sein Tun ist verlässlich.
5 Er liebt Gerechtigkeit und Recht, erfüllt von der Huld des HERRN ist die Erde.
18 Siehe, das Auge des HERRN ruht auf denen, die ihn fürchten, die seine Huld erwarten,
19 dass er ihre Seele dem Tod entreiße und, wenn sie hungern, sie am Leben erhalte.
20 Unsre Seele hofft auf den HERRN; er ist unsere Hilfe und unser Schild.
22 Lass deine Huld über uns walten, HERR, wie wir auf dich hofften!

Der Psalm reflektiert Gottes Heilsplan und Gottes verlässliche Taten. Er ist treu und hält sich an seine Versprechen, auch wenn wir ihm untreu werden.
Gott liebt die Gerechtigkeit und das Recht. Das ist für uns keine Drohbotschaft im Sinne eines strengen Richterbildes. Gott sorgt schon für Gerechtigkeit, wo wir Unrecht erleiden. Sein Recht setzt sich durch, auch wenn es in unserem Leben aktuell nicht so erscheinen mag. Das ist eine totale Trostbotschaft.
Auch die Rede vom „Auge des HERRN“ muss als Geborgenheitsausdruck verstanden werden. Gott sieht auf die Gottesfürchtigen, die sich um den Stand der Gnade bemühen. Die anderen verstecken sich wie Adam und Eva im Garten Eden oder meinen, Gott sehe sie nicht. Er sieht alles und jeden. Gemeint ist aber, dass die Gottesfürchtigen eine Beziehung zu Gott haben und er in ihrem Leben Gutes wirkt, denn sie heißen ihn willkommen. Gott entreißt ihre Seele dem Tod (נַפְשָׁ֑ם nafscham, also eigentlich „ihr Leben“, denn nefesch meint immer das gesamte Leben, nicht nur einen Teil). Gott entreißt auch unser Leben dem Tod – sowohl dem moralischen Tod durch die regelmäßige Sündenvergebung im Beichtsakrament als auch vom ewigen Tod am Ende des Lebens. Wenn wir uns nämlich voller Glauben immer um den Stand der Gnade, um eine gute Beziehung zu Gott bemühen und mit einem umkehrbereiten Herzen durchs Leben gehen, dann wird seine Barmherzigkeit uns auffangen, sodass wir den ewigen Tod nicht schauen müssen.
Gott erhält die Gottesfürchtigen am Leben, wenn sie hungern. Dies ist wörtlich zu verstehen im Sinne von Segen im Leben. Gott sorgt dafür, dass man genug zu essen hat, wenn man seinen Willen tut. Jesus wird es später aufgreifen, wenn er sagt: „Zuerst muss es euch um das Reich Gottes gehen. Alles Andere wird euch dazugegeben.“ Und auch wir Christen werden am Leben erhalten, denn Gott nährt uns nicht nur leiblich, sondern auch mit seinem Wort Gottes in Schrift und Sakrament, in der Eucharistie! Beides nährt uns auf unserem Lebensweg seelisch, sodass die Seele nicht stirbt, ebenso wenig die Hoffnung! In erster Linie schenkt er uns das ewige Leben durch die Taufe, von der wir in der Apostelgeschichte gehört haben!
Und die hier im Psalm thematisierte Hoffnung ist eine Hoffnung auf Gott, der „Hilfe und Schild“ ist. Gott leitet nicht nur den Weg, er beschützt auch auf diesem Weg, er unterstützt uns mit seiner helfenden Gnade, damit wir trotz unserer Schwächen den Willen Gottes in unserem Leben umsetzen können.
Wie König David beten auch wir um Gottes Huld, möge er uns die Gnade schenken, die wir unsere ganze Hoffnung auf ihn setzen! Er kann uns nicht enttäuschen, denn er ist Gott. Er hat seinen einzigen Sohn nicht im Tod gelassen, er wird auch uns, die wir durch die Taufe zu seinen Kindern geworden sind, nicht im Tod lassen.

Joh 20
11 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein.
12 Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten.
13 Diese sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben.
14 Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war.
15 Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn holen.
16 Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister.
17 Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.
18 Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.

Heute hören wir noch einmal einen Ausschnitt aus dem Osterevangelium. Maria Magdalena bleibt am Grab. Sie hat Jesus sehr geliebt und so weint sie an seinem offenen Grab. Sie hat offensichtlich noch nicht verstanden, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Als sie hineinsieht, erblickt sie zwei Engel, die sie nach ihren Tränen fragen. Sie erklärt daraufhin, dass sie ratlos ist, weil der Leichnam Jesu irgendwo hingebracht worden ist.
Nun tritt Jesus selbst an sie heran. Sie hat die Ehre, ihm zuerst zu begegnen. Ihr wird diese große Gnade zuteil, weil sie ihn mit so inniger Liebe geliebt hat.
Auch er fragt sie, warum sie weint. Sie erkennt den Auferstandenen zunächst nicht, denn sein Auferstehungsleib ist anders als vor seinem Tod. Sie denkt, es sei der Gärtner. Deshalb fragt sie ihn, wohin er den Leichnam Jesu gelegt habe. Erst als Jesus sie beim Namen nennt (ein unbekannter Gärtner wird schwerlich ihren Namen gekannt haben!), erkennt sie den auferstandenen Jesus.
Wir lesen zwar nicht davon, aber offensichtlich möchte sie Jesus voller Freude festhalten. Er ist aber noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Das heißt, dass sie Jesus ganz festhalten darf und soll, wenn er zum Vater in den Himmel aufgefahren ist. Jetzt ist er mal hier und da und vor allem: Er ist noch nicht verherrlicht.
Jesus hat eine wichtige Aufgabe für sie. Sie soll seinen Aposteln, dem engsten Jüngerkreis die Osterbotschaft bringen, dass er lebt und vor allem, dass er heimgehen muss „zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott“. Das ist ein wichtiger Hinweis. Als Jesus vor den Aposteln das Mahl des Neuen Bundes etabliert hat, hat er schon angedeutet, dass dadurch ein neuer Bund geschlossen werde. Sie sind nun Erlöste, sie sind zu Kindern Gottes geworden. Jesus hat ihnen das Vaterunser beigebracht und somit schon sensibilisiert, was durch seine Erlösungstat nun Realität geworden ist: Sie sind Kinder Gottes und dürfen Gott ihren Vater nennen! Sie gehören nun zur Familie Gottes, sodass nicht mehr nur Jesus Gott seinen Vater nennt, sondern auch die Apostel es tun dürfen. Das betrifft alle, die den Glauben an Jesus Christus angenommen haben und sich haben taufen lassen. Wir sind nun Teil der Familie Gottes und wir dürfen Gott unseren Vater nennen. Jesus ist nicht nur unser Herr und König, er ist auch unser Bruder.
Maria von Magdala eilt nun zu den Jüngern und berichtet, dass sie den Herrn gesehen habe. Sie übergibt den Aposteln die Botschaft und wird so zur Apostolin der Apostel.

Ostern bedeutet Freiheit und Leben, aber durch die geschenkte Fähigkeit zum Gutsein auch Verantwortung. Weil Jesus diese unfassbar große Liebe allen Menschen erwiesen hat, konnten wir bzw. unsere Eltern stellvertretend für uns diese Liebe bejahen und als Antwort darauf die Taufe empfangen. Jesus lässt uns wirklich nicht als Waisen zurück, wie er schon angekündigt hat!

Sie merken – diese ganzen Ostertage stehen unter dem Motto des Lebens und deshalb immer auch unter dem Motto der Taufe. Das ist absolut entscheidend. Beides gehört zusammen und deshalb finden gerade in der Osternacht immer Taufen statt, vor allem die Erwachsenentaufen. Wir, die wir bereits getauft sind, können gerade in diesen Tagen dankbar auf den Bundesschluss zurückschauen, der in unserer eigenen Taufe geschehen ist:

Danke, Herr, dass ich leben darf in Ewigkeit als dein Kind!

Ihre Magstrauss

Osternacht

Gen 1,1-2,2; Ps 104,1-2.5-6.10 u. 12.13-14b.24 u. 1ab; Gen 22,1-18; Ps 16,5 u. 8.9-10.2 u. 11; Ex 14,15-15,1; Ex 15,1b-2b.2c-3.4-5.6 u. 13.17-18; Jes 54,5-14; Ps 30,2 u. 4.5-6b.6cd u. 12a u. 13b; Jes 55,1 -11; Jes 12,2.3 u. 4bcd.5-6; Bar 3,9-15.32-4,4; Ps 19,8.9.10.11-12; Ez 36,16-17a.18-28; Ps 42,3.5 u. 10a; 43,3-4; Röm 6,3 – 11; Ps 118,1-2.16-17.22-23; Mt 28,1-10

Heute feiern wir den Höhepunkt des ganzen Kirchenjahres. Wir hören aus diesem Anlass einen umfangreichen Abriss der gesamten Heilsgeschichte angefangen von der Schöpfung. Ich werde aus Umfanggründen die Lesungen mit ihren jeweiligen Antwortgesängen nicht so detailliert analysieren wie sonst, da der Stoff für Sie sonst zu viel wird.

Gen 1-2
1 Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde. 2 Die Erde war wüst und wirr und Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser. 3 Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. 4 Gott sah, dass das Licht gut war. Und Gott schied das Licht von der Finsternis. 5 Und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht. Es wurde Abend und es wurde Morgen: erster Tag. 6 Dann sprach Gott: Es werde ein Gewölbe mitten im Wasser und scheide Wasser von Wasser. 7 Gott machte das Gewölbe und schied das Wasser unterhalb des Gewölbes vom Wasser oberhalb des Gewölbes. Und so geschah es. 8 Und Gott nannte das Gewölbe Himmel. Es wurde Abend und es wurde Morgen: zweiter Tag. 9 Dann sprach Gott: Es sammle sich das Wasser unterhalb des Himmels an einem Ort und das Trockene werde sichtbar. Und so geschah es. 10 Und Gott nannte das Trockene Land und die Ansammlung des Wassers nannte er Meer. Gott sah, dass es gut war. 11 Dann sprach Gott: Die Erde lasse junges Grün sprießen, Gewächs, das Samen bildet, Fruchtbäume, die nach ihrer Art Früchte tragen mit Samen darin auf der Erde. Und so geschah es. 12 Die Erde brachte junges Grün hervor, Gewächs, das Samen nach seiner Art bildet, und Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin nach ihrer Art. Gott sah, dass es gut war. 13 Es wurde Abend und es wurde Morgen: dritter Tag. 14 Dann sprach Gott: Lichter sollen am Himmelsgewölbe sein, um Tag und Nacht zu scheiden. Sie sollen als Zeichen für Festzeiten, für Tage und Jahre dienen. 15 Sie sollen Lichter am Himmelsgewölbe sein, um über die Erde hin zu leuchten. Und so geschah es. 16 Gott machte die beiden großen Lichter, das große zur Herrschaft über den Tag, das kleine zur Herrschaft über die Nacht, und die Sterne. 17 Gott setzte sie an das Himmelsgewölbe, damit sie über die Erde leuchten, 18 über Tag und Nacht herrschen und das Licht von der Finsternis scheiden. Gott sah, dass es gut war. 19 Es wurde Abend und es wurde Morgen: vierter Tag. 20 Dann sprach Gott: Das Wasser wimmle von Schwärmen lebendiger Wesen und Vögel sollen über der Erde am Himmelsgewölbe fliegen. 21 Und Gott erschuf die großen Wassertiere und alle Lebewesen, die sich fortbewegen nach ihrer Art, von denen das Wasser wimmelt, und alle gefiederten Vögel nach ihrer Art. Gott sah, dass es gut war. 22 Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehrt euch! Füllt das Wasser im Meer und die Vögel sollen sich auf Erden vermehren. 23 Es wurde Abend und es wurde Morgen: fünfter Tag. 24 Dann sprach Gott: Die Erde bringe Lebewesen aller Art hervor, von Vieh, von Kriechtieren und von Wildtieren der Erde nach ihrer Art. Und so geschah es. 25 Gott machte die Wildtiere der Erde nach ihrer Art, das Vieh nach seiner Art und alle Kriechtiere auf dem Erdboden nach ihrer Art. Gott sah, dass es gut war. 26 Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich! Sie sollen walten über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen. 27 Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie. 28 Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und unterwerft sie und waltet über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen! 29 Dann sprach Gott: Siehe, ich gebe euch alles Gewächs, das Samen bildet auf der ganzen Erde, und alle Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin. Euch sollen sie zur Nahrung dienen. 30 Allen Tieren der Erde, allen Vögeln des Himmels und allem, was auf der Erde kriecht, das Lebensatem in sich hat, gebe ich alles grüne Gewächs zur Nahrung. Und so geschah es. 31 Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut. Es wurde Abend und es wurde Morgen: der sechste Tag.1 So wurden Himmel und Erde und ihr ganzes Heer vollendet. 2 Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er gemacht hatte, und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk gemacht hatte.

Es geht zurück an den Anfang. Gott ist dieser Anfang, von dem aus das ganze Dasein geschaffen worden ist. Deshalb heißt es auch nicht „am Anfang“, sondern „im“. Gott hat keinen Anfang, er steht außerhalb von Zeitkategorien. Vielmehr IST er der Anfang.
Wenn Gott auf etwas einwirkt, kommt Ordnung hinein. Das heißt im Umkehrschluss, dass alles Gottlose Chaos ist. Unordnung kommt nicht von Gott. Die Ordnung des gesamten Daseins und das Schaffen aus dem Nichts wird durch Gottes gesprochenes Wort ausgelöst. Es heißt immer wieder „und Gott sprach“ und „Gott nannte“. Das Benennen des Geschaffenen ist die Systematisierung aller Dinge. Das erste, was Gott auf diese Weise schafft, ist das Licht. Das ist ein wichtiger Punkt, denn dieses wird im Johannesevangelium mit dem Begriff des Lebens gekoppelt. Licht bedeutet Leben.
Wir hören im Verlauf der ersten Lesung das sogenannte Sieben-Tage-Werk. An jedem Tag schafft Gott etwas Anderes, benennt es, betrachtet es und sagt, dass es gut ist. Gott ist ein Gott des Lebens. Er schafft aus dem Nichts die ganze Welt. Alles, was er macht, ist gut. Im Kontext der Osternacht ist dies der entscheidende Punkt. Gott kann aus dem Nichts alles schaffen. Gott kann also auch einen toten Menschen zum Leben erwecken und er kann dem Auferstandenen einen neuen verklärten Leib schenken. Was er einmal geschafft hat (eine Schöpfung hervorgehen zu lassen), kann er auch ein zweites Mal tun (eine neue Schöpfung erstehen zu lassen!).
Ganz wichtig ist auch, wie er den Menschen geschaffen hat. Dieser ist als sein Abbild gemacht, das heißt mit einer ewigen Seele, in der Zweigeschlechtlichkeit die Trinität abbildend. Der Mensch ist fruchtbar geschaffen und mit einem freien Willen. Dies entspricht dem Wesen Gottes, der die Liebe ist, die nur freiwillig geht. Diese Liebe ist so überströmend, dass sie immer über sich hinaus verweist. Gottes Gemeinschaft in sich strömt über, sodass Gott aus Liebe die Welt geschaffen hat, vor allem die Menschen, die mit ihm in Liebesgemeinschaft leben. So kann Gott gar nicht anders, als den Menschen fruchtbar zu schaffen. Auch dessen Liebe weist über sich selbst hinaus, sodass aus dieser Liebe ein neuer Mensch hervorgeht. Das ist in der ersten Schöpfung biologisch gemeint. Mit der neuen Schöpfung, in der es auch ein erstes Menschenpaar gibt, geht es nicht mehr um biologische Fruchtbarkeit, sondern um geistliche! Jesus und Maria bringen mehr Frucht, als biologisch möglich ist. Der siebte Tag ist ein Ruhetag. Wir gehen alle auf den ewigen Sabbat zu, der das Ruhen in Gott ist.

Ps 104
1 Preise den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, überaus groß bist du! Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet. 2 Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel, du spannst den Himmel aus gleich einem Zelt. 5 Du hast die Erde auf Pfeiler gegründet, in alle Ewigkeit wird sie nicht wanken. 6 Einst hat die Urflut sie bedeckt wie ein Kleid, die Wasser standen über den Bergen. 10 Du lässt Quellen sprudeln in Bäche, sie eilen zwischen den Bergen dahin. 12 Darüber wohnen die Vögel des Himmels, aus den Zweigen erklingt ihr Gesang. 13 Du tränkst die Berge aus deinen Kammern, von der Frucht deiner Werke wird die Erde satt. 14 Du lässt Gras wachsen für das Vieh und Pflanzen für den Ackerbau des Menschen, damit er Brot gewinnt von der Erde. 24 Wie zahlreich sind deine Werke, HERR, sie alle hast du mit Weisheit gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen. 1 Preise den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, überaus groß bist du!

Das wunderbare Schöpfungswerk Gottes ist großes Lob wert. Deshalb beten wir im Anschluss daran einen Lobpreispsalm, der sehr bekannt ist. In diesem wird Gottes Größe gepriesen. Gott wird mit Licht ausgestattet. Das ist ein wichtiger Aspekt, denn auch in der Lesung hat das Licht einen besonderen Stellenwert. Licht ist die Eigenschaft der Herrlichkeit Gottes. Diese hüllt Gott ein wie einen Mantel. Bei der Verklärung Jesu werden die Apostel ihn auch so sehen – ganz in Licht gehüllt.
Im Psalm wird die Schöpfung Gottes betrachtet als ein Haus bzw. als eine Architektur. Sie besteht aus einem Zelt als Überdachung (der Himmel), aus Pfeilern, die der Erde Stabilität verleihen, Wasser, das wie ein Kleid die Erde bedeckt. Es gibt Kammern, von wo aus Gott die Berge tränkt.
Ganz besonders wichtig ist Vers 24: Die Werke Gottes sind mit Weisheit gemacht. Diese Weisheit wird um die Zeitenwende herum immer mehr mit dem Logos gleichgesetzt, der wiederum das Wort Gottes ist – Jesus Christus. Er ist der Schöpfungsmittler und das gesprochene Wort, durch das im Schöpfungsbericht alles hervorgeht. Er ist schon von Anfang an dabei und ist ganz eins mit dem Vater. Auch er ist somit schon Gott des Lebens.

Gen 22
1 Nach diesen Ereignissen stellte Gott Abraham auf die Probe. Er sprach zu ihm: Abraham! Er sagte: Hier bin ich. 2 Er sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar! 3 Frühmorgens stand Abraham auf, sattelte seinen Esel, nahm zwei seiner Jungknechte mit sich und seinen Sohn Isaak, spaltete Holz zum Brandopfer und machte sich auf den Weg zu dem Ort, den ihm Gott genannt hatte. 4 Als Abraham am dritten Tag seine Augen erhob, sah er den Ort von Weitem. 5 Da sagte Abraham zu seinen Jungknechten: Bleibt mit dem Esel hier! Ich aber und der Knabe, wir wollen dorthin gehen und uns niederwerfen; dann wollen wir zu euch zurückkehren. 6 Abraham nahm das Holz für das Brandopfer und lud es seinem Sohn Isaak auf. Er selbst nahm das Feuer und das Messer in die Hand. So gingen beide miteinander. 7 Da sprach Isaak zu seinem Vater Abraham. Er sagte: Mein Vater! Er antwortete: Hier bin ich, mein Sohn! Dann sagte Isaak: Hier ist Feuer und Holz. Wo aber ist das Lamm für das Brandopfer? 8 Abraham sagte: Gott wird sich das Lamm für das Brandopfer ausersehen, mein Sohn. Und beide gingen miteinander weiter. 9 Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte, baute Abraham dort den Altar, schichtete das Holz auf, band seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz. 10 Abraham streckte seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten. 11 Da rief ihm der Engel des HERRN vom Himmel her zu und sagte: Abraham, Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. 12 Er sprach: Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus und tu ihm nichts zuleide! Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest; du hast mir deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten. 13 Abraham erhob seine Augen, sah hin und siehe, ein Widder hatte sich hinter ihm mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen. Abraham ging hin, nahm den Widder und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar. 14 Abraham gab jenem Ort den Namen: Der HERR sieht, wie man noch heute sagt: Auf dem Berg lässt sich der HERR sehen. 15 Der Engel des HERRN rief Abraham zum zweiten Mal vom Himmel her zu 16 und sprach: Ich habe bei mir geschworen – Spruch des HERRN: Weil du das getan hast und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast, 17 will ich dir Segen schenken in Fülle und deine Nachkommen überaus zahlreich machen wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand. Deine Nachkommen werden das Tor ihrer Feinde einnehmen. 18 Segnen werden sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde, weil du auf meine Stimme gehört hast.

In der zweiten Lesung hören wir die dramatische Glaubensprobe, durch die Gott Abrahams Glauben prüft. Auch hier ist das Thema das Leben. Wie viele Jahre hat Abraham sehnlichst auf einen Sohn gewartet! So viele Jahre konnten seine Frau und er keine Kinder haben und dann schenkte Gott ihm endlich einen Sohn, den er Isaak genannt hat. Abraham ist dadurch die Botschaft zuteil geworden, dass Gott wirklich ein Gott des Lebens ist. Er kann aus Unfruchtbarkeit Fruchtbarkeit entstehen lassen.
Doch dann der Schock. Der Gott des Lebens fordert von Abraham, dass er seinen Sohn auf einem der Berge im Land Morija als Brandopfer darbringe! Abraham wird es nicht verstanden haben. Wie sehr hat er sich doch nach all den Jahren gefreut, einen Sohn in seinen Armen halten zu dürfen, den er als direktes Geschenk von Gott verstanden hat. Und nun soll er seinen Sohn töten. Er wird es nicht begriffen haben, doch zugleich hat er Gott vertraut. Ohne Widerrede macht er sich also auf den Weg.
Ich sage es Ihnen offen. Das ist eine der berührendsten Lesungen für mich. Ich kann sie kaum hören, ohne Tränen in den Augen zu haben. Diese Episode ni typologisch das vorweg, was wir in diesen Tagen gefeiert haben:
Der Vater gibt seinen Sohn dahin. Abraham ist bereit, Isaak zu opfern, doch im letzten Moment gebietet ihm ein Engel des Herrn Einhalt. Gott Vater selbst hat seinen Sohn aber nicht verschont, sondern dieser ist auf die grausamste Weise geopfert worden, die es gab.
Abraham und Isaak gehen in das Land Morija und besteigen einen der Berge. Das ist die Gegend, die wir zur Zeit Jesu Jerusalem und mit der umliegenden Hügellandschaft nennen! Es ist derselbe Ort.
Der junge Isaak trägt das Holz für das Opfer den Berg hinauf. So trägt Jesus sein Opferholz selbst den Golgota hinauf.
Auf die Frage des ahnungslosen Sohnes hin, wo das Opferlamm sei, antwortet Abraham: Gott wird sich das Lamm für das Brandopfer ausersehen, mein Sohn.“ Ja, er hat sich für das Kreuzesopfer seinen eigenen Sohn ausersehen, das wahre Opferlamm!
Abraham hat die Prüfung bestanden. Kurz bevor er die Tat begehen kann, wird er von einem Engel gestoppt und erhält die Zusage, seinen Glauben wirklich bewiesen zu haben. Gott wird ihn reichlich segnen und sehr fruchtbar machen, weil er ganz auf seine Güte vertraut hat. So wird Gott am Ende wieder zum Gott des Lebens – und das alles auf besonders intensive Weise!

Ps 16
5 Der HERR ist mein Erbanteil, er reicht mir den Becher, du bist es, der mein Los hält. 8 Ich habe mir den HERRN beständig vor Augen gestellt, weil er zu meiner Rechten ist, wanke ich nicht. 9 Darum freut sich mein Herz und jubelt meine Ehre, auch mein Fleisch wird wohnen in Sicherheit. 10 Denn du überlässt mein Leben nicht der Totenwelt; du lässt deinen Frommen die Grube nicht schauen. 2 Ich sagte zum HERRN: Mein Herr bist du, mein ganzes Glück bist du allein.11 Du lässt mich den Weg des Lebens erkennen. Freude in Fülle vor deinem Angesicht, Wonnen in deiner Rechten für alle Zeit.

Als Antwort auf diese Lesung beten wir Ps 16. Gott schenkt Freude. Das wird durch das Bild des Bechers ausgedrückt. Der Psalmist drückt sein Vertrauen auf Gott aus, das er die ganze Zeit nicht verloren hat. Der Psalm ist von König David, von dem wir sehr viele Situationen kennenlernen. So oft stand sein Leben auf der Kippe, doch weil er sich dann ganz an Gott geklammert hat, hat dieser ihn auch aus den Nöten herausgeführt.
Hätte es die Psalmen schon damals zu Zeiten des Abraham gegeben – er hätte diese Worte absolut auf sich beziehen können! Er hat den HERRN beständig vor Augen, dieser ist zu seiner Rechten. Er war es ganz besonders in der Stunde seiner Glaubensprobe und so kann Abraham sich jetzt über die wunderbare Zusage freuen. Abrahams verheißenes Kind bleibt am Leben. Das bedeutet, Abrahams Gene werden weitergegeben. Das klingt vielleicht banal, ist aber Ausdruck einer ersten Auferstehungshoffnung. Das Weiterleben in den Nachkommen ist ein ewiges Leben. So übergibt Gott Abraham nicht der Totenwelt durch den Tod seines Sohnes Isaak.
Er kann wirklich sagen nach allem, was er erlebt hat: „Mein Herr bist du, mein ganzes Glück bist du allein. Du lässt mich den Weg des Lebens erkennen.“ Gott schenkt Freude in Fülle und Wonnen. Er ist der Garant dafür, dass auch wir in unserem Leben glücklich werden.

Ex 14
15 Der HERR sprach zu Mose: Was schreist du zu mir? Sag den Israeliten, sie sollen aufbrechen. 16 Und du heb deinen Stab hoch, streck deine Hand über das Meer und spalte es, damit die Israeliten auf trockenem Boden in das Meer hineinziehen können! 17 Ich aber will das Herz der Ägypter verhärten, damit sie hinter ihnen hineinziehen. So will ich am Pharao und an seiner ganzen Streitmacht, an seinen Streitwagen und Reitern meine Herrlichkeit erweisen. 18 Die Ägypter sollen erkennen, dass ich der HERR bin, wenn ich am Pharao, an seinen Streitwagen und Reitern meine Herrlichkeit erweise. 19 Der Engel Gottes, der den Zug der Israeliten anführte, brach auf und ging nach hinten und die Wolkensäule brach auf und stellte sich hinter sie. 20 Sie kam zwischen das Lager der Ägypter und das Lager der Israeliten. Die Wolke war da und Finsternis und Blitze erhellten die Nacht. So kamen sie die ganze Nacht einander nicht näher. 21 Mose streckte seine Hand über das Meer aus und der HERR trieb die ganze Nacht das Meer durch einen starken Ostwind fort. Er ließ das Meer austrocknen und das Wasser spaltete sich. 22 Die Israeliten zogen auf trockenem Boden ins Meer hinein, während rechts und links von ihnen das Wasser wie eine Mauer stand. 23 Die Ägypter setzten ihnen nach; alle Pferde des Pharao, seine Streitwagen und Reiter zogen hinter ihnen ins Meer hinein. 24 Um die Zeit der Morgenwache blickte der HERR aus der Feuer- und Wolkensäule auf das Lager der Ägypter und brachte es in Verwirrung. 25 Er hemmte die Räder an ihren Wagen und ließ sie nur schwer vorankommen. Da sagte der Ägypter: Ich muss vor Israel fliehen; denn der HERR kämpft auf ihrer Seite gegen Ägypten. 26 Darauf sprach der HERR zu Mose: Streck deine Hand über das Meer, damit das Wasser zurückflutet und den Ägypter, seine Wagen und Reiter zudeckt! 27 Mose streckte seine Hand über das Meer und gegen Morgen flutete das Meer an seinen alten Platz zurück, während die Ägypter auf der Flucht ihm entgegenliefen. So trieb der HERR die Ägypter mitten ins Meer. 28 Das Wasser kehrte zurück und bedeckte Wagen und Reiter, die ganze Streitmacht des Pharao, die den Israeliten ins Meer nachgezogen war. Nicht ein Einziger von ihnen blieb übrig. 29 Die Israeliten aber waren auf trockenem Boden mitten durch das Meer gezogen, während rechts und links von ihnen das Wasser wie eine Mauer stand. 30 So rettete der HERR an jenem Tag Israel aus der Hand der Ägypter. Israel sah die Ägypter tot am Strand liegen. 31 Als Israel sah, dass der HERR mit mächtiger Hand an den Ägyptern gehandelt hatte, fürchtete das Volk den HERRN. Sie glaubten an den HERRN und an Mose, seinen Knecht. 1 Damals sang Mose mit den Israeliten dem HERRN dieses Lied; sie sagten: Ich singe dem HERRN ein Lied, denn er ist hoch und erhaben. Ross und Reiter warf er ins Meer.

Die nächste Lesung aus dem Buch Exodus ist wieder sehr dramatisch, denn auch hier geht es um Leben und Tod. Das Volk Israel ist nach vielen Plagen, vielen Leiden und Umwegen endlich aus Ägypten herausgekommen. Doch nun sieht es sich in der Situation einer Sackgasse am Roten Meer. Auch jetzt steht Gott seinem auserwählten Volk bei und befiehlt Mose, durch seinen Stab das Meer zu spalten, sodass das Volk hindurchschreiten kann. Gott tut dies nicht nur, um das Volk zu retten, sondern auch, um den Ägyptern seine Herrlichkeit zu erweisen – jene Herrlichkeit, die so hell strahlt wie ein Lichtmantel.
Gott ist bei seinem Volk in Form der Feuersäule und der Wolke. Er lässt seine Kinder nicht im Stich.
Der Pharao bereut indes, das Volk ziehen gelassen zu haben. So macht er sich mit seinem Heer auf den Weg, das Volk wieder zurückzuholen. Doch Gott rettet Israel, indem er es durch das Meer ziehen lässt. Schon sind die Ägypter ihnen auf den Fersen, doch die Wasserfluten decken sie zu. Gott hat dem Pharao so viele Chancen der Umkehr geschenkt. Er hat ihn immer wieder zur Umkehr aufgerufen, doch er wollte nicht hören. Dies ist ihm nun zum Verhängnis geworden. Nicht umsonst kommen die Ägypter in den Wasserfluten um. Die Geschichte wiederholt sich. Das sture Verharren in der Sünde ist es, das schon die Sintflut hervorgebracht hat. Gott ist Herr über Leben und Tod. Das wird in der heutigen Erzählung wieder besonders deutlich. Die Wahl hat der Mensch selbst, indem er sich für oder gegen den Gott des Lebens entscheidet. Gott tut alles, um die Menschen zu retten, aber irgendwann ist es zu spät. Kehren wir JETZT um! Das Wasser des Roten Meeres ist nicht nur Wiederholung der Sintflut, sondern auch die Antizipation des Taufwassers! Wir werden durch das Wasser hindurch gerettet, wenn wir uns taufen lassen! Die Taufe ist heilsnotwendig. Dies erklärt auch, warum diese Lesung von allen alttestamentlichen Lesungen, die in der Osternacht vorgesehen sind, nicht ausgelassen werden darf. Sie ist für uns so entscheidend und im Kontext des heilsgeschichtlichen Rückblicks ein Höhepunkt, dass wir sie in der Osternacht unbedingt hören müssen. Jesu Tod und Auferstehung ist nämlich ein neuer Exodus, die Befreiung des Volkes Gottes aus der Knechtschaft der Sünde. Dies wird sakramental durch die Taufe verdeutlicht!

Ex 15
Ich singe dem HERRN ein Lied, denn er ist hoch und erhaben. Ross und Reiter warf er ins Meer. 2 Meine Stärke und mein Lied ist der HERR, er ist mir zur Rettung geworden. Er ist mein Gott, ihn will ich preisen; den Gott meines Vaters will ich rühmen. 3 Der HERR ist ein Krieger, HERR ist sein Name. 4 Pharaos Wagen und seine Streitmacht warf er ins Meer. Seine besten Vorkämpfer versanken im Roten Meer. 5 Fluten deckten sie zu, sie sanken in die Tiefe wie Steine. 6 Deine Rechte, HERR, ist herrlich an Stärke; deine Rechte, HERR, zerschmettert den Feind. 13 Du lenktest in deiner Güte das Volk, das du erlöst hast, du führtest sie machtvoll zu deiner heiligen Wohnung. 17 Du wirst sie hinbringen und auf den Berg deines Erbes einpflanzen, den du, HERR, zu deiner Wohnstätte gemacht hast, um dich niederzulassen, zu einem Heiligtum, HERR, von deinen Händen gegründet. 18 Der HERR ist König für immer und ewig.

Als Antwort auf die dramatische Rettung eines ganzen Volkes durch Gottes wunderbare Vorsehung hören wir den Lobgesang des Mose, den er im Anschluss an die Rettung des Volkes gesungen hat:
Wer mit Gott lebt, ist unbezwingbar. Denn Gott ist seine Stärke und sein Lied. Er ist der Retter aus allen Gefahren und er ist es, der für seine geliebten Kinder kämpft. Gott ist stärker als die besten Kämpfer. Gott ist nicht böse, er ist nur gut. Seine Güte ist es, die das Volk durch das Rote Meer getragen hat. Er hat einen wunderbaren Heilsplan mit seinem Volk und deshalb lässt er es nicht schon vorher umkommen. Er möchte das Volk in das verheißene Land führen und auf dem Berg seines Berges einpflanzen. Das ist der Zionsberg, Jerusalem, wo er seine Wohnstätte im Tempel einnimmt. Das Ziel ist damit aber nicht erreicht. Er wird selbst Mensch werden, um die Menschen aus einem ganz anderen Sklavenhaus zu befreien – der Sünde! Er wird einen neuen Tempel errichten, der sein eigener Leib ist und den wir als Kirche bezeichnen. Er wird am Ende der Zeiten sein Volk in seine himmlische Wohnstatt, das himmlische Jerusalem führen, wo das ewige Leben und die ewige Freude warten!

Jes 54
5 Denn dein Schöpfer ist dein Gemahl, HERR der Heerscharen ist sein Name. Der Heilige Israels ist dein Erlöser, Gott der ganzen Erde wird er genannt. 6 Ja, der HERR hat dich gerufen als verlassene, bekümmerte Frau. Kann man denn die Frau seiner Jugend verstoßen?, spricht dein Gott. 7 Nur für eine kleine Weile habe ich dich verlassen, doch mit großem Erbarmen werde ich dich sammeln. 8 Einen Augenblick nur verbarg ich vor dir mein Gesicht in aufwallendem Zorn; aber in ewiger Huld habe ich mich deiner erbarmt, spricht dein Erlöser, der HERR. 9 Wie bei der Flut Noachs soll es für mich sein: So wie ich damals schwor, dass die Flut Noachs die Erde nie mehr überschwemmen wird, so schwöre ich jetzt, dir nie mehr zu zürnen und dich nie mehr zu schelten. 10 Mögen auch die Berge weichen und die Hügel wanken – meine Huld wird nicht von dir weichen und der Bund meines Friedens nicht wanken, spricht der HERR, der Erbarmen hat mit dir.
11 Ärmste, vom Sturm Gepeitschte, die ohne Trost ist: Siehe, ich selbst lege dir ein Fundament aus Malachit und Grundmauern aus Saphir. 12 Aus Rubinen mache ich deine Zinnen, aus Beryll deine Tore und alle deine Mauern aus kostbaren Steinen. 13 Alle deine Kinder sind Schüler des HERRN und groß ist der Friede deiner Kinder. 14 Du wirst auf Gerechtigkeit gegründet sein. Du bist fern von Bedrängnis, denn du brauchst dich nicht mehr zu fürchten und bist fern von Schrecken; er kommt an dich nicht heran.

Im Folgenden verlassen wir die fünf Bücher Mose und hören nun einige prophetische Lesungen.
Der Ausschnitt aus dem Buch Jesaja ist ein verheißungsvoller Text, der an die Braut Gottes, an Israel gerichtet ist. Der historische Kontext dieses Kapitels ist das Babylonische Exil. Es ist wieder so, dass das Volk Gottes in einem Sklavenhaus gefangen ist und Gott keine Opfer frei darbringen kann. Der Tempel ist zerstört und die Heimat weit weg.
Das Kapitel beginnt mit „Freu dich, du Unfruchtbare, die nie gebar“. Das hören wir im heutigen Abschnitt nicht, aber es ist im Hinterkopf zu behalten, damit man die Begründung von Vers 5 überhaupt richtig versteht. Ganz dominant ist die Hauptmetapher in diesem und dem anschließenden Kapitel, das wir gleich noch hören werden: Gott ist Israels Bräutigam und Israel ist seine Braut, die ihm untreu geworden ist. Gott ist aber bereit, sich wieder mit ihr zu versöhnen.
„Denn dein Schöpfer ist dein Gemahl.“ Gott möchte Gemeinschaft mit seinem Volk, eine Einheit wie bei Mann und Frau. Gott wird hier nicht nur als Schöpfer betrachtet, sondern auch als Erlöser. Diese Erlösung besteht für die Israeliten zur Zeit des Babylonischen Exils in der Befreiung von der Fremdherrschaft und die Rückführung in die Heimat. Deshalb wird der Perserkönig Kyros, der ihnen sogar den Bau eines neuen Tempels gewährt, gewissermaßen als eine messianische Gestalt betrachtet. Und doch ist die Erlösung mehr als nur eine politische: Gott ist Erlöser aus einem ganz anderen Exil, das noch viel schlimmer ist – aus dem Exil der Sünde, denn durch die Ursünde war jeder Mensch aus dem Paradies verbannt! Die ultimative Erlösung besteht also in der Rückführung der Gerechten in die himmlische Heimat, zum himmlischen Tempel.
Gott ist ein treuer Gott, der seine Frau nicht verlässt, obwohl sie Ehebruch begangen hat. Er hat mit Israel einen Bund geschlossen, gleichsam einen Ehebund am Berg Sinai. Israel ist untreu geworden, doch Gott verlässt sie dennoch nicht.
Gott hat seine Braut nur kurz verlassen, nur kurz sein Gesicht vor ihr verborgen. Sie musste zu spüren bekommen, dass ihr Verhalten nicht richtig war. Gott hat die Konsequenzen der Sünde Israels zugelassen, damit es sich besinnt und umkehrt.
Gott ist barmherzig und verschont das reumütige Volk. Er hat Noah damals versprochen, nie wieder eine globale Vernichtung über seine geliebten Kinder zu bringen. Und so hält er sein Versprechen auch jetzt, wo Israel fern von seiner Heimat leben muss.
Gott verheißt Israel Stadtmauern und architektonische Elemente aus Edelsteinen. Das ist nicht die Andeutung der Errichtung eines neuen irdischen Jerusalems, sondern schon die Andeutung der himmlischen Stadt! Die Propheten des Alten Testaments, aber auch Johannes im Neuen Testament sehen die himmlische Stadt Jerusalem und auch Gott selbst so, dass sie es nur mit dem Leuchten von Edelsteinen vergleichen können. Gott verheißt dem Volk das Himmelreich!
Fern von Bedrängnis ist Jerusalem erst mit dem Abbruch der Zeiten bzw. jeder Einzelne nach dem Tod. Bis dahin wird es immer Kämpfe geben und die Gefahren bestehen weiter fort. Hier werden übernatürliche Dinge verheißen und keine irdischen Zustände.
Als Christen dürfen wir jedoch einen Einwand nennen: Sakramental wird jene verheißene Wirklichkeit schon vorweggenommen! So wird dies schon ansatzweise erfahrbar in der Kirche Jesu Christi, die eine übernatürliche Größe in der Welt ist, aber schon auf die Ewigkeit verweist. Ihre Heilsmittel, der Atem des Hl. Geistes, all diese Dinge leuchten voll der Gnade, die man mit Edelsteinen umschreiben könnte, die man nicht sieht.
All dies wird mit Jesus Christus bereits hier auf Erden beginnen, der das Reich Gottes in mitten in die Welt hineingebracht hat. Es wird sich am Ende der Zeiten vollenden und offenbar werden für die ganze Welt! Gott lässt sein auserwähltes Volk nicht im Stich, sondern verheißt mitten in der Krise das Leben in Fülle!

Ps 30
2 Ich will dich erheben, HERR denn du zogst mich herauf und ließest nicht zu, dass meine Feinde sich über mich freuen.4 HERR, du hast meine Seele heraufsteigen lassen aus der Totenwelt, hast
mich am Leben erhalten, sodass ich nicht in die Grube hinabstieg. 5 Singt und spielt dem HERRN, ihr seine Frommen, dankt im Gedenken seiner Heiligkeit! 6 Denn sein Zorn dauert nur einen Augenblick, doch seine Güte ein Leben lang. Wenn man am Abend auch weint, am Morgen herrscht wieder Jubel. 12 Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt, mein Trauergewand hast du gelöst und mich umgürtet mit Freude, 13 damit man dir Herrlichkeit singt und nicht verstummt. HERR, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.

Die Antwort auf so eine wunderbare Verheißung kann nur der Lobpreis sein. Der Psalm beginnt ganz typisch mit einer Selbstaufforderung zum Lob. König David dankt in eigener Sache, aber auch das ganze Volk Israel für die Rettung Gottes für den Sieg über die Feinde. Gott hat weder David noch das Volk sterben lassen. Gott hat jene, die vor allem moralisch auf der Kippe standen, vor der ewigen Verdammnis bewahrt. David hat sich schwer versündigt, indem er Ehebruch und Auftragsmord begangen hat. Auch das Volk Israel hat sich immer wieder durch den Götzendienst von Gott abgewandt. Doch Gott hat nicht zugelassen, dass weder sein auserwählter König noch sein auserwähltes Volk in die Irre geht. Er hat auf das Unrecht reagiert, was wir Gottes Zorn nennen. Es ist keine affektive, unkontrollierte Emotion, in der er alles zerstört, sondern eine bewusste und kontrollierte Reaktion Gottes.
Gott musste so reagieren, damit sein Volk sich auf den Bund zurückbesinnt, auf das Treueversprechen, das es ihm gegeben hat. Gott darf aufgrund dieses Bundes die Treue von Israel verlangen. Er ist eifersüchtig, aber seine Eifersucht ist eine andere als die der Menschen: Es ist nicht patholischer Ausdruck seiner Unsicherheit, sondern das Verlangen nach der ganzen Liebe seiner Braut.
Und nachdem Israel sich besinnt hat und umgekehrt ist, ist das Heil wieder eingekehrt. So ist nun das Trauergewand in ein Freudenkleid gewandelt worden. Es ist nun eine Zeit des Freude und der Feststimmung. So ist es jedesmal, wenn ein Kind im Hl. Geist wiedergeboren wird bei der Taufe. Der Neue Bund ist ebenso ein Grund zur Freude, denn ein weiterer Mensch ist zur Braut Christi geworden und zum Erben im Reich Gottes eingesetzt worden! So ist es mit jedem Menschen, der von seiner Sünde umkehrt! Dann ist das Fest im Himmel groß! Und am Ende der Zeiten wird das ewige Hochzeitsmahl des Lammes gefeiert. Dann werden die Menschen ewig Gott loben und preisen, wie es am Ende des Psalms heißt. Das wird die ewige Tätigkeit in der Anschauung Gottes sein!

Jes 55
1 Auf, alle Durstigen, kommt zum Wasser! Die ihr kein Geld habt, kommt, kauft Getreide und esst, kommt und kauft ohne Geld und ohne Bezahlung Wein und Milch! 2 Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht? Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen und könnt euch laben an fetten Speisen! 3 Neigt euer Ohr und kommt zu mir, hört und ihr werdet aufleben! Ich schließe mit euch einen ewigen Bund: Die Erweise der Huld für David sind beständig. 4 Siehe, ich habe ihn zum Zeugen für die Völker gemacht, zum Fürsten und Gebieter der Nationen. 5 Siehe, eine Nation, die du nicht kennst, wirst du rufen und eine Nation, die dich nicht kannte, eilt zu dir, um des HERRN, deines Gottes, des Heiligen Israels willen, weil er dich herrlich gemacht hat.6 Sucht den HERRN, er lässt sich finden, ruft ihn an, er ist nah! 7 Der Frevler soll seinen Weg verlassen, der Übeltäter seine Pläne. Er kehre um zum HERRN, damit er Erbarmen hat mit ihm, und zu unserem Gott; denn er ist groß im Verzeihen.
8 Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege – Spruch des HERRN. 9 So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken. 10 Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, ohne die Erde zu tränken und sie zum Keimen und Sprossen zu bringen, dass sie dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, 11 so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, ohne zu bewirken, was ich will, und das zu erreichen, wozu ich es ausgesandt habe.

Als nächstes hören wir einen Ausschnitt aus dem Buch Jesaja, der ein Kapitel später erscheint. Auch hier geht es wieder um das Leben, nämlich um das ewige Leben. Die Durstigen, die zum Wasser kommen, sind die Menschen, die nach Gott dürsten. Es geht nicht um herkömmliches Wasser, das man zur Durstlöschung des Körpers verwendet, sondern um das lebendige Wasser für die Seele. Wir verstehen aus christlicher Sicht, was damit gemeint ist: Der Heilige Geist! Dieser ist es, der bei der Schöpfung über der Urflut schwebt. Dieser ist es, der dem Menschen die ewige Seele einhaucht. Dieser ist es, der auch den ersten Menschen der neuen Schöpfung zum Leben erweckt! Das Leben kommt von Gott – nicht nur das biologische Leben, sondern auch das ewige! Auch gerade das Leben in Fülle, das heißt ein gesegnetes Dasein, kann nur Gott garantieren. Was der Mensch alleine versucht, wird ihn nicht glücklich machen. Auf das Volk Israel bezogen ist es die Anbetung irgendwelcher Götzen, die es in die Babylonische Gefangenschaft gebracht hat. Was versucht der Mensch nicht alles, um glücklich zu werden! Wie viel investieren auch wir bis heute in irdische Güter, damit wir uns selbst ein Leben in Fülle beschaffen? Und doch sind die Herzen der Menschen leerer als sonst, weil sie Gott nicht darin haben. Gottes Gnade, die uns glücklich machen kann, die uns das Leben in Fülle schenkt, kostet nichts! Der einzige Preis ist das Hören auf Gott.
„Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen und könnt euch laben an fetten Speisen! Neigt euer Ohr und kommt zu mir, hört und ihr werdet aufleben!“ Leben wir in Gemeinschaft und Einklang mit dem Willen Gottes, dann werden auch wir ein Leben in Fülle haben! Gott ist ein Gott des Lebens. Jesus hat ihm bis ans Kreuz vertraut. Er hat in allem den Willen seines Vaters getan und so hat dieser ihn von den Toten auferweckt! Dies sei uns ein Beispiel, damit auch wir am Ende leben, auch wenn wir sterben!
„Ich schließe mit euch einen ewigen Bund.“ Dies hat Gott im Laufe der Heilsgeschichte immer wieder erneuert. Dann auf der Höhe der Zeit ist er selbst Mensch geworden, um am Kreuz einen Neuen Bund zu besiegeln, aber nicht mehr nur mit dem Volk Israel, sondern mit der ganzen Welt!
Er hat diesen Bund geschlossen durch den neuen David, den Sohn Davids, den Messias. Schon Jesaja kündigt an, dass es ein Bund mit den Völkern sein wird, also mit den Heiden! Es wird eine übernatürliche Nation sein, keine an irdische Nationalität gebundene. Es wird ein Volk sein aus allen Nationen der Erde! Deshalb wird es eine Nation sein, die Israel zur Zeit Jesajas noch nicht kennt.
Israel wird dazu ermutigt, Gott anzurufen, denn Gott erhört die Bitten seines Volkes!
Jetzt ist die Zeit der Umkehr gekommen! Gott hat Pläne, die das Volk zu jener Zeit noch gar nicht erahnen kann. Sein wunderbarer Heilsplan erreicht ein neues Level. Bald kommt der Messias und dieser ist Gott selbst. Es ist Gottes gesprochenes Wort, das auf die Erde kommt, dort Frucht bringt und so die Erde nicht ohne seine Spuren verlässt. Wir haben schon in der ersten Lesung gehört, dass alles durch das gesprochene Wort Gottes geschaffen worden ist. Und dieses Wort wird wieder auf die Erde kommen, um eine neue Schöpfung zu begründen! Jesus Christus wird alles vollbringen, was der Vater ihm aufträgt. Er wird bis zum letzten Atemzug seinen Willen tun und dann sagen: „Es ist vollbracht!“ Er wird nicht leer zum Vater zurückkehren, sondern gefüllt mit den Seelen der vielen Geretteten! Er kommt zum Vater Hand in Hand mit den Gerechten des Alten Testaments, die sehnsüchtig auf die Öffnung der Himmelstür gewartet haben. Das ist der Ausdruck des wahren Lebens, weil es das ewige Leben bei Gott ist! Und dies passiert heute, ja jetzt in dem Moment, als Jesus im Reich des Todes jenen Gerechten das Evangelium verkündet! Und mit der Auferstehung kehren jene Heim in die himmlische Heimat aus dem Exil der Sünde! Das ist der ultimative Beweis, dass Gott ein Gott des Lebens ist!

Jes 12
2 Siehe, Gott ist mein Heil; ich vertraue und erschrecke nicht. Denn meine Stärke und mein Lied ist Gott, der HERR. Er wurde mir zum Heil. 3 Ihr werdet Wasser freudig schöpfen aus den Quellen des Heils. 4 An jenem Tag werdet ihr sagen: Dankt dem HERRN! Ruft seinen Namen an! Macht unter den Völkern seine Taten bekannt, verkündet: Sein Name ist erhaben! 5 Singt dem HERRN, denn Überragendes hat er vollbracht; bekannt gemacht sei dies auf der ganzen Erde. 6 Jauchzt und jubelt, ihr Bewohner Zions; denn groß ist in eurer Mitte der Heilige Israels.

Als Antwort auf diese Heilsbotschaft hören wir eine Art Psalm im Buch Jesaja. Es handelt sich um das Danklied der Erlösten. Die Erlösung Gottes kann nur eine Reaktion hervorrufen, nämlich den Dank und das Lob.
Gott ist mein Heil. Er ist Stärke und Lied. Das Volk Israel kann nicht anders, als auf die Verheißung von Jesaja 11 mit Lobpreis zu antworten. Dort wird der Reis aus dem Baumstumpf Isais verheißen, der Sohn Davids, der das Volk erlösen wird. Die Israeliten verstanden darunter noch eine königliche Heilsgestalt, die das Volk vor der Fremherrschaft Assurs befreien wird. Als sie in der Babylonischen Gefangenschaft waren, werden sie darunter eine irdische und politische Erlösergestalt verstanden haben, die sie aus dem Exil befreit. Und doch verheißt Jesaja viel mehr: Denn hier geht es um das Heil Gottes, der sein Volk aus den Quellen des Heils schöpfen lassen wird! Es geht um das lebendige Wasser, um den Hl. Geist! Und dieser Geist ist es, der Leben verleiht. Hier geht es schon um übernatürliche Dinge. Der Heilige Israels ist Gott und dieser ist Mensch geworden in Jesus Christus! Wir beten diesen Lobpreis schon als Dank für die Erlösung durch den Kreuzestod Jesu Christi! Gott schenkt das ewige Leben, was noch viel existenzieller ist als das irdische Leben! Je näher wir der Zeitenwende kommen, desto mehr lernen und begreifen die Israeliten das.

Bar 3
9 Höre, Israel, die Gebote des Lebens; merkt auf, um Einsicht zu erlangen! 10 Warum, Israel, warum lebst du im Gebiet der Feinde, wirst alt in einem fremden Land, 11 bist unrein geworden, den Toten gleich, wurdest gezählt zu denen, die in die Unterwelt hinabsteigen? 12 Du hast den Quell der Weisheit verlassen. 13 Wärest du auf Gottes Weg gegangen, du wohntest in Frieden für immer. 14 Nun lerne, wo die Einsicht ist, wo Kraft und wo Klugheit, dann erkennst du zugleich, wo langes Leben und Lebensglück, wo Licht für die Augen und Frieden zu finden sind! 15 Wer hat je ihren Ort gefunden? Wer ist zu ihren Schatzkammern vorgedrungen?32 Doch der Allwissende kennt sie; er hat sie in seiner Einsicht entdeckt. Er hat ja die Erde für immer gegründet, er hat sie mit vierfüßigen Tieren bevölkert. 33 Er entsendet das Licht und es eilt dahin; er ruft es zurück und zitternd gehorcht es ihm. 34 Froh leuchten die Sterne auf ihren Posten. 35 Ruft er sie, so antworten sie: Hier sind wir. Sie leuchten mit Freude für ihren Schöpfer. 36 Das ist unser Gott; kein anderer gilt neben ihm. 37 Er hat den Weg der Erkenntnis ganz erkundet und hat sie Jakob, seinem Diener, verliehen, Israel, seinem Liebling. 38 Dann erschien sie auf der Erde und lebte mit den Menschen.1 Sie ist das Buch der Gebote Gottes, das Gesetz, das ewig besteht. Alle, die an ihr festhalten, finden das Leben; doch alle, die sie verlassen, verfallen dem Tod. 2 Kehr um, Jakob, ergreif sie! Geh in ihrem Glanz den Weg zum Licht! 3 Überlass deinen Ruhm keinem andern und deinen Vorzug keinem fremden Volk! 4 Glücklich sind wir, das Volk Israel; denn wir wissen, was Gott gefällt.

Als nächsten prophetischen Text hören wir einen Ausschnitt aus dem Propheten Baruch (zu Deutsch „der Gesegnete“). Auch hier geht es wieder um das Leben, das den roten Faden der gesamten Osternachtsliturgie darstellt.
Der Gott des Lebens erwartet vom Menschen nichts weiter, als die Gebote des Lebens zu halten, um ein Leben in Fülle zu haben.
Israel hat sich die Fremherrschaft selbst eingebrockt, weil es die Gebote Gottes nicht gehalten hat. Israel ist durch die Sünde „den Toten gleich“ geworden. Das Abgeschnittensein von Gott ist die schlimmste Form von Tod, weil sie ewig und endgültig ist.
„Du hast den Quell der Weisheit verlassen“ – Das Volk hat sich diesen endgültigen Tod selbst gewählt. Das ist der Kern. Auch wir Menschen heute können frei wählen zwischen Leben und Tod, indem wir uns entweder für oder gegen Gott und seine Gebote entscheiden.
Lernen wir aus den Worten Baruchs an Israel „Wärest du auf Gottes Weg gegangen, du wohntest in Frieden für immer.“
Alles liegt in Gottes Hand, der die Welt geschaffen hat. Er ist es, der das Licht entsendet, das ihm zitternd gehorcht. Das ist Jesus Christus, wie wir schon zuvor bedacht und erkannt haben! Er ist dieses Licht, das auf die Erde gekommen ist. Hier die dunkle Welt erleuchtet hat und dann zum Vater zurückgekehrt ist. Dieses Licht ist den Menschen zuteil geworden und ist zugleich das Gesetz, die Torah! Jesus hat das Gesetz erfüllt, indem er erklärt hat, wie es zu verstehen ist. Und dieses Licht, das das Gesetz ist, ist zugleich das Leben.
Licht und Leben sind auch im Johannesevangelium ganz und gar eins. Und diese beiden werden dort auf das Wort, auf den Logos bezogen.
Baruch sagt ganz deutlich, dass es für das Volk noch nicht zu spät ist. Es kehre jetzt um, damit es die Chance „auf dem Weg zum Licht“ hat.
„Glücklich sind wir, das Volk Israel; denn wir wissen, was Gott gefällt.“ Ja, das Volk Israel hat die Gebote Gottes empfangen und kennt den Willen Gottes. Doch es hat trotz Wissen darum gegen die Gebote gehandelt. Dabei kann es sich glücklich schätzen, denn es weiß, welcher Weg zum ewigen Leben bei Gott führt.
Das können wir Christen umso mehr sagen. Jesus hat die Gebote ganz konkret vorgelebt, sodass wir genau wissen, wie wir leben müssen, um zum Vater zu gelangen. Wie glücklich können wir uns über die Offenbarung Gottes schätzen! Seien wir dankbar, dass er uns die Chance auf das ewige Leben schenkt!

Ps 19
8 Die Weisung des HERRN ist vollkommen, sie erquickt den Menschen. Das Zeugnis des HERRN ist verlässlich, den Unwissenden macht es weise. 9 Die Befehle des HERRN sind gerade, sie erfüllen das Herz mit Freude. Das Gebot des HERRN ist rein, es erleuchtet die Augen. 10 Die Furcht des HERRN ist lauter, sie besteht für immer. Die Urteile des HERRN sind wahrhaftig, gerecht sind sie alle. 11 Sie sind kostbarer als Gold, als Feingold in Menge. Sie sind süßer als Honig, als Honig aus Waben. 12 Auch dein Knecht lässt sich von ihnen warnen; reichen Lohn hat, wer sie beachtet.

Mit Psalm 19 betrachten wir die Weisung des HERRN. Das ist die Torah, die in Jesus Christus Fleisch geworden ist. „Sie erquickt den Menschen.“ Ja, die Gebote zu leben bedeutet das Leben in Fülle und so muss die Seele des Menschen nicht mehr dürsten. Das können wir auch ganz und gar auf Christus beziehen, der nicht umsonst gesagt hat: „Wer Durst hat, komme zu mir und trinke (Joh 7).“
Gottes Zeugnis ist verlässlich und lehrt die Unwissenden. Jesus sagt, dass Gott sich den Unmündigen offenbart hat. Diese Weisheit ist höher als die Weisheit der Welt, so Paulus z.B. im ersten Korintherbrief.
Gott verlangt nicht, dass wir uns verbiegen und uns kaputt machen müssen. Er verlangt, dass wir gerade leben, das heißt einen Lebenswandel nach den Geboten führen sollen. Das ist nichts, was uns überfordert, sondern für den Menschen möglich! Es macht den Menschen glücklich, denn Gottes Gebote sind gerecht und viel kostbarer als alle irdischen Güter wie Gold oder Honig.
„Auch dein Knecht lässt sich von ihnen warnen“ – das ist zunächst auf König David zu beziehen, der diesen Psalm gedichtet und selbst gebetet hat. Dies betrifft aber auch Jesus Christus, der die Gebote selbst ganz gehalten hat. Die Weisung des Herrn bringt das ewige Leben – in Buchstaben, aber vor allem als Person Jesu Christi! Deshalb sagt Jesus, dass er die Auferstehung und das Leben ist. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Keiner kommt zum Vater, außer durch ihn! Wir merken, dass mit jeder Lesung sich alles immer mehr auf Jesus Christus verdichtet! Die ganze Schrift läuft wie ein Fluchtpunkt auf ihn zusammen! Sie ist ein einziges Zeugnis für ihn.

Ez 36
16 Das Wort des HERRN erging an mich: 17 Menschensohn, als die vom Haus Israel in ihrem Land wohnten, machten sie es durch ihre Wege und ihre Taten unrein. Wie die monatliche Unreinheit der Frau waren ihre Wege in meinen Augen. 18 Da goss ich meinen Zorn über sie aus, weil sie Blut vergossen im Land und es mit ihren Götzen befleckten. 19 Ich zerstreute sie unter die Nationen; in die Länder wurden sie vertrieben. Nach ihren Wegen und nach ihren Taten habe ich sie gerichtet. 20 Als sie aber zu den Nationen kamen, entweihten sie überall, wohin sie kamen, meinen heiligen Namen; denn man sagte von ihnen: Das ist das Volk des HERRN und doch mussten sie sein Land verlassen. 21 Da tat mir mein heiliger Name leid, den das Haus Israel bei den Nationen entweihte, wohin es auch kam. 22 Darum sag zum Haus Israel: So spricht GOTT, der Herr: Nicht euretwegen handle ich, Haus Israel, sondern um meines heiligen Namens willen, den ihr bei den Nationen entweiht habt, wohin ihr auch gekommen seid. 23 Meinen großen, bei den Nationen entweihten Namen, den ihr mitten unter ihnen entweiht habt, werde ich wieder heiligen. Und die Nationen – Spruch GOTTES, des Herrn – werden erkennen, dass ich der HERR bin, wenn ich mich an euch vor ihren Augen als heilig erweise. 24 Ich nehme euch heraus aus den Nationen, ich sammle euch aus allen Ländern und ich bringe euch zu eurem Ackerboden. 25 Ich gieße reines Wasser über euch aus, dann werdet ihr rein. Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen. 26 Ich gebe euch ein neues Herz und einen neuen Geist gebe ich in euer Inneres. Ich beseitige das Herz von Stein aus eurem Fleisch und gebe euch ein Herz von Fleisch. 27 Ich gebe meinen Geist in euer Inneres und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Rechtsentscheide achtet und sie erfüllt. 28 Dann werdet ihr in dem Land wohnen, das ich euren Vätern gegeben habe. Ihr werdet mir Volk sein und ich, ich werde euch Gott sein.

Als nächstes hören wir noch eine wunderbare Verheißung aus dem Buch Ezechiel. Auch hier wird der Tod als Entfernung von Gott charakterisiert („machten sie es durch ihre Wege und ihre Taten unrein“). Ezechiel bekommt eine Deutung der schlechten Zeiten Israels in der Babylonischen Gefangenschaft. Israel hat es sich selbst zuzuschreiben, „weil sie Blut vergossen im Land und es mit ihren Götzen befleckten.“ Die Zerstreuung und das Verlassen des verheißenen Landes sind Ausdruck des Zornes Gottes. Auch hier muss wieder betont werden, dass es kein Zorn ist wie bei Menschen, sondern eine angemessene und kontrollierte Reaktion Gottes auf Unrecht. Diese rettet Israel, denn dadurch kommt es zur Besinnung und kehrt um zum Leben!
Gott lässt seinen Zorn nur so lange walten, bis Israel es endlich versteht. Dann wird er sein Heil über Israel ausgießen: „Meinen großen, bei den Nationen entweihten Namen, den ihr mitten unter ihnen entweiht habt, werde ich wieder heiligen.“ Das klingt schon sehr christologisch für uns, die wir gestern noch die Entweihung des Namens Gottes durch die vielen Spöttereien an Jesus Christus gehört haben. Der Name Jesu, der so durch den Dreck gezogen worden ist, wird am Ende der heiligste Namen, in dem so viele Zeichen und Wunder geschehen werden, der das Heil ist für alle Menschen!
„Ich nehme euch heraus aus den Nationen, ich sammle euch aus allen Ländern und ich bringe euch zu eurem Ackerboden.“ Das ist für die Israeliten die höchste Heilsbotschaft! Sie dürfen zurück in ihrer Heimat und müssen nicht mehr in der Zerstreuung leben. Das ist aber auch christologisch zu verstehen: Jesus sammelt sich durch seine Erlösungstat Menschen aus allen Nationen und sie werden zu der neuen übernatürlichen Nation Gottes, dem neuen Volk, von dem wir in den vergangenen Lesungen schon gehört haben! Jesus wird sich seine Kirche sammeln, die auf den Ackerboden seines Leibes Fuß fassen wird. Sie wird schon auf Erden das Reich Gottes begründen und dann am Ende der Zeiten das verheißene Land, das himmlische Jerusalem betreten!
„Ich gieße reines Wasser über euch aus, dann werdet ihr rein. Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen.“ Jesus wird vom Vater seinen Hl. Geist auf sein Volk ausgießen und dadurch die Kirche zum Leben erwecken! Es ist der Geist, der Jesus selbst zum Leben erweckt hat am Ostermorgen! Auch hier haben wir wieder ein Zeugnis für den Gott des Lebens, der immerfort aus dem Nichts Leben schafft! Er ist wahrhaft Creator, immerfort, nicht nur am Anfang der Schöpfung! Diese Geistgabe verleiht Gott jedem seiner geliebten Kinder auf besondere Weise, wenn sie getauft werden. Dann werden sie wiedergeboren im Hl. Geist. Ihnen wird das ewige Leben geschenkt als Erben im Reiche Gottes.
„Ich gebe meinen Geist in euer Inneres und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Rechtsentscheide achtet und sie erfüllt.“ Gott kann dem Menschen auch wieder neues Leben schenken, wenn er umkehrt. Dies gilt für Israel, das durch die Götzendienste von Gott abgerückt war. Dies gilt für uns, die wir getauft sind, aber durch die Sünde von Gott weggegangen sind. Auch dann ist es nicht zu spät! Auch dann möchte Gott an uns ein kleines Ostern erwirken, bei dem wir durch das Sakrament der Buße wieder leben! Und das bewirkt der Geist Gottes, der das Leben ist.
Und wenn wir in diesem versöhnten Zustand sterben, werden wir im Land der Lebenden wohnen zusammen mit der Heiligsten Dreifaltigkeit, mit allen Engeln und Heiligen. Dann werden wir Gottes Volk sein und er unser Gott für immer. Das ist schon mehr als nur das verheißene Land Israel. Es geht um das ewige Leben.

Ps 42-43
3 Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann darf ich kommen und erscheinen vor Gottes Angesicht? 5 Ich denke daran und schütte vor mir meine Seele aus: Ich will in einer Schar einherziehn. Ich will in ihr zum Haus Gottes schreiten, im Schall von Jubel und Dank in festlich wogender Menge. 10 Sagen will ich zu Gott, meinem Fels: Warum hast du mich vergessen? Warum muss ich trauernd einhergehn, von meinem Feind unterdrückt? 3 Sende dein Licht und deine Wahrheit; sie sollen mich leiten; sie sollen mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deinen Wohnungen. 4 So will ich kommen zu Gottes Altar, zum Gott meiner Freude und meines Jubels. Ich will dir danken zur Leier, Gott, du mein Gott.

Auf diese wunderbare Verheißung antworten wir mit Sehnsucht. Ja, wir können es kaum erwarten, dass dies geschieht. Wir warten darauf, dass Jesus von den Toten aufersteht, damit wir das ewige Leben haben können. Wir sind schon erlöst, aber doch fiebern wir in der Liturgie heilsgeschichtlich mit. Wir sehnen uns darüber hinaus nach dem zweiten Kommen Jesu Christi, nach der Erlösung von dem Leiden dieser Welt, das immer größer wird. Wir sehnen uns nach der ewigen Gemeinschaft mit Gott, von der aus dem Ezechielbuch gehört haben.
„Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“ Der Mensch hat Durst, bis er nicht von Gott trinkt. Und Jesus hat es schon der Samariterin am Jakobsbrunnen erklärt: Wer von diesem Wasser trinkt, wird nie mehr dürsten.
Wir klagen Gott unser Leid, die wir trauernd einhergehn. Der Feind unterdrückt uns sehr und die Tendenz ist steigend. Doch auch wenn wir klagen: „Warum hast du mich vergessen?“ Ist dem nicht so. Gott vergisst uns nie. Er hat seinen eigenen Sohn dahingegeben, damit wir das ewige Leben haben und die Rettung unseres Lebens erfahren.
„Sende dein Licht und deine Wahrheit.“ Dies ist eine tiefgründige Bitte, die unsere Sehnsucht nach dem Messias ausdrückt. So oft haben wir jetzt gehört, dass er das Licht ist, das Gott in diese Welt gesandt hat. Er ist die Wahrheit, wie er selbst im Johannesevangelium erklärt hat. Die Menschen, die den Psalm beten, ersehnen den Messias, der noch nicht gekommen ist. Wir ersehnen die Wiederkunft Christi am Ende der Zeiten.
Und dieser Christus, der die Wahrheit ist, hat schon gesagt, dass wir nur durch ihn zum Vater gelangen. Und hier im Psalm wird das schon deutlich, wenn es heißt: „Sie sollen mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deinen Wohnungen. So will ich kommen zu Gottes Altar, zum Gott meiner Freude und meines Jubels.“ Der heilige Berg ist Zion. Gemeint ist für die Juden zunächst das Kommen zum Tempel in Jerusalem auf dem Zionsberg. Wir verstehen es aber schon christologisch: Wir kommen durch Christus zum himmlischen Zion. Dieses wird sakramental schon vorweggenommen in jeder Heiligen Eucharistie. Da berühren sich Himmel und Erde. Dort ist nicht nur der irdische und sichtbare Altar, sondern zugleich der himmlische Altar Gottes, den wir nicht sehen. Die Wohnungen, von denen der Psalm spricht, greift Jesus in seiner Abschiedsrede am Abend vor seinem Leiden auf, wenn er seinen Aposteln sagt: „Bei meinem Vater gibt es viele Wohnungen.“ Es ist der Lebensraum des Himmels, der mit diesem Bild ausgedrückt wird.
Dort werden alle Seelen Gott ewige danken zu der Leier (ein Instrument). Da wird ewiger himmlischer Lobpreis stattfinden.

Röm 6
3 Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? 4 Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln. 5 Wenn wir nämlich mit der Gestalt seines Todes verbunden wurden, dann werden wir es auch mit der seiner Auferstehung sein. 6 Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde, sodass wir nicht mehr Sklaven der Sünde sind. 7 Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. 8 Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden. 9 Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn. 10 Denn durch sein Sterben ist er ein für alle Mal gestorben für die Sünde, sein Leben aber lebt er für Gott. 11 So begreift auch ihr euch als Menschen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus.

Tod und Leben. Die ganze Heilsgeschichte läuft hinaus auf den Tod Jesu Christi am Kreuz, der am dritten Tage von den Toten auferstanden ist! Und dies geschieht just in dieser Liturgie! Jesus ist auferstanden und unser Gloria weist darauf hin. Nun hören wir aus dem Neuen Testament aus der Perspektive des bereits auferstandenen Jesus Christus. Paulus reflektiert darin, dass unsere Taufe, der Bundesschluss mit Gott, auf diesem Osterereignis gründet:
„Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?“ Das fasst unsere Taufe zusammen. Dass wir diesen Neuen Bund mit Gott überhaupt eingehen können und zu seinen Kinder, zu Erben des Reiches Gottes werden können, verdanken wir dem Tod Jesu Christi!
Unser alter Mensch ist mit Christus zusammen begraben worden. Unsere alte, sündige Natur, die dem ewigen Verderben geweiht war, ist zusammen mit Jesus Christus gestorben. Wir sind durch die Taufe zum neuen ewigen Leben auferweckt! Dadurch sind wir Christen österliche Menschen geworden! Und so wie Jesus jetzt ewig beim Vater lebt, so werden auch wir das ewige Leben beim Vater haben, auch wenn wir biologisch sterben.
Jesus hat unser altes Menschsein mit ans Kreuz genommen, damit wir für die Sünde mitsterben. Er hat uns dadurch aus der ewigen Sklaverei, aus dem ewigen Exil befreit, damit auch wir mit ihm leben würden. So wie Christus durch die Auferstehung den Tod endgültig besiegt hat, kann dieser auch uns nicht mehr schaden.
Wir sind für die Sünde tot, aber leben für Gott. Das ist Grund für eine unerschütterliche Hoffnung bis zum letzten Atemzug! Wir sehen, wie so viele der ersten Christen mit einem Lobpreis und Jubel auf den Lippen in den Tod gegangen sind für diese Osterbotschaft! Nur ein einziger Apostel ist eines natürlichen Todes gestorben. Alle anderen wurden für diese Botschaft umgebracht. Und sie haben bis zum Schluss daran festgehalten. Das zeigt, dass es wahr ist, dass Jesus lebt! Auch wir dürfen diese unerschütterliche Hoffnung haben und unser Leben auf dieser österlichen Botschaft aufbauen, die wir auf dieses Ereignis hin getauft sind.

Ps 118
1 Dankt dem HERRN, denn er ist gut, denn seine Huld währt ewig! 2 So soll Israel sagen: Denn seine Huld währt ewig. 16 die Rechte des HERRN, sie erhöht, die Rechte des HERRN, Taten der Macht vollbringt sie. 17 Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des HERRN zu verkünden. 22 Ein Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden. 23 Vom HERRN her ist dies gewirkt, ein Wunder in unseren Augen.

Aufgrund dieses Ereignisses und der überwältigenden Gnade Gottes können wir nicht anders, als unser ganzes Leben als Dankesopfer für den Herrn darzubringen. So wird Psalm 118 zu unserem Lebensprogramm. Ja, Gottes Huld währt ewig, denn er ist gut. Kein anderer Gott hat sich jemals von seinen geliebten Kindern umbringen lassen, um ebenjene von allen Sünden zu erlösen!
Gott hat durch die Auferstehung seines Sohnes wirklich seine Macht bewiesen. Das war die größte Heilstat aller Zeiten, die die Menschen gestern, heute und morgen erlöst hat!
Und deshalb darf der Mensch voller Freude sagen: „Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des HERRN zu verkünden.“ Ja, das ist die einzig angemessene Antwort auf die Erlösung, die uns zuteilgeworden ist – ihn zu verkünden und immerfort Zeugnis für ihn abzulegen.
Jesus Christus ist wirklich zum Eckstein geworden, nachdem die Bauleute ihn verworfen haben. Dies greifen die Autoren des Neuen Testaments auf wie Petrus im ersten Petrusbrief oder Paulus im Römerbrief. Ja, Jesus selbst hat dieses Schriftwort aufgegriffen und auf sich bezogen, wie wir in allen synoptischen Evangelien lesen. Die Menschen haben ihn nicht angenommen, aber Gott hat diese Ablehnung wiederum ins Heil umgekehrt. Gott ist ein Gott des Heils und hat somit der gesamten Menschheit die Rettung gebracht.

Mt 28
1 Nach dem Sabbat, beim Anbruch des ersten Tages der Woche, kamen Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. 2 Und siehe, es geschah ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. 3 Sein Aussehen war wie ein Blitz und sein Gewand weiß wie Schnee. 4 Aus Furcht vor ihm erbebten die Wächter und waren wie tot. 5 Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. 6 Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch den Ort an, wo er lag! 7 Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden und siehe, er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. 8 Sogleich verließen sie das Grab voll Furcht und großer Freude und sie eilten zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.
9 Und siehe, Jesus kam ihnen entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie gingen auf ihn zu, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße. 10 Da sagte Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen und dort werden sie mich sehen.

Und nun, meine Lieben, hören wir die wunderbare Osterbotschaft:
Am ersten Tag der Woche, als der Sabbat vorbei ist, das zugleich das Wochenende des Pessachfestes war, kommen die Frauen zum Grab, um nach dem Leichnam zu sehen. Es hat eine tiefe Bedeutung, dass Jesus am ersten Tag der Woche auferstanden ist. Es gibt zu jener Zeit schon länger jüdische Traditionen (Qumran etc.), denen nach die messianische Heilszeit an Tag 8 anbricht. Somit treten wir Christen als österliche Menschen in eine neue heilsgeschichtliche Epoche ein im Gegensatz zu den Juden, die den Sabbat am siebten Tag feiern! Jesus als Messias lebt wieder am achten Tag. Für die essenischen Kreise ein absolutes Signal und eine Bestätigung ihrer Schriften!
Bei Matthäus hören wir von einem kosmischen Zeichen bei der Auferstehung – einem Erdbeben. Das ist ganz typisch, weil es ein Zeichen der Theophanie Gottes ist. Wo Gott anwesend ist, gibt es immer wieder meteorologische Phänomene wie Gewitter, Wolken oder wie jetzt das Erdbeben. Ein Engel des Herrn wälzt laut Matthäus den Stein weg. Er leuchtet hell und deshalb vergleicht Matthäus sein Aussehen mit einem Blitz und mit Schnee. Das ist die Gnade und Herrlichkeit des Himmels, die so hell leuchtet. Wir haben die Lichtmetapher jetzt schon sehr oft gehört.
Die Wächter der Römer, die das Grab bewachen mussten (man hatte Angst, dass die Jünger Jesu den Leichnam stehlen würden), waren überwältigt und konnten nichts tun. Sie erstarren vor der Herrlichkeit Gottes!
Und dann kommt die Botschaft, die uns die gesamte Bibel hindurch immer wieder begegnet: „Fürchtet euch nicht!“
Der Engel erklärt den Frauen, dass der Gekreuzigte, den sie suchen, nicht mehr da ist, weil er auferstanden ist!
Die Frauen schauen mit eigenen Augen, dass das Grab leer ist. Sie sollen zu den Aposteln gehen und ihnen die frohe Botschaft bringen. Aus dem Grund wird Maria Magdalena in der Kirche als Apostolin der Apostel verehrt. Sie hat ihnen die frohe Botschaft als erste verkündet. Weil sie Jesus immer mit einer besonders innigen Liebe geliebt hat, ist ihr diese Ehre zuteil geworden.
Der Engel kündigt den Frauen an, dass Jesus den Jüngern nach Galiläa vorausgehe.
Und dann sehen sie Jesus, den sie so sehr betrauert haben! Er lebt! Jesus lebt! Er ist echt, denn sie umfassen seine Füße. Er ist keine Fata Morgana, er ist leibhaftig bei ihnen. Auch er spricht zu ihnen und sagt ihnen, dass sie den Aposteln den Aufbruch nach Galiläa verkünden sollen, wohin er ihnen vorausgehe.
Jesus lebt – nicht nur geistig, sondern mit Leib und Seele! Er ist wahrhaftig mitten unter den Menschen. Bei den anderen Evangelisten hören wir sogar, dass Jesus etwas isst. Er ist leibhaftig auferstanden und diese Botschaft kann uns keiner nehmen! So wie er leiblich auferstanden ist, so werden auch wir am Ende der Zeiten mit Leib und Seele auferstehen. Das ist die Eigenschaft der neuen Schöpfung, zu der Jesus und Maria schon gehören.

Gott ist ein Gott des Lebens. Das ist die Hauptbotschaft von Ostern. Die ganze heilsgeschichtliche Zusammenfassung atmet diese Botschaft mit jedem Buchstaben. Gott ist ein Gott des Lebens und wenn wir zu ihm kommen, dann leben auch wir.

Halleluja, Jesus lebt!

Ihre Magstrauss


Freitag der 5. Woche der Fastenzeit

Jer 20,10-13; Ps 18,2-3.4-5.6-7b.7cdu. 20; Joh 10,31-42

Jer 20
10 Ich hörte die Verleumdung der Vielen: Grauen ringsum! Zeigt ihn an! Wir wollen ihn anzeigen. Meine nächsten Bekannten warten alle darauf, dass ich stürze: Vielleicht lässt er sich betören, dass wir ihn überwältigen und an ihm Rache nehmen können.

11 Doch der HERR steht mir bei wie ein gewaltiger Held. Darum straucheln meine Verfolger und können nicht überwältigen. Sie werden schmählich zuschanden, da sie nichts erreichen, in ewiger, unvergesslicher Schmach.
12 Aber der HERR der Heerscharen prüft den Gerechten, er sieht Nieren und Herz. Ich werde deine Vergeltung an ihnen sehen; denn dir habe ich meinen Rechtsstreit anvertraut.
13 Singt dem HERRN, rühmt den HERRN; denn er rettet das Leben des Armen aus der Hand der Übeltäter.

Heute hören wir aus dem Buch Jeremia einen Abschnitt aus der fünften Konfession. Dort beschreibt er die bösen Absichten seiner Gegner, die darauf warten, dass er stürzt. Sie sind es, die ihn verleumden und somit auch Gott. Sie wollen ihn anzeigen und sich an ihm Rächen, weil er immer wieder eine Botschaft verkündet, die sie nicht hören wollen. Jeremia muss wirklich viel für das Wort Gottes leiden und wird somit zum Typos Christi.
Gott lässt ihn nicht allein, genauso wenig wie er seinen eigenen Sohn am Kreuz allein gelassen hat. Er ist „wie ein gewaltiger Held.“ Zwar erweckt er Jeremia nicht zum Leben, doch er sorgt für Gerechtigkeit. Er wird Jeremias Gegnern keinen Segen verleihen und ihre Missetaten auf sie zurücklenken.
Gott prüft den Gerechten, er schaut auf sein Inneres, was mit „Nieren und Herz“ immer gemeint ist. Gott schaut die innersten Regungen des Menschen. Jeremia versteht sein Leiden somit als Prüfung Gottes.
Er vertraut darauf, dass Gott das Unrecht vergelten wird, das dem Propheten widerfährt. Er begründet es damit dass er Gott seinen „Rechtsstreit anvertraut“. Gott ist ein gerechter Richter. Wenn man das Gericht ihm überlässt, erhält jeder Beteiligte ein absolut angemessenes Urteil. Menschliche Gerichte sind dagegen ungerecht, wie Jeremia am Anfang der Lesung ja herausgestellt hat. Er steht für eine gute Sache ein, nämlich für Gottes Botschaft, doch die Menschen möchten ihn anzeigen, vor die Gerichte bringen.
Er vertraut Gott ganz und fordert sogar zum Lobpreis auf: „Singt dem HERRN, rühmt den HERRN; denn er rettet das Leben des Armen aus der Hand der Übeltäter.“ Ja, er wird auch Jesus aus der Hand seiner Übeltäter befreien und ihn über alle anderen erhöhen. Er wird auch uns immer wieder aus den Klauen des Bösen retten, der unsere Seele von Gott wegführen will. Er rettet uns vom seelischen Tod durch die Heilsmittel und schließt dafür den Taufbund mit uns. Er wird uns schließlich auch am Ende der Zeiten retten, wenn alles zusammenbrechen wird. Dann werden wir ein für allemal aus den Fängen des Bösen befreit. Dann werden wir erst recht Gott loben und preisen in Ewigkeit.

Ps 18
2 Ich will dich lieben, HERR, meine Stärke,
3 HERR, du mein Fels und meine Burg und mein Retter; mein Gott, mein Fels, bei dem ich mich berge, mein Schild und Horn meines Heils, meine Zuflucht.
4 Ich rufe: Der HERR sei hoch gelobt! und ich werde vor meinen Feinden gerettet.
5 Mich umfingen die Fesseln des Todes und die Fluten des Verderbens erschreckten mich.
6 Mich umstrickten die Fesseln der Unterwelt, über mich fielen die Schlingen des Todes.
7 In meiner Not rief ich zum HERRN und schrie zu meinem Gott, er hörte aus seinem Tempel meine Stimme, mein Hilfeschrei drang an seine Ohren.

Der Psalm stellt einen schönen Lobpreis dar, sozusagen als Fortsetzung und Vertiefung der Lesung.
„Ich will dich lieben, HERR, meine Stärke“ ist ein typischer Psalmbeginn. Nicht nur die Selbstaufforderung zum Lob ist oft am Anfang zu lesen, sondern auch eine Liebesbekundung oder eine Willenszusage. Gott ist Davids Stärke, dem wir diesen Lobpreis verdanken. All die Siege hat er durch die Stärke des HERRN zustande gebracht. Er hat sich auch nie angemaßt, dass es von ihm selbst komme. Er hat seine Macht und Stärke immer von Gottes Allmacht her gesehen. So können auch wir alles, was wir zustande bringen, auf Gott verweisen, der uns die Kraft gegeben hat. So werden wir nie überheblich und sind Gott immer dankbar für den Beistand, den er uns tagtäglich sendet.
In diesem Sinne ist auch Vers 3 zu verstehen. Gott ist der Fels, die Burg und der Retter. Er ist also auch die Zuflucht, die wir suchen sollen. Wenn wir uns auf Menschen verlassen und erwarten, dass diese uns glücklich machen, werden wir immer unglücklich und unzufrieden sein. Nur Gott kann uns wirklich dauerhaft trösten und beschützen. Er ist wirklich der Verlässliche, der uns entlasten will.
Es gibt keinen unangemessenen Zeitpunkt, Gott zu loben und zu preisen, denn ihm steht es immer zu. „Und ich werde vor meinen Feinden gerettet.“ Gott rettet seine geliebten Geschöpfe wirklich immer aus allen Gefahren. Diese betreffen den ganzen Menschen, nicht nur sein irdisches Dasein. Gott rettet nämlich auch unsere Seele vor dem ewigen Tod, er rettet uns aus dem Zustand der Todsünde, er rettet uns Menschen durch die Taufe. Diese Gefahren sind alle auf ihre Weise die „Fesseln des Todes“ und „die Fluten des Verderbens“. Wir denken zurück an die Sintflut, die die Folge der Sünde der ganzen Menschheit darstellte. Diese Flut bedeckt auch die Sünde der Menschheit bei der Taufe Jesu, als dieser untertaucht. Durch sein Untertauchen ist das Wasser der Wiedergeburt im Hl. Geist für uns zum Heil geworden und nicht mehr bedrohlich. Der Geist Gottes überflutet uns in jeder Hl. Messe, durch die Heilsmittel der Kirche, jedesmal, wenn wir wieder den Stand der Gnade geschenkt bekommen. Dann wird unser Inneres, die Seele als Gefäß, mit den Fluten jenes Wassers gefüllt, sodass wir nicht verdursten in einer Welt der Wüste. Was David also rückblickend schreibt, können wir auf unser Leben vor der Taufe, vor der Versöhnung mit Gott, auf die Menschen vor der Erlösung durch Jesus Christus beziehen – und schließlich auf die gesamte Menschheit in den Wehen der Endzeit, bevor der wiederkommende verherrlichte Menschensohn sie endgültig aus den Schlingen des Todes errettet.
David rief in seiner Not zum Herrn, der ihn aus dem Tempel her erhörte. Dieser Tempel war noch kein fest erbautes Gebäude, sondern das Offenbarungszelt. Auf Jeremia bezogen können wir schon den fest erbauten ersten Tempel hier identifizieren: Gott erhört auch ihn vom Tempel aus, der ja Gottes Wohnstatt auf Erden darstellt. Dieser salomonische Tempel wird jedoch bald zerstört, weil die Israeliten auf die Warnrufe der Propheten wie Jeremia nicht gehört und weiterhin den Baalen Opfer dargebracht haben. Wir können es auch auf Jesus Christus beziehen, der in seiner Todesnot am Kreuz zum Vater geschrien hat. Dieser hat ihn erhört vom Tempel her, der aber nicht nur den herodianischen Tempel Jerusalems meint, sondern vor allem vom Tempel des Leibes Jesu Christi her. Diesen meint Jesus ja auch bei der Tempelreinigung. Vom Tempel her, der nun jede Kirche mit Tabernakel ist, erhört Gott auch auf besondere Weise unsere Rufe, die wir bei ihm in der Eucharistie Zuflucht suchen. Und am Ende der Zeiten wird Gott das Schreien der leidenden Menschen auf Erden vom himmlischen Tempel aus erhören, wenn er in die Geschichte eingreift, um einen neuen Himmel und eine neue Erde zu schaffen.
Gott ist unsere Welt nicht egal. Sie ist seine Schöpfung, die er zum Heil führen will. Deshalb zürnt er und reagiert auf das Unrecht – im Kleinen wie im Großen. Das ist uns ein Trost und so dürfen wir auf das Heil am Ende schauen, auch wenn die derzeitige Situation alles andere als gut ist.

Joh 10
31 Da hoben die Juden wiederum Steine auf, um ihn zu steinigen.
32 Jesus hielt ihnen entgegen: Viele gute Werke habe ich im Auftrag des Vaters vor euren Augen getan. Für welches dieser Werke wollt ihr mich steinigen?

33 Die Juden antworteten ihm: Wir steinigen dich nicht wegen eines guten Werkes, sondern wegen Gotteslästerung; denn du bist nur ein Mensch und machst dich selbst zu Gott.
34 Jesus erwiderte ihnen: Steht nicht geschrieben in eurem Gesetz: Ich habe gesagt: Ihr seid Götter?
35 Wenn er jene Menschen Götter genannt hat, an die das Wort Gottes ergangen ist, und wenn die Schrift nicht aufgehoben werden kann,
36 dürft ihr dann von dem, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat, sagen: Du lästerst Gott – weil ich gesagt habe: Ich bin Gottes Sohn?
37 Wenn ich nicht die Werke meines Vaters vollbringe, dann glaubt mir nicht!
38 Aber wenn ich sie vollbringe, dann glaubt wenigstens den Werken, wenn ihr mir nicht glaubt! Dann werdet ihr erkennen und einsehen, dass in mir der Vater ist und ich im Vater bin.
39 Wieder suchten sie ihn festzunehmen; er aber entzog sich ihrem Zugriff.
40 Dann ging Jesus wieder weg auf die andere Seite des Jordan, an den Ort, wo Johannes zuerst getauft hatte; und dort blieb er.
41 Viele kamen zu ihm. Sie sagten: Johannes hat kein Zeichen getan; aber alles, was Johannes über diesen gesagt hat, erwies sich als wahr.
42 Und viele kamen dort zum Glauben an ihn.

Im heutigen Evangelium ist es wieder so, dass die Worte Jesu, die sich aus seiner göttlichen Autorität speisen, die Juden sehr provozieren. So beginnt die Lesung heute mit einem Steinigungsversuch.
Jesus hält den Juden furchtlos entgegen: „Viele gute Werke habe ich im Auftrag des Vaters vor euren Augen getan. Für welches dieser Werke wollt ihr mich steinigen?“ Das trifft es auf den Punkt. Jesus hat viel verkündet, er hat aber vor allem durch seine Heilstaten überzeugt. Nun fragt er also ganz ironisch, was der Grund für seine Hinrichtung sein soll.
Die Juden entgegnen ihm, dass sie ihn aber nicht wegen der Taten, sondern der blasphemischen Worte steinigen wollen. Diese bestehe in seinem Anspruch, Gottes Sohn zu sein.
Sie haben durch ihre eigenen Worte etwas erkennen lassen: Sie haben die Einheit zwischen Jesu Worten und Werken nicht erkannt. Hätten sie von den Werken auf seine Worte geschlossen, hätte es bei ihnen Klick machen müssen und sie hätten die Erfüllung all der messianischen Verheißungen ihrer Hl. Schriften erkannt. Stattdessen sehen sie rot bei den Worten Jesu, die er mit göttlicher Autorität gesprochen hat.
Jesus verweist daraufhin auf Psalmworte, die von ihrer Formulierung her noch viel provokativer sind, die sie aber als Gotteswort einstufen und nicht abändern. Es geht um Ps 82,6. Da heißt es sogar „ihr seid Götter.“ Dies ist noch viel radikaler als Jesu Worte der Gottessohnschaft.
Bei Psalm 82 geht es um die abgefallenen Israeliten. Sie hätten „Götter“ sein können im Sinne des ewigen Lebens, doch werden wie Menschen sterben, weil sie gesündigt haben. Hier geht es um die Gegenüberstellung von „Gott“ und „Mensch“. Das Ganze ist eingebettet in einen poetischen Rahmen. Psalmensprache ist voll von rhetorischen Stilmitteln, die natürlich nicht wortwörtlich genommen werden kann. Das verstehen die Juden auch, aber im Falle Jesu zeigen sie nicht einmal den Willen, ihn zu verstehen.
Jesus nennt diese Schriftstelle, um herauszustellen: Wenn die Juden schon das Wort Gottes annehmen, selbst wenn solche Bibelstellen von ihrer Sprache her provokativ sind, umso mehr sollten sie das fleischgeworden Wort Gottes annehmen, das direkt vom Vater kommt! Seine Autorität steht doch über dem Buchstaben! Ihn sollten die Juden noch viel mehr gläubig annehmen, doch sie zeigen nicht einmal den Willen, diese scheinbare Provokation zu verstehen. Jesus will sie lehren, doch sie sind unbelehrbar. Lieber greifen sie zu Steinen und machen das fleischgewordene Wort Gottes mundtot.
Jesus versucht, von ihnen wenigstens ein Mindestmaß an Glauben zu erlangen, nämlich dem Glauben seiner Werke. Denn allein schon jene Heilstaten müssten sie erkennen lassen, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, der alles in Einheit mit dem Vater tut.
Es bringt nichts. Die Juden wollen ihm wieder etwas antun und so muss Jesus das Gebiet verlassen. Er geht auf die andere Seite des Jordan, in das Gebiet der Johannestaufe. Dort wirkt er offensichtlich viele weitere Heilstaten, denn die Menschen dort erkennen, dass alle Vorhersagen des Täufers auf Jesus zutreffen. So werden viele der Johannesjünger in jenem Gebiet Jünger Jesu.
Diese Menschen stellen heute ein Positivbeispiel dar. Sie glauben den Werken Jesu im Gegensatz zu den Juden in Jerusalem (mit „Juden“ ist im Johannesevangelium an solchen Stellen oft die religiöse Elite gemeint, die sich aus den Hohepriestern, Ältesten, Pharisäern und Schriftgelehrten zusammensetzt). Sie empfinden Jesu Wirken nicht als blasphemisch, sondern erkennen die Erfüllung messianischer Verheißungen. Sie verstehen mehr von der Hl. Schrift als die eigentlichen Gelehrten. Das ist eine einzige tragische Ironie.

Wie ist es bei uns?

Nehmen wir das Wort Gottes an, auch wenn es Kritik an uns richtet? Uns herausfordert? Uns zur Umkehr aufruft? Nehmen wir es an, wenn Gott uns durch die Propheten heutiger Zeit anspricht? Oder wollen wir sie lieber mundtot machen, weil sie in der Welt einen Störfaktor darstellen, der unsere Komfortzone bedroht?
Schauen wir immer genau hin, denn Gott spricht auch auf unerwartete Weise zu uns. Und jene, auf die wir uns allzu sehr verlassen, könnten uns in die Irre führen. Es gibt viele falsche Propheten und es werden immer mehr. Beten wir um die Gabe der Unterscheidung der Geister und suchen wir in allem immer Zuflucht bei Gott. Vergessen wir auch in unserer heutigen Zeit nie, das der Kern des Evangeliums in der Umkehr besteht und Gott uns aus unserer Not immer heraus hilft, egal was passiert.

Mit diesem Vertrauen dürfen wir auf die Karwoche zugehen.

Ihre Magstrauss