11. Januar in der Weihnachtszeit

1 Joh 5,5-13; Ps 147,12-13.14-15.19-20; Lk 5,12-16

1 Joh 5
5 Wer sonst besiegt die Welt, außer dem, der glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist? 
6 Dieser ist es, der durch Wasser und Blut gekommen ist: Jesus Christus. Er ist nicht nur im Wasser gekommen, sondern im Wasser und im Blut. Und der Geist ist es, der Zeugnis ablegt; denn der Geist ist die Wahrheit. 
7 Denn drei sind es, die Zeugnis ablegen: 
8 der Geist, das Wasser und das Blut; und diese drei sind eins.
 
9 Wenn wir von Menschen ein Zeugnis annehmen, so ist das Zeugnis Gottes größer; denn das ist das Zeugnis Gottes: Er hat Zeugnis abgelegt von seinem Sohn. 
10 Wer an den Sohn Gottes glaubt, trägt das Zeugnis in sich. Wer Gott nicht glaubt, hat ihn zum Lügner gemacht, weil er nicht an das Zeugnis geglaubt hat, das Gott von seinem Sohn abgelegt hat. 
11 Und darin besteht das Zeugnis, dass Gott uns ewiges Leben gegeben hat; und dieses Leben ist in seinem Sohn. 
12 Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht.
13 Dies habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt, denn ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes.

Der gestrige Abschnitt aus dem Johannesbrief endete mit der Aussage, dass wir die „Welt“, das heißt die gefallene Welt durch den Glauben besiegt haben. Heute beginnt die Lesung mit einer rhetorischen Frage („Wer sonst…“). Dabei wird spezifiziert, was mit Glaube gemeint ist: der Glaube an Jesus Christus als Sohn Gottes. Vers 6 weist dann ein Bild auf, das für uns einen Tag unmittelbar vor dem Fest der Taufe des Herrn besonders auffällig ist: Jesus kam durch Wasser und Blut. Was ist damit gemeint? Die beiden Stoffe umschreiben die beiden Naturen Jesu. Das Wasser steht für seine Göttlichkeit, da es oft das Bild für den Hl. Geist ist, das Blut für seine Menschlichkeit, weil es für die Genealogie von Menschen steht. Wir können diese Interpretation vor allem dadurch erkennen, dass Johannes das Kommen durch Wasser UND Blut betont und extra sagt, dass Jesus nicht nur durch Wasser gekommen ist. Das behaupten nämlich die Doketisten (Jesus hat keine Materie angenommen). Der Geist Gottes bezeugt diese Wahrheit, weil er selbst Wahrheit ist. Uns ist es vom Geist eingegeben worden, dass Jesu Identität so ist. Und diese Aussage spielt schon auf die Taufe Jesu an, wo der Geist sich in Gestalt einer Taube auf Jesus hinabgesenkt hat. Damit bezeugt der Geist selbst die Identität Christi.
Alle drei Elemente werden nun ab Vers 7 zu Zeugen: Wasser, Blut und Geist. Das ist interessant, weil wir hier etwas über das Verhältnis Christi zum Hl. Geist erfahren. Sie sind nämlich eins (ἕν εἰσιν). Dies ist analog zu Joh 10,30 zu lesen, wo Jesus die Einheit mit dem Vater ausdrückt (ἕν ἐσμεν).
Johannes möchte zum Ende des Briefes die Adressaten versichern, dass die von der Kirche geglaubte Lehre über Jesu Identität zuverlässig sei, eben weil der Geist Gottes selbst sie bezeugt hat. Stünde es gegen ein menschliches Zeugnis (wie im Fall der Doketisten!), überwiegt das Zeugnis Gottes bei weitem. Gott hat selbst Zeugnis von Jesus abgelegt und wir tragen dieses Zeugnis im Herzen – durch die Taufe. Wir sind ja auf den Vater, den Sohn und den Hl. Geist getauft. Leugnen wir also Jesu wahre Identität, machen wir Gott selbst zum Lügner, der genau diese Identität ja bezeugt hat.
Das Zeugnis besteht im ewigen Leben, das Gott durch seinen Sohn geschenkt hat – die Aussicht auf ein Leben im himmlischen Jerusalem.
„Wer den Sohn hat, hat das ewige Leben“ bedeutet, dass wenn wir Jesus annehmen, wie er ist, in das Reich Gottes eingehen können.
Johannes schließt den Brief also mit der Heilsnotwendigkeit ab, Jesu Identität anzunehmen, die uns Gott selbst offenbart hat: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Schon in den Kapiteln zuvor schreibt Johannes ja, dass wir nur dann im Stand der Gnade sind, wenn wir Jesu Identität annehmen, wie sie die Kirche lehrt.

Ps 147
12 Jerusalem, rühme den HERRN! Lobe deinen Gott, Zion! 
13 Denn er hat die Riegel deiner Tore festgemacht, die Kinder in deiner Mitte gesegnet. 
14 Er verschafft deinen Grenzen Frieden, er sättigt dich mit bestem Weizen. 
15 Er sendet seinen Spruch zur Erde, in Eile läuft sein Wort dahin. 
19 Er verkündet Jakob sein Wort, Israel seine Gesetze und seine Entscheide. 
20 An keinem anderen Volk hat er so gehandelt, sie kennen sein Recht nicht. Halleluja!
 

Den heutigen Psalm haben wir letzten Sonntag bereits gebetet. Es handelt sich um einen Lobpreispsalm. Jerusalem wird zum Lobpreis Gottes aufgefordert aufgrund der Gnade, die Gott ihm erwiesen hat („er hat die Riegel deiner Tore festgemacht“, „er verschafft deinen Grenzen Frieden“, „er sättigt dich mit bestem Weizen“). Zugleich ist nicht nur die Stadt selbst gemeint, sondern ganz Israel damit eingeschlossen. Dies sehen wir spätestens an dem Vers 19, wo Jakob bzw. Israel thematisiert werden und auch im darauffolgenden Vers der Vergleichswert eines anderen Volkes genannt wird.
Gott hat somit nicht nur die Kinder der Jerusalemer gesegnet, sondern alle Kinder. Er verschafft den Grenzen des ganzen Landes Frieden, sättigt das ganze auserwählte Volk.
Wir lesen diese Worte noch weiter bis zu Jesus und dem neuen Volk, das dieser im neuen Bund erwählt hat – uns, die Kirche, die Gemeinschaft der Gläubigen. Auch unsere Grenzen sichert er (wenn wir ihn lassen und nicht für alles und jeden offen sind, bis wir nicht mehr ganz dicht sind…). Auch uns sättigt er mit dem besten Weizen – mit der Eucharistie. Er segnet unsere Kinder, indem er sie zu Kindern seines Reiches macht in der Taufe. Er verschafft uns einen umfassenden inneren Frieden, den die Welt nicht geben kann, den wahren Schalom, den der auferstandene Christus seinen Aposteln verheißen hat.
Wenn die Rede davon ist, dass Gott „seinen Spruch zur Erde“ sendet, meint es zunächst die Offenbarung Gottes an einzelne Propheten. Es meint aber auch weitergedacht Jesus selbst, das fleischgewordene Wort Gottes, das Gesprochene Gottes. In dieser Leserichtung ist Vers 15 höchst messianisch! In Eile läuft das Wort Richtung Erde, bald, sehr bald kommt der Messias! Wir dürfen diese Aussage neben dem ersten Kommen des Wortes Gottes auch auf das zweite Kommen beziehen, das kurz bevor steht!
In dieser Linie können wir auch Vers 19 verstehen: Das Wort, das Gott Jakob verkündet, ist nicht nur die Torah (, was hier wörtlich gemeint ist), die Gesetze und Entscheide, sondern eben auch das Wort Gottes, das fleischgeworden ist, Jesus Christus! Und da dürfen wir „Jakob“ nicht überlesen. Zuerst wird Jesus, der Messias den Juden verkündet! An sie ist die Verkündigung zuerst gerichtet. Sie waren es, zu denen Jesus als erstes gekommen ist, bevor er zu den Heiden ging. Sie sind das auserwählte Volk Gottes, zu dem das Wort Gottes gesandt worden ist und zu denen das Wort Gottes selbst gehört! Jesus hat ihre DNA!
Dies ist so ein Privileg, wie man es nie zuvor und nie danach sehen wird. Gott hat die DNA der Juden angenommen, denen die Biologie ja so wichtig ist. Als Jude wird man geboren. Gott hat sein Wort Fleisch werden lassen, damit es sein Zelt aufschlage unter den Juden. Dieses Privileg hat kein anderes Volk gesehen. Das müssen wir erstmal so für sich stehen lassen und wir dürfen das nie vergessen. Der heutige Psalm untermauert also zunächst das Zeugnis Gottes aus 1 Joh 5. Jesus ist durch Wasser und Blut gekommen und der Psalm konkretisiert dieses Blut.

Lk 5
12 Und es geschah, als sich Jesus in einer der Städte aufhielt: Siehe, da war ein Mann voller Aussatz. Als er Jesus sah, warf er sich auf sein Angesicht und bat ihn: Herr, wenn du willst, kannst du mich rein machen. 
13 Da streckte Jesus die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will – werde rein! Im gleichen Augenblick wich der Aussatz von ihm. 
14 Jesus befahl ihm: Erzähl niemandem davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Reinigungsopfer dar, wie es Mose angeordnet hat, zum Zeugnis für sie!
15 Sein Ruf aber verbreitete sich immer mehr und große Volksmengen kamen zusammen, um zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden.
16 Doch er zog sich an einen einsamen Ort zurück, um zu beten.

In der gestrigen Perikope aus dem Evangelium lasen wir, wie Jesus die Jesajaverheißung auf sich selbst bezogen hat. Was wir nicht mehr lasen, war, dass Jesus fast gesteinigt worden ist. An der heutigen Fortsetzung sehen wir, dass er trotzdem seine Verkündigung weiter vornimmt, obwohl er sich damit selbst gefährdet.
Die heutige Episode ist sehr bemerkenswert, weil sie verschiedene Aspekte der heutigen Lesungen aufgreift: den Glauben an den Sohn Gottes aus 1 Joh 5, das Blut und das Wasser, Jesu jüdische Identität und Göttlichkeit.
Jesus begegnet in einer der Städte einem Aussätzigen. Und dieser Mann ist voller Glauben. Er sagt zu Jesus, vor dem er niederfällt, „wenn du willst“, nicht „wenn du kannst“. Er glaubt fest daran, dass Jesus die Macht hat, ihn zu heilen, versteht aber, dass dies von Gottes Willen abhängt. Das ist ein sehr reifer Glaube.
Jesus sieht diesen Glauben und zögert nicht. Er antwortet ihm mit „ich will es. Werde rein“. Jesus heilt ihn durch sein gesprochenes Wort. Das ist sehr interessant, denn Jesus ist ja das Wort Gottes, das laut Psalm „in Eile“ zur Erde kommt. Er ist jetzt da, mitten unter den Menschen.
Jesus tut dann etwas sehr Entscheidendes: Er sagt dem Geheilten, dass er es erstens geheimhalten soll, zweitens sich gemäß dem mosaischen Gesetz einem Priester zeigen soll, die vorgesehenen Reinigungsopfer darbringen soll. Das alles soll er tun „zum Zeugnis für sie“.
Zunächst zur Geheimhaltung. Es kann als pragmatische Maßnahme angesehen werden, damit er diesmal nicht wirklich gesteinigt wird, bevor er seine Verkündigungszeit abgeschlossen hat. Dies ergibt aber bei näherer Betrachtung wenig Sinn, da Jesus ja keine Angst vor Übergriffen hat. Er führt sein Werk ja weiter, obwohl er fast gesteinigt worden ist.
Das ganze ist vor allem als pädagogische Maßnahme zu betrachten: Jesus möchte den Priestern ein Signal geben, wer er ist. Er ist nie so, dass er einfach herumreist und allen Leuten verkündet „ich bin der Messias“. Wer er ist, zeigt er vielmehr durch sein Verhalten und durch die Erfüllung der alttestamentlichen Verheißung. Jesus möchte also, dass die Priester die wunderbare Heilung des Aussätzigen selbst mit eigenen Augen sehen und davon ausgehend eine messianische Heilstat erkennen. Der Messias, so die Verheißungen des Alten Testaments, heilt von allen Krankheiten und Leiden. Dadurch, dass er sich dabei dem mosaischen Gesetz unterstellt, möchte er seine messianische Identität zusätzlich betonen. Als Messias kann er nicht gegen die Juden handeln, sondern ist einer von ihnen.
Jesus hat noch eine andere Lektion zu erteilen: Der Aussätzige selbst wird unterwiesen. Jesus berührt den kranken Mann, obwohl dieser an Aussatz erkrankt ist, einer Krankheit, die nicht nur ansteckend ist, sondern auch kultisch unrein macht. Jesus erklärt dem Aussätzigen dadurch: Der Messias steht über dem mosaischen Gesetz. Er steht über der kultischen Reinheit. Er kann Unreines rein machen, weil er Gott ist. Die zweite Lektion ist: Gott heilt uns Menschen, damit wir zu ihm zum Glauben kommen (diesen hat der Mann aber schon) und damit wir in unserer Gottesbeziehung gestärkt werden (Jesus ermöglicht dem Aussätzigen wieder den Gottesdienst und den Kult). Die dritte Lektion: Der Mann hat durch die erste Lektion bereits gelernt, dass der Messias über dem mosaischen Gesetz steht. Nun unterstellt sich dieser aber freiwillig dem Gesetz. Das ist Gottes Allmacht. Er ist frei darin, seine Allmacht in Anspruch zu nehmen und frei darin, auf sie zu verzichten.
Diese drei Lektionen greifen alles auf, was der erste Johannesbrief und auch der Psalm vermittelt: Der Messias ist wahrer Gott und wahrer Mensch. Als Gott steht er über dem Gesetz und doch unterstellt er sich ihm, um den Juden, zu denen er zuerst gesandt ist, seine Messianität zu offenbaren sowie die Erfüllung der Verheißung.
Jesu Heilstaten bleiben dennoch nicht verborgen, sondern verbreiten sich rasch. Viele Menschen suchen ihn auf, um seine Botschaft zu hören und von ihm geheilt zu werden.
Die heutige Perikope endet mit dem Satz: „Doch er zog sich an einem einsamen Ort zurück, um zu beten.“ Jesus nimmt sich immer wieder diese Momente, um ganz beim Vater zu sein. Alles, was er tut, tut er aus dieser Einheit heraus. Das führt uns wieder zurück zum ersten Johannesbrief. Unsere Liebe am Nächsten muss sich immer aus der Liebe zu Gott speisen, damit wir nicht ausgebrannt werden und wirklich die göttliche Liebe zu den Menschen bringen.
Tun wir es ihm gleich? All unsere Aktivitäten, die der Nächstenliebe dienen sollen, müssen sich aus diesem „Liebestank“ speisen, den wir regelmäßig mit der Liebe Gottes auffüllen müssen. Nutzen wir Gelegenheiten, in denen wir uns zurückziehen, um beim Vater zu sein wie Jesus? Gehen wir zu einsamen Orten? Das heißt nicht, dass wir in Wüstengebiete ziehen müssen, sondern Orte aufsuchen, in denen wir von der Welt und von anderen Menschen, von unserem Alltag und vor allem unseren Problemen kurzzeitig abgeschnitten sind. Es reicht schon, einfach in eine Kirche zu gehen, wo das Allerheiligste gegenwärtig ist, wo Jesus auf uns wartet. In Stille sich zu ihm zu gesellen und mit ihm Zwiesprache zu halten, ist der effektivste Weg, den „Liebestank“ wieder aufzufüllen. Am besten ist es noch, wenn wir zu ihm kommen, wenn er ausgesetzt wird in der Monstranz. Dann können wir ihn anschauen und er schaut uns an. Aussetzung ist nicht nur seine Aussetzung in der Monstranz. Aussetzung ist vor allem, dass WIR uns IHM aussetzen, seiner Liebe. Dann werden wir in diesem wunderbaren Liebesradius erfasst und unser Tank wieder aufgefüllt. Gestern lernten wir, dass Liebe keine Grenzen hat und immer überfließend ist. Stellen wir uns also vor, dass unser Tank bei Jesus nicht einfach aufgefüllt wird, sondern überläuft. Dann können wir uns wieder in die Welt stürzen und wie Jesus die Liebe Gottes zu den Menschen bringen. Seine Liebe ist nicht nur für uns, deshalb läuft sie über. Sie geht immer auf die Menschen in unserem Umfeld über.

Morgen ist das Fest der Taufe des Herrn. Wir sind durch den ersten Johannesbrief schon sehr intensiv darauf vorbereitet worden. Schließlich sind wir auf den Namen Jesu getauft worden, weshalb seine Identität ausschlaggebend ist. Freuen wir uns auf wunderbare Schriften und berührende Lektionen der Schule Gottes!

Ihre Magstrauss

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s