Montag der 1. Woche im Jahreskreis

1 Sam 1,1-8; Ps 116 (115),12-13.14-15.18-19; Mk 1,14-20

Gestern mit dem Fest der Taufe des Herrn endete die Weihnachtszeit. Ab heute befinden wir uns im Jahreskreis, die für uns Gläubigen in der Liturgie durch die Farbe Grün gekennzeichnet ist. Wir hören in diesen Wochen in der Lesung aus dem ersten Samuelbuch und als Evangelium jeweils einen Abschnitt aus dem Markusevangelium.

1 Sam 1
1 Einst lebte ein Mann aus Ramatajim, ein Zufiter vom Gebirge Efraim. Er hieß Elkana und war ein Sohn Jerohams, des Sohnes Elihus, des Sohnes Tohus, des Sohnes Zufs, ein Efraimiter. 
2 Er hatte zwei Frauen. Die eine hieß Hanna, die andere Peninna. Peninna hatte Kinder, Hanna aber hatte keine Kinder. 
3 Dieser Mann zog Jahr für Jahr von seiner Stadt hinauf, um den HERRN der Heerscharen in Schilo anzubeten und ihm zu opfern. Dort waren Hofni und Pinhas, die beiden Söhne Elis, Priester des HERRN. 
4 An dem Tag, an dem Elkana das Opfer darbrachte, gab er seiner Frau Peninna und all ihren Söhnen und Töchtern ihre Anteile. 
5 Hanna aber gab er einen doppelten Anteil; denn er hatte Hanna lieb, obwohl der HERR ihren Schoß verschlossen hatte. 
6 Ihre Rivalin aber kränkte und demütigte sie sehr, weil der HERR ihren Schoß verschlossen hatte. 
7 So machte es Elkana Jahr für Jahr. Sooft sie zum Haus des HERRN hinaufzogen, kränkte Peninna sie; und Hanna weinte und aß nichts. 
8 Ihr Mann Elkana fragte sie: Hanna, warum weinst du, warum isst du nichts, warum ist dein Herz betrübt? Bin ich dir nicht viel mehr wert als zehn Söhne?

Heute hören wir eine Episode aus dem ersten Samuelbuch, die uns wieder einmal die Vorgeschichte einer besonderen Person signalisiert, dem Propheten Samuel. Dies wird uns dadurch klar, dass hier eine kinderlose Frau eingeführt wird. Es wird von Samuels Eltern Elkana und Hanna erzählt. Elkana, ein Ephraimiter, hat zwei Frauen, was zu jener Zeit nicht ungewöhnlich oder von Gott verboten ist. Damals befindet sich die Stiftshütte mit der Bundeslade in Schilo (das heißt, es gibt noch keinen festgebauten Tempel. Das kommt ja erst mit Salomo). Somit ist dieser Ort das religiöse Zentrum der Israeliten, zu dem man pilgert, wenn man ein Gebetsanliegen hat, aber auch zu den üblichen jüdischen Festen. Die Familie Elkanas ist fromm und er selbst zieht jedes Jahr nach Schilo, um die vorgeschriebenen Opfer darzubringen. Seine Frau Peninna schenkt ihm Kinder, Hanna bleibt dagegen kinderlos. Dies gilt im Judentum als Zeichen des Fluches Gottes, Kinderreichtum dagegen als Segen. Aus diesem Grund wird Hanna von Elkanas anderer Frau gedemütigt, die sich ihr gegenüber im „Vorteil“ sieht. Elkana liebt seine Frau Hanna dennoch sehr und macht diese Liebe nicht von deren Fruchtbarkeit abhängig. Das ist ein rührender Aspekt. Jedes Jahr, wenn er nach Schilo reist, bringt er Peninna und den Kindern deren Anteil dar, Hanna aber einen doppelten. Dies mag wohl auch der Grund sein, warum die Demütigungen während der alljährlichen Wallfahrt so akut sind, sodass Hanna nicht einmal etwas essen kann. Peninna ist vermutlich eifersüchtig. Uns erinnert diese Rivalität und die Probleme in der Dreiecksbeziehung sehr stark an Jakob, Rahel und Lea. Auch dort liebt Jakob eigentlich Rahel, die zunächst kinderlos bleibt, obwohl Lea ihm Kinder schenkt.
Elkana versucht, Hanna zu trösten, und fragt sie: „Bin ich dir nicht viel mehr wert als zehn Söhne?“ Das dürfen wir nicht überlesen, da es auch für die katholische Ehelehre von großer Wichtigkeit ist. In einer Familie sind Mann und Frau sakramental miteinander verbunden, nicht die Eltern mit den Kindern, nicht die Eltern mit ihren Geschwistern, nicht die Eltern mit ihren eigenen Eltern. Ein Fleisch sind nur Mann und Frau. Das ist der innerste Kern von Familie und die Gültigkeit dieses ein-Fleisch-Seins hängt nicht davon ab, ob daraus Kinder entstehen oder nicht, auch wenn die Ehe selbstverständlich auf Nachkommenschaft hingeordnet ist. Das heißt konkret, dass wenn ein Ehepaar unfruchtbar ist, die Ehe an sich nicht ungültig wird. Das ist auch insofern wichtig für uns, als wir vor allem im Neuen Testament eine viel größere Form von Fruchtbarkeit kennen lernen, die die biologische bei weitem übersteigt. Das ein-Fleisch-Sein mit ihrem Mann Elkana birgt ein solches Potenzial von Fruchtbarkeit durch die Verbundenheit zu Gott und zueinander. Das wird sich im weiteren Verlauf der Erzählung daran zeigen, dass sie einen Propheten zum Sohn bekommen werden, der so viele Menschen zu Gott führen wird und dadurch viel mehr Frucht bringen wird als ein Familienvater und eine Familienmutter. Das alles wissen weder Elkana noch Hanna zu dem Zeitpunkt und deshalb verstehen wir, dass was er seiner Frau hier sagt, vom Hl. Geist eingegeben ist.
Hanna ist dennoch traurig, weil sie als fromme Jüdin Gottes Segen für sich ausschließt. Erst später wird Gott ihr Herz trösten und ihre Gebete erhören, indem sie einen Sohn bekommt. Davon hören wir dann in den nächsten Tagen.

Ps 116
12 Wie kann ich dem HERRN vergelten all das Gute, das er mir erwiesen? 
13 Den Becher des Heils will ich erheben. Ausrufen will ich den Namen des HERRN. 

14 Meine Gelübde will ich dem HERRN erfüllen in Gegenwart seines ganzen Volks. 
15 Kostbar ist in den Augen des HERRN der Tod seiner Frommen.
18 Meine Gelübde will ich dem HERRN erfüllen in Gegenwart seines ganzen Volks, 
19 in den Höfen des Hauses des HERRN, in deiner Mitte, Jerusalem. Halleluja!

Der Psalm von heute ist bezogen auf die Lesung schon eine Antizipation dessen, was Gott aus der ausweglosen Situation Hannas entwickeln wird: Sie wird ein Kind bekommen, das dem Herrn geweiht wird. Insofern ist auch Vers 18 dieses Psalms zu interpretieren: Hanna legt vor Gott das Gelübde ab, dass wenn er ihr einen Sohn schenkt, sie ihm diesen weihen wird.
Dieser Psalm gehört zum sogenannten Ägyptischen Hallel, einer Psalmengruppe, die ein umfassendes Gebet darstellt, das an den großen Wallfahrtsfesten gebetet/gesungen worden ist (Laubhüttenfest, Pessach, Chanukka). Man kann also davon ausgehen, dass es von Elkana und seiner Familie in Schilo Jahr für Jahr gesungen worden ist und Hanna aus dem Grund überhaupt auf die Idee kommt, Gott das genannte Gelübde abzulegen.
Wir schulden Gott egal in welcher Situation das Lob und den Dank, denn für mindestens eine Sache können wir immer danken: nämlich dass wir leben. Wir sind schnell darin, uns zu beklagen dafür, was wir nicht haben, wo etwas nicht optimal ist. Wir sind auch schnell dabei, all die von uns ersehnten Dinge einzufordern, als ob sie unser gutes Recht seien. Dabei gibt uns Gott so vieles, das eben nicht selbstverständlich ist! Und wir können Gott „all das Gute“ nie zurückzahlen. Er schuldet uns die von uns ersehnten Dinge auch nie. Das vergessen wir Menschen oft.
Den „Becher des Dankes“ zu erheben als Teil des Dankopfers im Tempel hat die Bedeutung, Gott für die erfahrene Rettung aus der Todesnot zu danken. Und da, wo der Tod dennoch eintrifft, ist es keine Bedrohung, sondern der krönende Abschluss eines erfüllten Lebens für „die Frommen“.
Gelübde „in Gegenwart seines ganzen Volkes“ ( כָל־עַמֹּֽו lechol amo) abzulegen, ist eine liturgische Formulierung. Es geht um öffentliche und feierliche Gelübde. Das Verb אֲשַׁלֵּ֑ם  aschalem heißt allerdings nicht „ich werde ablegen“, sondern „ich werde erfüllen“. Das heißt, vor den Anwesenden wird das Versprechen eingelöst – in Hannas Fall bedeutet es, den Sohn dem Tempel zu weihen. Dies setzt voraus, das Gott die Gebete erhört hat und deshalb die Einlösung des Versprechens Anlass zum Hallelujaruf ist. Es ist ein Tag der Freude!
Auch bei uns ist es so. Wir haben immer etwas, wofür wir Gott danken können und weshalb wir Halleluja rufen können. Auch unsere Gebete erhört der Herr, selbst da, wo wir es nicht sehen. Manchmal erhört Gott anders, als wir es erwarten. Alles, was er uns schenkt und wie er unser Leben lenkt, dient dabei dem Heil. Immer.

Mk 1
14 Nachdem Johannes ausgeliefert worden war, ging Jesus nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes 
15 und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!
16 Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihre Netze auswarfen; sie waren nämlich Fischer. 
17 Da sagte er zu ihnen: Kommt her, mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. 
18 Und sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm nach. 
19 Als er ein Stück weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren im Boot und richteten ihre Netze her. 
20 Sogleich rief er sie und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach.

Im Evangelium hören wir von den Anfängen der Reich-Gottes-Verkündigung Jesu. Er beginnt damit, als Johannes ins Gefängnis geworfen wird. Der Kern seiner Verkündigung von Anfang an besteht aus Umkehr und Glaube, weil das Reich Gottes nahe ist (Vers 15). Ohne beide Elemente können wir nicht Teil des Gottesreiches werden. Es ist zugleich so einfach und doch so schwer in der Umsetzung. Die Umkehr ist so ziemlich das Unattraktivste, das man verkündigen kann. Umkehr ist anstrengend und unbequem. Man muss sein Leben ändern, um die Beziehung zu Gott zu retten.
Warum ist „die Zeit (…) erfüllt“ und „das Reich Gottes (…) nahe“? Es hängt mit der Person Jesu Christi ganz eng zusammen. Er ist nun mitten unter den Menschen, wodurch das Reich Gottes selbst angebrochen ist.
Jesu Existenz führt die Menschen immer zur Entscheidung. So appelliert er an sie „kehrt um und glaubt“. Nun liegt es an ihnen, dies zu befolgen und das Reich Gottes zu gewinnen oder ihn abzulehnen und mit ihm das Himmelreich.
Wie Simeon im Tempel angekündigt hat, wird Jesus zum Maßstab, an dem sich die Geister scheiden. Dies hat sich bis heute nicht geändert. Tag für Tag müssen wir dem Herrn aufs Neue unser Ja schenken, indem wir umkehren und an ihn glauben. Die tägliche Umkehr heißt, den gestrigen Menschen abzulegen und heute alles daran zu setzen, einen weiteren Schritt zur Heiligkeit zu machen: heute die Sünde zu vermeiden, die ich gestern noch getan habe, und die Liebe zu Gott und zu dem Nächsten besser umzusetzen.
In der Kirche geschieht die Umsetzung dessen, was Jesus hier sagt, durch die Taufe, die das sichtbare Zeichen des inneren Glaubens ist. Im Taufritus widersagt man dem Bösen mit seinen Versuchungen und wird daraufhin nach dem Glaubensbekenntnis gefragt. Durch diese Elemente wird die Umkehr (in Form von Abkehr vom Bösen) sowie der Glaube (an den dreifaltigen Gott) umgesetzt. Das angebrochene Reich Gottes wird sakramental durch die Gemeinschaft der Gläubigen (der Kirche) vorweggenommen. Erfüllen wird es sich am Ende der Zeiten, weil es dann für alle offenbar wird.
Gott braucht uns Menschen theoretisch nicht, um Gott zu sein und Liebe zu sein. Er ist ja in sich schon Gemeinschaft. Er möchte uns aber bei sich haben und hat uns zur Liebe geschaffen. Aus dem Grund möchte Jesus auch die Mithilfe von Menschen bei der Verkündigung seiner Reich-Gottes-Botschaft. Deshalb geht er am See entlang (der hier angedeutete See ist der See Gennesaret). Er sieht Simon (den späteren Petrus) und seinen Bruder Andreas sowie die Zebedäusbrüder Johannes und Jakobus bei ihrer Arbeit als Fischer. Es ist kein Zufall, dass er ausgerechnet solche als Jünger auswählt. Fischer sind wie Hirten sehr einfache Berufe, die von Menschen mit geringem Bildungsgrad ausgeübt worden sind. Das schließt jedoch nicht die religiöse Bildung ein, welche in der Regel sorgfältig vonstatten geht. So wie einfache Hirten die ersten Zeugen der Geburt Christi darstellten, so sind es jetzt einfache Fischer, die zur Nachfolge Christi berufen werden. Gottes Pädagogik ist so überragend, dass er auch hier eine ganz bestimmte Berufsgruppe auserwählt hat: In Ezechiel wird der Tempel mit dem lebendigen Wasser verheißen, welches viele Fische und gesundes Meer zur Folge haben wird und die Fischer von „En-Gedi bis En-Eglajim“ viele Fische fangen werden (Ez 47,9-10). Ebenso sollen Simon, Andreas, Johannes und Jakobus sich nun bereit machen, aufgrund des lebendigen Wassers, dem Heiligen Geist, viele „Fische“ zu fangen. Jesus erklärt aber nun, dass er damit Menschen meint. Die auserwählten Jünger sollen von nun an Menschen „fangen“, also gewinnen, die durch das lebendige Wasser in die Fischernetze der Fischer kommen werden.
Womöglich ist den Gerufenen das auch aufgegangen, weil sie sofort alles stehen und liegen lassen (sogar den eigenen Vater Zebedäus), um Jesus nachzufolgen. Es heißt hier im Griechischen εὐθύς euthys, was „sofort“ heißt. Sie zögern nicht. Jesus ruft sie und sagt „kommt und folgt mir nach“. Bis heute beruft er Menschen mit diesen Worten. Er möchte bis heute Menschenfischer für sein Reich haben, denn die „Arbeit“ ist nie abgeschlossen. Das meint zu allererst besondere Einzelpersonen wie Petrus usw. Wir sprechen hier von geistlicher Berufung, in besonderer Weise das übliche Leben zurückzulassen, sogar die biologische Familie zu verlassen, um einer größeren Berufung nachzugehen. Es meint in erster Linie diejenigen, die sich für das Weltpriestertum oder für ein Ordensleben entscheiden.
Darüber hinaus ruft Gott jeden einzelnen Menschen bei seinem Namen. Er ruft nach uns, damit wir zu ihm kommen und ihn zurücklieben, ihn, der uns zuerst geliebt hat. Jeder Mensch, ob er will oder nicht, wird von Gott angezogen und ersehnt ihn in der Tiefe seines Herzens, weil er Abbild Gottes ist. Diese Sehnsucht treibt ihn so lange, bis er das ewige Heil in Christus gefunden hat und sich taufen lässt. Der Geist, das lebendige Wasser, führt die Menschen zu Jesus. Und auch uns ruft der Herr mitten ins Leben hinein, damit wir uns im Hier und Jetzt ändern.

Die Jünger Jesu werden zu einem besonderen Dienst berufen so wie später Samuel. In beiden Fällen wird das Verb für „rufen“ dazu ausgewählt (bei Samuel natürlich auf Hebräisch, bei den Jüngern hier im Evangelium auf Griechisch). Sie werden ihre Familien verlassen und keine biologische Frucht mehr bringen, weil Gott für sie eine übernatürliche Fruchtbarkeit vorgesehen hat. So wird es auch mit Samuel sein. Diese Fruchtbarkeit wird ein so überreicher Segen sein, dass ihre Bedeutung für die gesamte weitere Heilsgeschichte von Bedeutung bleibt, also fruchtbar wird.

Heute lernen wir etwas darüber, wie Berufung aussieht und wie man auf sie reagieren soll. Die Jünger Jesu sind uns darin ein großes Vorbild. Könnten wir auch alles stehen- und liegenlassen? Hanna ist uns ein Vorbild im Gottvertrauen und auch in der Treue, das Versprechen einzulösen. Beten wir um diese größere Liebe für uns selbst, aber auch um geistliche Berufungen in unserer heutigen Zeit! Beten wir auch um Eltern, die ihre Kinder auf diese Weise „loslassen“, damit sie größere Frucht bringen können.

Ihre Magstrauss

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