2. Januar in der Weihnachtszeit

1 Joh 2,22-28; Ps 98,1-4; Joh 1,19-28

1 Joh 2
22 Wer ist der Lügner, wenn nicht der, der leugnet, dass Jesus der Christus ist? Das ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet.
23 Jeder, der den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennt, hat auch den Vater. 
24 Für euch gilt: Was ihr von Anfang an gehört habt, soll in euch bleiben; wenn in euch bleibt, was ihr von Anfang an gehört habt, dann werdet auch ihr im Sohn und im Vater bleiben. 
25 Und das ist die Verheißung, die er uns verheißen hat: das ewige Leben. 
26 Dies habe ich euch über die geschrieben, die euch in die Irre führen. 
27 Was euch betrifft, so bleibt die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, in euch und ihr braucht euch von niemandem belehren zu lassen; wie euch vielmehr seine Salbung über alles belehrt, so ist es auch wahr und keine Lüge. Und wie er euch belehrt hat, so bleibt ihr in ihm.
28 Und jetzt, meine Kinder, bleibt in ihm, damit wir, wenn er erscheint, Zuversicht haben und bei seinem Kommen von ihm nicht beschämt werden!

Heute hören wir die Fortsetzung des ersten Johannesbriefes. Es geht dabei um die Identität Jesu als Messias (hebr.) bzw. Christus (griech.). Ganz drastisch formuliert Johannes hier, dass Jesu messianische Identität zu leugnen vom Antichristen kommt. Es gab innerhalb der Kirche von Anfang an häretische Tendenzen, die von innen die christliche Lehre zerstören wollten. So musste die Kirche bezüglich der Identität Christi gegen Arianismus („Jesus war nur ein Geschöpf, aber nicht Gott gleich“), Monophysitismus („Jesus hatte nur eine Natur, nämlich die Göttliche“), Adoptianismus („Jesus war Mensch und ist dann von Gott adoptiert worden“), Modalismus („Gott ist nur eine Person, die sich im Laufe der Geschichte auf verschiedene Weise gezeigt hat“), Nestorianismus („Jesus bestand aus zwei getrennten Persönlichkeiten, von denen Maria nur die Mutter der menschlichen war“) etc. kämpfen. Gerade der Monophysitismus unter der Bezeichnung „Doketismus“ (eine Art Frühgnosis) war für Johannes eine große Herausforderung. Deshalb betont er in seinen Schriften immer wieder, dass Jesus „im Fleisch“ gekommen ist und eben keinen Scheinleib hatte.
Johannes erklärt, dass Vater und Sohn gleichermaßen bekannt werden müssen. Man kann sie nicht gegeneinander ausspielen (, was die Arianer ja versuchten und was heute noch die Zeugen Jehovas übrigens auch tun!).
„Was ihr von Anfang an gehört habt“, ist ein Hinweis darauf, dass die Lehre der Kirche, wie sie bis heute besteht, apostolisch ist bzw. ihren Ursprung in Jesus selbst hat. Alle anderen Versuche, die ich hier z.B. aufgezählt habe, bestanden eben nicht „von Anfang an“. Es sind Fälschungen, die im Nachhinein eingefädelt worden sind, Verfälschungen des Originals.
Die Wendung „von Anfang an“ bezieht sich darüber hinaus auf die Verkündigung in der angesprochenen Gemeinde. Was dort seit der Gemeindegründung verkündet worden ist, gilt. Was sich später durch Irrlehrer verbreitet hat, gilt nicht.
„Im Vater und im Sohn bleiben“ ist bei Johannes immer die Formulierung für den Stand der Gnade. In diesem befinden wir uns, wenn wir der ursprünglichen Lehre treu bleiben, weil sie wirklich Gott beschreibt, wie er ist und ihn nicht leugnet. Wenn wir dabei bleiben, wird uns das ewige Leben in Aussicht gestellt. Johannes schreibt dies vor allem deshalb, um vor denen zu warnen, die solche Irrlehren verbreiten.
Auch heute noch haben wir mit dieser Versuchung zu kämpfen. Unter dem katholischen Deckmantel werden allerlei falsche Lehren vom Ambo verkündet, die im Grunde dieselben Irrlehren der ersten Jahrhunderte wiederholen (als ob es irgendetwas Neues geben könnte….). Das Problem ist dabei, dass es nicht nur vereinzelte Priester betrifft, sondern eben auch ihre Bischöfe. Wenn wir aber „im Vater und im Sohn bleiben“, wenn wir das ewige Leben haben wollen, müssen wir an dem festhalten, „was von Anfang an verkündet worden ist.“ Wir müssen auch heute (oder gerade heute!) wachsam sein und um die Unterscheidung der Geister bitten, damit wir die Irrlehren der heutigen Zeit erkennen.
Johannes erklärt, dass wir das Potenzial dazu auch wirklich haben: Wir haben die Salbung erhalten – die Firmung. Gott hat uns seinen Geist geschenkt und uns mit dessen Gnadengaben ausgestattet. Wir sind ausgerüstet, um in diesen geistigen Kampf treten zu können. Und der Geist wird in uns wirken, sodass er uns Alarmsignale geben wird. Je mehr wir aus diesem Geist leben, desto mehr werden wir ein Gespür dafür bekommen, was Wahrheit und was Irrlehre ist.
In Vers 27 haben wir KEINE Bestätigung dafür, dass wir als Christen Individualisten sein sollen ohne ein Lehramt oder allgemein eine äußere Instanz, die uns etwas vorschreiben soll. Man muss erstens den Kontext berücksichtigen (Salbung) und zweitens den griechischen Urtext (da steht nicht „belehren“ im Sinne von „besserwissen“, sondern „unterrichten“): Wenn hier erklärt wird, dass die Christen die Salbung des Hl. Geistes erhalten haben, bezieht sich das auf die Firmung. Am Anfang waren Taufe und Firmung ein Sakrament, das gleichzeitig gespendet worden ist (, weil es am Anfang mehr Erwachsenentaufen gab als Kindertaufen. Heutzutage wird bei Erwachsenentaufen auch beides zusammen gespendet). Zuvor musste man einen Katechumenat durchlaufen, bei dem einem die Grundlagen des Glaubens beigebracht wurden und man nach und nach in das kirchliche Leben eingeführt worden ist. Nach jahrelanger gründlicher Vorbereitung wurde man in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen. Man hat schon alles beigebracht bekommen, also muss man sich im Nachhinein nicht von Irrlehrern in eine ganz andere Lehre einführen lassen. Mit der Taufe und Firmung erhalten sie dann den Unterweiser schlechthin, den Hl. Geist. Dieser führt sie in die ganze Wahrheit ein und hilft ihnen auch, die Irrlehre zu erkennen. Es ist an dieser Stelle zu überlegen, ob Johannes mit dieser Salbungsbetonung nicht auf Praktiken der Doketisten anspielt, eine neue Salbung zu vollziehen, die „echter“ sein soll als die Firmung.
Zum Schluss macht Johannes deutlich, dass Jesu Wiederkunft bevorsteht, weshalb die Christen sich umso mehr darum bemühen müssen, in ihm zu bleiben. Sonst werden sie „beschämt“. Das Wort αἰσχύνω aischyno steht hier in einer reflexiven Form und muss also mit „sich schämen“ übersetzt werden. Die Christen werden in diesem Sinne „beschämt“. Dann werden sie nämlich die Wahrheit erkennen und die Verirrung bereuen.

Ps 98
1 Ein Psalm. Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er hat wunderbare Taten vollbracht! Geholfen hat ihm seine Rechte und sein heiliger Arm. 
2 Der HERR hat sein Heil bekannt gemacht und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker. 
3 Er gedachte seiner Huld und seiner Treue zum Haus Israel. Alle Enden der Erde sahen das Heil unsres Gottes. 
4 Jauchzet dem HERRN, alle Lande, freut euch, jubelt und singt!

Der heutige Psalm ist die Begründung für die Lesung, über die wir gerade nachgedacht haben. „Alle Enden der Erde sahen das Heil“. Die ganze Welt sah die Heilstaten Gottes. Das betrifft die Israeliten, die aus Ägypten herausgeführt worden sind und bei den nichtjüdischen Völkern für Anerkennung gesorgt hat. Das betrifft umso mehr das ganze Erlösungsgeschehen Jesu Christi, das für eine weltweite Evangelisierung und flächendeckende Gemeindegründungen gesorgt hat. Es begann mit dem Hauptmann am Kreuz („wahrlich, dieser war Gottes Sohn“) und ging weiter bis an die damaligen „Enden der Erde“.
Deshalb ist auch der Anfang des Psalms so signalhaft für christliche Ohren. Es ist ein „neues Lied“, das auf den Messias hinweist und über die Rettungsaktionen Gottes an seinem auserwählten Volk hinausgeht. Ganz konkret können wir hier an das babylonische Exil denken, das neben dem Exodusgeschehen bei den Nichtjuden für Anerkennung gesorgt hat.
Gott hat sein Heil zu allen Zeiten bekannt gemacht – er ist ein sich offenbarender Gott. Immer wieder hat er sich preisgegeben durch die Propheten. Sein Heilsplan war nie ganz verborgen. Mit Jesus Christus hat diese Offenbarung, das heißt seine Selbstmitteilung, einen Höhepunkt erreicht. So kann man wortwörtlich sagen: Gott hat sein Heil (יְשׁוּעָתֹ֑ו  jeschuato), seinen Jesus, der Welt bekannt gemacht. Dieser ist „seine Rechte“ und „sein heiliger Arm“. Der Hl. Ignatius von Lyon hat den Sohn und den Geist als die Hände Gottes bezeichnet. Durch Christus hat Gott die Heilstaten vollbracht – sowohl die Schöpfung (deshalb nennen wir Jesus auch den Schöpfungsmittler) als auch die Erlösung.
Vor den Augen der Völker ( הַ֝גֹּויִ֗ם  hagojim, die nichtjüdischen Völker!) hat Gott schon Gericht gewirkt, indem er das unterdrückte Volk aus der Knechtschaft der Babylonier befreit hat. Er hat auch vor den Heiden die Erlösung erwirkt (die Römer staunten nicht schlecht, als das Grab leer war, und der Hauptmann kam unter dem Kreuz zum Glauben). Gott wirkt Wunder auch heute noch vor den Augen der Nichtgläubigen und benutzt uns dafür. Wir sind heute seine Hände in dieser Welt, die anderen Menschen zum Glauben an Christus verhelfen. Am Ende der Zeiten, wenn Jesus als verherrlichter Menschensohn zurückkehrt, wird Gottes Gericht universal und für alle offenbar durchgesetzt werden. Dann wird es aber zu spät für die Umkehr sein.
Gott bleibt seinem Volk treu, auch jetzt noch. Unsere jüdischen Geschwister sind bis heute in einem bleibenden Bund mit dem Herrn und diesen können wir, die wir im neuen Bund mit Gott versöhnt sind, nicht antasten. Vergessen wir das nie, damit es nie wieder zu einem Holocaust kommt!
Gott bleibt auch uns treu, die wir ihm durch jede Sünde immer wieder untreu werden. So ist Gott. Er starb für uns, ohne sein Opfer davon abhängig zu machen, ob wir seine Liebe zurückgeben oder nicht.
Das ist ein Grund zur Freude. Unsere Existenz, vor allem auf die Ewigkeit hin, haben wir allein Gott zu verdanken. Das ist jeden Tag den Lobpreis Gottes wert, auch schon hier auf Erden! Im Himmel wird es unsere ewige Beschäftigung sein.

Joh 1
19 Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden von Jerusalem aus Priester und Leviten zu ihm sandten mit der Frage: Wer bist du? 
20 Er bekannte und leugnete nicht; er bekannte: Ich bin nicht der Christus. 
21 Sie fragten ihn: Was dann? Bist du Elija? Und er sagte: Ich bin es nicht. Bist du der Prophet? Er antwortete: Nein. 
22 Da sagten sie zu ihm: Wer bist du? Wir müssen denen, die uns gesandt haben, Antwort geben. Was sagst du über dich selbst? 
23 Er sagte: Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste: Ebnet den Weg für den Herrn!, wie der Prophet Jesaja gesagt hat. 
24 Die Abgesandten gehörten zu den Pharisäern.  
25 Sie fragten Johannes und sagten zu ihm: Warum taufst du dann, wenn du nicht der Christus bist, nicht Elija und nicht der Prophet? 
26 Johannes antwortete ihnen: Ich taufe mit Wasser. Mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt, 
27 der nach mir kommt; ich bin nicht würdig, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. 
28 Dies geschah in Betanien, jenseits des Jordan, wo Johannes taufte.

Das heutige Evangelium stellt die Fortsetzung des Johannes-Prologs dar. Es geht um Johannes den Täufer und seine Taufe.
Sein gesamtes Wirken bezeichnet Johannes der Evangelist als „Zeugnis“, was die Übersetzung des Wortes μαρτυρία martyria ist. Er ist wirklich zum Blutzeugen geworden, der für den Glauben enthauptet worden ist.
Priester und Leviten sind zu ihm gekommen, um nach seiner Identität zu fragen. Das ist ja auch das Thema der Lesung und des Psalms – die Identität Christi. Johannes verdeutlicht, dass er NICHT der Messias, der Christus sei.
Dies ist ein Bekenntnis, da er durch seine Antwort Platz für den wahren Messias macht. Das Verb ὁμολογέω  homologeo ist nicht nur mit „bekennen“ übersetzbar, sondern auch mit „zustimmen“. Er stimmt dahingehend mit denen überein, die ebenfalls der Meinung sind, dass er nicht der Messias sei.
Die Priester und Leviten haken weiter nach, denn sie haben den Auftrag vom Tempel erhalten, seine Identität zu klären. Er verneint auch die Fragen, ob er Elija oder „der Prophet“ sei. Er wird ja sonst mit dem wiedergekommenen Elija gleichgesetzt. Jesus hat dies selbst ausgesagt. Aber er ist nicht Elija selbst. Er tritt nur mit derselben Kraft auf. Jesus und der Täufer widersprechen sich also nicht (, was hier wieder gerne behauptet wird, um zwischen beide einen Keil zu treiben). Johannes ist auch nicht „der Prophet“. Wer ist denn damit gemeint? Die meisten Forscher vermuten damit Jesaja, weil er der bedeutendste Prophet des AT ist. Johannes ist keine Reinkarnation von irgendwem, den es schon vorher gab. Deshalb sagt er zu allem nein. Er ist Johannes der Täufer, jemand mit eigener Identität. Und doch ist er angekündigt worden. So wie Jesus nachher als Antwort auf die Frage „bist du es, der kommen soll?“ mit einem Schriftwort antwortet, so tut es Johannes im heutigen Evangelium: Er zitiert Jesaja und verdeutlicht dadurch, dass er der Vorläufer des Messias ist! Er ist die Stimme des Rufers in der Wüste.
Es waren aber auch Pharisäer unter den Abgesandten. Wörtlich steht da nicht „die Abgesandten gehörten zu den Pharisäern“, sonst wäre ein Widerspruch gegeben. Die Pharisäer waren keine Priester, sondern Laien. Wörtlich heißt es „Auch/und waren Abgesandte aus den Pharisäern“. Diese fragen den Täufer nach seiner Berechtigung zur Taufe, so als ob nur die messianische Identität dazu befuge. Sie fragen das nicht wegen der Tätigkeit selbst, sondern wegen der Botschaft dahinter.
Er erklärt, dass er nur mit Wasser taufe. Das ist für uns die Erklärung, dass seine Taufe kein Sakrament ist. Es ist nur Wasser – also ein sichtbares Zeichen, das an sich noch keine übernatürliche Gnade nach sich zieht (zumindest nicht in dem Maße, wie es die von Christus gestifteten Sakramente tun!). Es ist ein vorbereitender Akt auf den Messias, der die innere Buße nach außen hin sichtbar macht.
Er definiert seine Identität dann vom Messias aus: Seine Würde ist nicht mal so groß wie die eines Sklaven im Vergleich zum Messias! Sklaven dürfen ihrem Meister wenigstens die Sandalen lösen. So demütig ist der Täufer! Das hat nichts mit „ich fühle mich so wertlos!“ zu tun, sondern er sieht sich im Lichte Gottes, wie er wirklich ist – arm und erlösungsbedürftig.
Wenn Johannes sagt „mitten unter euch steht einer“, kann das entweder darauf hinweisen, dass Jesus in dieser Szene tatsächlich gegenwärtig ist. Er geht ja auch zum Jordan, um sich von Johannes taufen zu lassen. Es kann in dieser Szene aber auch heißen, dass Jesus mitten unter den Menschen im Leben „steht“. Dann ist die Aussage im übertragenen Sinne zu verstehen. Jesu öffentliches Wirken wird jedenfalls „nach Johannes“ beginnen, wenn dieser nämlich im Gefängnis sitzt.
Zum Ende hin erfahren wir noch den Ort, wo diese Szene stattfindet: in Betanien, dem Ort, wo Jesus auch wirken wird. Dort leben die Geschwister und Freunde Jesu Maria, Marta und Lazarus, den Jesus sogar von den Toten erwecken wird. Diese Bemerkung ist also mehr als eine Floskel. Wir werden auf Jesu späteres Wirken vorbereitet.

Heute erfahren wir in den Lesungen vieles darüber, wer Jesus ist und wer Jesus nicht ist. Von seiner Identität hängt aber alles ab. Er ist Gott und Mensch, unvermischt (Monophysitismus) und ungetrennt (Nestorianismus, Arianismus). Er ist wirklich das Heil Gottes und war schon bei der Schöpfung dabei (siehe Psalm 98). Er ist auch nicht Johannes der Täufer (siehe Evangelium). Unser Heil kommt von Gott, das heißt Jesus kommt vom Vater und wir sind auf diesen Jesus und auf sein Evangelium getauft worden. Bleiben wir ihm und seiner Lehre treu, damit wir in ihm bleiben und am Ende der Zeiten nicht beschämt werden. All das begann mit seinem Erscheinen als kleines Kind in der Krippe. All das wird sich vollenden bei seinem zweiten Erscheinen als verherrlichter Menschensohn!

Ihre Magstrauss

Fest der unschuldigen Kinder

1 Joh 1,5-2,2; Ps 124,2-5.7-8; Mt 2,13-18

1 Joh 1-2
5 Das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkünden: Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm. 
6 Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben und doch in der Finsternis wandeln, lügen wir und tun nicht die Wahrheit. 
7 Wenn wir im Licht wandeln, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander und das Blut seines Sohnes Jesus reinigt uns von aller Sünde. 
8 Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre und die Wahrheit ist nicht in uns.

9 Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht. 
10 Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, machen wir ihn zum Lügner und sein Wort ist nicht in uns.
1 Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt. Wenn aber einer sündigt, haben wir einen Beistand beim Vater: Jesus Christus, den Gerechten. 
2 Er ist die Sühne für unsere Sünden, aber nicht nur für unsere Sünden, sondern auch für die der ganzen Welt.

In den johanneischen Schriften wird im Kontext von Gott oft die Lichtmetaphorik verwendet. Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm. Mit dem Gegensatz „Licht“ – „Finsternis“ drückt Johannes aus, dass Gott nur Liebe ist. Nichts Böses ist in ihm.
Die Konsequenz davon ist auch auf uns Menschen zu beziehen: Wir können nicht Gemeinschaft mit dem Licht haben und selber in uns Finsternis haben. Das heißt, dass wir nicht zugleich in Todsünde leben (Finsternis) und im Stand der Gnade sein können (Gemeinschaft mit ihm). Wer das behauptet, belügt sich selbst.
Wir können nur Gemeinschaft haben, wenn wir „im Licht wandeln“ wie Gott. Das Wandeln ist ein Ausdruck für den Lebenswandel und somit ein moralischer Begriff. Wenn wir uns mit ganzer Kraft bemühen, auf dem Weg Gottes zu bleiben, d.h. seine Gebote halten, dann wandeln wir im Licht und Jesus reinigt uns von unseren Sünden. Dass überhaupt von Sünde die Rede ist, macht die ganze Rede so realistisch. Niemand sagt, dass wir ohne Sünde sind, nur weil wir uns bemühen, im Licht zu wandeln. Wir fallen trotzdem. Wenn wir aber aufstehen, d.h. umkehren und weitergehen, dann zeigen wir unsere Aufrichtigkeit und Gott vergibt uns unsere Sünden.
Diese Aufrichtigkeit zeigen wir vor allem daran, dass wir unsere Sünden bekennen (ὁμολογέω homologeo). Wir sollen das nicht einfach nur bereuen, was Gott sowieso schon von uns weiß, er sieht ja alles. Gott möchte auch, dass wir die Dinge beim Namen nennen. Das sollen wir nicht deshalb, weil er es unbedingt braucht, sondern weil wir es unbedingt brauchen.
Wer behauptet, ohne Sünde zu sein, lügt. Jeder Mensch ist gefährdet, zu fallen. Wir sind zwar von der Erbsünde erlöst, aber die Folgen der Erbsünde sind noch da. Wir haben immer noch die Neigung dazu, Böses zu tun. Wir sündigen weiter. Gottes Wort (also Jesus) ist nicht in uns, wenn wir behaupten, ohne Sünde zu sein.
Johannes schreibt diese Worte, um zur Ablegung der Sünde aufzurufen. Aber auch für jene, die es dennoch tun, hat er eine zuversichtliche Botschaft: Wir haben einen Beistand beim Vater, Jesus Christus. Er ist es ja, der durch sein Kreuzesopfer die Vergebung der Sünden ermöglicht hat. Er ist gestorben zur Sühne für unsere Sünden und die der ganzen Welt, wie wir auch im Barmherzigkeitsrosenkranz beten. Interessant ist dabei, dass der Begriff παράκλητος parakletos verwendet wird. Diese Umschreibung wird ja sonst für den Hl. Geist gebraucht. Aber auch im wortwörtlichen Sinn ist Jesus unser Beistand, gerade wo wir schuldig geworden sind.
Diese Worte sind sehr tröstlich, weil wir selbst in Schuld und Sünde nicht verzweifeln müssen. Wenn es uns von Herzen leidtut und wir umkehren, dann wird uns Gott die Sünden vergeben. Es ist bemerkenswert, wie die Worte des Johannes das Sakrament der Beichte erklärt: Wir sollen unsere Sünden bereuen, wir sollen sie bekennen, unsere Schuld muss gesühnt werden, wofür Jesus ja gestorben ist. Unsere Aufrichtigkeit soll sich dadurch zeigen, dass wir uns bemühen, nicht mehr zu sündigen. Und wir sollen in uns gehen, um zu erkennen, wo wir uns selbst belügen. Die heutige Lesung ist eine richtige Beichtparänese, die Johannes mit Deutlichkeit formuliert, aber auch mit Liebe.

Ps 124
2 wäre es nicht der HERR gewesen, der da war für uns, als sich gegen uns Menschen erhoben, 
3 dann hätten sie uns lebendig verschlungen, als gegen uns ihr Zorn entbrannte, 
4 dann hätten die Wasser uns weggespült, hätte sich über uns ein Wildbach ergossen, 
5 dann hätten sich über uns ergossen die wilden und wogenden Wasser.
7 Unsre Seele ist wie ein Vogel dem Netz des Jägers entkommen; das Netz ist zerrissen und wir sind frei. 
8 Unsere Hilfe ist im Namen des HERRN, der Himmel und Erde erschaffen hat. 

Heute danken wir mit dem Psalm Gott, der uns aus der Gefahr rettet. Diese Rettung betrifft wiederum nicht das irdische Leben, sondern das ewige. Wir werden davon gleich im Evangelium hören und wir lasen bereits in der Lesung davon, was wir von uns aus tun können, damit unsere Seele gerettet wird.
Der Herr ist es, der das Volk Israel gerettet hat von den Feinden, die es sonst lebendig verschlungen hätten. Es ist politisch zu verstehen als Rettung aus dem babylonischen Exil.
Es bezieht sich auch auf die Menschheit, die ohne die Erlösung Jesu Christi das ewige Leben nicht gehabt hätte. Es bezieht sich auch auf die Kirche, durch die die Erlösung den Menschen angeboten wird in der Taufe. Das bezieht sich auf die Möglichkeit zur Beichte, um Versöhnung zu erlangen und so in den Stand der Gnade zurückkehren zu können. Das bezieht sich auch auf das Ende des Lebens, wenn wir vom ewigen Kampf erlöst sein werden und nicht mehr leiden müssen (im besten Fall).
In diesem Psalm wird die Wassermetapher nicht wie sonst als lebendiges Wasser und Bild für den Hl. Geist verwendet, sondern als lebensbedrohlicher Faktor. Wenn wir auch gerade über Sünde und ewiges Leben sprechen, macht das Bild absolut Sinn und erinnert an die Sintflut, die auch die Konsequenz der Sünde war.
Wir, die wir erlöst sind, können wirklich sagen, dass wir frei sind. Frei von dem unausweichlichen Schicksal der Hölle. Dort kommt nur hinein, wer es auch will. Wenn wir getauft sind und uns immer um unsere Berufung bemühen, müssen wir dieses letzte Los nicht fürchten.
„Unsere Hilfe ist im Namen des HERRN, der Himmel und Erde geschaffen hat“. Diese Hilfe (hebr. עֵזֶר ezer) kann man in Analogie zum Beistand aus dem ersten Johannesbrief verstehen. Gott, der Vater, der alles geschaffen hat, ist unser Beistand! Somit schließt sich der Kreis der Trinität: Der Paraklet, wie es im Griechischen heißt, ist nicht nur der Hl. Geist, wie Jesus ankündigen wird (Johannesevangelium), sondern auch Jesus selbst (erster Johannesbrief) und auch der Vater (Psalm 124).

Mt 2
13 Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, siehe, da erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten. 
14 Da stand Josef auf und floh in der Nacht mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. 
15 Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.
16 Als Herodes merkte, dass ihn die Sterndeuter getäuscht hatten, wurde er sehr zornig und er sandte aus und ließ in Betlehem und der ganzen Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten, genau der Zeit entsprechend, die er von den Sterndeutern erfahren hatte. 
17 Damals erfüllte sich, was durch den Propheten Jeremia gesagt worden ist: 
18 Ein Geschrei war in Rama zu hören, lautes Weinen und Klagen: Rahel weinte um ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn sie waren nicht mehr.

Heute lesen wir die drastische Episode der Wahnvorstellungen des Herodes: Dieser König ist in seinem letzten Lebensabschnitt immer paranoider geworden. Er verdächtigte alles und jeden, irgendwie einen Komplott gegen ihn zu schmieden. Er ließ so viele umbringen, sogar seine eigenen Familienmitglieder (unter anderem drei seiner Söhne!). Er beauftragte viele Spione, die in der ganzen Stadt nach möglichen Revolten Ausschau halten sollten, und verkleidete sich sogar selbst als Bürger, um sich dahingehend umzuschauen.
Und dieser paranoide Herrscher reagiert im heutigen Evangelium natürlich dementsprechend, als die Sterndeuter aus dem Osten zu ihm kommen und von einem neuen Herrscher sprechen. Er hat ihnen aufgetragen, ihm Bescheid zu geben, wenn sie das Kind gefunden haben. Diese spüren aber die Gefahr und ziehen auf einem anderen Weg zurück in ihre Heimat. Dies ist die „Vorgeschichte“ des heutigen Evangeliums.
Josef, der sich ganz dem Willen Gottes öffnet und alles dafür tut, seine Familie zu beschützen, wird im Traum vor Herodes gewarnt, der Jesus umbringen will. Also flieht Josef nach Ägypten – ganz wie sein Namensvetter aus dem AT nach Ägypten gelangte. Gott hat auch dies zugelassen, „damit sich die Schrift erfülle“ und die Juden zum Glauben an Jesus kommen. Wir Christen glauben, dass Jesu ganzes Leben schon eine einzige Sühne ist, die mit dem Leiden und Kreuzestod ihren Höhepunkt erreicht. Deshalb ergibt es absolut Sinn, dass Jesus auch nach Ägypten fliehen musste wie das auserwählte Volk. Seine schwierige frühe Kindheit ist ein Akt, den er später erklären wird: Er kommt, um aus der Knechtschaft zu befreien, so wie das Volk Israel aus Ägypten befreit worden ist. Er befreit nun aber aus der Sklaverei der Sünde! Auch dies lehrt Gott die Juden durch die Flucht der Hl. Familie. Er bereitet sein auserwähltes Volk darauf vor. Das ist typisch göttliche Pädagogik.
Herodes reagiert wie zu erwarten auf die Täuschung der Sterndeuter. Er lässt in seiner Rage alle Jungen bis zum zweiten Lebensjahr umbringen. Diese armen, unschuldigen Kinder haben nichts Böses getan und mussten ihr Leben lassen wegen eines verrückt gewordenen Menschen! Was muss der Himmel geweint haben über diese große Schandtat! So weint der ganze Himmel über jedes getötete Kind bis heute. Wie viele unschuldige Kinder müssen ihr Leben lassen, bevor sie geboren werden? DAS ist der schlimmste Genozid aller Zeiten!
Ein Merkmal von Geschichte ist, dass sie sich wiederholt. Die Menschheit hat es nun mal an sich, aus vergangenen Zeiten nicht zu lernen. Deshalb passieren dieselben Dinge immer wieder neu, nur unter einem anderen Namen und unter anderen historischen Umständen. Dies sagt auch Matthäus, wenn er auf Jeremias Prophezeiung in Jer 31 verweist. Rahel wird dann als Personifikation Israels. Bei Jeremia geht es noch um die Juden, die vor dem babylonischen Exil stehen. Dies wird jetzt typologisch auf die unschuldigen Kinder in Bethlehem übertragen. Es wiederholt sich auch der Knabenmord von Ägypten. Die erstgeborenen Söhne der Israeliten werden in den Nil geworfen und ein einziges bestimmtes Kind überlebt. Mose. Jesus wird typologisch mit ihm in Verbindung gebracht. Auch das ist absolut wichtig und eine Lektion Gottes für die vor allem judenchristlichen Adressaten des Matthäusevangeliums!
Nach heutigem Stand stirbt Herodes der Große 4 n.Chr. So lange bleibt die Heilige Familie in Ägypten und kann dann wieder zurückkehren.
An dem heutigen Evangelium erkennen wir, wie Sünde funktioniert: Sie zieht immer Unschuldige mit hinein und bleibt nie auf den Sünder beschränkt. Sie ist wie ein hochansteckendes Virus, das um sich treibt. Man kann niemanden in Quarantäne stecken und ist den Konsequenzen der Sünde auch als Unschuldiger ausgeliefert. Und doch können wir auf den HERRN schauen. Er ist immer – ich wiederhole – immer größer und mächtiger als die Sünde und ihre schlagenden Wellen. Seine Gnade siegt über den Satan und sein Unwesen. Immer.

Ihr unschuldigen Kinder, bittet für uns!
Bittet für alle heutzutage gefährdeten Kinder, die in den Sog der Sünde unschuldig mit hineingezogen werden und ihre größten Opfer sind.
Bittet für alle Frauen, die über eine Abtreibung nachdenken,
bittet für alle Familien, die zerrüttet sind und in denen das Leben wie die Hölle ist wegen Missbrauch, Gewalt und Verwahrlosung.
Bittet für alle Kinder auf der ganzen Welt.
Gott, steh und allen bei!

Ihre Magstrauss

Zweiter Weihnachtstag (Stephanus, erster Märtyrer)

Apg 6,8-10; 7,54-60; Ps 31,3b-4.6.8.16-17; Mt 10,17-22

Apg 6
8 Stephanus aber, voll Gnade und Kraft, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk. 
9 Doch einige von der sogenannten Synagoge der Libertiner und Kyrenäer und Alexandriner und Leute aus Kilikien und der Provinz Asien erhoben sich, um mit Stephanus zu streiten; 
10 aber sie konnten der Weisheit und dem Geist, mit dem er sprach, nicht widerstehen.  54 Als sie das hörten, waren sie in ihren Herzen aufs Äußerste über ihn empört und knirschten mit den Zähnen gegen ihn. 
55 Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen 
56 und rief: Siehe, ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen. 
57 Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten einmütig auf ihn los,
58 trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß. 
59 So steinigten sie Stephanus; er aber betete und rief: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! 
60 Dann sank er in die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Nach diesen Worten starb er.

Heute am zweiten Weihnachtstag hören wir von dem ersten Märtyrer, von Stephanus, der für Jesus gestorben ist.
Dieser Mensch war „voll Gnade und Kraft“, war also mit übernatürlichen Gaben ausgestattet bei allem, was er tat. Er erwirkte mit der Kraft Jesu Christi die ganzen Wundertaten, ganz wie Jesus angekündigt hatte: „In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.“ (Mk 16,17f.).
Es gab aber Juden aus dem synagogalen Kontext, die etwas gegen ihn hatten. In der Einheitsübersetzung wird das Verb συζητέω syzeteo  mit „streiten“ übersetzt. Wörtlich heißt es aber eher „suchen“ oder „untersuchen“. Sie wollen ihn prüfen. Es ist freilich so etwas wie eine Debatte, denn die genannten Juden können seiner Weisheit, die die göttliche ist, nicht widerstehen. Das an dieser Stelle verwendete Verb ἀνθίστημι anthistemi heißt „widerstehen“ im Sinne von Abwehr, Verteidigung im Krieg. Anhand dieser Situation sehen wir, was mit dem Bild des zweischneidigen Schwertes in Hebr und Offb gemeint ist: Das Wort Gottes ist die größte Waffe, mit der man die Menschen besiegen kann.
Die Niederlage macht die Feinde des Stephanus wütend, sodass das Folgende sie noch mehr provoziert: Stephanus sieht eine Vision, als er in den Himmel schaut: Er sah Gottes Herrlichkeit und vor allem, was die Juden am meisten provoziert haben wird, Jesus zur Rechten Gottes sitzen. Warum aber schenkt Gott ihm in dem Moment so eine Vision? Das ist sehr wichtig und wiederum ein Zeichen der überragenden Pädagogik Gottes: Er tut es für die Juden, die gegen Stephanus sind. Als fromme Juden war ihnen bekannt, dass durch den Sündenfall des ersten Menschenpaares der Himmel für alle Menschen geschlossen war. Sie glaubten an die Erlösung von diesem Bann durch einen angekündigten Messias. Nun gibt Gott ihnen die Chance, anhand der Vision des Stephanus zu erkennen, dass der Himmel eben nicht mehr geschlossen ist! Jesus, den sie nicht als Messias anerkennen wollten, hat den Zugang zum Vater wieder eröffnet und sitzt ihm zur Rechten. Der Himmel steht offen, das heißt, Jesus IST der Messias, auf den die Juden so lange gewartet haben!
Sie haben die „Zeit der Gnade nicht erkannt“ (Lk 19,44). Die Vision bringt statt Erkenntnis das Fass zum Überlaufen und die Juden steinigen Stephanus. Wir müssen uns dies weniger als affektiven, pogromartigen Übergriff vorstellen, sondern eher als Befolgung des mosaischen Gesetzes. Auf Blasphemie (Gotteslästerung) steht die Todesstrafe. Wir lesen ähnliche Situationen in den Evangelien, in denen Jesus fast gesteinigt worden ist, nachdem er z.B. die vorgelesene Jesajalesung auf sich bezogen hat.
Wir lesen heute schon davon, dass die Tat von einem besonders frommen Juden angeführt worden ist und dem die anderen deshalb die Kleider zu Füßen gelegt haben – Saulus. Es handelt sich um den Pharisäer Paulus, der bei dem berühmten Gamaliel ausgebildet worden war und nach gnadenloser Verfolgung von Christen vor Damaskus eine Bekehrung erleben wird.
Die heroische Kraft, die Stephanus in dem Moment seines Todes aufbringt und Märtyrer ausmacht, ist erstens sein absolutes Gottvertrauen („Herr Jesus, nimm meinen Geist auf“) und seine Vergebungsbereitschaft. Er betet noch im Moment seiner Exekution für seine Henker („Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an.“). Er ist wirklich zum Zeugen für Jesus Christus geworden, weil er ihm in allem nachgefolgt ist, auch in den Tod.
Wir könnten uns fragen: Was hat das mit Weihnachten zu tun? Warum müssen wir das unbedingt am zweiten Weihnachtstag hören? Das hat absolut mit Weihnachten zu tun und wir sollten uns mit dem Gedanken anfreunden, dass dieses große Fest eben nichts Glamouröses und Kuscheliges an sich hat. Jesus ist in einem stinkenden kultisch unrein machenden Stall geboren. Seine ersten Gäste waren die Hirten, gesellschaftlich ganz Randständige. Von Anfang an war Jesu Leben bedroht und die Hl. Familie musste nach Ägypten fliehen. Wir wissen auch, dass Jesus geboren worden ist, um zu sterben. Den qualvollsten und schändlichsten Tod, den es gab. An Stephanus sehen wir die Konsequenz von Weihnachten auch für uns. Auch unser Leben ist von Anfang an bedroht, nämlich unser ewiges Leben. Wenn wir Jesus nachfolgen, müssen wir mit all jenen Konsequenzen rechnen, die auch in seinem Leben gegolten haben.
Die christliche „Radikalität“, also die Konsequenz der Weihnachtsbotschaft und des Christseins ist eben nicht die Macht über andere, sondern die Ohnmacht der Liebe. Sie geht so weit, sich kreuzigen zu lassen. Im Gegensatz zu anderen „fanatischen“ Religionen tötet der Christ nicht, sondern er wird getötet. Überall, wo es anders ausgegangen ist, wurde der christliche Glaube missbraucht.

Ps 31
3 Sei mir ein schützender Fels, ein festes Haus, mich zu retten!
4 Denn du bist mein Fels und meine Festung; um deines Namens willen wirst du mich führen und leiten. 
6 In deine Hand lege ich voll Vertrauen meinen Geist; du hast mich erlöst, HERR, du Gott der Treue.  
8 Ich will jubeln und deiner Huld mich freuen; denn du hast mein Elend angesehn, du kanntest die Ängste meiner Seele. 
16 In deiner Hand steht meine Zeit; entreiß mich der Hand meiner Feinde und Verfolger! 
17 Lass dein Angesicht leuchten über deinem Knecht, hilf mir in deiner Huld! 

Passend zu diesem heutigen ersten Märtyrer-Fest beten wir einen Bittpsalm, der dann in einen Lobpreis umschwenkt.
Unser einziger wahrer Schutz ist beim Herrn. Er ist unser Fels, der uns rettet. König David bittet um diesen Schutz, ebenso wird Stephanus gebetet haben und so beten auch wir.
„In deine Hand lege ich voll Vertrauen meinen Geist“ war eines der letzten Worte des ersten Märtyrers. Er hatte dieses starke Gottvertrauen, das auch schon David ausgemacht hat.
Und so ist Stephanus direkt zum Herrn gekommen, dessen Herrlichkeit er in der Vision schon gesehen hatte. Nun kann er im Angesicht Gottes jubeln und dessen Huld sich freuen. Gott hat ihn für seine heldenhafte Tat belohnt. Nun darf Stephanus auf ewig bei Gott sein.
Auch „in deiner Hand steht meine Zeit“ drückt diese Geborgenheit und das Vertrauen aus, das wir ausdrücken, wenn wir diesen Psalm beten.
Gott ist der einzige, der uns unseren Feinden entreißen kann. Er hat es bei Stephanus getan, der verfolgt worden ist für den Glauben an Jesus Christus. Auch uns wird der Herr erretten von unseren Feinden. Wir haben keine Garantie, dass er unser irdisches Leben bewahren wird. Oft wird uns ja gerade dieses genommen. Unseren Glauben und unser ewiges Leben kann aber kein Feind entreißen. Und wenn wir um Jesu willen umgebracht werden, kommen wir direkt zu ihm.
Beten wir diesen Psalm immer wieder, wenn wir in Not sind, vor allem in seelischer Not! Gott wird uns unserem wahren Feind entreißen: Dem Satan, der unsere Seele von Gott wegführen und uns den ewigen Tod, die Hölle bescheren will.

Mt 10
17 Nehmt euch aber vor den Menschen in Acht! Denn sie werden euch an die Gerichte ausliefern und in ihren Synagogen auspeitschen. 
18 Ihr werdet um meinetwillen vor Statthalter und Könige geführt werden, ihnen und den Heiden zum Zeugnis. 
19 Wenn sie euch aber ausliefern, macht euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde eingegeben, was ihr sagen sollt. 
20 Nicht ihr werdet dann reden, sondern der Geist eures Vaters wird durch euch reden.
21 Der Bruder wird den Bruder dem Tod ausliefern und der Vater das Kind und Kinder werden sich gegen die Eltern auflehnen und sie in den Tod schicken.
22 Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden; wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet.

Im heutigen Evangelium hören wir, dass Jesus das Geschick des Stephanus und so vielen anderen vorhersagt. Er spricht von der Radikalität seiner Liebe – der Ohnmacht und der Passion.
Die ersten Christen, die ja auch immer noch Juden sind (es sollte ja keine neue Religion werden), werden von den anderen Juden bestraft und verfolgt werden – nämlich jenen, die Jesus als Messias nicht anerkennen.
Jesus kündigt diese schlimmen Verfolgungen nicht einfach nur schonungslos an, sondern gibt seinen Jüngern auch zu verstehen, dass Gott sie nicht alleine lassen wird.
Er lädt die Jünger dazu ein, Vertrauen zu haben und sich vom Geist leiten zu lassen. Dieser wird ihnen eingeben, was sie vor Gericht sagen sollen.
Das besonders Drastische, was Jesus ankündigt, ist die Auslieferung von eigenen Familienmitgliedern. Da, wo vor allem einzelne Personen sich bekehren, die Ehepartner, Kinder oder Eltern aber nicht, wird dies vorprogrammiert sein. „Dem Tod ausliefern“ könnte durchaus die direkte Steinigung durch das Familienmitglied andeuten. Bei Stephanus bewahrheitet sich dies ja. Er wird direkt in den Tod geschickt – und direkt in den Himmel zu Gott!
Aber das Sterben für Gott wird nicht negativ dargestellt. Jesus sagt, wir werden gerettet, wenn wir standhaft bleiben trotz der Widerstände. Das bezieht sich nicht auf das irdische, sondern auf das ewige Leben. Es ist also sogar besser, für den Glauben zu sterben, um dafür das ewige Leben bei Gott zu sichern. Wo wir Gott nämlich abschwören, um unsere leibliche Unversehrtheit zu erhalten, verlieren wir unsere Seele. Wir sind dann nicht besser als Judas oder Petrus. Aber auch dann wäre es nicht zu spät. Petrus hat es bereut und wurde sogar mit dem Papstamt betraut („Weide meine Lämmer“).
Wir werden von allen gehasst werden. Das sehen wir ja in heutiger Zeit besonders. Die Christen haben ein sehr schlechtes Image in unserer Gesellschaft und erfahren wenige Solidarität oder Mitgefühl in einer Zeit, in der es die heftigste Christenverfolgung aller Zeiten gibt. Wir müssen uns nicht wundern und doch sollen wir auch jetzt standhaft bleiben.

Beten wir heute besonders auf die Fürsprache des Hl. Stephanus, dass Gott uns in Zeiten der Bedrängnis auch mit einem heldenhaften Mut beschenkt und wir zu ihm stehen können. Sind wir ihm in den kleinen Dingen treu, damit wir es auch in den großen sein können! Das ist schließlich die letzte Konsequenz von Weihnachten.

Ihre Magstrauss

Hochfest der Gottesmutter Maria

Num 6,22-27; Ps 67,2-3.5.6.8; Gal 4,4-7; Lk 2,16-21

Meine Lieben,
ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes neues Jahr 2020! Möge der Segen Gottes immer auf Ihnen ruhen und Sie nie verlassen!

Num 6
22 Der HERR sprach zu Mose: 
23 Sag zu Aaron und seinen Söhnen: So sollt ihr die Israeliten segnen; sprecht zu ihnen: 
24 Der HERR segne dich und behüte dich. 
25 Der HERR lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig.
26 Der HERR wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden. 
27 So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen und ich werde sie segnen.

„An Gottes Segen ist alles gelegen.“ Und dieses Sprichwort trifft insbesondere auf den Jahreswechsel zu. Dann hören wir immer die erste Lesung aus dem Buch Numeri. Der aaronitische Segen ist besonders, weil Gott selbst ihn Mose beigebracht hat. Warum aber soll dieser Segen von Aaron gespendet werden? Aaron ist Gottes auserwählter Priester. Sein Geschlecht ist es, von dem Segen ausgehen soll. Auch wenn die heutigen Priester nicht von dieser aaronitischen Linie kommen, gilt das auch für sie: Von unseren geweihten Priestern geht ein besonderer Segen aus, als ob Gott selbst uns segnet. Jesus hat sie nämlich beauftragt, in seiner Vollmacht seine messianischen Heilstaten fortzusetzen, wenn er zum Vater geht. Am Anfang des Jahres ist der Segen Gottes ganz besonders entscheidend. Wir beginnen jetzt ein neues Jahr, das neue Herausforderungen, Prüfungen, Geduldsproben, geistige Anfechtungen und viele Gnaden bereithält. All das werden wir aber meistern können, wenn Gottes Segen auf uns liegt. Denn Jesus sagte „getrennt von mir könnt ihr nichts tun.“ und „Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht.“ Wir sind zwar keine Priester, aber auch wir können Gottes Segen weitertragen zu den Menschen, denen wir begegnen. Segnen wir andere, so kehrt der Segen Gottes auch zu uns zurück.
Gehen wir die einzelnen Verse des Segens einmal durch:
Gott soll uns segnen und behüten – beide Verben stehen im Hebräischen in der Zukunftsform. Er wird uns auch in diesem Jahr segnen und behüten im Sinne von „beschützen“. Gott wird uns die Angriffe und Gefahren dieses Jahres nicht nehmen, aber er wird uns hindurchtragen.
Gott wird sein Angesicht über uns leuchten. Das ist einerseits bildlich zu verstehen – Gott ist Geist und hat kein Angesicht. Es meint seine Gegenwart. Andererseits kann man diesen Vers womöglich messianisch deuten, denn mit Jesus Christus wird er ein Angesicht bekommen, womit er vielen Menschen leuchten wird. Durch die erneute Zukunftsform passt diese Deutung sogar ziemlich gut. Dass Gottes Angesicht leuchten wird, werden vor allem die Apostel Petrus, Jakobus und Johannes auf dem Berg Tabor bei der Verklärung sehen und am Ende der Zeiten wird Jesus für alle offenbar sein Angesicht über die ganze Welt leuchten lassen, wenn er als verherrlichter Menschensohn zurückkehren wird.
Gott wendet sein „Angesicht“ den Menschen zu allen Zeiten der Heilsgeschichte zu. Er wird es auch zukünftig tun, vor allem auf dem Höhepunkt der Heilsgeschichte, wenn er der Welt seinen einzigen Sohn schenken wird. Das feiern wir momentan in dieser Weihnachtszeit. Und mit dem fleischgewordenen Wort Gottes – Jesus Christus – schenkt Gott uns seinen Frieden, der himmlisch ist und den die Welt nicht geben kann. Dieser Frieden ist eschatologisch, er ist ewig. Während die Israeliten den Friedenswunsch des aaronitischen Segens noch irdisch und politisch verstanden haben, ist mit dem Kommen Christi klargeworden, dass es ein viel umfassenderer Frieden ist, der anhält und in unseren Herzen beginnt.
Die Priester des Volkes Israel sollen mit dem Segen Gottes Namen auf die Menschen legen. Das tun unsere Priester bis heute, wenn auch sie immer wieder diesen aaronitischen Segen auf die Menschen herabrufen. Wir sind getauft auf den Namen Gottes und somit wird jeder priesterliche Segen zur Bekräftigung, Erneuerung und Erinnerung dieses allumfassenden Segens.

Ps 67
2 Gott sei uns gnädig und segne uns. Er lasse sein Angesicht über uns leuchte
n,
3 damit man auf Erden deinen Weg erkenne, deine Rettung unter allen Völkern. 
5 Die Nationen sollen sich freuen und jubeln, denn du richtest die Völker nach Recht und leitest die Nationen auf Erden.  
6 Die Völker sollen dir danken, Gott, danken sollen dir die Völker alle. 
8 Es segne uns Gott! Fürchten sollen ihn alle Enden der Erde.

Der aaronitische Segen hatte für die Israeliten so eine hohe Bedeutung und eine so einschneidende Wirkungsgeschichte, dass er auch in den Psalmen verarbeitet worden ist.
Der Vers 25 aus Num 6 wird hier sehr ähnlich wiederholt: Die beiden Bestandteile „Gnädigsein“ und „Leuchten seines Angesichts“ sind wieder zu erkennen. Es wird aber nicht nur wiederholt, sondern reflektiert. Der Zweck des Wunsches wird nämlich an dieser Stelle erklärt: Die Israeliten sollen durch das Leuchten des Angesichts Gottes seinen Weg erkennen, das heißt seinen Willen. Der aaronitische Segen wird paränetisch fortgesetzt, also zur Unterweisung im moralischen Verhalten. Der nächste Nebensatz geht darüber hinaus. Die Rettung unter allen Völkern klingt in unseren christlichen Ohren sehr messianisch (hebr. בְּכָל־גֹּ֝ויִ֗ם יְשׁוּעָתֶֽךָ b’chol-gojim jeschu’atecha, der Name Jesu ist enthalten und wird auf die nichtjüdischen Völker bezogen). So müssen wir den Vers mit folgender Interpretation lesen: Lass dein Angesicht leuchten, damit wir den Messias erkennen, der die ganze Welt erlösen wird.
Im Anschluss erkennen wir wieder die positive Sicht auf das göttliche Gericht, über das die „Nationen“ sich freuen. Hier sind die „Nationen“ die Stämme Israels ( עַמִּ֥ים ammim meint immer die Stämme Israels). Die Stämme können dann endlich aufatmen, nachdem sie so viel Leid durch Fremdherrschaft und Tyrannei erleiden mussten. Gott bringt endlich die ersehnte Gerechtigkeit!
Der Psalm wird mit einem Segenswunsch abgeschlossen, der wiederum an den aaronitischen Segen von Num 6 anknüpft.
Die Psalmen bringen immer wieder zum Ausdruck, dass Gottes Erlösungsplan, der sich mit Jesus erfüllt hat, über die jüdischen Grenzen hinausgeht, aber v.a. dort beginnt.

Gal 4
4 Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt,
5 damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft erlangen. 
6 Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen, den Geist, der ruft: Abba, Vater.  
7 Daher bist du nicht mehr Sklave, sondern Sohn; bist du aber Sohn, dann auch Erbe, Erbe durch Gott.

Die Lesung aus dem Galaterbrief ist besonders schön anzuknüpfen an die Lesungen des AT, die wir bereits besprochen haben. Paulus schreibt an Heidenchristen, die durch judaisierende Missionare unter Druck gesetzt werden, sich beschneiden zu lassen und die Torah zu halten. Paulus greift jüdische Elemente durchaus auf, möchte die Galater jedoch versichern, dass sie als Heidenchristen keinen jüdischen Zwischenschritt vornehmen müssen.
Die Argumentation des Paulus wird ersichtlich, wenn man ein Kapitel vorher beginnt zu lesen: Er erklärt, warum es das jüdische Gesetz überhaupt gibt und wie es im heilsgeschichtlichen Gesamtkontext zu bewerten ist: Es wurde wegen der Übertretungen gegeben, als „Erzieher“ ( παιδαγωγός paidagogos), als Vorbereitung der „Unmündigen“, das heißt der geistig noch „Minderjährigen“ auf das „Mündigsein“. Dies fassen folgende Verse zusammen: „23 Ehe der Glaube kam, waren wir vom Gesetz behütet, verwahrt, bis der Glaube offenbar werden sollte. 24 So ist das Gesetz unser Erzieher auf Christus hin geworden, damit wir aus dem Glauben gerecht gemacht werden. 25 Nachdem aber der Glaube gekommen ist, stehen wir nicht mehr unter dem Erzieher.“ Das heißt natürlich nicht, dass die Juden keinen Glauben hatten, sondern dass ihr „Rettungsanker“ ein anderer war – nämlich die Gesetzestreue. Das ist nicht falsch. Sie hatten das Wort Gottes in schriftlicher Form, aber dann ist die ganze Menschheit in der Heilsgeschichte einen großen Schritt vorangekommen: Das Wort Gottes ist Fleisch geworden – eine Person! Und wenn es diese jetzt gibt, ist es doch kontraproduktiv, das erfüllte geschriebene Wort Gottes in Person zu ignorieren und so zu tun, als ob dieser heilsgeschichtliche Schritt nicht begangen worden sei.
Was wir nun in Gal 4 hören, ist der Übergang von der einen zur anderen heilsgeschichtlichen Etappe – von der Erziehung durch das geschriebene Wort Gottes hin zum Erreichen der „Volljährigkeit“ durch Christus:
Jesus hat diesen Schritt selbst vollzogen, in dem er zunächst als Jude in einen Stamm und in eine Sippe hineingeboren worden ist. Er ist als davididisches Kind aus dem Stamm Juda Mensch geworden „durch eine Frau“, das heißt biologisch in diese Welt eingegangen. Er ist nicht aus dem Nichts plötzlich dagewesen, sondern geboren worden. „Durch eine Frau“ ist in diesem Kontext natürlich nicht abwertend gemeint (, was einige Forscher hier hineinlesen wollen. Ist aber sinnlos, denn darum geht es doch gar nicht in der Argumentation). Man muss diesen Abschnitt zusammen mit dem nächsten lesen – „dem Gesetz unterstellt“. Dabei wird für „geboren“ und „unterstellt“ im Griechischen dasselbe Wort verwendet ( γενόμενον genomenon, „geworden“). Jesus ist nicht nur Mensch, sondern auch Jude geworden. Das war der Heilsplan Gottes und somit betont auch Paulus, dass er keineswegs antijüdisch eingestellt ist.
Jesus wurde beides, um als erster Mensch vom Gesetz (νόμος nomos ist das griechische Wort, das für die Torah verwendet wird) in die neue Schöpfung überzugehen. Er „kauft frei“, die unter dem Gesetz stehen, also die Juden. Gemeint ist nicht, dass er sie von den „lästigen Verboten endlich befreit“, sondern sie davon loskauft, dass die Torah ihr „Erlöser“ ist. Nicht mehr ein geschriebenes Gesetz soll der Rettungsanker oder ihr Rettungsring sein, sondern er selbst! Der Glaube an ihn rettet, nicht der Gehorsam gegenüber Buchstaben. Er ist dabei nicht gekommen, um das Gesetz aufzuheben. Das sagt Jesus in den Evangelien ganz deutlich. Er erfüllt es aber nun und lebt es so vor, dass wir gleich die praktische Umsetzung vor uns sehen!
Jesus geht von einer Etappe in die andere über, um uns zu Erben zu machen – durch die Taufe, die er gestiftet hat, werden wir zu Kindern Gottes, die das Reich Gottes erben! Jesus ist der Anfang der neuen Schöpfung, wir werden durch die Taufe ebenfalls zu Kindern der neuen Schöpfung! Der Hl. Geist ist es, der nun durch Taufe und Firmung in unsere Herzen „geblasen“ wird wie damals der Odem Gottes in die Nase Adams – weil Jesus der neue Adam ist! Das ist die „Belebung“ der neuen Geschöpfe, durch die wir sagen können „Abba“ – Papa. Gott wird zu unserem Vater, den wir ganz persönlich so ansprechen dürfen. Das gibt es in keiner anderen Religion. Das dürfen wir nie vergessen! Seien wir dankbar!
Wir sind Erben Gottes, aber wie auch bei irdischen Erben kann man die Erbschaft verlieren, wenn man aus dem Testament gestrichen wird. „Benehmen“ wir uns, damit dies nicht geschieht!
Paulus erklärt dies alles den Galatern, damit sie erkennen: Sie müssen nicht so tun, als ob Jesus noch nicht gekommen wäre. Das ist eine Versuchung, die sie vom ewigen Heil abbringen kann. Das „Gesetz“ ist nun mit den Augen Christi zu betrachten und zu halten. „Gott rettet“ (Jesus) nicht der Buchstabe.

Lk 2
16 So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. 

17 Als sie es sahen, erzählten sie von dem Wort, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war. 
18 Und alle, die es hörten, staunten über das, was ihnen von den Hirten erzählt wurde. 
19 Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen. 
20 Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für alles, was sie gehört und gesehen hatten, so wie es ihnen gesagt worden war. 
21 Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, bevor das Kind im Mutterleib empfangen war.

Heute ist der achte Tag der Weihnachtsoktav. Wir feiern ihn als Hochfest der Jungfrau und Gottesmutter Maria! Wie sehr hat die Kirche im 4. Jahrhundert gekämpft, um dieses Dogma durchzusetzen gegenüber verschiedenen Häresien! Maria ist nicht nur die Mutter des Menschen Jesus, sondern auch des Gottes! Sie ist Theotokos – „Gottesgebärerin“. Das ist Grundlage des Christentums.

Wir hören zu Anfang des Evangeliums nochmal, dass wir uns mitten in der Weihnachtszeit befinden. Die Hirten kommen zur Grotte, in der die hl. Familie ist, und finden alles so, wie es ihnen verkündet worden ist. Die Anwesenden staunen über die Dinge, die sie nun erzählen. Die Hirten werden zu Verkündern der frohen Botschaft! Sie sind diejenigen, die das Evangelium weitertragen – und zwar als erste Zeugen des kleinen Kindes!
„Maria bewahrte alles in ihrem Herzen.“ Das ist keine Floskel. Wir müssen das weiter bedenken. Was heißt das denn? Maria hat es betrachtet. Sie war eine fromme und schriftkundige Jüdin. Sie ist im Tempel aufgewachsen und kannte die Hl. Schriften so gut wie nicht unbedingt jeder andere „normale“ Jude. Sie wird all die Dinge im Lichte der Tradition und der messianischen Verheißung reflektiert und alles durchgebetet haben. Sie „bewahrte“ all diese Worte (συντηρέω syntereo „bewahren, bewachen“) und „erwog“ sie im Herzen (συμβάλλω symballo „zusammenwerfen“). Sie zählte also eins und eins zusammen! Sie erkannte die Symbolik verschiedener heilsgeschichtlicher „Mosaiksteinchen“ und fügte sie nach und nach zu einem Mosaikbild zusammen. Das heißt dieser bedeutungsvolle Vers.
Die Hirten haben nicht nur verkündet, sondern sind durch dieses ganze Ereignis mit Freude und Glauben erfüllt worden. Ihr Leben wird sich nach all dem verändert haben.
Dann hören wir das, was im Galaterbrief Paulus reflektiert: Jesus ist am achten Tag beschnitten worden, wie es jüdischer Brauch ist. Bei dem Ritual der Beschneidung erhält das Kind den Namen und dadurch, dass Josef ihn nennt, nimmt er Jesus vor dem jüdischen Gesetz als Adoptivsohn an. Maria und Josef nennen das Kind so, wie Gott es wollte: Jesus. Das heißt „Jahwe rettet“. Damit erhält das Kind das Lebensprogramm – es rettet als Gott die ganze Menschheit. Es ist der Anfang dieser neuen heilsgeschichtlichen Etappe, die mit dem Leiden, dem Tod und der Auferstehung Christi vollendet werden wird. Von da an werden wir durch die fleischgewordene Torah gerettet, nicht mehr durch die geschriebene Torah.

Maria hat als fromme Jüdin alles gehorsam umgesetzt, was die Torah vorschreibt.
Maria hat zugleich Gott geglaubt, dass er seine Verheißung wahr macht.
Maria hat ge-hor-sam (von „hören“) alles in ihrem Herzen gesammelt und eins und eins zusammengezählt. Sie ist die perfekte Schülerin des Pädagogen – nicht nur der Torah, sondern v.a. des Schreibers der Torah, nämlich Gott!
So ist Maria selbst nach Jesus zur ersten Neuschöpfung geworden, die vom „Gesetz“ zum „Glauben“ übergegangen ist – in die neue heilsgeschichtliche Etappe.

Könnten wir heute etwas zu den Galatern sagen, damit sie der Versuchung einer Rejudaisierung nicht erliegen, würden wir auf Maria verweisen. Sie ist das perfekte Vorbild beim Überschreiten der alten heilsgeschichtlichen Phase hinüber zur neuen.

Bitten wir heute Maria um ihre Fürsprache, damit auch hier so ge-hor-sam werden und das Talent des „symballein“ erhalten – eins und eins zusammenzählen zu können, was Gott in unserem Leben wirkt.
Bitten wir auch um ihre Fürsprache, dass wir gute Schüler in der Schule Gottes werden. Er leitet uns auch heute an und möchte uns seinen Willen lehren.
Seien wir gehorsam in der Situation, in der wir uns befinden. Tun wir unser bestes, den christlichen Glauben umzusetzen und die kirchlichen Gebote zu halten. Am Ende der Zeiten werden wir in eine weitere neue Etappe treten, in der es keine Kirche mehr geben wird in der Form wie jetzt. Dann kommen wir vom Glauben zum Schauen.

Ihre Magstrauss

Siebter Tag der Weihnachtsoktav

1 Joh 2,18-21; Ps 96,1-2.11-13; Joh 1,1-18

1 Joh 2
18 Meine Kinder, die letzte Stunde ist da. Ihr habt gehört, dass der Antichrist kommt, und jetzt sind viele Antichriste aufgetreten. Daran erkennen wir, dass die letzte Stunde da ist. 

19 Sie sind aus unserer Mitte gekommen, aber sie haben nicht zu uns gehört; denn wenn sie zu uns gehörten, wären sie bei uns geblieben. Es sollte aber offenbar werden, dass sie alle nicht zu uns gehören. 
20 Ihr habt die Salbung von dem, der heilig ist, und ihr alle wisst es. 
21 Ich schreibe euch nicht, weil ihr die Wahrheit nicht kennt, sondern weil ihr sie kennt und weil keine Lüge von der Wahrheit stammt.

In der heutigen Lesung hören wir die Fortsetzung der gestrigen. Die „letzte Stunde“ macht uns deutlich, dass wir in der Endzeit leben. Diese hat mit der Menschwerdung Gottes begonnen und die ganze Zeitspanne, in der es die Kirche gibt, gehört zur Endzeit. Bald kommt das Ende der Welt, auch wenn wir nicht genau wissen, wann. Ein „Symptom“ dieser Phase ist das Aufbäumen des Antichristen. Ja, es sind viele Personen in unserer heutigen Zeit aufgetreten, die man als Antichristen bezeichnen kann. Sie sind gegen Christus. Sie bringen seine geliebten Kinder um, sie töten generell viele Menschen und rotten die ganze gute Schöpfung aus. Sie sorgen dafür, dass die Ordnung der Naturgesetze übergangen und pervertiert werden. Sie spielen Gott, in dem sie Menschen schaffen wollen, ein Paradies auf Erden schaffen und entscheiden wollen, wer lebenswert ist und wer nicht. Ein weiteres Kennzeichen dieser Antichristen ist die Verwirrung von Identität und Geschichte und die Lügerei.
Wenn Johannes sagt, dass sie „aus unserer Mitte kommen“, spricht er etwas sehr Tiefgründiges aus. Einerseits meint das historisch-wörtlich, dass die Häretiker zunächst Teil der Großkirche waren. Er spricht hier vor allem gnostische Sektierer an, die zuvor Christen waren und sich dann abgespaltet haben. Deshalb sagt er, dass sie nicht „zu uns“ gehört hätten. Wären sie mit Überzeugung Christen geworden, hätten sie sich nicht gegen Christus entschieden. In Jesu Gegenwart scheiden sich aber die Geister und deshalb sollte sich auch ihre Irrlehre offenbaren. Als die Eltern Jesu mit dem Kind im Tempel waren und der greise Simeon den Messias endlich schauen durfte, kündigte er ihnen dies an, indem er sagte: „So sollen die Gedanken vieler Herzen offenbar werden.“
Die Salbung, von der Johannes spricht, meint die Firmung. Diese war zunächst mit der Taufe kombiniert. Johannes will damit sagen, dass die Getauften den Hl. Geist empfangen haben und dies ganz bewusst („und ihr alle wisst es“).
Die Getauften kennen die Wahrheit, also Jesus und seine Lehre. Sie haben im Vorfeld der Taufe alles erklärt bekommen im Katechumenat. Weil sie in der Wahrheit leben und den Hl. Geist empfangen haben, können sie Wahrheit und Lüge voneinander unterscheiden. Die Lüge kommt nicht von Gott, sondern vom Widersacher.

Ps 96
1 Singt dem HERRN ein neues Lied, singt dem HERRN, alle Lande, 
2 singt dem HERRN, preist seinen Namen! Verkündet sein Heil von Tag zu Tag!
3 Erzählt bei den Nationen von seiner Herrlichkeit, bei allen Völkern von seinen Wundern!  
11 Der Himmel freue sich, die Erde frohlocke, es brause das Meer und seine Fülle. 
12 Es jauchze die Flur und was auf ihr wächst. Jubeln sollen alle Bäume des Waldes 
13 vor dem HERRN, denn er kommt, denn er kommt, um die Erde zu richten. Er richtet den Erdkreis in Gerechtigkeit und die Völker nach seiner Treue.

Der heutige Psalm ist „ein neues Lied“, was heute wieder einen messianischen Psalm kennzeichnet. Es handelt sich um einen Lobespsalm, der das Heil Gottes thematisiert. Es handelt sich um den Psalm aus der Christmette. Es wird also noch einmal weihnachtlich heute. Die Heilstaten Gottes sollen verkündet und verbreitet werden, damit auch andere zum Glauben an ihn kommen. Die Aufforderung in Vers 3 erinnert an Jesu Missionsauftrag von Mt 28. Gott soll verkündet werden in der ganzen Welt („die Nationen“ meint immer die Heiden im AT und NT). Das größte Wunder, das Gott getan hat, ist seine eigene Menschwerdung in einer Jungfrau und seine Auferstehung von den Toten. Es ist so groß, weil dadurch Gott das universale Heil für die ganze Welt ermöglicht hat. Die ganze Schöpfung hat deshalb Grund zum Lobpreis, denn auch sie litt unter der Erbsünde der Menschen. 
Schon mit dem ersten Kommen hat Gott Gericht gebracht. Jesus hat sehr oft Gerichtsreden gehalten und bestimmten Personen Gerichtsworte gewidmet. Ganz prominent sind seine Weherufe im Anschluss an die Seligpreisungen und jene gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten. An Jesus haben sich schon von Anfang an die Geister geschieden und viele haben sich schon zu seinen Lebzeiten gegen ihn entschieden. Sie haben sich selbst gerichtet in seinem Angesicht. Hier haben wir eine deutliche Verbindung zur Lesung, die ebenfalls diese simeonische Ankündigung aufgreift: An Jesus scheiden sich die Geister – die einen werden durch ihn zu Fall kommen, die anderen aufgerichtet werden.
Gericht ist nie als Drohung zu verstehen. Gericht ist immer Erlösung und Barmherzigkeit für jene, die Gott lieben und seine Gebote halten. Gericht ist Erlösung von der Ungerechtigkeit jener, die die Gerechten unterdrücken und die Unschuldigen leiden lassen.

Joh 1
1 Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.
2 Dieses war im Anfang bei Gott. 
3 Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist. 
4 In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. 
5 Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.
6 Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt; sein Name war Johannes. 
7 Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. 
8 Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. 
9 Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. 
10 Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. 
11 Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. 
12 Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, 
13 die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
14 Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. 
15 Johannes legt Zeugnis für ihn ab und ruft: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. 
16 Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. 
17 Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. 
18 Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.

Heute hören wir als Evangelium den einleitenden hymnenartigen Gesang des Johannesevangeliums.
Dabei hören wir von der „Vorgeschichte“ des menschgewordenen Gottes, nämlich seine Präexistenz bei Gott.
Nicht umsonst beginnt das Evangelium auf dieselbe Weise wie der Schöpfungsbericht in Genesis. Jesus, das ewige Wort des Vaters, war „im Anfang“, das heißt in Gott, der der Anfang ist.
Es wird auch gesagt, dass Jesus als Schöpfungsmittler an der Schöpfung mitgewirkt hat („alles ist durch das Wort geworden“).
Wenn über das Wort ausgesagt wird, dass in ihm Leben ist, dann bestätigt sich, dass Jesus Gott ist. Dieser ist nämlich ein Gott des Lebens. Als dieser ist er den Menschen Licht, nämlich Hoffnung.
Auf dieses Hoffnung spendende Licht bezieht sich auch Jesaja, wenn er prophezeit: „Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein helles Licht.“ Gottes wunderbare Vorsehung hat Jesus zu einer ganz bestimmten Zeit Mensch werden lassen, in der die Menschen in besonders großer Dunkelheit waren. Er schien ihnen sein Leben hindurch, doch die Menschen nahmen es nicht an. Jesus ist gekreuzigt worden. Sein Leiden wird an diesem heutigen ersten Weihnachtstag schon mitgesagt. Das ist der Grund, weshalb er Mensch geworden ist. Und doch konnte die Finsternis das Licht nicht auslöschen. Jesus ist von den Toten auferstanden und hat somit den Tod überwunden! Auch Ostern wird heute schon mitgesagt.
Wir, die wir Jesu Erlösung angenommen haben und getauft worden sind, sind zu Kindern Gottes geworden, zu Erben in seinem Reich. Diese Taufe ist eine Geburt aus dem Geist, nicht aus dem Fleisch, wie Johannes es hier formuliert.
Und das Wort ist Fleisch geworden – das ist heute. Es hat unter uns gewohnt – 33 Jahre lang in Gestalt des Menschen und bis heute in Gestalt der eucharistischen Gaben. Wir haben seine Herrlichkeit gesehen, insbesondere die drei Apostel, die mit ihm auf dem Berg Tabor waren. Seine Herrlichkeit ist auch all denen offenbart worden, die Zeugen seiner Auferstehung geworden sind. Wir alle sehen seine Herrlichkeit in jeder Hl. Messe, in jeder guten Tat und am Ende der Zeiten die Fülle des verherrlichten Menschensohnes.
Johannes der Täufer ist der größte Zeuge seiner Herrlichkeit geworden, sogar noch vor seiner Geburt im Mutterleib Elisabets. Johannes der Evangelist schreibt hier, dass auch wenn Johannes der Täufer irdisch gesehen vor Jesus „war“, also geboren wurde, ist Jesus ihm Voraus. Dieser hat nämlich keinen Anfang, sondern war im Anfang, der Gott ist. Jesus wird seine Präexistenz immer wieder aussagen. Z.B. sagt er einmal: „Ehe Abraham war, bin ich“ (Joh 8,58). Jesus IST, gestern, heute und in Ewigkeit.
Jesus bringt uns Gnade über Gnade. Alles haben wir dem Herrn zu verdanken. Er steht auch höher als Mose, der zwar das Gesetz gebracht hat, Jesus aber dieses mit Leben gefüllt hat, mit Gnade und Wahrheit, die er selbst ist.
Jesus ist aus dem Himmel zu uns gekommen. Deshalb ist er auch der einzige Mensch, der Gott je gesehen hat. Gott ist Geist und wir alle werden ihn erst sehen, wie er ist, wenn wir sterben. Der Kern der ganzen Verkündigung Jesu ist, uns den Vater zu zeigen. Dafür wird er heute Mensch. Gott liebt uns so sehr und will uns sein „Herz“ zeigen, seinen „Augapfel“, sein ein und alles, seinen Sohn.
Gott sandte seinen eigenen Sohn und unsereins hat ihn nicht überall angenommen. Im Gegenteil. Er ist gekreuzigt worden, obwohl er wirklich unschuldig war.

Auch wir sind gefragt, uns zu entscheiden: Wollen wir ihn annehmen oder ablehnen? Wir sind getauft, wir kennen im besten Fall die Grundlagen unseres Glaubens. Nutzen wir eigentlich das Potenzial unserer Firmung? Auch wir müssen tagtäglich um die Gabe der Unterscheidung der Geister beten, dass wir erkennen, was vom Hl. Geist ist und was Irrlehre ist. In heutiger Zeit ist die Verwirrung und Lüge so schlimm wie noch nie. Tendenz steigend. Und doch hoffen wir. Je schlimmer es wird, desto näher kommen wir dem Reiche Gottes.

Ich wünsche Ihnen zum Ende des Kalenderjahres alles Gute, Gottes reichen Segen und für das neue Jahr seinen überreichen Segen und Schutz. Möge die Jungfrau Maria auch im nächsten Jahr zusammen mit allen Engeln und Heiligen für Sie einstehen!

Ihre Magstrauss

Johannes, Apostel und Evangelist

1 Joh 1,1-4; Ps 97,1-2.5-6.11-12; Joh 20,2-8

Liebe Freunde, heute ist der Gedenktag des Hl. Johannes. Es handelt sich nicht um den Täufer, wie man aufgrund des weihnachtlichen Kontexts denken könnte, sondern um den Apostel und Evangelisten. Er ist der Jünger, den Jesus liebte. Von allen Aposteln war er der einzige, der nicht verheiratet war und der einzige, der nicht als Märtyrer gestorben ist. Wir nennen die Heiligen, die eines natürlichen Todes gestorben sind, Bekenner.

1 Joh 1
1 Was von Anfang an war, was wir gehört, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben vom Wort des Lebens – 
2 das Leben ist erschienen und wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns erschienen ist – , 
3 was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt. Wir aber haben Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. 
4 Dies schreiben wir, damit unsere Freude vollkommen ist.

„Was von Anfang an war“ verweist auf den Johannes-Prolog, dieser hymnenartigen Einleitung des Johannesevangeliums, die wir am ersten Weihnachtstag gehört haben. Dieser Relativsatz umschreibt Jesus, das Wort, das am Anfang war.
Dieses Wort, das Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat, konnten wir mit eigenen Sinnen erfassen („mit unseren Augen gesehen“, „was unsere Hände angefasst haben“). Mit eigenen Augen haben Jesu Jünger so viele Wunder gesehen, das größte war die Auferstehung. Davon werden wir nachher im Evangelium lesen. Johannes selbst hat an Jesu Brust geruht. Er hat seine Körperwärme gespürt und Jesu Herzschlag. Wir denken auch an Thomas, der Jesu Auferstehung zunächst nicht glauben wollte und dann vom erschienenen Jesus dazu eingeladen wird, seine Hand in dessen Seite und auf die Male der Kreuzigung zu legen.
„Das Leben ist erschienen“. Das feiern wir zu Weihnachten. Die Zeugen seines Lebens verkünden nun „das ewige Leben“, nicht nur den irdischen Jesus, der seine Göttlichkeit nicht in Anspruch genommen hat, sondern den ganzen Jesus, der schon vor seiner Menschwerdung beim Vater war (und nun wieder ist). Johannes nennt ihn Logos.
Wenn es dann heißt „was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch“, dann ist das die Umsetzung des Missionsauftrags Jesu vor seiner Heimkehr zum Vater. Dies bestätigt sich auch durch die hier deutlich werdende Absicht: „damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt.“ Johannes so wie alle Aposteln und Jünger stehen in Gemeinschaft „mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.“
Warum ist die Freude eigentlich vollkommen durch das Schreiben dieses Briefes? Freude ist immer dann komplett, wenn sie geteilt werden kann. Wenn die Aposteln und Jünger mit Jesu Erlösungstat so viele überwältigende Dinge erfahren haben, dann können sie es nicht einfach für sich behalten. Sie müssen ihre Begeisterung einfach teilen.

Ps 97
1 Der HERR ist König. Es juble die Erde! Freuen sollen sich die vielen Inseln.
2 Rings um ihn her sind Wolken und Dunkel, Gerechtigkeit und Recht sind die Stützen seines Thrones.
5 Berge schmelzen wie Wachs vor dem HERRN, vor dem Angesicht des HERRN der ganzen Erde. 
6 Seine Gerechtigkeit verkünden die Himmel, seine Herrlichkeit schauen alle Völker.  11 Licht wird ausgesät für den Gerechten, Freude für die, die geraden Herzens sind. 
12 Freut euch am HERRN, ihr Gerechten, dankt seinem heiligen Namen!

Heute betet die Kirche wieder einen Lobpsalm. Gott ist König und ist als Mensch gewordener Messias zu uns gekommen. Seine Königsherrschaft, so wird Jesus als Erwachsener erklären, ist nicht von dieser Welt und doch fühlen sich mit seiner Geburt die irdischen Herrscher bedroht. Herodes lässt sogar alle erstgeborenen Söhne bis zum zweiten Lebensjahr umbringen, damit der Messias ihm den Königsthron nicht streitig macht. Wir glauben, dass Gott über allen Königen steht und der Weltenherrscher ist. Dies bejubeln wir heute als gesamte Menschheit („es juble die Erde“). Auch „die vielen Inseln“ sollen sich freuen. Weltweit soll das Lob Gottes erschallen.
Gottes Thron wird von „Gerechtigkeit und Recht“ gestützt. Das ist sehr bildhaft geschrieben und ist auf Gottes Herrschaft zu beziehen: Diese gründet auf Gerechtigkeit und Recht. Wenn Gott richtet, ist es immer gerecht und berücksichtigt jene, die auf Erden Ungerechtigkeit erfahren haben. Deshalb ist Gottes Gericht auch eine Erlösung für die Menschen. „Wolken“ sind uns als Theophaniezeichen bekannt. Immer dort, wo Gottes Herrlichkeit im AT sowie NT sich auf etwas hinabsenkt, kommt eine Wolke oder Wolkensäule. Manchmal wird es als Rauch beschrieben. Die Nennung von Dunkelheit ist nicht ganz wörtlich. Eigentlich heißt das hebräische Wort עֲרָפֶל arafel nicht Dunkelheit, sondern Nebel. Beides – „Wolke“ und „Nebel“ stellen Theophaniezeichen Gottes dar, also Phänomene, die seine Gegenwart anzeigen.
Gott ist so mächtig und überragend, dass selbst die mächtigsten Naturerscheinungen wie die Berge, in Gottes Angesicht dahinschmelzen wie Wachs. Das gesamtbiblische Zeugnis beschreibt Gottes Gegenwart als verzehrendes Feuer. Es ist das Feuer der Liebe.
Gottes Herrlichkeit schauen die Völker. Dabei ist nicht ganz klar, ob es die Fremdvölker um Israel herum meint oder die Stämme Israels. Das hebr. הָעַמִּ֣ים ha’amim „die Völker“ wird eher für die Stämme Israels verwendet, kann aber seltener auch für die nichtjüdischen Völker genannt werden.
Es ist bemerkenswert, dass in diesem Psalm die Lichtmetaphorik verwendet wird. Dies ist bezeichnend für die johanneischen Texte. Für den Gerechten wird Licht ausgesät und Freude für die geraden Herzens. Das lesen wir an vielen anderen Bibelstellen. Wenn wir Gottes Gebote befolgen, johanneisch würde es heißen „in seiner Liebe bleiben“, dann haben wir Segen. Dann sind wir im Stand der Gnade und können alles erbitten – es wird uns gegeben. „Freude“ und „Licht“ sind Faktoren dieses Segens von Gott. Der Ausdruck „geraden Herzens“ drückt die Aufrichtigkeit des Handelns aus. Das Adjektiv יָשָׁר jaschar heißt nicht nur „gerade“ als Gegenteil von „schief, krumm“, sondern kann auch mit „ehrlich, aufrichtig“ übersetzt werden. Das ist sehr fortschrittlich für die Entstehungszeit der Psalmen. Es geht nicht nur um die Taten, sondern auch um die Absicht dahinter! Wir können also nicht automatisch damit rechnen, dass wir vor Gott gerecht sind, nur weil wir Gutes tun. Wir müssen es auch in der rechten Absicht tun, damit es Gott gefällt. Und die einzig richtige Absicht ist die Liebe.
Am Ende werden wir alle dazu aufgerufen, Gott zu loben. Sein heiliger Name, der auch zum Programm Jesu Christi wird, ist „ich bin“ – da für euch! Immanuel, „Gott mit uns“ und Jesus „Jahwe rettet“. Am dritten Januar werden wir den Namen Jesu besonders verehren, auf den wir getauft und durch den wir gerettet sind.

Joh 20
2 Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben. 
3 Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; 
4 sie liefen beide zusammen, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. 
5 Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging jedoch nicht hinein. 
6 Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen 
7 und das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. 
8 Da ging auch der andere Jünger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. 

Heute hören wir einen Ausschnitt aus dem Johannesevangelium, das sehr sehr bezeichnend für den „Lieblingsjünger“ Jesu ist.
Es ist der Ostertag. Jesus ist auferstanden und das leere Grab von den Frauen soeben entdeckt worden. Sie laufen schnell zu den Aposteln, von denen sich sofort zwei auf den Weg machen: Petrus und Johannes. Man könnte bei der Übersetzung des Verses 3 denken, dass die beiden ganz gemütlich hinausgingen und zum Grab spazierten. Das Verb ἐξῆλθεν exelthen sagt nichts über die Art der Bewegung aus, sondern betont das Verlassen des Ortes, an dem sie waren. Die beiden waren mit den anderen Aposteln in einem Raum eingeschlossen, weil sie Angst davor hatten, vom Hohen Rat gefangen genommen zu werden. Das Hinaustreten aus dem Haus hat also mehr als nur eine wörtliche Bedeutung. Im übertragenen Sinne treten sie heraus aus ihrem Schneckenhaus. Sie wagen es, ihre eigene Grenze zu überschreiten. Jesus bietet uns das Heil an, das er durch Kreuz und Auferstehung erwirkt hat. Wir müssen aber aus unserem eigenen alten Leben hinaustreten, um es anzunehmen. Dieses Heil bietet er bis heute durch die Kirche an, die die Menschen in ihrem Schoß aufnimmt und durch die Taufe zu Erben des Reiches Gottes einsetzt. Dafür müssen die Menschen aber zunächst aus ihrem alten Leben treten und ein neues Leben in Gott beginnen. Wir werden am Ende der Zeiten wie Petrus und Johannes „hinauskommen“, nämlich aus unserem irdischen Leben in Richtung ewiges Leben.
In Vers 4 merken wir spätestens, dass die beiden Apostel nicht gemütlich zum leeren Grab spazieren, sondern rennen (das Verb τρέχω trecho meint wirklich die schnelle Fortbewegung). Johannes ist jünger als Petrus, können wir annehmen. Er ist unverheiratet und hat keine Kinder im Gegensatz zu Petrus, der als Familienvater schon ein paar Jahre mehr hinter sich hat. Aus dem Grund kann man auch verstehen, dass Johannes früher am Grab ankommt. Man könnte es aber auch anders verstehen: Johannes brannte so voller Liebe, dass sie ihn so schnell zum Grab gedrängt hat. Manchmal erinnert Johannes uns an Maria Magdalena in seinem Liebeseifer Jesus gegenüber.
In diesem Eifer schaut er auch hinein und sieht die Leinenbinden dort liegen.
Dann lesen wir von einer Geste, die für uns absolut entscheidend ist. Zwar kommt Johannes früher an, wartet dann aber auf Petrus, dass dieser als erstes in das Grab steigt. Dies hat nichts damit zu tun, dass Johannes sich von dem kultisch unrein machenden Grab scheut. Die Aposteln haben in der Zeit ihres Umherziehens mit Jesus viele kultisch verunreinigende Dinge getan wie das fehlende Waschen der Hände vor dem Essen oder das Heilen am Sabbat. Ausgerechnet Johannes ist zusammen mit Petrus und Jakobus auch in das Haus der verstorbenen Tochter des Synagogenvorstehers gegangen, obwohl auch dort der Tod sie kultisch unrein gemacht hat. Das ist nicht der Grund, sondern ein ganz anderer: Petrus ist der „Anführer“ der Apostel. Er ist von Jesus auf ganz besondere Weise berufen worden. Das weiß Johannes und nimmt es demütig an. Deshalb lässt er Petrus den Vortritt.
Petrus geht ohne zu zögern in das Grab hinein (es handelt sich um eine Gruft, die ziemlich dunkel gewesen sein muss). Die Sonne ging gerade auf und schien ein wenig hinein, sodass man gerade die Leinenbinden ausmachen konnte. Petrus fiel auch auf, dass das Schweißtuch, das auf Jesu Gesicht gelegen hatte (das Muschelseidentuch, das wir heutzutage in Manopello verehren und das man sonst nur bei königlichen Begräbnissen verwendet hat), liegt zusammengebunden an einer bestimmten Stelle. Das Verb ἐντυλίσσω zeigt an, dass es nicht wie die Leinenbinden durcheinander geworfen ist, wie wenn jemand den Leichnam genommen und die Binden zurückgelassen hat, sondern jemand muss es sorgsam auf eine bestimmte Art zusammengerollt oder gefaltet haben! Es liegt auch nicht am selben Ort wie die Leinenbinden, sondern an einem eigenen Ort (εἰς ἕνα τόπον eis hena topon). Diese Bemerkung ist entscheidend und führt dazu, dass der Jünger Johannes, der nach Petrus das Grab betritt „sieht und glaubt“.
Johannes war ein mystischer und kontemplativer Mensch. Das wird durch jeden Buchstaben deutlich, den er in den johanneischen Schriften schreibt und in jeder Handlung, die über ihn geschrieben steht. Von Petrus lesen wir das nicht. Er ist nicht der Anführer der Apostel geworden, weil er die meiste Erkenntnis hatte oder weil er am frömmsten oder heiligsten war. Gott hat sich absolut etwas dabei gedacht, ihm diese besondere Vollmacht zu übertragen, aber derjenige, der am schnellsten begreift und Jesu Herz wirklich am meisten verstanden hat, ist Johannes. Er sah und verstand sofort den Code des Schweißtuches: „Ich komme wieder.“ Laut jüdischer Tradition hatte der Diener dem Rabbi den Tisch zu decken nach strengen Vorgaben. Der Rabbi benutzte dabei eine Serviette zum Abwischen seines Mundes und Bartes. Wenn er mit dem Essen fertig war, warf er die Serviette einfach ungeordnet auf den Tisch als Zeichen „ich bin fertig“. So wusste der Diener, er kann abräumen. Ging der Rabbi kurz weg, um nachher weiter zu essen, faltete er die Serviette zusammen und legte sie auf den Tisch, damit der Diener wusste, dass sein Meister wiederkomme.
Johannes hat das Signal sofort wiedererkannt. Sein Rabbi, den er so innig liebte, wollte ihnen zu verstehen geben „ich komme wieder“. Johannes versteht in dem Moment wirklich, dass Jesu Worte sich nun erfüllt haben, die er ihnen mehrfach vor seinem Tod gesagt hatte: Er müsse sterben, würde aber nach drei Tagen von den Toten auferstehen.

Beten wir heute besonders auf die Fürsprache dieses Jüngers, der Jesus so sehr liebte. Er ruhte nicht nur wortwörtlich an Jesu Brust, als sie zu Tisch lagen beim letzten Abendmahl, sondern er ruhte auch im übertragenen Sinne an dessen Herz. Er verstand Jesus auch ohne Worte. Bitten wir den Herrn auf seine Fürsprache um eben jene brennende Liebe, dass auch wir Gottes Herz verstehen, seinen Willen erkennen und ebenso sehen und glauben können! Das ist es schließlich, was auch die Hirten an der Krippe in Bethlehem erfahren durften. Auch sie sahen und glaubten, nachdem sie das Signal der „Windeln“ gesehen haben, die der Engel ihnen angekündigt hatte. Die Leinentücher in Bethlehem müssen unbedingt in Analogie zu den Leinentüchern in Jerusalem verstanden werden. Es schließt sich ein Kreis. Und Petrus sowie Johannes sind ebenfalls als Hirten zu verstehen, die das Signal der Heilstaten Gottes schauen durften. Sie sehen, was in der Grotte von Bethlehem begonnen hat. Nur ist es jetzt vollendet – der Heilsplan Gottes für die ganze Menschheit!

Ich wünsche Ihnen, dass auch Sie sehen und glauben können!

Ihre Magstrauss

Hochfest der Geburt des Herrn

Jes 52,7-10; Ps 98,1-6; Hebr 1,1-6; Joh 1,1-18

Liebe Freunde,
ich wünsche Ihnen frohe und gesegnete Weihnachten!

Jes 52
7 Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten, der Frieden ankündigt, der eine frohe Botschaft bringt und Heil verheißt, der zu Zion sagt: Dein Gott ist König. 
8 Horch, deine Wächter erheben die Stimme, sie beginnen alle zu jubeln. Denn sie sehen mit eigenen Augen, wie der HERR nach Zion zurückkehrt. 
9 Brecht in Jubel aus, jauchzt zusammen, ihr Trümmer Jerusalems! Denn der HERR hat sein Volk getröstet, er hat Jerusalem erlöst. 
10 Der HERR hat seinen heiligen Arm vor den Augen aller Nationen entblößt und alle Enden der Erde werden das Heil unseres Gottes sehen.

Wir hören heute aus einem Kapitel in Jesaja, das historisch gesehen in den Kontext der babylonischen Gefangenschaft einzuordnen ist. Diese stellte für die Israeliten ein regelrechtes Trauma dar. Der Tempel war zerstört. Sie konnten Gott nicht mehr opfern und seine Herrlichkeit hatte auf Erden ihren Platz verloren. Doch nun ist das Ende des Leids gekommen.
„Die Schritte des Freudenboten“ sind all die Jahrzehnte des Exils ersehnt worden. Dies haben die Juden damals zunächst auf ihre konkret historische Situation bezogen. Sie haben die Freudenbotschaft ersehnt, endlich aus dem Exil zurückkehren zu dürfen. Dies war für sie zunächst ihr „Evangelium“. Wir ersehnen die Freudenbotschaft heute, aus dem Exil der Erbsünde heraustreten zu können und in die Heimat, in den Schoß der Kirche eintreten zu dürfen durch die Taufe. Jeder Einzelne ersehnt die Befreiung aus dem Exil der Sünde und das Eintreten in den Stand der Gnade durch die Beichte.
Wenn es heißt, dass die eigenen Wächter die Rückkehr Gottes nach Jerusalem sehen werden, ist das die Verheißung, dass Gottes Herrlichkeit in den neu erbauten Tempel wieder einziehen wird.
Dies ist Grund zur absoluten Freude. Deshalb erklingt auch durch Jesaja der Aufruf zum Lobpreis der „Trümmer Jerusalems“. Der HERR hat das Volk getröstet und erlöst.
„Vor den Nationen“ hat Gott die Heilstat vollbracht, sein auserwähltes Volk wieder zurück nach Jerusalem zu bringen. Das bedeutet, dass auch die Nichtjuden so wie damals beim Auszug aus Ägypten den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs anerkennen. Alle Enden der Erde schauen Gottes Heil. Wir lesen das überzeitlich und viel umfassender als auf das Exil beschränkt. Alle Enden der Erde werden das Heil erhalten, da Christus sich für alle Menschen opfern wird. Er wird nicht nur aus einer bestimmten Situation und nur bestimmte Menschen, sondern alle Menschen ein für alle Mal erlösen! Dies beginnt mit seiner Menschwerdung im Stall von Bethlehem und dies wird sich am Ende der Zeiten vollenden, wenn er in Herrlichkeit zurückkehren wird. Die frohe Botschaft, die ein Freudenbote bringt, seine Schritte auf den Bergen, all das erinnert uns an die Engel, die im gebirgigen Judäa zu den Hirten kommen, um die endgültige frohe Botschaft, das Evangelium zu verkünden – Gott ist Mensch geworden. Als Zeichen dient ein Kind in Windeln gewickelt in einer Krippe. Gott ist gekommen als davidischer König (Jes 52,7).
Diese Wächter, nämlich die Wächter der Schafe, sehen mit eigenen Augen die Herrlichkeit Gottes, der auf die Erde gekommen ist. Es ist noch nicht der Zion. Dies wird sich erst im Laufe seines Lebens erfüllen. Womöglich kann man die Wächteraussage auch auf Simeon und Hanna beziehen. Simeon betet ja schließlich, als Jesu Eltern das Kind in den Tempel auf dem Zionsberg bringen: Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast.
Dies ist ein Grund zur Freude und zum Lobpreis. Deshalb lesen wir in der Weihnachtsgeschichte von dem Engelschor, der das Gloria anstimmt.

Ps 98
1 Ein Psalm. Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er hat wunderbare Taten vollbracht! Geholfen hat ihm seine Rechte und sein heiliger Arm. 
2 Der HERR hat sein Heil bekannt gemacht und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker. 

3 Er gedachte seiner Huld und seiner Treue zum Haus Israel. Alle Enden der Erde sahen das Heil unsres Gottes. 
4 Jauchzet dem HERRN, alle Lande, freut euch, jubelt und singt! 
5 Spielt dem HERRN auf der Leier, auf der Leier zu lautem Gesang! 
6 Mit Trompeten und lautem Widderhorn jauchzt vor dem HERRN, dem König!

Auch der Psalm ist ein Lob und Dank auf den HERRN, der Israel aus der Knechtschaft Babylons befreit hat. Gott hat wunderbare Taten vollbracht. Dass das Volk Israel zurückkehren durfte, ist alles andere als selbstverständlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass es so gut ausgehen würde, war absolut gering. Deshalb erkennen auch die Völker, die hier genannt werden, den Gott Israels an (הַ֝גֹּויִם hagojim „die Völker“ meint im Hebräischen die nichtjüdischen Völker, es steht dann immer ἔθνη im griechischen AT und NT).
Was wir bereits bei Jesaja gelesen haben, steht auch im Psalm: „Alle Enden der Erde sahen das Heil unseres Gottes.“ Dies können wir bezogen auf die Weihnachtsgeschichte auch gerade mit Blick auf die Magoi aus dem Morgenland nachvollziehen. Diese kommen von den Enden der Erde und stehen schon am Anfang des Lebens Jesu für die „Völker“, die Nichtjuden, die von weit her gekommen sind, um das Heil zu schauen – Jesus („Jahwe rettet“).
Auch im Psalm geht die frohe Botschaft in einen Lobpreis über. Das ist unsere einzige angemessene Reaktion auf die Heilstaten Gottes.

Hebr 1
1 Vielfältig und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten; 
2 am Ende dieser Tage hat er zu uns gesprochen durch den Sohn, den er zum Erben von allem eingesetzt, durch den er auch die Welt erschaffen hat; 
3 er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Abbild seines Wesens; er trägt das All durch sein machtvolles Wort, hat die Reinigung von den Sünden bewirkt und sich dann zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt; 
4 er ist umso viel erhabener geworden als die Engel, wie der Name, den er geerbt hat, ihren Namen überragt.
5 Denn zu welchem Engel hat er jemals gesagt: Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt, und weiter: Ich will für ihn Vater sein und er wird für mich Sohn sein? 
6 Wenn er aber den Erstgeborenen wieder in die Welt einführt, sagt er: Alle Engel Gottes sollen sich vor ihm niederwerfen.

Im Hebräerbrief wird dieser Höhepunkt der Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen reflektiert. Gott hat sich im Laufe dieser Geschichte immer wieder offenbart – ob am Dornbusch, am Sinai oder wo auch immer. Er hat vor allem Propheten berufen, dem Volk Israel seinen Willen zu vermitteln.
Und nun spricht Gott nicht mehr durch Propheten, sondern durch seinen eigenen Sohn. Hier wird sogar gesagt „am Ende dieser Tage“. Die Heilsgeschichte erreicht den Höhepunkt zum Ende hin. Das heißt, Gott hat sich etwas dabei gedacht, nicht sofort am Anfang der Menschheitsgeschichte selbst auf die Erde zu kommen.
Dieser Sohn Gottes, Jesus Christus, wird als Schöpfungsmittler bezeichnet („durch den er auch die Welt erschaffen hat“). Er hat ihn zum Erben eingesetzt, was sich auf die neue Schöpfung bezieht, auf das Reich Gottes. Jesus markiert den Anfang.
Jesu Natur wird weiterhin reflektiert: Er ist der Abglanz der Herrlichkeit und Abbild des Wesens Gottes. Jesus selbst hat gesagt: „Wer mich sieht, sieht den Vater.“
Jesus trägt das All durch eben jenes machtvolle Wort, das immer wieder ausgesprochen die Vergebung der Sünden, die Heilung von Krankheiten und die Befreiung von Dämonen bewirkt hat („Ich will es, werde rein“, „Deine Sünden sind dir vergeben“ etc.). Dieses Wort, das hier im Hebr und auch in der Offb bildlich als zweischneidiges Schwert verstanden wird, ist Jesus selbst, durch das Gott die Welt geschaffen hat. Es heißt im Schöpfungsbericht immer wieder „und Gott sprach“. Jesus als Wort Gottes wird auch im sich anschließenden Johannesevangelium zum Kern des heutigen Tages.
Jesus hat sehr oft die Sünden vergeben. Das kann nur Gott und deshalb nahmen viele Menschen Anstoß an ihm. Sie haben nicht erkannt, dass er Gott ist und deshalb die Vollmacht zur Sündenvergebung hat.
Er ist jetzt zur Rechten des Vaters, nachdem er in den Himmel aufgefahren ist.
Dort ist er ungleich viel höher als alle Engel. Er ist der Sohn Gottes. Das ist nur er. Er ist gezeugt, nicht geschaffen wie die Engel.
Jesus wird wiederkommen auf die Erde. Wir erwarten seine Wiederkunft und stehen deshalb als Kirche in einem zweiten Advent. Alle Engel werden sich vor Christus niederwerfen, so wie wir uns vor ihm niederwerfen werden. Schon beim ersten Kommen als kleines Kind im Stall haben sich die Zeugen seiner Menschwerdung niedergeworfen und ihn angebetet, der er Gott ist.

Joh 1
1 Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.
2 Dieses war im Anfang bei Gott. 
3 Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist. 
4 In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. 
5 Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.
6 Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt; sein Name war Johannes. 
7 Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. 
8 Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. 
9 Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. 
10 Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. 
11 Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. 
12 Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, 
13 die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
14 Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. 
15 Johannes legt Zeugnis für ihn ab und ruft: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. 
16 Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. 
17 Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. 
18 Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.

Heute hören wir als Evangelium den einleitenden hymnenartigen Gesang des Johannesevangeliums.
Dabei hören wir von der „Vorgeschichte“ des menschgewordenen Gottes, nämlich seine Präexistenz bei Gott.
Nicht umsonst beginnt das Evangelium auf dieselbe Weise wie der Schöpfungsbericht in Genesis. Jesus, das ewige Wort des Vaters, war „im Anfang“, das heißt in Gott, der der Anfang ist.
Es wird auch gesagt, dass Jesus als Schöpfungsmittler an der Schöpfung mitgewirkt hat („alles ist durch das Wort geworden“).
Wenn über das Wort ausgesagt wird, dass in ihm Leben ist, dann bestätigt sich, dass Jesus Gott ist. Dieser ist nämlich ein Gott des Lebens. Als dieser ist er den Menschen Licht, nämlich Hoffnung.
Auf dieses Hoffnung spendende Licht bezieht sich auch Jesaja, wenn er prophezeit: „Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein helles Licht.“ Gottes wunderbare Vorsehung hat Jesus zu einer ganz bestimmten Zeit Mensch werden lassen, in der die Menschen in besonders großer Dunkelheit waren. Er schien ihnen sein Leben hindurch, doch die Menschen nahmen es nicht an. Jesus ist gekreuzigt worden. Sein Leiden wird an diesem heutigen ersten Weihnachtstag schon mitgesagt. Das ist der Grund, weshalb er Mensch geworden ist. Und doch konnte die Finsternis das Licht nicht auslöschen. Jesus ist von den Toten auferstanden und hat somit den Tod überwunden! Auch Ostern wird heute schon mitgesagt.
Wir, die wir Jesu Erlösung angenommen haben und getauft worden sind, sind zu Kindern Gottes geworden, zu Erben in seinem Reich. Diese Taufe ist eine Geburt aus dem Geist, nicht aus dem Fleisch, wie Johannes es hier formuliert.
Und das Wort ist Fleisch geworden – das ist heute. Es hat unter uns gewohnt – 33 Jahre lang in Gestalt des Menschen und bis heute in Gestalt der eucharistischen Gaben. Wir haben seine Herrlichkeit gesehen, insbesondere die drei Apostel, die mit ihm auf dem Berg Tabor waren. Seine Herrlichkeit ist auch all denen offenbart worden, die Zeugen seiner Auferstehung geworden sind. Wir alle sehen seine Herrlichkeit in jeder Hl. Messe, in jeder guten Tat und am Ende der Zeiten die Fülle des verherrlichten Menschensohnes.
Johannes der Täufer ist der größte Zeuge seiner Herrlichkeit geworden, sogar noch vor seiner Geburt im Mutterleib Elisabets. Johannes der Evangelist schreibt hier, dass auch wenn Johannes der Täufer irdisch gesehen vor Jesus „war“, also geboren wurde, ist Jesus ihm Voraus. Dieser hat nämlich keinen Anfang, sondern war im Anfang, der Gott ist. Jesus wird seine Präexistenz immer wieder aussagen. Z.B. sagt er einmal: „Ehe Abraham war, bin ich“ (Joh 8,58). Jesus IST, gestern, heute und in Ewigkeit.
Jesus bringt uns Gnade über Gnade. Alles haben wir dem Herrn zu verdanken. Er steht auch höher als Mose, der zwar das Gesetz gebracht hat, Jesus aber dieses mit Leben gefüllt hat, mit Gnade und Wahrheit, die er selbst ist.
Jesus ist aus dem Himmel zu uns gekommen. Deshalb ist er auch der einzige Mensch, der Gott je gesehen hat. Gott ist Geist und wir alle werden ihn erst sehen, wie er ist, wenn wir sterben. Der Kern der ganzen Verkündigung Jesu ist, uns den Vater zu zeigen. Dafür wird er heute Mensch. Gott liebt uns so sehr und will uns sein „Herz“ zeigen, seinen „Augapfel“, sein ein und alles, seinen Sohn.

Danken wir Gott für die Gnade über Gnade. Freuen wir uns heute über diese größte Heilstat Gottes, ganz unabhängig davon, wie es uns geht, wie die heutige Welt aussieht, wie unsere Laune ist. Seine Heilstat bleibt für immer das A und O unserer Hoffnung. Sie gibt uns auf ewig den Grund, in diesem Leben durchzuhalten und standhaft zu bleiben.

Ihnen und Ihren Familien heute ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein friedliches Beisammensein!

Ihre Magstrauss

Heiligabend Christmette

Jes 9,1-6; Ps 96,1-3.11-13a; Tit 2,11-14; Lk 2,1-14

Liebe Freunde,
diese Nacht feiern wir die heilige Nacht, die Nacht, in der Gott Mensch geworden ist in einem kleinen schwachen Baby, das in Windeln gewickelt in eine Krippe gelegt worden ist. Wir feiern den Sieg Gottes über die Mächte der Finsternis, indem er sich ganz klein und hilflos gemacht hat.

Jes 9
1 Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht; über denen, die im Land des Todesschattens wohnten, strahlte ein Licht auf. 
2 Du mehrtest die Nation, schenktest ihr große Freude. Man freute sich vor deinem Angesicht, wie man sich freut bei der Ernte, wie man jubelt, wenn Beute verteilt wird.
3 Denn sein drückendes Joch und den Stab auf seiner Schulter, den Stock seines Antreibers zerbrachst du wie am Tag von Midian. 
4 Jeder Stiefel, der dröhnend daherstampft, jeder Mantel, im Blut gewälzt, wird verbrannt, wird ein Fraß des Feuers. 
5 Denn ein Kind wurde uns geboren, ein Sohn wurde uns geschenkt. Die Herrschaft wurde auf seine Schulter gelegt. Man rief seinen Namen aus: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. 
6 Die große Herrschaft und der Frieden sind ohne Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, es zu festigen und zu stützen durch Recht und Gerechtigkeit, von jetzt an bis in Ewigkeit. Der Eifer des HERRN der Heerscharen wird das vollbringen.

Ganz wie zu erwarten hören wir heute aus dem Buch Jesaja, dem Propheten, der wie kein anderer den Messias angekündigt hat. In der alten Einheitsübersetzung lesen wir „das Volk, das im Dunkeln lebt“. Dies bezieht sich zunächst auf das Volk Israel, das im Dunkeln ist aufgrund der Fremdvölker. Es hatte die Aussicht auf Frieden und Freiheit verloren und sah aus diesem Grund keinen Funken Hoffnung. Zu stark wurde die Bedrängnis durch die Assyrer. Doch es wird ihnen ein Licht in ihrer Dunkelheit verheißen: Die Juden haben dieses Licht zunächst mit einer politischen Figur in Verbindung gebracht: König Hiskija, den Sohn des Ahas. Dieser ist der Sohn, der den Juden geschenkt worden ist. Mit seiner Geburt ist eine große Freude verbunden worden, die mit der Freude über eine reiche Ernte oder Kriegsbeute verglichen wird (zwei lebensnahe Bilder der Israeliten jener Zeit). Gott greift ein, deshalb wird die Kriegsmacht der Assyrer zunichte gemacht. So bricht Gott den Stock des Antreibers bzw. das drückende Joch der Assyrer, die Israel belastet haben. Stiefel und Mantel, die hier Kriegsmetaphern darstellen, werden ein Fraß des Feuers. Der militärischen Macht der Assyrer wird ein Ende bereitet.
Bis hierhin ergibt diese rein historische Leseart einen Sinn. Doch im Folgenden sehen wir, dass es darüber hinausgehen muss: Das Kind, das geboren wird, erhält die Titel „Wunderbarer Ratgeber“, „starker Gott“, „Vater in Ewigkeit“ und „Fürst des Friedens“. Die meisten sind laut jüdischem Verständnis nicht auf menschliche Herrscher anzuwenden! Hier wird mehr als nur eine politische Figur angekündigt. Es ist der Messias, der Gott ist!
Er wird das Volk Gottes befreien von der drückenden Last der Erbsünde und in die Freiheit führen. Er wird einen wahren Frieden schenken, den die Welt nicht geben kann – den österlichen Frieden, den wir in jeder Messe vor der Hl. Kommunion weitergeben. Wenn es heißt „Vater in Ewigkeit“, dann ist das kein Widerspruch: Jesus und der Vater sind eins.
„Die große Herrschaft“ ist keine weltliche oder politische. Jesus wird zu Pilatus sagen: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Das Reich Gottes ist mit ihm schon angebrochen und wird offenbar am Ende der Zeiten, wenn es die jetzige Welt gar nicht mehr geben wird. Jesus ist aber nicht nur Geist, sondern auch ganz Mensch. Er wird als Jude aus dem Stamm Juda und aus der Sippe Davids geboren. Jesus als Sohn Davids erfüllt die Verheißung aus Jesaja.

Ps 96
1 Singt dem HERRN ein neues Lied, singt dem HERRN, alle Lande, 
2 singt dem HERRN, preist seinen Namen! Verkündet sein Heil von Tag zu Tag!
3 Erzählt bei den Nationen von seiner Herrlichkeit, bei allen Völkern von seinen Wundern! 
11 Der Himmel freue sich, die Erde frohlocke, es brause das Meer und seine Fülle. 
12 Es jauchze die Flur und was auf ihr wächst. Jubeln sollen alle Bäume des Waldes 
13 vor dem HERRN, denn er kommt, denn er kommt, um die Erde zu richten. 

Der heutige Psalm ist „ein neues Lied“, was heute wieder einen messianischen Psalm kennzeichnet. Es handelt sich um einen Lobespsalm, der das Heil Gottes thematisiert. Die Heilstaten Gottes sollen erzählt werden. Seine großen Wunder sind es wert, verbreitet zu werden, damit auch andere zum Glauben an ihn kommen. Die Aufforderung in Vers 3 erinnert an Jesu Missionsauftrag von Mt 28. Gott soll verkündet werden in der ganzen Welt („die Nationen“ meint immer die Heiden im AT und NT). Das größte Wunder, das Gott getan hat, ist seine eigene Menschwerdung in einer Jungfrau und seine Auferstehung von den Toten. Es ist so groß, weil dadurch Gott das universale Heil für die ganze Welt ermöglicht hat. Die ganze Schöpfung hat deshalb Grund zum Lobpreis, denn auch sie litt unter der Erbsünde der Menschen.
Schon mit dem ersten Kommen hat Gott Gericht gebracht. Jesus hat sehr oft Gerichtsreden gehalten und bestimmten Personen Gerichtsworte gewidmet. Ganz prominent sind seine Weherufe im Anschluss an die Seligpreisungen und jene gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten. An Jesus haben sich schon von Anfang an die Geister geschieden und viele haben sich schon zu seinen Lebzeiten gegen ihn entschieden. Sie haben sich selbst gerichtet in seinem Angesicht.
Gericht ist nie als Drohung zu verstehen. Gericht ist immer Erlösung und Barmherzigkeit für jene, die Gott lieben und seine Gebote halten. Gericht ist Erlösung von der Ungerechtigkeit jener, die die Gerechten unterdrücken und die Unschuldigen leiden lassen.

Tit 2
11 Denn die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten. 
12 Sie  erzieht uns dazu, uns von der Gottlosigkeit und den irdischen Begierden loszusagen und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt zu leben,
13 während wir auf die selige Erfüllung unserer Hoffnung warten: auf das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Christus Jesus.  
14 Er hat sich für uns hingegeben, damit er uns von aller Ungerechtigkeit erlöse und für sich ein auserlesenes Volk schaffe, das voll Eifer danach strebt, das Gute zu tun.

Die „Gnade Gottes“ ist Mensch geworden. Gott wollte uns retten, deshalb wurde er Mensch mit dem Namen Jesus („Jahwe rettet“).
Was wir in dieser zweiten Lesung hören, ist die Konsequenz der Erlösung Gottes. Wir sind durch seine Gnade befähigt, gut zu leben. Wir sind auch von nun an dazu berufen. Wo wir diese Potenziale nicht ausschöpfen, werden wir zur Rechenschaft gezogen!
Gott gibt uns die Gnade, uns von dem alten Leben abzusagen, das gottlos war. Er befähigt uns, gerecht und fromm zu sein. Das bedeutet, er gibt uns die Kraft, seine Gebote zu halten! Wie oft wird heutzutage behauptet, die zehn Gebote seien nicht mehr zeitgemäß und eine viel zu große Zumutung. Sie sind es nicht. Oft wollen wir uns nicht bemühen, weil es bequemer ist, sich gehen zu lassen. Und oft versuchen wir alles nur aus unserer eigenen menschlichen Kraft, die allzu schnell an ihre Grenzen gelangt. Nehmen wir die Gnadenmittel in Anspruch, die Gott uns durch Taufe und Firmung schenkt, dass wir ihm wirklich nachfolgen können! Gott gibt uns die geistige Nahrung, das Wort Gottes und die Eucharistie, die Erfrischung durch den Hl. Geist, die Reinigung durch die Beichte, die Stärkung durch die Krankensalbung und die Gemeinschaft durch die Ehe. So sind wir bestens ausgerüstet, seinen Willen zu tun und dies nicht auf uns allein gestellt!
Dass wir seine Gebote halten und uns nach unserem besten Wissen und Gewissen bemühen, ist vorübergehend. Wir sind in der Zwischenspanne zwischen Jesu Himmelfahrt und Wiederkunft am Ende der Zeiten. Die Sehnsucht nach dem zweiten Kommen Jesu ist uns Ansporn und Hoffnung, standhaft zu bleiben, gerade wenn es schwierig wird.
Jesus ist es, der sich für uns am Kreuz hingegeben hat und der uns am Ende der Zeiten und am Ende unseres Lebens von unseren Leiden erlösen wird.

Lk 2
1 Es geschah aber in jenen Tagen, dass Kaiser Augustus den Befehl erließ, den ganzen Erdkreis in Steuerlisten einzutragen.  
2 Diese Aufzeichnung war die erste; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. 
3 Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. 
4 So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. 
5 Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. 
6 Es geschah, als sie dort waren, da erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte, 
7 und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war. 
8 In dieser Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. 
9 Da trat ein Engel des Herrn zu ihnen und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie und sie fürchteten sich sehr. 
10 Der Engel sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: 
11 Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr. 

12 Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. 
13 Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: 
14 Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens. 

Heute hören wir die Weihnachtsgeschichte nach Lukas. Wir lesen davon, warum Jesus eigentlich in Bethlehem geboren wird, obwohl seine Familie in Nazaret wohnt. Der römische Kaiser veranlasste eine Eintragung aller Bewohner des römischen Reiches in Steuerlisten. Dabei mussten die Bewohner, wie Historiker herausgefunden haben, nicht nur in ihren Heimatort gehen, sondern vor allem auch dorthin, wo sie Ländereien besaßen. Das ist ein wichtiger Aspekt und erklärt einige weitere Dinge der Weihnachtsgeschichte.
In den letzten Tagen hörten wir vermehrt aus dem Matthäusevangelium und dort vor allem den Stammbaum und die Vorgeschichte der Geburt Jesu aus jüdischer Sicht. Dazu gehört neben der patrilinearen Denkweise auch der biologische Akzent. Im Lukasevangelium wird eine andere Perspektive eingenommen: die gesetzliche. Es geht weniger darum, wie man biologisch miteinander in Beziehung steht, sondern vielmehr um die gesetzliche Konstellation. Im Stammbaum nach Lukas (Lk 3) hören wir zum Beispiel, dass Josef als der Sohn des Vaters der Maria aufgeführt wird (Eli ist die Kurzform von Eliakim. Eliakim ist eine andere Variante von Jojakim. So hieß Marias Vater). Es heißt in der Einheitsübersetzung, Jesus „galt“ als Josefs Sohn. Das Verb νομίζω nomizo meint insbesondere mit dem Wörtchen ὡς  hos „wie“ jemanden/etwas anerkennen, gesetzlich annehmen, adoptieren. Jesus wird im Stammbaum als gesetzlicher Sohn des Josef angegeben, den dieser adoptiert hat! Dies erkläre ich deshalb, weil wir auch hier in Lk 2 gesetzliche Zusammenhänge haben: Josef wird von Marias Vater adoptiert, weil Maria Einzelkind ist und nach dem sogenannten Erbtochterrecht der Mann der einzigen Tochter als Sohn des Vaters geführt werden muss. Deshalb muss der Mann aus derselben Sippe stammen, also auch Davidide sein.
Josef ist juristisch gesehen also sozusagen der ältere Bruder Mariens und ihr Vormund. Deshalb wird hier gesagt, dass sie wegen Josef nach Bethlehem gehen. Josef selbst war Zimmermann, hatte also kaum irgendwelche Ländereien. In Bethlehem werden also vielmehr Ländereien der Familie Mariens gelegen haben.
Bevor wir weiterlesen, müssen wir uns den Ort Bethlehem auf der Zunge zergehen lassen. Warum ist ausgerechnet Bethlehem der Heimatort und der Ort von Ländereien? Warum war es schon ein wichtiger Ort zur Zeit König Davids? Gott hat das so vorbereitet, damit wir seine wunderbare Vorsehung noch heute bestaunen können: Bethlehem heißt „Haus des Brotes“. Jesus musste im Haus des Brotes geboren werden, weil er das Himmelsbrot ist! Jesus ist der Leib Christi!
Als sie in Bethlehem sind, kommt die Zeit der Niederkunft Mariens. Sie gebärt einen Sohn, der als Erstgeborener bezeichnet wird. Das ist wiederum ein juristischer Begriff.
Sie wickelt ihn in Windeln. Dieser Aspekt wird für die Hirten zu einem Zeichen. Warum? Viele Experten versuchen, es mit Parallelen aus der ägyptischen Königsideologie zu erklären. Solche Versuche werden den einfachen Hirten aber kaum bekannt gewesen sein. Sie werden stattdessen die eigenen Hl. Schriften gekannt haben, so auch das Buch der Weisheit, wo Salomo im siebten Kapitel sagt: 4 „In Windeln und mit Sorgen wurde ich aufgezogen; 5 kein König trat anders ins Dasein. 6 Alle haben den gleichen Eingang zum Leben, gleich ist auch der Ausgang.“ Solche Aussagen verankern dieses Neugeborene in der Linie der davidischen Dynastie. Schauen wir ins Griechische, werden wir von einem ganz besonderen Detail überwältigt: Die Windeln Jesu muss man sich anders vorstellen als wir sie von uns kennen. Im griechischen Text steht nichts von Windeln, sondern dort steht das Partizip von „einwickeln“. Jesus ist in Bandagen komplett eingewickelt worden, auch der Kopf. Es handelt sich um eine Ganzkörper-Bandagierung, die das Kind vor Erfrierung schützen soll. Ich las sogar, dass der Stoff, der verwendet worden ist, eigentlich der Stoff für die Einwickelung von Leichnamen war, den man zu jeder größeren Reise mit sich geführt hat. Nehmen wir dieses Detail, mag dies hier zutreffen oder nicht, und beachten noch weitere historische Tatsachen: Die Heilige Familie kam nicht in einem Holzstall unter, sondern in einer Felsgrotte. In solchen Grotten kamen zur Zeit der Geburt Christi auch die Lämmer auf die Welt, die dann nach Jerusalem für die verschiedenen Opfer im Tempel verkauft worden sind. In diesen Felsgrotten gab es als Futterkrippe auch keine Holzbehälter, sondern es wurden Nischen in die Felswände geschlagen. Stellen wir es uns einmal bildlich vor. Maria bandagiert das Kind komplett ein und legt es dann in eine Felsnische. Das ist ein Bild, das sich um die dreißig Jahre später wiederholen wird. Maria wickelt den Leichnam ihres geliebten Sohnes komplett in Grabtücher und legt ihn in ein Troggrab – eine Nische gehauen in einen Felsen, auf dem ein erwachsener Mensch Platz findet. Jesus ist geboren, um zu sterben. Als Opferlamm in Jerusalem. Alles nimmt hier seinen Anfang. Und er ist ein König. David hatte auch mit Schafen zu tun. Er war Hirte, bis er zum König gesalbt worden ist! Beide Linien kommen hier zusammen. Wie Salomo ist Jesus gewickelt worden. Er ist ganz Mensch. Wie jedes kleine Kind war er ganz hilflos und auf die Fürsorge seiner liebenden Eltern angewiesen.
Wir müssen auch darüber nachdenken, warum in der Herberge eigentlich kein Platz für sie war. Maria war dabei, ein Kind zu bekommen. Das war nach jüdischem Verständnis eine Sache, die kultisch unrein machte, dabei nicht nur die Frau selbst, sondern auch den ganzen Raum, in dem sie gebar. Maria hätte also eigentlich einen Raum für sich alleine gebraucht, was angesichts des kaiserlichen Erlasses und der deshalb vielen wandernden Familien nicht möglich war. Gott hat sich aber auch dabei etwas gedacht. Er hätte ja auch so zur Welt kommen können, dass in dem Moment eben kein Andrang von Menschen und eine Herberge frei gewesen wäre. Aber Gott wollte den Menschen etwas beibringen: Nämlich, dass Jesus das Lamm Gottes und das Himmelsbrot ist. Er musste in dieser Grotte geboren werden, damit die Menschen tiefer in das Geheimnis Gottes eingeführt werden.

Die Hirten können in jener Nacht auf dem freien Feld lagern, weil die Geburt Jesu sich ungefähr zur selben Zeit zugetragen hat wie sein Tod, also März/April. Ich möchte auf die Mehrdeutigkeit dieser Szene hinweisen: Die Nachtwache der Hirten ist weiterzuführen auf die Hirten der Kirche. In der Zeit zwischen Jesu Heimkehr zum Vater bis zur Wiederkunft am Ende der Zeiten befinden wir uns in einem Ausharren und Warten auf den Messias, der die aufgehende Sonne der Gerechtigkeit ist. Immer wieder spricht Jesus selbst von dem Warten auf die Heimkehr des Hausherrn und der Wachsamkeit seiner Diener („Wehe, er findet sie schlafend“). Dass ausgerechnet die Hirten die ersten Besucher im Stall von Bethlehem sind, ist wiederum kein Zufall. Diese sind es, die das Lamm Gottes zu sehen bekommen. Hirte und Schafe gehören zusammen und haben etwas mit König David zu tun. Auch sind die Hirten neben den Eltern die ersten Zeugen der Menschwerdung, weil sie verkörpern, wie die Familie Gottes, die Kirche, sein soll – nämlich „pastoral“, hirtlich.
Jesu Geburt ist eine große Freude. Endlich, nach so vielen Jahren ist die Chance auf das Paradies wieder eröffnet worden!
Für die Hirten ist es ein Signal, wenn der Engel ihnen verkündet, dass der „Retter“ „in der Stadt Davids“ geboren ist. Es ist die uralte messianische Verheißung, die in dieser Nacht endlich, ja ENDLICH wahr geworden ist!
Dass ein ganzer Engelchor Gott lobt und preist, ist absolut logisch. Die Engel preisen Gott dort, wo er ist. Gott ist nun auf die Erde gekommen. Also loben die Engel ihn nun auch auf Erden! In dem Moment kann man wirklich sagen: Der Himmel ist auf die Erde gekommen! Was die Engel tun, ist eigentlich ihre Tätigkeit im Himmel.

Jesus ist das Lamm Gottes, das auch in jeder Hl. Messe auf die Erde kommt. In vielen Kirchen ist an Weihnachten direkt im Anschluss an die Wandlung ein Weihnachtslied angestimmt worden, in dem Gottes Fleischwerdung thematisiert worden ist. In der Wandlung wird das nämlich sakramental nachempfunden. Und wenn wir dabei sind, heute ganz besonders, dann werden wir zu Zeugen wie die Hl. Familie und wie die Hirten im „Stall“ von Bethlehem.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest! Gloria, in excelsis Deo!!

Ihre Magstrauss

Montag der vierten Adventswoche (A)

Mal 3,1-4.23-24; Ps 25,4-5.8-10.14; Lk 1,57-66

Mal 3
1 Seht, ich sende meinen Boten; er soll den Weg für mich bahnen. Dann kommt plötzlich zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht, und der Bote des Bundes, den ihr herbeiwünscht. Seht, er kommt!, spricht der HERR der Heerscharen. 
2 Doch wer erträgt den Tag, an dem er kommt? Wer kann bestehen, wenn er erscheint? Denn er ist wie das Feuer des Schmelzers und wie die Lauge der Walker. 
3 Er setzt sich, um das Silber zu schmelzen und zu reinigen: Er reinigt die Söhne Levis, er läutert sie wie Gold und Silber. Dann werden sie dem HERRN die richtigen Opfer darbringen. 
4 Und dem HERRN wird das Opfer Judas und Jerusalems angenehm sein wie in den Tagen der Vorzeit, wie in längst vergangenen Jahren.
23 Bevor aber der Tag des HERRN kommt, der große und furchtbare Tag, seht, da sende ich zu euch den Propheten Elija. 
24 Er wird das Herz der Väter wieder den Söhnen zuwenden und das Herz der Söhne ihren Vätern, damit ich nicht komme und das Land schlage mit Bann.

Die Verheißung des Propheten Maleachi (auf deutsch „mein Bote“), das den Abschluss des AT bildet, weist auf den unmittelbaren Vorläufer Jesu hin – Johannes den Täufer. Er ist es, der den Weg für den Messias bahnt.
Wenn wir lesen „dann kommt plötzlich“, ist das für uns mehrdeutig zu verstehen und legt zugrunde, was Jesus später sagen wird: Sein Kommen ist unerwartet – auch gerade zeitlich. Keiner weiß, wann er wirklich kommt. Und dies beziehen wir nicht nur auf das erste Kommen des Messias bei seiner Menschwerdung. Wir lesen hier besonders das zweite Kommen Jesu, über das er selbst sagte, dass wir den Zeitpunkt nicht kennen. Aus diesem Grund müssen wir jederzeit dafür bereit sein.
Interessant ist auch die Rede vom plötzlichen Kommen in den Tempel. Dies lesen wir mehrdimensional: Gott kommt in seinen Tempel, d.h. seine Herrlichkeit wohnt wieder im Tempel, der nach der Zerstörung durch die Babylonier wieder aufgebaut wird unter Aufsicht des Statthalters Serubabbel, der Enkel Jojachins von Juda. Wir denken aber auch einen Tag vor Heiligabend an das Kommen Gottes in den Tempel durch seine Menschwerdung im Mutterleib Mariens. Sie ist somit der Tempel, in dem Gott Wohnung nimmt! Wir lesen es weiter als eucharistischen Einzug Gottes in jeder Hl. Messe und im Allerheiligsten in jeder Kirche. Gott wird auch Wohnung nehmen am Ende der Zeiten, wenn das himmlische Jerusalem von oben her auf die neue Schöpfung herabkommt. Dann wird Gott „in ihrer Mitte wohnen“ (Offb 21,3).
Der „Bote des Bundes“ könnte einerseits auf Johannes den Täufer verweisen, der sozusagen zwischen den Bünden steht. Andererseits denken wir ganz im wörtlichen Sinn des Wortes מַלְאַךְ mal’ach an einen Engel, der als Bote fungiert. Uns geht auf, dass hier der Erzengel Gabriel angedeutet wird! Dieser Engel eröffnet dem Tempel des Messias, der Jungfrau von Nazaret, den Heilsplan Gottes, dem sie voller Glauben zustimmt. Daraufhin kann Gottes Herrlichkeit in ihr Wohnung nehmen.
Wenn Gott vor allem zum zweiten Mal kommt, d.h. bei der Wiederkunft Christi, wird es ein universales Gericht geben. Er wird in seiner ganzen Herrlichkeit, in dem Feuer seiner Liebe kommen und überall, wo an uns „brennbares Material“ ist, wird es verbrennen. Deshalb wird hier die rhetorische Frage gestellt: „Wer kann bestehen, wenn er erscheint?“
Sein brennendes Feuer wird mit vertrauten Bildern verglichen, mit denen die ersten Adressaten dieser Prophetie etwas anfangen konnten: Mit dem Walken und Schmelzen. Diese Bilder verdeutlichen, dass Gott mit seinem Feuer nicht zerstören will, sondern einen anderen Zustand des Ausgangsmaterials erreichen will. Deshalb heißt es auch im Anschluss, dass Gott die Stämme reinigen und läutern will. Hätte das Gold oder Silber, mit dem die Stämme verglichen werden, Gefühle, würde es in dem Prozess Schmerzen erleiden. Aber am Ende ist es edel und rein. Das ist auch die Funktion der Gerichtsrede des Täufers und später des Messias. Sie sagen Dinge, die nicht allen passen. Es tut weh, aber es ist ein seelischer Reinigungsprozess. Gott möchte aus uns reines Gold oder um ein anderes Bild zu nennen – geschliffene Diamanten aus einem Stück Kohle machen. Bis dahin ist es manchmal ein schmerzhafter Prozess. Das betrifft auch unser eigenes Leben. Gott lässt manchmal Dinge zu, die wir nicht verstehen und unter denen wir leiden. Aber wenn wir sie durchgehalten haben, werden wir gestärkt und gereinigt daraus hervorgehen. Dasselbe muss die Kirche als die Braut Christi immer wieder durchlaufen. Als mystischer Leib ist sie heilig und doch gibt es in ihr immer wieder schwarze Schafe. Die Braut muss bereit für ihren Mann geschmückt sein, wenn die Hochzeit des Lammes kommt. Deshalb lässt Gott auch hier zu, dass es immer wieder zu schmerzhaften Situationen kommt. Diese haben aber ihre Reinigung und Läuterung zum Ziel, weshalb wir nicht verzweifeln müssen. Am Ende unseres Lebens und am Ende der Zeiten werden wir vor Gottes Angesicht stehen. Wir werden diesem brennenden Feuer ausgeliefert sein, das in uns dort Feuer fängt, was noch nicht reines Gold ist. Das wird uns dann schmerzen und das nennt die Kirche Fegefeuer. Im himmlischen Jerusalem kann nur reines Gold bestehen, weil Gott, der wie brennendes Feuer ist, nämlich die Liebe, hier wohnt. Deshalb werden wir auch hier noch leiden, bis wir ganz in seiner Liebe leben können. Aber auch dort können wir gewiss sein, dass wir bei ihm sein werden.
Und wenn wir gereinigt sind wie hier durch den Stamm Levi ausgesagt, dann werden wir Gott die richtigen Opfer darbringen. Das ist wiederum mehrfach zu verstehen: Der Stamm Levi, der Priesterstamm, muss kultisch rein sein, um Gott Opfer darbringen zu können. Die Kirche sieht das Sakrament der Versöhnung vor, damit wir moralisch rein sind für das Messopfer und den Empfang der Kommunion. Wir müssen rein sein auch am Ende unseres Lebens, damit wir an der himmlischen Liturgie teilnehmen können, also im Himmel sein können. Dann wird Gott dieses Opfer gefallen – interessant, wie hier nun der Stamm Juda genannt wird. Aus diesem geht nämlich Jesus hervor, der das endgültige Opfer für alle Zeiten vollbringen wird!
Wenn dann die Rede von Elija unmittelbar vor dem großen und furchtbaren Tag ist, haben wir hier erneut einen Code, der auf Johannes den Täufer verweist. Er ist der wiederkehrende Elija. Gemein ist, dass er in derselben Kraft auftritt wie der Prophet des AT.
Johannes hat wirklich die Menschen zur Versöhnung gebracht („das Herz der Väter wieder den Söhnen“ zugewandt und umgekehrt). Er hat die Menschen zur Buße und Umkehr aufgerufen, damit sie gereinigt würden in ihrem Herzen und dem Kommen des Herrn entgegen gehen konnten. Er hat viele vor dem Bann Gottes bewahrt – das heißt vor der Hölle.

Ps 25
4 Zeige mir, HERR, deine Wege, lehre mich deine Pfade! 
5 Führe mich in deiner Treue und lehre mich; denn du bist der Gott meines Heils. Auf dich hoffe ich den ganzen Tag.
8 Der HERR ist gut und redlich, darum weist er Sünder auf den rechten Weg. 
9 Die Armen leitet er nach seinem Recht, die Armen lehrt er seinen Weg. 
10 Alle Pfade des HERRN sind Huld und Treue denen, die seinen Bund und seine Zeugnisse wahren.

Der kurze Ausschnitt aus dem Psalm heute ist eine Bitte um die rechte (moralische) Unterweisung und um Erkenntnis des Heilsplans Gottes.
Die Bitten des Psalms sind für uns alle eine wunderbare Vorlage: Wenn wir von unserer Seite aus unsere eigene Läuterung unterstützen und weitere Verunreinigungen vermeiden möchten, dann müssen wir aktiv darum bitten, dass Gott uns seinen Willen zeigt. Denn das Tun seines Willens ist der richtige Weg zu unserem möglichst unverfälschten „Goldmaterial.“
Gott zeigt uns seinen Willen und führt die vom Weg abgekommenen Sünder wieder zurück. Er möchte, dass keines seiner Kinder verloren geht. Uns geht es gut, wenn wir auf seinem Weg bleiben.
„Auf dich hoffe ich den ganzen Tag“ ist wiederum eine Andeutung messianischer Hoffnung, ebenso die Bemerkung „Gott meines Heils“ (אֱלֹהֵי יִשְׁעִי elohej jisch’i). Für das Heil Gottes wird wie immer dieselbe hebräische Wurzel gewählt wie im Namen Jesu.
Auf Gott hofft das unterdrückte Volk Israel insbesondere in Zeiten der Bedrängnis. Je schlimmer die Zeiten, desto stärker ist die messianische Hoffnung. Auf Gott hoffen auch wir den ganzen Tag und vor allem in Zeiten der Versuchung. Die Kirche hofft auf den Herrn den ganzen Tag insbesondere heutzutage, da die Christenverfolgungen einen Höhepunkt erreichen. Die ganze Welt hofft auf Erlösung von all den Leiden, dem Unrecht, dem Bösen.

Lk 1
57 Für Elisabet aber erfüllte sich die Zeit, dass sie gebären sollte, und sie brachte einen Sohn zur Welt. 
58 Ihre Nachbarn und Verwandten hörten, welch großes Erbarmen der Herr ihr erwiesen hatte, und freuten sich mit ihr.
59 Und es geschah: Am achten Tag kamen sie zur Beschneidung des Kindes und sie wollten ihm den Namen seines Vaters Zacharias geben. 
60 Seine Mutter aber widersprach und sagte: Nein, sondern er soll Johannes heißen.
61 Sie antworteten ihr: Es gibt doch niemanden in deiner Verwandtschaft, der so heißt. 
62 Da fragten sie seinen Vater durch Zeichen, welchen Namen das Kind haben solle. 
63 Er verlangte ein Schreibtäfelchen und schrieb darauf: Johannes ist sein Name. Und alle staunten. 
64 Im gleichen Augenblick konnte er Mund und Zunge wieder gebrauchen und er redete und pries Gott. 
65 Und alle ihre Nachbarn gerieten in Furcht und man sprach von all diesen Dingen im ganzen Bergland von Judäa. 
66 Alle, die davon hörten, nahmen es sich zu Herzen und sagten: Was wird wohl aus diesem Kind werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm.

Wir haben in den letzten Wochen die Vorgeschichten der Geburten Johannes‘ des Täufers und Jesu gehört. Heute ist es soweit. Johannes wird geboren. Wie vom Erzengel Gabriel angekündigt bringt der Sohn insbesondere Elisabet große Freude und viele freuen sich zusammen mit ihr. Dies wird so explizit genannt, weil sie lange keine Kinder bekommen konnte. Im Judentum war mit Kinderreichtum der Segen Gottes verbunden. Kinderlosigkeit wurde dagegen als Fluch und Gottesferne verstanden. Dass Elisabet so unerwartet Mutter geworden und auch noch einen Sohn geboren hat (durch den das Blut der Familie weitergegeben wird), wird als Erbarmen Gottes interpretiert.
Nach jüdischem Gesetz wird das Kind am achten Tag beschnitten und benannt. Es wird wie so oft erwartet, dass das Kind nach dem Vater benannt wird, doch dieser setzt den Willen Gottes um, der ihm einen anderen Namen sagen ließ: Der Junge soll Johannes heißen, obwohl kein anderer in der Verwandtschaft so heißt. Warum soll das Kind so heißen? Der Name bedeutet „Gott ist gnädig“. Gott hat sich Zacharias und Elisabet barmherzig angenommen und diese Aussage wird auch zum Programm der Bußpredigt des Täufers. Weil Gott eben barmherzig ist, gibt er uns die Chance, umzukehren. Und diese Umkehr bildet den Kern seiner Verkündigung.
Zacharias kann in dem Moment wieder sprechen, als er Gottes Willen gehorsam annimmt. Während Maria beim Engelsbesuch von Anfang an den Willen angenommen hat, wird dies in Zacharias‘ Fall verspätet nachgeholt. Dass er zuvor mit Stummheit geschlagen worden war, ist nicht einfach eine sadistische Strafe Gottes, der von ihm Kadavergehorsam gefordert hatte. Gott wollte an diesem Priester seine Herrlichkeit erweisen und dies als Zeichen für die Umstehenden erwirken lassen. Wir lesen, dass sein Zeichenhandeln eine nachhaltige Wirkung erzielt hat. Die Menschen reden im ganzen Bergland von Judäa davon.
Gott hat die Menschen auch schon auf den Täufer vorbereitet. Sie sind schon Zeugen des wundersamen Anfangs des Kindes geworden. Umso besser werden sie seine Verkündigung einige Jahrzehnte später verstehen.

Was Maleachi mit der Läuterung der Söhne Levis angedeutet hat, ist uns durch das Evangelium deutlich geworden: An Zacharias war nicht alles gold, sodass Gott ihn läutern musste. Er schlug den Mann mit Stummheit, damit er seine Lektion lernte.

Nutzen wir die letzten Stunden vor Weihnachten, um von uns aus zu tun, was wir zur Reinigung unserer Seele tun können. Richten wir uns aus auf das Kommen des Jesuskindes, damit es in unseren Herzen Platz findet.

Ihre Magstrauss

Vierter Adventssonntag (A)

Jes 7,10-14; Ps 24,1-6; Röm 1,1-7; Mt 1,18-24

Jes 7
10 Der HERR sprach weiter zu Ahas und sagte: 
11 Erbitte dir ein Zeichen vom HERRN, deinem Gott, tief zur Unterwelt oder hoch nach oben hin! 
12 Ahas antwortete: Ich werde um nichts bitten und den HERRN nicht versuchen. 
13 Da sagte er: Hört doch, Haus Davids! Genügt es euch nicht, Menschen zu ermüden, dass ihr auch noch meinen Gott ermüdet? 
14 Darum wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau hat empfangen, sie gebiert einen Sohn und wird ihm den Namen Immanuel geben.

Lesen wir die heutige Jesajalesung zunächst einmal historisch und betrachten auch den Kontext dieses Ausschnitts. Wir haben ihn in der vergangenen Woche schon gehört. König Ahas von Juda sieht sich von seinen Feinden bedroht, die gegen ihn Krieg führen wollen. Jesaja übermittelt ihm die Zusage Gottes, dass er sich nicht fürchten muss. Die geplante Bekämpfung Judas und Ersetzung des Königs durch den Sohn Tabeals wird nicht zustande kommen, so lässt Gott Aram sagen. In der sukzessiven Eroberung des Nordreichs und der wachsenden Bedrohung Judas wendet Gott die Gefahr ab, doch Ahas lässt es kalt. Er glaubt Gott nicht und ist immer noch ängstlich. Gott fordert ihn dann auf, um ein Zeichen zu bitten. Gott ist bereit, dem König von Juda seine Pläne zu offenbaren. Dieser lehnt das Angebot zunächst ab, was Gott dennoch nicht davon abhält, ihm durch Jesaja die Botschaft zu vermitteln. Und nun kommt dieser Vers, den wir absolut messianisch weiterdenken und auf Jesu Menschwerdung beziehen: Die Jungfrau wird ein Kind empfangen, in der neuen Einheitsübersetzung „hat empfangen“ und wird ihm den Namen Immanuel geben. Dieses Kind wird es verstehen, das Böse zu verwerfen und das Gute zu wählen. So heißt es im weiteren Verlauf, den wir heute nicht mehr hören. Historisch gesehen könnten die Juden im Nachhinein die Ankündigung König Hiskijas, den Sohn von Ahas, erkannt haben. Er war ein frommer König, der es wirklich verstand, das Richtige zu tun im Gegensatz zu seinem Vater. Und doch können wir bei dieser Leserichtung nicht stehen bleiben. Schon allein die Prophezeiung einer Jungfrau lässt weiterdenken: Hier steht im Hebräischen das Wort הָעַלְמָ֗ה  ha’alma „die Jungfrau“, was ein junges Mädchen im heiratsfähigen Alter meint. Natürlich ist eine alma biologisch gesehen dann auch eine Jungfrau! Dies wird im griechischen AT deshalb mit ἡ παρθένος übersetzt, was ganz eindeutig „Jungfrau“ heißt. Hier wird ein übernatürlicher Zeugungsvorgang angekündigt, von dem wir bei Hiskija noch nicht lesen. Hier handelt es sich um einen Typos, der in Jesus Christus einen Antitypos erhält! So wie durch die Geburt Hiskijas die davidische Dynastie am Leben erhalten wurde, wird durch Jesus, dem Sohn Davids, die Genealogie der neuen Schöpfung eingeleitet, der wir durch die Taufe angehören! Und das Zeichen der Menschwerdung Christi wird zum größten Zeichen Gottes aller Zeiten. Er wird wahrlich der Immanuel sein, Gott, der mit uns ist. Dies hat er bereits im Dornbusch durch den Namen Jahwe verheißen und nun mit dem Messias noch einmal bestätigt. Jesus wird auch am Ende seines Wirkens vor der Himmelfahrt noch einmal bekräftigen: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ So ist Gott. Dies ist nicht nur eine heilsgeschichtliche Entwicklung für die ganze Menschheit, sondern auch für das alltägliche Leben jedes Einzelnen. Gott ist mit uns, auch da, wo wir von allen Seiten bedrängt werden wie Juda in der heutigen Lesung. Er gibt uns viele Zeichen, die wir im Rausch des Alltags manchmal gar nicht wahrnehmen. Je mehr wir aber aus seinem Geist heraus leben, erkennen wir Gottes Handschrift in allem, was uns widerfährt. Seien wir dankbar und vertrauen wir auf seine wunderbare Vorsehung. Seien wir nicht wie König Ahas und bleiben skeptisch, obwohl Gottes Verheißung so offensichtlich vor uns ist.

Ps 24
1 Ein Psalm Davids. Dem HERRN gehört die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und seine Bewohner. 
2 Denn er hat ihn auf Meere gegründet, ihn über Strömen befestigt. 
3 Wer darf hinaufziehn zum Berg des HERRN, wer darf stehn an seiner heiligen Stätte? 
4 Der unschuldige Hände hat und ein reines Herz, der seine Seele nicht an Nichtiges hängt und keinen trügerischen Eid geschworen hat. 
5 Er wird Segen empfangen vom HERRN und Gerechtigkeit vom Gott seines Heils. 
6 Das ist das Geschlecht, das nach ihm fragt, die dein Angesicht suchen, Jakob.

Der heutige Davidpsalm ist ein Lobpreis der Macht Gottes, dem die ganze Welt gehört. Auch wir Menschen gehören ganz ihm, der alles geschaffen hat. Das ist sehr bemerkenswert. König David war ein sehr mächtiger Herrscher und doch unterstellte er Gott seine eigene Macht. Diese Gottesfurcht hat ihm so einen Segen beschert, der auch auf seinen Sohn überging. Die salomonische Herrschaft war überragend, sodass sogar die umstehenden Herrscher sie anerkannten. David zeigt uns, wie unsere Haltung sein sollte: Gott ist größer als der größte König. Dies ist durchaus mit der Lesung von heute in Verbindung zu bringen: Es wird ein Immanuel angekündigt, den die Juden zunächst politisch verstanden, nämlich Hiskija. Und doch ist die Rettung Judas Gottes Werk. Er steht über dem König Judas. Rettung kommt von Gott, nicht von einer politischen Figur.
David fährt fort, über das Kommen zur heiligen Stätte zu reden. Er bezieht sich auf die Stiftshütte (der Tempel wird ja erst unter Salomo gebaut und bis dahin als Zelt gehalten). Mit dem Berg des HERRN ist Zion gemeint, auf dem die Stadt Jerusalem errichtet ist. David erklärt, dass nur die reinen Herzens zum „Tempel“ Gottes treten dürfen. Das ist interessant und fortschrittlich. Es geht nicht nur um kultische Reinheit, wie wir vor allem die ganzen ausführlichen mosaischen Gesetze zusammenfassen können, sondern um moralische Reinheit. „Unschuldige Hände“ bezieht sich nicht auf das Nichtberühren unreiner Dinge, sondern auf das Ausbleiben von Blut Ermorderter an den Händen. Die Seele an Nichtiges zu hängen und Gott falsche Versprechen zu machen, sind ebenfalls Aspekte, die moralisch zu bewerten sind – meine Beziehung zu Gott muss einwandfrei sein, damit ich in sein Heiligtum kommen kann. Das, was David hier beschreibt, ist eine Art Gewissenserforschung und führt uns weiter zu dem, was wir über den wörtlichen Sinn hinaus hier verstehen: Zunächst denken wir an den momentanen liturgischen Kontext: Verbinden wir die heilige Stätte mit der Person Jesu Christi (er bezeichnet später den Tempel als Tempel seines Leibes!), dann müssen wir unser Gewissen erforschen, bevor der Herr kommt und wir ihm begegnen. Dasselbe gilt für die Kirche als sein Leib. Wer sich taufen lassen will, um in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden, muss einen Katechumenat durchlaufen und das alte sündige Leben abstreifen. Wenn wir Jesus in der Eucharistie begegnen, müssen wir auch reinen Herzens sein, weil wir ihn sonst nicht empfangen können. Er kann nur in unser Herz eingehen, wenn es rein ist. Am Ende der Zeiten wird es so sein, dass auch nur jene ins himmlische Jerusalem eingehen werden, die im Buch des Lebens verzeichnet sind. Und das werden jene sein, die ein gutes Leben geführt haben, also reinen Herzens gestorben sind.
All diese Situationen und Dimensionen werden Segen nach sich ziehen: Die Kirche wird wachsen und Bestand haben, die Seelen der Menschen, die ihn empfangen, werden Segen haben. Paulus sagt in 1 Kor 11, dass wir uns ansonsten das Gericht essen, also alles andere als Segen…und ewigen Segen werden wir am Ende unseres Lebens und der Zeiten erlangen, wenn wir im Angesicht Gottes leben dürfen.

Röm 1
1 Paulus, Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, ausgesondert, das Evangelium Gottes zu verkünden, 
2 das er durch seine Propheten im Voraus verheißen hat in heiligen Schriften: 
3 das Evangelium von seinem Sohn, der dem Fleisch nach geboren ist als Nachkomme Davids, 
4 der dem Geist der Heiligkeit nach eingesetzt ist als Sohn Gottes in Macht seit der Auferstehung von den Toten, das Evangelium von Jesus Christus, unserem Herrn. 
5 Durch ihn haben wir Gnade und Apostelamt empfangen, um unter allen Heiden Glaubensgehorsam aufzurichten um seines Namens willen; 
6 unter ihnen lebt auch ihr, die ihr von Jesus Christus berufen seid. 
7 An alle in Rom, die von Gott geliebt sind, die berufenen Heiligen: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.

Wir hören heute den Beginn des Römerbriefs, dem theologischen Traktat des Paulus, also der Zusammenfassung seiner gesamten Theologie. Das Briefpräskript, das wir heute lesen, enthält bereits das Programm und die Berufung des Völkerapostels.
Paulus, der sich berufen sieht, das Evangelium zu verkünden, knüpft dieses an die Verheißungen des Alten Testaments an. Wir dürfen den Römerbrief heute also vor dem Hintergrund des Jesaja-Abschnitts und des Psalms lesen.
Paulus sagt selbst, dass das Verheißene sich in Jesus Christus erfüllt hat. Er reflektiert auch das, was wir in der letzten Woche intensiv betrachtet haben: Die davidische Abstammung Jesu „dem Fleische nach“. Während dieser von seiner Menschlichkeit her Sohn Davids ist, ist er von seiner Göttlichkeit her Sohn Gottes, der seit seiner Auferstehung eingesetzt ist in Macht. Er ist jetzt beim Vater. Wir beten im Glaubensbekenntnis, dass Jesus nun als Auferstandener zur Rechten des Vaters sitzt und von dort aus wiederkommen wird als Weltenrichter.
Paulus macht klar, dass die Vollmacht, mit der er den Römern durch den Brief das Evangelium verkündet, von Christus selbst kommt. Er sagt auch, dass er sich berufen sieht, die Heiden zu evangelisieren, die das unmittelbare Umfeld der römischen Gemeinde bilden.
Wenn Paulus von den Heiligen als Adressaten spricht, meint er immer die Getauften. Dies tut er aber nicht, weil er davon ausgeht, dass die Taufe sie schon automatisch heilig macht, sondern, weil sie a) dadurch von der Welt ausgesondert sind wie er (Vers 1), b) durch die Taufe dazu berufen sind, heilig zu leben.
Paulus war es in seiner Verkündigung wichtig, die Heiden zu Christus zu bekehren und zu betonen, dass nicht das Halten der Torah (bei ihm immer „das Gesetz“) die Christen gerecht macht, sondern der Glaube an Gott. Damit grenzte er sich von jenen Aposteln ab, die auch von den Heiden die Beschneidung und Befolgung der gesamten Torah forderten. Das hat nichts mit Abgrenzung zwischen theoretischem Glauben („Glaube allein“, was nirgendwo in der Bibel steht) und Taten zu tun (angebliche Werksgerechtigkeit). Was Paulus hier nämlich beschreibt, werden wir im Anschluss im Evangelium hören: Ein absoluter Glaube beim Ziehvater Jesu: Er sagt nicht einfach nur „ich glaube an dich, mein Gott“. Er sagt überhaupt nichts. Nicht ein einziges Wort von ihm ist in der Bibel enthalten. Und doch lässt er Taten sprechen. Diese machen ihn zum gerechten Mann. Josef zeigt uns heute, was der Glaubensgehorsam ist, den Paulus hier anspricht: Gottes Willen gehorsam tun und darauf vertrauen, dass wenn Gott etwas von uns verlangt, es immer zu unserem Heil ist. Dadurch, dass Josef Gottes Willen GETAN hat und nichts Trügerisches im Sinne hatte, ist er von Gott reichlich gesegnet worden, wie David in dem obigen Psalm beschreibt. Josef war sogar bereit, sich gegen das mosaische Gesetz zu stellen, um seine Verlobte zu beschützen. Lesen Sie selbst:

Mt 1
18 Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete – durch das Wirken des Heiligen Geistes. 
19 Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. 
20 Während er noch darüber nachdachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. 
21 Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen. 
22 Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: 
23 Siehe: Die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären und sie werden ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott mit uns. 
24 Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.

Das heutige Evangelium ist die Fortsetzung des Stammbaums. Wir hören jetzt von der Geburt des Messias. Das Matthäusevangelium berichtet sie vor allem aus der Sicht Josefs. Dies macht absolut Sinn, wenn wir uns an den Stammbaum erinnern. Juden denken bei der Weitergabe des Lebens und des eigenen Blutes patrilinear, also väterorientiert. Wenn es also um die Geburt eines Kindes geht, macht es Sinn, dass das Matthäusevangelium die Vaterperspektive betont. Wir lesen heute auch wieder solche Formulierungen, die die biologische Vaterschaft Josefs ausschließen: „Maria, seine Mutter“ ist eine Andeutung solcher Art, die im Stammbaum durch das Auslassen des Satzes „Josef zeugte den Jesus“ und den Verweis auf seine Frau Maria ausgedrückt worden ist. Dies wird noch viel eindeutiger im weiteren Verlauf des Evangeliums, wo immer wieder „das Kind und seine Mutter“ gesagt wird, nicht „Josefs Sohn“ (z.B. in Mt 2,13-14) – in einem Evangelium, das eigentlich sehr patrilinear orientiert ist! Das fällt auf.
Josef ist ein gerechter Mann. Gott hat sich etwas dabei gedacht, ausgerechnet diesen Menschen als Ziehvater seines Sohnes vorzubereiten. Josef wollte seine Frau nicht bloßstellen – denn erstens war Maria vor der Ehe schwanger geworden und zweitens als geweihte Jungfrau! Um ihre Ehre zu bewahren, möchte er sich von ihr trennen. Wir verstehen seine noble Tat erst, wenn wir die jüdischen Gesetze kennen:
Wenn ein unberührtes Mädchen, das einem Mann versprochen ist, von einem anderen Mann schwanger wird, sollen der andere Mann sowie die Frau gesteinigt werden (Dtn 22,23f.). Dem Betrogenen wird keine Schuld zugeschrieben. Warum will sich Josef dann von ihr trennen? Josefs Gerechtigkeit ist eine größere als die der buchstabentreuen Juden seiner Zeit. Er denkt keinen Moment daran, das mosaische Gesetz auszuführen, sondern er überlegt, die ganze Schuld auf sich zu nehmen. Indem er sich nämlich in aller Stille von ihr getrennt hätte, hätte es nach außen hin so ausgesehen, als hätte er sie verlassen, nachdem er mit ihr ein Kind gezeugt hatte. So hätte sie als „Verführte“ und „Verlassene“ keine Schuld getroffen. Er wäre bestraft, Marias Leben und das des Kindes aber gerettet worden. DAS meine Lieben, ist ein würdiger Ziehvater, den sich Gott auserwählt hat. Er hat seine Gerechtigkeit schon vor der Geburt des Gotteskindes unter Beweis gestellt und das alles, noch bevor er von Gottes Plan gehört hat! Josef hat wirklich so ein reines Herz, das David im Psalm beschreibt.
Josef führt seine Überlegungen nicht aus, weil ihm im Traum ein Engel des Herrn den Heilsplan Gottes offenbart hat. Bei den Worten des Engels ist sehr auffällig, dass er Josef „Sohn Davids“ nennt. Die jüdischen Hörer dieses Evangeliums werden eins und eins zusammengezählt haben. Das Kind, das in die Welt kommen soll, erhält auf Erden einen davidischen Vater. Somit erfüllen sich die messianischen Verheißungen der Hl. Schriften. Dieser Messias wird von einem davidischen Vater erzogen werden, der selbst ein gerechter Mann ist. So wird der Messias selbst gerecht sein, als Gott durch die göttliche Eigenschaft der Gerechtigkeit, als Mensch dank Josef und seiner Tugend der Gerechtigkeit. Diese Zweidimensionalität reflektiert Paulus am Anfang seines Römerbriefs. Josef handelt nach Gottes Willen ohne Widerrede und Skepsis. Er hat diesen Glaubensgehorsam, von dem Paulus spricht. Dieser macht ihn gerecht. Die Steinigung seiner schwangeren Verlobten als Ausführung des mosaischen Gesetzes hätte ihn nicht gerecht gemacht.
Das Kind ist vom Hl. Geist, aber Josef soll es benennen. Damit wird deutlich, dass er es als sein Kind adoptieren soll.
Der Engel gibt ihm auch den Namen vor und erklärt dessen Bedeutung: Dieses Kind wird das Volk von seinen Sünden erlösen. Das ist eine Verheißung, die immer und immer wieder im AT genannt wird. Damit wird dem frommen Juden Josef klar: Das Kind ist der Messias und muss deshalb Jesus heißen.
Daraufhin wird die Erfüllung der Verheißung durch das heute gehörte Jesajazitat unterstrichen: Die Jungfrau wird ein Kind empfangen…Die frommen Juden, die dieses Evangelium gehört haben, verstanden spätestens jetzt, was für ein Kind hier geboren wird.

Lassen wir uns heute berühren von Gottes großen Heilstaten. Er hat das lange jahrhundertelange Schreien seines auserwählten Volkes erhört und ist wie verheißen als davidisches Kind in dieser Welt Mensch geworden. Er hat für die Umsetzung seines Heilsplans sowohl die Jungfrau bereitet als auch den gerechten Mann, der sie mit allen Mitteln beschützt. Diese Familie ist besonders. Sie ist eine geistige Familie, da alles Biologische, was im Judentum sonst üblich ist, hier komplett entfällt. Das Kind hat keinen menschlichen Vater, es wird nicht auf natürliche Weise gezeugt, es wird nicht auf natürliche Weise geboren. Die Eltern führen keine natürliche, sondern übernatürliche Ehe.
Danken wir heute besonders dem Hl. Josef, der so wunderbar gehandelt hat. Sonst wäre Jesus nicht in diese Welt gekommen, dessen Leben schon von Anfang an bedroht gewesen ist. Wir können wirklich viel von ihm lernen, besonders für unsere eigenen Familien. Sein Glaubensgehorsam, der Taten sprechen lässt, hat uns die Erlösung ermöglicht. Bitten auch wir um diesen Glaubensgehorsam, durch den auch wir zu Werkzeugen des Heils Gottes werden. Es ist bald soweit. In einigen Tagen wird Gott Mensch. Befolgen auch wir seinen Willen, der uns immer nur Heil beschert, und tun wir unser bestes, damit der Herr auch in diesem Jahr in den Herzen unserer Mitmenschen geboren werden kann.

Ihre Magstrauss