Dienstag der 12. Woche im Jahreskreis

Gen 13,2.5-18; Ps 15,2-3.4.5; Mt 7,6.12-14

Gen 13
2 Abram hatte einen sehr ansehnlichen Besitz an Vieh, Silber und Gold.
5 Auch Lot, der mit Abram ging, besaß Schafe und Ziegen, Rinder und Zelte.
6 Das Land reichte nicht hin, dass sich beide nebeneinander darin hätten ansiedeln können; denn ihr Besitz war zu groß und so konnten sie sich nicht miteinander niederlassen.
7 So entstand Streit zwischen den Hirten der Herde Abrams und den Hirten der Herde Lots; auch siedelten damals noch die Kanaaniter und die Perisiter im Land.
8 Da sagte Abram zu Lot: Zwischen mir und dir, zwischen meinen und deinen Hirten soll es keinen Streit geben; wir sind doch Brüder.
9 Liegt nicht das ganze Land vor dir? Trenn dich also von mir! Wenn du nach links willst, gehe ich nach rechts; wenn du nach rechts willst, gehe ich nach links.
10 Lot erhob seine Augen und sah, dass die ganze Jordangegend überall bewässert war. Bevor der HERR Sodom und Gomorra vernichtete, war sie bis Zoar hin wie der Garten des HERRN, wie das Land Ägypten.
11 Da wählte sich Lot die ganze Jordangegend aus. Lot brach nach Osten auf und sie trennten sich voneinander.
12 Abram ließ sich im Land Kanaan nieder, während Lot sich in den Städten jener Gegend niederließ und seine Zelte bis Sodom hin aufschlug.
13 Die Männer von Sodom aber waren sehr böse und sündigten vor dem HERRN.

14 Nachdem sich Lot von Abram getrennt hatte, sprach der HERR zu Abram: Erheb deine Augen und schau von der Stelle, an der du stehst, nach Norden und Süden, nach Osten und Westen!
15 Das ganze Land nämlich, das du siehst, will ich dir und deinen Nachkommen für immer geben.
16 Ich mache deine Nachkommen zahlreich wie den Staub auf der Erde. Nur wer den Staub auf der Erde zählen kann, wird auch deine Nachkommen zählen können.
17 Mach dich auf, durchzieh das Land in seiner Länge und Breite; denn dir werde ich es geben.
18 Da zog Abram mit seinen Zelten weiter und ließ sich bei den Eichen von Mamre in Hebron nieder. Dort baute er dem HERRN einen Altar.

In der heutigen Lesung geht es weiter mit dem Buch Genesis und der Abram-Geschichte. Gestern endete der Abschnitt damit, dass Gott den Abram aus Ur in Chaldäa nach Kanaan rief, wohin dieser mit seiner Frau und der Familie seines Neffen auch ohne Widerrede hinzogen.
Zwischen dem gestrigen und dem heutigen Abschnitt wird von einer Hungersnot im Land berichtet, weshalb die chaldäische Menschengruppe sich auf den Weg nach Ägypten machen. Da hören wir davon, dass Abram seine überaus schöne Frau als seine Schwester ausgibt, damit die Ägypter ihn nicht töten, um sie zur Frau nehmen zu können. Dies gefällt Gott nicht, denn das Lügen selbst ist nicht gut, umso mehr der dadurch erwirkte Ehebruch. Deshalb kommen Plagen über den Pharao und nachdem dieser die Wahrheit erfährt, schickt er Abram mit seiner Familie fort aus dem Land.
In der heutigen Lesung hören wir davon, dass sie in der Negev-Wüste ihre Zelte aufschlagen. Es handelt sich ja bei ihnen um Nomaden, die mal hier, mal dort siedeln, damit die beträchtlichen Herden genug Futter und Wasser erhalten. Weil es aber zu Streit zwischen den Herden Lots und Abrams kommt, entscheiden sie sich, getrennte Wege zu gehen, damit die Herden einander nicht in die Quere kommen. Abram überlässt seinem Neffen die Wahl, sodass dieser sich die Jordangegend aussucht, Abram selbst aber das Land Kanaan zufällt. Bemerkenswert ist an dieser Stelle, dass Abram Lot als seinen Bruder bezeichnet, obwohl dieser sein Neffe ist. Hier haben wir ein Beispiel dafür, dass der Bruder-Begriff ganz weitläufig ist und viele Bedeutungen einschließt. Er wird schon im Alten Testament für männliche Verwandte jeglicher Art gebraucht.
Lot sucht sich die Jordangegend aus, weil sie gut bewässert ist. Seine Entscheidung ist pragmatischer Art, wobei er aber nicht in den Blick nimmt, wie der moralische Zustand der Bewohner jener Gegend ist. Es ist ja auch nicht auf einen Blick erkennbar, was dort für Leute wohnen. Das wird ihm noch zum Verhängnis werden, doch durch seine Wahl erhält Abram das Land Kanaan. Uns zeigt diese Entwicklung wieder einmal, dass Gottes gute Vorsehung im Spiel ist und Lots Wahl kein Zufall ist.
Gott spricht Abram an und zeigt ihm das ganze Land Kanaan mit dem erneuten Versprechen, dass ihm das alles gehören wird bzw. seinen Nachkommen. Diesmal verwendet Gott ein neues Bild für die Unzählbarkeit der Nachkommen Abrams, nämlich das Bild des Staubs auf der Erde. Davon gibt es so viel, dass man die einzelnen Staubkörner unmöglich zählen kann. So soll Abram das Land in alle Richtungen durchziehen. Immer wieder, wenn Abram von Gott eine solche Verheißung empfängt und dieser sich ihm offenbart, baut Abram ihm einen Altar. Dies geschieht auch jetzt wieder, als sich Abram bei den Eichen von Mamre in Hebron niederlässt. Dieser Ort wird zu einer Basis, weshalb Sarai und Abram dort später auch beigesetzt werden.

Ps 15
2 Der makellos lebt und das Rechte tut, der von Herzen die Wahrheit sagt,
3 der mit seiner Zunge nicht verleumdet hat,/ der seinem Nächsten nichts Böses tat und keine Schmach auf seinen Nachbarn gehäuft hat.
4 Der Verworfene ist in seinen Augen verachtet, aber die den HERRN fürchten, hält er in Ehren. Er wird nicht ändern, was er zum eigenen Schaden geschworen hat.
5 Sein Geld hat er nicht auf Wucher verliehen und gegen den Schuldlosen nahm er keine Bestechung an. Wer das tut, der wird niemals wanken.

Im Psalm geht es um eine vorbildliche Lebensführung. Es handelt sich also um paränetische Aussagen, die zum eigenen richtigen Handeln aufrufen. Damit ist konkret die Haltung der Gebote gemeint, frei von den Sünden der Welt. Das Rechte zu tun, heißt die Torah zu halten. Die Wahrheit zu sagen, ist ein Kern der Gebote Gottes, denn es heißt im Dekalog „du sollst nicht lügen“. Der Zusatz „von Herzen“ heißt wörtlich eigentlich „in seinem Herzen“ und bezieht sich darauf, dass das Gesagte, mit dem Herzen übereinstimmt. Es geht um die Deckungsgleichheit von dem, was im Inneren ist und was man ausspricht.
Auch hier im Psalm wird herausgestellt, dass mit Worten viel angerichtet werden kann und unsere Entscheidungen weitreichende Konsequenzen tragen. Es heißt in Vers 3, dass man mit der Zunge sündigen kann, nämlich Menschen verleumden, den Nächsten in Verruf bringen.
Vers 4 ist etwas schwierig zu verstehen und muss genau gelesen werden: „Der Verworfene“ bezieht sich auf jene Menschen, die Gott ablehnen. Gut ist, wer solche Menschen meidet, was mit „ist in seinen Augen verachtet“ ausgesagt wird. Er hält stattdessen die Gottesfürchtigen in Ehren.
Vorbildlich ist, wer sein Versprechen hält („was er …. geschworen hat“). Es bezieht sich vor allem auf den Bund mit Gott, auf das Gelübde, das er vor Gott abgelegt hat, aber auch gerade was man dem Nächsten versprochen hat. Die Wendung „zum eigenen Schaden“ zeigt, dass das Brechen von Versprechen dem schadet, der das Versprechen gegeben hat. In erster Linie verlieren wir den Segen Gottes, denn das Brechen von Versprechen ist eine Sünde.
So ein treuer und wahrhaftiger Mensch ist nicht skrupellos und habgierig („nicht auf Wucher verliehen“) und auch nicht korrupt („nahm er keine Bestechung an“).
Die Aufzählung vieler guter Verhaltensweisen soll dem Beter vor Augen führen, wie man festen Schrittes den Weg Gottes geht. Denn „wer das tut, der wird niemals wanken“. Und die Beben werden kommen. Letzten Sonntag hörten wir von den Stürmen unserer Zeit, die auf moralischer Ebene vor allem die Versuchungen des Bösen meinen. Wenn wir jedoch ein reines Gewissen haben und wachsam sind, wird dieser uns nicht so schnell zu Fall bringen. Die guten Verhaltensweisen, von denen wir im Psalm hören, sind auf Abram zu beziehen. Er hat wirklich einen starken Gerechtigkeitssinn, bemüht sich in den Tugenden, auch wenn er nicht perfekt ist, und hat vor allem einen starken Glauben, ein bemerkenswertes Gottvertrauen.

Mt 7
6 Gebt das Heilige nicht den Hunden und werft eure Perlen nicht den Schweinen vor, denn sie könnten sie mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen!

12 Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.
13 Geht durch das enge Tor! Denn weit ist das Tor und breit der Weg, der ins Verderben führt, und es sind viele, die auf ihm gehen.
14 Wie eng ist das Tor und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und es sind wenige, die ihn finden.

Im heutigen Ausschnitt aus der Bergpredigt spricht Jesus zunächst von den Perlen, dem Kostbaren und Heiligen, das man nicht jenen vorwerfen soll, die es nicht schätzen. Es gibt immer Menschen, die das Evangelium Gottes „mit ihren Füßen zertreten“, obwohl es das kostbarste Gut ist, was sie erlangen können. Ihm geht es nicht darum, die Verkündigung auf einen elitären Kreis einzuschränken, denn vor seiner Himmelfahrt sagt er ja, dass die Jünger alle Menschen zu seinen Jüngern machen sollen. Worum es Jesus hier geht, ist die anhaltende Ablehnung, was wir Verstocktheit nennen. Wenn die Jünger zukünftig evangelisieren und dabei wiederholt auf Ablehnung stoßen, sollen sie nicht über den Widerstand der Zuhörer hinweg weiter verkünden, sondern lieber ihre Kapazitäten jenen zuwenden, die es hören wollen, die das Evangelium schätzen und den Wert erkennen. Die Jünger müssen bedenken, dass sie eine geistliche Verantwortung für alle Menschen haben und sich nicht an einzelnen aufreiben dürfen, die „sich umwenden“ und sie „zerreißen“ könnten. An anderer Stelle erklärt Jesus, dass sie bei Ablehnung nicht lange zögern sollen, sondern gehen und den Staub von ihren Füßen als Zeichen gegen sie abschütteln sollen. Darin handeln sie dem Wesen Gottes nach. Dieser bietet nämlich auch allen das Heil an. Doch wer das Heil ablehnt, dessen freien Willen achtet er. So sollen es auch seine Jünger tun.
Als nächstes bringt Jesus die sogenannte Goldene Regel an. Sie fasst die Zehn Gebote vor dem Hintergrund des Doppelgebotes der Liebe zusammen. Das macht sie zu Gold, zum absoluten Schatz: Wir sollen andere Menschen so behandeln, wie wir selbst gerne behandelt werden möchten. Das ist die Zusammenfassung des Gesetzes und der Propheten. Dieses Begriffspaar steht für die Heilige Schrift der Juden, die aus Torah (das meint nämlich der Begriff „Gesetz“) und den prophetischen Bücher besteht.
Dann appelliert Jesus an die Zuhörer, sich voll und ganz anzustrengen für das Reich Gottes. Die Tür oder das Tor ist sehr eng. Der Weg zum Himmelreich ist anstrengend und hat mit vielen Entbehrungen zu tun. Gott in dieser Welt nachzufolgen, ist kein komfortabler oder attraktiver Weg. Der Preis ist aber so unendlich hoch, dass er alles wieder „entschädigt“. Der Weg in die Hölle ist dagegen breit. Er ist sehr attraktiv gestaltet und mit vielen falschen Versprechungen gepflastert. Die Hölle ist die absolut schrecklichste Sache, die es gibt. Weil keiner dort hingehen würde, wenn er oder sie das vollständig begriffen hat, muss der Weg dorthin umso attraktiver gestaltet werden…
Leider fallen viele darauf herein. Umso mehr braucht Jesus unsere Mithilfe, indem wir das Evangelium verkünden und die Menschen auf den schmalen Weg einladen. Nur über diesen Weg, der Jesus selbst ist (Joh 14), können wir Menschen das ewige Leben erhalten.

In den heutigen Lesungen geht es um diese zuletzt gehörte Anstrengung, was wir auch Tugendstreben nennen. Abram ist nicht einfach nur mit allem von Gott gesegnet, sondern er hat einen sehr starken Glauben. Dieser zeigt sich aber nicht einfach durch ein theoretisches Fürwahrhalten der Verheißungen Gottes, sondern in seinem starken Gehorsam. Was auch immer Gott von ihm verlangt, wohin auch immer Gott ihn sendet, dorthin zieht er ohne Zögern. Glaube hat also stets eine konkrete und praktische Seite. Lernen wir von ihm, uns von Gott dorthin senden zu lassen, wo dieser uns haben möchte. Begreifen wir, dass wir durch die Taufe einerseits zur Heiligkeit berufen sind, also den schwierigen aber lohnenswerten Weg durch die schmale Tür zu gehen, andererseits Gesandte sind, den anderen Menschen das Evangelium zu verkünden – nicht nur mit Worten, sondern wesentlich mit unserem Lebensstil. Wie dieser konkret aussehen muss, damit wir Strahlkraft haben, wird im Psalm reflektiert und mit Jesu Goldener Regel zusammengefasst.

Ihre Magstrauss

Montag der 12. Woche im Jahreskreis

Gen 12,1-9; Ps 33,12-13.18-19.20 u. 22; Mt 7,1-5

Gen 12
1 Der HERR sprach zu Abram: Geh fort aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde!
2 Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein.
3 Ich werde segnen, die dich segnen; wer dich verwünscht, den werde ich verfluchen. Durch dich sollen alle Sippen der Erde Segen erlangen.
4 Da ging Abram, wie der HERR ihm gesagt hatte, und mit ihm ging auch Lot. Abram war fünfundsiebzig Jahre alt, als er von Haran auszog.
5 Abram nahm seine Frau Sarai mit, seinen Neffen Lot und alle ihre Habe, die sie erworben hatten, und alle, die sie in Haran hinzugewonnen hatten. Sie zogen aus, um in das Land Kanaan zu gehen, und sie kamen in das Land Kanaan.
6 Abram zog durch das Land bis zur Stätte von Sichem, bis zur Orakeleiche. Die Kanaaniter waren damals im Land.
7 Der HERR erschien Abram und sprach: Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land. Dort baute er dem HERRN, der ihm erschienen war, einen Altar.
8 Von da brach er auf zu dem Gebirge östlich von Bet-El und schlug sein Zelt so auf, dass er Bet-El im Westen und Ai im Osten hatte. Dort baute er dem HERRN einen Altar und rief den Namen des HERRN an.
9 Dann zog Abram immer weiter, dem Negeb zu.

Mit Beginn der neuen Woche beginnt auch eine neue Bahnlesung. Zuletzt haben wir die Bahnlesung des zweiten Korintherbriefs abgeschlossen. Es geht nun um die Geschichte Abrahams. Im heute gehörten Abschnitt hat er seinen neuen Namen Abraham allerdings noch nicht erhalten, sondern heißt noch Abram.
Er wird von Gott dazu aufgefordert, sein Leben in Haran aufzugeben, wo er sich niedergelassen hatte. Von dort soll er aus den gewohnten Bahnen seines bisherigen Lebens aufbrechen in eine Ungewissheit, die aber von Gott mit ganz viel Segen verbunden ist. Er soll in ein fernes Land ziehen und seine Verwandtschaft sowie sein Vaterhaus verlassen. Gott erwartet das nicht einfach nur, um ihm wegzunehmen, was er hat, sondern er möchte ihm stattdessen noch viel mehr schenken: Obwohl Abram und seine Frau keine Kinder haben können (so wird es im Kapitel zuvor gesagt), verheißt Gott Abram ein großes Volk. Er kündigt ihm an, dass sein Name groß gemacht und er sein Segen sein werde. An ihm werden sich die Geister scheiden: Wer ihn segnet, der wird von Gott gesegnet, wer ihn verwünscht, der wird von Gott verflucht. Alle Menschen aber werden durch ihn zum Segen berufen. Er wird also unter Gottes besonderem Schutz stehen.
Abram hat einen starken Glauben. Dies zeigt sich in seinem absoluten Gehorsam. Er zieht tatsächlich von Haran weg, obwohl er nicht weiß, was ihn erwartet. Dabei nimmt er auch seinen Neffen Lot mit dessen Familie mit.
So ist Gott. Mit ihm ist es nie langweilig. Er ist immer wieder für Überraschungen gut, die uns aus der Komfortzone locken. Dabei müssen wir uns oft überwinden und blind nach hinten fallen lassen. Dabei können wir aber gewiss sein, dass er uns auffängt und die ganze Aktion unserem Heil dient. Abram hat wohl ein gutes Leben in Haran, aber das Leben, das Gott für ihn in Kanaan bereithält, wird unendlich besser sein. Er wird fruchtbar sein und von ihm wird ein ganzes Volk abstammen! Dafür verlangt Gott, dass er sich von der bequemen Lebenssituation absagt, um ins Ungewisse aufzubrechen. Doch kann er gewiss sein, dass Gott mit ihm zusammen auf dieser Reise unterwegs ist.
Auch uns möchte Gott überreich beschenken, nur müssen auch wir ihm vertrauen und manchmal aus uns herauskommen. Der Geist Gottes kann an uns erst wirken, wenn wir uns für ihn öffnen. Er kann uns den Weg nur dann weisen, wenn wir erst einmal losgehen. Ein Navigationsgerät berechnet die Route auch, wenn wir uns in Bewegung setzen.
Abram geht los mit seiner Frau Sarai und seinem Neffen Lot samt seiner Familie. So kommen sie nach Kanaan und durchzogen es bis zur Orakeleiche in Sichem. Noch werden sie als Ausländer in dieser Gegend verweilen, doch Gott verheißt ihnen, dass Abrams Nachkommen in diesem Land leben werden. Nach vielen Umwegen und Abenteuern wird es auch so kommen. Die zwölf Stämme Israels werden gemeinsam im verheißenen Land leben. Aus Dankbarkeit und Ehrfurcht errichtet Abram an dem Ort einen Altar und betet Gott an, bevor er in Richtung Negev-Wüste weiterzieht.

Ps 33
12 Selig die Nation, deren Gott der HERR ist, das Volk, das er sich zum Erbteil erwählt hat.
13 Der HERR blickt herab vom Himmel, er sieht alle Menschen.
18 Siehe, das Auge des HERRN ruht auf denen, die ihn fürchten, die seine Huld erwarten,
19 dass er ihre Seele dem Tod entreiße und, wenn sie hungern, sie am Leben erhalte.
20 Unsre Seele hofft auf den HERRN; er ist unsere Hilfe und unser Schild.
22 Lass deine Huld über uns walten, HERR, wie wir auf dich hofften!

Der Psalm reflektiert Gottes Heilsplan, von dem wir in der Genesis gehört haben. Das Wort und die Tat Gottes sind verlässlich. Gott ist treu und hält sich an seine Versprechen, auch wenn wir ihm untreu werden.
Zu Anfang des heute gebeteten Abschnitts wird ein Makarismus verwendet, eine Seligpreisung des Volkes, das sich Gott „zum Erbteil erwählt hat.“ Wir freuen uns schon über das Volk, dessen Existenz bei Abram angekündigt worden ist und das wir zurzeit des Königs David bereits als zusammenhängendes Königreich haben.
Gott ist nicht nur der mächtige Schöpfer, sondern er wirkt auch weiterhin in der Welt. Er zieht sich nicht gleichgültig zurück, sondern sieht von Himmel herab auf alle Menschen. Das bedeutet, dass er nicht in dieser Welt ist, sondern in der Ewigkeit, doch trotzdem ganz gegenwärtig bei uns. Das ist schwer zu begreifen, aber Ausdruck der Allmacht Gottes. Dass Gott alle Menschen sieht, ist etwas Positives. Er weiß um alles und jeden, er kennt unsere Nöte. Auch die Rede vom „Auge des HERRN“ muss als Geborgenheitsausdruck verstanden werden. Gott sieht auf die Gottesfürchtigen, die sich um den Stand der Gnade bemühen. Die anderen verstecken sich wie Adam und Eva im Garten Eden oder meinen, Gott sehe sie nicht. Er sieht alles und jeden. Gemeint ist aber, dass die Gottesfürchtigen eine Beziehung zu Gott haben und er in ihrem Leben Gutes wirkt, denn sie heißen ihn willkommen. Gott entreißt ihre Seele dem Tod (נַפְשָׁ֑ם nafscham, also eigentlich „ihr Leben“, denn nefesch meint immer das gesamte Leben, nicht nur einen Teil). Gott entreißt auch unser Leben dem Tod – sowohl dem moralischen Tod durch die regelmäßige Sündenvergebung im Beichtsakrament als auch vom ewigen Tod am Ende des Lebens. Wenn wir uns nämlich voller Glauben immer um den Stand der Gnade, um eine gute Beziehung zu Gott bemühen und mit einem umkehrbereiten Herzen durchs Leben gehen, dann wird seine Barmherzigkeit uns auffangen, sodass wir den ewigen Tod nicht schauen müssen.
Gott erhält die Gottesfürchtigen am Leben, wenn sie hungern. Dies ist wörtlich zu verstehen im Sinne von Segen im Leben. Gott sorgt dafür, dass man genug zu essen hat, wenn man seinen Willen tut. Jesus wird es später aufgreifen, wenn er sagt: „Zuerst muss es euch um das Reich Gottes gehen. Alles Andere wird euch dazugegeben.“ Und so ist es auch mit Abram in der ersten Lesung. Er vertraut darauf, dass Gott ihn und seine Familie versorgen wird, wenn er ihm gehorsam ist. Und auch wir Christen werden am Leben erhalten, denn Gott nährt uns nicht nur leiblich, sondern auch mit seinem Wort Gottes in Schrift und Sakrament, in der Eucharistie! Beides nährt uns auf unserem Lebensweg seelisch, sodass die Seele nicht stirbt, ebenso wenig die Hoffnung!
Und diese Hoffnung ist eine Hoffnung auf Gott, der „Hilfe und Schild“ ist. Gott leitet nicht nur den Weg, er beschützt auch auf diesem Weg, er unterstützt uns mit seiner helfenden Gnade, damit wir trotz unserer Schwächen den Willen Gottes in unserem Leben umsetzen können.
Wie König David beten auch wir um Gottes Huld, möge er uns die Gnade schenken, die wir unsere ganze Hoffnung auf ihn setzen! Er kann uns nicht enttäuschen, denn er ist Gott. Abram hat dies vorbildhaft vorgelebt, indem er seine ganze Hoffnung trotz biologischer Umstände auf Gottes Versprechen gesetzt hat, aus ihm werde ein großes Volk entstehen.

Mt 7
1 Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!
2 Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden und nach dem Maß, mit dem ihr messt, werdet ihr gemessen werden.
3 Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?
4 Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und siehe, in deinem Auge steckt ein Balken!
5 Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du zusehen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen!

Im Evangelium geht die Bahnlesung aus der Bergpredigt weiter. Heute hören wir von dem Verbot, andere zu verurteilen. In den vergangenen Abschnitten aus der Bergpredigt haben wir gehört, warum der Mensch dafür keine Kompetenz besitzt: Das Ausschlaggebende besteht in den Absichten und innersten Regungen des Herzens. Diese können wir bei unseren Mitmenschen gar nicht einsehen. Dies kann nur Gott und so ist er der einzig Kompetente für ein gerechtes Urteil.
Jesus erklärt heute auch noch ein anderes Argument: Wir werden mit demselben Maß gerichtet werden, wie wir bei unseren Mitmenschen angewandt haben. Dieses Maß spezifiziert Jesus an anderer Stelle mit der Barmherzigkeit. Wenn wir den anderen mit Barmherzigkeit begegnen, anstatt ihn zu verurteilen, wird auch uns Barmherzigkeit entgegen gebracht werden, wenn wir vor Gott stehen. Das Problem bei der Verurteilung ist nämlich, dass wir uns zum Gerechten aufspielen, also zu jemandem, der besser ist als der zu Verurteilende. Dabei gibt es keinen Menschen, der ohne Sünde ist und somit besser als der andere anzusehen ist. Jeder Mensch sündigt, nur unterschiedlich. Wer also verurteilt, ist heuchlerisch. Jesus erklärt es anhand eines Bildes: Wer meint, den Splitter aus dem Auge des anderen ziehen zu müssen, sollte zuerst den Balken aus seinem eigenen Auge ziehen. Wir sehen auch die Verhältnismäßigkeit bei diesem Bild. Oft hängen sich Selbstgerechte an Kleinigkeiten beim Gegenüber auf und lenken von den wirklich schweren Vergehen bei sich selbst ab. Das sagt Jesus vor allem als Kritik an den selbstgerechten Pharisäern und Schriftgelehrten. Sie suchen die Splitter bei den Juden, die für die vielen Ritualgebote und menschlichen Erweiterungen stehen. Doch die göttlichen Gebote halten sie gar nicht richtig. Sie hebeln mit ihren menschlichen Geboten die göttlichen Gebote sogar noch aus. Das sind richtige Balken.
Wir fragen uns, wie man mit solch riesigen Brettern überhaupt noch die Splitter in den Augen des Gegenübers erkennen kann. Das ist wirklich ein Kunststück. Und doch ist es logisch, dass die eigenen Balken zuerst herausgezogen werden müssen, bevor man sich den Splittern des Gegenübers widmen kann. Kehren auch wir zuerst vor der eigenen Haustüre!
Auch hier müssen wir Jesu Worte richtig bewerten. Das heißt natürlich nicht, dass man sündhaftes Verhalten beim Mitmenschen nicht mehr ansprechen darf. An anderer Stelle erklärt Jesus ja sogar die einzelnen Schritte von einer Unterweisung unter vier Augen bis hin zu einer öffentlichen Anklage. Wir sollen also durchaus die Sünde kritisieren. Doch wir sollen zugleich selbstkritisch sein. Auch hier geht es wieder um die richtige Haltung: Wenn wir uns zuerst mit uns selbst auseinandersetzen und ein realistisches Selbstbild von uns haben, dann ist die Art unserer Zurechtweisungen anders: Wir werden nicht von oben herab und mit einer Selbstgerechtigkeit auf den Sünder dreinschlagen, sondern in der Weise Gottes handeln. Wir werden auf Augenhöhe mit dem anderen sprechen und barmherzig sein. Selbst wenn wir härtere Worte wählen werden, weil alles Andere an ihm abprallt, wird dies aus Liebe geschehen, nicht aus Selbstbeweihräucherung. Gott hat im Laufe seiner Rettungsaktionen auch unterschiedliche Töne angewandt. Weil die sanften Umkehrrufe der Propheten nicht gewirkt haben, musste erst eine Katastrophe wie die Assyrische Fremdherrschaft passieren. Auch wir Menschen müssen je nach Situation auch mal ein härteres Wort anwenden, wenn alles Andere beim Gegenüber abprallt. Wichtig ist, dies dann ebenfalls als Rettungsaktion zu tun, nicht aus mangelnder Barmherzigkeit. Gott prüft auf Herz und Nieren. Prüfen wir uns auch stets selbst, damit es am Ende keine böse Überraschung gibt.

Ihre Magstrauss

Samstag der 11. Woche im Jahreskreis

2 Kor 12,1-10; Ps 34,8-9.10-11.12-13; Mt 6,24-34

2 Kor 12
1 Ich muss mich ja rühmen; zwar nützt es nichts, trotzdem will ich jetzt von Erscheinungen und Offenbarungen des Herrn sprechen.

2 Ich kenne einen Menschen in Christus, der vor vierzehn Jahren bis in den dritten Himmel entrückt wurde;
3 ich weiß allerdings nicht, ob es mit dem Leib oder ohne den Leib geschah, nur Gott weiß es.
4 Und ich weiß, dass dieser Mensch in das Paradies entrückt wurde; ob es mit dem Leib oder ohne den Leib geschah, weiß ich nicht, nur Gott weiß es. Er hörte unsagbare Worte, die ein Mensch nicht aussprechen darf.
5 Diesen Menschen will ich rühmen; meiner selbst will ich mich nicht rühmen, höchstens meiner Schwachheit.
6 Wenn ich mich dennoch rühmen wollte, wäre ich zwar kein Narr, sondern würde die Wahrheit sagen. Aber ich verzichte darauf; denn jeder soll mich nur nach dem beurteilen, was er an mir sieht oder aus meinem Mund hört.
7 Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen: ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe.
8 Dreimal habe ich den Herrn angefleht, dass dieser Bote Satans von mir ablasse.
9 Er aber antwortete mir: Meine Gnade genügt dir; denn die Kraft wird in der Schwachheit vollendet. Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt.
10 Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.

In der Lesung hören wir heute die Fortsetzung der Narrenrede des Paulus. Auch hier spricht er wieder davon, dass er sich selbst rühmt wie ein Narr. Durch seine Selbstbelächelung hindurch realisiert man aber, dass es ihm darum geht, die Herrlichkeit Gottes zu offenbaren. Dadurch, dass er mit seiner Armut angibt und doch die vielen Errungenschaften seines Lebens zeigt, wird dadurch das Wirken Gottes an ihm deutlich. Das ist wahre Demut: Wir sollen nicht unser Licht unter den Scheffel stellen, sondern es allen offenbaren, damit die Menschen Gottes große Taten rühmen, um die es ja geht. Es ist ja nicht unser Verdienst, was wir alles in unserem Leben erreicht haben, sondern erstens uns geschenkt in Form von Talenten und Potenzialen, zweitens durch die helfende Gnade bei der Entfaltung dieser Potenziale. Wer sind wir, dieses Licht unter den Scheffel zu stellen? Dadurch offenbaren wir eher unseren Hochmut und die Illusion, dass es unser eigenes Verdienst sei, das wir aus vermeintlicher Bescheidenheit verbergen wollen.
Vers 2 wird in der Forschung sehr rege diskutiert: Wer ist dieser Mensch in Christus, der entweder seelisch oder in Leib-Seele-Einheit in den dritten Himmel entrückt wurde? Und was heißt „dritter Himmel“? Aufgrund der Narrenrede wird oft gemutmaßt, dass Paulus sich selbst meint, als er sich bekehrt hat oder irgendwann danach. Andere wiederum gehen von einem anderen Christen aus, denn in Vers 5 heißt es ja unter anderem, dass Paulus sich selbst nicht rühmen will, höchstens seine Schwachheit. Es ist jedenfalls ein einschneidendes Ereignis, dessen Bezeugung durch Augenzeugen fehlt. Paulus bedient sich in der Rede von verschiedenen Himmeln zeitgenössischer Jenseitsvorstellungen. Vieles spricht doch für Paulus selbst, denn er kündigt zu Anfang des Kapitels an, dass er nun über seine eigenen Offenbarungen und Erscheinungen sprechen möchte. Zudem weiß er ja nicht, ob er in seiner Ergriffenheit mit seinem ganzen Leib oder nur mit der Seele in den Himmel entrückt worden ist. Wir erinnern uns an die Johannesoffenbarung, bei der die Visionen auf dieselbe Weise beschrieben werden.
Selbstironisch sagt Paulus in Vers 6, dass er ja ein Narr sei, wenn er sich selbst rühmen würde – und macht weiter damit, um aufzuzeigen, dass er sich selbst wirklich für einen Narren hält – einen Narren für Christus.
Und doch steckt ein ernster Aspekt dahinter: Er möchte, dass die Menschen sich von seinem Verhalten überzeugen lassen, denn die Wahrheit währt am längsten. Vorwürfe von Korruption mögen noch so spektakulär klingen – es wird sich zeigen, wie unhaltbar sie sind.
Vers 7 lässt uns erkennen, dass Paulus am Anfang wohl wirklich von sich selbst schreibt. Was er erlebt und gehört hat (die unsagbaren Worte, auf die er auch nicht näher eingeht), soll ihn nicht überheblich machen. Deshalb lässt Gott einen Stachel im Fleisch des Paulus zu. Auch dies wird ausführlich diskutiert. Ist damit ein körperliches Leiden gemeint, eine chronische Krankheit? Oder ist damit eine Umsessenheit gemeint, wie wir sie von besonders großen Heiligen kennen? Bei Pater Pio ließ Gott ja sogar zu, dass der Böse mit dem Heiligen physisch kämpfen musste. Die Frage ist also, ob in diesem rhetorisch sehr bildhaften Kontext eines Briefes diese Worte wörtlich oder im übertragenen Sinne zu verstehen sind. Im ersten Fall würde es sich wirklich um eine dämonische Beeinträchtigung handeln, im zweiten Fall um eine Krankheit. So oder so wird Paulus in seinem Leben beeinträchtigt und immer wieder mit seiner Schwachheit konfrontiert. Paulus hat den Herrn dreimal um Befreiung gebeten, doch da es der Wille Gottes ist, dass Paulus dieses Leiden trägt, ist er nicht davon befreit bzw. geheilt worden. Die entscheidende Bedeutung von Leiden ist uns schon in den gestrigen Lesungen vor Augen geführt worden. Wer wirklich Frucht bringen will, muss und wird irgendwann für diese Sache leiden und sühnen. Es geht nicht ohne das Kreuz.
Gott möchte dieses Leiden nicht von Paulus nehmen und Paulus begreift selbst, dass Gott seine Schwäche möchte. Paulus soll verstehen, dass er ganz auf die Gnade Gottes angewiesen ist. Und so rühmt er sich gerne seiner Schwachheit. Paulus ist next level. Er duldet nicht einfach nur sein Leiden, sondern er nimmt es gerne und bereitwillig an. Er trägt es sogar in Freude, weil er weiß, dass in seiner Vulnerabilität die Gnade Gottes aufleuchtet. In seiner Schwachheit ist er stark, weil dann die Gnade Gottes erst recht zu arbeiten beginnt. Gottes Herrlichkeit strahlt auf, wo die menschliche Grenze erreicht ist.

Ps 34
8 Der Engel des HERRN umschirmt, die ihn fürchten, und er befreit sie.
9 Kostet und seht, wie gut der HERR ist! Selig der Mensch, der zu ihm sich flüchtet!
10 Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen; denn die ihn fürchten, leiden keinen Mangel.
11 Junglöwen darbten und hungerten; aber die den HERRN suchen, leiden keinen Mangel an allem Guten.
12 Kommt, ihr Kinder, hört mir zu! Die Furcht des HERRN will ich euch lehren!
13 Wer ist der Mensch, der das Leben liebt, der Tage ersehnt, um Gutes zu sehen?

Heute beten wir wieder aus dem Lobpreispsalm 34, mit dem wir Gottes große Taten rühmen, jedoch andere Verse als gestern.
„Der Engel des HERRN umschirmt, die ihn fürchten, und er befreit sie.“ Er hat die Apostel befreit und beschützt, davon lesen wir sehr oft in der Apostelgeschichte und auch in den Paulusbriefen. Weil die Apostel, die Heiligen, alle gottesfürchtigen Christen Gott fürchten und sich ganz seinem Willen unterstellen, stehen sie unter dem besonderen Schutz Gottes. Selbst wenn die Heiligen leiden müssen und der Böse sie in die Knie zwängt, lässt Gott nicht zu, dass sie zerstört werden. Äußerlich mag der Böse sie quälen, doch Gott hütet ihre Herzen wie seinen Augapfel.
„Kostet und seht, wie gut der HERR ist! Selig der Mensch, der zu ihm sich flüchtet!“ Dieses Schriftwort wird vom Priester sehr oft direkt vor dem Kommunionempfang gebetet, also eucharistisch ausgelegt. Ja, wir können kosten, wie gut der HERR ist, wenn wir ihn in uns aufnehmen und uns mit ihm vereinen. Er ist wie Balsam für unsere Seele und umhüllt uns ganz mit seiner Liebe und Barmherzigkeit. Dann ist es wirklich ein Zufluchtnehmen im Meer seiner Barmherzigkeit, ein Eintauchen in den tiefsten Grund seines für uns durchbohrten Herzens, das wir jetzt im Juni ja so sehr verehren.
Wer Gott fürchtet, erleidet keinen Mangel. Das ist im Grunde, was Jesus den Menschen durch das Wort erklärt: Suchet zuerst das Reich Gottes, alles andere wird euch dazugegeben. Das Reich Gottes, Gott selbst, zu suchen, ist genau so eine gottesfürchtige Haltung. Wer Gott zu seiner Nummer eins macht, dem wird Gott alles in Überfülle schenken.
Gott gibt dem Menschen dann alles Gute, was er braucht. Das nennen wir auch Segen.
Das Entscheidende ist die Gottesfurcht und deshalb will König David sie die Menschen lehren. Sie ist eine Haltung, bei der uns immer am Herzen liegt, Gott nicht zu beleidigen, zu ihm eine gute Beziehung zu haben. König David selbst hat stets an der Gottesbeziehung gearbeitet und von dieser Beziehung her die Gebote Gottes gehalten. Das ist für seine Zeit sehr fortschrittlich und das muss Jesus dann den Menschen seiner Zeit wieder neu vor Augen führen.
Wenn auch wir heutzutage die Tage ersehnen, an denen wir Gutes sehen, müssen auch wir zu einer gottesfürchtigen Haltung zurückkehren. Diese fehlt heute ganz und gar. Die Menschen, die sich am meisten mit Gott beschäftigen, erheben sich über ihn. Sie halten sich für die Herren und Gebotegeber. Ich spreche in erster Linie über meine eigene Berufsgruppe. Wie sehr benötigt doch die Theologie eine Rückkehr zum Kniefall! Wie sehr sitzen eben jene auf dem hohen Ross, die meinen, von Gott besonders viel begriffen zu haben. Und doch haben sie am wenigsten verstanden. Beten wir um die Gottesfurcht besonders in der Theologie, aber auch in den Ortskirchen, in den Familien, in unseren Herzen. Von dort ausgehend kann der Herr das Antlitz der Erde verwandeln – durch die Kraft des Hl. Geistes.

Mt 6
24 Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

25 Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen oder trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt! Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?
26 Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?
27 Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Spanne verlängern?
28 Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien des Feldes, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht.
29 Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen.
30 Wenn aber Gott schon das Gras so kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen in den Ofen geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!
31 Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen?
32 Denn nach alldem streben die Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht.
33 Sucht aber zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit; dann wird euch alles andere dazugegeben.
34 Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug an seiner eigenen Plage.

Auch das Evangelium führt uns die absolute Radikalität von Treue vor Augen, die Jesus in der Bergpredigt verkündet.
Es ist unmöglich, zwei Herren zu dienen. Man kann nicht gleichzeitig Gott dienen und dem Widersacher mit seinen Verführungen. Der Mammon, von dem Jesus hier spricht, meint das Geld bzw. den irdischen Reichtum allgemein.
Die Menschen sollen arm vor Gott sein, das bedeutet vor allem die Einstellung: Sie sollen sich nicht um ihr Leben sorgen, sondern Gott vertrauen, der ihnen alles Notwendige an Lebensmitteln gibt. Er ist es auch, der sie mit Kleidung versorgen wird. Ganz in der Tradition der weisheitlichen Schriften des Alten Testaments bringt Jesus bei seiner Predigt Beispiele aus der Natur. Die Vögel leben vor sich hin, ohne sich um Ernte und Vorräte sorgen zu machen. Und doch versorgt Gott sie Tag für Tag. Warum sollte Gott es den Menschen nicht mindestens gleichtun, die noch viel mehr wert sind als die Vögel? Durch die übertriebene Sorge kann der Mensch sich sein Leben kein bisschen verlängern. Sorge ist wie ein Schaukelstuhl. Man arbeitet und verausgabt sich von den Kräften her, wenn man auf ihm schaukelt, doch man kommt kein bisschen mit ihm voran. Dasselbe gilt für den Vergleich mit einem Hamsterrad oder Laufband.
Jesus greift als weiteres Beispiel die Lilien auf, die in ihrer Schönheit von Gott gekleidet werden und darin König Salomo, den reichsten und prachtvollsten König übertreffen. Sie haben ihre Schönheit von Gott geschenkt bekommen. So sollen sich die Menschen keine Sorgen um ihre Kleidung machen.
Bei diesen beiden Aspekten – Sorge um Nahrung und um Kleidung – geht es nicht darum, dass man überhaupt keine Gedanken daran verschwenden soll, sondern um die übertrieben ängstliche Haltung, die ein Misstrauen gegenüber Gott impliziert. Gott ist es letztendlich, der uns die Gesundheit schenkt, arbeiten zu gehen und Geld zu verdienen. Er ist es, der uns eine Arbeitsstelle schenkt, der uns eine friedliche Gesellschaft bereitstellt, in der wir genug einkaufen können. Alles hängt von Gottes Segen ab. Und weil er uns Menschen so sehr liebt, sorgt er für uns. Wichtig ist dabei unsere Haltung: Wenn es uns darum geht, alles selbst in die Hand zu nehmen und dem Wirken des Geistes keinen Spielraum mehr zu lassen, dann zieht sich Gott auch zurück. Wenn wir ihn aber in unser Leben einladen und uns ganz und gar um das Reich Gottes kümmern, dann wird Gott unsere Haltung ganz ernst nehmen und alles, wirklich alles schenken, was wir brauchen.
Jesus sagt also nicht, dass wir überhaupt keine Sorge haben sollen, denn wir sind ja für unser Leben und auch das unserer Mitmenschen verantwortlich. Doch wir sollen nicht übertriebene Angst und Grübelei an den morgigen Tag verschwenden, weil diese Haltung von mangelndem Gottvertrauen zeugt.

Die Haltung, die Jesus hier beschreibt, ist ein Leben in Gottes Geborgenheit. Wer ihm ganz vertraut, springt für ihn gerne ins Ungewisse, weil Gott den Menschen auffängt. Gottes Segen können wir aber nur haben, wenn wir ihm treu sind und uns ganz von seiner Gnade abhängig machen. Letztendlich sind wir alle schwach, arm und erlösungsbedürftig. Ohne seine Gnade kommen wir nicht weit. Danken wir dem Herrn, dass er uns immer wieder stärken möchte.

Ihre Magstrauss

12. Sonntag im Jahreskreis

Ijob 38,1.8-11; Ps 107,23-24.26-27.28-29.30-31; 2 Kor 5,14-17; Mk 4,35-41

Ijob 38
1 Da antwortete der HERR dem Ijob aus dem Wettersturm und sprach:
8 Wer verschloss das Meer mit Toren, als schäumend es dem Mutterschoß entquoll,
9 als Wolken ich zum Kleid ihm machte, ihm zur Windel dunklen Dunst,
10 als ich ihm ausbrach meine Grenze, ihm Tor und Riegel setzte
11 und sprach: Bis hierher darfst du und nicht weiter, hier muss sich legen deiner Wogen Stolz?

In der ersten Lesung hören wir aus dem Buch Ijob eine Gottesrede. Es ist ja so, dass Ijob ein sehr gerechter Mann ist, der sehr viel Gottesfurcht besitzt. Dann kommt ja die Bewährungsprobe seines Lebens, in der sein Glaube sehr stark auf die Probe gestellt wird: Er verliert seine Kinder, seinen Besitz, seine Gesundheit. Viele schlimme Dinge geschehen nacheinander und dann versucht der Böse Ijob auch noch durch seine eigene Frau und durch die Freunde, die ihm einreden wollen, er selbst habe all dies durch seine Sünden verschuldet. Es gibt lange Passagen, in denen er gerade mit seinen Freunden Zwiesprache hält und reflektiert, was passiert ist. Immer wieder kommt Ijob am Ende dieser Dialoge zum Schluss, dass er nichts Böses getan habe und man das Geschehene nicht so einfach mit dem Tun-Ergehen-Zusammenhang erklären kann, also dass es ihm schlecht geht, weil er gesündigt hat. Letztendlich muss Ijob diese Unbegreiflichkeit aushalten und erliegt zu keinem Zeitpunkt der Versuchung, Gott als böse zu bezeichnen, mit ihm zu hadern, zu verbittern und zu fluchen. Er hält fest an der Güte Gottes, auch wenn er klagt und trauert.
Was wir heute hören, ist nun die Antwort Gottes selbst. Nach all den Dialogen mit den Freunden spricht Gott Ijob selbst an. Er offenbart sich auf eine uns bekannte Weise:
Es kommt ein Brausen und ein Sturm auf – Manifestationen der Gegenwart Gottes, wir nennen es auch Theophaniezeichen. Mitten aus diesem Phänomen heraus spricht Gott zu Ijob: Gott hat alles geschaffen. Die ganze Schöpfung ist so komplex und detailreich. Gott hat alles in diesen Vorgang hineingelegt, aber Ijob war bei alledem nicht dabei. Dieser kann das alles ja gar nicht überblicken oder durchblicken. Gott stellt ihm dies vor Augen, indem er Ijob viele rhetorische Fragen stellt. Die Antwort ist so offensichtlich, dass Ijob es selbst begreift.
Gott ist der mächtige Schöpfer, der das Meer an seinem Ort gesammelt und vom Festland abgegrenzt hat, der die Wolken geschaffen hat, der die Naturgesetze festgelegt hat. All diese Dinge werden sehr poetisch ausgedrückt. So wird die Brandung zum Tor und die Wolkendecke zum Kleid, ja zur Windel. Die Gesetzmäßigkeit der Wolken wird ausgedrückt mit dem Befehl: „Bis hierher darfst du und nicht weiter, hier muss sich legen deiner Wogen Stolz“. Wolken können natürlich keinen Stolz besitzen, denn sie sind Ansammlung von Kondensat. Es ist eine Personifikation, die mit der poetisch formulierten Gottesrede erklärt werden kann. Auf diese Weise führt Gott Ijob lebendig vor Augen, dass es viel mehr gibt, als das, was Ijob durchblicken und erklären kann. Gott setzt diese Rede fort mit allen möglichen Schöpfungsbereichen und Schöpfungsakten.
Was Gott Ijob also verdeutlichen möchte: Die Schöpfung ist schon so hochkomplex. Umso unbegreiflicher ist Gott selbst, der alles geschaffen hat. Ijob kann nicht alles verstehen, was passiert. Das ist eine Aussage auch für uns heutzutage: Wir können in unserem Leben nicht alles begreifen und vor allem Gottes Wirken nicht durchschauen. Er ist und bleibt trotz all seiner Offenbarungen Geheimnis. Es wird uns nur überfordern, wenn wir versuchen, auf alles eine Antwort zu finden. Das bedeutet auch, dass wir gar nicht die Kompetenz haben, Gottes Wirken moralisch zu bewerten. Wir haben weder die Kompetenz noch das Recht, Gott als böse abzustempeln, weil wir seine Wirkweise nicht verstehen.
Anhand der vielen Details des Schöpfungswirkens möchte Gott Ijob verdeutlichen, wie komplex alles ist und wie viele Faktoren gleichzeitig greifen. Das alles kann der Mensch in seiner Leidsituation gar nicht überblicken. Wir haben nur unsere eigene Perspektive, vielleicht noch ein paar Blickwinkel unserer Mitmenschen. Doch das Gesamtbild ist uns ja nicht vor Augen. Deshalb steht es uns nicht zu, Gott zu verurteilen. Glaube bewährt sich ja gerade in solchen Situationen, die wir gerade nicht begreifen können. Dies auszuhalten und an Gottes Güte festzuhalten, macht die Tiefe unseres Glaubens aus.
Ijob selbst war schon sehr gläubig, aber diese ganze Bewährungsprobe hat seinen Glauben noch viel stärker vertieft. Er ist in dieser Situation gewachsen und wird am Ende von Gott reichlich entschädigt. Auch wir müssen lernen, dass egal, was kommt, wir uns ganz an Gottes Güte klammern müssen. Er ist doch der Schöpfer allen Seins und wir lesen in den Schöpfungsberichten, dass alles, was Gott gemacht hat, gut ist. Ein sehr aktuelles Vorbild in dieser Ijob-Art ist der kürzlich verstorbene junge Youtuber Philipp Mickenbecker. Er erkrankte schon vor Jahren an Lymphdrüsenkrebs. Die Ärzte hatten ihn schon aufgegeben, aber er lebte noch erstaunlich lange mit seiner Krankheit weiter. Zweimal kehrte der Krebs zurück. Sein Glaube war sehr stark und er sagte: „Auch wenn Gott mich erst im Himmel gesund macht, glaube ich trotzdem, dass erein guter Gott ist.“ Er hat an der Güte Gottes bis zum Schluss festgehalten und ist mit einem Lächeln verstorben. Diesen Glauben wünsche ich uns allen!

Ps 107
23 Sie, die mit Schiffen das Meer befuhren, Handel trieben auf den großen Wassern,

24 die dort schauten die Werke des HERRN, seine Wundertaten in der Tiefe.
26 sie stiegen empor zum Himmel, in die Urtiefen sanken sie hinab, sodass ihre Seele vor Not verzagte,
27 sie wankten und schwankten wie Betrunkene, verschlungen war all ihre Weisheit.
28 Sie schrien zum HERRN in ihrer Bedrängnis und er führte sie heraus aus ihren Nöten,
29 er machte aus dem Sturm ein Säuseln und es schwiegen die Wogen des Meeres.
30 Sie freuten sich, dass die Wogen sich legten, und er führte sie zum ersehnten Hafen.
31 Sie sollen dem HERRN danken für seine Huld, für seine Wundertaten an den Menschen.

Als Antwort beten wir einen Dankespsalm, der betitelt ist mit „Danklied der Erlösten“. Es wird angenommen, dass dieser Psalm zu Dankfesten in der Gruppe gebetet worden ist. Im Laufe des Lieds werden verschiedene Personengruppen zum Dankopfer aufgefordert.
In den heute verwendeten Versen hören wir von Menschen, die in Not waren und denen Gott aus der Not herausgeholfen hat. Auch hier geht es um jene, die etwas mit dem Meer zu tun haben, die Kaufleute auf den Handelswegen zu Schiff. Schon in der ersten Lesung war das Meer ja Thema. Auf Israel selbst bezogen muss man sagen, dass es insgesamt weniger eine Seefahrernation ist. Dennoch ist der Seeweg besonders für Kaufleute wichtig und zu jener Zeit sehr riskant. Wenn die wogenden Wellen und starken Stürme aufkamen, brachte auch das größte Seefahrertalent nichts. Die Menschen sind mit ihrem Latein am Ende bzw. wie es hier heißt: all ihre Weisheit. Die Kraft des Meeres, die mächtigen Gewässer, all dies ist von Gott geschaffen. In Meeresstürmen wird die Ohnmacht des Menschen besonders deutlich, aber auch die Macht des Schöpfers überdeutlich. So groß ist die Diskrepanz zwischen Gott und den Menschen.
Die Wundertaten der Tiefe werden uns durch die Meeresbiologen immer deutlicher, denn was gerade in der Tiefsee an Lebenswelt vorherrscht, ist beeindruckend.
In den Stürmen des Meeres werden die Menschen auf den Schiffen hin- und hergeworfen, schwankend wie Betrunkene. Es ist ein Hinabsteigen in die Urtiefen und ein Emporsteigen zum Himmel aufgrund der hohen Wellen.
Sie sind den Naturgewalten ganz ausgeliefert und so bleibt ihnen nur noch der Schrei zu Gott, der sie aus der Not befreien kann. Dieser hat die Macht, aus dem Sturm ein Säuseln zu machen und aus den hohen Wellen ein ruhiges Gewässer. So fährt das Schiff im ersehnten Hafen ein und die Menschen können sich freuen, dass sie keinen Schiffbruch erleiden mussten. Es ist wirklich ein Grund zur Freude und zum Dank gegenüber Gott, der sie aus der Katastrophe gerettet hat.
All das, was hier thematisiert wird, können wir über den Wortsinn hinaus weiterbetrachten: Die Wogen des Meeres, der Sturm, das Hin- und Hergeworfensein führt uns zu einer Episode des Neuen Testaments: Jesus und seine Apostel sind auf einem Boot auf dem See unterwegs, als plötzlich ein Sturm aufkommt. Das hören wir gleich im Evangelium. Unter den Aposteln gibt es mehrere ausgebildete Fischer. Sie wissen genau, was man in so einer Situation tun muss – und wo die Grenzen sind. Sie sind so wie das Volk Israel im Psalm den Naturgewalten ausgeliefert und versuchen verzweifelt, Jesus zu wecken, der in aller Seelenruhe hinten im Boot schläft. Das tut er ja nicht einfach, weil er müde ist, sondern es handelt sich dabei wieder um eine zeichenhafte Handlung als Lektion für die Jünger: Es ist eine Lektion des Gottvertrauens. Dazu werde ich gleich noch mehr sagen, hier aber sei noch angedeutet, dass wir diese beschriebene Notlage des Psalms auch auf die moralische und anagogische Ebene führen dürfen: Auch in unserer Seele kommen Stürme auf – das, was wir unter anderem auch bei Ijob erleben. Es ist ein einziger Kampf, ein Ringen um die Beziehung zu Gott in stürmischen Zeiten, ein Festhalten an den guten Gott in Zeiten absoluter Anfechtung und Versuchung. Nicht umsonst sagt uns Christus zusammen mit den Aposteln im Garten Getsemani: „Betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet!“ Versucht werden wir alle, auch gerade Christus, doch die Kraft zur Standhaftigkeit holen wir uns beim Herrn. Und je höher die Wellen schlagen, desto mehr sollen dann auch wir zum Herrn schreien. Er wird uns nicht unserer Not überlassen, sondern retten.
Auch mit Blick auf die Ewigkeit hin dürfen wir den Herrn anrufen in den Stürmen unserer Zeit, die dem Ende zugeht. Die Wehen sind sehr stark, die antichristlichen Bestrebungen sehr aggressiv, die Feindseligkeit gegenüber der Christen umso mehr. Gehen wir zunächst weiter und betrachten wir diese Gedanken noch eingehender im Evangelium.

2 Kor 5
14 Denn die Liebe Christi drängt uns, da wir erkannt haben: Einer ist für alle gestorben, also sind alle gestorben.
15 Er ist aber für alle gestorben, damit die Lebenden nicht mehr für sich leben, sondern für den, der für sie starb und auferweckt wurde.
16 Also kennen wir von jetzt an niemanden mehr dem Fleische nach; auch wenn wir früher Christus dem Fleische nach gekannt haben, jetzt kennen wir ihn nicht mehr so.
17 Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

Heute hören wir wieder einen Abschnitt aus dem zweiten Korintherbrief, der uns vor Tagen auch unter der Woche begegnet ist. Bezogen auf die bisherigen Lesungen dürfen wir diesen Text nochmal ein wenig anders betrachten: Wir hören im Grunde davon, warum wir auch in den Stürmen und Wogen der Meere keine Angst haben müssen. Christus hat uns erlöst und wir haben die Erlösung in der Taufe angenommen. Wir sind bereits in einem neuen Zustand, weshalb wir in den Stürmen der Weltgeschichte vielleicht hin- und hergeworfen werden, doch mit Christus an Bord niemals Schiffbruch erleiden:
Unmittelbar vor dem heutigen Abschnitt heißt es, dass die Apostel die Aufgabe haben, Versöhnung zu stiften. Sie möchten dies aber auch ausdrücklich. Es ist nicht einfach eine Pflichterfüllung, sondern sie werden gedrängt von der Liebe Christi, die sie selbst erfahren haben. Um es im Bild der bisherigen Lesungen zu sagen: Sie sind gedrängt, ins Boot zu steigen und auf das weite Meer zu fahren, damit alle von der Botschaft Jesu Christi erfahren. Paulus hat eine beeindruckende Glaubensgeschichte hinter sich. Das möchte er weitergeben. Was Christus an ihm getan hat und was er realisiert hat – Jesus ist für Paulus ganz persönlich gestorben – das möchte er allen Menschen ermöglichen. Christus ist für jeden einzelnen Menschen gestorben! Er hat das alles für mich getan! Und so sterben alle – nicht nur einfach biologisch, sondern gemeint ist in der Taufe das Absterben des alten Menschen. Und davon ausgehend erfahren alle eine Auferstehung zum ewigen Leben, das sie von da an für Christus leben, nicht mehr für sich selbst. Das betrifft die Apostel, das betrifft aber auch die angesprochenen Korinther. Ab der Taufe kennen wir einander nicht mehr „dem Fleische nach“. Das heißt nämlich, dass wir von da an eine neue Schöpfung sind und zu einer geistigen Familie verbunden worden sind. Diese entstandene Familienbande hat Konsequenzen für unser Zusammenleben. Mitchristen sind nicht einfach Mitchristen, sondern meine Brüder und Schwestern, für die ich alles tun würde, auch sterben. Wenn sie leiden, leide ich mit, wenn ihnen das Kreuz zu schwer ist, helfe ich ihnen. Wenn sie vom richtigen Weg abkommen, setze ich mich dafür ein, dass sie wieder zurückfinden. Zurück zum heutigen Bildfeld: Wir sind eine Mannschaft geworden, gemeinsam im selben Boot, zusammenhaltend, um den Schiffbruch zu vermeiden. Wir schauen nicht mehr zurück auf das alte Leben, sondern leben als neue Schöpfung. Dies ist eine Herausforderung, da wir weiterhin auf dem unruhigen Meer der alten Schöpfung fahren. Wir sind nicht mehr von dieser Welt, bleiben aber noch in dieser Welt. Doch wir sind nicht allein. Christus ist der Steuermann.

Mk 4
35 Am Abend dieses Tages sagte er zu ihnen: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. 

36 Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; und andere Boote begleiteten ihn. 
37 Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann. 
38 Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? 
39 Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein. 
40 Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? 
41 Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Wer ist denn dieser, dass ihm sogar der Wind und das Meer gehorchen?

Nachdem Jesus jetzt mehrere Gleichnisse erzählt hat (wir hörten davon die letzten Tage), fährt er nun mit seinen Jüngern in einem Boot zum anderen Ufer des Sees Genesaret. Vor einigen Wochen haben wir über die Fahrt von einem Ufer zum anderen vierfach nachgedacht. Dann war dieses Boot als die Kirche zu betrachten, die auf dem See der Endzeit durch allerlei Stürme hindurch auf die Ewigkeit zusteuert. Es ist auch das Boot unseres Lebens, in dem wir durch die Stürme unseres Alltags hindurch auf das ewige Leben zusteuern, ebenso die gesamte Menschheitsgeschichte, die sich auf die Endzeit zubewegt, auf den Tag des Jüngsten Gerichts zu.
Entscheidend ist, dass Jesus mit im Boot ist. So kann das Boot nicht kentern, weder als Kirche Christi betrachtet, die die Mächte der Finsternis nicht überwältigen werden, noch als unser eigenes Leben betrachtet, in denen die Versuchungen des Teufels uns mit Jesu Beistand nichts anhaben können. Auch mit Blick auf das Ende der Zeiten und dem Gericht Gottes wird uns ein gutes Gerichtsurteil erwarten, wenn Jesus im Boot ist.
Und wenn die schweren Stürme kommen, vergessen wir manchmal, dass er da ist. Dann werden wir panisch, weil Wasser ins Boot läuft. Dann schreien wir zu Gott, dass er uns helfe und rütteln am schlafenden Jesus. Wir verstehen dann nicht, warum Gott so gelassen bleibt, obwohl die Situation so dramatisch erscheint. Das ist sowohl im kirchlichen Leben als auch im alltäglichen Leben des Einzelnen so. Wir haben den Eindruck, dass wenn ein Schisma droht, wenn Angriffe von innen und außen kommen, die Kirche untergehen wird. Dabei vergessen wir, dass dies nicht passieren kann. Jesus hat es uns versprochen und er wird uns helfen. Das ist auch so, wenn wir schlimmen Versuchungen ausgesetzt sind oder schwierige Probleme im Leben bekommen. Dann haben wir schnell den Eindruck, dass alles den Bach hinuntergeht. Wir schöpfen wie wild eimerweise das hineinlaufende Wasser aus und reagieren hektisch, unüberlegt. Genau dies möchte der Teufel auch, er will uns verrückt machen, dass wir die Orientierung verlieren oder mit den Worten des Psalms: dass wir mit unserer Weisheit am Ende sind. Dabei müssen wir dann erst recht ruhig bleiben, uns besinnen und uns an Christus wenden. Wenn wir Versuchungen ausgesetzt sind, sollen wir beten, Kontakt zu Gott suchen. Er wird sie vertreiben. Er muss nur ein Wort sagen und alles wird verwandelt werden. Wir sollen auf Gott vertrauen und seinen Worten glauben, wenn er sagt: Es wird euch nichts passieren. Wie oft machen wir die Erfahrung, dass wir uns vornehmen, unsere Beziehung zu Gott zu vertiefen und ihn besser kennen lernen zu wollen. Dann kommen tausend Ablenkungsmanöver durch die alltäglichen Sorgen, Probleme und Zwischenfälle. Wir werden davon so abgelenkt, dass wir weder die Zeit noch die Kraft, noch den Gedanken übrig haben, unser ursprüngliches Vorhaben in die Tat umzusetzen. Es sind die typischen Schachzüge des Teufels, uns von Gott wegzuziehen. Wenn im Alltag so viele Probleme auftauchen und uns wieder aufzuzehren versuchen, seien wir uns dann bewusst, wer eigentlich dahintersteckt. Zeigen wir es ihm dann so richtig, indem wir uns dann gerade an Gott klammern, uns dann gerade mehr Zeit zum Beten nehmen und vor allem noch mehr die Sakramente in Anspruch nehmen, häufiger beichten, häufiger die Kommunion empfangen. Dann tun wir dadurch genau das, was die Jünger Jesu auch tun – mit dem Wasserschöpfen aufhören und Jesus wecken. Mit seiner Hilfe wird uns alles gelingen.
Jesus ist Gott. Er hat die Macht über die Naturgewalten, er vermag alles. Versuchen wir weniger, alles aus eigener Kraft zu tun, und kommen wir zu ihm, wenn uns etwas überfordert. Das hat auch Ijob getan, der mit dem Sinn seines Leidens absolut überfordert war. Das haben die Israeliten in allerlei Notlagen getan, die sinnbildlich als ein Sturm auf dem Meer umschrieben werden kann. Das haben auch die Apostel gelernt, als Jesus mit ihnen im Boot ist. Versuchen wir es auch, auch wenn wir manchmal scheitern werden. Gott ist geduldig, seien wir es auch mit uns.

Ihre Magstrauss




Freitag der 11. Woche im Jahreskreis

2 Kor 11,18.21b-30; Ps 34,2-3.4-5.6-7; Mt 6,19-23

2 Kor 11
18 Da viele Menschen im Sinn dieser Welt prahlen, will auch ich einmal prahlen.
21 Zu meiner Schande muss ich gestehen: Dazu bin ich allerdings zu schwach gewesen. Wozu aber jemand den Mut aufbringt – ich rede jetzt als Narr – , dazu bringe auch ich ihn auf.
22 Sie sind Hebräer – ich auch. Sie sind Israeliten – ich auch. Sie sind Nachkommen Abrahams – ich auch.
23 Sie sind Diener Christi – jetzt rede ich ganz unvernünftig – , ich noch mehr: Ich ertrug mehr Mühsal, war häufiger im Gefängnis, wurde mehr geschlagen, war oft in Todesgefahr.
24 Fünfmal erhielt ich von Juden die vierzig Hiebe weniger einen;
25 dreimal wurde ich ausgepeitscht, einmal gesteinigt, dreimal erlitt ich Schiffbruch, eine Nacht und einen Tag trieb ich auf hoher See.
26 Ich war oft auf Reisen, gefährdet durch Flüsse, gefährdet durch Räuber, gefährdet durch das eigene Volk, gefährdet durch Heiden, gefährdet in der Stadt, gefährdet in der Wüste, gefährdet auf dem Meer, gefährdet durch falsche Brüder.
27 Ich erduldete Mühsal und Plage, viele durchwachte Nächte, Hunger und Durst, häufiges Fasten, Kälte und Nacktheit.
28 Um von allem andern zu schweigen, dem täglichen Andrang zu mir und der Sorge für alle Gemeinden:
29 Wer ist schwach und ich bin nicht schwach? Wer kommt zu Fall und ich werde nicht von brennender Sorge verzehrt?
30 Wenn schon geprahlt sein muss, will ich mit meiner Schwachheit prahlen.

In der heutigen Lesung hören wir einen Ausschnitt aus dem zweiten Korintherbrief, in dem Paulus „prahlt“. Das muss man rhetorisch betrachten und am Ende wird auch deutlich, welche Art von Prahlerei er eigentlich betreibt: Er gibt an mit seiner Schwachheit, denn der springende Punkt ist: In unserer Schwachheit sind wir stark.
Auch dieser Abschnitt muss als Narrenrede verstanden werden, ja er bezeichnet sich sogar explizit als solcher. Er macht sich gerne zum Hans Wurst um des Himmelreiches willen, er demütigt sich, um die Herzen der Menschen zu berühren. All dies tut er, um seine Kritik an den Korinthern so zu formulieren, dass sie das Entscheidende wirklich an ihr Herz heranlassen. Die Kritik betrifft vor allem die kritiklose und unreflektierte Akzeptanz von falschen Messiassen mit falschen Evangelien und falschen Taufen. Es geht um Irrlehrer, die ihre Häresien in Korinth verbreiten konnten. Gegen diese grenzt sich Paulus im Folgenden ab:
Sie sind Hebräer so wie Paulus. Damit ist gemeint, dass man jüdischer Abstammung ist. Eigentlich impliziert diese Behauptung auch, dass man im Hl. Land geboren ist, nicht in der Diaspora. Dagegen sind nämlich die außerhalb Israels Geborenen die sogenannten Hellenisten. Dies scheint hier aber nicht gemeint zu sein, denn Paulus ist ja in Tarsus geboren und nicht im Hl. Land. Jene Irrlehrer, wir können uns vorstellen, dass damit vor allem radikale Judenchristen gemeint sind, sind wie Paulus Israeliten und Nachkommen Abrahams. Sie gehören zum Gottesvolk durch ihre Abstammung. Es scheinen wirklich Christen zu sein, keine Juden, die gegen das Evangelium in Korinth aufgetreten sind. Und doch ist Paulus mehr Christ als jene, wohl weil sie nicht das ganze Evangelium gepredigt haben oder einfach weil sie nicht mit derselben Hingabe und Opferbereitschaft verkündet haben. Und so „prahlt“ er mit seinem Leiden: Er hat mehr auf sich genommen und wurde häufiger verhaftet, bei ihm ging es wirklich um die Existenz, er wurde fünfmal gegeißelt – gemäß der damaligen Vorschrift mit 39 Hieben, für den Fall dass man sich verzählt einen weniger als 40 Hiebe. Auch mit Ruten wurde er ausgepeitscht, ganze dreimal, er überlebte sogar eine Steinigung, erlitt dreimal Schiffbruch, überlebte einen langen Aufenthalt auf dem offenen Meer. Immer wieder wurde er in die Knie gezwungen, immer wieder musste er mit dem Überleben kämpfen, doch der Herr hat ihn immer wieder gerettet. Unzählige Male war der Gefahren ausgesetzt, doch hat der Herr ihn behütet. Er hat sehr viel gelitten und alles aufgeopfert. Die vielen durchwachten Nächte, die Kälte, der Hunger, der Durst, all dies nahm er auf sich für jene, die das Evangelium annehmen würden. Die Früchte der Evangelisierung gehen gerade auf diese ganzen Leiden zurück. Wir dürfen das nicht einfach überlesen: Gott hat wunderbare Dinge mit uns vor. Er gebraucht uns als seine Werkzeuge für sein Heilswerk, doch damit die Menschen all diese Gnadenströme erhalten können, müssen wir für diese Menschen leiden. Ganz schnell sehen wir das Wirken der Heiligen, z.B. die Dinge, die auf die Fürsprache des Hl. Pater Pio geschehen sind, auch schon zu seinen Lebzeiten. Doch das immense Leid, das er dafür auf sich genommen hat, ist uns nicht immer so lebendig vor Augen. Genau dies beschreibt Paulus auch in seinem Brief. Wie viel er erst einmal durchmachen musste, damit die Menschen diese wunderbaren Früchte genießen können, das sieht der Genießer gar nicht immer. Er erklärt den Korinthern das alles nicht, um ihnen Vorwürfe zu machen, sondern um aufzuzeigen, worin der entscheidende Unterschied zwischen ihm als Missionar und den vermeintlichen Missionaren besteht, die in Wirklichkeit Irrlehrer sind.
Sie prahlen mit ihrer Stärke, er aber prahlt mit seiner Schwachheit. Sie sind hochmütig, er aber offenbart durch seine Worte seine wahre Demut. Das ist ein wichtiges Unterscheidungskriterium für die Korinther.
Wie ist es bei uns? Können wir so mutig zu unseren Schwächen stehen? Unsere Grenzen offen zugeben und daraus schlussfolgern, dass der Herr all unsere Unvollkommenheiten vervollkommnet? Und wie steht es um unsere Opferbereitschaft für das Reich Gottes? Können wir so wie Paulus unser Leben hingeben, all die Leiden mit Freude tragen und ganz bewusst für jene aufopfern, die es am meisten brauchen? Sind wir bereit, unsere Existenz in die Hände Gottes zu geben? Geht es uns zuerst um das Reich Gottes so wie Paulus?

Ps 34
2 Ich will den HERRN allezeit preisen; immer sei sein Lob in meinem Mund. 

3 Meine Seele rühme sich des HERRN; die Armen sollen es hören und sich freuen. 
4 Preist mit mir die Größe des HERRN, lasst uns gemeinsam seinen Namen erheben! 
5 Ich suchte den HERRN und er gab mir Antwort, er hat mich all meinen Ängsten entrissen. 
6 Die auf ihn blickten, werden strahlen, nie soll ihr Angesicht vor Scham erröten. 
7 Da rief ein Armer und der HERR erhörte ihn und half ihm aus all seinen Nöten.

Heute beten wir einen wunderbaren Lobpreispsalm, mit dem wir Gottes große Taten rühmen.
„Ich will preisen“ ist ein typischer Psalmenbeginn – die Selbstaufforderung zum Lob. David bekundet sein „Jawort“ gegenüber Gott durch einen andauernden Lobpreis.
Mit „meine Seele“ wird das hebräische Wort נַפְשִׁ֑י nafschi übersetzt, was eigentlich viel mehr als nur die Seele meint. Das biblische Menschenbild ist nicht geteilt, sodass man sagen kann, er hat einen Körper und eine Seele. Vielmehr ist der Mensch ein Körper und eine Seele. Das hebräische Wort ist also umfassender zu übersetzen im Sinne von „mein Leben“. Es meint die gesamte Existenz des Menschen, die sich des HERRN rühmen soll. David möchte Gott in allen Lebenslagen, mit seinem ganzen Sein preisen. Er möchte das tun, was wir Menschen in der Ewigkeit dauerhaft vornehmen werden – den Lobpreis Gottes.
„Die Armen sollen es hören und sich freuen“ – warum haben die Armen einen Grund zur Freude? Wenn ein Mensch Gott mit allem preist, was er ist und hat, dann tut er dies auch durch die gelebte Nächstenliebe. Und deshalb können die Armen aufatmen, das heißt die Randständigen, Rechtlosen, die Witwen und Waisen, die Fremden und Kranken. Hier geht es um das Doppelgebot der Liebe. Je mehr jemand in Gott lebt, desto mehr gibt er sich auch für den Nächsten hin. Diese Ganzhingabe versprechen ja die Apostel, weshalb sich auch die Armen der Christengemeinden freuen können. Besonders Paulus erklärt ja, dass er dies vornimmt und schon getan hat. Die Armut, die in Korinth herrscht, ist die Unkenntnis gegenüber Christus und seinem Evangelium. Sie können sich freuen, weil Paulus bei der Wahrheit bleibt und sie mit seinem ganzen Leben bezeugt.
Auch die Lobaufforderung in Vers 4 ist typischer Psalmenstil. Oft ist diese auch so formuliert, dass der Psalmist die ganze Schöpfung oder Bereiche der Schöpfung zum Lob auffordert.
„Ich suchte den HERRN und er gab mir Antwort“ ist, was Jesus in seiner Verkündigung aufgreift, wenn er sagt: „Wer sucht, der findet. Wer anklopft, dem wird aufgetan.“ Hier könnte man die Verbform דָּרַ֣שְׁתִּי daraschti mit „ich habe aufgesucht“ übersetzen, denn Gott antwortet dem Suchenden. Gott ist es, der auch unsere Ängste von uns nimmt. Angst ist nicht vom Hl. Geist und deshalb ist der Mut/die Tapferkeit auch eine Frucht des Hl. Geistes.
Vers 6 ist eine wunderbare Reflektion dessen, wen man eigentlich anschauen soll – nämlich Gott. Wenn man auf ihn schaut und von ihm aus dann auf die Menschen, dann ist es die richtige Haltung. Dann wird man nicht auf das Ansehen der Person achten und sich vom Strahlen des Reichen beeinflussen lassen. Denn Gottes Licht übertönt alles Andere. Es wird auch auf das eigene Gesicht zurückfallen, sodass das einzige Ansehen der Person, auf das wir bei unseren Mitmenschen achten sollen, die Reflektion des Lichtes Gottes ist. So lesen wir in Vers 7, dass Gott die Gebete eines Armen erhört und ihn aus seinen Nöten erlöst. Bei Gott gibt es kein „Nein“, nur ein „Ja“, „Anders“ oder „Später“. Er sieht, dass es Paulus, dem Fürsprecher der vielen Gemeinden im Römischen Reich, wirklich ernst ist. Weil er bereit ist, all die Strapazen und Leiden auf sich zu nehmen für die Korinther und all die anderen Christen, deshalb erhört Gott auch die Gebete jener Gemeinden. Gott sieht die Aufrichtigkeit.

Mt 6
19 Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen,
20 sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen!
21 Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.
22 Die Leuchte des Leibes ist das Auge. Wenn dein Auge gesund ist, dann wird dein ganzer Leib hell sein.
23 Wenn aber dein Auge krank ist, dann wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht in dir Finsternis ist, wie groß muss dann die Finsternis sein!

Im Evangelium hören wir wieder einen Ausschnitt aus der Bergpredigt. Diesmal geht es um die Schätze, die wir sammeln sollen. Es gibt zwei Arten von Schätzen, die wir horten können: die Schätze des irdischen Daseins und die Schätze im Himmel. Während die irdischen Schätze nicht ewig sind und uns nicht glücklich machen können, sind die Schätze des Himmelreichs ewig und wirklich beglückend. Die Schätze der Welt können uns gestohlen werden, sie können zerstört werden oder einbrechen. Wenn wir heutzutage z.B. an Finanzen denken, an Wertpapiere, an all die Güter, die von Schwankungen betroffen sind, können wir wirklich verstehen, warum sie uns nicht glücklich machen können: Ständig hat man Sorge, dass der Aktienkurs gut ist, dass es zu keiner Inflation kommt, dass wenn man viel Geld oder Schmuck und andere wertvolle Gegenstände hat, sie einem gestohlen werden können. Menschen mit viel Besitz können nachts nicht ruhig schlafen. Auch schöne Villen müssen renoviert werden, auch Burgen und Schlösser zerfallen irgendwann. Motten machen auch vor Gucci, Armani und Hugo Boss nicht Halt. Was passiert also, wenn die Menschen ihr Herz an all diese Dinge hängen und diese Dinge ihnen dann weggenommen werden oder kaputt gehen? Sie werden am Boden zerstört und alles andere als glücklich sein. Ist es das wert, vor allem mit Blick auf die Ewigkeit? Das Totenhemd hat keine Taschen, heißt es ja sprichwörtlich. Sterben müssen wir alle und können auch unseren angesammelten Schatz nicht in die Ewigkeit mitnehmen. Ja selbst der teure Sarg, den wir wählen, wird irgendwann zerfressen und zerfällt. Der am sichersten verwahrte Schatz ist der Schatz im Himmel. Es gibt keinen Safe, der besser vor Dieben geschützt ist, als der himmlische! Aber was sind die Schätze, die wir im Himmel horten können? Es geht um die Gnade, die wir uns anhäufen, die weder ein Haltbarkeitsdatum besitzt, noch einer Inflation anheimfallen kann. Sie ist wie ein Haus, das wir im Himmel bauen, Stein für Stein. Jesus sagt zu seinen Aposteln: Im Hause meine Vaters gibt es viele Wohnungen. Das bedeutet aber nicht, dass wir ins gemachte Nest kommen, nachdem wir uns in diesem irdischen Dasein zurückgelehnt haben. Wir sind zur Heiligkeit berufen!
Wenn wir unser Herz an diese überirdischen Güter hängen, werden wir weder enttäuscht, noch unglücklich. Die echte Freude kommt von Gott, denn sie ist die Frucht des Hl. Geistes.
Was meint Jesus mit den Augen als Leuchte des Leibes? Wir formulieren es auch so: Die Augen sind die Fenster zur Seele. Was durch den Sündenfall ins Herz des Menschen eingepflanzt worden ist, ist die Anfälligkeit zur Begierde. Ein wesentlicher Anteil an dem Aufflammen von Begierde sind die Augen. Was wir sehen, wollen wir haben – nicht nur im sexuellen Sinne, sondern auch gerade im habgierigen Sinne, worum es Jesus in diesem Abschnitt ja geht. Wenn in unserem Herzen also nicht die Begierde regiert, sondern die stete Sehnsucht nach der Gnade Gottes, dann wird unser Auge gesund und rein sein, wie Jesus es hier ausdrückt. Was wir anschauen, wird in uns dann nicht die Reaktion hervorrufen: Das will ich haben! Vielmehr werden wir dann immer als erstes fragen: Brauche ich das wirklich? Und vor allem: Bringt mich das näher zu Gott oder entfernt es mich von ihm? So wird der ganze Leib hell sein, das ganze Leben des Menschen wird eine gesunde Ordnung haben, die den Fokus immerzu auf das Himmelreich legt.
Wenn das Auge aber voll der Begierde auf das Leben schaut, stets mit dem Grundsatz, immer mehr haben zu wollen, dann wird der Leib finster sein, das ganze Leben nicht mehr auf die überirdischen Schätze konzentriert sein. Es gibt aber kein Jein, sondern nur ein Entweder Oder. Man kann nicht zwei Herren dienen und so entfernt sich der Mensch vom Reich Gottes. An anderer Stelle erklärt Jesus, dass die Menschen wie die Kinder sein sollen. Kinder wollen auch haben, aber sie nehmen es sich nicht gewaltsam, sondern lassen es sich von den Eltern geben. Sie halten ihre leeren Hände den Eltern hin, die sich um sie sorgen. Das ist die Haltung, mit der wir Gott begegnen sollen: Wir sollen uns alles von ihm schenken lassen, voller Gottvertrauen und ganz frei von Begierde. War es nicht schon im Garten Eden so? Die Menschen waren in vollkommener Glückseligkeit, weil sie Gottes Güte nicht einen Moment lang angezweifelt haben. Sie haben sich alles von ihm schenken lassen. Doch in dem Moment, wo sie sich selbst genommen haben, was ihnen nicht zustand, das nennt sich ja Begierde, haben sie diese Glückseligkeit zerstört.
Es ist ja auch die Haltung eines Kindes, die Paulus in der Lesung einnimmt: Er prahlt mit seiner Armut. Er macht alles von Gott abhängig und ist bereit, sehr viel zu leiden um des Himmelreiches willen. Er hat die wahren Schätze in seinem Leben erkannt und strebt deshalb nicht nach den irdischen. Licht und Helligkeit bei Jesu Worten dürfen wir moralisch betrachten als Stand der Gnade: Wenn wir voll der Begierde sind, verlieren wir den Stand der Gnade, denn wir nehmen uns in Form von Diebstahl, Ehebruch oder Verunglimpfung. Sind wir aber frei davon, hängt unser Herz an den überirdischen Schätzen, werden wir diese Sünden nicht begehen und ganz in der Gemeinschaft mit Gott sein. Letztendlich macht uns dieses Leben glücklich, denn wir sind frei vom Drang der Begierde. Diese richtet unseren Blick ja unentwegt auf das Habenwollen, das nie endet.

Meine Großmutter sagte gerne: Du sollst nicht allmeinig sein, nur in einem Fall – von der Gnade Gottes kannst du nie genug ansammeln!

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 11. Woche im Jahreskreis

2 Kor 11,1-11; Ps 111,1-2.3-4.7-8; Mt 6,7-15

2 Kor 11
1 Lasst euch doch ein wenig Unverstand von mir gefallen! Aber das tut ihr ja.

2 Denn ich werbe eifrig um euch mit dem Eifer Gottes; ich habe euch einem einzigen Mann verlobt, um euch als reine Jungfrau zu Christus zu führen.
3 Ich fürchte aber, wie die Schlange einst durch ihre Falschheit Eva täuschte, könntet auch ihr in euren Gedanken von der aufrichtigen und reinen Hingabe an Christus abkommen.
4 Ihr nehmt es ja offenbar hin, wenn irgendeiner daherkommt und einen anderen Jesus verkündet, als wir verkündet haben, wenn ihr einen anderen Geist empfangt, als ihr empfangen habt, oder ein anderes Evangelium, als ihr angenommen habt.
5 Ich denke doch, ich stehe den Überaposteln keineswegs nach.
6 Im Reden mag ich ein Stümper sein, aber nicht in der Erkenntnis; wir haben es euch in jeder Weise gezeigt.
7 Oder habe ich einen Fehler gemacht, als ich, um euch zu erhöhen, mich selbst erniedrigte und euch das Evangelium Gottes verkündete, ohne etwas dafür zu nehmen?
8 Andere Gemeinden habe ich ausgeplündert und Geld von ihnen genommen, um euch dienen zu können.
9 Aber als ich zu euch kam und in Schwierigkeiten geriet, bin ich niemandem zur Last gefallen; was ich zu wenig hatte, ergänzten die Brüder, die aus Mazedonien kamen. Ich habe also darauf Wert gelegt, euch in keiner Weise zur Last zu fallen, und werde auch weiterhin darauf Wert legen.
10 So gewiss die Wahrheit Christi in mir ist: Diesen Ruhm wird mir im Gebiet von Achaia niemand nehmen.
11 Warum? Liebe ich euch etwa nicht? Gott weiß es.

In der Lesung hören wir heute wieder einen Ausschnitt aus dem zweiten Korintherbrief. Paulus formuliert nun einige Mahnungen und kritische Worte. Grundsätzlich geht er rhetorisch immer strategisch vor und beginnt mit den positiven Aspekten, um die Korinther nicht einfach niederzumachen, sondern auch aufzubauen und ihre Herzen zu öffnen. Sie sollen bereit sein, auch die konstruktive Kritik anzunehmen.
Das tut Paulus mit selbstironischer Art, damit sie begreifen, dass er sich nicht über sie erheben möchte, sondern alle Menschen schwach sind. So nennt er seine Ausführungen „Unverstand“. Dieses Prinzip nennt sich auch „Narrenrede“.
Paulus gibt zu verstehen, dass er die Korinther als „reine Jungfrau zu Christus“ führt und sie „einem einzigen Mann verlobt“ hat. Das ist zutiefst ekklesiologisch, also auf die Kirche bezogen. Diese ist nämlich die Braut Christi, hervorgegangen aus seiner Seite so wie beim ersten Menschenpaar. Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen – auch im ekklesiologischen Sinne! Und was aus Christus hervorgeht, kann nur heilig sein. Die Kirche ist als Kollektiv reine Braut Christi, doch die Einzelmenschen werden der sehr großen Berufung oft nicht gerecht. Auch als Getaufte sündigen sie und brauchen Umkehr. Wäre dem nicht so, müsste Paulus den Korinthern nicht mehrere Briefe schreiben, ebenso den ganzen anderen Gemeinden.
Vor allem ist die Braut Christi stets Versuchungen ausgesetzt wie die erste Frau damals im Garten Eden. Paulus bemüht sich, die Korinther davor zu warnen, auf die Worte der Schlange zu hören und von der Ganzhingabe Christi abzurücken.
Paulus bezeichnet sich als „Stümper“, was seine Rhetorik anbelangt, was wir nicht bestätigen können. Er ist sehr eloquent und rhetorisch sehr begabt. Er stapelt tief und bleibt bei allem bescheiden. Das ist ein vorbildliches Verhalten, das die Herzen seiner Zuhörer öffnet.
Er zeigt den Korinthern noch einmal auf, wie er sich in der Vergangenheit benommen hat, weil sie ihm ja einen korrupten Umgang mit Geld unterstellt haben. Wir erfahren durch Paulus, dass er bei den Korinthern nichts für seine Evangelisierung genommen hat, sondern ist niemandem zur Last gefallen. Das hat er schon öfter angedeutet und wir wissen, dass er zusammen mit Priszilla und Aquila als Zeltmacher gearbeitet hat. Das sollte die Korinther eigentlich überzeugen, dass Paulus kein geldgieriger Schmarotzer ist. Auch die rhetorisch provokative Aussage „andere Gemeinden habe ich ausgeplündert und Geld von ihnen genommen, um euch dienen zu können“ ist ein Hinweis darauf, dass es Paulus ganz um die Korinther geht. Er tut alles für sie. Wir müssen natürlich verstehen, dass wir hier einen Brief vor uns haben, weshalb die Aussage der Plünderung nicht missverstanden werden darf. Er hat ja nicht wirklich andere ausgeraubt, sondern gemeint ist, dass er durch Spenden unterstützt wird, um sich ganz auf die Arbeit in Korinth konzentrieren zu können.
Paulus versucht, sich vor den Korinthern ganz transparent zu machen. So erklärt er auch, woher er die Mittel für eine Existenz in Korinth herbekam, gerade als er in Schwierigkeiten kam. So halfen ihm die Mazedonier, deren Liebesdienst, d.h. hier konkret Almosen, wir schon vor einigen Kapiteln kennengelernt haben.
Paulus scheint es wirklich unangenehm zu sein, diese ganzen Dinge schreiben zu müssen, aber es muss ein, um das Missverständnis aufzuklären. Er hat sich nichts zuschulden kommen lassen und deshalb sagt er auch, dass ihm keiner in ganz Achaia – der Provinz, in der sich auch Korinth befindet – diesen Ruhm nehmen kann. Letztendlich weiß Gott alles und vor diesem hat Paulus ein reines Gewissen.
Wie oft geht auch in unserer heutigen Zeit zwischen Christen aufgrund von Geld etwas kaputt! Sehr schnell kann es wirklich passieren, dass jemand sich vom Geld leiten lässt, in eine Form von Korruption abrutscht und das Evangelium aus den Augen verliert. Nicht umsonst sagte Jesus, dass ehre ein Kamel durch ein Nadelöhr (bzw. das „Nadelöhr“, das schmale Tor von Jerusalem) geht, als dass ein Reicher ins Himmelreich kommt.

Ps 111
1 Halleluja! Dem HERRN will ich danken mit ganzem Herzen im Kreis der Redlichen, in der Gemeinde.
2 Groß sind die Werke des HERRN, erforschenswert für alle, die sich an ihnen freuen.
3 Hoheit und Pracht ist sein Walten, seine Gerechtigkeit hat Bestand für immer.
4 Ein Gedächtnis seiner Wunder hat er gestiftet, der HERR ist gnädig und barmherzig.
7 Die Werke seiner Hände sind Treue und Recht, verlässlich sind alle seine Gebote.
8 Sie stehen fest für immer und ewig, geschaffen in Treue und Redlichkeit.

Als Antwort beten wir Psalm 111, einen Lobpreispsalm mit weisheitlichen Anteilen. Er beginnt mit dem Hallelujaruf, der genau genommen ja einen Lobpreisaufruf darstellt, wie er als Einleitung in Psalmen oft ergeht. Denn Halleluja heißt „preist Jahwe“.
„Dem HERRN will ich danken mit ganzem Herzen im Kreis der Redlichen, in der Gemeinde“ ist eine liturgische Aussage. Es handelt sich also um einen Lobpreis in der Gruppe, im Gottesdienst. Man kann sich vorstellen, dass dieser Psalm bei Wallfahrtsfesten gebetet worden ist, denn er besingt die Heilstaten Gottes. Es ist eine angemessene Antwort auf das Wirken des Apostels Paulus, der mit einer Armut im Geiste die Korinther zur Versöhnung bewegen möchte. Wir danken dem Herrn auch im Neuen Bund für seine Heilstaten in der Gruppe, nämlich in jeder Hl. Messe, die ja eucharistia, das heißt „Danksagung“ ist.
„Groß sind die Werke des HERRN“ und deshalb sind sie „erforschenswert“. Wenn man sie bedenkt, wird man sich freuen und über Gott staunen, der so gut zu den Menschen ist.
Das Entscheidende ist: Gott ist deshalb so verlässlich, weil er seine Offenbarung nicht einfach so ändert. Seine Gebote und sein Bund stehen fest „auf ewig“. Er gibt „ein Gedächtnis seiner Wunder“. Wir müssen an die gestifteten Feste denken wie das Pessachfest, das an den Auszug aus Ägypten erinnert. Die Speise, die er den Gottesfürchtigen gegeben hat, erinnert an das Manna, das vom Himmel herabkam. Die Väter in der Wüste sind so am Leben geblieben. Auch die Tauben, die er vom Himmel regnen ließ, nährten das Volk. Das betrifft das leibliche Wohl, doch auch seelisch nährte der Herr sein Volk durch die Zusagen, Heilstaten, prophetischen Worte, die er durch Mose sagen ließ. Das sind für uns Vorausbilder, die schon über sich selbst hinaus auf den verweisen, der uns so sehr nährt, dass wir das ewige Leben haben – Jesus Christus, der das wahre Himmelsbrot ist und uns zum ewigen Leben beim Vater befähigt.
Seine ewige Treue zeigt Gott auch daran, dass er den Bund für immer aufrecht erhält, den er mit den Israeliten geschlossen hat – und wir Christen dürfen auch sagen, dass Gott ebenso den neuen Bund ewig hält. Wenn es zum Bundesbruch kommt, dann aufgrund des Menschen, der ihn bricht. Gott aber bleibt treu und hält auch dann am Menschen fest, versucht ihn zur Umkehr zu bewegen und gibt ihm immer wieder eine neue Chance. Wie viel Geduld er doch mit uns hat!
Gott ist nicht nur treu, sondern seine Gebote sind absolut logisch und nachvollziehbar. Er verlangt nichts vom Menschen, das absolut überfordernd und umständlich ist. Alles, was er an Geboten für den Menschen hat, erleichtert diesem das Leben. Es würde schon der Himmel auf Erden sein, wenn alle Menschen die Zehn Gebote halten würden! Gott möchte uns mit den Geboten nicht einschränken, sondern in die Freiheit führen. Gottes Gebote sind beständig wie Gott selbst. Sie gelten nicht nur für das alte Israel, sondern Jesus bekräftigt ja deren bleibende Bedeutung. Er sagt sogar, dass nicht einmal ein Iota vom Gesetz gestrichen werden darf. Wer sind wir also heutzutage, dass wir meinen, das sechste Gebot gelte nicht mehr und wir könnten „wiederverheiratete Geschiedene“ oder jene Menschen in Unzucht welcher Art auch immer zur Kommunion zulassen?

Mt 6
7 Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen.
8 Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet.
9 So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name,
10 dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde.
11 Gib uns heute das Brot, das wir brauchen!
12 Und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben!
13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen!
14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben.
15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Heute hören wir einen Abschnitt aus der Bergpredigt, der sehr wichtig ist, aber auch schnell missverstanden werden kann. Es geht um das richtige Beten.
„Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen.“ Jesus möchte, dass Christen anders beten als Heiden. Diese mussten allein schon deshalb viele Worte machen, um die richtige Gottheit ihres komplexen Pantheons anzusprechen. Aber Jesus geht es nicht einfach um Quantität. So müssten wir bestimmte Gebete ja abschaffen, die etwas länger sind. Nicht die Quantität ist hier die Hauptkritik, sondern die Qualität. Sie sollen nicht plappern. Das griechische Wort βατταρίζω battarizo, das mit „plappern“ übersetzt wird, heißt wörtlich „eine Sache immer wiederholen, stammeln“.
Es ist also nicht gut, wenn wir so stammeln, als ob wir Gott nicht zutrauen, er würde uns bei einer einmaligen Äußerung nicht verstehen. Dahinter steckt also eine bestimmte Haltung gegenüber dem, von dem wir etwas erbitten. Wenn wir z.B. den Rosenkranz oder Litaneien beten, wiederholen wir ja auch so einiges, aber dahinter steckt nicht die Einstellung, dass Gott uns sonst nicht erhört. Beim Rosenkranz wiederholt sich das Ave Maria ja z.B. im Kontext von Betrachtungen!
In Vers 8 wird deutlich, was ich mit der Haltung meine: Wir sollen vertrauensvoll beten, also mit der Haltung, dass wir Gott alles zutrauen. Er weiß ja schon längst, was wir erbitten wollen, bevor wir zu beten beginnen. Darum geht es. Wie viele Worte es dann letztendlich sind, wird Gott nicht zählen und sich dann ab einer gewissen Überschreitung die „Ohren zuhalten“…
Dann lehrt Jesus die Jünger das Gebet, das wir bis heute vertrauensvoll beten, das Vaterunser:
Die ersten Bitten sind im Grunde Wünsche, die sich auf Gott beziehen. Erst dann kommen Bitten für sich selbst. So soll es sein. Wir sollen nicht selbstzentriert beten, sondern zuerst auf den schauen, zu dem wir beten. Wir sollen ihn preisen und ihm die Ehre geben, bevor wir irgendetwas erbitten. Wir sagen Gott zu, dass sein Name geheiligt werden soll, deshalb der Konjunktiv „werde geheiligt“. Zudem soll sein Reich kommen im Himmel und auf der Erde. Was Jesus grundgelegt hat, soll sich ausweiten, sodass das angebrochene Reich Gottes sich überall durchsetzt und offenbar wird. Gottes Wille soll überall geschehen. Im Himmel und auf der Erde, in der unsichtbaren Welt sowie in der sichtbaren Welt. Es heißt wörtlich „wie im Himmel so auch auf Erden“ und bezieht sich auf die Durchsetzung des Willens Gottes bereits in der unsichtbaren Welt. Der Satan und seine gefallenen Engel sind aus dem Himmel verbannt, sodass hier Gottes Reich schon ganz und gar durchgesetzt ist. So wie es schon im Himmel ist, so soll es auch auf der Erde sein: Der Böse und seine Heerscharen sollen besiegt und von der Erde verbannt werden. Gottes Reich und sein Wille sollen ganz und gar auf Erden herrschen.
Dann beginnt der zweite Teil des Gebetes, der nun Bitten für die Menschen beinhaltet: „Gib uns heute das Brot, das wir brauchen“ ist im Griechischen etwas anders konstruiert: Es heißt eigentlich wortwörtlich: „Gib uns unser tägliches/ausreichendes Brot heute“ im Sinne von „das Brot, das heute ausreicht.“ Das griechische Wort ἐπιούσιον epiusion drückt die Haltung aus, die schon die Väter in der Wüste gelernt haben: Gott gab jeden Tag Manna vom Himmel und nur so viel, dass es für den jeweiligen Tag reichte. So lernten die Menschen, Tag für Tag auf Gottes Vorsehung zu vertrauen. Wir bitten also von Tag zu Tag um die Güter, die wir für den jeweiligen Tag brauchen. So ist unsere Bitte frei von Habgier. Die Gabe von Manna ist zudem typologisch zum Himmelsbrot Christi zu betrachten, der von sich aus sagt: „Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. (Joh 6,49-51).“ Es geht also nicht mehr nur um das tägliche Brot zur Nährung des Leibes! Wir bitten also mit dieser Vaterunserbitte auch gerade um die tägliche Eucharistie! Sie nährt unsere Seele, auf dass auch wir nicht sterben werden, sondern das ewige Leben haben!
Gott soll uns ferner unsere Schuld vergeben, wie auch wir unseren Schuldigern vergeben. Im Griechischen steht dort ὡς καὶ hos kai, das bedeutet also wirklich „so wie auch“. Gott soll uns in dem Maß vergeben, wie wir unseren Mitmenschen vergeben. Wenn wir möchten, dass Gott uns vergibt, können wir also nicht gleichzeitig im unversöhnten Zustand mit unseren Mitmenschen sein. Wir setzen also die Bedingung, ob Gott uns vergibt, weil durch unser freiwillig verhärtetes Herz die vergebende Gnade nicht hineinkommt. Jesus sagt, wir sollen unsere Feinde lieben und für jene beten, die uns hassen. Das heißt aber nicht, dass wenn wir ihnen vergeben, wir ihre Taten gutheißen. Wir sagen uns nur von dem Zorn und den Rachegefühlen, dem Gift dieser schlechten Beziehung los. Wir überlassen Gott das Richten und sind plötzlich frei. Wir hängen nicht mehr an diesen schlechten Gefühlen, die uns von innen komplett vergiften. Es entlastet uns, wenn wir nicht selbst für Gerechtigkeit sorgen müssen, wo uns Unrecht geschehen ist. Wir überlassen es dem einzig kompetenten Richter Gott. Ich habe selbst viele Menschen kennengelernt, die aufgrund von unversöhntem Zustand viele Jahrzehnte gelitten haben, die so verbittert wurden, dass sie auch körperlich schwer zu leiden hatten. Als sie endlich dieses Gift der Unversöhntheit losgelassen haben, wurden sie endlich frei, glücklich und sogar körperlich geheilt. Was ihnen angetan worden ist, ist nicht einfach verschwunden, aber sie haben das Richten Gott überlassen. Und ich versichere Ihnen: Gott wird auch aktiv. Wie viele Missetäter, denen ich von Herzen vergeben und deren Untat ich einfach Gott überlassen habe, haben ihre Lektion von ihm bekommen – auf eine Art und Weise, die ich ihnen nie gewünscht hätte….Gott regelt das schon. Wir sind zu kostbar, als dass wir an den Rachegefühlen unser Leben zerstören lassen!
„Führe uns nicht in Versuchung“ heißt nicht, dass Gott selbst uns in Versuchung führt. Der Versucher ist immer nur der Böse. Gott ist nur gut. Gott kann uns aber erproben und das ist das Missverständliche an der Doppeldeutigkeit des griechischen Begriffs πειρασμός peirasmos: Es kann Versuchung (zur Sünde) meinen, aber eben auch Probe, Prüfung. Dabei bitten wir nicht darum, dass Gott uns nicht erproben soll, sondern dass wir dabei vor Verzweiflung bewahrt werden. Wir lesen diese Bitte auch gemeinsam mit der nächsten: „sondern rette uns vor dem Bösen“. Dieser ist der Versucher. Gott greift nicht ein, wenn der Böse uns versucht. Er ist aber mit uns, wenn wir versucht werden. Die Versuchung kann aber zur Erprobung des Glaubens beitragen und so bitten wir mit dieser Bitte um das Bestehen der Prüfung, indem wir beten: „erlöse uns von dem Bösen“. Der Teufel soll nicht über den Menschen siegen und der Mensch soll die Prüfung bestehen mithilfe des Beistands Gottes. Deshalb ermutigt Jesus uns auch dazu, zu beten, damit wir nicht in Versuchung geraten.
Jesus betont noch einmal, wie wichtig die Vergebung ist. Wenn wir einander nicht von Herzen vergeben, wird er uns nicht vergeben. Das liegt nicht an seiner mangelnden Kompetenz oder Vergebungsbereitschaft Gottes, sondern daran, dass der Mensch sich der Vergebung selbst verschließt. Wenn es uns schwerfällt, müssen wir bedenken, dass Vergebung eine übernatürliche Liebe erfordert, die über unsere begrenzte menschliche Liebe hinausgeht. Wir müssen um die göttliche Liebe, um die Agape bitten, damit Gott uns die Kraft zur Vergebung schenkt. Und wenn unsere Gefühle sich absolut dagegen sträuben – zunächst muss die Entscheidung fallen. Emotionen hinken immer hinterher. Hauptsache der Willensakt des Vergebens ist getan. Der Rest wird mit der Zeit auch geschehen.

Heute hören wir viel von Gottes Geboten, von Armut im Geiste und vertrauensvollem Gebet. Es gibt immer viele Baustellen. Bitten wir Gott um seine Gnade, auf dass wir seinen Willen tun können und jeden Tag mehr in Heiligkeit wachsen!

Ihre Magstrauss

Mittwoch der 11. Woche im Jahreskreis

2 Kor 9,6-11; Ps 112,1-2.3-4.5 u. 9; Mt 6,1-6.16-18

2 Kor 9
6 Denkt daran: Wer kärglich sät, wird auch kärglich ernten; wer mit Segen sät, wird mit Segen ernten.

7 Jeder gebe, wie er es sich in seinem Herzen vorgenommen hat, nicht verdrossen und nicht unter Zwang; denn Gott liebt einen fröhlichen Geber.
8 In seiner Macht kann Gott alle Gaben über euch ausschütten, sodass euch allezeit in allem alles Nötige ausreichend zur Verfügung steht und ihr noch genug habt, um allen Gutes zu tun,
9 wie es in der Schrift heißt: Er teilte aus, er gab den Armen; seine Gerechtigkeit hat Bestand für immer.
10 Gott, der Samen gibt für die Aussaat und Brot zur Nahrung, wird auch euch das Saatgut geben und die Saat aufgehen lassen; er wird die Früchte eurer Gerechtigkeit wachsen lassen.
11 In allem werdet ihr reich genug sein zu jeder selbstlosen Güte; sie wird durch uns Dank an Gott hervorrufen.

Im heutigen Abschnitt aus dem zweiten Korintherbrief geht es weiterhin um das Thema Almosen geben. Heute erklärt Paulus, welchen Segen wir empfangen, wenn wir uns auf diese Weise am Liebeswerk beteiligen. Das gilt natürlich nicht nur für das Almosen geben, sondern für jede Form von Liebestat, aber das ist ja der Kern des Konflikts in Korinth, weshalb der Fokus auf dieser Form liegt.
Paulus erklärt: „Wer kärglich sät, wir auch kärglich ernten; wer mit Segen sät, wird mit Segen ernten.“ Er meint damit, dass Gott nicht einfach darauf schaut, wie viel man gibt, sondern mit welcher Intention und Bereitschaft, mit welcher Einstellung und Freiheit. Dies wird auch deutlich, wenn wir den nächsten Vers betrachten, in dem er sich selbst erläutert. Man soll so viel spenden, wie man sich selbst vorgenommen hat und wie viel es für einen in Ordnung ist. Wenn man zwar einen großen Betrag gibt, dieser aber im Grunde widerwillig gespendet wird, liegt kein Segen darauf. Es soll von Herzen kommen, sonst handelt es sich einfach um eine äußerliche Tat ohne innere Überzeugung. Jesus erklärt uns in der Bergpredigt ja immer wieder davon, dass wir alles mit aufrichtigem Herzen tun sollen, nicht einfach als Äußerlichkeit, die von Außenstehenden beklatscht wird. Also ist es in so einer Situation besser, weniger zu geben, aber von Herzen.
„Gott liebt einen fröhlichen Geber“, heißt es bei Paulus. Das beste Beispiel für eine solche Einstellung ist die Witwe, von der wir neulich im Evangelium gehört haben. Sie gibt von Herzen ihren gesamten Lebensunterhalt, der aus ein paar kleinen Münzen besteht. Sie vertraut ganz auf Gottes Vorsehung, dass wenn sie von Herzen alles verschenkt, sie vom Herrn alles und noch viel mehr zurückerhalten wird. Genau das ist diese anzustrebende Haltung, die Paulus hier thematisiert. Gott kann und will uns überreich beschenken, aber Gnade und Segen kommen nach, je mehr wir davon geben. Es ist das Prinzip, das Jesus seinen Aposteln beigebracht hat: Umsonst ist euch gegeben, umsonst sollt ihr geben. Wir sollen vor der Ganzhingabe nicht zurückschrecken, denn wir verlieren nichts dabei. Vielmehr gibt Gott uns, je mehr wir uns verschenken. Deshalb soll es uns auch zuerst um das Reich Gottes gehen. Gott sorgt für alles andere. Also: Je mehr wir den anderen Menschen geben, desto mehr Gnade und Segen empfangen wir. Dieser drückt sich aus in allen irdischen und überirdischen Gütern, die wir empfangen. Und wenn Gott gibt, dann immer im Übermaß – jedoch nicht damit wir gemästet werden, sondern damit wir anderen davon abgeben.
Sehr bemerkenswert ist auch, dass Gott uns oft den Samen gibt, wir jedoch dafür zuständig sind, ihn anzubauen. Konkret in diesem Fall heißt das, dass er uns die Mittel gibt, anderen zu helfen – Reichtum, Zeit, Kraft, jegliche Ressourcen. Es liegt also an uns, dies verantwortungsvoll zu verwalten, geleitet von unserer Gerechtigkeit. Je nachdem, was wir daraus machen, werden die Früchte also zunehmen und Gott uns noch mehr Segen schenken oder nicht. Unsere Gerechtigkeit wird bekannt werden – nicht weil wir überall herumposaunen, wie viel wir spenden und wie vorbildlich wir sind, sondern weil die Wahrheit immer ans Licht kommt bzw. bei Gott sowieso alles bekannt ist.
Je mehr wir geben, desto mehr bekommen wir.
Diese Erfahrung gilt bis heute und ich selbst habe es selbst unzählige Male erfahren: Je mehr und je bereitwilliger ich etwas gespendet habe – nicht nur Geld, sondern auch Zeit, Kraft, Kreativität, Geduld etc. desto mehr hat mir der Herr zurückgegeben, ja sogar mehrfach zurückgezahlt. Je mehr wir aber ängstlich an unserem Besitz hängen und sagen: „Ich brauche jeden Cent selbst.“ Oder: „Das habe ich mit meinem eigenen Schweiß und Blut verdient, das gehört nur mir allein“, desto weniger bekommen wir vom Herrn. Ich habe sogar erlebt, wie Menschen in meinem Umfeld dadurch ihr Geld verloren haben – denn sie haben aus den Augen verloren, wie sie an ihr Geld gekommen sind. Gewiss arbeitet man selbst für sein Geld, aber wer hat ihnen die Gesundheit geschenkt, die Ausbildung, den Arbeitsplatz? Das ist doch alles nicht selbstverständlich, sondern Gnade Gottes!
Denken wir heute darüber nach, wie unser Umgang mit allen Gütern ist, die wir letztendlich von Gott empfangen haben. Sie sind uns geschenkt, damit wir gerecht mit ihnen hantieren.

Ps 112
1 Halleluja! Selig der Mann, der den HERRN fürchtet und sich herzlich freut an seinen Geboten.
2 Seine Nachkommen werden mächtig im Land, das Geschlecht der Redlichen wird gesegnet.
3 Wohlstand und Reichtum füllen sein Haus, seine Gerechtigkeit hat Bestand für immer.
4 Im Finstern erstrahlt er als Licht den Redlichen: Gnädig und barmherzig ist der Gerechte.
5 Glücklich ein Mann, der gnädig ist und leiht ohne Zinsen, der nach dem Recht das Seine ordnet.
9 Reichlich gibt er den Armen, seine Gerechtigkeit hat Bestand für immer, seine Macht steht hoch in Ehren.

Heute beten wir einen Makarismus, eine Seligpreisung des Gottesfürchtigen im Psalm.
Selig zu preisen ist jener, der gottesfürchtig ist und an Gottes Geboten Gefallen hat. Im Hebräischen steht dort wörtlich „und die Gebote sehr wünscht“. Das Wünschen steht hier im Partizip und betont die anhaltende Sehnsucht nach Gottes Geboten, also ein Leben lang.
Wer so eingestellt ist, hat Segen von Gott. Dies wird anhand der typischen Segensindizien ausgedrückt: zahlreiche Nachkommen (Vers 2), Wohlstand und Reichtum (Vers 3), bestehende Gerechtigkeit (Vers 3). Auch hier hören wir also davon, dass an Gottes Segen alles gelegen ist – auch im finanziellen Sinne.
Für die Gerechten, also für die anderen Gottesfürchtigen, strahlt so ein Mensch als Licht in der Finsternis, denn es ist ein Hoffnungsschimmer in der dunklen Nacht. Die anderen realisieren, dass sie mit ihrer Nachfolge Gottes nicht allein sind (das ist, was hier mit „Redlichen“ gemeint ist). Ein gemeinschaftlich erlebter Glaube hat es viel einfacher als ein einsam gelebter Glaube.
Der nächste Satz ist nicht widersprüchlich, sondern beschreibt, wie auch Gott vom Wesen her ist: „Gnädig und barmherzig ist der Gerechte.“ Der Mensch muss so sein, weil er Abbild Gottes ist, der zugleich der Gerechte und der Barmherzige ist. Es handelt sich um zwei Seiten derselben Medaille. Der Hl. Thomas von Aquin brachte es auf den Punkt, als er formulierte: „Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit ist Grausamkeit; Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit ist die Mutter der Auflösung.“ Beides muss gegeben sein, sonst schafft man sich selbst ab und entfernt sich von Gott. Dieser ist beides und so muss es auch der Mensch als sein Abbild sein. Beides im finanziellen Kontext hören wir in dem Gleichnis Jesu, in dem es um die Arbeiter im Weinberg geht. Das Entscheidende ist in dieser Erzählung die Barmherzigkeit, mit der der Besitzer des Weinbergs denselben Lohn auch den letzten Arbeitern gibt.
Hier im Psalm zeigt sich Barmherzigkeit konkret z.B. an dem Verleih ohne Zinsen (Vers 5). So zu sein macht glücklich, weil man dann der Habgier nicht so schnell verfällt, die einen beherrschen und einschränken kann. Vor Gott ist so ein Mensch gut (dort steht טֹֽוב tov, „gut“), also gerecht.
Der Psalm ist ein Zeugnis dafür, wie jemand gottesfürchtig ist – nicht nur durch „Herr, Herr“-Bekenntnis, sondern gerade auch durch barmherziges Handeln.
Den Armen reichlich zu geben, ist ein Zeichen von Gerechtigkeit, die belohnt wird mit Gottes reichem Segen. Dieser drückt sich aus in immerwährendem Bestand. Dies ist eine Umschreibung für Nachkommen, durch die der eigene Name oder das eigene Blut weiterhin fortbestehen wird. Auch die Macht, die hoch in Ehren steht, ist Ausdruck des Segens Gottes.

Mt 6
1 Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zu tun, um von ihnen gesehen zu werden; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten.
2 Wenn du Almosen gibst, posaune es nicht vor dir her, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden! Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
3 Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut,
4 damit dein Almosen im Verborgenen bleibt; und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.
5 Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler! Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
6 Du aber, wenn du betest, geh in deine Kammer, schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist! Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.
16 Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler! Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
17 Du aber, wenn du fastest, salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht,
18 damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

Im heutigen Evangelium hören wir einen Ausschnitt aus der Bergpredigt, in der Jesus erklärt, wie man fasten, beten und Almosen geben soll – mit dem offenen Herzen und nicht mit der Offensichtlichkeit gegenüber anderen Menschen. Es geht auch hier um die rechte Absicht. Viel zu fasten und zu beten ist nicht alles. Es muss auch mit der richtigen Herzenshaltung geschehen, denn Gott entgeht nichts.
Zunächst geht es um gute Taten wie das Spenden von Geld. Wenn man wohltätig ist, muss man sich selbst hinterfragen, warum man das eigentlich tut. Jesus sagt, die linke Hand soll nicht wissen, was die rechte tut. Hände können nichts wissen. Das ist ein Bild dafür, dass man in Stille spenden soll, ohne es vor den anderen herumzuposaunen. Das heißt wiederum nicht, dass man es unter allen Umständen geheimhalten soll und sobald es jemand mitbekommen hat, die gesamte Gnade verloren ist! Es geht um die Absicht – spende ich um des Empfängers willen oder damit andere mich loben? Es gibt Formen von Wohltätigkeit, die man nicht geheimhalten kann. Erhält man von Gott deshalb keine Gnade mehr? Wie gesagt, so ist es nicht gemeint.
Das Entscheidende ist nämlich – Gott sieht das Verborgene. Er sieht unser Herz und danach wird er uns beurteilen.
Auch beim Beten soll man sich auf den konzentrieren, mit dem man beim Beten spricht. Wer schon darauf achtet, dass er dabei gesehen wird, der kommuniziert beim Beten schon gar nicht mehr mit Gott. Mit dem Herzen ist er schon gar nicht dabei.
Man soll „in die Kammer“ gehen beim Beten, wo man ganz allein mit Gott ist. Die Kammer ist auch über den Wortsinn hinaus auf die Kammer des Herzens zu beziehen, denn was Jesus sagt, bedeutet nicht, dass man nicht mehr in der Öffentlichkeit beten darf. Auch hier spitzt Jesus etwas bewusst zu und benutzt Bilder, um den Menschen seinen Punkt zu verdeutlichen: Es kommt auf die Absicht an, warum man sich ausgerechnet in die Straßenecken stellt, an menschenvolle Orte geht. Manchmal geht es nicht anders und man betet vor allen Leuten, dass alle es sehen! Und ist das jetzt verwerflich und ein Verlust jeglicher Gnade? Im Gegenteil: Wer in der Öffentlichkeit vor dem Essen ein Kreuzzeichen macht, tut es aus Treue zu Gott, nicht um von irgendwem gelobt zu werden. Und zur Zeit Jesu gab es auch schon Situationen, in denen die Menschen nicht anders konnten, als öffentlich zu beten – Jesus selbst hatte selten eine Kammer, in die er sich zurückziehen konnte. Er suchte dann einen Berg oder eine andere verlassene Gegend auf, aber mitten in der Stadt Jerusalem war das natürlich nicht möglich…Wenn man sich in die Kammer des Herzens zurückzieht, achtet man gar nicht auf die Menschen um einen herum. Wenn man in der Kammer des Herzens durch und durch mit Gott verbunden ist, dann bleibt man unberührt von Lob und Tadel zugleich – nicht im Sinne einer Gleichgültigkeit, sondern einer Unabhängigkeit gegenüber der Meinung anderer.
Und dann geht es um das Fasten. Man soll sich selbst kein „trübseliges Aussehen“ geben, es also offensichtlich machen, dass man fastet.
Jesus sagt sogar, man soll das Haupt salben und das Gesicht waschen, damit es keiner merkt. Auch hier geht es nicht um die eigentliche äußere Tat, denn man sieht einem das Fasten unterschiedlich stark an (liegt am Menschen). Wenn es dann jemand merkt, weil man selbst blass ist oder sonstige Anzeichen zeigt, dann ist nicht die ganze Gnade verschwunden. Für das Salben des Haars und das Waschen des Gesichtes sind allerlei Pflegeroutinen einzufügen, die wir so ausüben. Das heißt aber nicht, dass Jesus wirklich will, dass wir uns während des Fastens immer dick schminken und auftakeln, damit ja keiner auf die Idee kommt, wir üben uns zurzeit in Askese. Das ist nicht der Punkt, sondern es geht wieder um die Absicht. Faste ich nicht aus Liebe zu Gott? Warum sollte ich mich dann extra ungepflegt unter die Menschen begeben, damit es für sie offensichtlich ist und sie mich dann loben? Es geht auch hier darum, dass es eine Sache zwischen mir/meinem Herzen und Gott ist. Ob ich gepflegt oder ungepflegt aussehe, ist dabei Nebensache. Was Jesus mit diesen zugespitzten Worten erreichen möchte, ist der Aufruf zu einem aufrichtigen Leben vor Gott und einer Besserung der Beziehung zu ihm. Darum soll es gehen. Dabei soll man nicht nach links oder rechts schauen. Es geht um einen selbst vor Gott. Was interessiert einen dann der Spendenbetrag des Nachbarn? Ich pflege doch meine Beziehung zu Gott, indem ich mit ihm spreche. Was interessiert mich dann, wer mich beim Beten sieht oder nicht? Es geht doch um eine Sensibilisierung für Gott und um einen Hunger nach ihm durch das Fasten. Was interessiert uns dann, ob jemand mein Fasten sieht oder nicht? Wir sollen also nicht extra gepflegt herumlaufen, uns vor dem Beten immer Zuhause einschließen oder die Geheimhaltung unserer Spende immer mit dem eigenen Leben beschützen. Es geht um die Haltung bei allem, was wir tun. Und das Stichwort ist dabei die Demut. Fragen wir uns auch heute immer wieder, was unsere Haltung bei allem ist. Wenn wir auch in diesem Bereich immer wieder umkehren, schenkt uns Gott einen Neuanfang und Ströme der Gnade.

Ihre Magstrauss

Dienstag der 11. Woche im Jahreskreis

2 Kor 8,1-9; Ps 146,1-3.5-6.7-8.9; Mt 5,43-48

2 Kor 8
1 Wir berichten euch jetzt, Brüder und Schwestern, von der Gnade, die Gott den Gemeinden Mazedoniens erwiesen hat.

2 Während sie durch große Not geprüft wurden, verwandelten sich ihre übergroße Freude und ihre tiefe Armut in den Reichtum ihrer selbstlosen Güte.
3 Ich bezeuge, dass sie nach Kräften und sogar über ihre Kräfte spendeten, ganz von sich aus.
4 Sie haben uns eindringlich um die Teilnahme an diesem Liebeswerk und die Gemeinschaft des Dienstes für die Heiligen gebeten.
5 Und über unsere Erwartung hinaus haben sie sich eingesetzt, zunächst für den Herrn, aber auch für uns, wie es Gottes Wille war.
6 Daraufhin ermutigten wir Titus, dieses Liebeswerk, das er früher bei euch begonnen hatte, nun auch zu vollenden.
7 Wie ihr aber an allem reich seid, an Glauben, Rede und Erkenntnis, an jedem Eifer und an der Liebe, die wir in euch begründet haben, so sollt ihr euch auch an diesem Liebeswerk mit reichlichen Spenden beteiligen.
8 Ich meine das nicht als strenge Weisung, aber ich gebe euch Gelegenheit, angesichts des Eifers anderer auch eure Liebe als echt zu erweisen.
9 Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: Er, der reich war, wurde euretwegen arm, um euch durch seine Armut reich zu machen.

In den letzten Tagen haben wir immer wieder einen Ausschnitt aus dem zweiten Korintherbrief gehört, in dem es um den Dienst der Apostel geht. Gerade die letzten Lesungen sind einem großen Kapitel entnommen, in dem Paulus Mahnungen ausspricht.
Heute berichtet Paulus den Korinthern von seiner Mission in Mazedonien. Dort wurde die Gemeinde sehr leidgeprüft, doch dies hat sie konstruktiv genutzt, anstatt zu verbittern. Vielmehr haben die Mazedonier das Leiden dem Herrn dargebracht und dadurch die Gnade einer großen Freude empfangen. Auch wenn sie äußerlich viel durchmachten, haben sie innerlich eine große Stärkung erlangt. Sie haben umgesetzt, was Paulus auch über den Dienst der Apostel geschrieben hat: Zwar machen diese viel durch, gerade um des Himmelreiches willen, doch sie wissen, wofür sie das alles erleiden. Sie werden gestärkt, sind voll des Hl. Geistes, der ihnen eine große Freude schenkt. Paulus beschreibt ja nicht nur seine Berufung, sondern wirbt für sie. Er möchte zudem zeigen, dass alle Getauften zu einem solchen Leben in Ganzhingabe berufen sind. Das ist der Weg der Heiligkeit – ein Weg des Kreuzes.
Diese Ganzhingabe zeigte sich bei den Mazedoniern durch die vollkommene Investition ihrer Kräfte in das Reich Gottes im Vertrauen, dass Gott damit etwas tun würde. Sie taten es aus freien Stücken, gedrängt von der Liebe Gottes wie Paulus selbst davon getrieben das Evangelium verkündet. Sie haben sogar darum gebeten, an diesem Liebeswerk teilhaben zu dürfen.
Was sie konkret getan haben, überstieg die Erwartungen des Paulus. Das heißt, dass ihre Hingabe und Opferbereitschaft besonders groß ist. Sie haben sich nicht nur für Gott eingesetzt, sondern auch für die Missionare. Wir erfahren auch davon, dass Pauli Mitarbeiter Titus in Mazedonien eine besondere Rolle gespielt hat. Dieser ist es übrigens auch, der bei der Beilegung des Streits in Korinth mithilft. Dass das Liebeswerk, von dem hier geschrieben wird, auch etwas mit finanzieller Unterstützung zu tun hat, erfahren wir in Vers 7. Dort wendet Paulus die Bereitschaft der Mazedonier nun in einen Spendenaufruf an die Korinther. Er möchte sie nicht zwingen, sondern dazu einladen, dass auch sie ihre Aufrichtigkeit und Bereitschaft zur Beteiligung an der Evangelisierung zeigen.
Paulus hat alles ja nicht deshalb so ausführlich erklärt, um sich selbst zu rühmen, sondern um ihnen aufzuzeigen, dass die Missionare aufs Ganze gehen, selbst aber nichts haben. Sie sind ganz auf die Unterstützung der Christen angewiesen, dass die Evangelisierung auch in Zukunft weitergeht. Zum Schluss bezieht er sein Anliegen auch auf Christus, der selbst ja alle reich gemacht hat als persönlich ganz Armer.

Ps 146
1 Halleluja! Lobe den HERRN, meine Seele!

2 Ich will den HERRN loben in meinem Leben, meinem Gott singen und spielen, solange ich da bin.
3 Vertraut nicht auf Fürsten, nicht auf den Menschen, durch den es keine Rettung gibt!
5 Selig, wer den Gott Jakobs als Hilfe hat, wer seine Hoffnung auf den HERRN, seinen Gott, setzt.
6 Er ist es, der Himmel und Erde erschafft, das Meer und alles, was in ihm ist. Er hält die Treue auf ewig.
7 Recht schafft er den Unterdrückten, Brot gibt er den Hungernden, der HERR befreit die Gefangenen.
8 Der HERR öffnet die Augen der Blinden, der HERR richtet auf die Gebeugten, der HERR liebt die Gerechten.
9 Der HERR beschützt die Fremden, er hilft auf den Waisen und Witwen, doch den Weg der Frevler krümmt er.

Mit Psalm 146 beginnt im Psalter das kleine Hallel bzw. das Schluss-Hallel. Es handelt sich dabei um eine Gruppe von Psalmen, die einen lobpreisenden Abschluss des ganzen Buches darstellen. Sie sind durchzogen vom Hallelujaruf, was uns auch hier in Ps 146 auffällt. So beginnt der Psalm mit dem Preisausruf „Halleluja!“ und der Aufforderung der eigenen Seele zum Lobpreis Gottes ganz im Psalmenstil.
„Ich will den HERRN loben in meinem Leben“ ist gleichsam ein Gelübde und Versprechen, Gott das ganze Leben hindurch zu loben, ihm zu singen und zu spielen. Das ist ein Leben in eschatologischer Gesinnung, denn dieser stete Lobpreis ist ja, was der Mensch im Himmelreich ewig tun wird. Dies möchte der Psalmenbeter bereits in diesem irdischen Dasein tun.
„Vertraut nicht auf Fürsten, nicht auf den Menschen, durch den es keine Rettung gibt!“ Gott ist der Fels, auf dem wir unser Haus bauen dürfen, damit es den Stürmen des Lebens standhält. Jesus greift nicht umsonst dieses Gleichnis auf, wenn er vom Hören auf das Wort Gottes spricht. Wenn man dagegen auf Menschen die ganze Hoffnung setzt, wird man früher oder später enttäuscht werden. Menschen sind nicht perfekt und so kann man von ihnen nichts erwarten, was nur Gott erfüllen kann. Auf Fürsten zu vertrauen, bedeutet also, auf Sand zu bauen. Sobald ein Sturm oder Regenguss kommt, bricht das Haus in sich zusammen.
Besser ist es, nicht auf politische Figuren zu setzen, sondern auf „den Gott Jakobs“. Er ist die Hilfe, weil er der Schöpfer des Himmels und der Erde ist, er hat alles gemacht und kennt seine Schöpfung bis in den letzten und hintersten Winkel. Er ist vor allem ewig und hält seine Versprechen. Gott ist treu und so wird man von ihm nicht enttäuscht. Er ist die wahre Zuflucht, denn er steht über politischen Verhältnissen, über den Menschen, über den Mächtigsten der Welt. Und er ist König, der wahre Herrscher. Seine Treue und Gerechtigkeit beweist er durch konkrete Taten. Er sättigt die Hungernden und sorgt für Gerechtigkeit bei denen, die durch das Raster des Gesetzes fallen und rechtlos sind. Gott ist der wahre Befreier, nicht nur aus dem Sklavenhaus Ägyptens, sondern aus jeder Gefangenschaft. Was wir hier beten, ist nicht nur wörtlich, sondern auch im weiteren Sinne zu verstehen: Gott sättigt nicht nur die körperlich Hungrigen, sondern er nährt uns mit der himmlischen Speise, der Eucharistie! Sie ist unsere Wegzehrung unterwegs in die Ewigkeit. Gott befreit nicht nur aus der wörtlich zu verstehenden politischen Gefangenschaft, sondern auch aus der Sklaverei der Sünde. Gerade an Jesu Sündenvergebung und Exorzismen in den Evangelien erkennen wir Gottes Befreiungsschlag an den Menschen.
Und in den Evangelien wird auch wahr, was im nächsten Volk an konkreten Heilstaten Gottes aufgezählt wird: Er öffnet die Augen der Blinden, sogar der physisch Blinden! Doch er schenkt auch immer wieder Erkenntnis wo die Menschen auf innere Weise blind sind. Christus heilt auch die Gebeugten – es gibt sogar eine Episode, da heilt er eine Frau, die einen ganz verbogenen Rücken hat! Er heilt aber nicht nur die körperlich Gebeugten, sondern richtet jene auf, die unter ihrer Last zerbrechen. Er schenkt Erquickung, wie er es auch versprochen hat mit seinen Worten: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Ich werde euch erquicken!“ Gott ist ein barmherziger Gott, der jedes Unrecht sieht und reagiert. Er fängt jene auf, die am meisten vernachlässigt werden – die Fremden, Witwen und Waisen. In unserer heutigen Zeit sind es vielleicht andere bzw. noch weitere Personengruppen, doch Gottes offenes Herz für uns ist dasselbe wie damals.

Mt 5
43 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. 

44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, 
45 damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. 
46 Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? 
47 Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? 
48 Seid also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist!

Heute hören wir3 wieder einen Abschnitt aus der Bergpredigt.
Was Jesus heute erklärt, greift das mosaische Gesetz und die Nächstenliebe aus Levitikus auf: Wir sollen unsere Feinde lieben und für jene beten, die uns hassen. Es ist nicht nur so, dass wir unseren Nächsten lieben sollen, wie uns selbst und damit ist nicht mehr nur der Israelit gemeint. Es betrifft jetzt alle Menschen, egal welcher Nationalität oder Religiosität. Es ist sogar noch so – egal ob gutgesinnt oder feindlich.
Jeden Menschen zu lieben, ist Ausdruck für Barmherzigkeit (Gott „lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten“).
Den zurückzulieben, der mich auch liebt, ist keine große Leistung. Das ist, was alle tun. Dann ist es aber noch keine Liebe, sondern eine Win-Win-Situation. Die Liebe als Gabe Gottes, die Agape, ist dagegen dann wirksam, wenn man gehasst wird, wenn es schwierig wird, wenn man liebt, obwohl man keine Gegenliebe erwarten kann.
Wer gibt, weil er weiß, dass ihm zurückgegeben wird, hat seinen Lohn schon bekommen. Er braucht vom Vater im Himmel nichts mehr erwarten.
Bis heute gilt die Aufforderung, zu lieben, wo es einem gegen den eigenen Strich geht, gegen das eigene Ego. Jesus selbst hat all dies durchlebt, auch den Spott jener, denen er diese große Liebe am meisten erweist – jenen, die der Barmherzigkeit am meisten bedürfen. Wie sehr muss es ihm geschmerzt haben, dass eben jene gar nicht begriffen, was an ihnen geschah! Und jene, die doch ein bisschen Wärme in ihren Herzen haben, werden von dieser entlarvenden Liebe berührt, damals und heute. Gott ist barmherzig und wir sollen durch unsere Hingabe und Vergebungsbereitschaft zu den verlängerten Armen der göttlichen Barmherzigkeit werden. Unser Lohn im Himmel wird groß sein, denn so wie der Vater den Sohn über alle anderen erhöht hat (Phil 2), so wird er auch uns erhöhen. Was ist im Gegensatz zur ewigen Erhöhung durch Gott der vorübergehende Spott derer, die voll der weltlichen Weisheit sind?

Heute geht es sehr intensiv um die konkrete Ausfaltung von Liebe, speziell der Nächstenliebe. In Korinth muss Paulus die Christen davon überzeugen, dass er ganz auf ihre finanzielle Unterstützung angewiesen ist, die ein Liebesakt ist. Er muss ihnen beweisen, dass er mit seinem ganzen Leben die Liebe Gottes konkret umzusetzen versucht und die Kollekte somit ganz ehrlich und aufrichtig weitergegeben wird. Jesus hat bereits in der Bergpredigt erklärt, dass wir den Nächsten lieben sollen wie uns selbst und die Liebe bis ins Letzte leben sollen. Lieben, bis es wehtut, den Feind lieben, Liebe ohne Gegenliebe. Bereits gestern erklärte ich, dass gelebte Liebe einer Kreuzigung gleichkommt. Sind wir bereit, diesen Weg zu gehen? Die Mazedonier schaffen es, die Korinther werden noch überzeugt, etliche Heilige beweisen uns, dass es mit der Kraft des Hl. Geistes möglich ist.

Ihre Magstrauss

Montag der 11. Woche im Jahreskreis

2 Kor 6,1-10; Ps 98,1.2-3b.3c-4; Mt 5,38-42

2 Kor 6
1 Als Mitarbeiter Gottes ermahnen wir euch, dass ihr seine Gnade nicht vergebens empfangt.

2 Denn es heißt: Zur Zeit der Gnade habe ich dich erhört, am Tag der Rettung habe ich dir geholfen. Siehe, jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade; siehe, jetzt ist er da, der Tag der Rettung.
3 Niemandem geben wir auch nur den geringsten Anstoß, damit unser Dienst nicht verhöhnt werden kann.
4 In allem empfehlen wir uns als Gottes Diener: durch große Standhaftigkeit, in Bedrängnis, in Not, in Angst,
5 unter Schlägen, in Gefängnissen, in Zeiten der Unruhe, unter der Last der Arbeit, in durchwachten Nächten, durch Fasten,
6 durch lautere Gesinnung, durch Erkenntnis, durch Langmut, durch Güte, durch den Heiligen Geist, durch ungeheuchelte Liebe,
7 durch das Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, mit den Waffen der Gerechtigkeit in der Rechten und in der Linken,
8 bei Ehrung und Schmähung, bei übler Nachrede und bei Lob. Wir gelten als Betrüger und sind doch wahrhaftig;
9 wir werden verkannt und doch anerkannt; wir sind wie Sterbende und siehe, wir leben; wir werden gezüchtigt und doch nicht getötet;
10 uns wird Leid zugefügt und doch sind wir jederzeit fröhlich; wir sind arm und machen doch viele reich; wir haben nichts und haben doch alles.

Im heutigen Abschnitt aus dem zweiten Korintherbrief mahnt Paulus die Korinther dazu an, die bis dahin ausführlich beschriebenen Bemühungen, Opfer und Leiden der Missionare und Apostel nicht umsonst geschehen zu lassen. Die Angeschriebenen sollen vielmehr daraus Konsequenzen ziehen und ihr eigenes Leben ebenso Christus hingeben. Ihnen ist so viel Gnade erwiesen worden. Es ist wirklich eine Zeit der Gnade, die sie nun auch nutzen sollen, indem sie ihr Leben ändern. Paulus zitiert an dieser Stelle Jes 49,8. Jetzt ist die Zeit der Rettung gekommen. Wenn uns jemand einen Rettungsring zuwirft, wäre es sehr töricht, nicht nach diesem zu greifen. So ist es Gott selbst, der den Menschen einen Rettungsring zuwirft, damit sie das ewige Leben haben. Dieser Ring sind wiederum die Werkzeuge Gottes, die Apostel und Missionare, die von der Liebe Gottes gedrängt allen Menschen das Evangelium verkünden.
Paulus bemüht sich, bei niemandem Anstoß zu erregen. Ganz konkret bedeutet das sogar, dass er selbst arbeiten geht und niemandem auf der Tasche liegt, damit sich bloß niemand darüber aufregt und von seiner verkündeten Botschaft abgelenkt wird.
Die Aufzählung verschiedenster Leidsituationen, die er daraufhin vornimmt, um zu zeigen, wie sehr die Missionare als Diener Gottes auf Gott vertrauen, ist gar nicht so weit hergeholt. Was er nämlich aufzählt, sind viele Erfahrungen, die er am eigenen Leib zu spüren bekam: Er wurde geschlagen, ins Gefängnis geworfen, war mit Arbeit überlastet, hat Nächte hindurchgewacht, lange Zeit gefastet auf den beschwerlichen Reisen, ja, er litt viel Not durch die Verleumdungen der Missgönner, die Steinigungen und Schiffbrüche. Er weiß, wovon er spricht, und das macht seine Worte so authentisch. Er spricht mit innerer Anteilnahme, nicht unbeteiligt und deshalb interessant für die Korinther. Sie wissen wohl viel von seinen Erfahrungen, da er eine lange Zeit bei ihnen gewohnt hat.
Er zählt auch Tugenden auf, die zugleich Früchte und Gaben des Hl. Geistes darstellen: Keuschheit (lautere Gesinnung), Erkenntnis, Langmut, Güte, Liebe. Wie ich in den letzten Wochen immer wieder thematisiert habe, geht es um beides: Hl. Geist und menschliches Bemühen, Hand in Hand, eine fruchtbare Synthese. Aus eigener Kraft würden Menschen wie Paulus gar nicht so lange aushalten, ohne unter der ihnen anvertrauten Last zu zerbrechen. Doch der Beistand des Hl. Geistes verleiht die Kraft, über sich selbst hinauszuwachsen.
Das Wort der Wahrheit nährt sie, der Geist ist ihre Kraft, die Waffen der Gerechtigkeit von Gott verliehen, nicht selbst geschmiedet. Sie sind ausgestattet mit der Demut, auf dass sie beides vor Gott tragen im Wissen um ihren wahren Wert – Schmähung und Ehrung, Lob und Tadel. Vor den Menschen werden sie als Betrüger verunglimpft und von der Welt abgelehnt. Zugleich wissen sie, dass sie von Gott anerkannt sind. Sie leiden viel, sodass man aus menschlicher Sicht sagen könnte, sie sind mehr tot als lebendig, doch in Gottes Augen leben sie das wahre Leben. Sie werden von der Welt in die Knie gezwungen, doch sie werden nicht vernichtet. Man kann sie äußerlich vielleicht quälen, doch in ihren Herzen bewahren sie die wahre Freude, Kinder Gottes zu sein. Diese kann ihnen keiner nehmen, denn sie ist eine Frucht des Hl. Geistes. Sie selbst mögen arm sein, doch sie machen viele reich mit der Gnade Gottes. Für sich selbst besitzen sie nichts, doch sie geben alles. Das ist das Leben eines Gottesdieners. Auf besondere Weise betrifft es jene, die um des Himmelreiches willen allein bleiben, die einen geistlichen Beruf haben – bis heute. Doch wir alle sind gewissermaßen als Getaufte zu einem solchen Leben berufen, wie Paulus es hier schildert. So wie er damit die Korinther anspricht, auf dass auch sie in ein Leben der Ganzhingabe hineinkommen, appelliert er auch an uns, alles zu geben für das Reich Gottes. So wird uns noch viel mehr zurückgegeben!
Der zweite Korintherbrief hat wie gesagt einen großen Konflikt als Kontext, deshalb erklärt Paulus so ausführlich, was seine Aufgabe ist. Was er uns allerdings erklärt, ist sehr entscheidend bis heute. Wir lernen, wie ein Geistlicher sein sollte. Was er beschreibt, hat nichts mehr mit Komfort zu tun. Doch wie viele Geistliche verharren lieber in ihrer Komfortzone, als alles zu geben? Und an alle Laien: Auch wir müssen uns heute fragen, ob wir immer unserem Sendungsauftrag gerecht werden.

Ps 98
1 Ein Psalm. Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er hat wunderbare Taten vollbracht! Geholfen hat ihm seine Rechte und sein heiliger Arm.

2 Der HERR hat sein Heil bekannt gemacht und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker.
3 Er gedachte seiner Huld und seiner Treue zum Haus Israel. Alle Enden der Erde sahen das Heil unsres Gottes.
4 Jauchzet dem HERRN, alle Lande, freut euch, jubelt und singt!

Als Antwort beten wir Psalm 98, der betitelt ist als „Neues Lied auf den Schöpfer und Richter“. Es ist für uns ein neues Lied, weil wir der neuen Schöpfung angehören durch die Taufe. Das neugeborene Gottesvolk besteht nicht mehr aus jenen, die durch ihre Abstammung dazugezählt werden, sondern aus jenen, die durch den Glauben an Jesus Christus den Bund eingegangen sind.
Gott hat bisher viele wunderbare Taten vollbracht, wie es in Ps 98 heißt. Er ist wirklich ein Gott des Heils und die gesamte Menschheitsgeschichte ist eine Heilsgeschichte. Gott hat sein Volk immer wieder gerettet aus den Klauen des Bösen mit seiner Rechten und seinem Heiligen Arm. Er hat seinen Plan immer wieder kundgetan, da er ein sich offenbarender Gott ist. Er hat dies auch vor den Augen der Völker getan, also den nichtjüdischen Menschen, die dadurch seine Größe bezeugt haben. Mit Jesus Christus hat diese Offenbarung, das heißt seine Selbstmitteilung, einen Höhepunkt erreicht. So kann man wortwörtlich sagen: Gott hat sein Heil (יְשׁוּעָתֹ֑ו  jeschuato), seinen Jesus, der Welt bekannt gemacht. Dieser ist „seine Rechte“ und „sein heiliger Arm“. Der Hl. Irenäus von Lyon hat den Sohn und den Geist als die Hände Gottes bezeichnet. Durch Christus hat Gott die Heilstaten vollbracht – sowohl die Schöpfung (deshalb nennen wir Jesus auch den Schöpfungsmittler) als auch die Erlösung. Diese Völker sind es, die aufgrund der Offenbarung Gottes zum Glauben an ihn kommen und vom Hl. Geist erfüllt werden!
„Alle Enden der Erde sahen das Heil“. Die ganze Welt sah die Heilstaten Gottes. Das betrifft die Israeliten, die aus Ägypten herausgeführt worden sind und bei den nichtjüdischen Völkern für Anerkennung gesorgt hat. Das betrifft umso mehr das ganze Erlösungsgeschehen Jesu Christi, das für eine weltweite Evangelisierung und flächendeckende Gemeindegründungen gesorgt hat. Es begann mit dem Hauptmann am Kreuz („wahrlich, dieser war Gottes Sohn“) und ging weiter bis an die damaligen „Enden der Erde“. Paulus als Heidenapostel hat einen großen Anteil daran. Und es geht bis an die heutigen Enden!
Deshalb ist auch der Anfang des Psalms so signalhaft für christliche Ohren. Es ist ein „neues Lied“, das auf den Messias hinweist und über die Rettungsaktionen Gottes am Volk Israel hinausgeht. Ganz konkret können wir hier an das babylonische Exil denken, das neben dem Exodusgeschehen bei den Nichtjuden für Anerkennung gesorgt hat.
Vor den Augen der Völker ( הַ֝גֹּויִ֗ם  hagojim, die nichtjüdischen Völker!) hat Gott schon Gericht gewirkt, indem er das unterdrückte Volk aus der Knechtschaft der Babylonier befreit hat. Er hat auch vor den Heiden die Erlösung erwirkt (die Römer staunten nicht schlecht, als das Grab leer war, und der Hauptmann kam unter dem Kreuz zum Glauben). Gott wirkt Wunder auch heute noch vor den Augen der Nichtgläubigen und benutzt uns dafür. Wir sind heute seine Hände in dieser Welt, die anderen Menschen zum Glauben an Christus verhelfen. Wie unsere Aufgabe aussieht, als Laie und als Geistlicher, das haben wir in der ersten Lesung ja ausführlich gehört. Wir sollen mit unserer Lebensführung missionarisch wirken, sowohl als Laien als auch als Geistliche. In der Taufe werden wir aus der Knechtschaft der Erbsünde, aus dem Exil der Paradieslosigkeit befreit. Am Ende der Zeiten, wenn Jesus als verherrlichter Menschensohn zurückkehrt, wird Gottes Gericht universal und für alle offenbar durchgesetzt werden. Dann wird es aber zu spät für die Umkehr sein.
Gott bleibt seinem Volk treu, auch jetzt noch. Gott hat seinen Bund mit Israel nicht zurückgenommen!
Gott bleibt auch uns treu, die wir ihm durch jede Sünde immer wieder untreu werden. So ist Gott. Er starb für uns, ohne sein Opfer davon abhängig zu machen, ob wir seine Liebe zurückgeben oder nicht.
Seine Erlösungstat ist ein Grund zur Freude. Unsere Existenz, vor allem auf die Ewigkeit hin, haben wir allein Gott zu verdanken. Diese ist uns durch die Taufe geschenkt. Dadurch sind wir als Kinder Gottes neugeboren und als Erben eingesetzt worden. Das ist jeden Tag den Lobpreis Gottes wert, auch schon hier auf Erden! Im Himmel wird es unsere ewige Beschäftigung sein.

Mt 5
38 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn.

39 Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin!
40 Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel!
41 Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm!
42 Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab!

Letzte Woche hörten wir als Evangelium immer wieder aus Bergpredigt. Jesus nimmt in diesen Abschnitten verschiedene Gebote aus dem Dekalog und beginnt immer mit „Ihr habt gehört“. Dies ist auch heute der Fall, wo Jesus die Torah anhand von weiteren Beispielen erfüllt: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn.“ Jesus zitiert hier einen Vers aus dem Bundesbuch (Ex 21,23-25). Für seine Zeit war dieses Gesetz damals sehr fortschrittlich. Es war nämlich verbreitet, für ein einziges verletztes Schaf gleich die ganze Herde des anderen zu töten, wenn nicht sogar die Familie des anderen. Mit dem Gesetz aus dem Bundesbuch „Auge für Auge“ wurde diese maßlose Rache auf genau dasselbe Maß an Schuld eingedämmt, das man dem anderen angetan hat. Es war also eine gute Sache zu jener Zeit. Aber Jesus verdeutlicht nun auf der Höhe der Zeit, als die Juden nun schon mehr verstehen, dass es nicht die Endstation ist. Man soll nicht nur nicht maßlos Rache ausüben, sondern überhaupt keine Rache.
Das verlangt Jesus jetzt nicht einfach als übertriebene und unzumutbare Forderung, sondern er tut uns Menschen damit einen Gefallen. Wir können endlich frei sein von dieser ständigen Sorge um Gerechtigkeit. Dabei sollen wir keinen Widerstand leisten und alles mit uns machen lassen. Das hat nichts damit zu tun, dass wir nichts wert sind und deshalb mit Füßen zertreten werden sollen. Das heißt, dass wir aus der Spirale der Rache und der Gewalt heraustreten. Menschen, die merken, dass wir sie nicht zurückschlagen, sondern ihnen noch unsere andere Wange hinhalten, werden überrascht sein. Sie werden sich schämen, weil sie sich dann ihrer eigenen Schlechtigkeit bewusst werden.
Dasselbe gilt auch für die Situation, in der man von jemandem angeklagt und ausgebeutet wird. Wenn man dem anderen dann noch den Rest gibt, wird er merken, was er eigentlich tut. Das alles gilt natürlich nur, wenn der Mensch auch nur das kleinste Bisschen Gewissen hat.
Jesus nennt noch weitere Bilder, um diese entlarvende Ohnmacht der Liebe herauszustellen (nicht nur eine Meile mitgehen, sondern noch eine weitere; dem anderen borgen und geben). Aber auch bei dieser Haltung muss man genau hinschauen und diese vor dem Hintergrund des Nächstenliebegebots betrachten. Das Maß an Nächstenliebe wird davon bestimmt, was ich mir selbst Gutes tun würde. Das ist nichts Anderes als die goldene Regel. Das bedeutet, dass wir bereitwillig die andere Wange hinhalten sollen, wenn es so weit kommt. Und wenn jemand uns für unseren Glauben töten will, sollen wir es zulassen. Das heißt aber nicht, dass wir das Martyrium aktiv suchen sollen, sondern auf zuerst an uns geschehenes Unrecht reagieren sollen. Wenn wir nicht alleine sind, sondern für andere Menschen Sorge tragen, ist das auch ein Faktor, der zu berücksichtigen ist: Dann können wir vielleicht unsere Wange hinhalten, aber nicht die der uns Anvertrauten. Wenn jemand also unsere eigenen Kinder oder Familienangehörigen angreift, dürfen und sollen wir sie beschützen. Denn auch Jesus sagt im Johannesevangelium: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ Umso mehr gilt dies für die eigene Familie.
Jesu Worte dringen direkt ins Herz und sind eine Herausforderung. Man wird dazu aufgefordert, zu lieben, wo es einem gegen den eigenen Strich geht, gegen das eigene Ego. Aber genau diese Art von Liebe, von Ohnmacht, von Gewaltlosigkeit entspricht dem Wesen Gottes. Die Menschen verhöhnen einen noch in der heroischen Tat des Wangehinhaltens. Wir werden dann nichts Anderes erwarten können, denn Jesus selbst ist noch am Kreuz ausgelacht worden, weil er als Messias sich nicht vom Kreuz herabgeholt hat. Und jene, die ein bisschen Wärme in ihren Herzen haben, werden von dieser entlarvenden Liebe berührt. Und wenn sie nach außen hin auch noch nichts zeigen werden, beginnt schon ein Prozess der Verwandlung in ihnen. Gott ist barmherzig und wir sollen durch unsere Hingabe und Vergebungsbereitschaft zu den verlängerten Armen der göttlichen Barmherzigkeit werden. Unser Lohn im Himmel wird groß sein, denn so wie der Vater den Sohn über alle anderen erhöht hat (Phil 2), so wird er auch uns erhöhen.

Bereits bei Paulus ist uns bewusst geworden, dass das Leben in Liebe hier auf Erden für uns Christen alles andere als Komfort bedeutet. Die höchste Form von Liebe tut weh. Es ist eine Kreuzigung unseres eigenen Egos, bis nichts mehr übrig ist. Es ist eine Armut, die nicht einmal mehr das übrig lässt, was man am Leibe trägt – ganz wie bei Jesus, dessen Gewand die Soldaten unter sich ausgelost haben. Es ist ein Ausbluten, ein Durchbohrtsein wie bei Christus. Das sieht bei uns vielleicht anders aus – wir werden nicht gekreuzigt im wörtlichen Sinne, aber im übertragenen Sinne. Da wo wir uns ganz verschenken, in Schande geraten, verlacht werden, leiden etc., alles durchmachen, was Paulus in der ersten Lesung beschrieben hat, dann sind wir Christus nahe wie nirgendwo sonst. Und wenn wir bereit sind, all das auf uns zu nehmen, wie es auch Jesus selbst im Evangelium erklärt hat, dann erben wir das Reich Gottes, dann werden wir jetzt schon überreich beschenkt mit allem Segen.

Ihre Magstrauss



Samstag der 10. Woche im Jahreskreis

2 Kor 5,14-21; Ps 103,1-2.3-4.8-9.11-12; Mt 5,33-37

2 Kor 5
14 Denn die Liebe Christi drängt uns, da wir erkannt haben: Einer ist für alle gestorben, also sind alle gestorben.
15 Er ist aber für alle gestorben, damit die Lebenden nicht mehr für sich leben, sondern für den, der für sie starb und auferweckt wurde.
16 Also kennen wir von jetzt an niemanden mehr dem Fleische nach; auch wenn wir früher Christus dem Fleische nach gekannt haben, jetzt kennen wir ihn nicht mehr so.
17 Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.
18 Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat.
19 Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat, indem er ihnen ihre Verfehlungen nicht anrechnete und unter uns das Wort von der Versöhnung aufgerichtet hat.
20 Wir sind also Gesandte an Christi statt und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen!
21 Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.

Heute hören wir wieder einen Abschnitt aus dem zweiten Korintherbrief. Die Apostel haben die Aufgabe, Versöhnung zu schaffen. Inwiefern? Es geht in erster Linie um eine Aussöhnung jedes Menschen mit Gott. Das, was die Juden am Versöhnungstag gefeiert haben – die Bitte um Vergebung Gottes und Sühnung für die Sünden – das streben jene an, die die Menschen evangelisieren. Denn dadurch nehmen die Hörer den Glauben an Christus an, lassen sich auf seinen Namen taufen und empfangen so die vollkommene Vergebung ihrer Sünden. So werden die Apostel zu Werkzeugen der Versöhnung zwischen Gott und dem Menschen immer dann, wenn der Mensch von der Botschaft berührt wird. Das ist die erste Versöhnung, um die es jedem einzelnen Menschen zuerst gehen muss.
Die Apostel haben die Aufgabe, Versöhnung zu stiften, möchten dies aber auch ausdrücklich. Es ist nicht einfach eine Pflichterfüllung, sondern sie werden gedrängt von der Liebe Christi, die sie selbst erfahren haben. Paulus hat eine beeindruckende Glaubensgeschichte hinter sich. Das möchte er weitergeben. Was Christus an ihm getan hat und was er realisiert hat – Jesus ist für Paulus ganz persönlich gestorben – das möchte er allen Menschen ermöglichen. Alle sterben – nicht nur einfach biologisch, sondern gemeint ist in der Taufe das Absterben des alten Menschen. Und davon ausgehend erfahren sie eine Auferstehung zum ewigen Leben, das sie von da an für Christus leben, nicht mehr für sich selbst. Das betrifft die Apostel, das betrifft aber auch die angesprochenen Korinther. Ab der Taufe kennen wir einander nicht mehr „dem Fleische nach“. Das heißt nämlich, dass wir von da an eine neue Schöpfung sind und zu einer geistigen Familie verbunden worden sind. Diese entstandene Familienbande hat Konsequenzen für unser Zusammenleben. Mitchristen sind nicht einfach Mitchristen, sondern meine Brüder und Schwestern, für die ich alles tun würde, auch sterben. Wenn sie leiden, leide ich mit, wenn ihnen das Kreuz zu schwer ist, helfe ich ihnen. Wenn sie vom richtigen Weg abkommen, setze ich mich dafür ein, dass sie wieder zurückfinden.
Wir müssen die ausführliche Rede von der Versöhnung wirklich ernst nehmen als eine Typologie, die uns ins alte Israel zurückführt. Es ist eine Andeutung des Versöhnungstages mit allen Riten, die dort geschehen. Wir sehen vor allem das Besprengen der Platte der Bundeslade sowie des ganzen Volkes mit dem Blut von Tieropfern zur Sühne der Sünden Israels. Wir brauchen keine Platte der Bundeslade mehr, wir brauchen keine Tieropfer mehr – Christus ist der einzig wahre Hohepriester, der durch sein eigenes Blutvergießen ein ultimatives und ewiges Jom Kippur erlangt hat, nicht nur für Israel, sondern für die Sünden der ganzen Welt. Er ist es also, der alles getan hat und das die Apostel nicht einfach selbst von sich aus neu tun. Sie verkünden dieses Heil und wenn sie die Sakramente spenden, tun sie es „an Christi statt“, als seine Hände und Füße, als sein Mund, als sein Sprachrohr. Christus ist der einzig wahre Hohepriester des Neuen Bundes. Er ist derjenige, der eigentlich alle Sakramente spendet, der allen Segen spendet, der in der Kirche lebt und wirkt durch die Kraft des Hl. Geistes. Die Geistlichen tun nämlich alles in persona Christi.
Wie schön ist es doch, mit Gott versöhnt zu sein! Wie wohltuend ist doch schon die Versöhnung nach einem Streit unter Menschen. Deshalb appelliert Paulus an die Korinther: „Lasst euch mit Gott versöhnen!“
Zum Ende hin sagt Paulus etwas, das man missverstehen kann, was aber Pauli brillanter Rhetorik zuzuschreiben ist: Der Vater hat den Sohn zur Sünde gemacht, der keine Sünde kannte. Jesus war ohne Sünde. Daran besteht kein Zweifel. Gott hat ihm nicht die Sünde auferlegt in dem Sinne, dass Jesus gesündigt hätte, obwohl er Gott ist. Vielmehr soll das heißen, dass Jesus erstens das Kreuz auf sich nahm bzw. ans Kreuz geschlagen worden ist, dem Zeichen der Sünde schlechthin. Schließlich betrifft es die Schwerstverbrecher und die Juden gingen deshalb davon aus, wie auch in Deuteronomium festgestellt: Ein Gehenkter ist ein von Gott Verfluchter. Zweitens hat Jesus die Sünde der ganzen Welt auf sich genommen. Er ist zum Sündenbock geworden, um noch einmal auf die Typologie zum Versöhnungstag Israels zurückzukommen. Dort ist ein Opfer vorgenommen worden, bei dem der Hohepriester seine Hände über ein Tier gehalten hat, bevor es in die Wüste geschickt worden ist. In dieser Geste wurden die Sünden des ganzen Volkes auf das Tier übertragen, deshalb der Begriff des Sündenbocks. Christus ist der Sündenbock des Neuen Bundes. Dadurch hat er uns vor Gott gerechtfertigt. Uns ist die Taufgnade geschenkt, das reine weiße Leinen, mit dem wir eines Tages vor Gott treten werden.

Ps 103
1 Von David. Preise den HERRN, meine Seele, und alles in mir seinen heiligen Namen!
2 Preise den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!
3 Der dir all deine Schuld vergibt und all deine Gebrechen heilt,
4 der dein Leben vor dem Untergang rettet und dich mit Huld und Erbarmen krönt,
8 Der HERR ist barmherzig und gnädig, langmütig und reich an Huld.
9 Er wird nicht immer rechten und nicht ewig trägt er nach.

11 Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, so mächtig ist seine Huld über denen, die ihn fürchten.
12 So weit der Aufgang entfernt ist vom Untergang, so weit entfernt er von uns unsere Frevel.

Der Psalm, den wir David zu verdanken haben, ist ein sehr bekannter Lobpreispsalm. Wir haben immer Grund zum Lobpreis, weil Gott uns so viel Gutes getan hat. Er vergibt uns jeden Tag, wirklich JEDEN TAG, jeden Moment unseres Lebens unsere Sünden, wo wir umkehren! Wie unendlich viel Geduld hat Gott mit uns! Schon das Volk Israel kann viele Geschichten darüber erzählen…Wie oft ist es anderen Göttern nachgelaufen, wie oft hat es undankbar gehandelt. Und doch ist Gott seinem auserwählten Volk treu geblieben, hielt sein Versprechen, seinen Bund! Wie oft hat er es zurückgeholt, in dem er eine Fremdherrschaft nach der anderen zugelassen hat! Würden wir die Kraft haben, unserem Partner zu vergeben, wenn er/sie mir fremdgegangen ist? Nichts anderes tat und tut Gott mit uns, mit seiner geliebten Braut. Mit Blick auf die Lesung müssen wir auch in den Blick nehmen, wie oft Gott dem Volk Israel die Gnade der Vergebung immer am Versöhnungstag geschenkt hat.
Auch die Kirche als Volk Gottes schaut anderen hinterher und wird untreu, wo auch immer sie der Welt gefällt, sich von Gottes Willen entfernt. Und doch bleibt Christus seiner Braut treu und hält sein Versprechen, bei ihr zu sein alle Tage bis zum Ende der Welt (Mt 28). Er kommt trotzdem in der Eucharistie zu uns und spendet auch die anderen Sakramente. Gott vergibt uns immer und immer wieder die Schuld in der Beichte, auch wenn wir immer dieselben Sünden begehen. So geduldig ist er mit uns! Er gibt uns jedes Mal auch noch die Kraft durch das Beichtsakrament, das nächste Mal der Sünde zu widerstehen. Seine Gnade kennt keine Grenzen. Seine Barmherzigkeit ist auch noch so unendlich, dass er uns sogar die Chance auf das Himmelreich gibt, wenn wir noch nicht alles gesühnt haben. Das, was wir Fegefeuer nennen, ist mit Blick auf die Ewigkeit DER Beweis seiner vergebenden Barmherzigkeit!
Gott heilt all unsere Gebrechen. Ja, er heilt in erster Linie unsere Seele, das ewige Leben. Er heilte die Beziehung zwischen seinem Volk und ihm. Diese Form von Heilung können wir mit dem Begriff der Versöhnung bei Paulus verbinden. Gott heilte auch damals schon körperliche Gebrechen und soziale Ausgrenzung. Er heilte die Seele derer, die keine Hoffnung mehr hatten und er stärkte die Ängstlichen mit dem Geist des Mutes. Gott heilte ganz besonders durch Jesus Christus. Dieser heilte in erster Linie auch die Seele und die Beziehung der Menschen zu Gott durch die Sündenvergebung. Der Gelähmte, der über das Dach auf einer Trage hinabgelassen wurde, wurde zunächst seelisch geheilt, bevor Jesus ihm als Bonus auch die körperliche Heilung schenkte. Jesus sagte: „Euch soll es zunächst um das Reich Gottes gehen, alles Andere wird euch dazu gegeben.“ Jesus heilte auch die vielen Ausgegrenzten von ihren sozialen Gebrechen, in dem er sie körperlich heilte – sei es die blutflüssige Frau, die Blinden oder die vielen Aussätzigen. Vor allem trieb er auch Dämonen aus, die den Geplagten seelische Folter bescherten.
Jesus heilt auch heute noch durch die Sakramente. Wenn Sie sich mit dem Heilungs- und Befreiungsdienst der Kirche befassen, werden Sie oft zu hören bekommen: Das größte Heilungsgebet – auch gerade um körperliche Heilung – sind die Beichte und die Eucharistie. Wenn die Beziehung zu Gott wieder versöhnt ist, kann Gottes Kraft im Menschen wirken. Gott wird auch am Ende der Zeiten alles heil machen, sodass es nicht mal mehr den Tod geben wird.
Alles, was Gott an uns Menschen tat, tut und tun wird, hat das Ziel, uns das ewige Leben zu ermöglichen. Er will uns vor dem Untergang retten. Das ist für das Volk Israel zunächst das Ende des Fortbestehens, der Generationenabfolge und des Kultes. Es betrifft später auch das Leben nach dem Tod, als die Israeliten nach und nach eschatologische Zusammenhänge begriffen. Dies betrifft den Fortgang der Kirche als Leib Christi. Jesus hat Petrus zugesagt, dass die Mächte der Finsternis sie nicht überwältigen werden. Es meint im Hinblick auf jeden Einzelnen den moralischen Untergang, der nach dem Tod dann den Untergang der Seele zur Folge hat. Er rettet uns vor dem seelischen Tod, der Hölle, in dem er uns immer wieder Anlass zur Umkehr schenkt und wir noch bis zum Moment des Todes bereuen können. Gott ist wirklich langmütig, das heißt unendlich geduldig mit uns. Sein Gericht ist kein Berechnen im Sinne von: „Dies und das hast du getan, das ergibt so und so viel Strafe.“ Er richtet vor allem nach unserem Herzen, nach unserer Absicht und diese gibt Aufschluss über die Konsequenz. Und darüber hinaus währt seine Barmherzigkeit nach dem Maß unserer aufrichtigen Reue. Es ist wirklich ein entlarvender Psalm, der nämlich das Vorurteil entkräftet, im Alten Testament komme nur der strenge Richtergott vor. Schon hier lesen wir von Gottes unendlicher Barmherzigkeit.

Mt 5
33 Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast.

34 Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron,
35 noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße, noch bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs!
36 Auch bei deinem Haupt sollst du nicht schwören; denn du kannst kein einziges Haar weiß oder schwarz machen.
37 Eure Rede sei: Ja ja, nein nein; was darüber hinausgeht, stammt vom Bösen.

Das Evangelium stellt heute wieder einige Verse aus der Bergpredigt dar. Wir hören von dem Verbot, zu schwören. Die Alten verboten den Meineid und hielten die Gläubigen zur Einhaltung von Versprechen an, was auch gut ist. Die ursprüngliche Intention dieses Gebotes bestand darin, Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit zu fördern. Das Problem ist, dass die Menschen Schwüre zunehmend inflationär gebraucht haben. Sie haben bei jeder Notlüge, die sie begangen haben, einen Schwur hinterher gesagt, um sich glaubwürdig zu machen. Das ist ein Missbrauch von Schwüren und Gelübden. Deshalb sagt Jesus, dass man gar nicht schwören soll, nicht weil Gelübde an sich schlecht sind, sondern weil man die Wahrheit sagen soll. Euer Ja sei ein Ja und euer Nein ein Nein. Es geht um Aufrichtigkeit, die schon im Herzen beginnt. Es ist wie mit der Rede von der Verstümmelung. Jesus möchte keine Selbstverletzung, er möchte auch nicht, dass jetzt keine Gelübde mehr abgelegt werden. Er möchte ein aufrichtiges Sprechen. Schwüre sind für besondere Situationen und schon gar nicht dafür, auf den Namen Gottes oder seinen Tempel etc. zu schwören, um den Namen Gottes zu verunehren. Das ist eine Sünde gegen das zweite Gebot.
Bis heute ist das Schwurverbot ja nicht absolut. Im Katechismus ist die differenzierte Sicht sehr gut zusammengefasst. Bestimmte Berufe sind ja an einen offiziellen Eid gebunden. Das widerspricht Jesu Worten in der Bergpredigt nicht. Bis heute legen Menschen Gelübde ab, gerade die Ordensgelübde sind hier zu nennen. Gelübde an sich sind wie gesagt nicht das Verwerfliche. Jesus möchte, dass wir wahrhaftig sind, aufrichtig. Er möchte, dass unser Inneres unseren äußeren Verhaltensweisen entspricht. Und wenn wir ein Versprechen abgelegt haben – vor Gott oder vor Menschen -, sollen wir dieses auch halten. Deshalb ist es wichtig, dass man sich vorher gut überlegt, was man verspricht. Wenn es von Anfang an klar ist, dass man es nicht halten kann oder wird, soll man es nicht versprechen.

Heute geht es darum, wie wir aufrichtiger werden können, damit wir mit Gott Versöhnung erlangen. Prüfen wir uns immer wieder selbst, nicht aus Skrupel, sondern um an der Liebesbeziehung mit Gott zu arbeiten. Er hat schon so viel gewirkt, damit wir überhaupt diesen Weg gehen können und zu seiner Familie gehören. Leben wir so, dass wir uns am Ende nicht schämen müssen.

Ihre Magstrauss