Samstag der 11. Woche im Jahreskreis

2 Kor 12,1-10; Ps 34,8-9.10-11.12-13; Mt 6,24-34

2 Kor 12
1 Ich muss mich ja rühmen; zwar nützt es nichts, trotzdem will ich jetzt von Erscheinungen und Offenbarungen des Herrn sprechen.

2 Ich kenne einen Menschen in Christus, der vor vierzehn Jahren bis in den dritten Himmel entrückt wurde;
3 ich weiß allerdings nicht, ob es mit dem Leib oder ohne den Leib geschah, nur Gott weiß es.
4 Und ich weiß, dass dieser Mensch in das Paradies entrückt wurde; ob es mit dem Leib oder ohne den Leib geschah, weiß ich nicht, nur Gott weiß es. Er hörte unsagbare Worte, die ein Mensch nicht aussprechen darf.
5 Diesen Menschen will ich rühmen; meiner selbst will ich mich nicht rühmen, höchstens meiner Schwachheit.
6 Wenn ich mich dennoch rühmen wollte, wäre ich zwar kein Narr, sondern würde die Wahrheit sagen. Aber ich verzichte darauf; denn jeder soll mich nur nach dem beurteilen, was er an mir sieht oder aus meinem Mund hört.
7 Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen: ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe.
8 Dreimal habe ich den Herrn angefleht, dass dieser Bote Satans von mir ablasse.
9 Er aber antwortete mir: Meine Gnade genügt dir; denn die Kraft wird in der Schwachheit vollendet. Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt.
10 Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.

In der Lesung hören wir heute die Fortsetzung der Narrenrede des Paulus. Auch hier spricht er wieder davon, dass er sich selbst rühmt wie ein Narr. Durch seine Selbstbelächelung hindurch realisiert man aber, dass es ihm darum geht, die Herrlichkeit Gottes zu offenbaren. Dadurch, dass er mit seiner Armut angibt und doch die vielen Errungenschaften seines Lebens zeigt, wird dadurch das Wirken Gottes an ihm deutlich. Das ist wahre Demut: Wir sollen nicht unser Licht unter den Scheffel stellen, sondern es allen offenbaren, damit die Menschen Gottes große Taten rühmen, um die es ja geht. Es ist ja nicht unser Verdienst, was wir alles in unserem Leben erreicht haben, sondern erstens uns geschenkt in Form von Talenten und Potenzialen, zweitens durch die helfende Gnade bei der Entfaltung dieser Potenziale. Wer sind wir, dieses Licht unter den Scheffel zu stellen? Dadurch offenbaren wir eher unseren Hochmut und die Illusion, dass es unser eigenes Verdienst sei, das wir aus vermeintlicher Bescheidenheit verbergen wollen.
Vers 2 wird in der Forschung sehr rege diskutiert: Wer ist dieser Mensch in Christus, der entweder seelisch oder in Leib-Seele-Einheit in den dritten Himmel entrückt wurde? Und was heißt „dritter Himmel“? Aufgrund der Narrenrede wird oft gemutmaßt, dass Paulus sich selbst meint, als er sich bekehrt hat oder irgendwann danach. Andere wiederum gehen von einem anderen Christen aus, denn in Vers 5 heißt es ja unter anderem, dass Paulus sich selbst nicht rühmen will, höchstens seine Schwachheit. Es ist jedenfalls ein einschneidendes Ereignis, dessen Bezeugung durch Augenzeugen fehlt. Paulus bedient sich in der Rede von verschiedenen Himmeln zeitgenössischer Jenseitsvorstellungen. Vieles spricht doch für Paulus selbst, denn er kündigt zu Anfang des Kapitels an, dass er nun über seine eigenen Offenbarungen und Erscheinungen sprechen möchte. Zudem weiß er ja nicht, ob er in seiner Ergriffenheit mit seinem ganzen Leib oder nur mit der Seele in den Himmel entrückt worden ist. Wir erinnern uns an die Johannesoffenbarung, bei der die Visionen auf dieselbe Weise beschrieben werden.
Selbstironisch sagt Paulus in Vers 6, dass er ja ein Narr sei, wenn er sich selbst rühmen würde – und macht weiter damit, um aufzuzeigen, dass er sich selbst wirklich für einen Narren hält – einen Narren für Christus.
Und doch steckt ein ernster Aspekt dahinter: Er möchte, dass die Menschen sich von seinem Verhalten überzeugen lassen, denn die Wahrheit währt am längsten. Vorwürfe von Korruption mögen noch so spektakulär klingen – es wird sich zeigen, wie unhaltbar sie sind.
Vers 7 lässt uns erkennen, dass Paulus am Anfang wohl wirklich von sich selbst schreibt. Was er erlebt und gehört hat (die unsagbaren Worte, auf die er auch nicht näher eingeht), soll ihn nicht überheblich machen. Deshalb lässt Gott einen Stachel im Fleisch des Paulus zu. Auch dies wird ausführlich diskutiert. Ist damit ein körperliches Leiden gemeint, eine chronische Krankheit? Oder ist damit eine Umsessenheit gemeint, wie wir sie von besonders großen Heiligen kennen? Bei Pater Pio ließ Gott ja sogar zu, dass der Böse mit dem Heiligen physisch kämpfen musste. Die Frage ist also, ob in diesem rhetorisch sehr bildhaften Kontext eines Briefes diese Worte wörtlich oder im übertragenen Sinne zu verstehen sind. Im ersten Fall würde es sich wirklich um eine dämonische Beeinträchtigung handeln, im zweiten Fall um eine Krankheit. So oder so wird Paulus in seinem Leben beeinträchtigt und immer wieder mit seiner Schwachheit konfrontiert. Paulus hat den Herrn dreimal um Befreiung gebeten, doch da es der Wille Gottes ist, dass Paulus dieses Leiden trägt, ist er nicht davon befreit bzw. geheilt worden. Die entscheidende Bedeutung von Leiden ist uns schon in den gestrigen Lesungen vor Augen geführt worden. Wer wirklich Frucht bringen will, muss und wird irgendwann für diese Sache leiden und sühnen. Es geht nicht ohne das Kreuz.
Gott möchte dieses Leiden nicht von Paulus nehmen und Paulus begreift selbst, dass Gott seine Schwäche möchte. Paulus soll verstehen, dass er ganz auf die Gnade Gottes angewiesen ist. Und so rühmt er sich gerne seiner Schwachheit. Paulus ist next level. Er duldet nicht einfach nur sein Leiden, sondern er nimmt es gerne und bereitwillig an. Er trägt es sogar in Freude, weil er weiß, dass in seiner Vulnerabilität die Gnade Gottes aufleuchtet. In seiner Schwachheit ist er stark, weil dann die Gnade Gottes erst recht zu arbeiten beginnt. Gottes Herrlichkeit strahlt auf, wo die menschliche Grenze erreicht ist.

Ps 34
8 Der Engel des HERRN umschirmt, die ihn fürchten, und er befreit sie.
9 Kostet und seht, wie gut der HERR ist! Selig der Mensch, der zu ihm sich flüchtet!
10 Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen; denn die ihn fürchten, leiden keinen Mangel.
11 Junglöwen darbten und hungerten; aber die den HERRN suchen, leiden keinen Mangel an allem Guten.
12 Kommt, ihr Kinder, hört mir zu! Die Furcht des HERRN will ich euch lehren!
13 Wer ist der Mensch, der das Leben liebt, der Tage ersehnt, um Gutes zu sehen?

Heute beten wir wieder aus dem Lobpreispsalm 34, mit dem wir Gottes große Taten rühmen, jedoch andere Verse als gestern.
„Der Engel des HERRN umschirmt, die ihn fürchten, und er befreit sie.“ Er hat die Apostel befreit und beschützt, davon lesen wir sehr oft in der Apostelgeschichte und auch in den Paulusbriefen. Weil die Apostel, die Heiligen, alle gottesfürchtigen Christen Gott fürchten und sich ganz seinem Willen unterstellen, stehen sie unter dem besonderen Schutz Gottes. Selbst wenn die Heiligen leiden müssen und der Böse sie in die Knie zwängt, lässt Gott nicht zu, dass sie zerstört werden. Äußerlich mag der Böse sie quälen, doch Gott hütet ihre Herzen wie seinen Augapfel.
„Kostet und seht, wie gut der HERR ist! Selig der Mensch, der zu ihm sich flüchtet!“ Dieses Schriftwort wird vom Priester sehr oft direkt vor dem Kommunionempfang gebetet, also eucharistisch ausgelegt. Ja, wir können kosten, wie gut der HERR ist, wenn wir ihn in uns aufnehmen und uns mit ihm vereinen. Er ist wie Balsam für unsere Seele und umhüllt uns ganz mit seiner Liebe und Barmherzigkeit. Dann ist es wirklich ein Zufluchtnehmen im Meer seiner Barmherzigkeit, ein Eintauchen in den tiefsten Grund seines für uns durchbohrten Herzens, das wir jetzt im Juni ja so sehr verehren.
Wer Gott fürchtet, erleidet keinen Mangel. Das ist im Grunde, was Jesus den Menschen durch das Wort erklärt: Suchet zuerst das Reich Gottes, alles andere wird euch dazugegeben. Das Reich Gottes, Gott selbst, zu suchen, ist genau so eine gottesfürchtige Haltung. Wer Gott zu seiner Nummer eins macht, dem wird Gott alles in Überfülle schenken.
Gott gibt dem Menschen dann alles Gute, was er braucht. Das nennen wir auch Segen.
Das Entscheidende ist die Gottesfurcht und deshalb will König David sie die Menschen lehren. Sie ist eine Haltung, bei der uns immer am Herzen liegt, Gott nicht zu beleidigen, zu ihm eine gute Beziehung zu haben. König David selbst hat stets an der Gottesbeziehung gearbeitet und von dieser Beziehung her die Gebote Gottes gehalten. Das ist für seine Zeit sehr fortschrittlich und das muss Jesus dann den Menschen seiner Zeit wieder neu vor Augen führen.
Wenn auch wir heutzutage die Tage ersehnen, an denen wir Gutes sehen, müssen auch wir zu einer gottesfürchtigen Haltung zurückkehren. Diese fehlt heute ganz und gar. Die Menschen, die sich am meisten mit Gott beschäftigen, erheben sich über ihn. Sie halten sich für die Herren und Gebotegeber. Ich spreche in erster Linie über meine eigene Berufsgruppe. Wie sehr benötigt doch die Theologie eine Rückkehr zum Kniefall! Wie sehr sitzen eben jene auf dem hohen Ross, die meinen, von Gott besonders viel begriffen zu haben. Und doch haben sie am wenigsten verstanden. Beten wir um die Gottesfurcht besonders in der Theologie, aber auch in den Ortskirchen, in den Familien, in unseren Herzen. Von dort ausgehend kann der Herr das Antlitz der Erde verwandeln – durch die Kraft des Hl. Geistes.

Mt 6
24 Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

25 Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen oder trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt! Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?
26 Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?
27 Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Spanne verlängern?
28 Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien des Feldes, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht.
29 Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen.
30 Wenn aber Gott schon das Gras so kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen in den Ofen geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!
31 Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen?
32 Denn nach alldem streben die Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht.
33 Sucht aber zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit; dann wird euch alles andere dazugegeben.
34 Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug an seiner eigenen Plage.

Auch das Evangelium führt uns die absolute Radikalität von Treue vor Augen, die Jesus in der Bergpredigt verkündet.
Es ist unmöglich, zwei Herren zu dienen. Man kann nicht gleichzeitig Gott dienen und dem Widersacher mit seinen Verführungen. Der Mammon, von dem Jesus hier spricht, meint das Geld bzw. den irdischen Reichtum allgemein.
Die Menschen sollen arm vor Gott sein, das bedeutet vor allem die Einstellung: Sie sollen sich nicht um ihr Leben sorgen, sondern Gott vertrauen, der ihnen alles Notwendige an Lebensmitteln gibt. Er ist es auch, der sie mit Kleidung versorgen wird. Ganz in der Tradition der weisheitlichen Schriften des Alten Testaments bringt Jesus bei seiner Predigt Beispiele aus der Natur. Die Vögel leben vor sich hin, ohne sich um Ernte und Vorräte sorgen zu machen. Und doch versorgt Gott sie Tag für Tag. Warum sollte Gott es den Menschen nicht mindestens gleichtun, die noch viel mehr wert sind als die Vögel? Durch die übertriebene Sorge kann der Mensch sich sein Leben kein bisschen verlängern. Sorge ist wie ein Schaukelstuhl. Man arbeitet und verausgabt sich von den Kräften her, wenn man auf ihm schaukelt, doch man kommt kein bisschen mit ihm voran. Dasselbe gilt für den Vergleich mit einem Hamsterrad oder Laufband.
Jesus greift als weiteres Beispiel die Lilien auf, die in ihrer Schönheit von Gott gekleidet werden und darin König Salomo, den reichsten und prachtvollsten König übertreffen. Sie haben ihre Schönheit von Gott geschenkt bekommen. So sollen sich die Menschen keine Sorgen um ihre Kleidung machen.
Bei diesen beiden Aspekten – Sorge um Nahrung und um Kleidung – geht es nicht darum, dass man überhaupt keine Gedanken daran verschwenden soll, sondern um die übertrieben ängstliche Haltung, die ein Misstrauen gegenüber Gott impliziert. Gott ist es letztendlich, der uns die Gesundheit schenkt, arbeiten zu gehen und Geld zu verdienen. Er ist es, der uns eine Arbeitsstelle schenkt, der uns eine friedliche Gesellschaft bereitstellt, in der wir genug einkaufen können. Alles hängt von Gottes Segen ab. Und weil er uns Menschen so sehr liebt, sorgt er für uns. Wichtig ist dabei unsere Haltung: Wenn es uns darum geht, alles selbst in die Hand zu nehmen und dem Wirken des Geistes keinen Spielraum mehr zu lassen, dann zieht sich Gott auch zurück. Wenn wir ihn aber in unser Leben einladen und uns ganz und gar um das Reich Gottes kümmern, dann wird Gott unsere Haltung ganz ernst nehmen und alles, wirklich alles schenken, was wir brauchen.
Jesus sagt also nicht, dass wir überhaupt keine Sorge haben sollen, denn wir sind ja für unser Leben und auch das unserer Mitmenschen verantwortlich. Doch wir sollen nicht übertriebene Angst und Grübelei an den morgigen Tag verschwenden, weil diese Haltung von mangelndem Gottvertrauen zeugt.

Die Haltung, die Jesus hier beschreibt, ist ein Leben in Gottes Geborgenheit. Wer ihm ganz vertraut, springt für ihn gerne ins Ungewisse, weil Gott den Menschen auffängt. Gottes Segen können wir aber nur haben, wenn wir ihm treu sind und uns ganz von seiner Gnade abhängig machen. Letztendlich sind wir alle schwach, arm und erlösungsbedürftig. Ohne seine Gnade kommen wir nicht weit. Danken wir dem Herrn, dass er uns immer wieder stärken möchte.

Ihre Magstrauss

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